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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Psyche und Krebsentstehung hängen nicht zusammen

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In den 1980er Jahren wurde noch ein Zusammenhang zwischen Krebs und Psyche postuliert. Heute sagt aber der Großteil der Wissenschaft: Nein, diesen Zusammenhang gibt es nicht.

Patricia Göttersdorfer, Vorstandsmitglied der österreichischen Plattform für Psychoonkologie, begleitet seit 15 Jahren als Psychologin Männer und Frauen mit der Diagnose Krebs. Fast immer tauche im Erstgespräch mit Krebskranken die Frage auf: Warum ich? Was habe ich falsch gemacht? Ihre Aufgabe sei dann klar zu stellen, dass Krebs zwar durch Lebensstil-Faktoren beeinflusst werden kann, also zum Beispiel ob jemand raucht oder nicht. Krebs habe aber keine rein psychischen Ursachen.

Göttersdorfer stellt klar: „Die Psyche ist nicht daran schuld, wenn Sie Krebs bekommen. Manche Krebserkrankungen sind allerdings schwer zu erklären, sind schwer greifbar zu machen. Menschen neigen in solchen Fällen dazu, sich Konstrukte zu basteln, um doch ein Erklärungsmodell für ihre Erkrankung zu finden. So unter dem Motto: Es gibt doch einen Zusammenhang zwischen Seele und Krebs! Und da muss man dann klar sagen: Nein, es ist nicht so!“

Die Suche nach einer Erklärung für die Krankheit öffne leider Tür und Tor für abstruse Behandlungsmethoden, bedauert Göttersdorfer.

Alles, was wir uns nicht erklären können, mache uns extrem hilflos. Das sei auch der Grund, warum Wunderheiler und Esoterikpraktiken so boomen oder weshalb Menschen immer wieder in Heilsversprechungen flüchten. Menschen nehmen manchmal sogar sehr weite Reisen auf sich – wie etwa nach Lourdes – um genau dieses Bedürfnis nach dem Sinn hinter der Krankheit zu befriedigen, sagt die Psychoonkkologin.

Einen Sinn für die Krebserkrankung gebe es jedoch wissenschaftlich betrachtet nicht, deshalb sei die Begleitung von Krebspatienten durch geschulte Mediziner so wichtig, allen voran durch Onkologen und durch Psychologen und Psychotherapeuten.

Psychoonkologie bietet Unterstützung

In Spitälern soll es geschultes Personal geben, das den Krebspatientinnen und -patienten hilft, die Krebserkrankung anzuerkennen als das, was sie ist. Dieses Anliegen vertritt die Psychoonkologie.

Patricia Göttersdorfer beschreibt das so:

„Wenn Menschen mit ihren Gedanken alleine gelassen werden und die Zeit des Grübelns beginnt, dann kommt der oder die Betroffene oftmals auf ganz unmögliche Zusammenhänge, also etwa dass der Brustkrebs durch eine schlechte Ehe verursacht sei, oder der Tumor durch eine schlechte Vaterbeziehung entstanden sei. Mit Hilfe von guten Gesprächen, das zeigt die Erfahrung, wird die Krebserkrankung für die Patienten erträglicher und klarer, und in Folge können sie besser damit umgehen.“

Aus den Köpfen der Menschen verschwinden müsse zudem endlich die Annahme einer „Krebspersönlichkeit“, sagt Göttersdorfer. Die Idee der „Krebspersönlichkeit“ wurde noch in den 1980iger Jahren postuliert. Sie nimmt an, dass bestimmte Menschen besonders anfällig für Krebs sind, doch gilt sie in der Wissenschaft inzwischen als widerlegt.

Patricia Göttersdorfer sagt dazu:

„Es gab und gibt ganz viele Studien, die zeigen, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und einer Krebserkrankung gibt. Es gibt maximal einen Zusammenhang zwischen der Art und Weise, wie ich lebe, und ob ich Krebs bekomme oder nicht. Aber auch das stimmt nicht immer: So gibt es Menschen, die ihr Leben lang rauchen und keinen Krebs bekommen, andere wiederum haben nie geraucht und bekommen ein Karzinom. Krebs ist nicht fair.“

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1751043/

Kommentar & Ergänzung:

Wissenschaftlich ist die Vorstellung einer „Krebspersönlichkeit“ schon seit längerem vom Tisch.

In Esoterik und Alternativmedizin tauchen ähnliche Theorien aber immer wieder auf und führen nicht selten zu Schuldzuweisungen an Patientinnen und Patienten. Solche willkürlichen Ursachenunterstellungen können möglicherweise zwar ein Sinnangebot vermitteln, das aber hoch spekulativ ist und oft sehr destruktiv wirkt.

Eine konstruktive Begleitung bei Krebserkrankungen fokussiert sich dagegen darauf, die Lebensqualität der Kranken in der Gegenwart zu verbessern und einen möglichst guten Umgang mit der Krankheit zu finden – so wie es eine fundierte Psychoonkologie anstrebt.

„Krebs ist nicht fair“, sagt die Psychoonkologin, und spricht damit einen Aspekt an, der auch philosophisch ausserordentlich bedeutsam ist.

Es gibt diese Idee und diese Sehnsucht danach, dass Gesundheit und Krankheit, Glück und Unglück gerecht und fair verteilt sind.

Die Guten werden belohnt, die Schlechten bestraft – und wer sich richtig verhält, ist auf der sicheren Seite.

Nun ist es ja schon so, dass wir in mancherlei Bereichen Einfluss auf unsere Gesundheit nehmen können. Aber nicht vollständig. Auch mit dem gesündesten, besten Verhalten bleibt ein Risiko für Krankheit und Tod. Sochen möglichen Widerfahrnissen gegenüber sind wir immer auch mehr oder weniger ohnmächtig – ohne Macht also.

Das ist manchmal schwer auszuhalten und die Vorstellung, dass alles fair und gerecht zu und her geht, gibt uns scheinbar Einfluss zurück. Ich muss mich nur richtig verhalten, dann bin und bleibe ich geschützt vor Krankheiten und anderem Unbill.

Ohnmachtsgefühle werden dadurch gelindert, aber es kommen Schuld- und Versagensgefühle auf, wenn ich trotzdem krank werde oder bleibe.

Wir haben es also nicht selten mit einem Tauschhandel zu tun: Ohnmachtsgefühle werden getauscht gegen Schuld- und Versagensgefühle.

Schlimm wird es aber vor allem, wenn aussen stehende Personen kranken Menschen die Vorstellung überstülpen, dass Krankheit immer durch irgendwelche „Fehler“ ausgelöst und damit quasi „verdient“ sei. Das sind anmassende Unterstellungen – und sie kommen insbesondere in esoterischen Kreisen nicht selten vor. Das nennt sich dann oft absurderweise noch „ganzheitlich“……..

