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Heilpraktiker-Ausbildung in der Kritik

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Für die Ausbildung zum Heilpraktiker oder zur Heilpraktikerin gibt es weder Qualitätsstandards noch gesetzliche Regelungen. Das gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Schweiz, wo anstelle von „Heilpraktiker“ eher von „Naturheilpraktiker“ oder „Naturarzt“ die Rede ist. Entsprechend wird dann auch eher von „Naturheilkunde-Ausbildungen“ gesprochen. In der Schweiz gibt es aufgrund der Volksabstimmung 2009 inzwischen eine Höhere Fachprüfung Komplementärtherapie, die zwar gesetzlich geregelt ist, aber ebenfalls ohne auch nur annähernd fundierte Qualitätsstandards auskommt, und daher eine Qualitätssicherung vorspiegelt.

Wir haben es jedenfalls hier mit einem veritabler Begriffssalat und einem intransparenten Wirrwar zu tun.

Die Zeitschrift „Annabelle“ hat ein Interview veröffentlicht mit der deutschen Autorin Anousch Mueller. Sie wollte Heilpraktikerin werden, doch während der Ausbildung an der Berliner Paracelsus-Schule beschlichen sie immer grössere Zweifel. Über ihre Erfahrungen hat sie ein Buch geschrieben („Unheilpraktiker“, Riemann Verlag 2016)

Zum Interview geht’s hier.

Auch wenn die Kritik hart klingen mag. Sie trifft in einer ganzen Reihe von Punkten glasklar zu.

Zu Recht kritisiert wird meiner Erfahrung nach zum Beispiel:

– Die weit verbreitete, völlig unkritische Glorifizierung von allem, was als traditionelle Naturheilkunde gilt. Tradition hat dann einen Wert, wenn man sich sorgfältig, offen, aber auch kritisch mit ihr auseinandersetzt. Tradition hat jedoch nicht immer Recht. Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

– Das weitgehende Fehlen einer auch nur einigermassen ernstzunehmenden Qualitätssicherung in Ausbildung und Praxis.

– Die nicht selten völlig überzogenen Versprechungen.

– Die Verwendung von Begriffen wie „Energie“, „Schwingungen“, „Ausleitung“ in völlig undefinierter Form, so dass sie willkürlich quasi als „Dienstmagd für alles“ zur Erklärung von x-Beliebigem eingesetzt werden können. Zu Recht sagt Anousch Mueller im Interview: „Wenn etwas nach Geschwurbel klingt, sollte man es kritisch hinterfragen. Das ist meine Botschaft.“

– Verbreitete Indoktrination mit irrationalen Theorien in der Ausbildung.

– Verbreitete pauschale Verteufelung von medizinischen Massnahmen, die in manchen Fällen richtig, wichtig oder gar lebensnotwendig sind (Kortison! Impfen! Chemotherapie!).

 

Ich will nicht generalisieren. Es gibt auch in diesem Bereich Leute, die ihre Arbeit sorgfältig machen, keine pauschalen Feindbilder gegen die böse „Schulmedizin“ und „Pharmaindustrie“ kultivieren und ihre Grenzen kennen. Aber das sind nach meiner Erfahrung eher die Ausnahmen als die Regel. Und das muss man klar benennen – vor allem, weil diese „Heilerszene“ meistens so sanft, ganzheitlich und menschenfreundlich daher kommt, was leider oft irreführend ist.

Im Interview wird Anousch Mueller gefragt:

„Sie halten die Naturheilkunde für rückständig?“

Antwort:

„Allerdings. Paradoxerweise wird der Schulmedizin ja immer vorgehalten, sie sei rückständig und orthodox. In Wahrheit ist es genau umgekehrt.“

Diese Aussage scheint mir zu pauschal. Sie mag ja vielleicht auf die Erfahrungen der Autorin mit der Paracelsus-Schule zutreffen….

Vor allem liegt dieser Aussage aber meinem Eindruck nach ein unklarer Begriff von „Naturheilkunde“ zugrunde, wie er heute leider weit verbreitet ist. Viele der Methoden, von denen Anousch Mueller im Interview spricht – zum Beispiel Bioresonanz, Kinesiologie, Homöopathie, Bachblüten, Schüsslersalze – gehören nicht zur Naturheilkunde, wenn man den Begriff genau verwendet.

Die Naturheilkunde hat, so wie dieser Begriff entstanden ist, ihre Wurzeln im 19. Jahrhundert. Die Idee der Naturheilkunde-Begründer war, Faktoren für die Gesundwerdung direkt aus der Natur zu nehmen. Im Kern bestand diese klassische Naturheilkunde aus dem, was später mit den 5-Säulen der Kneipptherapie umschrieben wurde:

Hydrotherapie (Wasseranwendungen)

Ernährungstherapie

Heilpflanzen-Anwendungen

Bewegung, Luft, Licht

Lebensordnung

Grundsätzlich sind diese fünf Verfahren kompatibel mit Medizin und Wissenschaft. Sie sind wissenschaftlicher Forschung zugänglich, lassen sich mit wissenschaftlichen Begriffen und Theorien beschreiben und allfällige Effekte im menschlichen Organismus sind messbar.

Wenn man nun diese Verfahren genau so anwendet, wie das vor allem im 19. Jahrhundert oder in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gemacht wurde, dann sind sie tatsächlich veraltet. Zu diesem Blödsinn wird aber niemand gezwungen:

Hydrotherapie lässt sich auf neueren Erkenntnissen begründen und wird dann anschlussfähig an Physiotherapie.

Ernährungstherapie kann sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützen (auch wenn Ernährungsstudien oft wenig fundiert sind, siehe dazu: Viele Ernährungsstudien mit wenig Aussagekraft.

Heilpflanzen-Anwendungen sind ein Spezialbereich der Pharmakologie. Pflanzliche Wirkstoffe lassen sich im Labor testen. Effekte von Heilpflanzen-Präparaten können in klinischen Studien an Patienten überprüft werden

Altes Wissen kann so durch neue Forschung bestätigt oder als Irrtum verworfen werden. Diese erneuerte Form der Heilpflanzen-Anwendung nennt sich dann Phytotherapie.

Die hohe Bedeutung von Bewegung für die Gesundheit ist in den letzten Jahren durch zahlreiche Studien dokumentiert worden.

Lebensordnung als angejahrter Begriff kann mit neuen Inhalten gefüllt werden, nennt sich dann vielleicht psychosomatische Medizin oder „Lifestyle-Modifikation“ und gehört zur Psychologie.

