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Demenzvorbeugung: US-Neurologen empfehlen Sport statt Medikamente

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Mediziner sollen Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen (MCI) zu sportlichen Aktivitäten ermuntern, statt sie mit Medikamenten zu behandeln, deren Wirksamkeit gemäss einer überarbeiteten Leitlinie der American Academy of Neurology (AAN) nicht belegt ist. Publiziert wurden die Empfehlungen in Neurology (2017; doi: 10.1212/WNL.0000000000004826). Sie umfassen auch die Suche nach modifizierbaren Risikofaktoren, deren Vermeidung die kognitiven Fähigkeiten der Patienten oft verbessern kann.

Leichte kognitive Beeinträchtigungen (MCI) kommen im Alter oft vor.

Die Beeinträchtigungen werden von den Betroffenen zunächst kaum bemerkt. Sie haben Schwierigkeiten, komplexe Aufgaben zu erledigen, oder verstehen Informationen, die sie gelesen haben, nicht mehr. Die Grenze zur Demenz ist erreicht, wenn Probleme mit alltäglichen Aufgaben wie Ankleiden, Baden und Essen auftreten.

Eine MCI entwickelt sich nicht immer zur Demenz weiter. Der Verfall der kognitiven Fähigkeiten kann aber schnell verlaufen: Bei 14,9 Prozent der MCI-Patienten kommt es innerhalb von zwei Jahren zu einer Demenzdiagnose.

Gegenwürtig existieren keine Medikamente, die die Entwicklung stoppen können.

Cholinesterase-Hemmer wie Donepezil, Rivastigmin, Tacrin oder Galantamin, die für die symptomatische Therapie der Alzheimer-Demenz zugelassen sind, sind für die Behandlung der MCI nicht angezeigt. Die AAN rät daher in ihrer Leitlinie von der Anwendung von Cholinesterase-Hemmern ab. Wenn die Mediziner sie den MCI-Patienten dennoch anbieten, sollten sie vorgängig auf die nicht nachgewiesene Wirkung hinweisen.

Für die Wirksamkeit von Sport existieren dagegen erste Belege. Zwar seien bisher noch keine Langzeitstudien durchgeführt worden, erklären die Leitlinien-Autoren. Sechsmonatige Studien würden aber darauf hinweisen, dass das zweimal wöchentliche Training das Gedächtnis verbessern kann.

Die Mediziner können den Patienten auch kognitives Training empfehlen, schreiben die Leitlinien-Autoren. Die Hinweise, dass die Denksport-Übungen den Patienten helfen, stufen sie jedoch als schwach ein.

Eine wichtige Aufgabe der Mediziner besteht nach Einschätzung der Leitlinien in der Suche nach beeinflussbaren Risikofaktoren. Dazu zählen die Nebenwirkungen von Medikamenten, Schlafstörungen oder Depressionen. Durch Wechsel der Medikation, verbesserte Schlafhygiene und die Behandlung von Depressionen können oft die Symptome der MCI gelindert und die Lebensqualität der Patienten verbessert werden.

Quelle:

https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/87286/Demenzpraevention-US-Neurologen-raten-zu-Sport-statt-Medikamenten

http://n.neurology.org/content/early/2017/12/27/WNL.0000000000004826

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist eine Bestätigung für Empfehlungen, die schon aus verschiedenen Quellen verlautet sind.

Galantamin ist übrigens ein Wirkstoff, der ursprünglich aus dem Schneeglöckchen stammt.

Siehe dazu:

Wirksamkeit von Galantamin bei Demenz bestätigt

Aus phytotherapeutischer Sicht gibt es bei leichter und mittelgradiger Alzheimer-Demenz sowie bei vaskulärer Demenz laut einer S3-Leitline Hinweise auf einen kognitiven Nutzen für den Ginkgo-Extrakt EgB 761 (Tebokan, Tebofortin, in D: Tebonin). Ein vorbeugender Effekt konnte dagegen nicht hinreichend belegt werden.

Siehe dazu:

S3-Leitlinie „Demenzen“: Empfehlung für Ginkgo-Extrakt

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Rotes Weinlaub und Rosskastanien-Extrakt gegen Krampfadern – ja, aber in welcher Form?

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T-online hat einen Artikel zum Thema „Venenschwäche“ veröffentlicht mit dem Titel „Krampfadern vorbeugen: So zögern Sie sie hinaus.“

Darin gibt es eine Reihe nützlicher, aber auch schon ziemlich bekannter Tipps. Beispielsweise zu Risikofaktoren für Krampfadern wie:

langes Stehen

langes Sitzen

Bewegungsmangel

Übergewicht

Rauchen

Antibabypille

Hormonersatztherapien etwa in den Wechseljahren.

 

Auch wird auf die Bedeutung ausreichender Bewegung hingewiesen.

In einem Nebensatz kommt dazu noch netterweise eine Empfehlung zweier Heilpflanzen:

„In der Naturheilkunde werden auch Cremes und Umschläge aus rotem Weinlaub- oder Rosskastanien-Extrakt gegen Krampfadern eingesetzt.“

Damit trifft t-online im selben Satz voll ins Schwarze und voll daneben.

Rotes Weinlauf und Rosskastanien-Extrakt, das sind zusammen mit Buchweizenkraut (Rutin) tatsächlich die Favoriten der Phytotherapie, wenn es um Venenschwäche und Krampfadern geht.

Zwei Punkte laufen aber schief:

  1. Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, gibt es beim Roten Weinlaub und beim Rosskastanien-Extrakt nur für Präparate zum Einnehmen, zum Beispiel in Kapselform. Dass die Wirkstoffe aus Rotem Weinlauf (Flavonoide) und aus Rosskastanien-Extrakt (Aescin) durch die Haut in relevanten Mengen aufgenommen werden, ist sehr unwahrscheinlich und nicht einmal ansatzweise belegt. Umschläge mit Roten Weinlaub oder Rosskastaniensalben sind daher als Anwendungsform sehr fragwürdig
  1. Es gibt keine fundierten Hinweise darauf, dass Präparate aus Rotem Weinlaub oder Rosskastanien-Extrakt vorbeugend oder gar heilend wirken bei Krampfadern, wie es der Text nahelegt. Belegt wurde eine Linderung der Beschwerden bei Venenschwäche bzw. Krampfadern. Venöse Stauungen (Ödeme) und das Gefühl schwerer Beine wurden reduziert. Das ist wertvoll, aber es ist eben nicht die Vorbeugung oder gar Heilung, die von der Werbung oft versprochen wird.

Darüber hinaus enthält der Text auf t-online noch Tipps zur Ernährung, zum Beispiel:

„Fördern Sie die Venendurchblutung mit Gewürzen wie Ingwer, Pfeffer und Chili.“

Nichts gegen Ingwer, Pfeffer und Chili, aber so ganz nachvollziehbar ist diese Empfehlung nicht. Der Wirkstoff im Chili (Capsaicin) wirkt beispielsweise auf der Haut durchblutungsfördernd und erweitert dazu kleine Kapillargefässe. Aber ob ich eine solche Wirkung auch auslösen kann durch Einnahme von Chili ist sehr fraglich. Wieviel Chili müsste ich denn täglich einnehmen, damit der Wirkstoff in relevanter Konzentration in kleinen Venen gelangt und sie erweitert. Und wäre das überhaupt sinnvoll für einen besseren venösen Rückfluss oder eher kontraproduktiv?