Mag sein, dass dieser Kommentar etwas hart tönt, aber ich bin wirklich entsetzt darüber, was ich an solchen Unterstellungen gegenüber von Patientinnen und Patienten immer wieder zu hören bekomme.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Detox-Rezepturen & Entgiftungsmittel meiden

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Das Magazin „Focus“ präsentiert 50 Regeln des amerikanischen Krebsarztes David Agus für ein langes und gesundes Leben. In Regel 41 wendet sich Agus gegen Detox-Kuren und Entgiftungsmittel:

„Ihr Körper versteht es, dank Nieren, Leber, Schweißdrüsen, Lunge und Verdauungssystem hervorragend zu entgiften. Detox-Rezepturen und andere Entgiftungsmittel braucht er dafür sicher nicht. Diese Mittel sind Unsinn, manche von ihnen sogar gefährlich. Reinigen sollten wir nur unsere Haut, Haare, Zähne – und gelegentlich wohl auch unsere Garagen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/gesundleben/antiaging/50-regeln-fuer-ein-laengeres-leben-was-sie-vermeiden-sollten_id_3763476.html

Kommentar & Ergänzung:

Dem ist meines Erachtens nur beizupflichten. Der ganze Detox-Kult ist ausgesprochen fragwürdig. Lustig ist allerdings, dass „Focus“ auf der Website unmittelbar unter diesem Abschnitt themenverwandte Beiträge einblendet. Und was steht da?

„Detox – Reinigung von Körper und Seele: Legen Sie für Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden den Hebel um und schalten Sie auf Detox! In unserem handlichen PDF finden Sie Tipps für Entgiftungskuren und alles Wichtige rund ums Fasten. Klicken Sie HIER für mehr Informationen und den Download.“

Was stimmt denn nun, liebe Focus-Redaktion? Anything goes? So oder so, das ist egal – Hauptsache, wir haben darüber geschrieben?

Der Download der angepriesenen Tipps über Entgiftungskuren kostet übrigens eine Kleinigkeit…..

Hier finden Sie ein paar Gratisinformationen über Detox, Entgiftung, Entschlackung etc.:

Michèle Binswanger im Tagesanzeiger über Entgiftung und Detox für Deppen

Entgiftungsdiäten / Detox-Diäten: Bodenlose Versprechungen

Darmreinigung: Mehr Schaden als Nutzen durch Entgiftungskur

Darmreinigung ist überflüssig bis gefährlich

Fasten & Entschlacken

Entgiften und entschlacken — höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ausbildung zum Geistheiler mit Diplom

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Vor kurzem bin ich auf eine Ausbildung zum Geistheiler mit Diplom gestossen.

Den Markennamen lasse ich weg, weil ich für diesen Schwachsinn nicht noch Werbung machen möchte. Jedenfalls handelt es sich um ein geschütztes, eingetragenes Markenzeichen ®, nennen wir die Methode Mystery®.

Diese Ausbildung „diplomierter Geistheiler Mystery®“ scheint mir sehr fragwürdig.

Erstens:

Diplomierter Geistheiler Mystery® können Sie werden in nur 18 Tagen. Ein Grundkurs von fünf Tagen, zwei Aufbaublöcke von acht und fünf Tagen. Fix geht das. In dieser Zeit haben Sie nicht nur Ihre eigenen Blockierungen und Charakterschwächen gelöscht – so steht es in der Ausschreibung. Sie sind nun auch in der Lage, diese tiefgreifenden Heilungsprozesse bei Ihren Kundinnen und Kunden durchzuführen.

Ich gehe nicht davon aus, dass diese grandiosen Versprechungen wahr sind. Aber nehmen wir mal quasi übungshalber an, das wäre tatsächlich der Fall. Dann würden Sie innert sehr kurzer Zeit einen radikalen Umbau Ihrer Persönlichkeit durchmachen – dank Löschung von Blockierungen und Charakterschwächen. Da stellen sich einige Fragen:

– Wer entscheidet aufgrund welcher Kriterien, welche „Blockierungen“ und „Charakterschwächen“ zu löschen sind?

– Was als „Blockierung“ oder „Charakterschwäche“ bezeichnet wird, hat oftmals nicht nur negative Auswirkungen, sondern nicht selten zugleich in gewissen Bereichen eine positive Funktion. Kann eine solche Löschung nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen führen?

–  Was bedeutet es für Ihre langjährigen Beziehungen, Ihre Freundschaften und Ihr Arbeitsumfeld, wenn Sie sich in so kurzer Zeit derart fundamental verändern? Kommen Ihre Mitmenschen da noch mit oder kommt es zum Bruch?

Zweitens:

Wer von Geistheilung redet, müsste zuerst einmal auf den Tisch legen, was er oder sie unter „Geist“ versteht, weil wir es hier mit einem sehr vieldeutigen Begriff zu tun haben.

Gemäss dem „Lexikon der philosophischen Begriffe“ (Alexander Ulfig, Fourier Verlag 1999) kann der Begriff „Geist“ bedeuten:

„  1.) Gegensatz zu Materie und Körper (ähnlich wie Seele);

2.) Vernunft, Verstand als Erkenntnisvermögen;

3.) Göttliches Prinzip („Heiliger Geist“);

4.) Geistige Lebenseinstellung (geistiger Mensch, geistige Entfaltung; Gegensatz: Banause);

5.) Inbegriff der in einer Epoche bzw. Zeit oder einer Gruppe bzw. Gemeinschaft herrschenden Ideen, Gesinnungen, Wertmassstäbe usw. („Zeitgeist“);

6.) Geistige Begabung, Intelligenz („geistreich“);

7.) Numinoses Wesen in primitiven Religionen und im Volksglauben.“

Die Punkte 2, 4, 5, 6 und 7 scheinen mir für „Geistheilung“ nicht zu passen.

Bleiben also die Punkte 1 und 3.

Punkt 1: Geist als Gegensatz zu Materie und Körper (ähnlich wie Seele).

Da sind wir also im Leib-Seele-Geist-Problem gelandet, eine philosophisch hoch komplexe Diskussion seit mehreren tausend Jahren.

Da stellt sich grundsätzlich die Frage, ob man das monistisch, dualistisch oder gar trialistisch sieht. Also ob das alles ein Bereich, zwei oder gar drei getrennte Bereiche sind. Geist – Seele – Körper.

Schon der Begriff „Geistheilung“ isoliert Geist als Methode des Heilens. Das legt ein dualistische oder trialistisches  Verständnis nahe. Geist / Seele steht Körper / Materie gegenüber.

Dann stellt sich sehr zentral die Frage, wie genau „Geist“ auf „Körper“ wirkt, wenn es um Heilung geht. Oder wird der Körper ganz ausgeklammert und hat gar keine Bedeutung?

Fragen Sie doch Ihren Geistheiler, Ihre Geistheilerin vor der nächsten Behandlung. Es geht schliesslich um den Informed Consent, die informierte Einwilligung vor einem Eingriff.

Vielleicht geht es bei der Ausbildung zum diplomierten Geistheiler Mystery® (oder bei der praktizierten Geistheilerei Mystery®) eher um

Punkt 3: Geist als göttliches Prinzip („Heiliger Geist“);

Dann handelt es sich bei dieser 18-Tage-Geistheiler-mit-Diplom-Ausbildung® vielleicht um so etwas wie eine stark abgekürzte Priesterausbildung – ein Turbo-Priesterseminar quasi? In unserer Fast-Food- und Instant-Epoche allerdings sehr zeitgemäss.

