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Meerrettichwein gegen Verdauungsprobleme

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Der Bayerische Rundfunk berichtete kürzlich sehr informativ über Meerrettich und seine Wirkungen. Dabei kam die Rede auch auf den Meerrettichwein:

„Auch bei Verdauungsproblemen kann Meerrettich helfen. Gerieben mit dem Lieblingswein mischen – acht Tage im Dunkeln lagern, gelegentlich schwenken. Fertig ist der Verdauungstrunk.“

Quelle:

http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/gesundheit/meerrettich-heilpflanze-gesundheit-100.html

Kommentar & Ergänzung:

Meerrettichwein ist ein altes Hausmittel, das vor allem als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchitis eingesetzt wird.

Die Empfehlung bei „Verdauungsproblemen“ ist nachvollziehbar, aber sehr vage. Als „Verdauungsprobleme“ können sehr unterschiedliche Beschwerden bezeichnet werden.

Meerrettich regt die Verdauungssäfte an und soll deshalb gegen Appetitlosigkeit wirken.

Meerrettichwurzel enthält Senfölglykoside (Glukosinolate), die reizend und durchblutungsfördernd auf Haut und Schleimhäute wirken. Im Magen-Darm-Trakt könnten Senfölglykoside dadurch zu einer gesteigerten Magen- und Darmperistaltik führen. Das kennt man aus Studien mit dem Präparat Iberogast, das ebenfalls Senfölglykoside enthält (aus Iberis amara, Bittere Schleifenblume). Das legt die Vermutung nahe, dass Meerrettichwein auch bei Völlegefühl wirksam sein könnte. Genauer untersucht wurde die Wirkung von Meerrettichwein allerdings nicht.

Der Tipp des Bayerischen Rundfunks hält sich etwas knapp mit Angaben zur Zubereitung und Dosierung des Meerrettichweins. Wieviel Meerrettich pro Liter Wein? Wieviel Meerrettichwein pro Tag?

Glukosinolate und andere Scharfstoffe werden allerdings von Menschen unterschiedlich vertragen. Ich würde jedenfalls beim ersten Versuch zurückhaltend sein mit der Menge an zugegebener Meerrettichwurzel. Falls das Produkt dann zu schwach wirkt, lässt sich die Menge bei der nächsten Zubereitung immer noch steigern.

Siehe auch:

Meerrettich als „Penicillin des Gartens“?

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenzaviren

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heiserkeit mit Salbei-Inhalation lindern

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In der kalten Jahreszeit tritt im Rahmen von Erkältungen oft auch Heiserkeit auf. Zur Linderung der Beschwerden können Betroffene mit einer Salzlösung gurgeln oder Salbeitee trinken. Das Inhalieren von Wasserdampf mit Salbeiextrakt tut ebenfalls gut.

Grundsätzlich gilt bei Stimmproblemen als Empfehlung: Nicht rauchen sowie auf Alkohol oder Kaffee verzichten. Auch Grüntee oder Schwarztee verzichten Betroffene besser. Dauert Heiserkeit länger als drei Wochen an, sollte sie ärztlich abgeklärt werden.

Quelle: http://www.hno-aerzte-im-netz.de/news/hno-news/heiserkeit_mit_salbei_lindern.html

(dpa, Bundesverband der Apothekerverbände, äin-red)

Kommentar & Ergänzung:

Diese Meldung auf dem Portal „HNO-Ärzte im Netz“, die ich hier ausschnittweise und etwas umgebaut, aber sinngemäss, wiedergebe, enthält einige interessante Punkte.

Bemerkenswert ist der Rat zu Inhalationen mit Wasserdampf und Salbeiextrakt. Bei Heiserkeit braucht es eine Einwirkung in die tieferen Regionen des Halses und da kann ich mir vorstellen, dass die Inhalation besser passt als die Gurgelung.

Inhaliert man mit Salbei, dann kommt als Wirkstoff nur das flüchtige ätherische Salbeiöl zum Zug. Die Inhalation kann mit einem alkoholischen Salbeiextrakt (z. B. Salvia Wild) oder mit Salbeitee durchgeführt werden. Salbeiöl wirkt vor allem antimikrobiell. Beim Gurgeln mit Salbeitee kommen zusätzlich Gerbstoffe zur Wirkung, die Entzündungen hemmen. Aber eben: Es fragt sich, ob die Gurgelung tief genug wirkt, um den Ursprungsort der Heiserkeit zu erreichen.

Nicht klar ist mir, weshalb Grüntee und Schwarztee bei Heiserkeit kontraindiziert sein sollen. Am Koffeingehalt kann es meines Erachtens nicht liegen. Falls die Befürchtung dahinter steht, dass die Gerbstoffe die Schleimhäute zu stark austrocknen, lässt sich der Gerbstoffgehalt reduzieren, wenn der Tee nur kurz ziehen gelassen wird (1 – 2 Minuten). Im übrigen hat auch Salbeitee einen relevanten Gerbstoffgehalt, und Salbeitee wird in der Meldung ja ausdrücklich empfohlen. Da sind also noch ein paar Fragen ungeklärt.