Quelle der Zitate:

http://www.t-online.de/gesundheit/krankheiten-symptome/id_46399962/krampfadern-vorbeugen-mit-sport-und-richtiger-ernaehrung.html

Siehe auch:

Empfehlungen zur Behandlung chronischer Venenleiden

Venenerkrankungen: Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt erneut bestätigt

Cochrane-Studie zu Rosskastanien-Extrakt bei Venenbeschwerden

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

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Bei Harnwegsinfektionen – insbesondere bei Blasenentzündungen – fragen Betroffene häufig nach einem pflanzlichen Präparat. Nützliche Tipps für die Beratung in der Apotheke gab es im POP-Symposium „Pharmakotherapie von Harnwegsinfektionen“ auf der INTERPHARM.

Apothekerin Dr. Kirsten Dahse aus Gröbenzell und Dr. med. Johanna Lerner aus München zeigten dabei auf, wann eine Selbstbehandlung nicht angebracht und eine ärztliche Konsultation nötig ist:

– Bei Risikofaktoren wie Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Immunsuppression.

– Außerdem bei Fieber, Schmerzen in der Nierengegend, Blut im Urin, zunehmenden Beschwerden sowie Symptomen, die länger als fünf Tage andauern.

Schmerzmittel sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, weil damit eine beginnende Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), die meist mit Fieber und Schmerzen einhergeht, verschleiert werden kann.

Die Referentinnen stellten für die Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen eine ganze Reihe von Präparaten vor, bei denen jedoch auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu beachten sind:

☛ Bei Bärentraubenblättern und Bärentraubenextrakten resultiert die Anwendungsbeschränkung „nicht häufiger als fünfmal pro Jahr und jeweils nicht länger als ein Woche“ aus einem potenziellen kanzerogenen Risikos des Hydrochinons. Dieses sei aber wahrscheinlich sehr gering, zumal die Verbindung rasch konjugiert und abgebaut werde.

Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut enthalten Senfölglykoside und die Referentinnen wiesen darauf hin, dass sie bei Personen mit Nierenfunktionsstörungen und Magengeschwüren nicht empfohlen werden sollten. Kapuzinerkressekraut sei zudem wegen des Gehalts an Vitamin K für Patienten unter Phenprocoumon nicht geeignet.

Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel werden erwähnt als Mittel, die zur Durchspülungstherapie zugelassen sind. Zurückhaltung sei dabei jedoch geboten bei Patienten mit Herz- und Niereninsuffizienz wegen der hierfür notwendigen größeren Trinkmengen. Die Cumarine im Liebstöckelkraut können eine Photosensibilisierung bewirken.

☛ Nach Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie werde in der Apotheke häufig gefragt, um damit pathogene Keime aus den Harnwegen auszuschwemmen. Neben Bärentraubenblättern enthalten solche Teemischungen in verschiedenen Kombinationen insbesondere Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut. Vor einer Empfehlung von Tees mit Birkenblättern sollte die Kundin oder der Kunde nach einer Birkenpollenallergie gefragt werden.

☛ Zubereitungen aus der Großfrüchtigen Moosbere, besser bekannt als Cranberry, werden seit einigen Jahren sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von wiederkehrenden Infektionen der Harnwege empfohlen. Allerdings konnte in einem Cochrane-Review (Metaanalyse) bezüglich der Vorbeugung keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/03/21/wann-selbstmedikation-wann-zum-arzt

Kommentar & Ergänzung:

Die beschriebenen Grenzen der Selbstbehandlung bei Blasenentzündungen kann man nur unterstreichen. Steigt eine Blasenentzündung in die Nieren auf, kann die Infektion sich rasch gefährlich entwickeln. In solchen Fällen braucht es ärztliche Behandlung und in der Regel ein Antibiotikum.

Zu den empfohlenen Heilpflanzen gibt es einiges zu ergänzen:.

1. Zu den Bärentraubenblättern: Teezubereitung als Kaltauszug ist magenverträglicher und geschmacklich akzeptabler (tieferer Gerbstoffgehalt). Auf ausreichende Dosierung achten: 10 g Bärentraubenblätter (= 4 – 5 Teebeutel pro Tag) als Bärentraubenblättertee. Pulverisierte Form (z. B. als Beuteltee) ist wirksamer als geschnittene Bärentraubenblätter (Wirkstoffe werden besser gelöst, wenn die Pflanzenteile kleiner sind).

2. Zu Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut: Die Referentinnen beziehen sich hier wohl auf Angocin® – das sind Filmtabletten mit Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Wer Meerrettich liebt, kann auch die frisch geraffelte Wurzel gemischt mit Joghurt, Quark, geraffeltem Apfel etc. essen und kommt so rasch auf höhere Senfölglykosid-Mengen, als es mit Angocin® der Fall ist. Als Tagesdosis werden 10 – 20 g geraffelte Merrrettichwurzel empfohlen, verteilt auf 4 – 5 Portionen über den Tag hinweg.

3. Der Empfehlung von Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel liegt wohl ein Präparat zugrunde, das nur in Deutschland auf dem Markt ist und genau diese drei Heilpflanzen enthält (CANEPHRON N Dragees). Dieses Präparat überzeugt mich nicht. Nur der Liebstöckelwurzel schreibt die Phytotherapie eine leicht harntreibende Wirkung zu. Tausengüldenkraut ist eine Bitterstoffpflanze, deren Nutzen im Harntrakt ungeklärt ist. Und in Rosmarinblättern ist zwar entzündungswidrige Rosmarinsäure enthalten. Ob davon aber in den Harnwegen eine wirksame Menge ankommt, ist sehr fraglich, zumal das Präparat nur je 18mg von den drei Heilpflanzen in Pulverform enthält. Das ist ausgesprochen (!) wenig, wenn man zum Beispiel vergleicht mit einem Teebeutel, der normalerweise etwa 2000 mg pulverisierte Heilpflanze enthält (als 2g). Zwar geht bei der Teezubereitung der Wirkstoff nicht vollständig ins Teewasser über, aber der Unterschied zu diesen 18 mg im Dragee ist doch riesig. Ein Tee wäre wohl überlegen.

4. Bei den häufig verwendeten Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie sind die Mischungen oft fragwürdig, zum Beispiel wenn Bärentraubenblätter mit harntreibenden Heilpflanzen wie Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut kombiniert sind. Bei einer akuten Blasenentzündung sind die Bärentraubenblätter in solchen Mischungen oft zu tief dosiert. Es braucht dann Bärentraubenblättertee pur in einer Menge von 4 – 5 Tassen täglich, um auf eine wirksame Dosis zu kommen. Dagegen ist in einem Durchspülungstees zur Rückfallprophylaxe die Bärentraube unpassend, weil es dann um eine längerfristige Anwendung geht und wahrscheinlich auch über lange Zeiträume gar keine Bakterien verhanden sind, die bekämpft werden müssten.

