Artikel mit Schlagwort ‘Schmerzen’

[Buchtipp] Mit Krankheit leben. Beck Reihe, Band 1620, Von der Kunst, mit Schmerz und Leid umzugehen — von Farideh Akashe-Böhme, Gernot Böhme

Mittwoch, September 8th, 2010

Verlagsbeschreibung

In unserer leistungsorientierten Gesellschaft wird Krankheit weitgehend tabuisiert und im besten Falle therapiert. Krankheitsbewältigung kann jedoch nicht einfach an Experten delegiert werden – sie ist eine Sache der Patienten selbst. Die Autoren fordern einen mündigen Umgang mit dem eigenen Leiden, auch um gegenüber dem medizinischen System handlungsfähig und selbstbestimmt zu bleiben. Sie beschreiben, wie man das eigene Leben mit der Krankheit akzeptieren kann, und führen anhand von Aussagen Betroffener verschiedene Wege der Krankheitsbewältigung vor Augen: von der distanzierten Betrachtung der Krankheit über die Mobilisierung innerer Kräfte bis hin zur Auseinandersetzung mit ihr im Reden und Schreiben. Egal, für welche der vorgestellten Möglichkeiten sich der Leser entscheidet, das Ziel ist stets, Krankheit als Bestandteil des Lebens zu begreifen und so ein Stück Lebenskunst zu erlernen. Zum Shop

Kommentar:

Mit Krankheit leben – Von der Kunst, mit Schmerz und Leid umzugehen

Farideh Akashe-Böhme als Soziologin und Gernot Böhme als Philosoph ergänzen sich offensichtlich gut als Verfasser dieses Buches. Es hebt sich wohltuend ab von der heute weit verbreiteten, unsäglichen Fast-Food-Psychosomatik, die jeder Krankheit sofort einen ursächlich dafür verantwortlichen psychischen Knacks zuschreibt. Diese simple Etikettiererei führt in der Regel zu gar nichts oder allenfalls zu deplazierten Schuldgefühlen.

Akashe-Böhme und Böhme (AkaBö) legen dagegen vor allem Wert auf die Krankheitsbewältigung. Dabei greifen sie viele spannende Aspekte auf. Eine kleine Auswahl davon stelle ich hier vor:

Im ersten Kapitel geht es um Krankheit und Leiberfahrung. Nach AkaBö leben wir in einer Zivilisation, die durch Leibvergessenheit bestimmt ist. Gesundheit bedeutet darum wesentlich: sich nicht spüren, den Leib vergessen können. In der Krankheit lernt man sich selbst als Leib kennen. Weil der moderne Mensch wenig mit seinem Leib und dessen Regungen vertraut ist, neigt er dazu, leibliche Regungen generell als Symptome zu deuten, das heisst als Anzeichen dafür, dass mit seinem Körper etwas nicht in Ordnung ist.

Das zweite Kapitel handelt von der Therapeutik. Es geht darin unter anderem um den Umgang mit dem medizinischen System.

Das dritte Kapitel ist der Diätetik gewidmet. Gemeint sind damit im antiken Sinne Regeln zur Lebensführung. AkaBö gehen sorgfältig auf Situationen ein, in denen es um die Bewältigung von Krankheiten geht, mit denen die Betroffenen leben müssen. Ein sehr wichtiges Thema, denn im allgemeinen wird viel Gewicht auf Therapie und Heilung gelegt. Aber wo lernen wir den Umgang mit Krankheiten und Beeinträchtigungen, die nicht wegzubringen sind. Hier geht es um die hohe Kunst, mit der Krankheit ein möglichst gutes Leben zu gestalten.

Das vierte Kapitel behandelt ethische Fragen wie Selbstverantwortung, Therapieentscheidungen und die Bewältigung der Tatsache, dass die Krankheit ausgerechnet einen selbst trifft. Hier geht es zum Beispiel um die Vorstellung der Krankheit als Schicksal oder Prüfung.

Im fünfte Kapitel geht es um Unterschiede zwischen Männern und Frauen bezüglich Krankheit und Gesundheit.

Das sechste Kapitel thematisiert den Zusammenhang von Kranksein und Fremdsein. Es geht um Ausgrenzung und Stigmatisierung, um Sprachprobleme im Umgang mit Krankheit und um das kulturelle Verständnis von Krankheit.

Im siebten Kapitel geht es nicht um die eigene Krankheit sondern um das Zusammenleben mit der Krankheit der anderen. Krankheit kann auch eine grosse Herausforderung sein für die Menschen im Umfeld des Kranken.

Das letzte Kapitel trägt den Titel „Krankheit und Lebenskunst“.

„Mit Krankheit leben“ ist ein wertvolles Buch, weil es den Umgang mit Krankheit auf verschiedensten Ebenen zum Thema macht. Es ist auch wichtig für die Naturheilkunde, denn wenn wir uns darauf beschränken, die passenden Heilpflanzen zu verteilen, bleiben wir sehr eng und verpassen möglicherweise das Wesentliche.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

Mittwoch, August 18th, 2010

Die Entscheidung der Regierungskoalition, Zulassung und Verordnungsfähigkeit von Fertigarzneimitteln mit natürlichen oder synthetischen Cannabis-Wirkstoffen (Cannabinoiden) zu erleichtern, wird von der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. und der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V. unterstützt. „Es ist an der Zeit, Cannabis aus der Schmuddelecke zu holen“,erklärt der Göppinger Schmerzmediziner Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie und Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga.