Bei Heiserkeit sind zudem die GeloRevoice Lutschtabletten eine interessante Option. Sie geben sehr langsam ein schützendes Gel ab, das die Schleimhäute feucht hält.

 

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Winter-Linde ist Baum des Jahres 2016

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Sie hat kaum Krankheiten und wird bis zu 1000 Jahre alt: Die Winter-Linde (Tilia cordata). Nun ist der beliebte Park- und Straßenbaum zum Baum des Jahres 2016 gekürt worden.

Die Stiftung Baum des Jahres würdigt mit der Winter-Linde einen vielfältig verwendbaren Baum, der in Mitteleuropa verbreitet und relativ anspruchslos ist und auch in Städten gut gedeiht.

Die bis zu 25 Meter hohe Winter-Linde ist etwas weniger weit verbreitet als die starkwüchsige Sommer-Linde (Tilia platyphyllos), die 40 Meter erreichen kann.

Winter-Linden haben eine herzförmige Krone, bei der die Spitze nach oben zeigt, und eher runde Blätter, die kleiner sind als die herzförmigen Blätter der Sommerlinde.

Die Winter-Linde blüht etwa zwei Wochen nach der Sommer-Linde und lockt dadurch im Spätsommer viele Hummeln an, die in dieser Jahreszeit oft bereits mit einem knappen Nahrungsangebot zu kämpfen haben.

Winter-Linden und Sommer-Linden habe aber auch grosse Bedeutung für die Honigproduktion. Als Spätblüher ist die Winter-Linde der letzte Laubbaum, der im Sommer blüht.

Honigbienen produzieren während der Lindenblüte reinen Lindenblütenhonig.

Wer sein Auto unter einer Linde parkt, findet es manchmal nach kurzer Zeit schon von einer klebrigen Schicht bedeckt. Das ist quasi eine Verzuckerung. Die Zuckerwasser-Tröpfchen stammen allerdings nicht direkt von der Linde. Sie werden von Blattläusen ausgeschieden, die sich von Pflanzensaft ernähren und dabei einen Überschuss an Zucker loswerden müssen.

Die berühmten Linden oder die Linden auf Dorfplätzen sind meist Sommer-Linden.

Dorflinden, Gerichtslinden, Kirchlinden, Tanzlinden und Hoflinden ebenso wie Sagen und Ortsnamen zeugten von einer jahrhundertelangen kulturellen Bedeutung.

Die große kulturgeschichtliche Rolle der Linden spiegelt sich in traditionellen Liedern, Gedichten und Geschichten sowie in Ortsnamen wieder. «Zur Linde» ist aber auch der häufigste Gasthausname in Deutschland und unter Gerichtslinden wurde jahrhundertelang Recht gesprochen. Alte Linden bilden oft das Zentrum der Dorfgemeinde.

Die Sommer-Linde war bereits 1991 zum Baum des Jahres gekürt worden.

Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60289

http://www.dw.com/de/winterlinde-ist-der-baum-des-jahres/a-18784884

Kommentar & Ergänzung:

Winter-Linde und Sommer-Linde dienen beide zur Gewinnung von Lindenblüten.

Lindenblütentee gilt traditionell als schweisstreibendes Mittel bei fiebrigen Erkrankungen (Erkältung, Grippe). Genauer untersucht oder geklärt worden ist diese Wirkung allerdings nicht.

Lindenblütentee eignet sich aber auch gut als Genusstee und Durstlöscher.

Die Lindenblüten enthalten geringe Mengen an ätherischem Öl, das leicht beruhigend wirken könnte.

Relativ gross ist der Anteil an Schleimstoffen in den Lindenblüten. Dieser Schleim ist allerdings verdaubar und eignet sich daher im Gegensatz zu den Schleimstoffen aus Leinsamen und Flohsamen nicht gegen Verstopfung. Zur Reizlinderung auf entzündeten Schleimhäuten ist eine Anwendung aber denkbar.

 

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Heilerde bei Durchfall, Reflux, Sodbrennen

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Der Pharmavista-Newsletter hat einen informativen Text publiziert zu Wirkungen und Anwendungsbereiche von Heilerde. Die wichtigsten Punkte daraus hier:

Der Begriff Heilerde umfasst verschiedene Sedimentarten und besteht zum grössten Teil aus Silikat, enthält zahlreiche Mineral- und Spurenelemente und zeichnet sich durch ein hohes Bindungsvermögen aus.

Heilerde wird seit langem zur Behandlung von Reflux und Sodbrennen eingesetzt. Weniger bekannt ist die Anwendung bei Durchfall.

