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Erkältung: Welche Therapien wirklich helfen

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Das Angebot an konventionellen und alternativen Präparaten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten ist sehr gross. Die Studien zur Wirksamkeit sind aber oft nicht sehr überzeugend.

Erwachsene machen pro Jahr zwei bis vier Erkältungsepisoden durch, Kinder sogar sechs bis acht. Entsprechend umfangreich ist der Umsatz an Präparaten, mit denen Ärzte oder die Patienten selbst versuchen, den Verlauf der meist viralen Infektionen abzuschwächen und zu verkürzen. Von welchen Behandlungen nach derzeitigem Wissensstand wirklich Hilfe zu erwarten ist und von welchen eher nicht, das haben Miriam Croessmann vom Sana Klinikum Offenbach und Professor Markus Rose von der Universität Frankfurt / Main in der Fachzeitschrift „Pneumologe“ zusammengefasst (Pneumologe 2016: 13: 262–273). Dabei steht die Anwendung bei Kindern im Zentrum.

Die „Ärzte Zeitung“ hat den Text zusammengefasst.

Ich greife nachfolgend die pflanzlichen Präparate als Zitate heraus und kommentiere sie stellenweise.

Zu den schleimlösenden Mitteln (Sekretolytika / Mukolytika) steht da:

„Sie sollen bei erkältungsbedingter Bronchitis den Schleim verflüssigen und das Abhusten erleichtern. Unter Acetylcystein kann ein erhöhtes Volumen von verflüssigtem Bronchialsekret auftreten, das unter anderem von jungen Kindern schlecht abgehustet werden kann. Von Efeupräparaten ist dies nicht zu befürchten. Sekretolytika / Mukolytika sollten vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eine strenge Indikationsstellung erfahren.“

Hier werden also das synthetische Acetylcystein und die pflanzlichen Efeupräparate erwähnt. Zur Wirksamkeit wird nichts gesagt, aber die Efeupräparate sind an einem Punkt verträglicher. Das am besten dokumentierte Efeupräparat ist Prospan® (zugelassen für Kinder ab zwei Jahren). Das beste Mukolytikum sei eine gute Befeuchtung der Atemwege und reichlich trinken, heisst es in dem Beitrag.

Dann geht es noch um ätherische Öle als Einreibemittel:

„ Vapor rub mit den Wirkkomponenten Kampfer, Menthol, Eukalytpusöl hat bei Kindern keine Wirkung auf Husten oder Schnupfen, aber Kind und Eltern schlafen besser. Eltern müssen aufgeklärt werden, dass Einreibemittel und Tropfen auf Basis ätherischer Öle zu Atemwegsreizungen bis zum Bronchospasmus führen können.“

Gemeint ist hier wohl „Wick Vaporub“ (D) bzw. „Vicks vaporub“ (CH). Menthol ist der Hauptbestandteil von Pfefferminzöl. Es löst auf der Haut und an der Nasenschleimhaut ein Kältegefühl aus, das nicht physikalisch durch tiefe Temperatur, sondern durch Bindung an einen Kälterezeptor ausgelöst wird. In der Nase wird dadurch der Luftstrom intensiver wahrgenommen, wodurch eine subjektive Empfindung des Besser-durchatmen-könnens entsteht. Sie lässt sich nicht objektivieren, das heisst, man kann nicht durch Messung nachweisen, dass mehr Luft durch die Nase geht. Aber immerhin wirkt das erleichternd auf die Beschwerden der verstopften Nase, so dass nachvollziehbar ist, dass erkältete Kinder besser schlafen. Dass auch die Eltern besser schlafen, ist wohl ein erwünschter Nebeneffekt.

Ich würde allerdings bei Säuglingen und Kleinkindern als Einreibemittel nur mentholfreie Produkte verwenden. Als Regel gilt zudem, dass bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle nicht konzentriert in der Nähe der Atemöffnungen eingesetzt werden sollten.

Interessanterweise ist die Wirksamkeit von Honig gegen Hustenreiz recht gut belegt:

„Honig: Bei Kindern im Alter über einem Jahr kann ein Löffel Honig am Abend Husten und Nachtschlaf günstig beeinflussen.“

Siehe:

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

Und dann kommt Knoblauch:

„Knoblauch: Laut einer Cochrane-Analyse können Knoblauchtabletten möglicherweise Erkältungen vorbeugen, haben aber keinen Einfluss auf die Dauer von Erkältungen.“

Diese Cochrane-Analyse ist sehr interessant. Sie basiert aber auf nur einer Studie.

Siehe:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

 

Für Kinder dürfte Knoblauch zur Prophylaxe von Erkältungen geruchlich allerdings wohl etwas schwierig sein.

Dann der Klassiker der pflanzlichen Immunstimulantien: Echinacea / Sonnenhut:

„Echinacea: Es gibt keine überzeugenden Daten für den therapeutischen Einsatz von Echinacea bei Erkältungen, allenfalls für eine leichte prophylaktische Wirkung.“

Diese Einschätzung ist ziemlich ernüchternd. Sie beruht wohl auf dem Cochrane-Review von 2014:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24554461

Meinem Eindruck nach gibt es schon Leute, die von einer Echinacea-Einnahme profitieren. Klar scheint mir aber auch, dass die Erwartungen, die von der Werbung geweckt werden, durch die Studienlage nicht gedeckt sind.

