Beiträge

Baldrian gegen Schlafstörungen erst nach zwei Wochen wirksam

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Zitat aus einer dpa-Meldung:

„Wer leichte Schlafstörungen natürlich behandeln möchte, braucht etwas Geduld. Baldrian entfaltet seine volle Wirkung erst nach bis zu zwei Wochen, schreibt die Landesapothekerkammer Hessen in einer Mitteilung.

Im Gegensatz zu chemischen Schlaf- und Beruhigungsmitteln mache Baldrian allerdings nicht süchtig.“

Quelle:

https://de.nachrichten.yahoo.com/gegen-schlafstörungen-wirkt-baldrian-nach-etwa-zwei-wochen-030000824.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Schaut man sich die Ergebnisse klinischer Studien an, spricht tatsächlich viel dafür, dass Baldrianpräparate erst nach etwa zwei Wochen besser wirken als Placebo.

Allerdings wurde Baldrianextrakt in den Studien in geruchfreier Form verabreicht (Kapseln, Dragees). Nur so lässt sich die Verblindung gewährleisten, die dafür sorgt, dass die Probanden nicht wissen, ob sie Baldrianextrakt bekommen oder Placebo. Die sichere Verblindung ist ein zentrales Kriterium für die Qualität einer Studie.

Denkbar wäre jedoch, dass die Anwendung als Baldriantee oder Baldriantinktur einen schlaffördernden Effekt über die Duftebene auslöst – und das wäre dann ein rasch eintretender Effekt. Geklärt ist das aber nicht.

Die Empfehlung der Landesapothekerkammer Hessen für eine längerdauernde Anwendung von Baldrian deckt sich mit den Angaben in der Phytotherapie-Fachliteratur, sie widerspricht aber der landläufigen Verwendung in der Bevölkerung. Dort wird Baldrian meistens sehr punktuell eingesetzt, wenn jemand gerade nicht einschlafen kann.

Wer das volle Potenzial von Baldrianpräparaten ausschöpfen will, sollte sich aber die Empfehlungen der Landesapothekerkammer und der Phytotherapie-Fachliteratur zu Herzen nehmen.

Baldrian hilft nicht bei jeder Schlafstörung. Dass er nicht süchtig macht und auch keine erhöhte Sturzgefahr mit sich bringt sind aber beachtenswerte Vorteile.

Siehe dazu:

Schlafmittel: Sturzrisiko auch mit Nicht-Benzodiazepinen

Pflanzliche Schlafmittel: Weder Hang-over noch Entzugssymptome

Phytotherapie: Baldrian bei Schlafstörungen

Baldrian als verträgliche Schlafhilfe für Senioren bestätigt

Schlafmittel begünstigen Stürze älterer Menschen

Süchtig nach Schlafmitteln: Phytotherapie bietet gesunde Alternativen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Diesen Artikel teilen:

Hopfen bei Schlafstörungen

Diesen Artikel teilen:

Die österreichische Zeitung „Kurier“ berichtet über Kräuter gegen Schlafstörungen.

Zum Stichwort „Hopfen“ heisst es da:

„Stammt von den Hanfgewächsen ab und kommt, wie der Baldrian, auf feuchtem Boden im Halbschatten vor. Einen Aufguss von Hopfenblüten und Tinkturen zur Förderung eines gesunden Schlafes kann man selber herstellen. Hopfen regt auch die Verdauung an.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/die-fuenf-besten-schlafkraeuter/252.547.803

Kommentar & Ergänzung:

Die Formulierung „Stammt von den Hanfgewächsen ab“ ist etwas sonderbar. Hopfen gehört zur Pflanzenfamilie der Hanfgewächse (Cannabaceae), die beinahe weltweit verbreitet ist. Sie umfasst etwa 170 Pflanzenarten in etwa elf Gattungen, darunter die Gattungen Hanf (Cannabis) und Hopfen (Humulus).

Hopfen (Humulus lupulus) wächst als Kletterpflanze gerne in Auenwäldern. Wer Hopfen in der Natur kennenlernen möchte, kann das zum Beispiel auf meinen Kräuterwanderungen in die Rheinschlucht (Graubünden), in die „Petite Camargue“ bei Basel und in die Thurauen am Zusammenfluss von Rhein und Thur zwischen den Kantonen Zürich und Schaffhausen.

Hopfen ist zweihäusig – das heisst, es gibt weibliche und männliche Hopfenpflanzen. Nur die weiblichen Hopfenpflanzen entwickeln Blütenstände (Hopfenzapfen), die zur Bierproduktion und als Heilpflanze verwendet werden.

Hopfentee als Aufguss von Hopfenblüten lässt sich tatsächlich gut selber herstellen. Er enthält allerdings starke Bitterstoffe und wird darum nicht gerade von vielen Menschen gerne getrunken.