Die leicht basische Heilerde kann säure im Magen binden und ist zudem bei gleichzeitig vorhandenen Magenbeschwerden beziehungsweise bei Brechreiz von Vorteil.

Die natürliche Heilerde besitzt ausgeprägte, abdeckende Eigenschaften. Silikate bestehen aus feinsten Blättchen, die durch schwache Kohäsionskräfte leicht übereinander gleiten und dadurch auf Schleimhäuten einen Schutzfilm ausbilden können.

Heilerde ist in der Lage, über Kapillarkräfte Flüssigkeiten und Gase zu absorbieren.

Durch Kationenaustausch können an der Substanzoberfläche der Heilerde verschiedene Stoffe wie zum Beispiel Toxine im Darmlumen adsorbiert werden. Darum kann Heilerde wie Medizinalkohle bei Durchfall angewendet werden. Darüber hinaus vermindert der Schutzfilm die Flüssigkeitssekretion ins Darmlumen und der Mineralgehalt der Heilerde kann den durchfallbedingten Elektrolytverlust reduzieren.

Heilerde zur innerlichen Anwendung ist in verschiedenen galenischen Formen wie Pulver, Granulat oder Kapseln im Handel.

Das Heilerde-Pulver wird für die Einnahme in ein Glas Wasser eingerührt.

Der etwas erdige Geschmack lässt sich mit Kräutertee etwas vermindern.

Saure Getränke wie Fruchtsäfte sollten bei der Einnahme von Heilerde vermieden werden, da dies zu einer unerwünschten Neutralisationsreaktion und einer Aufhebung der Säurebindungsfähigkeit führen kann.

Die empfohlene Dosis liegt je nach Literaturquelle zwischen 500 und 1‘000 mg 2-3-mal täglich, oder 1-2 Teelöffel ein- bis mehrmals täglich.

Wegen der hohen Bindungskapazität der Heilerde sollen andere Medikamente nicht gleichzeitig, das heisst im Abstand von etwa zwei Stunden eingenommen werden. Bei Patienten mit schwerer, chronischer Verstopfung in der Anamnese ist Vorsicht geboten.

Quellen:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5141&NMID=5141&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Heilerde ist ein traditionelles Naturheilmittel. In der klassischen Naturheilkunde wurde Heilerde unter anderem von Sebastian Kneipp, dem „Lehmpfarrer“ Emanuel Felke und Adolf Just propagiert.

Neben der innerlichen Anwendung bei Verdauungsstörungen wird die Heilerde auch äusserlich eingesetzt, zum Beispiel bei Akne.

Allerdings kann die äusserliche Anwendung die Haut austrocknen, was bei Akne jedoch eher erwünscht sein kann.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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„Knoblauch: So wertvoll wie Penicillin?“

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So betitelt das Magazin „Focus“ einen Abschnitt, in dem es um die günstigen Effekte des Knoblauchs für unsere Gesundheit geht:

„Im Krieg verwendeten russische Soldaten in der Not Knoblauch als Penicillin-Ersatz. Denn der Inhaltsstoff Allicin wirkt ähnlich wie ein Antibiotikum und hemmt Bakterien.

Auch sonst ist die Knolle gut für die Gesundheit: Sie schützt vor freien Radikalen, Krebs und Thrombosen. Die Auswahl von Knoblauch ist einfach, denn jede Sorte ist gesund. Seine gesundheitsfördernde Wirkung steigt, wenn er nach dem Zerkleinern zehn Minuten ruht, bevor er erhitzt wird. Der Grund: Das wertvolle Allicin entsteht, wenn die Aminosäure Alliin Kontakt zu dem hitzeempfindlichen Enzym Alliinase hat. Bei sofortigem Erhitzen wird das Enzym zerstört und es entsteht kein Allicin mehr. Das passiert übrigens auch in der Mikrowelle.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/naehrstoffe/granny-smith-gesuender-als-golden-delicious-apfel-ist-gleich-apfel-oder-etwa-nicht_id_4182944.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch ist eine durch und durch interessante Kulturpflanzen und auch als Heilpflanze seit Urzeiten im Gebrauch.

Der Tipp, den Knoblauch nach dem Zerkleinern zehn Minuten ruhen zu lassen, ist nachvollziehbar. Jedenfalls spricht viel dafür, dass beim sofortigen Erhitzen das Enzym Alliinase zerstört wird und seine „Arbeit“ nicht mehr machen kann.

Enzyme sind Eiweissstoffe und die werden durch Hitzeeinwirkung denaturiert.

Der Vergleich mit Penicillin ist aber ein bisschen überzogen. Allicin wirkt zwar tatsächlich gegen verschiedene grampositive und gramnegative Bakterien, was sich im Labor gut zeigen lässt.