Voilà. Wir kommen so vom Methodischen her schon ziemlich nah an eine keineswegs veraltete, sondern zeitgemässe Naturheilkunde.

Was es dann noch braucht für eine seriöse Anwendung sind vor allem Elemente, die mit einer bestimmten Grundhaltung verbunden sind. Zum Beispiel:

– Erkennen von Grenzen der eigenen Methoden.

– Vermeiden von pauschalen Feindbildern und Verschwörungstheorien gegen „Schulmedizin“ und „Pharmaindustrie“ (was nicht Kritiklosigkeit heisst, aber Kritik muss auf Argumenten basieren und konkrete Punkte in Frage stellen).

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde-Ausbildung – was Sie wissen sollten (…wenn Sie sich für eine Naturheilkunde-Ausbildung interessieren)

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/10/18/naturheilkunde-ausbildung-was-sie-wissen-sollten.html

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Komplementärmedizin: Genauer Nachdenken, differenzierter argumentieren

Naturheilkunde – was ist das?

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkeit

 

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde

Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde: Nachfragen statt blind glauben

Naturheilkunde: Selber denken statt blind glauben

 

Pflanzenheilkunde / Komplementärmedizin: Vom Wert des Zweifels

Naturheilkunde und Medizin – kein Entweder-oder

…….huch, das ist ja ein ganz schöner Marathon, aber er zeigt, dass mir das Thema ernst und wichtig ist.

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Detox-Kuren: Eingebildete Lösungen für nicht exisitierende Probleme

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Entschlackungskuren und Entgiftungskuren sind sehr im Trend – inzwischen auch unter der Modebezeichnung „Detox“.

Diesem Thema hat sich nun das Portal „Medizin transparent“ angenommen und fragt:

„Sind wir alle vergiftet? Sollen auch gesunde Menschen gelegentlich eine Detox-Kur einschieben, um den Körper von gefährlichen Stoffen zu befreien? Was hat es mit den immer wiederkehrenden Entgiftungstrends auf sich?“

„Medizin-transparent“ fand keine Studien, die einen gesundheitlichen Nutzen von „Detox“ belegen würden. Der Begriff sei in der Alternativmedizin nicht genau definiert.

Um eine Frage sauber beantworten zu können, müsse klar sein, um was es genau gehe – jeder wichtige Begriff müsse genau definiert sein. Wenn also jeder unter dem Begriff „Detox“ etwas anderes verstehe, könne die Frage nach der Wirksamkeit nicht allgemeingültig beantwortet werden. Und eine klare Definition von Detox fehle tatsächlich.

Die Idee hinter dem Detox-Boom sei, dass selbst gesunde Menschen gelegentlich ihren Körper von Giften befreien sollten.

Um welche Art von Giften es sich genau handle und wie die mit Hilfe des jeweiligen Programms genau entfernt werden sollen, sei meistens nicht genauer beschrieben

Als Gründe, warum solche Entgiftungskuren angeblich notwendig sein sollen, werde oft aufgeführt:

„Umweltbelastungen durch Schadstoffe oder Pestizide, ungesunde Ernährung und gesundheitsbedrohliche Verhaltensweisen wie Rauchen oder Alkoholkonsum.“

Durch all diese Dinge sammle sich angeblich Gift im Körper an und könne mit tausenden angepriesenen Detox-Kuren wieder entfernt werden.

Medizin-transparent schreibt, es bestehe kein Zweifel daran, dass wir regelmässig Giftstoffe in gewissen Dosen aufnehmen.

Ob sich bestimmte Giftstoffe jedoch im Körper ansammeln und ob Detox-Kuren diese ausscheiden können, sei unklar.

„Die Entgiftungsorgane erledigen ihre Aufgabe bei Gesunden mit Bravour, es sammeln sich kaum Gifte und mit Sicherheit keine Schlacken im Körper an. Mit „Schlacken“ bezeichnet man Rückstände bei Verbrennungs- und Metallverarbeitungsprozessen, der Begriff kommt aus der Metall-, Öl- und Kohleindustrie. Die alternativmedizinischen Behauptungen rund um Detox sind zu wenig konkret, es werden ungezählte Schadstoffe angenommen, die mit Hilfe von Detox auf unbekannten Wegen entfernt werden sollen. Es wird weder nachgewiesen, ob diese sogenannten Schlacken überhaupt im Körper angesammelt werden und es ohne Detox überhaupt zu gesundheitlichen Problemen kommt – noch ob mögliche Schadstoffe dadurch wirklich entfernt werden können.“

So wie das Problem zumeist dargestellt werde, existiere es nicht.

„Wir haben keine Studien gefunden, die einen gesundheitlichen Vorteil von Detox-Kuren nachweisen. Um überhaupt einen Nachweis zu erbringen, müsste ein Detox-Programm klar beschreiben, welche Gifte – oder was mit Schlacken überhaupt gemeint ist – entfernt werden und wie der gesundheitliche Nutzen aussieht.“

Der menschliche Körper habe zahlreiche Fertigkeiten, um mit den Belastungen durch schädliche Substanzen zu Recht zu kommen. Die wichtigsten Entgiftungsorgane seien Leber, Niere und Darm, auch Haut und Lunge spielen wichtige Rollen.

Quelle;

http://www.medizin-transparent.at/detox-der-mythos-vom-entgiften#more-6179

Kommentar & Ergänzung:

„Detox“ macht tatsächlich Versprechungen, die ohne realen Boden sind. Aber warum kommen diese Vorstellungen so gut an?

Offenbar tut die Vorstellung einfach gut, all den Schmutz, die angesammelten Gifte und Schlacken, eliminieren zu können.

Medizin-transparent weißt sehr zu Recht darauf hin, dass überhaupt nicht klar ist, um welche Arten von Schlacken oder Giften es sich handeln könnte.

Die Verwendung von unklar definierten Begriffen ist ein verbreitetes Problem in Alternativmedizin und Komplementärmedizin („Energie“, „Schwingungen“, das „Wesen“ der Pflanzen u. ä.). In solchen Fällen ist es sehr notwendig, genau nachzufragen, was damit gemeint ist.

Siehe auch:

Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde: Nachfragen statt blind glauben

Detox-Rezepturen: „Entgiftungsmittel“ meiden

Michèle Binswanger im Tages-Anzeiger über Entgiftung und Detox

 

Entgiftungsdiäten / Detoxdiäten: Bodenlose Versprechungen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gibt es Interaktionen zwischen Bachblüten und HIV-Medikamenten?

