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Heidelbeeren reduzieren Blutdruck in kontrollierter Studie

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Ein Pulver aus gefriergetrockneten Kulturheidelbeeren in einer Menge, die einer Tasse der Früchte entspricht, reduzierte in einer placebokontrollierten Studie den Blutdruck von Hypertonikerinnen und verbesserte andere Gefäßparameter.

Publiziert wurde die Studie im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics (2015; doi: org/10.1016/j.jand.2014.11.001)

Den Heidelbeeren schreibt man wegen ihres hohen Gehalts an Anthocyanen – das sind die blauen Farbstoffe – und anderen Polyphenolen eine gesundheitsfördernde Wirkung zu. Zu den günstigen Wirkungen könnte eine Verminderung des Blutdrucks zählen.

Ein Team um Sarah Johnson von der Florida State University untersuchte die Wirkung von Heidelbeeren auf den Blutdruck an einer Gruppe von 48 postmenopausalen Frauen, bei denen der Blutdruck leicht erhöht war (Prä- oder Stadium 1-Hypertonie).

Die Teilnehmerinnen nahmen täglich ein Pulver aus 22 Gramm gefriergetrockneten Kulturheidelbeeren oder ein Placebo ein, sollten ansonsten jedoch ihren üblichen Tagesablauf nicht verändern.

Beim Start und am Ende der achtwöchigen Studiendauer wurde der Blutdruck bestimmt – er war der primäre Endpunkt der Studie.

Das Heidelbeerpulver reduzierte den systolischen Blutdruck um 7 mm Hg und den diastolischen Blutdruck um 5 mm Hg, während es in der Placebogruppe keine Veränderungen gab. Die Pulswellengeschwindigkeit, ein Marker für die Steifigkeit der Gefäße, verminderte sich um 97 cm/sec oder 6,5 Prozent. Die Serumkonzentration von Stickstoffoxid (NO), das in den Blutgefäßen eine erweiternde Wirkung hat, erhöhte sich von 9,1 auf 15,35 µmol/l oder um 68,5 Prozent. Eine reduzierte Pulswellengeschwindigkeit und ein gesteigerter NO-Wert könnten die günstigen Wirkungen der Heidelbeeren auf den Blutdruck erklären.

Die Studienresultate weisen darauf hin, dass die tägliche Einnahme von Heidelbeeren einen Beitrag zur Senkung des Blutdrucks leisten könnte. Und Johnson sieht Heidelbeeren als „functional food“, das sich möglicherweise langfristig zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen eignen könnte.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/61428/Heidelbeeren-senken-Blutdruck-in-kontrollierter-Studie

http://www.andjrnl.org/article/S2212-2672(14)01633-5/abstract

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessant an dieser Studie ist, dass sie eine Placebo-Kontrollgruppe enthält.

Ernährungsstudien sind sehr oft Beobachtungsstudien. Das heisst vereinfacht: Man protokolliert die Ernährungsgewohnheiten von zum Beispiel 5 000 Menschen über eine gewisse Zeit und untersucht später, welche Krankheiten sie entwickeln.

So kommen dann Meldungen zustande wie:

Beeren mit blauen Farbstoffen (Anthocyanen) schützen vor Parkinson

Aus solchen Beobachtungsstudien lässt sich aber nur das Zusammenfallen zweier Fakten – hoher Anthocyankonsum und tiefes Parkinsonrisiko – feststellen, nicht aber ein kausaler (= ursächlichen) Zusammenhang (= hoher Anthocyankonsum bewirkt tiefes Parkinsonrisiko). Es könnten immer unbekannte weitere Faktoren für das tiefere Parkinsonrisiko verantwortlich sein – zum Beispiel ein generell gesünderer Lebensstil von Leuten, die viel Beeren konsumieren.

Um einen ursächlichen Zusammenhang zu belegen braucht es Studien mit einer unbehandelten Kontrollgruppe. Um diesen Studientyp handelt es sich bei der Studie von Sarah Johnson. Doch auch hier gibt es Einschränkungen:

– Kleine Zahl der Teilnehmenden;

– Kurze Studiendauer (Bluthochdruck ist in der Regel ein Langzeitproblem);

– Die geringe Blutdruckreduktion und die verminderte Gefässsteifigkeit sind weiche Endpunkte, bei denen weitgehen offen bleibt, inwiefern Patienten davon profitieren würden. Harte Endpunkte wären zum Beispiel: Verminderung der tödlichen / nichttödlichen Schlaganfälle unter der Einnahme von Heidelbeerpulver. Um solche harten Endpunkte zu prüfen, wäre eine längere Studiendauer nötig.

Langfristige Doppelblindstudien mit grösseren Probandenzahlen sind im Ernährungbereich selten anzutreffen, weil sie aufwendiger und schwieriger durchzuführen sind als reine Beobachtungsstudien.

Teilnehmende Personen müssten sich dazu über lange Zeiträume einem Ernährungsregime unterwerfen.

Ich schreibe das auch, um damit aufzuzeigen, dass es sehr unterschiedliche Studientypen und unterschiedliche Qualitäten von Studien gibt.

Die Qualität und die Aussagekraft von Studien zu bewerten ist eine sehr komplexe Angelegenheit und ich selber fühle mich dazu nur sehr begrenzt in der Lage. Vor allem fehlt mit dazu statistisches Wissen.

Die Punkte, die ich oben als Einschränkungen aufgeführt habe, kann man aber auch als Laie sehen. Und es ist für Laien schon wichtig zu wissen, dass es grosse Unterschiede in der Aussagekraft von Studien gibt. Dadurch wird man sich bewusster, dass es noch nicht viel aussagt, wenn irgendwo geschrieben steht: „Eine Studie hat gezeigt…“.

Bezogen auf die Heidelbeerstudie der Florida State University würde ich also sagen: Interessant, dass das gemacht wurde, aber es bleiben noch viele Fragen offen (das kann man aber bei vielen Studien sagen).

Dass Anthocyane positive Effekte auf unsere Gesundheit haben, ist durchaus vorstellbar. Substanzen aus der Gruppe der Anthocyane hat es allerdings in vielen blauen und roten Früchte, zum Beispiel in schwarzen Johannisbeeren und Kirschen – und auch in anderen Pflanzen.

Beispiel:

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass Anthocyane günstig auf den Blutdruck wirken könnten.

