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Rotes Weinlaub und Rosskastanien-Extrakt gegen Krampfadern – ja, aber in welcher Form?

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T-online hat einen Artikel zum Thema „Venenschwäche“ veröffentlicht mit dem Titel „Krampfadern vorbeugen: So zögern Sie sie hinaus.“

Darin gibt es eine Reihe nützlicher, aber auch schon ziemlich bekannter Tipps. Beispielsweise zu Risikofaktoren für Krampfadern wie:

langes Stehen

langes Sitzen

Bewegungsmangel

Übergewicht

Rauchen

Antibabypille

Hormonersatztherapien etwa in den Wechseljahren.

 

Auch wird auf die Bedeutung ausreichender Bewegung hingewiesen.

In einem Nebensatz kommt dazu noch netterweise eine Empfehlung zweier Heilpflanzen:

„In der Naturheilkunde werden auch Cremes und Umschläge aus rotem Weinlaub- oder Rosskastanien-Extrakt gegen Krampfadern eingesetzt.“

Damit trifft t-online im selben Satz voll ins Schwarze und voll daneben.

Rotes Weinlauf und Rosskastanien-Extrakt, das sind zusammen mit Buchweizenkraut (Rutin) tatsächlich die Favoriten der Phytotherapie, wenn es um Venenschwäche und Krampfadern geht.

Zwei Punkte laufen aber schief:

  1. Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, gibt es beim Roten Weinlaub und beim Rosskastanien-Extrakt nur für Präparate zum Einnehmen, zum Beispiel in Kapselform. Dass die Wirkstoffe aus Rotem Weinlauf (Flavonoide) und aus Rosskastanien-Extrakt (Aescin) durch die Haut in relevanten Mengen aufgenommen werden, ist sehr unwahrscheinlich und nicht einmal ansatzweise belegt. Umschläge mit Roten Weinlaub oder Rosskastaniensalben sind daher als Anwendungsform sehr fragwürdig
  1. Es gibt keine fundierten Hinweise darauf, dass Präparate aus Rotem Weinlaub oder Rosskastanien-Extrakt vorbeugend oder gar heilend wirken bei Krampfadern, wie es der Text nahelegt. Belegt wurde eine Linderung der Beschwerden bei Venenschwäche bzw. Krampfadern. Venöse Stauungen (Ödeme) und das Gefühl schwerer Beine wurden reduziert. Das ist wertvoll, aber es ist eben nicht die Vorbeugung oder gar Heilung, die von der Werbung oft versprochen wird.

Darüber hinaus enthält der Text auf t-online noch Tipps zur Ernährung, zum Beispiel:

„Fördern Sie die Venendurchblutung mit Gewürzen wie Ingwer, Pfeffer und Chili.“

Nichts gegen Ingwer, Pfeffer und Chili, aber so ganz nachvollziehbar ist diese Empfehlung nicht. Der Wirkstoff im Chili (Capsaicin) wirkt beispielsweise auf der Haut durchblutungsfördernd und erweitert dazu kleine Kapillargefässe. Aber ob ich eine solche Wirkung auch auslösen kann durch Einnahme von Chili ist sehr fraglich. Wieviel Chili müsste ich denn täglich einnehmen, damit der Wirkstoff in relevanter Konzentration in kleinen Venen gelangt und sie erweitert. Und wäre das überhaupt sinnvoll für einen besseren venösen Rückfluss oder eher kontraproduktiv?

Quelle der Zitate:

http://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_46399962/krampfadern-vorbeugen-mit-sport-und-richtiger-ernaehrung.html

Siehe auch:

Empfehlungen zur Behandlung chronischer Venenleiden

Venenerkrankungen: Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt erneut bestätigt

Cochrane-Studie zu Rosskastanien-Extrakt bei Venenbeschwerden

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Empfehlungen zur Behandlung chronischer Venenleiden

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Schwere Beine, Krampfadern und Ödeme gehören zu den häufigsten Symptomen der chronischen Venenerkrankung. Professor Dr. Markus Stücker vom Venenzentrum des Universitätsklinikums Bochum hat auf einer Pressekonferenz des Antistax®-Herstellers Boehringer-Ingelheim in Berlin davor gewarnt, diese auf die leichte Schulter zu nehmen.

Die chronische Veneninsuffizienz (Venenschwäche) begünstige Thrombosen und Lungenembolien, sagte Stücker.

Als mögliche Auslöser dieser Venenprobleme sieht er drei verschiedene Mechanismen am Werk: eine gestörte Funktion der Venenklappen, Gefäßverschlüsse sowie eine eingeschränkte Funktion der Muskelpumpe. Insbesondere das Tragen hoher Absätze könne die Muskelpumpe beeinträchtigen, warnt der Venenexperte. In der sogenannten Spitzfußhaltung, bei der die Ferse beim Laufen nicht auf dem Boden aufsetzt, seien die Wadenmuskeln maximal verkürzt. Das vermindere den venösen Rückstrom.

Die sogenannten Besenreiser hält Stücker dagegen in erster Linie für ein kosmetisches Problem – zumindest wenn sie an der Außenseite der Oberschenkel auftreten. Im Fuß-Knöchel-Bereich können Besenreiser allerdings auf tief liegende Krampfadern hinweisen.

Treten irreversible rostbraune Verfärbungen der Haut auf, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Diese Verfärbungen seien meist auf Eiseneinlagerungen zurückzuführen und dann ein Zeichen dafür, dass das Venenleiden schon verhältnisweise weit fortgeschritten ist.

Unbehandelt könne die Veneninsuffizienz zu einem offenen Bein führen, dem Ulcus cruris venosum.

Mit den Behandlungsmöglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, müsse es dazu aber nicht mehr kommen, erklärte Stücker.

Eine der drei Säulen sei noch immer die invasive Behandlung. Früher habe man die Venen einfach gezogen. Heute könnten sie auch gelasert oder mit einem speziellen Schaum sklerosiert werden.