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Im Statistik-Bereich dieser Website kann ich sehen, mit welchen Suchbegriffen Besucher via Google auf die Website gekommen sind (aber natürlich sehe ich nicht, wer…..).

In den letzten Tagen haben Besucher als Suchanfrage eingegeben: „Interaktionen zwischen HIV-Medikamenten und Bachblüten“.

Die Frage nach Interaktionen ist wichtig – Wechselwirkungen zwischen Medikamenten können ernsthafte Probleme verursachen.

Die Frage nach Wechselwirkungen zwischen HIV-Medikamenten und Bachblüten zeigt aber einen fundamentalen Irrtum und ist einfach zu beantworten:

Bachblüten können niemals Wechselwirkungen mit Medikamenten auslösen, weil sie keine Wirkstoffe enthalten. Wo keine Wirkstoffe sind, kann es keine Wechselwirkungen geben.

Bachblüten können auch keine unerwünschten Nebenwirkungen haben. Wo keine Wirkstoffe sind, kann es keine unerwünschten Nebenwirkungen geben.

Das ist ein Vorteil von Bachblüten, aber auch von Schüssler-Salzen und Homöopathika, die ebenfalls keine Wirkstoffe enthalten. Bei Homöopathika unterhalb einer Verdünnung von etwas D6 gibt es Ausnahmen, bspw. bei der Anwendung von Quecksilber, Arsen oder Brechnuss (Nux vomica) – hier könnten Vergiftungserscheinungen auftreten.

Andererseits folgt daraus aber auch: Was keine Wirkstoffe enthält, kann ausschliesslich unspezifische Wirkungen auslösen.

Es kommt nicht darauf an, welches Bachblüten-Präparat, welches Schüssler-Salz oder welches Homöopathikum Sie bei bestimmten Beschwerden einnehmen.

Es gibt keine Unterschiede in der Wirksamkeit dieser Präparate. Weil sie keine Wirkstoffe enthalten, können Sie sich bezüglich Wirksamkeit auch nicht unterscheiden. Es gibt eine gemeinsame, unspezifische Wirkung dieser Präparate auf der psychischen Ebene. Man könnte dieses Phänomen mit der Kraft des Rituals umschreiben.

Daran ist nichts Geheimnisvolles. Komisch ist nur, wenn solche Effekte nebulös mit „Energien“ oder „Schwingungen“ beschrieben werden.

Zum Thema Bachblüten siehe auch:

Bachblüten-Therapie – worum geht’s?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Homöopathie für Kinder – Hilfe in allen Lebenslagen?

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Mir fällt schon seit längerem auf, wie grenzenlos viele Eltern ihre Kinder mit Globuli, Bachblüten-Tropfen oder Schüssler-Salzen abfüllen.

Schulanfang? – Dafür gibt’s ein Globuli!

Streit mit dem Nachbarskind? – Dafür gibt’s ein Globuli!

Familienhund gestorben? – Dafür gibt’s ein Globuli!

Prüfungsstress? – Dafür gibt’s ein Globuli!

Wozu haben wir denn die Homöopathische Notfallapotheke?

Oder wahlweise natürlich auch Schüssler-Salze oder Bachblüten-Tropfen.

Die Vorstellung, bei jeder noch so kleinen Belastungssituation Globuli, Tabletten oder Tropfen einwerfen zu müssen, scheint mir total fragwürdig und nicht gerade gesund.

Auf den Punkt gebracht hat das vor kurzem der Apotheker Edmund Berndt:

„Mütter wollen für ihre Kinder das Beste und viele greifen deshalb nach Homöopathika, weil es heißt, diese Mittel seien sanft und ohne Nebenwirkungen. So werden alle Wehwehchen und Krankheiten der Kinder mit Globuli behandelt. Das stört interessanterweise Homöopathieanhänger nicht, aber der konventionellen Medizin wird gerade von ihnen gerne der Vorwurf gemacht, sie behandle zu viel.

Es ist unglaublich, was Mütter, die von der Homöopathie überzeugt sind, glauben behandeln zu müssen. Kinder haben offenbar wie Uhrwerke zu funktionieren und dem entsprechend wird der Tagesablauf mit der Einnahme von Globuli strukturiert. Sie sehen zur Freude der Homöopathieindustrie „Krankheiten“ und „Störungen“, die kein konventioneller Mediziner als behandlungswürdige Krankheit ansehen würde. Diese Behandlungssucht ist zwar gut gemeint, kommt aber einer Medikamentierwut gleich. Die Folge ist, dass die Kinder geradezu zum Pillenschlucken trainiert werden. Sie lernen, dass es nichts gibt, was einfach wieder vergeht und keiner besonderen Beachtung oder Behandlung bedarf.“

Quelle:

http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2013/11/07/homoopathie-pr-im-kindergarten-ein-offener-brief/

Kommentar & Ergänzung:

Eindrücklich grosse Teile der Bevölkerung scheinen der Ansicht zu sein, dass der Alltag ohne Globuli, Schüssler Salz oder Bachblüten-Tropen nicht zu bewältigen ist.

Marketingmässig ist es die grosse Stärke der Alternativmedizin, dass sie für jede Lebenslage eine ganze Palette an Produkten anbieten kann. Und das selbstverständlich vollkommen sanft, ohne Risiken, denn wo keine Wirkstoffe drin sind,  können auch keine Nebenwirkungen auftreten. Willkommen in der heilen Welt der reinen Schwingungen und Energien.

Manchmal bin ich fast ein bisschen neidisch auf diese Rund-um-Heilsbringer.

Ich muss nämlich zugeben, dass ich lange nicht für jede Lebensphase, jede Unpässlichkeit und jede Krankheit  eine passende  Heilpflanzen-Anwendung empfehlen kann oder will. Ich halte diese Begrenzungen jedoch für wichtig.

P. S.: Von Apotheker Edmund Berndt gibt es das Buch „Pillendreher – ein Apotheker packt aus“ – Beschreibung und Bestellmöglichkeit im Buchshop.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Himalayasalz, Blausalz & Co. – leere Versprechungen zu gesalzenen Preisen

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Exotische Salze wie Himalayasalz oder Blausalz aus dem Iran halten nicht, was sie versprechen. Das hat eine Untersuchung der deutschen Stiftung Warentest nun gezeigt: Die teuren Spezialsalze sind nicht besser als normales Haushaltssalz.

