Artikel mit Schlagwort ‘Schmerzen’

Regelmässiges Schwimmen hilft, erhöhte Blutdruckwerte zu senken

Sonntag, Mai 13th, 2012

Bei leicht erhöhten Blutdruckwerten (120 – 139 systolisch bzw. 80 – 89 mmHg diastolisch), die als Vorstufe des Bluthochdrucks (Prähypertonie) gelten, muss bei ansonsten gesunden Menschen nicht gleich medikamentös behandelt werden.

Meist kann eine Senkung der Blutdruckwerte schon durch Lebensstil-Maßnahmen erreichen werden, wie beispielsweise durch Reduktion von Übergewicht, verminderten Salzkonsum oder regelmässigen Ausdauersport.

Auch regelmäßig zum Schwimmen gehen kann beispielsweise mithelfen, einen manifesten Bluthochdruck zu verhindern, und zudem einer Arterienverkalkung vorbeugen. Gerade für ältere oder übergewichtige, untrainierte Menschen, die häufig auch Gelenkprobleme haben,  ist Schwimmen im richtig temperierten Wasser als Sport gut geeignet.

Blutdruck-Reduktion um 10 mmHG nach zwölf Wochen

US-Wissenschaftler aus Texas konnten nun in einer Studie zeigen, dass regelmäßiges Schwimmen (drei- bis viermal die Woche jeweils 40-45 Minuten) schon nach zwölf Wochen zu einer Reduktion des arteriellen Blutdruckes um rund 10 mmHg führt, wobei sich auch die Funktion der Blutgefäße deutlich verbessert. Die Elastizität der Gefäße und ihre durch den Blutfluss vermittelte Fähigkeit, sich zu erweitern, nehmen durch das Schwimmtraining nachweislich zu. In einer Kontrollgruppe, die anstatt zu schwimmen statische Entspannungs- und Dehnungsübungen durchführte, waren solche Effekte hingegen nicht festzustellen.

Die Studie wurde publiziert im American Journal of Cardiology (Online-Vorabveröffentlichung am 16.1.2012).

Training im richtigen Pulsbereich nötig

Bei erhöhtem Blutdruck können grundsätzlich alle Ausdauersportarten günstig wirken, wenn man sie regelmäßig – das heißt mindestens dreimal wöchentlich für mindestens eine halbe Stunde – betreibt. Allerdings sollte gerade bei älteren Patienten vor Trainingsaufnahme ein erhöhtes Risiko von Sport beispielsweise durch eine Belastungsuntersuchung ausgeschlossen sein.  Zur Reduktion des Blutdrucks ist hauptsächlich das regelmäßige Training im richtigen Pulsbereich wichtig.  Den persönlichen, idealen Trainingspuls sollte man sich vom Arzt oder Trainer berechnen lassen und ihn beim Training mit einer Pulsuhr kontrollieren.

Weniger geeignet bei Prähypertonie ist ausgesprochenes Krafttraining mit schweren Gewichten. Das kann nämlich den Blutdruck in die Höhe treiben und man riskiert dabei Blutdruck spitzen, die zu vermeiden sind – vor allem wenn man dabei noch falsch atmet.

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_1236_regelm-iges-schwimmen-hilft-erh-hte-blutdruckwerte-zu-senken.html

http://www.ajconline.org/article/S0002-9149(11)03445-X/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist ein zentrales Element der Naturheilkunde und eine der fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp (neben Hydrotherapie, Heilpflanzen, Ernährung und Lebensordnung).

Die Phytotherapie kennt kaum Heilpflanzen mit gut dokumentierter Wirksamkeit bei Bluthochdruck. Hinweise auf eine Blutdrucksenkung gibt es beim Knoblauch, doch braucht es dazu Dosen, die nicht selten mit sozialen Nebenwirkungen verbunden sind.

Siehe:

Phytotherapie: Knoblauch kann zur Blutdrucksenkung beitragen

Knoblauch entspannt Blutgefässe dank Schwefelwasserstoff

Interessant sind Hinweise auf eine Blutdrucksenkung durch Randensaft (Rote Beete Saft):

Randensaft (Rote Beete) senkt Blutdruck

Ausserdem interessant:

Rosinen zeigen günstige Wirkung bei leichtem Bluthochdruck

Schwarztee senkt Blutdruck

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

Karkadetee senkt systolischen blutdruck um 13 mmhg

Karkadetee ist interessant, weil er auch angenehm im Geschmack ist und sich daher leicht in den Alltag  integrieren lässt. Es handelt sich um Hibiscus sabdariffa.

Siehe: Blick ins Pflanzenlexikon – Hibiskus

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Was blüht gerade? – Ährige Teufelskralle

Sonntag, Mai 13th, 2012

In Wäldern und Hochstaudenfluren blüht zur Zeit die Ährige Teufelskralle ( = Ährige Rapunzel, Phyteuma spicatum).

Foto auf Wikipedia

Die Pflanze ist unverwechselbar. Ihre Blüten werden gerne von Schwebfliegen bestäubt. In den Bergen gibt es mehrere blaue Teufelskrallenarten.

Die Phyteuma-Arten gehören zur Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).

In der Pflanzenheilkunde hat die Ährige Teufelskralle heute keine Bedeutung.

Die Blätter eignen sich aber gut als Wildgemüse („Waldspinat“). Ebenso ist der Wurzelstock essbar und die Blütenknospen.

Die jungen Triebe und Blätter werden von April bis Mai als Brotbelag, zu Salaten oder Gemüsegerichten genutzt. Die Blüten von Mai bis Juni für Wildsalate und Gemüsegerichte. Phyteuma-Wurzeln von September bis in den Winter für Gemüsegerichte. Die noch geschlossenen Blütentriebe nutzt man im Mai zu Spargelgemüse.

Der Name Teufelskralle kommt von den krallenförmig gebogenen Einzelblüten bzw. Griffel. Unsere einheimische Ährige Teufelskralle hat nichts zu tun mit der Teufelskralle Harpagophytum procumbens, die in Südafrika und Namibia in der Wüste wächst und in der Phytotherapie als Heilpflanzen-Präparat bei Arthrose eingesetzt wird.

Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

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Heilpflanzen bei Depression, Angst und Schlafstörungen

Samstag, Mai 12th, 2012

Unter dem Titel „Phytosedativa – Schlaftherapie ohne Risiko?“ publizierte das Komitee  Forschung Naturmedizin (KFN) einen Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Martin E. Keck.

Darin findet sich eine interessante Übersicht von Heilpflanzen, die in den Bereichen Depression, Angst und Schlafstörungen eingesetzt werden. Hier die Übersicht (Darstellung leicht verändert, Schreibfehler bei den Pflanzennamen korrigiert, Inhalt unverändert):

„Arzneipflanzen, die bei depressiven Störungen, Angst- und Schlafstörungen

eingesetzt werden:

Pflanze / Deutscher Name: Anwendung

Bacopa monnieri / Brahmi: Depression, Angst, Schlaf

Centella asiatica / Indischer Wassernabel: Depression, Angst

Crocus sativus / Safran: Depression, Angst

Echinum amoenum / Borage:  Depression, Angst

Ginkgo biloba / Ginkgo: Depression, Angst

Hypericum perforatum / Johanniskraut:  Depression, Angst, Schlaf

Lavandula spp / Lavendel: Depression, Angst, Schlaf

Matricaria recutita / Kamille: Angststörungen

Melissa officinalis / Melisse: Depression, Angst, Schlaf

Panax ginseng / Ginseng: Depression, Angst, Schlaf

Papaver somniferum / Mohn: Sedation, Euphorie

Passiflora incarnata / Passionsblume: Angst, Schlaf

Piper methysticum / Kava-Kava: Depression, Angst, Schlaf

Rhodiola rosea/ Rosenwurz: Depression, Angst, Erschöpfung

Scutellaria lateriflora / Helmkraut: Angst, nervöse Erschöpfung, Schlaf

Eschscholzia californica / Kalifornischer Mohn: Angst, Schlaf

Valeriana spp. / Baldrian:  Depression, Angst, Schlaf

Vitex agnus-castus / Mönchspfeffer: (menstruelle) Dysphorie, Schlaf

Withania somnifera / Schlafbeere:  Angst, Schlaf, nervöse Erschöpfung

fett = basierend auf Humanstudien

(nach Sarris et al. A systematic review of insomnia and complementary

medicine.SleepMedRev 15, 99-106, 2011)“

Quelle: http://www.phytotherapie-komitee.de/News/pk_18_04_12/Prof-Keck-Statement.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Diese Aufstellung enthält gute Anregungen und Ideen. Die Wirksamkeit der einzelnen Heilpflanzen bei den aufgeführten Indikationen ist aber sehr unterschiedlich gut belegt. Für die Wirksamkeit von Johanniskraut-Extrakten bei leichten und mittleren Depressionen gibt es beispielsweise gute klinische Studien, bei Mönchspfeffer gegen Schlafstörungen oder bei Kamille gegen Angststörungen ist das nicht der Fall.

Beim Thema Schlaf fehlt mir in dieser Aufstellung der Hopfen, welcher vor allem als Hopfenextrakt zusammen mit Baldrianextrakt angewendet wird.  Für solche Kombinationspräparate gibt es ebenfalls guten klinische Studien.

Beliebt als Abendtee bzw. Schlaftee sind zudem Orangenblüten und Goldmelissenblüten, obwohl für beide keine Belege für die Wirksamkeit vorliegen.

Von Kava-Kava gibt es leider zur Zeit keine wirksamen Präparate im Handel. Kava-Extrakte zeigen in klinischen Studien Wirksamkeit bei generalisierten Angststörungen. Die entsprechenden Fertigpräparate wurden vor einigen Jahren wegen Verdachtsmeldungen auf Leberschäden aus dem Handel genommen (wobei ein ursächlicher Zusammenhang mit der Kava-Einnahme nur mangelhaft geklärt ist).

Siehe auch:

Neue Kava-Studie zeigt Wirksamkeit wässriger Extrakte

Passionsblume und Kava-Kava lindern Angstzustände

Anstelle der vom Markt genommen wirksamen Kava-Extrakte werden nun Similasan Kava-Kava Tabletten oder spagyrische Kava-Tinktur verkauft, die beide bei der Heilmittelbehörde als Homöopathika angemeldet sind, deshalb keinen Wirksamkeitsbeleg vorlegen müssen und die Wirksamkeit entsprechend auch nicht belegt haben. Die Präparate haben nichts mit den ursprünglichen Kava-Extrakten zu tun, beanspruchen aber dieselbe Wirkung. Meiner Ansicht nach werden hier die Konsumentinnen und Konsumenten hinters Licht geführt.

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Bei Schlafstörungen Schlafhygiene beachten

Samstag, Mai 12th, 2012

Die „Pharmazeutische Zeitung“ publizierte einen informativen Beitrag zur Behandlung von Schlafstörungen. Dabei wurden auch die wichtigsten Regeln der Schlafhygiene erwähnt:

„Regeln für einen gesunden Schlaf:

- nach dem Mittagessen kein Coffein

- Alkohol weitgehend vermeiden

- keine schweren Mahlzeiten am Abend

- regelmäßige körperliche Aktivität

- körperliche und geistige Anstrengungen abends allmählich verringern

- persönliches Einschlafritual angewöhnen

- kühles, dunkles Schlafzimmer

- Bett nur zum Schlafen oder zum Sex benutzen

- nachts nicht auf die Uhr sehen

- tagsüber nicht schlafen

- jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41861&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Gelegentlich mal eine schlaflose Nacht, das kennt wohl fast jeder Mensch. Das gehört wahrscheinlich einfach zum Leben und braucht nicht weiter zu beunruhigen.

Chronische Schlafstörungen sind aber etwas ganz anderes.

Erstes ist es wichtig, sie medizinisch abzuklären, weil sie durch körperliche oder psychische Erkrankungen verursacht sein können, die adäquater Behandlung bedürfen.

Zweitens ist es bei chronischen Schlafstörungen sinnvoll, das Potenzial nichtmedikamentöser Massnahmen auszuschöpfen. Dazu gehören die oben aufgeführten Regeln der Schlafhygiene.

„Hygiene“ ist hier gemeint im Sinne einer Gesundheitslehre oder Gesundheitspflege – im Sinne einer Lebensordnung (nach Sebastian Kneipp eine der fünf Säulen der Naturheilkunde), also nicht im Sinn von „sauber und keimfrei“. Hygeia oder Hygieia war in der griechischen Mythologie eine Göttin der Gesundheit. Die Tochter des Asklepios (Gott der Heilkunst) gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Das Wort Hygiene leitet sich von ihr ab.

Drittens gibt es medikamentöse Schlafhilfen.

Synthetische Schlafmittel wirken für den Moment oft prompt und können vorübergehend eine adäquate Lösung sein.

Alle synthetischen Substanzen sind aber mit mehr oder weniger gravierenden Nebenwirkungen und Risiken behaftet: Bei zu kurzer Halbwertszeit wacht der Patient mitten in der Nacht wieder auf. Bei langer Halbwertszeit droht am nächsten Tag ein Hangover, der bei älteren Patienten durch eine verzögerte Ausscheidung noch verstärkt sein kann und sie im Alltag mitunter gefährdet (z. B. durch erhöhte Sturzgefahr). Dieser Aspekt, der vor allem Benzodiazepine betrifft, wird in der Praxis viel zu wenig berücksichtigt. Zudem kommt es nach einiger Zeit zu einer Toleranzentwicklung gegenüber diesen Stoffen, denn der Körper vermindert entweder die Zahl der Rezeptoren, an die der Arzneistoff bindet oder er verstoffwechselt die Stoffe durch Enzyminduktion schneller.

Phytopharmaka – also Heilpflanzen-Anwendungen – sind vor allem deshalb eine prüfenswerte Option, weil die beschriebenen Risiken der synthetischen Schlafmittel bei ihnen wegfallen (z. B. keine Toleranzentwicklung, kein Abhängigkeitspotential, keine erhöhte Sturzgefahr). Allerdings wirken sie nicht in jedem Fall verlässlich genug.

Zu den bekanntesten Heilpflanzen, die bei Schlafproblemen in der Phytotherapie zur Anwendung kommen, gehören Baldrian, Hopfen, Passionsblume (Passiflora), Melisse (= Zitronenmelisse) und Lavendel.

Die beruhigende und schlafanstossende Wirkung dieser Heilpflanzen ist auch wissenschaftlich untersucht und dokumentiert.

