Artikel mit Schlagwort ‘Rheuma’
Dienstag, April 17th, 2012
Die Aerztezeitung geht in einem Artikel über Behandlungsmöglichkeiten bei Kopfschmerzen und Migräne auch auf Heilpflanzen-Präparate ein:
„Bei Spannungskopfschmerz kann den Patienten dann zum Beispiel empfohlen werden, die Stirn mit Pfefferminzöl einzureiben.
Studiendaten mit einer zehnprozentigen Lösung belegen hier eine eindeutige Wirksamkeit (Z Phytotherapie 2004; 25: 129). Entsprechende Präparate gibt es in der Apotheke, sie können auch auf einem Grünen Rezept verordnet werden. Eine phytotherapeutische Option sind zudem Präparate aus Weidenrinde.
Zur Migräne-Prophylaxe stehen ebenfalls verschreibungsfreie Produkte zur Verfügung. Dazu gehören etwa Pestwurz-Kapseln, die über eine internationale Apotheke aus England bezogen werden können.“
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/schmerz/kopfschmerzen/article/810225/schnelle-hilfe-haemmern-kopf.html
Kommentar & Ergänzung:
Zum Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen siehe auch:
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/05/12/phytotherapie-pfefferminzoel-gegen-spannungskopfschmerzen.html
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/05/04/pfefferminzol-lindert-spannungskopfschmerzen.html
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/10/18/pfefferminzol-bei-spannungskopfschmerz.html
Zur Weidenrinde:
Untersucht bezüglich Wirksamkeit wurde Weidenrindenextrakt, aber vor allem im Bereich von Rheuma-Beschwerden zur Schmerzlinderung. Die Wirksamkeit bei Spannungskopfschmerzen ist dagegen nicht ausreichend dokumentiert, aufgrund der Inhaltsstoffe (Salicin und verschiedene Polyphenole) aber plausibel. Die Wirkung setzt langsamer ein als bei synthetischen Schmerztabletten wie Aspirin, hält aber dafür länger an. Die Wirksamkeit ist in der Regel schwächer verglichen mit Aspirin oder Paracetamol, dafür ist aber die Verträglichkeit sehr gut.
Weidenrindentee und Weidenrindentinktur wurden bezüglich Wirksamkeit zur Schmerzlinderung bisher nicht untersucht. Weidenrindentee dürfte bezüglich der Menge an zuführbaren Wirkstoffen der Weidenrindentinktur überlegen sein.
Siehe:
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2012/04/14/weidenrinde-lindert-kopfschmerzen-und-rheumabeschwerden.html
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/07/29/naturheilmittel-weidenrinde-in-der-schmerztherapie.html
Zur Pestwurz:
Die erwähnte Apotheke in England dürfte identisch sein mit derjenigen hier:
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/09/13/pestwurz-extrakt-auch-weiterhin-bestellbar.html
In der Schweiz ist Pestwurz nur in Kombinationspräparaten enthalten. Für einen Versuch bei Migräne geeignet wären Zeller Entspannungsdragees (in der kassenzulässigen Form = Relaxane). In Zeller Entpannungsdragees / Relaxane ist Pestwurz-Extrakt kombiniert mit Melissenblätter-Extrakt, Passionsblumenkraut-Extrakt, Baldrian-Extrakt.
Pestwurz nur in solchen Spezialextrakten einnehmen, nicht in Form von Pestwurztee oder Pestwurztinktur. Pestwurz enthält giftige Pyrrolizidinalkaloide, die bei der Herstellung von Zeller Entspannungsdragees / Relaxane entfernt werden.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Samstag, April 14th, 2012
Weidenrinde kann gegen Kopfschmerzen und Rheumabeschwerden angewendet werden.
Genau wie viele synthetische Schmerzmittel enthalte die Rinde Salizylsäure, die die Bildung von Schmerz-, Entzündungs- und Fieberbotenstoffen im Körper hemme, erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg.
Im Gegensatz zur synthetisch produzierten Acetyl-Salizylsäure (ASS) greife die Weidenrinde nicht die Magenschleimhaut an. Sie kann gemäss Mayer deshalb über längere Zeit eingenommen werden. Allerdings wirke Weidenrinde nicht so rasch wie ihr chemisches Pendant ASS. Außerdem könne ASS vor Herzinfarkten und Schlaganfall schützen, weil sie die Verklumpung der Blutplättchen verhindere, sagt Mayer. Diese Wirkung habe Weidenrinde nicht.
Quelle:
http://www.aachener-zeitung.de/news/gesundheit-detail-az/2287258
Forschergruppe Klostermedizin
Kommentar & Ergänzung:
Das Glykosid Salicin aus der Weidenrinde ist chemisch zwar ähnlich aufgebaut wie die Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), aber eben nicht identisch. Deshalb sind auch die Wirkungen der beiden Substanzen nicht deckungsgleich.
Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin macht eine wichtige Differenzierung, die sonst oft in Artikeln über die Weidenrinde nicht klar dargestellt wird:
Acetylsalicylsäure (Aspirin Cardio®) hemmt die Verklumpung der Bluttplättchen (Hemmung der Thrombozytenaggregation).