Meinem Eindruck nach braucht es keinen „functional food“ auf der Basis von Heidelbeeren. Ich würde nicht auf eine einzige Pflanzenart setzen, sondern abwechselnd dafür sorgen, dass verschiedenfarbige Früchte und Gemüse im Speiseplan Platz haben – blaue, rote, gelbe.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Aspirin zur Vorbeugung von Krebs und Herzinfarkt?

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Täglich eingenommenes Aspirin (Acetylsalicylsäure, ASS) kann das Risiko für Herzinfarkt und manche Krebsarten reduzieren – wobei aber als Nachteil Blutungen auftreten können. Forscher haben nun Nutzen und Risiken neu bewertet und empfehlen die vorbeugende Einnahme.

Vielleicht lohnt sich aber auch hier der bewährte Grundsatz: Nachdenken vor Schlucken.

Denn die ASS-Tabletten müssen über viele Jahre regelmässig eingenommen werden, um vorbeugende Effekte zu erzielen.

Die Risikoverminderung lässt sich als relatives oder absolutes Risiko darstellen und das hinterlässt bei Leserinnen und Lesern sehr unterschiedliche Eindrücke.

 

Relatives Risiko:

„Die Hauptergebnisse: Wer täglich 75 bis 100 Milligramm ASS einnimmt, hat – statistisch gesehen – nach zehn Jahren ein um 35 Prozent reduziertes Darmkrebsrisiko (minus 40 Mortalität durch diese Krankheiten), die Gefährdung, an Speiseröhren- oder Magenkrebs zu erkranken sinkt um 30 Prozent. Die Sterblichkeit dadurch sinkt um 35 bis 50 Prozent.“

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1743702/

 

Das sieht nach einem dramatisch grossen Schutzeffekt aus.

Stellt man die Zahlen als absolutes Risiko dar, erscheint der Schutzeffekt plötzlich kleiner:

 

Absolutes Risiko:

„Auf 1.000 Personen, die bis zum 60. Lebensjahr täglich ASS einnehmen, würden 16 Todesfälle an Krebs, einer an Herzinfarkt vermieden. Dem stünden zwei zusätzliche Todesfälle durch Blutungskomplikationen gegenüber.“

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59655/ASS-Reduktion-des-Krebsrisikos-macht-Primaerpraevention-vorteilhaft

Absolutes Risiko:

„Am Beispiel von 100 Männern und 100 Frauen zeigen die Mediziner, was die ASS-Einnahme beginnend mit 55 Jahren – statistisch gesehen – für die nächsten 20 Jahre für Folgen hätte: Von 100 Männern würden 11,5 an Krebs sterben, Aspirin hin oder her. Allerdings könnten 1,5 der 100 Männer mithilfe des Medikaments vor dem Krebs gerettet werden. Der Schutz vor dem Herztod fällt geringer aus und liegt bei weniger als 0,25 verhinderten Todesfällen unter 100 Männern. In einer ähnlich niedrigen Größenordnung liegen die Risiken durch Aspirin, hauptsächlich bedingt durch die erhöhte Blutungsneigung, die zu Schlaganfällen und Magenblutungen führen kann. Diese Risiken steigen besonders bei Menschen jenseits der 70 an.“

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/arzneimittel-asprin-gegen-krebs-und-infarkt-1.2079032

 

Also: Wenn 100 Männer über 20 Jahre täglich Aspirin schlucken könnten von 11,5 Männern, die an Krebs sterben, 1,5 Männer dank Aspirin gerettet werden. Das ist nicht nichts und schon gar nicht für die 1,5 Männer, die davon profitieren. Aber es ist auch nicht gerade ein grosser Durchbruch.

 

Festzuhalten ist dazu noch, dass es bei diesen Zahlen um Primärprävention geht. Die Studienteilnehmer haben also noch keine Krebserkrankung bzw. keinen Herzinfarkt erlitten. Beim Herzinfarkt scheint die Sekundärprävention – also die Vorbeugung eines Zweitinfarktes nach einem Herzinfarkt, von der Studienlage her nicht umstritten. Für die Primärprävention mit ASS kam allerdings die Metaanalyse einer Forschergruppe an der St. George’s Universität in London 2012 zum Schluss, dass das Risiko den Nutzen überwiegt, und dass 120 Personen über sechs Jahre ASS einnehmen müssen, um ein Herz-Kreislauf-Ereignis zu vermeiden.

Siehe dazu:

Aspirin (ASS) für die Primärprävention von Herzinfarkt – mehr Risiko als Nutzen

 

Das „Ärzteblatt“ schreibt:

„Der Vorteil von ASS in der Primärprävention ist demnach denkbar gering, und einzelne Risikofaktoren, die das Blutungsrisiko erhöhen, könnten schnell zu einer negativen Bilanz führen. Dazu gehören beispielsweise Rauchen und der Konsum von Alkohol oder auch eine Infektion mit H. pylori. Wer ASS einnimmt, sollte deshalb tunlichst auf einen übermäßigen Alkoholkonsum und auf das Rauchen verzichten, rät Cuzick.“

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59655/ASS-Reduktion-des-Krebsrisikos-macht-Primaerpraevention-vorteilhaft

 

Und Werner Bartens stellt zu diesem Thema abschliessend fest:

„Allerdings muss erwähnt werden, dass die Tabletten viele Jahre regelmäßig genommen werden müssen, um den beschriebenen Effekt zu erreichen. Und dass die Euphorie der Autoren vielleicht eine Spur heftiger ausfällt, weil etliche von ihnen beratend für Bayer tätig sind.“

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/arzneimittel-asprin-gegen-krebs-und-infarkt-1.2079032

 

Originalstudie:

http://annonc.oxfordjournals.org/content/early/2014/07/30/annonc.mdu225.full?sid=2d2f4b88-d17a-4313-97ae-e4c7a26d3353

 

 

Wikipedia-Artikel zum Thema:

Relative und absolute Risikoreduktion

 

Kommentar & Ergänzungen:

Dass die Euphorie der Autoren vielleicht eine Spur heftiger ausfällt, weil etliche von ihnen mit dem Aspirin-Hersteller Bayer verbunden sind, passt gut zu diesem Beitrag:

Forschungsberichte oft übertrieben optimistisch formuliert

Es stellen sich aber noch ein paar andere Fragen:

Warum eigentlich gerade Aspirin zur Krebsprävention?