Mit dem teilsynthetisch hergestellten Cannabinoid Dronabinol, das aus natürlichen Cannabinoiden gewonnen wird, haben die Schmerztherapeuten bei verschiedenen Schmerzerkrankungen gute Erfahrungen gemacht. Denn Dronabinol darf – im Gegensatz zum natürlichen Extrakt der Hanfpflanze – auch schon unter den geltenden gesetzlichen Regelungen produziert und ärztlich verordnet werden. Zum Einsatz kommt die Substanz zum Beispiel bei Schmerzen nach Polioerkrankungen oder Schmerzformen wie Fibromyalgie, die durch eine mangelhafte körpereigene Schmerzkontrolle ausgelöst werden. Auch spastische Schmerzen bei Multipler Sklerose können mit dem Hanfwirkstoff häufig besser behandelt werden als mit anderen Medikamenten. „Wenn Gesetzesänderungen dazu führen, dass Cannabinoide generell leichter erforscht, zugelassen und verordnet werden können, begrüßen wir dies, weil es neue Therapieoptionen eröffnet“, erklärt Müller-Schwefe.

Durch die geplante Gesetzesänderung soll aber auch eine Praxis legalisiert werden, welche Schmerztherapeuten und Palliativmediziner schon lange aus der Not heraus pflegen: Sie lagern für Notfälle starke Schmerzmittel (Opioide) ein, die Patienten zurückgegeben haben, weil sie diese nicht mehr brauchen. Denn es geschieht immer wieder, dass Schmerzmediziner Patienten am Wochenende notfallmäßig ein starkes Schmerzmittel verordnen müssen, die Apotheken jedoch keine vorrätig haben. „Wir freuen uns, dass die Politik nun endlich unsere Forderungen umsetzt und unser Vorgehen legalisiert“, sagt der Schmerzmediziner Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=31106

Kommentar & Ergänzung:

Ich gehe mal davon aus, dass die geschilderte Praxis, wonach in der Palliativmedizin Opioide quasi illegal für Notfälle gehortet werden müssen, in der Schweiz nicht vorkommt – und dass bei uns die notwendigen Medikamente zur verfügen stehen.

Dronobinol ist auch in der Schweiz ein Thema. Infos dazu hier:

Cannabis als Heilmittel zulassen!

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/09/21/cannabis-als-heilmittel-zulassen.html

Interessant in der Stellungnahme der Gesellschaft für Schmerztherapie ist der Hinweis auf Polio (Kinderlähmung) und Fibromyalgie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Anti-Aging mit Salbei?

Dienstag, August 17th, 2010

„Salbei: Hervorragende Anti-Aging-Substanz“, so titelt die österreichische Zeitung „Die Presse“.

Schauen wir uns doch einmal genauer an, was sich hinter diesem etwas gar  reisserischen Titel versteckt.

Hier zuerst eine bearbeitete Zusammenfassung und anschliessend einen Kommentar:

„Rosmarin, Thymian und Co bekämpfen freie Radikale und Entzündungen. Reichlicher und regelmäßiger Gebrauch ist aber Voraussetzung. Auch Tee und Olivenöl haben viele positive Wirkungen“, so beginnt der Text, und fährt dann fort:

„’Wie kann ein Mann sterben, der Salbei in seinem Garten hat?’, fragte sich einst Avicenna, einer der größten persischen Ärzte, um das Jahr 1000. Salbei ist in der Tat ein wahrer Gesundheitsstar unter den Gewürzen, weiß die heutige Wissenschaft, die immer mehr Pflanzen immer öfter mit modernen Methoden analysiert.“

„Salbei ist wirklich eine hervorragende Anti-Aging-Substanz“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Markus Metka. „Wahrscheinlich“, ergänzt der Präsident der Anti-Aging-Gesellschaft Österreichs, „liegt das Geheimnis der Langlebigkeit von Kretern nicht nur in Olivenöl, Fisch, Gemüse und Rotwein; die gesunden Wirkungen von Gewürzen wurden bisher viel zu wenig beachtet.“

Auch Schutz vor Krebs?

Neben Salbei sollen auch noch Rosmarin, Thymian und Knoblauch besonders wertvolle gesundheitliche Vorteile für uns Menschen aufweisen. Aber auch die meisten anderen Gewürze haben günstige Effekte. Die beruhen, grob gesagt, auf drei Wirkmechanismen: Ihre sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sind antioxidativ, bekämpfen also schädliche freie Radikale, und wirken antientzündlich. Metka sagt dazu: „Erst in den letzten Jahren ist bewusst geworden, dass permanente stille, schleichende Entzündungen im Körper mit den Jahren fatale Folgen haben können, von Diabetes und Herzinfarkt über Schlaganfall bis zu Alzheimer und Krebs.“ Aus der antioxidativen und antiinflammatorischen (=entzündungshemmenden) Wirkung heraus folge auch ein Schutz vor Krebserkrankungen (Chemoprävention).

Antidiabetikum Oregano

Grundsätzlich sollen mehr oder weniger alle Gewürze diese dreifache Gesundheitswirkung aufweisen, die einen mehr, die anderen weniger, Salbei etwas viel mehr. Allerdings: „Mit einer Prise ist’s nicht getan, diese Menge ist medizinisch absolut wirkungslos. Erst der reichliche und regelmäßige Gebrauch von Gewürzen bringt einen Nutzen hinsichtlich Anti-Aging und Krankheitsvorbeugung“, hält Metka fest.

Zu den kraftvollen Gewürzen gehören auch Zimt und Oregano, „die sind quasi Antidiabetika und beeinflussen den Glukosestoffwechsel äußerst positiv.“ Aber auch indische Gewürze wie etwa Kurkuma zählen zur Kategorie „Würzmedizin“ (Kurkuma kann bis zu einem gewissen Grad Darmkrebs und Morbus Alzheimer vorbeugen).