Die zweite wichtige Säule in der Behandlung chronischer Venenerkrankungen ist laut Stücker die Kompressionstherapie. Die Kompressionstherapie kann Ödeme ausschwemmen, die Symptome der Patienten lindern und die Muskelpumpe unterstützen. Kompressionsstrümpfe seien deutlich wirksamer als Bandagen. Um die Compliance (Mitwirkung) der Betroffenen nicht zu gefährden, rät der Experte, den Druck nicht zu hoch zu wählen. Den Druck zu erhöhen bringe nur bis zu einem gewissen Grad eine Linderung der Symptome. Alles, was darüber hinausgehe, verschlechtere das Befinden des Patienten.

Pflanzliche Ödemprotektiva als Ergänzung

Die Einnahme oraler Ödemprotektiva könne die Behandlung sinnvoll ergänzen. Diese Arzneimitttel enthalten Flavonoide wie Quercetin (Antistax®) und Oxerutin (Venoruton®) oder Triterpensaponine wie Aescin (Venostasin®). Sie unterbrechen laut Stücker den Entzündungsprozess um die Venen herum. Die Kombination aus oralen Ödemprotektiva und Kompressionstherapie sei der Kompression allein deutlich überlegen, sagt der Venenspezialist. Die Effekte hielten zudem nach dem Ende der Behandlung länger an. In einem 2013 im Fachjournal »Phlebology« publizierten Konsensuspapier hatte sich eine Expertenrunde für den Einsatz von Flavonoiden bei chronischen Venenerkrankungen ausgesprochen (DOI: 10.1177/0268355512471929).

Der Wirkeintritt dieser Venenmittel könne nach etwa acht Wochen erwartet werden. Zwar berichteten einige Patienten schon früher über eine Verbesserung ihrer Beschwerden, der kurzfristige Einsatz – zum Beispiel bei Flugreisen – bringe jedoch keinen Vorteil. Auch bei Beseneisern seien Ödemprotektiva nicht indiziert. Bei Patienten, die bereits unter einem offenen Bein litten, sollten Ödemprotektiva allenfalls ergänzend angewendet werden, empfiehlt Stücker. Er betont aber, dass die Kompressionstherapie beim offenen Bein durch nichts zu ersetzen ist. Eine orale Behandlung sei in solchen Fällen definitiv nicht ausreichend.«

Langfristiger Einsatz unbedenklich

Den langfristigen Einsatz der Ödemprotektiva bei gegebener Indikation hält er für unbedenklich. Es seien auch bei dauerhafter Einnahme keine Nebenwirkungen zu erwarten. Sehr selten komme es zu Unverträglichkeiten und über andere unerwünschte Wirkungen sei bislang nichts bekannt. Man könne aber auch nur zeitweise auf Ödemprotektiva zurückzugreifen, zum Beispiel bei Menschen, die nur in den Sommermonaten an Venenbeschwerden leiden. Dann könne eine Intervalltherapie ausreichen.

Salben und Cremes zur Behandlung von Venenbeschwerden überzeugen den Experten dagegen kaum. Er weißt zwar darauf hin, dass die Massagen und der kühlende Effekt als angenehm empfunden werden können. Für die Behandlung von Venenleiden reichen äusserlich aufgetragenen Mittel wie Venensalben und Venencremes nach Ansicht von Stücker in der Regel nicht aus.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=63110

Kommentar & Ergänzung:

Dass an einer Pressekonferenz des Antistax®-Herstellers Boehringer-Ingelheim die Flavonoide als Therapie der Wahl bei Venenleiden in den Vordergrund gerückt werden, ist nicht überraschend, weil Antistax® auf Flavonoiden basiert.

Aus meiner Sicht sind Flavonoide und Aescin (aus Rosskastaniensamen) zur Behandlung etwa gleichwertig. In der Phytotherapie wird aus der Gruppe der Flavonoide zudem das Buchweizenkraut bei Venenbeschwerden empfohlen. Es enthält das Flavonoid Rutin.

Der „Leitfaden Phytotherapie“ (2016) nennt Fertigarzneimittel mit Rosskastaniensamenextrakt als Mittel der ersten Wahl, fügt aber an, dass auch die Wirksamkeit des Extrakts aus Rotem Weinlaub (Antistax®) inzwischen klinisch gut belegt ist.

Der Text in der Pharmazeutischen Zeitung enthält wichtige Informationen. Zum Beispiel zur grossen Bedeutung der Kompessionstherapie und zur nötigen langen Anwendungsdauer der pflanzlichen Venenmittel. Die Skepsis betreffend dem Nutzen von Venensalben und Venengele teile ich voll. Meinem Eindruck nach ist es sehr fraglich, ob Flavonoide und Aescin in ausreichender Menge durch die Haut gehen. Die beliebte Rosskastaniensalbe hilft wohl mehr durch die Massage oder bei einem Venengel durch den Kühleffekt lindernd.

Erwähnt werden könnte beim Thema Venenleiden noch, dass regelmässige Bewegung vorbeugend und lindernd wirkt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Labkraut bei Maria Treben

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Maria Treben (1907 – 1991) war eine österreichische Kräuterbuch-Autorin, die offensichtlich überzeugt davon war, für jede Krankheit eine hilfreiche Heilpflanze zu kennen. Das ist ein starkes Angebot für alle Kranken und solche, die es werden könnten. Es ist daher wenig überraschend, dass Trebens Buch „Gesundheit aus der Apotheke Gottes“ in mehr als 20 Sprachen herausgegeben wurde und eine Gesamtauflage von über acht Millionen Exemplaren erreichte.

