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Manager bevorzugen pflanzliche Schlafmittel

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Jede dritte deutsche Führungskraft konsumiert zumindestens ab und zu Schlafmittel. Zu diesem Resultat kommt eine Umfrage der Regensburger R-und-K-Marktforschung im Auftrag der Max-Grundig-Klinik in Bühl. 1000 Führungskräfte verschiedener Hierarchiestufen nahmen an der Umfrage teil, wobei Mitarbeiter von Unternehmen verschiedener Größen, Branchen und Regionen vertreten waren.

33 Prozent der Befragten erklärten, ab und zu Schlafmittel zu verwenden. Beim überwiegenden Teil von ihnen (29 Prozent) geschieht dies allerdings nur selten. 4 Prozent sagten, dass sie die Mittel regelmäßig einnehmen. Dabei kommen chemische Präparate allerdings nicht häufig zum Zug: 96 Prozent der befragten Führungskräfte sagten aus, dass sie keine chemischen Schlafmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen verwenden und auch keine sedierenden Antidepressiva wie Doxepin, Mirtazapin oder Amitryptilin. Nur 2 Prozent der Befragten nehmen diese Präparate gelegentlich ein, 1 Prozent oft und 1 Prozent immer.

Stattdessen greifen Managerinnen und Manager vielfach zu pflanzlichen Beruhigungsmittel – und zwar 21 Prozent gelegentlich, 11 Prozent häufig und 5 Prozent immer. Der weitgehende Verzicht auf harte Substanzen sei ein gutes Zeichen, sagt dazu Henning Hager, Leitender Arzt der Psychosomatischen Medizin an der Max-Grundig-Klinik. Er weist darauf hin, dass aus ärztlicher Sicht chemische Präparate nur im Notfall angewendet werden sollten.

Dass über ein Drittel der deutschen Führungskräfte regelmäßig auf pflanzliche Beruhigungsmittel zurückgreife, sei aber ein deutlicher Hinweis, dass viele von ihnen mit Stress und mangelndem Schlaf nicht zurechtkämen.

Auf die Frage, welche pflanzlichen Schlafmittel sie kennen, nannten 87 Prozent der befragten Führungskräfte Baldrian, 75 Prozent Hopfen, 51 Prozent Lavendel, 47 Prozent Johanniskraut und 31 Prozent Passionsblume. Neben pflanzlichen Beruhigungsmitteln setzt außerdem jede vierte befragte Person (28 Prozent) auf Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Meditation.

Hager bewertete das Resultat der Umfrage positiv, vor allem die Tatsache, dass die Mehrheit der Befragten vertretbare pflanzliche Mittel zum Schlafen einsetze. Er empfiehlt, diese Mittel ausreichend hoch zu dosieren und langfristig einzunehmen: Schnelle Erfolge seien bei Einmalgabe nicht erreichbar. Auch sollten Personen mit Schlafproblemen vor dem Zubettgehen keinen Alkohol und kein schweres Essen einnehmen, keinen Hochleistungssport ausüben und keine Konfliktgespräche führen. Auch bläuliches LED-Licht vor dem Schlafengehen sei kontraproduktiv, weshalb Hager dazu rät, eine Stunde vor dem Schlafengehen auf die Benutzung von Laptop und Smartphone verzichten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=65926

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Umfrage. Vernünftige Stellungnahme des Psychosomatikers aus der Max-Grundig-Klinik.

Wiederkehrende Schlafstörungen können durch unterschiedlichste Ursachen ausgelöst werden. Falls möglich sollten diese Ursachen identifiziert und angegangen werden. Dazu sind in der Regel hauptsächliche nichtmedikamentöse Massnahmen sinnvoll und nötig.

Sollen trotzdem Arzneimittel zur Anwendung kommen, sind pflanzliche Präparate wegen ihrer ausgesprochen guten Verträglichkeit eine sinnvolle Option. Das scheinen also auch die befragten Manager gemerkt zu haben.