Und dann weiter zu „Umckaloabo“, der alten Zulu-Heilpflanze aus Südafrika:

„Umckaloabo: Der Extrakt aus Pelargonium sidoides soll immunstimulierend, hustenstillend und schleimlösend wirken. In RCTs ist die Wirksamkeit bei Erwachsenen mit Erkältung oder akuter Rhinosinusitis sowie bei Erwachsenen und Kindern mit akuter Bronchitis gezeigt worden. Die Qualität der Evidenz sei niedrig, so Croessmann und Rose.“

„Umckaloabo“ ist auch als „Kapland-Pelargonie“ im Handel. Die relevanten Studien wurden alle mit dem Extrakt bzw. Präparat „Umckaloabo®“ durchgeführt (in der Schweiz nach ärztlicher Verordnung kassenpflichtig als Kaloabo®). Die Ergebnisse können nicht auf andere Produkte mit Kapland-Pelargonie übertragen werden, die zum Beispiel als Hausspezialitäten in Apotheken und Drogerien angeboten werden.

Bei Kindern seien günstige Effekte auf nasale Symptome und auf den Verbrauch von Dekongestiva durch Meerwasser-Spülungen dokumentiert, heisst es im Beitrag weiter (Dekongestiva hier = Abschwellende Nasentropfen).

Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass für Vitamin C keine eindeutigen therapeutischen Effekte bei Erkältungen belegt sind. Das konnte für die Normalbevölkerung schon durch eine ganze Reihe von Studien belegt werden. Eine Ausnahme scheinen Sportler darzustellen, bei Ihnen kann die vorbeugende Einnahme die Erkältungshäufigkeit auf rund die Hälfte reduzieren. Siehe dazu auf „Medizin transparent“:

Vitamin C beinahe nutzlos gegen Erkältungen

Zum Nutzen der Luftbefeuchtung seien die Studienergebnisse widersprüchlich, wird im Artikel vermerkt.

Die Originalpublikation in der Zeitschrift „Der Pulmologe“ fasst als Ergebnis für Kinder zusammen:

„Bei Kindern gibt es für häufig als Erkältungsmittel angewandte Substanzen wie Hustensäfte oder Echinaceapräparate keine konsistente Datenlage. Potenziell nützlich sind ätherische Einreibungen (Vapor rub, cave: Reizungen), Zink, Pelargonium sidoides und Honig.“

Quellen

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/922746/erkaeltung-helfen-diese-20-therapien-wirklich.html

Der Pneumologe, Juli 2016, Volume 13, Issue 4, pp 262–273

http://link.springer.com/article/10.1007/s10405-016-0052-3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Bei Rhinosinusitis Nasenspülungen oder Dampfinhalationen?

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Bei chronischer oder wiederkehrender Rhinosinusitis (Nasenebenhöhlenentzündung) werden als Hausmittel oft Nasenspülungen mit Salzwasser oder Wasserdampfinhalationen empfohlen. Dampfinhalationen erwiesen sich in der Studie als weitgehend wirkungslos, während Nasenspülungen immerhin eine moderate Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bewirkten.

Die Studie war randomisiert, das heisst, die Probanden wurden per Zufallsentscheid auf vier Gruppen unterteilt (das ist ein Qualitätsmerkmal für Studien).

Es beteiligten sich 871 Erwachsene mit chronischer oder rezidivierender Rhinosinusitis und einem „mittelschweren bis schweren Einfluss von Sinussymptomen auf die Lebensqualität“.

Die teilnehmenden Personen wurden in ihrer Hausarztpraxis instruiert, sechs Monate lang täglich entweder die Nase mit 150 ml 2%iger Kochsalzlösung zu spülen (n = 219) oder fünf Minuten lang unter einem Handtuch Wasserdampf zu inhalieren (n =232) bzw. beide Maßnahmen durchzuführen(n=210). Die Kontrollgruppe (n = 210) bekam keine dieser Empfehlungen (n sagt aus, wieviele Probanden in dieser Gruppe sind).

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/917299/hausmittel-test-spuelungen-dampf-rhinosinusitis.html

CMAJ 2016, online 18. Juli

http://www.cmaj.ca/content/early/2016/07/18/cmaj.160362

 

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich ist es schon mal positiv zu werten, dass einfache Hausmittel wie Nasenspülungen und Dampfinhalationen in einer doch recht grossen Studie untersucht wurden. Weil sich an diesen Hausmitteln kaum etwas zu verdienen lässt, ist es in der Regel schwierig, solche Studien zu finanzieren.

Wie bei praktisch jeder Studie bleiben auch hier eine Reihe von Fragen offen.

Die Anleitung zur Nasenspülung erfolgte zum Beispiel nur über ein kurzes Video. Haben die Teilnehmenden diese Massnahmen wirklich konsequent über 6 Monate durchgeführt? Da habe ich doch ein bisschen Zweifel.

Interessant ist auch, dass mit 2%iger Kochsalzlösung gespült wurde (hypertone Lösung). Als Spüllösung werden sonst meistens isotone Salzlösungen verwendet (0,9% NaCl-Lösung, physiologische Kochsalzlösung) verwendet. (etwa neun Gramm Kochsalz = zwei gestrichene Teelöffel auf einen Liter Wasser.