Die Ratschläge Maria Trebens sind inzwischen auch reichlich ins Internet gewandert. So findet man dort Listen zu den von Treben empfohlenen Anwendungsgebieten verschiedenen Heilpflanzen. Beim Labkraut beispielweise sieht eine solche Aufstellung so aus:

Belegte Zunge, Bleichsucht, Epilepsie, Furunkel, Gebärmutterbeschwerden, Geschwüre in der Mundhöhle, Geschwüre (bösartige), Gesichtshaut (welke), Grieß- und Steinbeschwerden, Hauterkrankungen, Hautflecken, Hautknötchen, Hautkrankheiten (chronische), Hautleiden (krebsartiges), Hysterie, Knoten, Kropfbildung, Kropfleiden, Lymphdrüsenstörung, Magensäure (zuviel),

Mandelentzündung, Mitesser, Mundgeruch, Nasenschleimhaut-Absonderung, Nervenleiden, Niereneiterung, Nierengrieß und Nierensteine, Nierenleiden, Nierenschrumpfung, Schilddrüsenerkrankung, Seitenstechen

Steinbildung, Stimmbänderlähmung, Tumore, Urinverhaltung, Veitstanz, Wassersucht. Wunden, Zunge (belegte), Zungenerkrankung, Zungenkrebs.

Für keine dieser Empfehlungen gibt es fundierte Belege oder auch nur schon plausible Argumente.

Daher stellt sich die Frage, wie eine solche Indikationslyrik zustande kommt.

Am Ursprung einer solchen ausufernden Liste steht wohl meistens das intensive Bemühen, alle möglichen Hinweise auf eine Wirksamkeit zusammenzutragen, ohne sie einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Dabei bleibt es in der Regel bei der Übernahme von ungeklärten Anekdoten.

Eine kritische Prüfung würde mindestens folgende Punkte berücksichtigen:

1. Den Einfluss des Placebo-Effekts.

2. Die Regression zur Mitte

Gerade bei chronischen Krankheiten gibt es häufig einen schwankenden Verlauf, wobei jede Besserung dem angewendeten Mittel gutgeschrieben wird, obwohl sie mit grosser Wahrscheinlichkeit einfach dem natürlichen Verlauf entspricht. Das ist der Regression-zur-Mitte-Irrtum.

3. Die Tatsache, dass die meisten Erkrankungen von selber bessern und dass im Einzelfall nicht zu unterscheiden ist, ob für eine Besserung der natürliche Verlauf (Selbstheilungskräfte) oder die therapeutische Intervention verantwortlich ist.

4. Die immer mögliche und häufig vorkommende (Selbst)Täuschung der Erfahrung.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

 

Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Warum wir gesund werden (Artikel in der Zeitschrift „Natürlich“)

 

In der Liste mit den Treben-Empfehlungen fallen vage Krankheitsbilder auf. Sie sind ein untrübliches Zeichen für fragwürdige, ungeklärte und unreflektierte Heilungsversprechungen. Beispiele: Gebärmutterbeschwerden, Hauterkrankungen, Knoten, Lymphdrüsenstörung, Nervenleiden, Schilddrüsenerkrankung, Nierenleiden, Wassersucht….

Es gibt beispielsweise ganz verschiedenartige Gebärmutterbeschwerden oder Schilddrüsenerkrankungen. Labkraut hilft in jedem Fall? Egal welche Ursache den Beschwerden zugrunde liegt? Kaum denkbar.

Und eine „Niereneiterung“ mit Labkraut behandeln zu wollen ist nicht nur abenteuerlich, sondern grob fahrlässig. Das gleiche gilt für „Hysterie“ – ganz abgesehen von der fragwürdigen Begrifflichkeit.

Es braucht meines Erachtens mehr kritische Auseinandersetzung bei diesen Themen – sonst werden Patientinnen und Patienten auf Holzwege geführt. Die ungeprüfte Weiterverbreitung von derart fragwürdigen bis fahrlässigen Empfehlungen im Internet oder in Kursen ist unverantwortlich.

Aber es ist natürlich vollkommen unattraktiv zu sagen, dass bezüglich der Wirksamkeit von Labkraut keine glaubwürdigen Erkenntnisse vorliegen. Das will im Grunde genommen kaum jemand hören. Viel toller ist es, wenn man eine Liste mit einer ganzen Reihe von schweren Erkrankungen präsentiert, bei denen Labkraut angeblich helfen soll. Das macht Eindruck…..

Aber fragen Sie sich selbst: Ist es Ihnen letztlich nicht lieber, wenn Sie reinen Wein eingeschenkt bekommen, als wenn Ihnen schöne Geschichten aufgetischt werden? – Es ist einfach die reifere Variante.

Untersucht wurden beim Echten Labkraut (Galium verum) im übrigen sehr wohl die Inhaltstoffe. Gefunden wurden dabei unter anderem Iridoide, Flavonoide (z. B. Rutin), Anthracenderivate, Kaffeesäureester (Chlorogensäure) und Enzyme (Labenzym).

Das Vorhandensein solcher Inhaltsstoffe sagt aber noch nichts Gesichertes darüber aus, ob damit auch eine Wirksamkeit beim Menschen erreicht werden kann.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schützen Flavonoide aus Früchten vor erektiler Dysfunktion?

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Eine Ernährung mit hohem Anteil an flavonoidreichen Früchten (etwa Trauben, Orangen) reduziert möglicherweise die Inzidenz (= Häufigkeit von Neuerkrankungen) an erektiler Dysfunktion.

Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler aufgrund von Resultaten der Health Professionals Follow-up-Studie mit Befragungen über einen Zeitraum von einer Dekade (publiziert im Am J Clin Nutr; online 13. Januar). Befragt wurden für diese Studie mehr als 50.000 Ärzte.

Wie die Forscher berichten, entwickelten insgesamt 35,6 Prozent der Teilnehmer im Zehn-Jahres-Follow-up eine erektile Dysfunktion (ED). Bei den Männern, die die höchste Menge an Flavanonen, Flavonen und Anthocyanen aufgenommen hatten, war die ED-Inzidenz um 9 bis 11 Prozent vermindert.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/erektile-dysfunktion/article/904320/aerzte-studie-fruechten-erektile-dysfunktion.html?sh=4&h=-1734357609

http://ajcn.nutrition.org/content/early/2016/01/06/ajcn.115.122010In

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind auch eine wichtige Wirkstoffgruppe in der Phytotherapie. Die Wirkungen von Heilpflanzen wie Mariendistel (Silymarin), Weissdorn, Ginkgo oder Buchweizenkraut (Rutin) sind durch Flavonoide geprägt. Interessant sind an der Grenze zwischen Phytotherapie und Ernährungstherapie die Anthocyane, die als rote oder blaue Farbstoffe in Beeren vorkommen (z. B. Himbeeren, Heidelbeeren, schwarze Johannisbeeren, Brombeeren, Kirschen). Viele Anthocyane haben entzündungshemmende, antioxidative und kapillarresistenzsteigernde Wirkungen.

