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Quittensirup bei Schwangerschaftsübelkeit?

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Die Carstens-Stiftung beschreibt eine iranische Studie, wonach Quittensirup schwangerschaftsinduzierte Übelkeit besser reduziert als standardmäßig verabreichtes Vitamin B6. Das ist interessant, wirft aber auch einige Fragen auf.

Acht von zehn Schwangeren leiden an Übelkeit und Erbrechen und bei besonders stark ausgeprägtem Verlauf spricht man von Hyperemesis gravidarum. Der anhaltende Brechreiz kann mehrmals täglich zur Erbrechen und infolgedessen zu teils gravierendem Flüssigkeits- und Nährstoffverlust führen. Eine Anpassung der Ernährung, der Ausgleich des entstehenden Flüssigkeits- und Nährstoffmangels und die Behandlung der Symptome mittels medikamentöser Verfahren sowie eine Vitamin B6-Supplementierung (Pyridoxin) zählen zur Standardbehandlung der Hyperemesis gravidarum. Da vor allem in der frühen Schwangerschaftsphase wegen möglicher Komplikationen und Schädigungen des ungeborenen Kindes auf synthetische Arzneimittel möglichst verzichtet werden sollte, wird zunehmend auf pflanzliche Mittel wie z.B. Pfefferminze und Ingwer zurückgegriffen, um die Schwangerschaftsübelkeit zu reduzieren

Unbekannt ist bei uns bisher die Anwendung von Quittensirup.

In der Traditionellen Iranischen Medizin wird die Quitte unter anderem als Magentonikum zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen sowie als Mittel zur Appetitanregung empfohlen. Auf dieser Basis führten iranische Wissenschaftler eine Studie durch, um die Wirkung von Quittensirup im Vergleich mit Vitamin B6 bei Frauen mit Schwangerschaftsübelkeit zu untersuchen. Die Studie wurde an fünf klinischen Zentren in Teheran und Qom durchgeführt. Aufgenommen wurden 90 Frauen in der Gestationsphase zwischen der 6. bis 14. Woche und einer therapiebedürftigen, schwangerschaftsinduzierten Übelkeit von 3 bis 12 Punkten auf der PUQE-Skala (PUQE = Pregnancy-Unique Quantification of Emesis) mit und ohne Erbrechen. Per Zufallsprinzip wurden die Studienteilnehmerinnen in eingeteilt und bekamen über die Therapiephase von einer Woche dreimal täglich jeweils vor den Mahlzeiten entweder einen Esslöffel des eigens für die Studie hergestellten Quittensirups oder aber eine Tablette mit einem Gehalt von 20 mg Vitamin B6 pro Einheit.

Die Einnahme zusätzlicher Arzneimittel war nicht gestattet. Darüber hinaus wurden die Probandinnen zu einer Vermeidung von fettem Essen und dem Verzehr regelmäßiger kleiner Mahlzeiten angehalten. Während der einwöchigen Therapiephase und der nachfolgenden, ebenfalls siebentägigen Nachbeobachtungszeit dokumentierten die teilnehmenden Frauen mittels PUQE-24-Fragebogen die Dauer, Häufigkeit und Intensität ihrer Übelkeit und des auftretenden Erbrechens. Ausserdem wurden die Probandinnen zur Erfassung auftretender Nebenwirkungen angehalten.

In die Auswertung flossen Daten von 76 Patientinnen ein. In der Quittensirup-Gruppe konnte im Vergleich mit der Vitamin B-Gruppe nach 7 Tagen schon eine klinisch signifikante Besserung um rund 4,3 Punkte auf der PUQE-Skala festgestellt werden, die noch eine Woche nach Beendigung der Behandlung anhielt. In der Vitamin B6-Gruppe betrug die Punktedifferenz nach 7 Tagen lediglich 1,1 Punkte – mit sinkender Tendenz nach 14 Tagen. Zudem wiesen die Probandinnen der Quittensirup-Gruppe zu Studienbeginn eine höhere Punktezahl auf der PUQE-Skala auf (9.55, Standardabweichung 2.05) als die Frauen in der Vitamin B-Gruppe (8.44, Standardabweichung 1.87). Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Quittensirup-Intervention sich auch bei schwereren Verläufen erfolgreich ist. Keine der teilnehmenden Frauen klagte über das Auftreten von Nebenwirkungen.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gar-nicht-uebel-quittensirup-bei-schwangerschaftsuebelkeit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28631509

 

Kommentar & Ergänzung:

Da Schwangerschaftsübelkeit für die betroffenen Frauen oft eine starke Belastung ist und Quittensirup ein billiges und darüber hinaus gesundes Mittel, kann diese Studien aus dem Iran berechtigtes Interesse wecken. Jedenfalls sind mir keine Gründe bekannt, die gegen einen Versuch mit Quittensirup sprechen würden.

Die Studie ist allerdings mit 90 teilnehmenden Frauen ziemlich klein, was ihre Aussagekraft einschränkt. Wir treffen hier auf ein Problem, das in der Forschung mit Naturheilmitteln oft vorkommt:

Für eine grosse, beweisende Studie, die entsprechend teuer und aufwendig ist, wird sich kaum ein Sponsor finden, wenn das untersuchte Produkt nicht patentierbar sondern billig im Haushalt herzustellen ist. Bei solchen Hausmitteln fehlt einfach oft (und ökonomisch nachvollziehbar) das kommerzielle Interesse für Investitionen in die Forschung.