Da gibt es doch beispielsweise den Spruch „An apple a day keeps the doctor away“. Und es gibt ein paar Hinweise aus Tieruntersuchungen und Beobachtungsstudien, die zwar nicht beweisen, aber doch nahelegen, dass auch Äpfel einen krebspräventiven Effekt haben könnten:

„Was Epidemiologen bereits wissen: Menschen, die häufig Äpfel essen, erkranken seltener an Darm- und Lungenkrebs. Das haben zwei Forschungsstudien in Finnland und den USA vor einigen Jahren gezeigt. Ein deutlich vermindertes Krebsrisiko fanden die Forscher zwar nur, wenn sie die Teilnehmer, die von allen Untersuchten die meisten Äpfel verzehrten, mit totalen Apfel-Abstinenten verglichen. Außerdem beobachteten sie den schützenden Effekt bisher nur bei Frauen……….

Einen weiteren Hinweis darauf, dass Apfelesser seltener Krebs bekommen, liefern Tierversuche. Wissenschaftler haben gezeigt, dass Mäuse oder Ratten, die neben ihrem normalen Futter mit Extrakten aus Äpfeln, Apfelschalen oder Apfelsaft verköstigt werden, seltener Tumoren entwickeln. Die Tiere waren zuvor entweder mit krebserregenden Substanzen in Berührung gebracht worden oder es handelte sich um genetisch vorbelastete Arten, die ein höheres Krebsrisiko tragen. Bei den Tieren, die eine Nahrungsergänzung aus Äpfeln bekommen hatten, fanden die Forscher bis zu fünfzig Prozent weniger Tumoren als bei den Tieren mit gewöhnlicher Verköstigung. In anderen Versuchen hatten die Tiere mit der Apfeldiät zumindest deutlich kleinere Geschwülste als ihre normal fressenden Artgenossen. Ein japanisches Forscherteam fand zudem deutlich weniger Metastasen in Lunge und Lymphknoten, wenn den Tieren Apfelsaft zum Essen gereicht wurde. Der Effekt war bei trübem Apfelsaft deutlicher ausgeprägt als bei klarem. Die Forscher vermuten, dass dafür die Procyanidine verantwortlich sind – denn die sind im trüben Apfelsaft in viel größeren Mengen enthalten.“

Diese Sätze stehen nicht etwa in der „Glückspost“, sondern immerhin in der Zeitschrift des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Würde man ein paar Millionen in die Apfelforschung stecken, könnte man vielleicht auch fundiert zeigen, dass „an apple a day“ ein bisschen krebsprophylaktisch wirkt. Aber da investiert niemand ein paar Millionen.

Oder wie wärs mit Radieschen? – Die hab ich gern. Enthalten Glukosinolate (Senfölglykoside) ähnlich wie Brokkoli, und die könnten auch positive Effekte zeigen gegen Krebserkrankungen:

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

 

Ich glaub, ich probiers mal mit einem Radischen oder Apfel täglich als Prophylaxe (ohne Blutungsrisiko) – und verzichte bis auf weiteres auch in Zukunft auf Aspirin…..

Siehe auch:

Aspirin (ASS): Vorteil zur Krebsprävention unklar

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Leinsamen als Blutdrucksenker?

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Eine Ernährung reich an Leinsamen soll gemäss einer Studie den Blutdruck senken.

Leinsamen enthält einen hohen Anteil an gesunden Omega-3-Fettsäuren, vor allem Alpha-Linolensäure, sowie Ballaststoffe und Lignane, die eine potente Kombination zur Erhaltung der Herzgesundheit sein könnten. Hauptsächlich für Patienten mit hohem Blutdruck (Hypertonie) und Arteriosklerose – eine Kombination, die oft schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall auslöst, könnten von der gefäßerweiternden Wirkung einer gesunden Ernährung mit Leinsamen Vorteile erlangen.

Forscher untersuchten nun im Rahmen einer Doppelblindstudie (FLAX-PAD-Studie), ob der tägliche Konsum von 30 g geschrotetem Leinsamen über einen Zeitraum von sechs Monaten den Blutdruck von Arteriosklerose-Patienten reduzieren kann. Gut die Hälfte der 110 Testpersonen verzehrte täglich Nahrungsmittel, die jeweils 30 g Leinsamen enthielten. Der Ernährungsplan enthielt unter anderem Bagels, Muffins, Riegel, Brötchen, Pasta und Biskuits. Die andere Hälfte der Probanden nahm die gleichen Nahrungsmittel zu sich, die aber kein Leinsamen, sondern geschroteten Weizen enthielten. Im Verlauf der Studie wurden die Probanden angehalten, wegen einer möglichen Verzerrung des Resultate nicht mehr als zwei Fischmahlzeiten pro Woche zu sich zu nehmen. Die Befolgung dieser Vorgabe durch die Testpersonen wurde regelmäßig durch die Untersuchung des Blutplasmas auf Docosahexaensäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, überprüft.

Nach sechs Monaten zeigten die Messungen, dass der obere (systolische) Blutdruck in der Leinsamen-Gruppe im Mittel signifikant von 143 auf 136 mm Hg vermindert war, während die Werte sich in der Placebo-Gruppe sogar leicht erhöht hatten (von 142 auf 146 mm Hg). Auch hinsichtlich des unteren (diastolischen) Blutdrucks profitierten die Probanden in der Interventionsgruppe vom täglichen Konsum Leinsamen-haltiger Lebensmittel (Reduktion um rund 10 %). Bei den Probanden der Placebo-Gruppe veränderten sich diese Werte so gut wie nicht.

Der Studienleiter Dr. Rodriguez schlussfolgert, dass durch die Anreicherung des täglichen Lebensmittelverzehrs mit 30 g Leinsamen die Hälfte der Schlaganfälle und ein Drittel der Herzinfarkte vermeidbar wären.

Verantwortlich für die blutdrucksenkende Wirkung des Leinsamens machen die Forscher das synergistische Zusammenspiel der Wirkkomponenten Alpha-Linolensäure, Enterolignan, Ballaststoffe und Peptide. Den genauen Wirkmechanismus, die langfristigen Effekte und Vorteile einer mit Leinsamen angereicherten Ernährung für die Herzgesundheit müssen allerdings in weiteren Studien noch genauer untersucht werden.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/blutdrucksenker-leinsamen.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24126178

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21616170

Kommentar & Ergänzung:

Einen „ausgewachsenen“ Bluthochdruck wird man mit einer Leinsamen-Supplementation kaum unter Kontrolle bringen und Blutdrucksenker nicht vermeiden können. Nicht auszuschliessen wäre aber, dass sich über längere Zeit eingenommen damit eine Blutdrucksenkung erzielen lässt, die eine Reduktion der Medikamente möglich macht.

Auch bei einer grenzwertigen Hypertonie könnte eine Leinsamen-Zulage sinnvoll sein.

Wenn der Studienleiter schlussfolgert, mit 30 g Leinsamen pro Tag könnten ein Drittel der Herzinfarkte und die Hälfte aller Schlaganfälle vermieden werden, dann scheint mir das sehr optimistisch und es wäre wohl eine Nobelpreis-würdige Entdeckung, wenn es wirklich so wäre.

Schlussfolgern ist hier einfach, belegen schwierig.

Einen (Blutdruck-)Messwert zu verändern mag ja schön und gut sein. Entscheidender wäre aber der Zielpunkt, dass weniger Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall auftreten. Um so etwas zu belegen, müsste die Studie aber wohl deutlich länger andauern und mit einer deutlich grösseren Probandenzahl durchgeführt werden.

P. S. Wenn Sie die positiven Wirkungen von Leinsamen auf den Blutdruck nutzen möchten, müssen Sie – wie in der Studie – geschrotete Leinsamen verwenden. Aus ganzen Leinsamen werden keine Omega-3-Fettsäuren in den Organismus aufgenommen.

Aus geschroteten Leinsamen werden zudem Phytoöstrogene aus der Gruppe der Lignane aufgenommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Studie zeigt gutes Sättigungsgefühl mit Olivenöl

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Olivenöl ist nicht nur gesund und enthält zahlreiche ungesättigte Fettsäuren, es hat auch eine stark sättigende Wirkung. Zu diesem Resultat kommt ein deutsch-österreichisches Wissenschaftlerteam. Demnach sorgen gewisse Aromastoffe im Olivenöl dafür, dass der Blutzuckerspiegel nach einer Mahlzeit sich nur langsam wieder reduziert. Dadurch wird das Sättigungsgefühl verstärkt. Wie viele dieser günstig wirkenden Aromastoffe ein Olivenöl enthält, ist je nach Herkunft unterschiedlich, wie die Wissenschaftler berichten. In ihrer Untersuchung schnitten italienische Olivenöle am besten ab.

Fettreduzierte Lebensmittel liegen im Trend: Zahlreiche Menschen hoffen darauf, mit „Light“-Produkten ab- oder wenigstens nicht zuzunehmen. Deren Wirkung ist aber umstritten: Denn die Konsumenten nehmen mit „Light“-Produkten zwar weniger Energie auf, essen dafür jedoch häufig mehr, weil sie sich nicht satt fühlen. Ernährungsfachleute der Technischen Universität München (TUM) und der Universität Wien untersuchten nun, wie verschiedene Öle und Fette das Sättigungsgefühl beeinflussen.

Dazu nahmen die Wissenschaftlerteams vier verschiedene Speisefette detaillierter unter die Lupe: Schweineschmalz, Milchfett, Rapsöl und Olivenöl. Sie ließen zu diesem Zweck Testpersonen über drei Monate hinweg täglich 500 Gramm Magerjoghurt essen. Das zusätzlich zur normalen Kost konsumierte Milchprodukt war dabei jeweils mit einem der vier Fette angereichert.

Das Resultat war eindeutig. Den größten Sättigungseffekt habe das Olivenöl, sagt Peter Schieberle, Direktor der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie. Bei den Testpersonen mit Olivenölzusatz stellten die Forscher eine erhöhte Konzentration des Sättigungshormons Serotonin im Blut fest. Zudem beurteilten die Probanden den Olivenöl-Joghurt subjektiv als sehr sättigend. Bei den Testpersonen der Olivenöl-Gruppe blieben zudem auch der Körperfettanteil und das Körpergewicht stabil.

Das Resultat überraschte die Forscher, da Rapsöl und Olivenöl ähnliche Fettsäuren enthalten. Deshalb nahmen sie in einem anderen Versuch eine völlig andere Stoffklasse unter die Lupe: Die ebenfalls im Olivenöl vorkommenden Aromen. So bekamen die Versuchspersonen im zweiten Teil der Studie entweder Joghurt mit Aroma-Extrakten aus Olivenöl oder reinen Joghurt.

Das Resultat: Die Olivenöl-Aroma-Gruppe blieb bei ihrer üblichen Energieaufnahme, während die Kontrollgruppe mit reinem Joghurt auf ein Plus von 176 Kilokalorien pro Tag kam. Die Aroma-Probanden passten ihr Essverhalten also an – was der Kontrollgruppe offensichtlich nicht gelang. Zudem hatten die Versuchspersonen der Olivenölgruppe auch einen höheren Blutspiegel des Sättigungshormons Serotonin.

Aromastoffe wirken auf Blutzuckerspiegel

Doch wie lässt sich diese Differenz erklären? Die Wissenschaftler nehmen an, dass der Einfluss auf das Sättigungsgefühl entscheidend für die verminderte Energieaufnahme ist: Wie lange dieses Sättigungsgefühl nach dem Essen andauert, hängt neben anderen Faktoren vor allem vom Blutzuckerspiel ab. Je rascher er sinkt, das bedeutet, je schneller die Körperzellen Zucker aus dem Blut aufnehmen, desto schneller kommt das Hungergefühl zurück. Mit diesen Überlegungen im Hintergrund machten sich die Wissenschaftler an einen dritten Versuch, der klären sollte, welche Aromastoffe im Olivenöl die Zuckeraufnahme durch die Körperzellen am effektivsten verlangsamen.

Die Herkunft des Olivenöls scheint dabei wesentlich zu sein, denn je nach Ursprungsort finden sich unterschiedliche Zusammensetzungen der Aromen. So setzten die Wissenschaftler für ihre Tests Olivenöle aus Spanien, Griechenland, Italien und Australien ein. Dabei fanden sie zwei Inhaltstoffe, welche die Aufnahme von Glucose aus dem Blut in Leberzellen reduzierten: Hexanal und E2-Hexanal. Beide Aromastoffe sind hauptsächlich in italienischem Olivenöl zu finden. Die Wissenschaftler hoffen nun auf einen Nutzen ihrer Erkenntnisse für die Lebensmittelindustrie.

Sie haben nachgewiesen, dass Geschmackstoffe die Sättigung regulieren können und hoffen, dass die Resultate dazu beitragen, künftig wirkungsvollere fettreduzierte Lebensmittel mit unverändertem Sättigungseffekt zu entwickeln.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-15769-2013-03-15.html

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Ergebnisse. Dass „Light-Produkten“  in ihrer Wirkung fragwürdig sind, ist schon längere Zeit klar.

Zu Olivenöl siehe auch:

Zum Frittieren Olivenöl vorziehen

Olivenöl als wertvolles Nahrungsmittel

Mit Olivenöl der Schwimmbad-Otitis vorbeugen

Olivenöl: Schutzstoff für Rote Blutkörperchen entdeckt

Mittelmeerdiät: Vorteile für Herz und Hirn

Olivenöl gegen Colitis ulcerosa

Kann Olivenöl Schlaganfällen vorbeugen?

Alternativmedizin: Fragwürdige Gallensteinkur mit Olivenöl

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Schmerzmittel Diclofenac birgt Risiko

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Der Wirkstoff Diclofenac ist populär, birgt jedoch Risiken.

Wissenschaftler fragen sich daher, weshalb Ärzte trotzdem häufig noch Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Diclofenac verschreiben, obwohl eine harmlosere Alternative verfügbar ist.

Diclofenac kann Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen. Harmloser sei dagegen der Wirkstoff Naproxen, der viel seltener verschrieben wird. Die Forscher aus London und Toronto stellten fest, dass Diclofenac in 74 Ländern der Erde auf einer Liste der unentbehrlichen Arzneimittel steht. Auf solchen Listen finden sich Präparate, die stets in angemessener Form und zu einem bezahlbaren Preis verfügbar sein sollten. Naproxen dagegen sei nur in 27 Ländern auf dieser Liste.
Weshalb das so ist, haben die Wissenschaftler nicht untersucht oder herausgefunden. Sie verlangen jedoch, Diclofenac von diesen Listen zu streichen und die Mediziner besser zu informieren.

Die Studie des William-Harvey-Forschungsinstituts in London und der Universität Toronto wurde im Fachjournal „PLoS Medicine“ veröffentlicht.

(DOI: 10.1371/journal.pmed.1001388)

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=190393

Diclofenac ist in manchen Situationen zweifellos ein wirksames Medikament, doch sind auch die Risiken in den letzten Jahren zunehmend ins Blickfeld geraten.

Handelsnamen von Präparaten auf der Basis von Diclofenac:

„Das ursprüngliche Präparat der Firma Geigy trug und trägt den Namen ‚Voltaren’. Ferner sind im Handel: Agilomed (A), Algefit (A), Allvoran (D), Arthrex (D), Dedolor (A), Deflamat (A), Deflamm (A), Diclac (D), Diclo (D), Difene (A), Difen-Stulln (D, CH), Dolostrip (A), Dolpasse (A), Ecofenac (CH), Effekton (D), Effigel (CH), Fenisole (CH), Flam-X (CH), Flector (D, CH), Fortenac (CH), Inflamac (CH), Jutafenac (D), Monoflam (D), Olfen (CH), Pennsaid (A), Primofenac (CH), Relowa (CH), Rewodina (D), Sandoz Schmerzgel (D), Solaraze (D, A), Tonopan (CH), Tratul (A), Vifenac (CH), Voltaren (D, A, CH), Voltfast (CH), zahlreiche Generika (D, A, CH)“

(Quelle: Wikipedia)

Der Hinweis auf die weniger riskante Alternative Naproxen ist zwar interessant.

Ich bin aber auch immer ein bisschen vorsichtig, wenn für ein heikles Medikament eine angeblich weniger riskante alternative Angeboten wird. Ich erinnere mich noch gut daran, dass als Alternative zum nierenschädigenden Phenacetin über längere Zeit das „harmlosere“ Paracetamol empfohlen wurde. Es hat einige Jahre gedauert, bis auch das Risikopotential von Paracetamol – zum Beispiel Leberschäden vor allem bei Überdosierung – klarer wurde.

Vielleicht erwartet uns da bei Naproxen auch noch die eine oder andere Überraschung.

Zu den gegenwärtig bekannten möglichen Nebenwirkungen von Naproxen:

„ Nebenwirkungen können auftreten. Nachfolgend die wichtigsten:

Leber- und Nierenstörungen

Magen/Darm-Geschwüre

Übelkeit, Erbrechen

Hautreizungen (allg. Allergische Reaktionen wie beispielsweise Urtikaria)

Schwellungen im Gesicht

Asthma

Durchfall

Blutungen der Magenschleimhaut (können tödlich sein)

Zentralnervöse Störungen Benommenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen (Blitze vor dem Auge) Schwindel

Erhöhtes Risiko für Schlaganfall“

(Quelle: Wikipedia)

Aber als Alternative zu Diclofenac ist diese Substanz trotzdem interessant.

Handelsnamen von Präparaten mit Naproxen:

„Alacetan (D), Aleve (D, CH), Apranax (CH), Dolormin für Frauen (D), Dolormin GS (D), Dysmenalgit (D), Miranax (A), Mobilat Schmerztabletten (D), Naprobene (A), Proxen (D, A, CH), zahlreiche Generika (D, A, CH)“

(Quelle: Wikipedia)

Ob Diclofenac oder Naproxen:

Bei Medikamenten dieses Kalibers sollte der Grundsatz lauten: Nur wenn nötig, nicht länger als nötig, nicht höher dosiert als nötig.

Zu Diclofenac siehe zudem:

Schmerzmittel steigern Risiko für Herz-Rhythmus-Störung

Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen

Diclofenac-Vergiftung: Geierbestand in Indien erholt sich leicht

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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WHO-Empfehlung: Salzkonsum möglichst tief halten

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Ohne Salz funktioniert der Wasser- und Nährstoffhaushalt des menschlichen Organismus nicht. Doch ein zu hoher Salzkonsum ist ungesund.

Erwachsene sollten nicht mehr als fünf Gramm Salz täglich konsumieren. So lautet die neue Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf. In fünf Gramm (g) Salz sind 2000 Milligramm (mg) Natrium enthalten. In Deutschland haben Fachleute bislang empfohlen, nicht mehr als sechs Gramm Salz täglich einzunehmen.
Die WHO empfiehlt Erwachsenen zudem, mindestens 3510 Milligramm Kalium pro Tag aufzunehmen. Wer zu viel Natrium und zu wenig Kalium aufnimmt, läuft nämlich Gefahr, dass sein Blutdruck sich erhöht. Das steigere das Risiko von Herzerkrankungen und Schlaganfällen, den häufigsten Ursachen für Tod und Behinderung.

