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Schwarztee lindert Sonnenbrand

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Schwarztee wird in der Phytotherapie oft empfohlen zur Linderung von Sonnenbrand. Interessant ist, dass dieses Hausmittel inzwischen auch Support bekommt von Hautärzten.

Beispiel 1:

Dr. Reinhard Mrotzek, Hautarzt und Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD), kommt auf  T-online zu Wort:

«Viel besser als Quark ist schwarzer Tee geeignet. Dieser wirkt entzündungshemmend und kühlend. „Doch dafür muss man keine Teebeutel auf die Haut legen. Wer schwarzen Tee zubereitet und ihn, nachdem er abgekühlt ist, auf die Haut aufträgt, hat den gleichen Effekt“, sagt der Sonnenschutz-Experte. Auch hier sind Kompressen bestens geeignet. Die zerstörte Haut reparieren kann der Tee aber nicht, sondern lediglich die Symptome lindern. Das gilt auch für After-Sun-Lotions und –Cremes.»

Quelle: http://www.t-online.de/lifestyle/gesundheit/id_63907268/erste-hilfe-bei-sonnenbrand-quark-lindert-den-schmerz.html

Beispiel 2:

Prof. Dr. med. Reinhard Dummer vom Universitätsspital Zürich auf 20min.ch zur Frage, was zu tun ist bei einem Sonnenbrand:

« Kühlende Umschläge helfen: Einfach Schwarztee aufsetzen, auskühlen lassen, in den Kühlschrank stellen und dann Kompressen einlegen und auf die verbrannten Stellen auflegen. Eventuell empfiehlt sich die Einnahme einer Schmerztablette wie zum Beispiel Aspirin. Auf jeden Fall sollte man am nächsten Tag unbedingt die Sonne meiden.»

Auf die Frage, ob man bei einem Sonnenbrand kein Aftersun-Produkt auftragen müsse, kommt Dummer noch auf ein weiteres Hausmittel zu sprechen:

«Müssen tun sie das nie. Denn die Wirkung ist nicht wissenschaftlich erwiesen. Wenn sie ihre Haut kühlen möchten, können sie auch Gurkenscheiben auflegen.»

Quelle:

http://www.20min.ch/sogehtsommer/sommer/story/27908403

Kommentar & Ergänzung:

Man macht beim Schwarztee die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe für die lindernde Wirkung bei Sonnenbrand verantwortlich. Schwarztee enthält aber neben den Gerbstoffen auch weitere Polyphenole mit antioxydativer Wirkung. Da auch Grüntee reich an Gerbstoffen und weiteren Polyphenolen ist, dürfte er sich zur Linderung von Sonnenbrand ebenso eignen.

Wichtig: Mit kochendem Wasser übergiessen, etwa 10 Minuten ziehen lassen (weil sich die Gerbstoffe langsam lösen), abkühlen lassen.

Schwarztee und Grüntee eignen sich auch zur Linderung von Hautentzündungen anderer Genese, zum Beispiel bei Intertrigo, auch „Hautwolf“ genannt. Dabei handelt es sich um eine entzündliche Hauterkrankung, die auf gegenüberliegenden Hautoberflächen in Hautfalten entsteht, zum Beispiel im Genitoanalbereich, an der Leiste, in Bauchfalten und unter den Brüsten. Ausgelöst wird sie zum einen von Reibung, gestauter Wärme und Feuchtigkeit, welche die Hautbarriere stören und zum anderen von einer Superinfektion mit Pilzen oder Bakterien. Vor allem bei nässenden Hautentzündungen haben sich Schwarztee-Kompressen bewährt. Ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ein so simples und billiges Mittel funktioniert.

Siehe auch:

Schwarztee bei Windeldermatitis

Schwarztee gegen Hautentzündungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Schwarztee hemmt Karies

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Das Magazin „Focus“ stellt 10 Irrtümer über Zahnpflege richtig.

Irrtum Nr. 10: „Teetrinken schadet den Zähnen“.

Zitat:

„Schwarzer Tee kann zwar zu unschönen Verfärbungen führen. In dem aromatischen Getränk stecken aber äußerst zahnfreundliche Stoffe. Dazu gehören neben Fluor auch die sogenannten Tannine. Diese Bitterstoffe hemmen das Enzym Amylase, das im Speichel vorhanden ist und Stärke zu kariesförderndem Zucker umwandelt.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zaehne/vorbeugung/irrtuemer/teetrinken-ist-schlecht-fuer-die-zaehne_aid_15608.html

Kommentar & Ergänzung:

Stimmt wahrscheinlich, dass Schwarztee karieshemmend wirkt, jedenfalls wenn man ihn regelmässig trinkt. Allerdings lösen sich die Tannine nur langsam im Teewasser und man muss den Schwarztee daher lange ziehen lassen, um einen hohen Tannin-Gehalt zu bekommen (8 – 10 Minuten). Ein Genusstee ist das dadurch entstehende Getränk für die meisten Menschen dann aber wohl kaum mehr. Je bitterer der Schwarztee, desto höher der Tannin-Gehalt und desto höher die karieshemmende Wirkung.

