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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Labkraut bei Maria Treben

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Maria Treben (1907 – 1991) war eine österreichische Kräuterbuch-Autorin, die offensichtlich überzeugt davon war, für jede Krankheit eine hilfreiche Heilpflanze zu kennen. Das ist ein starkes Angebot für alle Kranken und solche, die es werden könnten. Es ist daher wenig überraschend, dass Trebens Buch „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ in mehr als 20 Sprachen herausgegeben wurde und eine Gesamtauflage von über acht Millionen Exemplaren erreichte.

Die Ratschläge Maria Trebens sind inzwischen auch reichlich ins Internet gewandert. So findet man dort Listen zu den von Treben empfohlenen Anwendungsgebieten verschiedenen Heilpflanzen. Beim Labkraut beispielweise sieht eine solche Aufstellung so aus:

Belegte Zunge, Bleichsucht, Epilepsie, Furunkel, Gebärmutterbeschwerden, Geschwüre in der Mundhöhle, Geschwüre (bösartige), Gesichtshaut (welke), Grieß- und Steinbeschwerden, Hauterkrankungen, Hautflecken, Hautknötchen, Hautkrankheiten (chronische), Hautleiden (krebsartiges), Hysterie, Knoten, Kropfbildung, Kropfleiden, Lymphdrüsenstörung, Magensäure (zuviel),

Mandelentzündung, Mitesser, Mundgeruch, Nasenschleimhaut-Absonderung, Nervenleiden, Niereneiterung, Nierengrieß und Nierensteine, Nierenleiden, Nierenschrumpfung, Schilddrüsenerkrankung, Seitenstechen

Steinbildung, Stimmbänderlähmung, Tumore, Urinverhaltung, Veitstanz, Wassersucht. Wunden, Zunge (belegte), Zungenerkrankung, Zungenkrebs.

Für keine dieser Empfehlungen gibt es fundierte Belege oder auch nur schon plausible Argumente.

Daher stellt sich die Frage, wie eine solche Indikationslyrik zustande kommt.

Am Ursprung einer solchen ausufernden Liste steht wohl meistens das intensive Bemühen, alle möglichen Hinweise auf eine Wirksamkeit zusammenzutragen, ohne sie einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Dabei bleibt es in der Regel bei der Übernahme von ungeklärten Anekdoten.

Eine kritische Prüfung würde mindestens folgende Punkte berücksichtigen:

1. Den Einfluss des Placebo-Effekts.

2. Die Regression zur Mitte

Gerade bei chronischen Krankheiten gibt es häufig einen schwankenden Verlauf, wobei jede Besserung dem angewendeten Mittel gutgeschrieben wird, obwohl sie mit grosser Wahrscheinlichkeit einfach dem natürlichen Verlauf entspricht. Das ist der Regression-zur-Mitte-Irrtum.

3. Die Tatsache, dass die meisten Erkrankungen von selber bessern und dass im Einzelfall nicht zu unterscheiden ist, ob für eine Besserung der natürliche Verlauf (Selbstheilungskräfte) oder die therapeutische Intervention verantwortlich ist.

4. Die immer mögliche und häufig vorkommende (Selbst)Täuschung der Erfahrung.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

 

Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Warum wir gesund werden (Artikel in der Zeitschrift „Natürlich“)

 

In der Liste mit den Treben-Empfehlungen fallen vage Krankheitsbilder auf. Sie sind ein untrübliches Zeichen für fragwürdige, ungeklärte und unreflektierte Heilungsversprechungen. Beispiele: Gebärmutterbeschwerden, Hauterkrankungen, Knoten, Lymphdrüsenstörung, Nervenleiden, Schilddrüsenerkrankung, Nierenleiden, Wassersucht….

Es gibt beispielsweise ganz verschiedenartige Gebärmutterbeschwerden oder Schilddrüsenerkrankungen. Labkraut hilft in jedem Fall? Egal welche Ursache den Beschwerden zugrunde liegt? Kaum denkbar.

Und eine „Niereneiterung“ mit Labkraut behandeln zu wollen ist nicht nur abenteuerlich, sondern grob fahrlässig. Das gleiche gilt für „Hysterie“ – ganz abgesehen von der fragwürdigen Begrifflichkeit.

Es braucht meines Erachtens mehr kritische Auseinandersetzung bei diesen Themen – sonst werden Patientinnen und Patienten auf Holzwege geführt. Die ungeprüfte Weiterverbreitung von derart fragwürdigen bis fahrlässigen Empfehlungen im Internet oder in Kursen ist unverantwortlich.

Aber es ist natürlich vollkommen unattraktiv zu sagen, dass bezüglich der Wirksamkeit von Labkraut keine glaubwürdigen Erkenntnisse vorliegen. Das will im Grunde genommen kaum jemand hören. Viel toller ist es, wenn man eine Liste mit einer ganzen Reihe von schweren Erkrankungen präsentiert, bei denen Labkraut angeblich helfen soll. Das macht Eindruck…..

Aber fragen Sie sich selbst: Ist es Ihnen letztlich nicht lieber, wenn Sie reinen Wein eingeschenkt bekommen, als wenn Ihnen schöne Geschichten aufgetischt werden? – Es ist einfach die reifere Variante.

Untersucht wurden beim Echten Labkraut (Galium verum) im übrigen sehr wohl die Inhaltstoffe. Gefunden wurden dabei unter anderem Iridoide, Flavonoide (z. B. Rutin), Anthracenderivate, Kaffeesäureester (Chlorogensäure) und Enzyme (Labenzym).

Das Vorhandensein solcher Inhaltsstoffe sagt aber noch nichts Gesichertes darüber aus, ob damit auch eine Wirksamkeit beim Menschen erreicht werden kann.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Placebo-Effekt bei Tieren? Kommt selbstverständlich vor!

