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Koffein während der Schwangerschaft?

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Studienresultate halten einen Verzehr von bis zu drei Tassen Kaffee während der Schwangerschaft als unbedenklich.

Vom Konsum von Energydrinks während der Schwangerschaft wird aber abgeraten.

Während der Schwangerschaft komplett auf Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke zu verzichten ist unnötig.

Bis zu drei Tassen Kaffee täglich gelten als unbedenklich, erklärt das Netzwerk Gesund ins Leben.

So zeigten Studienresultate beim Konsum von bis zu drei Tassen Kaffee während der Schwangerschaft keine nachteiligen Wirkungen auf Gestationsdauer und Geburtsgewicht. Im Sinne eines präventiven Gesundheitsschutzes wird allerdings vorsorglich von hohen Koffeinmengen abgeraten. Deshalb sollten Schwangere auf Energydrinks verzichten, die hohe Koffeinmengen pro Portion enthalten.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/koffein-in-der-schwangerschaft-30742.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Gemäss European Food Safety Authority (EFSA) gilt für schwangere und stillende Frauen, dass eine über den gesamten Tag verteilte Koffein-Aufnahme aus allen Quellen von bis zu 200 mg pro Tag für den Fötus unbedenklich ist.

(Quelle: Wikipedia)

Eine Tasse Kaffee (150 ml) enthält etwa 30 bis 100 mg Koffein, eine Tasse Schwarztee je nach Zubereitungsart bis zu 50 mg. Das im Tee vorkommende Koffein wurde früher Thein (von französisch thé) genannt, ist chemisch jedoch exakt der gleiche Stoff wie im Kaffee. Energy-Drinks wie „Red Bull“ enthalten ca. 80 mg Koffein pro Dose.

(Quelle: http://www.chemie.de/lexikon/Koffein.html).

Fundierte Angaben finden sich im Standardwerk „Biogene Arzneimittel“:

„Bei einem durchschnittlichen Coffeingehalt von 60 – 100mg /Tasse (150ml)kann der Genuss von bis zu fünf Tassen Kaffee durch einen Erwachsenen als toxikologisch unbedenklich angesehen werden. Vorsicht ist geboten bei Personen mit labilem Herz-Kreislauf-System, Nierenkrankheiten, Magengeschwüren, Überfunktion der Schilddrüse, erhöhter Krampfbereitschaft oder bestimmten psychischen Störungen (panische Angstzustände). Schwangere sollten möglichst auf den Kaffeekonsum verzichten, zumindest aber eine Dosis von 300 mg /d nicht überschreiten (3 Tassen Kaffee, 9 Tassen Tee oder 7 kleine Gläser Colagetränk). Säuglinge, deren stillende Mütter viel Kaffee trinken, können Schlafstörungen zeigen.“

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Naturheilkunde: Ingwer zur Heilpflanze des Jahres 2018 gewählt

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Der Ingwer (Zingiber officinale) wurde vom Verein NHV Theophrastus zur Heilpflanze des Jahres 2018 gewählt.

Damit sollen der aus Asien stammende Ingwerwurzelstock und seine arzneilichen Effekte bekannter gemacht werden.

Ingwer wirke krampflösend, entzündungshemmend und schmerzstillend und werde in der chinesischen Medizin seit Jahrtausenden angewendet, hieß es in einer Pressemitteilung des Vereins. In Europa setzten Hildegard von Bingen und Paracelsus schon im Mittelalter Ingwer bei Magen-Darm-Beschwerden ein.

Der „Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus“ kürt seit 2003 eine Heilpflanze des Jahres.

2017 wurde diese „Ehre“ dem Gänseblümchen (Bellis perennis) zuteil.

 

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/937501/naturheilkunde-ingwer-heilpflanze-2018.html

Kommentar & Ergänzung:

Nach der fragwürdig begründeten Wahl des Gänseblümchens zur Heilpflanze des Jahres 2017 kürt der NHV Theophrastus nun für 2018 mit dem Ingwer eine ausgesprochen gut etablierte Arzneipflanze.

Heilpflanze des Jahres 2017: Das Gänseblümchen

Allerdings fehlt in der Pressemeldung zum Ingwer als Heilpflanze des Jahres 2018 ein zentraler Aspekt: Ingwer hat sich vor allem bewährt als Mittel zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen. Dieses Anwendungsgebiet ist auch vielfach mit Studien untersucht worden. Siehe dazu:

Oeko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als „gut“ bewertet

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer, Frischluft und Vitamin B6

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

 

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwertee als „Energiebooster“?

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Ingwer scheint gerade sehr im Trend zu liegen. Laufend treffe ich auf Empfehlungen, wozu Ingwer alles gut sein soll. Tatsächlich ist Ingwer ein interessantes Gewürz und eine wirksame Heilpflanze. Aber wie so oft bei derartigen Hypes kommen die Empfehlungen manchmal etwas schwammig und übertrieben daher.

Auf Focus online hat gerade ein Gesundheitsexperte Ingwer empfohlen. Schauen wir uns das etwas genauer an:

„Mit Ingwertee können Sie ganz ohne Koffein fit in den Tag starten……

Die Wurzel verfeinert nicht nicht nur Ihr Essen, sondern kurbelt Ihren Stoffwechsel an, lindert Halsschmerzen und hilft bei Magen und Darmbeschwerden. Probieren Sie doch mal Ingwertee. Schneiden Sie dazu den Ingwer in dünne Scheiben und geben diese anschließend in heißes Wasser…….

Egal, ob Sie den Ingwertee am Morgen als Kaffeeersatz oder als Energie Booster unterm Tag trinken: Sie tun Ihrem Körper etwas Gutes. Die scharfe Wurzel beruhigt Ihren Bauch und hilft bei Durchfall und Magenbeschwerden.