Fragen wirft auch der Vergleich von Quittensirup versus Vitamin B6-Gabe auf.

Die Wirksamkeit von Vitamin B6 bei Schwangerschaftsübelkeit ist selber nicht zweifelsfrei geklärt. Pharmawiki schreibt dazu:

„Die Verwendung von Pyridoxin gegen Übelkeit geht vermutlich auf kleine, unkontrollierte Studien aus den 1940er Jahren zurück (z.B. Willis et al., 1942). Moderne Zulassungsstudien sind nicht verfügbar. Wir haben in der neueren wissenschaftlichen Literatur lediglich zwei kleine randomisierte und placebokontrollierte klinische Studien aus den 1990er Jahren identifiziert, ausschliesslich in der Indikation Schwangerschaftserbrechen (Sahakian, 1991; Vutyavanich, 1995). Aus unserer Sicht gibt es Hinweise für eine mögliche Wirksamkeit, sauber wissenschaftlich nachgewiesen ist sie bisher jedoch nicht. Ein Therapieversuch ist aufgrund der guten Verträglichkeit möglich.“

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Pyridoxin%20gegen%20Übelkeit

 

Und die Pharmazeutische Zeitung verweist auf eine Cochrane-Metaanalyse:

„Forscher der Cochrane Collaboration haben in einer aktuellen Übersichtsarbeit Studien zu Arzneimitteln zusammengefasst, die bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft empfohlen werden. Ihr Fazit: In Anbetracht der hohen Prävalenz der Beschwerden ist die Studienlage erstaunlich schlecht. So fanden sich beispielsweise für die vielfach empfohlenen Ingwer- oder Pyridoxinpräparate nur sehr wenige Daten aus qualitativ hochwertigen klinischen Studien. Ingwer und Pyridoxin (Vitamin B6) scheinen aber besser als Placebo morgendliche Übelkeit zu lindern. Bei der Reduktion von Erbrechen zeigte nur Ingwer einen leichten Nutzen, während sich die Symptome mit Vitamin B6 nicht eindeutig verbesserten.“

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36523

Wenn für die Vergleichsgruppe mit der Vitamin B6-Gabe eine Intervention gewählt wird, die selber nicht eindeutig in ihrer Wirksamkeit ist, dann kann der Quittensirup diese Vergleichgruppe verhältnismässig leicht übertreffen. Aussagekräftig wäre zudem eine dritte Gruppe gewesen, die ein Placebo bekommen hätte.

Aber eben, das ist alles auch eine Frage der Ressourcen.

Interessant schein mir noch die überlegung, welcher Wirkungsvorgang der Anwendung von Quittensirup bei Schwangerschaftsbelkeit zugrunde liegen könnte.

Die Quittenfrucht enthält „viel Vitamin C, Kalium, Natrium, Zink, Eisen, Kupfer, Mangan und Fluor, Tannine (Catechin und Epicatechin), Gerbsäure, organische Säuren, viel Pektin und Schleimstoffe.“ (Quelle: Wikipedia)

Am interessantesten scheinen mit hier Pektin und Schleimstoffe zu sein. Sie könnten möglicherweise über eine Eindickung der Nahrung dem Erbrechen entgegenwirken. Das kennt man auch von Johannisbrotkernmehl (z. B. als Nestargel) gegen Erbrechen bei Säuglingen.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde werden eher die reifen Quittensamen verwendet. Unzerkleinerte Quittensamen nutzt man für die Zubereitung eines Schleims, der gegen Hustenreiz, als mildes Abführmittel und gegen Entzündungen von Haut und Schleimhäuten eingesetzt wird.

Quittensirup gibt es meines Wissens nicht als Fertigprodukt zu kaufen, doch existieren viele Rezepte zur Zubereitung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Inhalieren gegen Erkältungen

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Das Magazin „Focus“ gibt Tipps gegen Erkältungen und kommt dabei auch auf Inhalationen zu sprechen. Nicht ganz falsch, aber auch ziemlich ungenau.

Was schreibt „Focus“:

„Salzspülung und Inhalieren

Gegen eine verstopfte Nase kann eine Salzwasserspülung aus der Apotheke oder Drogerie helfen. Das Inhalieren mit Ölen oder Kamillentee löst den Schleim.“

Wenn von „Ölen“ gesprochen wird, dann meint man in der Regel „fette Öle“ wie Mandelöl, Sonnenblumenöl oder Olivenöl. Hier sind aber zweifellos ätherische Öle gemeint. Fette Öle sind gar nicht flüchtig und würden nicht in den Dampf übergehen. Fette Öle und ätherische Öle sind aber zwei vollkommen unterschiedliche Dinge und deshalb wäre es hier sinnvoll, von „ätherischen Ölen“ zu schreiben.

Und ja, mit Kamillentee kann man inhalieren. Eine Mischung von Kamillenblüten mit Thymiankraut fände ich bei Husten und Schnupfen allerdings noch besser.

Beim direkten Inhalieren mit ätherischen Ölen, also wenn ätherische Öle auf heisses Wasser gegeben und direkt eingeatmet werden, sollte die Dosierung eher tief bleiben. 1 – 2 Topfen genügen in der Regel.