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Dieses Argument kommt häufig auf den Tisch in Diskussionen rund um Alternativmedizin und Komplementärmedizin:

„Präparat X wirkt auch bei Tieren. Das beweist, dass es nicht nur ein Placebo ist.“

So beispielsweise hier in einem Artikel der „Südwest Presse“ über Homöopathie bei Tieren:

„Einem Vorurteil sieht sich die Homöopathie immer wieder ausgesetzt: Die vermeintliche Heilung sei eingebildet, ein reiner Placebo-Effekt. Über die Wirkung bei Tieren lässt sich in diesem Fall jedoch kaum streiten: Sie können keinem Placebo-Effekt unterliegen.“

Quelle:

http://www.swp.de/ehingen/lokales/ehingen/Print-Homoeopathie-Tieraerztin-Heilung-Placebo-Konservative-Medizin-versus-Homoeopathie-bei-Tieren-Sanfte-Heilung-durch-Natur;art4295,2836442

Kommentar & Ergänzung:

Unabhängig davon, ob das „Präparat X.“ tatsächlich wirksam ist oder nicht: Als Argument ist diese Aussage sehr schwach und zeugt zudem von mangelndem Wissen bezüglich dem Placebo-Phänomen:

1. Der Placebo-Effekt ist nicht gleichzusetzen mit „Einbildung“, wie es die Formulierung der „Südwest Presse“ suggeriert. Der Placebo-Effekt ist viel vielschichtiger und komplexer.

2. Placebo-Effekte gibt es auch bei Tieren und sie sind schon seit vielen Jahren gut dokumentiert.

Alexandra Freismuth schreibt dazu in ihrer Dissertation zum Thema „Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie zur Wirkung von Vitamin E und Selen auf die Muskulatur von Sportpferden (München 2004):

„Der Placeboeffekt spielt in der Tierarztpraxis eine große Rolle, obwohl sich dessen viele Tierärzte nicht bewusst sind.

Als PESUT 1983 einen Artikel über Placebos in der Tiermedizin verfasste, stellte er fest, dass es eigentlich keine Literatur darüber gab. Er war sich jedoch sicher, dass die meisten Tierärzte über den Gebrauch des Placebos in der Humanmedizin Bescheid wussten, selbst Placebos einnahmen oder sogar Patienten damit behandelten, bewusst oder unbewusst (PESUT, 1983).

In der Tiermedizin existiert jedoch häufig die Ansicht, dass es den Placeboeffekt beim Tier überhaupt nicht geben würde, da bei Tieren im Gegensatz zum Menschen keine subjektive Beeinflussung durch den Therapeuten möglich wäre, und Tiere damit auch keine Erwartungshaltung an die Verabreichung eines Placebos knüpfen könnten. Tiere sind jedoch sehr wohl in der Lage, durch Maßnahmen des Menschen im Sinne einer Placebowirkung zu reagieren, was durch zahlreiche experimentelle und klinische Untersuchungen gezeigt werden konnte. Tiere reagieren auf jede Veränderung in ihrer gewohnten Umgebung oft sehr viel empfindlicher als der Mensch. Das Fixieren von Versuchstieren für Applikationen führt zu Stress- bedingten Veränderungen zahlreicher Transmitter-, Hormon- und Mediatorsysteme, was Arzneimittelwirkungen simulieren, potenzieren oder auch maskieren kann. In der experimentellen Pharmakologie muss deshalb jede Arzneimitteluntersuchung placebokontrolliert durchgeführt werden, das heißt die Versuchstiere müssen den Arzneiträger in der gleichen Menge und mit der gleichen Applikationsart bekommen wie die mit Arzneimittel behandelte Gruppe, um Rückschlüsse auf die Wirkung des Arzneimittels zu bekommen. Im klinischen Bereich muss zwischen einer direkten Placebowirkung auf das Tier durch die Handlungen des Tierarztes und die damit verbunden Reaktionsänderung und Erwartung des Tieres und dem Einfluss des Besitzers unterschieden werden.

Jede mit Angst, Schmerz oder Stress verbundene Maßnahme am Tier führt zu einer unspezifischen Aktivierung endogener Prozesse, was den natürlichen Verlauf einer Erkrankung beeinflussen kann. Der Einfluss des Besitzers auf den Behandlungserfolg hat objektive und subjektive Aspekte. Der Besitzer wird oft dem kranken Tier mehr Aufmerksamkeit widmen als dem gesunden Tier, was die Wirkung beeinflussen kann (LÖSCHER und RICHTER, 1999).

Nach PESUT stellt sich hier die Frage, wer nun behandelt wird das Tier oder der Besitzer. Oft erwarten die Tierbesitzer auch, dass das Tier eine Injektion, Tabletten oder eine Salbe zum Auftragen erhält. Tierärzte, die in dieser Situation nichts spritzen oder keine Medikamente zur Behandlung abgeben, laufen Gefahr einen Kunden zu verlieren.

In der Humanmedizin hat der Kinderarzt ein ähnliches Problem. Er behandelt einen viralen Infekt eines Kindes auf das Drängen der Eltern mit Antibiotika, obwohl keine Sekundärinfektionen vorliegen.

Diese Problematik entsteht hauptsächlich dadurch, dass Patienten für jedes Symptom eine Behandlung erwarten (WEISS, 1990).

Es ist jedoch die Frage, ob die Tiere wirklich auf das Placebo oder auf die Veränderung im Verhalten des Menschen reagieren. Hat ein Tier eine sehr enge Beziehung zu seinem Besitzer wird es ihm sicherlich gut tun, wenn der Besitzer ihm mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Auch werden, sobald ein Tier erkrankt ist, oft schlechte Haltungsbedingungen verbessert, die vielleicht die Krankheit mit verursacht haben.

Seit den Versuchen von Pawlov an Hunden ist bekannt, dass sich Placeboeffekte beim Tier auch durch Konditionierung über bedingte Reflexe erreichen lassen. Dieselben Beobachtungen wurden bei Versuchen an Ratten gemacht, die durch eine Reihe von Scopalamin Injektionen konditioniert wurden und anschließend nach der Injektion von Kochsalz ähnliche Reaktionen zeigten (HERRNSTEIN, 1962; PESUT und KOWALCZYK, 1983).“

Quelle: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/3248/1/Freismuth_Alexandra.pdf

 

Der Placeboeffekt bei Tieren belegt ja gerade, dass Tiere auf Massnahmen reagieren und keine Maschinen sind. Wie also, ums Himmels Willen, kann man das ausblenden?

Im Übrigen kann ein Placebo-Effekt nicht nur bei den behandelten Tieren auftreten, sondern auch bei den Halterinnen und Haltern. Und die sind es ja hauptsächlich, die einen Behandlungserfolg beurteilen.

Weitere Infos zum Thema Placeboeffekt bei Tieren in der „Zeit“, im „Spiegel“ und auf „Scienceblogs“.

3. Tiere haben Selbstheilungskräfte, genauso wie auch Menschen. Wer krank ist, ein Heilmittel einnimmt und dann gesund wird, kann noch nicht daraus schliessen, dass die Besserung durch das Heilmittel bewirkt wurde. Die meisten Krankheiten und Beschwerden, das ist eine altbekannte Tatsache, bessern nämlich auch von selbst.

