Artikel mit Schlagwort ‘Rheuma’

Maisgriffel (Maisbarthaare, Maisgrannen) – ein Schlankheitsmittel?

Mittwoch, Februar 1st, 2012

Maisgriffel werden im Internet für die verschiedensten Anwendungsbereiche propagiert: Nierenbeschwerden, Blasenbeschwerden, Cellulite, Fettleibigkeit, Nierensteine, Ödeme, Bluthochdruck, Rheuma, Gicht, Arthritis, Schmerzen……

Immer wieder taucht auch die Empfehlung von Maisgriffel als Schlankheitsmittel auf.

Die Empfehlungen im Internet überborden und sind zum Teil ziemlich abenteuerlich. Dem entgegen steht eine ausgesprochen magere Datenlage. Als glaubwürdig dokumentiert gilt in der Phytotherapie-Fachliteratur nur gerade eine leichte harntreibende Wirkung, wahrscheinlich aufgrund des hohen Kaliumgehalts. That’s it. Davon wird jedenfalls niemand schlank.

Aber mit grossartigen Versprechungen lassen sich gute Geschäfte machen.

Immer wenn es um Heilungsanpreisungen geht, scheint mir ein Rat von Erich Fromm bedenkenswert:

„Da das meiste, was wir hören oder in den Zeitungen lesen, zu Tatsachen verdrehte Interpretationen sind, ist es weitaus am besten, äusserst skeptisch zu sein und von der Annahme auszugehen, dass der grösste Teil von dem, was wir hören, wahrscheinlich eine Lüge oder Verzerrung ist. Wenn dies zu hart und zynisch klingt, so möchte ich beifügen, dass ich dies nicht ganz wörtlich meine. Dennoch möchte ich betonen, dass diese Einstellung viel gesünder ist, als vom Gegenteil auszugehen, nämlich zu meinen, die Leute sagen die Wahrheit, ausser man kann das Gegenteil beweisen. Vielleicht klingt meine Empfehlung weniger menschenfeindlich, wenn ich betone, dass es um den Wahrheitsgehalt von Aussagen geht und nicht um die Frage, ob jemand lügt oder nicht. Aber erwiesenermassen glauben die meisten Menschen, deren Aussagen unwahr oder halbwahr sind, dass sie wirklich die Wahrheit sagen – oder zumindest überreden sie sich selbst dazu.“

Zitat aus: Erich Fromm, Vom Haben zum Sein, Beltz 1989

Hinweise darauf, dass Maisgriffel schädlich wäre, gibt es allerdings keine.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Arnika – welche Anwendungen sind medizinisch anerkannt?

Freitag, Januar 27th, 2012

Arnika (Arnica montana) ist eine der bekanntesten Heilpflanzen. Sie wird vor allem eingesetzt als Arnikagel / Arnikasalbe oder als (verdünnte) Arnikatinktur.

Folgende Anwendungsbereiche gelten in der Phytotherapie als anerkannt:

„Zur äußerlichen Anwendung bei Verletzungs- und Unfallfolgen, z.B. bei Hämatomen, Distorsionen, Prellungen, Quetschungen, Frakturödemen; außerdem bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden. Entzündungen der Schleimhäute von Mund- und Rachenraum; Furunkulose und Entzündungen als Folge von Insektenstichen; oberflächliche Venenentzündung (Kommission E); äußerlich bei Blutergüssen Verstauchungen und Entzündungen infolge von Insektenstichen; bei Mundschleimhautentzündungen, aphthenartigen Geschwüren; zur symptomatischen Behandlung von rheumatischen Beschwerden (ESCOP).“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/arnika.php

Kommentar & Ergänzung:

Arnika gehört zu den bekanntesten Alpenpflanzen und wächst auf sauren Böden.

Eine gute Übersicht zu den Wirkungen von Arnika gibt Wikipedia:

„Den antiken Schriftstellern war Arnika als Heilpflanze nicht bekannt. Die wohl früheste Erwähnung findet sich bei Hildegard von Bingen. Bei der von ihr als „Wolfsgelegena“ bezeichneten Pflanze könnte es sich um die Arnika handeln. Ab dem 18. Jahrhundert wurde Arnika tatsächlich bei Beschwerden und Krankheiten eingesetzt. Das Anwendungsspektrum war weit gefächert, neben Blutergüssen und allgemeinen Verletzungen wurden auch Krampfadern, Venenentzündungen, Gicht und Rheuma behandelt. Außerdem fand eine Verwendung als Analeptikum und Stimulans statt. Häufig wurde es auch missbräuchlich als Abortivum benutzt.

Heutzutage wird Arnika zur äußeren Anwendung bei Verletzungen und bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden verwendet. Die Anwendung ist dabei zugelassen und klinisch belegt.

Bei der äußeren Anwendung wird am häufigsten eine (alkoholische) Tinktur hergestellt. Hierbei gehen die meisten Sesquiterpenlactone in Lösung. Auf Wasserbasis kann man auch einen wässrigen Auszug verwenden, bei dem 75 % der Sesquiterpenlactone in Lösung gelangen. Tinkturen bzw. Auszüge zur äußeren Anwendung wirken antimikrobiell und antiphlogistisch. Arnika-Salben bzw. Arnika-Gele können auch bei Veneninsuffizienz einen therapeutischen Effekt erzielen.

Da die innere Anwendung nicht zugelassen ist, wurden sehr viele Teepräparate vom Markt genommen. Nur zur äußeren Anwendung sind diese erlaubt, wenngleich nicht zum Dauergebrauch. Hierbei wurden Arnikablüten mit kochendem Wasser überbrüht und ausgesiebt. Heutzutage ist die Teebereitung indes nicht mehr so gebräuchlich.

Besonders in der Homöopathie werden Arnika-Potenzen häufig bei Blessuren eingesetzt. Zahlreiche wissenschaftliche Studien konnten keinen Nutzeffekt dieser Präparate feststellen.“

(Quelle: Wikipedia)

Mit „Arnika-Potenzen“ sind homöopathische Globuli gemeint. Erkennbar sind diese Produkte an den Verdünnungsstufen, die dem Namen “Arnica” folgen. Also zum Beispiel Arnica D6, Arnica C30, Arnica C200.

