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Lymphe reinigen mit Schachtelhalm?

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Kürzlich wurde ich gefragt, ob es stimme, dass man mit Schachtelhalm die Lymphe reinigen könne. Auf meine Gegenfrage, woher sie diese Idee habe, sagte die Person nur, sie habe das so in ihrer Naturheilpraktiker-Ausbildung gelernt.

In der Phytotherapie-Fachliteratur, die sich auf Studien und dokumentierte Erfahrungen stützt taucht bei Schachtelhalm nirgends eine Wirksamkeit zur Reinigung der Lymphe auf. Im Internet findet man diese Angabe aber nicht selten, allerdings immer ohne nähere Erklärung dazu, wie dieser Effekt zustande kommen soll – und ohne eine auch nur einigermassen plausible Begründung.

Um die Glaubwürdigkeit einer solchen Behauptung beurteilen zu können, müsste ich den Weg wissen, wie sie zustande gekommen ist. Wer hat eine solche Wirkung von Schachtelhalm auf die Lymphe festgestellt? Mit welchen Methoden? Wie soll die Wirkung zustande kommen? Von welchen Schadstoffen soll der Schachtelhalm die Lymphe reinigen? Welche Wirkstoffe sollen an dieser Wirkung beteiligt sein?

Mit solchen Fragen läuft man beim Thema „Lymphe reinigen mit Schachtelhalm“ völlig ins Leere.

Die Phytotherapie-Fachliteratur schreibt dem Schachtelhalm eine leicht harntreibende Wirkung zu (genauer: Die Ausscheidung von Wasser steigt). Darüber hinaus ist ein hoher Gehalt an Kieselsäure für den Schachtelhalm charakteristisch. Der Kieselsäure wird eine stärkende Wirkung auf Bindegewebe zugeschrieben, was aber fraglich ist. Überzeugende Argumente dafür fehlen jedenfalls. Eine Reinigung der Lymphe lässt sich damit nicht begründen.

Das ist zusammengefasst ziemlich unspektakulär und bescheiden. Da tönt es schon viel bedeutender, wenn gesagt wird, dass Schachtelhalm die Lymphe reinigt.

Aber darf man einfach ungeprüft etwas erzählen, nur damit Bedeutsamkeit erreicht wird? Darf eine Heilpflanze nicht auch unspektakulär und bescheiden daher kommen? Muss alles super toll sein?

Interessant sind die Schachtelhalme durch ihre wichtige Rolle in der Entwicklung der Pflanzenwelt. Sie schafften es zusammen mit Farnen und Bärlappgewächsen, in grossem Stil die Landmassen der Erde zu besiedeln und damit der Pflanzenwelt den Sprung vom Meer aufs Land zu ermöglichen. Vor etwa 300 Millionen Jahren in der „Karbon-Zeit“ gab es Schachtelhalme und Farne mit 30 Metern Höhe und 1 m Stammdurchmesser. Aus den Überresten dieser Wälder entstanden Steinkohlelager (Daher: Karbon-Zeit). Wie die Farne und die Bärlappe bilden die Schachtelhalme keine Blüten und Samen, was auf ihr hohes entwicklungsgeschichtliches Alter hinweist. Erst die später folgenden Nadelhölzer entwickelten Blüten & Samen.

Der Kieselsäuregehalt der Schachtelhalme hat zur Folge, dass man sie als milde Scheuermittel verwenden kann, zum Beispiel zur Reinigung von Pfannen – daher kommt der Volksname Zinnkraut für den Schachtelhalm.

Als Heilpflanzen wir übrigens nur der Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense) verwendet.

An feuchteren Stellen trifft man den Sumpf-Schachtelhalm an (= Equisetum palustris), der für Weidevieh giftig ist. Wikipedia schreibt dazu:

„Der Sumpf-Schachtelhalm ist aufgrund seiner Inhaltsstoffe für Weidevieh giftig. Für die Giftwirkung sind hauptsächlich zwei Stoffe verantwortlich: Erstens eine Thiaminase, die das Vitamin B1 zerstört und vor allem auf Pferde giftig wirkt und ein Taumeln der Tiere auslöst. Zweitens das Piperidin-Alkaloid Palustrin (0,01–0,3 %), das auch im Heu über Jahre hinweg erhalten bleibt und das bei Rindern zur Abnahme des Milchertrags und zu Lähmungserscheinungen führt.

Beim Menschen sind keine Vergiftungen bekannt; trotzdem sollte der Sumpf-Schachtelhalm nicht in Tee-Mischungen enthalten sein.“

Hübsch anzusehen ist der Riesen-Schachtelhalm (Equisetum maximum, Equisetum telmateia). Mit einer Grösse von bis zu 150 cm ist er die grösste in Mitteleuropa heimische Schachtelhalm-Art.