Und bei chronischen Erkrankungen gibt es oft einen schwankenden Verlauf, was dazu verleiten kann, natürlicherweise vorkommende Besserungen der Therapie zuzuschreiben.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

 

Täuschende Erfahrungen

Aus diesen Gründen täuscht uns unsere Erfahrung oft.

Das hat schon der Philosoph und Psychiater Karl Jaspers (1883 – 1969) beschrieben:

„Man weiss, wie schwer in vielen Fällen der Beweis des Heilerfolgs ist. Aus einem einzelnen Fall ist nur ein Eindruck, kein Beweis möglich. Der Fehlschluss: post hoc ergo propter hoc täuscht nur allzu leicht.

Der objektive Beweis dagegen ist zu führen aus physiologischer Erkenntnis des Kausalzusammenhangs und durch Statistik, nicht aber durch das allgemeine: Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Jeder Arzt weiss, welche Rolle Suggestionen, Besserungen von Beschwerden durch ermutigende Stimmung, Schwankungen des Krankheitsverlaufs, periodische Veränderungen des Gesamtzustandes, die Cyclothymien u. a. spielen.

Wir sind in der Medizin oft Täuschungen erlegen infolge allgemein herrschender wissenschaftlicher Auffassungen und verbreiteter Meinungen. Es scheint zuweilen dem Strom solchen Meinens gegenüber das einfache, durchschlagende Gegenargument machtlos, das dann doch im Laufe der Zeit zur Geltung kommt.“

(Aufsatz „Arzt und Patient“, in: Karl Jaspers, Wahrheit und Bewährung, Serie Piper 1983).

Es braucht sehr viel Sorgfalt, um aus „Erfahrungen“ fundierte Schlüsse zu ziehen.

Siehe:

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung 

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung 

„Präparat X. wirkt auch bei meiner Katze, daher ist es wirksam und nicht nur ein Placebo“ – solche Aussagen sind nicht überzeugend:

Sie blenden aus, dass auch in der Tierheilkunde Placeboeffekte auftreten und auch Tiere Selbstheilungskräfte haben.

Erst wenn diese beiden Aspekte mitberücksichtigt werden, können fundiertere Schlüsse aus Erfahrungen gezogen werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Placebo wirksam gegen Ekel und Angst

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Zahlreiche Menschen leiden an Phobien, also an extremen Ekel- oder Angstreaktionen. Ein Experiment belegt nun: Bereits eine harmlose Pille ohne jeden Wirkstoff kann gegen diese Gefühle wirksam sein. Das Scheinmedikament lindert die negativen Reaktionen deutlich und verändert auch die Wahrnehmung und die Gehirnaktivität. Diese Erkenntnis liefert wertvolle neue Ansätze für Behandlungsmöglichkeiten bei Phobien.

Abwehrreaktionen gegen Fäkalien, Spinnen und Blut – die „Ekel-Top 3“ –  sind bis zu einem gewissen Grad natürlich. Verbindet sich die Abscheu jedoch mit Angst und nimmt exzessive Ausmaße an, kann das zu einer Phobie führen, die das ganze Leben beherrscht.

Das kann die Lebensqualität reduzieren und mitunter auch psychische Störungen auslösen. Anne Schienle von der Karl-Franzens-Universität Graz konnte nun in einer Studie zeigen, dass der Schlüssel dazu im Gehirn sitzt – und das bereits ein Placebo genügt, um Angst und Ekel zu überwinden.

Wirkstofflose Pille vermindert Ekelgefühle

An der Studie beteiligten sich 34 Frauen mit überdurchschnittlicher Ekelempfindlichkeit. Ihnen wurde gesagt, sie erhielten Angostura, ein altes südamerikanisches Heilmittel gegen Ekelsymptome wie Übelkeit und Erbrechen. Tatsächlich bekamen sie aber Pillen mit reiner Kieselerde – und damit ein Placebo. Erstaunlicherweise empfanden alle Teilnehmerinnen in den Tests nur noch halb so viel Abscheu wie vor der vermeintlichen Angostura-Behandlung.

„Wir konnten eindeutige Veränderungen der Gehirnaktivität und des Zusammenspiels einzelner Gehirnareale feststellen“, erläutert die Psychologin. Auch visuelle Verarbeitungsregionen seien von Veränderungen betroffen gewesen. Gemäss Schienle sollen die Probandinnen die vorgeführten Ekel-Bilder tatsächlich anders gesehen haben.

Die Resultate der Untersuchung könnten wichtige Ansätze für neue Therapiemöglichkeiten liefern. Gezielte Placebos könnten zum Beispiel als erster Schritt in Psychotherapien zur Anwendung kommen. Der Effekt könnte dann dazu beitragen, den Patienten nach der entsprechenden Aufklärung ihre Selbstheilungskräfte zu veranschaulichen.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-16337-2013-06-28.html

Karl-Franzens-Universität Graz

Kommentar & Ergänzung:

Mit Placebo-Effekten lassen sich selbstverständlich nicht alle Krankheiten heilen, aber es ist immer wieder erstaunlich, welche Wirkungen sie auslösen können.

Placebo-Effekte gibt es im übrigen auch bei Tieren und Kleinkindern und es ist nicht nötig, dass man an einen Mittel glaubt, um einen Placebo-Effekt zu bekommen.

Selbst wenn die Patientinnen und Patienten wissen, dass sie ein Placebo bekommen, ist noch ein Effekt feststellbar.

Siehe dazu:

Placebo wirkt auch wenn man weiss, dass man ein Scheinmedikament nimmt

Placebo auch ohne Täuschung wirksam

Überraschender Placebo-Erfolg bei Schmerztherapie

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Studie stellt Beurteilung der Lebertoxizität von Pflanzenextrakten in Frage

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In den letzten Jahren gab es immer wieder Diskussionen über mögliche Lebertoxizität von Heilpflanzen. Beispielsweise bezüglich Kava-Kava oder Umckaloabo.

Siehe dazu:

Leberschäden durch Umckaloabo?

Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik

Umckaloabo®: Leberschäden unwahrscheinlich

Das Thema potenzieller Lebertoxizität ist nicht einfach.

Einerseits gehört es zum sorgfältigen Umgang mit Heilpflanzen, dass man sich auch mit allfälligen Risiken auseinandersetzt.