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“Brennnesseltee entschlackt” und lässt “die Kilos purzeln”

Montag, Januar 16th, 2012

Das schreibt die Boulevardzeitung „Krone“ und rät ihren Leserinnen und Lesern:

„Von wegen Unkraut! Um überschüssigen Kilos den Kampf anzusagen, empfiehlt sich nämlich Brennnessel-Tee. Er enthält Mineralsalze, Kiesel- und Essigsäure sowie Vitamin E und treibt Giftstoffe aus dem Körper. Einen gehäuften Teelöffel Brennnesselblätter (gibt’s in der Apotheke) mit kochendem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen lassen. Drei Mal täglich eine Tasse trinken und schon werden die Kilos purzeln.“

Quelle:

http://www.krone.at/Gesund-Fit/Beauty-Elixier_Tee_So_schoen_machen_Rooibos_und_Co.-Rundum_gepflegt-Story-308056

Kommentar & Ergänzung:

Eine glatte Lüge, dieser Ratschlag mit den purzelnden Kilos. Und Brennnesseltee enthält tatsächlich Essigsäure?

Beeindruckend. Kann ich damit vielleicht auch gleich die Blutgefässe entkalken? 100%ig korrekt ist hingegen, dass Brennnessel Vitamin E enthält – in den Brennnesselsamen. Aber wo kommen wir denn hin, wenn wir solche Unterscheidungen machen. Die Welt ist ja sonst schon komplex genug. Und welche Giftstoffe soll die Brennnessel denn genau aus dem Körper treiben? Und was mach ich dann mit den ausgeschiedenen Giftstoffen? Doch nicht etwa ins Klo?

Gar auf die Sondermülldeponie? – Schliesslich kommen da ja mehrere Kilos Giftstoffe zusammen, wenn die Kilos wirklich purzeln sollen.

Im Ernst: Brennnesseltee hat eine leicht harntreibende Wirkung. Genauer gesagt, wird dank Brennnesseltee mehr Wasser ausgeschieden. Und daraus folgt: Je mehr Brennnnesseltee man trinkt, desto mehr Wasser geht weg.

Erleichtert wird man dadurch kein Gramm.

Der Ratschlag der Kronenzeitung ist eine einzige Verarschung.

Um Missverständnissen vorzubeugen, sei aber noch erwähnt, dass ich gar nichts gegen Brennnesseltee habe und auch keinesfalls ein Brennnessel-Feind bin. Bewahre!

Nur solche völlig hohlen Versprechungen, die finde ich gar nicht nett.

Vertiefende Informationen zur Entschlackologie:

Mit Heilfasten und Entschlackungskuren ins Neue Jahr 2012

Darmreinigung: Mehr Schaden als Nutzen durch Entgiftungskur

Unsinnig und Irreführend: Sidroga® Wellness Entschlackungstee

Fasten und Entschlacken

Entschlackung – unnötig und ungesund

Entgiften und Entschlacken – Höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Die Kronen-Zeitung hat übrigens ihren Leserinnen und Lesern schon einmal wirre Brennnessel-Entschlackungsfantasien vorgesetzt:

Frühjahrskur mit Brennnessel – Fragwürdige Tipps der Kronen-Zeitung

Der „Kurier“ ist aber auch nicht besser:

Begriffssalat um Schulmedizin  Komplementärmedizin – Alternativmedizin

Reiner Zufall, dass es sich da um zwei Zeitungen aus unserem östlichen Nachbarland Österreich handelt. Ich schwörs! Ich habe auch gar nichts gegen Österreich…..

Und nun zur „Ehrenrettung“ der Brennnessel:

1.) Hinweise aus der Phytotherapie-Forschung deuten auf günstige Effekte von Brennnesselmus bei Rheuma hin aufgrund einer entzündungshemmenden Wirkung:

Brennnesselkur gegen Rheuma

2.) Die von der Kronen–Zeitung empfohlene Brennnessel-Anwendung ist nach gegenwärtigem Wissensstand harmlos und ohne Nebenwirkungen.

3.) Ich finde, wir sollten im Umgang mit der Natur und den Pflanzen nicht immer nur unseren eigenen Nutzen im Kopf haben.

Am wichtigsten sind Brennnesseln nämlich für Schmetterlinge:

„Für die Raupen von rund 50 Schmetterlingsarten sind bestimmte Brennnessel-Arten eine Futterpflanze.

Die Schmetterlingsarten Admiral, Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs (auch als Nesselfalter bekannt), Silbergraue Nessel-Höckereule, Dunkelgraue Nessel-Höckereule, Brennnessel-Zünslereule (Hypena obesalis) und das Landkärtchen sind dafür sogar auf die Brennnessel angewiesen, andere Pflanzen kommen für diese Arten nicht in Betracht (Monophagie). Trotzdem scheinen sich diese Schmetterlingsarten kaum gegenseitig Konkurrenz zu machen, denn sie bevorzugen jeweils andere Wuchssorten der Brennnessel oder sind relativ selten.“

Quelle: Wikipedia

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Schmerzmittel steigern Risiko für Herz-Rhythmus-Störung

Montag, Januar 9th, 2012

Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) steigern das Risiko für bestimmte Herz-Rhythmus-Störungen – hauptsächlich zu Behandlungsbeginn. Zu diesem Resultat kommen dänische Wissenschaftler in einer aktuell im «British Medical Journal» veröffentlichten Studie. Die Forscher der Universität Aarhus werteten die Daten von mehr als 32000 Patienten aus, die zwischen 1999 und 2008 zum ersten Mal die Diagnose «Vorhofflimmern» oder «Vorhofflattern» bekommen hatten. Als Vergleichsgruppe dienten rund zehnmal so viele Personen ohne Herz-Rhythmus-Störungen.

Speziell die erstmalige Einnahme von nicht selektiven NSAR oder selektiven Hemmstoffen der Cyclooxygenase 2 (COX-2-Hemmer, Coxibe) steigerte das Risiko für Vorhofflimmern oder Vorhofflattern. Patienten, welche erstmalig ein Rezept über ein anderes NSAR als Acetylsalicylsäure eingelöst hatten, erkrankten um mehr als 40 Prozent häufiger an einer dieser Herz-Rhythmus-Störungen als die Vergleichspersonen. Der Start einer Behandlung mit Coxiben steigerte die Anzahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) sogar um etwa 70 Prozent. Das höchste Erkrankungsrisiko zeigten ältere Personen sowie Patienten mit chronischen Nierenleiden oder rheumatoider Arthritis. Patienten mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern sollten Ärzte NSAR oder COX-2-Hemmer deshalb nicht leichtfertig verordnen, folgern die Autoren der Studie.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=38527&Nachricht_Title=Nachrichten_Schmerzmittel+erh%F6hen+Risiko+f%FCr+Herz-Rhythmus-St%F6rung&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Was genau sind Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)?

