Artikel mit Schlagwort ‘Schafgarbentinktur’

Blick ins Pflanzenlexikon: Schafgarben

Sonntag, April 22nd, 2012

Die Schafgarben (Achillea) sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Ihr botanischer Name Achillea leitet sich von dem griechischen Helden Achilles ab, von welchem behauptet wird, dass er mit dieser Pflanze Wunden behandelt habe. Pflanzenarten aus der Gattung „Schafgarben“ finden als Heilpflanzen Verwendung. In China wurden Schafgarbenstängel zu Orakelzwecken verwendet, um Hexagramme zu bestimmen (I Ging).

Die Gattung Schafgarbe umfasst etwa 115 – 200 Arten. In der Schweiz sind es 9 Arten.

Wichtige Beispiele:

Gemeine Schafgarbe (= Gewöhnliche Schafgarbe, Achillea millefolium)

Achillea millefolium ist diejenige Schafgarbenart, die bei uns als Heilpflanze verwendet wird (Foto auf Wikipedia)

Nimmt man es botanisch genauer, kann man noch 6 Kleinarten unterscheiden, die sich auch im Wirkstoffgehalt unterscheiden können.

Schafgarbenkraut enthält Sesquiterpenlacone (Bitterstoffe), ätherisches Öl (je nach Kleinart mit Proazulenen, wie sie auch im Kamillenöl vorkommen) und Flavonoide.

Schafgarbe ist ein pflanzliches Bittermittel, das hauptsächlich innerlich bei Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen angewendet wird, vor allem als Schafgarbentee oder Schafgarbentinktur.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde wird Schafgarbentee auch angewendet bei Menstruationskrämpfen (Dysmenorrhoe).

Mit den Schafgarbenblättern lässt sich Wolle gelb oder braun färben. Junge Blätter sind als Wildsalat oder Wildgemüse verwendbar.

In früheren Zeiten dienten Schafgarbenblätter ausserdem als Ersatz für Muskat, Zimt, Tabak oder sogar Hopfen.

Schafgarbe ist für Wildpflanzengärten geeignet. Sie ist für Insekten bis in den Herbst hinein eine gute Nahrungsquelle.

Grossblättrige Schafgarbe (Achillea macrophylla)

Die Großblättrige Schafgarbe wächst in sickerfrischen Hochstaudenfluren und Gebüschen der subalpinen Stufe. Die Art ist nährstoffanspruchsvoll und meidet Kalkböden.

Schwarzrandige Schafgarbe ( = Hallers Schafgarbe, Achillea atrata)

Die Schwarzrandige Schafgarbe gehört zu den Alpenblumen und wächst auf Kalk.

Moschus-Schafgarbe (Achillea erba-rotta)

Sie bevorzugt steinige, saure Böden zwischen 1500 und 3400 m ü.M. Moschus-Schafgarbe enthält Bitterstoffe wie Ivain, Moschatin, Achillein, Harzsäure und das stark aromatische, pfefferminzähnliche Ivaöl.

In der Volksheilkunde der Bergregionen wird die Pflanze bei Appetitlosigkeit, Erkrankungen von Magen, Darm und Leber, bei Nervenschwäche und äußerlich als Wundmittel verwendet. „Iva“, der romanische Volksname der Moschus-Schafgarbe, leitet sich vom lat. abigere = abtreiben her und deutet auf eine Verwendung als Abortivum (Abtreibungsmittel). In der Schweiz wird daraus seit über 100 Jahren ein Alpen-Kräuterlikör, der sogenannte „Ivabitter“ oder Iva-Schnaps hergestellt.

Sumpf-Schafgarbe (Bertram-Schafgarbe, Achillea ptarmica)

Sie wächst auf feuchten Wiesen, an Gräben und Ufern.

Eine gefüllte Form mit weissen Blüten ist in manchen Gegenden charakteristisch für alte Bauerngärten.

Gelbe Schafgarbe (Achillea tomentosa)

Sie wächst auf Trockenrasen und in Felsensteppen (z. B. Lötschberg Südrampe).

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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Heilpflanzen: Schafgarbe (Achillea millefolium)

Dienstag, August 2nd, 2011

Die Pharmaceutical Tribune veröffentlichte kürzlich einen interessanten Beitrag zur Schafgarbe. Hier ein paar Auszüge mit dazwischen gesetzten Kommentaren von mir:

„Äußerlich werden Umschläge aus zerquetschtem Kraut als Auflage bei Verletzungen empfohlen. Sitzbäder mit Schafgarbenaufguss können auf Grund der adstringierenden Wirkung Linderung bei Wunden im Anal- oder Dammbereich bringen…….Laut Kneipp entspricht das Potenzial der Schafgarbe dem des Johanniskrauts.“

Schafgarbe (Achillea millefolium) hat in der traditionellen Pflanzenheilkunde einen soliden Ruf als Wundheilpflanze. Sie wurde auch Soldatenkraut und Zimmermannskraut genannt.