Hopfentinktur ist dem Hopfentee bezüglich Wirkstoffgehalt unterlegen.

Eine weitere Anwendungsform ist das Hopfenkissen als Einschlafhilfe. Am häufigsten zum Einsatz kommt aber Hopfenextrakt in Kombination mit Baldrianextrakt (in der Schweiz als Redormin®), oder in Kombination mit Passionsblume oder Melisse.

Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) hat eine Kombination von Hopfen und Baldrianwurzel in Form von Trockenextrakten zur Besserung von Schlafstörungen als „medizinisch allgemein anerkannt“ (well established use“) akzeptiert.

ESCOP und Kommission E bestätigen als Anwendungsgebiete von Hopfen Unruhe, Angstzustände und Schlafstörungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Diesen Artikel teilen:

Baldrian bei Schlafstörungen

Diesen Artikel teilen:

Die österreichische Zeitung „Kurier“ berichtet über Kräuter gegen Schlafstörungen.

Zum Stichwort „Baldrian“ heisst es da:

„Er gehört zur Familie der Baldriangewächse und wächst im Halbschatten auf feuchtem Boden. Das Kraut hat eine sehr entspannende Wirkung, wenn man die Wurzel als Tee zu sich nimmt oder in ein Baldrian-Bad steigt. Baldrian verbessert auch die Tiefe des Schlafs. Das ist aber nicht die einzige Wirkung von Baldrian, ganz im Gegenteil, die Pflanze wirkt herzberuhigend, krampflösend, schmerzstillend und gegen Blähungen.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/die-fuenf-besten-schlafkraeuter/252.547.803

Kommentar & Ergänzung:

Das ist nicht gerade falsch, aber auch nicht sehr genau.

Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) hat für Baldrianwurzel die Anwendung zur Besserung leichter nervöser Anspannung und bei Schlafstörungen als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established medicinal use“) akzeptiert. Das HMPC) ist auf europäischer Ebene für die Beurteilung der Zulassung pflanzlicher Arzneimittel (Phytopharmaka) zuständig.

Weniger gut belegt oder gar nicht belegt sind die erwähnten herzberuhigenden, krampflösenden, schmerzstillenden und blähungswidrigen Wirkungen. Eine krampflösende Wirkung konnte zum Beispiel für den isolierten Inhaltsstoff Valerensäure gezeigt werden, doch lässt sich dieses experimentelle Resultat nicht so einfach auf die Anwendung von Baldrian als ganzes Wirkstoff-„Team“ übertragen.

Wichtig scheint mir aber noch ein anderer Aspekt: Es genügt nicht festzustellen, dass Baldrian entspannend wirkt und „die Tiefe des Schlafs“ verbessert. Mindestens so wichtig sind in der Phytotherapie genauere Angaben zur geeigneten Anwendungsform und zur Dosierung.

Eine Möglichkeit ist der erwähnte Baldriantee. Zubereitung: 1 bis 2 Teelöffel geschnittene Baldrianwurzeln mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergießen und bedeckt stehen lassen. Nach 10 bis 15 Minuten absieben. Mehrmals täglich eine Tasse trinken. Baldriantee ist allerdings geschmacklich sehr gewöhnungsbedürftig.

Baldriantinktur wird oft verwendet, ist aber auch in der üblicherweise empfohlenen Dosierung von einem Teelöffel als Einzeldosis bezüglich Wirkstoffgehalt unterdosiert, da in der Tinktur die Inhaltsstoffe der Baldrianwurzel im Verhältnis von ca. 1 : 5 verdünnt vorliegen.

Beim erwähnten Baldrianbad (100g Baldrianwurzel pro Vollbad) kommt nur das ätherische Baldrianöl allenfalls via Inhalation zur Wirkung, während nichtflüchtige Wirkstoffe wie zum Beispiel die Lignane wegen mangelnder Aufnahme keine Effekte erzeugen können.

Klinische Studien gibt es insbesondere mit lipophilen Baldrianextrakten in einer Dosis von etwa 600 mg pro Tag.

Die klinischen Studien mit Extraktpräparaten weisen darauf hin, dass eine schlaffördernde Wirkung von Baldrian erst nach etwa 14 Tagen zu erwarten ist. Bei Badriantee, Baldriantinktur und Baldrianbad könnte allerdings ein rascherer Effekt über die Duftebene ausgelöst werden (ätherisches Baldrianöl). Duftwirkungen treten schnell ein, weil sie direkt im Limbischen System ansetzen.

Baldrianextrakt wird oft kombiniert mit Hopfenextrakt.