Wenn das noch nicht genug wäre, wirkt Ingwer zudem noch antiseptisch. Kratzt es Ihnen im Hals, empfiehlt es sich deshalb auf einem kleinen Stück Ingwer zu kauen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/ingwertee-darum-sollten-sie-ihn-vor-dem-fruehstueck-trinken_id_6867281.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Energiebooster – das tönt wirklich stark. Energiebooster ist ein trendigerer Ausdruck für Energydrink. Das sind Getränke, die wach machen und dem Organismus Energie zuführen oder Energiereserven mobilisieren sollen. Das machen sie in der Regel mit viel Koffein und viel Kohlenhydraten (insbesondere Zucker). Ingwertee – sofern ungesüsst getrunken – führt kaum Kohlenhydrate zu und enthält weder Koffein noch koffeinähnlich wirkende Inhaltsstoffe.

Pharmakologisch ist von Ingwertee keine „Energiebooster“-Wirkung zu erwarten, wobei aber auch fraglich ist, ob all die vermarkteten Energie-Booster-Präparate ihre Versprechungen erfüllen können. In Vergleich zu diesen oft wenig glaubwürdig zusammengesetzten Energydrinks ist Ingwertee wohl immerhin die gesündere Variante.

Vorstellen kann ich mir beim Trinken von Ingwertee am Morgen einen sinnlich-psychologischen Wachmacher-Effekt. Ingwer enthält Scharfstoffe. Auf der sensorischen Ebene könnte dadurch ähnlich wie bei Kräutertees mit hohem Bitterstoffgehalt die Aufmerksamkeit geweckt werden im Sinne von „Was kommt denn da?“ – während der Organismus auf irgendeine fade Flüssigkeit kaum reagieren wird.

Sehr eigenartig ist die Vorstellung, dass Ingwertee den Stoffwechsel ankurbeln soll. Aber auch das tönt natürlich toll…

Der Stoffwechsel, das ist die Gesamtheit der chemischen Prozesse in einem Lebewesen.

Den Stoffwechsel kann man einteilen in katabole Reaktionen, welche durch den Abbau von chemisch komplexen Nahrungsstoffen zu einfacheren Stoffen Energie liefern (Katabolismus), und anabole Reaktionen, welche unter Energieverbrauch körpereigene Stoffe aus einfachen Bausteinen aufbauen (Anabolismus).

Wenn Ingwertee nun einfach generell den Stoffwechsel ankurbelt, werden alle chemischen Prozesse in Organismus beschleunigt. Wollen wir wetten, dass das nicht gut ausgeht?

Hier müsste nachgefragt werden, welche Prozesse genau durch Ingwer angekurbelt werden, doch ist eher unwahrscheinlich, dass auf diese Frage eine fundierte Antwort kommt. Solche wohlklingenden Ausdrücke wie „Energie Booster“ oder „kurbelt Ihren Stoffwechsel an“ leben davon, dass sie vage und dadurch kaum zu fassen sind.

Dass viele Menschen Ingwer bei Halsschmerzen oder anderen Erkältungskrankheiten als wohltuend empfinden, ist schon seit langem bekannt. Wie diese Wirkung zustande kommt, ist nicht wirklich geklärt. Im Labor wirken Ingwer-Wirkstoffe antibakteriell und antiviral, aber ob diese Wirkungen auch beim Trinken von Ingwertee im Mund-Rachenraum zustande kommen, kann daraus nicht mit Sicherheit geschlossen werden. Durch die Erregung der Wärmerezeptoren in der Mundschleimhaut wird ein Hitzegefühl ausgelöst und vermutlich reflektorisch die Speichelsekretion angeregt. Diese Wirkungen entstehen durch die Scharfstoffe und könnten zum wohltuenden Effekt eines Ingwertees bei Erkältungen beitragen.

Dass Ingwer gegen Durchfall helfen soll ist eine ungewöhnliche Empfehlung, die in der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends vorkommt, und die Empfehlung bei Magenbeschwerden und Darmbeschwerden ist vage. Das kann fast alles umfassen, was im Verdauungstrakt schiefläuft. Hier wären präzisere Angaben wünschenswert.

Ingwer fördert den Speichelfluss, die Magensaftsekretion und den Gallenfluss. Daraus kann eine verdauungsfördernde Wirkung gegen Völlegefühl abgeleiteet werden, was gut zur Verwendung als Gewürz passt. In der Phytotherapie am besten untersucht und am häufigsten empfohlen ist allerdings die Anwendung von Ingwerwurzel-Pulver zur Vorbeugung von Reisekrankheit. Ob Ingwertee hier auch eine Wirkung zeigt, ist ungeklärt. In den Experimenten zeigten vor allem lipophile Inhaltsstoffe diese Wirkung, während ein wässriger Ingwer-Extrakt versagte.

Zu diskutieren wäre die Angabe, dass Ingwer den Bauch beruhigt. Immerhin steigert Ingwer den Tonus und die Peristaltik im Darm. Da könnte man eher daraus schliessen, dass Ingwer den Bauch „wach“ macht.

Wie vielfältig Ingwer als Heilpflanze ist, zeigt folgende Ausstellung:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als gut bewertet

Ingweröl gegen Erbrechen?

Ingwer – wie eine tolle Heilpflanze unseriös als Wundermittel gegen Krebs vermarktet wird

 

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

 

 

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

 

Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer, Frischluft und Vitamin B6

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit

 

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen?

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

 

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wirkstoff aus Mutterkraut heilt Nervenschäden

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Ein Wirkstoff aus der Mutterkraut-Pflanze fördert die Regeneration geschädigter Nervenfasern.

Experimente zeigen, dass sich dadurch bei Mäusen ein verletzter Ischiasnerv deutlich rascher regeneriert als normal. Das begründet die Hoffnung, dass dieser Naturstoff auch die Regeneration von schlecht oder gar nicht heilenden Nervenschäden beim Menschen fördern könnte, schreiben die beteiligten Wissenschaftler im Fachmagazin „Journal of Neuroscience“.

