Artikel mit Schlagwort ‘Schamanismus’

Quantenheilung / Quantenmedizin – was ist davon zu halten?

Dienstag, Mai 13th, 2014

Quantenheilung und Quantenmedizin sind in der Alternativmedizin seit einiger Zeit im Trend. Auch Quantenmedizin-Geräte boomen und erweisen sich als Goldgrube.

Die Versprechungen sind gross und umfassend.

Beispielsweise:

- Quantenheilung sei die praktische Anwendung gesicherter Erkenntnisse der Quantenphysik in der Heilerpraxis oder auch zu Selbstheilung.

- Quantenheilung sei eine neuartige Heilmethode, die in verschiedenen Lebensbereichen tiefe, heilende Prozesse anregen könne.

- Die Quantenheilung wurzle im polynesischen Schamanismus.

- Quantenheilung versetzte das vegetative Nervensystem spontan und sofort in einen Zustand, in dem tiefe, heilende Prozesse stattfinden sollen.

- Quantenheilung könne hinderliche Blockaden auflösen, und das in den Bereichen Arbeit, Freizeit, Familie, Finanzen, Gesundheit oder Kreativität.

- Quantenmedizin sei eine Medizinform, die die neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse der Physik für Diagnose und Therapie einbeziehe, besonders der Quantenphysik und Post-Quantenphysik, sowie der Bewusstseinsphysik.

Jede kurze Google-Recherche fördert massenweise solche Schlagworte zutage.

Der Verweis auf die Quantenphysik ist ein wirksamer Propagandatrick, der dem Verfahren höchste Wissenschaftlichkeit und Fortschrittlichkeit zuschreiben soll. Wenn dann die Wurzeln angeblich noch in Polynesien liegen, scheinen Tradition und Wissenschaft vollkommen vereint. Was kann es da Überzeugenderes geben?

Und weil nur wenige Fachleute auf dieser Erde Quantenphysik verstehen, lässt diese sich gut nach eigenen Bedürfnissen zurechtbiegen. Dazu werden dann mit Vorliebe zusammenhangslose Zitate benutzt von bekannten Quantenphysikern wie dem Österreicher Anton Zeiliger. Der hält allerdings nichts von Quantenmedizin:

„Das ist ein schwammiger, spekulativer Begriff, nicht die Bezeichnung eines wissenschaftlichen Gebietes.”

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/wissen/umstrittenes-heilverfahren-homoeopathie-missbrauchte-studien-1.1267699

Ausführlicher erläutert der Quantenphysiker Florian Aigner den Missbrauch der Quantenphysik durch Begriffe wie „Quantenheilung“ und „Quantenmedizin“:

„Dass gerade die Quantentheorie immer für esoterischen Unfug herhalten muss, ist ja durchaus verständlich: Die Welt der Quantenteilchen hält immer wieder merkwürdige Überraschungen für uns bereit. Sie ist für komische Esoterik-Ideen gut einsetzbar, weil sie uns eben selbst oft ein bisschen ungewöhnlich und seltsam erscheint – allerdings nur, wenn man den Fehler macht, sie mit unseren gewohnten Alltagsvorstellungen im Kopf zu betrachten, die sich nun mal evolutionär nicht an die Quantenphysik angepasst haben. Die meisten Quanteneffekte werden dort sichtbar, wo sich unser Alltagsleben niemals hinverirrt: Bei winzig kleinen Distanzen, auf unvorstellbar kurzen Zeitskalen. Dass in diesen Bereichen Dinge geschehen, die sich mit unserer Alltagsintuition nicht gut vertragen, ist eigentlich völlig klar.“

Zum vollständigen Text:

http://futurezone.at/meinung/gesund-und-reich-durch-quantenheilung/61.927.157

Und hier ein Interview mit Florian Aigner in der Zeitung „Der Standard“:

Quantenphysik hat nicht mit Quantenheilung zu tun

Es braucht meines Erachtens viel mehr kritische Auseinandersetzung mit den Versprechungen der Alternativmedizin. Konsumentinnen und Konsumenten sollten sich nicht durch grandios tönende Schlagworte einlullen lassen, sondern kritisch nachfragen und sich unabhängig von Anbietern informieren – zum Beispiel auf Psiram:

Quantenmedizin

Quantenheilung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Tipp des Tages im Horoskop der Bild-Zeitung zum Sternzeichen Krebs: Auf Alternativmedizin sprechen Sie heute gut an!

Dienstag, Oktober 30th, 2012

Menschen mit Sternzeichen Krebs (22. Juni – 22. Juli) sollen heute speziell gut auf Alternativmedizin ansprechen, schreibt die Bild-Zeitung in ihrem Horoskop.

Schade, dass ich schon den grössten Teil des Tages diese einmalige Gelegenheit verpasst habe. Nichts wie los, um noch möglichst viele Notfall-Tropfen, Globuli und Schüssler-Salze einzuwerfen…..Ach wie schade – ich bin ja gar kein Krebs!