Hier gibt es aber einen weiteren Bericht über eine positive Studie mit hypertoner Salzlösung:

Rhinosinusitis: Hypertone Salzlösung unterstützt Behandlung

Siehe ausserdem hier:

Nasenduschen mit Salzwasser günstig bei chronischen Rhinosinusititen

Hypertone Salzlösungen bei Schnupfen

Akuter Schnupfen bei Kindern: Nasenspülungen sind wirksam

 

 

Bei den Dampfinhalationen wurden in der Studie aus Southampton offenbar mit Wasserdampf inhaliert. Hier wäre interessant, ob die Inhalation mit Kochsalzlösung (isotonisch? hypertonisch?) allenfalls besseere Resultate gebracht hätte.

Siehe:

Inhalation mit Salzlösung – die ideale Begleittherapie bei Husten

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2012/11/13/inhalation-mit-salzlosung-die-ideale-begleittherapie-bei-husten.html

Ausserdem lassen sich Dampfinhalationen mit Wasserdampf oder mit Kochsalzlösung zusätzlich mit Heilpflanzen anreichern. Man kann zum Beispiel eine Mischung von Kamillenblüten und Thymiankraut mit dem kochenden Wasser beziehungsweise Salzwasser übergiessen und damit inhalieren. Dabei wirkt Kamille mehr entzündungswidrig und Thymian mehr antimikrobiell.

Interessant ist zudem die Idee von Ingwer-Inhalationen. Siehe dazu:

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Heiserkeit: Inhalieren mit Kamille und Salbei

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka in der Europäischen Leitlinie zur Behandlung von Rhinosinusitis

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Die europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis ist gegenwärtig die aktuellste Therapieempfehlung von HNO-Ärzten für die Behandlung viraler Atemwegsinfektionen (»Erkältung«). Sie enthält auch Empfehlungen für pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), die in einem Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ beschrieben werden:

„Cineol und Myrtol, aber auch Pelargonium-Extrakte kommen zur Therapie viraler Atemwegsinfekte infrage….. In klinischen Studien konnten im Vergleich zu Placebo die Symptome bei einer akuten viralen Rhinosinusitis ab dem vierten Tag gelindert werden Auch die Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) konnte in einer neueren, Placebo-kontrollierten klinischen Studie positive Effekte auf die Symptome einer akuten Rhinosinusitis zeigen. Die Effektstärke war vergleichbar mit der Stärke der Wirkstoffe, die in der europäischen Leitlinie bereits diskutiert wurden (Cineol, Myrtol, Pelargonium)“

Die Effektstärke der genannten Therapeutika sei in den Studien nicht sehr groß gewesen und die Wirkung sei erst mit Verzögerung (vier bis sieben Tage) eingetreten.

„Dennoch gelten diese ausgewählten pflanzlichen Arzneimittel als angemessene und wirksame Apothekenempfehlung, auch ergänzend zur akut symptomatischen Therapie.“

Für die traditionelle chinesische Medizin spricht die Europäische Leitlinie aufgrund unzureichender Daten explizit keine Empfehlung aus.

Für Echinacea-haltige Präparate schätzt sie die Datenlage als widersprüchlich ein und empfiehlt sie aus diesem Grund ebenfalls nicht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59826

Kommentar & Ergänzung:

In die Leitlinien aufgenommen zu werden ist so etwas wie eine Auszeichnung, weil es dazu positive Ergebnisse aus klinischen Studien braucht.

Und damit solche Ergebnisse zustande kommen, braucht es Firmen, die Geld in die Forschung stecken. Das ist nicht ganz einfach für Phytopharmaka, weil grosse Investitionen in die Forschung sich nur lohnen für patentierte Produkte. Die Mehrzahl der Heilpflanzen-Präparate ist aber nicht patentiert.

Leitlinien sind für die Phytotherapie meines Erachtens nicht das einzige oder letzte Mass. Sie bieten aber trotzdem eine wichtige Orientierung.

Bei der in den Leitlinien erwähnten Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) handelt es sich im „Sinupret®“. Die Zusammensetzung dieses Präparats ist nicht sehr plausibel, doch gibt es dafür positive klinische Studien. Myrtol ist als „Gelomyrtol®“-Kapseln im Handel, Pelargonium als „Umckaloabo®“ und „Kaloabo®.

Siehe auch:

Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

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Metaanalyse zeigt: Umckaloabo lindert Atemwegsinfekte

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Ein Extrakt aus Pelargonium sidoides (Umckaloabo) ist ein geeignetes Arzneimittel bei akuten Atemwegsinfekten. Zu diesem Schluss kommt eine Metaanalyse, die an der 29. Schweizerischen Jahrestagung für Phytotherapie in Winterthur vorgestellt wurde.

Bei akuten Atemwegsinfekten ist der Einsatz von Antibiotika in der Regel nicht sachgerecht. Darum sind pflanzliche Alternativen wie der Extrakt aus der Kapland-Pelargonie (Umckaloabo) interessant.

Wirksamkeit und Verträglichkeit eines Umckaloabo-Extraktes wurden nun erneut in einer Metaanalyse untersucht. Die Resultate dieser Metanalyse wurden bei der 29. Schweizerischen Jahrestagung für Phytotherapie in Winterthur vorgestellt.