Auch in diesem Fall müsste nun genauer geklärt werden, welche Vorstellung von „Geist“ und welche Vorstellung von „Heilen“ dem „Geistheilen“ zugrunde liegen. Nur schon die Vorstellungen von „Geist“ unterscheiden sich doch erheblich in Christentum, Islam und Buddhismus. Und in jeder dieser Religionen gibt es darüber hinaus noch einige Dutzend Varianten von „Geist-Vorstellungen“.

Wenn Ihr Geistheiler oder Ihre Geistheilerin zu diesem religiösen Konzept neigt, dann fragen Sie ihn oder sie doch nach den zugrundeliegenden Überzeugungen.

Drittens:

Wenn Sie ein Medikament einnehmen, lesen Sie ja hoffentlich auch den Beipackzettel zu Risiken und Nebenwirkung. Wie bei jedem angepriesenen Heilmittel, müsste eigentlich auch bei der Geistheilung ein Beipackzettel vorliegen:

„Zu Risiken und Nebenwirkungen:

Geistheilung kann zu psychischer Abhängigkeit führen. Es besteht die Gefahr, dass notwendige psychotherapeutische oder medizinische Abklärungen und Behandlungen verpasst werden. Wiederholte Inanspruchnahme von Geistheilung kann zudem den Kontostand negativ beeinflussen.“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Fastenmythen: Entschlacken durch Fasten?

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Jeden Frühling kommt sie wieder – die dringliche Empfehlung, dass nun die Zeit gekommen sei, um mit einer Fastenkur Körper, Geist und Seele zu entschlacken.

Den weitverbreiteten Entschlackungs-Irrtum kann man in einem Satz zusammenfassen:

„Giftstoffe und Ablagerungen, welche sich über das Jahr hinweg im Körper angesammelt haben, können beim „Entschlacken“ entfernt werden.“

Tatsache ist jedoch: Beim Stoffwechsel fallen zwar in der Tat als Teil eines natürlichen Vorganges nicht verwertbare chemische Endprodukte an. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) speichert ein gesunder Organismus diese überflüssigen Stoffe jedoch nicht etwa ab, sondern scheidet sie bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über Nieren und Darm wieder aus.

Diese „Kläranlagen-Funktion“ des Organismus kann durch Fasten nicht effizienter werden, als sie ohnehin schon ist. Wissenschaftliche Belege für günstige Wirkungen des „Entschlackens“ gibt es übrigens kaum. „Der im Zusammenhang mit dem Heilfasten immer wieder genannte Begriff ‚Entschlacken‘ ist wissenschaftlich nicht begründbar“, erklärt die DGE.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/blogs/in-form/fasten-kein-zuckerschlecken-für-die-gesundheit-145934893.html

Kommentar & Ergänzung:

Man muss unseren Organismus vor den „Entschlackungsaposteln“ quasi in Schutz nehmen. Sie sprechen ihm nämlich ziemlich grundlegend die Kompetenz ab, mit Stoffwechselprodukten angemessen und „professionell“ umzugehen. Und dann verkaufen sie uns Fastenkuren, Entschlackungstees, Detox-Fussbäder und andere Fragwürdigkeiten. Die Entschlackungsbranche lebt von einem Phantom. Um welche Stoffe es sich bei diesen „Schlacken“ und „Giftstoffen“ genau handeln soll – diese Angabe bleibt sie nämlich in der Regel schuldig.

Am heikelsten finde ich aber, dass durch die ständige Rede von Schlacken und Entschlackungskuren das Vertrauen in die Fähigkeiten unseres Organismus untergraben wird. Und wer an diesem Punkt genug verunsichert ist, wird ein guter Konsument für Mittelchen aller Art, die dieses Kompetenzdefizit beheben sollen. Davon lebt neben der Entschlackungsbranche auch die Nahrungsergänzungsmittel-Industrie.

Wer Ihnen einredet, Sie seien verschlackt, unterstellt Ihnen Problem und will Ihnen möglicherweise eine Lösung für das eingeredete Problem verkaufen.

Sparen Sie sich das Geld dafür und tun Sie sich damit sonst etwas Gutes.

Siehe auch:

Entgiftungsdiäten / Detox-Diäten – bodenlose Versprechungen

Unsinnig und irreführend: Sidroga® Wellness Entschlackungstee

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

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Botanica – Woche der Botanischen Gärten der Schweiz – 16. – 24. Juni 2012

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23 Botanische Gärten aus allen Regionen der Schweiz laden vom 16. bis 24. Juni 2012 zum sechsten Mal ein zur Botanica – der Woche der Botanischen Gärten.

Sie umfasst mehr als hundert Veranstaltungen der verschiedensten Art: Workshops, Begegnungen mit Gärtnern und Botanikern, Führungen, Brunchs, Konzerte, Pflanzenmärkte, nächtliche Führungen, Kurse, Vorträge.

Die Botanica 2012 steht unter dem Motto «Zurück zur Natur». Dieses Thema verstehen die Veranstalter als Hommage an Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) anlässlich seines 300. Geburtstags:

„Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau und die botanischen Gärten der Schweiz haben eines gemeinsam: eine grosse Liebe zur Botanik. Mit BOTANICA möchten die Gärten diese Liebe zur Natur mit dem Publikum teilen und Ihnen zeigen, dass ein «zurück zur Natur» ganz einfach ist. Besuchen Sie uns also – vielleicht barfuss, mit einem Lächeln!“

Quelle und weitere Infos: http://www.botanica-week.org/page.php?p=accueil

Die Veranstaltungen finden in fast allen Regionen der Schweiz statt. Auf untenstehender Liste können Sie nachschauen, ob auch ein Botanischer Garten in Ihrer Nähe mitmacht.

Deutschschweiz:

Basel

Bern

Brüglingen

Davos

Freiburg

Grüningen

Schynige Platte

St. Gallen

Wädenswil

Zürich

Westschweiz:

Aubonne

Bourg-Saint-Pierre

Champex-Lac

Freiburg

Genf

Lausanne

Leysin

Meyrin

Neuenburg

Pont de Nant

Porrentruy

Prangins

Tessin:

Isole di Brissago

Kommentar & Ergänzung:

Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) war tatsächlich ein grosser Pflanzenfreund. Je schwieriger seine Beziehungen zu Menschen wurden, desto intensiver widmete er sich seinen botanischen Studien. Den ihm oft zugeschriebenen Ausspruch „Zurück zur Natur“ findet man so allerdings nicht in seinen Schriften.

„Natur“ ist bei Rousseau jedoch klar ein positiver Bezugspunkt:

„Lernen wir, zwischen uns und ihr zu verweilen und uns von der Müssigkeit und von der Langeweile zu heilen. Verschaffen wir uns leichte, unschuldige und liebenswerte Vergnügungen, die uns davon abhalten, verderbliche, verbrecherische und unsinnige zu suchen. Das Studium der Pflanzen reinigt mir die Seele. Das ist mir genug, ich will gar keine andere Arznei.“

(Zitat aus: Fragmente zur Botanik)

Schön gesagt, Monsieur Rousseau.