Zitat aus „Arzneidrogen“, von Theo Dingermanm, Karl Hiller, Georg Schneider, Ilse Zündorf, Spektrum Verlag 2004:

„Allicin (0,4 – 1,0 % in der Frischdroge)……..hemmt…in einer Verdünnung bis 1 : 125 000 das Wachstum von grampositiven und gramnegativen Bakterien (bes. Staphylokokken, Streptokokken und Typhusbakterien), ist also ein Antibiotikum auch gegen Krankheit-erregende Darmbakterien.“

Diese antibakterielle Wirkung von Allicin kann man lokal auf haut und Schleimhäuten sowie im Verdauungstrakt erwarten. Von Penicillin erwartet man aber mehr. Es verteilt sich im ganzen Organismus und wirkt so systemisch beispielsweise auch gegen eine Infektion in der grossen Zehe. Ein solcher systemischer Effekt ist von Allicin aber nicht zu erwarten.

Um eine Verdünnung von 1 : 125 000 im Organismus zu erreichen, braucht es bei einem 80 kg schweren Menschen rein rechnerisch 0,64 g Allicin – und weil es da auch noch einiges an Knochen hat, runden wir auf 0,5 g ab. Wenn frischer Knoblauch maximal 1% Allicin einhält, wären 50 g Knoblauch nötig, um eine wirksame antibakterielle Konzentration im Organismus zu erreichen. Allicin zerfällt im Organismus rasch in Abbbauprodukte. Also müsste der permanente Umbau und die laufende Ausscheidung ständig ersetzt werden, um einen antibakteriell wirksamen Spiegel zu erhalten.

Solche Mengen wird niemand freiwillig einnehmen – insbesondere auch wegen der sozialen Nebenwirkungen….

Mir ist klar, dass diese Rechnung sehr theoretisch und ungenau ist. Sie zeigt aber die Grössenordnung auf. Eine systemische antibakterielle Wirkung von Knoblauch ist nicht zu erwarten. An diesem Punkt gibt es eine grosse Differenz zu Penicillin.

Damit will ich natürlich nicht den Knoblauch als Heilpflanze schlechtmachen.

Aber man muss wissen, wo eine Heilpflanze ihre Stärken hat und wo nicht.

Knoblauch hat vor allem auch noch ein paar interessante Eigenschaften im Kreislauf-Bereich:

– Knoblauch verbessert die Blutfliesseigenschaften durch Hemmung der Thrombozytenaggregation.

– Knoblauch hat eine leicht lipidsenkende Wirkung (Blutcholesterinwerte werden reduziert).

– Knoblauch kann eine leichte Blutdrucksenkung bewirken.

 

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Hilft Schöllkraut gegen Warzen?

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Schöllkrautsaft ist ein altbekanntes Hausmittel der traditionellen Pflanzenheilkunde zur Behandlung von Warzen.

Hilft Schöllkraut wirklich gegen Warzen? Auf diese Frage antwortete eine Ärztin in einem Artikel der „FAZ“.

Nachfolgend daraus Zitate mit eingeschobenen Kommentaren von mir:

„Schöllkraut (Chelidonium majus) ist eine Pflanze aus der Familie der Mohngewächse, die auf vielen deutschen Wiesen zu finden ist, bevorzugt nahe Wohnstätten oder in Mauerspalten, und die durchaus heilende Wirkung hat. Tatsächlich sind im gelb-orangen Saft, der beim Brechen der Stengel oder Einreißen der Blätter austritt, reichlich Alkaloide enthalten, bei denen antientzündliche, antibakterielle, antimykotische, antivirale und schwach zytotoxische Effekte nachgewiesen werden konnten.“

Ein Bild von Schöllkraut finden Sie hier auf Wikipedia.

Die antiviralen und schwach zytotoxischen Effekte der Alkaloide könnten eine Wirksamkeit gegen Warzen erklären. Allerdings muss dazu gesagt werden: Wenn man solche Wirkungen im Labor feststellt, dann heisst das noch nicht, dass eine solche Wirkung auch an einer konkreten Warze eine Rolle spielt, selbst wenn sich dort eine Wirkung zeigt (für die Wirkung könnten auch andere Faktoren verantwortlich sein).

„Aufgetragen auf Warzen an Händen oder Füßen, löst die die Haut reizende und ätzende Tinktur, die in der Apotheke erworben werden kann, die Hautschichten ab und die Warzen auf. Aber: Die Warzen können wiederkommen. Warzen, die grob in sechs Gruppen unterschieden werden, liegt eine Infektion mit Humanen Papilloma-Viren (HPV) zugrunde – und deren Bekämpfung durch das Schöllkraut ist nicht sicher nachgewiesen.“

Da scheint es eine gewisse Vermischung zu geben: Reine Schöllkrauttinktur wirkt nicht ätzend und löst auch nicht die Hautschichten ab. Das tritt auf Warzenmittel auf der Basis von Salicylsäure zu, welche die Hornschicht aufweicht.