Und was schreibt „Focus“ weiter:

„Heiß Baden

Ein heißes Bad mit Eukalyptus oder ätherischen Ölen beruhigt, der heiße Dampf befreit die Atemwege. Vorsicht: Bei Fieber sollte nicht heiß gebadet werden!“

 

Ja, ein Erkältungsbad ist eine gute Idee. Mit „Eukalyptus“ ist wohl das ätherische Eukalyptusöl gemeint, so dass die Formulierung „Eukalyptus oder ätherische Öle“ etwas schief ist.

Neben Eukalyptusöl wäre auch Thymianöl eine gute Wahl. Allerdings fehlen im „Focus“-Text genauere Angaben zur Zubereitung und Dosierung, was meines Erachtens für eine sichere und verträgliche Anwendung wichtig wäre.

Ätherische Öle mischen sich schlecht mit Wasser und sind leichter, schwimmen also auf der Wasseroberfläche (Ausnahmen sind zum Beispiel Nelkenöl und Zimtöl). In der Badewanne hat das zur Folge, dass zum Beispiel Thymianöl und Eukalyptusöl konzentriert obenauf schwimmen, was beim Kontakt mit der Haut Reizungen verursachen kann.

Daher müssen die ätherischen Öle emulgiert werden, zum Beispiel indem man sie mit etwas Kaffeerahm (Sahne) oder Vollmilch mischt, bevor sie dem Badewasser zugefügt werden.

Auf ein Vollbad würde ich 8 Tropfen Eukalyptusöl oder Thymianöl geben, bei der ersten Anwendung nur 3 – 4 Tropfen, um die Verträglichkeit zu prüfen.

„Focus“ empfiehlt zudem:

„Natürliche Öle

Eukalyptusöl oder Pfefferminzöl vor dem Schlafen gehen auf der Brust verreiben. Wirkt gegen Husten und hilft beim Durchatmen.“

Auch hier würde es korrekt heissen „Natürliche ätherische Öle“. Meine Empfehlung wäre dabei, Eukalyptusöl oder Pfefferminzöl nicht pur aufzutragen, sondern wenige Tropfen gemischt mit etwas fettem Öl, zum Beispiel Mandelöl, oder allenfalls auch mit einer fettreichen Bodylotion (W/O-Emulsion).

Grundsätzlich könnte man aber auch von Eukalyptusöl, Thymianöl oder Pfefferminzöl ein paar Tropfen auf ein Papiertaschentuch geben und sie so über Nacht im Schlafzimmer verdunsten lassen.

Quelle der Zitate:

http://www.focus.de/gesundheit/praxistipps/erkaeltung-schnell-loswerden-die-besten-tipps_id_7761950.html

Als Ergänzung:

Margret Wenigmann empfiehlt im Fachbuch „Phytotherapie“ für die äusserliche Anwendung von Pfefferminzöl:

„Einige Tr. In die betroffenen Hautpartien einreiben, in halbfesten oder öligen Zubereitungen 5 – 20 –prozentig…“

Bei Säuglingen und Kleinkindern rate ich ab von Pfefferminzöl-Anwendungen.

Margret Wenigmann schreibt dazu:

„Bei Säuglingen und Kleinkindern nicht im Bereich des Gesichtes, speziell der Nase, oder grossflächig auf Brust und Rücken anwenden (Gefahr von Glottiskrampf, Kratschmer-Reflex mit Atemdepression bis hin zur Erstickung).“

Solche Warnungen sind ähnlich formuliert in wohl allen Phytotherapie-Fachbüchern zu finden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Erkältung: Welche Therapien wirklich helfen

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Das Angebot an konventionellen und alternativen Präparaten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten ist sehr gross. Die Studien zur Wirksamkeit sind aber oft nicht sehr überzeugend.

Erwachsene machen pro Jahr zwei bis vier Erkältungsepisoden durch, Kinder sogar sechs bis acht. Entsprechend umfangreich ist der Umsatz an Präparaten, mit denen Ärzte oder die Patienten selbst versuchen, den Verlauf der meist viralen Infektionen abzuschwächen und zu verkürzen. Von welchen Behandlungen nach derzeitigem Wissensstand wirklich Hilfe zu erwarten ist und von welchen eher nicht, das haben Miriam Croessmann vom Sana Klinikum Offenbach und Professor Markus Rose von der Universität Frankfurt / Main in der Fachzeitschrift „Pneumologe“ zusammengefasst (Pneumologe 2016: 13: 262–273). Dabei steht die Anwendung bei Kindern im Zentrum.

Die „Ärzte Zeitung“ hat den Text zusammengefasst.

Ich greife nachfolgend die pflanzlichen Präparate als Zitate heraus und kommentiere sie stellenweise.

Zu den schleimlösenden Mitteln (Sekretolytika / Mukolytika) steht da:

„Sie sollen bei erkältungsbedingter Bronchitis den Schleim verflüssigen und das Abhusten erleichtern. Unter Acetylcystein kann ein erhöhtes Volumen von verflüssigtem Bronchialsekret auftreten, das unter anderem von jungen Kindern schlecht abgehustet werden kann. Von Efeupräparaten ist dies nicht zu befürchten. Sekretolytika / Mukolytika sollten vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eine strenge Indikationsstellung erfahren.“

Hier werden also das synthetische Acetylcystein und die pflanzlichen Efeupräparate erwähnt. Zur Wirksamkeit wird nichts gesagt, aber die Efeupräparate sind an einem Punkt verträglicher. Das am besten dokumentierte Efeupräparat ist Prospan® (zugelassen für Kinder ab zwei Jahren). Das beste Mukolytikum sei eine gute Befeuchtung der Atemwege und reichlich trinken, heisst es in dem Beitrag.