Im Einklang mit Jean-Jacques Rousseau kann ich daher nur raten:

Wenn Sie sich von verderblichen, verbrecherischen und unsinnigen Vergnügungen abhalten wollen, dann kommen Sie doch einfach mit auf meine Pflanzenexkursionen……Und als Zugabe reinigt das Pflanzenstudium auch noch die Seele. Was will man mehr.

Ich würde natürlich niemals wagen, meine Pflanzenexkursionen mit so grossen Versprechungen anzupreisen. Aber wenn Meister Rousseau das sagt, dann bitte:

Die Daten und Orte finden Sie hier.

Im Ernst: Ein guter Naturkontakt kann durchaus eine Quelle für Lebensqualität sein und eine Ressource für unsere physische und psychische Gesundheit.

Zu Rousseau wäre allerdings noch anzumerken, dass er, wenn er von „Natur“ spricht, meistens die menschliche Natur meint, den Naturzustand des Menschen.

Darum ist es irreführend, wenn der ihm untergeschobene Ausspruch „Zurück zur Natur“ nur im Sinne einer Rückkehr zu Ökologie, Umweltschutz und Naturschutz verwendet wird.

Und ein Programm zur Rückkehr zum Naturzustand des Menschen wäre eine ziemlich schwierige Angelegenheit, weil nur schon geklärt werden müsste, was mit der Natur des Menschen genau gemeint ist.

Wenn auf der „Botanica“-Website erwähnt wird, dass ein „Zurück zur Natur“ ganz einfach sei, dann mag das vielleicht stimmen, wenn damit der Besuch in einem Botanischen Garten gemeint ist. Das ist natürlich ganz einfach und empfehlenswert.

Nimmt man die Forderung „Zurück zur Natur“ aber umfassender ernst in dem Sinne, wie Rousseau es gemeint haben könnte, dann tut sich ein ganzer Katalog von Fragen auf.

Naturphilosophische Fragen sind im Übrigen auch ein Element im Kurs „Naturerlebnis Oberengadin“ vom 13. – 17. August 2012.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Angeblich pflanzliche Potenzmittel und Schlankheitsmittel mit unerlaubten Wirkstoffen

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„Rein pflanzlich“ und „frei von Nebenwirkungen“ – mit diesen Slogans werden Nahrungsergänzungsmittel zur Potenzsteigerung oder zur Gewichtsreduktion oftmals propagiert. Über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel (RASFF) wird europaweit vor vielen Präparaten dieser Produktgruppe gewarnt. Einige Untersuchungen von Überwachungsbehörden haben gezeigt, dass manche dieser Produkte unerlaubte, nicht deklarierte arzneiliche Wirkstoffe enthielten.

Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), rät deshalb zur Vorsicht bei Präparaten, die als Nahrungsergänzungsmittel zur Steigerung der Potenz oder zur Gewichtsreduktion angeboten werden: „Verbraucher werden in einigen Fällen über die wahre Zusammensetzung der Produkte und ihrer Eigenschaften, einschließlich ihrer Risiken, getäuscht.“

Nahrungsergänzungsmittel müssen als Lebensmittel nicht wie Arzneimittel staatlich zugelassen werden.

Als Nahrungsergänzungsmittel bezeichnete Präparate zur Potenzsteigerung werden überwiegend im Internet oder in Erotik-Shops unter verschiedenen Bezeichnungen vertrieben. Die Produkte sollen nach Angaben der Anbieter oft ausschließlich rein pflanzliche, natürliche Inhaltsstoffe enthalten. Bei einer Reihe von Präparaten zeigten Analysen allerdings, dass sie nicht deklarierte „verschreibungspflichtige“ arzneiliche Wirkstoffe (Sildenafil = Viagra, Tadalafil = Cialis) bzw. nicht zugelassene Sildenafil-Analoga (Hydroxyhomosildenafil, Hydroxythiohomosildenafil, Sulfoaildenafil) in pharmakologisch wirksamen Konzentrationen enthielten. Bei Einnahme von Arzneimitteln dieser Wirkstoffgruppe muss damit gerechnet werden, dass auch bei gegebener Indikation und bestimmungsgemäßem Gebrauch in seltenen Fällen schwere unerwünschte Wirkungen (z. B. Schlaganfall, Herzinfarkt) auftreten können.

Auch in als Nahrungsergänzungsmittel bezeichneten Präparaten zur Gewichtsreduktion wurden in der Vergangenheit wiederholt pharmakologisch wirksame Substanzen gefunden, u. a. der in Deutschland in Arzneimitteln nicht mehr zugelassene Wirkstoff Sibutramin. Derartige Produkte werden ebenfalls hauptsächlich über das Internet vertrieben und oft als „natürliche“ oder „100% pflanzliche“ Nahrungsergänzungsmittel propagiert. Sibutramin ist eine seit dem  Februar 2010 in Deutschland nicht mehr zugelassene pharmakologisch wirksame Substanz aus der Gruppe der Appetitzügler. Aufgrund zum Teil erheblicher Nebenwirkungen, vor allem bei übergewichtigen Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hatte die Europäische Arzneimittelagentur im Januar 2010 empfohlen, die Zulassung von Sibutramin-haltigen Arzneimitteln zu widerrufen.

Als Nahrungsergänzungsmittel hält das BfR Produkte mit den aufgeführten Wirkstoffen für nicht sicher. Vor allem über das Internet vermarktete Präparate sind durch die amtlichen Überwachungsbehörden schwer zu fassen. Es besteht das Risiko, dass Verbraucher über die wahre Zusammensetzung der Produkte und ihre Eigenschaften, einschließlich ihrer Gefahren, getäuscht werden.

Die Einnahme von als Nahrungsergänzungsmittel bezeichneten Produkten zur Potenzsteigerung oder zur Gewichtsreduktion kann mit einem hohen gesundheitlichen Risiko verbunden sein, wenn sie pharmakologisch wirksame Substanzen enthalten. Das BfR rät daher Verbrauchern zur Vorsicht und dazu, sich beim Hersteller über die genaue Zusammensetzung der Produkte zu informieren. Bei Zweifeln oder unklaren Auskünften sollte auf die Einnahme derartiger Präparate verzichtet werden.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news471060

Kommentar & Ergänzung:

Vor allem im Internet tauchen immer wieder angeblich rein pflanzliche Präparate auf, die mit riskanten und nicht zugelassenen Wirkstoffen versetzt sind. Sehr typisch ist dies bei Potenzmitteln und bei Schlankheitsmitteln, doch  finden sich solche problematische Zusätze nicht selten auch in Heilmitteln der asiatischen Medizin. Beispielsweise in Rheumamitteln, die als Naturheilmittel propagiert werden, aber undeklariert Entzündungshemmer wie NSAR enthalten.

Der Gesundheitsmarkt wird überschwemmt mit Nahrungsergänzungsmitteln,  die unerlaubterweise  als Heilmittel propagiert werden. Deren Sicherheit ist oft nur ungenügend geklärt und die Wirksamkeit nicht ansatzweise belegt.