Ich würde Schöllkraut allerdings auch nicht als Schöllkrauttinktur verwenden, sondern direkt den frisch aus der Pflanze austretenden, gelb-orangen Saft 2mal täglich auftragen und eintrocknen lassen. So wird es jedenfalls in der traditionellen Pflanzenheilkunde überliefert.

Ein Foto mit dem Saft, der bei Verletzung aus Blatt und Stängel austritt, hier auf Wikipedia.

Und ja, die Wirksamkeit des Schöllkrautsaftes gegen Warzen ist nicht durch Patientenstudien belegt. Solche Studien wird es voraussichtlich auch nie geben. Schliesslich kosten klinische Studien etwa 2000 Franken pro Proband, was bei den nötigen vielleicht 200 Probanden doch eine eindrückliche Summe ergeben würde. Für ein Mittel, das nicht patentierbar ist und sogar gratis in der Natur bezogen werden kann, wird sich schwerlich ein Sponsor finden.

„Viele Warzen verschwinden von allein wieder. Wenn nicht, reicht eine topische, also auf die Haut aufgetragene Therapie oft aus. Und hier kommt das Schöllkraut ins Spiel und scheint auch gut zu funktionieren. Zumindest schadet der Versuch der Eigentherapie nicht – aber bitte nicht im Bereich der Augen oder Schleimhäute inklusive Genitalbereich.“

Genau: Warzen sind oft selbstlimitierend. Sie verschwinden nach einer gewissen Zeit auch von selbst. Das macht es so schwierig, den Behandlungserfolg eines Warzenmittels zu beurteilen. Geht die Warze während der Anwendung weg, könnte auch einfach der Zeitpunkt der Anwendung mit dem Zeitpunkt der „Selbstverschwindung“ zusammengefallen sein.

Ein Versuch mit Schöllkraut kann aber nicht schaden und in diesem Bereich (kostenlos, harmlos) wäre ein Beharren auf hieb- und stichfesten klinischen Studien überzogen.

Warzen reagieren zudem auch auf suggestive Einflüsse. Vielleicht spielt die Eindruck machende gelbe Farbe da noch eine gewisse psychologische Rolle.

Quelle der Zitate:

http://www.faz.net/aktuell/stil/frau-doktor/kann-man-mit-schoellkraut-warzen-behandeln-12966415.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hausmittel bei Erkältungen: Lindenblütentee

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„N24“ berichtet über Hausmittel bei Erkältungen:

Lindenblütentee kurbelt das Schwitzen an.

Eines ist vielen Hausmitteln gemein: Sie ersetzen die ausgeschwitzte Flüssigkeit. Sie befeuchten außerdem die Schleimhäute, so dass sie sich gegen Eindringlinge schützen kann, und kurbeln mit ihrer Wärme die Durchblutung an. Das gilt auch für Tees. Vor allem Lindenblütentee soll das Schwitzen kräftig ankurbeln. Die Wärme erleichtert dem Körper, die Temperatur zu erhöhen, was den Kampf gegen die Viren unterstützt.“

Quelle: http://www.n24.de/n24/Wissen/Gesundheit/d/5452400/diese-drei-hausmittel-stoppen-die-erkaeltung.html

Kommentar & Ergänzungen:

Lindenblütentee hat eine lange Tradition als Mittel bei Erkältungen und Fieber. Unklar ist allerdings, ob Lindenblütentee wirklich das Schwitzen ankurbelt über den Effekt des heissen Wassers hinaus.

Lindenblütentee enthält Schleimstoffe, die möglicherweise lindernd wirken können bei trockenem Reizhusten. Ausserdem findet sich in den Lindenblüten ein ätherisches Öl in sehr kleinen Mengen, das leicht beruhigend zu wirken scheint.

Lindenblütentee ist sehr gut verträglich und obwohl eine spezifische Wirkung auf die Schweissproduktion nicht belegt ist, passt er gut als Kräutertee bei Erkältungen und Fieber.

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Augentrost als Augenheilmittel

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Die Kundenzeitschrift „Die Apotheke“ (Juli / 2014) beschreibt die Anwendungsbereiche der traditionellen Heilpflanze Augentrost (Euphrasia rostkoviana):

„Als Heilmittel hat Euphrasia allgemein eine entzündungshemmende Wirkung auf die Schleimhäute. Die Wirkstoffe weisen weiters antibakterielle Effekte auf. Neben der Anwendung bei Augenbeschwerden – bei Reizungen, Entzündungen von Augenlidrand und Bindehaut, Sehstörungen und Augenermüdung – wurde der Augentrost auch traditionell innerlich als Magenmittel, bei Husten und Heiserkeit, Heuschnupfen und Nebenhöhlenentzündung sowie äußerlich bei Hautproblemen angewandt. In der Pflanzenheilkunde wird er heute vor allem in Augentropfen und –salben verwendet.“

Quelle:

Die Apotheke, Juli 2014

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/DA/DA-2014/DA-2014-07.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Augentrost ist ein hübsches Pflänzchen (Foto auf Wikipedia) und ein Halbschmarotzer.