Andererseits sollten aber Risiken auch nicht unnötigerweise aufgebauscht werden. Was meinem Eindruck nach nicht selten vorkommt.

Eine interessante Studie aus Frankfurt hat nun überprüft, wie zuverlässig die bisherigeBeurteilung der Lebertoxizität von Pflanzenextrakten ist.

Die Studie unter Beteiligung des Frankfurter Universitätsklinikums belegt, dass die gängigen Algorithmen, mit denen leberschädigende pflanzliche Substanzen identifiziert werden, nicht zuverlässig sind. Publiziert wurde die Studie im März im Fachmagazin „Expert Opinion on Drug Safety“.

Die Leber wird oft durch Nahrungsbestandteile, Arzneimittel, Gifte oder Infektionen beeinträchtigt. Die Identifizierung solcher Stoffe ist jedoch nicht immer zuverlässig.

Um die Qualität der Einschätzungen zu prüfen, haben sich die Wissenschaftler publizierte Fälle angeschaut, in denen ein bestimmter Pflanzenextrakt als Auslöser für Leberschäden angegeben wurde. Die Wissenschaftler kamen dabei zum Schluss, dass viele Beurteilungen fehlerhaft sind. So wurden zum Teil falsche Substanzen als problematisch bewertet, während wirklich schädliche möglicherweise unentdeckt geblieben sind.

Ursachenzusammenhänge sind schwierig einzuschätzen

Die ersten charakteristischen Anzeichen einer Leberschädigung – das Ansteigen der Serumkonzentrationen von Leberenzymen – sind sehr unspezifisch. Sie kommen so oft vor, dass sie nur als Indikatoren nützlich sind. Die Bandbreite der Auslöser für einen solchen Anstieg reicht von Infektionen über Entzündungen, Stoffwechselstörungen, Ernährungsbesonderheiten, Gallensteinen und Giften bis zur Medikamenteneinnahme. Um zu belegen, dass ein Arzneimittel oder ein Pflanzeninhaltsstoff für einen Leberschaden verantwortlich ist, genügt ein einfacher zeitlicher Zusammenhang nicht. Eine gute Bewertung verlangt zusätzlich den Ausschluss von anderen Ursachen. Diese Prüfungen nennt man Kausalitätsbewertungen.

Eine gute Grundlage, um ein Pflanzenpräparat vom Markt zu nehmen oder ergänzende Gebrauchseinschränkungen in der Packungsbeilage zu machen besteht dann, wenn gut belegte Fälle eines gesicherten oder sehr wahrscheinlichen Zusammenhangs zwischen dem spezifischen Produkt und einer Leberschädigung bekannt sind. Wenige, aber gut belegte Fälle seien dabei aussagekräftiger als eine große Anzahl von unzuverlässig bewerteten Fällen, erläutert Prof. Johannes Schulze vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt und einer der Autoren der Studie. Fehleinschätzungen wiederum können ernsthafte Konsequenzen haben. Im schlimmsten Fall werde dabei eine lebertoxische Substanz übersehen, in der falschen Annahme, die ursächliche Substanz gefunden zu haben. Die nicht erkannte Gefährdung bestehe dann weiter, warnt Prof. Schulze.

Studie stellt gegenwärtigen Prüfverfahren schlechtes Zeugnis aus

Die jetzt publizierte Studie kommt zu dem Resultat, dass bei den untersuchten Fällen zahlreiche Fehleinstufungen vorlagen, häufig wegen ungenauer Beschreibungen oder einer unvollständigen Präsentation der Datenlage. Alternative Auslöser wie Hepatitis oder Alkoholmissbrauch wurden nur unvollständig oder gar nicht ausgeschlossen. Die publizierten Schlussfolgerungen zur Kausalität waren in zahlreichen Fällen nicht nachvollziehbar. In Einzelfällen liess sich der angeblich erkannte Zusammenhang sogar ausschliessen.

Empfehlung für zuverlässigere Tests

Die Autoren zeigen in der Studie auch, wie sich die Beurteilungen verbessern lassen. Die Beurteilung von leberschädigenden Substanzen soll durch ein nachvollziehbares Verfahren geschehen. Sie empfehlen dazu einen als CIOMS-Skala bezeichneten Algorithmus, der von jedem Arzt auch selbstständig angewendet werden kann. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, eine Kausalitätsbewertung durch das Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt vornehmen zu lassen.

Die Studie:

Rolf Teschke, Alexander Schwarzenboeck, Axel Eickhoff et al.

Clinical and causality assessment in herbal hepatotoxicity. Expert Opinion on Drug Safety, posted online on March 5th 2013, doi:10.1517/14740338.2013.774371

Quelle:

Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=40258

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist die Kausalitätsbewertung. Hier geschieht oft eine Verwechslung von Korrelation mit Kausalität

Wenn 100 000 Menschen ein synthetisches oder pflanzliches Medikament X nehmen, dann wird ein gewisser Prozentsatz dieser Menschen innert eines Jahres eine Lebererkrankung bekommen, einfach deshalb, weil von 100 000 Menschen innert eines Jahres dieser Prozentsatz eine Lebererkrankung bekommt. Es besteht nun aber ein durchaus reales Risiko, dass ungerechtfertigterweise das Medikament für die Lebererkrankung verantwortlich gemacht wird. Das Zusammentreffen (die Korrelation) der Medikamenteneinnahme und der Lebererkrankung ist in diesem Fall zufällig, nicht kausal in dem Sinne, dass das Medikament die Ursache der Lebererkrankung ist.

Wird Korrelation irrtümlich als Kausalität eingestuft, haben wir es mit einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss zu tun, und den zu verstehen und zu vermeiden kann ziemlich wichtig sein  Leben.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss

Ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss liegt aber nicht nur vor, wenn einem Medikament wie oben geschildert ungerechtfertigterweise eine unerwünschte Nebenwirkung zugeschrieben wird, sondern auch, wenn einem Medikament ungerechtfertigterweise eine erwünschte Wirkung zugeschrieben wird.

Beispiel: Ich bin krank, ich nehme ein Heilmittel XY, ich werde gesund. Schlussfolgerung: Heilmittel XY hat mich gesund gemacht. Das kann stimmen. Dann liegt Kausalität vor. Oder es kann nicht stimmen, weil andere Faktoren wie beispielsweise meine Selbstheilungskräfte mich gesund gemacht haben – das dürfte bei vielen einfacheren Beschwerden die Regel sein. Wer automatisch einen Kausalitätsschluss zieht, negiert daher andere mögliche Faktoren wie eben beispielsweise die Selbstheilungskräfte.