Dass Baldrian als Schlafhilfe verwendet wird, ist im Übrigen sehr vielen Leuten bekannt. Wie die Pflanze aussieht und wo sie wächst, wissen aber leider nur wenige. Auf vielen meiner Kräuterwanderungen können Sie Baldrian in Natura kennenlernen, zum Beispiel in der „Petite Camargue“ bei Basel am 20. Mai 2017. Zur Ausschreibung hier: Kräuterwanderung Petite Camargue bei Basel.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Manager bevorzugen pflanzliche Schlafmittel

Diesen Artikel teilen:

Jede dritte deutsche Führungskraft konsumiert zumindestens ab und zu Schlafmittel. Zu diesem Resultat kommt eine Umfrage der Regensburger R-und-K-Marktforschung im Auftrag der Max-Grundig-Klinik in Bühl. 1000 Führungskräfte verschiedener Hierarchiestufen nahmen an der Umfrage teil, wobei Mitarbeiter von Unternehmen verschiedener Größen, Branchen und Regionen vertreten waren.

33 Prozent der Befragten erklärten, ab und zu Schlafmittel zu verwenden. Beim überwiegenden Teil von ihnen (29 Prozent) geschieht dies allerdings nur selten. 4 Prozent sagten, dass sie die Mittel regelmäßig einnehmen. Dabei kommen chemische Präparate allerdings nicht häufig zum Zug: 96 Prozent der befragten Führungskräfte sagten aus, dass sie keine chemischen Schlafmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen verwenden und auch keine sedierenden Antidepressiva wie Doxepin, Mirtazapin oder Amitryptilin. Nur 2 Prozent der Befragten nehmen diese Präparate gelegentlich ein, 1 Prozent oft und 1 Prozent immer.

Stattdessen greifen Managerinnen und Manager vielfach zu pflanzlichen Beruhigungsmittel – und zwar 21 Prozent gelegentlich, 11 Prozent häufig und 5 Prozent immer. Der weitgehende Verzicht auf harte Substanzen sei ein gutes Zeichen, sagt dazu Henning Hager, Leitender Arzt der Psychosomatischen Medizin an der Max-Grundig-Klinik. Er weist darauf hin, dass aus ärztlicher Sicht chemische Präparate nur im Notfall angewendet werden sollten.

Dass über ein Drittel der deutschen Führungskräfte regelmäßig auf pflanzliche Beruhigungsmittel zurückgreife, sei aber ein deutlicher Hinweis, dass viele von ihnen mit Stress und mangelndem Schlaf nicht zurechtkämen.

Auf die Frage, welche pflanzlichen Schlafmittel sie kennen, nannten 87 Prozent der befragten Führungskräfte Baldrian, 75 Prozent Hopfen, 51 Prozent Lavendel, 47 Prozent Johanniskraut und 31 Prozent Passionsblume. Neben pflanzlichen Beruhigungsmitteln setzt außerdem jede vierte befragte Person (28 Prozent) auf Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Meditation.

Hager bewertete das Resultat der Umfrage positiv, vor allem die Tatsache, dass die Mehrheit der Befragten vertretbare pflanzliche Mittel zum Schlafen einsetze. Er empfiehlt, diese Mittel ausreichend hoch zu dosieren und langfristig einzunehmen: Schnelle Erfolge seien bei Einmalgabe nicht erreichbar. Auch sollten Personen mit Schlafproblemen vor dem Zubettgehen keinen Alkohol und kein schweres Essen einnehmen, keinen Hochleistungssport ausüben und keine Konfliktgespräche führen. Auch bläuliches LED-Licht vor dem Schlafengehen sei kontraproduktiv, weshalb Hager dazu rät, eine Stunde vor dem Schlafengehen auf die Benutzung von Laptop und Smartphone verzichten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=65926

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Umfrage. Vernünftige Stellungnahme des Psychosomatikers aus der Max-Grundig-Klinik.

Wiederkehrende Schlafstörungen können durch unterschiedlichste Ursachen ausgelöst werden. Falls möglich sollten diese Ursachen identifiziert und angegangen werden. Dazu sind in der Regel hauptsächliche nichtmedikamentöse Massnahmen sinnvoll und nötig.

Sollen trotzdem Arzneimittel zur Anwendung kommen, sind pflanzliche Präparate wegen ihrer ausgesprochen guten Verträglichkeit eine sinnvolle Option. Das scheinen also auch die befragten Manager gemerkt zu haben.

Mich erstaunt allerdings, dass bei diesen Führungskräften Baldrian, Hopfen, Lavendel, Johanniskraut und Passionsblume als Schlafmittel so bekannt sein sollen. Da müsste man mehr darüber wissen, wie die Fragen gestellt wurden. Aufzählung vorgegebener Antworten zum ankreuzen? So frei aus dem Kopf heraus kann ich mir vorstellen, dass den Befragten Baldrian in den Sinn kommt, kaum aber zum Beispiel Passionsblume.