Der antiken Kräuterliteratur taucht Augentrost nicht auf, weil er in Griechenland nicht vorkommt. Erstmals sicher identifizierbar erwähnt wird die Pflanze im spätmittelalterlichen „Gart der Gesundheit“ (1485). Beachtet wurde der Augentrost vermehrt in der Renaissance auf dem Hintergrund der damals dominierenden Signaturenlehre, die von Farben und Formen der Pflanzen auf deren Wirkungen schloss.

Paracelsus (1493 – 1541) und andere sahen in der Blüte ein Auge dargestellt und schlossen daraus auf eine Wirksamkeit als Augenheilmittel: Das gelbe Zentrum als Pupille, die länglich schwarzen Striche als Wimpern. Damals war noch nicht bekannt, dass die Farben und Formen der Blüten an die Insekten gerichtet sind, und nicht als Botschaft an uns. Auch war den Menschen wohl kaum bewusst, dass diese Zuschreibungen in ihren eigenen Interpretationen gründen und mit der Pflanze direkt nichts zu tun haben. Man könnte die Interpretationen jederzeit anders legen und zum Beispiel aufgrund der wimpernartigen dunklen Striche auf eine wimpernwachstumsfördernde Wirkung schliessen.

In den Kräuterbüchern des 16. Jahrhunderts, zum Beispiel bei Hieronymus Bock oder Matthiolus, ist der Augentrost ausführlich beschrieben. Matthiolus nennt ihn „ein Prinzipal zu den blöden und tunkeln Augen“. Das zeigt gut auf, dass die Zuschreibungen der Signaturenlehre meist ziemlich umfassend sind und nicht unterscheiden zwischen verschiedenen Augenkrankheiten. Augentrost enthält in diesen Vorstellungen einfach die Kraft für die Augen – egal um welche Augenkrankheit es gerade geht.

Diesen umfassenden Anspruch als Augenheilmittel muss man heute daher schon sehr relativieren. Empfohlen werden Umschläge und Augenbäder mit Augentrost in der traditionellen Pflanzenheilkunde noch bei leichten Bindehautentzündungen (Konjunktivitis). Belegt ist diese Wirkung nicht und die wissenschaftlich orientierte Phytotherapie lehnt die Anwendung von Umschlägen und Augenbädern mit Augentrost ab, weil sie bakteriologisch verunreinigt sein könnten und möglicherweise reizende Schwebestoffe enthalten. Ich selber denke, dass Augentrost bei leichten Bindehautentzündungen durchaus lindernd wirken könnte. Die Pflanze enthält Gerbstoffe und antimikrobiell wirkende Iridoide (Aucubin und Catalpol). Allerdings ziehe ich bei leichten Bindehautentzündungen Umschläge mit Schwarztee vor, wobei die Gerbstoffe sich aber bei der Teezubereitung nur langsam lösen. Schwarztee sollte zu diesem Zweck deshalb etwa 8 – 10 Minuten ziehen.

Für die Wirksamkeit einer Anwendung von Augentrost als Magenmittel, bei Husten und Heiserkeit, Heuschnupfen und Nebenhöhlenentzündung sowie äußerlich bei Hautproblemen, gibt es keine glaubwürdigen Hinweise.

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Schwarztee bei Windeldermatitis

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Das Landwirtschaftliche Wochenblatt Westfalen-Lippe empfiehlt Schwarztee-Anwendungen bei wundem Po (Windeldermatitis, CH: „Rotes Fudi“):

„Dazu übergießt man einen Beutel handelsüblichen Schwarztee mit heißem Wasser, lässt ihn lange ziehen und danach gut abkühlen. Anschließend betupft man die betroffenen Stellen mit dem kräftigen Teesud und wickelt den Säugling wie üblich. 

An günstigen Stellen kann der erkaltete Teebeutel auch direkt auf die Haut gelegt und die Windel einfach darüber angezogen werden. Die beruhigende und heilungsfördernde Wirkung der Gerbsäure ist oft schon nach wenigen Stunden zu sehen.“

Quelle:

http://www.wochenblatt.com/landleben/nachrichten/schwarzer-tee-bei-wundem-po-8445.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Guter Tipp. Den Schwarztee kennen viele Leute nur als leicht anregenden Genusstee, wobei für diese Wirkung das Coffein zuständig ist. Schwarztee enthält jedoch auch Gerbstoffe. Damit Gerbstoffe in relevanten Mengen ins Teewasser übergehen, sollte der Tee mindestens rund 10 Minuten ziehen. Dann wirkt Schwarztee aufgrund der Gerbstoffe auch gegen Durchfall. Diesen Anwendungsbereich kennen manche Menschen noch. Wenig bekannt ist aber, dass die Gerbstoffe im Schwarztee auch wirksam sind bei Entzündungen von Haut und Schleimhäuten, vor allem bei nässenden Hautentzündungen und bei Windeldermatitis. In der Regel sind das eher kurzfristige Anwendungen über ein paar Tage. Bei nässenden Ekzemen zum Beispiel setzt man die nassen Anwendungen wieder aus, sobald das Nässen abgeklungen ist.