Im Pharmawiki wird diese Arzneimittelgruppe so beschrieben:

„Nicht-steroidale Entzündungshemmer sind Schmerzmittel mit vielfältigen Wirkungen. Sie wirken schmerzstillend, fiebersenkend, entzündungshemmend und können die Blutgerinnung hemmen. Dementsprechend werden sie bei Schmerzen verschiedener Ursache, bei Fieber, entzündlichen Erkrankungen und zur Blutverdünnung verwendet. Eine längerfristige Einnahme der Medikamente ist problematisch und kann unter anderem zu Kopfschmerzen, Geschwüren im Magen und im Darm und zu Nierenerkrankungen führen. Deshalb sollen sie kurzfristig und wenn möglich in tiefer Dosis angewandt werden.“

Beispiele für NSAR (auch NSAID genannt) in der Schweiz:

Mefenaminsäure (Ponstan®, Mefenacid)

Flufenaminsäure (Assan®)

Etofenamat (Rheumon®, Traumalix®)

Acemetacin (Tilur®)

Bufexamac (Parfenac®)

Diclofenac, Diclofenac-Gel (Voltaren®)

Indometacin (Indocid®)

Nepafenac (Nevanac®)

Phenazon

Aminophenazon

Propyphenazon

Metamizol (Novalgin®)

Phenylbutazon

Ich bin kein fundamentalistischer Gegner „chemischer“ Medikamente. Dieses einseitige Schwarz-Weiss-Denken – hier die böse „Chemie“, dort die sanfte „Naturmedizin“  – in Komplementärmedizin und Alternativmedizin leider verbreitet – halte ich für bescheuert. Es braucht anstelle dieses unseligen „Lagerdenkens“ eine optionale Grundhaltung. Das heisst: Alle Wahlmöglichkeiten (Optionen) sollen dargelegt und geprüft werden, um die jeweils beste zu wählen. So können auch NSAR in manchen Situationen wichtig und richtig sein, beispielsweise im hoch entzündlichen Polyarthritisschub, bei Hexenschuss (Lumbago, Ischias-Syndrom) oder starken Zahnschmerzen.

Aber es braucht auch mildere Mittel für leichtere Entzündungen und leichtere Schmerzen, bei denen der Einsatz von NSAR nicht notwendig ist. Vor allem der langfristige Einsatz von NSAR ist nicht risikolos, wie unter anderem die oben beschriebene Studie gezeigt hat.

In diesem milderen Segment können Naturheilmittel (Wickel, Heilpflanzen-Anwendungen) eine wichtige Rolle spielen.

„Pharmawiki“ erwähnt übrigens unter der Rubrik „Pflanzliche NSAID“ die Weidenrinde (Salix spec.)  und die Spierblume (Spierstaude, Mädesüss, Wiesen-Geissbart, Filipendula ulmaria).

Vor allen Weidenrinden-Extrakt ist als leichtes Schmerzmittel gut dokumentiert und wird zum Beispiel bei Arthrose eingesetzt.

Siehe auch:

Heilpflanzen-Präparate bei Rheuma

Heilpflanzen gegen Kopfschmerzen

Phytotherapie bei Arthrose: Weidenrinde, Teufelskralle

Phytotherapie bei Schmerzen

Phytotherapie: Heilpflanzen zur Schmerzbehandlung

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheumabeschwerden

Weidenrinden-Extrakte lindern Arthritis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bockshornklee – interessant als Heilpflanze und Gewürz

Sonntag, Dezember 11th, 2011

Bockshornklee ist eine spannende Pflanze mit einer interessanten Geschichte. Verwendung findet der Bockshornklee als Gewürz in der indischen Küche (z. B. in Curry-Mischungen) und als Heilpflanze.

Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) zählt zur Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Der Bockshornklee ist ein naher Verwandter des Schabzigerklees (Trigonella caerulea).

Bockshornklee bevorzugt Standorte mit viel Sonnenlicht und eher lehmigem Boden.

Woher kommt der Name Bockshornklee?

Die Übersetzung von „foenum-graecum“ lautet  „griechisches Heu“. Als weitere deutsche Trivialnamen sind bekannt: Kuhhornklee, Ziegenhorn, Hirschwundkraut, Rehkörner, feine Grete, Filigrazie, Schöne Margreth, Siebenzeiten, Stundenkraut, Methika und Philosophenklee. In der Bodybuilding-Szene ist Bockshornklee unter seinem englischen Trivialnamen Fenugreek bekannt.

Der arabische Name hulbah / ‏حلبه‎ und sein hebräisches Pendent hilbeh [חילבה] sind vermutlich nativ semitisch und leiten sich wohl von der Wurzel ḤLB „Milch“ ab, die auch dem Namen der Mahaleb-Kirsche zu Grunde liegt. Das Benennungsmotiv wäre dann die in der Volksmedizin vielfach genutzte Milch treibende (galaktogoge) Wirkung. Spanisch alholva ist, wie zahlreiche Pflanzennamen der iberischen Halbinsel (siehe auch Kaper), eine Entlehnung aus dem Arabischen: al-hulbah / ‏الحلبه‎ /‚der Bockshornklee‘. Sein Name auf Persisch ist Shanbalile ‏ شَنبَلیله ‎, auf Hindi heißt er Methi und auf Amharisch (Äthiopien) heißt er Abisch.

Geschichte des Bockshornklees

Der Bockshornklee wurde schon im Chalkolithikum domestiziert, verkohlte Samen stammen etwa aus Tell Halaf. Ein Nachweis aus der Eisenzeit gelang im Tell von Deir Alla im Jordantal. Bockshornklee wurde auch im alten Ägypten verwendet, wo er sowohl in Pflanzenheilkunde und Geburtshilfe als auch in religiösen Handlungen eine Rolle spielte. Arabische Ärzte lehrten, dass sich nach einer Anwendung von abgekochten Bockshornkleesamen Schuppen und Haarausfall vermindern und die Haare gelockter werden.