Dass Flavonoide aus Früchten gesund sind wird kaum jemand bestreiten. Aber diese Art von Studie, wie sie oben beschreiben ist, sagt nur wenig aus und beweist keine Zusammenhänge.

Man befragt also 50 000 Leute zu ihren Ernährungsgewohnheiten und beobachtet, welche Krankheiten sie entwickeln. Dann sucht man nach Zusammenhängen und stellt zum Beispiel fest: Diejenige Gruppe, die viel Flavonoide aufnimmt, erkrankt seltener an erektiler Dysfunktion (ED).

Es könnte aber sein, dass die hohe Flavonoid-Aufnahme nicht die Ursache für das verringerte Auftreten von erektiler Dysfunktion ist, sondern nur ein Hinweis auf einen insgesamt gesünderen Lebensstil. Dann könnten irgendwelche noch unbekannten Faktoren für das tiefere ED-Risiko verantwortlich sein.

Wie auch immer – esst Flavonoide, für irgendetwas wird es schon gut sein!

Siehe auch:

Viele Ernährungsstudien mit wenig Aussagekraft

Ein Beispiel für die beschränkte Aussagekraft von Beobachtungsstudien zeigt dieser Beitrag:

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

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Nierenkranke können von Kakao-Flavanolen profitieren

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Kakao-Flavanole, die beispielsweise in dunkler Schokolade und Grüntee enthalten sind, schützen die Gefäße von Dialyse-Patienten, meldet die Universitätsklinik (UK) Essen.

Professor Tienush Rassaf vom UK Essen hat zusammen mit Kollegen am UK Düsseldorf untersucht, welche Effekte Kakao-Flavanole auf die Gefäßfunktion schwer kranker Nierenpatienten hat:

Bei hoher Flavanol-Zufuhr (820 mg/Tag) besserte sich die Gefäßfunktion sowohl kurz- wie auch langfristig.

Die durch die Dialyse bewirkte Gefäßschädigung konnte sogar zum Teil rückgängig gemacht werden. Wurde das Flavanol-Präparat längere Zeit eingenommen, zeigten sich zudem positive Wirkungen auf den Blutdruck.

Die Placebo-kontrollierte Studie wurde im Clinical Journal of the American Society of Nephrology publiziert.

Quellen:

Universitätsklinikum Essen

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=47215

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/article/901993/kakao-flavanole-nierenkranke-profitieren.html

http://cjasn.asnjournals.org/content/early/2015/12/17/CJN.05560515.abstract?sid=1d359c29-acbf-4ed6-9bcd-3481a135df70

Kommentar und Ergänzung:

Kakao-Flavanole werden seit geraumer Zeit intensiv erforscht. Da dürften nicht zuletzt handfeste Interessen der entsprechenden Industrie im Spiel sein. Die Ergebnisse vor allem hinsichtlich der Wirkungen auf die Gefässe sind sehr interessant, werden aber auch nicht selten etwas gar optimistisch dargestellt.

Flavanole sind im Pflanzenreich weit verbreitet – im Grüntee zum Beispiel EGCG (Epigallocatechingallat), im Schwarztee Theaflavine und Thearubigine. Aber auch Erdbeeren und Äpfel enthalten Flavanole. Deshalb würde ich nicht einfach nur auf Kakao setzen, sondern auf eine abwechslungsreiche Ernährung.

Flavanole gehören zu den Flavonoiden – das ist eine wichtige Wirkstoffgruppe in der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Die Wirkung zahlreicher wichtiger Heilpflanzen gründet auf den Flavonoiden.

Beispiele sind:

Ginkgo-biloba-Extrakte bei Demenz und peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK);

Buchweizenkraut mit dem Flavonoid Rutin gegen Beschwerden bei Venenerkrankungen (z. B. Chronisch-venöse Insuffizienz, venöse Ödeme)

Mariendistel mit dem Flavonoid-Gemisch Silymarin, als Leberschutz bei Zufuhr leberbelastender Stoffe und bei chronischen Lebererkrankungen;

Weissdorn-Extrakte bei leichten Formen von Herzschwäche und leichten Formen von Angina pectoris.

Flavonoide kommen auch vor in vielen harntreibenden Heilpflanzen wie Goldrutenkraut (Solidago virgaurea) oder Birkenblätter.

Es ist bei allen Flavonoid-Heilpflanzen sehr wichtig, in welcher Form sie angewendet werden und in welcher Dosierung, damit eine Wirkung erzielt werden kann. Sehr häufig werden ungenügende Wirkstoffmengen zugeführt, zum Beispiel mit Pflanzentinkturen.

 

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Experimente stärken Zweifel am Nutzen von Antioxidantien

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Antioxidantien galten einmal als Wundermittel gegen Hautalterung, Krebs und alle möglichen Leiden.
Denn sie wirken als „Radikalfänger“ und machen sogenannte reaktive Sauerstoffspezies unschädlich. Zu denen gehören auch die früher als „freie Radikale“ bezeichneten Sauerstoffradikalen. Diese wurden als eine der Ursachen für Alterung und Krankheiten aufgefasst.

Wissenschaftler der Universität von Manchester berichten in der aktuellen Ausgabe von „Nature Cell Biology“ von neuen Hinweisen , dass reaktive Sauerstoffspezies auch eine positive Funktion bei der Wundheilung haben – zumindest bei Kaulquappen. Nur wenn diese Sauerstoffmoleküle in der Wunde vorhanden waren, wuchs den Tieren nach dem Verlust des Schwanzes ein neuer. Bei Tests mit Antioxidantien, die diese Sauerstoffspezies einfangen und unschädlich machen, entwickelten die Kaulquappen dagegen keinen neuen Schwanz. In diesem Experiment erwiesen sich die Antioxidantien also als schädlich für die Wundheilung.