Johanniskraut würde ich im Übrigen zu den Antidepressiva zählen und nicht zu den Schlafmitteln.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Diesen Artikel teilen:

Lavendel zur Duftpflanze des Jahres 2016 gewählt

Diesen Artikel teilen:

In Österreich hat eine Berufsgruppen-Vereinigung für gewerbliche Aromapraktiker/innen und Aromapflege-Fachkräfte den Lavendel zur Duftpflanze des Jahres 2016 gewählt. Aus diesem Anlass berichtet „Die Presse“ über den Lavendel. Zitat:

„Ätherisches Lavendelöl hat mehr als 300 verschiedene aktive Moleküle und daher viele verschiedene Wirkungen. Echter Lavendel (als Tee, Duftkissen oder ätherisches Öl) beruhigt, wirkt harmonisierend, entspannend und ausgleichend. Das haben mittlerweile etliche wissenschaftliche Studien bestätigt.“

Zu Wort kommt in dem Text auch Reinhard Länger von der Ages Pharm-Med Medizinmarktaufsicht, ein profunder Kenner der Phytotherapie:

„Der echte Lavendel, Lavandula angustifolia, ist gemäß europäischem Arzneibuch die Stammpflanze für Lavendelblüten und Lavendelöl. Experimentell konnten antibakterielle, krampflösende und entzündungshemmende Effekte beobachtet werden.“

Lavendelblüten und Lavendelöl bei Unruhezuständen und zur Erleichterung des Einschlafens und Durchschlafens verwendet. Neue klinische Studien haben ausserdem gezeigt, dass Lavendelöl nach der Einnahme in Kapselform Ängste lindern kann. Reinhard Länger sagt dazu: „Standardisierte Arzneimittel mit Lavendelöl erweisen sich bei innerlicher Anwendung in Bezug auf die angstlösende und schlaffördernde Wirkung als gleich effektiv wie chemisch-synthetische Wirkstoffe.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/4930152/Ein-Duft-der-beruhigt?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Lavendelöl und Lavendelblüten werden sowohl in der Aromatherapie als auch in der Phytotherapie gerne eingesetzt bei Schlafstörungen und Unruhezuständen.

Die Phytotherapie verwendet ausschliesslich Lavendelöl aus Lavandula angustifolia, dem Echten Lavendel, so wie es im Europäischen Arzneibuch vorgeschrieben ist. Das Lavendelöl aus dem Echten Lavendel ist am besten untersucht und am besten dokumentiert bezüglich Wirksamkeit und Sicherheit.

Das Lavendelöl nach Arzneibuch ist als Arzneimittel zugelassen und wird in Apotheken und (in der Schweiz) Drogerien offen verkauft.

Die Aromatherapie setzt auch andere Lavendelöle aus anderen Lavendelarten ein, zum Beispiel:

– Lavandin (Lavandula hybrida – Kreuzung aus Lavandula angustifolia und Lavandula latifolia). Dieser Hybrid-Lavendel ist in der Herstellung wesentlich ergiebiger als echter Lavendel und sein Öl deshalb auch preisgünstiger. Lavandin wirkt aber nicht beruhigend und kann wegen seinem Gehalt an Kampfer sogar eher anregende Effekte auslösen.

– Schopflavendelöl (Lavandula stoechas). Eine Unterart des Schopflavendels ist der Grüne Lavendel (Lavandula viridis). Lavendelöl aus dem Grünen Lavendel wurde in Portugal gegen Hautpilze untersucht und zeigte dabei gute Wirkungen.

Siehe dazu:

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

– Speik-Lavendel (Lavandula spicata, Lavandula latifolia) enthält ebenfalls Kampfer. Speik-Lavendelöl wird als Insektenbekämpfungsmittel und in der Tiermedizin eingesetzt.

Wie schon erwähnt, setzt die Phytotherapie Lavendelöl nicht nur inhalativ bei Schlafstörungen ein, sondern auch innerlich in Kapselform gegen leichtere Angststörungen (Präparat Lasea®).

Siehe dazu:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln (Lasea®) bei Angststörungen

Darüber hinaus werden Lavendelblüten bzw. Lavendelöl auch eingesetzt als Lavendelsäckchen oder Lavendelbad.

Lavendelöl eignet sich zudem für Einreibungen gemischt mit fetten Ölen (zum Beispiel Mandelöl).

P.S.:

Ausführlichere Informationen über Lavendelöl finden Sie in der Broschüre:

Ätherische Öle in der Pflege 

Grundlagenwissen über ätherische Öle und Anwendungen von Lavendelöl.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Phytopharmaka bei Schlafstörungen

Diesen Artikel teilen:

Die „NZZ am Sonntag (21. 2. 2016) veröffentlichte einen Artikel zum Thema „Besser schlafen“. Dabei kommen auch pflanzliche Schlafmittel zur Sprache:

„Bei leichten Schlafstörungen können Phytopharmaka versucht werden. Dazu gehören Baldrian, Lavendel, Hopfen und Melisse. Die Effekte treten allerdings erst nach rund zwei Wochen ein. Bei Frauen ist daran zu denken, dass die Medikamente nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden dürfen.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Angaben müssen präzisiert werden. Bei Baldrianextrakt sieht man in klinischen Studien, dass die Baldrian-Gruppe erst nach etwa 14 Tagen besser schläft als die Placebo-Gruppe. Jedenfalls spricht einiges dafür, dass man das volle Potenzial von Baldrianextrakt erst ausnutzt, wenn man ihn über eine gewisse Zeit einnimmt.