In Indien wird der Bockshornkleesamen als Aromatikum, Carminativum, Tonikum und Aphrodisiakum und ein Aufguss bei Pocken zur Kühlung angewendet. Der Bockshornklee fand jedoch auch frühzeitig in der Gartenkunst im Kaiserreich China Verwendung.

Nördlich der Alpen bemühten sich Benediktinermönche, Bockshornklee in den Klostergärten zu akklimatisieren und er wird im „Capitulare de villis“ (verfasst zirka 795) von Karl dem Großen zum Anbau angeordnet. Hildegard von Bingen nennt Bockshornklee als Heilmittel gegen Hautkrankheiten. Durch Pfarrer Sebastian Kneipp wurde die Verwendung des Bockshornklees in der Volksheilkunde wieder neu belebt. Die grosse Nachfrage führte dazu, dass der Bockshornklee wieder angebaut wurde. Sebastian Kneipp lobte diese Heilpflanze bei jeder Gelegenheit und setzte sich für ihren Anbau ein. Foenum graecum sei das beste von allen ihm bekannten Heilmitteln zum Auflösen von Geschwülsten und Geschwüren, schrieb Kneipp.

Vom Propheten Mohammad soll die Aussage stammen: „Wenn meine Leute wüssten, wieviel Heilkraft im Bockshornklee enthalten ist, dann würden sie ihn kaufen und sein Gewicht in Gold aufwiegen“.  In einer anderen Überlieferung des Propheten erklärt er sinngemäß „mische Bockshornklee in deine Arzneien“. Im muslimischen Kulturkreis finden sich demnach außer den oben genannten medizinischen Anwendungen zahlreiche weitere, unter anderem als Bockshornkleesprossen gegen Haarausfall bei Männern, den Samen zur Behandlung von Diabetes mellitus oder bei Menstruationsbeschwerden.

Zum Vorkommen des Bockhornklees

Bockshornklee ist über das südliche Europa, Afrika, den Nahen Osten, Indien, China und Australien verbreitet. Hauptanbauländer sind Marokko und Indien. Kleinere Mengen werden auch für Stilltees und andere Zwecke noch in Deutschland (100ha) und Frankreich (500ha) kultiviert.

Verwendung des Bockshornklees

In trockenen Ländern im Nahen Osten, in Nordafrika und in Spanien wird Bockshornklee als Nahrungsmittel oder Futterpflanze kultiviert und geröstet, gekocht oder frisch verzehrt. Er verträgt auch einen hohen Bodenversalzungsgrad. Darüber hinaus wird Bockshornklee als Gewürz verwendet und ist zum Beispiel ein wesentlicher Bestandteil von Currypulver. Ebenso werden die Bockshornsamen – wie auch Schabzigerklee – beispielsweise in Südtirol als Brot- oder Käsegewürz verwendet. Bockshornklee ist Bestandteil einer Gewürzmischung zur Produktion der türkischen Trockenfleischspezialität Pastırma.

Bockshornkleesamen, der von Ägypten nach Europa importiert und dort zu Sprossengemüse verarbeitet wurde, hat mit grosser Wahrscheinlichkeit die HUS-Epidemie 2011 verursacht.

Aus den Samen des Bockshornklees lässt sich ein fettes Öl mit Triglyceriden der Linolensäure, Palmitinsäure, Linolsäure und Ölsäure gewinnen. Sie enthalten Lecithin und Phytosterin, Schleimstoffe, Saponine und Sapogenine, die Vitamine A und D, Phosphor und Cholin, das angeblich einer Verfettung der Leber entgegenwirkt, den Stoffwechsel günstig beeinflussen und einer Arteriosklerose vorbeugen soll.

Darüber hinaus enthält Bockshornklee die Aminosäure Histidin, die angeblich Leberschädigungen entgegenwirken soll. Als Tee ist er hauptsächlich in China, Indien und Tibet bekannt. Er wird dort als Hustenmittel und zur Reinigung der Atemwege verwendet. Weiterhin enthält Bockshornklee Diosgenin (ein Wirkstoff der möglicherweise gegen Dickdarmkrebs eingesetzt werden kann und vor allem aus Dioscorea villosa  (Yams) bekannt ist.

Bockshornkleesamen werden in der Pflanzenheilkunde bei leichterem oder als Begleitmedikation auch bei schwererem Diabetes mellitus angewendet (ähnlich einem oralen Antidiabetikum). Sie führen nachweislich zur Senkung des Blutzuckers und des LDL-Cholesterins. Eine übliche Dosis sind etwa 25 Gramm Samenpulver pro Tag. Die äußerliche Anwendung als Auflage oder Wickel hemmt Entzündungen und lindert Nasennebenhöhlenentzündungen, Atemwegsbeschwerden oder Rheuma, ausserdem auch Hauteiterungen oder Ekzeme. Zu diesem Zweck werden 50 Gramm Samen gemahlen und mit 250 Milliliter Wasser zu einem Brei verkocht. Von stillenden Frauen wird Bockshornklee als milchbildendes Mittel (Galaktagogum) genutzt.

Bockshornkleesamen sind als Tee, als Pulver oder als fertige Auflagen im Handel. Des Weiteren sind Nahrungsergänzungsmittel mit Bockshornsamenpulver oder Bockshornsamenkonzentrat erhältlich.

Quelle: Wikipedia

Kommentar und Ergänzung:

Aus meiner früheren Zeit als Drogist kenne ich Bockshornkleesamenpulver als Fresslustpulver in der Veterinärmedizin und als Kataplasma (Breiumschlag) bei Furunkel und Stirnhöhlenentzündung.

Auf neueren Erkenntnissen beruht die Anwendung bei Diabetes mellitus zur Senkung des Blutzuckers sowie zur Senkung des LDL-Cholesterins. In diesen Bereichen wirkt der Bockshornklee in der gleichen Art wie Haferkleie, Guarmehl, Flohsamen, Pektin, Johannisbrotkernmehl.

Interessant ist auch der mit dem Bockshornklee verwandte Schabzigerklee. Er dient ausschließlich getrocknet zum Würzen. In der Schweiz wird Schabzigerklee, der etwas milder als der Bockshornklee ist und stark würzig nach frischem Heu riecht und eigenartig bitter schmeckt, zur Produktion des Schabzigers  verwendet. Das ist ein sehr aromatischer, nahezu fettfreier Käse (“Glarner Schabziger”).