Das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) gleicht mit seinen weißgelben Blüten ein bisschen der Kamille – und wie diese ist es eine seit Jahrhunderten verwendete Heilpflanze. Bereits der griechische Arzt Dioskurides beschrieb im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung das Mutterkraut in seinem Werk und im Mittelalter wurde es als Fiebersenker und als Helfer bei Schwangerschaftsbeschwerden eingesetzt.

Nun zeigt sich, dass der Mutterkraut-Wirkstoff auch entscheidend dazu beitragen könnte, Nervenschäden zu heilen.

Solche durch Verletzung, Diabetes oder die neurotoxische Wirkung des Alkohols entstandenen Neuropathien sind bisher kaum heilbar, weil Nervenfasern sich nur schwer regenerieren. In der Behandlung lässt sich deshalb häufig nur ein Stillstand der Erkrankung erreichen.

Dietmar Fischer von der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf und seine Kollegen haben für ihre Studie einen Wirkstoff des Mutterkrauts näher untersucht, das sogenannte Parthenolid. Wie sich bei Experimenten mit Zellkultur zeigte, kann Parthenolid das Wachstum von Nervenfasern deutlich beschleunigen. Ein therapeutischer Ansatz, der laut Fischer ist völlig neu ist.

Ob Parthenolid diesen Effekt auch beim lebenden Organismus zeigt, testeten die Wissenschaftler danach mit Mäusen. Sie verabreichten dafür Mäusen mit verletzten Ischiasnerv eine Parthenolid-Lösung und verglichen die Regeneration des Nervs mit Kontrolltieren, die kein Parthenolid bekommen hatten.

Das Resultat: Bei den Mäusen, die das Mutterkraut-Extrakt erhalten hatten, heilte der Nervenschaden rascher ab. Bereits nach einer Woche konnten die Mäuse ihre zuvor gelähmten Zehen wieder bewegen und nahmen auch sensorische Reize wieder wahr, wie die Wissenschaftler mitteilen. Bei den Kontrolltieren war diese Veränderung nicht wahrzunehmen.

Der Wirkstoff Parthenolid musste nicht direkt an den Nerv gespritzt werden, wie dies bei einigen anderen Wirkstoff-Kandidaten der Fall ist. Stattdessen ist bereits eine systemische Verabreichung von Parthenolid wirksam, wie die Wissenschaftler berichten.

Für eine mögliche klinische Anwendung an Menschen mit krankheits- oder verletzungsbedingten Nervenleiden ist dies nach Ansicht der Forscher sehr vielversprechend. Bis heute gebe es in der Klinik noch keine Medikamente, die Ähnliches bewirken können.

Die Wissenschaftler betonen aber auch, dass noch weitere Untersuchungen nötig sind, bis allenfalls ein einsatzfähiges Medikament zur Anwendung kommen kann.

Sollte sich die Wirkung von Parthenolid auf die Regeneration von Nerven jedoch bestätigen, hätte das große Bedeutung für die Behandlung von Nervenschäden. Denn in den Industrieländern sind beinahe acht Prozent der über 55-Jährigen von Schädigung der Nerven hauptsächlich in Beinen und Armen betroffen.

Die Forscher der Heinrich-Heine Universität untersuchen zurzeit ausserdem, ob Parthenolid auch die Regeneration des verletzten Rückenmarks oder Sehnervs positiv beeinflussen kann. Diese Nerven sind im Gegensatz zum Ischiasnerv der Mäuse normalerweise gar nicht in der Lage, sich zu regenerieren.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20047-2016-04-07.html

Originalarbeit:

Journal of Neuroscience, 2016; doi: 0.1523/JNEUROSCI.4486-15.2016

http://www.jneurosci.org/content/36/14/3890.short

 

Kommentar & Ergänzung:

Man kann nicht genug unterstreichen – und das machen auch die beteiligten Wissenschaftler – dass Experimente im Labor an Zellen, in Gewebe oder an Mäusen noch keine Schlüsse zulassen über mögliche Wirkungen an kranken Menschen. Trotzdem ist es natürlich immer wieder interessant, zu welchen Wirkungen Naturstoffe fähig sind.

 

Parthonolid wurde in den letzten Jahren vielfältig untersucht. Im Labor verstärkt die Substanz die Wirkung bestimmter Krebsmedikamente auf Krebszellen.

Mutterkraut wird in der Phytotherapie angewendet zur Prophylaxe von Migräneanfällen. Der Nutzen wurde in verschiedenen klinischen Studien aufgezeigt. Die besten Resultate zeigten zwei Studien mit einem besonderen CO2-Extrakt aus Mutterkraut.

Leider gibt es in der Schweiz kein schlaues Mutterkraut-Präparat mehr, das als Arzneimittel registriert ist. So bleibt nur die eher unübliche Teeanwendung. Zur Dosierung macht die Phytotherapie-Fachliteratur präzise, aber für den Hausgebrauch unpraktische Angaben: Etwa 150mg gepulvertes Mutterkraut mit kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten unter gelegentlichem Umrühren stehen lassen, durch einen Papierfilter filtrieren. Zur Migränevorbeugung wird die Einnahme von 2 – 3 Tassen jeweils vor dem Essen kurmässig über einige Monate empfohlen.

Praktikabler, aber ungenauer wird manchmal empfohlen: 1 Teelöffel Mutterkraut mit 150ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen, abgiessen und mehrmals täglich 1 Tasse trinken.

In Deutschland ist Mutterkraut auch als Tinktur im Handel, zum Beispiel als Nemagran Tropfen (kann in der Schweiz von Apotheken auch aus Deutschland bestellt werden.