Auch bei anderen Extrakten scheint mir eine kurzfristig eintretende schlafanstossende Wirkung unwahrscheinlich – zum Beispiel bei Melissenextrakt und Hopfenextrakt. Anders sieht es aber aus, wenn ätherische Öle über die Duftebene zur Anwendung kommen (Lavendelöl, Melissenöl). Düfte wirken über Geruchsrezeptoren und Geruchsnerven direkt ins Limbische System. Da kann eine Wirkung schon in wenigen Minuten eintreten. Ein solcher Dufteffekt könnte möglicherweise auch bei Baldriantinktur oder Baldriantee zu einer kurzfristig eintretenden Wirkung führen.

Denn bei den klinischen Studien, bei denen eine Wirkung erst nach etwa 14 Tagen eingetreten ist, wurde der Baldrianextrakt in Kapseln oder Dragees verabreicht. Der Duft war dort also eliminiert.

Auch der oft als Schlaftee verwendete Orangenblütentee wirkt möglicherweise über die Duftebene. Studien zur Wirksamkeit von Orangenblütentee fehlen allerdings.

Zu diskutieren wäre auch der Hinweis, dass Phytopharmaka gegen Schlafstörungen nicht während der Schwangerschaft eingenommen werden sollen.

Generell ist Zurückhaltung bei der Anwendung auch von pflanzlichen Präparaten in der Schwangerschaft zu empfehlen. In der Phytotherapie-Fachliteratur fehlt aber zum Beispiel bei Baldrian unter „Kontraindikationen“ ein Hinweis auf Schwangerschaft. Das gilt auch für andere Phytopharmaka gegen Schlafstörungen. Denkbar sind in der Schwangerschaft zudem auch schlafanstossende Anwendungen über die Duftebene.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Palliativmedizin: Cannabinoide gegen Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen

Diesen Artikel teilen:

Wenn schwerkranke Menschen an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen leiden, können Cannabinoide hilfreich in der Palliativtherapie sein.

Lebensqualität sei das herausragende Ziel für Menschen am Lebensende, sagte Professor Dr. Andreas S. Lübbe von der Palliativstation in Bad Lippspringe beim Münchner Fachpresse-Workshop Supportivtherapie.

Starke Schmerzen, Appetitlosigkeit (Anorexie), Fatigue, Erbrechen und Übelkeit belasten zahlreiche Kranke enorm – und auch ihre Angehörigen.

Wenn Patientinnen oder Patienten nicht essen können oder wollen kann das zu starkem Gewichtsverlust und zu krankhafter, starker Abmagerung (Kachexie) führen.

Cannabis kann unter anderem den Appetit anregen. Dronabinol-Tropfen enthalten THC und können deshalb Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit vermindern.

Lübbe nannte die Cannabinoide als einen Baustein zur medikamentösen Behandlung der Anorexie (Appetitlosigkeit).

Derzeit gibt es in Deutschland nur ein entsprechendes Fertigarzneimittel auf dem Markt: den Mundspray Sativex® zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei MS-Patienten.

Eine Alternative dazu bietet die Dronabinol-Rezeptursubstanz, die in Apotheken gemäß NRF-Vorschrift zu öligen Tropfen (25 mg/ml) oder Kapseln (2,5 oder 5 oder 10 mg/Kapsel) verarbeitet werden kann. Informationen zur Rezeptur stellt der Hersteller unter www.bionorica-ethics.de zur Verfügung.

Das Rezepturarzneimittel muss von einem Arzt oder einer Ärztin auf einem Betäubungsmittelrezept verordnet werden.

Als Indikationen für Dronabinol gelten unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Anorexie bei Krebs- oder Aidspatienten sowie Spastizität und Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss).

Ebenso gebe es eine hohe Evidenz bei Patienten mit Kachexie-Syndrom, sagte Lübbe. Dronabinol könne Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit mildern.

Appetitanregung und Muskelrelaxation sind laut Hersteller die Hauptwirkungen von Dronabinol.

Weniger ausgeprägt sind die Effekte gegen Übelkeit und Erbrechen, gegen Schmerzen und Angst, sowie die beruhigenden und entzündungswidrigen Wirkungen.

Dronabinol kommt darüber hinaus zur Anwendung bei Schmerzen anstelle von oder ergänzend zu Opioiden. Lübbe hält dies vor allem für sinnvoll, wenn Patienten an weiteren Symptomen leiden, gegen die Cannabinoide wirksam sind. Als Beispiele erwähnte er Übelkeit, Anorexie, Spastizität, Hypersalivation und Schlafstörungen.