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Wirkt Homöopathie? Und wenn ja: wie?

Donnerstag, November 17th, 2011

Eine Studie bei Rheumapatienten widerlegt das Gerücht, wonach die Homöopathie nicht in kontrollierten klinischen Studien überprüfbar sei. Und sie zeigt, dass Homöopathie sowohl wirkt als auch nicht wirkt.

Wissenschaftler aus Großbritannien haben sich jedenfalls alle Mühe gegeben, um ein Studiendesign zu entwerfen, welches der Tatsache Rechnung trägt, dass sich Homöopathie und Medizin in mehr unterscheiden als nur in der Verabreichung von homöopathisch zubereiteten Arzneimitteln.

Ein oft gehörter Einwand gegen die wissenschaftliche Überprüfung der Homöopathie lautet: Homöopathie und Schulmedizin seien von ihrem ganzen Ansatz her so verschieden, dass sie in einer randomisiert-kontrollierten Doppelblind-Studie gar nicht sinnvoll verglichen werden können. Die Rheumatologin Dr. Sarah Brien von der Complementary and Integrated Medicine Research Unit am Aldermoor Health Centre in Southamptom hat deshalb ausdrücklich versucht, diesen populären Einwand zu berücksichtigen. In einer randomisierten und bei der Medikation doppelt verblindeten und placebokontrollierten Studie bei Patienten mit stabiler, konventionell medikamentös eingestellter rheumatoider Arthritis untersuchte sie, ob die Homöopathie wirkt und wenn ja weshalb. Die Resultate sind nachzulesen in der Zeitschrift Rheumatology (2010/11/08), wo sie sogar im Volltext abrufbar sind.

Sarah Brien hat zunächst einmal den Einwand berücksichtigt, dass der ganze homöopathische Versorgungsprozess irgendwie besonders sei. Sie bildete daher zwei Gruppen, eine in der die Patienten konventionell medizinisch beraten wurden und eine, in der eine bekanntlich aufwändigere homöopathische Beratung beziehungsweise Anamnese und Befunderhebung durchgeführt wurde.

Die Patienten in der Gruppe mit schulmedizinischer Beratung wurden dann weiter randomisiert (= per Zufall in Gruppen aufgeteilt):

Sie bekamen entweder

- die von dem Homöopathen empfohlene homöopathische Komplextherapie,

- oder ein Placebopräparat in identischer Aufmachung.

In der Gruppe, in der homöopathisch beraten wurde, wurden die Patienten bei der Medikation sogar in drei Gruppen randomisiert, nämlich

- Placebo,

- Komplexbehandlung oder

- individuelle homöopathische Zubereitung.

Die ausgewählten primären Endpunkte der Studie ( = das erstrangige Ziel der Studie) entsprachen denen der klassischen Rheumatologie:

eine mindestens 20prozentige Verbesserung des Abschneidens beim Standardscore ACR und eine Verbesserung der globalen Selbsteinschätzung des Patienten auf Monatsbasis.

Sekundäre Endpunkte der Studie waren verschiedene Schmerz- und Gelenksparameter, von denen bekannt ist, dass sie Aussagen zur Lebensqualität des Patienten ermöglichen.

Resultat:

Zwischen den insgesamt fünf Gruppen gab es hinsichtlich der primären Endpunkte keine statistisch signifikanten Unterschiede.

Bei den sekundären Endpunkten Schmerzempfinden, Zahl der geschwollenen Gelenke, Patientenselbsteinschätzung auf Wochenbasis und Stimmung zeigten sich dagegen jeweils signifikante Vorteile für jene Patienten, die homöopathisch beraten wurden im Vergleich zu jenen, die nur medizinisch beraten wurden.

Das interessante Ergebnis ist nun, dass es innerhalb der Beratungsgruppen jeweils keinerlei Unterschiede gab. Es war also egal, ob die Patienten Placebo, Komplexhomöopathie oder individuell zubereitete homöopathische Medikamente bekamen, solange sie nur vorher homöopathisch beraten wurden. Anders gesagt: Reden ist wirksam, Globuli sind es nicht.

Eine Schwäche der Studie besteht darin, dass sie vergleichsweise klein ist. Werden 83 Patienten auf fünf Gruppen verteilt, bleiben bei einer Dropout-Quote (= „Aussteiger-Quote“) von immerhin 30 Prozent nur noch rund zwei Handvoll Teilnehmende pro Gruppe übrig. Der fast durchgängige und statistisch signifikante Effekt zugunsten der homöopathischen Beratung bei den (prädefinierten) sekundären Endpunkten weist allerdings darauf hin, dass die Studie für das, was sie zeigen wollte, nicht dramatisch zu klein war.

Im Editorial zu der Studie stellt Edzard Ernst die Frage: Have we lost core medical values? Prof. Edzard Ernst ist Inhaber des Lehrstuhls für Komplementärmedizin an der Universität Exeter. Er unterstreicht im Einklang mit der Studienleiterin Sarah Brien, dass es die therapeutische Beziehung zwischen homöopathisch tätigem Arzt und Patient zu sein scheine, die den Unterschied mache, nicht die homöopathischen Globuli als solche. Offen bleibt natürlich die Frage, ob es etwas spezifisch Wirksames an einer homöopathischen Konsultation gibt, oder ob nicht eher generell eine intensivere Beziehung zwischen Arzt und Patient zu einem größeren Behandlungserfolg führt. Ernst zumindest neigt zu Letzterem.

Quelle:

http://news.doccheck.com/de/article/202282-homoeopathie-reden-hilft-globuli-nicht/

http://rheumatology.oxfordjournals.org/content/early/2010/11/08/rheumatology.keq234.full

Kommentar & Ergänzung:

Homöopathie erweist sich in verschiedenen Bereichen als wirksam. Das haben mehrere Studien gezeigt. Die Behandlungserfolge basieren aber nicht auf einer spezifischen Wirkung der Globuli. Auch dafür gibt es deutliche Belege.

Die Arbeit von Sarah Brien passt gut zu dieser Interpretation und stärkt sie.

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Wirkstoffe der Heilpflanzen: Glykoside

Mittwoch, November 9th, 2011

„Das vielleicht bekannteste Glykosid ist das Gift des Roten Fingerhuts, das – entsprechend niedrig dosiert – als Herzmittel eingesetzt wird. Je nach chemischer Zusammensetzung können die Verbindungen aus einem Zucker und einem Nichtzucker jedoch ganz unterschiedliche Wirkungen entfalten.