Mehr Ernst:

Wie unterscheiden eigentlich die Planeten zwischen Alternativmedizin und „Schulmedizin“. Und wie lässt sich erklären, dass die Planeten mich heute spezifisch bei Alternativmedizin unterstützen? Wer aus dem Club der Planeten liebt denn besonders die Alternativmedizin? Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus….?  Oder interessieren sich gar Sonne oder Mond speziell für Schüssler-Salze & Co.?

Und dieser wunderbare Support wirkt heute bei allen Alternativmethoden? Ayurveda, Schamanismus, Bioresonanz, Kinesiologie, Reinkarnationstherapie, Reiki …….Egal was? Gehören Heilpflanzen-Anwendungen kosmologisch-planetarisch-astrologisch auch zur heute besonders wirksamen Alternativmedizin – oder doch eher zu den nicht unterstützten Bereichen Naturheilkunde, Phytotherapie und Medizin? – Sachen gibt’s.

Muss ich die Dosierung reduzieren, wenn ich heute verstärkt auf Alternativmedizin anspreche? Drohen gar unerwünschte Nebenwirkungen. Überdosierungen von Schüssler-Salzen?

Die Bild-Zeitung lässt mich verwirrt zurück. Detaillierte Aufklärung täte not.

Man kann doch nicht einfach eine so wichtige Mitteilung in einen einzigen Satz packen und die Leserinnen und Leser dann im Stich lassen.

Und morgen ist dieser Spezial-Alternativmedizin-Bonus schon wieder weg? Wer zu spät kommt den bestrafen die Planeten?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Pseudo-Schamanismus – eine Form kultureller Ausbeutung

Samstag, Februar 26th, 2011

In esoterisch angehauchten Randbereichen der Alternativmedizin und der Komplementärmedizin taucht immer häufiger der Begriff Schamanismus auf. Verschiedene Veranstalter und Anbieter versprechen Patienten physische und psychische Heilung auf dem schamanistischen Weg.

Nun sind Begriffe wie Schamanismus, schamanistisches Heilen, Schamane oder Schamanin natürlich nicht rechtlich geschützt. Wer will (und es sich einbildet), kann einfach behaupten, er sei von irgendwelchen Ältesten anerkannt. Es gibt zahlreiche „Plastikschamanen“ und falsche Medizinleute, welche die grassierende Leichtgläubigkeit von Esoterikerinnen und Esoterikern ausnutzen. Viele Pseudo-Schamanen vermischen die Traditionen und Zeremonien mehrerer Völker. Teilweise werden zu indianischen Elementen noch Rituale und Praktiken aus Asien sowie weitere, auf dem Esoterikmarkt gerade angesagte Maschen mit hineingemixt. Dass es sich hier um einen riesigen Markt handelt, zeigt jede Esoterikmesse. Wir haben es hier aber außerdem mit einer fortlaufenden Ausbeutung und Verhöhnung tradierter Kulturen zu tun.

Zu diesem unappetitlichen Phänomen zwei Hinweise:

1. Wer wissen will, was indigene AmerikanerInnen von westlichen Pseudo-Schamanen halten, findet dazu Informationen auf http://www.newagefraud.org/

2. In der Zeitschrift des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren (ZAEN) Nr. 12 / 1999, S. 838, analysieren die Wissenschaftler Peuker, Filler und Diederich das Phänomen des  „Pseudoschamanismus“ und grenzen es von der echten, kulturgebundenen Form des Schamanismus ab.

http://zaen.medienartig.com/pdf/1999/1999-12.pdf

Die Vorstellung, man könne einzelne Elemente aus einer kulturgebundenen schamanistischen Tradition herausreissen, hierher verpflanzen und hier damit Handel treiben, ist zutiefst ausbeuterisch.

Das erinnert mich an ein Word-Programm auf dem Computer: Man isoliert irgendwelche Rituale aus mongolischen oder indianischen Kulturzusammenhängen mit der „Ausschneiden“-Taste und transplantiert sie mit der „Einfügen“-Taste nach Zürich, Dagmarsellen oder Arbon.

Besonders grotesk wird die Sache, wenn diese quasi-chirurgische kulturelle Transplantation noch mit dem fragwürdigen Sehnsuchtswort „ganzheitlich“ vermarktet wird.

Ich würde aber selbstverständlich nicht bestreiten, dass wohlstandsübersättigte „Westmenschen“ mit ungeklärten Sinnproblemen dadurch eine leicht konsumierbare „Fertigmahlzeit“ beziehen können, die kurzfristig Erleichterung verschafft.

Fragt sich nur zu welchem Preis – monetär, psychologisch, ethisch, kulturell…..

Und nachhaltig scheinen solche pseudo-schamanistischen Angebote jedenfalls auch nicht gerade zu wirken, wenn man Konsumentinnen und Konsumenten sieht, die von Workshop zu Workshop rennen. Wie bei allen Light-Produkten ist der Sättigungswert offenbar nicht gerade gross.

Meiner Ansicht nach wäre es an der Zeit, wieder mehr das Einfache, Naheliegende, Alltägliche, Unspektakuläre zu pflegen und die Stärken und Schwächen der eigenen Kultur besser zu verstehen. Auch – aber nicht nur – wenn es um Gesundheit, Krankheit und Heilung geht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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