Die Tester nahmen insgesamt 36 Salze unter die Lupe, die zum Teil mehr als das Hundertfache von herkömmlichem Speisesalz kosten. Den versprochenen Mehrwert beispielsweise von Himalayasalz oder Fleur de Sel aus Ibiza suchten die Tester vergeblich – chemisch unterschieden sich die untersuchten Salze nämlich kaum.

http://www.test.de/Speisesalz-Das-Maerchen-vom-Wundersalz-4612853-0/

Offenbar läuft es hier gleich wie so oft im Esoterikmarkt:

Alltäglich-gewöhnliches wird mit Energie- und Gesundheitsvorstellungen aufgeladen und dann x-mal teurer verkauft.

Normales Trinkwasser – obwohl in der Schweiz in beneidenswerter Qualität aus jedem Hahn fliessend – genügt einfach nicht mehr. Es muss energetisiert, belebt und mit Schwingungen misshandelt werden….

Genauso mit Speisesalz – offenbar unakzeptabel so gewöhnlich und sinnfrei, wie es bei uns gewonnen wird. Wie belebend ist da doch ein schöner Himalayamythos.

Himalayasalz soll 250 Millionen Jahre alt sein und aus einem Urmeer stammen.

Schon beeindruckend. Aber auch unser Schweizer Salz stammt aus einem Urmeer und ist über 200 Millionen Jahre alt.

Glaubt man den Versprechungen der Verkäufer, ist Himalayasalz ein wahrer Jungbrunnen. Für die gesundheitlichen Vorteile, die Himalayasalz laut Propaganda mit sich bringen soll, gibt es aber nicht den Hauch eines Beleges. 100% reiner Fake.

War der Himalayasalz-Boom ursprünglich ein Geschäft der Bioläden und Esoterikshops, sahnt inzwischen auch der Grossverteiler Migros ab.

„Sélection“-Produkte sollen für erstklassige Qualität stehen. Immerhin präsentiert die Migros das Sélection-Himalayasalz nicht als Wundermittel. Diese Arbeit erledigen andere.

Die Präsentation auf der Website ist aber trotzdem ziemlich fragwürdig:

„Der uralte Mythos des mächtigen Himalaya ruhte von Menschenhand unberührt Millionen von Jahren. Heute wird das rein kristalline Salz aus dem Berg gebrochen und von Hand verlesen. Der rosafarbene Ton der milden Würze stammt vom erhöhten Eisengehalt und kann variieren.“

Quelle:

https://selection.migros.ch/de-ch/home/produkte/oel,-gewuerze-etc/himalayasalz-nachfuellbeutel.aspx (Zugriff: 8. 10. 2013)

Der uralte Mythos des mächtigen Himalaya kann gar nicht von Menschenhand unberührt über Millionen von Jahren geruht haben.

Ein Mythos wird erst von Menschen geschaffen. Ein solcher Satz ist nur Werbe-Bullshit.

Unser Schweizer Speisesalz ist zudem genauso rein kristallin. Aber was soll’s.

Bei der Migros kosten 100g Himalayasalz aus Pakistan zur Zeit Fr. 5.50.

1 Kilogramm also Fr. 55.- (Nachfüllbeutel 200g Fr. 3.10)

Ein Kilo Schweizer Speisesalz: Fr. -.95.

Mich würde interessieren, wie viel von den Fr. 55.- in Pakistan bleibt – und wie viel bei der Migros oder anderen Zwischenhändlern.

Und das Beste kommt noch:

Himalayasalz stammt nicht aus dem Himalayagebirge.

Was stellen Sie sich vor, wenn Sie das Wort „Himalaya“ lesen?

Nepal? Tibetische Hochebene? Das „Dach der Welt“ mit seinen Achttausendern?

Mount Everest?  Berge, die den Himmel berühren? Natur pur?

Das Himalayasalz der Migros stammt, nach Auskunft des Kundendienstes, aus der pakistanischen Region Punjab, so wie auch andere Himalayasalze.

Punjab ist die bevölkerungsreichste Provinz Pakistans. Salz abgebaut wird in dieser Region im sogenannten „Salt Range“ (Salzgebirge), einer durchschnittlich etwa 700m hoch gelegenen Hügellandschaft. Am bekanntesten ist das Salzbergwerk Khewra, das 100 km südlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad liegt.

Der höchste Berg im Salt Range heisst Sakaser (1522 m ü. M.).

Der Tilla Jogian erreicht immerhin noch 975 m und sieht so aus: Foto auf Wikipedia

Schöne Gegend, aber kein Hochgebirge weit und breit.

In Deutschland haben sich mehrere Gerichte mit der Frage befasst, ob die Bezeichnung „Himalayasalz“ für ein Salzprodukt aus Punjab nicht irreführend sei.

Beispielsweise das Oberlandesgericht Köln (Urt. v. 19.04.2013, 6 U 192/12, II.1.b – Himalaya-Salz):

„Der angemessen informierte und aufmerksame Durchschnittsverbraucher entnimmt der Angabe ‚Himalaya Salz‘, dass das so bezeichnete Produkt im Bereich des Himalaya-Hochgebirgsmassivs abgebaut wird. Dem Verbraucher ist der Begriff ‚Himalaya‘ im Zusammenhang mit dem weltweit höchsten Hochgebirge, bestehend aus einer Mehrzahl von über achttausend Meter hohen Bergen, bekannt. Im Hinblick darauf wird ein erheblicher Anteil der Verbraucher davon ausgehen, dass das von der Beklagten beworbene Steinsalz wenn schon nicht in den schnee- und eisbedeckten Höhenregionen dieses Gebirges, so doch jedenfalls in den dem Salzabbau eher zugänglichen Gebieten in einem Tal oder den unteren Bereichen des Hochgebirgszugs gewonnen wird. Demgegenüber rechnet der Verbraucher nicht damit, dass ein als ‚Himalaya Salz‘ bezeichnetes Produkt tatsächlich in der vom Hochgebirgsmassiv durch eine breite besiedelte Ebene getrennten und deshalb als eigenständiger, deutlich niedrigerer Mittelgebirgszug erscheinenden Salt Range abgebaut wird.“

Quelle:

http://www.omsels.info/die-verbote-oder-was-darf-ich-nicht/5-uwg-irrefuehrende-werbung/13-einzelfaelle/geografische-angaben/4192-2

Etwa 200 km trennen die Hügellandschaft des Salt Range vom Himalaya-Massiv.