Im Gegensatz zum Internethandel kann man meines Erachtens in Apotheken und Drogerien (jedenfalls in der Schweiz, ich kenne nur die Drogerien in der Schweiz) davon ausgehen, dass Nahrungsergänzungsmittel frei sind von undeklarierten, riskanten Substanzen wie Sibutramin.

Bezüglich Wirksamkeit ist die Situation allerdings nicht so klar. Viele Apotheken und Drogerien verkaufen  ziemlich skrupelfrei „rein natürliche“ oder „rein pflanzliche“ Nahrungsergänzungsmittel und „Pseudoheilmittel“, die zwar mit blumigen Versprechungen angepriesen werden, deren Wirksamkeit aber völlig  in den Sternen steht.

Man kann also in keiner Art und Weise davon ausgehen, dass komplementärmedizinische oder pflanzliche Heilmittel und Nahrungsergänzungsmittel aus Apotheken oder Drogerien auch wirksam sind.

Den Konsumentinnen und Konsumenten kann man nur raten,  allen Heilungsversprechungen mit einer gesunden Portion Skepsis zu begegnen und kritische Fragen zu stellen.

Pointiert ausgedrückt hat diese Haltung Erich Fromm:

„Da das meiste, was wir hören oder in den Zeitungen lesen, zu Tatsachen verzerrte Interpretationen sind, ist es weitaus am besten, äusserst skeptisch zu sein und von der Annahme auszugehen, dass der grösste Teil von dem, was wir hören, wahrscheinlich eine Lüge oder Verzerrung ist. Wenn dies zu hart und zynisch klingt, so möchte ich beifügen, dass ich dies nicht ganz wörtlich meine. Dennoch möchte ich betonen, dass diese Einstellung viel gesünder ist, als vom Gegenteil auszugehen, nämlich zu meinen, die Leute sagen die Wahrheit, ausser man kann das Gegenteil beweisen. Vielleicht klingt meine Empfehlung weniger menschenfeindlich, wenn ich betone, dass es um den Wahrheitsgehalt von Aussagen geht und nicht um die Frage, ob jemand lügt oder nicht. Aber erwiesenermassen glauben die meisten Menschen, deren Aussagen unwahr oder halbwahr sind, dass sie wirklich die Wahrheit sagen – oder zumindestens überreden sie sich selbst dazu.“

(aus: Erich Fromm; Vom Haben zum Sein, Beltz 1989, S. 62)

Erich Fromm (1900 – 1980) war ein deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe.

Bedeutende Werke (Auswahl):

Die Furcht vor der Freiheit, 1941.

Psychoanalyse & Ethik, 1946.

Die Kunst des Liebens, 1956.

Zen-Buddhismus und Psychoanalyse (mit Daisetz Teitaro Suzuki, Richard de Martino) 1971.

Haben oder Sein, 1976.

Märchen, Mythen, Träume, 1951.

Die Seele des Menschen, Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Komplementärmedizin – Qualität und Quacksalberei

Und ausserdem: Wenn  Sie sich mehr Wissen aneignen möchten, um wirksame und unwirksame Naturheilmittel zu unterscheiden, dann können Sie das in meiner Phytotherapie-Ausbildung, im Heilpflanzen-Seminar und im Tagesseminar „Komplementärmedizin verstehen und beurteilen“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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„Naturheilkunde sieht Erfolge im Kampf gegen Krebs“

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So betitelt Bild-Zeitung / DPA eine Meldung vom 28. Oktober.

Die Nachricht tönt gut. Naturheilkunde kann meiner Ansicht nach durchaus einen sinnvollen Platz haben in der Krebstherapie.

Die Meldung von Bild / DPA ist aber voll von Nebelschwaden, Manipulation und Täuschung. Es lohnt sich daher, sie genauer unter die Lupe zu nehmen, weil man daraus für viele ähnliche Meldungen etwas lernen kann.

Hier der Originaltext am Stück:

Naturheilkunde sieht Erfolge im Kampf gegen Krebs

Eine Kombination aus Schulmedizin und Naturheilkunde kann aus Sicht von Naturheilkundlern in der Krebstherapie erfolgreich sein. Der amerikanische Krebsforscher Ralph Moss sagte am Freitag zum Auftakt der Medizinischen Woche in Baden-Baden, Studien aus drei Jahrzehnten hätten gezeigt, dass eine konventionelle Therapie die besten Resultate erziele, wenn sie mit einer individuell abgestimmten Behandlung aus dem breiten Spektrum der Komplementärmedizin ergänzt werde. Er begründete dies mit der Stabilisierung und Stärkung der körpereigenen Kräfte gegen die Belastung durch aggressive Therapien.“

Quelle:

http://www.bild.de/regional/stuttgart/stuttgart-regional/naturheilkunde-sieht-erfolge-im-kampf-gegen-20705946.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Schauen wir uns die Meldung nun Schritt für Schritt an (Kommentare von mir kursiv):

„Naturheilkunde sieht Erfolge im Kampf gegen Krebs“

Kommentar M.K.:

Schon der Titel wirft einige Fragen auf:

– Was genau ist gemeint mit „Naturheilkunde“? Dieser Begriff wird heute oft irreführend und unpräzis verwendet.

Siehe:

Naturheilkunde – was ist das?

– „Naturheilkunde sieht Erfolge….“

So? Naturheilkunde ist vorerst einmal ein Begriff und der sieht gar nichts. Darüber hinaus kann man die „Naturheilkunde“ auch als eine sehr heterogene „Szene“ sehen, deren Vertreter  man aber zuerst fragen müsste, ob sie mit den Aussagen im Text einverstanden sind. „Naturheilkunde sieht….“ tönt aber gewichtiger als „Ralf Moss sagt…“. Die „Naturheilkunde“ wird hier vereinnahmt zur Stärkung der eigenen Position.

– Was ist gemeint mit „Erfolg“ im Kampf gegen Krebs? „Erfolg“ müsste klarer definiert werden.

Die Formulierung legt nahe, dass mit „Erfolg“ Krebsheilung gemeint ist.

Diese Interpretation wird natürlich von Krebspatienten und von einer Öffentlichkeit, die verständlicherweise Angst vor Krebs hat, sehr gerne gehört.

Viel weniger gerne wird gehört, dass von missionarischen Heilbringern geschürte Hoffnungen leider weitestgehend illusorisch ist.

Naturheilkunde – und das sage ich als Naturheilkundler – kennt meines Erachtens keine überzeugenden Heilmittel gegen Krebs. Selbst für die oft angewendete Misteltherapie  gibt es trotz unzähliger Untersuchungen keine wasserdichten Belege für eine lebensverlängernde Wirkung.

Siehe dazu:

Misteltherapie gegen Krebs – wirksam?

Soll man die Leute mit illusorischen Hoffnungen abfüllen? Das kommt immer gut an und man wird als (vermeintlicher) Retter in der Not hoch geschätzt. Oder soll man die bescheidenen Möglichkeiten bescheiden darstellen auf das Risiko hin, damit im Heer der Heilstrompeter übersehen zu werden?

Ralf Moss gehört meinem Eindruck nach zur ersten Gruppe.