Mich erstaunt allerdings, dass bei diesen Führungskräften Baldrian, Hopfen, Lavendel, Johanniskraut und Passionsblume als Schlafmittel so bekannt sein sollen. Da müsste man mehr darüber wissen, wie die Fragen gestellt wurden. Aufzählung vorgegebener Antworten zum ankreuzen? So frei aus dem Kopf heraus kann ich mir vorstellen, dass den Befragten Baldrian in den Sinn kommt, kaum aber zum Beispiel Passionsblume.

Johanniskraut würde ich im Übrigen zu den Antidepressiva zählen und nicht zu den Schlafmitteln.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Antidepressiva als Analgetika

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Die Österreichische Apothekerzeitung befasst sich in der Ausgabe Nr. 16 / 2014 unter anderem mit Psychopharmaka. Herausheben und kurz kommentieren möchte ich daraus die folgende Passage:

„Univ.-Prof. Dr. Michael Bach, Chiemseeblick Fachklinik für Psychosomatik, beleuchtete das Thema Psychopharmaka und Schmerz und räumte mit so manchen falschen Annahmen vor allem in Bezug auf Antidepressiva als Analgetika auf. So impliziert eine klinisch signifikante Schmerzreduktion durch ein Antidepressivum keineswegs eine „Psychogenese“ des Schmerzsyndroms; vielmehr sind die antinozizeptiven Eigenschaften unabhängig von der Ätiologie des Schmerzes.“

Quelle:

ÖAZ 16 / 2014-08-15

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2014/OAZ-2014-16.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Schon niedrige Dosierungen von Antidepressiva können bei chronischen Schmerzen analgetisch (schmerzstillend) wirken. Offenbar verändern diese Substanzen über komplexe chemische Vorgänge die Schmerzempfindlichkeit der Nervenfasern oder hemmen Übertragungsvorgänge an den Umschaltstationen des Rückenmarks. Die analgetischen Wirkungen der Antidepressiva treten in der Regel schon bei Dosierungen auf, die weit unterhalb derjenigen liegen, die man für eine antidepressive Wirkung braucht.

In diesem Zusammenhang werden bei chronischen Schmerzen manchmal auch Johanniskraut-Extrakte empfohlen, die man als phytotherapeutische Antidepressiva bezeichnen kann. Allerdings sind mir keine Studien bekannt, die speziell eine analgetische Wirkung von Johanniskrautpräparaten untersucht hätten. Die antidepressive Wirkung von Johanniskraut-Extrakt wurde dagegen in zahlreichen Studien dokumentiert.

Nun zu obigem Zitat:

Verschreibt oder empfiehlt man Antidepressiva bzw. auch Johanniskraut bei chronischen Schmerzen mit einer analgetischen Absicht, braucht es dazu eine klare Kommunikation.

Allzu leicht kommt bei den Betroffenen nämlich die Botschaft an, ihr Leiden sei „nur psychisch“. Chronische Schmerzpatienten haben oft einen langen Leidensweg hinter sich, auf dem sie in verschiedenen Formen immer wieder zu hören bekommen, dass bei ihnen keine klare körperliche Ursache fassbar sei. Statt „wir finden nichts“ kommt dann mit der Zeit nicht selten an: „Sie haben nichts“ – und die Betroffenen fühlen sich in die „Psycho-Ecke“ geschoben (wobei aber natürlich auch psychische Leiden real sind).

Verordnet oder empfiehlt man in solchen Schmerzsituationen ohne genauere Erläuterungen ein Antidepressivum, schlägt das in die gleiche Kerbe. Es kommt als „Psychologisierung“ an.

Darum muss in diesen Fällen die Absicht präzis erklärt werden: Dass es um eine Modulation der Schmerzverarbeitung geht – und nicht um einen antidepressiven Effekt.