Und beim Grüntee-Inhaltsstoff Epigallat kommt Metka fast ins Schwärmen: „Unglaublich antioxidativ, großartig antiinflammatorisch, stark in der Chemoprävention.“ Wobei – so der Fachmann – der Schwarztee „nicht schlecht ist“, der Grüne Tee „schon sehr gut“ und der Matcha (der hochwertigste Tee Japans, zu Pulver gemahlener Grüntee) „der absolute Star“ sei. Matcha soll in seiner antioxidativen und antientzündlichen Wirkung zehnmal stärker als der normale Grüntee sein. Matcha, in Japan traditionell für die Teezeremonie eingesetzt, sei wahrscheinlich einer der wesentlichen Gründe, weshalb die Japaner die höchste Lebenserwartung haben.

Olivenöl gegen Schmerzen

In der Riege der gesunden Pflanzen dürfe freilich die Olive, respektive das Olivenöl, nicht fehlen. „Sein Inhaltsstoff Hydroxityrosol bekämpft freie Radikale 100-mal stärker als etwa Vitamin C. Außerdem ist diese Substanz enorm entzündungshemmend, kann sogar als Schmerzmittel verwendet werden“, erklärt Metka. Allerdings könne das nur ein qualitativ wirklich hochwertiges Öl mit reichlich Polyphenolen. Woran jedoch erkennt man die gesundheitsfördernde Qualität?

„Eine neue Dimension in Bezug auf Qualität und gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe sind die nach der Veronelli-Methode produzierten sortenreinen Jahrgangs-Olivenöle“, sagt Metka. Das Entscheidende an dieser Methode sei aber, dass die Oliven vor der Pressung entkernt werden. „Diese aufwendige Methode wurde bereits in der Antike wegen der wesentlich längeren Haltbarkeit des Olivenöls angewendet. Heute gilt als wissenschaftlich bewiesen, dass Olivenöl von entkernten Oliven wesentlich höhere Anteile an gesundheitsfördernden Polyphenolen aufweist als konventionell produziertes Olivenöl, bis zum zehnfachen Wert allein an Hydroxytyrosolen. Es gilt als gesichert, dass der Kern der Olive Enzyme beinhaltet, die sich negativ auf den Polyphenolgehalt auswirken.“

Auch am Preis könne man gute Öle erkennen, betont Metka: Unter 15,20 Euro pro Liter sei ein gesundheitlich hochwertiges Olivenöl nicht zu bekommen. Außerdem sei bei guten Ölen der Gehalt von Polyphenolen angegeben.

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/545008/index.do?_vl_backlink=/home/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Artikel scheint mir erstens ziemlich reisserisch und zweitens auch noch völlig „wischiwaschi“.

Es ist nur schon sehr fraglich, ob man einfach so allgemein sagen kann, Rosmarin, Thymian, Salbei und Co. seien gesund. Grundsätzlich, generell gesund. Sie sind allenfalls gesund in einem bestimmten Bereich, bezogen auf bestimmte Beschwerden. Thymian beispielsweise bei produktivem Husten, Salbei bei Schleimhautentzündungen im Mund oder bei Halsschmerzen.

Und dass nun auch noch die Heilpflanzen und die unschuldige Salbei für das unsägliche Anti-Aging-Theater herhalten müssen, das musste ja so kommen.

Mit Salbei kann man sich also gegen das Älterwerden stemmen? Wie denn genau? Dreimal täglich gurgeln? Oder sich überwiegend von Salbei ernähren?

Und wie genau vertreibt Salbei das Alter?

Im Text wird vor allem auf antioxidative Eigenschaften hingewiesen (Radikalfänger).

Nun sind die Radikalfänger seit einigen Jahren der Renner im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel. Ihnen wird alles zugetraut. Sie sollen gegen Krebs und  viele andere Krankheiten schützen und halt auch allgemein vor dem Alterungsprozess. Die Forschungsergebnisse sind da wesentlich weniger eindeutig als die Versprechungen. Inzwischen weiss man, dass die vielgescholtenen freien Radikale auch positive Eigenschaften haben und dass allzu hohe Dosen von Antioxidantien  schädlich wirken können.

Ausserdem strotzen Früchte und Gemüse vor Antioxidantien und am gesündesten ist wohl einfach die Vielfalt, wenn man es schon so pauschal ausdrücken will.

Reisserisch ist auch der Abschnitt über Antidiabetika. Bei Zimt gibt es positive Hinweise auf eine günstige Wirkung bei Altersdiabetes, was aber noch weiterer Prüfung bedarf. Die Empfehlung von Oregano schwebt irgendwo in der Luft ohne fundierte Belege.

Skeptisch machen sollten in diesem Artikel die vielen Superlative:

Hervorragende Anti-Aging-Substanz, äusserst positiv, unglaublich antioxidativ, großartig antiinflammatorisch, stark in der Chemoprävention, enorm entzündungshemmend, der absolute Star.

So reden Verkäufer, Propagandisten, allenfalls Missionare. Täusche ich mich, oder ist der Artikel ein Werbetext für ein bestimmtes Olivenöl?

Dieser Text ist meines Erachtens ein Beispiel dafür, wie kritisch man Gesundheitsinformationen lesen sollte, weil in den meisten Medien jede Qualitätskontrolle fehlt.

Übrigens: Meines Wissens folgt in einem alten Kräuterbuch auf den beliebten Satz: „Warum soll der Mensch sterben, wenn doch Salbei in seinem Garten wächst“, der Nachsatz: „Gegen den Tod ist kein Kräutchen gewachsen.“ Womit die Sache wieder in die richtige –menschliche – Relation gerückt wird. Quelle habe ich allerdings nicht mehr gefunden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bevölkerung akzeptiert Cannabis als Arzneimittel

Dienstag, August 17th, 2010

Der Einsatz von Cannabis zur Behandlung Schwerkranker findet in Deutschland einer Umfrage zufolge breite Zustimmung. Bei einer Emnid-Befragung im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft «Cannabis als Medizin» (ACM) waren über 75 Prozent der angerufenen Bürger dafür, Cannabis-Produkte zur Behandlung chronischer Schmerzen oder zur Linderung der Spastiken bei Multipler Sklerose zuzulassen. Das teilte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Cannabis als Medizin“, Franjo Grotenhermen, mit. Die Zustimmung gehe quer durch die Bevölkerung, stellte Grotenhermen fest. Am meisten Zustimmung gab es in gebildeten Schichten, bei Männern und bei Anhängern der kleineren Parteien FDP, Grüne und Linkspartei. Auffallend ist die mit 55 Prozent vergleichsweise geringe Akzeptanz von Cannabis-Medizin bei Schülerinnen und Schülern.