5. Bei Cranberry ist die Datenlage tatsächlich nicht so positiv, wie sie oft dargestellt wird. Die erwähnte Cochrane-Metaanalyse ist sogar klar negativ. Allerdings muss man dazu folgendes wissen: Cranberry- wie auch Preiselbeer-Präparate gibt es in sehr unterschiedlichen Zubereitungen mit grossen Unterschieden in der Wirkstoffkonzentration. Diese sehr heterogene Ausgangslage macht es schwierig, eine Metaanalyse zu erstellen, die dann auch für alle geprüften Präparate gültige Aussagen machten kann. Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) schreibt dazu:

„Selbst im neuen Cochrane-Review wurde nur für 3 der 24 eingeschlossenen Studien ein für sinnvoll erachteter PAC-Gehalt > 36 mg/d oder die Angabe des Typ-APAC-Gehalts erfüllt.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass man das nicht den Cochrane-Autoren anlasten könne, sondern der oft ungenügenden Publikationskultur phytotherapeutischer Studien.

Wer als Konsumentin oder Konsument Cranberry- oder Preiselbeerpräparate anwenden möchte, sollte auf eine Mindestzufuhr von 36 mg Proanthocyanidinen (PAC) pro Tag achten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Schutzeffekt von Wein nur bei sportlichen Menschen?

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Die günstigen Effekte von Wein gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen sich nur bei regelmäßigem Training. Ob Rotwein oder Weisswein getrunken wird, spielt offensichtlich keine Rolle.

Vor allem dem Rotwein wird nachgesagt, dass er schon in geringen Mengen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen soll.

Jetzt weist aber eine Studie darauf hin, dass dieser positive Effekt offenbar nur sportlichen Menschen zugute kommt.

Denn nur bei diesen Personen steigerte der gemäßigte Weingenuss das gefäßschützende HDL-Cholesterin im Blut, schreiben tschechische Wissenschaftler. Die Farbe des Weins fällt dabei nicht ins Gewicht.

Seit Jahrzehnten wird über eine mögliche gesundheitsfördernde Wirkung von Wein diskutiert, wobei insbesondere Rotwein in Fokus steht.

Dass übermäßiger Alkoholkonsum schädlich ist, steht ausser Frage. Einem täglichen Glas Rotwein dagegen schreiben Wissenschaftler und Weintrinker durchaus positive Effekte für die Blutgefäße zu: Die Werte an HDL, also an „gutem“ Cholesterol im Blut, sollen durch regelmäßigem Weinkonsum steigen. Dadurch sollen Krankheiten wie Arteriosklerose, deren Folgen bis hin zum Herzinfarkt reichen können, seltener auftreten. Aussagekräftige Langzeitstudien über den Einfluss von Wein auf diese Werte und andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose gibt es bisher allerdings nicht.

Forscher um Milos Taborsky von der Universitätsklinik im tschechischen Olomouc haben darum ein Jahr lang die Effekte von Rotwein und Weisswein bei 146 Versuchspersonen miteinander verglichen. Die Probanden hatten gemäss medizinischen Voruntersuchungen ein leichtes bis mittleres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Für die Zeit der Studie erhielten die Studienteilnehmer entweder einen roten Pinot Noir oder einen weißen Chardonnay-Pinot zu trinken. Bei den Mengen hielten sich die Forscher an die Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO, die für Frauen 0,2 Liter und für Männer 0,3 Liter Wein am Tag an nicht mehr als fünf Tagen in der Woche als „moderat“ bezeichnet. Die Wissenschaftler verglichen die Cholesterinwerte der Versuchspersonen am Anfang der Studie mit den Werten nach einem Jahr. Dies sei die erste Studie, die den Langzeiteffekt von Rotwein und Weisswein auf HDL-Cholesterin und anderen Biomarker der Arteriosklerose vergleicht, erklärt Taborsky.

Das Resultat: Weder Rotwein noch Weisswein steigerte die Werte des „guten“ HDL-Cholesterins merkbar. Das „schädliche“ Cholesterin in Form von LDL lag allerdings in beiden Gruppen tiefer. Nur bei der Rotwein-trinkenden Gruppe reduzierte sich auch der Gesamtgehalt an Cholesterin. Diese Resultate bestätigen jedoch keine schützende Wirkung des Weins für die Blutgefäße, schreibt Taborsky. Ein Anstieg von HDL sei das wesentliche Zeichen eines schützenden Effektes gegen Herz-Kreislauferkrankungen. Deshalb könne man schließen, dass weder Rotwein noch Weisswein einen Effekt auf die Studienteilnehmer insgesamt hatte.

Bei den Laborwerten fanden die Wissenschaftler keinen klinisch signifikanten Einfluss von moderatem Rotwein- oder Weissweinkonsum auf Parameter wie Lipidwerte, C-reaktives Protein, Nüchtern-Glukose, andere Marker für das Arteriosklerose-Risiko oder Leberwerte.

Allerdings entdeckten die Forscher einen gesundheitsfördernden Effekt bei sportlichen Versuchspersonen. Das einzige positive und anhaltende Resultat lag bei der Untergruppe von Probanden, die regelmäßig mindestens zweimal pro Woche Sport trieben, zusätzlich zum Weinkonsum. Bei diesen Versuchspersonen erhöhte sich das HDL-Cholesterin, während sich LDL- und Gesamtcholesterin im Blut merklich verminderten – sowohl bei Rotwein als auch bei Weisswein. Die Wissenschaftler spekulieren deshalb darüber, ob ein Zusammenspiel von niedrigen Alkoholmengen und körperlichem Training gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützten könnte.

Die Forscher wollen deshalb in zukünftigen Studien diesen möglichen Effekt von Wein und regelmäßigem Training näher untersuchen.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17962-2014-09-01.html

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59952/Studie-Weintrinken-vermindert-Atherosklerose-Risiko-nicht

(Bratislava Medical Journal; 2014; doi: 10.4149/BLL_2012_037)

http://www.elis.sk/index.php?page=shop.product_details&flypage=flypage.tpl&product_id=2748&category_id=90&option=com_virtuemart&vmcchk=1&Itemid=1

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldungen von gesunden Rotwein wurden natürlich über Jahren von Rotwein-Konsumenten und Rotwein-Produzenten gerne gelesen und darum wohl auch gerne gedruckt. Meistens waren sie verknüpft mit dem Inhaltsstoff Resveratrol, der als verantwortlich für die gesundheitlichen Effekte angesehen wurde beziehungsweise wird.

Siehe:

Mythos vom gesunden Rotwein bröckelt

Interessant ist, dass in dieser Studie kein Unterschied zwischen Rotwein und Weisswein festzustellen war, während doch Rotwein sonst immer im Vordergrund stand.

Dass Wein nur zusammen mit sportlicher Aktivität einen positiven Einfluss haben soll, das scheint mir noch ziemlich nebulös. Haben die Teilnehmenden während der Studie gewusst, dass die sportliche Aktivität einer der beobachteten Faktoren ist? Dann wäre es möglich, dass die Sporttreibenden ihre sportlichen Aktivitäten während dieser Zeit ernster nahmen und dass die positiven Effekte nur auf den vermehrten Sport zurückzuführen sind.

