Artikel mit Schlagwort ‘Rosskastanien-Extrakt’

Weshalb heisst “Waldmeister” Waldmeister…..

Freitag, August 2nd, 2013

DRWissen erklärt heute die Bedeutung des Namens Waldmeister (Galium odoratum):

„Der Name ‚Waldmeister’ existiert seit dem 15. Jahrhundert und entstand aus dem Frühneuhochdeutschen ‚Waltmeister’ – mit ‚t’ -, das vermutlich eine Umformung des Wortes ‚Waldmiere’ ist. Mieren sind eine Pflanzengattung der Nelkengewächse. Und der ‚Waldmeister’ wie wir ihn kennen gehört zu dieser Gattung.

Der Waldmeister als Heilpflanze wirkt gefäßerweiternd, entzündungshemmend und krampflösend – deshalb wird ihm eine ‚meisterhafte Heilkraft’ zugeschrieben. Im Französischen nennt man ihn nicht umsonst ‚reine des bois’, die ‚Königin der Wälder’.“

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=249498

Kommentar & Ergänzung:

Für die Bedeutung der Pflanzennamen gibt es oft mehrere widersprüchliche Erklärungen. Waldmeister war wohl zuerst ein Heilkraut, dann eine Bierwürze-Pflanze. Die Verwendung als Beigabe zur Maibowle ist verhältnismässig jung (19. Jahrhundert).

Die Bezeichnung „Meister“ wird bei dieser Pflanze in den Wörterbücher der Pflanzennamen auch in Bezug gesetzt zu „magister“ in der Bedeutung von „Arzt“.

„Waldmeister“ könne auch umgedeutet sein aus „Waldmeier“. „Meier“ als Bezeichnung mehrerer Asperula—Arten sei eine Form des Pflanzennamens „Miere“.  So steht’s in Friedhelm Sauerhoff’s „Etymologisches Wörterbuch der Pflanzennamen“.

Das deckt sich etwa mit den Angaben von DRWissen.

Nur eines stimmt absolut nicht:

Waldmeister ist kein Nelkengewächs und gehört nicht zu den Mieren, sondern zur Gattung Labkraut (Galium) und die gehört zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae).

Soviel zur Botanik. Heinomol.

Waldmeister setzt beim Welken Cumarin frei, das für den charakteristischen Duft verantwortlich ist (Heuduft ist auch Cumarin). Die Pflanze hat heute in der Phytotherapie keinen zentralen Platz mehr.

Ähnlich wie die Cumarin-Pflanze Steinklee (Honigklee, Melilotus officinalis) wurde sie zeitweise als Heilpflanze gegen venöse Ödeme eingesetzt. Da Cumarin auf längere Sicht genommen nicht ganz unproblematisch ist, werden diese Pflanzen heute wohl sinnvollerweise durch Buchweizenkraut ersetzt.

Am besten dokumentiert bezüglich Wirksamkeit bei Venenbeschwerden sind aber Rosskastanien-Extrakte (innerlich).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Mäusedorn bei Venenbeschwerden

Freitag, Juli 20th, 2012

Bei Venenbeschwerden (Ödeme, Krampfadern, Venenschwäche) stehen in der Phytotherapie als Heilpflanzen-Anwendungen Rosskastanien-Extrakt, Buchweizenkraut und Rotes Weinlaub im Zentrum. Weniger bekannt ist Stechender Mäusedorn (Ruscus aculeatus).

Foto auf Wikipedia

Der Stechende Mäusedorn ist im Mittelmeergebiet und Nordafrika bis Vorderasien heimisch und auch an der Atlantikküste Frankreichs und Englands zu finden. Die Pflanze gehört zur Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) und wächst als immergrüner, die Trockenheit liebender Strauch in Gebüschen und an trockenen, steinigen Abhängen.

Mäusedornwurzelstock enthält Steroidsaponine.

Wissenschaftlich anerkannte Anwendungbereiche:

„Zur unterstützenden Therapie von Beschwerden bei chronisch venöser Insuffizienz wie Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Schwellungen. Unterstützende Therapie von Beschwerden bei Hämorrhoiden wie Juckreiz, Brennen (Kommission E, ESCOP).“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/maeusedorn.php

Kommentar & Ergänzung:

Mäusedorn ist in der Schweiz hauptsächlich als Venengel im Handel. Die Wirksamkeit von Venengelen und Venensalben ist aber generell nicht plausibel belegt.

Für die innerliche Anwendung ist die Auswahl an Fertigpräparaten bescheiden. Neben Mäusedorntinktur gibt es noch Mäusedorn-Kapseln von Arkokaps.

Rosskastanien-Extrakte sind sehr viel besser belegt bezüglich Wirkung gegen Venenbeschwerden (Chronisch-venöse Insuffizienz: Krampfadern, Schmerzen, Schweregefühl, geschwollene Beine, Wadenkrämpfe).

Siehe auch:

Rosskastanien-Extrakt bei Venenleiden

Phytotherapie – chronisch-venöse Insuffizienz

Heilpflanzen-Präparate lindern Venenbeschwerden

Heilpflanzen bei Venenbeschwerden

Weinlaub-Extrakt gegen schwere Beine

Cochrane-Studie zu Rosskastanien-Extrakt bei Venenbeschwerden

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Phytotherapie bei Venenleiden

Montag, Juni 18th, 2012

Auch in der modernen Venentherapie haben Heilpflanzen-Präparate einen festen Platz. Die Behandlung mit Arzneimitteln, die ausschließlich aus Pflanzen gewonnen werden, heißt Phytotherapie. Die bekanntesten Phytotherapeutika zur Behandlung von Venenleiden sind die Extrakte aus rotem Weinlaub und Rosskastanien.