Salicin und damit die Weidenrinde hat diesen Effekt weder als therapeutische Wirkung noch als unerwünschte Nebenwirkung.
Siehe auch:
Weidenrinde und Aspirin nicht in einen Topf werfen
Weidenrinde – Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin)
Naturheilmittel: Weidenrinde in der Schmerztherapie
Heilpflanzen gegen Kopfschmerzen
Phytotherapie bei Arthrose: Weidenrinde & Teufelskralle
Phytotherapie: Heilpflanzen zur Schmerzbehandlung
Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheumabeschwerden
Rheuma-Behandlung: Teufelskrallenwurzel und Weidenrinde empfohlen
Weidenrindenextrakte lindern Arthritis
Aspirin schützt offenbar nicht vor (erstem) Herzinfarkt
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, April 13th, 2012
Nachtkerzenöl und Borretschsamenöl enthalten als wichtigsten Inhaltsstoff Gamma-Linolensäure. Vor allem Nachtkerzenöl ist gut dokumentiert in seiner Wirksamkeit bei Neurodermitis (Atopische Dermatitis) und kann dort zur Linderung von Juckreiz beitragen. Nachtkerzenöl wird oft auch empfohlen beim Prämenstruellen Syndrom (PMS), doch sind die Studien zur Wirksamkeit hier widersprüchlich. Weniger bekannt ist die Anwendung von Pflanzenölen mit Gamma-Linolensäure bei Rheuma-Beschwerden.
Professor Dr. Oliver Werz, Friedrich-Schiller-Universität Jena, hat vor kurzem in einem sehr informativen Artikel Möglichkeiten der Phytotherapie im Bereich der rheumatischen Erkrankungen vorgestellt und ging dabei auch auf Pflanzenöle mit Gamma-Linolensäure ein:
„Die dreifach ungesättigte γ-Linolensäure (all-cis-6,9,12-Octadecatriensäure;…) wird im Körper aus Linolsäure (all-cis-6,9-Octadecadiensäure) synthetisiert. Besonders reich an γ-Linolensäure sind Borretschsamenöl (21 Prozent), schwarzes Johannisbeerenöl (14 bis 19 Prozent) und Nachtkerzenöl (9 Prozent).“
In der Schweiz wir vor allem Nachtkerzenöl eingesetzt z. B. als Burgerstein Nachtkerzenölkapseln oder Epogam Kapseln. Epogam ist kassenzulässig aus der Grundversicherung, wenn ein ärztliches Rezept vorliegt. Bemerkenswert ist aber, dass Borretschsamenöl viel mehr Gamma-Linolensäure enthält als Nachtkerzenöl. Borretschsamenöl wird in der Schweiz als Nahrungsergänzungsmittel in Kapselform vertrieben.
Zur Wirkung von Gamma-Linolensäure:
„Bislang werden Nachtkerzenöl und Borretschsamenöl vor allem zur peroralen Therapie der Neurodermitis angewandt. γ-Linolensäure wirkt antioxidativ, hemmt NFκB, agiert kompetitiv zu proinflammatorischen Eicosanoiden und wirkt der Autoaktivierung von IL-1β entgegen.“
Nachtkerzenöl und Borretschsamenöl werden bei Neurodermitis auch äusserlich in Pflegeprodukten angewendet (z. B. Lipocremol, Lipoderm Omega von Spirig).
Studien bei Rheumatoider Arthritis
„Sieben relativ heterogene klinische Studien mit insgesamt 286 Probanden belegen die moderate Wirksamkeit von Nachtkerzenöl, Borretschsamenöl und Schwarzem Johannisbeerenöl bei Schmerzen und körperlicher Behinderung durch Rheumatoide Arthritis im Vergleich zu Olivenöl, Sonnenblumenöl, Paraffin oder Sojabohnenöl.“
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?type=0&id=40814
Kommentar & Ergänzung:
Bei akuten Gelenkentzündungen reicht die Wirksamkeit von Borretschöl / Nachtkerzenöl nicht aus. Bei stark entzündeten Gelenken braucht es in der Regel auch starke Entzündungshemmer, z. B. NSAR wie Mefenacid (Ponstan) oder Diclofenac (Voltaren).
Nachtkerzenöl und Borretschsamenöl eigenen sich dagegen wegen ihrer guten Verträglichkeit gut zur Langzeitanwendung, welche für eine optimale Wirksamkeit auch nötig ist.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Dienstag, April 10th, 2012
Gundermann (Glechoma hederacea, Gundelrebe), ist eine Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).
Gundelrebe ist in Europa weit verbreitet und sehr häufig.
Foto auf Wikipedia
Gundelrebe wächst hauptsächlich in frischen, nährstoffreichen Säumen, Wäldern und Wiesen. Er entwickelt lange, niedrige Ausläufer, von denen aufrechte Blütensprosse aufsteigen. Die Bestäubung der Blüten geschieht meist durch Hummeln.
Als häufige Blütenbesucher kommen auch Schwebfliegen vorbei, die nur Pollen aufnehmen, da ihr Rüssel für den Nektar zu kurz ist, ausserdem Wollschweber der Gattung Bombylius, Käfer, Ameisen, sowie einige Schmetterlinge (Aurorafalter, Zitronenfalter, Rapsweißling).