P.S. Wenn Sie diese Schachtelhalmarten unterscheiden lernen wollen, dann zeige ich Ihnen die Erkennungsmerkmale gerne auf einer Kräuterwanderung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Guarmehl bei Diabetes Typ 2

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Guarmehl wird aus den Samen der Guarbohne oder Büschelbohne (Cyamopsis tetragonolobus) gewonnen, einer Fabaceae. Als wirksame Inhaltsstoffe gelten Polysaccharide, die die Transitzeit der Nahrung im Darm verlängern. Zudem wird das zuckerspaltende Enzym α-Amylase durch Guarmehl gehemmt. Das reduziert Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten. Klinische Studien belegen die Wirksamkeit und Sicherheit von Guarmehl bei Diabetes Typ 2. Darüber hinaus beeinflusst die Einnahme den Gesamtcholesterol- und den LDL-Spiegel günstig. Allerdings kann Guarmehl den Insulineffekt verstärken. Wie für alle anderen pflanzlichen Antidiabetika aus der Selbstmedikation gilt auch hier die Regel, dass der Patient den Arzt über die Einnahme informieren sollte. Zudem ist es wichtig, dass er seinen Blutzuckerspiegel regelmäßig misst.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41169

 

Kommentar & Ergänzung:

Zum Guarkernmehl siehe auch:

Was ist Guar?

Verstopfung: Woraus besteht Benefiber?

Phytotherapie bei Diabetes Typ 2 

 

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Knoblauchrauke / Knoblauchhederich vor über 6000 Jahren als Gewürz eingesetzt

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Die Menschen im Ostseeraum haben offenbar bereits vor über 6000 Jahren ihre Speisen mit einer Art Knoblauchsenf gewürzt. Ein internationales Wissenschaftlerteam fand in Keramikgefäßen, die hauptsächlich von der Küste bei Neustadt in Holstein stammen, Spuren der Knoblauchrauke (Alliaria petiolata, Knoblauchhederich).

Dies sei der älteste direkte Beleg für den Einsatz von Gewürzen in der prähistorischen europäischen Küche, berichten die Wissenschaftler um Hayley Saul von der englischen Universität York in der Zeitschrift „Plos one“.

Sie halten die Entdeckung für einen Meilenstein: Lange Zeit ging man davon aus, dass die Kulturen der Jäger und Sammler beim Übergang zum Ackerbau in diesen Breiten Pflanzen nur als Kalorienlieferanten nutzten. Weil die Knoblauchrauke nur einen geringen Nährwert aufweist und in den Gefäßen auch Rückstände von Tieren und anderen Pflanzen gefunden wurden, gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Menschen den pfeffrig-knoblauchartigen Geschmack zm Verfeinern von Speisen nutzten.

Die Keramikscherben, die in Schleswig-Holstein und Dänemark gefunden wurden, sind mindestens 6100 Jahre alt. Die Forscher analysierten die an verkohlten Speiseresten gefundenen sogenannten Phytolithen und entdeckten dabei, dass sie denen von Samen der Knoblauchrauke ähnelten. Phytolithen sind Silikatablagerungen, die von Pflanzen hergestellt werden und auch dann nicht zerstört werden, wenn die Pflanze verrottet oder verbrannt wird.

Die Samen der mit Senfpflanzen verwandten Knoblauchrauke dienten nach Ansicht der Forscher offenbar dazu, die in den Keramikgefäßen gekochten Fleisch- und Fischspeisen geschmacklich zu verfeinern.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article119283602/Vor-6000-Jahren-wurde-schon-mit-Knoblauch-gewuerzt.html

Kommentar & Ergänzung:

Schön, dass wieder einmal die Knoblauchrauke in den Medien erwähnt wird. Für den scharfen Geschmack der Knoblauchrauke ist vor allem das Senfölglykosid Sinigrin verantwortlich, das für viele Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) charakteristisch ist. Die scharfen schwarzen Samen des Knoblauchhederich können wie Pfefferkörner verwendet werden.

Knoblauchhederich ist neben dem Wiesenschaumkraut die Raupenfutterpflanze für den Aurorafalter. Das Männchen des Aurorafalters ist auf der Flügeloberseite orange-weiss und ist sehr auffällig und unverwechselbar im Frühling herumflatternd.

Foto der Knoblauchrauke auf Wikipedia

Der Artikel in der „Welt“ steht übrigens unter dem Titel „Vor 6000 Jahren wurde schon mit Knoblauch gewürzt“. Da ist offenbar jemandem nicht klar gewesen, dass Knoblauch und Knoblauchhederich nicht das Selbe ist. Die Verwendung von Knoblauch als Heilmittel und Nahrungspflanze ist aber auch schon sehr alt  und beispielsweise bereits aus dem Alten Ägypten bekannt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Paläo-Diät / Steinzeiternährung – ein Fantasieprodukt?

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Unsere Vorfahren aus der Urzeit seien für uns heutige Menschen bezüglich Ernährung das grosse Vorbild. Diese Ansicht vertreten heute manche Ernährungsratgeber.

Unter Steinzeiternährung, Steinzeitdiät oder Paläo-Diät versteht man daher eine Ernährungsform des Menschen, die sich an der vermuteten Ernährung der Altsteinzeit orientiert. Gemeint ist die Zeit vor der neolithischen Revolution (beginnend vor ca. 20.000 bis 10.000 Jahren), also vor der Zeit, in der vermehrt Ackerbau und Viehzucht  betrieben wurden.

Darum beinhaltet die Steinzeit-Diät viel Fleisch, gesammelte Früchte und Nüsse, aber kein Getreide – nach dem Vorbild der Ernährungsweise von Jägern und Sammlern.

Anders als in der kohlenhydratreduzierten Ernährung sind in der Steinzeitdiät unbegrenzte Mengen hochglykämischer Anteile erlaubt, beispielsweise getrocknete Datteln oder Feigen. Falls natürlich gewachsene Früchte und Honig weniger Anteil haben, entspricht die Paläoernährung einer Diät nach dem Low-Carb-Prinzip.

