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Weidenröschenkraut bei gutartiger Prostatavergrösserung (BPH) von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

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Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine Beurteilung des Weidenröschenkrauts (Epilobii herba) vor.

Epilobii herba, das Weidenröschenkraut, kann nach Einschätzung der EMA-Gutachter für Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Prostatavergrösserung) empfohlen werden. Weidenröschen kann bei Miktionsstörungen unterstützend eingesetzt werden. Eine Wirksamkeit sei insbesondere durch den jahrelangen erfolgreichen Gebrauch der Pflanze erwiesen, schreibt die EMA, und verweist auf Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit aus mehr als 30 Jahren. In der EU sind Produkte aus Weidenröschen seit 15 Jahren auf dem Markt.

Zwar gebe es keine klinischen Studien, doch sei aus Labortests ersichtlich, dass Epilobium einen Effekt auf das Wachstum von Prostatazellen habe. Darüber hinaus konnten im Labor antientzündliche und schmerzlindernde Wirkungen festgestellt werden. Nebenwirkungen bei Anwendung von Weidenröschenkraut sind nach Aussage der EMA nicht bekannt.

Für die Fachleute sind die jahrelange sichere Verwendung und die Hinweise auf gute Wirksamkeit zur unterstützenden Behandlung der BPH ausreichend, um die Anwendung bei dieser Indikation ausdrücklich zu empfehlen. Vor der Behandlung sollen allerdings schwerere Erkrankungen durch einen Arzt ausgeschlossen werden, erklärt die EMA.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Inhaltsstoffe verschiedener Weidenröschen-Arten wurden intensiv im Labor erforscht und zeigten zum Teil interessante Wirkungen. Die Empfehlung der EMA steht trotzdem auf wackligem Fundament. Laborergebnisse lassen sich nicht direkt auf die Anwendung beim Menschen übertragen und Erfahrungsberichte aus traditioneller Anwendung lassen keine sicheren Schlüsse zu. Bei einer Besserung ist nie klar erkennbar, ob sie wirklich vom angewendeten Weidenröschentee ausgelöst wurde. Bei langandauernden Beschwerden schwankt die Intensität der Beschwerden meistens im Verlauf und es passiert sehr leicht, dass jede Besserung dem angewendeten Mittel zugeschrieben wird, obwohl nur das natürliche Auf und Ab der Beschwerden vorliegt. Nur klinische Studien könnten hier Klarheit verschaffen, sind aber nicht in Sicht.

Die Phytotherapie-Fachliteratur ist deutlich zurückhaltender bezüglich der Wirksamkeit des Weidenröschens als die EMA.

Weidenröschentee verdankt seine Bekanntheit den Empfehlungen von Maria Treben (1907 – 1991), die aber wegen ihren zahlreichen fragwürdigen bis gefährlichen Ratschlägen nicht vertrauenswürdig ist.

Die auf Wikipedia geäusserte Kritik teile ich voll und ganz:

„Die Stiftung Warentest äußert erhebliche Zweifel an der Sachkundigkeit Maria Trebens und weist auf mehrere Fehler in ihren Büchern hin. Sie empfehle Pflanzen zur Behandlung schwerer Krankheiten bis hin zu Krebs, deren Wirksamkeit für diese Pflanzen überhaupt nicht nachgewiesen seien. Teilweise verwechsele Treben wichtige Fachbegriffe, beispielsweise den Zucker Inulin mit dem Hormon Insulin, wodurch sie fälschlich Löwenzahn gegen Diabetes mellitus empfehle. „Ihr Schöllkraut-Rezept gegen Leber- und Gallenleiden ist eine Anleitung zur Vergiftung. Der Ratschlag, Ohnmächtigen einen Esslöffel Schwedenbitter einzuflößen, ist lebensgefährlich.“

Die Universitätsklinik Freiburg äußert in ihrem Ratgeber für Krebspatienten: „(…) gefährlich ist (…) die Grundtendenz, alle Krankheiten als mit Kräutern heilbar darzustellen. Treben behauptet mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst. (…) Gegenüber den ‚Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern‘ der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. (…) Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht (…) viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren. Alle diese Medikamente sind in ihrer Wirksamkeit gegen Krebs unbewiesen.“

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Weissdornbeeren für Sirup und Kompott

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Wenn der Herbst ins Land zieht, leuchten die Früchte des Weissdorns rot in den Hecken. Dass die Beeren essbar sind, ist nur wenigen bekannt. Roh hat das Fruchtfleisch allerdings eine mehlige Konsistenz. Erst nach der Verarbeitung zu Kompott, Gelee, Saft, Sirup oder Chutney entfalten die Früchte ein angenehm süß-säuerliches Aroma. Sie lassen sich auch gut mit anderem Obst wie Äpfeln, Quitten und Holunderbeeren kombinieren. Ein Mus aus Weißdornbeeren kann als Brotbelag verwendet werden und gibt Müsli, Joghurt und Quark einen speziellen Geschmack. Dafür werden die Weissdornfrüchte in etwas Wasser für acht bis zehn Minuten weichgekocht, danach abgegossen und durch ein Sieb gestrichen. Wer es gerne süsser hat, kann einen Teelöffel Agavensirup oder Honig beigeben.