Das Resultat der Befragung von 1001 Bürgern hat wenig mit dem eigenen Cannabis-Konsum der Befragten zu tun. Der Großteil der Interviewten gab zu Protokoll, selber nie Cannabis geraucht zu haben. Trotzdem sprachen sich auch aus dieser Gruppe 73 Prozent für die medizinische Nutzung aus. Die ACM hatte auch fragen lassen, wie die Bundesbürger zur Übernahme der Kosten für eine Cannabis-Therapie stehen. Rund zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten sprachen sich für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen aus.

Bisher müssen Betroffene oft langwierig mit Behörden, Ärzten und Kassen um die Nutzung von Cannabis-Medizin und die Übernahme der Kosten kämpfen. In Deutschland dürfen laut Grotenhermen nur 40 Patienten Cannabis aus der Apotheke beziehen. In anderen Ländern wie zum Beispiel Kanada und Spanien seien verschiedene Cannabis-Medikamente zugelassen. «Außerdem werden Kranke, die sich selber mit Cannabis versorgen, in diesen Ländern strafrechtlich nicht verfolgt», erklärte Grotenhermen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Unabhängig von der Rauschdrogenproblematik  rund um Cannabis gilt es meines Erachtens festzuhalten, dass dieses Gewächs zweifellos zu den Heilpflanzen gehört. Aufgrund der Illegalität wird die Wirkung von Cannabis nur in wenigen Phytotherapie-Fachbüchern umfassender besprochen. Eine gute Zusammenfassung findet sich beispielsweise im „Heilpflanzenlexikon“ von Dietrich Frohne. Gut durch Studien belegt ist die Linderung der Spastik bei Multiple Sklerose, die appetitfördernde Wirkung bei Krebspatienten und AIDS-Patienten sowie die Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten unter Chemotherapie.

Dass schwer kranke Menschen, die sich mit Cannabis Linderung verschaffen können, potentiell oder defacto kriminalisiert werden, ist meiner Ansicht nach unakzeptabel. Dass ein überwiegender Teil der Bevölkerung – jedenfalls in Deutschland – dies inzwischen offenbar auch so sieht, ist erfreulich.

Ich schreibe dies als jemand, der selber mit Cannabis nichts um Hut hat, aber im Falle einer entsprechenden Erkrankung gerne auf diese Heilpflanze zurückgreifen können  möchte.

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Ingwer lindert Muskelkater

Montag, Juli 12th, 2010

Ingwer (Zingiber officinale) hat sich seit längerem als Erkältungsmittel oder Magenmittel bewährt. Bekannt war auch schon, dass Ingwer bei Mäusen Entzündungen reduziert und Schmerzen lindert. Eine Wissenschaftlergruppe um Professor Patrick O’Connor von der Universität of Georgia hat diesen Effekt auch bei Menschen getestet, teilt das Grüne Kreuz in Marburg mit. Resultat: Täglicher Verzehr lindert zumindest leichten Muskelschmerz.

Laut der aktuellen Studie ist Ingwer ein Mittel gegen Muskelkater – und es zählt nicht als Doping.

Ingwer, so das Resultat der Studie der Universität von Georgia, mildert die Schmerzen um bis zu 25 Prozent.

Während elf Tagen haben Testkandidaten Ingwer-Kapseln geschluckt, die entweder zwei Gramm rohen oder erhitzten Ingwer enthielten. Eine Vergleichsgruppe bekam gleichzeitig Placebo-Pillen. Am 8. Tag des Ingwer-Versuchs folgte der Härtetest: Ein anstrengendes Oberarm-Training, das den Muskelkater auslösen sollte.

Drei Tage später das überraschende Ergebnis: Die Ingwer-Gruppe empfand bis zu einem Viertel weniger Muskelschmerzen in den Armen. Ein subjektiver Eindruck, der sich allerdings durch das Blutbild bestätigen ließ: Verglichen mit den Placebo-Probanden, waren die Arme der Ingwer-Kandidaten deutlich beweglicher, die Entzündungswerte tiefer, ebenso wie der Level der Schmerzmarker im Blut – egal, ob die Versuchspersonen das Ingwer-Konzentrat roh oder erhitzt zu sich genommen hatten.

Aber nicht nur Ingwer wirkt gegen Muskelkater. Auch Sauerkirschsaft könne die Schmerzen vertreiben und die Kräfte zurückbringen, wie amerikanische Wissenschaftler der Universität Vermont vor einigen Jahren in einer placebokontrollierten Studie an 14 Katergeschädigten bewiesen haben wollen. Weshalb ausgerechnet Kirschensaft? Möglicherweise seien es die Antioxidantien in den Kirschen, die im Muskel wie Balsam wirken, so vermuteten die Wissenschaftler damals im “British Journal of Sports Medicine”.