Dann geht es noch um ätherische Öle als Einreibemittel:

„ Vapor rub mit den Wirkkomponenten Kampfer, Menthol, Eukalytpusöl hat bei Kindern keine Wirkung auf Husten oder Schnupfen, aber Kind und Eltern schlafen besser. Eltern müssen aufgeklärt werden, dass Einreibemittel und Tropfen auf Basis ätherischer Öle zu Atemwegsreizungen bis zum Bronchospasmus führen können.“

Gemeint ist hier wohl „Wick Vaporub“ (D) bzw. „Vicks vaporub“ (CH). Menthol ist der Hauptbestandteil von Pfefferminzöl. Es löst auf der Haut und an der Nasenschleimhaut ein Kältegefühl aus, das nicht physikalisch durch tiefe Temperatur, sondern durch Bindung an einen Kälterezeptor ausgelöst wird. In der Nase wird dadurch der Luftstrom intensiver wahrgenommen, wodurch eine subjektive Empfindung des Besser-durchatmen-könnens entsteht. Sie lässt sich nicht objektivieren, das heisst, man kann nicht durch Messung nachweisen, dass mehr Luft durch die Nase geht. Aber immerhin wirkt das erleichternd auf die Beschwerden der verstopften Nase, so dass nachvollziehbar ist, dass erkältete Kinder besser schlafen. Dass auch die Eltern besser schlafen, ist wohl ein erwünschter Nebeneffekt.

Ich würde allerdings bei Säuglingen und Kleinkindern als Einreibemittel nur mentholfreie Produkte verwenden. Als Regel gilt zudem, dass bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle nicht konzentriert in der Nähe der Atemöffnungen eingesetzt werden sollten.

Interessanterweise ist die Wirksamkeit von Honig gegen Hustenreiz recht gut belegt:

„Honig: Bei Kindern im Alter über einem Jahr kann ein Löffel Honig am Abend Husten und Nachtschlaf günstig beeinflussen.“

Siehe:

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

Und dann kommt Knoblauch:

„Knoblauch: Laut einer Cochrane-Analyse können Knoblauchtabletten möglicherweise Erkältungen vorbeugen, haben aber keinen Einfluss auf die Dauer von Erkältungen.“

Diese Cochrane-Analyse ist sehr interessant. Sie basiert aber auf nur einer Studie.

Siehe:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

 

Für Kinder dürfte Knoblauch zur Prophylaxe von Erkältungen geruchlich allerdings wohl etwas schwierig sein.

Dann der Klassiker der pflanzlichen Immunstimulantien: Echinacea / Sonnenhut:

„Echinacea: Es gibt keine überzeugenden Daten für den therapeutischen Einsatz von Echinacea bei Erkältungen, allenfalls für eine leichte prophylaktische Wirkung.“

Diese Einschätzung ist ziemlich ernüchternd. Sie beruht wohl auf dem Cochrane-Review von 2014:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24554461

Meinem Eindruck nach gibt es schon Leute, die von einer Echinacea-Einnahme profitieren. Klar scheint mir aber auch, dass die Erwartungen, die von der Werbung geweckt werden, durch die Studienlage nicht gedeckt sind.

Und dann weiter zu „Umckaloabo“, der alten Zulu-Heilpflanze aus Südafrika:

„Umckaloabo: Der Extrakt aus Pelargonium sidoides soll immunstimulierend, hustenstillend und schleimlösend wirken. In RCTs ist die Wirksamkeit bei Erwachsenen mit Erkältung oder akuter Rhinosinusitis sowie bei Erwachsenen und Kindern mit akuter Bronchitis gezeigt worden. Die Qualität der Evidenz sei niedrig, so Croessmann und Rose.“

„Umckaloabo“ ist auch als „Kapland-Pelargonie“ im Handel. Die relevanten Studien wurden alle mit dem Extrakt bzw. Präparat „Umckaloabo®“ durchgeführt (in der Schweiz nach ärztlicher Verordnung kassenpflichtig als Kaloabo®). Die Ergebnisse können nicht auf andere Produkte mit Kapland-Pelargonie übertragen werden, die zum Beispiel als Hausspezialitäten in Apotheken und Drogerien angeboten werden.

Bei Kindern seien günstige Effekte auf nasale Symptome und auf den Verbrauch von Dekongestiva durch Meerwasser-Spülungen dokumentiert, heisst es im Beitrag weiter (Dekongestiva hier = Abschwellende Nasentropfen).

Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass für Vitamin C keine eindeutigen therapeutischen Effekte bei Erkältungen belegt sind. Das konnte für die Normalbevölkerung schon durch eine ganze Reihe von Studien belegt werden. Eine Ausnahme scheinen Sportler darzustellen, bei Ihnen kann die vorbeugende Einnahme die Erkältungshäufigkeit auf rund die Hälfte reduzieren. Siehe dazu auf „Medizin transparent“:

Vitamin C beinahe nutzlos gegen Erkältungen

Zum Nutzen der Luftbefeuchtung seien die Studienergebnisse widersprüchlich, wird im Artikel vermerkt.