Genau diesen Unterschied drückt das Zitat aus der „Österreichischen Apothekerzeitung“ aus.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Krebs & Psyche: Positiv denken?

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Immer noch geistern Vorstellungen herum, im Kampf gegen Krebs sei positives Denken Voraussetzung für eine Heilung. Krebspatienten, denen dieses positive Denken nicht so leicht fällt, bekommen oft mehr oder weniger deutlich zu hören, dass sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben und dadurch nicht ganz unschuldig sind, wenn die Heilung auf sich warten lässt.

Es ist Zeit, diesen alten Zopf abzuschneiden.

Klar Stellung genommen zu dieser Frage hat vor kurzem Christian Zniva, Leiter der Abteilung für Klinische Psychologie am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz (Oberösterreich):

« “Patienten erwarten oft von uns, dass wir ihnen helfen, positiv zu denken – damit sie den ,Kampf gegen den Krebs’ aufnehmen können“. Dabei sei das überholt. „Wissenschaftliche Studien haben längst widerlegt, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Psyche und dem Krankheitsverlauf gibt“, sagt Zniva. „Diese Information kann Patienten entlasten.“ Denn es sei gar nicht nötig, ständig gut gelaunt gegen den Krebs zu kämpfen. „Das führt oft nur zu einem verkrampften Umgang und kostet außerdem viel zu viel Kraft.“

Heute würde man mit anderen Bildern arbeiten. „Ich beschreibe Krebs gerne als einen Weg mit Stolpersteinen, auf dem man – einen nach dem anderen – wegräumt.“»

Quelle:

http://www.nachrichten.at/ratgeber/gesundheit/art114,782756

Kommentar & Ergänzung:

Fazit: Wer positiv gestimmt ist soll sich davon nicht abbringen lassen. Aber auch angeblich negative Gefühle wie Wut, Ohnmacht, Trauer etc. haben quasi ein Existenzrecht. Und kein Krebspatient, keine Krebspatientin muss sich vorwerfen (lassen), das schade dem Kampf gegen die Krankheit, wenn er oder sie mal nicht so gut „drauf ist“.

Angestrengt positives Denken ist nämlich ziemlich bescheuert.

Ein noch heiklerer Punkt beim Thema Krebs & Psyche ist eine fürchterlich oberflächliche, oft esoterisch angehauchte Populär-Psychosomatik, die mit leichtfertig hingeworfenen psychologischen oder esoterischen Deutungen um sich wirft („Du musst deine Konflikte bearbeiten, damit du gesund wirst“).

Die Durchsetzung von Deutungen ist eine Machtfrage und es ist oft eine Form von Übergriff, wie in dieser „Szene“ Patientinnen und Patienten Deutungen aufgedrängt oder aufgedrückt werden.

Solche Schuldzuweisungen dienen der Kontingenzbewältigung. Mit Kontingenz ist hier gemeint, dass wir als Menschen Krankheit und Gesundheit nicht im Griff haben. Diese ohnmachtsträchtige Situation lässt sich lindern durch Theorien, welche Kranken Schuld und Verantwortung zuschieben.

Multiple Sklerose oder Krebs sind dann nicht Widerfahrnisse, die Menschen zustossen können, weil Krankheit auch zur menschlichen Existenz gehört. Sie sind Folge von Versäumnissen. So kann man sich dann zurechtphantasieren, dass man von solchen Krankheiten verschont wird, wenn man sich richtig verhält – genug an sich arbeitet, sich spirituell höher entwickelt, viel Vitamine konsumiert, nur moderat sündigt……

Konstruktiver wäre meines Erachtens, dass wir Kontingenz als Bestandteil menschlicher Existenz anerkennen und dass wir lernen, mit diesem manchmal bedrohlichen Faktum umzugehen.

Kontingenz-Kompetenz wäre dann also quasi gefragt, aber wo lernt man das schon?