Mit 146 Versuchspersonen ist die Studie sowieso ziemlich klein und in ihrer Aussagekraft begrenzt. Weinkonsumierende und weinproduzierende Menschen können daher hoffen, dass doch noch irgendwann eine besondere gesundheitliche Wirkung dieses besonderen Getränks festgestellt wird. Und sonst bleibt es halt mit Mass konsumiert ein Genussmittel.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aspirin zur Vorbeugung von Krebs und Herzinfarkt?

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Täglich eingenommenes Aspirin (Acetylsalicylsäure, ASS) kann das Risiko für Herzinfarkt und manche Krebsarten reduzieren – wobei aber als Nachteil Blutungen auftreten können. Forscher haben nun Nutzen und Risiken neu bewertet und empfehlen die vorbeugende Einnahme.

Vielleicht lohnt sich aber auch hier der bewährte Grundsatz: Nachdenken vor Schlucken.

Denn die ASS-Tabletten müssen über viele Jahre regelmässig eingenommen werden, um vorbeugende Effekte zu erzielen.

Die Risikoverminderung lässt sich als relatives oder absolutes Risiko darstellen und das hinterlässt bei Leserinnen und Lesern sehr unterschiedliche Eindrücke.

 

Relatives Risiko:

„Die Hauptergebnisse: Wer täglich 75 bis 100 Milligramm ASS einnimmt, hat – statistisch gesehen – nach zehn Jahren ein um 35 Prozent reduziertes Darmkrebsrisiko (minus 40 Mortalität durch diese Krankheiten), die Gefährdung, an Speiseröhren- oder Magenkrebs zu erkranken sinkt um 30 Prozent. Die Sterblichkeit dadurch sinkt um 35 bis 50 Prozent.“

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1743702/

 

Das sieht nach einem dramatisch grossen Schutzeffekt aus.

Stellt man die Zahlen als absolutes Risiko dar, erscheint der Schutzeffekt plötzlich kleiner:

 

Absolutes Risiko:

„Auf 1.000 Personen, die bis zum 60. Lebensjahr täglich ASS einnehmen, würden 16 Todesfälle an Krebs, einer an Herzinfarkt vermieden. Dem stünden zwei zusätzliche Todesfälle durch Blutungskomplikationen gegenüber.“

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59655/ASS-Reduktion-des-Krebsrisikos-macht-Primaerpraevention-vorteilhaft

Absolutes Risiko:

„Am Beispiel von 100 Männern und 100 Frauen zeigen die Mediziner, was die ASS-Einnahme beginnend mit 55 Jahren – statistisch gesehen – für die nächsten 20 Jahre für Folgen hätte: Von 100 Männern würden 11,5 an Krebs sterben, Aspirin hin oder her. Allerdings könnten 1,5 der 100 Männer mithilfe des Medikaments vor dem Krebs gerettet werden. Der Schutz vor dem Herztod fällt geringer aus und liegt bei weniger als 0,25 verhinderten Todesfällen unter 100 Männern. In einer ähnlich niedrigen Größenordnung liegen die Risiken durch Aspirin, hauptsächlich bedingt durch die erhöhte Blutungsneigung, die zu Schlaganfällen und Magenblutungen führen kann. Diese Risiken steigen besonders bei Menschen jenseits der 70 an.“

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/arzneimittel-asprin-gegen-krebs-und-infarkt-1.2079032

 

Also: Wenn 100 Männer über 20 Jahre täglich Aspirin schlucken könnten von 11,5 Männern, die an Krebs sterben, 1,5 Männer dank Aspirin gerettet werden. Das ist nicht nichts und schon gar nicht für die 1,5 Männer, die davon profitieren. Aber es ist auch nicht gerade ein grosser Durchbruch.

 

Festzuhalten ist dazu noch, dass es bei diesen Zahlen um Primärprävention geht. Die Studienteilnehmer haben also noch keine Krebserkrankung bzw. keinen Herzinfarkt erlitten. Beim Herzinfarkt scheint die Sekundärprävention – also die Vorbeugung eines Zweitinfarktes nach einem Herzinfarkt, von der Studienlage her nicht umstritten. Für die Primärprävention mit ASS kam allerdings die Metaanalyse einer Forschergruppe an der St. George’s Universität in London 2012 zum Schluss, dass das Risiko den Nutzen überwiegt, und dass 120 Personen über sechs Jahre ASS einnehmen müssen, um ein Herz-Kreislauf-Ereignis zu vermeiden.

Siehe dazu:

Aspirin (ASS) für die Primärprävention von Herzinfarkt – mehr Risiko als Nutzen

 

Das „Ärzteblatt“ schreibt:

„Der Vorteil von ASS in der Primärprävention ist demnach denkbar gering, und einzelne Risikofaktoren, die das Blutungsrisiko erhöhen, könnten schnell zu einer negativen Bilanz führen. Dazu gehören beispielsweise Rauchen und der Konsum von Alkohol oder auch eine Infektion mit H. pylori. Wer ASS einnimmt, sollte deshalb tunlichst auf einen übermäßigen Alkoholkonsum und auf das Rauchen verzichten, rät Cuzick.“

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59655/ASS-Reduktion-des-Krebsrisikos-macht-Primaerpraevention-vorteilhaft

 

Und Werner Bartens stellt zu diesem Thema abschliessend fest:

„Allerdings muss erwähnt werden, dass die Tabletten viele Jahre regelmäßig genommen werden müssen, um den beschriebenen Effekt zu erreichen. Und dass die Euphorie der Autoren vielleicht eine Spur heftiger ausfällt, weil etliche von ihnen beratend für Bayer tätig sind.“

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/arzneimittel-asprin-gegen-krebs-und-infarkt-1.2079032

 

Originalstudie:

http://annonc.oxfordjournals.org/content/early/2014/07/30/annonc.mdu225.full?sid=2d2f4b88-d17a-4313-97ae-e4c7a26d3353

 

 

Wikipedia-Artikel zum Thema:

Relative und absolute Risikoreduktion

 

Kommentar & Ergänzungen:

Dass die Euphorie der Autoren vielleicht eine Spur heftiger ausfällt, weil etliche von ihnen mit dem Aspirin-Hersteller Bayer verbunden sind, passt gut zu diesem Beitrag:

Forschungsberichte oft übertrieben optimistisch formuliert

Es stellen sich aber noch ein paar andere Fragen:

Warum eigentlich gerade Aspirin zur Krebsprävention?

Da gibt es doch beispielsweise den Spruch „An apple a day keeps the doctor away“. Und es gibt ein paar Hinweise aus Tieruntersuchungen und Beobachtungsstudien, die zwar nicht beweisen, aber doch nahelegen, dass auch Äpfel einen krebspräventiven Effekt haben könnten:

„Was Epidemiologen bereits wissen: Menschen, die häufig Äpfel essen, erkranken seltener an Darm- und Lungenkrebs. Das haben zwei Forschungsstudien in Finnland und den USA vor einigen Jahren gezeigt. Ein deutlich vermindertes Krebsrisiko fanden die Forscher zwar nur, wenn sie die Teilnehmer, die von allen Untersuchten die meisten Äpfel verzehrten, mit totalen Apfel-Abstinenten verglichen. Außerdem beobachteten sie den schützenden Effekt bisher nur bei Frauen……….