Mit 14 Sportlern ist die Kirschensaftstudie aus Amerika allerdings leider nicht repräsentativ. Dagegen ist an vielen Tausenden, sportlichen Muskelkater-Geplagten mittlerweile offenbar belegt, dass hauptsächlich Wärme lindernde Effekte haben kann. So können Bäder oder Sauna das Stechen mildern – die Wärme fördert die Durchblutung im Muskel und mildert die Entzündungen.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/skelett_und_weichteilkrankheiten/article/610872/ingwer-lindert-leichten-muskelschmerz.html?sh=31&h=-195116024

http://www.welt.de/gesundheit/article8334812/Ingwer-ist-das-Wundermittel-gegen-Muskelkater.html

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer gehört zu den vielseitigsten und interessantesten Heilpflanzen. Gut dokumentiert ist seine Wirkung gegen Übelkeit und Brechreiz (zum Beispiel bei Reisekrankheit / Seekrankheit, nach Operationen). Ingwer bewährt sich aber auch als Hausmittel bei Erkältungen und bei verschiedenen Verdauungsbeschwerden. Das hier beschriebene Anwendungsgebiet Muskelkater / Muskelschmerz ist für die Phytotherapie neu. Ein gutes Beispiel dafür, dass Phytotherapie als Fachbereich in ständiger Entwicklung ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwer vermindert Muskelschmerzen

Donnerstag, Juni 3rd, 2010

Studie erforscht Wirkung auf den Menschen bei regelmäßigem Verzehr

Wer jeden Tag etwas rohen oder hitzebehandelten Ingwer einnimmt, spürt Muskelschmerzen in Folge von Überanstrengungen weniger stark. Das behauptet eine Wissenschaftlergruppe um Patrick O’Connor von der University of Georgia in der Zeitschrift “Journal of Pain”. Ingwer (Zingiber officinale) ist schon seit langem bekannt bei Erkältungen oder als Magenmittel. Bisher wusste man auch, dass Ingwer bei Mäusen Entzündungen hemmen und Schmerzen lindern kann. Nun wurde dieser Wirkung beim Menschen untersucht.

Ingwer macht Schmerz erträglicher

Die Wissenschaftler verabreichten dazu jungen Erwachsenen zwei Gramm von rohem oder hitzebehandeltem Ingwer in Kapselform und dokumentierten, wie er sich im Vergleich zu Placebopräparaten auf Muskelschmerz auswirkte. Elf Tage lang nahmen die Teilnehmenden die Ingwer-Kapseln zu sich, wobei sie am 8. Tag eine anstrengende Armtätigkeit ausführten, nämlich 18 Armbeuger-Dehnungen mit einem schweren Gewicht, die leichten Muskelschmerz im Arm auslösten.

An den verbleibenden drei Tagen wurden Entzündungswerte gemessen und es ging darum, die Stärke des Muskelschmerzes auf einer Skala anzugeben. 24 Stunden nach dem Sport war der Schmerz in der Ingwergruppe messbar erträglicher als in der Placebogruppe, so das Resultat. Nach zwei und nach drei Tagen waren allerdings zwischen den Gruppen keine Differenz mehr festzustellen.

Weitere Ingwer-Studien zu diesem Thema sollen folgen

Fachleute vom britischen National Health System NHS, welche regelmäßig Forschungen auf Herz und Niere prüfen, bezeichnen den Aufbau der Doppelblind-Studie als gut. Zu kritisieren sei, dass nur 78 Personen an der Studie teilnahmen. Eine Wiederholung in größerem Rahmen wäre sinnvoll, um eindeutige Resultate zu erhalten.

“Zudem war der untersuchte Schmerz bloß mild. Man kann nicht sagen, welche Wirkung Ingwer auf stärkere Muskelschmerzen infolge von Bewegungen haben würde. Genauso wenig sind Rückschlüsse auf andere Schmerzen wie Arthritis oder Kopfschmerz zulässig”, kommentierten die NHS-Kritiker.

Quelle:

http://derstandard.at/1271377518787/Studie-Ingwer-lindert-Muskelschmerzen

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist nicht nur ein  beliebtes Gewürz, sondern ebenso eine der spannendsten Heilpflanzen. Eine lange und verbreitete Tradition in der Pflanzenheilkunde  verwendet Ingwer bei Verdauungsbeschwerden und gegen Erkältungen.

Die neuzeitlichere Phytotherapie hat beim Ingwer vor allen Effekte gegen Übelkeit und Erbrechen erforscht und dokumentiert – zum Beispiel bei Reisekrankheit oder nach Operationen. Diese hier untersuchte Wirkung gegen Muskelschmerzen ist dagegen ein ziemlich neues potenzielles  Anwendungsgebiet für Ingwer.

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Heilpflanzen-Präparate bei Frauen-Beschwerden wirksam

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Fundierte Empfehlungen zur Wirkung von Heilpflanzen bei gynäkologischen Beschwerden wie PMS oder Hitzewallungen veröffentlichte vor kurzem der „Kurier“.
Hier eine überarbeitete Zusammenfassung mit anschliessender Ergänzung:

Rund 150 Symptome werden unter dem Begriff “Prämenstruelles Syndrom” (PMS) zusammengefasst. Gemeint sind damit körperliche und psychische Beschwerden kurz vor der Menstruation. Früher auch von Gynäkologen oft als nicht behandlungswürdig abgetan, wird PMS heute akzeptiert – zumal es auch gut therapierbar ist.

”PMS ist eine Veränderung, die Frauen wirklich belastet”, erklärt Univ.-Prof. Doris Gruber von der Universitäts-Frauenklinik am Wiener AKH. Ein sehr typisches Symptom seien etwa Stimmungsschwankungen. Aber auch Kopfschmerzen, schmerzhaftes Brustspannen (Mastodynie) sowie Schlafstörungen können den Alltag vor der Monatsblutung stark trüben.

“Manche Frauen mit Beschwerden sind froh, wenn sie hören, dass es so etwas wie ein Krankheitsbild gibt und man etwas dagegen tun kann”, stellt auch die Wiener Gynäkologin Silvia Artner fest. Mehr als die Hälfte der Frauen im fruchtbaren Alter leiden an PMS-Beschwerden, am häufigsten treten sie im Alter zwischen 30 und 45 Jahren auf. Bei rund zwei bis zehn Prozent der betroffenen Frauen wird eine sehr starke Form, die Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS), diagnostiziert. Silvia Artner: “In meiner Praxis erlebe ich auch Frauen, die im Alltag völlig außer Gefecht gesetzt sind.”