Die Originalpublikation in der Zeitschrift „Der Pulmologe“ fasst als Ergebnis für Kinder zusammen:

„Bei Kindern gibt es für häufig als Erkältungsmittel angewandte Substanzen wie Hustensäfte oder Echinaceapräparate keine konsistente Datenlage. Potenziell nützlich sind ätherische Einreibungen (Vapor rub, cave: Reizungen), Zink, Pelargonium sidoides und Honig.“

Quellen

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/922746/erkaeltung-helfen-diese-20-therapien-wirklich.html

Der Pneumologe, Juli 2016, Volume 13, Issue 4, pp 262–273

http://link.springer.com/article/10.1007/s10405-016-0052-3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Risiken von Hustenpräparaten und Erkältungsmitteln mit Codein

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Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic empfiehlt neue Einschränkungen in der Anwendung von Hustenpräparaten und Erkältungsmitteln mit Codein und will die Arzneimittelinformationen entsprechend anpassen. Auslöser für diese Massnahmen ist ein kürzlich erfolgter Beschluss der europäischen Arzneimittelbehörde EMA.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat die Codein-haltigen Husten- und Erkältungsmittel aufgrund ihrer Risiken überprüft und im April dieses Jahres Einschränkungen in ihrer Anwendung verfügt (Beschluss EMA/CMDh/206590/2015).

Codeinhaltige Medikamente können bei empfindlichen Patienten Atemproblemen auslösen. Gefährdet sind Kinder unter 12 Jahren und Säuglinge stillender Mütter, sofern diese Codein einnehmen, darüber hinaus auch Personen, die Codein schneller zu Morphin umwandeln als normal (sog. ultraschnelle Metabolisierer). Swissmedic rät darum, Husten und Erkältung bei diesen Patientengruppen mit Präparaten ohne Codein zu behandeln. Bei Jugendlichen über 12 Jahren, die eine eingeschränkte Atemfunktion haben, ist Vorsicht nötig.

Der Beschluss der EMA und die entsprechenden Anpassungen der Arzneimittelinformationen werden gegenwärtig in den EU-Ländern umgesetzt.

Swissmedic hat die Firmen, in unserem Land eine Zulassung für Husten- und Erkältungsmittel mit Codein haben aufgefordert, die gleichen Einschränkungen in die Arzneimittelinformationen aufzunehmen. Swissmedic prüft darüber hinaus, die Anwendung bei den aufgeführten Risikogruppen auszuschliessen (Kontraindikation).

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5211&NMID=5211&LANGID=2

Swissmedic – online, 27.07.2015

 

Kommentar & Ergänzung:

Codein ist ein Alkaloid, das zu etwa 0,3 – 3 % im Opium vorkommt, das aus getrocknetem Milchsaft unreifer Samenkapseln von Schlafmohn (Papaver somniferum) gewonnen wird und auch andere Alkaloide wie Morphin, Papaverin, Thebain und Narcotin enthält.

Obwohl Codein ein pflanzlicher Wirkstoff ist, wird seine Anwendung heute von den meisten Fachleuten nicht zu Phytotherapie gerechnet, weil unter Phytotherapie die Anwendung von Wirkstoffgemischen aus Pflanzen verstanden wird und nicht die Anwendung von isolierten Einzelsubstanzen.

Codein ist seit langem Bestandteil vieler Hustenpräparate und soll zur Linderung von trockenem Reizhusten beitragen. Dabei gibt es auch fragwürdige Kombinationen mit Arzneistoffen, die das Lösen und Abhusten von Schleim fördern sollen. Wenn Codein nämlich tatsächlich wie erwartet die Hustenfrequenz reduziert, wirkt es dem Abhusten von Schleim eher entgegen.

Obwohl Codein verbreitet in Hustenpräparaten und Erkältungsmitteln eingesetzt wird, ist seine Wirksamkeit gar nicht so eindeutig belegt, wie man das annehmen würde.

Das „Pharmawiki“ schreibt dazu:

„Codein wird häufig eingesetzt und prominent im WHO-Stufenschema erwähnt, sein medizinischer Einsatz ist in der wissenschaftlichen Literatur jedoch nicht unbestritten. So wird beispielsweise in einigen Publikationen hinterfragt, ob Codein tatsächlich gegen Husten wirksam ist. Kontrovers diskutiert wird auch die variable Pharmakokinetik, die vermutlich dazu führt, dass einige Patienten übermässig und andere gar nicht auf das Medikament ansprechen….Moderne Zulassungsstudien fehlen.“

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Codein

 

Die „variable Pharmakokinetik“ von Codein hängt mit genetischen Faktoren zusammen, die bewirken, dass etwa 10 % der Bevölkerung weisser Hautfarbe Codein nur langsam verstoffwechseln, was zu einer abgeschwächten Wirkung führt. Etwa 1 – 5,5 % der weissen Bevölkerung gehören dagegen zu den sogenannten Schnellmetabolisierern, bei denen es durch beschleunigt ablaufende Umwandlungsprozesse zu erhöhten Morphinkonzentrationen im Plasma kommt und dadurch zum Risiko von morphinbedingten Nebenwirkungen.

Codein hat auch ein Missbrauchspotenzial weil es im Organismus durch Enzyme in Morphin umgewandelt werden kann.

Interessant ist der Hinweis im Pharmawiki, dass moderne Zulassungsstudien fehlen.