Eine wundheilende Wirkung könnte auf das ätherische Öl mit dem Bestandteil Chamazulen zurückzuführen sein. Schafgarbenöl gleicht an diesem Punkt dem Kamillenöl, das seine tiefblaue Farbe dem Chamazulen verdankt.

Wenn Sebastian Kneipp das Potential der Schafgarbe mit demjenigen des Johanniskrautes vergleicht, meint er das sicherlich bezüglich der wundheilenden Wirkung, und nicht bezogen auf die heute viel bekanntere Wirkung des Johanniskrautes gegen Depressionen.

„Die wirksamen Inhaltsstoffe sind vielfältig. Bis zu 1 % ätherisches Öl ist im Kraut enthalten. Laut Arzneibuch beträgt der geforderte Mindestgehalt der Arzneidroge 0,3 %. Dieses kann je nach Ursprung azulenhaltig (bis zu 40 %) oder azulenfrei sein.“

Bei der Schafgarbe (Achillea millefolium) gibt es mehrere Unterarten, die sich im Wirkstoffgehalt stark unterscheiden. Das drückt sich auch in der grossen Spannweite des Azulen-Gehaltes aus – von Null bis zu 40%.

„Die enthaltenen Sesquiterpenlaktone wirken als Bitterstoffe krampflösend auf den Verdauungstrakt und fördern die Gallensekretion.(1)“

Schafgarbe gehört zu den Amara-Aromatica, das sind Heilpflanzen, die sowohl ätherische Öle als auch Bitterstoffe einthalten.

„Das ätherische Öl ist antibakteriell und fungistatisch.“

Fungistatisch = pilzhemmend

„Untersuchungen belegen die choleretische Wirkung für diese Inhaltstoffgruppe anhand methanolischer Extrakte im Vergleich zu Zynarin. (2)“

Choleretisch = regt die Gallensaftproduktion in der Leber an.

Zynarin meint wohl Cynarin, den Bitterstoff aus den Artischockenblättern.

„In hohen Anteilen sind Flavonoidglykoside vom Luteolin- und Apigenintyp sowie Phenolkarbonsäuren im Schafgarbenkraut enthalten. Sie wirken entzündungshemmend und gefäßstabilisierend. Sowohl als wässriger Aufguss als auch in Form einer Tinktur hat Millefolii herba entzündungshemmende und krampflösende Wirkung.(3)“

Traditionell wird die krampflösende Wirkung von Schafgarbentee angewendet zur Linderung von Menstruationskrämpfen. Das könnte allerdings besser dokumentiert sein – doch würde ich das durchaus mal ausprobieren, wenn ich Menstruationskrämpfe hätte….Für diesen Anwendungsbereich würde ich Schafgarbentee gegenüber der Schafgarbentinktur vorziehen. Als Bittermittel bei Verdauungsschwäche ist Schafgarbentinktur dagegen ebenbürtig.

„Regelmäßige Bäder mit Schafgarbenextrakten bei schlecht heilenden Läsionen am diabetischen Fuß konnten die Wundheilung verbessern. Cave: Korbblütlerallergie!“

Für die Korbblütlerallergie sind die Sesquiterpenlactone verantwortlich. Wer auf sie allergisch ist, wird auch Probleme haben mit den meisten anderen Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), zum Beispiel mit Kamille und Arnika.

„Als Apotheker können wir eigene Varianten empfehlen – Schafgarbenextrakt als entzündungshemmenden Zusatz für Sitzbäder gegen Hämorrhoiden und Analfissuren oder einen krampflösenden Tee bei verdauungs- oder menstruationsbedingten Beschwerden im Unterbauch. Auch Kinder ab zwei Jahren profitieren vom Schafgarbentee bei unspezifischen Bauchschmerzen, man sollte ihn nur mit Honig verfeinern.“

Bei Hämorrhoiden und Analfissuren würde ich alllerdings Heilpflanzen mit hohem Gerbstoffgehalt vorziehen, vor allem Eichenrinde oder stark ausgezogenen Schwarztee. Allenfalls liesse sich das aber kombinieren mit den Kamillenblüten / Schafgarbe.

Quelle für die Zitate:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=109691&dspaid=946279

1 Z Naturforsch; 2002: 976–982, 2 Phytomed; 2006: 702–706, 3 BS Vet Med J; 2007: 86–92

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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