Für die Metaanalyse wurde in der Datenbank Medline nach Placebo-kontrollierten, randomisierten klinischen Studien gesucht, in denen der Pelargonium-Extrakt (Umckaloabo®) bei Patienten mit akuter Bronchitis, akuter Rhinosinusitis oder akuter Tonsillopharyngitis angewendet wurde.

13 Studien, sechs davon mit Kindern, mit total annähernd 3400 Teilnehmern wurden gefunden. In die Metaanalyse konnten zehn Untersuchungen einbezogen werden. In allen drei Indikationen war der Pelargonium-Extrakt gegenüber Placebo deutlich überlegen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/?sid=868088

Kommentar & Ergänzung:

Für eine Metaanalyse werden geeignete Studien zu einem bestimmten Thema zusammengefasst und ausgewertet. Dadurch soll gegenüber einzelnen Studien eine Aussage mit grösserer Relevanz gewonnen werden. Metaanalysen haben daher bei der Bewertung von Evidenz grosses Gewicht. Aber auch Metaanalysen sind nicht über jeden Zweifel erhaben. So ist es zum Beispiel entscheidend, nach welchen Kriterien Studien in die Metaanalyse eingeschlossen oder ausgeschlossen werden.

Die Qualität der beschriebenen Metaanalyse kann ich nicht beurteilen. Die Beschreibung in der Aerztezeitung liefert dazu auch kaum brauchbare Informationen. Wer hat die Metaanalyse durchgeführt? Wurde sie in einer Fachzeitschrift vollständig veröffentlicht und wenn ja, wo und wann?

Unabhängig davon spricht aber viel dafür, dass Umckaloabo bei akuten Atemwegsinfekten tatsächlich eine interessante Alternative zu den bei dieser Indikation in der Regel unnötigen Antibiotika ist.

Siehe auch:

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Übersichtsstudie zu Umckaloabo zieht positives Fazit

Phytotherapie: Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei Erkältungen 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Medikamentencheck für Erkältungsmittel: Sinupret

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Spiegel online veröffentlichte eine Beurteilung von „chemischen“, pflanzlichen und homöopathischen Erkältungsmitteln. Als Experte fungierte dabei Peter Sawicki. Der Internist und Diabetologe war von 2004 bis 2010 Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln.

Eines der beurteilten Erkältungsmittel ist Sinupret. Das Präparat enthält Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten und Schlüsselblumenblüten. Sinupret forte wird bei akuter Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt und ist das am meisten verkaufte pflanzliche Arzneimittel in Deutschland.

Zu Sinupret schreibt Peter Sawicki:

„Das Präparat ist eine Mischung aus verschiedenen Pflanzenextrakten ohne nachgewiesenen Nutzen bei Virusinfekten und Infekten der oberen Atemwege. Grundsätzlich ist das Medikament (mit Ausnahme des Sirups) nur zur Behandlung der Infektion der Nasennebenhöhlen zugelassen – also nicht bei grippalen Symptomen“

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/erkaeltung-was-hilft-gelomyrtol-umckaloabo-echinacea-im-test-a-954781.html

Kommentar & Ergänzung:

Ein hartes Urteil zu einem Präparat, das so häufig gekauft wird. Man könnte argumentieren, dass ein so häufig gekauftes Präparat auch wirksam sein müsse. Aber so einfach ist die Wirksamkeit nicht beurteilbar, weil eine akute Nebenhöhlenentzündung in der Regel nach ein paar Tagen auch von selbst abklingt.

Es gibt eine ganze Anzahl klinischer Studien zu Sinupret, die dem Präparat eine Wirksamkeit zuschreiben. Allerdings ist die Qualität der meisten dieser Studien nicht gerade hoch. Wikipedia führt eine neuere Studie an, die ein positives Resultat zeigte:

„Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum signifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

Die Studie wurde hier veröffentlicht.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23193534?dopt=Abstract

Die „Medical-Tribune“ beschrieb 2012 die Studie so:

„Prof. Bachert berichtete über eine multizentrische Phase-III-Studie mit der Prüfsubstanz BNO 1016 (seit 1. Oktober als Sinupret® extract im Handel), die doppelblind, randomisiert und placebokontrolliert (DBRPC) mit 380 Patienten durchgeführt wurde. Sie erhielten über rund 15 Tage täglich entweder Placebo oder 480 mg BNO 1016 (3 x 2 Drg.).
Die Wirksamkeit wurde anhand des Major Symptom Score (MSS) bewertet, der fünf Symptome umfasst (anteriore bzw. posteriore Rhinorrhö, nasale Verstopfung, Kopfschmerz, Gesichtsschmerz). Ab dem dritten Behandlungstag zeigte sich ein deutlicher Unterschied zugunsten des Verums.

In dieser laut Prof. Bachert ersten DBRPC-Studie mit einem Phytopräparat bei akuter Rhinosinusitis waren Patienten unter der Phytotherapie 3,8 Tage früher geheilt als Angehörige der Placebogruppe. Der MSS zeigte sich am Tag 15 signifikant reduziert, was durch Sonographie der Nasennebenhöhlen bestätigt wurde.“

Quelle:

http://www.medical-tribune.ch/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/rhinosinusitis-antibiotikum-oft-unnoetig.html

So wie eine einzelne Schwalbe noch keinen Frühling macht, macht eine einzelne gute Studie allerdings noch keine eindeutig belegte Wirksamkeit.