Vor allem in den niedrigeren Dosierungen, wie sie in nicht-rezeptpflichtigen Hustenpräparaten vorkommen, ist die Wirksamkeit gegen trockenen Reizhusten offenbar alles andere als klar belegt.

Es scheint eine ganze Reihe von alten Arzneimitteln zu geben, deren Wirksamkeit nie mit modernen Zulassungsstudien belegt wurde.

Es gibt also nicht nur traditionelle pflanzliche Arzneimittel, die vom Wirksamkeitsnachweis befreit wurden, sondern offenbar auch traditionelle Arzneistoffe der Pharmakologie.

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Pfefferminzöl / Menthol befreit die Nase bei Schnupfen

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Pfefferminzöl oder sein Hauptinhaltsstoff Menthol werden vielfach angewendet zur Befreiung einer verstopften Nase bei Schnupfen.

Und wie kommt diese Wirkung zustande?

Facharzt Dr. Peter Kardos schreibt dazu in einem Statement für das *Komitee Forschung Naturmedizin“:

„Zur Wirkung von Menthol gehört das durch Wirkung auf die Rezeptoren erzielte Gefühl des freien Durchatmens, das die Patienten schätzen, obwohl es objektiv durch Messung des Widerstandes (Rhinomanometrie) nicht zu bestätigen ist! Vielleicht spielt hier die nachweisbare Senkung der Atemfrequenz mit eine wichtige Rolle, die ihrerseits wiederum zu einem weniger turbulenten Atemfluss führt.“

 

Quelle:

http://phytotherapie-komitee.de/#Publish::Page/show/page_id=214

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirkungsweise von Pfefferminzöl / Menthol auf eine verstopfte Nase bei Schnupfen ist tatsächlich interessant.

Es werden bei der Inhalation Kälterezeptoren in der Nasenschleimhaut aktiviert, wodurch der Luftstrom intensiver wahrgenommen wird. Das gibt die Empfindung befreiten Atmens.

Aber wie Dr. Kardos schreibt: Dass wirklich mehr Luft durch die Nase fliesst, konnte mit Messungen nicht bestätigt werden. Pfefferminzöl / Menthol bewirkt also nur die Empfindung einer freieren Nase. Aber das spielt keine Rolle, wenn sich so das Befinden beim Schupfen verbessern lässt.

Vorsicht bei Säuglingen und Kleinkindern: Pfefferminzöl und mentholhaltige Präparate dürfen nicht als konzentrierte Dämpfe zur Inhalation verwendet und nicht im Bereich von Mund und Nase eingerieben oder eingeträufelt werden, da es in seltenen Fällen reflektorisch zu Atemstillstand kommen kann.

Pfefferminzöl und Menthol bei Säuglingen und Kleinkindern also besser meiden und auch nicht als Bestandteil von Erkältungssalben einreiben.

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Heilpflanzen gegen Blähungen

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Das „Bayerische Fernsehen“ kümmert sich um unsere Verdauungsbeschwerden:

„Blähungen entstehen, wenn sich im Darm zu viele Gase bilden. Der sogenannte „3-Winde-Tee“ hilft, dass die Gase den Darm möglichst schnell wieder verlassen. Er besteht aus Kümmel, Fenchel- und Anissamen. Kümmel löst Krämpfe und fördert die Verdauung. Deswegen wird er auch häufig blähenden Speisen, wie z. B. Krautsalat, zugesetzt. Fenchel hilft ebenfalls gegen Blähungen und Krämpfe. Deshalb wird er schon Säuglingen gegeben. Und auch Anis hilft, indem er den Magen anregt, mehr Magensaft zu produzieren, was wiederum die Verdauung fördert.“

Kommentar:

Kümmel, Fenchel und Anis sind bewährte Heilpflanzen bei Völlegefühl und Blähungen. Sie können auch gut gemischt werden. Fenchel und vor allem auch Anis haben über den Verdauungstrakt hinaus noch eine schleimlösende Wirkung bei Husten.

Den Ausdruck „3-Winde-Tee“ habe ich noch nie gehört. Bekannter ist ein „Vier-Winde-Tee“, eine Mischung von Kamille, Pfefferminze, Kümmel und Fenchel.

Zur Zubereitung des „3-Winde-Tees“ schreibt der BR:

„Zubereitung: Kümmel, Fenchel- und Anissamen zu gleichen Teilen mischen. Einen gestrichenen Teelöffel pro Tasse mit heißem Wasser übergießen. 10 Minuten abgedeckt ziehen lassen.

Anwendung: Bei auftretenden Blähungen in kleinen Schlucken trinken. Falls Sie regelmäßig an Blähungen leiden, können Sie auch täglich ein bis zwei Tassen zur Vorbeugung trinken.“

Kommentar:

Sinnvoll wäre es, Kümmelfrüchte, Anisfrüchte und Fenchelfrüchte vor der Teezubereitung in einem Mörser zu zerstossen. Das heisse Teewasser kann dadurch die Wirkstoffe besser lösen. Es handelt sich dabei um ätherische Öle, die allerdings nur schlecht wasserlöslich sind. Die Löslichkeit dürfte sich verbessern lassen, wenn zur Teezubereitung dem Wasser etwas Vollmilch zugesetzt wird.