Wegen der ätherischen Öle und der Bitterstoffe wurde der Gundermann früher als Gewürzpflanze genutzt. Diese Inhaltsstoffe bedingen jedoch auch seine Giftigkeit für viele Säugetiere, besonders Pferde und etliche Nagetiere. Vergiftungen beim Menschen sind unbekannt.
Gundelrebe als Heilpflanze
Die Pflanze enthält Flavonoide, Triterpenoide und Rosmarinsäure, denen eine entzündungswidrige Wirkung zugeschrieben wird. Genauere Untersuchungen fehlen jedoch.
Der Teeaufguss wirkt durch Gerbstoffe leicht stopfend bei Durchfall. Saponine und das ätherische Öl könnten schleimlösend wirken bei Husten.
Es gibt allerdings keine geklärten und belegten Wirkungen der Gundelrebe.
Bei den Germanen soll sie aber eine Zauberpflanze gewesen sein und ihr Auftreten an alten Gemäuern verband man mit dem Sitz von guten Hausgeistern. Im Althochdeutschen bezieht sich der Wortstamm „Gund“ auf Eiter, faulriechenden Ausfluss und Geschwür, wogegen der Gundermann angewendet wurde.
In der Volksmedizin wird die Pflanze innerlich empfohlen bei Durchfall, Magenkatarrh, Darmkatarrh leichten Erkrankungen der oberen Bronchien und zur symptomatischen Behandlung von Husten sowie als Diuretikum bei Blasensteinen und Nierensteinen.
In den alten Kräuterbüchern findet man darüber hinaus aber noch zahlreiche andere Anwendungsbereiche wie Keuchhusten, Ohrensausen, Halsbeschwerden, Heiserkeit, Lungenkatarrh, Kopfschmerzen, Stirnhöhenentzündung, Stress, Hysterie, Lungenkatarrh, Hämorrhoiden, Blasenentzündung, Gallensteine, Milzstörungen, Verstopfung, Bisswunden, Bluterguss, Muskelquetschungen….
Wir haben es hier mit einer Indikationslyrik zu tun, wie sie in der Volksmedizin oft vorkommt – und diese Auswahlsendung hätte es wie bei jeder Indikationslyrik nötig, gründlich überprüft zu werden.
Äusserlich wurde die Gundelrebe in der Volksmedizin vor allem angewendet zum Waschen von schlecht heilenden Wunden und Geschwüren und anderen Hautkrankheiten sowie bei Arthritis und Rheuma (in Italien).
In der chinesischen Medizin wird Gundelrebe zum Beispiel eingesetzt bei Karbunkel, Erysipel, Unterleibsschmerzen, Krätze, Skrofulose, ungleichmässiger Menstruation, Husten, Dysenterie, Gelbsucht.
Alle diese Anwendungsbereiche der Gundelrebe sind in ihrer Wirksamkeit nicht belegt und für viele Bereiche gibt es andere Heilpflanzen, deren Wirksamkeit besser dokumentiert ist. Daher wird die Gundelrebe heute seltener verwendet.
Gundelrebe als Gewürz
Vor allem die jungen Blätter der Gundelrebe sind aromatisch-würzig und können als Gemüse gekocht werden. Sie sind auch Bestandteil der traditionellen Gründonnerstagsuppe zusammen mit beispielsweise: Guter Heinrich, Sauerampfer, Gänseblümchen, Brennnessel, Spitzwegerich, Vogel-Sternmiere (die Rezepte varieren).
Auf die Verwendung als Gewürzpflanze weißt auch der Volksname „Soldatenpetersilie“ hin. Gundelrebenblätter werden auch Salaten, Kräutersaucen und Kräuterbutter zugesetzt.
Bevor zu diesem Zweck der Gebrauch des Hopfens aufkam, wurde Gundelrebe in England zum Aromatisieren des Biers verwendet.
Und zu guter letzt: Schauen Sie sich die Gundelrebenblüte mal von der Nähe an. Die ist nämlich wirklich ein Bijou.
Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Samstag, April 7th, 2012
Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), auch Knoblauchskraut, Lauchkraut, Knoblauchhederich genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Sie ist in Europa weit verbreitet. Die deutschen Namen beziehen sich auf den Knoblauchduft, der beim Zerreiben der Blätter entsteht.
Knoblauchrauke ist eigentlich eine Pflanzenart der Laubwälder, gedeiht jedoch besonders gut in Gebüschen und Hecken sowie an Mauern und Wegrainen, in Gärten und auf Schuttplätzen (Ruderalstellen). Sie befindet sich dort oft in der Gesellschaft von Brennnesseln. Wie die Brennnessel schätzt der Knoblauchhederich frische, stickstoffreiche Lehmböden. Heute ist die Pflanze häufig auch in schattigen Parkanlagen und in Gehölzen im städtischen Raum zu finden.
Foto bei Wikipedia
Knoblauchhederich ist ein Frühblüher (April), doch dauert die Blühzeit bis in den Juli.
Der Knoblauchhederich bietet den Nektar, der sich an der Basis der Blüte sammelt, frei zugänglich an. Dadurch kommen neben Bienen auch die kurzrüssligen Fliegen und Schwebfliegen zum Nektar. Als Bestäuber wirken unter anderem Frühjahrsmücken (Bibio).