Beliebt als Schlaftee sind aber auch Orangenblüten bzw. Orangenblütentee und die Goldmelisse (Goldmelissentee oder Goldmelissensirup, vor allem für Kinder). Bei Orangenblüten und Goldmelissenblüten fehlt die wissenschaftliche Dokumentation bezüglich Wirksamkeit. Da sie als Abendtee jedoch angenehm zu trinken und bestens verträglich sind, spricht gar nichts gegen eine Versuch mit ihnen.

Sehr ungeklärt ist die Wirksamkeit der Hafertinktur, die manchmal gegen Schlafstörungen empfohlen wird.

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Pflanzenstoffe in der Krebsforschung: Betulinsäure

Samstag, Mai 12th, 2012

Betulinsäure findet sich in zahlreichen Pflanzenarten, vor allem in der Rinde von Bäumen aus den Familien der Platanengewächse, der Birkengewächse und der Ebenholzgewächse, bspw. mit etwa 2,5 Prozent in Rinde von Platanen (Platanus acerifolia) und zu einem geringen Prozentsatz in dem getrockneten Rindensaft von Birken (lat. Betula, deshalb der Name Betulinsäure).

Die Zeitung „Der Standard“ berichtet über die Betulinsäure-Forschung von Simone Fulda und ihrem Team am Frankfurter Institut für experimentelle Tumorforschung. Zu ihren Forschungsinteressen gehört es, nach Naturstoffen aus Pflanzen zu suchen, die in der Lage sind, Zelltodmechanismen zu beeinflussen.

Es geht dabei um den programmierten Zelltod – die sogenannte Apoptose. Jede gesunde Körperzelle besitzt ein solches eigenes “Selbstmord-Programm”. Es wird aktiviert, sobald es zu fehlerhaften Abläufen in der Zelle kommt. “Zellen entarten erst, wenn dieses Programm nicht mehr funktioniert”, erläutert Fulda. Zwar ist dieser Mechanismus sämtlichen Krebserkrankungen gemeinsam, aber er funktioniert tumorspezifisch und muss daher auch separat in den verschiedenen Tumoren untersucht werden.

Einer der Naturstoffe mit Wirkung auf die Apoptose ist die Betulinsäure. Sie findet sich in der Rinde von Platanen und Birken und könnte hauptsächlich Kindern mit Hirntumoren Heilungschancen bringen.

Bösartige Erkrankungen im Gehirn und Rückenmark bilden eine große Gruppe solider Tumore im Kindesalter, und die Prognose ist in zahlreichen Fällen nach wie vor schlecht – hauptsächlich darum, weil viele Tumore nicht operabel sind. Im Labor hat die Betulinsäure ihren tödlichen Effekt auf Tumorzellen bereits gezeigt. Nun sind klinische Studien mit der Substanz geplant. Die Wirksamkeit der Betulinsäure bei Patienten mit Neuroblastomen und Glioblastomen soll geprüft werden. Was die Betulinsäure zusätzlich auszeichnet: Sie hat nur wenig Einfluss auf gesunde Zellen und könnte verglichen mit anderen zytostatischen Substanzen geringere Nebenwirkungen hervorrufen.

Quelle:

http://derstandard.at/1336435207120/Schwerpunkt-Krebs-Warum-auch-Kinder-an-Krebs-erkranken

Hier die Angaben zur Verwendung der Betulinsäure bei Wikipedia:

„Betulinsäure wirkt im Laborversuch hemmend gegenüber Melanomzellen (durch Einleitung des Zelltod-Programms), und HI-Viren (durch Hemmung der reversen Transkriptase). Sie bildet die Ausgangssubstanz für weiterentwickelte AIDS-Medikamente wie Bevirimat (PA-457), welches zur Zeit klinisch getestet wird. Die Wirksamkeit von Betulinsäure gegen Dermatophyten und Plasmodien deutet auf den ursprünglichen Nutzen des Stoffes gegen Pilz- und Plasmodienbefall der Pflanze. Für die medizinische Anwendung gegen Malaria sind die erforderliche Dosis bzw. deren Nebenwirkungen aber zu hoch.“

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt eine sehr grosse Zahl von Naturstoffen, die für die Forschung interessant sind und grosses Potenzial haben – auch im Bereich der Tumorforschung. Betulinsäure ist eine solche Substanz.

Festgehalten werden muss aber: Wenn für eine Substanz erst positive Resultate aus Laborversuchen an isolierten Zellen oder Geweben vorliegen, ist eine zurückhaltende, vorsichtige Interpretation angebracht. Vorschnelle Versprechungen sind zu vermeiden, weil noch völlig unklar ist, ob die Substanz im lebenden Organismus von Patienten ebenfalls eine positive Wirkung zeigt. Entscheidend sind die Resultate von klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten.

Grundsätzlich sind aber natürlich in der Tumorforschung Substanzen sehr interessant, die Krebszellen töten können, gesunde Zellen aber möglichst schonen. Und eine solche Differenzierung tönt der Artikel im „Standard“ für die Betulinsäure an.

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Wozu sind Glockenblumen gut?