Einen weiteren Hinweis darauf, dass Apfelesser seltener Krebs bekommen, liefern Tierversuche. Wissenschaftler haben gezeigt, dass Mäuse oder Ratten, die neben ihrem normalen Futter mit Extrakten aus Äpfeln, Apfelschalen oder Apfelsaft verköstigt werden, seltener Tumoren entwickeln. Die Tiere waren zuvor entweder mit krebserregenden Substanzen in Berührung gebracht worden oder es handelte sich um genetisch vorbelastete Arten, die ein höheres Krebsrisiko tragen. Bei den Tieren, die eine Nahrungsergänzung aus Äpfeln bekommen hatten, fanden die Forscher bis zu fünfzig Prozent weniger Tumoren als bei den Tieren mit gewöhnlicher Verköstigung. In anderen Versuchen hatten die Tiere mit der Apfeldiät zumindest deutlich kleinere Geschwülste als ihre normal fressenden Artgenossen. Ein japanisches Forscherteam fand zudem deutlich weniger Metastasen in Lunge und Lymphknoten, wenn den Tieren Apfelsaft zum Essen gereicht wurde. Der Effekt war bei trübem Apfelsaft deutlicher ausgeprägt als bei klarem. Die Forscher vermuten, dass dafür die Procyanidine verantwortlich sind – denn die sind im trüben Apfelsaft in viel größeren Mengen enthalten.“

Diese Sätze stehen nicht etwa in der „Glückspost“, sondern immerhin in der Zeitschrift des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Würde man ein paar Millionen in die Apfelforschung stecken, könnte man vielleicht auch fundiert zeigen, dass „an apple a day“ ein bisschen krebsprophylaktisch wirkt. Aber da investiert niemand ein paar Millionen.

Oder wie wärs mit Radieschen? – Die hab ich gern. Enthalten Glukosinolate (Senfölglykoside) ähnlich wie Brokkoli, und die könnten auch positive Effekte zeigen gegen Krebserkrankungen:

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

 

Ich glaub, ich probiers mal mit einem Radischen oder Apfel täglich als Prophylaxe (ohne Blutungsrisiko) – und verzichte bis auf weiteres auch in Zukunft auf Aspirin…..

Siehe auch:

Aspirin (ASS): Vorteil zur Krebsprävention unklar

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Arthroskopie bei Arthrose des Kniegelenks – therapeutischer Nutzen nicht belegt

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Der Nutzen einer therapeutischen Arthroskopie mit Lavage und gegebenenfalls Debridement zur Behandlung einer Arthrose des Kniegelenks (Gonarthrose) ist nicht belegt. 

Zu diesem Resultat kommt der am 12. Mai 2014 publizierte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Für keinen patientenrelevanten Endpunkt zeigte sich gegenüber nicht aktiven Vergleichsinterventionen, zum Beispiel Scheinoperationen, ein Anhaltspunkt, Hinweis oder Beleg für einen Nutzen der therapeutischen Arthroskopie. Unter den aktiven Vergleichstherapien schnitt nur die Injektion von Glukokortikoiden in das Kniegelenk beim Endpunkt „globale Bewertung der Symptomatik der Gonarthrose“ schlechter ab als die Arthroskopie.

An diesem Befund änderte auch eine neue Studie nichts, in der Trainingstherapie unter physiotherapeutischer Aufsicht als Vergleichstherapie eingesetzt wurde.

 

Die Kniegelenk-Arthrose oder Gonarthrose ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung, die oft in beiden Knien zugleich auftritt. Das zunehmende Gelenkversagen ist verbunden mit Veränderungen an der Gelenkstruktur, Schmerzen und reduzierter Beweglichkeit. Die Erkrankung erschwert tägliche Aktivitäten wie das Treppensteigen und kann die Lebensqualität beeinträchtigen. In Deutschland erkranken etwa 17 Prozent aller Männer und 27 Prozent aller Frauen im Lauf ihres Lebens an Arthrose, hauptsächlich in den Hüftgelenken und Kniegelenken. Zu den Risikofaktoren für die Gonarthrose zählen Alter, Geschlecht, genetische Faktoren und Übergewicht.

Bei der therapeutischen Kniegelenk-Arthroskopie wird das Kniegelenk gespiegelt und gespült mit einer Kochsalzlösung; gegebenenfalls werden zudem krankhaft veränderte Meniskus- oder Knorpelanteile abgetragen oder geglättet (Debridement). Das soll Beschwerden wie Schmerzen reduzieren und die Beweglichkeit verbessern.

Das IQWiG verglich diese Maßnahme mit mehreren anderen Interventionen, darunter Nichtbehandlung, Scheinbehandlung und aktive Behandlungen ohne Arthroskopie, beispielsweise Injektionen von Glukokortikoiden ins Kniegelenk.

Von speziellem Interesse war dabei, wie sich diese Behandlungen auf die täglichen Aktivitäten und die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. Aber auch Veränderungen der Symptomstärke und mögliche Nebenwirkungen der Behandlungen wurden verglichen, beispielsweise Infektionen nach Operationen.

Zu dieser Fragestellung fanden die Wissenschaftler elf randomisierte und kontrollierte Studien mit zusammen über 1000 Patientinnen und Patienten; allerdings waren etliche davon mit Unsicherheiten behaftet. Beispielsweise waren die Interventionen häufig nicht verblindet: Die Behandelten wussten dann, ob an ihnen eine Arthroskopie durchgeführt wurde oder nicht, obwohl durchaus Scheinarthroskopien durchführen werden können, bei denen ein kleiner Einschnitt am Knie erfolgt, anschließend jedoch nicht weiter operiert wird.

 

Gerade solche „Placebo-Operationen“ seien für die Bewertung aussagekräftig, wenn auch nicht unumstritten.
, schreibt das IQWiG.

Nutzen der therapeutischen Arthroskopie lässt sich nicht belegen

Aus den meisten Studienergebnissen lässt sich im Vergleich zur Scheinoperation und zur Nichtbehandlung kein Nutzen der therapeutischen Arthroskopie ableiten.

Darüber hinaus war zu möglichen Schäden durch unerwünschte Therapiewirkungen keine eindeutige Aussage möglich.

Dass invasive Behandlungsmethoden wie Operationen oft mit einem besonders großen Placeboeffekt verbunden sind, ist schon längere Zeit bekannt.

Dennoch war es laut IQWiG erstaunlich, wie groß in diesen Studien die gefühlte Verbesserung nach einer Placeboarthroskopie ausfiel.