Knoblauchhederich als Nahrungsquelle für Schmetterlinge
Der Tagfalter Waldbrettspiel (Pararge aegeria) saugt gern am Nektar des Knoblauchhederichs. Er dient auch dem Aurorafalter (Anthocharis cardamines) als Nektarpflanze und zugleich neben dem Wiesenschaumkraut dessen Raupen als Futterpflanze. Als Futterpflanze nutzt außerdem der stark gefährdete Mehlfarbene Raukenspanner (Lithostege farinata) den Knoblauchhederich. Die Raupen der Achateule (Phlogophora meticulosa) und des Grünader-Weißlings (Pieris napi)ernährend sich polyphag von der Knoblauchsrauke, das heisst, sie fressen noch viele andere Pflanzen. Oligophag sind die Raupen des Kreuzblütler-Blattspanners (Xanthorhoe designata) und Gemeinen Blattspanners(Xanthorhoe fluctuata) auf Knoblauchhederich angewiesen.
Knoblauchrauke – eine alte Heilpflanze
Die Knoblauchrauke enthält Glukosinolate (Senfölglykoside), wie andere Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae), insbesondere Sinigrin und geringe Mengen Glucotropaeolin. Die Wirkung der Pflanze ist bisher nicht gründlich geklärt worden. In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde sie bei Erkältungskrankheiten sowei bei Rheuma und Gicht angewendet, sowie äusserlich als frisch zerquetschtes Kraut bei schlecht heilenden Wunden und Geschwüren. Senfölglykoside haben breite antimikrobielle Wirkungen.
Knoblauchrauke als Gewürz
Im Mittelalter wurde die Knoblauchsrauke mit ihrem pfeffrig-knoblauchartigen Geschmack hauptsächlich von der ärmeren Bevölkerung genutzt, die sich die teuren Gewürze nicht leisten konnte. Knoblauchrauke wurde im Mittelalter aus diesem Grund sogar in Gärten angebaut. Zum Essen werden die Blätter zwischen April und Juni gesammelt. Beim Kochen verflüchtigt sich jedoch der pfeffrig-knoblauchartige Geschmack. Knoblauchsrauke muss deshalb Speisen in rohem Zustand beigegeben werden. Die Wildkräuterküche hat die Knoblauchsrauke wiederentdeckt und mischt die feingehackten Blätter in Salatsoßen und Quark- oder Frischkäsemischungen. Die geschmacksintensiven Blüten werden verwendet, um salzige Sorbets und Salate zu dekorieren. Auch die Samen können zum Würzen verwendet werden.
In Frankreich wird Knoblauchhederich als Salatpflanze genutzt.
Sie eignet sich für Wildpflanzengärten, breitet sich aber aggressiv aus.
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Samstag, April 7th, 2012
Im Flugzeug verbrauchen Übergewichtige mehr Platz und Treibstoff als dünne Reisende und es wäre daher nur fair, sie dafür zur Kasse zu bitten. Das schreibt der Bioethiker Peter Singer:
„Ist das Gewicht einer Person deren Privatangelegenheit? Sollten wir einfach toleranter sein in Bezug auf unterschiedliche Körperformen? Meiner Meinung nach nicht. Fettleibigkeit ist ein ethisches Thema, denn die Gewichtszunahme der einen bedeutet höhere Kosten für andere.“
Singer beschreibt dann verschiedene Varianten, wie man Übergewichtigen ihre zusätzlichen Kilos auf Flugreisen verrechnen könnte.
Freunde, mit denen er diesen Vorschlag diskutiere, würden oft sagen, dass viele übergewichtige Menschen keinen Einfluss auf ihr Gewicht hätten – sie hätten einfach einen anderen Stoffwechsel als die anderen, schreibt Singer Aber der Zweck einer Gebühr für Übergewicht sei ja nicht, eine Sünde zu bestrafen, sei es wegen zu viel Gepäck oder zu viel Körpergewicht. Es gehe darum, dass jeder Einzelne das zahle, was es koste, ihn oder sie ans Ziel zu fliegen. Fliegen sei etwas anderes als zum Beispiel das Gesundheitswesen. Fliegen sei kein Menschenrecht.
Das tönt so, als wolle Singer diese „Übergewichts-Kompensationszahlungen“ auf die Flugpreise begrenzen und nicht auf alle Bereiche ausweiten. Doch dann erweitert er die Thematik genau auf heikle Gebiete wie das Gesundheitswesen:
„Wenn die Menschen größer und schwerer werden, passen weniger in einen Bus oder einen Zug, was die Kosten für den öffentlichen Transport in die Höhe treibt. Krankenhäuser müssen jetzt stärkere Betten und OP-Tische bestellen, extra große Toiletten bauen und sogar extra große Kühlfächer in ihren Leichenhallen installieren – all dies sind zusätzliche Kosten für sie. Das bedeutet für Steuerzahler und privat Versicherte zusätzliche Gesundheitsausgaben….“
Diese Tatsachen reichen nach Ansicht von Peter Singer, um eine Politik zu rechtfertigen, die einer Gewichtszunahme entgegenwirkt: „Helfen würde eine Besteuerung von Lebensmitteln, die disproportional für Fettleibigkeit indiziert sind – besonders Lebensmittel ohne Nährwert, wie süße Getränke.