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle für diese monatlich wiederkehrende Störung.

Als eine Ursache wird heute der zyklusbedingte Mangel des Gelbkörperhormons (Progesteron) nach dem Eisprung vermutet. “Das könnte auch Reizbarkeit und depressive Verstimmungen erklären, da Progesteron im Gehirn eine stimmungsaufhellende Wirkung hat, die in der zweiten Zyklushälfte eben fehlt”, sagt Prof. Doris Gruber.

Früher verschrieben Ärzte auch bei PMS oft Hormonpräparate. Gruber erklärt dazu: “Damit ist man heute deutlich zurückhaltender. Die Verordnung der Pille kann aber tatsächlich zu günstigen Ergebnissen führen.”
In den vergangenen Jahren setzen zahlreiche Gynäkologen verstärkt auf Präparate aus Heilpflanzen (Phytopharmaka), weil Hormonpräparate wegen der möglichen Gefahr, Brustkrebs auszulösen, ins Gerede gekommen sind. 



Mönchspfeffer bei PMS

Mönchspfefferextrakte (in Kapselform erhältlich) zum Beispiel fördern die Progesteronbildung. “In Studien erzielte Mönchspfeffer eine gleich gute Wirksamkeit wie Verhütungsmittel – sowohl gegen körperliche als auch psychische PMS-Symptome.” Artner setzt in ihrer Praxis neben Mönchspfeffer auch auf Yamswurzel und Nachtkerzenöl, die beide ähnlich wirken. “Bei jeder Patientin steht ein anderes Symptom im Vordergrund. Darauf wird die Behandlung abgestimmt. Eine Wirkung ist dann meistens nach drei Monaten erkennbar.”

Bei leichtem PMS hilft häufig schon eine Umstellung der Lebensgewohnheiten. “Eine kohlehydratreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse und Obst ist wesentlich besser als rotes Fleisch, viel Kaffee und Alkohol”, erklärt Artner. Stress sollte wenn möglich in der zweiten Zyklushälfte vermindert werden. Und auch Bewegung wirke bei PMS wie ein Medikament: “Es ist wissenschaftlich belegt, dass PMS bei Frauen, die zwei Mal pro Woche Sport betreiben, wesentlich seltener auftritt, als bei anderen. Der Unterleib wird besser durchblutet, deshalb kommt es seltener zu Krämpfen. Auch Endorphine werden ausgeschüttet. Sport ist also eine sehr gute PMS-Prophylaxe.”

Phytohormone vermindern Hitzewallungen

Die Beschwerden zahlreicher Frauen während der Menopause, auch Wechseljahre oder Klimakterium genannt, sind wie beim PMS hormonell bedingt. Allerdings ausgelöst durch einen starken Östrogenmangel, weil die Eierstöcke ihre Produktion einstellen. Betroffene Frauen klagen oft über Hitzewallungen und depressive Verstimmungen, aber auch über Schmerzen beim Sex. “Das geht bis zu massiven Einbußen in der Lebensqualität. Manche Patientinnen haben bis zu 80 Hitzewallungen pro Tag”, erklärt die Wiener Gynäkologin Silvia Artner.

Diese Beschwerden durch Hormonpräparate auszugleichen wird heute differenzierter gesehen: “Ein Zusammenhang zwischen Brustkrebs und einer Hormonersatztherapie besteht. Wenn schon, dann so gering und so kurz wie möglich einsetzen. Früher wurde sie teilweise zehn Jahre durchgehend verordnet. Aufklärung und eine gute Brustkrebsvorsorge sind ebenso wesentlich.

“

Sehr bewährt hätten sich jedoch sogenannte Phytohormone mit ähnlicher Wirkung, aber auf pflanzlicher Basis und dadurch ohne Nebenwirkungen. Artner erklärt dazu: “Hier gibt es mittlerweile eine Menge an Präparaten im Apothekenhandel.”
Ob also Soja-, Rotklee- oder Traubensilberkerzenextrakt – Artner hält sie für wirksam: “Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sie alle gute Wirkungen zeigen. Hitzewallungen können etwa ganz verschwinden oder zumindest um 20 bis 30 Prozent reduziert werden.”


Quelle:
www.kurier.at

Kommentar & Ergänzung:

Im Bereich der Gynäkologie hat die Phytotherapie-Forschung in den letzten Jahrzehnten grosse Fortschritte gemacht. Vor allem die Wirkung von Mönchspfeffer und Traubensilberkerze sind inzwischen gut belegt.

Fundierte Beiträge zu Themen aus dem Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde sind in der Presse allerdings ausgesprochen selten. Dieser Artikel im „Kurier“ ist erfreulicherweise wieder einmal ein solcher Text.
Ergänzt werden könnte nur noch:

– Bei PMS ist die Wirkung von Mönchspfeffer ( = Keuschlamm, = Vitex agnus-castus) deutlich besser dokumentiert als die Wirkung von Nachtkerzenöl und Yamswurzel.

– Bei Hitzewallungen scheint mir die Wirkung von Extrakten aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) besser dokumentiert als die Wirkung von Rotklee-Extrakt oder Soja-Extrakt. Auch könnte grundsätzlich auch die Anwendung von Phytohormonen bzw. Phytoöstrogenen mit einem Risiko bezüglich Förderung von Brustkrebs verbunden sein. Extrakte aus Taubensilberkerze gelten in der Phytotherapie-Fachliteratur in dieser Hinsicht als sicher.