Falls Sie sich vertiefter mit diesen Fragen auseinandersetzen wollen, empfehle ich einen Blick auf www.patienten-seminare.ch und auf Eidberger Gedankengänge.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bärlauchtinktur für mehr Durchsetzungskraft

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Bärlauch weiss was er will und setzt sich durch. Das sieht man daran, wie souverän der Bärlauch den Winter überwindet.

Deshalb hilft Bärlauchtinktur Menschen, die sich nicht entscheiden können und Menschen, denen es an Durchsetzungskraft fehlt.

Mit dieser schönen Geschichte begründete ein Naturheilpraktiker vor kurzen die Verordnung von Bärlauchtinktur an eine Patientin mit Entscheidungsproblemen.

Solche Geschichten sprechen Menschen oft an. Und wer könnte nicht einen solchen Helfer brauchen. Und manche Geschichten sind auch wertvolle Kulturschätze.

Aber die Geschichte von der Bärlauchtinktur als Helfer bei Entscheidungschwäche und Durchsetzungsmangel ist sehr funktional: Bärlauchtinktur als Problemlöser. Einfach, schnell, käuflich, konsumierbar. Passt gut in unsere Zeit.

Bei Geschichten müsste man zudem auch hinschauen, was sie genau aussagen.

Die Fähigkeit des Bärlauchs, zu wissen was er will und sich durchzusetzen, soll sich offenbar auf Menschen mit Entscheidungsproblemen übertragen. Wie das genau gehen soll bleibt offen.

Bärlauch hat aber keine Entscheidungsprobleme, weil er gar keine Wahl hat. Er entwickelt sich fraglos nach einem Programm, das in seinen Genen festgelegt ist.

Man könnte also auch sagen, Bärlauch ist ein Vorbild für die Erfüllung eines vorgegebenen Plans (wie jede Pflanze).  Soll die Bärlauchtinktur also diese Fähigkeit auf den Menschen übertragen? Dann gute Nacht!

Die Annahme, dass Bärlauch weiss, was er will, setzt voraus, dass er ein Bewusstsein von sich und seinen Wahlmöglichkeiten hat.

Und ja, Bärlauch setzt sich durch – unter den Bedingungen seiner ökologischen Nische, an die er seit Millionen von Jahren angepasst ist.  Menschen sind aber nicht derart festgelegt auf eine ökologische Nische. Zum Glück. Vielleicht hat es auch darum der Bärlauch etwas einfacher.

Zudem täuscht der oberflächliche Eindruck: Wir sehen eben nur diejenigen Bärlauch-Exemplare, die sich durchgesetzt haben. Die um ein Vielfaches zahlreicheren Exemplare, welche schon im Samenstadium eingehen, sehen wir nicht.  Soll ich jetzt daraus schliessen, die Mehrzahl der Bärlauche seien Versager?

Solche Vermenschlichung von Heilpflanzen halte ich für eine üble Tendenz. Lassen wir bitte schön die Pflanzen doch einfach Pflanzen sein – und freuen wir uns gerade deswegen an ihnen.

Den Pflanzen werden hier nämlich menschliche Phantasien unterschoben, die mit ihnen nichts zu tun haben.  Ohne dass den Produzenten dieser Fantasien das bewusst zu sein scheint.

Und wenn auf der Basis solcher Fast-Food-Psychosomatik Menschen behandelt werden, ist das meines Erachtens total fragwürdig und willkürlich.

Patienten mit echten psychischen Problemen werden so schlicht und einfach verarscht.

Das sage ich nicht zuletzt als jemand, der zwei mehrjährige Psychotherapie-Ausbildungen absolviert hat, während denen mein Respekt vor der Komplexität psychischer Prozesse stark gestiegen ist.

Eine ähnliche Thematik finden Sie hier:

Huflattich stärkt den Willen und die Durchsetzungskraft

Bärlauch ist als Heilpflanze und für Bärlauchpesto durchaus interessant:

Knoblauch, Bärlauch, Zwiebel & Co.