Diese Mittel könnten dann dazu verwendet werden, die zusätzlichen Kosten auszugleichen, die fettleibige Menschen anderen verursachen. Die Verteuerung dieser Lebensmittel würde auch ihren Konsum durch Menschen, die das Risiko der Fettleibigkeit haben, verringern.“
Quelle:
http://www.welt.de/debatte/die-welt-in-worten/article13927646/Die-Dicken-sollten-fuer-ihre-Extrakilos-zahlen.html
Kommentar & Ergänzung:
Das Verursacherprinzip ist mir in manchen Bereichen durchaus sympathisch.
Die Forderungen Peter Singer’s werfen aber einige Fragen auf:
Adipositas ist nicht immer selbstverschuldet.
Es gibt zum Beispiel deutliche Hinweise dafür, dass Adipositas teilweise genetisch bedingt ist:
„ Zwillingsstudien deuten darauf hin, dass Übergewicht auch eine genetische Komponente hat. Sie wird in dieser Betrachtung mit 70 % angegeben. Außerdem fand man bei Adoptivkindern einen starken Zusammenhang zwischen ihrem BMI und dem ihrer leiblichen Eltern, aber keinen Zusammenhang zwischen ihrem Gewicht und dem ihrer Adoptiveltern.“
(Quelle: Wikipedia)
Nicht direkt mit Genetik erklären lässt sich allerdings die Zunahme der Adipositas in den letzen Jahrzehnten. Indirekt besteht möglicherweise aber ein Zusammenhang: Unsere genetische Ausstattung ist wohl nicht eingestellt auf einen solchen Überfluss an Nahrung kombiniert mit so wenig Bewegung. Das gab es im Verlaufe der menschlichen Evolution nur ausnahmsweise.
Es gibt auch Stoffwechselerkrankungen, die Adipositas verursachen können, beispielsweise Schilddrüsenunterfunktion (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis), Störungen des Kortisolhaushaltes (Cushing-Syndrom) oder Glucosestoffwechselstörungen mit Hyperinsulinismus.
Und es gibt sozio-kulturelle Einflüsse:
Je niedriger der soziale Status (bestimmt durch die drei Faktoren Höhe der Ausbildung, Haushaltseinkommen und berufliche Stellung), desto häufiger trifft man auf das Problem Übergewicht: Je höher der Schulabschluss, desto tiefer – und damit günstiger – liegt der Body-Mass-Index.
Ausgehend von diesen verschiedenen Einflüssen dürfte klar werden, dass das Mass an Eigenverantwortung für eine Adipositas von Mensch zu Mensch durchaus unterschiedlich ist. Peter Singer macht aber nicht den Eindruck, dass er bei seinen „Übergewichts-Kompensationszahlungen“ einen Unterschied macht zwischen selbstverschuldeter und unverschuldeter Adipositas (abgesehen davon, dass diese Differenzierung sehr schwierig sein dürfte).
Es würde also auch eine wesentlich genetisch oder durch eine Stoffwechselkrankheit bedingte Adipositas mit einer Strafzahlung belegt.
Dann fragt sich allerdings, weshalb ausgerechnet und nur die Übergewichtigen zur Kasse gebeten werden sollen. Wenn das Verursacherprinzip auf die Genetik ausgeweitet wird – wenn ich also für Kosten, die aus meiner Genetik entstehen, haftbar gemacht werde, dann stehen wir vor einer brisanten Entwicklung.
Wikipedia führt als Krankheiten mit genetisch bedingter Disposition auf:
Adipositas
Allergien, diverse
Alzheimer-Krankheit
Autoimmunerkrankungen
Bluthochdruck
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
Depression
Diabetes mellitus
Großzehenabweichung (Hallux valgus)
Haarausfall
Herzfehler
Herzinfarkt
Krebserkrankungen diverse
Laktoseintoleranz
maligne Hyperthermie
Migräne
Multiple Sklerose (MS)
Osteoporose
Parkinson-Krankheit
Psoriasis
Rheuma
Schizophrenie
Schlaganfall
Taubheit
Formen der Trisomie
Vitiligo
Machen wir diese Patienten auch verantwortlich für Kosten, die der Allgemeinheit aufgrund ihrer genetischen Disposition entstehen? So wie es Peter Singer für Übergewichtige (auch) mit genetischer Disposition fordert?
Wo hört das auf?
Und auch wenn man kontrafaktisch davon ausgeht, dass Übergewicht in jedem Fall zu 100% selbstverschuldet ist, stellen sich brisante Fragen:
Herz-Kreislauferkrankungen verursachen viele Gesundheitskosten. Wer sich wenig bewegt, leidet eher an Herz-Kreislauferkrankungen. Warum nicht ein Strafzuschlag für Leute, die sich zuwenig bewegen? Das wäre doch motivierend….
Zuviel oder falsche Bewegung ist aber auch nicht optimal. Sportunfälle sind schliesslich oft sehr kostspielig.