Aus diesem Grund ist auch der oft benutzte „Kampfspruch“ „Wer heilt hat Recht“ in der Regel eine fragwürdige Simplifizierung. Wer heilt hat nur Recht, wenn alle anderen Faktoren ausser der therapeutischen Intervention als Ursache der Besserung ausgeschlossen wurden.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht? (2)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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Komplementärmedizin: Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ als häufige Irrtumsquelle

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Wir Menschen neigen dazu, zeitlich zusammen fallende Ereignisse in einen ursächlichen Zusammenhang zu stellen, der gar nicht vorhanden sein muss.

Man nennt dies etwas umständlich den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlsschluss“.

Zu diesem Fehlschluss neigen wir häufig auch bei der Beurteilung von Heilwirkungen:

Ich leide an Krankheit Z

Ich nehme Präparat XY

Mir geht es besser

Schlussfolgerung: XY  ist wirksam gegen Krankheit Z

Alle anderen Einflüsse, die zu meiner Gesundung beigetragen haben könnten, werden mit diesem Kurzschluss ausgeklammert (besipielsweise Selbstheilungskräfte, Veränderungen in den Lebensumständen, andere therapeutische Massnahmen, Placebo-Effekte).

Und genauso gibt es den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ bezüglich unerwünschter Nebenwirkungen:

Ich nehme Arzneimittel X

Ich bekomme Beschwerden Z

Schlussfolgerung: Arzneimittel X ist Auslöser der Beschwerden Z

Alle anderen Einflüsse, die zu den Beschwerden Z geführt haben könnten, werden ausgeklammert (beispielsweise andere Medikamente, Veränderungen in den Lebensumständen, Infektionen, Nocebo-Effekte).

Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist der wichtigste Grund dafür, dass die Beurteilung von Heilwirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln so komplex ist, und dafür, dass einzelne Erfahrungen in dieser Hinsicht meistens wenig aussagen. Vor allem in der Komplementärmedizin hört man oft das Schlagwort „Wer heilt hat Recht!“. Dass die Realität nicht so simpel ist, dafür sorgt der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“. Wer heilt hat nämlich nur Recht, wenn das entsprechende Heilmittel tatsächlich für die Besserung oder Heilung verantwortlich ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Komplementärmedizin.

Es gilt für synthetische Medikamente, Phytotherapeutika, Präparate aus Homöopathie oder Anthroposophischer Medizin etc.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist ein starkes Argument für das Bestreben, Wirkungen von Arzneimitteln mittels systematischeren Untersuchungen zu klären, zum Beispiel in Form von Doppelblind-Studien.

Aber selbst Doppelblind-Studien können zu unterschiedlichen und widersprüchlichen Resultaten kommen.

Daher fasst man dann mehrere Doppelblind-Studien zu einer Metastudie zusammen, um auf diese Art und Weise fundiertere Schlüsse ziehen zu können. Das macht zum Beispiel die renommierte Cochrane Collaboration.

Aber selbst Metastudien können sich widersprechen….

zum Beispiel weil die Studien, welche man zur Auswertung in eine Metastudie einschliesst, mittels unterschiedlicher Kriterien ausgewählt wurden.

So müssen wir wohl oder übel auf die endgültige und umfassende Gewissheit in den allermeisten Fällen verzichten, denn die Beurteilung von therapeutischen Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen ist eben sehr komplex. Was uns aber nicht davon abhalten sollte, nach vorläufiger und notgedrungen bruchstückhafter Erkenntnis zu streben. Suchen ist manchmal wichtiger als Finden.

Keine kritischen Fragen stellen und jede Behauptung und Heilungsversprechung unbesehen für bare Münze zu nehmen ist jedenfalls keine Alternative.

Entscheidend scheint mir dabei ein sorgfältiger Umgang mit dem Begriff „Erfahrung“.

Siehe dazu:

Naturheilkunde – vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Begriffssalat um „Schulmedizin – Komplementärmedizin – Alternativmedizin“ im „Kurier“

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Die Begriffe Schulmedizin, Komplementärmedizin und Alternativmedizin sind zugegebenermassen schwierig und fragwürdig. Was sich aber die österreichische Boulevardzeitung „Kurier“ in diesem Bereich an Begriffssalat leistet, ist bemerkenswert.

Da erklärt der „Kurier“ also in einem ausgesprochen populistischen Artikel mit dem Titel „Der Boom der sanften Medizin“ die Unterschiede zwischen Schulmedizin, Komplementärmedizin und Alternativmedizin so:

„Info: Verschiedene Medizinsysteme

Schulmedizin Auch: Evidenzbasierte Medizin. Sie ist durch Wirkungsnachweise wissenschaftlich anerkannt. Krankheiten werden nach ihren Symptomen behandelt.
Komplementärmedizin Der Begriff setzt sich im deutschsprachigen Raum für ergänzende Methoden zur naturwissenschaftlichen Medizin durch. Sie sollen die Selbstheilungskräfte anregen. Dazu zählen u. a. Akupunktur, TCM, Homöopathie.
Alternativmedizin Lehnt Schulmedizin ab, Wirkungsnachweise fehlen häufig. Oft mit pseudomedizinischen Methoden.“

Quelle:

http://kurier.at/nachrichten/gesundheit/4309119.php

Kommentar & Ergänzung:

Diese Darstellung ist  irreführend und tendenziös. Genau nachfragen bringt mehr Klarheit.

Zum Abschnitt „Schulmedizin“:

Schon der Begriff „Schulmedizin“ ist fragwürdig. Was genau ist gemeint mit „Schul“-Medizin? Was meint „Schul“? „Schulmedizin“ ist ein Kampfbegriff aus den Anfängen der Homöopathie gegen die damalige dogmatisierte Medizin (Humoralpathologie).

Siehe dazu:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

„Schulmedizin“ ist nicht gleich „evidenzbasierte Medizin“. Evidenzbasierte Medizin ist eine jüngere Entwicklungsrichtung in der Medizin.

Es sind nicht alle Vorgehendweisen in der Medizin wissenschaftlich anerkannt, aber man könnte sagen, dass die Medizin danach strebt, ihre Interventionen wissenschaftlich zu überprüfen und wo nötig zu revidieren.

Merkwürdig ist der Satz: „Krankheiten werden nach ihren Symptomen behandelt.“ Was soll damit genau gesagt werden?