Freitag, Mai 11th, 2012

Das fragte mich vor kurzem eine Zuhörerin an einem Vortrag. Gemeint hat sie damit: Kann man Glockenblumen als Heilpflanzen brauchen oder kann man sie essen?

In der heutigen Phytotherapie spielen Glockenblumen (Campanula) keine Rolle und auch in den alten Kräuterbüchern tauchen sie selten auf.

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird eine Pflanze aus der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae) verwendet:

Die Ballonblume (Platycodon grandiflorus, Syn.: Campanula glauca, Campanula grandiflora, Platycodon glaucus, Platycodon grandiflorum), auch Großblütige Ballonblume oder Chinesische Glockenblume genannt.

Foto bei Wikipedia.

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Kikyo_06c1347s.jpg&filetimestamp=20060704111637

Die Ballonblume wird verwendet bei Husten, Schmerzen, Entzündungen, Fieber, Nervenleiden, Krebs und zur Immunstimulation. Verwendet wird die Wurzel. Die Wurzeln werden zudem gegart in Suppen als kräftigendes Gemüse gegessen. Hauptsächlich in der Koreanischen Küche kommen die Wurzeln als „bellflower roots“ vor.

Die Wurzeln gelten aber auch als giftig.

Es gibt Laborexperimente und Tierversuche mit der Ballonblume:

„Im Tierversuch verstärken Extrakte aus der Pflanze die Aktivität von B-Zellen und die Zytokin-Produktion. Saponine aus der Wurzel (Platycodin A-E) zeigen im Labor entzündungshemmende Wirkung.“

(Quelle: Wikipedia)

Fundierte Studien mit Patienten, die relevanter für die Beurteilung einer allfälligen Wirksamkeit wären, liegen offenbar nicht vor.

Die Heimat der Ballonblume liegt in Nordostasien in China, in Ostsibirien, Mongolei, Korea und Japan. Sie wird auch als Zierpflanze angebaut.

Alle Campanula-Arten in Mitteleuropa sind essbar. Die Blüten werden unmittelbar nach dem Aufblühen als essbare Dekoration verwendet, die jungen Sprosse im Frühling zu Spargelgemüse, die Blätter im Frühjahr als Zugabe in Salaten.

Und natürlich gibt es eine Vielfalt an gärtnerischen Kulturformen der Glockenblumen.

Unsere einheimischen Glockenblumenarten sind auch für den Wildpflanzengarten zu empfehlen.

Die Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) beispielsweise ist Pollenspender für Wildbienen (Sandbienen, Scherenbienen, Glanzbienen, Sägehornbienen, Mauerbienen, Keulhornbienen, Maskenbienen, Furchenbienen, Blattschneiderbienen), Tagfalter und Hummeln.

So gibt es zum Beispiel die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi), deren Weibchen beim Pollensammeln streng auf Campanula-Arten spezialisiert sind. Die Männchen übernachten oft in Glockenblumenblüten – schön trocken und windgeschützt – und sind damit praktischerweise schon an einem Ort mit hoher Weibchenfrequenz.

Wenn Sie Glockenblumen sowie viele andere Wildpflanzen und Heilkräuter in der Natur kennenlernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilpflanzenexkursionen und Naturseminare.

http://heilpflanzen-info.ch/cms/kurse

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Ist Spargel eine Heilpflanze?

Mittwoch, Mai 9th, 2012

Die Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 3 / 2006) hat dieser Frage einen ausführlichen Beitrag gewidmet.

„Jeder meint, die entwässernde Wirkung einer Spargelmahlzeit zu kennen und kann sich vorstellen, dass dies phytotherapeutisch anwendbar ist. So werben Hersteller von phytotherapeutischen Spargelextrakten mit den Indikationen »zur Entwässerung« und »zur Behandlung bei Nierenleiden«. Aber besteht für die Anwendung von Spargelextrakten in der rationalen Phytotherapie eine ausreichende Datenlage, wie sie heute gefordert wird? In naturheilkundlichen Empfehlungen zur medizinischen Anwendung von Spargel werden Formulierungen wie »zur Durchspülungstherapie« oder »zur Blutreinigung«, »zur Entgiftung«, »bei Entzündungen der Nieren- und Harnwege« benutzt, die nicht mehr dem heutigen Erkenntnisstand zur Pathophysiologie der Niere entsprechen. Zweifellos hatte der Spargel vor seiner Zeit als Delikatesse in Mitteleuropa zunächst eine Karriere als Heilpflanze, und der Gesundheitsaspekt spielt auch heute noch eine gewisse Rolle.“

Erstaunlich ist, dass es für die harntreibende Wirkung der Spargel, die beim Spargelgenuss leicht feststellbar ist, kaum wissenschaftliche Belege gibt:

„Die diuretische Wirkung von Spargel wird den meisten wohl als sicher gelten. Kurz nach einer Spargelmahlzeit wird der Urin meist hell (durch fehlende Konzentration), nimmt bei vielen Menschen einen charakteristischen Geruch an und wird in großer Menge produziert. Doch wird wirklich mehr als die mit der Spargelmahlzeit zugeführte Wassermenge ausgeschieden? Der Spargel besteht zu 95 % aus Wasser. Tatsächlich ist die diuretische Wirkung des Spargels wissenschaftlich unzureichend belegt, und auch zum Wirkprinzip gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. In den wenigen publizierten experimentellen Untersuchungen konnte die diuretische Wirkung nicht nachgewiesen werden. Kurioserweise hat sich die Wissenschaft viel intensiver mit dem »Spargelgeruch« des Urins befasst, der ja offenbar nur ein Epiphänomen ist……… Die zentrale Frage lautet, ob mit Spargel oder Spargelextrakten tatsächlich eine Ausschwemmung von Ödemen (z.B. bei Herzinsuffizienz) möglich ist. Zur Beantwortung dieser Frage sind Untersuchungen zur Flüssigkeits- und Elektrolytbilanz nach Spargelgenuss unerlässlich. Diese liegen nach meiner Kenntnis nicht vor. Es erstaunt, dass der Nachweis eines diuretischen Potenzials von Spargel nicht entschlossener versucht wurde.“

Kritisch wird im Beitrag der Zeitschrift für Phytotherapie die Vorstellung kommentiert, dass Spargel zur Blutreinigung und Entschlackung beitragen soll:

„Dem Asparagin wird außerdem in der Literatur eine Fähigkeit zur Entfernung von körperfremden Stoffen zugesprochen. Publizierte Daten hierzu fehlen. Das Konzept der Blutreinigung mit Spargel sollte daher ebenfalls fallengelassen werden, so attraktiv eine »Entschlackung« auf der Basis von Delikatessen auch erscheint.“

Zur Problematik von „Blutreinigung“ und „Entschlackung“ siehe auch:

Entschlackung – was ist das?

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Interessant ist ein Hinweis auf Spargelersatz-Pflanzen:

„Da Spargel nicht überall gedeiht und der Erntezeitraum begrenzt ist – er endet traditionell am 24. Juni, dem Johannistag -, wurde vielfach nach Spargelersatz gesucht. Junge Sprosse von Schwarzwurzel, Bocksbart, Brombeeren, Lauch, Mangold, Gutem Heinrich sowie Hopfen wurden wie Spargel genossen.“

Was bleibt von der Spargel als Heilpflanze?

Es ist erstaunlich, dass die Frage nach dem Entstehungsmechanismus des Spargelgeruchs im Urin offenbar intensiver untersucht wurde als die möglichen Heilwirkungen.

Die harntreibende Wirkung ist durch die Erfahrungen von „Spargelessern“ so gut bekannt, dass sie kaum zu bezweifeln ist. Ob dafür Saponine, Asparaginsäure oder der hohe Kalium-Gehalt verantwortlich sind, ist bisher ungeklärt.

Asparaginsäure wird übrigens in erheblichen Mengen eingesetzt zur Synthese des Süssstoffs Aspartam.

Gemüse-Spargel ist wohl in erster Linie eine Delikatesse. Ob Spargel über längere Zeit – also nicht einfach nur einmal bei einer Mahlzeit – als „Entwässerungsmittel“ eingesetzt werden kann und in welchen Fällen das sinnvoll sein könnte, ist bisher nicht geklärt.

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Was ist Braunhirse?

Dienstag, Mai 8th, 2012

Seit einiger Zeit wird in der Alternativmedizin-Szene Braunhirse gegen alle möglichen Beschwerden angeboten.

Was ist Braunhirse?

„Braunhirse ist ein Getreide aus der Familie der Süssgräser (Poaceae). Die Samen werden ungeschält mit Spelze und Schale zu einem Vollwertmehl verarbeitet. Das Pulver enthält unter anderem Eiweiss, Kohlenhydrate, Mineralstoffe und Kieselsäure mit einem hohen Anteil an Silicium. In der Alternativmedizin und in der Werbung wird es gegen zahlreiche Erkrankungen empfohlen, unter anderem gegen Arthrose, Osteoporose, Karies, Nagel- und Haarerkrankungen. Die Wirksamkeit in diesen Anwendungsgebieten ist nicht nachgewiesen und über mögliche Risiken und unerwünschte Wirkungen einer Behandlung ist nicht ausreichend bekannt. Braunhirse ist nicht als Arzneimittel zugelassen und wird als Nahrungsmittelergänzung verkauft.“

(Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Braunhirse)

Kommentar & Ergänzung:

Die Heilungsversprechungen bezüglich Braunhirse überschlagen sich geradezu und umfassen unterschiedlichste Erkrankungen. Das müsste eigentlich immer Anlass zu Skepsis sein und ist ein Beispiel für Indikationslyrik.