– Im Frühklimakterium ist statt Traubensilberkerze Mönchspfeffer sinnvoll, wenn zuerst die Progesteron-Werte sinken und dadurch ein relativer Östrogenüberschuss entsteht, zum Beispiel bei Stimmungseinbrüchen und PMS-ähnlichen Symptomen. Wenn Hitzewallungen auftreten, steht allerdings wieder klar die Traubensilberkerze im Vordergrund.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Freitag, Februar 5th, 2010

Das Konsumentenmagazin Saldo titelt in der Ausgabe 2 / 2010: “Voltaren-Salbe kann die Leber schädigen”. Voltaren-Salbe sei zwar beliebt, aber nicht harmlos: “Fachleute raten: Wer Schmerzen regelmässig damit behandelt, sollte seine Leberwerte kontrollieren lassen.”
Voltaren-Salbe und Voltaren-Gel enthalten den Wirkstoff Diclofenac. Eingesetzt werden sie bei Verstauchungen, Prellungen, Zerrungen, aber auch gegen rheumatische Entzündungen an den Gelenken.

Saldo schreibt:
“Doch jetzt warnt die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA: Regelmässiges Einreiben der Salbe kann die Leber schwer schädigen. In den USA muss die Salbe von Novartis deswegen von nun an einen Warnhinweis tragen.”
Die FDA sei überzeugt, dass der Körper den Wirkstoff Diclofenac auch über die Haut in Mengen aufnimmt, die die Leber schädigen:
“In mehreren Studien hatten Forscher festgestellt, dass nach wenigen Wochen mehr als jeder Zehnte auffällige Leberwerte hatte. Die FDA empfiehlt deshalb den Ärzten, zwischen der vierten und achten Woche nach dem Beginn der Therapie die Leberwerte zu kontrollieren.”

Der Zürcher Hausarzt Thomas Walser stellt im “Saldo” fest:
“Diclofenac gehört zu einer Gruppe von Wirkstoffen, die nicht nur als Tablette, sondern auch als Gel gefährlich sind.”
Das Medikament könne nicht nur der Leber schaden, sondern auch der Niere, der Magenschleimhaut und den Knochen. Eine Studie zeige, dass der Wirkstoff selbst dem Herz zusetzt: Bei Patienten erhöhte sich das Risiko um 40 Prozent, einen Herzinfarkt zu bekommen (das bezieht sich aber wohl auf Diclofenac-Tabletten, M.K.). Thomas Walser findet, dass die Ärzte die Nebenwirkungen der Voltaren-Salbe noch zu wenig kennen. Er rät deshalb seinen Patienten, die Salbe nicht zu lange einzusetzen und sie vor allem nicht mit anderen Schmerzmitteln wie zum Beispiel Ibuprofen zu kombinieren.

Hausarzt Thomas Walser empfiehlt, bei längeren Behandlungen natürliche Salben zu verwenden: “Wallwurz und Wickel zeigen oft eine ähnliche Heilwirkung wie die Voltaren-Salbe.”

Kommentar & Ergänzung:

Gute Empfehlung. Es gibt einige Gründe zugunsten von Beinwell-Salbe…..
Beinwell = Wallwurz = Symphytum officinale

Zu den Gründen für Beinwell-Salbe siehe auch:

Sprunggelenksverletzung – Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac
Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac
Beinwell-Salbe zeigte sich in einer Studie einem Diclovenac-Präparat überlegen.

Natur als Medikamentendeponie – Diclofenac tötete Greifvögel
Natur als Medikamenten-Deponie

Spricht doch alles dafür, bei Langzeitanwendungen auf Beinwell-Salbe zu setzen.

Was im “Saldo”-Artikel nicht erwähnt ist:

Die Arzneimittelbehörden haben für Beinwell-Salben eine Anwendungsbeschränkung von maximal 4 – 6 Wochen pro Jahr festgelegt.
Der Grund dafür: Beinwell enthält in geringen Mengen lebertoxische, mutagene und kanzerogene Pyrrolizidinalkaloide. Allerdings gelangen diese bei der Anwendung auf der intakten Haut nicht in den Blutkreislauf, jedenfalls nach Heinz Schilcher, Leitfaden Phytotherapie, 2007. Ausserdem gibt es Beinwell-Salben aus Spezialextrakten mit stark reduziertem Pyrrolizidin-Gehalt.
Schäden durch die Pyrrolizidinalkaloide sind bei Anwendung auf der Haut bisher keine beschrieben worden. Das ist auch nach Einschätzung der Phytotherapie-Fachliteratur äusserst unwahrscheinlich. Die innerliche Anwendung von Heilpflanzen mit Pyrrolizidinalkaloiden (Huflattich, Pestwurz, Beinwell, Borretsch) ist viel heikler und bei Beinwell jedenfalls klar abzulehnen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang noch, dass die Arzneimittelbehörde Swissmedic für die Voltaren-Salbe im Vergleich zur Beinwell-Salbe weniger restriktive Einschränkungen verfügt hat. In der Packungsbeilage der Voltaren-Salbe steht nur geschrieben: “Darf nicht auf offene Hautwunden oder auf geschädigte Haut gebracht werden. Soll nicht über längere Zeit grossflächig angewendet werden, es sei denn auf ärztliche Verschreibung.”
Und weil Voltaren ja gerne auf ärztliche Verschreibung angewendet wird, ist die Langzeitanwendung gerade auch in Pflegeheimen nicht selten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Seekiefer-Wirkstoff Pycnogenol lindert Hämorrhoiden-Beschwerden

Samstag, Januar 30th, 2010

Die Seekiefer (Pinus maritima, Pinus pinaster) liefert einen Wirkstoff zur Linderung von akuten Hämorrhoiden-Beschwerden.?
Der Rindenextrakt der Seekiefer hilft rasch bei akuten Hämorrhoiden-Beschwerden. Ein Wissenschaftlerteam hat in einer Vergleichsstudie aufgezeigt, dass sich Blutungen, Schmerzen im Dammbereich, Druckempfindlichkeit und Blutgerinnsel durch den Wirkstoff Pycnogenol der Pinus maritima mildern lassen, die an der französischen Atlantikküste beheimatet ist. Der Rinden-Extrakt soll Entzündungen und die Thrombosenbildung am effektivsten in der kombinierten Anwendung als Salbe und Tablette hemmen.

Pycnogenol ist ein Wasserextrakt aus der Borke der Seekiefer, welche an der Atlantikküste Frankreichs wächst und bis zu 300 Jahre alt werden kann. Seine bisherige Karriere in der Medizin basierte auf der Eigenschaft, Blutgefäße im Gehirn zu schützen, indem es dort mit aggressiven Sauerstoffmolekülen reagiert und diese so neutralisiert. Es passiert dazu als eines der wenigen pflanzlichen Antioxidantien die so genannte Blut-Hirn-Schranke, eine Barriere zwischen Blutkreislauf und Zentralnervensystem, welche das Gehirn vor Krankheitserregern und Giften schützt. In der Wirkungsanalyse stellten die Forscher durch die Anwendung von Tabletten und Salben aus dem Rindenextrakt einen Rückgang bei der Intensität und Dauer von Hämorrhoiden-Schmerzen und Hämorrhoiden-Blutungen fest. Auch die Zahl der Eingriffe und Überweisungen in Krankenhäuser sei zurückgegangen.

An der Universität G. D’Annunzio im italienischen Chieti nahmen 84 Patienten über zwei Wochen an einer Studie teil: Zwei Gruppen erhielten den Wirkstoff in unterschiedlichen Dosen und Zeiträumen verabreicht, eine dritte nur ein Placebo. Durch Pycnogenol verschwanden die Blutungen nach sieben Tagen bei den beiden behandelten Gruppen, die Teilnehmer in der Placebo-Gruppe klagten auch noch nach 14 Tagen über Blutungen. Entsprechend verbesserte sich auch die Lebensqualität der mit Pycnogenol behandelten Studienteilnehmern: Die Forscher registrierten bei ihnen deutliche Verbesserungen, wenn es um Bewegungen, Sitzen und auch die Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten ging. Die Dauer der schlimmsten Schmerzen verminderte sich hauptsächlich durch die kombinierte Anwendung von Salbe und Tabletten – zudem mussten die Patienten in den Folgemonaten weniger Komplikationen durchstehen und die Behandlungskosten reduzierten sich.

Etwa die Hälfte aller Menschen, die über 50 Jahre alt sind, haben Hämorrhoiden. Wer noch nie darunter gelitten habe, könne sich nicht vorstellen, was die Patienten durchmachen. Das Krankheitsbild habe Auswirkungen auf jeden Aspekt des Alltags. Für die Kontrolle der Symptome der Hämorrhoiden seien neben den Medikamenten auch eine Veränderung des Lebensstils und sorgsame Hygiene nötig.

Quelle: ddp/wissenschaft.de

Originalpublikation:
Peter Rohdewald (Universität Münster) et al.: Phytotherapy Research, doi: 10.1002/ptr.3021

Kommentar & Ergänzung:

Die See-Kiefer (Pinus pinaster, Syn. Pinus maritima) wird auch Bordeaux-Kiefer, Igel-Kiefer, Stern-Kiefer, Meer-Kiefer, Seestrand-Kiefer oder Strand-Kiefer genannt. Sie stammt aus dem westlichen Mittelmeerraum.
Die Seestrandkiefer führt zu Unrecht ein Mauerblümchen-Dasein in der Phytotherapie. Seestrandkiefer-Extrakte bewähren sich bei der Behandlung von venösen Durchblutungsstörungen, beispielsweise bei Krampfadern und venösen Ödemen. Dem wird nun mit dem Thema Hämorrhoiden-Behandlung ein weiterer interessanter Aspekt beigefügt.

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Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheuma-Beschwerden

Dienstag, Januar 12th, 2010

Die in vielen Schmerzmitteln (z. B. im Aspirin) enthaltene Acetylsalicylsäure macht einem empfindlichen Magen häufig zu schaffen. Bei Fieber oder Kopfschmerzen kann deshalb Weidenrindenextrakt eine Alternative sein.

Dies erklärte Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg. Die Rinde zahlreicher Weidenarten weise Salicin auf, das in der Leber zu Salicylsäure umgebildet werde. Dieser Wirkstoff aus der Weidenrinde könne Entzündungen hemmen, Kopfschmerzen lindern, Fieber senken und Schmerzen bei rheumatischen Beschwerden reduzieren.
Laut Mayer wird meist die Rinde der Purpurweide (Salix purpurea) und der Silberweide (Salix alba) als Arzneimittel eingesetzt. «Weidenrindenextrakt wird als Präparat angeboten, man kann aber auch einen Tee aus Weidenrinde zubereiten, die in der Apotheke erhältlich sind.»
Dazu werden zwei bis drei Gramm – das sind zwei Teelöffel – der fein geschnittenen oder grob gepulverten Weidenrinde mit einer Tasse kaltem Wasser angesetzt und zum Sieden erhitzt. Nach fünf Minuten wird das Gebräu abgesiebt und ist zum Trinken bereit.
Davon dürfen täglich maximal fünf Tassen getrunken werden. Bei Asthma bronchiale, spastischer Bronchitis, Neigung zu Magen-Darm-Geschwüren und vorgeschädigter Niere sollten keine Weidenrindenextrakte genommen werden, ergänzt Johannes Gottfried Mayer.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com

Kommentar & Ergänzung:

Ein wichtiger Unterschied soll hier noch angefügt werden:
Aspirin verbessert die Blutfliesseigenschaften durch Hemmung der Thrombozytenaggregation (Zusammenballung der Blutplättchen).
Diesen Effekt zeigt das Salicin aus der Weidenrinde nicht.
Weidenrinde ersetzt also nicht Aspirin Cardio in der Prävention von (wiederholtem) Herzinfarkt, Schlaganfall sowie Angina pectoris.

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