Auch andere Wissenschaftler hatten zuvor bereits davor gewarnt, den Nutzen von Antioxidantien zu überschätzen.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=179561

Originalbeitrag in „Nature Cell Biology“:

http://www.nature.com/ncb/journal/vaop/ncurrent/full/ncb2659.html

Kommentar & Ergänzung:

Man darf natürlich auch die Aussagekraft solcher Experimente mit Kaulquappen nicht überbewerten. Ob und allenfalls wie sich solche Ergebnisse auf den Menschen übertragen lassen, bleibt offen.

Allerdings mehren sich seit einigen Jahren die deutlichen Hinweise dafür, dass die einfache Schwarz-Weisss-Sicht mit den guten Antioxidantien und den bösen „freien Radikalen“ so nicht stimmt. Damit wird das darauf basierende Geschäftsmodell vieler Hersteller von Nahrungsergängzungsmitteln (wie z. B. Burgerstein) in Frage gestellt. Aber auch Apotheken, Drogerien, Internethändler und Grossverteiler wie Migros und Coop machen fragwürdige Geschäfte mit Antioxidantien.

Antioxidantien sind in der Natur weit verbreitet. Sie werden in grosser Vielfalt von tierischen und pflanzlichen Organismen hergestellt oder sind beispielsweise Spurenelemente.

Wikipedia schreib zu den natürlichen Antioxidantien:

„Viele Antioxidantien sind natürlich und endogen vorkommende Stoffe. Im Säugetierorganismus stellt das Glutathion ein sehr wichtiges Antioxidans dar, auch eine antioxidative Aktivität von Harnsäure und Melatonin ist bekannt. Ferner sind Proteine wie Transferrin, Albumin, Coeruloplasmin, Hämopexin und Haptoglobin antioxidativ wirksam. Antioxidative Enzyme, unter denen die wichtigsten die Superoxiddismutase (SOD), die Glutathionperoxidase (GPX) und die Katalase darstellen, sind zur Entgiftung freier Radikale in den Körperzellen ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Für ihre enzymatische Aktivität sind Spurenelemente wie Selen, Kupfer, Mangan und Zink wichtig. Als antioxidativ wirksames Coenzym ist Ubichinon-10 zu nennen. Für den menschlichen Organismus essentiell notwendige und antioxidativ wirksame Stoffe wie Ascorbinsäure (Vitamin C), Tocopherol (Vitamin E) und Betacarotin (Provitamin A) können nicht bedarfsdeckend synthetisiert werden und müssen mit der Nahrung zugeführt werden (exogene Antioxidantien). Eine Reihe von Antioxidantien werden als Bestandteil der Muttermilch an den Säugling weitergegeben um dort ihre Wirkung zu entfalten.

Als sekundäre Pflanzenstoffe kommen Antioxidantien wie Carotinoide und verschiedenste polyphenolische Verbindungen (Flavonoide, Anthocyane, Phytoöstrogene und andere) in zahlreichen Gemüse- und Obstarten, Kräutern, Früchten, Samen etc. vor und auch in daraus hergestellten Lebensmitteln. Ebenfalls pflanzlichen Ursprungs sind Vitamin C und Vitamin E, die aber auch synthetisch oder teilsynthetisch hergestellt werden können.“

Unter den antioxidativ wirkenden sekundären Pflanzenstoffen gibt es einige, die auch für die Phytotherapie relevant sind, beispielsweise Flavonoide (z . B. Silymarin aus Mariendistel, Rutin aus dem Buchweizenkraut), Anthocyane (blaue Farbstoffe bspw. aus Heidelbeeren), Phytoöstrogene (aus Soja, Leinsamen), Epigallocatechingallat (EGCG) aus Grüntee.

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Hamamelis & Lidocain lindern Beschwerden bei Hämorhoiden

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Die Gerbstoffe, Tannine, Proanthocyanidine und ätherischen Öle aus der Zaubernuss (Hamamelis virginiana) können das Fortschreiten eines Hämorrhoidalleidens verlangsamen. Der Zusatz von Lidocain reduziert die Schmerzen.

Seit zahlreichen Jahren werden Zubereitungen mit dem Phytopharmakon Hamamelis eingesetzt. Die Hamamelis, auch virginische Zaubernuss genannt, ist Bestandteil vieler Cremes und Salben.

Zur Anwendung kommen in der Regel Auszüge (Extrakte) aus Blättern, Zweigen und der Rinde des Strauches. Als Inhaltsstoffe enthalten sie Gerbstoffe, Flavonoide und ätherische Öle. Sie vermindern Juckreiz und bringen leichte Entzündungen der Haut zum Abklingen.

Rinde und Blätter der Hamamelis virginiana wirken zusammenziehend und entzündungshemmend. Sie können Beschwerden bei Hämorrhoiden und oberflächlichen Venenerkrankungen reduzieren.

Auch juckende Hautreaktionen nach einem Insektenstich oder andere juckende Hautausschläge lassen sich durch Hamamelis-Extrakte behandeln.

Die Gerbstoffe findet man allerdings nur in den Hamamelisextrakten, nicht im oft eingesetzten Destillat. Das Wasserdampfdestillat aus den Hamamelis-Zweigen enthält nur ätherische Öle, keine Tannine und keine Gerbstoffe.

Aufgrund des Gehalts an Gerbstoffen ziehen Hamamelis-Extrakte die oberen Gewebeschichten zusammen und steigern die Widerstandfähigkeit der Haut. Hamamelis-Auszüge können so auch kleinere Blutungen stillen und die Wundheilung fördern.

Die Hamamelistannine bilden mit den Eiweissen der Haut oder Schleimhaut Komplexe, welche die Durchblutung in den feinen Kapillargefäßen reduzieren und entzündliche Hautreaktionen abschwächen; unterstützt werden diese Vorgänge durch Hemmung entzündlicher Reaktionen im Zellstoffwechsel.