Interessant wäre es ausserdem, mehr über die Arbeitsbedingungen in der pakistanischen Salzindustrie zu erfahren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Tödlicher Unterwasserlärm für Delfine und Wale

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Schon lange äussern Wissenschaftler den Verdacht, dass Wale und Delfine auf ungewohnte Lärmbelästigung unter Wasser höchst empfindlich reagieren. Eine neue Untersuchung belegt nun, dass der Schall für die Tiere sogar tödlich sein kann.

Die internationale Walkommission publizierte kürzlich einen Bericht von unabhängigen Forschern über einen Vorfall aus dem Jahr 2008, bei dem rund 100 Breitschnabeldelfine offenbar durch die kartografische Erfassung von Ölvorkommen mit Sonargeräten so stark irritiert wurden, dass sie in einer Lagune vor Madagaskar strandeten und dort verendeten.

Die Fachleute kam dem Bericht zufolge zu dem Ergebnis, dass die Suche nach Ölvorkommen durch den Konzern Exxon Mobil im Mai 2008 das todbringende Verhalten der Breitschnabeldelfine zur Folge hatte. Dies sei das erste Ereignis mit einer Massenstrandung von Meeressäugern, das auf das engste mit dem Hochfrequenz-Kartografieren zusammenhänge, stellt die Walkommission fest. Dass die Delfine damals in die Loza-Lagune geschwommen seien, sei ein Ereignis, wie es dort nie zuvor und nie wieder danach vorgekommen sei.

Als Auslöser identifizierten die Fachleute ein für den Unterwassereinsatz konzipiertes Luftdruck-Messsystem mit zwölf Kilohertz, das im Auftrag von Exxon Mobil am 29. Mai 2008 rund 65 Kilometer vor der Küste eingesetzt worden sei. Die Schwingungen aus diesem Gerät halten die Experten für den plausibelsten und wahrscheinlichsten Grund für das Fehlverhalten der Breitschnabeldelfine.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1725576/

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Problem wird schon seit Jahren diskutiert. Dass wir als Menschen unseren eigenen Lebensraum mit Lärm verschmutzen ist schon fragwürdig genug. Dass wir aber mit der Tiefsee auch noch einen Lebensraum mit Lärm zuschallen, in dem wir eigentlich nichts verloren haben, ist eine ganz besondere Grenzverletzung.

Neben zivilen Lärmquellen sind offensichtlich militärische Sonar-Geräte, die zur Ortung von U-Booten eingesetzt werden, ein grosses Problem. Solchem Lärm auszuweichen, dürfte für Wale und Delfine sehr schwierig sein. „Stranden“ könnte ja ein solcher Ausweichversuch sein. Vielleicht sind die Tiere aber auch einfach völlig desorientiert.

Offensichtlich handelt es sich bei dieser Lärmverschmutzung jedenfalls um eine für Wale und Delfine tödliche Respektlosigkeit.

Die Verantwortlichen müsste man eigentlich vor den Internationalen Strafgerichtshof bringen. Oder jedenfalls namentlich nennen und international ächten.

Siehe auch: Wikipedia zu Unterwasserlärm

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Die Frage des Tages von Michèle Binswanger zum Thema Frauen, Alternativmedizin und Esoterik

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Die Journalistin Michèle Binswanger stellte vor kurzem in ihrem Blog ein paar interessante Fragen:

„Was hat es eigentlich mit diesem weiblichen Hang zu Alternativmedizin und in der Folge oft auch zu Übersinnlichem und Unerklärbarem auf sich? Warum landen eigentlich gerade so viele Frauen irgendwann in den Gefilden des Unerklärlichen und Magischen, warum glauben so viel mehr Frauen ans Geistheilen, an Lichtnahrung und Handauflegen?“

Quelle:

http://blog.tagesanzeiger.ch/blogmag/index.php/8043/frauen-in-der-sektenfalle/

Rund drei Viertel der Mitglieder der meisten Sekten seien Frauen, schreibt Michèle Binswanger in der Einleitung zu ihren Text, während die Sektenführer in fast allen Fällen männlichen Geschlechts seien.

Das stimmt wohl, Mit Uriella gab es aber immerhin ein „leuchtendes“ Beispiel für eine erfolgreiche Karriere als Sektenführerin.

Ausgangspunkt für Michèle Binswanger’s Text sind die Berichte über die Schiesserei bei der deutsch-schweizerischen Sekte Academy for Future Health, die sich in der Karibik angesiedelt hat.

Deren Guru Peter Brunck soll eine krude alternativmedizinische und esoterische Heilslehre predigen und seine Mitglieder mit dem Versprechen totaler spiritueller Befreiung und Heilung rekrutieren. Seinen Anhängerinnen versprach er offenbar erfolgreich, dass sie von seinen hochfrequenten Schwingungen profitieren, wenn sie Sex mit ihm haben…….

Ich werde mich hüten, alle Frauen in einen Topf zu werfen oder gar zu behaupten, Frauen seien von Natur aus leichtgläubiger.

Auffallend ist es jedoch schon, dass die Alternativmedizin- und Esoterikbranche ihre exorbitanten Umsätze – Esoterik in Deutschland 2010 laut Allbus 20 Milliarden Euro – offenbar überwiegend mit Frauen machen.

Da stellt sich schon die Frage, weshalb diese obsessive Heilssucht offenbar mehrheitlich Frauen „befällt“.

Wer darauf nur als Antwort hat, Frauen seinen halt (von Natur aus?) offener, suchender, spiritueller….gerät erstes wiederum in die Nähe einer biologistischen Erklärung und verharmlost zweitens das Phänomen.

Mich beunruhigt die absolute Leichtigkeit, mit der man Esoterikerinnen und Esoterikern buchstäblich jeden Schwachsinn andrehen kann. Man muss bei ihnen nur ein paar gut bekannte „Knöpfe“ drücken. Es ist vollkommen klar, wie ein Kursprospekt grafisch gestaltet werden muss, damit sich ihre Herzen und Geldbeutel öffnen. Auf den Text kommt es dann gar nicht mehr so stark an. Idealerweise enthält er noch ein paar „Trigger-Wörter“ wie „Heilenergie“, „Ganzheitlichkeit“, „Höheres Selbst“, „Wesen der Pflanzen“ oder „Quantenschwingungen“ – und schon sind die „Esos“ hin und weg.