Die in Seifenkraut, Ringelblume, Linde, Taubnessel und Efeu enthaltenen Saponine beispielsweise sind eher seifenähnlich und wirken reizend auf Schleimhäute. Damit beschleunigen sie einerseits die Aufnahme anderer Wirkstoffe, dienen aber andererseits als Hustenmittel oder als Brechmittel. Sie wirken zudem entzündungshemmend und pilztötend.

Flavonoide ist die Bezeichnung für eine Gruppe meist gelb gefärbter Pflanzenstoffe, die beispielsweise in Ginkgoblättern, Birkenblättern, Holunderblüten und Lindenblüten enthalten sind. Sie wirken unter anderem erweiternd auf die Nierengefäße und steigern damit die Harnausscheidung. Cumarine sind Riechstoffe aus zahlreichen Pflanzen wie beispielsweise des Waldmeisters. Sie wirken gerinnungs- und entzündungshemmend. In zu hoher Dosierung können sie zu Kopfschmerzen, Schwindel, Bewusstlosigkeit und Atemlähmung führen.“

Quelle:

http://www.scinexx.de/dossier-detail-340-8.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirkstoffgruppe der Glykoside ist sehr heterogen – und dies sowohl von der Toxikologie als auch von den Anwendungsgebieten her.

Im Bereich der Toxikologie finden wir hier zum Beispiel die sehr giftigen Herzglykoside (Digoxin, Digitoxin, Strophanthin…), aber auch ausgesprochen verträgliche Flavonoide wie Silymarin (aus Mariendistel), Quercetin (in vielen Heilpflanzen und Lebensmitteln), Rutin (aus Buchweizenkraut).

Von den Anwendungsbereichen gibt es wohl kaum eine vielfältigere Wirkstoffgruppe.

Beispielsweise:

Herz: Herzglykoside Digitoxin, Digitoxin (rezeptpflichtig), Flavonoide aus Weissdorn;

Niere:. Flavonoide aus Goldrute, Birkenblätter als „Entwässerungstee“;

Leber: Silymarin aus Mariendistel;

Venenschwäche: Rutin aus Buchweizenkraut, Aescin aus Rosskastanie;

Arterielle Durchblutung: Flavonoide aus Ginkgo biloba;

Schmerz / Rheuma: Salicin aus der Weidenrinde

Verstopfung: Anthranoide aus Sennesblättern, Faulbaumrinde;

Blasenentzündung: Senfölglykoside aus Meerrettich; Arbutin aus Bärentraubenblätter.

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was ist Niaouliöl?

Dienstag, November 8th, 2011

Niaouliöl wird mittels Wasserdampfdestillation gewonnen aus Melaleuca viridiflora (Myrtaceae). Das ätherische Öl  gleicht in seiner Zusammensetzung dem Cajeputöl: Hauptbestandteil ist 1,8-Cineol (bis ca. 60 %), weiters Pinen und Limonen.

Wirkung von Niaouliöl:  antimikrobiell, hyperämisierend (durchblutungssteigernd), sekretolytisch und sekretomotorisch (auswurffördernd)

Anwendungsbereiche von Niaouliöl: Atemwegserkrankungen (Husten, Schnupfen,) Beschwerden bei Rheuma (Gelenkschmerzen).

Therapeutisch relevante Wirkungen von Niauliöl:

Hyperämisierende Wirkung: Die Einnahme des Öls löst nach dem Schlucken ein Gefühl der Wärme aus, der Puls wird schneller und es kann ein profuser Schweißausbruch auftreten. Bei äusserlicher Anwendung kommt es zu hyperämisierenden (wärmenden) Effekten zum Beispiel bei Gelenkschmerzen.

Auswurffördernde Wirkung: Die Wirksamkeit bei Katarrhen der oberen Atemwege gilt als belegt.

Weitere Wirkungen:
Eine antimikrobielle Wirkung ist in vitro (= im Reagenzglas, im Labor) nachgewiesen.

Unerwünschte Wirkungen von Niaouliöl:
In therapeutischen Dosen keine bekannt.

Indikationen von Niaouliöl:
Wissenschaftlich belegt:
Katarrhe der oberen Luftwege; als hyperämisierendes Mittel in Kombination mit anderen ätherischen Ölen zum Einreiben (zum Beispiel bei Gelenkschmerzen).

Quelle:

http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Niaulioel.html

Kommentar & Ergänzung:

Melaleuca viridiflora wächst in Australien, Tasmanien, Neukaledonien, Madagaskar und auf französischen Pazifikinseln. Die Pflanze ist verwandt mit Teebaum (Melaleuca alternifolia), der Stammpflanze von Teebaumöl,  und Cajeput (Melaleuca leucadendron).

Niauliöl gilt als gut verträgliches ätherisches Öl für Haut und (verdünnt) Schleimhaut.

Dietrich Wabner / Christine Beier empfehlen Niauliöl  im Fachbuch „Aromatherapie“ auch (nachvollziehbar) für die Behandlung von Abszessen und Furunkeln. Wie sehr häufig in der Aromatherapie-Literatur, sind plausible Empfehlungen gemischt mit spekulativen Aussagen. Sehr fragwürdig hier zum Beispiel die Angabe einer litholytischen (steinlösenden) Wirkung bei Gallensteinen und die Postulierung einer hormonell ausgleichenden Wirkung bei Impotenz. Dafür gibt es meines Erachtens nicht den Hauch einer plausiblen Begründung.

Das zeigt wie kritisch solche Bücher gelesen werden müssen, wenn man nicht wilden Spekulationen aufsitzen will.

Die Beschreibung von Niaouliöl auf der Phytotherapie-Site Phytokodex ist im Vergleich dazu bis in die Knochen seriös.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Phytotherapie: Thymian & Eibisch bei Husten

Montag, November 7th, 2011

Thymian hilft gegen Erkältungen. Bei trockenem Husten wirkt er am besten kombiniert mit der Eibischwurzel. Gegen Schnupfen ist das Inhalieren mit Thymianöl ratsam. Dafür genügen bereits zwei Tropfen Thymianöl auf eine Schüssel Wasser.