Quelle der Zitate:

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/wir-in-bayern/service/adelheid-lingg-service-kraeuter-gegen-magenprobleme-100.html

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Menthol als problematischer Zusatzstoff in Zigaretten

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Die „Österreichische Apothekerzeitung“ (Nr. 24 / 2013) veröffentlichte einen informativen Artikel über die Wirkmechanismen von Monoterpenen und Sesquiterpenen als Bestandteile ätherischer Öle.

Die Autoren Mag. pharm. Anja Ilic  und Univ.-Prof. i. R. Dr. Gerhard Buchbauer gehen darin auch auf Menthol ein, dem Hauptbestandteil von Pfefferminzöl.

Sehr interessant ist dabei die Beschreibung der Menthol-Wirkung in Mentholzigaretten und mentholisierten Zigaretten:

„Nach Angaben der Tabakindustrie verleiht Menthol dem Tabak einen angenehmen Geschmack und Geruch, nicht nur in ausgewiesenen »Menthol-Zigaretten«, sondern auch in normalen, nicht mentholierten Zigaretten. Tatsächlich hat dies aber einen starken pharmakologischen Effekt. Menthol wirkt nämlich auf die so genannten TRP-Kanäle, Rezeptoren die für die Perzeption von Kälte, Wärme und Schmerz verantwortlich sind. Dadurch wird ein kühlender und schmerzstillender Effekt verursacht, was dem Raucher zunächst ein leichteres und tieferes Einatmen des Rauches ermöglicht, dann aber auch das Abhängigkeitspotenzial und Risiko von Raucherkrankheiten erhöht. Zudem verbessert Menthol die transdermale und transbukale Resorption von Substanzen im Tabak (u.a. auch des Kanzerogens Benzpyren) und unterdrückt so das Hustenbedürfnis. Weiters hemmt es auch die Oxidation von Nikotin zu Cotinin, sodass Nikotin länger im Körper verweilt. Menthol im Tabak ist also definitiv nicht nur ein Geschmacksstoff, sondern beeinflusst auch die sensorische Perzeption, das Rauchverhalten und das Suchtpotenzial.“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2013/OAZ-2013-24.pdf

Kommentar und Ergänzung:

Es scheint mir schlicht ungeheuerlich, mit welch raffinierten Zusatzstoffen Zigaretten aufgemotzt werden.

Siehe dazu auch:

Zusatzstoffe im Tabak – Beispiel Johannisbrot

Das EU-Parlament in Strassburg hat im übrigen beschlossen, dass Mentholzigaretten in Europa bis ins Jahr 2022 vom Markt verschwinden müssen. Immerhin. Wobei mir unverständlich bleibt, weshalb es da noch eine neunjährige Schonfrist braucht.

Wenn Menthol tatsächlich das Hustenbedürfnis unterdrückt, dann spricht dieser Effekt für das Einatmen von Menthol oder Pfefferminzöl bei trockenem Hustenreiz. Natürlich nur über begrenzte Zeit und nicht in Form von Mentholzigaretten….

Menthol eignet sich allerdings nicht für die Anwendung bei Säuglingen und Kleinkindern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

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Phytotherapie / Aromatherapie: Carvon als Bestandteil von ätherischen Ölen

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Carvon ist ein monocyclisches Monoterpen-Keton und findet sich als Bestandteil von ätherischen Ölen.

Carvon kommt in zwei Varianten vor:

– das (S)-(+)-Carvon

[auch als D-(+)-Carvon oder kurz (+)-Carvon bezeichnet]

Es hat den typischen Geruch nach Kümmel und kommt vor in Kümmelöl, Dillöl und Mandarinenschalenöl.

– das (R)-(−)-Carvon

[auch als L-(−)-Carvon oder kurz (−)-Carvon bezeichnet]

Es riecht nach Krauseminze und ist zu finden im Krauseminzöl und Kuromojiöl. Es ist allergieauslösend.

Ingwergrasöl enthält beide Varianten des Carvons.

Zur Wirkung von Carvon:

Carvon wirkt günstig bei verstärkter Gasbildung und Gasansammlung im Verdauungstrakt. Kümmelöl ist ein Karminativum (= Mittel gegen Blähungen) und hat daher schon lange seinen Platz Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde und Phytotherapie inne. Es wirkt krampflösend und aktiviert die Funktion der Verdauungsdrüsen. Kümmeltee oder Kümmeltinktur können gegen Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl, Blähungen und leichte krampfartige Magen-Darmstörungen eingesetzt werden. Kümmelfrüchte kann man jedoch auch direkt kauen.

Falls Sie mehr erfahren möchten über ätherische Öle und andere Inhaltsstoffe von Heilpflanzen, bekommen Sie dazu fundierte, gut verständliche Informationen in meinen Ausbildungen, Weiterbildungen und Kursen. Einen Überblick dazu gibt es hier im Kurskalender.

Weitere interessante Infos zu Carvon, Kümmel, Dill und Co.:

Sind Kreuzkümmel und Kümmel verwandt?

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde: Dillfrüchte (Anethum graveolens)

Kümmeltee gegen Blähungen

Kümmelöl: Bauchmassagen gegen Krämpfe und Blähungen bei Säuglingen und Kleinkindern

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Kleopatrabad bei Neurodermitis und trockener Haut

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Wer an Neurodermitis und/oder trockener Haut leidet, dem wird oft empfohlen, anstelle eines Vollbades eine kurz Dusche zu nehmen, weil diese die Haut weniger entfettet.