Aber nicht verwechseln mit Maiglöckchen („Meierisli“) oder Herbstzeitlose:

Bärlauch, Maiglöckchen oder Herbstzeitlose?

Unterscheidungsmerkmale: Bärlauch, Maiglöckchen, Herbstzeitlose

Tödliche Verwechslungen von Bärlauch und Herbstzeitlose

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kopfschmerzmittel und Abhängigkeit

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Der „Standard“ publizierte vor ein paar Tagen ein Interview mit Gunther Haag, Chefarzt der Michael-Balint-Klinik, Fachklinik für Psychosomatik und Ganzheitsmedizin in Königsfeld, zum Thema „Kopfschmerzen“.

Daraus hier drei wichtige Aussagen:

– Zur Vermeidung einer Abhängigkeit von Kopfschmerzmitteln sagt Haag:

„Kopfschmerzpatienten dürfen höchstens an zehn Tagen pro Monat Medikamente einnehmen, um nicht in die Gefahr zu kommen, einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch zu entwickeln. Das ist eine große Gefahr, vor allem bei Triptanen oder Monoanalgetika (zum Beispiel ASS) auftritt.“

– Zu den Kontraindikationen & Nebenwirkungen einer Selbstbehandlung von Kopfschmerzen:

„Wenn nach der Einnahme eines Medikaments Lähmungen, Übelkeit oder Gedächtnisstörungen auftreten, sollte man zum Arzt. Auch bei Fieber ist Selbstmedikation nicht empfehlenswert. Und es gibt Nebenwirkungen, zum Beispiel bei Acetylsalicylsäure oder Diclofenac. Sie können den Magen angreifen – deshalb ist ein Magenschutz bei entsprechenden Problemen zu empfehlen.“

– Als nichtmedikamentöse Massnahmen zur Linderung von Kopfschmerzen empfiehlt Haag: „Entspannungstechniken lernen, Ausdauersport und Stressreduktion.“

Quelle:

http://derstandard.at/1304553568563/Kopfschmerzen-Es-ist-eine-Reizverarbeitungsstoerung

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin kein fundamentalistischer Gegner von synthetischen Kopfschmerzmitteln. Manchmal sind solche Präparate einfach nötig. Der Artikel im „Standard“ beschreibt aber gut auch die Risiken und Nebenwirkung bei der Langzeitanwendung solcher Produkte.

In manchen Fällen können auch einfache Massnahmen aus dem Bereich Naturheilkunde / Phytotherapie Linderung bringen.

Bei Spannungskopfschmerzen bewährt sich oft die Anwendung von Pfefferminzöl:

Phytotherapie: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl lindert Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerz

Zu Pestwurz und Weidenrinde als milde Kopfschmerzmittel:

Heilpflanzen gegen Kopfschmerzen

Ausserdem zum Thema Kopfweh:

Naturheilmittel gegen Kopfschmerzen

Zu Phytotherapie und Schmerzbehandlung allgemein:

Phytotherapie: Heilpflanzen zur Schmerzbehandlung

Schmerz ist ein sehr vielschichtiges Phänomen. Bei chronischen Schmerzzuständen lohnt sich ein Zugang von verschiedenen Seiten.

Hintergrundwissen zum Thema Schmerz aus Psychologie, Philosophie und Medizingeschichte bietet das Tagesseminar „Phänomen Schmerz besser verstehen und damit umgehen“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

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[Buchtipp] Mit Krankheit leben. Beck Reihe, Band 1620, Von der Kunst, mit Schmerz und Leid umzugehen — von Farideh Akashe-Böhme, Gernot Böhme