Zur Appetitstimulation sollte man mit einer tiefen Dosis anfangen und langsam auftitrieren. Das bedeutet: Zu Beginn zweimal täglich einen bis drei Tropfen der öligen Lösung (0,83 bis 2,5 mg) geben und alle drei Tage steigern. Lübbe sagte, dass die meisten Patienten nicht mehr als 10 mg pro Tag brauchen.

Höhere Dosierungen kommen in der Regel zur Anwendung bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen sowie zur Schmerzbehandlung.

Als unerwünschte Wirkungen können typischerweise auftreten: Schwindel (mehr als 10 Prozent der Patienten) sowie Müdigkeit, Amnesie, Dysarthrie (Sprechstörungen) und affektive Störungen.

Kontraindikationen für Dronabinol sind psychiatrische Erkrankungen wie Psychosen, Panikattacken oder Depression sowie Krampfanfälle und Epilepsie in der Anamnese.

Lübbe hält Cannabinoide für eine Bereicherung in der Palliativmedizin und verlangte »mehr Mut zum Einsatz«.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=57248

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Informationen zu Dronabinol, Sativa-Öl und Sativex finden Sie hier:

Dronabinol / THC vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Cannabis-Medikamente bereichern Schmerztherapie und Palliativmedizin / Palliative Care

Neues Cannabismedikament in der Schweiz (Sativa-Öl)

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erehältlich (Dronabinol / Cannabistinktur)

Cannabis-Wirkstoffe neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Kapseln besser wirksam als ein Joint

 

Cannabis-Wirkstoff gegen Epilepsie erforscht

Cannabis als Heilmittel – Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Cannabis als Heilpflanze – es tut sich was

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

 

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Krafttraining genügt nicht zur Reduktion des Sturzrisikos bei Senioren

Diesen Artikel teilen:

Krafttraining allein reduziert das Sturzrisiko bei älteren Personen nicht. Ebenso nötig ist Training der Motorik und der Kognition.

Die Skelettmuskulatur sei selbst in hohem Alter trainierbar, sagt Professor Reto Kressig vom Universitären Zentrum für Altersmedizin in Basel. Er verweist auf eine Studie mit 100 Pflegeheimbewohnern mit einem Durchschnittsalter von 87 Jahren.

Bei diesen Probanden führte progressives Krafttraining über zehn Wochen zu einer Kraftverdopplung.

Die Kombination des Trainings mit Proteindrinks erhöhte die Muskelkraft um 130 Prozent, Proteindrinks ohne Training zeigten dagegen keine Wirkung.

Krafttraining allein macht jedoch weder den Gang sicherer noch reduziert sich dadurch die Sturzgefahr.

Es braucht dazu zusätzlich Training von Motorik und Kognition.

Denn die Sturzwahrscheinlichkeit verdoppelt sich schon durch minimale, mit dem bloßen Auge nicht erkennbare Gangunregelmäßigkeiten mit einer Schritt-zu-Schritt-Variabilität von 1,7 cm.

Bei alten Menschen, die beim Gehen stehen bleiben, um zu sprechen, zeigte sich ein stark gesteigertes Sturzrisiko!

Werden motorische Einschränkungen und Kraftdefizite bei alten Menschen rechtzeitig erkannt, können diese mit einem gezielten Training verbessert werden. In geriatrischen Institutionen gibt es darum Möglichkeiten, frühzeitig auf Gangunregelmäßigkeiten zu testen. Das geschieht mit Multitasking-Aufgaben.

In diesen Testverfahren wird eine motorische mit einer kognitiven Aufgabe kombiniert, beispielsweise das Lösen einer Rechenaufgabe beim Gang über einen Teppich.

Die in der Schweiz populäre Dalcroze-Rhythmik (nach Émile Jaques-Dalcroze, 1865-1950) verbessert Exekutivfunktion und Gangsicherheit.

In Gruppen trainieren die Teilnehmenden im Rhythmus von improvisierten, am Klavier gespielten Melodien.

Dabei verändern sich je nach Melodie unerwartet die Bewegungsfolgen.

Professor Kressig schildert, dass 80-jährige Damen, die seit Jahren die Dalcroze-Rhythmik praktizieren, beim Dual-Task-Test ebenso gut abschneiden wie 30-jährige.

Bei 134 zu Hause lebenden Senioren, die sechs Monate lang einmal pro Woche am Training teilnahmen, führte die Intervention zu einer signifikanten Verbesserung der Exekutivfunktion und zu einer Reduktion der Sturzrate auf die Hälfte.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/893646/sturzrisiko-krafttraining-nicht-genug.html

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0034-1387497     (Aktuel Ernährungsmed 2015; 40: S5-S7).