Der „Erfolg“ der Naturheilkunde in der Onkologie kann in der Verbesserung der Lebensqualität der Patienten liegen oder in der Linderung von Beschwerden, die durch Chemotherapie oder Bestrahlung verursacht werden. Für Patientinnen und Patienten ist das oft wertvoll, aber es ist nicht die erhoffte Heilung.

Diese Begrenzung und Präzisierung macht die Schlagzeile von Bild / DPA aber nicht.

Den Heilstrompetern reicht diese Begrenzung nicht. Nur Symptome zu lindern, das ist nicht genug für ihr grosses Ego. Mehr Bescheidenheit und weniger Allmachtphantasien wären meines Erachtens hier angebracht.

„Eine Kombination aus Schulmedizin und Naturheilkunde kann aus Sicht von Naturheilkundlern in der Krebstherapie erfolgreich sein.“

Kommentar M.K.:

– Der Begriff „Schulmedizin“ ist ein ideologisch aufgeladener, negativ gefärbter Kampfbegriff und damit manipulativ. Die Medizin soll kritisiert werden. Sie hat Kritik nötig genauso wie die sogenannte „Komplementärmedizin“. Die Kritik soll aber auf Argumenten aufbauen und konkrete Missstände benennen und sich nicht hinter negativ aufgeladenen Begriffen verstecken.

Siehe dazu:

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

– Auch hier wieder: Was meint „in der Krebstherapie erfolgreich sein“?

„Der amerikanische Krebsforscher Ralph Moss sagte am Freitag zum Auftakt der Medizinischen Woche in Baden-Baden..“

Kommentar M.K.:

-Was verstehen Sie unter einem „Krebsforscher“? Ich würde mir einen Wissenschaftler vorstellen, einen Biologen vielleicht oder einen Arzt.

Das dürfte wohl den meisten Leserinnen und Lesern so gehen. „Krebsforscher“ Ralph Moss ist ein Buchautor, Journalist und Filmemacher. Er hat weder in der Krebsforschung gearbeitet noch ist er Arzt. Ralph Moss promovierte 1974 an der Stanford University (Ph.D. in „Classical Languages and Literature“). Er propagiert zahlreiche unwirksame Krebstherpien wie zum Beispiel Amygdalin (Laetrile).

Zu Amygdalin siehe:

Amygdalin / Vitamin B17 als angebliches Krebsmittel

Aber Bild / DPA schreibt von „Krebsforscher“…

Weitere Info zu Ralph Moss:

– Zur „Medizinischen Woche“ in Baden-Baden……..

Tönt anerkannt, neutral, umfassend, die „Medizinische Woche“…..

Es handelt sich um einen Kongress zur Propagierung von unbelegten Krebstherapien. Das ist selbstverständlich legal in einer Gesellschaft mit Meinungsfreiheit. Legal (und nötig) ist aber auch, solche Ansichten kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Warum wird im Titel der Veranstaltung der Inhalt „alternative Krebstherapien“ nicht genannt, sondern ein neutraler „medizinischer“ Inhalt („Medizinische Woche) vorgegaukelt?

Der Kongress steht unter dem Motto:

Mit der Natur im Einklang – Krebs vorbeugen und behandeln“

Nur schon dieses Motto ist ausgesprochen fragwürdig und irreführend. Zu fragen wäre etwa, ob das überhaupt möglich ist, den Krebs im Einklang mit der Natur zu bekämpfen.

Im Einklang mit der Natur müsste man den Krebs nämlich wachsen lassen. Schliesslich gehört der Krebs unzweifelhaft auch zur Natur.

Das Motto tönt aber so schön…..

Leere, aber mit positiven Emotionen verknüpfte Ausdrücke sind ein Baustein für Manipulation.

Veranstaltet wird die „Medizinische Woche“  von der „Deutschen Gesellschaft für Onkologie e. V“ (DGO). Das tönt nach der offiziellen Fachorganisation der Onkologinnen und Onkologen in Deutschland.

In Wirklichkeit handelt es sich um einen Verein mit sehr beschränkter Mitgliederzahl, vor allem um Ärzte, die Krebstherapien propagieren, deren Wirksamkeit nicht belegt ist. Es ist legal, dass solche Ärzte sich organisieren und ihre Interessen vertreten. Aber warum muss dazu ein Vereinsname her, der eine nicht vorhandene Reputation und Bedeutung vorspiegelt? Das ist unseriös bis in die Knochen. Ralph Moss ist Ehrenmitglied der DGO. Präsident der DGO ist der Arzt Friedrich Douwes, der unter anderem das angebliche Krebswunderheilmittel Miracle Mineral Supplement (MMS) propagiert.

Eine schöne „Gesellschaft zur Ausbeutung der Hoffnung schwerkranker Patienten“ (GAHSP) haben wir da.

Weitere Infos zur DGO:

Weitere Infos zu Friedrich Douwes

Eine seriöse Organisation im Bereich Krebs / Onkologie ist die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG): http://www.krebsgesellschaft.de/

und in der Schweiz die Krebsliga.

„Studien aus drei Jahrzehnten hätten gezeigt, dass eine konventionelle Therapie die besten Resultate erziele, wenn sie mit einer individuell abgestimmten Behandlung aus dem breiten Spektrum der Komplementärmedizin ergänzt werde.“

Kommentar M.K.:

– Was heisst genau: Studien aus drei Jahrzehnten…..?

Welche Studien, mit welchen Verfahren oder Stoffen?

Es gibt Studien mit sehr unterschiedlicher Qualität. Das Wort „Studien“ sagt über die Relevanz von Ergebnissen nichts aus.

Bei Laborstudien zum Beispiel ist sehr fraglich, ob die Effekte aus Zellkulturen auch beim Menschen auftreten würden.

Und alle „Studien aus drei Jahrzehnten“ scheinen sich einig zu sein? Das ist äusserst unwahrscheinlich. Es ist geradezu charakteristisch für die Wissenschaft, dass es zu einem Thema Studien mit positiven und negativen Ergebnissen gibt, und dass man erst aus einer Vielzahl von zum Teil widersprüchlichen Studien relevante Schlüsse ziehen kann.

Warum werden negative Studien, die es beim Thema Krebsbehandlung durch Naturstoffe in grosser Zahl gibt, nicht erwähnt. Das sieht nach Manipulation durch einseitige Selektion aus.

– Und wie schon beim Begriff „Erfolg“: Was genau meint, die besten „Resultate“? Krebsheilung? Verlängerte Lebenszeit? Verbesserung der Lebensqualität?

– Was genau ist gemeint mit „aus dem breiten Spektrum der Komplementärmedizin“?

„Komplementärmedizin“ ist ein positiv gefärbter Lobbying-Begriff, der an sich noch nichts aussagt. „Komplementär“ bedeutet ergänzend. Darin steckt eine Vorstellung vom Ganzen. Natürlich ist das „Ganze“ zu haben immer attraktiver als nur einen Teil, vor allem auch für leidende Patienten.