Auch in der traditionellen Pflanzenheilkunde ist der Weissdorn bekannt. Schon Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl den Weißdorn als Heilpflanze für Herz und Kreislauf. Bei Bluthochdruck und Schwindel soll ein Weissdorntee aus den getrockneten Blüten und Blättern helfen. Die Früchte enthalten unter anderem viel Vitamin C und Provitamin A sowie den Ballaststoff Pektin.

Weissdornfrüchte reifen zwischen August und Oktober. Beim Pflücken sollte man Vorsicht walten lassen und Handschuhe tragen, da Weißdorn sehr dicht wächst und mit zahlreichen Dornen bestückt ist. Ausserdem können die roten Beeren unschöne Flecken auf Textilien hinterlassen. Vor der Zubereitung werden die Weissdornfrüchte vom Stiel abgezogen und vor der weiteren Verarbeitung gründlich gewaschen. Ein paar Früchte sollten jedoch am Strauch bleiben, da sie über 30 verschiedenen Vogelarten als Nahrung dienen. Auch für zahlreiche Insektenarten und kleine Säugetiere ist der Weißdornstrauch eine gute Lebensgrundlage.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/weissdorn-30849.html

 

Kommentar & Ernährung:

Erfreulich, dass das „Bundeszentrum für Ernährung“ (BzfE) die Weissdornfrüchte als Nahrungsmittel vorstellt.

Die Phytotherapie verwendet meistens Weissdornblüten und Weissdornblätter als Weissdorntee, Weissdorntinktur oder Weissdornextrakt.

Weissdornfrüchte (genauer: Scheinfrüchte) werden selten eingesetzt, kaum als Tee, manchmal aber als Tinktur.

Die Weissdornfrüchte enthalten wie Blüten und Blätter die typischen Wirkstoffe des Weissdorns – Flavonoide und oligomere Poranthocyanidine – allerdings tendenziell in geringerer Konzentration. Gemäss den Standardwerken „Biogene Arzneimittel“ und „Teedrogen und Phytophamaka“ nimmt der Wirkstoffgehalt der Weissdornfrüchte mit zunehmender Reife ab.

Das dürfte die Wirksamkeit der Früchte einschränken, zumal Weissdorn über längere Zeit in recht hohen Dosierungen engenommen werden muss.

Diese nötige hohe Zufuhr an Wirkstoffen kann bei Weissdorntee und Weissdornextrakt aus Blüten und Blättern erreicht werden, kaum jedoch mit Weissdorntinktur.

Siehe dazu:

Pflanzentinkturen oder Kräutertees?

Bei Sirup oder Kompott aus Weissdornfrüchten müsste man wohl unrealistisch hohe Dosen täglich über lange Zeiträume einnehmen, um eine relevante Wirkstoffzufuhr zu erzielen. Als Heilmittel für Herz & Kreislauf sind Weissdornkompott und Weissdornsirup sehr fraglich, vor allem auch, weil dazu reife Früchte verwendet werden.

Zurecht weißt der Beitrag der BzfE auf die hohe Bedeutung des Weissdornstrauch als Nahrung für Vögel hin. Weissdorn ist bezüglich des Nutzens für die Tierwelt einer der besten einheimischen Sträucher.

Heikel ist allerdings, dass Weissdorn zu den Wirtspflanzen des Feuerbrands gehört, einer gefählichen Pflanzenkrankheit, die durch das Bakterium Erwinia amylovora verursacht wird und vor allem Kernobst befällt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilerde bei Durchfall, Reflux, Sodbrennen

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Der Pharmavista-Newsletter hat einen informativen Text publiziert zu Wirkungen und Anwendungsbereiche von Heilerde. Die wichtigsten Punkte daraus hier:

Der Begriff Heilerde umfasst verschiedene Sedimentarten und besteht zum grössten Teil aus Silikat, enthält zahlreiche Mineral- und Spurenelemente und zeichnet sich durch ein hohes Bindungsvermögen aus.

Heilerde wird seit langem zur Behandlung von Reflux und Sodbrennen eingesetzt. Weniger bekannt ist die Anwendung bei Durchfall.

Die leicht basische Heilerde kann säure im Magen binden und ist zudem bei gleichzeitig vorhandenen Magenbeschwerden beziehungsweise bei Brechreiz von Vorteil.

Die natürliche Heilerde besitzt ausgeprägte, abdeckende Eigenschaften. Silikate bestehen aus feinsten Blättchen, die durch schwache Kohäsionskräfte leicht übereinander gleiten und dadurch auf Schleimhäuten einen Schutzfilm ausbilden können.