Wer seine Erkältung mit Naturheilmitteln in den Griff bekommen will, sollte zu Thymian greifen. Die Heilpflanze sei geeignet, verschiedene Stadien und Beschwerden einer Erkältung zu behandeln, erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg. “Bei trockenem Husten sollte er zusammen mit einer Pflanze genommen werden, die viele sogenannte Schleimstoffe besitzt, die die angegriffenen Schleimhäute schützen.” Die Eibischwurzel beispielsweise sei dafür geeignet. Der Thymian zeige in diesem Stadium krampflösende und antivirale Wirkung.

Bei Husten mit Auswurf dagegen unterstütze Thymian den Abtransport des Hustensekrets. “Außerdem wirkt er einer bakteriellen Infektion entgegen, die zum viralen Infekt einer Erkältung hinzukommen kann”, sagt der Wissenschaftler. Bei Schnupfen oder einer Nasennebenhöhlenentzündung empfiehlt er die Inhalation mit Thymianöl. “Auf ein Liter heißes Wasser werden zwei Tropfen Öl in eine Schüssel gegeben und mit einem Handtuch zugedeckt inhaliert.” Anschliessend sollte man Zugluft meiden.

Thymian steckt in zahlreichen Heilpflanzen-Präparaten gegen Erkältungen, ist jedoch auch einzeln etwa in Hustenmitteln zu bekommen. Die Pflanze enthält laut Johannes Gottfried Mayer hochwirksames ätherisches Öl, Gerbstoffe und Flavonoide. Thymian-Extrakte und das ätherische Öl sind wirksam gegen Bakterien, Viren und Pilze. Thymianöl und die Flavonoide sind zudem krampflösend. “Außerdem ist eine entzündungshemmende Wirkung nachgewiesen”, erklärt Mayer.

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/2867626/erkaeltungen-thymian-loswerden.story

Forschergruppe Klostermedizin

Kommentar & Ergänzung:

Der Beitrag enthält gute Informationen zu Thymian und Eibischwurzel, beides wichtige Hustenpflanzen.

Zu Eibisch siehe auch:

Phytotherapie: Eibischwurzel gegen Sodbrennen

Kräuter und ihre Wirkungen: Eibisch / Althaea officinalis

Eibisch-Extrakt lindert Reizhusten

Husten ohne Ende soll abgeklärt werden – kurzfristig hilft Eibischtee

Hustentee aus Isländisch Moos und Eibischwurzel kalt ansetzen

Phytotherapie: Eibischwurzel-Extrakt schützt Epithelzellen

Zum Thymianöl:

Thymianöl ist in der Phytotherapie und in der Aromatherapie eines der wichtigsten ätherischen Öle.

Hier die wichtigsten Informationen zu Thymianöl aus Wikipedia:

„Thymianöl ist ein ätherisches Öl, das durch Wasserdampfdestillation aus Pflanzenteilen des Thymians gewonnen wird. Zur Herstellung werden frische, blühende, oberirdische Pflanzenteile verschiedener Thymianarten verwendet. Thymianöl ist ein Gemisch verschiedener Substanzen, dessen Zusammensetzung je nach Chemotyp erheblich schwankt. Der Gehalt an Thymianöl ist ausschlaggebend für die Verwendung von Thymian als Heilpflanze und als Küchenkraut, da es für den Geschmack und den Geruch der Pflanze entscheidend ist. Von Bedeutung für den Menschen sind hier vor allem die beiden offizinellen (arzneilichen) Arten Echter Thymian (Thymus vulgaris) und Joch-Thymian (Thymus zygis).“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Gewinnung von Thymianöl:

„Thymianöl wird durch achtstündige Wasserdampfdestillation aus den getrockneten oberirdischen Teilen der Pflanzen gewonnen, die zur Blütezeit geerntet wurden. Herkunftsländer sind vor allem Frankreich, Spanien, die Türkei und Nordafrika.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Zusammensetzung von Thymianöl:

„ Standardisiertes Thymianöl, Aetheroleum Thymi, enthält als Hauptwirkstoff Thymol.

Es gibt sieben definierte Chemotypen des Echten Thymians, sie werden nach ihrem jeweiligen Hauptbestandteil benannt. Die Verteilung und Häufigkeit der Chemotypen innerhalb eines Bestands hängt insbesondere von genetischen und klimatischen Bedingungen ab. Die Zusammensetzung der ätherischen Öle der Chemotypen ist jeweils verschieden.

- Der Geraniol-Chemotyp enthält bis zu 90 % Geraniol und Geraniol-Acetat, das Verhältnis der beiden Substanzen zueinander wird jahreszeitlich beeinflusst, der Esteranteil ist während des Hochsommers besonders groß.

- Der Linalool-Chemotyp besteht zu 95 % aus Linalool, mit einem geringen Anteil Linalylacetat, der nur selten bis zu 30 % beträgt. Das Verhältnis von Alkohol zu Ester unterliegt nur geringen jahreszeitlichen Schwankungen.

- Der Chemotyp α-Terpineol enthält bis zu 96 % α-Terpineol. Hier beträgt das Verhältnis von Ester zu Alkohol stets 2:1.

- Der Chemotyp trans-Thuyanol-4-terpineol-4 besteht aus bis zu 56 % Thujanol. Terpineol ist mit bis zu 43 % enthalten, ein weiterer Bestandteil ist cis-Myrcenol mit einem Gehalt von 10 bis 20 %.

- Der Carvacrol-Chemotyp besteht aus bis zu 85 % aus Carvacrol, nur rund 0,5 % sind Thymol.

- Der Thymol-Chemotyp enthält im Sommer bis zu 65 % Thymol und einen Anteil von 5 bis 10 % Carvacrol.

- Ein 1,8-Cineol-Chemotyp wurde aus Spanien beschrieben, er fehlt in Frankreich.

Wichtige weitere Komponenten sind p-Cymol, über zwanzig verschiedene Flavone, Gerbstoffe, Triterpene, Phenolcarbonsäuren und Biphenyle.“

(Quelle: Wikipedia)

Eigenschaften und Anwendungsbereiche von Thymianöl:

„Thymianöl ist je nach Herkunft der Thymiane, aus denen es gewonnen wird, eine farblose bis gelbliche, gelegentlich auch rötlich gefärbte ölige Flüssigkeit. Die Relative Dichte schwankt zwischen 0,895 und 0,937. In Wasser ist es praktisch unlöslich, mit vielen organischen Lösungsmitteln wie Ethanol, Ether oder Chloroform ist es in beliebigen Verhältnissen mischbar.