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Verlagsbeschreibung

In unserer leistungsorientierten Gesellschaft wird Krankheit weitgehend tabuisiert und im besten Falle therapiert. Krankheitsbewältigung kann jedoch nicht einfach an Experten delegiert werden – sie ist eine Sache der Patienten selbst. Die Autoren fordern einen mündigen Umgang mit dem eigenen Leiden, auch um gegenüber dem medizinischen System handlungsfähig und selbstbestimmt zu bleiben. Sie beschreiben, wie man das eigene Leben mit der Krankheit akzeptieren kann, und führen anhand von Aussagen Betroffener verschiedene Wege der Krankheitsbewältigung vor Augen: von der distanzierten Betrachtung der Krankheit über die Mobilisierung innerer Kräfte bis hin zur Auseinandersetzung mit ihr im Reden und Schreiben. Egal, für welche der vorgestellten Möglichkeiten sich der Leser entscheidet, das Ziel ist stets, Krankheit als Bestandteil des Lebens zu begreifen und so ein Stück Lebenskunst zu erlernen. Zum Shop

Kommentar:

Mit Krankheit leben – Von der Kunst, mit Schmerz und Leid umzugehen

Farideh Akashe-Böhme als Soziologin und Gernot Böhme als Philosoph ergänzen sich offensichtlich gut als Verfasser dieses Buches. Es hebt sich wohltuend ab von der heute weit verbreiteten, unsäglichen Fast-Food-Psychosomatik, die jeder Krankheit sofort einen ursächlich dafür verantwortlichen psychischen Knacks zuschreibt. Diese simple Etikettiererei führt in der Regel zu gar nichts oder allenfalls zu deplazierten Schuldgefühlen.

Akashe-Böhme und Böhme (AkaBö) legen dagegen vor allem Wert auf die Krankheitsbewältigung. Dabei greifen sie viele spannende Aspekte auf. Eine kleine Auswahl davon stelle ich hier vor:

Im ersten Kapitel geht es um Krankheit und Leiberfahrung. Nach AkaBö leben wir in einer Zivilisation, die durch Leibvergessenheit bestimmt ist. Gesundheit bedeutet darum wesentlich: sich nicht spüren, den Leib vergessen können. In der Krankheit lernt man sich selbst als Leib kennen. Weil der moderne Mensch wenig mit seinem Leib und dessen Regungen vertraut ist, neigt er dazu, leibliche Regungen generell als Symptome zu deuten, das heisst als Anzeichen dafür, dass mit seinem Körper etwas nicht in Ordnung ist.

Das zweite Kapitel handelt von der Therapeutik. Es geht darin unter anderem um den Umgang mit dem medizinischen System.

Das dritte Kapitel ist der Diätetik gewidmet. Gemeint sind damit im antiken Sinne Regeln zur Lebensführung. AkaBö gehen sorgfältig auf Situationen ein, in denen es um die Bewältigung von Krankheiten geht, mit denen die Betroffenen leben müssen. Ein sehr wichtiges Thema, denn im allgemeinen wird viel Gewicht auf Therapie und Heilung gelegt. Aber wo lernen wir den Umgang mit Krankheiten und Beeinträchtigungen, die nicht wegzubringen sind. Hier geht es um die hohe Kunst, mit der Krankheit ein möglichst gutes Leben zu gestalten.

Das vierte Kapitel behandelt ethische Fragen wie Selbstverantwortung, Therapieentscheidungen und die Bewältigung der Tatsache, dass die Krankheit ausgerechnet einen selbst trifft. Hier geht es zum Beispiel um die Vorstellung der Krankheit als Schicksal oder Prüfung.

Im fünfte Kapitel geht es um Unterschiede zwischen Männern und Frauen bezüglich Krankheit und Gesundheit.

Das sechste Kapitel thematisiert den Zusammenhang von Kranksein und Fremdsein. Es geht um Ausgrenzung und Stigmatisierung, um Sprachprobleme im Umgang mit Krankheit und um das kulturelle Verständnis von Krankheit.

Im siebten Kapitel geht es nicht um die eigene Krankheit sondern um das Zusammenleben mit der Krankheit der anderen. Krankheit kann auch eine grosse Herausforderung sein für die Menschen im Umfeld des Kranken.