Aber was ist den genau das Ganze, zu dem Komplementärmedizin die Medizin ergänzt? Körper, Seele und Geist? Und wie sieht das dann konkret in der Behandlung aus? Kann überhaupt jemand ganzheitlich behandeln? Um jemand ganzheitlich zu behandeln müsste man ihn oder sie ganzheitlich wahrnehmen. Wir nehmen aber wohl nur einen beschränkten Teil unseres Gegenübers und auch nur einen kleinen Teil von uns selbst wahr. Wie also soll Ganzheitlichkeit erreichbar sein?

Mehr dazu hier:

Fragwürdige Ganzheitliche Medizin

Komplementörmedizin – ein fragwürdiger Begriff

„Er begründete dies mit der Stabilisierung und Stärkung der körpereigenen Kräfte gegen die Belastung durch aggressive Therapien.“

Kommentar M.K.:

Gegen das Ziel „der Stabilisierung  und Stärkung der körpereigenen Kräfte gegen die Belastung durch aggressive Therapien“ ist nichts einzuwenden.

Die Aussage ist einfach so vage, dass wohl niemand dagegen Einwände haben kann. Die Kehrseite davon ist aber, dass damit auch nichts Greifbares ausgesagt wird. So „leer“ spricht der Satz einfach Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse an, zum Beispiel das Bedürfnis nach Schutz vor aggressiven Therapien, das Gefühl der Angst etc.

Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse ansprechen, ohne greifbare Aussagen zu machen (an denen jemand anecken könnte) – ist ein Vorgehen mit manipulativem Potenzial.

Fazit: Der in „Bild“ bzw. DPA veröffentlichte Text ist hoch tendenziös und täuscht Leserinnen und Leser.

Dabei ist aber festzuhalten, dass dies kein Einzelfall ist. Die Berichterstattung über Themen aus Naturheilkunde / Komplementärmedizin / Alternativmedizin ist in hohem Mass unkritisch und irreführend. Im vorliegenden Text hat „Bild“ wohl einfach eine DPA-Meldung abgedruckt, die wiederum vermutlich auf einer Pressemitteilung der Kongressveranstalter basieren dürfte. Fragen wurden da offensichtlich keine gestellt.

Leserinnen und Lesern kann man eigentlich nur raten, entweder solchen Schrott gar nicht zu lesen, oder sich ein Vergnügen draus zu machen, die Inhalte kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Ungeprüft blind glauben, was da alles geschrieben wird, ist jedenfalls eine ungesunde und unwürdige Option.

P.S.: Vor allem Menschen mit chronischen und / oder lebensbedrohenden Krankheiten werden oft überschwemmt mit gut gemeinten Ratschlägen aus dem Bereich Komplementärmedizin.

Das wird für Patientinnen und Patienten nicht selten anstrengend.

Wie kann man sich orientieren in diesem unübersichtlichen Angebot?

Wie bildet man sich eine fundierte, eigene Meinung?

Infos und Anregungen dazu gibt es im Tagesseminar

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

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Karma-Yoga: Abschaffung jeder Ethik?

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Ich höre immer wieder aus mehr oder weniger Esoterik-nahen Kreisen der Komplementärmedizin die Ansicht, dass wir „nicht werten“ sollen.

Dieses „Gebot“ halte ich für sehr problematisch, was ist mit einem Beispiel erläutern möchte.

Auf einer Karma-Yoga-Website finde ich folgenden Beitrag einer Lehrerin für Karma-Yoga unter der Überschrift:

„Tun und nicht werten“

Danach folgt:

《 Gestern Morgen habe ich von einer Freundin eine E-Mail bekommen, in der unter anderem der folgende Satz stand:

“Gleich frühstücke ich und dann muss/will/darf ich (such dir eines aus!) mit meinen Schwiegereltern, die bei uns zu Besuch sind, einen Ausflug machen.“

In meiner Antwort-Mail habe ich dazu geschrieben:
“Sag doch einfach: ‘… und dann mache ich mit meinen Schwiegereltern einen Ausflug. Ohne zu werten.”

Einfach tun, was gerade zu tun ist. Eines der Grundprinzipien des Karma Yoga.
Ohne Widerwillen, ohne Aufschub, ohne Murren, ohne Unlust.
Mit Gleichmut eben.

Wenn wir aufhören, unsere Aufgaben und Pflichten – die ja einen grossen Teil unseres Alltags beanspruchen! – in angenehm und unangenehm, erwünscht und unerwünscht aufzuteilen, und alles mit der gleichen liebevollen Hinwendung tun, wird unser Leben um einiges leichter! 》

Quelle:

http://www.karma-yoga.eu/?p=311

Kommentar & Ergänzung:

Einfach tun, was gerade zu tun ist. Ohne Aufschub, ohne Murren. Nicht werten.

Massenmörder und Folterknechte rechtfertigten und rechtfertigen weltweit ihre Taten damit, dass sie einfach ihre Aufgabe erfüllen,  ihre Pflicht tun, ohne Aufschub, ohne Murren.

Beispielhaft dafür ist die berüchtigte Rede von Reichsführer-SS Heinrich Himmler an 4. Oktober 1943 an einer SS-Gruppenführer-Tagung in Posen (Polen).

Hier ein paar Auszüge:

„Genau so wenig, wie wir am 30. Juni gezögert haben, die befohlene Pflicht zu tun und Kameraden, die sich verfehlt hatten, an die Wand zu stellen und zu erschiessen.“

Ohne zu zögern, ohne Aufschub, ohne Murren seine Pflicht tun……

„Von Euch werden die meisten wissen, was es heisst, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 daliegen. Und dies durchgehalten zu haben, und dabei — abgesehen von menschlichen Ausnahmeschwächen — anständig geblieben zu sein, hat uns hart gemacht und ist ein niemals genanntes und niemals zu nennendes Ruhmesblatt.“

…und dabei anständig geblieben sein…

„Insgesamt aber können wir sagen: Wir haben diese schwerste Aufgabe in Liebe zu unserem Volk getan. Und wir haben keinen Schaden in unserem Innern, in unserer Seele, in unserem Charakter daran genommen.“

..und auch schwerste Aufgaben mit Liebe erfüllen.

Das sind zentrale Punkte in der Ideologie des Heinrich Himmlers. Er redet sehr oft von Aufgaben und Pflichten, die zu erfüllen sind.

Quelle der Zitate aus der Posen-Rede:

http://www.holocaust-history.org/himmler-poznan/speech-text.shtml

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, was denn der Massenmörder Heinrich Himmler mit dem Karma-Yoga zu tun habe, und ob dieser Vergleich nicht etwas gar abstrus sei.

Nun, Heinrich Himmler war ein Anhänger der indisch-buddhistischen Karma-Lehre. Sie war für ihn ein tiefes Glaubensdogma, auf das er immer wieder zu sprechen kam, und das er mehrmals für die Sinndeutung der eigenen Existenz in Anspruch nahm.

Die Bhagavadgita, die zentrale Schrift des Karma-Yoga, soll Himmler so geschätzt haben, dass er sie ständig bei sich trug.

Heinrich Himmler verglich Hitler mit dem in diesem Lehrgedicht auftretenden Gott Krishna.

Die Bhagavadgita liest sich fast wie ein Katechismus für die SS. Viele NS-Ideologen nahmen daher auf diese indische Kriegerschrift immer wieder Bezug.