Proanthocyanidine wiederum steigern die Zellteilung der Keratinozyten und senken den transepidermalen Wasserverlust.

Die Kommission E des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte empfahl die äußere Anwendung von Hamamelisblättern und Hamamelisrinde bei leichten Hautverletzungen, lokalen Entzündungen der Haut und der Schleimhäute sowie bei Hämorrhoiden und Krampfaderbeschwerden.

Bei diesen Erkrankungen kommt Hamamelis hauptsächlich in Form von Salben, Lösungen oder Zäpfchen zur Anwendung.

Der europäische Dachverband der nationalen Gesellschaften für Phytotherapie (ESCOP) schließt sich diesen Empfehlungen der Kommission E an, geht aber noch weiter.

Die ESCOP befürwortet auch die innerliche Anwendung der Hamamelisblätter und Hamamelisrinde zur symptomatischen Therapie von Problemen bei Krampfadern sowie Hämorrhoiden.

Bei der Therapie von Hämorrhoiden wird die juckreizstillende, antibakterielle, wundheilungsfördernde und antioxidative Wirkung von Hamamelis virginiana genutzt.

Bei Einhaltung der Dosierungsvorschriften sind keine Interaktionen von Hamamelis-Extrakten mit anderen Medikamenten bekannt. Darum ist auch eine Kombination mit Lidocain oder Derivaten (Quinisocainhydrochlorid) möglich.

Oft wird eine kombinierte Therapie mit Hamamelis und Lidocain empfohlen. Lidocain dämpft, wenn es als Creme, Gel, Paste oder Salbe auf die Haut oder Schleimhaut aufgetragen wird, Schmerzen, Brennen und Juckreiz.

In Zäpfchen und Cremes verarbeitet, bringt Lidocain deshalb Linderung von schmerzhaften Beschwerden bei Hämorrhoiden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/venenerkrankungen/article/816176/hamamelis-lidocain-haemorrhoiden.html?sh=65&h=-1436656583

Kommentar & Ergänzung:

Hamamelis ist eine gut verträgliche Heilpflanze, die kaum Allergien auslöst.

Bei Lidocain dagegen besteht ein Risiko für die Entwicklung von Kontaktallergien.

Lidocain (Handelsnamen zum Beispiel Xylocain) ist ein Lokalanästhetikum (örtliches Betäubungsmittel).

Obwohl die innerliche Anwendung von Hamamelis bei Krampfadern und schweren Beinen von der ESCOP akzeptiert ist, überzeugt mich das nicht so ganz. Innerlich halte ich Rosskastanien (bzw. Aescin), Buchweizenkraut (Rutin) und Rotes Weinlaub (Flavonoide) für geeigneter zur Linderung von Venenbeschwerden, Krampfadern und Hämorrhoiden.

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„Apfelschalen halten Blutdruck in Schach“

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So titelt die Berliner-Zeitung einen Beitrag in der Rubrik „Gesundheit“. Es fehlt allerdings der Zusatz „im Reagenzglas“. Aber dort gibt es doch keinen Blutdruck….

Die Meldung ist ein gutes Beispiel für eine populistische Schlagzeile, die zwar beim Publikum gut ankommen mag, aber schlicht und einfach nicht wahr ist.

Worum geht es?

Äpfel mit Schale zu essen, sei offenbar gesünder als gedacht, schreibt die Berliner-Zeitung:

„In der Schale enthaltene Substanzen können den Blutdruck senken. Forscher wollen die sogenannten Flavonoide als ACE-Hemmer einsetzen.“

Und wie kommt diese Aussage zustande?

„Zumindest hemmt ein Extrakt der Schalen mit sämtlichen Flavonoiden ein Enzym, das an der natürlichen Regulation des Blutdrucks beteiligt ist. Auf der Hemmung desselben Enzyms beruht die Wirkung mehrerer blutdrucksenkender Medikamente. Tierversuche und klinische Studien sollen nun prüfen, ob die natürlichen Inhaltsstoffe für einen therapeutischen Einsatz vielleicht besser geeignet sind, schreiben die Forscher im Fachblatt Food Chemistry. Über Flavonoide wusste man bisher nur, dass sie zellschädigende Substanzen abfangen, also antioxidativ wirken.“

Die Resultate der Untersuchungen zeigen, dass ein Apfelschalenextrakt mit hohem Flavonoidgehalt über das Potential von effektiven ACE-Hemmern verfügt. Das sagen Nileeka Balasuriya und Vasantha Rupasinghe vom Nova Scotia Agricultural College in Truro.

ACE-Hemmer sind verbreitet eingesetzte Arzneimittel, die das Angiotensin-konvertierende Enzym (ACE) blockieren. So entsteht weniger Angiotensin II, ein Hormon, das die Blutgefäße verengt und dadurch den Blutdruck steigert.

Sowohl bei einem Extrakt mit sämtlichen Flavonoiden als auch bei einzelnen Gruppen dieser Substanzen wie Anthocyane, Flavonole, Flavone oder Flavanone fanden die Forscher in Reagenzglasversuchen einen starken ACE-Hemmeffekt. Die blutdrucksenkende Wirkung der Apfelflavonoide soll nun in neuen Studien überprüft und mit derjenigen von Medikamenten wie Captopril, Enalapril oder Ramipril verglichen werden.

Quelle:

http://www.berliner-zeitung.de/wissen/gesunde-substanz-entdeckt-apfelschalen-halten-blutdruck-in-schach,10808894,16924978.html

Kommentar & Ergänzung:

Äpfel sind gesund und ihr regelmässiger Konsum kann nur allen wärmstens ans Herz gelegt werden. Nicht umsonst heisst es „An apple a day keeps the doctor away“, auch wenn das nicht ganz wörtlich zu nehmen ist und man trotz Apfelkonsum krank werden kann.

Unbestritten ist auch, dass der Gehalt an Flavonoiden in den Apfelschalen am höchsten ist.

Und Flavonoide werden beispielsweise für eine ganze Reihe von Wirkungen von Heilpflanzen verantwortlich gemacht.