Die karieshemmenden Tannine im Schwarztee bewirken zwar eine bittere Geschmacksempfindung, laufen phytotherapeutisch allerdings nicht unter der Wirkstoffgruppe „Bitterstoffe“, sondern unter „Gerbstoffe“. Sie verbinden sich mit Eiweiss. Und weil das Enzym Amylase auch zu den Eiweissen gehört, ist ein karieshemmender Effekt auf diesem Weg denkbar.

Gerbstoffe aus Schwarztee (und aus Grüntee) hemmen zudem die Gluconyltransferase. Mit diesem Enzym produziert das Kariesbakterium Streptococcus mutans Dextrane. Die klebrigen Dextrane helfen dem Bakterium, sich an der spiegelglatten Zahnoberfläche festzumachen. Mindestens ein Teil der Antikaries-Wirkung von Schwarztee und Grüntee dürfte also darauf zurückzuführen sein, dass die plaquebildenden Kariesbakterien weniger gut anhaften können.

Dass Teetrinker weniger unter Karies leiden, dafür sprechen mehrere epidemiologische Studien, wobei meines Wissens vor allem Grüntee erfasst wurde.

Solche Studien haben aber immer einen Haken:

Wenn bei Grüntee-Trinkern weniger Karies auftritt

( = Korrelation, gleichzeitiges Auftreten von zwei Faktoren: Hoher Grünteekonsum, wenig Karies),

…..dann heisst das noch nicht, dass weniger Karies wegen dem Grünteekonsum auftritt (Kausalität).

Es könnte sein, dass ein dritter, unbeachteter Faktor mitspielt, der für den verminderten Kariesbefall verantwortlich ist.

Beispiel: Grünteetrinker konsumieren vielleicht weniger zuckerhaltige Cola. Für den tieferen Kariesbefall könnte dann der Wegfall von Cola-Getränke auslösend sein, und nicht der Grünteekonsum.

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Heilpflanzen bei Verdauungsbeschwerden

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Über die Festtage überbieten sich die Medien mit hilfreichen Tipps gegen Verdauungsbeschwerden. Dabei werden oft auch Heilpflanzen empfohlen – und das mehr oder weniger überzeugend. Als Beispiel dafür ein Beitrag, der unter dem Titel „Hilfe für Leber, Galle und Co.“ auf  rp-online.de veröffentlicht wurde.

Hier die entsprechenden Zitate mit Kommentaren:

„Bitterstoffe wie die in Artischocken regen den Appetit an und fördern den Gallenfluss und die Verdauung und helfen gegen Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Völlegefühl und Blähungen. Wer mit dem Gemüse nichts anzufangen weiß, erhält in Drogeriemärkten und Apotheken auch Artischockenpräparate in verschiedenen Darreichungsformen.“

Kommentar: Die Artischocke eignet sich tatsächlich als Verdauungshelfer. Allerdings ist hier wohl irrtümlich von „Gemüse“ die Rede. Als Heilpflanze gegen Verdauungsbeschwerden werden nämlich die Artischockenblätter verwendet – als Artischockentee, Artischockentinktur, Artischockenextakt.

„Hilfreich ist neben diesem Gemüse auch die Mariendistel. Ähnlich wie die Artischocke schützt sie die Leber, unterstützt sie bei der Regeneration und hilft beim Abbau von Giftstoffen. Am besten entfaltet sie ihre Wirkung, wenn man sich am Abend einen Tee damit aufbrüht. Der aus ihren Früchten gewonnene Inhaltsstoff Silymarin soll selbst bei schweren Leberschäden heilende Wirkung haben.“

Kommentar: Fragwürdiger Tipp. Silymarin ist schlecht wasserlöslich, Tee als Zubereitungsform daher sehr suboptimal. Mariendistel ist auch eher für Langzeitanwendungen sinnvoll, bei Zufuhr leberbelastender Stoffe (gewisse Medikamente) und als Begleittherapie bei chronischen Lebererkrankungen. Vor allem zum Leberschutz braucht es dazu Silymarin in hohen Dosen, die nur in Form von Mariendistelextrakt oder mittels isoliertem Silymarin zugeführt werden können. Das gilt auch für die Hilfe beim „Abbau von Giftstoffen“. Silymarin wirkt antioxidativ und es erhöht den Glutathionspiegel in der Leber. Glutathion wiederum kann in der Leber mithelfen, schädliche Stoffe besser wasserlöslich zu machen, wodurch sie von den Nieren besser ausgeschieden werden. Auf diesem Weg könnte man eine entgiftende Wirkung von Silymarin allenfalls erklären, wobei aber auch hier alles für hohe Dosen über längere Zeit spricht. Schutz der Leber, „Abbau von Giftstoffen“ und „Regeneration“ der Leber – das sind Stichworte, die völlig unpassend und überzogen sind, wenn es um eine Tasse Mariendisteltee begleitend zum Weihnachtsessen geht.