Die Evolutionsbiologin Marlene Zuk hält diese Ideen allerdings für pseudowissenschaftliche Erfindungen – oder „Paläo-Phantasie“, wie sie in einem Interview sagt. Sie hält es zwar für keine schlechte Idee, auf die Frühmenschen zu schauen, um Tipps für ein gesünderes Leben zu finden. Es sei jedoch sehr schwierig herauszufinden, was unsere Vorfahren in der Steinzeit wirklich aßen. Und seitdem hätten sich unsere Gene zudem verändert. Wenn schon heute mehr Menschen als in der Urzeit Milchzucker vertragen, könnte das bei Getreide genauso sein, erklärt die Wissenschaftlerin.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=209200

http://www.slate.com/articles/health_and_science/new_scientist/2013/04/marlene_zuk_s_paleofantasy_book_diets_and_exercise_based_on_ancient_humans.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Steinzeitdiät ist nur schon dadurch fragwürdig, dass die Ernährung in der Steinzeit wohl nicht zu allen Zeiten und in allen Regionen identisch gewesen sein dürfte. Wir sind zudem über die tatsächliche Ernährung der Menschen in der Steinzeit nur unzureichend im Bilde, so dass die Vorstellungen einer Steinzeiternährung ziemlich viel Spekulation enthält.

Aber selbst wenn wir genau wüssten, wie die Steinzeitmenschen sich ernährt haben. Es ist einfach nicht sinnvoll, eine Ernährungweise aus der Vergangenheit einfach quasi mit „Copy & Paste“ aus der Urzeit unverändert in die Gegenwart zu holen. Das gilt im übrigen auch für traditionelle Konzepte der Heilkunde. Alte Konzepte soll man interessiert unter die Lupe nehmen und sich damit auseinandersetzen. So kann sich herausstellen, was wir von ihren lernen können. Sie einfach 1: 1 zu kopieren, ist ganz bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss.

Nachfolgend eine detaillierte Kritik der Steinzeiternährung, basierend auf Wikipedia:

„Die Vertreter der Steinzeitdiät geben an, dass der Mensch genetisch nicht an die moderne ‚Zivilisationskost‘ angepasst sei, sondern nur an Lebensmittel, die bereits in der Steinzeit gegessen worden seien. Deshalb führe die heute in westlichen Industriestaaten übliche Kost zu verschiedenen Erkrankungen, die als Zivilisationskrankheiten bekannt sind. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass es sich bei den Aussagen zur Ernährung in der Steinzeit und ihren Nutzen für die Gesundheit um reine Hypothesen ohne jeden wissenschaftlichen Beleg handelt.“

Unterschiedliche Menschengattungen – unterschiedliche Ernährung:

„Die Steinzeit umfasst einen Zeitraum von rund zwei Millionen Jahren; in diesem Zeitraum lebten verschiedene Spezies der Gattung Homo in unterschiedlichen Lebensräumen. Es gab daher keine einheitliche ‚Steinzeiternährung’, der Fleischanteil war sehr unterschiedlich. Für Evolutionsbiologen und Paläoanthropologen beginnt die Entwicklung des modernen Menschen (Homo sapiens), die so genannte Hominisation, auch nicht erst in der Steinzeit, sondern deutlich früher. Übliche Kriterien sind der aufrechte Gang, der bereits beim Australopithecus vorhanden war (biologische Evolution) oder die Nutzung von Kulturtechniken (kulturelle Evolution) beim Homo erectus. Der Australopithecus ernährte sich von Früchten, Samen, Pilzen, Wurzeln, Blättern, Eiern und kleinen Tieren, aber überwiegend vegetarisch. Die Kost des folgenden Homo habilis war ähnlich, ebenfalls mit geringem Fleischanteil. Homo erectus war dann in der Lage, die Pflanzennahrung durch Jagdbeute zu ergänzen.“

Unterschiedliche Lebensräume – unterschiedliche Ernährung:

„Die Vertreter der Steinzeiternährung geben an, dass diese auch der Ernährungsweise der als Jäger und Sammler lebenden Völker entspricht. Tatsächlich differiert die Ernährung dieser Populationen erheblich, je nach Lebensraum, und reicht von überwiegend vegetarischer Kost bei den afrikanischen Gwi und ǃKung bis zur fast ausschließlichen Ernährung von Fleisch und Fisch bei den Inuit in Grönland. Bei den Massai und den Turkana – beides Nomadenvölker – ist Milch das Hauptnahrungsmittel.“

Das menschliche Erbgut hat sich seit der Steinzeit verändert:

„Die Aussage, dass sich das menschliche Erbgut seit der Steinzeit nicht verändert hat, ist nicht haltbar. Wissenschaftler haben rund 700 genetische Veränderungen gefunden, die in den letzten 10.000 Jahren aufgetreten sind. Zu diesen genetischen Veränderungen gehört die Entwicklung der Lactosetoleranz bei Erwachsenen, und zwar vor allem bei den Nachkommen der Stämme, die vor rund 10.000 Jahren die Viehzucht einführten und die heute in Europa, den USA und Australien leben. Hier verfügen 80 bis 90 Prozent der adulten Bevölkerung über das für die Verarbeitung des Milchzuckers nötige Enzym Lactase. Entgegen der These der Steinzeitdiät-Vertreter habe diese Anpassung an ein neues Nahrungsmittel in einem relativ kurzen Zeitraum längst stattgefunden.“

Quelle: Wikipedia

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Leinöl als Omega-3-Fettsäurelieferant gesund, aber kein Ersatz für Fisch

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Die Ernährungswissenschaftlerin Melanie Köhler von der Universität Jena bekommt den Alpro-Foundation-Award 2013. Dieser Forschungspreis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird auf dem 50. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn verliehen.