Heilerde ist in der Lage, über Kapillarkräfte Flüssigkeiten und Gase zu absorbieren.

Durch Kationenaustausch können an der Substanzoberfläche der Heilerde verschiedene Stoffe wie zum Beispiel Toxine im Darmlumen adsorbiert werden. Darum kann Heilerde wie Medizinalkohle bei Durchfall angewendet werden. Darüber hinaus vermindert der Schutzfilm die Flüssigkeitssekretion ins Darmlumen und der Mineralgehalt der Heilerde kann den durchfallbedingten Elektrolytverlust reduzieren.

Heilerde zur innerlichen Anwendung ist in verschiedenen galenischen Formen wie Pulver, Granulat oder Kapseln im Handel.

Das Heilerde-Pulver wird für die Einnahme in ein Glas Wasser eingerührt.

Der etwas erdige Geschmack lässt sich mit Kräutertee etwas vermindern.

Saure Getränke wie Fruchtsäfte sollten bei der Einnahme von Heilerde vermieden werden, da dies zu einer unerwünschten Neutralisationsreaktion und einer Aufhebung der Säurebindungsfähigkeit führen kann.

Die empfohlene Dosis liegt je nach Literaturquelle zwischen 500 und 1‘000 mg 2-3-mal täglich, oder 1-2 Teelöffel ein- bis mehrmals täglich.

Wegen der hohen Bindungskapazität der Heilerde sollen andere Medikamente nicht gleichzeitig, das heisst im Abstand von etwa zwei Stunden eingenommen werden. Bei Patienten mit schwerer, chronischer Verstopfung in der Anamnese ist Vorsicht geboten.

Quellen:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5141&NMID=5141&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Heilerde ist ein traditionelles Naturheilmittel. In der klassischen Naturheilkunde wurde Heilerde unter anderem von Sebastian Kneipp, dem „Lehmpfarrer“ Emanuel Felke und Adolf Just propagiert.

Neben der innerlichen Anwendung bei Verdauungsstörungen wird die Heilerde auch äusserlich eingesetzt, zum Beispiel bei Akne.

Allerdings kann die äusserliche Anwendung die Haut austrocknen, was bei Akne jedoch eher erwünscht sein kann.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Fenchelfrüchte bei Völlegefühl, Blähungen und krampfartigen Bauchbeschwerden

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Auf n-tv.de hat Heidi Driesner gerade einen informativen Beitrag veröffentlicht zur Verwendung von Fenchel als Gewürz, Gemüse und Heilpflanze.

Zitat zu den Wirkungen des Fenchels als Heilpflanze:

„Richtig dosiert aber lindern die ätherischen Öle in den Samen tatsächlich Blähungen und Koliken. Besonders reich sind die Samen an Anethol, es bewirkt den anisartigen Duft und Geschmack des Fenchels (befindet sich auch in Anis). Anethol steigert die Bewegung der Muskulatur in Magen und Darm und wirkt zusätzlich krampflösend. Beides zusammen hilft bei Völlegefühl, Blähungen und krampfartigen Bauchbeschwerden. Es regt außerdem den Appetit an und fördert die Verdauung. Schon Sebastian Kneipp wusste Bauchschmerzen mit Fenchel zu vertreiben. Er empfahl, 1 Esslöffel Fenchelsamen mit 150 Milliliter Milch aufzukochen und möglichst heiß in kleinen Schlucken zu trinken.

Das Fenchon im Fenchel dagegen schmeckt bitter und kampferartig. Diesem ätherischen Öl wird eine entzündungshemmende Wirkung zugeschrieben, so dass Fenchel auch dazu beitragen kann, Bakterien und Pilze im Wachstum zu hindern.“

Quelle:

http://www.n-tv.de/leute/essen/Ein-Kraut-fuers-ganze-Leben-article14582226.html

Kommentar & Ergänzung:

Der Abschnitt umreisst die Wirkungen und Anwendungsbereiche der Fenchelfrüchte gut.

Interessant ist die Empfehlung von Sebastian Kneipp, die Fenchelfrüchte mit Milch aufzukochen.

Das Abkochen mit Milch dürfte zwar geschmacklich nicht jedermanns Sache sein, doch hat diese Variante der Teezubereitung einen interessanten Vorteil.

Weil Milch fetthaltig ist und ätherische Öle sich besser in Fett als in Wasser lösen, wird die Ausbeute an ätherischem Öl etwa doppelt so hoch sein als bei der Zubereitung mit Wasser. Allerdings muss dazu Vollmilch verwendet werden. Bei teilentrahmter Milch ist der Fettanteil zu tief.

Der letzte Abschnitt im Zitat ist etwas verwirrlich. Wenn das ätherische Fenchelöl entzündungswidrig wirkt, folgt daraus nicht die bakterienhemmende und pilzhemmende Wirkung. Das sind zwei unabhängige Wirkungen.

Die antimikrobielle Wirkung von Fenchelöl gegen Bakterien und Pilze ist aber in zahlreichen Testsystemen bestätigt worden.

Was im Zitat noch fehlt ist die schleimlösende (= expektorierende) Wirkung von Fencheltee und Fenchelöl. Sie regen die Flimmerhärchen in den Bronchien an und wirken so auswurffördernd.

Anethol und Fenchon vermindern zudem nach Inhalation die Dichte des Bronchialsekrets und verflüssigen die Atemwegsflüssigkeit.

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Heilpflanzen von Maria Treben gegen Tumore?

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Ich werde immer wieder mal gefragt, was ich von den Heilkräutern halte, die Maria Treben gegen Tumore empfiehlt.

Daher soll es hier wieder einmal gesagt sein:

Die Empfehlungen von Maria Treben gegen Krebs entbehren jeder Grundlage.

Maria Treben (1907 – 1991) ging davon aus, dass sich jede Krankheit mit Heilpflanzen heilen lässt. Das ist ein fundamentaler Irrtum. Heilpflanzen haben eine ganze Palette von sinnvollen Anwendungsbereichen, doch haben sie auch ihre Grenzen. Wer diese Grenzen wie Maria Treben ausblendet, läuft in eine riskante Richtung und gefährdet das Leben von Patientinnen und Patienten.

Das Tumorzentrum der Universitätsklinik Freiburg schreibt mit gutem Grund:

„Treben behauptet, mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass “das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst”. Weitere “Wundermittel” sind Schwedenkräuter, intern oder als Umschlag angewendet, Spitz- oder Breitwegerichbrei, Ringelblumensalbe und vieles anderes. Gegenüber den “Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern” der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. Einer vernünftigen zusätzlichen Anwendung solcher Präparate ist nichts entgegenzuhalten, zum Beispiel dem Einreiben einer Operationsnarbe nach Mastektomie mit Ringelblumensalbe. Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht bei diesem heute heilbaren Tumor viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren.“

Quelle:

http://www.uniklinik-freiburg.de/fileadmin/mediapool/09_zentren/cccf/pdf/Broschüren/Final-Patientenratgeber_Komplementäre_Verfahren.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Nicht alles glauben, was über Wirkungen von Heilpflanzen erzählt und geschrieben wird. Wie man kritisch nachfragt und Aussagen und Versprechungen auf ihren Gehalt hin prüft, können Sie in meinen Lehrgängen lernen (Heilpflanzen-Seminar, Phytotherapie-Ausbildung).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kohlwickel / Kohlauflage bei Gelenkschmerzen

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 2 / 2012) berichtete über die Anwendung des Kohlwickels:

„Haben Sie Kohl schon einmal äußerlich probiert? Der berühmte Chirurg Ferdinand Sauerbruch empfahl Sauerkraut nach Operationen zum schnellen Schließen und Heilen von Narben. Äußerlich kurierte Sebastian Kneipp Geschwüre, offene Wunden und auch schmerzende Gelenke mit Kohlblättern. Kenner schwören dabei auf Kohl. Die einzelnen Blätter werden mit dem Stiel vom Blatt gelöst und dann mit einem Nudelholz solange gewalkt, bis die Blattzellen aufbrechen. Das gewalkte Blatt wird dann auf die schmerzende Stelle gelegt und mit einem Verband fixiert. Am besten legen Sie diesen Wickel über Nacht an – eine Wohltat.“

Kommentar & Ergänzung:

Der Kohlwickel bzw. die Kohlauflage ist ein altes Hausmittel aus der Naturheilkunde. Zwar wird der Kohlwickel manchmal etwas allzu überschwänglich als Wundermittel gegen alles und jedes „besungen“, was dann etwas überzogen daher kommt. Eine Wirksamkeit zum Beispiel bei Gelenkschmerzen und in der Wundheilung ist ihm aber durchaus zuzutrauen.

Kohl enthält Senfölglykoside mit antimikrobieller und durchblutungsfördernder Wirkung. Senfölglycoside kommen in Mitteleuropa in der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vor. Es handelt sich um schwefelhaltige Verbindungen, die Gemüsen wie Rettich, Meerrettich, Senf, Kresse, Kapuzinerkresse und Kohl den etwas bitteren Geschmack geben.

Unsinnig sind meines Erachtens die Geschichten, wonach der Kohlwickel „Giftstoffe“ aus dem Körper zieht. Es ist nämlich völlig unklar,

– um welche Art von „Giftstoffen“ es sich da handeln soll,

– wie der Kohl „weiss“, welche Stoffe er als „Giftstoffe“ herausziehen soll und welche drin bleiben müssen, und

– mit welcher Art von Kraft der Kohl dieses Herausziehen bei intakter Haut bewerkstelligt.

Wenn der Kohl sich während der Wickelanwendung dunkel verfärbt, kommt dies von den schwefelhaltigen Substanzen, die mit dem Sauerstoff zusammen schwärzliche Sulfide bilden.

Aber die Vorstellung, dass nach der Wickelanwendung alle Giftstoffe draussen sind, ist natürlich sehr erleichternd.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wie verlässlich sind die Ratschläge von Maria Treben?

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Diese Frage ist mir neulich wieder einmal bei einem Vortrag gestellt worden.

Wer war Maria Treben?

Maria Treben (1907- 1991) war eine Kräuterbuchautorin aus Grieskirchen (Österreich). Ihr Buch Gesundheit aus der Apotheke Gottes wurde in mehr als 20 Sprachen herausgegeben, erreichte eine Gesamtauflage von über acht Millionen Exemplaren und war damit ein Grosserfolg.

Man kann Maria Treben zugute halten, dass sie viel zur Renaissance der Kräuterheilkunde beigetragen hat.

Ihr Ratschläge sind aber von einer Grenzenlosigkeit, die an Allmachtsphantasien grenzt. Mit ihren Kräutern heilt Maria Treben einfach alles – und das ohne Misserfolge, wenn man ihren Darstellungen glauben will. Das ist eine völlig unrealistische Betrachtungsweise, die aber offenbar den Bedürfnissen breiter Bevölkerungskreisen nach Wunderheilmittel entgegenkommt.

Wie schön wäre es doch, wenn Schwedenkräuter, Ringelblumen & Co uns alle Krankheiten abnehmen könnten.

Das geht bei Maria Treben sehr schnell. Ein unheilbares Darmkrebsleiden bei einer jungen Mutter von fünf Kindern – „der Arzt gab ihr noch einige Tage“ – Umschläge mit Schwedenkräutern „auf die erkrankten Darmstellen“ und innerlich „Kalmuswurzeln, die man über Nacht ansetzt“, zusammen mit „blutreinigendem Tee von Ringelblumen, Schafgarben und Brennnesseln“ – und siehe da: „Heute geht es der Frau so gut, dass mit einer völligen Heilung gerechnet werden kann“.

Ganz abgesehen davon, dass in der Phytotherapie-Fachliteratur jeder Hinweis auf eine Antikrebswirkung dieser Kräuterkur fehlt:

Ärzte können sich täuschen in ihrer Prognose. Wenn die Darmkrebs-Patientin aber wirklich nur noch wenige Tage zu leben hatte, dann ist es äusserst unwahrscheinlich, dass sich ein Tumor im Endstadium mit allen damit verbundenen Schäden und allfälligen Metastasen einfach so mit ein paar „blutreinigenden“ Kräutern in Luft auflöst. Es gibt zwar auch in der Onkologie unerklärbare Spontanremissionen, bei denen sich ein Krebs ohne erkennbare Ursache zurückbildet. Solche Fälle sind aber erstens sehr selten und sie betreffen wohl kaum Tumore im Endstadium.

Die Wunderheilung bei Darmkrebs, die Maria Treben schildert, müsste also ein äusserst seltenes Ereignis sein – wie es halt für Wunder charakteristisch ist – sofern man dieses Wort hier verwenden will.

Die Schriften von Maria Treben sind aber voll von solchen angeblichen Wundern. Nierenkrebs, Hirntumor, Knochenkrebs Leukämie – alles kein Problem, selbst wenn Metastasen vorhanden sind.

Wunder am laufenden Band und quasi mit Erfolgsgarantie – das muss einfach stutzig machen. Woran sterben wir denn eigentlich, wenn alle die Ratschläge der Maria Treben beherzigen?

War die Frau eine Betrügerin? Das kommt darauf an, wie man Betrug definiert. Meinem Eindruck nach hat sie an sich und an die Heilkraft ihrer Kräuterrezepte geglaubt.

Aus ihren Schriften spricht eher eine Verblendung, die Misserfolge und Grenzen nicht mehr wahrnehmen kann.

Sie sah sich als „Apothekerin Gottes“, bekam angeblich Weisungen von der Jungfrau Maria und war überzeugt, dass sich mit Kräutern jede Krankheit heilen lässt.

Wer so felsenfest an seine Wahrheit glaubt, wird immun gegen das Realisieren von Misserfolgen und Grenzen.

Die Empfehlung von Ringelblumentee bei Leukämie von Kindern hat nach Recherchen der Zeitschrift Stern – meiner Erinnerung nach war das in den 80er-Jahren – einigen Kindern das Leben gekostet. Mit diesen Misserfolgen konfrontiert, schob die Kräuterfrau die Verantwortung auf die Eltern ab, welche den Tee nicht vorschriftsgemäss verabreicht hätten. So einfach kann man es sich machen, wenn man Misserfolge nicht an sich heranlassen will oder kann.

Diese schlimmen Verläufe kommen jedenfalls in den Schriften der Maria Treben nicht vor.

Auch die Stiftung Warentest kommentiert die Empfehlungen von Maria Treben kritisch und weißt auf Fehler hin:

„Die Stiftung Warentest äußert erhebliche Zweifel an der Sachkundigkeit Maria Trebens und weist auf mehrere Fehler in ihren Büchern hin. Sie empfehle Pflanzen zur Behandlung schwerer Krankheiten bis hin zu Krebs, deren Wirksamkeit für diese Pflanzen überhaupt nicht nachgewiesen ist. Teilweise verwechselt Treben wichtige Fachbegriffe; beispielsweise verwechselt sie unter anderem den Zucker Inulin mit dem Hormon Insulin und empfiehlt daher fälschlich Löwenzahn gegen Diabetes mellitus. „Ihr Schöllkraut-Rezept gegen Leber- und Gallenleiden ist eine Anleitung zur Vergiftung. Der Ratschlag, Ohnmächtigen einen Eßlöffel Schwedenbitter einzuflößen, ist lebensgefährlich.“

(Quelle: Wikipedia)

Und in einer Broschüre des Tumorzentrums der Universität Freiburg über Alternative Krebstherapien heisst es, gefährlich sei „die Grundtendenz, alle Krankheiten als mit Kräutern heilbar darzustellen. Treben behauptet, mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass ‚das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst’. Weitere ‚Wundermittel’ sind Schwedenkräuter intern oder als Umschlag, Spitz- oder Breitwegerichbrei, Ringelblumensalbe und vieles anderes. Gegenüber den ‚Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern’ der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. Einer vernünftigen zusätzlichen Anwendung solcher Präparate ist nichts entgegenzuhalten, zum Beispiel dem Einreiben einer Operationsnarbe nach Mastektomie mit Ringelblumensalbe. Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable, und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht bei diesem heute heilbaren Tumor viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren. Alle diese Medikamente sind in ihrer Wirksamkeit gegen Krebs unbewiesen. Nicht alle der empfohlenen Pflanzen sind harmlos, beinhaltet doch die ‚Apotheke Gottes’ auch viele bekannte Giftpflanzen der Natur.“

Quelle: http://www.uniklinik-freiburg.de/tumorzentrum/live/Patienten-Info/Broschueren/komplementaere_verfahren_pat2006.pdf

Seriöse Heilpflanzen-Bücher finden Sie im Buchshop:

Phytotherapie-Fachbücher für Fachleute aus Gesundheitsberufen.

Heilpflanzen-Bücher für Interessierte ohne medizinische Grundkenntnisse.

Und falls Sie sich selber kundig machen möchten im diesem Bereich, dann schauen Sie sich mal die Phytotherapie-Ausbildung oder das Heilpflanzen-Seminar an.

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Migros: Fragwürdige Geschäfte mit Sanactiv Teufelskrallen-Gel

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Der Grossverteiler Migros baut sein Sortiment mit Heilmitteln (Liste E), Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika auf der Basis von Heilpflanzen kontinuierlich aus.

Migros entdeckt die Heilpflanzen – darüber könnte man sich möglicherweise sogar freuen.

Aber: Verkauf geht dabei offensichtlich vor Wirksamkeit.

Ein Beispiel dafür ist der Sanactiv Teufelskrallen-Gel.

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine Heilpflanze, deren Wirksamkeit gegen Gelenkbeschwerden bei Rheuma bzw. Arthrose und gegen Rückenschmerzen in den letzen Jahren zunehmend belegt werden konnte. Allerdings ging und geht es dabei immer um innerliche Anwendung als Teufelskrallentee, Teufelskrallentinktur und Teufelskrallenextrakt.

Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gibt es nur für Teufelskrallenextrakte.

Der ganze Ruf der Teufelskralle als Rheumamittel basiert also auf der Einnahme via Verdauungstrakt.

Nun kommt die Migros und verkauft Teufelskrallen-Gel zum Einreiben.

Es gibt aber keine seriösen Hinweise darauf, dass die Teufelskrallen-Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden. Die Wirkstoffe sind wasserlöslich und zudem als Molekül relativ gross , was eine Aufnahme durch die Haut praktisch ausschliesst.

Der Ruf der Teufelskralle – basierend auf innerlicher Anwendung – wird hier einfach frech ausgenutzt und auf den Teufelskrallen-Gel übertragen. Die Kundinnen und Kunden lesen Teufelskralle und assoziieren Rheuma – und schon läuft das Geschäft.

Der Teufelskrallen-Gel enthält neben Teufelskrallenextrakt Menthol, Rosmarinöl,  Eukalyptusöl und Wintergrünöl (aus Gaultheria procumbens). Mag sein, dass diese Inhaltsstoffe noch ein wenig durchblutungsfördernd wirken. Das mit der Teufelskralle aber ist ein Marketing-Schachzug, mit dem die Migros Kundinnen und Kunden fängt.

Viele Apotheken und Drogerien sind allerdings nicht besser – sie verkaufen Teufelskrallen-Gel von Alpinamed.

Die Migros wiederum verkauft auch noch „Kneipp Badeöl Teufelskralle“.

Auch hier erscheint es als ausgeschlossen, dass die Teufelskralle als Badezusatz  wirksam wird.

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) würde sich zudem wundern über dieses Teufelskrallen-Badeöl, das von der Migros unter seinem Namen verkauft wird. Die Teufelskralle ist in der Wüste Kalahari (Südafrika und Namibia) zuhause. Erst 1904 wurde in Namibia der ehemalige Soldat und spätere Farmer G. H. Mehnert von der einheimischen Bevölkerung auf die Teufelskralle und ihre Heilwirkungen aufmerksam gemacht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Heilpflanze dann auch in Europa eingeführt. Sebastian Kneipp kann die Teufelskralle also gar nicht gekannt haben.

Diese Produkte sind keine Ausnahme. Bei der Mehrzahl der Präparate, die als Naturheilmittel angepriesen werden – mit Schlagworten wie „natürlich“ oder „rein pflanzlich“ – handelt es sich schlichtweg um Fake. Der Verweis auf pflanzliche Inhaltsstoffe dient nur dem Verkauf. Eine Wirkung ist von diesen Pflanzenstoffen nicht zu erwarten – wegen unsinniger Zusammensetzung oder ungenügender Dosierung.

Versprechungen top, Wirkungen flop. Das gilt vor allem für Produkte aus dem Internethandel, aber auch für Supermärkte, Apotheken und Drogerien.

Nur eine Minderheit der pflanzlichen Naturheilmittel sind wirksam und die Werbung verschleiert die Unterschiede.

Der Markt der Naturheilmittel und Komplementärtherapeutika ist vollkommen intransparent, was Qualität und Wirksamkeit angeht.

Wenn Sie lernen wollen, wie sich die Spreu vom Weizen trennen lässt, dann empfehle ich Ihnen die Phytotherapie-Ausbildung oder das Heilpflanzen-Seminar.

Man muss einiges wissen, damit man sich eine eigene fundierte Meinung bilden kann, und nicht alles glauben muss. Was die Werbung oder irgendwelche Experten verkünden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Sport gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

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Ein Teil der Frauen in den Wechseljahren leidet an Hitzewallungen. Wissenschaftler empfehlen hier sportliche Bewegung.

Übergewichtige Frauen mit wenig körperlicher Bewegung leiden in den Wechseljahren häufiger unter den Symptomen einer Hitzewallung, erklärt Steriani Elavsky von der Abteilung Kinesiologie der Universität Penn State. Darüber hinaus konnten die Forschenden durch ein neues Studiendesign unterscheiden zwischen objektiven und subjektiven Hitzewallungen.

Sie beobachtete 92 menopausale Frauen für 15 Tage. Die Probandinnen, im Alter zwischen 40 – 59 Jahren und ohne aktueller Hormontherapie, bekamen einen Beschleunigungssensor zur Messung der körperlichen Aktivität. Außerdem wurden ihre Hautleitfähigkeit kontrolliert, um eine Hitzewallung zu objektivieren.

Die Annahme, dass Sport Hitzewallungen fördert, da es die Körperkerntemperatur steigert, konnte widerlegt werden. Die Untersuchungen  zeigten, dass Frauen nach sportlicher Bewegung weniger Hitzewallungen erlebten als ihre inaktiven Geschlechtsgenossinnen. Zudem zeigen die Untersuchungen, dass Übergewichtige häufiger unter den Beschwerden der Wechseljahre leiden.

Ob eine gezielte Gewichtsreduktion und regelmäßige körperliche Bewegung Symptome der Menopause lindern können, müsse nun in weiteren Studien überprüft werden, betonen die Wissenschaftler.

Quelle:

http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/menopausale-hitzewallungen-einfach-wegtrainieren.html

Steriani Elavsky et al., Menopause 2012, 25 .Juni, online first

Kommentar & Ergänzung:

„Bewegung“ ist ein zentraler Bestandteil der klassischen Naturheilkunde, wie sie sich zum Beispiel darstellt in den fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp:

Hydrotherapie, Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Bewegung, Lebensordnung.

Die Begriffe Naturheilkunde, Komplementärmedizin und Alternativmedizin werden heute oft irreführend durcheinander gemischt.

Naturheilkunde – was ist das?

Zum Thema Bewegung & Gesundheit sind in letzter Zeit zahlreiche interessante Studien publiziert worden.