Leider. Auf diesem Hintergrund ist das harte Urteil des Experten nachvollziehbar, wenn die Kriterien der evidenzbasierten Medizin als massgeblich betrachtet werden.

Die Studie wurde mit „Sinupret extract“ durchgeführt, während im Spiegel von Sinupret oder Sinupret forte die Rede ist.

Das ist aber ein grosser Unterschied, der vielleicht bei dieser Beurteilung im Spiegel nicht oder zuwenig berücksichtigt wurde:

Sinupret Drg.:

Enzianwurzel (6 mg), Primelblüten (18 mg), Sauerampferkraut (18 mg), Holunderblüten (18 mg), Eisenkraut (18 mg)

Sinupret Forte Drg:

Enzianwurzel (12 mg), Primelblüten (36 mg), Sauerampferkraut (36 mg), Holunderblüten (36 mg), Eisenkraut (36 mg)

Sinupret und Sinupret forte enthalten getrocknete, pulvierisierte Heilpflanzen in einem Dragees und das in eher geringer Menge, wobei der Gehalt in Sinupret forte doppelt so hoch ist.

Sinupret extract enthält dagegen laut Beipackzettel pro Tablette 160,00 mg Trockenextrakt  aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten, Eisenkraut. Durch die Verwendung eines Trockenextraktes kann eine etwa vierfach höhere Konzentration an Wirkstoffen erreicht werden. Sinupret extract ist in Deutschland auf dem Markt, leider aber nicht in der Schweiz. Sinupret extract ist überzeugender und ich würde es vorziehen – jedenfalls für Erwachsene. Das Präparat kann in der Schweiz via Apotheke auch aus Deutschland besorgt werden.

Eigenartig finde ich die Verwendung von Schlüsselblumenblüten, weil Schlüsselblumenwurzel etwa 4mal mehr wirksamkeitsbestimmende Saponine enthält. Für Schlüsselblumenwurzel ist ein schleimlösender Effekt relativ gut dokumentiert. Auch sonst habe ich einige Fragezeichen zur Zusammensetzung von Sinupret. Für Enzianwurzel, Holunderblüten und Ampferkraut postuliert der Hersteller schleimlösende und antivirale Wirkungen, die jedoch hauptsächlich durch Tierversuche und Experimente mit Zellkulturen belegt werden. Solche Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf die Anwendung am Menschen übertragen.

Mein eigenes Fazit: Sinupret und Sinupret forte überzeugen mich nicht (Sinupret, Sinupret forte) oder mässig (Sinupret Extrakt).

Sehr positiv bewerte ich, dass Bionorica als Hersteller von Sinupret ein mittelständischer Betrieb ist, der viel in Forschung und Entwicklung zugunsten von Phytopharmaka investiert. Ich schätze das auch bei anderen Herstellern (z. B. Schwabe, Zeller). Trittbrettfahrer haben wir genug. Wer in Forschung und Entwicklung investiert, sollte auch von Konsumentinnen und Konsumenten unterstützt werden.

P. S.

Ich selber bevorzuge im Übrigen bei Nasennebenhöhlenentzündung und Bronchitis eher Gelomyrtol®.

Siehe:

Myrtol / Gelomyrtol bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant / Sibrovita – was ist der Unterschied?

Myrtol bei Bronchitis und Sinusitis

Neu in der Schweiz: Gelomyrtol gegen Bronchitis und Sinusitis

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Lavendelblüten und Lavendelöl als Sedativum

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In der Zeitschrift „PHYTOTherapie (Nr. 4 / 2013) der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie geht Reinhard Länger auch die Wirkungen von Lavendel ein:

„Lavendelblüten und Lavendelöl gelten in der Phytotherapie als mildes Sedativum, auch die Anwendung zur Linderung der Symptome von Stress und mentaler Erschöpfung ist traditionell belegt. Neue klinische Studien zeigen nach oraler Anwendung von Lavendelöl Wirksamkeit bei bestimmten Angstformen. Äußerlich angewendet fördert Lavendelöl wie viele andere ätherische Öle lokal die Durchblutung, daher die Verwendung in diversen Salben zur Behandlung von Muskelverspannungen und rheumatischen Beschwerden. Spiköl wird bei Rhinosinusitis und Husten zur Schleimlösung eingesetzt.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0413.pdf

Kommentar und Ergänzung:

Lavendelblüten und Lavendelöl, die in der Phytotherapie eingesetzt werden, stammen üblicherweise von Lavandula angustifolium (Echter Lavendel).

Spiköl stammt dagegen von Lavandula latifolia (Grosser Speik, Narde, Breitblättriger Lavendel). Spiköl enthält eine relevante Menge an 1,8-Cineol und Kampfer. Diese Inhaltsstoffe dürften für die schleimlösende Wirkung bei Rhinusinusitis (Nebenhöhlenentzündung) und Husten verantwortlich sein. Spiköl wird auch für Einreibungen eingesetzt und ist in Rheumasalben enthalten.

Lavendelblüten und Lavendelöl aus Lavandula angustifolia sind dagegen charakterisiert durch die Hauptkomponenten Linalylacetat (30-50) und Linalool (20-50 %), die sedierend wirken.

Die orale Anwendung von Lavendelöl bei bestimmten Angstformen erfolgt in Kapselform (Lasea).