Für akute, temporäre Verdauungsbeschwerden wegen Völlerei ist Mariendistel meines Erachtens einfach nicht überzeugend.

„Ebenfalls aus der Naturheilkunde kommt die Schafgarbe, die bei Verdauungsproblemen als vielseitiger Helfer bekannt ist. Ein Teelöffel Schafgarbenkraut mit einer Tasse heißem Wasser überbrüht ergibt einen Tee, der zwischen den Mahlzeiten getrunken verdauungsfördernd wirkt. Die in dem Kraut enthaltenen Bitterstoffe wirken außerdem krampflösend, galle- und verdauungsfördernd. Hilfe geben sie damit auch für einen geregelten Stuhlgang. Durch ihre ätherischen Öle und Flavonoide weist sie zudem antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften auf. Selbst Menschen mit empfindlicher Magenschleimhaut können bedenkenlos auf sie zurückgreifen. Eine Tasse zusätzlich vor dem Zubettgehen beruhigt Leber, Galle und Magen und beschert eine ruhige und entspannte Nacht.“

Kommentar:

Schafgarbenkraut ist charakterisiert durch ätherisches Öl, Bitterstoffe und Flavonoide. Es ist ein Amarum-aromaticum. Als Bitterstoffpflanze regt Schafgarbe die Magensaftproduktion und den Gallenfluss an. Gut geeignet bei Verdauungsbeschwerden.

Im Text auf rp-online.de wird ein Gastroenterologe zitiert mit der Aussage: „Übertreiben Sie es mit fetthaltigen Speisen nicht und setzen Sie nicht auf den Magenschnaps.“

Der nämlich fördere entgegen der volksläufigen Meinung die Verdauung nicht, weil er die Organe zusätzlich mit Alkohol belaste. Die beste Alternative dazu sei schwarzer Tee, empfiehlt der Facharzt.

Kommentar:

Dass Verdauungsschnäpse nicht sinnvoll sind, hat sich inzwischen auch in einer Studie gezeigt:

Verdauungsschnaps unwirksam

Nicht nachvollziehbar ist für mich die Empfehlung von Schwarztee als Verdauungsförderer (obwohl Schwarztee oft auch zum Fondue getrunken wird).

Schwarztee enthält vor allem Gerbstoffe und wirkt dadurch stopfend bei Durchfall. Was er bei Verdauungsbeschwerden wie zum Beispiel Völlegefühl positiv bewirken soll, ist mir nicht ansatzweise klar. Passender wäre meines Erachtens zum Beispiel der Pfefferminztee mit seiner gallenflussfördernden Wirkung (auch zum Fondue).

„Sinnvoll ist es zudem, das Essen tatsächlich zu genießen, sich Zeit zu lassen und es gut zu kauen. Auch hilft ein Spaziergang nach dem Essen. Die Bewegung von außen regt die Verdauungsorgane an. So gerät nichts ins Stocken und die Nahrung wird zügig weitertransportiert.“

Kommentar:

Der altbewährte Verdauungsspaziergang also. Und noch besser wäre manchmal präventiv eine gewisse Mengenbeschränkung beim Essen….

Quelle der Zitate:

http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/ernaehrung/fit-fuer-das-grosse-weihnachts-schlemmen-aid-1.3811365

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Wirkstoffkunde: Theaflavine aus Schwarztee

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Theaflavine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Polyphenolen gehören. Sie entstehen hauptsächlich bei der Fermentation von Grüntee zu Schwarztee aus den im Teeblatt enthaltenen Catechinen sowie bei der Verstoffwechselung von Catechinen in der Leber.

Aufgrund des vermuteten günstigen Einflusses von Theaflavinen auf die menschliche Gesundheit rückt diese Stoffgruppe zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

Viele Polyphenole zeigen im Labor anitvirale Effekte

Manche Polyphenole können die Vermehrung von HIV-1 hemmen. In Experimenten mit Zellkulturen zeigten Theaflavine dahingehend ein höheres Potenzial als die ebenfalls für diesen Effekt bekannten Catechine, eine Stoffklasse, die für Grüntee charakteristisch ist (im Grüntee vor allem Epigallocatechingallat, EGCG). Theaflavine wie auch Catechine verhindern die Vermehrung des Virus, indem sie an dessen Oberflächenmolekül gp41 binden, welches das Virus braucht, um über den CD4-Rezeptor in seine Wirtszelle einzudringen.

Den Resultaten klinischer Studien zufolge können Theaflavine ausserdem sowohl den Cholesterinspiegel als auch die Menge des Low Density Lipoprotein im menschlichen Körper reduzieren.