Viel Natrium steckt hauptsächlich in verarbeiteten Lebensmitteln und Fertigprodukten. Brot enthält gemäss den Angaben der  WHO etwa 250 mg Natrium pro 100 g, dieselben Mengen Schinken oder Popcorn rund 1500 mg und Sojasoße etwa 7000 mg. Auch unverarbeitete Lebensmittel enthalten Natrium, allerdings in kleinerem Maß, beispielsweise Milch oder Eier (etwa 50 beziehungsweise 80 mg pro 100 g).

Kaliumreich sind hauptsächlich Hülsenfrüchte (Erbsen und Bohnen etwa 1300 mg pro 100 g), Nüsse (zirka 600 mg pro 100 g) oder Gemüse wie Spinat oder Kohl (etwa 550 mg pro 100 g). Sobald Lebensmittel industriell verarbeitet werden, reduziert sich der Kaliumgehalt, schreibt die WHO.

Quelle:

http://www.cellesche-zeitung.de/website.php/website/story/342861

Kommentar & Ergänzung:

Keine Frage, dass vor allem Fertigprodukte eigentliche „Kochsalzbomben“ sind und dass der durchschnittliche Salzkonsum in Mitteleuropa ungesund hoch ist.

Wirklich notwendig ist eine Zufuhr von nur einem Gramm Kochsalz pro Tag.

Ein bisschen mehr Zurückhaltung beim Salzkonsum dürfte also sinnvoll sein.

Eine salzarme Ernährung bedeutet allerdings für viele Menschen eine große Umstellung. Viele Gerichte können jedoch auch ohne Salz ganz hervorragend schmecken. Zahlreiche pflanzliche Gewürze können das Salz überflüssig machen und häufig noch feiner und stärker als Salz wirken. Eine Vielfalt an Möglichkeiten bieten bereits Ingwer, Dill und Senf. Möglich ist auch das Würzen mit speziellen kochsalzsparenden Diätsalzen.

Es spricht allerdings auch einiges dafür, dass beim Thema Blutdrucksteigerung durch Kochsalzzufuhr nicht jeder Mensch gleichermassen empfindlich reagiert.

Jeder zweite Bluthochdruck-Betroffene reagiert auf eine salzarme Ernährung. Durch eine Reduktion der Kochsalzzufuhr auf etwa 5-6 g/Tag sinkt der Blutdruck bei diesen kochsalzsensitiven Personen etwa um 5 bis 8 mmHg.

Die These, dass Kochsalz generell für einen hohen Blutdruck mitverantwortlich ist, und darum unbedingt reduziert werden muss, wird deshalb heute in Frage gestellt. Bluthochdruck-Patienten sollten daher testen, ob sie zur kochsalzsensitiven Gruppe gehören.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Thromboembolie-Risiko: Frankreich nimmt Diane®-35 vom Markt

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Die französische Arzneimittelaufsicht (ANSM) hat entschieden, die Zulassung des oft als Verhütungsmittel verschriebenen Akne-Medikaments „Diane®-35“ (Bayer) zu sistieren. Die ANSM liess dazu verlauten, dass neue Daten ein vierfach erhöhtes Risiko von Thromboembolien zeigten. Zur Behandlung von Akne gebe es auch Alternativen. Die Behörde sieht allerdings eine Übergangszeit von drei Monaten vor, um den Patientinnen den Umstieg zu erleichtern.

Das Bayer-Medikament enthält eine Wirkstoffkombination aus Ethinylestradiol und Cyproteron und besitzt eine Zulassung zur Anwendung bei Frauen mit Akne, leicht verstärkter Körperbehaarung und bei Haarausfall. Weil Diane®-35 wegen der enthaltenen Hormone zudem eine empfängnisverhütende Wirkung hat, wird es aber auch als Antibabypille eingenommen. Damit einher geht allerdings das erhöhte Risiko von Thrombosen.

Die ANSM hatte ein Neubewertungsverfahren eingeleitet, nachdem in Frankreich vier Todesfälle mit der Einnahme des Medikaments in Zusammenhang gebracht wurden. Nun verkündete die Behörde als Resultat ihrer Überprüfung, dass das  Risiko den Nutzen überwiege. Sie beschloss deshalb die Aussetzung der Genehmigungen für das Inverkehrbringen des Akne-Mittels sowie seiner Nachahmerpräparate (Generika) nach Ablauf von drei Monaten.

Patientinnen sollten die Behandlung mit Diane®-35 nicht abrupt abbrechen, empfiehlt die Behörde, sondern die nächsten Schritte mit ihrem Arzt bzw. ihrer Ärztin besprechen. Bis zum nächsten Konsultation könnten sie weiterhin ihre gewohnte Behandlung fortsetzen.

Hersteller Bayer hatte am Sonntagabend in einer Erklärung betont, dass Diane 35 nur zur Behandlung von Akne verschrieben werden dürfe. Als Mittel zur Empfängnisverhütung werde das Präparat nicht empfohlen. Der Beipackzettel von Diane 35 weise zudem deutlich auf das Risiko einer Thrombose hin. Bei Thrombosen handelt es sich um Blutgerinnsel, die Lungenembolien und Schlaganfälle verursachen können.

Diane 35 ist weltweit in 135 Ländern zugelassen – auch in der Schweiz. Dass die Einnahme von Antibabypillen das Thromboserisiko steigern kann, ist grundsätzlich bekannt.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2013/01/30/dianeR-35-wird-in-frankreich-vom-markt-genommen/9311.html

http://bazonline.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Frankreich-verbietet-Antibabypille-Diane-35/story/30593041

Kommentar & Ergänzung:

Dass Medikamente, die stark in den Organismus eingreifen, auch ein grösseres Risiko für ernsthafte Nebenwirkungen mit sich bringen, geht manchmal etwas vergessen.

Dieses Risiko spricht nicht grundsätzlich und fundamental gegen stark eingreifende Medikamente, aber jeder gravierende Zwischenfall verdeutlicht, dass Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen und wenn möglich risikoärmere Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden müssen.

Dazu gehören in vielen Fällen auch Phytopharmaka.

Allerdings sollte man bezüglich „Naturmedizin“ nicht in Naivität schwelgen. Auch Pflanzenmedizin kann Nebenwirkungen auslösen, wenn auch bei fachlich sorgfältiger Anwendung selten in schwerem Ausmass.