Die Medizin kennt eindeutig symptomatische Therapien, zum Beispiel im Bereich der Schmerztherapie. Es gibt aber auch ursächlich ansetzende Therapien, wie die Antibiotika-Therapie bei Infektionen. Natürlich kann man sagen, die Infektion ist nicht die eigentliche Ursache, dahinter steckt erst die eigentliche Ursache, die zur Infektion führt. So kommt man aber nie an ein Ende, weil jede Ursache wieder eine oder mehrere Ursachen hat.

Wahrscheinlich steckt hinter dem Satz „Krankheiten werden nach ihren Symptomen behandelt“ die oft gehörte Aussage, die Schulmedizin behandle Symptome, die Komplementärmedizin aber die Ursachen. Die Ursachenbehandlung für sich exklusiv zu beanspruchen, ist allerdings eine ziemliche Anmassung der Komplementärmedizin. De facto wird nämlich dabei meist eine Ursache zuerst dogmatische festgelegt (Übersäuerung! Verschlackung etc.) und dann die entsprechende Therapie verabreicht. So kann man sich darüber hinweg täuschen, dass die Ursachenlage vieler Erkrankungen ausgesprochen komplex und schwer durchschaubar ist.

Der „Kurier“ nagelt also die „Schulmedizin“ einseitig auf Symptombehandlung fest, erwähnt aber eigenartigerweise nicht, dass beispielsweise die Homöopathie als Verfahren der „Komplementärmedizin“ sich nur nach Symptomen ausrichtet und sich um Ursachen von Krankheiten nicht kümmert.

Warum diese verzerrte Darstellung im „Kurier“?

Zum Abschnitt Komplementärmedizin:

Mit dem Begriff „naturwissenschaftliche Medizin“ wird die Medizin einseitig verengt dargestellt. Medizin basiert zwar in vielen Bereichen auf naturwissenschaftlichen Grundlagen, aber das ist bei weitem nicht alles. Und wenn der „Kurier“ schreibt, die Komplementärmedizin wolle die Selbstheilungskräfte anregen, dann müsste auch gesagt werden, dass beispielsweise die chinesische Medizin (TCM, Akupunktur) Selbstheilungskräfte nicht kennt.

Dazu der Sinologe und Medizinhistoriker Paul U. Unschuld in „Was ist Medizin – Westliche und östliche Wege der Heilkunst“:

„China kennt kein Vertrauen in das selbst regulierende Potential eines Organismus – weder des gesellschaftlichen noch des körperlichen….Die Selbstheilungskräfte waren kein Thema.“

(S. 121)

„Die Selbstheilungskräfte waren ihnen unbekannt….Wer an die Selbstheilungskräfte glaubt, der könnte zu lange warten. Das haben die Mediziner nicht gerne. Die chinesischen haben sich unter dem Einfluss konfuzianischer Früheingreifmaximen nie darauf eingelassen.“ (S. 250)

Weshalb diese einseitige, idealisierte Darstellung im „Kurier“?

Zum Abschnitt „Alternativmedizin“:

„Wirkungsnachweise fehlen häufig“ – Aha. Das gilt aber meistens für die Komplementärmedizin genauso. Sonst wären nämlich die Methoden der Komplementärmedizin in der Medizin.

Warum also wird der fehlende Wirkungsnachweis in’s Terrain der „Alternativmedizin“ abgeschoben?

Und im Bereich der „Alternativmedizin“ findet man also oft pseudomedizinische Methoden? Aha. Also Schein-Medizin.

Im Bereich der Komplementärmedizin gibt es die nicht?

Das ist eigenartig. Schliesslich ist nicht einmal klar, was denn zur Komplementärmedizin zählen soll. In Frage kommen da mehrere hundert Methoden, die zum Teil sehr skurril erscheinen.

Offenbar geht es hier darum, für alles Unseriöse eine Schublade „Alternativmedizin“ bereitzustellen, damit der Bereich „Komplementärmedizin“ umso besser, sauberer und seriöser dasteht.

Der „Kurier“ hat sich offenbar für diesen Artikel einseitig und ausschliesslich von Lobbyisten der Komplementärmedizin füttern lassen. Unabhängige und seriöse Berichterstattung sieht anders aus.

Wenn eine Zeitung nicht einfach nur Lautsprecher für Lobbyisten-Vereinigungen sein will, muss sie bei jedem Thema an gewissen Punkten kritisch nachhaken. Auch in den Bereichen Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin. Druckt eine Zeitung (wie der Kurier in diesem Artikel) nur wirre, irreführende, unkritische Lobhudeleien ab, ist sie ihren Preis nicht wert.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wickel helfen gegen Erkältung

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Im Herbst kommt es wieder vermehrt zu Erkältungen. Nicht immer braucht es dabei Medikamente. Bei Erkältungen bewähren sich Wickel um Hals, Brust oder Waden als Hausmittel.

«Bei unkomplizierten Erkrankungen wie einer beginnenden Erkältung sollte man nicht vorschnell zu Medikamenten greifen, sondern zuerst versuchen, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken», empfiehlt Friedemann Schmidt von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin.

Wickel wirken physikalisch über die Temperaturdifferenz zwischen Wickel und Haut. Wickel werden in der Regel mit feuchten Tüchern appliziert, die mit warmem oder kaltem Wasser getränkt sind. Zusätze wie zimmerwarmer Quark oder zerquetschte warme Kartoffeln helfen dabei,  die gewünschte Temperatur im Wickel länger halten.

Halswickel lindern Entzündungen und wirken gegen einen verschleimten Hals oder geschwollene Lymphknoten. Ein Leinentuch wird in kaltes Wasser getaucht, ausgewrungen und anschliessend um den Hals gelegt. Darüber legt man ein trockenes Leinentuch und schliesst den Halswickel mit einem Wolltuch ab. Der Halswickel bleibt dann etwa eine Stunde liegen und kann bis zu sechsmal pro Tag angewendet werden.

Brustwickel wirken gegen Husten. Ist der Husten krampfartig, sollte man warmes Wasser verwenden – sonst besser kaltes. Der Wickel sollte von den Achselhöhlen bis zu den Rippenbögen reichen, darf jedoch nicht zu eng gewickelt werden. Über das feuchte Leinentuch legt man ein trockenes Handtuch, darüber ein Wolltuch. Nach zirka 90 Minuten, wenn der Schweiß ausbricht, entfernt man den Brustwickel. Danach sollten Erkrankte eine weitere Stunde im Bett ruhen. Brustwickel können ein- bis zweimal pro Tag appliziert werden.