Siehe dazu:

Lavendelöl reduziert Angst und bessert Schlaf

Lavendel ist eine Gattung in der Pflanzenfamilie der Lamiaceen (Lippenblütler).

Siehe:

Phytotherapie: Von welcher Lavendelart stammen Lavendelöl und Lavendelblüten?

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Chronische Rhinosinusitis: Hypertone Salzlösung unterstützt Behandlung

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Unter einer Rhinosinusitis versteht man eine gleichzeitige Entzündung der Nasenschleimhaut („Rhinitis“) und eine Entzündung der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen („Sinusitis“).

Zur Symptomlinderung bei chronischer Rhinosinusitis können außer spezifischen Medikamenten unterstützend hypertone Salzlösungen lokal eingesetzt werden. Der osmotische Effekt bewirkt eine schonende Abschwellung der Nasenschleimhäute.

Eine Schädigung der Nasenschleimhaut, wie sie als Nebenwirkung bei der längerfristigen Anwendung klassischer Nasensprays zur Abschwellung auftreten kann, sei mit diesen Präparaten nicht zu befürchten, sagt Professor Ludger Klimek vom Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden.

Der Nasenschleimhaut wird durch die erhöhte Salzkonzentration überschüssiges Wasser entzogen, was die Schleimhäute abschwellen lässt. Durch die frei werdende Flüssigkeit lösen sich zudem zähes Sekret und Verkrustungen.

Das lässt den Patienten wieder besser durchatmen. Dieser lokale Effekt unterstützt die Selbstreinigungs- und Abwehrfunktion der Nasenschleimhaut auch bei längerfristiger Anwendung.

Auch die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie erwähnt die lokale Anwendung hypertoner Salzlösungen zur Beschwerdelinderung.

Eine kontrollierte Studie mit 211 Patienten belegte bei zweimal täglicher Anwendung einer hypertonen Salzlösung eine Verminderung der Beschwerden. Ein Cochrane Review bestätigte den Nutzen einer topischen Salzlösung als unterstützende Maßnahme bei chronischer Rhinosinusitis.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hno-krankheiten/article/851517/chronische-rhinosinusitis-kochsalzloesung-unterstuetzt-therapie.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Handel sind zum Beispiel Präparate mit hypertoner Kochsalzlösung 2,7%ig.

Das kann man mit Leitungswasser auch selber herstellen. 27 g Kochsalz auf einen Liter Wasser = 2,7%. Ein gestrichener Teelöffel Kochsalz gilt als 5 Gramm. Allerdings sind mit dieser Standardangabe wohl eher die früher üblichen „tieferen“ Löffel gemeint und nicht die heutigen flachen.

Die meisten der heute als Nasenspray oder Nasenspüllösung verkauften Salzlösungen sind nicht hyperton, sondern isotonisch ( = 0,9%, „physiologische Kochsalzlösung“).

Salzlösung – das ist eine sehr einfache Sache, aber die Studienlage ist ziemlich komplex.

Die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde kommt zum Schluss, dass bei akuter Rhinosinusitis weder isotone noch hypertone Salzlösungen hilfreich sind.

Bei chronischer Rhinosinusitis  gibt die Leitlinie eine starke Empfehlung für hypertone Lösungen ab mit der Begründung, sie könnten zu mindestens eine Beschwerdelinderung bewirken. Isotone Kochsalzlösung, Emser Salz und Leitungswasser (hypoosmolar) zeigten dagegen gemäss „Leitlinie“ keine therapeutische Effekte.

Quelle:

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-049l_S2k_Rhinosinusitis_2011-07.pdf

(Seite 39)

Gegen eine tägliche Langzeitanwendung von Salzspülungen wandte sich allerdings 2009 der  US-Allergologe Talal Nsouli. Er hatte in zwei Studien über 24 und 12 Monate bei Patienten mit chronischer Nasennebenhöhlenentzündung erhöhte Raten an akuten Infektionen der Nebenhöhlen festgestellt. Die Studien sind allerdings klein und wurden nicht in einer Fachpublikation veröffentlicht. Sie haben daher nur begrenzte Aussagekraft.

Quelle:

http://ml.spiegel.de/article.do?id=879276

Der Allergologe Nsouli sagte an einem Kongress, die nasale Schleimhaut sei nicht nur eine Quelle der Verschleimung, sondern diene offenbar auch als erste Verteidigungslinie gegen eindringende Erreger. Spüle man diesen Schleim zwei Mal täglich mit Salz weg, dann beraube man seine Nase um diese Abwehrtruppe. Seiner Meinung nach spreche nichts dagegen, einige Wochen lang täglich oder auch zwei Mal pro Tag zur Nasendusche zu greifen, aber nicht für längere Zeit.

Quelle:

http://news.doccheck.com/de/2179/rhinosinusitis-kalte-dusche-fur-therapie/

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Nasenduschen mit Salzwasser günstig bei chronischen Rhinosinusitiden

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Als  Rhinosinusitis bezeichnet wird eine gleichzeitige Entzündung der Nasenschleimhaut („Rhinitis“) und eine Entzündung der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen („Sinusitis“). Unterschieden wird dabei zwischen  der akuten Rhinosinusitis und der chronischen Rhinosinusitis (CRS).