Dass Frauen auf solch inhaltsleeres Geschwurbel offenbar mehr hereinfallen, kann ich mir nur mit gesellschaftlichen Einflüssen erklären (Sozialisation? Lebensperspektiven? Empfundenes Sinndefizit?…?). Was aber nicht heisst, dass man solche Einflüsse nicht auch reflektieren und sich von ihnen lösen könnte.

Ein Teil der Esoterikkonsumierenden bewegt sich damit in einem Bereich zwischen Unterhaltung und Wellness und nimmt die damit verbundenen Geschichten nicht allzu ernst.

Sättigend sind die Produkte aber anscheinend nicht gerade – so dass einem immer mal was Neues „zufallen“ muss und der Konsum endlos am Laufen bleibt.

Ein anderer und nicht zu übersehender Teil der „Esos“ aber gerät in einen Weltverlust und in Verstrickungen,  die durchaus problematisch sein können – nicht zuletzt aus gesellschaftlicher Sicht.

„Die Zeit“ hat es vor kurzem auf den Punkt gebracht in einem Artikel mit dem Titel „Die Renaissance der Unvernunft – Sehnsucht nach dem Selbst“:

„Ist Unvernunft nicht Privatsache? Massenhafte Unvernunft ist jedenfalls ein Politikum. Wenn all unser Denken nur noch um uns selber kreist, wenn das individuelle Wohlergehen zur höchsten Vernunft wird, verabschieden wir uns von der Verantwortung füreinander – und von der Nächstenliebe auch. Was übrig bleibt, ist ein Klub von Autisten, eine Gesellschaft mehr oder minder verrückter Egos.“

Quelle:

http://www.zeit.de/2013/21/esoterik-vernunft-verteidigung

P. S.:

Naturheilkunde lässt sich auch nutzen ohne fragwürdiges esoterisches Beigemüse – ziemlich „bodenständig“,  mit Freude an der Natur und Respekt gegenüber den Menschen.

Siehe auch:

Esoterikfreie Pflanzenheilkunde – warum?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Farbtherapie: Aura Soma

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Die österreichische Zeitung „Der Standard“ nimmt die Aura-Soma-Therapie etwas genauer unter die Lupe.

94 rechteckige Glasfläschchen (Balanceflaschen), 14 einfarbige Tinkturen (Pomander) und weitere 14 einfarbige Duftessenzen (Quintessenzen) dienen als Werkzeug in der Aura-Soma-Therapie. Durch die Schwingungen von Farbe und Licht soll die Aura von Menschen geheilt werden.

Aura Soma soll dabei über die Haut auch physische Heilungsprozesse positiv beeinflussen.

Die 94 Balanceflaschen sind zu je einer Hälfte mit buntfarbigem Öl und zur anderen Hälfte mit gleichem oder andersfarbigem Wasser gefüllt.  Gemäss der Aurasoma-Theorie sollen sie farbige Schwingungsenergie enthalten. Der Klient soll intuitiv vier Farbkombinationen auswählen. Die Aura-Soma-Beraterin interpretiert diese Vorlieben und schliesst anhand der Farbwahl auf Persönlichkeitsmerkmale, eventuelle Probleme, mögliche Lebensaufgaben und Zukunftsperspektiven.

Diagnostische Hinweise sollen aber nicht nur die Farben geben, sondern auch die Bläschen, die durch ritualisiertes Schütteln der Öl-Wasser-Mischung entstehen. Auf die Haut aufgetragen, sollen die pflanzlichen oder mineralischen Wirkstoffe über Lymph- und Blutgefäße außerdem kranke Körperregionen erreichen, die einer Heilung bedürfen.

Heiko Hecht vom Psychologischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz hält allerdings eine Wirkung von Aura Soma über die Haut für völlig unplausibel, da der Mensch für Farben nur das Auge als Rezeptor besitzt. Er bezeichnet Farbtherapien als reine Stimulationstherapien, die auf dem Angebot stark variierender Farbreize basieren. Wenn man jemandem zuerst stark flackernde bunte Farben anbiete und anschließend sanfte Farbtöne, dann habe das sicher eine beruhigende Wirkung. Dieser Effekt sei jedoch nicht durch die Farben selbst bedingt, sondern durch den angebotenen Kontrast.

Farben wirken geprägt vom kulturellen Kontext

Farben wirken nicht biologisch, sondern durch den kulturellen Kontext, erklärt Hecht und verweist als Beispiel auf die Farbe Gelb, die in der westlichen Welt für Neid und Eifersucht steht, in Japan dagegen für Mut und Stärke. Farbgestaltung sei eine Frage der Ästhetik. Von der Postulierung universaler Farbwirkungen – wie es Auro Soma macht – hält Hecht nichts.

Der Frage, wie rosa Gefängniszellen auf Inhaftierte wirken, ist hat Hecht selbst untersucht. In einer Studie dokumentierte er die Wirkung von Baker-Miller-Pink auf die kognitive Leistungsfähigkeit und Stimmung von Schülern. Seine Skepsis wurde dabei bestätigt. Er konnte keine signifikanten Auswirkungen auf Leistung oder Stimmung feststellen.

Der Grund, weshalb die Farbe Rosa keine besänftigende Wirkung hat, liegt in der Fähigkeit des Menschen zur Adaption. Wenn Farbe einen Effekt hätte, dann wäre dieser so oder so spätestens nach drei Tagen verschwunden, erklärt Hecht.

Basis der Aura-Soma-Therapie ist aber auch die Theorie, dass Lieblingsfarben immer Ausdruck des inneren Selbst sind. Ganz falsch liege Aura Soma hier nicht, bestätigt Hecht. Die Farbwahl bei Kleidung zum Beispiel mache auf jeden Fall Rückschlüsse auf die Psyche möglich. Allerdings sei auch hier der kulturelle Hintergrund für eine Interpretation von Bedeutung.

Dass die bunten Aura-Soma-Fläschchen umgekehrt seelische und körperliche Beschwerden lindern, ist für Hecht nicht plausibel. Beschreibungen im Internet tragen auch nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei. Beispielsweise soll der rote Pomander Überlebensängste lindern, Poltergeist-Phänomene zum Verschwinden bringen und elektromagentische Polaritäten im Körper ausbalancieren. Und mit den Quintessenzen sollen sich gar spirituelle Verbindungen zu hoch entwickelten Seelen, sogenannten Meistern, aufbauen lassen. Die hellblaue Quintessenz El Morya soll auf diese Art Klärung für Menschen ermöglichen, die nicht gut auf ihre Eltern zu sprechen sind.