Wenn wir also das Verursacherprinzip generell anwenden, und nicht nur bei den Übergewichtigen, dann sehe ich nicht ein, weshalb ich für die tausenden von Beinbrüchen, die jeden Winter beim Skifahren passieren, mit bezahlen soll. Skifahren ist schliesslich genauso wie Fliegen kein Menschenrecht. Entsprechend dem Vorschlag von Peter Singer zur Besteuerung von Adipositas-fördernden Nahrungsmitteln könnte man ja die Kosten der Skiunfälle auf die Tickets der Bergbahnen und Skilifte draufschlagen. Allerdings bestraft man dann auch die sorgfältigen Skifahrer, die keine Unfälle bauen.
Genauso bestraft Peter Singer mit seinem Vorschlag, Adipositas-fördernde Nahrungmittel zu besteuern auch diejenigen, die solche Nahrungsmittel in vernünftigem Mass essen und damit nicht dick werden. Teurer wird dann auch mein Vermicelle (Foto auf Wikipedia), womit ich meines Erachtens unverdienterweise eine „Busse“ bezahlen muss.
Und wenn das Vermicelle einen Franken teurer wird, tut das der Verkäuferin aus dem Supermarkt mehr weh als dem Rechtsanwalt oder dem Banker. Ist das gerecht?
Nicht ganz einfach wäre wohl auch die Entscheidung, welche Nahrungsmittel nun konkret als Dickmacher besteuert werden sollen. Schliesslich kann ich von fast allem dick werden, wenn ich genug davon esse.
Und wenn wir schon vom Verursacherprinzip reden: Gemäss US-Studien verlieren adipöse Personen 6-7 Lebensjahre, extrem Fettleibige (BMI ab 40) sogar 5 bis 20 Jahre. Sollte man also bei adipösen Menschen nicht die Rente erhöhen? Sie beziehen ja weniger lange Geld.
Bei Herz-Kreislauferkrankungen spielt zudem nicht nur das Gewicht, sondern auch die Fettverteilung im Körper eine wichtige Rolle („inneres Bauchfett“). Sollte man – wenn man gen Ansatz von Peter Singer verfolgt, dieses unterschiedliche Risiko nicht berücksichtigen?
Ich halte den Vorschlag von Peter Singer für populistisch. Er nutzt Ressentiments gegen die „Dicken“ aus, bietet einfache Scheinlösungen und unterschlägt die komplexen Fragen, die mit dem Verursacherprinzip im Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheit verbunden sind.
Damit will ich keineswegs negieren, dass die Zunahme der Adipositas in unserer Gesellschaft ein Problem darstellt.
Und die Gesundheitsbehörden sollen sich durchaus Gedanken machen, wie man dieser Entwicklung entgegen steuern kann.
Einfache Lösungen wird es für dieses Problem aber nicht geben.
Genauso wenig wie für die Zunahme der Kosten im Gesundheitswesen. Nur gerade auf die „Dicken“ einzuhacken, ist mir etwas zu billig.
Bezüglich Adipositas halte ich nichtdiskriminierendes Vorgehen für adäquater. Ein guter Beitrag zu einer sinnvollen Prävention wäre zum Beispiel fundierte Bildung im Bereich Ernährungslehre / Kochen. Damit läst sich eine allfällige genetische Disposition nicht wegzaubern, aber der Umgang mit ihr kann möglicherweise optimiert werden.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
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Dienstag, April 3rd, 2012
Das Wiesen-Schaumkraut (Cardamine pratensis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Schaumkräuter (Cardamine) und zählt zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae). Foto bei Wikipedia.
Wiesen-Schaumkraut dominiert mit seinen weiß bis zart violetten Blüten ab Ende April bis Mitte Mai häufig das Erscheinungsbild nährstoffreicher Feuchtwiesen.
Die Blüten des Wiesen-Schaumkrautes sind sehr nektarreich und werden von zahlreichen Insekten besucht. Der Nektar ist allerdings nur Bienen und Schmetterlingen zugänglich. Schwebefliegen nutzen den Pollen als Eiweissnahrung.
Aurorafalter
Gemeinsam mit der Knoblauchsrauke (Knoblauchhederich, Alliaria petiolata) ist das Wiesen-Schaumkraut die bevorzugte Nahrungspflanze der Raupe des Aurorafalters (Anthocaris cardamines). Der Aurorafalter, der das Wiesen-Schaumkraut auch als Nektarpflanze nutzt, legt seine Eier meist an der Blattunterseite ab. Die Raupen fressen an diesen Pflanzen bis Juli oder August, verpuppen sich zu einer sogenannten Gürtelpuppe und überwintern dann.
Auffällig und unverwechselbar sind im Frühling die Männchen des Aurorafalters mit ihrer orange-weissen Färbung (Foto bei Wikipedia).
Auf dem Wiesen-Schaumkraut lebt auch die etwa 5 bis 6 Millimeter lange und variabel gefärbte Wiesenschaumzikade.
Sie legt an ihrer Wirtspflanze ihre Eier ab, aus denen im April und Mai Larven schlüpfen, die den Pflanzensaft saugen. Durch Einpumpen von Luftbläschen aus der Atemhöhle in eine eiweißhaltige Flüssigkeit, welche die Larven aus dem After abscheiden, wird ein Schaum produziert.