Auch im Vergleich mit aktiven Maßnahmen überzeugte die Arthroskopie nicht. Nur gegenüber der Injektion von Glukokortikoiden ins Kniegelenk war die Arthroskopie leicht im Vorteil: Die Beschwerden fielen etwas geringer aus. Ob sich auch die Lebensqualität der Betroffenen besser entwickelte als bei der Injektion, erschloss sich aus dieser Studie jedoch nicht.

Für den Vergleich von arthroskopischen Eingriffen mit einer Trainingstherapie unter physiotherapeutischer Aufsicht wurden Daten von Patientinnen und Patienten ausgewertet, deren Gonarthrose mit einem Schaden des Innenmeniskus verbunden waren. Zu keinem Studienzeitpunkt zeigte sich bei den beiden Endpunkten Schmerz und globale Bewertung der Symptomatik ein signifikanter Effekt. Somit kommt das IQWiG zum Schluss, dass der Nutzen einer Arthroskopie des Kniegelenks zur Behandlung von Gonarthrose nicht belegt ist.

 

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news586471

Kommentar & Ergänzung:

Der Nutzen von medizinischen Massnahmen für Patientinnen und Patienten muss sehr viel energischer überprüft werden und die Resultate müssen Konsequenzen haben.

Geschieht das nicht, so stellt sich die Frage, wie wirksam die Qualitätssicherung in der Medizin ist.

In dieser Hinsicht sind Medizin und Komplementärmedizin genau gleich zu behandeln.

Genau genommen ist es aber bereits ausserordentlich fragwürdig, zwischen Medizin und Komplementärmedizin zu trennen. Ich teile die Ansicht, dass es nicht einerseits Medizin und andererseits Komplementärmedizin gibt. Diese Spaltung ist willkürlich und bewirtschaftet ein problematisches Lagerdenken. Es gibt nur wirksame Medizin und unwirksame Medizin. Darum ist es meiner Ansicht nach übrigens auch unsinnig, dass die Schweiz in der Verfassung seit 2009 einen speziellen Artikel zur Förderung der Komplementärmedizin hat. Das Parlament, das den Stimmberechtigten diesen Artikel zur Abstimmung vorgelegt hat, ist einer Lobbyingaktion auf den Leim gegangen. Und die Stimmberechtigten wurden falsch und einseitig darüber informiert.

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mittelohrentzündung braucht oft kein Antibiotikum

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Eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media) sei der häufigste Grund, weshalb Kindern ein Antibiotikum verschrieben wird. Oftmals biete sich jedoch an, erst einmal abzuwarten und nicht sofort antibiotisch zu behandeln. Das erklärte Professor Dr. Markus A. Rose vom Sana-Klinikum in Offenbach auf dem Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer «Pharmacon» in Davos. Der Infektiologe wies darauf hin, dass es bei Kindern jenseits der ersten Lebensjahre häufig ausreiche, systemisch oder topisch mit Analgetika sowie mit abschwellenden Ohrentropfen zu behandeln. Denn zahlreiche Infektionen seien viral bedingt. Zudem betrage die Selbstheilungsrate 80 Prozent.

Rose erläuterte, dass die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie Kriterien aufgestellt hat, wann antibiotisch behandelt werden sollte. Das sei beispielsweise immer bei Kindern im Alter zwischen null und fünf Monaten der Fall, bei Kindern unter zwei Jahren mit beidseitiger Mittelohrentzündung, bei einem sogenannten laufenden Ohr und bei Kindern mit chronischen Grunderkrankungen. Aminopenicilline seien dann unverändert Mittel der Wahl, sagte Rose.

Der Pneumologe erwähnte auch einige Risikofaktoren für eine akute Otitis media. Dazu zählen ein Lebensalter unter drei Jahren, männliches Geschlecht, der Winter und rauchende Eltern. Darüber hinaus hätten auch Flaschenkinder ein erhöhtes Risiko für Mittelohrentzündungen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46922&Nachricht_ID=50698&Nachricht_Title=Nachrichten_Mittelohrentz%FCndung:%20Oft%20kein%20Antibiotikum%20n%F6tig&type=0

Kommentar und Ergänzung:

Im Kindesalter ist die Mittelohrentzündung häufig,  weil in dieser Lebensphase die Eustachische Röhre noch kurz und weit ist und damit das Aufsteigen von Bakterien aus dem Nasenrachenraum erleichtert wird.

Zur Behandlung heisst es auf Wikipedia:

„Körperliche Schonung, abschwellende Nasensprays oder -tropfen, entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen.

In der Regel heilt eine Mittelohrentzündung auch ohne Behandlung aus. Ein Abwarten ist daher unter ärztlicher Kontrolle für die ersten 2-3 Tage zu vertreten. Wenn nach dieser Zeit keine Besserung der Beschwerden eintritt, besteht die Gefahr einer Komplikation. In diesem Falle ist die Gabe eines geeigneten (=liquorgängigen) Antibiotikums (z. B. Amoxicillin oder bei Penicillinallergie Azithromycin oder Clarithromycin) indiziert.“

Eine Herausforderung bei diesem Thema besteht darin, unnötige Antibiotikagaben zu vermeiden, aber rechtzeitig zu erkennen, wenn eine Antibiotikatherapie notwendig ist.

Wikipedia geht auch auf die Vorbeugung mit Xylit / Xylitol ein:

„In einigen Studien konnte mit der Verabreichung hoher Dosen des Zuckeraustauschstoffs Xylitol eine prophylaktische Wirkung bezüglich der akuten Mittelohrentzündung erzielt werden. Xylitol hemmt das Wachstum von Pneumokokken und die Bindung von Pneumokokken und Haemophilus influenzae an die Zellen im Nasenrachenraum. Die Dosis an Xylitol lag im Bereich von 10 g/Tag.“

Siehe dazu auch:

Xylitol-Kaugummi reduziert Risiko für Mittelohrentzündung bei Kindern

Ohrenschmerzen können verschiedene Ursachen haben, sind aber das Leitsymptom aller entzündlichen Erkrankungen des Mittelohr und des äusseren Ohres.

Bei Ohrenschmerzen gibt es eine ganze Reihe von mehr oder weniger sinnvollen Hausmitteln für leichtere Fälle oder allenfalls begleitend zu einer ärztlichen Therapie.

Ich würde allerdings bei stärkeren Ohrenschmerzen, bei Fieber und steifem Nacken nicht lange herumlavieren und zügig eine ärztliche Konsultation veranlassen. Dabei geht es in erster Linie um eine sorgfältige Diagnostik, damit ernsthafte Verläufe frühzeitig erkannt werden können.

Zu Möglichkeiten und Grenzen von Hausmitteln wie Kohlauflagen und Zwiebelwickel siehe auch:

Hausmittel bei Ohrenschmerzen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Anthocyane: Trauben-Heidelbeersaft wirkt positiv auf Fettstoffwechsel

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Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts untersuchten, ob ein Trauben-Heidelbeersaft Risikofaktoren für Übergewichts-bedingte Krankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ 2 Diabetes beeinflussen kann. Übergewicht und die damit zusammenhängenden Krankheiten nehmen weltweit immer mehr zu. Diese Entwicklung stellt für die Betroffenen und die öffentlichen Gesundheitssysteme eine große Belastung dar.