Thymianöl wirkt im Laborversuch nachweislich antibakteriell und antiviral, klinische Untersuchungen zu seiner Wirksamkeit fehlen jedoch. Als wertgebender Inhaltsstoff ist der medizinische Einsatz von Thymianöl durch die Kommission E gegen Katarrhe der oberen Luftwege, bei Bronchitis und Keuchhusten anerkannt worden. Alle anderen Anwendungen, zum Beispiel gegen Halsentzündungen, Darm- und Harnwegsinfektionen, Rheuma, Desinfektion von Wunden, zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten sowie gegen unerwünschte Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze wurden von ihr verworfen und gelten als unbelegt.

In der Aromatherapie wird es gegen ähnliche Symptome angewandt, auch zur Vorbeugung von Infektionskrankheiten sowie gegen unerwünschte Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze. Wie bei allen aromatherapeutischen Methoden gibt es hier aber bisher keinen Nachweis der Wirksamkeit.“

(Quelle: Wikipedia)

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Schmerzmittel-Kopfschmerz kommt immer häufiger vor

Freitag, Oktober 21st, 2011

Ein zunehmend häufigeres Phänomen ist der durch Schmerzmittelübergebrauch ausgelöste Kopfschmerz (Schmerzmittelinduzierter Kopfschmerz), von dem etwa ein Prozent der Erwachsenen und rund 0,5 Prozent der Kinder betroffen sind. “Eine große Umfrage bei niedergelassenen Ärzten und in spezialisierten Kopfschmerzambulanzen ergab, dass Schmerzmittelinduzierter Kopfschmerz die dritthäufigste Diagnose nach Migräne und Spannungskopfschmerz darstellt”, erklärte Christian Lampl, Präsident elect der Österreichischen Schmerzgesellschaft, an den 11. Österreichischen Schmerzwochen. Sein Fazit: “Da nahezu alle Schmerzmittel diesen Kopfschmerz verursachen können, sollte die Behandlung chronischer oder chronisch wiederkehrender Kopfschmerzen nicht ohne ärztliche Kontrolle stattfinden.”

Immerhin ein Drittel aller Patienten, die an chronischen täglichen Kopfschmerzen (Chronic Daily Headache, CDH) leiden,  erfüllt die diagnostischen Kriterien dieses Kopfschmerzes. Der Zeitraum zwischen Ersteinnahme und Entwicklung eines Kopfschmerzes ist am ungünstigsten für spezifische Migräne-Arzneimittel wie Triptane (1,7 Jahre im Durchschnitt) und Ergotamine (2,7 Jahre), verglichen mit Schmerzmitteln und gewissen Rheuma-Medikamenten mit 4,8 Jahren.

Experte: Stationärer Entzug empfehlenswert

Ob der Schmerzmittel-Überkonsum Folge oder Ursache der Zunahme der Kopfschmerzfrequenz ist, wird immer noch kontrovers diskutiert. Diskutiert wird unter Ärzten auch, ob ein stationärer oder ein ambulanter Entzug erfolgreicher ist. Daten zur Rückfalls-Häufigkeit liegen in unterschiedlichen Studien im Bereich zwischen 30 und 50 Prozent. Die Erfolgschancen hängen von verschiedenen Faktoren ab. Doch auch die Art des Schmerzmittels, das zu häufig eingenommen wurde, bestimmt ob stationär oder ambulant behandelt wird, unterstreicht Lampl. Im Allgemeinen sei beispielsweise bei Mischpräparaten und Ergotaminen der stationäre Entzug anzuraten, erklärt der Experte.

Quelle:

http://derstandard.at/1318725994345/Kopfschmerz-Spezialist-Schmerzmittel-Kopfschmerz-immer-mehr-verbreitet

Kommentar & Ergänzung:

Es steht ausser Frage, dass Schmerzpatienten eine optimale medizinische Behandlung bekommen sollen.

In der Phytotherapie wird zur Linderung von Kopfschmerzen oft Pfefferminzöl empfohlen.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Pfefferminzöl gegen Spnnungskopfschmerzen

Pfefferminzöl lindert Spannungskopfschmerzen

Naturheilmittel gegen Kopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Mit Pfefferminzöl lassen sich Kopfschmerzen in manchen Fällen  lindern. Das Problem mit chronischen Kopfschmerzen und mit Medikamentenabhängigkeit lässt sich damit aber nicht lösen.

Im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen ist mir aber ein anderer Aspekt wichtig:

Noch nie gab es so vielfältige Möglichkeiten der Schmerzbekämpfung  und doch leidet Experten zufolge jeder elfte Europäer tägliche an Schmerzen. Da stellt sich die Frage, wie man mit diesem ungebetenen, ungeliebten Begleiter umgehen kann und zu Gange kommt. Weil wir hoch entwickelte Schmerzbekämpfungs-Möglichkeiten zur Verfügung haben, geht in unserer Kultur die Fähigkeit zum Umgang mit bleibendem oder immer wiederkehrenden Schmerz zunehmend verloren.

Wir könnten an diesem Punkt viel lernen von anderen Kulturen und früheren Zeiten, die im Umgang mit chronischen Schmerzen mehr Erfahrungen sammeln konnten (bzw. mussten).

Für Betroffene mit chronischem Schmerz, für ihre Angehörigen oder für Berufsleute, die mit Schmerzpatienten arbeiten, findet am 6. November 2011 ein Tagesseminar in Winterthur statt.

Vorgestellt werden dabei nicht nur kulturelle, religiöse, psychologische, philosophische und medizinische Aspekte des Schmerzes, sondern auch symbolische und praktische Strategien, um das bisweilen Unbegreifliche und Grausame des Schmerzes zu integrieren.

Das facettenreiche Phänomen Schmerz wird dadurch in einer Vielfalt offenbar, die ein rein medizinischer Zugang an den kranken Menschen notgedrungen ausblendet.

Weitere Informationen:

Tagesseminar: Schmerz besser verstehen und damit umgehen

Weitere Tagesseminare:

Chronische Krankheiten besser verstehen und damit umgehen, 20. November 2011

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot, 26. November 2011

Wer diesen Themen lieber im Einzelgespräch nachgeht, kann das auf den Eidberger Gedankengängen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Forum Naturheilkunde & Philosophie

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