Melanie Köhler untersuchte in einer Humanstudie, ob Leinöl an Stelle von Seefisch als Omega-3-Fettsäurelieferant genutzt werden kann. Leinöl wurde ausgewählt, weil es speziell reich an Alpha-Linolensäure ist. Diese Fettsäure kann vom menschlichen Organismus in die langkettigen und gesundheitsprotektiven Omega-3-Fettsäuren umgebaut werden. Köhlers Versuchspersonen waren durchschnittlich 62 Jahre alt. Sie litten alle an Bluthochdruck und Übergewicht. Ausserdem waren Störungen des Blutzuckerstoffwechsels vorhanden.

Die Resultate der preisgekrönten Studie mit dem Titel „Verbesserung des n-3-Status durch die Supplementation von Alpha-Linolensäure und Auswirkungen auf kardiovaskuläre Risikomarker bei Probanden mit Prä-Metabolischem Syndrom” sagen aus, dass sich Leinöl als ergänzendes Nahrungsmittel eignet. Den Seefisch kann es jedoch nicht ganz ersetzen.

Die Studienteilnehmer – neun Männer und zehn Frauen – erhielten acht Wochen lang jeden Tag zwei Esslöffel Leinöl. Während der Studiendauer durften die Probanden zudem keinen Fisch konsumieren. Beim Vergleich der Werte vom Start der Studie und nach den acht Wochen zeigten sich ca. doppelt so viele Omega-3-Fettsäuren im Blut, erklärt Melanie Köhler. Außerdem waren die Blutdruckwerte tiefer und die Blutfette verbessert.

Köhlers Studie war Teil einer DFG-geförderten Untersuchung zu Omega-3-Fettsäuren, die unter der Leitung von Dr. Katrin Kuhnt steht. Sie hat zum Zweck, alternative pflanzliche Omega-3-Lieferanten zu finden. Hintergrund dieser Forschung ist die Tatsache, dass wegen der steigenden Weltbevölkerung das Nahrungsmittel Fisch knapp zu werden droht.

Köhler erklärt dazu, dass angesichts leergefischter Weltmeere auch Fisch aus Aquakultur derzeit keine Alternative sei, denn der Fisch aus Wildfang enthalte deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren. Hinzu komme, dass manche Menschen auf Fisch verzichten, insbesondere Vegetarier. Doch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zwei Mal wächentlich Fisch zu essen. Die gesundheitsfördernden Fettsäuren kommen insbesondere in fettem Seefisch wie Hering, Lachs, Sardelle oder Makrele vor.

Der Alpro-Foundation-Award wird von der Alpro Foundation jährlich jeweils an einen Nachwuchswissenschaftler aus Belgien, Italien, Niederlande, Irland und Deutschland verliehen. Ausgezeichnet wird die beste Abschlussarbeit, die sich mit dem Einfluss pflanzlicher Nahrungsmittel beziehungsweise deren Inhaltsstoffen auf die Gesundheit, die Umwelt oder die Wirtschaft auseinandersetzt.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=40299

Friedrich-Schiller-Universität Jena

Kommentar & Ergänzung:

Leinöl (Leinsamenöl) ist ein Pflanzenöl, das aus Leinsamen gewonnen wird, den reifen Samen von Öllein (Linum usitatissimum). Die Phytotherapie verwendet Leinsamen vor allem als mildes Abführmittel aufgrund ihres Gehaltes an Schleimstoffen. Leinöl wird dabei nur von Organismus aufgenommen, wenn der Leinsamen geschrotet wird. Nimmt man den Leinsamen ganz ein, tritt nur der abführende Schleim aus und das Körnchen geht ganz und unverdaut wieder weg.

Geschroteter Leinsamen wird allerdings ziemlich rasch ranzig, weil das Leinöl so mit dem Luftsauerstoff zusammentrifft.

Neben seiner wichtigen Bedeutung als Nahrungsmittel hat Leinöl auch technische Anwendungsbereiche.

Es ist das wichtigste Bindemittel für Ölfarben und dient als natürlicher Holzschutz zur Konservierung.

Leinöl neigt bereits bei Raumtemperatur zur Selbstentzündung. Eine unsachgemäße Handhabung von mit Leinöl getränkten Lappen und Pinseln verursacht deshalb in Schreinereien und Malerwerkstätten immer wieder Brände.

Mit Leinöl getränkte Textilien sollten deshalb unbedingt auf nicht brennbarer Fläche flach zum Trocknen ausgelegt oder in einem luftdichten Behälter (Schraubglas, Metalldose) aufbewahrt oder kontrolliert verbrannt werden.

Leinöl soll nicht zum Braten verwendet werden.