 

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Phytotherapie bei Xerostomie (Mundtrockenheit)

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Im Phyto-Forum der „Aerztezeitung“ beantwortete Prof. Karen Nieber die Frage nach phytotherapeutischen Optionen bi Xerostomie (Mundtrockenheit). Nieber ist Professorin am Institut für Pharmazie der Universität Leipzig (Lehrstuhl Pharmakologie für Naturwissenschaftler)

Gute Erfolge bei trockenem Mund seien durch Spülung mit Salbeitee erzielt worden, schreibt Nieber. Es gebe weitere Optionen.

Ein trockener Mund sei kein seltenes Symtom. Bei Personen über 60 Jahren seien Schätzungen zufolge etwa 40 Prozent betroffen. Mundtrockenheit sei eine häufige Nebenwirkung von Arzneimitteln wie Anticholinergika, Diuretika oder Psychopharmaka.

Mögliche Ursachen könnten beispielsweise auch Erkrankungen wie Sialadenitis, Sjögren-Syndrom / Sicca-Syndrom oder Heerfordt-Syndrom sein, aber auch Strahlentherapie, fieberhafte Allgemeinerkrankungen oder chronischer Stress mit gesteigertem Sympathikustonus, eine vermehrte Mundatmung oder eine Pilzinfektion.

Eine systemische Therapie sei nicht bekannt. Die Behandlung bestehe vor allem aus ausreichendem Trinken zum Beispiel von Wasser, Früchte- und Kräutertees. Gute Erfolge seien erzielt worden durch eine Spülung mit Salbeitee.

Prof. Nieber schreibt weiter:

„Um Reizungen oder Entzündungen im Mundraum vorzubeugen beziehungsweise zu lindern, eignen sich Abkochungen aus Eibischwurzel oder das Lutschen von Isländisch Moos Pastillen. Die Schleimstoffe in der Pflanze besitzen kühlende und befeuchtende Eigenschaften, die zudem eine schützende Wirkung auf die Schleimhäute ausüben.

Schädliche Keime können mit Salbei-, Myrrhen- und Kamillentinktur abgeschwächt oder abgetötet werden. Weiterhin gibt es eine Reihe von Sprays mit Pflanzeninhaltsstoffen (zum Beispiel Santakraut), die helfen sollen. Allerdings gibt es dafür keine klinische Evidenz.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hno-krankheiten/article/849575/trockener-mund-erfolge-salbei-tee-tinktur.html?sh=5&h=-1550275562

 

Kommentar & Ergänzung:

Bei allem Respekt: Das scheint mir doch ein ziemliches Sammelsurium an Empfehlungen.

Klar ist, dass es in diesem Bereich keine valablen Studien gibt, auf die sich Empfehlungen abstützen könnten. Diese ziemlich wirre Aufzählung ist aber auch nicht gerade nützlich.

Gute Erfolge seien erzielt worden durch Spülung mit Salbeitee. Der Verweis auf „gute Erfolge“ ist eine schwache Argumentation. Wer hat wann, wo und wie diese Erfolge festgestellt?

Der Verweis auf positive Erfahrungen reicht nicht als Begründung.

Siehe:

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Von einer Professorin für Pharmakologie würde ich mir eine pharmakologischere Argumentation wünschen. Von den Inhaltsstoffen her ist eine günstige Wirkung von Salbeitee bei Mundtrockenheit nämlich nicht sehr plausibel.

Salbeiblatt enthält Bitterstoffe (Diterpene, z. B. Carnosol = Picrosalvin). Von ihnen könnte man erwarten, dass sie die Speichelproduktion anregen, was bei Mundtrockenheit günstig wäre. Salbei enthält aber auch Gerbstoffe (vor allem den Lamiaceen-Gerbstoff Rosmarinsäure). Sie hemmen eher die Sekretionstätigkeit von Schleimhautdrüsen und wirken austrocknend.

Die Anwendung von Eibischwurzel als Schleimzubereitung ist eine gute Idee, die Empfehlung als Abkochung aber fragwürdig. Die Phytotherapie-Fachliteratur empfiehlt bei der Eibischwurzel eine Zubereitung als Kaltauszug, weil die Eibisch-Schleimstoffe hitzeempfindlich sind weil die Stärke in den Wurzeln beim Erhitzen verkleistert, wodurch sich weniger Schleim löst.