Vor allem bei chronischen Rhinosinusitiden sind Nasenduschen mit Salzwasser eine sinnvolle Ergänzung der symptomatischen Behandlung. Zu diesem Schluss kommen Experten der Universität Köln. Weniger überzeugend ist das Giesskännchen bei der akuten „Triefnase“

Viele Anhänger fernöstlicher Yoga-Traditionen verwenden den Neti Pot (der Sanskrit-Ausdruck „Jala Neti“ steht für „Nasendusche mit Salzwasser“) zur täglichen Körperhygiene. Die Wirkung der Salzwasserdusche (SNI = saline nasal irrigation) auf akute und chronische Rhinosinusitiden wurde in vielen Studien untersucht, mit teilweise widersprüchlichen Resultaten. Trotzdem sehen mittlerweile auch Experten in der Verwendung der Gießkännchen für die Nase einen Nutzen, wenn auch kaum für den Alltagsgebrauch.

Der HNO-Facharzt und Medizininformatiker Dr. Ralph Mösges und sein Kollege Dr. Nils Achilles vom Universitätsklinikum Köln haben die internationale Fachliteratur zum Thema durchforstet und ausgewertet. Demnach empfiehlt sich die Verwendung der Nasendusche hauptsächlich bei chronischer Rhinosinusitis (CRS). Die Kölner Experten begründen ihre Empfehlung vor allem mit drei Quellen:

– Eine Metaanalyse des Cochrane-Instituts aus dem Jahr 2007, in der von einem Nutzen für die Mehrheit der (CRS-)Patienten die Rede ist, trotz „selten beobachteter Nebenwirkungen“;

-Ein Europäisches Positionspapier zur Rhinosinusitis und nasalen Polyposis aus dem Jahr 2012 (EPOS);

– Die S2-Leitlinie „Rhinosinusitis“ der Deutschen Gesellschaft für Otorhinolaryngologie aus dem Jahr 2011.

Wie die Leitlinienautoren zusammenfassen, führen Nasenduschen oder Sprays mit hypertonen gepufferten Kochsalzlösungen bei dieser Indikation „zumindest zu einer symptomatischen Besserung“. Die SNI, darin sind sich alle europäischen Fachgesellschaften einig, sei „eine nützliche Ergänzung in der symptomatischen Behandlung der CRS“. Im Gegensatz zu den akuten Rhinosinusitiden: Hier sei die Datenlage nicht einheitlich und die Experten sprechen der Nasenspülung bei dieser Indikation allenfalls eine begrenzte Wirksamkeit zu.

Quelle:

Ärzte Zeitung

http://www.springer-gup.de/de/gesundheit/news/7372-Salzwasser_gegen_verstopfte_Nasen/

Kommentar & Ergänzung:

Wir haben es hier jedenfalls mit einer ausgesprochen kostengünstigen und in der Regel gut verträglichen Therapie zu tun, auch wenn das Nasenduschen für manche Menschen schon etwas gewöhnungsbedürftig ist.

Es gibt auch Hinweise auf einen vorbeugenden Effekt gegen Erkältungen, wobei auch Inhalationen angewendet werden:

Hypertone Salzlösungen bei Schnupfen

Inhalation mit Salzlösung – die ideale Begleittherapie bei Husten

Salzwasser-Inhalationen als Mittel gegen Erkältungen, Schweinegrippe & Co.

Akuter Schnupfen bei Kindern: Nasenspülungen sind wirksam

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hypertone Salzlösungen bei Schnupfen

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Die spezifische Behandlung von Patienten mit einer chronischen Rhinosinusitis lässt sich durch natürliche Arzneien unterstützen: So kann gemäss aktueller Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie die lokale Anwendung von hypertonen Salzlösungen die Beschwerden lindern.

Durch die osmotische Wirkung schwellen die Nasenschleimhäute ab, das Nasensekret verflüssigt sich. Dadurch wird die mukoziliäre Clearance verbessert, also der Selbstreinigungsmechanismus der Nasenschleimhaut.

Wie funktioniert die mukozilliäre Clearance?

„Die Hauptbronchien bis zu den Bronchioli terminales (Ende des luftleitenden Abschnittes) sind mit einem respiratorischen Epithel ausgekleidet, ebenfalls Luftröhre, Kehlkopf, Nase und weite Abschnitte des Pharynx. Auf ihm befinden sich Flimmerzellen, die an ihrer Oberfläche haarförmige Strukturen (Zilien) tragen. Die Zilien sind umgeben von einer dünnflüssigen Schleimschicht. Darauf befindet sich eine zweite dickflüssige Schleimschicht, in der Fremdpartikel und Mikroorganismen haften bleiben. Innerhalb der dünnflüssigen Schleimschicht führen die Zilien koordiniert Bewegungen in Richtung Pharynx aus. Dadurch wird die dickflüssige Schleimschicht mitsamt ihrer Fracht in Richtung Mund abtransportiert, wo sie verschluckt oder abgehustet wird.“

(Quelle: Wikipedia)

Eine kontrollierte, prospektive Studie mit 211 Patienten hat bei zweimal täglicher Anwendung einer hypertonen Salzlösung zu einer Verminderung der Beschwerden geführt.

Und in einem Cochrane Review soll der Nutzen einer topischen Salzlösung als unterstützende Maßnahme bei chronischer Rhinosinusitis bestätigt worden sein.