Siehe:

Distelöl und Leinöl nicht zum Braten benutzen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenkunde: Was blüht gerade – Das Leberblümchen (Hepatica nobilis)

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Das Leberblümchen (Hepatica nobilis, Anemone hepatica, Hepatica triloba) gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).

Das ausgesprochen hübsche Pflänzchen wächst auf lehmigen, fast immer kalkhaltigen Waldböden und gilt als Lehm- und Kalkzeiger. Es gilt als Charakterart der mitteleuropäischen Laubwälder. Besonders oft wächst es auf kalkreichen Böden im Buchenwald, seltener auch in Nadelwäldern der Gebirge auf Kalkstandorten. Fotos auf Wikipedia hier und hier (Einzelblüte Nahaufnahme) und hier (dreilappige Blätter).

Im März und April ist das Leberblümchen mit seinen violettblauen Blüten ein „Star“ unter den Frühblühern im Wald. Wegen der frühen Blütezeit wird das Leberblümchen mancherorts auch „Vorwitzchen“ genannt.

Die Lebensdauer der Blüten beträgt nur etwa acht Tage. Sie produzieren keinen Nektar, werden aber wegen dem Blütenstaub von Bienen, Käfern und Schwebfliegen besucht und bestäubt.

Die Samen enthalten ein nährstoffreiches Anhängsel (Elaiosom), das von Ameisen als „Food“ genutzt wird, die nebenbei so auch zur Verbreitung des Leberblümchens beitragen. Diese Art der Ameisenverbreitung ist eine häufige „Reisestrategie“ von Pflanzensamen im Wald.

Das Leberblümchen wird gern als Zierpflanze in verschiedenen Farbvarianten kultiviert.

Der deutsche  und der lateinische Name deuten auf eine frühere Verwendung gegen bei Lebererkrankungen hin. „Hepaticus“ ist abgeleitet von lat. (morbus) hepaticus = Leber(leiden). „nobilis“ bedeutet „edel“, wobei nicht ganz geklärt ist, ob sich dieses „Kompliment“ auf das Aussehen oder auf die der Pflanze zugeschriebenen Heilwirkungen bezieht. Die Idee, Leberblümchen bei Leberleiden anzuwenden, stammt aus der Signaturenlehre, die davon ausgeht, dass Heilpflanzen uns durch ihre Farben und Formen mitteilen, wofür sie gut sind. Die dreilappigen Blätter mit ihrer rötlichen Unterseite soll durch diese Ähnlichkeit auf die menschliche Leber hinweisen. Historisch ist diese Signaturenlehre sehr bedeutsam, doch sie basiert auf einem fundamentalen Irrtum: Die Farben und Formen der Pflanzen sind so gestaltet, wie es für die Pflanze selber gut ist. Sie sind als Mitteilung nicht auf uns gerichtet, sondern allenfalls wie die Blütenfarbe ein Signal an bestäubende Insekten. So ist es nicht erstaunlich, dass von einer Leberwirksamkeit des Leberblümchens keine Rede sein kann.

Zur Signaturenlehre siehe auch:

Pflanzenheilkunde: John Ray zur Signaturenlehre

Wilde Möhre, Leberblümchen und die Signaturen der Heilpflanzen

Von Schopenhauers Feldblume zu den Signaturen der Pflanzen

Signaturen der Pflanzen: Fragwürdiger Neuaufguss der Signaturenlehre

Naturheilkunde: Hoch fragwürdige Theorie von der Signatur der Pflanzen

Das Leberblümchen ist im frischen Zustand durch den Inhaltsstoff Protoanemonin schwach giftig. Bei Trocknen der Pflanze wird Protoanemonin umgebaut, wodurch die Giftigkeit verschwindet. Für Wildsalate oder andere Nahrungszwecke ist das Leberblümchen jedenfalls nicht geeignet.

Eine Verwendung findet das Leberblümchen noch in der Homöopathie, vor allem bei Rachenkatarrh, wobei für die Wirksamkeit allerdings keine Belege existieren.

Wer Pflanzen in der Natur kennenlernen möchte, kann das auf meinen Kräuterexkursionen. Daten und Orte finden Sie im Kurskalender.

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Experimente stärken Zweifel am Nutzen von Antioxidantien

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Antioxidantien galten einmal als Wundermittel gegen Hautalterung, Krebs und alle möglichen Leiden.
Denn sie wirken als „Radikalfänger“ und machen sogenannte reaktive Sauerstoffspezies unschädlich. Zu denen gehören auch die früher als „freie Radikale“ bezeichneten Sauerstoffradikalen. Diese wurden als eine der Ursachen für Alterung und Krankheiten aufgefasst.

Wissenschaftler der Universität von Manchester berichten in der aktuellen Ausgabe von „Nature Cell Biology“ von neuen Hinweisen , dass reaktive Sauerstoffspezies auch eine positive Funktion bei der Wundheilung haben – zumindest bei Kaulquappen. Nur wenn diese Sauerstoffmoleküle in der Wunde vorhanden waren, wuchs den Tieren nach dem Verlust des Schwanzes ein neuer. Bei Tests mit Antioxidantien, die diese Sauerstoffspezies einfangen und unschädlich machen, entwickelten die Kaulquappen dagegen keinen neuen Schwanz. In diesem Experiment erwiesen sich die Antioxidantien also als schädlich für die Wundheilung.