Wadenwickel wirken fiebersenkend. In kaltes Wasser eingetauchte Handtücher werden um die Unterschenkel gewickelt, dann wird mit einem trockenen Handtuch abgeschlossen. Die Tücher bleiben auf der Haut liegen, bis sie sich erwärmt haben. Nach diesem Zeitpunkt leiten sie keine Wärme mehr ab und können entfernt werden. Die Wadenwickel werden so angelegt, dass sie von der Kniekehle bis zu den Fußknöcheln reichen. Im Gegensatz zu den Hals- oder Brustwickeln werden Wadenwickel nicht mit einem Wolltuch abgeschlossen, denn das würde die erwünschte Wirkung der Wärmeableitung verhindern.

Quelle:

http://www.usinger-anzeiger.de/ratgeber/gesundheit/meldungen/11319027.htm

Kommentar & Ergänzung:

Wickel sind bewährte Hausmittel.

Hier eine kurze Beschreibung auf Wikipedia:

„Ein Wickel beschreibt ein oder mehrere zirkulär um den Körper (Ganzkörperwickel) oder einen Körperteil (Teilwickel) angelegte Tücher, die mit einer temperierten Flüssigkeit befeuchtet oder mit einer Substanz bestrichen sind. Zu den Wickeln werden in der Regel auch Auflagen, Kompressen oder Umschläge aus Tüchern gezählt, die auf der Haut angebracht werden. Im Bereich professioneller Pflege zählen Wickel und Auflagen zu den alternativpflegerischen Methoden, eine gesonderte Fortbildung zum Fachmann/frau für Wickelanwendungen ist in Deutschland und der Schweiz möglich. Wickel werden jedoch auch in der nichtberuflichen Pflege als Hausmittel eingesetzt. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist der Wadenwickel. Im Unterschied zu Verbänden und Heilpflastern werden Wickel nur kurzzeitig angelegt und sie werden vor allem zur Applikation von Wirkstoffen oder zum Erreichen physikalischer Wirkungen eingesetzt.“

Wickel können auch mit Heilpflanzen-Anwendungen kombiniert werden. Zum Beispiel bei hyperämisierende (hautreizende) Wickel oder Auflagen:

„Auflagen mit hautreizenden Substanzen bewirken durch Reizung der Haut eine reaktive Hyperämie, die Haut wird durch die Substanz gereizt, die Blutgefäße werden als Reaktion darauf weitgestellt und es findet eine deutlich stärkere Durchblutung des Gewebes statt. Eingesetzt werden diese Auflagen zur Linderung chronischer Erkrankungen wie Asthma oder bei Entzündungen im Bereich der Niere, Blase, Lunge, Stirn- und Kieferhöhle. Diese Art von Wickeln kann zu Hautschädigungen führen und belasten zum Teil sehr stark den Kreislauf. Sie sollten nur von fachkundigen Personen und nach ärztlicher Abklärung möglicher Risiken angewandt werden. Die Anwendungen und werden häufig als unangenehm empfunden. Eingesetzte Substanzen sind Ingwer, Senfkörner und Meerrettich in Form von Kompressen oder kleineren Auflagen.“

(Quelle: Wikipedia)

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Heraufziehende Erkältung mit warmem Fussbad eindämmen

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Die Erkältungszeit hat angefangen. Wenn die Nase läuft, muss jedoch nicht immer direkt zum Medikament gegriffen werden. Ein warmes Fußbad kann die Erkältung oft ebenso gut eindämmen. Wie das funktioniert, wird hier erläutert.

Eine heraufziehende Erkältung lässt sich häufig mit Hausmitteln eindämmen. Bei einer so unkomplizierten Erkrankung sollte man nicht allzu raschl zu Medikamenten greifen, sondern zuerst versuchen, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu stärken, empfiehlt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände in Berlin. Infrage komme hierfür beispielsweise ein Fußbad.

Benötigt werden für ein solches Fussbad zwei Fußwannen oder -schüsseln. Zuerst werden die Füße etwa während 8 bis 12 Minuten in einer Wanne mit 39 Grad heißem Wasser gebadet. Danach werden die Füße einige Sekunden lang in der zweiten Wanne in kaltes Wasser getaucht. Danach trocknet man die Haut gut ab, zieht Wollsocken an und legt sich für 20 Minuten ins warme Bett.

Quelle:

http://www.weser-kurier.de/Artikel/Ratgeber/Gesundheit/467885/Heraufziehende-Erkaeltung-mit-Fussbad-eindaemmen.html

Kommentar & Ergänzung:

Aus Sicht der Phytotherapie könnte man das warme Fussbad gegen Erkältungen noch verstärken durch Zugabe von 1 – 2 Tropfen Eukalyptusöl oder Thymianöl, wobei diese ätherischen Öle zuerst mit etwas Kaffeerahm (Kaffeesahne) oder Vollmilch gemischt und dann dem Fussbad beigegeben wird.

Eine intensivere Variante ist das Senfmehl-Fussbad.

Senfmehl enthält Glucosinolate ( = Senfölglykoside) mit hyperämisierender (= durchblutungssteigernder) Wirkung.

Siehe dazu:

Senf als Heilpflanze

Senfmehl stammt vom Schwarzen Senf (Brassica nigra).

Wikipedia schreibt zum Senfmehl:

„ In der Naturheilkunde gilt Senfmehl (gemahlene Samen des Schwarzen Senfs) in lauwarmem Wasser angerührt oder Senfspiritus bei äußerlicher Anwendung als „altes Hausmittel“. Es wirkt entzündungshemmend, krampflösend und schmerzstillend, sollte jedoch nicht lange mit der Haut in Berührung bleiben (Gefahr von Hautreizungen bis hin zu Blasen- oder gar Geschwürbildung; Wirkung mit zeitlicher Verzögerung). Während der Schwangerschaft oder der Stillzeit sowie bei Kindern sollte Schwarzer Senf nicht angewandt werden. Tabu ist er auch bei Kreislaufstörungen, Venenleiden (Krampfadern) sowie bei Asthmatikern (wegen des ausströmenden Geruchs).“

Das Wikipedia-Zitat bezieht sich aber auf die Anwendung von Senfmehl als Senfwickel / Senfmehlauflage / Senfkompresse.