Mutterkraut nicht während Schwangerschaft und Stillzeit verwendet. Im Auge zu behalten ist zudem, dass die Pflanze ein allergenes Potenzial hat.

Siehe auch:

Phytotherapie: Mutterkraut gegen Migräne

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwer: Wie eine tolle Heilpflanze unseriös als Wundermittel gegen Krebs vermarktet wird

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Angst vor Krebs, das kennen wohl die meisten Menschen mehr oder weniger ausgeprägt.

Toll also, wenn eine Website uns auf ein rein pflanzliches Krebsheilmittel hinweist, das 10 000 mal effektiver ist als Chemotherapie und das zudem noch ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Wie dankbar müssen wir dieser Website sein, die uns solch wertvolle Informationen aufdeckt, die von der bösen Pharmaindustrie natürlich unterdrückt werden.

Ingwer soll 10 000 mal effektiver gegen Krebs wirken als Chemotherapie. So verspricht es ein Webportal für Frauen, dessen Name ich lieber nicht erwähnen will, weil ich für diesen Schrott nicht noch Werbung machen möchte, und weil hunderte Websites im Netz zu finden sind, die solche oder ähnliche Versprechungen verbreiten.

Ingwer sei eine natürliche und schonende Therapie gegen bestimmte Krebsarten, vor allem gegen Brustkrebs. Wer regelmäßig Ingwer esse, könne Krebs sogar vorbeugen. Das bestätige unter anderem die Studie einer spanischen Universität.

Liest man dann, was über die erwähnte Studie geschrieben steht, wird rasch klar: Es geht dabei um Laborexperimente mit Krebszellen von Mäusen und Menschen.

Es ist einfach beelendend mit solchen Websites, die einerseits auf kritisch gegenüber der wissenschaftlichen Medizin machen, aber andererseits jedes wissenschaftliche Ergebnis aus dem Reagenzglas schamlos nutzen, um daraus ein neues Wundermittel gegen Krebs zu machen.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Wenn ein pflanzlicher Wirkstoff in Reagenzglas eine Wirkung auf Krebszellen zeigt, heisst das noch lange nicht, dass man damit auch einen Tumor im menschlichen Organismus heilen kann. Die Situation im Körper eines Krebspatienten ist um ein vielfaches komplexer als die Situation im Reagenzglas. Und es ist in diesem Stadium der Forschung immer noch eine Vielzahl von Fragen ungeklärt.

Wie gelangen die Wirkstoffe in den Körper? Werden sie aus dem Darm in genügender Menge resorbiert oder müssen sie gespritzt werden? Gelingt es, im Organismus eine wirksame Konzentration aufzubauen über die nötige Zeit? Wieviel Ingwer müsste ich täglich dazu essen und ist das realistisch?  Und besteht dann, wenn es gelingt, eine wirksame Konzentration im Organismus aufzubauen, die Krebszellen tötet, nicht auch das Risiko von Schädigungen an gesunden Zellen?

Es gibt Tausende von Naturstoffen, die im Reagenzglas eindrückliche Effekte auf Krebszellen zeigen. Und die allermeisten dieser Substanzen scheitern dann, wenn es um den Nachweis von Wirkungen im lebenden Organismus von Krebspatienten geht. Das ist zugegebener massen jedesmal enttäuschend, aber es wäre ehrlich das so zu sagen.

Stattdessen blenden die Heilstrompeter im Internet diese Begrenzungen aus und machen ihre Geschäfte mit den Ängsten und Hoffnungen von gesunden Menschen und Krebskranken.

Darum kann man nur sagen: Lasst Euch nicht an der Nase herum führen und schaut genau hin.

Das ist nötig in jedem Bereich – unabhängig davon, ob die Aussagen und Versprechungen aus den Bereichen Medizin,

Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Naturheilkunde oder woher auch sonst kommen.

Und es gilt sich immer wieder klar zu machen, dass es im Internet keine Qualitätskontrolle gibt. Jeder und jede kann dort (fast) alles publizieren. Das hat einerseits Vorteile, bringt aber auch massive Probleme mit sich.

Wer lernen will, wie sich Bullshit von Ernst zu nehmender Information unterscheiden lässt, kann das übrigens mindestens ein Stück weit in meinen Lehrgängen (Phytotherapie-Ausbildung, Heilpflanzen-Seminar).

Und Ingwer ist im Übrigen durchaus eine interessante Heilpflanze.

 

Nur damit ich jetzt nicht wieder Vorwürfe bekomme, ich sei ein „Ingwerfeind“ und von der Pharmaindustrie oder der „Krebsmafia“ gekauft – hier ein paar „positivere“ Texte zur Wirkung von Ingwer:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als „gut“ bewertet

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Ingwer-Extrakt reduziert möglicherweise den Blutzucker

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegenÜbelkeit bei Chemotherapie

Phytotherapie: Ingwer gegen Infektionen?

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Ingwer schädigt Prostatakrebszellen

(aber eben: in Laborexperimenten an Zellen und in Tierversuchen; das tönt einfach nicht so heiss wie: Ingwer heilt Prostatakrebs)

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer lindert Muskalkater

 

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

 

Huch, das reicht jetzt als Beleg, dass ich kein Ingwerfeind bin…, oder? Solche Vorwürfe kommen nämlich regelmässig, wenn man etwas kritisches über Heilpflanzen schreibt. Es gibt dann immer Leserinnen und Leser, die meinen, sie müssten die angegriffene Heilpflanze verteidigen. Das ist aber ein Missverständnis. Ich kritisiere ja nicht die Heilpflanze Ingwer, sondern die fragwürdigen bis verantwortungslosen Versprechungen, die mit ihr in die Welt gesetzt werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

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Bei Harnwegsinfektionen – insbesondere bei Blasenentzündungen – fragen Betroffene häufig nach einem pflanzlichen Präparat. Nützliche Tipps für die Beratung in der Apotheke gab es im POP-Symposium „Pharmakotherapie von Harnwegsinfektionen“ auf der INTERPHARM.

Apothekerin Dr. Kirsten Dahse aus Gröbenzell und Dr. med. Johanna Lerner aus München zeigten dabei auf, wann eine Selbstbehandlung nicht angebracht und eine ärztliche Konsultation nötig ist:

– Bei Risikofaktoren wie Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Immunsuppression.

– Außerdem bei Fieber, Schmerzen in der Nierengegend, Blut im Urin, zunehmenden Beschwerden sowie Symptomen, die länger als fünf Tage andauern.

Schmerzmittel sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, weil damit eine beginnende Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), die meist mit Fieber und Schmerzen einhergeht, verschleiert werden kann.

Die Referentinnen stellten für die Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen eine ganze Reihe von Präparaten vor, bei denen jedoch auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu beachten sind:

☛ Bei Bärentraubenblättern und Bärentraubenextrakten resultiert die Anwendungsbeschränkung „nicht häufiger als fünfmal pro Jahr und jeweils nicht länger als ein Woche“ aus einem potenziellen kanzerogenen Risikos des Hydrochinons. Dieses sei aber wahrscheinlich sehr gering, zumal die Verbindung rasch konjugiert und abgebaut werde.

Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut enthalten Senfölglykoside und die Referentinnen wiesen darauf hin, dass sie bei Personen mit Nierenfunktionsstörungen und Magengeschwüren nicht empfohlen werden sollten. Kapuzinerkressekraut sei zudem wegen des Gehalts an Vitamin K für Patienten unter Phenprocoumon nicht geeignet.

Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel werden erwähnt als Mittel, die zur Durchspülungstherapie zugelassen sind. Zurückhaltung sei dabei jedoch geboten bei Patienten mit Herz- und Niereninsuffizienz wegen der hierfür notwendigen größeren Trinkmengen. Die Cumarine im Liebstöckelkraut können eine Photosensibilisierung bewirken.

☛ Nach Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie werde in der Apotheke häufig gefragt, um damit pathogene Keime aus den Harnwegen auszuschwemmen. Neben Bärentraubenblättern enthalten solche Teemischungen in verschiedenen Kombinationen insbesondere Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut. Vor einer Empfehlung von Tees mit Birkenblättern sollte die Kundin oder der Kunde nach einer Birkenpollenallergie gefragt werden.

☛ Zubereitungen aus der Großfrüchtigen Moosbere, besser bekannt als Cranberry, werden seit einigen Jahren sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von wiederkehrenden Infektionen der Harnwege empfohlen. Allerdings konnte in einem Cochrane-Review (Metaanalyse) bezüglich der Vorbeugung keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/03/21/wann-selbstmedikation-wann-zum-arzt

Kommentar & Ergänzung:

Die beschriebenen Grenzen der Selbstbehandlung bei Blasenentzündungen kann man nur unterstreichen. Steigt eine Blasenentzündung in die Nieren auf, kann die Infektion sich rasch gefährlich entwickeln. In solchen Fällen braucht es ärztliche Behandlung und in der Regel ein Antibiotikum.

Zu den empfohlenen Heilpflanzen gibt es einiges zu ergänzen:.

1. Zu den Bärentraubenblättern: Teezubereitung als Kaltauszug ist magenverträglicher und geschmacklich akzeptabler (tieferer Gerbstoffgehalt). Auf ausreichende Dosierung achten: 10 g Bärentraubenblätter (= 4 – 5 Teebeutel pro Tag) als Bärentraubenblättertee. Pulverisierte Form (z. B. als Beuteltee) ist wirksamer als geschnittene Bärentraubenblätter (Wirkstoffe werden besser gelöst, wenn die Pflanzenteile kleiner sind).

2. Zu Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut: Die Referentinnen beziehen sich hier wohl auf Angocin® – das sind Filmtabletten mit Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Wer Meerrettich liebt, kann auch die frisch geraffelte Wurzel gemischt mit Joghurt, Quark, geraffeltem Apfel etc. essen und kommt so rasch auf höhere Senfölglykosid-Mengen, als es mit Angocin® der Fall ist. Als Tagesdosis werden 10 – 20 g geraffelte Merrrettichwurzel empfohlen, verteilt auf 4 – 5 Portionen über den Tag hinweg.

3. Der Empfehlung von Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel liegt wohl ein Präparat zugrunde, das nur in Deutschland auf dem Markt ist und genau diese drei Heilpflanzen enthält (CANEPHRON N Dragees). Dieses Präparat überzeugt mich nicht. Nur der Liebstöckelwurzel schreibt die Phytotherapie eine leicht harntreibende Wirkung zu. Tausengüldenkraut ist eine Bitterstoffpflanze, deren Nutzen im Harntrakt ungeklärt ist. Und in Rosmarinblättern ist zwar entzündungswidrige Rosmarinsäure enthalten. Ob davon aber in den Harnwegen eine wirksame Menge ankommt, ist sehr fraglich, zumal das Präparat nur je 18mg von den drei Heilpflanzen in Pulverform enthält. Das ist ausgesprochen (!) wenig, wenn man zum Beispiel vergleicht mit einem Teebeutel, der normalerweise etwa 2000 mg pulverisierte Heilpflanze enthält (als 2g). Zwar geht bei der Teezubereitung der Wirkstoff nicht vollständig ins Teewasser über, aber der Unterschied zu diesen 18 mg im Dragee ist doch riesig. Ein Tee wäre wohl überlegen.