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass oft an mehreren Faktoren gleichzeitig angesetzt werden sollte, um eine Verbesserung zu erreichen.

Beim Thema Sturzrisiko von Senioren gibt es über die erwähnten Punkte Kraft, Motorik und Kognition hinaus noch einen weiteren beachtenswerten Aspekt:

Schlafmittelkonsum erhöht das Sturzrisiko. Durch ihre muskelrelaxierende Wirkung und die zum Teil nachhaltig eingeschränkte Wachheit kann es zu verstärkter Gangunsicherheit kommen.

Siehe dazu:

Schlafmittel: Sturzrisiko auch mit Nicht–Benzodiazepinen

Pflanzliche Schlafmittel sind frei von diesem Risiko – sie steigern also das Sturzrisiko und damit das Risiko von Knochenbrüchen nicht.

Das macht sie zu einer Option in der Behandlung von Schlafstörungen, die nicht gering geschätzt werden sollte.

Siehe dazu:

Schlafstörungen – Senioren profitieren von pflanzlichen Schlafhilfen

Süchtig nach Schlafmitteln – Phytotherapie bietet gesunde Alternative

Phytotherapie bei Schlafstörungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Schlafmittel-Abhängigkeit: Bis zu zwei Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen

Diesen Artikel teilen:

In Deutschland werden jährlich 230 Millionen Tagesdosen an Benzodiazepinen von den gesetzlichen Krankenversicherungen abgerechnet und etwa die gleiche Menge wird zusätzlich über Privatrezepte verordnet.

Benzodiazepine sind wichtig Wirkstoffe, die in der Notfallmedizin, in der Anästhesie oder bei psychiatrischen Notfällen oft von grossem Wert sind. Verbreiteter ist jedoch ihre Anwendung als Schlaf- und Beruhigungsmittel, wie zum Beispiel in Form des klassischen Valiums. Jede zweite Person, die eines dieser Medikamente einnimmt, schluckt es zur Linderung von Schlafstörungen und jede Vierte gegen innere Unruhe, Nervosität, Erregungs- oder Spannungszustände.

Benzodiazepine zeigen zwar eine gute Wirksamkeit, haben jedoch auch bekanntermaßen ein hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitsrisiko. Die Arzneimittelrichtlinie legt in der Regel einen Einnahmezeitraum von bis zu vier Wochen fest. Die tatsächlich verkauften Tabletten deuten jedoch darauf hin, dass häufig ein Langzeitverbrauch stattfindet.

Die genaue Zahl der Benzodiazepin-Abhängigen ist bisher nicht bekannt, liegt jedoch etwa zwischen 128.000 bis 1,6 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Problematik des Missbrauch und der Abhängigkeit von Benzodiazepinen sind seit über 40 Jahren bekannt und vieldiskutiert.

Die Bedeutung des Abhängigkeitsrisikos wurde von der Pharmaindustrie über lange Zeit verharmlost.

Seit rund 40 Jahren sind Missbrauch und Abhängigkeit von Benzodiazepinen aber bekannte Probleme.

 

Pharmazeutische Unternehmen und die deutsche Zulassungsbehörde haben deshalb seit den 1980er Jahren die Anwendungsdauer auf in der Regel zwei bis vier Wochen beschränkt.

 

Katrin Janhsen et al. haben nun in einer aktuellen Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 1-7) gezeigt, wie die hohe Verschreibungszahl der Benzodiazepinen zu Stande kommt und worauf bei der Entgiftung zu achten ist.

 

Muss ein Benzodiazepinen-Abhängiger entwöhnt werden, braucht es dazu einen langwierigen Entzug. Starke Medikamentenabhängigkeit setzt für den Entzug sogar eine stationäre Behandlung voraus, wie die Autoren anhand eines Ablaufschemas darstellen. Sie unterstreichen, dass Ärzte unsachgemäße Langzeitverordnung vermeiden sollen und über die Vorbeugung und Behandlung von Arzneimittelabhängigkeit intensiver fortgebildet werden müssten.

 

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/61345/Bis-zu-zwei-Prozent-der-deutschen-Bevoelkerung-von-Schlafmitteln-abhaengig

Die Übersichtsstudie:

Probleme der Dauertherapie mit Benzodiazepinen und verwandten Substanzen – Verschreibungspraxis, Epidemiologie und Entzugsbehandlung

Kommentar & Ergänzung:

Der Langzeitkonsum von Benzodiazepinen bei Beschwerden, für die sie wegen des Risikopotenzials nicht geeignet sind, ist tatsächlich schon seit vielen Jahren ein Thema.

Da Appelle an Ärzte und Patienten offenbar nur sehr beschränkt wirksam sind, wären schärfere gesetzliche Regelungen meines Erachtens überfällig.