Ihre Wirkstoffe dichten die Venenwände ab und wirken so der Ansammlung von Flüssigkeit im Gewebe entgegen (Ödembildung). Sie lindern so die „schweren Beine“, stabilisieren das Venengerüst, wirken zusammenziehend, straffend, entzündungshemmend und steigern die Durchblutung. Darum raten Phlebologen – so die Bezeichnung der Fachärzte für Venenleiden – vor einem Langstreckenflug Heilpflanzen-Präparate aus rotem Weinlaub oder Rosskastanien einzunehmen.

In einer Studie konnte gezeigt werden, dass gesunde Versuchspersonen auf einer 14-stündigen Flugreise erkennbar vor dem Anschwellen ihrer Beine geschützt waren. Sie hatten mit der Einnahme der pflanzlichen Medikamente zehn Tage vor Reisebeginn angefangen. Das ist ein wichtiger Punkt, weil Phytotherapeutika ihre heilende Wirkung erst nach längerer Einnahme entfalten.

Quelle:

http://www.express.de/medizin-spezial/gegen–schwere-beine–pflanzen–die-den-kranken-venen-helfen,3464074,16302078.html

Kommentar & Ergänzung:

Ödeme bei Krampfadern / Venenschwäche sind ein beliebtes Anwendungsgebiet von Heilpflanzen-Präparaten.

Für die Wirksamkeit von Rosskastanien-Extrakt und Extrakt aus Rotem Weinlaub sprechen die Resultate von klinischen Studien. Das gilt aber nur für Extrakt-Präparate zum Einnehmen in Form von Tabletten, Kapseln oder Tropfen. Dagegen ist die Wirksamkeit der Einnahme von Rosskastanientinktur nur ungenügend belegt.

Ungeklärt ist auch die Wirksamkeit von Rosskastanien-Extrakt und Weinlaub-Extrakt bei äusserlicher Anwendung (Venensalbe, Venengel).

Als weitere pflanzliche Venenmittel für die innerliche Anwendung erwähnenswert sind noch das Buchweizenkraut und der Mäusedorn-Extrakt.

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Heilpflanzen bei Venenleiden: Mäusedorn

Samstag, Januar 28th, 2012

Verglichen mit Rosskastanien-Extrakt und Buchweizenkraut ist der Mäusedorn als Heilpflanze bei Venenbeschwerden weniger bekannt.

Welche Anwendungen sind medizinisch anerkannt?

„Zur unterstützenden Therapie von Beschwerden bei chronisch venöser Insuffizienz wie Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Schwellungen. Unterstützende Therapie von Beschwerden bei Hämorrhoiden wie Juckreiz, Brennen (Kommission E, ESCOP).“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/maeusedorn.php

Kommentar & Ergänzung:

Der Stechende Mäusedorn (Ruscus aculeatus) ist eine Pflanzenart, die zu den Spargelgewächsen (Asparagaceae) zählt. Sie ist vor hauptsächlich rund um das Mittelmeer sowie bis Vorderasien heimisch und wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2002 gekürt.

Gut zusammengefasst werden die Anwendungsbereiche im Pharmawiki:

„- Chronisch-venöse Insuffizienz: Krampfadern, Schmerzen, Schweregefühl, geschwollene Beine, Wadenkrämpfe

- Stumpfe Sportverletzungen

- Zur Narbenpflege

Mäusedorn soll äusserlich auch zur Behandlung der Rosazea geeignet sein. Das Gel ist in der Schweiz in dieser Indikation jedoch nicht zugelassen und gemäss unseren Recherchen für diese Anwendung wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht.“

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Mäusedorn

Mäusedorn ist in der Schweiz hauptsächlich als Venengel im Handel. Die Wirksamkeit von Venengelen und Venensalben ist aber generell nicht plausibel belegt.

Für die innerliche Anwendung ist die Auswahl an Fertigpräparaten bescheiden. Neben Mäusedorntinktur gibt es noch Mäusedorn-Kapseln von Arkokaps.

Rosskastanien-Extrakte sind sehr viel besser belegt bezüglich Wirkung gegen Venenbeschwerden (Chronisch-venöse Insuffizienz: Krampfadern, Schmerzen, Schweregefühl, geschwollene Beine, Wadenkrämpfe).

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Krampfadern: Hochlagern der Beine entlastet die Venen

Dienstag, Januar 24th, 2012

Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland leiden an Veränderungen der Venen, erklärt Lutz Schimmelpfennig, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Ein Risikofaktor, der Krampfadern fördere, sei mangelnde Bewegung. Er rät deshalb, die Venen durch möglichst wenig Sitzen und viel Bewegung zu unterstützen.

Entlastung für die Venen bringe zudem das Hochlagern der Beine, weil dadurch der Rückfluss des Blutes zum Herzen hin gefördert wird.

Wann immer sich im Laufe des Tages die Möglichkeit biete, sollte man die Füße für ein paar Minuten auf einen Stuhl oder eine Tischkante legen, empfiehlt der Experte. Bewegungsübungen wie Radfahren in der Luft könne man auch gut zwischendurch in den Alltag integrieren

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/das-hochlegen-der-beine-entlastet-die-venen-072428443.html

Kommentar & Ergänzung:

Dass bei Venenbeschwerden das Hochlagern der Beine positiv wirken kann, ist eine ziemlich bekannte Empfehlung.

Entscheidend scheint mir eher, ob man im Alltag genügend oft daran denkt.