Beispiele sind Buchweizenkraut mit Rutin gegen Venenbeschwerden oder Mariendistelsamen mit Silymarin bei Lebererkrankungen. Darum ist auch sehr zu begrüssen, wenn Apfelflavonoide genauer auf ihre möglichen Wirkungen untersucht werden.

Aber: Wenn Apfelflavonoide im Reagenzglas eine Wirkung wie ACE-Hemmer zeigen, dann heisst das noch lange nicht, dass sie das auch im menschlichen Organismus bei Patienten mit Bluthochdruck tun. Im Labor kann man fast beliebige Konzentrationen eines Wirkstoffs in den Vorgang einbringen. Im Organismus ist es dagegen oft schwierig, solch hohe Konzentrationen aufzubauen. Hinderlich kann dabei erstens eine potentielle Giftigkeit der Substanz sein – das dürfte bei Flavonoiden, die grundsätzlich sehr verträglich sind, eher unproblematisch sein. Zweitens ist die Aufnahme von Pflanzeninhaltsstoffen in den Körper oft limitiert oder die Ausscheidung zu schnell – diese Fragen stellen sich bei Flavonoiden sehr wohl. Sehr zu Recht weisen die Studienautoren deshalb darauf hin, dass weitere Forschungen folgen müssen. Insbesondere braucht es Belege aus Untersuchungen mit Patienten.

Eine Schlagzeile wie „Apfelschalen halten Blutdruck in Schach“ ist daher völlig aus der Luft gegriffen.

Sie wird aber deutlich mehr Leute zum Lesen des Textes animieren als ein wahrheitsgemässer und seriöser Titel wie zum Beispiel: „Flavonoide aus Apfelschalen wirken im Reagenzglas wie ACE-Hemmer“.

Meiner Erfahrung nach lohnt es sich zu lernen, wie man Gesundheitsaussagen auf ihre Substanz hin abklopfen kann.

Eine Möglichkeit dazu bieten meine Phytotherapie-Ausbildung oder das Heilpflanzen-Seminar.

Wer sich für Heilpflanzen und ihre Wirkungen interessiert, sollte sich meines Erachtens nicht nur durch Gesundheitszeitschriften, Buchautorinnen (-autoren) und Dozierende mit wunderbaren Heilungsgeschichten abfüllen lassen, sondern auch die kritische Auseinandersetzung mit Aussagen und Versprechungen lernen.

Wer das nicht kann, wird meiner Erfahrung nach bei Gesundheitsthemen – auch aus dem Bereich Komplementärmedizin und Naturheilkunde – über weite Strecken schlicht „verarscht“ (sorry, für diesen ungehobelten Ausdruck, aber ich habe tatsächlich keinen passenderen gefunden….).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Lindenblüten aktivieren Immunsystem

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Lindenblüten-Extrakt beschleunigt in Studien die Vermehrung von Lymphozyten.

Lindenblüten werden traditionell eingesetzt zur Behandlung von Erkrankungen der Atemwege. Eine bereits ältere Studie mit der Winter-Linde (Tilia cordata) zeigte eine verstärkte Vermehrung von Lymphozyten (1). Lymphozyten zählen zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und ihre Aufgabe im Immunsystems ist die Erkennung und Eliminierung von Fremdstoffen. Nun wurden mit einer weiteren Lindenart (Tilia x viridis) die Experimente zur Aktivierung der Lymphozyten wiederholt (2).

Dazu wurden zwei Extrakte aus den Lindenblüten gewonnen und an zwei Gruppen von Mäusen verabreicht. Eine dritte Gruppe bekam nur eine Kontrolllösung ohne Lindenblütenanteile. Zudem wurden isolierte Mäuse-Lymphozyten direkt mit den Lindenblüten-Extrakten (bzw. der Kontrolllösung) behandelt. Unter Einwirkung der Extrakte vermehrten sich die Lymphozyten rascher als in den Kontrollgruppen. Außerdem stieg die Überlebensfähigkeit der Lymphozyten aus den behandelten Mäusen. Die Lindenblüten-Extrakte wirkten dabei sowohl direkt aktivierend auf die Lymphozyten als auch indirekt über die Aktivierung von Makrophagen ( = Fresszellen des Immunsystems), welche dann wiederum die Lymphozyten aktivierten.

Aus den Extrakten konnte eine Substanz isoliert werden, die in der Lage war, eine ähnliche Stimulation des Immunsystems zu bewirken wie der Gesamtextrakt. Bei diesem Wirkstoff handelte es sich um Rutin aus der Gruppe der Flavonoide.

Ob weitere Inhaltsstoffe aus dem Gesamtextrakt ebenfalls immunstimulierend wirken oder ob es Synergismus-Effekte gibt, wurde nicht untersucht.

Die Carstens-Stiftung, die diese Lindenblüten-Untersuchung vorstellt, kommt zu folgender Einschätzung:

„Die Studie zeichnet mittels vielfältiger Methoden und gut überlegten Versuchen ein geschlossenes Bild, das als Erklärung für die günstigen Eigenschaften von Lindenblütenpräparaten bei Erkältungen und Entzündungen herangezogen werden kann.“

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/lindenblueten-staerken-das-immunsystem.html

Originalarbeiten:

1) Anesini C.; Werner S.; Borda E. Effect of Tilia cordata flower on lymphocyte proliferation: participation of peripheral type benzodiazepine binding sites. Fitoterapia, Volume 70, Number 4, 1 August 1999 , pp. 361-367(7)

Abstract:

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0367326X99000490

2) Davicino R, Zettler G, Brizi MR, Marrassini C, Ferraro G, Filip R, Anesini C. In Vivo Immunomodulatory Effect of Tilia x viridis Extracts on Normal Lymphocyte Proliferation: A Direct and an Indirect Action. Phytother Res. 2011, Vol. 25, pp. 1342 – 1347.

Abstract:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21328620

Kommentar & Ergänzung:

Lindenblütentee ist in der traditionellen Pflanzenheilkunde gegen Erkältungen mit Fieber ein etabliertes Mittel. Gemessen an dieser Bedeutung gibt es allerdings nur wenige Studien zur Wirksamkeit der Lindenblüten.