Eine obst- und gemüsereiche Ernährung vermindert jedoch das Risiko der Entstehung dieser Krankheiten. Die aktuelle Datenlage spricht dafür, dass für die gesundheitsfördernde Wirkung von Obst und Gemüse auch sogenannte sekundäre Pflanzenstoffe verantwortlich sind. Der Begriff „sekundäre Pflanzenstoffe“ ist eine Sammelbezeichnung für Substanzen mit sehr unterschiedlichen chemischen Strukturen, die im Sekundärstoffwechsel von Pflanzen produziert werden. Zu diesen Stoffen gehören auch die Anthocyane, eine Gruppe wasserlöslicher Farbstoffe, die zum Beispiel für die Farbe von roten Trauben, Heidelbeeren oder auch Johannisbeeren verantwortlich sind.
Im Rahmen eines BMBF-Verbundprojekts erforschte das Max Rubner-Institut gemeinsam mit Kooperationspartnern aus Geisenheim, Gießen und Dortmund die gesundheitsfördernde Wirkung von Anthocyanen. Während einer 10-wöchigen Fütterungsstudie erhielten Ratten einen anthocyanreichen Trauben-Heidelbeersaft oder einen Trauben-Heidelbeersaft ohne Anthocyane zu trinken. Die Resultate der Studie zeigen, dass der anthocyanreiche Saft den Fettstoffwechsel der Tiere günstig beeinflusste. So hatten die Tiere der Anthocyangruppe tiefere Cholesterinspiegel und wiesen ein verändertes Fettsäurenspektrum im Plasma auf. Speziell erfreulich an den beobachteten Veränderungen ist, dass der Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sich erhöhte, während der Anteil an gesättigten Fettsäuren sank. Diese Verlagerung ist interessant, weil für mehrfach ungesättigte Fettsäuren eine gesundheitsfördernde Wirkung beschrieben ist. Des Weiteren wurden die Serumspiegel gewisser Botenstoffe gesenkt, die bei Übergewicht verstärkt hergestellt werden und die an der Entstehung Übergewichts-bedingter Krankheiten beteiligt sein sollen.

Zusammengenommen deuten die Resultate dieser Studie darauf hin, dass anthocyanreiche Lebensmittel möglicherweise ein risikoverminderndes Potenzial für Krankheiten wie Typ 2 Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news546467

Kommentar & Ergänzung:

Anthocyane sind als blaue und rote Farbstoffe in der Pflanzenwelt weit verbreitet. Sie werden schon seit längerem intensiv erforscht.

Die oben beschriebenen Studienresultate sind interessant, doch bleibt noch offen, in wieweit von einer 10-wöchigen Ratten-Fütterungsstudie auf die Situation beim Menschen geschlossen werden kann.

Immerhin scheinen die Anthocyane in relevanten Mengen resorbiert worden zu sein. Die tiefe Resorptionsrate wird bei manchen Anthocyanen als limitierend für die Wirksamkeit diskutiert.

Ausserdem wäre noch zu ergänzen: Fruchtsäfte bzw. Beerensäfte sind wohl gesund. Noch gesünder dürfte aber der Konsum von Früchten und Beeren sein.

Zu den Anthocyanen siehe auch:

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren – günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen?

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankung?

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt?

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

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Erdbeeren und Heidelbeeren reduzieren Herzinfarkt-Risiko bei Frauen

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Drei Portionen Erdbeeren oder Heidelbeeren pro Woche reduzieren das Infarktrisiko für Frauen um ein Drittel.

Das schreibt ein internationales Wissenschaftlerteam im Fachjournal „Circulation: Journal of the American Heart Association“ (doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.112.122408).

Grund dafür seien Inhaltsstoffe aus der Gruppe der sogenannten Anthocyane, welche die Blutgefässe gesund halten.

Erdbeeren und Heidelbeeren sind reich an Flavonoiden. Diese Gruppe von Pflanzeninhaltsstoffen erzeugt oft die Blütenfarbe, hat jedoch weitere schützende Funktionen für die Pflanze. Eine Untergruppe der Flavonoide, die sogenannten Anthocyane, ist für die menschliche Ernährung von spezieller Bedeutung, wie Wissenschaftler um Eric Rimm von der Harvard School of Public Health in Boston mitteilen.

Anthocyane weiten den Studienautoren zufolge Arterien, hemmen die Entstehung von Plaques in den Blutgefäßen und zeigen noch eine Reihe weiterer nützlicher Eigenschaften. Gemäss den Aussagen des Leitautors Aedín Cassidy von der University of East Anglia in Norwich zeigt die Studie, dass der erhöhte Verzehr dieser Früchte schon in jungen Jahren das Herzinfarktrisiko im späteren Leben vermindern kann. Beteiligt an der Studie waren 93 600 Frauen zwischen 25 und 42 Jahren. Während 18 Jahren füllten die Teilnehmerinnen im Vier-Jahres-Rhythmus Fragebögen zu ihrer Ernährung aus. In diesem Zeitraum erlitten 405 Frauen einen Herzinfarkt. Dabei zeigte sich, dass Teilnehmerinnen, die mindestens dreimal in der Woche Erdbeeren oder Heidelbeeren aßen, ein Drittel seltener betroffen waren als solche, die die Beeren höchstens einmal im Monat konsumierten. Der häufige Genuss anderer Früchte oder von Gemüse konnte den Effekt der Erdbeeren und Heidelbeeren nicht ausgleichen.

Die Forscher erklären, dass ihr Resultat unabhängig sei von anderen Risikofaktoren wie Alter, Blutdruck, familiärer Krankengeschichte, Gewicht, Bewegung, Rauchen, Koffein- und Alkoholkonsum. Die Wissenschaftler konzentrierten sich bei ihrer Analyse auf Erdbeeren und Heidelbeeren, da diese Beerenarten in den USA speziell beliebt sind. Daher sei nicht auszuschließen, dass weitere Beeren ähnliche Effekte hätten, unterstreichen die Forscher. Sie empfehlen, Beeren regelmäßig in eine ausgewogene Ernährung mit weiterem Obst, Gemüse und Vollkornprodukten zu integrieren.

Da Herzinfarkte speziell mit steigendem Alter und hauptsächlich bei Männern auftreten, existieren bisher wenige Studien, die untersucht haben, welchen Einfluss die Ernährung bei Frauen in jüngeren Jahren auf das spätere Krankheitsrisiko hat. Bekannt war jedoch schon bisher, dass Flavonoide einen stärkeren antioxidativen Effekt haben als zum Beispiel Vitamin E und darum auch stärker die Zellalterung bremsen sollen. Frühere Studien hatten zudem einen grundsätzlich günstigen Einfluss der Anthocyane auf Herz-Kreislauf-Risiken gezeigt.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/erdbeeren-und-heidelbeeren-senken-herzinfarkt-risiko-bei-frauen-061507683.html

Kommentar & Ergänzung:

Anthocyane gehören zu den interessantesten Pflanzeninhaltsstoffen. Sie sind zum Beispiel auch vorhanden in Kirschen, Schwarzen Johannisbeeren, Karkadeblüten (Hibiscus sabdariffa) und Auberginen.