Theaflavine scheinen zudem eine starke antibakterielle Wirkung zu besitzen. In Laboruntersuchungen an den Bakterien Stenotrophomonas maltophilia und Acinetobacter baumannii, welche inzwischen gegen viele Antibiotika Resistenzen entwickelt haben, zeigten sie sich sehr effektiv.

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Theaflavine sind orangerot gefärbt und tragen zur Farbe des Schwarztees bei.

Zitronensaft hellt Schwarzen Tee auf, weil Theaflavine sich wie ein chemischer Indikator verhalten: Bei einem anderen pH-Wert der Umgebung absorbieren sie Licht anders und verleihen dadurch der Teefüssigkeit eine andere Farbe.

Theaflavine kommen nur in Schwarzem Tee vor und nicht in Grüntee Ihr Gehalt liegt meist bei 1-2 %.

Während Grüntee seit Jahren intensiv erforscht wird und ein hochgradig gesundes Image hat, wurde der Schwarztee meinem Eindruck nach vielleicht zu Unrecht viel weniger beachtet.

Siehe auch:

Grüntee oder Schwarztee?

Grüntee und Schwarztee – Schutz vor Schlaganfall?

Schwarztee senkt Blutdruck

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Grüntee reduziert Cholesterin – aber nur wenig

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Grüntee als Getränk oder in Kapseln trägt dazu bei, erhöhte Cholesterin-Werte zu reduzieren. Allerdings ist der Effekt nur gering. Das hat eine Übersicht über 20 Studien zu diesem Thema belegt.

Schon lange ist Grüntee als Cholesterinsenker im Gespräch, doch die zahlreichen Studien zu diesem Thema ergaben kein einheitliches Bild. Eine Übersichtsarbeit sollte die offenen Fragen klären. Die US-amerikanische Wissenschaftlergruppe suchte sich dazu 20 aktuelle Studien mit insgesamt etwa 1400 erwachsenen Teilnehmern aus, die den Zusammenhang zwischen Grüntee und Blutfetten genauer untersuchten.

Unter dem Strich zeigte sich, dass der regelmäßige Konsum von Grüntee oder Kapseln mit Grüntee-Extrakt sowohl das Gesamtcholesterin als auch das „böse“ LDL-Cholesterin um etwa 5 mg/dl reduzierte. Bei Gesamtcholesterinwerten weit über 200 mg/dl, bei denen eine Reduktion der Werte interessant erscheint, kann man diese Wirkung nur als äußerst gering bezeichnen. Auf andere Blutfette wie das HDL-Cholesterin oder die Triglyceride hatte Grüntee dagegen keinen nennenswerten Einfluss.

Die Studienautoren raten Menschen, die bereits Blutfett-senkende Medikamente einnehmen, nicht komplett auf Grüntee umzusteigen.

Grüntee könne die Medikamente in ihrer Wirkung ergänzen, aber  nicht ersetzen.

Quelle:

http://www.aponet.de/aktuelles/forschung/2011-11-gruener-tee-senkt-cholesterin-wenig.html

Kommentar & Ergänzung:

Grüntee und sein mutmasslich wichtigster Inhaltsstoff Epigallocatechingallat (EGCG) werden intensiv erforscht und zeigen zahlreiche interessante Wirkungen. Um relevante Wirkungen auf die Gesundheit des Menschen  zu erreichen, braucht es aber wohl die regelmässige Einnahme von hohen Dosen in der Grössenordnung von etwa 8 (japanischen) Tassen. Darauf weisen jedenfalls die Studien hin.

Wenn Sie also Grüntee gerne haben, dann trinken Sie ihn doch und er wird schon gesund sein. Wenn Sie den Geschmack von Grüntee aber nicht lieben, dann zwingen Sie sich nicht, ihn zu trinken, nur weil er als gesund propagiert wird.

Hier ein paar Informationen zu EGCG aus Wikipedia:

„Epigallocatechingallat…(EGCG), ist ein Catechin und Antioxidans, welches ein Drittel der Trockenmasse des grünen Tees ausmacht. Der Verbindung wird eine positive Wirkung auf die Gesundheit zugesprochen.

Im schwarzen Tee ist der Anteil an Catechinen deutlich geringer, da aufgrund der Fermentation die Catechine zu oligomeren Theaflavinen reagieren.

Angiogenese

Verschiedene Experimente zeigen, dass EGCG eine antiangiogenetische Wirkung (Wachstumshemmung von kleinen Blutgefäßen) besitzt. Da in einem der Experimente krankhaftes Endometriumgewebe verwendet wurde, kann man eine wachstumshemmende Wirkung bei der menschlichen Endometriose vermuten.

Eine antiangiogenetische Wirkung von EGCG könnte auch genutzt werden, um das Wachstum von Tumorgewebe abzuschwächen. Tumore benötigen ebenfalls Blutgefäße, um ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt zu werden. EGCG hemmt die Aktivität von Wachstumsfaktoren, die beim Mechanismus der Angiogenese erforderlich sind, wie z.B. das pro-angiogenetische Interleukin-8.