Auch andere Wissenschaftler hatten zuvor bereits davor gewarnt, den Nutzen von Antioxidantien zu überschätzen.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=179561

Originalbeitrag in „Nature Cell Biology“:

http://www.nature.com/ncb/journal/vaop/ncurrent/full/ncb2659.html

Kommentar & Ergänzung:

Man darf natürlich auch die Aussagekraft solcher Experimente mit Kaulquappen nicht überbewerten. Ob und allenfalls wie sich solche Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, bleibt offen.

Allerdings mehren sich seit einigen Jahren die deutlichen Hinweise dafür, dass die einfache Schwarz-Weisss-Sicht mit den guten Antioxidantien und den bösen „freien Radikalen“ so nicht stimmt. Damit wird das darauf basierende Geschäftsmodell vieler Hersteller von Nahrungsergängzungsmitteln (wie z. B. Burgerstein) in Frage gestellt. Aber auch Apotheken, Drogerien, Internethändler und Grossverteiler wie Migros und Coop machen fragwürdige Geschäfte mit Antioxidantien.

Antioxidantien sind in der Natur weit verbreitet. Sie werden in grosser Vielfalt von tierischen und pflanzlichen Organismen hergestellt oder sind beispielsweise Spurenelemente.

Wikipedia schreib zu den natürlichen Antioxidantien:

„Viele Antioxidantien sind natürlich und endogen vorkommende Stoffe. Im Säugetierorganismus stellt das Glutathion ein sehr wichtiges Antioxidans dar, auch eine antioxidative Aktivität von Harnsäure und Melatonin ist bekannt. Ferner sind Proteine wie Transferrin, Albumin, Coeruloplasmin, Hämopexin und Haptoglobin antioxidativ wirksam. Antioxidative Enzyme, unter denen die wichtigsten die Superoxiddismutase (SOD), die Glutathionperoxidase (GPX) und die Katalase darstellen, sind zur Entgiftung freier Radikale in den Körperzellen ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Für ihre enzymatische Aktivität sind Spurenelemente wie Selen, Kupfer, Mangan und Zink wichtig. Als antioxidativ wirksames Coenzym ist Ubichinon-10 zu nennen. Für den menschlichen Organismus essentiell notwendige und antioxidativ wirksame Stoffe wie Ascorbinsäure (Vitamin C), Tocopherol (Vitamin E) und Betacarotin (Provitamin A) können nicht bedarfsdeckend synthetisiert werden und müssen mit der Nahrung zugeführt werden (exogene Antioxidantien). Eine Reihe von Antioxidantien werden als Bestandteil der Muttermilch an den Säugling weitergegeben um dort ihre Wirkung zu entfalten.

Als sekundäre Pflanzenstoffe kommen Antioxidantien wie Carotinoide und verschiedenste polyphenolische Verbindungen (Flavonoide, Anthocyane, Phytoöstrogene und andere) in zahlreichen Gemüse- und Obstarten, Kräutern, Früchten, Samen etc. vor und auch in daraus hergestellten Lebensmitteln. Ebenfalls pflanzlichen Ursprungs sind Vitamin C und Vitamin E, die aber auch synthetisch oder teilsynthetisch hergestellt werden können.“

Unter den antioxidativ wirkenden sekundären Pflanzenstoffen gibt es einige, die auch für die Phytotherapie relevant sind, beispielsweise Flavonoide (z . B. Silymarin aus Mariendistel, Rutin aus dem Buchweizenkraut), Anthocyane (blaue Farbstoffe bspw. aus Heidelbeeren), Phytoöstrogene (aus Soja, Leinsamen), Epigallocatechingallat (EGCG) aus Grüntee.

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Verstopfung: Woraus besteht Benefiber?

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Benefiber (Novartis) ist ein Präparat, das als Mittel gegen Verstopfung in Spital und Pflegeheim ziemlich verbreitet ist. Welche pflanzlichen Inhaltsstoffe in Benefiber für die Wirksamkeit verantwortlich sind, ist aber vielen Verwenderinnen und Verwendern nicht bekannt.

Benefiber besteht aus Guar.

Was ist Guar?

Guar wird aus der Guarbohne gewonnen, den Samen von Cyamopsis tetragonolobus, und zwar  durch Zermahlen des Endosperms und anschliessender Teilhydrolyse.

Guar (Guargalactomannan) besteht hauptsächlich aus Polysacchariden.

Welche Wirkung ist von Guar / Benefiber zu erwarten?

Guar (Cyamopsis tetragonolobus, Fabaceae) quilt im Darm zusammen mit Wasser und verzögert die Aufnahme von Kohlenhydraten. Es wird zur Therapie der Obstipation (Verstopfung) sowie als Zusatzmassnahme bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus eingesetzt, um die Blutzuckerspitzen nach der Nahrungsaufnahme zu reduzieren.

Guar ist ein Ballaststoff, der in der Lage ist, grosse Mengen Flüssigkeit zu binden, so dass eine gelartige Masse entsteht. So kommt es zu einer verzögerten Magenentleerung und im Dünndarm zu einer Verlangsamung der Kohlenhydrat-Absorption. Diese beiden Eigenschaften führen hauptsächlich beim Diabetiker zu tieferen postprandialen Blutzuckerspitzen (postprandial = nach der Mahlzeit). Die Kohlenhydrat-Absorption wird aber nicht vermindert.