Quelle:

http://derstandard.at/1363239184348/Aura-Soma-Mit-schwingender-Farbe-die-Aura-heilenl

Kommentar & Ergänzung:

Dass Farben unsere Stimmung beeinflussen können und etwas über uns aussagen, liegt für mich auf der Hand.  Aber wie der Beitrag im „Standard“ schon aussagt: Das ist individuell unterschiedlich und zugleich auch stark kulturell geprägt. Allgemeingültige Schlüsse lassen sich daraus nicht ziehen.

Fragwürdig an solchen esoterischen Theoriegebäuden wie Aura Soma finde ich vor allem, dass sie auf einer ganz schmalen Basis (hier: Farben) auf fast alle Fragen eine Antwort und für fast alle Probleme eine Lösung anbieten. Diese Aufladung ist wohl nötig, wenn man Farbstoffe derart teuer verkaufen will. Aber es spricht halt auch einfach sehr viele Leute an, wenn derart easy scheinbar alle Schwierigkeiten im Leben aufzulösen sind. Solche „Fastfood“-Ansätze passen perfekt zum Zeitgeist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Bericht vom Esoterik-Markt

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Holger Kreitling berichtet in „Die Welt“ eindrücklich vom seinen Ausflügen in den Esoterik-Markt.

Ich gebe zu, manchmal bin ich fast etwas neidisch auf diese „Szene“. Da versuche ich doch immer so gut wie möglich abzuwägen, was von all dem, was über die Wirkungen von Heilpflanzen erzählt und geschrieben wird, glaubwürdig ist und was nicht. Nach dem offenbar ziemlich obsoleten Grundsatz: Nur ja keine überzogenen Versprechungen machen!

Im Esoterik-Markt dagegen scheint es,   dass Behauptungen umso glaubwürdiger werden, je absurder sie sind.

Es ist ja sooo leicht, Esoterikerinnen und Esoteriker einzufangen. Man braucht nur ein paar „Zauberworte“ einzuflechten wie „Energie“, „Schwingungen“, „Wesen der Pflanzen“ – und schon öffnen sie dir Herz und Geldbeutel. Du kannst ihnen fast alles andrehen.

Esoterik-Verkäufer haben für jede Lebenslage eine ganze Palette von Produkten anzubieten: Schüsslersalze bei Nervosität zum Schulanfang, Globuli für die Beerdigung, original indianisches Heilwissen bei Menstruationsbeschwerden, Notfalltropfen bei quengelnden Kindern, mentale Partnerzusammenführung bei Beziehungsschwierigkeiten und nicht zuletzt den direkten Draht zum Erzengel Michael oder anderen jenseitigen Koryphäen. Nicht ganz gratis das alles, aber bezahlbar für Angehörige der mitteleuropäischen Mittel- und Oberschicht.

Man gönnt sich ja sonst nichts.

Und diese rundum Therapeutisierung aller Lebenslagen segelt dann unter dem Stichwort „Ganzheitlichkeit“.

Wie wär’s mit „back to the roots“? – Normales, natürliches Trinkwasser wieder schätzen lernen, das nicht durch ein geheimnisvolles Verfahren angeblich energetisiert und belebt worden ist, durchatmen – ohne dass es eine spezielle bewusstseinserweiternde Übung sein muss, einen Spaziergang machen, die Katze streicheln, ein gutes Buch lesen, die Wolken oder Pflanzen und Tiere in der Natur beobachten, ein Gespräch führen, das über den SMS-Stil hinausgeht…….

Einfach wieder Dinge schätzen lernen, die nicht so abgehoben sind und aufgeladen mit Heilsfantasien.

Woher kommt überhaupt diese eindrückliche Heilssüchtigkeit? – Welche Mangelzustände werden da kompensiert?  Vitaminmangel wird es jedenfalls nicht sein.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Wir sind noch da! P.S. zum Weltuntergang

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Wir sind noch da – nicht sehr überraschend.

Interessant an dieser Weltuntergangshysterie scheint mir,

1. wie solche Phänomene zustande kommen und

2. wie Esoteriker und „Lichtarbeiter“, die so inbrünstig auf den Weltuntergang gehofft hatten, sich das Ausbleiben des „Aufstieg“ nun zurechtbiegen.

1. Wie kommt es zu solchen Weltuntergangsphantasien?

Mir ist bewusst, dass es sich hier um ein sehr vielschichtiges Phänomen handelt, welches nicht in Kürze umfassend dargestellt werden kann.  Ich möchte daher nur auf ein paar Aspekte eingehen, die mir bemerkenswert erscheinen:

Man nimmt aus einem Maya-Kalender ein paar Daten und bastelt daraus einen weltumfassenden Zusammenhang. Das ist ein bewährtes Standardverfahren in der Esoterik-Werkstatt. Die Forschungen von Peter Brugger an der Universität Zürich haben gezeigt, dass EsoterikerInnen besonders stark Assoziationen produzieren. Sie sehen Zusammenhänge in der Welt, die eigentlich nur in ihrem Kopf vorhanden sind.

Assoziatives Denken ist nicht grundsätzlich problematisch. Es fördert auch eine Art von Kreativität.

Problematisch wird es nur, wenn die eigenen Assoziationen absolut gesetzt werden und jedes Bewusstsein dafür fehlt, dass es sich bei den in der Welt gesehenen Zusammenhängen auch um Kopfgeburten handeln könnte. Als Folge davon bleibt jede Selbstreflexion und jedes kritische Hinterfragen der eigenen Vorstellungen aus. Sie werden fraglos für real gehalten, genau wie der Weltuntergang am 21. Dezember 2012.

Peter Brugger konnte in seinen Untersuchungen auch zeigen, dass Esoteriker und psychotisch veranlage Menschen ähnlich denken, was die verstärkte Neigung zu Assoziationen angeht. In einer Psychose kann ein Mensch seine Assoziationen nicht oder nur eingeschränkt auf ihren Realitätsgehalt hin überprüfen. Esoteriker sollten dazu eigentlich in der Lage sein, unterlassen es aber oft. Und so werden dann beispielsweise mit höchster Überzeugung Weltuntergangstermine verkündet.

Die interessante Frage ist nun, weshalb bei Esoterikerinnen und Esoterikern der selbstkritische und fremdkritische Faktencheck so oft unterbleibt.