Auch über eine positive Beeinflussung der Elastizität der Blutgefäße (Endothelfunktion), die eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Arteriosklerose (Atherogenese) spielt, wurde berichtet.

Zellzyklus

Ebenfalls unterstützt EGCG das Tumorsuppressorprotein P27, das den Zellzyklus kontrolliert und eine außer Kontrolle geratene Zellteilung verhindert. Es hemmt dabei Wachstumsfaktoren, indem es an sie bindet.

Neurogenese

Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson werden durch die Bildung von Amyloidfibrillen verursacht. EGCG verhindert deren Bildung durch Bindung an die nativen, noch ungefalteten Polypeptidketten. Dadurch werden statt der toxischen, faserförmigen Amyloidfibrillen harmlose, sphärische Oligomere gebildet. Studien weisen darauf hin, dass EGCG Plaques auflösen kann. Im Modellorganismus Farbmaus konnte gezeigt werden, dass nach sechsmonatiger EGCG-Behandlung die Plaque-Belastung im Kortex, Hippocampus und im entorhinalen Kortex um jeweils 54, 43 und 58 % reduziert wurde.

Immunologie

Eine japanische Forschungsgruppe zeigte in Labortests, dass EGCG die Invasion von HI-Viren in T-Lymphozyten verhindern kann, da es wie die HI-Viren eine Affinität zu den CD4-Molekülen an der Zelloberfläche der T-Lymphozyten aufweist. Durch die Bindung an die CD4-Rezeptoren durch das EGCG kann das HIV nicht mehr an die T-Lymphozyten andocken und diese somit nicht mehr infizieren.

Auch gegen das Influenza A Virus zeigte sich EGCG effektiv. Sowohl bei Experimenten mit Zellkulturen als auch im Tierversuch, vermochte es, die Vermehrung des Virus signifikant abzusenken und bei infizierten Mäusen die mittlere Überlebenszeit deutlich zu erhöhen.

Außerdem weisen Studien in der Multiple-Sklerose-Forschung darauf hin, dass EGCG sowohl Nervenzellen im Zentralnervensystem vor Schädigungen schützen, als auch fehlgeleitete T-Lymphozyten, welche für die Krankheit verantwortlich gemacht werden, regulieren kann. So war der Verlauf der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis – dem Tiermodell der Multiplen Sklerose – bei Gabe von EGCG signifikant milder als bei Tieren, die kein EGCG erhielten.

EGCG neutralisiert ebenfalls TNF-α und vermindert so die Produktion von Interleukin-6 und -8, was die teils immunsuppressive Wirkung erklärt.

Stoffwechsel

Catechine gelten allgemein als Radikalfänger von reaktiven Sauerstoff- (ROS) und Stickstoffspezies (RNS). Diese beiden Typen von Verbindungen sind für oxidative Schäden an der DNA verantwortlich.“

(Quelle: Wikipedia)

Festzuhalten ist allerdings, dass es sich bei den meisten Untersuchungen um Laborexperimente an isolierten Zellen bzw. Geweben handelt. In diesem Rahmen lässt sich nicht nur bei EGCG / Grüntee, sondern auch bei vielen anderen Naturstoffen, eine krebshemmende Wirkung feststellen. Damit steht aber noch keineswegs fest, dass die Substanz auch gegen den Krebs in einem lebenden Organismus wirksam ist.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Rhabarber: Ernten bis 24. Juni

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Bis zum 24. Juni darf Rhabarber noch geerntet werden, weil die Stangen danach zu viel Oxalsäure enthalten. Oxalsäure ist in großen Mengen gesundheitsschädlich. Aber auch für die Rhabarber-Pflanze ist das Ende der Ernte gut, denn sie braucht viel „Sommerschlaf“.

Ab Ende Juni brauche Rhabarbar dringend Ruhe – quasi einen Winterschlaf, serklärt Peter Muß, stellvertretender Geschäftsführer des Provinzialverbandes Rheinischer Obst- und Gemüsebauern in Bonn. So könne Die Rhabarber-Pflanze wieder Nährstoffe in den Wurzeln einlagern und für das nächste Jahr vorsorgen.

Die nötigen Nährstoffe bekommt der Rhabarber durch eine Portion mineralischen oder organischen Dünger. Muß rät, eine Kompostbeigabe um die Stangen und Blätter zu verteilen. Keinesfalls sollte diese in die Erde eingearbeitet werden, weil der Rhabarber sehr flache Wurzeln hat.

Die Blätter werden nach dem Abschluss der Ernte nicht entfernt. Sie rollen sich im November von selbst ein, und das Rhizom überdauert im Boden den Winter. Soll der Rhabarber verpflanzt oder geteilt werden, sollte dies im Frühjahr geschehen, bevor die Blätter wieder austreiben, empfielt Muß.

