Artikel mit Schlagwort ‘Rheuma’
Mittwoch, Juli 28th, 2010
Die Diskussion um Nutzen und Risiken einer Hormonersatztherapie bei Wechseljahresbeschwerden hat zahlreiche Frauen verunsichert und dazu geführt, dass sich diese nach hormonfreien Alternativen umsehen. Ein Beispiel dafür aus der Phytotherapie sind Extrakte aus Traubensilberkerze, die gegen neurovegetative Symptome im Klimakterium, wie Schweißausbrüche oder Hitzewallungen, angewendet werden.
Für die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) gibt es vielfältige andere Bezeichnungen. Aussehen, Eigenschaften und Verwendung der Pflanze spiegeln sich in der Namengebung wider: Silberkerze, Wanzenkraut, Frauenwurzel, Nordamerikanische Schlangenwurzel oder Schwarze Schlangenwurzel sind einige Beispiele dafür.
Eine Eigenschaft, die maßgeblich zur Namengebung Cimicifuga (lat. Cimex = Wanze und lat. Fuga = flucht) beigetragen hat, ist die Beobachtung, dass Insekten und vor allem Blattwanzen die Pflanze aufgrund ihres strengen Geruchs meiden.
Das Wort „racemosa” bedeutet traubig und bezieht sich auf den Blütenstand.
Die Traubensilberkerze ist in den nährstoffreichen Wäldern Kanadas und der USA heimisch. Das Hahnenfußgewächs wächst in Wäldern, an Waldrändern, auf Lichtungen sowie an Böschungen.
Das Ausgangsmaterial für die Produktion von Traubensilberkerze-Präparaten stammt meist aus Wildsammlungen. Wenigen Herstellern ist es bisher gelungen, Cimicifuga für den großflächigen Arzneipflanzenanbau gezielt anzubauen.
Cimicifuga racemosa wird als Arzneipflanze schon lange verwendet. Eingesetzt werden die nach der Fruchtreife gesammelten und zerschnittenen Wurzelstöcke und Wurzeln. In der Volksmedizin vergangener Jahrhunderte finden sich viele Anwendungsgebiete für die Traubensilberkerze.
Neben der gegenwärtigen arzneilichen Verwendung bei Wechseljahresbeschwerden behandelten die Indianer Nordamerikas Infektionen der Bronchien, Rheuma, Verstopfung, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen, Schlafstörungen oder Schlangenbisse mit Extrakten aus Cimicifuga racemosa.
Im 20. Jahrhundert etablierte sich das Phytotherapeutikum zur Behandlung bestimmter Erkrankungen in der Gynäkologie. Die Kommission E des Bundesgesundheitsamtes in Deutschland bewertete 1989 Cimicifuga-Extrakte aus dem Wurzelstock bei Menstruationsbeschwerden (prämenstruell und dysmenorrhoisch) sowie bei neurovegetativen Begleiterscheinungen, welche durch die Wechseljahre bedingt sind, als positiv.
Die Monografien der WHO (World Health Organisation) aus dem Jahre 2002 und der ESCOP (The European Scientific Cooperative on Phytotherapy) von 2003 führen nur noch klimakterische Symptome als Indikation auf.
Quelle:
http://www.springer-gup.de
Kommentar & Ergänzung:
Für Beschwerden in den Wechseljahren sind die günstigen Wirkungen von Heilpflanzen-Präparaten aus Traubensilberkerze-Extrakten inzwischen gut erforscht und dokumentiert. Sie eignen sich vor allem bei Hitzewallungen, weniger dagegen im Frühklimakterium. Zu beachten ist allerdings, dass es Traubensilberkerze-Präparate in sehr unterschiedlicher Qualität gibt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
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Mittwoch, März 17th, 2010
Unter dem Titel “Teebaumöl – eines der wirksamsten Mittel der Natur” empfiehlt die “Medical Tribune” in ihrem Gesundheits-Tipp die Anwendung von Teebaumöl.
Medical Tribune schreibt:
“Von den weltweit über 200 existierenden Teebaum-Arten sind 30 in Australien beheimatet – aber nur eine verfügt über die besonders gesunden Eigenschaften.”
Dieser Baum sei sehr widerstandsfähig gegen Krankheiten und werde selbst bei extremen Bedingungen nicht von Pilzen befallen. ??
Dann folgen praktische Tipps zur Anwendung von Teebaumöl:
“- Bei kleinen Wunden unverdünnt auftragen.
-Gegen Halsschmerzen, Raucherhusten und Mundgeruch in ein Glas warmes Wasser fünf bis zehn Tropfen Teebaumöl geben und gurgeln.
– Bei Schuppen fünf Tropfen des Öls einem milden Shampoo beifügen, in die Kopfhaut einmassieren und gut ausspülen.
– Bei Erkältung fünf Tropfen ins Badewasser geben.
– Bei Fußgeruch für ein Fußbad zehn Tropfen ins warme Wasser geben.”
?
Quelle: www.medical-tribune.de
Kommentar & Ergänzung:
Teebaumöl wird aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Australischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) durch Wasserdampfdestillation gewonnen.
Teebaumöl wird wegen seiner antiseptischen, bakteriziden und fungiziden Wirkung angewendet in der Dermatologie (zum Beispiel in der Behandlung von Akne, Schuppen und Schuppenflechte, Pilzerkrankungen, Dellwarzen) sowie bei Muskelschmerzen, offenen Wunden, Rheuma, Raucherhusten und Krampfadern.
Teebaumöl wird auch in zahlreichen dermatologischen Präparaten verwendet: in Shampoos, Hand- und Körpercremes (speziell bei unreiner Haut, wie Akne), in Deodorants, Badezusätzen, Seifen, Zahnpasta, Mundwässern. Bei Pilz- und Bakterienbefall der Haut (z.B. bei Akne, Fußpilz) werden zumeist Präparate mit 5 bis 10% Teebaumöl verwendet. Für den Einsatz im Mundraum muss Teebaumöl sehr stark verdünnt werden.
Auch im Bereich der Tierpflege sind äußere Anwendungen von Teebaumöl bekannt, wobei wie beim Menschen Überdosierungen oder sehr häufige Behandlungen vermieden werden sollten. Will man Teebaumöl an Tieren anwenden, ist unbedingt der Tierarzt oder eine Tierärztin zu Rate zu ziehen. Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen ist das Teebaumöl genau wie andere ätherischen Öle beispielsweise für Katzen toxisch. Die Anwendung kann tödlich enden für das Tier. Charakteristische Symptome der “Teebaumöl-Vergiftungen” sind Zittern, Taumeln, Unruhe und allgemeine Schwäche.
(Quelle: Wikipedia)
Teebaumöl ist ein sehr interessantes und wirksames ätherisches Öl, doch wird es etwas gar zu stark als Mittel gegen fast alles propagiert. Die Aufgabe in der Phytotherapie besteht hier darin, die zentralen Wirkungen und Anwendungsbereiche herauszuschälen.
Kein Zweifel besteht zum Beispiel an der bakterienhemmenden und pilzhemmenden Wirkung von Teebaumöl. Allerdings zeigen zahlreiche ätherische Öle solche Wirkungen, und sie sind zugleich oft sogar besser verträglich (wie bspw. Lavendelöl). Darum sollte man sich meiner Ansicht nach nicht so auf Teebaumöl fixieren, wie das seit einiger Zeit immer wieder zu beobachten ist. Teebaumöl hat diese Stellung wohl vor allem einem geschickten Marketing zu verdanken.
Wenn die Medical Tribune schreibt, dass von den 200 Arten aus der Gattung Teebaum (Melaleuca) nur eine, nämlich Melaleuca alternifolia über die besonders gesunden Eigenschaften verfügt, dann ist das zum Beispiel ziemlich falsch. Es gibt eine ganze Anzahl von ätherischen Ölen aus verwandten Pflanzen mit ähnlichen Wirkungen. Ebenso scheint es mir recht reisserisch zu schreiben, Teebaumöl sei eines der wirksamsten Mittel der Natur. Das sind undifferenzierte Übertreibungen, die der Medical Tribune meines Erachtens nicht unterlaufen sollten, auch wenn es natürlich erfreulich ist, dass in dieser Publikation immer wieder mal Erkenntnisse über die Wirkungen von Heilpflanzen einfliessen.
Zum Tipp der Medical Tribune, bei Erkältungen fünf Tropfen Teebaumöl ins Badewasser zu geben, wäre noch aus praktischer Sicht zu ergänzen:
Ätherische Öle lösen sich schlecht in Wasser und schwimmen in der Badewanne obenauf. Emulgiert man die ätherischen Öle vor dem Beifügen mit Kaffeerahm oder Vollmilch, so verteilt sich das ätherische Öl besser im Badewasser. Das verbessert die Verträglichkeit auf der Haut.
Ich selber würde im übrigen bei Erkältungen (Husten, Schnupfen) eher Thymianöl oder Eukalyptusöl vorziehen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Dienstag, Februar 9th, 2010
Es muss nicht immer Nasenspray sein. Auf www.bild.de empfiehlt Prof. Volker Schulz, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Phytotherapie: “Ätherische Öle wie Eukalyptus, Latschenkiefer oder Pfefferminze schaffen Durchzug.” Wer eine “Laufnase” habe, solle viel trinken. Schulz: “Gut geeignet sind warme Tees, etwa mit Kamille oder Thymian:”
Quelle:
http://www.bild.de
Kommentar & Ergänzung:
– Vor allem Pfefferminzöl und Eukalyptusöl stimulieren die Kälterezeptoren in der Nasenschleimhaut, wodurch der Luftstrom in der Nase intensiver wahrgenommen wird. Dadurch entsteht einer Empfindung von “freier Nase”, ohne dass dazu wirklich mehr Luft durch die Nase zieht.
– Ätherische Öle bei Säuglingen und Kleinkindern nie konzentriert in der Nähe von Atemöffnungen anwenden.
– Die Latschenkiefer (Pinus mugo subsp. Mugo, Latsche, Legföhre, Krüppelkiefer) ist eine Unterart der Bergkiefer (Pinus mugo). Sie wächst meist strauchartig und erreicht Wuchshöhen zwischen 1 und 3 m. Die Latschenkiefer ist gekennzeichnet durch ihren krummen Wuchs mit niederliegenden bis bogig aufsteigenden Stämmen und Ästen, diese bilden häufig ein undurchdringliches Gewirr (Latschenfilz oder Latschenfeld). Der Stamm der Latsche ist lang, liegt jedoch am Boden und ist kaum erkennbar.
Die Hauptvorkommen der Latschenkiefer liegen in den Pyrenäen, Alpen, dem Erzgebirge, den Karpaten, sowie dem nördlichen Apennin bis zum Balkan in Höhenlagen von 1000 m bis 2700 m (Quelle: Wikipedia)
Aus frischen Nadeln, Zweigspitzen und Ästen gewinnt man Latschenkiefernöl.
Es dient zur äußerlichen sowie innerlichen Anwendung bei Katarrhen der oberen und unteren Atemwegen (Husten, Schnupfen). In medizinischen Bädern wird es zur unterstützenden Behandlung bei Rheuma-Erkrankungen im nicht akuten Stadium eingesetzt.
Latschenkiefernöl verströmt einen sehr angenehmen, balsamisch-süssen, würzig-holzigen anhaltenden Duft.
In den Gebirgsregionen wird Latschenkiefernöl traditionell als Bestandteil von Franzbranntwein gegen Rheuma-Beschwerden eingesetzt. Franzbranntwein (spiritus vini gallici) ist eine alkoholische Lösung, vor allem bestehend aus reinem Alkohol, Kampfer, Menthol und verschiedenen ätherischen Ölen wie Fichtennadelöl oder Latschenkiefernöl.
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Samstag, Januar 30th, 2010
Der scharfe Geschmack des Meerrettichs (syn. Armoracia rusticana) ist den meisten aus der Küche bekannt. Die Pfahlwurzel wird sowohl zum Verfeinern von verschiedenen Speisen als auch zu medizinischen Zwecken eingesetzt. Der Name Meerrettich bedeutet “über das Meer zu uns gekommener Rettich”, wobei damit die fremdländische Herkunft und nicht das Meer an sich gemeint ist.
Der Meerrettich wächst in fast ganz Europa und zieht dabei feuchte Standorte vor. Die frische, unverletzte Wurzel enthält unter anderem als Inhaltsstoffe die Glucosinolate (Senfölglykoside) Gluconasturtin und Sinigrin. Bei Verletzung kommen die geruchlosen Senfölglykoside in Kontakt mit abbauenden Enzymen (Myrosinasen), wodurch scharf schmeckende Senföle (ca. 90% Allylsenföl) entstehen.
Die Glukosinolate besitzen antimikrobielle, krampflösende, zytotoxische und hautreizende Eigenschaften. Ebenso vielfältig sind die Indikationen:
Äusserlich wird Meerrettich bei Katarrhen der Atemwege, Myalgien und leichten Muskelschmerzen eingesetzt. Bei der innerlichen Anwendung steht die Behandlung von Atemwegserkrankungen im Vordergrund. Bei Harnwegserkrankungen (Blasenentzündung) wird Meerrettich unterstützend angewendet.
In der Volksmedizin wird die Heilpflanze auch bei Gicht, Rheuma und Erkrankungen von Leber und Galle angewendet.
Meerrettich ist Bestandteil von verschiedenen Naturheilmitteln, zum Beispiel Kernosan Meerrettich Elixier, Angocin N (Deutschland)).
Meerrettich-Honig, ein altes Hausmittel, soll bei zähem Bronchialschleim wirksam sein: 1 Teelöffel frisch geraspelte Meerrettichwurzel mit 3 Teelöffeln Honig vermischen und 3- bis 5-mal täglich je 1 Teelöffel voll einnehmen.
Literatur:
_Zeitschrift für Phytotherapie, 6/2008/p299
_Jaenicke et al.; Handbuch Phytotherapie; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart 2003; p356
_Van Wyk et al.; Handbuch der Arzneipflanzen; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart2004; p52
Quelle:
http://www.pharmavista.net
Kommentar & Ergänzung:
Meerrettich wird in Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde und Phytotherapie zur Behandlung von akuter Bronchitis und akuter Blasenentzündung geschätzt.
Meerrettich wirkt vor allem schleimlösend und antibakteriell bei produktivem Husten.
Für diese Indikationen wird die Meerrettichwurzel eingenommen, was aber Wissen über Dosierungen und Zubereitungsarten erfordert.
Das gilt auch für die äusserliche Anwendung als Meerrettichauflage beispielsweise bei Stirnhöhlenentzündung, Kieferhöhlenentzündung oder Kopfschmerzen. Da Meerrettich stark hautreizend wirkt, braucht die Anwendung Sorgfalt und Know-how.
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Freitag, Januar 29th, 2010
Mutterkraut, Feverfew, Falsche Kamille: Die volkstümlichen Bezeichnungen lassen schon das Aussehen und die verschiedenen Anwendungsbereiche des Mutterkrauts erahnen. In der Tat wird Tanacetum parthenium L. (= Chrysanthemum parthenium) von Laien wegen der Ähnlichkeit der Blüten und des campherartigen Geruchs oft mit der Echten Kamille (Matricaria recutita) verwechselt.
Tanacetum parthenium L. zählt zur Familie der Asteraceae (Korbblütler), stammt ursprünglich aus Südosteuropa und ist in ganz Europa, Australien und Nordamerika verbreitet. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl mit L-Campher als Hauptbestandteil und Sesquiterpenlactone wie Parthenolid. Für Heilzwecke genutzt werden die getrockneten, ganzen oder geschnittenen oberirdischen Pflanzenteile. Die Europäische Pharmakopöe schreibt einen Mindestgehalt von 0.2% Parthenolid bezogen auf die getrocknete Heilpflanze vor.
Mutterkrautextrakte wirken unter anderem entzündnungswidrig und antibakteriell. Parthenolid und Mutterkraut-Extrakte reduzieren die Thrombozytenaggregation, die Prostaglandinsynthese, die Histaminfreisetzung aus Mastzellen und die Kontraktiliät der glatten Gefässmuskulatur.
Hauptanwendungsbereiche sind Migräne, Arthritis und rheumatische Erkrankungen. Seit dem Altertum wird Mutterkraut auch bei Frauenleiden eingesetzt (unter anderem gegen Menstruationsbeschwerden).
Im Brennpunkt des Interesses steht gegenwärtig die Verwendung zur Migräneprophylaxe. Diese Wirkung wird dem Parthenolid zugeschrieben, wobei der Wirkmechanismus noch nicht vollständig bekannt ist. Die Indikation Migräneprophylaxe ist in der ESCOP-Monografie aufgeführt (European Scientific Cooperative On Phytotherapy). In der Schweiz ist ein entsprechendes Präparat erhältlich.
Parthenolid und die anderen Sesquiterpenlactone sind allerdings potente Allergene. Hautkontakt mit Mutterkraut löst nicht selten eine Kontaktdermatitis aus. Personen mit einer Kontaktallergie gegen Asteraceae (Korbblütler) ist von der Anwendung von Mutterkraut abzuraten. Schwangerschaft und Stillzeit sind ebenfalls Kontraindikationen für Mutterkraut.
Literatur:
_PTA-Forum 12/2009/p34
_M. Wichtl; Teedrogen und Phytopharmaka; 5. Auflage 2009; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p650
_D. Frohne; Heilpflanzenlexikon; 8. Auflage 2006; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p483
_Jänicke et al.; Handbuch Phytotherapie; Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart; p375
Quelle:
http://www.pharmavista.net
Kommentar & Ergänzung:
Mutterkraut wurde schon von Dioskurides im 1. Jahrhundert als Heilpflanze beschrieben. Im Mittelalter wurde es gegen Fieber und Kopfschmerzen verwendet. Der Name kommt von seiner früheren Verwendung bei Erkrankungen der Mutter (Gebärmutter). Mutterkraut soll Schwangerschaftsbeschwerden lindern, die Menstruation auslösen und die Ablösung der Plazenta bewirken.
Diese gynäkologischen Indikationen sind aber nicht belegt, während es für die Anwendung zur Migräneprophylaxe einige wissenschaftliche Studien gibt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Sonntag, Januar 10th, 2010
Hagebuttenpulver wird seit einigen Jahren gegen Rheuma und insbesondere bei Arthrose angewendet. Inzwischen existieren mehrere Studien zur Wirksamkeit, doch bleiben auch noch viele offene Fragen.
Die “Zeitschrift für Phytotherapie” (Nr. 5/2009) publizierte eine Übersicht zum Stand des Wissens. Hier eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:
- Zum antientzündlichen Wirkungsmechanismus der Hagebutte
Das antientzündliche Wirkspektrum der Hagebutte ist vergleichbar mit demjenigen der synthetischen Schmerzmittel. Wässrige Extrakte aus der Hagebuttenscheinfrucht und der Schale waren in den In-vitro-Tests (also im Labor, im Reagenzglas) unwirksam. Im Gegensatz dazu waren lipophile Extrakte aus den Schalen der Hagebutte im COX-1- und COX-2-Assay wirksamer als Extrakte aus den Scheinfrüchten und hemmten darüber hinaus auch die LOX (Lipoxygenase).
Kommentar Koradi: Es geht hier um die Hemmung von Entzündungsstoffen (Prostaglandine, Leukotriene).
Bei Patienten mit entzündlichem Rheuma reduzierte sich der krankhaft erhöhte Wert des Entzündungsparameters CRP signifikant unter der Einnahme von Hagebuttenpulver, stieg jedoch nach Beendigung der Einnahme wieder auf die Ausgangswerte an.
In Hagebuttenpulver wurden als wirksamkeitsmitbestimmende Inhaltsstoffe neben Polyphenolen und Vitamin C auch ein Galaktolipid und verschiedene ungesättigte Fettsäuren identifiziert.
- Zur Wirksamkeit von Hagebuttenpulver
Zum Hagebuttenpulver existieren 5 Studien: 3 Doppelblindstudien bei Arthrosebeschwerden, eine Anwendungsbeobachtung bei akuten Exazerbationen chronischer Rückenschmerzen und eine Doppelblindstudie bei Patienten mit rheumatoider Arthritis.
Kommentar Koradi: Exazerbation = Verschlechterung im Krankheitsverlauf einer chronischen Erkrankung.
Ein 2006 publiziertes systematisches Review analysierte 4 Veröffentlichungen zur Wirksamkeit eines Hagebuttenpulver-Präparates bei Patienten mit Arthrosebeschwerden. Beim Auflisten der Qualitätsmerkmale dieser Studien vermuteten die Autoren, dass es sich bei den 2 Kongressbeiträgen um Subgruppenanalysen der bereits veröffentlichten Originalarbeit handelte. Ein anschließend publiziertes Review schloss sich dieser Vermutung an. Eine Meta-Analyse schloss aber die beiden Subgruppenanalysen (insgesamt 126 Patienten) als separate Studien in die Berechnung ein, sodass die Wirkgröße des Hagebuttenpulver-Präparates überschätzt wurde. Die später veröffentlichte Originalarbeit stützte sich auf 3 Originalarbeiten.
Eine Nachforschung zeigte, dass die von Rein und Mitarbeitern bei einem Kongress im Jahr 2004 präsentierten Daten nach Auskunft eines der Autoren doch eine separate Studie gewesen sein soll. Bei der Ethikkommission wurde aber nur ein Studienprotokoll ohne Amendment (Änderung, M.K.) eingereicht, obwohl die Studienpopulation und die Messinstrumente in den beiden Studien sich unterschieden. Auch sind die Kollegen des zweiten medizinischen Zentrums, das zur Studie beigetragen hatte, im Manuskript nicht erwähnt.
Die Beweislage für die Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers Litozin® bei Arthrosebeschwerden ist auf der Grundlage von 2 oder 3 explorativen Studien »mäßig« und muss bei entzündlichem Rheuma bzw. bei Rückenschmerzen wegen der Existenz von nur je einer explorativen Studie als »schlecht« eingestuft werden. Wörtlich schreiben die Autorinnen und der Autor dann: “Dennoch besteht an der Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers in Anbetracht der nachgewiesenen antioxidativen und antientzündlichen Wirkung kein Zweifel.”
Einen indirekten Hinweis auf Wirksamkeit sehen sie auch aus dem Vergleich der Responder in den Jahresstudien mit dem Hagebuttenpulver Litozin® und dem wässrigen Teufelskrallenwurzelextrakt Doloteffin® . In diesen Studien wurde dasselbe Studienprotokoll verwendet und das Konsens-Kriterium der amerikanischen Orthopädiegesellschaften OMERACT und OARSI eingesetzt. Dieses Kriterium soll zum Einsatz kommen, damit die Wirkgrößen von Arzneimitteln besser verglichen werden können. Der Prozentsatz an OMERACT-OARSI-Respondern unterschied sich zwischen den Studien nicht, sodass Litozin® Hagebuttenpulver bei Unverträglichkeit von Doloteffin® oder als Ersatz bei der Langzeitbehandlung rheumatischer Beschwerden verwendet werden könnte.
Die Autorinnen und der Autor halten jedoch fest: “Dennoch muss betont werden, dass zunächst dringend die Durchführung konfirmativer Studien erforderlich ist, um die klinische Bedeutung der beobachteten Wirkung einschätzen zu können, auch unter dem Aspekt, ob dem Hagebuttenpulver ein Platz in den von Leitlinien empfohlenen Behandlungsstrategien zusteht.”
(konfirmativ = Bekräftigend, befestigend, M.K.)
- Allgemeine Hinweise zum Hagebuttenpulver
Der Artikel schliesst mit allgemeinen Hinweisen zum Hagebuttenpulver:
Als unerwünschtes Ereignis könne während der Einnahme von Hagebuttenpulver gelegentlich eine Allergie auftreten. Eine allergische Reaktion mit einem generalisierten Hautausschlag und gastrointestinalen Beschwerden habe sich auch nach Trinken eines Hagebuttentees gezeigt.
Die ansonsten aufgetretenen gastrointestinalen Beschwerden seien teilweise durch eine nicht angepasste Flüssigkeitszufuhr bedingt. Bei Reizdarm mit Verstopfung sollen 300-500 ml Flüssigkeit bei Einnahme des Hagebuttenpulvers getrunken werden, weil die Pflanzenfasern in der Flüssigkeit quellen, wodurch das Stuhlvolumen steige und der Darmtransport im Sinne einer abführenden Wirkung angeregt werde. Bei Reizdarm mit Durchfall würden die Pflanzenfasern bei geringer Flüssigkeitszufuhr den flüssigen Darminhalt aufsaugen und linderten dadurch die Beschwerden.
Wie für alle Präparate aus pflanzlichen Fasern gelte auch für die Einnahme von Hagebuttenpulver, dass ein Abstand von 2 Stunden zwischen der Einnahme des Pulvers und der Zufuhr anderer Medikamente eingehalten werden solle, um einer verzögerten Aufnahme von Medikamenten vorzubeugen.
Quelle:
Zeitschrift für Phytotherapie 2009;
30: 227-231
DOI: 10.1055/s-0029-1242924
Sigrun Chrubasik, Cosima Chrubasik, Elena Neumann, Ulf Müller-Ladner;
Zur antientzündlichen Wirksamkeit von Pulver aus der Hagebutte
Kommentar & Ergänzung:
Dass Hagebutten plötzlich eine Bedeutung bekommen in der Behandlung von Rheuma bzw. Arthrose – wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht. Erfreulich ist zudem, dass es wissenschaftliche Bestrebungen gibt, um die Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers fundiert zu belegen. Allerdings sind die Verkaufsaktivitäten losgaloppiert, bevor auch nur im Ansatz die wichtigsten Fragen geklärt wurden. Auch sind die Hagebutten-Präparate als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, nicht aber als Heilmittel angemeldet. Eine Wirksamkeit ist daher gegenüber von Heilmittelbehörden nicht dokumentiert worden.
Auch die im Artikel beschriebenen Ungereimtheiten in der Hagebutten-Forschung legen eine vorsichtige Einschätzung der Hagebutten-Wirkung nahe.
Die Autorinnen und der Autor schreiben ja:
“Dennoch besteht an der Wirksamkeit des Hagebuttenpulvers in Anbetracht der nachgewiesenen antioxidativen und antientzündlichen Wirkung kein Zweifel.”
Ich vermute aufgrund der vorliegenden Daten ebenfalls, dass Hagebuttenpulver eine günstige Wirkung hat im Bereich Rheuma bzw. Arthrose. Dass aber kein Zweifel mehr besteht, scheint mir doch etwas stark ausgedrückt. Laborexperimente mit antioxidativen und antientzündlichen Effekten sagen noch wenig über tatsächliche Wirkungen an Rheumapatienten aus.
Das als wichtiger Wirkstoff der Hagebutte herausgehobene Galaktolipid soll übrigens fettliebend (lipophil) sein. Das spricht gegen eine gute Wirksamkeit von Hagebuttentee, weil sich das Galaktolipid im wässrigen Milieu wohl schlecht lösen wird.
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Freitag, Dezember 4th, 2009
Auf www.bild.de ist soeben ein Beitrag zum Thema “Rheumatherapie” erschienen. Dabei wird auch auf die Phytotherapie hingewiesen und auf die Heilpflanzen Teufelskralle, Weidenrinde und Brennessel:
“Die Europäische Fachgesellschaft für Phytotherapie empfiehlt auf diesem Gebiet in erster Linie die Teufelskrallenwurzel und die Weidenrinde. Seit Vielen Jahrhunderten wird aber auch die Brennessel zur Rheuma-Behandlung eingesetzt. Deren Wirkung ist jedoch eher gering einzustufen.”
Quelle: www.bild.de, 4. 12. 2009
Kommentar & Ergänzung:
Grundsätzlich korrekte Empfehlung, allerdings ist nur schon der Begriff “Rheuma” problematisch, weil in diesem Sammeltopf sehr unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst werden. Darum ist es eigentlich fragwürdig pauschal zu sagen, diese oder jene Heilpflanze wirke gegen “Rheuma”.
Teufelskralle beispielsweise gehört mehr in den Bereich Arthrose, wenn man die Studien anschaut, die mit dieser Heilpflanze durchgeführt wurden. Weihrauch dagegen – hier nicht erwähnt – wird wegen seiner Hemmwirkung auf entzündungsauslösende Leukotriene bei Polyarthritis erforscht.
Brennnessel wird tatsächlich schon seit Jahrhunderten gegen Rheuma verwendet, hat aber in der Zwischenzeit das “Profil” geändert. Früher dachte man, dass Brennnessel über eine Ausscheidung von Giftstoffen (Entschlackung) Rheuma heilen kann. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Irrtum, weil diese angeblichen Giftstoffe oder Schlacken, die für “Rheuma” verantwortlich sein sollen, bisher ein Phantom geblieben sind. Allenfalls könnte man bei Gicht die Harnsäure als “Schlacke” bezeichnen, doch macht Gicht einen marginal kleinen Anteil unter den Rheumakrankheiten aus.
In den Blättern der Brennessel wurden allerdings entzündungswidrige Stoffe entdeckt (Prostaglandin-Hemmer). Vielleicht ist ja die Erfahrung aus der traditionellen Pflanzenheilkunde mit der Brennessel als Rheumapflanze richtig, aber die damalige Erklärung war möglicherweise falsch.
Wichtig ist aber ausserdem, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtige Heilpflanze anzuwenden. Mindestens so entscheidend ist, in welcher Form dies geschieht (z. B. Tee, Tinktur, Extrakt), weil es bei Naturheilmitteln sehr grosse Qualitätsunterschiede gibt.
Zur Weidenrinden-Forschung weitere Erläuterungen im “Infodienst Forschende Phytotherapie”:
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Montag, November 23rd, 2009
Eine Heilpflanze gegen Husten und Bronchitis ist die Großblütige Königskerze. Eingesetzt werden bei Katarrhen der oberen Atemwege ausschließlich die Königskerzen-Blüten, erklärt der Klostermedizinforscher Johannes Gottfried Mayer von der Universität Würzburg.
Königskerzen-Blüten enthalten Schleimstoffe, Flavonoide, Saponine und Iridoide sowie kleinere Mengen an ätherischem Öl. «Für die Verwendung bei Erkältungskrankheiten und Husten sind vor allem die Schleimstoffe und die Saponine von Bedeutung», sagt der Wissenschaftler. Die Schleimstoffe schützen die Schleimhäute und lindern dadurch die Reizung – die Saponine lösen den Erkältungsschleim und fördern so den Auswurf. «Hinzu kommt noch eine entzündungshemmende Wirkung der Inhaltsstoffe.»
In der «Erfahrungsheilkunde» werden die Blüten ausserdem gegen Hämorrhoiden und Durchfall, gegen Ohrenschmerzen und rheumatische Schmerzen verwendet. Ein Bad mit dem Auszug aus den Königskerzen-Blüten soll bei juckenden Hautproblemen hilfreich sein, erklärt Mayer. In der Medizin wird die Heilpflanze, die auch Wollblume heißt, bereits seit der Antike verwendet.
Die Klostermedizinerin und Äbtissin Hildegard von Bingen beschrieb als erste die auch heute noch aktuellen Anwendungsbereiche: «Sie empfiehlt Königskerze zusammen mit Fenchel bei heiserer Kehle und Brustschmerzen, also gegen Bronchitis», erklärt Mayer. Welche Pflanzenteile verwendet werden sollen, erwähnte Hildegard allerdings nicht.
Quelle:
http://de.news.yahoo.com
Kommentar & Ergänzung:
Königskerze (= Wollblume) gehört zu den traditionellen Heilpflanzen gegen Husten. Königskerzen-Blüten sind häufig Bestandteil von Hustentee-Mischungen.
Den Gehalt an Schleimstoffen teilt die Königskerze mit vielen anderen Heilpflanzen wie Malvenblüten, Spitzwegerichblatt, Eibischwurzel, Isländisch Moos.
Die als “Erfahrungsheilkunde” beschriebenen Anwendungsbereiche Durchfall, Ohrenschmerzen, Hämorrhoiden, Rheuma und Hautprobleme sind eher fraglich.
Die gegenwärtige Anwendung bei Husten umreisst Professor Mayer präzis: Der Königskerze wird sowohl eine reizlindernde als auch eine auswurffördernde Wirkung zugeschrieben.
Im Garten ist die Königskerze eine gute Futterquelle für Vögel und Insekten.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
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Mittwoch, November 18th, 2009
Die Vogelkirsche wurde zum Baum des Jahres 2010 gewählt.
Deshalb nun hier eine Laudatio auf die Vogelkirsche und anschliessend einen Exkurs zu den Anthocyanen, die wesentlich zu den gesundheitsfördernden Wirkungen der Kirschen beitragen und als blaue Farbstoffe auch in anderen Heilpflanzen (z.B. den Heidelbeeren) Bedeutung haben.
Die Vogelkirsche mit den schneeweißen Blüten begleite die Menschheit seit Jahrtausenden, sei heute jedoch nur noch selten zu finden, teilte das Kuratorium Baum des Jahres in Berlin mit.
Süßkirschen seien Zuchtformen der Vogelkirsche und nur schwer voneinander unterscheidbar. Weil die Vogelkirsche (Prunus avium) Hitze und Trockenheit verträgt, könnte sie vom Klimawandel profitieren, erklärte der Kuratoriumsvorsitzende Silvius Wodarz.
Die Krone einer frei stehenden Vogelkirsche mit bis zu einer Million Blüten spendet reichlich Nektar für Hummeln und Bienen. Die genügsame Pflanze kann im Wald bis zu 30 Meter hoch und 150 Jahre alt werden. Da die Vogelkirsche nur wenig Nährstoffe und Feuchtigkeit braucht, wächst sie auch auf Schuttflächen.
Vogelkirschen wachsen an Waldrändern und in freien Landschaften. Die Früchte dieser Wildform sind deutlich kleiner als die kultiverten Süßkirschen. Das wertvolle Holz der Vogelkirsche wird als Furnier geschätzt.
Für die Veredelung zur Süßkirsche pfropft man Zweige auf die Vogelkirsche. Kulturkirschen sind an knollenartigen Verdickungen des Stammes – der Pfropfstelle – erkennbar. Die Römer brachten die Kulturkirsche zu uns nach Mitteleuropa. Heute liegt die Jahresernte an Süßkirschen weltweit bei etwa 2 Millionen Tonnen. In Europa sei Deutschland das Land mit der größten Erntemenge (2008: etwa 60 000 Tonnen ohne private Kirschbäume).
Kirschkerne können sogar zu Kunstobjekten werden. Im “Grünen Gewölbe” in Dresden ist ein Kern aus dem Jahre 1589 mit 185 geschnitzten Gesichtern zu bestaunen. Kirschkernkissen sollen zudem Rheuma und Hexenschuss lindern. Auch Weltmeisterschaften im Kirschkern-Weitspucken werden durchgeführt. Ein ästhetisches Highlight der Vogel- und Süßkirsche ist ihre leuchtende Herbstfärbung, betonte das Kuratorium “Baum des Jahres”. Das Gremium empfahl ausserdem, jetzt einen Kirschbaum zu pflanzen.
Im Jahr 2008 war der Bergahorn gekürt worden. Die Auszeichnung wird seit 1989 jährlich verliehen. Mit der Wahl soll mehr Sensibilität für das lebendige Kulturgut rund um den Baum geschaffen werden. Nur wer etwas über Baumarten wisse, könne auch ökologische Zusammenhänge begreifen, argumentiert der Deutsche Forstverein.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/2032569_Vogelkirsche-Baum-des-Jahres-2010.html
Kommentar & Ergänzung:
Die Vogelkirsche zählt nicht zu den Heilpflanzen, ist aber für die Tierwelt als Nahrungsquelle wertvoll.
Die hellroten Steinfrüchte der Vogelkirsche reifen im Sommer zu etwa 1 cm kleinen, kugeligen, schwarzroten Früchten heran. Sie enthalten 10 % Zucker und sind wegen ihres bitteren Geschmacks für Menschen kaum essbar, werden jedoch gerne von Vögeln und Insekten gefressen.
Kulturkirschen dagegen sind als Nahrungsmittel beliebt und gesund unter anderem wegen ihrem hohen Gehalt an Anthocyanen, die man als Farbstoffe auch in anderen blauen Früchten wie Brombeeren, Heidelbeeren oder schwarzen Johannisbeeren findet.
Den Anthocyanen werden eine ganze Reihe von günstigen Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben, weshalb sie Gegenstand intensiver Forschung sind.
Was hat es mit den Anthocyanen auf sich?
Anthocyane sind eine Untergruppe der Biophenole. Sie sind stark wirkende Antioxidanzien. Die eigentlich wirksamen Stoffe sind die farblosen Vorstufen, die Proanthocyane. Sie zerfallen, sobald sie mit Sauerstoff in Kontakt kommen und werden durch Kochen meisten ebenfalls zerstört. Anthocyane sind enthalten im Rotkohl sowie in den roten Salatsorten (Kopfsalate Barbarossa, Rotkäppchen; Eissalate Rosso und Sioux, Eichblattsalat), auch in Heidelbeeren [Waldheidelbeeren haben den höchsten Gehalt überhaupt, in geringerem Masse die Gartenheidelbeeren und Holunderbeeren, in dunklen Bohnen und in Sauerkirschen]. Anthocyane bewirken ebenfalls den violetten Farbton in den Artischocken, den blauen Farbton in Weintrauben, den lila Farbton in den Auberginen.
Die Anthocyane sollen die Zellatmung verbessern, Darmkrebs und Ablagerung von LDL-Cholesterin in den Gefässen entgegenwirken und vor Herz-Kreislauf-Krankheiten schützen. Anthocyane aus den Kirschen wirken schmerzstillend und entzündungshemmend. Anthocyane werden von Pflanzen auch gebildet, wenn sie unter Bakterien- oder Insektenbefall, Hitze- oder UV-Strahlungs-Stress oder Wunden leiden. Die tiefroten Wundanthocyane sind dann deutlich an den Wundrändern zu beobachten. Anthocyane in den Holunder- und Heidelbeeren sollen die Sehfähigkeit in der Nacht verbessern und den Cholesterinspiegel senken.
Das Flugmedizinische Institut der deutschen Luftwaffe in Fürstenfeldbruck hat unter Einwirkung der Anthocyane eine bessere Sicht bei Dunkelheit bestätigt und reduzierte Blendeinwirkung entgegenkommender Autos festgestellt. Diese Wirkung stellt sich jedoch nur bei sehr hoher Konzentration ein, wie sie bei Genuss von Heidelbeeren nicht erzielt werden kann. Der Anthocyan-Wirkstoff wirkt auch stabilisierend auf die feinen Blutgefässe der Netzhaut. Er wird angewendet bei diabetischer Retinopathie und Makula-Degeneration. Alle Anthocyan-Farbstoffe schützen auch schon in kleinen Mengen vor Freien Radikalen (Uni Jena, Volker Böhm). Laut amerikanischen Wissenschaftlern schützen die Anthocyane der Sauerkirschen besser vor Freien Radikalen als Vitamin E.
(Quelle: http://www.bio-gaertner.de)
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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