Vielleicht wäre es da nützlich, passende Möbelstücke im Umfeld zu platzieren.

Und dass Bewegung wichtig ist für die Vorbeugung und Behandlung von Venenbeschwerden, steht ausser Frage.

In der Phytotherapie werden bei Venenbeschwerden (Krampfadern, venöse Ödeme) zum Beispiel Rosskastanien-Extrake, Buchweizenkrauttee, Mäusedorn und Rotes Weinlaub verwendet.

Siehe auch:

Pharmawiki: Rosskastanien-Extrakt bei Venenleiden

Phytotherapie bei chronisch-venöser Insuffizienz

Heilpflanzen-Präparate lindern Venenbeschwerden

Heilpflanzen bei Venenbeschwerden

Weinlaub-Extrakt gegen schwere Beine

Cochrane-Studie zu Rosskastanien-Extrakt bei Venenbeschwerden

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Heilpflanzen-Anwendungen bei Hämorrhoiden

Freitag, Dezember 30th, 2011

Hämorrhoiden sind Erweiterungen der Gefässpolster im Analkanal, die zu Blutungen, Schmerzen und Entzündungen führen können. Zu den möglichen Auslösern zählen ein starkes Pressen bei der Defäkation (Stuhlentleerung), eine Verstopfung und eine Schwangerschaft. Eine ärztliche Diagnose ist nötig, um andere Ursachen auszuschliessen und eine adäquate Behandlung einzuleiten. Zur medikamentösen Therapie werden Ballaststoffe, Venenmittel, Salben und Zäpfchen angewendet. Neben synthetischen Wirkstoffen kommen bei Hämorrhoidenleiden auch Heilpflanzen-Präparate zur Anwendung.

Je nach Ausprägung und Symptomatik kann auch ein kleiner oder grösserer medizinischer Eingriff nötig werden; Hämorrhoiden können jedoch auch von alleine wieder zurückgehen.

Symptome bei Hämorrhoidenleiden

Zu den möglichen Symptomen von Hämorrhoiden zählen:

Blutungen, Blut am Toilettenpapier

Druckbeschwerden, Schmerzen, Brennen

Unangenehmes Gefühl

Entzündungen, Schwellungen, perianale Dermatitis

Juckreiz im Analbereich

Abgang von Schleim, Nässen

Vorfall, Ausstülpungen ausserhalb des Anus (Prolaps)

Hämorrhoiden können nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden. Geläufig ist die Klassifikation nach dem anatomischen Ursprung in innere und äussere Hämorrhoiden. Innere Hämorrhoiden haben ihren Ursprung oberhalb der Grenze zwischen Rektum und Analkanal (Linea dentata), äussere Hämorrhoiden unterhalb. Entsprechend dem Schweregrad des Vorfalls werden Hämorrhoiden in vier Stadien unterteilt.

Komplikationen

Zu den möglichen Komplikationen zählen Stuhlinkontinenz, Thrombosen, Nekrosen und Ulzerationen, die mit starken akuten Schmerzen einhergehen. Eine längerfristige Blutung kann Eisenmangel und Blutarmut zur Folge haben.

Ursachen

Zu den Ursachen von Hämorrhoiden zählen eine Schwächung des Bindegewebes mit zunehmendem Alter, Scherkräfte bei der Passage von hartem Stuhl, starkes Pressen, Stauung des Bluts und unzureichender venöser Blutabfluss sowie ein zu hoher Druck in den Gefässen. Als auslösende Faktoren können dazu kommen eine ballaststoffarme Ernährung und Verstopfung, Übergewicht, eine Schwangerschaft, Bewegungsmangel, langer Aufenthalt auf der Toilette und einige Medikamente wie beispielsweise Phosphodiesterase-5-Hemmer (Viagra), Mittel gegen Durchfall, Abführmittel und Pegvisomant. Nicht-steroidale Entzündungshemmer können Blutungen auslösen.

Diagnose

Die ärztliche Diagnose soll andere Ursachen ausschliessen. Zu den möglichen Differentialdiagnosen zählen Tumore, Analfissuren, Fisteln, Infektionen, Abszesse, Hautfalten, Polypen, Papillen, perianale Thrombosen, Warzen, Trauma und weitere Erkrankungen. Es wird vermutet, dass viele Patienten für sich selbst eine Fehldiagnose machen, weil andere Ursachen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen, kaum bekannt sind.

Nicht-medikamentöse Behandlung der Hämorrhoiden

Zentral ist die Regulation des Stuhls durch Ernährungs- und Lebensstilveränderungen. Der Stuhl sollte weder zu flüssig noch zu fest sein. Zu den Empfehlungen zählen:

Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen

Während der Defäkation nicht pressen und keine schweren Gegenstände anheben

Ergänzend Ballaststoffe zu sich nehmen

Warme und reizarme Sitzbäder ohne Seife

NSAID wenn möglich absetzen

Reizende Gewürze meiden

Ausreichend körperliche Bewegung, nicht zu lange sitzen

Harte Sitzunterlage

Feuchtes Toilettenpapier

Kalte Auflagen zur Schmerzlinderung

Je nach Stadium und Symptomen werden Hämorrhoiden mit kleineren und grösseren Eingriffen therapiert: Sklerosierungstherapie, Infrarottherapie, Ligatur, Operation, Hämorrhoidektomie.

Schlussendlich gehen Hämorrhoiden innert Tagen oder Wochen oft auch wieder von alleine zurück – können jedoch wiederkehrend auftreten.

Orale Therapie mit Heilpflanzen-Präparaten

Innerlich kommen zur Behandlung von Hämorrhoiden oft Heilpflanzen zu Anwendung. Einzig zur Linderung stärkerer Schmerzen werden synthetische Schmerzmittel eingesetzt.

Zur innerlichen Hämorrhoiden-Therapie werden hauptsächlich gut verträgliche Ballaststoffe und Abführmittel bei Verstopfung zur Steigerung des Stuhlvolumens und Erweichung des Stuhls eingesetzt, zum beispielsweise Flohsamen, Indische Flohsamenschalen, Leinsamen und Sterculia.

Einige Venenpräparate mit pflanzlichen oder teilsynthetischen Wirkstoffen sind zur Behandlung von Hämorrhoiden zugelassen, bspw. Flavonoide wie Oxerutin (Venoruton®), Troxerutin (Venutabs®) und Diosmin (Daflon®) sowie Anthocyanoside aus der Heidelbeere (Myrtaven®) und Mäusedornextrakte (Phlebodril®). Auch Rosskastanien-Extrakte kommen zum Einsatz.

Solche Venenpräparate sollen die Kapillaren stärken und ihre Durchlässigkeit reduzieren und entzündlichen Prozessen entgegenwirken.

Ihre Wirksamkeit für die Hämorrhoiden-Therapie ist umstritten.

Orale Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können kurzfristig zur Schmerzerleichterung angewendet werden.

Lokale medikamentöse Therapie

Hämorrhoidenmittel kommen äusserlich in Form von Salben, Zäpfchen und Tamponaden zur Anwendung. Sie sollen die Symptome wie Juckreiz und Schmerzen lindern, sowie hautpflegend und schmierend wirken. Sie beeinflussen jedoch nicht den Krankheitsverlauf. Die Behandlungsdauer ist für die Selbstmedikation auf 1-2 Wochen begrenzt. Falls die Beschwerden unter der Selbstbehandlung innert 1 – 2 Wochen nicht zurückgehen, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen lokaler Hämorrhoidenmittel zählen allergische Reaktionen. Zahlreiche Komponenten von Hämorrhoidenmitteln sind bekannte Allergene wie zum Beispiel Kamille, Lokalanäthetika und Perubalsam.

Welche Stoffe oder Heilpflanzen kommen für die lokale Therapie zur Anwendung?

- Mittel gegen Juckreiz wie Menthol (Hauptbestandteil im Pfefferminzöl) und Kampfer sind angenehm kühlend, juckreizlindernd und schmerzlindernd.

- Synthetische Lokalanästhetika wie Benzocain, Cinchocain, Quinisocain und Lidocain betäuben den Schmerz und hemmen möglicherweise den Juckreiz. Allergische Reaktionen auf diese Stoffe werden allerdings immer wieder beobachtet.

- Sitzbäder mit Kamille sind entzündungshemmend, wobei Kamille allerdings ebenfalls ein bekanntes Allergen ist.

- Glucocorticoide wie Prednisolon, Hydrocortison, Dexamethason und Fluocinolon wirken entzündungshemmend und sekundär gegen Juckreiz. Gemäss der Fachinformation haben diese „chemischen“ Medikamente einen Einfluss auf die Gefässerweiterung und sollen Gefässneubildungen hemmen. Sie sollten nur kurzfristig eingesetzt werden, weil sie die Perianalhaut schädigen können und möglicherweise die Anfälligkeit für Infekte steigern.

- Venenmittel wie zum Beispiel Rosskastanienextrate werden nicht nur systemisch, sondern auch lokal angewandt in Form von Venengelen und Venensalben. Ihr Nutzen in diesem Anwendungsbereich ist unklar.

- Gerbstoffe wie Policresulen, Hamamelis und Eichenrinde wirken zusammenziehend, entzündungshemmend und juckreizlindernd. Bei entzündeten Hämorrhoiden bewährend sich Sitzbäder mit Eichenrinde immer wieder.

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Hämorrhoiden

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Pharmawiki: Rosskastanien-Extrakt bei Venenleiden

Samstag, Oktober 15th, 2011

Im „Pharmawiki“ ist in der Rubrik Heilpflanzen ein neuer Beitrag über Rosskastanien erschienen. Hier ein paar Zitate aus dem informativen und fundierten Text (kursiv), jeweils mit Ergänzungen und Anmerkungen von mir:

„ Extrakte aus den Samen der Rosskastanie Aesculus hippocastanum haben gefässabdichtende und venenstärkende Eigenschaften. Die Arzneimittel werden hauptsächlich zur innerlichen und äusserlichen Behandlung von Venenleiden eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete sind Hämorrhoiden, Sportverletzungen und Wadenkrämpfe“

Rosskastanien-Extrakt sorgt durch die gefässabdichtende Wirkung vor allem für den Abbau von venösen Ödemen (Wasseransammlungen im Gewebe).

„ Rosskastanien-Extrakte sind in Form von topischen Zubereitungen wie Gelen und Salben sowie als orale Formen wie Tabletten, Dragées, Kapseln, Tinkturen und Tropfen erhältlich…. Neben den Extrakten wird auch der Inhaltsstoff Aescin zu Arzneimitteln verarbeitet.“

Belegt ist die Wirkung gegen venöse Ödeme allerdings nur bei Rosskastanien-Präparaten, die eingenommen werden, nicht jedoch bei topischer Anwendung, also bei Venensalben und Venengelen aus Rosskastanien bzw. Aescin.

Venenpräparate ausschliesslich mit dem reinen Wirkstoffgemisch Aescin sind unter dem Namen Reparil im Handel.

„Als relevanter Inhaltsstoff wird vor allem das Triterpensaponin-Gemisch Aescin angesehen. Daneben enthalten die Samen unter anderem Flavonoide, Cumarine, Gerbstoffe und Nährstoffe.“

Bisher wurde bei den Rosskastaniensamen ausschliesslich Aescin als Wirkstoff gründlich untersucht.

„ In Untersuchungen mit Rosskastanien-Extrakten wurden antiexsudative, gefässabdichtende, venentonisierende, ödemprotektive, entzündungshemmende und antioxidative Wirkungen nachgewiesen. Zur tatsächlichen Wirksamkeit können wir keine Aussage machen. Pittler und Ernst kommen in ihrer umfangreichen Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2006 zum Schluss, dass Rosskastanien-Extrakte wahrscheinlich für die Kurzzeitbehandlung der chronisch-venösen Insuffizienz geeignet sind.“

Der Ausdruck Kurzzeitbehandlung könnte etwas irreführend sein.

Eine Sofortwirkung ist vom Rosskastanienextrakt jedenfalls nicht zu erwarten. Klinische Studien, welche die Wirkung belegen, wurden über 4 Wochen durchgeführt. Das scheint mir eine empfehlenswerte Mindestanwendungsdauer. Hört man mit der Einnahme des Rosskastanien-Präparates auf, geht auch die Wirkung wieder weg.

„Rosskastanien-Extrakte werden heute vorwiegend zur Behandlung von Venenbeschwerden eingesetzt, also bei Krampfadern, Schmerzen, Juckreiz, Schwellungen und müden Beinen. Weitere Anwendungsgebiete sind Wadenkrämpfe, Blutergüsse, Sportverletzungen, Hämorrhoiden und Hauterkrankungen.“

Bei Blutergüssen und Sportverletzungen würde ich äusserlich Arnikagel, Arnikasalbe oder verdünnte Arnikatinktur empfehlen, weil der Rosskastanien-Wirkstoff Aescin durch die Haut nicht aufgenommen wird.

Für Sportverletzungen eignet sich auch Beinwell (Wallwurz) in Form von Beinwellsalbe / Beinwellgel.

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Rosskastanie

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Phytotherapie: Venenmittel gegen Hämorrhoiden?

Samstag, April 30th, 2011

Auch wenn nicht gerne darüber geredet wird: Rund die Hälfte der Bevölkerung leidet an Hämorrhoiden. Dabei handelt es sich bei den Betroffenen im Gegensatz zur chronisch venösen Insuffizienz (CVI, Venenschwäche) in der Mehrzahl um Männer.

Gute Erfahrungen mit dem Einsatz eines Venenpräparats bei Hämorrhoidalleiden und Perianalthrombosen hat Dr. Brita Larenz in ihrer Praxis gesammelt.

Aus ihrer Praxis berichtet Brita Larenz über mehrere Fälle, in denen Patienten aufgrund ihres Venenleidens ein Venenmittel bekamen und im Laufe der Behandlung — eher beiläufig — von einer Besserung ihrer Hämorrhoiden-Beschwerden berichteten.

So nahm zum Beispiel ein 48-jähriger Mann mit rechtsseitiger Seitenastvarikosis, Hämorrhoidenverödung und wiederkehrenden Analfissuren auf Anraten seiner Ehefrau vor einer erneut anstehenden Hämorrhoiden-Operation täglich 2 x 1 Tablette eines Weinlaubpräparates ein. Der Patient hatte schon bei einer Analfissur-Operation gute Erfahrungen mit diesem OTC-Präparat gemacht. Nach der aktuellen Operation hatte er ebenfalls weniger Beschwerden.

Bei Perianalthrombosen, von denen oft auch jüngere Patienten betroffen sind, die noch nie unter Hämorrhoidalbeschwerden litten, hat die Ärztin ebenso gute Erfahrungen gemacht. Ein Beispiel dafür sei eine 40-jährige, hypertone Patientin mit Diabetes mellitus Typ 2, mit linksseitiger Stammvarikosis und wiederkehrenden Perianalthrombosen. Sie trage nach Doppler-Untersuchung regelmäßig Kompressionsstrümpfe und nehme seit einem Jahr ebenfalls ein pflanzliches Venenmittel. Perianalthrombosen seien seitdem nicht mehr aufgetreten.

Diese Beobachtungen aus der Praxis seien alleine sicher nicht repräsentativ, so die Ärztin, auch wenn alle danach befragten Patienten einmütig von einer subjektiven Besserung ihrer Hämorrhoiden-Beschwerden berichteten. Sie fragt daher ihre Fachkollegen, ob es sich dabei tatsächlich nur um Einzelfälle handele, oder ob es hier einen Zusammenhang gebe, der wissenschaftlich genauer untersucht werden sollte, da er von Nutzen für die Therapie sein könnte.

Dr. Brita Larenz schildert dann, wie sich solche positiven Effekte von Venenmitteln auf Hamorrhoidenleiden erklären lassen:

„Die in pflanzlichen Venenmitteln enthaltenen bioaktiven Wirkstoffe, z. B. die Flavonoide aus dem Extrakt des Roten Weinlaubs oder die Saponine der Rosskastanie. Sie haben bekanntermaßen antiinflammatorische (entzündungshemmende, M.K.), ödemprotektive und das Endothel stabilisierende Eigenschaften. Das wurde in klinischen Studien belegt. Auch ein direkter, stärkender Effekt auf die Mikrozirkulation wurde nachgewiesen. Warum sollten sich diese Wirkungen auf das Venengewebe der Beine beschränken? Schließlich handelt es sich auch beim Hämorrhoidalleiden um ein chronisch entzündliches Geschehen, das von antiinflammatorischen Stoffen profitieren könnte. Mikrothromben entstehen, wenn die Mikrozirkulation gestört ist. Auch die CVI entsteht nicht durch Degeneration der großen Venen, sondern die Erkrankung beginnt in den kleinen Körpervenen. Genau dort setzt die Wirkung dieser Pflanzenextrakte an.“

Quelle:

Zeitschrift: Der Hausarzt 2011; 48 (2): 39

http://www.springermedizin.de/mit-venenmitteln-gegen-haemorrhoiden/334544.html

Kommentar & Ergänzung:

Über einen möglichen positiven Effekt von Venenpräparaten auf Hämorrhoidenleiden wird in der Phytotherapie immer  wieder nachgedacht und es werden auch entsprechende Therapieversuche gemacht, obwohl der Nutzen nicht nachgewiesen ist.

Dr. Brita Larenz weißt zurecht darauf hin, dass Einzelfallbeobachtungen nur beschränkte Aussagekraft haben. Ihr Vorgehen ist dabei absolut vorbildlich:

Wer interessante Einzelfallbeobachtungen macht, soll diese anderen Fachleuten mitteilen und fragen, ob sie ähnliche Erfahrungen kennen. Verdichten sich so die Hinweise auf eine positive Wirkung, so können wissenschaftliche Untersuchungen aufgegleist werden, um eine allfällige Wirksamkeit oder Unwirksamkeit zu dokumentieren, und damit die Frage so gut wie möglich genauer zu klären.

Allzu oft werden nämlich Einzelbeobachtungen vorschnell als Tatsachen dargestellt und in die Welt hinaus posaunt.

Daher nehme ich diesen Bericht sehr interessiert zur Kenntnis. Er stützt meine eigene Ansicht betreffend einer positiven Wirkung von Venenpräparaten auf der Basis von Rosskastanien-Extrakt oder Weinlaub-Extrakt (oder von Buchweizenkraut) zur Linderung von Hämorrhoidenleiden. Und ich bin mir dabei aber auch bewusst, dass dieser Effekt noch weiter untersucht werden muss, bis er als gesichert gelten kann.

Auch wenn die Beschreibung von möglichen Wirkungsmechanismen, welche Dr. Brita Larenz am Schluss des Textes gibt, fachlich sehr fundiert und plausibel ist.

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Heilpflanzen bei Venenbeschwerden

Mittwoch, Mai 26th, 2010

Über Heilpflanzen zur Behandlung von Venenbeschwerden schreibt Reinhard Länger in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (PHYTO Therapie Austria  2|10).

Hier zusammenfassend die wichtigsten Aussagen zu den zentalen Heilpflanzen im Venenbereich:

„ Üblich hingegen ist der Einsatz von Ödemprotektiva, in dieser Gruppe von Arzneimitteln spielen pflanzliche Zubereitungen die dominierende Rolle. Als Wirkstoffe fungieren Saponine (Rosskastanie, Mäusedornwurzelstock) und Flavonoide (Rotes Weinlaub, Buchweizenkraut), manche Flavonoide werden auch als Reinsubstanzen, Substanzgemische oder in chemisch abgewandelter Form eingesetzt. Der Wirkmechanismus ist für alle genannten Substanzen noch nicht vollständig geklärt, die Hemmung bestimmter Enzyme, die die Gefäßpermeabilität erhöhen können, dürfte aber im Vordergrund stehen.“

Damit sind die wichtigsten Heilpflanzen und Wirkstoffgruppen zusammengefasst.

Rosskastanie (Aesculus hippocastanum)

Im nächsten Abschnitt geht der Text detaillierter auf Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) ein:

„Die Samen enthalten 3 bis 10 Prozent Triterpensaponine, das Saponingemisch wird als Aescin (oder Escin) bezeichnet. Aescin in Arzneimitteln ist keine Reinsubstanz, sondern ein Gemisch strukturell sehr ähnlicher Substanzen. Deshalb ist Aescin als pflanzliche Zubereitung anzusehen, Arzneimittel mit Aescin als Wirkstoff werden als Phytopharmaka definiert.“

Das Saponingemisch Aescin gilt eindeutig als zentral für die Wirkung der Rosskastaniensamen zur Linderung der Beschwerden von Venenerkrankungen.

Wäre Aescin ein bestimmtes, genau definiertes Molekül, gälte es nicht als Phytopharmaka, weil die Phytotherapie „Teams“ von Wirkstoffen einsetzt und nicht Einzelsubstanzen. Allerdings ist Aescin ein Grenzfall, weil die verschiedenen Bestandteile dieses Gemisches sich sehr ähnlich sind.

Zur Wirksamkeit und zum Anwendungsbereich von Rosskastaniensamen-Extrakt schreibt Länger:

„Die orale Anwendung von Extrakten aus Rosskastaniensamen, die mit Ethanol-Wasser-Mischungen (Ethanol 40-80 % v/v) hergestellt werden und 16-28 % Aescin enthalten, wurde im Zuge der Erstellung einer EU-Gemeinschaftsmonographie durch das Herbal Committee (HMPC) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) als klinisch belegt bewertet. Einsatzgebiet ist die chronisch venöse Insuffizienz der Stadien I und II….Ein systematischer Review (Meta-Analyse) von 17 klinischen Studien kommt zum Schluss, dass standardisierter Rosskastaniensamenextrakt verglichen mit Placebo signifikant die Symptome von CVI wie Ödeme, Schmerz, Juckreiz reduziert.“

Bei Venenschwäche Stadien I und II gilt Rosskastanienextrakt als gut dokumentiertes und belegtes Heilpflanzen-Präparat. Es braucht aber eine ausreichende Tagesdosis an Aescin und eine genügend lange Anwendungsdauer:

„Die Bioverfügbarkeit von Aescin liegt bei nur ca. 5 Prozent. Eine Tagesdosis von 100 mg Aescin sollte eingehalten werden, therapeutische Effekte werden unter Umständen erst nach 4 Wochen Behandlung erkennbar.“

Kritisch sieht Reinhard Länger offensichtlich die Anwendung von Rosskastanien-Präparaten via Haut (Venengel oder Venensalbe auf Basis von Aescin, Rosskastanienbad):

„Kontrovers wird hingegen die klinische Datenlage zur kutanen Anwendung derartiger Extrakte interpretiert. Die Resorption der großen, hydrophilen Saponinmoleküle durch die intakte Haut ist sicher gering, weshalb sich nach wie vor die Frage stellt, ob relevante Konzentrationen im Bereich der Venen erreicht werden können. Deshalb bleibt die kutane Anwendung traditionell pflanzlichen Arzneimitteln vorbehalten, die Indikation ist ‚leichte Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen im Zusammenhang mit leichten venösen Durchblutungsstörungen’.“

Das bestätigt mir meine Skepsis an diesem Punkt. Sehr viele Venenkranke schätzen zwar Venengels oder Venensalben. Die Vorstellung, dass die grossen, wasserliebenden (hydrophilen) Aescinmoleküle in relevanten Mengen durch die Haut aufgenommen werden und in den Venen wirksam werden, habe ich schon seit langem in Frage gestellt. Gut durch die Haut gehen in der Regel kleine, lipophile Moleküle (zum Beispiel ätherische Öle). Vielleicht ist es bei der Anwendung von Venensalben mehr der Massageeffekt, welcher Linderung bringt.

Wichtig ist auch der Hinweis, dass Rosskastanien-Extrakte nicht andere Massnahmen wie Bewegung oder Kompressionsstrümpfe ersetzen soll:

„Für die Praxis ist wesentlich, dem Patienten klar zu vermitteln, dass Zubereitungen aus Rosskastaniensamen als zusätzliche Maßnahme zu Stützstrümpfen und Bewegungstherapie zu sehen sind und diese physikalischen Behandlungen nicht abgebrochen werden sollten.“

Rotes Weinlaub (Vitis vinifera)

Noch nicht so lange wie die Rosskastanie ist das Rote Weinlaub als Heilpflanze bei Venenbeschwerden Gegenstand der Phytotherapie-Forschung. Es handelt sich dabei um Arzneimittel mit Extrakten aus den nach der Traubenlese geernteten Laubblättern von rotblättrigen Varietäten der Weinrebe:

„Auch zu diesen Extrakten ist eine Monographie des HMPC in Ausarbeitung. Im publizierten Entwurf wurden Trockenextrakte (Extraktionsmittel Wasser) mit einem definierten Gehalt an Flavonoiden von 3 bis 7 Prozent unter dem Begriff „well-established use“ eingestuft. Dies bedeutet, dass die klinische Wirksamkeit im vorgeschlagenen Indikationsgebiet CVI (Stadien I und II) bei oraler Anwendung durch mindestens eine qualitativ hochwertige kontrollierte klinische Studie belegt ist. Diese Daten fehlen hingegen für den Tee aus Weinlaub, Pflanzenpulver in Kapseln und auch für die äußerliche Anwendung von Extrakten. Diese können in traditionell pflanzlichen Arzneimitteln registriert werden.“

Auch hier bleibt also festzuhalten: Für den Tee aus Rotem Weinlaub und für äusserliche Anwendungen als Salbe / Gel gibt es keine Belege für Wirksamkeit.

Buchweizenkraut (Fagopyrum esculentum)

Buchweizenkraut hat sich in den letzten Jahren zu einem interessanten Venenmittel entwickelt:

„Für die Behandlung von CVI kommen aber nur ausgewählte Sorten in Frage, deren Gehalt an Flavonoiden höher ist und bei denen das Flavonoid Rutin bis zu 90 Prozent des Flavonoidgehalts ausmacht. Signale für eine Wirksamkeit eines Aufgusses aus Buchweizenkraut (Dosierung 3 x täglich 1 Tasse) konnten aus einer klinischen Studie aus dem Jahr 1996 abgeleitet werden. Eine aktuelle Bewertung nach den Kriterien des HMPC ist derzeit nicht vorgesehen.“

Buchweizen hat als gesundes Lebensmittel eine lange Tradition, wobei Buchweizensamen verwendet werden. Als Venenmittel dagegen wird das Buchweizenkraut eingesetzt.

Weitere Venenmittel

Es gibt noch eine ganze Reihe von Heilpflanzen zur Linderung von Venenerkrankungen,  die weniger gebräuchlich sind:

„Obwohl relativ gut untersucht gibt es in Österreich kein zugelassenes Arzneimittel mit einer Zubereitung aus Mäusedornwurzelstock (Ruscus aculeatus). Auch Steinkleekraut, das traditionell eine Komponente von Venentees ist, ist derzeit in keiner Arzneispezialität enthalten. Diosmin, ein Flavonoid, das in der Natur im japanischen Schnurbaum (Sophora japonica), einem bei uns beliebten Parkbaum, vorkommt, ist ein Wirkstoff in Venenmitteln, allerdings wird diese Reinsubstanz partialsynthetisch hergestellt und nicht aus einem Extrakt isoliert. Um die Löslichkeit und damit die Bioverfügbarkeit von Flavonoiden zu verbessern, wurden auch verschiedenste Derivate synthetisiert. In medizinischer Verwendung ist ein Gemisch von Ethern des Flavonoids Rutin mit dem Namen Oxerutin.“

Kommentar & Ergänzung:

Das ist wirklich eine ausgezeichnete Zusammenfassung der aktuellen Phytotherapie bei Venenbeschwerden. Betont werden muss aber noch, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtigen Heilpflanzen anzuwenden. Genauso wichtig ist es, die jeweils geeignetste Form zu wählen, weil es grosse Qualitätsunterschiede gibt bei den Heilpflanzen-Präparaten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Weinlaub-Extrakt gegen schwere Beine

Freitag, März 20th, 2009

Jede zweite Frau und jeder zehnte Mann sind von vernösen Durchblutungsstörungen betroffen.
Die ersten Symptome einer Venenerkrankung sind diskret und werden meist als kosmetische Übel betrachtet. Allerdings haben sich die venösen Durchblutungsstörungen in den Beinen längst zu einer Volkskrankheit entwickelt – jede zweite Frau und zehn Prozent der Männer klagen über “schwere Beine”.

Weinlaub-Extrakt lindert Venenbeschwerden

Neben klassischen Behandlungsformen helfen bei leichten Varianten auch Venenmedikamente. “Pflanzliche Produkte wie der Extrakt aus rotem Weinlaub reduzieren die Ödembildung an den Beinen”, erläuterte Sanja Schuller-Petrovic, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Phlebologie und dermatologische Angiologie, am Donnerstag in Wien.

Rotes Weinlaub enthält ebenso wie viele Obst- und Gemüsesorten Flavonoide, die den Kreislauf unterstützen und die aufgrund der Erkrankung poröse Venenwände abdichten und festigen. “Somit wird die Entzündung gehemmt und die Durchblutung gefördert”, erläuterte Schuller-Petrovic die Hilfe aus der Natur. Etwa 90 Prozent aller Erwachsenen weisen Veränderungen im Venenbereich auf, wie eine Untersuchung aus dem Jahr 2003 zeigt.

Venenerkrankung wirkt sich im Alltag aus

Nicht selten wirkt sich das Venenleiden auch auf den Alltag und das Sozialverhalten aus. Eine im vergangenen Jahr durchgeführte internationale Befragung an 5.000 Frauen ergab, dass bereits zwölf Prozent notgedrungen ihren Arbeitsplatz wechseln mussten oder dies aufgrund der Venenerkrankung planen. Ein Viertel der befragten Frauen vermeidet Veranstaltungen und Partys, wenn sie dabei längere Zeit stehen müssen. Sie bleiben dann lieber zu Hause. Über ein Drittel verzichtet im Sommer auf kurze Röcke und Hosen. Jede fünfte von Venenleiden betroffene Frau meidet Urlaube in warmen Gebieten. Insgesamt fühlten sich 52 Prozent der Studien-Teilnehmerinnen in ihrer Lebensqualität eingeschränkt.

Venenklappen schließen nicht mehr richtig

Häufiges Sitzen und Stehen, Bewegungsmangel, Übergewicht und vor allem die genetische Veranlagung zählen zu den wesentlichen Auslösern einer Venenerkrankung. “Kommt es zu einer Erweiterung der Vene, schließen in Folge die Venenklappen nicht mehr vollständig. Das Blut fließt nicht in Richtung des Herzens, sondern zurück und führt zu einem Stau in der Beinvene”, sagt Schuller-Petrovic. Als Vorbeugung helfe nur regelmäßige Bewegung, das Entstehen von Krampfadern könne jedoch durch nichts verhindert werden.

Quelle: http://derstandard.at/ 19. März 2009

Kommentar:
Erfreulich, dass sich die Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Phlebologie und dermatologische Angiologie, also der Gesellschaft der Venenspezialistinnen und Venenspezialisten, für die Anwendung von Rotem Weinlaub-Extrakt ausspricht, einem etablierten Venenheilmittel der Phytotherapie.

Drei Ergänzungen:

1. Weinlaub-Extrakt wird inzwischen in verschiedensten Varianten angeboten. Nur für die wenigsten dieser Heilpflanzen-Präparate ist eine Wirksamkeit bei Venenleiden auch belegt. Wenn Sie sich also für die Anwendung von Weinlaub-Extrakt entscheiden, verlangen Sie in der Apotheke oder Drogerie ein Präparat, das erfolgreich auf Wirksamkeit geprüft wurde, oder informieren Sie sich diesbezüglich an einem meiner Heilpflanzenkurse.

2. Es gibt ausser dem Weinlaub-Extrakt noch weitere Heilpflanzen mit dokumentierter Wirkung bei Venenleiden, zum Beispiel Rosskastanien-Extrakte oder Zubereitungen aus Mäusedorn oder Buchweizenkraut. Aber auch hier gilt: Es kommt auf eine geeignete Herstellungsform und ausreichende Dosierungen an.

3. Leider gibt es auch aus dem Bereich Pflanzenheilkunde / Phytotherapie kein Wundermittel, welches die Bildung von Krampfadern verhindern könnte – auch wenn dies immer wieder gerne versprochen wird. Hier hilft wohl nur ein venenfreundlicher Lebensstil – aber auch das ohne Garantie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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