Die Philosophie der Bhagavadgita wurde nach dem Kriege von rechtsextremer Seite als Legitimation von Auschwitz herangezogen.

(weitere Infos dazu: http://www.trimondi.de/H-B-K/inhalt.hi.htm)

Albert Schweitzer kommt in seinem 1935 geschriebenen Werk „Die Weltanschauung der Indischen Denker“ zu einer sehr kritischen Einschätzung der ethischen Wertvorstellungen wie sie in der Bhagavadgita zu finden sind.

„Er schreibt: Weil sich in ihr so wunderbare Sätze von der innerlichen Losgelöstheit von der Welt, von der hasslosen und gütigen Gesinnung und von der liebenden Hingebung an Gott finden, pflegt man das Nicht-Ethische, das sie enthält, zu übersehen. Sie ist nicht nur das meist gelesene, sondern auch das meist idealisierte Buch der Weltliteratur.“

(Quelle: Wikipedia)

Aber kommen wir zurück in die Gegenwart:

1. Das alte oder neue Esoterik-Gebot „Nicht Werten!“ stellt Werten als negativ dar und wertet damit selber. Ein eklatanter Selbstwiderspruch.

2. „Nicht werten“ kann ein angemessene Grundhaltung sein zum Beispiel in einem therapeutischen Setting oder während einer Meditationsübung. Wer aber „Nicht werten“ im Alltag propagiert, schafft jede Ethik ab.

Kein Mensch wir ohne Wertung einen Finger rühren, wenn in der S-Bahn jemand angegriffen oder angepöbelt wird. Nicht einmal einen Anruf bei der Polizei wird es geben, wenn nicht zuvor dieser Angriff als inakzeptabel gewertet wird.

3. Wie bitte sollen sich Menschen, die nicht werten, als Konsumenten verhalten. Der Kauf von Bio-Produkten beispielsweise basiert auf einer Wertung.

4. Wie bitte sollen sich Menschen, die nicht werten, als Staatsbürgerinnen und Staatsbürger verhalten. Jede Abstimmung, jede Wahl setzt eine Wertung voraus. Wer eine Grundhaltung des Nicht-Werten propagiert, stellt das Funktionieren demokratische Staatsformen in Frage.

Fazit: Meiner Ansicht nach ist die „Nicht-Werten-Propaganda“ ein kompletter Holzweg.

Wir sollten nicht weniger, sondern eher mehr werten.

Aber wir sollten zugleich auch so gut wie möglich lernen, sorgfältiger zu werten, genauer, differenzierter – weniger vorschnell und pauschal.

Dazu braucht es unter anderem ein Wissen darum, dass wir für unsere Wertungen keine absolute Gültigkeit beanspruchen können und dass sie perspektivisch sind. Das heisst auch, dass wir einerseits für unsere Wertungen mit Argumenten einstehen sollten, aber genauso bereit sein müssen, sie falls nötig zu revidieren.

P. S.:

– Sorgfältige Wertungen sind auch im Bereich Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin nötig.

Kriterien dazu bietet das Tagesseminar:

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot

– Auf den ersten Blick irritiert das starke Interesse eines Heinrich Himmlers an den Lehren der Bhagavadgita. Das überrascht aber nur, weil weitgehend unbekannt ist, dass führende Exponenten des „Dritten Reiches“ stark von esoterischen Vorstellungen geprägt waren und zudem eng verbunden waren mit Naturheilkunde, Homöopathie, Anthroposophie, Schüssler Salzen  und Heilpflanzenkunde, die in jener Zeit politisch gefördert wurden.

Ich halte es für wichtig darüber nachzudenken, weshalb diese unsägliche Verbindung zwischen Naturheilkunde und Nationalsozialismus zustande kam und vor allem, weshalb ihre Weltbilder an vielen Punkten so kompatibel waren.

Die Fakten dazu im Tagesseminar

Naturheilkunde und Nationalsozialismus – eine fast unbekannte, unheilsame Verbindung – und was wir heute daraus lernen können

– Generell scheint es mir wichtig, dass wir vor allem bei traditionellen Heilmethoden verstehen, auf welchen Weltbildern sie gewachsen sind. Info dazu im Seminar:

Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit – Beiträge zur Ideengeschichte der Pflanzenheilkunde

Vorgestellt werden die Welt- und Menschenbilder der magisch-mythischen Medizin, der antiken Viersäftelehre (Humoralpathologie), der mittelalterlichen Klostermedizin (Hildegard von Bingen), der Signaturenlehre der Renaissance (Paracelsus), der Bachblüten-Therapie und der Phytotherapie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Die Seelenpfuscher – Pseudo-Therapien, die krank machen, von Heike Dierbach

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Verlagsbeschreibung:

Würden Sie Ihren Körper bei jemandem unters Messer legen, der nicht Medizin studiert hat, sondern aus spiritueller Eingebung zu wissen glaubt, wo er schneiden muss? Wohl kaum. Aber viele Menschen tun dies mit ihrer Seele: Sie suchen Hilfe bei selbsternannten Psychoheilern. Heike Dierbach hat neun populäre „Pseudo-Therapien“, die die Patienten schwer schädigen können, genauer untersucht: die Atemtechnik Rebirthing, das Familienstellen nach Hellinger, die Festhaltetherapie, das Channeln/Engeltherapie, die Reinkarnationstherapie, den Hoffman-Quadrinity-Prozess, Fernheilung sowie die Techniken „The Work“ und „The Secret“. Sie warnt vor den Risiken dieser Methoden und zeigt auch, wie sinnvolle therapeutische Hilfe aussehen kann und wo man sie findet. Zum Shop

Die Seelenpfuscher

Kommentar:

Im weiten Feld zwischen Psychotherapie, Esoterik / Spiritualität und Naturheilkunde / Komplementärmedizin gibt es eine grosse Vielfalt von angebotenen Verfahren. Darunter sind auch viele ausgesprochen fragwürdige Methoden. Für Interessentinnen und Interessenten ist es oftmals sehr schwierig, sich über die Qualität und Seriosität der Angebote ein fundiertes Urteil zu bilden. Das Buch von Heike Dierbach kann hier eine wertvolle Hilfe sein.

In eigenen Abschnitten werden vorgestellt:

Rebirthing, Festhaltetherapie nach Jirina Prekop, Familienaufstellung nach Bert Hellinger, The Secret, Hoffman-Quadrinity-Prozess, Reinkarnationstherapie, The Work, Channeln / Engeltherapie, Fernheilung.

Wichtig sind aber auch die Kapitel über „Typische Eigenschaften von Pseudo-Therapien“ und „Die häufigsten Argumente der Anhänger von Pseudotherapien“. Aus diesen Kapiteln kann man nämlich Schlüsse ziehen, die sich auch auf andere Pseudo-Therapien übertragen lassen.

Ich habe mich selber einige Jahre im „Psychokuchen“ bewegt und auch Psychotherapie-Ausbildungen absolviert. In dieser Zeit habe ich Wertvolles gesehen und erlebt, aber auch viel „Schrott“ und grandiose Selbstüberschätzung. von Trainern und Therapeuten.

Darum kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Schau genau hin, worauf du dich einlässt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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