Foto bei Wikipedia.
Der Schaum schützt die darin sitzende Larve vor Feinden, erhält jedoch in erster Linie die für die Weiterentwicklung nötige Feuchtigkeit und Temperatur. Diese auffälligen Schaumnester sind auch an der Kuckuckslichtnelke an Gräsern und anderen Pflanzen zu finden.
Der Name Wiesen-Schaumkraut oder einfach Schaumkraut bezieht sich möglicherweise auf das Vorkommen solcher Schaumnester der Schaumzikaden (Aphrophoridae) an dieser Pflanze. Diese im Frühjahr häufigen Schaumnester werden im Volksmund auch als „Kuckucksspeichel“ oder „Hexenspucke“ bezeichnet.
Das Wiesen-Schaumkraut hat aber auch eine ganze Reihe von Volksnamen, die nicht gerade schmeichelhaft sind, zum Beispiel „Bettseicher“ oder „Schisgelte“.
Das Wiesen-Schaumkraut enthält als Inhaltsstoffe Senfölglykoside, Bitterstoffe und Vitamin C.
Zur Wirkung der Senföglykoside siehe auch:
Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?
In der Volksmedizin wird Wiesen-Schaumkraut gegen Rheuma und andere Schmerzzustände verwendet. Heilwirkungen sollen vor allem auf dem enthaltenen Vitamin C sowie den Senfölglykosiden beruhen, die insbesondere auf Niere und Leber anregend wirken. Es fehlen aber konkrete Belege für diese Wirkungen.
Die im Wiesen-Schaumkraut enthaltenen Wirkstoffe können in grösseren Mengen den Magen und die Nieren reizen, so dass man es mit der Einnahme nicht übertreiben sollte.
Die jungen Blätter, die vor der Blüte gesammelt werden, sowie die jungen Pflanzen sind essbar und schmecken wegen des enthaltenen Senfölglykosids ähnlich wie Kresse und leicht scharf. Sie werden daher auch ähnlich wie die Brunnenkresse (Nasturtium officinale) genutzt und gerne in Salaten, in Kräutersuppen, als Gewürz für Quark und Frischkäse sowie in Saucen verwendet.
Wenn Sie Pflanzen und Tiere in der Natur kennen lernen möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Donnerstag, März 15th, 2012
Heublumenwickel und Heublumenbäder sind beliebte Anwendungen in der Naturheilkunde. Fragt man genauer nach, was Heublumen sind, bekommt man aber oft nur sehr nebulöse Antworten. Mit bunten Wiesenblumen haben Heublumen jedenfall wenig bis gar nichts zu tun.
Hier eine Definition aus Wikipedia:
„ Heublumen (Flores graminis), auch Grasblüten genannt, sind ein Gemisch von Blütenteilen, Samen, kleineren Blatt- und Stängelstücken verschiedener Wiesenpflanzen. Sie bestehen vornehmlich aus den Gräsern Quecke, Trespe, Wiesen-Lolch, Wiesen-Schwingel, Wiesen-Lieschgras, Wiesen-Fuchsschwanz, Ruchgras und Knäuelgras. Das geerntete Heu wird lediglich durch mehrfaches Sieben von groben Stängelteilen, Sand, Staub und Erde befreit. Auf dem Land gelten als Heublumen alle Pflanzenteile, die auf der Tenne von der Heugabel nicht erfasst werden. Nicht selten liegt eine dicke Heublumenschicht auf dem Tennenboden.
Neben den im Pflanzenreich überall vorkommenden Stoffen können in unterschiedlichen Mengen Flavonoide, Gerbstoffe, ätherisches Öl, Cumarine und Furanocumarine nachgewiesen werden.“
(Quelle: Wikipedia)
Und wozu werden Heublumen eingesetzt?
„ Die evidenzbasierte Medizin befasst sich aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung nicht oder kaum mit Heublumen. Lediglich die Volksmedizin gebraucht Heublumen für Umschläge, Auflagen und Bäder zur Schmerzlinderung, Beruhigung und Entspannung bei verkrampfter Muskulatur und zur Durchblutungssteigerung. Heublumenbäder, -wickel und -umschläge gelten in der Volksmedizin als abwehrkräftestärkend und werden bei Erkältungskrankheiten und Fieber sowie bei Rheuma mit Erfolg gebraucht. Auch bei Wechseljahresbeschwerden, vegetativer Dystonie, Hautleiden, Nieren- und Blasenleiden finden Heublumen äußerlich Anwendung. Schon Sebastian Kneipp war von der positiven Wirkung der Heublumen überzeugt – die evidenzbasierte Medizin hingegen spricht den Heublumen lediglich Wirksamkeit als lokales Wärmetherapeutikum bei rheumatischen Erkrankungen zu. Heublumen sollen nicht bei offenen Verletzungen, akuten Entzündungen und akuten rheumatischen Schüben eingesetzt werden. Nebenwirkungen oder allergische Reaktionen sind nur in sehr seltenen Fällen zu befürchten. Bei der Anwendung von Heublumen als Bad oder Auflage ist detailliertes Wissen über die genaue Zubereitung erforderlich, ansonsten sind Misserfolge nicht auszuschließen. Heublumen findet man häufig auch in Heilkräutermischungen und -säckchen. Hier dienen sie vornehmlich als Träger für das in der Mischung enthaltene ätherische Öl.“
(Quelle: Wikipedia)
Kommentar & Ergänzung:
Je nach der Wiese, von der sie stammen, sind Heublumen also unterschiedlich zusammengesetzt. Immer aber handelt es sich um kleine Grasbestandteile. Es ist wohl tatsächlich so, dass Heublumenwickel vor allem eine intensive Form der Wärmetherapie sind. Feuchte Wärme wirkt jedenfalls viel intensiver als trockene Wärme. Der typische Heuduft, für den das Cumarin verantwortlich ist, dürfte zudem eine leicht beruhigende und entspannende Wirkung haben.