Der Nasenschleimhaut werde durch die Salzkonzentration überschüssiges Wasser entzogen, wodurch die Schleimhäute abschwellen.

Die frei werdende Flüssigkeit löse zähes Sekret und Verkrustungen. Der Effekt sei lokal und unterstütze die Selbstreinigungs- und Abwehrfunktion der Nasenschleimhaut auch bei längerfristiger Anwendung.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/828023/hypertone-salzloesungen-natuerliche-hilfe-wenn-nase-dicht.html?sh=18&h=-1730543029

Kommentar & Ergänzung:

Nasenspülungen mit Kochsalzlösung sind ein altes Hausmittel.

Als hypertone Salzlösung wird in dem Artikel eine 2,7%ige Lösung empfohlen, das entspricht  etwa drei knappen gestrichenen Teelöffeln Kochsalz auf 500ml Wasser.

Was ist eine Rhinosinusitis?

Eine Rhinosinusitis ist eine gleichzeitige Entzündung der Nasenschleimhaut („Rhinitis“, Schnupfen) und eine Entzündung der Schleimhaut der Nasennebenhöhlen („Sinusitis“).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Myrtol bei Bronchitis & Sinusitis

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Die „Welt“ veröffentlichte vor kurzem einen Text über „Sechs verbreitete Irrtümer über Erkältungen. Aus Sicht der Phytotherapie ist Irrtum 3 interessant:

„Bei Bronchitis braucht man andere Medikamente als bei einer Sinusitis“

Die „Welt“ schreibt dazu:

„Das kann man so nicht sagen. Es gibt einige wenige Arzneimittel, die sowohl gegen Bronchitis als auch gegen Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) helfen. Allerdings lösen viele Wirkstoffe nur den fest sitzenden Schleim in den Bronchien und haben keinerlei Einfluss auf den Schleim in Nase und Nasennebenhöhlen, wie etwa Ambroxol, N-Acetylcystein und Efeu. Immer mehr Mediziner fordern jedoch einen gemeinsamen therapeutischen Ansatz, um Erkrankungen der Atemwege zu behandeln. Diese hohe Anforderung können bislang nur wenige Medikamente erfüllen – etwa das ätherische Öl Myrtol. Es wirkt gleichermaßen gegen den fest sitzenden Schleim in Nase, Nasennebenhöhlen und Bronchien und sorgt für raschen Abtransport.“

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article12681026/Hatschi-Sechs-verbreitete-Irrtuemer-ueber-Erkaeltungen.html

Kommentar & Ergänzung:

Myrtol scheint tatsächlich sowohl auf Bronchitis als auch auf Sinusitis günstig zu wirken.

Was aber ist überhaupt Myrtol?

Hier eine gekürzte Beschreibung aus Wikipedia:

„Myrtol ist kein eindeutig definierter Begriff, er wird teilweise mit dem ätherischen Öl der Myrte (Myrtus communis), einem immergrünen Strauch, der im Mittelmeergebiet und in Vorderasien verbreitet ist, in Zusammenhang gebracht. Die exakte Bezeichnung dafür ist Myrtenöl.

In Arzneimitteln wird ein standardisiertes pflanzliches Mischdestillat als Myrtol bezeichnet, das laut Herstellerangaben nicht weniger als 25 Prozent Limonen, 25 Prozent Cineol und 6,7 Prozent (+)-α-Pinen enthält. Dieses Stoffgemisch hat die CAS-Nr. 8002-55-9 und weist eine Dichte von 0,895 g/cm3 auf. Es wirkt auswurffördernd und wird daher bei akuten und chronischen Bronchitiden sowie bei einer Nebenhöhlenentzündung (Sinusitis) angewandt.

Myrtol wird am häufigsten in Form von magensaftresistenten Weichgelatinekapseln, die das Myrtol erst im Dünndarm freisetzen, verabreicht. Daher sollen myrtolhaltige Kapseln ca. eine halbe Stunde vor dem Essen mit ausreichend kalter Flüssigkeit zu sich genommen werden. Heiße Flüssigkeit oder die Einnahme nach der Mahlzeit würde die Magensaftresistenz vermindern und ein Auflösen der Kapseln bereits im Magen bewirken. Im Magen bewirkt Myrtol saures bzw. „ätherisches“ Aufstoßen und eine Reizung der Magenschleimhaut.

Gelegentliche Nebenwirkungen von Myrtol sind Magen-Darm-Beschwerden, selten können Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall auftreten. Selten kann es auch zu Überempfindlichkeitsreaktionen kommen.

Im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit zur Rhinosinusitis wurde nur eine randomisierte, kontrollierte Studie zu Myrtol gefunden. Dort wurde Überlegenheit gegenüber Placebo, jedoch nicht gegenüber anderen ätherischen Ölen gezeigt.“

(Quelle: Wikipedia, Literatur siehe dort)

Im Text der „Welt“ erwähnt wird auch Efeu. Efeu-Extrakt gilt in der Phytotherapie vor allem als gut belegtes Heilpflanzen-Präparat gegen krampfartigen Husten. Er ist ein Bronchospasmolytikum.

Falls Sie sich Kompetenz im Bereich der Selbstbehandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen erwerben möchten:

Einen guten Überblick über die Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen bietet das Tagesseminar zu diesem Thema.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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