Das Lutschen von Isländisch Moos Pastillen kann wohl den Speichelfluss anregen, so wie viele andere Lutschtabletten auch. Dass die Schleimstoffe bei der Anwendung in Form von Lutschtabletten wirksam sind, würde ich bezweifeln.

Der Hinweis auf schädliche Keime, die durch Kamillentinktur, Salbeitinktur und Myrrhentinktur abgeschwächt oder abgetötet werden können, ist mir ein Rätsel.

Bei Mundtrockenheit spielen schädliche Keime meines Wissens keine Rolle. Sie hat ganz andere Ursachen. Als Wiederholung:

„Mundtrockenheit ist eine häufige Nebenwirkung von Arzneimitteln wie Anticholinergika, Atropin bzw. Hyoscyamin, Diuretika oder Psychopharmaka. Ursachen können auch Erkrankungen wie die Sialadenitis, das Sjögren-Syndrom, das Sicca-Syndrom oder das Heerfordt-Syndrom sein. Außerdem können die Entfernung von Speicheldrüsen, eine Strahlentherapie, fieberhafte Allgemeinerkrankungen, die Einnahme von Tetrahydrocannabinol oder chronischer Stress mit gesteigertem Sympathikotonus zu Mundtrockenheit führen. Eine weitere Ursache von Mundtrockenheit kann eine vermehrte Mundatmung sein. Der bei Mundtrockenheit entstehende hochvisköse Speichel kann Entzündungen in den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen hervorrufen, besonders betroffen ist hierbei die Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis).“

(Quelle: Wikipedia)

Weshalb also antimikrobielle Pflanzentinkturen?

Solche Empfehlungen ähneln mehr therapeutischen Rundumschlägen und sind meines Erachtens fragwürdig. Dann lieber zugeben, dass man keinen sicheren Pfeil im Köcher hat, und die Empfehlungen beschränken auf das, was am plausibelsten scheint.

 

Meiner Ansicht nach wäre das bei Mundtrockenheit:

– Gerbstoffe meiden, weil sie auf Schleimhäute austrocknend wirken können.

– Pflanzen mit Schleimstoffen anwenden, die schützend und befeuchtend auf die Schleimhäute wirken.

Im Vordergrund steht dabei Eibischwurzel, weil für Eibischschleim zu mindestens in Laborexperimenten gezeigt werden konnte, dass die Schleimmoleküle den Stoffwechsel der Schleimhautzellen günstig beeinflussen.

Siehe:

Phytotherapie: Eibischwurzel-Extrakt schützt Epithelzellen

Phytotherapie: Polysaccharide – Wirkstoffe mit Potenzial 

(Hier auch der Hinweis auf stark bioadhäsive Effekte von Lindenblütenextrakt)

Wirkungsweise von schleimhaltigen Heilpflanzen entschlüsselt

Neben dem Eibischschleim hat sich auch Lindenblütenschleim als bioadhäsiv erwiesen, d. h.: Der Schleim heftet sich gut als Schutzschicht auf die Schleimhäute.

Lindenblüten (Aufguss) oder Eibischwurzel (Kaltauszug) können zu Spülungen verwendet werden. In Betracht ziehen könnte man aber auch eine Anwendung via Spühflacon, zum Beispiel in der Palliative Care.

– Bitterstoffpflanzen sollen den Speichelfluss fördern und können bei Xerostomie einen Versuch wert sein. Rein vom Bitterstoffeffekt her dürfte es dabei keine entscheidende Rolle spielen, welche Bitterstoffpflanze angewendet wird.

Isländisch Moos (Cetraria islandica) wäre dabei interessant, weil es Bitterstoffe und Schleimstoffe enthält. Tee (Heissaufguss) würde ich den Lutschtabletten aber entschieden vorziehen.

Siehe dazu auch:

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung

– Als Lutschtabletten empfehle ich Emser Pastillen ohne Menthol, ein Präparat, das sich zur Anregung des Speichelflusses bzw. zur Befeuchtung der Mundschleimhaut eignet (Emsersalz zum Lutschen).

Das ist zwar auch nicht mit Studien belegt, doch gelten Emser Pastillen als bewährtes Befeuchtungsmittel bei RednerInnen und SängerInnen.

Da bei längerdauernder Mundtrockenheit ein erhöhtes Kariesrisiko besteht, wären wohl auch Kaugummi und Lutschtabletten mit dem Zuckeraustauschstoff Xylit nützlich.

Siehe dazu:

Xylitol-Kaugummi reduziert Risiko für Mittelohrentzündung bei Kindern

(Dort auch Informationen zur Antikaries-Wirkung von Xylit)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

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