Wer trotzdem ein Vollbad nehmen möchte, sollte für eine rückfettende Wirkung sorgen.

Dazu kann man ein Spezialbad für Neurodermitis-Patienten in der Apotheke kaufen oder ein rückfettendes Bad selber herstellen.

Das geht sehr einfach mit einem traditionellen Hausmittel mit dem verheissungsvollen Namen „Kleopatrabad“.

Das Magazin „Stern“ hat kürzlich Alltagstipps für Neurodermitis-Patienten veröffentlicht und dabei auch das Kleopatrabad empfohlen:

„Dafür mischen Sie 40 Milliliter Olivenöl mit 20 Milliliter Milch, schütteln es kräftig, bis eine Emulsion entsteht, und setzen diese nach fünf Minuten dem Badewasser zu. Auf der Haut bildet sich ein dünner Ölfilm, der rückfettend wirkt.“

Nach dem Bad die Haut an der Luft trocknen, sonst landet der Ölfilm im Handtuch, und der Effekt geht verloren.

Quelle:

http://www.stern.de/allergie/vorbeugen/atopisches-ekzem-alltagstipps-fuer-neurodermitis-patienten-585265-e3a97b4519108477.html

Kommentar & Ergänzung:

Zum Mischungsverhältnis gibt es in den Quellen unterschiedliche Angaben. Ich selber empfehle zwei Esslöffel Olivenöl zu mischen mit einer Tasse Milch. Es muss Vollmilch sein, weil Milchdrink zuwenig Fettanteil hat, um eine gute Emulgierungswirkung zu gewährleisten.

Der Ölfilm vermindert die Abdunstung von Wasser aus der Haut und erhöht damit deren Feuchtigkeitsgehalt.

Der Name „Kleopatrabad“ geht natürlich auf die ägyptische Königin Kleopatra (69 – 30 v.u.Z) zurück, die in Eselsmilch gebadet haben soll.

Heute wird natürlich aus praktischen Gründen in der Regel Kuhmilch verwendet, doch hat die Eselsmilch als Badezusatz und Hautpflegemitttel eine lange Geschichte.

„Eselsmilch wird heute in Heilbehandlungen für Hauterkrankungen und Allergien verwendet. In erster Linie soll Eselsmilch von Allergikern getrunken werden. Reine Eselsmilch ist auch ein Kosmetikprodukt. Bereits in der Antike soll Kleopatra in Eselsmilch gebadet haben. Von Kaiserin Elisabeth und Joséphine Bonaparte sind ähnliche hautfreundliche Bäder überliefert.

In der Nähe der Stadt Agrigent in Italien entsteht nun die erste größere europäische Produktionsstätte für Eselsmilch. Da Eselsmilch eine natürliche Alternative für Babys und Kleinkinder mit einer Allergie gegen Kuhmilch darstellt ist die Nachfrage nach diesem teuren Naturprodukt hoch.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zur Zusammensetzung der Eselsmilch:

„ Eselsmilch ist genau wie Stutenmilch der menschlichen Muttermilch sehr ähnlich, wobei der Anteil an Lipiden auffällig niedrig und der Lactose-Anteil hoch ist. Sie wurde früher häufig als natürlicher Muttermilchersatz angewendet. Die Molken derselben enthalten viel Milchzucker und schmecken süß.“

(Quelle: Wikipedia)

Noch vor der Kuhmilch, der Ziegenmilch, der Stutenmilch oder der Schafsmilch war Eselsmilch zudem die Ersatzmilch erster Wahl für mütter- und ammenlose Säuglinge.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kümmelöl für Bauchmassagen gegen Krämpfe und Blähungen bei Säuglingen und Kleinkindern

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Bei Krämpfen und Blähungen von Säuglingen und Kleinkindern wird häufig Fencheltee oder Kamillentee angewendet. Eine Alternative oder Ergänzung ist die Bauchmassage mit Kümmelöl:

10 bis 15 Tropfen einer zehnprozentigen Lösung des Kümmelöls in einem fetten Öl, beispielsweise in Olivenöl, lindern bei Kleinkindern und Säuglingen Blähungen und Krämpfe, wenn sie mit kreisenden Bewegungen in der Nabelgegend einmassiert werden.

Woraus besteht Kümmelöl?

Kümmelöl stammt aus den Früchten des Wiesen-Kümmels (Carum carvi). Die altbewährte Gewürz- und Heilpflanze wächst bei uns in den Bergen recht häufig.

Wer Kümmel in Natura kennenlernen möchte, kann das auf vielen meiner Bergexkursionen.

Kümmelöl enthält als Hauptbestandteile Carvon (40-66 %) und Limonen (bis 50 %).

Carvon kommt auch vor im Dillöl, im Krauseminzenöl und im Mandarinenöl.

Limonen ist das in Pflanzen am häufigsten vorkommende Monoterpen und ist neben dem Kümmelöl zum Beispiel auch zu finden in Pomeranzenschalenöl, in Dillöl, in Korianderöl, in Zitronenöl und in Orangenöl.

Limonen dient in der Industrie als preiswerter Duftstoff und wird auch verwendet als Ausgangsstoff für die Synthese von Dronabinol (synthetisches THC).

Zu Dronabinol siehe:

Cannabis als Heilmittel zulassen

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Tschechien: Cannabis bald in Apotheken erlaubt

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=15

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