Wie andere Getreide auch, enthält Braunhirse verhältnismässig viel Mineralstoffe, darunter Kieselsäure. Diese besteht zu etwa einem Drittel aus Silizium, einem Spurenelement, das eine wichtige Rolle als Nährstoff und Aufbaustoff für Knorpelmasse, Bindegewebe, Haut, Haare und Nägel spielt und zur Mineralisation der Knochen beiträgt. Wahrscheinlich resultiert hieraus das Werbeversprechen, Braunhirse würde bei brüchigen Haaren und Nägeln, schlaffer Haut, Bindegewebsschwäche, Osteoporose und Arthrose helfen. Allerdings deckt eine normale Mischkost den Bedarf an Silicium problemlos.

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Macht Schokolade wirklich schlank?

Dienstag, Mai 8th, 2012

„Schokolade macht schlank“. So oder ähnlich betitelten verschiedene Tageszeitungen und Wochenmagazine vor kurzem Berichte über eine einschlägige Studie der Universität von Kalifornien in San Diego / USA:

„Die Präventionsmedizinerin Beatrice Golomb hat gemeinsam mit Kollegen von der University of California in La Jolla mehr als tausend Erwachsene untersucht und nach ihren Schokoladen-Gewohnheiten gefragt. Dabei zeigte sich, dass jene Probanden, die häufiger Schokolade aßen, im Durchschnitt schlanker waren. Wer sogar mehrmals in der Woche zur süßen Tafel griff, so das überraschende Ergebnis, war und blieb dünner.

Die Forscher vermuten, dass sich Inhaltsstoffe der Kakaobohne positiv auf den Stoffwechsel auswirken und das Gewicht günstig beeinflussen.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ernaehrung-schokolade-kann-schlank-machen-1.1318798

Nun kann allerdings eine solche Studie zwar mögliche Zusammenhänge aufzeigen (Korrelation: wer Schokolade isst, ist schlanker), nie aber einen ursächlichen Zusammenhang belegen (Kausalität: Schokolade macht schlank). Während solche Einschränkungen in den Studien selber in der Regel erwähnt werden, fehlen sie bei der Weiterverbreitung in den Medien sehr häufig.

Dass Korrelation nicht das Gleiche ist wie Kausalität, hat am Beispiel der erwähnten Studie eine Pressemitteilung der Aktion „Unstatistik des Monats“ anschaulich erläutert.

Während eine Korrelation nur eine Beziehung zwischen Merkmalen beschreibt, handelt es sich bei der Kausalität um einen ursächlichen Zusammenhang, also um Ursache und Wirkung. Zwei Merkmale nennt man dabei „positiv korreliert“, wenn sie sich mehr oder weniger systematisch in die selbe Richtung bewegen: Steigt die eine, steigt in der Regel auch die andere. Fällt die eine, fällt auch die andere. Ein Beispiel für eine positive Korrelation ist das Verhältnis von Körpergröße und Gewicht. Große Menschen wiegen im Allgemeinen mehr als kleine; nicht zwingend in jedem Einzelfall, jedoch im großen und ganzen schon. Eine negative Korrelation liegt dagegen immer dann vor, wenn hohe Werte des einen Merkmals mit tiefen des anderen zusammengehen und umgekehrt. So zeigt sich etwa bei Männern eine hohe negative Korrelation zwischen dem Einkommen und der Zahl der Haare auf dem Kopf: Je weniger Haare, desto mehr Geld.

Daraus folgt jedoch nicht, dass Männer durch Haarausfall ihr Einkommen steigern können, also ein kausaler Zusammenhang besteht. Diese negative Korrelation entsteht dadurch, dass bei Männern mit wachsendem Alter in der Regel das Einkommen steigt und die Haare ausfallen. Eine dritte Variable im Hintergrund, das Lebensalter, wirkt also ursächlich auf Einkommen und Haare ein. Zwischen den beiden Ausgangsvariablen selbst dagegen existiert keinerlei Kausalzusammenhang.

Ähnlich könnte es sich auch mit der Häufigkeit des Schokoladenkonsums und dem Gewicht verhalten. Möglicherweise belohnen sich manche Menschen für einen Verzicht auf eine Currywurst oder fette Schweinesteaks mit einem kleinen Bissen Schokolade? Auf diese und ähnliche Hintergrundvariablen, die eine solche negative Korrelation verursachen könnten, weisen die Autoren der Studie durchaus hin. Aber wie bei so vielen wissenschaftlichen Untersuchungen werden diese Zusatzinformationen in der medialen Aufarbeitung weggelassen.

Sollte tatsächlich eine Kausalbeziehung existieren, wäre die eher in umgekehrter Richtung zu vermuten: dicke Menschen versuchen, die Kalorienzufuhr da zu vermeiden, wo es ihnen eher leicht fällt, und essen darum weniger Schokolade.

Quelle:

http://www.rwi-essen.de/forschung-und-beratung/fdz-ruhr/unstatistik-des-monats/

Kommentar & Ergänzung:

Bei der Beurteilung der Aussagekraft von Studien ist es zentral zu unterscheiden, ob es sich  um eine Beobachtungsstudie, die nur Korrelationen aufzeigen kann, oder um eine klinische Studie (Randomisiert, placebokontrolliert, doppelblind), die Kausalitäten aufzeigt.