Guar wirkt zudem lipidsenkend: Das Plasma-Gesamtcholesterin und die Triglyzeride sinken, auf das HDL-Cholesterin ist kein Effekt vorhanden, während LDL abnimmt.

Darüber hinaus wirkt Guar sättigend.

Daraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche für Guar:

– Obstipation

– Begleitbehandlung beim Diabetes mellitus (Typ I und Typ II), um zusätzlich neben Diät und Antidiabetika die postprandialen Blutzuckerspitzen zu vermindern. Weil die gesamte Absorption der Kohlenhydrate zwar verlangsamt, nicht jedoch vermindert wird, müssen die Diät und die Behandlung weitergeführt werden

– Dyslipidämie (Lipidstoffwechselstörung)

– Übergewicht und Fettleibigkeit

Als unerwünschte Nebenwirkungen kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen wie Blähungen, Übelkeit, Völlegefühl, Magendruck und Durchfall.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Guarbohne

Guar ist als rezeptpflichtiges Fertigpräparat unter dem Namen Leiguar als Antidiabetikum im Handel.

Als Benefiber ( = teilhydrolisiertes Guarkernmehl) ist es frei verkäuflich, wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und vor allem gegen Verstopfung eingesetzt.

P. S. : Das ist kein bezahlter Benefiber-Werbetext und ich stehe auch nicht auf einer Novartis-Lohnliste. Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil mir aufgefallen ist, dass viele Anwender von Benefiber in Pflegeheimen, Spitälern etc. nicht Bescheid wissen über die pflanzliche Zusammensetzung.

Dieser Blog ist werbefrei, wenn man von meinen eigenen Kursangeboten absieht!

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Gewürze: Kardamom fördert Verdauung und aromatisiert den Kaffee

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Bohnenkaffee werde durch eine winzige Prise Kardamom verträglicher. Darüber hinaus sollen die Samen, die man wegen ihrer Empfindlichkeit immer in den Kapseln kaufen sollte, Appetit und Verdauung anregen. Kardamom eigne sich besonders zum Würzen von Gebäck, Kompott und Süßspeisen, aber auch für Blutwurst oder Kochschinken.

Quelle: http://derstandard.at/1350260941875/Gewuerze-und-ihre-Wirkung

Kommentar & Ergänzung:

Zwischen Gewürzen und Heilpflanzen gibt es oft fliessende Übergänge.

Kardamom (Elettaria cardamomum) gehört zur Familie der Zingiberaceae (Ingwergewächse).

Die Gewürzpflanze stammt ursprünglich aus Südindien, Sri Lanka, Irak und Thailand. Ein wichtiges Exportland ist heute auch Guatemala, weitere Anbauländer sind Tansania, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Vietnam.

Hauptwirkstoff in den Kardamomsamen ist ein ätherisches Öl mit 1,8-Cineol (20-40 %), außerdem (+)-alpha-Terpineolacetat, Limonen (2-14 %) und Sabinen (3-5 %).

Ausserdem enthält der Samen Fettes Öl mit Linolensäure, Ölsäure, Palmitinsäure.
Weitere Inhaltsstoffe sind: Kohlenhydrate (Stärke 20-40 %, Zucker 5 %), Protein (etwa. 10 %), Gummi, reichlich Mangan und Eisen.

Zur Wirkung und Anwendung von Kardamomsamen bzw. Kardamomöl

Das Kardamom als Gewürz verdauungsfördernd wirkt, liegt irgendwie auf der Hand. Die Wirkung genauer zu fassen ist aber nicht so einfach.

Kardamom soll die Gallensekretion steigern. Das wurde jedoch mit relativ hohen Dosen eines acetonischen Extraktes bei Ratten festgestellt. Ob sich dieses Ergebnis auf den Menschen übertragen lässt, ist damit nicht belegt.

Wikipedia schreibt:

„ Ihr ätherisches Öl wirkt fördernd auf die Speichel-, Magen- und Gallensaftsekretion. In der Regel werden alkoholische Auszüge verwendet, bisweilen mit Kümmel und Fenchel kombiniert und in Fertigpräparaten gegen Verdauungsbeschwerden, Blähungen und zur Anregung des Appetits eingesetzt.“

Allerdings widerspricht dem, dass bei In-vivo-Versuchen an Kaninchen sowohl ein Wasser- als auch ein Methanolextrakt der Kardamomsamen die Säure- und Pepsinsekretion des Magens vermindert hat.

In arabischen Ländern wird dem Kardamom eine Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt, ohne dass diesbezüglich etwas geklärt wäre.

Kardamom als Gewürz

„Kardamomsamen sind ein verbreitetes Gewürz in der asiatischen und arabischen Küche. Sie sind ein Hauptbestandteil indischer Masalas, des bekannten Chai-Tee und des ihnen nachempfundenen Currypulvers. Das berühmte ayurvedische Konfekt Laddu, welches aus Ghee-Butter hergestellt wird, enthält auch Kardamom. In der europäischen Küche findet das Gewürz hauptsächlich Verwendung in Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und Spekulatius, aber auch in Wurstwaren, Likören, Schokolade und als Bestandteil von Gewürzmischungen. In Schweden ist Kardamom außerdem ein typischer Bestandteil süßer Backwaren (z. B. Kanelbulle) und im Glühwein (Glögg). Bei der Zubereitung von arabischem Mokka wird dem Kaffeemehl häufig Kardamom zugegeben. Trotz desselben Namens wird der sogenannte schwarze Kardamom (Amomum subulatum) ausschließlich für pikante Gerichte verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Das Leberblümchen wird Blume des Jahres 2013

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Das Leberblümchen (Hepatica nobilis) ist zur «Blume des Jahres 2013» ernannt worden.