Sehr kritisch betrachten würde ich komplementärmedizinische Präparate, die als gänzlich nebenwirkungsfrei angepriesen werden. Es spricht nämlich sehr viel dafür, dass auch keinerlei therapeutische Wirkung hat, was grundsätzlich und absolut frei von Nebenwirkungen sein soll.

Diese Einsicht hat es allerdings nicht leicht, den der Wunsch nach einem hochwirksamen, aber zugleich gänzlich sanften, risikofreien Heilmittel scheint sehr stark und weit verbreitet.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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„Weisses Obst und Gemüse schützt vor Schlaganfällen“

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Mit dieser Schlagzeile betitelt das Yahoo-Newsportal einen Bericht über Forschungen an der Wageningen Universität.

Obst und Gemüse zu konsumieren, ist bekanntermaßen gesund. Dabei spielt auch die Farbe der Früchte eine Rolle, denn an ihr sind gesunde Inhaltsstoffe wie etwa Carotinoide und Flavonoide zu erkennen. Einen Schutzeffekt gegen Schlaganfälle durch Quercetin, einem gelblichen Pflanzenfarbstoff, wollen jetzt niederländische Wissenschaftler entdeckt haben. Dieser Inhaltsstoff ist enthalten in weißlichen Früchten wie Äpfel, Birnen, Bananen, Zucchinis oder Blumenkohl.

Die Forscher von der Wageningen Universität befragten 20 069 Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren nach ihren Ernährungsgewohnheiten und verfolgten anschließend ihre Gesundheit über zehn Jahre. Keiner der Teilnehmer wies beim Start der Studie eine Herz-Kreislauferkrankung auf. Die von den Befragten konsumierten Gemüse- und Obstsorten wurden nach Farben unterteilt, also in grün, orange und gelb, rot und violett sowie weiß. Zu den grünen Sorten zählten beispielsweise Salate und viele Kohlarten, Zitrusfrüchte zählen zu orange-gelben Kategorie, Beeren und rotes Gemüse zur rot-violetten. Die weiße Gruppe besteht hauptsächlich aus Äpfel und Birnen. Im Verlaufe des zehnjährigen Untersuchungszeitraumes erlitten 233 Menschen der Studiengruppe einen Schlaganfall. Bei der Analyse der Ernährungsgewohnheiten zeigte sich laut des Forscherberichts im Fachmagazin „Stroke“, dass die Teilnehmer, die nahezu täglich weißes Obst und Gemüse konsumiert hatten, ein um neun Prozent tieferes Schlaganfallrisiko aufwiesen als jene, die weniger davon gegessen hatten. Wer viele weiße Früchte aß, besaß sogar ein um 55 Prozent reduziertes Hirninfarktrisiko.

Den andersfarbigen Obst- und Gemüsesorten konnten die Wissenschaftler keinen solchen Schutzeffekt zuschreiben. Dennoch sollten auch diese konsumiert werden, weil ihre Inhaltsstoffe gegen andere Erkrankungen schützen können.

Quellen:

http://de.nachrichten.yahoo.com/weißes-obst-und-gemüse-schützt-vor-schlaganfällen-123635269.html

http://stroke.ahajournals.org/content/early/2011/09/15/STROKEAHA.110.611152

Kommentar & Ergänzung:

Was genau ist Quercetin?

„Quercetin (von lateinisch quercus, Eiche) ist ein gelber Naturfarbstoff der in vielen Pflanzen, wie der Färbereiche oder im Apfel vorkommt. Ebenso ist es im Wein enthalten. Da Quercetin hauptsächlich in der Traubenschale vorkommt, sind die Gehalte in Rotweinen höher als im Weißwein. Daneben trägt auch eine Holzfasslagerung zum Quercetingehalt bei, da die Substanz während der Lagerung langsam vom Holz in den Wein übergeht.

Das Polyphenol Quercetin ist ein Flavonoid und zählt zur Untergruppe der Flavonole; es ist ein Pentahydroxyflavon. Es ist weit verbreitet im Pflanzenreich und somit auch in der Nahrung. Große Mengen an Quercetin können in Zwiebeln, Äpfeln, Brokkoli oder grünen Bohnen gefunden werden, die je nach Art der Zubereitung teilweise zerstört werden. Auch durch das Schälen von Obst und Gemüse sinkt der Flavonoid-Anteil drastisch, denn speziell in den farbigen Schalen (Flavonoide sind Pflanzenfarbstoffe) ist der Flavonoidgehalt hoch. Quercetin werden weitreichende, physiologisch positive Effekte zugesprochen. Hervorzuheben ist dabei die antikarzinogene Wirkung, welche hauptsächlich auf das antioxidative Potential zurückzuführen ist. Quercetin wirkt wie die Vitamine A, C und E als Radikalfänger, der genaue Ablauf der Oxidations-Inhibierung in vivo wird allerdings noch diskutiert.“

(Quelle: Wikipedia)

Möglicherweise ist der Titel „Weisses Obst und Gemüse schützt vor Schlaganfällen“ etwas irreführend, weil die entscheidenden Flavonoide vor allem in den bunten Schalen zu finden sind.

Die Wissenschaftler weisen in ihrer Publikation abschliessend darauf hin, dass es noch zu früh sei, gefährdeten Patienten Empfehlungen abzugeben. Weitere Forschungsarbeiten seien nötig, um den Vorteil von Äpfeln und Birnen gegenüber anderem Obst zu bestätigen.

Wo kommt Quercetin vor?

„Einen hohen Gehalt an Quercetin findet man in

Kapern (1800 mg/kg)

Liebstöckel (1700 mg/kg)

Tee (Camellia Sinensis)

Zwiebeln – besonders in den äußersten Ringen

(284–486 mg/kg)

Heidelbeeren (kultiviert 74 mg/kg, wild 146–158 mg/kg)

Grünkohl (60–110 mg/kg)

Roten Trauben

Äpfeln (21–440 mg/kg)

Schnittlauch (245 mg/kg)

Zitrusfrüchten

Brokkoli (30 mg/kg) und anderem grünen Blattgemüse

grünen Bohnen (39 mg/kg)

Kirschen (32 mg/kg)

Himbeeren

schwarzen Johannisbeeren (69 mg/kg)

Brombeeren (45 mg/kg)

Preiselbeeren (kultiviert 83–156 mg/kg, wild 121 mg/kg)

der Süßen Eberesche (85 mg/kg)

Sanddorn (62 mg/kg) und Krähenbeeren (kultiviert 53 mg/kg, wild 56 mg/kg).