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Ärzte verlangen unabhängige Pharmaforschung

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Ärzte sollen in Zukunft kein Geld mehr für Beobachtungsstudien von Pharmafirmen erhalten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat vor kurzem den Gesetzgeber zu strengeren Regeln aufgefordert. «Es kann nicht sein, dass ein Arzt für das Ausfüllen eines Anwendungsbogens 1000 Euro bekommt», hielt der KBV-Vorstand Carl-Heinz Müller dazu fest. «Wir wollen, dass die Ärzte von der Pharmaindustrie abgenabelt werden.» Nach neuestem Stand gab es zuletzt mehr als 300 solcher Beobachtungsstudien, an denen sich Mediziner mehr als 80 000 Mal beteiligt hatten.

Die Ärzte beobachten die Wirkung neuer Medikamente nach ihrer Zulassung an den Patienten, häufig ohne deren Wissen. Die Pharmahersteller zahlen den Ärzten dafür pro Patient 10 bis 1000 Euro. Kritiker bemängeln, die Studien hätten wenig Wert und dienten hauptsächlich dazu, die Verbreitung des Medikaments zu fördern. Bei solchen Beobachtungsstudien gelten lediglich die Regeln der Selbstverpflichtung, die sich die Pharmafirmen selbst auferlegt haben.

Carl-Heinz Müller gibt zwar zu, dass diese Anwendungsbeobachtungen nötig seien. «Aber der Gesetzgeber muss sie schärfer regeln.» Entschädigungen müssten im Verhältnis zum Aufwand stehen, nicht zum Verkaufspreis des Medikaments. «Teilnehmende Ärzte müssen transparent gemeldet werden.» Patienten sollten ihr Einverständnis erteilen müssen. Für die Pharmaindustrie forderte Müller eine Pflicht zur Publikation der Resultate. «Bislang verschwinden sie bisweilen in der Schublade, wenn sie negativ ausfallen.»

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39627&Nachricht_Title=Nachrichten_%C4rzte+fordern+unabh%E4ngige+Pharmaforschung&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Beobachtungsstudien werden sehr oft hauptsächlich für Marketingzwecke genutzt. Dann heisst es: „Wissenschaftliche Studien haben die Wirksamkeit von Präparat X. gezeigt…“

Wer nur oberflächlich liest und nicht die nötigen Kenntnisse hat, lässt sich von solchen Formulierungen nicht selten beeindrucken. Dass es wissenschaftliche Studien mit sehr unterschiedlicher Aussagekraft gibt, ist leider zuwenig bekannt.

Und Beobachtungsstudien sind nur von begrenzter Aussagekraft.

Das gilt im Übrigen auch für viele Studien in den Bereichen Komplementärmedizin und Phytotherapie.

Da wird dann beispielsweise ein Wasserdost-Präparat an Säuglingen, Kindern und Jugendlichen mit Erkältung getestet. Und oh Wunder:

Fieber, Husten, Schnupfen, Halsschmerzen sowie Kopfschmerzen und Gliederschmerzen besserten sich in dieser Studie nach durchschnittlich 7 Tagen deutlich. Alle Besserungsraten lagen über 50 Prozent und beim Fieber waren es sogar über 90 Prozent.

Solche Besserungsraten erziele ich auch, wenn ich einfach auf die Selbstheilungskräfte vertraue und gar nix einnehme. So unüblich ist es jedenfalls nicht, dass Fieber nach durchschnittlich 7 Tagen zurückgegangen ist.

Mehr dazu hier:

Wasserdost-Präparat gegen Erkältung getestet

Man findet diesen Forschungsansatz auch häufig in der Homöopathie-Forschung, zum Beispiel in der grossen Studie von Prof. Claudia Witt  (Charité Berlin). Hier handelt es sich um eine sogenannte Outcome-Studie:

„Die bisher größte Outcome-Studie zur Homöopathie hat C. Witt vorgelegt. Fast 4000 Patienten (davon über 1000 Kinder), die jeweils bei einem von über 100 ambulant praktizierenden klassischen Homöopathen behandelt wurden, wurden über zwei Jahre lang regelmäßig hinsichtlich ihres Gesundheitszustands und ihrer gesundheitsbezogenen Lebensqualität befragt. In allen Aspekten der Lebensqualität konnten klinisch relevante und statistisch signifikante Verbesserungen nachgewiesen werden. Im körperlichen Bereich erreichten die meist chronisch erkrankten Patienten eine Lebensqualität, die der deutschen Normbevölkerung entspricht.“

Quelle: http://www.carstens-stiftung.de/eigene/fa/stand/stand_der_forschung_homoeopathie_07MAR06.pdf

Das Problem auch hier: Nach einer gewissen Zeit (Selbstheilungskräfte) und intensiver Betreuung geht es den meisten Patienten und Patientinnen besser, unabhängig von der eingesetzten Methode. In der Presse wird die Studie, die möglicherweise einen unspezifischen Effekt misst,  dann aber undifferenziert als Beweis für die Wirksamkeit der Homöopathie dargestellt, was sie jedoch nicht sein kann. Kontrollierte Studien kommen zu sehr viel kritischeren Ergebnissen.

Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, haben qualitativ hoch stehende Studien eine Kontrollgruppe mit einer Placebobehandlung. Erst aus dem Unterschied zwischen dem zu prüfenden Präparat und dem Placebopräparat kann man sehen, ob ein Medikament für sich selber eine Wirkung entfaltet – oder ob sich ein beobachteter Effekt aus Placebowirkung und Selbstheilung  zusammensetzt.

Auch in der Wirksamkeits-Forschung in den Bereichen Komplementärmedizin und Phytotherapie muss deshalb meines Erachtens auf kontrollierte Doppelblind-Studien als „Gold—Standard“ focussiert werden.

Sollen also nur noch Heilmittel angewendet werden, deren Wirksamkeit durch Doppelblind-Studien belegt ist?

Soweit würde ich nicht in jedem Fall gehen. Ein Kräutertee oder eine Pflanzentinktur kann meines Erachtens sehr wohl angewendet werden, auch wenn keine Studien dazu vorliegen.

Allerdings wäre mehr Transparenz für die Konsumentinnen und Konsumenten wünschenswert, damit erkennbar ist, ob ein Präparat seine Wirksamkeit dokumentiert hat oder nicht. Und sobald ein Hersteller eine Heilwirkung verspricht, soll er sie auch plausibel belegen. Aber bitte nicht mit windigen Anwendungsbeobachtungen oder Outcome-Studien, mit denen oft mehr „Wissenschaft“ vorgespiegelt wird, als sie hergeben.

Wie beurteilt man Komplementärmedizin? Mehr Info’s dazu im Tagesseminar

„Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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