4. Bei den häufig verwendeten Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie sind die Mischungen oft fragwürdig, zum Beispiel wenn Bärentraubenblätter mit harntreibenden Heilpflanzen wie Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut kombiniert sind. Bei einer akuten Blasenentzündung sind die Bärentraubenblätter in solchen Mischungen oft zu tief dosiert. Es braucht dann Bärentraubenblättertee pur in einer Menge von 4 – 5 Tassen täglich, um auf eine wirksame Dosis zu kommen. Dagegen ist in einem Durchspülungstees zur Rückfallprophylaxe die Bärentraube unpassend, weil es dann um eine längerfristige Anwendung geht und wahrscheinlich auch über lange Zeiträume gar keine Bakterien verhanden sind, die bekämpft werden müssten.

5. Bei Cranberry ist die Datenlage tatsächlich nicht so positiv, wie sie oft dargestellt wird. Die erwähnte Cochrane-Metaanalyse ist sogar klar negativ. Allerdings muss man dazu folgendes wissen: Cranberry- wie auch Preiselbeer-Präparate gibt es in sehr unterschiedlichen Zubereitungen mit grossen Unterschieden in der Wirkstoffkonzentration. Diese sehr heterogene Ausgangslage macht es schwierig, eine Metaanalyse zu erstellen, die dann auch für alle geprüften Präparate gültige Aussagen machten kann. Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) schreibt dazu:

„Selbst im neuen Cochrane-Review wurde nur für 3 der 24 eingeschlossenen Studien ein für sinnvoll erachteter PAC-Gehalt > 36 mg/d oder die Angabe des Typ-APAC-Gehalts erfüllt.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass man das nicht den Cochrane-Autoren anlasten könne, sondern der oft ungenügenden Publikationskultur phytotherapeutischer Studien.

Wer als Konsumentin oder Konsument Cranberry- oder Preiselbeerpräparate anwenden möchte, sollte auf eine Mindestzufuhr von 36 mg Proanthocyanidinen (PAC) pro Tag achten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka bei Schlafstörungen

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Die „NZZ am Sonntag (21. 2. 2016) veröffentlichte einen Artikel zum Thema „Besser schlafen“. Dabei kommen auch pflanzliche Schlafmittel zur Sprache:

„Bei leichten Schlafstörungen können Phytopharmaka versucht werden. Dazu gehören Baldrian, Lavendel, Hopfen und Melisse. Die Effekte treten allerdings erst nach rund zwei Wochen ein. Bei Frauen ist daran zu denken, dass die Medikamente nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden dürfen.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Angaben müssen präzisiert werden. Bei Baldrianextrakt sieht man in klinischen Studien, dass die Baldrian-Gruppe erst nach etwa 14 Tagen besser schläft als die Placebo-Gruppe. Jedenfalls spricht einiges dafür, dass man das volle Potenzial von Baldrianextrakt erst ausnutzt, wenn man ihn über eine gewisse Zeit einnimmt.

Auch bei anderen Extrakten scheint mir eine kurzfristig eintretende schlafanstossende Wirkung unwahrscheinlich – zum Beispiel bei Melissenextrakt und Hopfenextrakt. Anders sieht es aber aus, wenn ätherische Öle über die Duftebene zur Anwendung kommen (Lavendelöl, Melissenöl). Düfte wirken über Geruchsrezeptoren und Geruchsnerven direkt ins Limbische System. Da kann eine Wirkung schon in wenigen Minuten eintreten. Ein solcher Dufteffekt könnte möglicherweise auch bei Baldriantinktur oder Baldriantee zu einer kurzfristig eintretenden Wirkung führen.

Denn bei den klinischen Studien, bei denen eine Wirkung erst nach etwa 14 Tagen eingetreten ist, wurde der Baldrianextrakt in Kapseln oder Dragees verabreicht. Der Duft war dort also eliminiert.

Auch der oft als Schlaftee verwendete Orangenblütentee wirkt möglicherweise über die Duftebene. Studien zur Wirksamkeit von Orangenblütentee fehlen allerdings.

Zu diskutieren wäre auch der Hinweis, dass Phytopharmaka gegen Schlafstörungen nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden sollen.

Generell ist Zurückhaltung bei der Anwendung auch von pflanzlichen Präparaten in der Schwangerschaft zu empfehlen. In der Phytotherapie-Fachliteratur fehlt aber zum Beispiel bei Baldrian unter „Kontraindikationen“ ein Hinweis auf Schwangerschaft. Das gilt auch für andere Phytopharmaka gegen Schlafstörungen. Denkbar sind in der Schwangerschaft zudem auch schlafanstossende Anwendungen über die Duftebene.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Rizinusöl zur Geburtseinleitung

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Wenn der Geburtstermine überschritten ist – das Baby aber nicht kommt – werden verschiedene Hausmittel und Tricks empfohlen, um die Wehentätigkeit anzuregen.

Eindeutige Belege für die Wirksamkeit von Hausmitteln wie Rizinusöl, Bewegung, Sex oder Darmspülung gibt es allerdings nicht.

Bisher ist auch nicht abschliessend wissenschaftlich geklärt, wie eine Geburt genau ins Rollen kommt.

Man vermute, dass das Kind selbst ein Reifesignal gebe und damit die Wehentätigkeit aktiviere, sagt Renate Nielsen vom Deutschen Hebammenverband.

Hausmittel könnten diesem Prozess höchstens einen letzten Schubs geben, meint dazu der Leiter der Universitäts-Frauenklinik am Campus Lübeck, Achim Rody. Von Experimenten im Alleingang rät er Schwangeren ab und weist darauf hin, dass besonders Rizinusöl nicht ohne die Betreuung einer Hebamme oder eines Arztes eingenommen werden sollte.

Rizinusöl aus den Samen des tropischen Wunderbaums (Ricinus communis) ist eine der bekanntesten alternativen Einleitungsmethoden.