Quelle:

http://www.ruhrnachrichten.de/leben/haus_und_garten/die_welt_des_gartens/Sommerschlaf-und-Duenger-fuer-Rhabarber;art395,1314135

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist die Geschichte der Kulturpflanze Rhabarber. Wenig bekannt ist beispielsweise, dass Rhabarber aus der Himalayaregion stammt.

„Ursprünglich stammt Rhabarber aus der Himalayaregion. Im 16. Jahrhundert wurde er in Russland angebaut und gelangte im 18. Jahrhundert auch in andere Teile Europas. Über Frankreich und die Niederlande kam er nach England, wo der Anbau seit 1753 belegt ist. Die Treiberei wurde als erstes von Gärtnern in Chelsea betrieben. Der erste gewerbsmäßige Anbau in Deutschland erfolgte 1848 in Hamburg-Kirchwerder und breitete sich von Norden nach Süden aus. 1937 betrug die Anbaufläche in Deutschland 1700 Hektar, 1993 zwischen 350 bis 400 Hektar. Seit 1947 wird Rhabarber in den USA gesetzlich als Obst betrachtet.“

(Quelle: Wikipedia)

Spannend ist auch die Herkunft des Wortes Rhabarber (die Etymologie):

„Der Name Rheum rhabarbarum stammt vom mittellateinischen Wort rheu barbarum in der Bedeutung einer fremdländischen Wurzel: rheum für Wurzel und barbarus für ausländisch, fremd. Das deutsche Wort Barbar hat mithin denselben lateinischen Ursprung wie die Pflanzenbezeichnung Rhabarber. Bei seiner Ankunft in Europa im 18. Jahrhundert wurde die deutsche Bezeichnung aus dem italienischen Wort rabarbaro entlehnt, entsprechend dem französischen rhubarbe und dem spanischen ruibarbo.

Eine vom Duden abweichende Version vertritt Friedrich Kluge: Er bezieht die Wanderung der Pflanze von Ost nach West ein. Dabei wurden das persische Wort rewend sowie eine Anlehnung an den Eigennamen Rhã für den Fluss Wolga (russisch Волга) transportiert.“

(Quelle: Wikipedia)

Qxalsäure ist fördert bei längerer Aufnahme zu hoher Dosen die Entstehung von Oxalat-Nierensteinen.

Natürlich ist der Oxalatgehalt im Rhabarber nicht einfach Knall auf Fall ab 24. Juni zu hoch. Er steigt vielmehr kontinuierlich an und erreicht dann irgendwann um dieses Datum herum ungesunde Werte. Der 24. Juni ist einfach ein leicht zu merkendes Datum (Johannistag).

Die biologische Bedeutung der Qxalsäure beschreibt Wikipedia so:

„Oxalsäure ist in höherer Konzentration gesundheitsschädlich, kommt in geringer Konzentration aber in Lebensmitteln wie Tee (insbesondere schwarzer Tee und Pfefferminztee), in Rhabarber, in Sauerampfer, in Kakao und Schokolade vor. Calciumoxalat entsteht in der Natur häufig beim Absterben von Pflanzenzellen. Es kann unter polarisiertem Licht in Form von hellen rechteckigen Kristallen erkannt werden (besonders einfach in braunen Zwiebelschalen). Nierensteine bestehen meist aus Calciumoxalat und Harnsäure, die Steinbildung wird aber durch Zitronensäure, welche in Früchten vorkommt, verhindert.

Da Oxalsäure die Resorption (Aufnahme) von Eisen im Darm erschwert, sollte man bei einer Eisentherapie, z. B. im Rahmen einer Eisenmangelanämie mit dem Verzehr der o. g. Lebensmittel zurückhaltend sein und diese auch nicht gleichzeitig mit der Einnahme von Eisentabletten zu sich nehmen. Nach Aufnahme von Oxalsäure kommt es im betroffenen Gewebe zu einer Verarmung an Calcium, in schweren Fällen kann dies eine Schädigung des Herzens zur Folge haben. Nach Aufnahme von größeren Dosen kann es zu Lähmungserscheinungen kommen, in jedem Fall (auch bei leichten Vergiftungen) kommt es zu Nierenschäden durch verstopfte Nierentubuli. Die letale Dosis (LDLo beim Menschen, oral) wird mit 600 mg/kg angegeben.“

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Grüntee oder Schwarztee?

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Die Zeitung „Der Standard“ veröffentlichte vor kurzem einen Artikel über die Unterschiede zwischen Kräutertee, Früchtetee, Schwarztee, und Grüntee:

Hier ein interesantes Zitat daraus:

„Im Gegensatz zu Früchte- und Kräutertee ist ‚echter’ Tee ‚ein Genussmittel und somit für den täglichen Bedarf geeignet’, informiert Masselter. Grüner Tee gilt seit Jahren als Gesundheitsquelle und Jungbrunnen. Dass er als gesünder sein soll als schwarzer Tee, liege aber hauptsächlich ‚an der schiefen Datenlage’, klärt Marlies Gruber auf. Das Epigallocatechingallat im grünen Tee rücke deshalb öfter ins Rampenlicht weil es das am besten untersuchte Tee-Polyphenol ist. Gruber: ‚Sowohl Grün- als auch Schwarztee enthalten antioxidative Polyphenole in nahezu gleicher Menge.’