Daher ist dieser Bericht grundsätzlich schon einmal interessant.

Einschränkend muss man jedoch sagen, dass solche Untersuchungen an Mäusen und isolierten Lymphozyten noch nichts aussagen darüber, ob auch bei einem Menschen mit Erkältung eine nützliche Wirkung zu erwarten ist. Das könnten nur Patientenstudien zeigen.

Traditionell wird Lindenblütentee als schweisstreibendes Mittel zur Fiebersenkung empfohlen. Dass die beschriebenen Studien die traditionelle Anwendung stützen, ist allerdings fraglich. Wenn bei einer Erkältung Fieber da ist, dürfte das Immunsystem schon ziemlich aktiviert sein. Heilpflanzen zur Immunstimulation müssen daher im allerersten Frühstadium einer Infektion eingenommen werden, wenn sie wirksam sein sollen. Lindenblütentee müsste für eine Immunstimulation also früher angewendet werden, als dies traditionell meist der Fall ist (eine ähnliche Anwendung im Frühstadium wird bei Echinacea = Sonnenhut empfohlen).

Interessant ist der Hinweis auf den Inhaltsstoff Rutin, der ähnlich wie der Gesamtextrakt eine immunstimulierende Wirkung haben soll.

Das Flavonoid Rutin kommt in relevanten Mengen im Buchweizenkraut vor und wird dort zur Linderung von Venenbeschwerden (schwere Beine, venöse Ödeme) angewendet. Das muss kein Widerspruch sein, denn Naturstoffe können selbstverständlich unterschiedliche Wirkungen im Organismus auslösen.

Sollte Rutin an der postulierten immunstimulierenden Wirkung von Lindenblüten beteiligt sein, stellt sich allerdings die Frage, ob Buchweizenkraut nicht vorzuziehen wäre. Lindenblüten enthalten etwa 1 % Flavonoide, wovon eines davon Rutin ist. Buchweizenkraut enthält aber gemäss Europäischem Arzneibuch mindestens 4% Rutin!

Buchweizenkraut ist jedoch für den Bereich der Immunstimulation gänzlich unbekannt.

Bei den Lindenblüten ist im übrigen noch ihr hoher Schleimgehalt (etwa 10%), der nützlich sein könnte bei trockenem Reizhusten, sowie das Linalool, von dem eine leichte  Sedierung erwartet werden kann.

Siehe auch:

Lindenblütentee als Beruhigungsmittel

Wo kommt Rutin sonst noch vor im Pflanzenreich?

„Die Pflanzen mit dem höchsten Rutingehalt (in der Trockenmasse) sind:

Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor, 25 %, Blüte), Japanischer Schnurbaum (Styphnolobium japonicum, 15–20 % Blüte bzw. Blütenknospen, 4 % Blätter), Echter Buchweizen (Fagopyrum esculentum, 2–8 % Blätter, 4–12 % Blüte), Weiße Maulbeere (Morus alba, 6 %, Blätter), Kanadischer Holunder (Sambucus nigra subsp. canadensis, 3,5 %, Blätter), Petersilie (Petroselinum crispum, 3 % Blätter), Wasserpfeffer (Persicaria hydropiper, 3 % Blätter).

Selbst in Buchweizenmehl waren bei einer Analyse immerhin noch 0,27 Prozent Rutin enthalten.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Forsythien giftig?

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Zur Zeit blühen gerade die Forsythien (Forsythia suspensa) in Parkanlagen und Gärten (Foto hier)

Der beliebte Zierstrauch wird in zahlreichen Abarten angepflanzt, stammt ursprünglich aus China und ist in Europa etwas seit gut 100 Jahren bekannt. Er wird manchmal auch Goldflieder, Goldweide oder Goldglöckchen genannt und gehört in die Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae).

Die Giftzentrale Bonn bezeichnet die Forsythie als „gering giftig“ (alle Pflanzenteile).

In  Blättern, Früchten und Samen sollen sich Saponine und Glykoside befinden, in den gelben Blüten Glykoside und ätherische Öle.

Der Verzehr größerer Mengen an Samen, Früchten, Blättern oder Blüten könne zu Unwohlsein mit Übelkeit, Bauchschmerzen und eventuell Durchfall führen.

In den Blüten der Forsythie hat es Flavonoide wie Rutin (ca. 1%) und Quercetin. Rutin ist in der Phytotherapie ein wichtiger Wirkstoff zur Linderung von Venenbeschwerden (venöse Ödeme). Dabei kommt aber in der Regel das Buchweizenkraut zur Anwendung. Da Buchweizenkraut viel mehr Rutin enthält (normalerweise 2-3%, in entsprechend kultivierten Sorten bis 8%) und in therapeutischen Dosen untoxisch ist, kommt die Forsytie hier nicht in Betracht. Allerdings soll die Forsytie laut dem „Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen“ (Spektrum Verlag 1999) zur Gewinnung von Rutin verwendet werden. In der chinesischen und japanischen Volksheilkunde sollen die Früchte als Laxans (Abführmittel) und Diuretikum (Harntreibendes Mittel) eingesetzt werden.

In ökologischer Hinsicht ist die Forsythie nicht viel Wert, denn die meisten Sorten werden von Insekten gemieden. Wer also Ziersträucher pflanzen will, von denen auch Vögel und Insekten (Schmetterlinge, Bienen, Käfer…) profitieren, muss einheimische Sträucher vorziehen, z. B. Schwarzdorn, Weissdorn, Vogelbeerbaum, Salweide, Heckenkirsche, Hartriegel, Schneeball, Liguster, Berberitze…..

Aber eben: So schön leuchtend gelb wie die Forsythie blüht im Frühling halt kein einheimischer Strauch.

Wer mehr über die Natur lernen möchte, findet dazu viele Gelegenheiten auf meinen Alpenblumenkursen und Heilkräuterexkursionen. Orte und Daten finden Sie via  „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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