Eine 2007 durchgeführte Studie ergab, dass Tomaten aus biologischem Anbau 79 % mehr Quercetin enthielten als bei konventionellem Anbau.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kann Olivenöl Schlaganfällen vorbeugen?

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Die grosszügige Verwendung von Olivenöl in der Küche kann bei älteren Menschen möglicherweise das Schlaganfallrisiko reduzieren. Das zeigt eine Beobachtungsstudie, die in „Neurology“ (2011, doi: 10.1212/WNL.0b013e318220abeb) publiziert wurde. Die Etude des Trois Cités (Etude 3C) begleitet eine Gruppe von mehr als 9.200 Senioren aus den drei Städten Bordeaux, Dijon und Montpellier. Beim Start der Studie hatten die Teilnehmer Auskunft über ihre Lebensgewohnheiten gegeben.

Dazu gehörte unter anderem die Frage, ob sie in der Küche Olivenöl verwenden und wenn ja, für welchen Zweck. Als intensive Nutzer wurden jene Senioren eingestuft, die Olivenöl nicht nur als Salatdressing nutzten, sondern auch als Kochfett und beim Brotaufstrich. In dieser Gruppe traten 41 Prozent weniger Schlaganfälle auf, wie Cécilia Samieri vom Forschungsinstitut INSERM in Bordeaux berichtet. Insgesamt kam es in der Nachbeobachtungszeit von 5,35 Jahren zu 148 Schlaganfällen.

Da auch Blutproben der Senioren zur Verfügung standen, konnte Samieri ihre Hypothese von einer vorbeugenden Wirkung des Olivenöls durch die Bestimmung der Oleinsäurekonzentration im Blut untermauern. Senioren im oberen Drittel der Serumwerte hatten ein um 73 Prozent reduziertes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.
Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46275/Olivenoel_koennte_Schlaganfaellen_vorbeugen.htm

http://www.neurology.org/content/early/2011/06/15/WNL.0b013e318220abeb.abstract?sid=8f72224f-1ed1-4366-9f0b-f2f600b6fd3a

Kommentar & Ergänzung:

Im „Ärzteblatt“ werden bei solchen Studien oft sehr gut auch die Schwachpunkte kommentiert. So auch hier:

„Wie immer in Beobachtungsstudien ist ein Beweis schwer zu führen, auch wenn die Autorin sich bemüht hat, den Einfluss anderer etablierter Schlaganfall-Risikofaktoren wie körperliche Inaktivität und Übergewicht zu berücksichtigen.

Der Editorial Nikolaos Scarmeas von der Columbia Universität in New York hält es nicht für ausgeschlossen, dass der Effekt dadurch zustande kommt, dass Olivenöl benutzt werde, um den Geschmack anderer gesunder Nahrungsmittel zu verbessern.

Unklar bleibt auch, ob die Konsumenten das teure Vierge Extra verwenden müssten, das in Frankreich zu 98 Prozent benutzt wird oder ob auch billigeres Öl eine Wirkung hätte. Für letzte Gewissheit könnte nur eine klinische Studie sorgen, die sich aber in Ernährungsfragen nur schwer realisieren lässt.“

Solche Studien können nur Hinweise geben auf Zusammenhänge, aber diese Zusammenhänge nicht „wasserdicht“ belegen. Tatsächlich ist nicht auszuschliessen, dass andere Faktoren, die gleichzeitig mit hohem Olivenölkonsum auftreten, für die Wirkung verantwortlich sind – beispielsweise eine generell gesündere Ernähung oder Lebensweise.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wichtiger Unterschied zwischen der Wirkung und dem Nutzen eines Medikaments

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Die Wirkung eines Medikaments und sein Nutzen werden immer wieder verwechselt oder gleich gesetzt. Dabei ist dieser Unterschied  sehr bedeutsam.

Markus Bill hat ihn auf Spiegel Online prägnant auf den Punkt gebracht:

„Wenn ein neues Medikament auf den Markt kommt, unterscheiden Mediziner zwischen Wirksamkeit und Nutzen. Ein Cholesterinsenker zum Beispiel ist dann wirksam, wenn er die Blutfettwerte senkt und seine Nebenwirkungen sich in Grenzen halten.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, wird das neue Medikament zugelassen. Der Nutzen dagegen zeigt sich oft erst später: Er tritt dann zutage, wenn Patienten tatsächlich weniger Herzinfarkte oder Schlaganfälle bekommen als ohne das Präparat – oder wenn sie schlicht länger leben.

Doch der Zusammenhang zwischen Wirksamkeit und Nutzen existiert häufig gar nicht. Manchmal verbessern sich zwar Cholesterinwerte, Blutdruck oder das Wachstums eines Tumors wird gebremst – den Patienten geht es aber trotzdem nicht besser. Sie leben nicht länger, sie bekommen genauso häufig Herzinfarkte oder Schlaganfälle wie ohne das Präparat. Es haben sich also nur die messbaren Werte geändert – sonst nichts. Solche Präparate verfügen über keinen „patientenrelevanten Nutzen“, wie die Fachleute sagen.

Pharmakonzerne stellen dagegen gern die Wirksamkeit ihrer Pillen in den Vordergrund, die Nutzendebatte mögen sie nicht besonders. Hintergrund: Unabhängige Wissenschaftler entdecken häufig, dass viele angebliche Neuheiten zwar im Körper wirken, aber keinen Vorteil gegenüber bisherigen Präparaten haben. Es handelt sich also um ‚Scheininnovationen’.“

Quelle:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,719507,00.html

Kommentar & Ergänzung:

Und solche Scheininnovationen sind oft sehr viel teurer als die bisher verwendeten Produkte…….

Ich pflege kein „Feindbild Pharmaindustrie“, wie es im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde nicht selten vorkommt. Solche Feindbilder sind dumm und führen zu  sehr einseitigen Wahrnehmungen  und Interpretationen.

Das simple Feindbild Pharmaindustrie abzulehnen heisst aber nicht Kritiklosigkeit. Es gibt immer wieder Punkt, an denen konkrete Kritik bezüglich der Vorgänge in dieser Branche notwendig ist. Der Artikel von Spiegel Online schildert im Weiteren den problematischen Einfluss der Pharma-Lobby auf die Gesetzgebung in Deutschland.

Die Diskussion um Wirksamkeit und Nutzen eines Medikamentes  ist im Übrigen natürlich auch nötig für Produkte aus dem Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Phytotherapie.

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