Den Titel „Blume des Jahres“, den Loki Schmidt (1919-2010) einst ins Leben gerufen hatte, vergibt die Stiftung Naturschutz in Hamburg.

Das Leberblümchen (Foto auf Wikipedia) gehört zur Familie der Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae) und kommt in der Krautschicht alter Buchen- und Eichenwälder vor.

Das Leberblümchen stelle hohe Ansprüche an den Boden und breite sich nur langsam aus, erklärte die Stiftung in einer Mitteilung.

Die Samen des Leberblümchens werden von Ameisen verbreitet. Es breitet sich daher nur langsam aus.

Deshalb ist das Leberblümchen fast nur an Orten zu finden, wo schon lange, meist mehr als 100 Jahre, Wald wächst. Solche alten Waldstandorte seien nicht so häufig, schreiben die Naturschützer.

Das zwischen 5 und 15 Zentimeter hoch wachsende Leberblümchen, blüht zwischen März und April für nur eine Woche. Es bekam seinen deutschen Namen wegen der Blattform: in drei Lappen geteilt sieht das Blatt im Umriss wie eine menschliche Leber aus.

Die mehrjährig, ausdauernde Pflanze, deren einzelne Blütezeit im Frühling nicht länger als rund eine Woche dauert, war in der Biedermeierzeit weit verbreitet und wurde in Klöstern, Gärtnereien und großen Bauerngärten kultivert. Da der Anbau des Leberblümchens im Garten jedoch nicht ganz einfach sei, finde man es dort kaum noch, schreiben die Naturschützer: Das Leberblümchen werde leider nur in wenigen Raritätengärtnereien angeboten. Dort erhalte man auch großblütige Arten und zahlreiche Farbvarianten.

„Im Mittelalter fand das Leberblümchen aufgrund der Form seiner leberartigen Blätter vor allem Anwendung bei Erkrankungen der Leber und der Galle», heisst es in der Erklärung zur Preisverleihung. Heute komme es noch in homöopathischen Dosen bei Lebererkrankungen, Katarrhen und Bronchitis zum Einsatz.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=43794&Nachricht_Title=Nachrichten_Blume+des+Jahres%3A+Das+Leberbl%FCmchen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

In der Phytotherapie hat das Leberblümchen keine Bedeutung, weil es keine fundierten Erkenntnisse über seine Wirkung gibt. Deshalb hat es nicht weniger Wert. Schliesslich muss nicht jede Pflanze von uns genutzt werden können. Das Leberblümchen ist im Frühling einfach ein ästhetisches Erlebnis.

In der Homöopathie wird Hepatica nobilis eingesetzt bei Rachenkatarrh, mit reichlichem, serösem Sputum und Heiserkeit. Kitzeln und Reizung im Hals, sowie bei kratzendem und rauhem Gefühl. Begründete Hinweise auf eine spezifische Wirksamkeit dieser Anwendungen liegen allerdings nicht vor. Die Präparate werden trotzdem verkauft, weil Homöopathika generell ohne Wirksamkeitsnachweis zugelassen werden.

Die frische Leberblümchen-Pflanze bildet den Giftstoff Protoanemonin, der zu lokalen Hautreizungen führen kann und bei der Einnahme zu starken Reizungen im Magen-Darmtrakt mit Koliken und Durchfall. Reizungen können auch in den ableitenden Harnwegen auftreten.

Das Leberblümchen eignet sich also nicht als Wildsalat!!

Die Anwendung des Leberblümchens gegen Lebererkrankungen, Gelbsucht, Gallensteinen etc. aufgrund der leberähnlichen Blattform ist reine Spekulation. Diese Art der Signaturenlehre hatte allerdings nicht im Mittelalter, sondern in der Renaissance ihren Höhepunkt. Zu jener Zeit war die Signaturenlehre eingebettet in die damalige Kultur und in den Umgang mit Wissen und Erkenntnis.

Die Signaturenlehre war eine wichtige Strömung in der Geschichte der Pflanzenheilkunde. Wenn heute zum Teil wieder von Farben und Formen der Pflanzen auf ihre Heilwirkungen geschlossen wird, dann ist das allerdings ein Holzweg. Solche Interpretationen entstehen im Kopf des Menschen. Sie haben mit den Pflanzen nichts zu tun.

Zur Signaturenlehre siehe auch:

Pflanzenheilkunde: Nebulöse Aussagen vom Wesen der Pflanzen

Zum Wesen der Heilpflanzen –  Storchenschnabel gegen Schock?

Die fragwürdige Rede vom Wesen der Pflanzen

Pflanzenheilkunde: John Ray zur Signaturenlehre

Wilde Möhre, Leberblümchen und die Signaturen der Heilpflanzen

Von Schopenhauers Feldblume zu den Signaturen der Pflanzen

Wesenhafte Urtinkturen – genau Nachfragen statt blind Glauben

Signaturen der Pflanzen: Fragwürdiger Neuaufguss der Signaturenlehre

Naturheilkunde: Hoch fragwürdige Theorie von der Signatur der Pflanzen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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