Zu der beschriebenen Studie ist aber noch zu sagen, dass eine Beobachtungsstudie nie den kausalen Zusammenhang einwandfrei belegen kann. Festgestellt wird eine Korrelation, ein Zusammentreffen von hohem Erdbeer- und Heidelbeerkonsum mit einem tieferen Herzinfarktrisiko. Das belebt jedoch nicht, dass der Erdbeer- und Heidelbeerkonsum und damit die hohe Anthocyan-Zufuhr auch Ursache der tieferen Herzinfarktrate ist. Der hohe Erdbeer- und Heidelbeerkonsum könnte auch nur ein Marker für einen gesunden Lebensstil sein und damit die Ursache für die tiefere Herzinfarktrate bei anderen, noch unbekannten Faktoren liegen.

Wenig bekannt ist, dass es ein rezeptpflichtiges Fertigarzneimittel (Myrtaven®) gibt auf der Basis von Heidelbeer-Anthocyanen.

Es handelt sich dabei um ein Kapillarschutzmittel. Der Wirkstoff von Myrtaven ist ein Komplex von Anthocyanosiden / Anthocyanen, die aus der schwarzen Heidelbeere gewonnen werden. Myrtaven wird für die Therapie von verschiedenen Krankheiten der Blutgefässe angewendet: Kapillarbrüchigkeit, Blutgefässkrankheiten (Venenentzündung, Krampfadern, usw.), Mikroangiopathien (z.B. Diabetes mellitus, Venenleiden), Hämorrhoiden.

In der Augenheilkunde: Netzhauterkrankung und Nachtblindheit.

Zum Thema Anthocyane siehe auch:

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Blick ins Pflanzenlexikon: Hibiskus

Phytotherapie: Zur Wirkung von Heidelbeeren

Blaue Kartoffeln reduzieren Blutdruck

Aronia-Beeren – die neueste Antioxidantienwelle

Schwarzer Holunder, Holundersaft bei Grippe & Erkältung

Acai, Goji und Maqui – die neuen Wunderbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen und Auberginen?

Acai-Beere als Schlankheitsmittel und Powerfrucht

Polyphenole für Herz & Kreislauf – Schwache Datenlage

Anthocyane als Entzündungshemmer

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

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Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer, Frischluft, Vitamin B6

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Angesichts der schweren Schwangerschaftsübelkeit der Herzogin Kate in London kommt auf n-tv.de Christian Albring zu Wort, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte. Betroffene Frauen sollten ausschließlich das essen, was ihnen wirklich schmeckt. Essen sie andere Dinge, müssen sie sich meist sehr schnell wieder übergeben.

Auslöser für die Übelkeit sind die hormonellen Veränderungen im Körper einer Schwangeren. Oft ist ihr morgens schlecht, der Zustand kann jedoch laut Albring auch den ganzen Tag anhalten. Die meisten Schwangeren leiden zwischen der sechsten und vierzehnten Schwangerschaftswoche unter den Beschwerden. Danach treten sie nur noch sehr selten auf.

Ebenfalls selten kommt es vor, dass Übelkeit und Erbrechen so stark sind, dass eine werdende Mutter wie Herzogin Kate ins Spital muss. Das sei nur bei zwei bis drei Prozent der Frauen so“ erläutert der Frauenarzt. Die normale Übelkeit, das normale Erbrechen müssen nicht im Spital behandelt werden. Als Risikofaktoren für übermäßige Übelkeit gelten Mehrlingsschwangerschaften, die erste Schwangerschaft einer Frau sowie leichtes Übergewicht.

Wenn Frauen sehr oft erbrechen, verlieren sie dabei so viel Flüssigkeit und lebenswichtige Nahrungsbestandteile, dass sie Infusionen in der Klinik brauchen. Das übermäßige Erbrechen sei gefährlich für die Mutter und dann auch das Kind, und zwar abhängig von der Dauer, erklärt Albring. Unproblematisch sei, wenn die Beschwerden nur einen Tag schlimm sind. Leide eine Frau jedoch über mehrere Tage darunter, müsse sie im Krankenhaus zunächst mit Infusionen ernährt werden, um Magen und Darm zu entlasten. Dann werde langsam immer etwas festere Kost dazugegeben, bis sich die Frau daran gewöhnt habe.

Um mit einer leichten Übelkeit besser klarzukommen, könne eine Schwangere auch das als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäufliche Vitamin B6 nehmen. Eine weitere Möglichkeit sei Ingwer in Mengen von ein bis vier Gramm. Albring empfiehlt zudem, reichlich zu trinken. Die Schwangere sollte darüber hinaus viele Kohlenhydrate beispielsweise aus Süßigkeiten essen und eher wenig fett- oder säurehaltige Lebensmittel.

Ganz wichtig sei ausserdem, dass sie sich nicht dem Geruch beispielsweise von gekochten Speisen oder dem Kühlschrankinhalt aussetze, erklärt Albring. Darüber hinaus sollte die betroffene Frau sehr viel lüften, denn vielfach werde die Übelkeit allein durch Gerüche ausgelöst.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Uebelkeit-in-der-Schwangerschaft-article9685441.html

Kommentar & Ergänzung:

Aus Sicht der Phytotherapie interessant ist die Empfehlung von Ingwer gegen Schwangerschaftsübelkeit.

Die Situation rund um die Anwendung von Ingwer bei Schwangerschaftsübelkeit und Schwangerschaftserbrechen ist etwas komplex.

Einerseits gibt es kleinere Studien, die eine Wirksamkeit zeigen und bei denen keine Zwischenfälle auftraten.

Andererseits ist aber ein Ingwerpräparat (Zintona Kapseln), das gegen Reisekrankheit zugelassen ist,  mit der Kontraindikation „Schwangerschaft“ versehen, weil die Sicherheit dieses Präparates in der Schwangerschaft nicht zweifelsfrei geklärt wurde.

Aus einem ähnlichen Grund findet sich auch in der Phytotherapie-Fachliteratur beim Ingwer meist die Kontraindikation „Schwangerschaft“.

Von Gynäkologinnen und Gynäkologen kommen aber durchaus immer wieder Empfehlungen für Ingwer bei dieser Indikation, wie hier in diesem Beitrag vom Präsidenten des Berufsverbandes der Frauenärzte.

Am besten untersucht ist die Wirkung von Ingwer gegen Reisekrankheit (Kinetosen).  Darüber hinaus gibt es auch Studien gegen Erbrechen nach Operationen. Beliebt ist darüber hinaus Ingwertee bei Erkältungen. Ingwerkompressen werden in der Krankenpflege eingesetzt zum Beispiel bei Muskelverspannungen und Gelenkschmerzen.

Siehe auch:

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Reisekrankheit: Dimenhydrinat oder Ingwer

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschftserbrechen

Übelkeit in der Schwangerschaft

Ingwer vermindert Muskelschmerzen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

Manchmal hilft übrigens auch das Lutschen von Eiswürfeln, die aus Pfefferminztee hergestellt worden sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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