Muskelverspannungen und Menstruationskrämpfe sind beispielsweise bewährte Anwendungen der Heublumenwickel.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Dienstag, März 6th, 2012
Wissenschaftler aus Taiwan untersuchten mit Hilfe von 65 Frauen, die nach einer Geburt unter Schlafstörungen litten, ob eine tägliche Fußreflexzonenmassage den Schlaf verbessern kann.
Die Forscher aus Taiwan teilten 65 Frauen, die nach einer Geburt über Schlafstörungen litten, nach dem Zufallsprinzip ( = Randomisierung) in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe erhielt fünf Tage lang täglich eine 30-minütige Fußreflexzonenmassage (FRZM), die andere erhielt keine derartige Behandlung.
Am Ende der Therapie gaben die mit Fussreflexzonen-Behandelten an, besser zu schlafen als die Patientinnen der unbehandelten Kontrollgruppe. Der Unterschied war statistisch signifikant. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Fussreflexzonenmassage eine bei dieser Indikation effektive Behandlung sei.
Dass eine sanfte Fußmassage angenehm sei, entspanne und so den Schlaf in stressvollen Lebenssituationen fördere, werde wohl kaum jemand bezweifeln, schreibt Prof. Edzard Ernst (Lehrstuhl für Alternativmedizin, Universität Exter) in einem Kommentar zu der Studie: „Anhänger der FRZM gehen jedoch sehr viel weiter. Sie glauben, dass sich auf der Fußsohle Reflexzonen befinden, die direkt mit Organsystemen in Verbindung stehen. So wurde dann auch von den Therapeuten in dieser Studie versucht, durch Druck auf „spezifische“ Punkte, das Schlafzentrum zu beeinflussen.“
Da es keine anatomischen Bahnen gebe, die solche Verbindungen herstellen, zähle die Fussreflexzonenmassage zu den wenig plausiblen Methoden der Alternativmedizin, schreibt Ernst weiter.
Studien hierzu seien Mangelware:
„Daher ist die vorliegende Arbeit es Wert, beachtet zu werden. Leider erlaubt das Studiendesign jedoch keine Aussage über eine spezifische Wirksamkeit der FRZM. Es fehlt jeglicher Versuch, auf unspezifische Therapieeffekte zu kontrollieren. Somit sind die beobachteten Effekte wohl eher durch die wohltuende Entspannung einer Fußmassage zu erklären. Manche werden meinen, das sei letztlich egal, Hauptsache es hilft. Diesem Argument mag ich mich nur teilweise anschließen – denn wenn dem so ist, dann brauchen wir weder den Hokuspokus der Reflexzonen noch speziell ausgebildete FRZM-Therapeuten.“
Quelle:
http://www.springermedizin.de/fussreflexzonenmassage-mehr-als-ein-placebo/882994.html
MMW – Fortschritte der Medizin 2011/41
Kommentar & Ergänzung:
Dass Fussreflexzonenmassage wirksam sein kann, zeigt diese Studie gut. Fraglich ist nur, ob es für dieses Resultat die Behandlung ganz spezifischer Punkte braucht, welche die Fussreflexzonen-Theorie vorsieht.
Ähnliche Phänomene sind bekannt aus Akupunktur-Studien, die zeigten: Akupunktur ist in manchen Fällen eine wirksame Methode, doch ebenso wirksam ist Scheinakupunktur, bei der an falschen Stellen gestochen wird:
Kopfschmerzen & Migräne: Akupunktur und Scheinakupunktur wirksamer als Medikamente
Akupunktur wirkt gegen Übelkeit nach Bestrahlung – Scheinakupunktur aber auch
In-vitro-Fertilisation: Scheinakupunktur besser als echte Akupunktur
Ähnlich auch eine Studie zur Homöopathie bei Rheuma, die zum Schluss kommt, dass Rheumapatienten von einer homöopathischen Behandlung (zusätzlich zur medizinischen Therapie) profitieren, dass es aber nicht die Globuli sind, die wirken:
Wirkt Homöopathie, und wenn ja, wie?
Offenbar ist es nicht selten, dass eine Therapie zwar wirkt, aber nicht aufgrund derjenigen Faktoren, von deren Wirksamkeit ihre VertreterInnen überzeugt sind.
Siehe dazu auch:
Warum wir gesund werden?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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