Getrunken wird der Rizinus-Cocktail in einer Kombination mit Mandelmus, süßem Saft und Alkohol, oft Aprikosensaft und Sekt. Die abführende Wirkung auf den Darm soll die Gebärmutter zu Kontraktionen anregen. Die Universitäts-Frauenklinik Ulm führte im Jahr 2009 eine Studie mit 120 Frauen durch, die tatsächlich eine Wirkung bei Mehrgebärenden belegt hat – zumindest im direkten Vergleich mit sogenannten Prostaglandin-Gelen. Letztere können den Gebärmutterhals und den Muttermund auf die Geburt vorbereiten, ein Prozess, der von Medizinern und Hebammen Reifung genannt wird.

In einer Metastudie der renommierten Cochrane Database, in der drei Rizinusöl-Testreihen mit total 233 Frauen verglichen wurden, konnten allerdings keine Effekte auf den Geburtsverlauf belegt werden. Nachteile zeigten sich hingegen schon: Alle teilnehmenden Frauen sagten, dass sie nach der Einnahme des Rizinus-Cocktails unter Übelkeit litten. „Eine solche Nebenwirkung sollte man bei hochschwangeren Frauen nicht provozieren, warnt Achim Rody und ergänzt: „Rizinusöl kann zu starken Durchfällen führen und den Körper der Frau unnötig schwächen.“ Zudem sei der in den Cocktail-Rezepten enthaltene Alkohol tabu.

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/schwangerschaft/geburt-einleiten-was-taugen-rizinusoel-sex-und-heisse-baeder-a-1063778.html

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0029-1243142

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD003099.pub2/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Rizinusöl wahrscheinlich nicht nur mechanisch über eine Anregung der Darmperistaltik wehenfördernd auf die Gebärmutter.

Ricinolsäure, die im Darm bei der Spaltung von Rizinusöl entsteht, bindet direkt an zwei Rezeptoren, die als Andockstellen für Prostaglandin E2 dienen.

Prostaglandin E2 wirkt wehenfördernd und wird auch isoliert zur Einleitung der Geburt verwendet.

Quelle: http://www.spektrum.de/news/wehenfoerdernde-wirkung-von-rizinusoel-aufgeklaert/1152212

In der Geburtshilfe kommt Prostaglandin E2 unter dem Wirkstoffnamen „Dinoproston“ zur Anwendung – am Termin oder nahe am Termin mit ausreichender Geburtsreife der Zervix (ab der 38. Schwangerschaftswoche). Bei der Anwendung müssen zahlreiche Vorsichtsmassnahmen beachtet werden.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Dinoproston&Spez=True#bottom

Es spricht also viel dafür, dass Rizinusöl seine wehenfördernde Wirkung über diesen Prostaglandin-E2-Effekt auslöst.

Die Empfehlung, den Rizinusöl-Cocktail nur in enger Absprache mit einer Hebamme einzunehmen, ist daher gut begründet. Man muss vorher abgeklärt haben, wo der Geburtsvorgang steht. Wikipedia schreibt dazu:

„Der gewünschte Effekt der Geburtseinleitung kann nur dann eintreten, wenn sich auch der Muttermund öffnet. Daher birgt die Einnahme eines Wehencocktails bei noch nicht geburtsbereiten Frauen (fehlende Muttermundreife) Gefahren für Mutter und Kind.“

Und zu guter Letzt: Rizinusöl wird  in der Phytotherapie natürlich vor allem als Abführmittel beschrieben und eingesetzt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ginkgo-Extrakt bei Demenz mindestens acht Wochen lang einnehmen

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Der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel HMPC der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) kommt nach dreijähriger Überarbeitung der HMPC-Monographie zu Ginkgo biloba L., folium zum Schluss, dass die Wirksamkeit von Ginkgo-Blätter-Extrakt zur Verbesserung der kognitiven Leistungen und Lebensqualität bei milden Formen von Demenz gut belegt ist.

Ginkgo-Extrakte müssen für diesen Effekt über mindestens acht Wochen in einer Tagesdosis von 240 mg (zweimal täglich 120 mg oder einmal täglich 240 mg) eingenommen werden.

Falls sich nach dreimonatiger Einnahme keine Verbesserung der Symptome zeigt, sollte vom Arzt überprüft werden, ob eine weitere Einnahme gerechtfertigt ist. Tritt eine Verschlimmerung der Symptome auf, ist eine Konsultation beim Arzt oder Apotheker angezeigt.

Die Wirksamkeit ist nur belegt für Extrakte, die den Anforderungen des Arzneibuches genügen: Das Droge-Extrakt-Verhältnis muss 35 bis 67:1 betragen. Als Lösungsmittel wird 60-prozentigem Aceton (m/m) verwendet. Der Ginkgo-Extrakt muss eingestellt sein auf 22 bis 27 Prozent Ginkgoflavonglykoside und 5 bis 7 Prozent Terpenlactone mit 2,8 bis 3,4 Prozent Ginkgolide A, B, C und 2,6 bis 3,2 Prozent Bilobalid. Der Gehalt an Ginkgolsäuren darf nicht höher liegen als 5 ppm. In die Bewertung flossen die Resultate von 199 Untersuchungen ein, wovon die meisten mit dem Spezialextrakt EGb 761® (Tebonin®, in CH: Tebofortin, Tebokan).

Während der Schwangerschaft und bei Überempfindlichkeit sind Ginkgo-biloba-Extrakte kontraindiziert. Für den Einsatz bei Stillenden, Kindern und Jugendlichen sind nicht genügend Daten vorhanden. Daher sollten sie den Ginkgo-Extrakt nicht einnehmen.

Bei erhöhtem Blutungsrisiko und während der Einnahme von Antikoagulanzien wie Phenprocoumon oder Dabigatran sowie Thrombozyten-Aggregations-Hemmern wie ASS oder Clopidogrel sollten Ginkgo-Präparate nur in Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Vor einer geplanten Operation sollte das Phytopharmakon drei bis vier Tage zuvor abgesetzt werden.