Laut Gruber geben Studien an Zellkulturen, Tierversuche, klinische sowie epidemiologische Studien deutliche Hinweise darauf, dass sie das Risiko für und den Krankheitsverlauf von einigen chronischen Erkrankungen, besonders Herz-/ Kreislauferkrankungen und Krebs, positiv beeinflussen können. Grüntee wegen der Katechine, Schwarztee durch die enthaltenen Theaflavine und Thearubigine.“

Quelle:

http://derstandard.at/1291455115400/Tea-Time-Kraeutertees-sind-keine-Alltagsgetraenke

Kommentar & Ergänzung:

1. Zu den zitierten Personen:

Sonja Masselter ist Leiterin des Institutes für Lebensmitteluntersuchung Innsbruck der Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES)

Marlies Gruber ist wissenschaftliche Leiterin vom Forum Ernährung Heute.

2. Grüntee wird tatsächlich viel intensiver untersucht (und vermarktet) – vor allem der erwähnte Inhaltsstoff  Epigallocatechingallat (EGCG). Grüntee und Schwarztee unterscheiden sich zwar hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe, doch ist im Grossen und Ganzen ihr Gehalt an antioxidativen Polyphenolen vergleichbar. Zu den Polyphenolen gehören auch die Gerbstoffe, welche dem Schwarztee seine Wirksamkeit gegen Durchfall verleihen. Ob sich Grüntee und Schwarztee in ihrem Gehalt an gerbenden und daher stopfenden Polyphenolen (Gerbstoffen) wesentlich unterscheiden, darüber habe ich bisher noch keine verlässlichen Angaben gesehen.

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Bei Verstopfung mindestens 30 g Ballaststoffe täglich

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Patienten mit chronischer Verstopfung (Obstipation) brauchen Tipps, wie sie selbst versuchen können, etwas gegen diesen Zustand zu tun. Ratsam ist zunächst eine faserreiche Kost mit mindestens 30 g Ballaststoffen täglich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt dazu, die Hälfte der Ballaststoffe durch Getreide und Getreideprodukte, die andere Hälfte durch Obst und Gemüse einzunehmen. Bei den Ballaststoffpräparaten haben sich vor allem Flohsamenschalen bewährt.

Erinnert werden sollten Patienten mit chronischer Verstopfung auch daran, dass etwa Schokolade, Bananen, Kakao, schwarzer Tee, Karottensaft und Heidelbeeren einen obstipierenden Effekt haben. Sehr wichtig ist zudem: Patienten müssen wissen, dass täglicher Stuhlgang nicht zwingend nötig ist!

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/magen_darm/article/618704/mindestens-30-g-ballaststoffe-pro-tag.html?sh=30&h=-631448906

Kommentar & Ergänzung:

Da sich bei den Flohsamen die wirksamen Schleimstoffe in den Schalen befinden, sind folglich Präparate auf der Basis von Flohsamenschalen besonders effektiv, allerdings nur, wenn dazu auch ausreichend Flüssigkeit (keine Milch) getrunken wird.

Bei den als stopfend aufgeführten Nahrungsmitteln setze ich einige Fragezeichen. Wenn (dunkle) Schokolade, Bananen, Schwarztee oder Heidelbeeren gegen Durchfall eingesetzt werden können, heisst das nicht zwangsläufig, dass sie in normalen Mengen genossen Verstopfung fördern. Schwarztee zum Beispiel muss ziemlich lange ziehen, damit sich die Gerbstoffe im Tee lösen und gegen Durchfall wirken. So lange lässt man aber einen Schwarztee nicht ziehen, wenn man ihn einfach zum Genuss trinkt. Und bei den Heidelbeeren werden gegen Durchfall getrocknete Früchte eingesetzt, während frische Heidelbeeren jedenfalls in grösseren Mengen  vermutlich eher einen abführenden Effekt zeigen dürften als einen stopfenden.

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Verstopfung: Was bringen Allgemeinmassnahmen

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Faserreiche Kost und verstopfungsfördernde Lebensmittel meiden: Das sind im Wesentlichen schon die Allgemeinmaßnahmen, die mit Aussicht auf Erfolg Patienten mit chronischer Verstopfung (Obstipation) guten Gewissens empfohlen werden können.
Immer wieder fragen Patienten mit chronischer Verstopfung nach, inwieweit sie dieses Problem selbst beeinflussen können.