Beispielsweise:

Wandern reduziert Depressionen

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

Regelmässiges Schwimmen hilft erhöhte Blutdruckwerte zu senken

Aktiver Lebensstil reduziert Alzheimer-Risiko

Zügig Gehen reduziert Darmkrebsrisiko

Walking und Jogging helfen gegen Migräne

Sport gegen Depressionen

Diabetes: Sport steigert Insulinproduktion

Sport vorbeugend gegen Menstruationsbeschwerden

Sport reduziert Angstsymptome

Bewegung beugt Depressionen vor

In der Phytotherapie steht bei Hitzewallungen in den Wechseljahren die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) im Vordergrund. Weniger gut geklärt sind Soja und Rotklee.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei Wechseljahrsbeschwerden

Isoflavone aus Soja und Rotklee bei Wechseljahrsbeschwerden

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Wandern reduziert Depressionen

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Regelmäßig wandern zu gehen lindert Depressionen und Suizidgedanken. Bei einer Studie mit 20 Patienten, die schon Suizidversuche hinter sich haben, zeigten sich durch regelmäßige Wanderungen deutliche Verbesserungen.

20 Patienten der Salzburger Christian-Doppler-Klinik, die bereits Suizidversuche hinter sich haben, wurden für die Studie ausgewählt. Die Teilnehmenden gingen abwechselnd neun Wochen lang je dreimal pro Woche in einer geführten Gruppe wandern.

Absolviert wurden kleine, moderate Touren von zwei bis drei Stunden auf den Bergen rund um die Stadt Salzburg, erklärt der Studienleiter, Sportwissenschaftler Josef Sturm.

Der Erfolg der regelmäßigen Wanderungen lag über den Erwartungen der Wissenschaftler:

Die Patienten freuten sich auf die Wanderungen und die Motivation lag deutlich höher als in vergleichbaren Studien. Dass auch die körperliche Verfassung der Patienten sich um 100 Prozent verbessert hat, bestätigte Sportmediziner Josef Niebauer durch Tests.

Vor allem aber wurde die seelische Lage der Suizid-Patienten deutlich positiver. Sechs Monate lang wurden die Teilnehmer der Studie per Onlinefragebogen täglich über ihren Gemütszustand befragt – mit einem Test, der von Günter Schiepek entwickelt wurde, dem Leiter des PMU-Instituts für Synergetic und Psychotherapieforschung. Zudem gab es am Anfang, zur Hälfte und am Schluss der Studie ein ausführliches Gespräch. Die Auswertung zeigte ganz klar, dass im Verlauf der Studie Suizidgedanken, das Gefühl der Hoffnungslosigkeit und Depressionen deutlich seltener wurden.

Dass Bewegung in der Natur und in den Bergen gut gegen Depressionen und Suizidgefährdung ist, sei damit erstmals in einer wissenschaftlichen Studie bestätigt, kommentiert Reinhold Fartacek, ärztlicher Direktor der Christian-Doppler-Klinik und Leiter der Suizidprävention Es gebe viele Studien zum Thema Depression. Sehr rar seien aber die Studien, die diese Effekte mit einer wirklich sauberen und aufwändigen Methodik untersuchen, wo man danach wirklich sagen könne: Diese Intervention hat Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken verbessert und ist nicht durch andere Faktoren erklärbar. Da sei es am Beispiel der suizidgefährdeten Patienten die weltweit erste Studie, die das sauber zeigen konnte.

Bei den Wanderungen seien die Studienteilnehmer daher auch angewiesen worden, ohne viel Reden mit den anderen Gruppenmitgliedern zu gehen, um ausschließen zu können, dass das Gruppenerlebnis zur Verbesserung des Zustandes führt, sagt Fartacek.

Quelle:

http://salzburg.orf.at/news/stories/2546925/

Kommentar & Ergänzung:

Dass Wandern bzw. Bewegung günstig wirkt gegen Depressionen, ist meines Erachtens sehr plausibel.

Schon der dänische Philosoph Søren Kierkegaard (1813 – 1855) schrieb:

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

Allerdings erstaunt es mich schon, wenn gesagt wird, dass diese Studie die Effekte erstmals „sauber“ belegt habe.

Depressionen bessern häufig auch von selber innert einiger Monate. Es fehlt hier jedoch eine Kontrollgruppe mit vergleichbarer Symptomatik, aber ohne Wanderungen. Nur mit einer Kontrollgruppe könnte man den spontanen Verlauf mit der Interventionsgruppe vergleichen.

Ausserdem bewirkt fast jede einigermassen sinnvolle Intervention eine gewisse Entlastung – nur schon dadurch, dass „etwas“ getan wird. Dieses Phänomen kann man zum Placebo-Effekt rechnen – aber gut, den Patienten kann es egal sein, ob es ihnen durch das Wandern besser geht oder durch den Placebo-Effekt.

Aber nochmals, damit ich nicht falsch verstanden werde: Wandern ist mit oder ohne Depression gesund und empfehlenswert.

Erwähnt werden soll noch, dass Bewegung eine klassische Methode der Naturheilkunde ist und eine der fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp (neben Hydrotherapie, Ernährung, Heilpflanzen-Anwendungen, Lebensordnung).

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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