Ginkgo-Extrakt sollte nicht zusammen mit dem HIV-Medikament Efivarenz eingenommen werden. Bei Epilepsie-Patienten kann das Auftreten neuer Anfälle unter Ginkgo nicht ausgeschlossen werden. Die Bioverfügbarkeit von Nifedipin kann durch Ginkgo-Extrakt erhöhen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=57657

Kommentar & Ergänzung:

Wichtig ist der Hinweis, dass die Empfehlung der HMPC-Monografie nur für spezifische, hoch konzentrierte Ginkgo-Extrakte gilt, nicht aber für Ginkgotee oder Ginkgotinktur.

Nur für solche Extrakte liegen fundierte Studien zur Wirksamkeit vor, denn hier gibt es Hersteller, die für ihre patentierbaren Extrakte in die Forschung investieren.

Über eine allfällige Wirksamkeit von Ginkgotee und Ginkgotinktur lässt sich daher kaum etwas Fundiertes aussagen. Die Extrakte sind allerdings so hoch konzentriert, dass ein Ginkgotee bezüglich Wirkstoffgehalt nicht mithalten kann – und eine Ginkgotinktur noch viel weniger.

Zudem enthalten Ginkgotee und Ginkgotinktur unerwünschte Inhaltsstoffe – zum Beispiel Ginkgolsäuren, die allergene Eigenschaften haben. Bei der Herstellung von Ginkgo-Extrakten werden diese unerwünschten Stoffe entfernt.

Sie siehe auch:

Ginkgotee nicht ohne Risiko 

Meta-Analyse bestätigt Nutzen von ginkgo-Extrakt bei Alzheimer

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

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Eine orale Behandlung mit Ingwer kann bei Arthrose die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Zu diesem Resultat kommen Wissenschaftler aus Dänemark in einer Metaanalyse, für die sie randomisierte, placebokontrollierte Studien auswerteten.

Ingwer wird in der asiatischen Medizin seit langem zur Linderung von Schmerzen bei muskuloskelettalen Erkrankungen eingesetzt.

Präklinische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Inhaltsstoffe des Ingwers als Inhibitor der Cyclooxygenase (COX-2) wirken, und zudem durch Hemmung der Lipoxygenase antientzündliche Effekte haben, sowie die Expression von TNFα hemmen.

In seiner Metaanalyse untersuchte das Team um Else Bartels von der Universität Kopenhagen anhand der Daten aus fünf randomisierten, kontrollierten Studien mit 593 Patienten die Wirksamkeit und Sicherheit von oralen Ingwerpräparaten zur Behandlung der Arthrose im Knie bzw. in der Hüfte. Publiziert wurde die Metaanalyse in der Zeitschrift Osteoarthritis and Cartilage 2014 (online 7. Oktober).

Die Tagesdosis Ingwer lag zwischen 500 und 1000 mg und die Ingwerpräparate der verschiedenen Studien unterschieden sich in ihrer Zusammensetzung. Die Behandlungsdauer variierte von drei bis zwölf Wochen.

Die Ingwertherapie zeigte in der Metaanalyse eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo, sowie eine ebenfalls signifikante Verringerung der Bewegungseinschränkungen.

Probanden mit Ingwertherapie setzten ihre Medikation allerdings doppelt so oft ab wie Probanden, die Placebo bekommen hatten.

Gründe dafür waren schlechter Geschmack oder verschiedene Magenprobleme. Keine dieser Beschwerden wurde allerdings als schwerwiegend taxiert.

Der schmerzlindernde Effekt von Ingwer bewegte sich etwa im gleichen Bereich wie der anderer pflanzlicher Wirkstoffe wie beispielsweise Hagebuttenpulver.

Auch der Vergleich mit NSAR und Paracetamol soll ähnliche Effektstärken gezeigt haben.

Gerade weil Arthrose eine langwierige Erkrankung ist, halten Bartels und Kollegen es für wichtig, Nutzen und Nebenwirkungspotenzial der Therapeutika gut auszubalancieren.

Während bei NSAR wie zum Beispiel Diclofenac mit kardiovaskulären und gastrointestinalen Nebeneffekten zu rechnen ist, stellt sich bei einer Ingwertherapie die Frage nach Allergien. Allerdings konnten in Prick-Tests solche allergischen Reaktionen nicht festgestellt werden.

Zu beachten seien aber einige Interaktionen (Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten). So sei es für Patienten unter Vitamin-K-Antagonisten wichtig, die gerinnungshemmende Wirkung von Ingwer zu berücksichtigen, schreiben die Autoren.

Außerdem wurde ein synergistischer Effekt von Ingwer und Nifedipin auf die Thrombozytenaggregationshemmung festgestellt.

Wenn sich die Resultate dieser Metaanalyse in weiteren Studien bestätigen lassen, so die dänischen Forscher, könnten Ingwerpräparate, unter Beachtung möglicher Wechselwirkungen, künftig zur Therapie der Arthrose beitragen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/skelett_und_weichteilkrankheiten/arthrose/article/877419/phytotherapie-ingwer-sorgt-bessere-beweglichkeit.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S106345841401276X

 

Indikation, Kommentar & Ergänzung:

Sehr interessant, dass offenbar seit einiger Zeit die Indikation „Schmerz“ vermehrt Gegenstand der Ingwerforschung wird.

Ingwer wird in der Phytotherapie vor allem gegen Erbrechen eingesetzt – zum Beispiel bei Reisekrankheit, bei Tumorerkrankungen zur Linderung von Erbrechen während der Chemotherapie oder bei postoperativem Erbrechen.

Ingwer wird aber auch von vielen Menschen gerne bei Erkältungskrankheiten eingesetzt und ist als Gewürz beliebt.

Zur Anwendung und Wirkung von Ingwer (Zingiber officinale) siehe auch:

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft 

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden 

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen 

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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