Empfohlen werden könnten dann eine faserreiche Ernährung mit mindestens 30 g Ballaststoffen täglich und das Meiden von verstopfungsfördernden Lebensmitteln wie Schokolade, Bananen, Kakao, schwarzer Tee, Karottensaft und Heidelbeeren. So fassen die Autoren des Buches „Chronische Obstipation in Praxis und Klinik“ den derzeitigen Wissensstand zusammen. Wesentlich ist ihnen auch: Die Patienten sollten darüber aufgeklärt werden, dass täglicher Stuhlgang nicht zwingend nötig ist, aber ein regelmäßiger Toilettengang, etwa nach dem Frühstück, angestrebt werden sollte.

Ballaststoffe: Studien zeigen uneinheitliche Resultate

Bei einer milden Verstopfung (Normal-Transitzeit-Obstipation) oder zur Obstipationsvorbeugung sei die therapeutische Wirksamkeit einer ballaststoffreichen Ernährung akzeptiert, obwohl Interventionsstudien keine durchgängige Beeinflussung der Obstipationssymptome durch eine erhöhte Menge an zugeführten Ballaststoffen gezeigt hätten.

Die uneinheitlichen Studienresultate seien offenbar Folge der Heterogenität der angewandten Ballaststoffe und der untersuchten Patientenkollektive.
Ballaststoffe wirkten durch einen substanzeigenen Masseeffekt, durch vermehrte osmotische Bindung von Wasser und durch eine gesteigerte Produktion intestinaler Gärungsgase, erklären die Autoren.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Ballaststoffzufuhr von mindestens 30 g, wovon die Hälfte der Ballaststoffe durch Getreide und Getreideprodukte, die andere Hälfte durch Obst und Gemüse gedeckt werden sollten. Bei den Ballaststoffpräparaten hätten sich vor allem Flohsamenschalen bewährt. Die sogenannten Gelbildner sollen zu einer geringeren Gasbildung führen als etwa Weizenkleie und für einen weichen Stuhl sorgen.

Kontraindiziert sei eine faserreiche Kost übrigens bei Obstipationsbeschwerden aufgrund einer intestinalen Obstruktion und wenig Erfolg versprechend bei eingeschränkter Flüssigkeitsaufnahme, Immobilität oder neurologischen Erkrankungen wie autonome Neuropathie oder Rückenmarkserkrankungen. An diese Einschränkungen erinnern die Kollegen um die beiden Herausgeber Professor Heiner Krammer und Professor Alexander Herold aus Mannheim.

Nutzen von körperlicher Aktivität noch unklar

Insgesamt sei der therapeutische Nutzen der Allgemeinmaßnahmen bei chronischer Obstipation unterschiedlich gut belegt, erklären sie. Zu den gängigen bei chronischer Verstopfung empfohlenen Allgemeinmaßnahmen mit ungesichertem Effekt zählen nach ihren Angaben die Empfehlung zu körperlicher Aktivität von täglich mindestens 15 bis 20 Minuten sowie die Empfehlung zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr (mehr als 1,5 Liter täglich).

Bei Nicht-Obstipierten könne körperliche Aktivität einen Stuhlreiz auslösen, so die Autoren, chronisch Obstipierte bewegten sich aber nicht weniger als Gesunde. Und eine geringe Flüssigkeitszufuhr und Immobilisation stellten zwar bekannterweise Risikofaktoren für eine Verstopfung dar. Allerdings ließen sich Patienten mit bereits bestehender Vertopfung durch gesteigerte Flüssigkeitszufuhr (außer bei dehydrierten Patienten) sowie durch vermehrte körperliche Bewegung nur selten erfolgreich behandeln.

Ebenfalls nicht genügend wissenschaftlich belegt sei die Empfehlung zu regelmäßigen Toilettensitzungen unter Nutzung des gastrokolischen Reflexes. Dieser Reflex tritt normalerweise 5 bis 15 Minuten nach dem Essen auf, vor allem nach dem Frühstück. Der im Anschluss daran erfolgende Stuhlentleerungsreiz sollte nicht unterdrückt werden, betonen die Autoren.

Krammer, Heiner; Herold, Alexander (Hrsg.): Chronische Obstipation in Praxis und Klinik, Uni-Med, Bremen, 2008, 96 S., 25 Abb., 39,80 €, ISBN 978-3-8374-1073-0

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Aus Sicht der Phytotherapie ist die Bevorzugung von Flohsamenschalen gegenüber Weizenkleie gut nachvollziehbar.
Zu begrüssen ist zudem die differenzierte Darstellung des Nutzens von ballaststoffreicher Kost, von körperlicher Bewegung und von erhöhter Flüssigkeitszufuhr. Es ist nämlich schon längere Zeit klar, dass die gerne abgegebenen Ratschläge an Verstopfte, sie müssten einfach mehr trinken, sich mehr bewegen und mehr Ballaststoffe essen, so pauschal nicht überzeugend sind. Alle drei Tipps mögen ihre Berechtigung haben. Sie lösen aber nicht einfach jedes Verstopfungsproblem.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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