Meinem Eindruck nach spielt dabei eine gewisse Sinnsüchtigkeit eine Rolle. Alles muss bis zum Platzen  mit Sinn und Bedeutung aufgeladen werden.

Wenn das nun jemand still für sich macht, ist wohl wenig dagegen einzuwenden. Wenn aber die fantasierten Zusammenhänge missionarisch in die Welt hinaus posaunt werden, stellt sich bei solchen Weltuntergangspropheten auch die Frage der Verantwortung. Und es stellt sich die Frage der Verantwortung auch bei den Medien, die mit solche Geschichten spielen und sie wenig reflektiert weiterverbreiten – oder auch bei der Werbung, die in vielfältiger Weise auf den bevorstehenden Weltuntergang angespielt hat.

Psychisch labile Menschen werden durch solche Prophezeiungen in Angst und Schrecken versetzt, Leute kündigen ihre Jobs und leeren ihre Bankkonten.

Nun kann man natürlich den Standpunkt vertreten, dass jeder selber Schuld ist, der solchen Stuss glaubt.

Die französische Dichterin Nathalie Sarraute hat diese Position so formuliert:
„So widersinnig es auch klingen mag, der eigentlich Verantwortliche für die Wirkung einer Information ist nicht der, der informiert, sondern derjenige, der informiert wird.“

Ich bin schon auch der Ansicht, dass es am Empfänger einer Information liegt, diese nicht einfach blind zu glauben, sondern kritisch zu prüfen.

Ich bin aber dezidiert auch der Ansicht, dass der Sender dafür Verantwortung trägt, was er oder sie in die Welt setzt.

Eine ganz ähnliche Problematik wie rund um diese Weltuntergangshysterie ist zu beobachten im esoterisch geprägten Teil von Komplementärmedizin und Alternativmedizin.

Auch hier werden am laufenden Band im Kopf Assoziationen produziert und als realer Bestandteil der Welt verkündet (und verkauft).

Esoterikerinnen und Esoteriker sehen an allen Ecken und Enden der Welt Heilenergien – in Steinen, Pflanzen, im Wasser, in Schwingungen und Energien aller Art. Wer da noch krank wird oder krank bleibt, der muss einfach selber schuld und noch nicht bereit für die Heilung sein.

Auch hier fällt eine absolute Grenzenlosigkeit auf und eine völlige Abwesenheit kritischer Selbstüberprüfung der eigenen Vorstellungen.

Und auch hier stellt sich die Frage der Verantwortung, wenn kranken Menschen falsche Hoffnungen verkauft werden und sie dadurch manchmal notwendige Behandlungen verpassen.

Mehr zu diesem Thema hier:

Breusskur gegen Krebs?

Diese Phänomene sind mit ein Grund dafür, dass ich die von mir angebotenen Heilpflanzen-Seminare und die Phytotherapie-Ausbildung als esoterikfrei deklariere (und dass ich es für wichtig finde, auch kritisches Hinterfragen zu vermitteln).

Siehe:

Esoterikfreie Pflanzenheilkunde – warum?

2. Wie gehen EsoterikerInnen bzw. „Lichtarbeiter“ mit dem Ausbleiben des Weltuntergangs um?

Der bevorstehende Weltuntergang war bei uns vor allem in der „Lichtarbeiter-Bewegung“ ein grosses Thema.

Ein führender „Lichtarbeiter“ und Buchautor hat angeblich bereits ein Interview mit dem Erzengel Michael geführt und dabei erfahren, dass die Planungen der höheren Mächte sich geändert hätten.

So geht es immer mit den Weltuntergangspropheten: Es werden auf Teufel komm raus Erklärungen und Ausreden gesucht, warum der Weltuntergang (noch) nicht stattgefunden hat. So lässt sich die eigene Kopfgeburt immer retten.

Damit sind die Lichtarbeiter allerdings nicht allein.

Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831) glaubte nachgewiesen zu haben, dass es nicht mehr als 7 Planeten geben könne.

Er verteidigte seine These am 27.August 1801 nachdem dummerweise am 1.Januar 1801 ein 8. Planet entdeckt worden war, die Ceres. Als man Hegel darauf aufmerksam machte, daß seine Lehre mit den Tatsachen im Widerspruch stände, soll er geantwortet haben: “Um so schlimmer für die Tatsachen”.

Eines finde ich hier aber schon erstaunlich:

Es sind bereits unzählige Weltuntergangsprophezeiungen „in die Hosen gegangen“ und immer wieder wurden und werden die Fehlschläge uminterpretiert und unter den Tisch geredet.

Da zeigt sich doch ein sehr deutliches Muster. Und ausgerechnet die EsoterikerInnen, die überall Muster sehen, auch dort wo gar keines vorhanden ist, sind offenbar nicht in der Lage, dieses überdeutliche Muster zu erkennen.

Auch stösst offenbar die Grössenphantasie, dass da jemand behauptet, ein persönliches Gespräch mit dem Erzengel Michael geführt zu haben, in der Lichtarbeiter-Szene nicht auf Skepsis. Die Ego-Aufblähung, die mit solchen Aussagen verbunden ist, müsste doch auffallen.

Und die sprunghafte, unzuverlässige Planungsarbeit der höheren Mächte führt bei den Lichtarbeitern keineswegs zu Reklamationen…

Das Bedürfnis nach dem „Gross-Reine-machen“, nach einem radikalen Neuanfang, nach dem „Aufstieg“ in eine höhere Welt….etc. ist offenbar so stark, dass es sich sogleich an den nächstmöglichen Termin klammert.

Vielleicht wäre es ja stattdessen angesagt, statt immer so wahnhaft nach „oben“ zu streben ganz schlicht in der Horizontale anzukommen und sich mit den Menschen und der Gesellschaft hier und jetzt auseinanderzusetzen.

Und zum Schluss noch dies:

Gerade in Esoterikkreisen fühlen sich viele Menschen tief verbunden mit früheren Kulturen (Kelten, Schamanen,  Indianer…). Sie merken aber offenbar nicht, wenn sie mit einem solchen Weltuntergangstheater ihre eigenen Phantasien den Mayas überstülpen oder unterjubeln. Mit den Mayas hat das ganze Theater kaum etwas zu tun.

Auch dies ist ein Phänomen, das in der „Eso-Szene“ vielfältig zu beobachten ist. Alte oder „exotische“ Kulturen werden als Projektionsfläche für eigene Bedürfnisse, Wünsche und Defizite missbraucht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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