Zu erwähnen wäre gleichzeitig aber auch, dass es eine Reihe von pflanzlichen Schlafhilfen gibt, die keine Abhängigkeit, kein Hang-over und keine erhöhte Sturzgefahr bewirken.

Pflanzliche Schlafhilfen wie Baldrian, Melisse, Passionsblume, Hopfen oder Lavendel / Lavendelöl helfen zwar nicht in jedem Fall. Sie sind aber eine Option, die in vielen Situationen sinnvollerweise in Betracht zu ziehen ist. Manchmal, aber nicht immer, lassen sich Benzodiazepine durch pflanzliche Schlafhilfen vermeiden oder ersetzen. Wobei aber das Absetzen von Benzodiazepinen nach längerem Gebrauch ärztlicher Unterstützung bedarf. Benzodiazepine schlagartig absetzen und durch pflanzliche Schlafmittel zu ersetzen – das würde mit grösster Wahrscheinlichkeit schief laufen.

Besser ist es, bei harmloseren Beschwerden gar nicht erst in eine Benzodiazeptin-Abhängigkeit hinein zu schlittern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Phytoöstrogene: Hopfen bei Hitzewallungen in den Wechseljahren

Diesen Artikel teilen:

Hopfenzapfen werden immer wieder mal empfohlen gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren. Begründet wird dies mit dem Gehalt an Phytoöstrogenen.

Reinhard Länger hat in der Zeitschrift „PHYTOTherapie“ (5 / 2014) der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie einen informativen Beitrag über den Hopfen als Heilpflanze publiziert. Darin geht es auch um die Phytoöstrogene im Hopfen.

Zitat:

„Hopfenzapfen enthalten neben den genannten Inhaltsstoffen auch Flavonoide, darunter solche, die östrogenartige Effekte hervorrufen können (nomenklatorisch nicht ganz korrekt als 8-Prenylnaringenin bezeichnet). Obwohl diese Substanz zu jenen Phytoöstrogenen zählt, die in-vitro die stärksten Wirkungen zeigten, ist die Affinität zu den Östrogenrezeptoren verglichen mit Estradiol doch deutlich geringer (ERα 70-fach geringer, ERβ 20,000-fach geringer). Diese Substanzen könnten die Erklärung dafür sein, weshalb bei Hopfenpflückerinnen Zyklusstörungen beobachtet wurden und traditionell konzentrierte Reste des Brauvorgangs zur Behandlung verschiedenster gynäkologischer Probleme verwendet wurden. In Bieren, die mit modernen CO2-Extrakten aus Hopfen zubereitet wurden, ist der Phytoöstrogengehalt im Bereich 0 – ca. 20 μg/kg, also sehr gering.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0514.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin gegenüber der Empfehlung von Hopfen zur Linderung von Wechseljahrbeschwerden schon seit langem generell skeptisch.

Erstens ist der Gehalt an Phytoöstrogenen tatsächlich gering. Im Labor zeigt die Substanz aber interessante Wirkungen.

Zweitens bindet Prenylnaringenin – wie auch Reinhard Länger darlegt – deutlich stärker an den Östrogenrezeptor Alpha (Erα) als an Östrogenrezeptor Beta (Erβ).

Diese beiden Östrogenrezeptoren befinden sich im menschlichen Körper an unterschiedlichen Orten.

Der ERα überwiegt in der Niere und Nebenniere, in der Brustdrüse, in der Leber, im Uterus und im Zentralnervensystem in der Hypophyse.

Überwiegend ERß dominiert im Gefäßsystem, im Knochen, in der Lunge, in der Blase und in der Prostata.

Da in der Brustdrüse und im Uterus Tumore auftreten können, die durch Östrogene im Wachstum stimuliert werden, ist bei Substanzen wie Prenylnaringenin, die hauptsächlich an Erα binden, nicht auszuschliessen, dass sie dort tumorfördernde Effekte auslösen.

Selbst wenn also Hopfen relevante östrogene Wirkungen im menschlichen Organismus zeigen würde, wäre eine Empfehlung gegen Wechseljahrbeschwerden meines Erachtens wegen diesem nicht geklärten Risiko fragwürdig.

Die von Reinhard Länger erwähnten Berichte über Zyklusstörungen bei Hopfenpflückerinnen geistern im übrigen schon seit Jahrzehnten in der Fachliteratur herum, ohne dass ich bisher irgendwo konkrete Angaben dazu gefunden hätte (wer hat wann, wo, was genau beobachtet? Wo wurden diese Angaben publiziert?).

In der Phytotherapie-Fachliteratur wird Hopfen hauptsächlich als Mittel gegen Schlafstörungen, Unruhe und Nervosität eingesetzt. Eine Empfehlung von Hopfen zur Linderung von Hitzewallungen taucht dort nicht auf. Empfohlen wird gegen diese Beschwerden in der Regel Traubensilberkerze als Extrakt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen: