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Heilpflanzen: Melisse gegen Herpes, als Beruhigungsmittel und für’s Gedächtnis

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Die „Welt online* stellt verschiedene Heilpflanzen vor, darunter auch die Zitronenmelisse (Melissa officinalis):

„Melisseöle hemmen das Wachstum von Viren; Herpesbläschen verschwinden schneller, wenn man sie täglich mehrmals damit abtupft. Vergleichsstudien belegen zudem, dass Melissebäder (60 g Melisseblätter per Leinensäckchen in der Badewanne deponieren) als Beruhigungsmittel wirken. Was nicht heißen soll, dass die Pflanze uns einnebelt. Laut Studien der englischen Northumbria-Universität mobilisiert sie den Hirnbotenstoff Acetylcholin und dadurch das Denk- und Erinnerungsvermögen.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

Melissenöl zeigt im Labor tatsächlich eine gute Wirkung gegen Herpesviren, die Fieberbläschen auslösen. Das billigere Pfefferminzöl entfaltet diesen Effekt aber auch. Alle lokal aufgetragenen antiviralen Massnahmen bei Fieberbläschen sind allerdings nur in Anfangsstadium wirksam und ob die Infektion bei Lippenbläschen mit Melissenöl oder Pfefferminzöl konkret gestoppt oder der Verlauf relevant verkürzt werden kann, ist nicht eindeutig belegt.

Antiviral bei Herpesinfektion wirkt auch eine Salbe mit Melissenextrakt, wobei in dieser Anwendungsform der Lamiaceen-Gerbstoff als Wirkstoff gilt.

Der Tipp mit dem Melissenbad zur Entspannung, als Beruhigungsmittel und auch als Abendbad bei Einschlafstörungen ist sinnvoll.

Die Meldung über die Forschungen mit Melisse an der Northumbria-Universität betreffend Mobilisierung des Hirnbotenstoffs Acetylcholin ging schon vor Jahren durch die Medien. Melisse soll einem Experiment zufolge das Denk- und Erinnerungsvermögen verbessert haben. Wegen dem Einfluss der Melisse auf den Hirnbotenstoff Acetylcholin wurde in diesen Meldungen eine mögliche Anwendung bei Alzheimer in den Raum gestellt.

Bei den erwähnten Experimenten an der Northumbria-Universität wurde diese Wirkung allerdings an gesunden Studenten festgestellt , denen getrocknete Melisse in Kapselform verabreicht wurde. Im Vergleich zu Placebo sollen die „Melisse-Studenten“ Stunden später in Gedächtnistests besser abgeschnitten haben.

Abstract der Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12888775

Das ist interessant, aber von einer Einmaldosis bei jungen, gesunden Studenten hin zu einer erfolgreichen Anwendung bei Alzheimer-Patienten sind es dann schon noch ein paar Schritte….

Es gibt allerdings auch eine kleine klinische Studie aus dem Iran zur Anwendung von Melisse bei Patienten mit beginnender Demenz vom Alzheimer-Typ. Dabei zeigte sich bei innerlicher Anwendung von Melissenextrakt über vier Monate im Vergleich zu Placebo eine bessere kognitive Leistung und weniger Unruhe.

Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1738567/

Dazu kommt mir jedoch ein Satz von Roman Huber in den Sinn, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde an der Uniklinik in Freiburg im Breisgau:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Siehe dazu: Phytotherapie: Passionsblume – Studien mit unterschiedlicher Qualität

Deshalb gilt in der Wissenschaft der Grundsatz, dass ein Studienresultat erst überzeugt, wenn es von anderen, unabhängigen Wissenschaftlern durch eine Reproduktion der Studie bestätigt wurde. Das ist meines Wissens mit der Studie aus Teheran bisher nicht geschehen.

Festgehalten werden muss auf jeden Fall, dass an der Northumbria-Universität und auch in der iranischen Studie Melissenblatt bzw. Melissenextrakt verwendet wurde, nicht Melissenöl.

Daher spricht einiges dafür, dass es sich um einen nichtflüchtigen Wirkstoff handeln müsste.

Im Zusammenhang mit der Behandlung von Demenzerkrankungen wurden in den letzten Jahren neben der Melisse auch zwei weitere Vertreter der Lippenblütler (Lamiaceen) intensiver untersucht, nämlich Salbei (Salvia officinalis) und Rosmarin (Rosmarinus officinalis). Das Spektrum an Inhaltsstoffen, die für eine neuroprotektive Wirkung verantwortlich sein könnten, ist in bei den Lippenblütlern sehr ähnlich. Die Blätter der drei erwähnten Pflanzen produzieren ein ätherisches Öl, das reich an Monoterpenen mit schwacher Acetylcholinesterase-hemmender Wirkung ist, beispielsweise Citral. Für die nichtflüchtigen Phenylacrylsäuren wie die Rosmarinsäure konnte nachgewiesen werden, dass sie verschiedene Ereignisse vermindern können, die durch β-Amyloid verursacht werden, wie etwa die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und Tau-Hyperphosphorylierung. Nach der Anwendung von Lamiaceaen-Präparaten konnten zwischenzeitlich günstige Effekte bei kleineren Gruppen von Alzheimer-Patienten gezeigt werden. Rosmarinsäure wäre also ein Kandidat für eine positive Wirkung auf das Gedächtnis bzw. bei leichten Formen von Alzheimer. Sie wurde zum Beispiel nachgewiesen in Pfefferminzblatt (3,5 – 4,5%), Salbeiblatt (2 – 6%), Rosmarinblatt (1 – 2 %), Melissenblatt (0,5 – 1,8%) und Thymianblatt (o,2 – 1,4%). Tierversuche mit Rosmarinsäure deuten auf eine antidepressive und sedative Wirkung hin. Fraglich scheint mir allerdings, ob und allenfalls in welchem Mass Rosmarinsäure überhaupt peroral in den menschlichen Organismus aufgenommen wird. Dazu finde ich in der Phytotherapie-Fachliteratur keine Angaben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Aloe vera verbessert Wundheilung nach Hämorrhoidenoperation

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Die wundheilende Wirkung von Aloe vera-Creme ist jetzt in einer randomisierten Doppelblindstudie bestätigt worden. Iranische Wissenschaftler randomisierten insgesamt 49 Patienten, die sich einer Hämorrhoidenresektion unterzogen hatten, in eine Verumgruppe, die dreimal täglich 3 g einer Aloe-vera-Creme auf die Wunde schmierten, und eine Placebogruppe. In der Verumgruppe verminderten sich die Wundschmerzen (gemessen mit einer 10cm VAS) innerhalb von zwei Tagen von 9,3 auf 1,8 Punkte, in der Placebogruppe nur von 9,2 auf 5,2. Selbst nach 2 Wochen war noch ein Gruppenunterschied erkennbar (1,2 bzw 2,6 Punkte), und das obwohl in der Verumgruppe deutlich weniger Schmerzmittel konsumiert wurden. Zu diesem Zeitpunkt waren sämtliche Wunden in der Verumgruppe nach ärztlicher Fremdeinschätzung gut abgeheilt. In der Placebogruppe war dagegen die Hälfte der Wunden noch schwer und entzündet. Es ist keinen Grund ersichtlich, weshalb eine Aloe vera-Creme nur nach Hämorrhoidenoperationen die Wundheilung verbessern sollte. Eine Wundbehandlung mit Aloe vera könnte deshalb zum Standard werden. Dazu wären jedoch vergleichende Studien mit anderen (konventionellen und pflanzlichen) Medikamenten nötig – zum Beispiel mit Kamille oder Ringelblume.

Quellen:

http://www.carstens-stiftung.de/eigene/fa/index_notiz.php

http://www.liebertonline.com/doi/abs/10.1089/acm.2009.0428

Eshghi et al. J Altern Complement Med 2010

Kommentar & Ergänzung:

Aloe vera wird seit einiger Zeit als Wundermittel vermarktet, das gegen fast alle Beschwerden und Krankheiten helfen soll. Das scheint mir vollkommen absurd. Für die Wirkung von Aloe vera zur Beschleunigung der Wundheilung gibt es aber zunehmend ernst zu nehmende Hinweise aus der Forschung.

Zu der beschriebenen Studie aus dem Iran kommt mir allerdings eine Aussage von Roman Huber in den Sinn, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

(siehe: Phytotherapie: Passionsblume – Studien mit unterschiedlicher Qualität)

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Melissentee lindert lästige Krämpfe

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Bei unspezifischen, teils auch krampfartigen Oberbauchbeschwerden rät Dr. Roman Huber von der Universitätsklinik Freiburg zusätzlich zu direkt auf die abdominelle Symptomatik zielenden Behandlungsansätzen entspannungsfördernde Heilpflanzen-Präparate wie Melissenblättertee.

Das ätherische Öl der Melisse ist leicht flüchtig. Darum sollten für den Melissentee frische Blätter verwendet werden, schreibt der Experte im „Lehrbuch Naturheilverfahren“. Die Teezubereitung ist sehr einfach: Fünf bis sechs Melissenblätter werden mit einer Tasse kochendem Wasser übergossen, zugedeckt und fünf Minuten ziehen gelassen. Danach wird abgeseiht. Die Kondenstropfen am Deckel in den Tee zurückgeben und schon ist der Melissentee fertig. Patienten mit Magenbeschwerden / Bauchbeschwerden sollten täglich zwei bis drei Tassen der entspannenden Heilpflanzen-Zubereitung schön warm zu sich nehmen.

Quelle:

MTD, Ausgabe 24 / 2010

http://www.medical-tribune.de/patienten/magazin/26534/

Kommentar & Ergänzung:

Melissentee ist auch gut geeignet als Abendtee bei Einschlafstörungen. Wer keine frischen Melissenblätter zur Verfügung hat, kann auch ein paar Tropfen Melissenöl im Raum verdunsten lassen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten von Melissenöl:

Gemischt mit Bodylotion einmassieren oder emulgiert mit Kaffeerahm als Melissenbad.

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Phytotherapie in der Gastroenterologie

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Unter diesem Titel veröffentlichte die Zeitschrift der „Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie“ einen Beitrag von Dr. Roman Huber zum gegenwärtigen Wissensstand in der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen durch Heilpflanzen-Präparate.
Der Autor schreibt:

„Die Phytotherapie befindet sich in fortlaufender wissenschaftlicher Entwicklung. Weltweit werden ständig neue wie auch alt bekannte Pflanzen präklinisch und klinisch untersucht und hierbei werden neue Wirkprinzipien
und Indikationen entdeckt. So zeigen neuere Studien beispielsweise deutliche Hinweise für die Wirksamkeit von Curcumin bzw. Sojalecithin bei aktiver Colitis ulcerosa und von Wermutkraut bei Morbus Crohn. Das therapeutische Potenzial der Phytotherapie ist also bei weitem noch nicht ausgeschöpft.“

Quelle:
http://www.phytotherapie.co.at/PHYTO%20Therapie_6-09.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Die Anwendung von Heilpflanzen bei Beschwerden und Erkrankungen im Verdauungstrakt hat eine lange Tradition. Dabei sind die alten Überlieferungen allerdings oft sehr vage.
Die Phytotherapie-Forschung versucht hier seit einigen Jahren mehr Klarheit ins Wirkungsprofil der Heilpflanzen zu bringen.
Interessante Studien sind beispielsweise gemacht worden zum Thema Reizdarm (Flohsamen, Pfefferminzöl-Kapseln) und auch wie oben erwähnt zu Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Der grossen Zahl von Heilpflanzen-Präparaten gegen Verstopfung steht die Phytotherapie-Fachwelt dagegen eher skeptisch gegenüber, sofern es sich um „Drastika“ wie Sennesblätter handelt. Milde Abführmittel wie Flohsamen oder Leinsamen sind dagegen gut etabliert.

Von der traditionellen Pflanzenheilkunde und von der Phytotherapie-Forschung werden zudem eine ganze Reihe von  bitteren Heilpflanzen empfohlen gegen Völlegefühl, zum Beispiel Artischockenblätter, Schafgarbenkraut, Engelwurz, Wermut, Tausendgüldenkraut, Enzianwurzel, Löwenzahn.

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