Und was genau ist die Aktion „Unstatistik des Monats“?

„Der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Bochumer Ökonom Thomas Bauer und der Dortmunder Statistiker Walter Krämer haben im Jahr 2012 die Aktion „Unstatistik des Monats“ ins Leben gerufen. Sie werden jeden Monat sowohl jüngst publizierten Zahlen als auch deren Interpretationen hinterfragen. Die Aktion will so dazu beitragen, mit Daten und Fakten vernünftig umzugehen, in Zahlen gefasste Abbilder der Wirklichkeit korrekt zu interpretieren und eine immer komplexere Welt und Umwelt sinnvoller zu beschreiben.“

Quelle: http://www.rwi-essen.de/forschung-und-beratung/fdz-ruhr/unstatistik-des-monats/

Allerdings scheint mir die Bezeichnung „Unstatistik“ für die beschriebene „Schokolade-Studie“ nicht passend. Aus der Pressemitteilung geht jedenfalls nichts hervor, was auf schlechte Statistik hindeuten würde. Problematisch ist hier die verkürzte Wiedergabe der Studie in den Medien.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Pfeffer-Inhaltsstoff Piperin hemmt Bildung von Fettzellen

Dienstag, Mai 8th, 2012

Wissenschaftler erforschen den schlank machenden Effekt von Pfeffer. Der Pfeffer-Inhaltsstoff Piperin gibt dem Pfeffer seine charakteristische Würze und unterdrückt gleichzeitig die Neubildung von Fettzellen im Organismus. Diese Wirkung konnten nun koreanische Wissenschaftler durch Laboruntersuchungen zeigen. Piperin soll die Aktivität von Erbanlagen blockieren, die der Neubildung von Fettzellen dienen.

Wissenschaftler um Ui-Hyun Park von der Sejong University in Seoul führten Untersuchungen an Kulturen von menschlichen Zellen durch, aus denen sich Fettzellen entwickeln können. Diese Vorläuferzellen regten die Forscher durch bestimmte Kulturbedingungen zur Bildung von Fettzellen an und erfassten dabei die Gene, die bei diesem Vorgang aktiv waren. Das gleiche Experiment führten die Forscher anschließend noch einmal mit Zellkulturen durch, die auf einem Medium wuchsen, das unterschiedliche Mengen von Piperin enthielt. Die Resultate beider Experimente wurden dann verglichen.

Dabei zeigte sich, dass die Fett-Vorläuferzellen unter der Einwirkung von Piperin weniger ausgewachsene Fettzellen bildeten als ohne den Wirkstoff. Die Analysen zeigten zudem, dass die mit Piperin behandelten Zellen weniger Fett aus dem Kulturmedium aufgenommen hatten. Der Vergleich der Resultate der genetischen Untersuchungen deckte zudem auf, was hinter diesen Effekten steckte: Die Behandlung mit Piperin hatte die Aktivität zahlreicher verschiedener Gene blockiert, die im Zusammenhang mit der Entwicklung zu Fettzellen stehen.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre Resultate zur Entwicklung von Arzneimitteln beitragen, die durch die Wirkung von Piperin Übergewicht bekämpfen können oder sich günstig auf Stoffwechselerkrankungen auswirken.

Quelle:

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/315456.html

PLoS ONE, doi:10.1021/jf204514a: http://pubs.acs.org/stoken/presspac/presspac/full/10.1021/jf204514a

Kommentar & Ergänzung:

Piperin löst die eigentümliche Geschmacksqualität „brennend“ aus. Sie kommt zustande durch Reizung von Thermorezeptoren und Schmerzrezeptoren, das heisst, es gibt keine eigenen Geschmacksrezeptoren  für eine Geschmacksqualität „brennender Geschmack“, vergleichbar mit den vier Geschmacksqualitäten bitter, salzig, süss und sauer.

Wird Pfeffer als Gewürz verwendet, kommt es auf reflektorischem Weg von der Mundschleimhaut aus zu Magensaftsekretion.

Piperin wirkt insektizid. Stubenfliegen sollen gegenüber Piperin sogar empfindlicher sein als gegenüber Pyrethrum (nach: Pharmakognosie, Phytopharmazie)

Ob und wie sich das im Haushalt konkret nutzen lässt, ist mir allerdings nicht bekannt.

Die Ergebnisse der Universität Sejong bezüglich Hemmung der Bildung von Fettzellen durch Piperin sind natürlich interessant, doch stellt sich bei solchen Laborexperimenten stets die Frage, ob und wie weit sie auf die Anwendung im menschlichen Organismus übertragbar sind. Vielleicht wären für diesen Effekt ja Pfefferdosen nötig, die weit jenseits der Menge liegen, die man realistischerweise in die Ernährung integrieren kann.

Ähnliche Fragezeichen gelten auch für Capsaicin aus Chili (als Fatburner vor allem via Internet propagiert).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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