Das letzte Kapitel trägt den Titel „Krankheit und Lebenskunst“.

„Mit Krankheit leben“ ist ein wertvolles Buch, weil es den Umgang mit Krankheit auf verschiedensten Ebenen zum Thema macht. Es ist auch wichtig für die Naturheilkunde, denn wenn wir uns darauf beschränken, die passenden Heilpflanzen zu verteilen, bleiben wir sehr eng und verpassen möglicherweise das Wesentliche.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Immunsystem stärken gegen Erkältungskrankheiten – Naturheilkunde überzeugt….

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Auf www.internisten-im-netz.de veröffentlicht der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) Tipps zur Stärkung des Immunsystems zur Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten. Schaut man sich die Tipps genauer an, handelt es sich um ein ziemlich umfassendes Konzept auf der Basis einer Naturheilkunde, wie sie beispielsweise Sebastian Kneipp schon vertreten hat.
Das zeigt, dass Naturheilkunde und Medizin kompatibel sind, was bei Komplementärmedizin und Medizin oft nicht der Fall ist.
Hier die Empfehlungen des BDI (Text von mir leicht modifiziert bei gleichbleibenden Aussagen):

Zwar können tiefere Temperaturen, wie sie im herannahenden Herbst bevorstehen, das Immunsystem schwächen und damit Schnupfen und andere Infekte begünstigen. “Jedoch sollte man sich nicht zu warm anziehen und nicht nur heiß duschen, da dies den Körper noch empfindlicher gegenüber niedrigen Temperaturen macht. Stattdessen können regelmäßige kalte Güsse und kalte Waschungen des Oberkörpers zum Beispiel 2- bis 3-mal in der Woche bereits im Spätsommer die Immunabwehr für den Herbst stärken“, empfielt Dr. Wolfgang Wesiack, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). “Saunabesuche einmal in der Woche oder regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft haben einen ähnlichen Trainingseffekt.“
Menschen, die zu wenig Schlaf bekommen, sind anfälliger für Infektionen durch Bakterien und Viren. „Es ist zwar individuell verschieden, wie viel Schlaf man benötigt, wichtig ist es jedoch, alle Tiefschlafphasen zu durchlaufen um einen Erholungseffekt zu erreichen. Am besten sind für die meisten Menschen 7 bis 8 Stunden Schlaf“, rät Dr. Wesiack. „Nach einer kurzen Nacht sollte man zur Regeneration ein paar ruhigere Tage einplanen.“

Auch die Psyche wirkt stark auf das Immunsystem. “So kann positiver Stress, wie etwa beim Sport, dem Ausüben eines Hobbys oder des Erlernen neuer Fähigkeiten das Immunsystem stimulieren. Lang anhaltende seelische Belastung hingegen schwächt die Abwehrkräfte“, erläutert der BDI-Vorsitzende. Ein Gefühl der Geborgenheit in der Umwelt sowie ein ausgeglichenes Gefühlleben wirken stabilisierend auf das Immunsystem. “So können Meditation, autogenes Training und Yoga die Zahl der Antikörper erheblich steigern.“
Eine ausgewogene und vielseitige Ernährung stellt dem Immunsystem die Bausteine zur Verfügung, um eine wirkungsvolle Abwehr aufbauen zu können. “Viel Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Fisch versorgen den Organismus am besten mit gesunden Nährstoffen. Bei Obst und Gemüse sollte man darauf achten, den Speiseplan möglichst bunt zu gestalten, da die in grünen, orangegelben und blauen Früchten enthaltenen Farbstoffe verschiedene positive Effekte auf die Gesundheit haben“, erklärt Dr. Wesiack.
Nicht zuletzt kann Sport die Immunabwehr aktivieren. “Durch regelmäßige Bewegung wird beispielsweise gewährleistet, dass Fremdstoffe über die Lymphe in die Lymphknoten transportiert werden, wo sich die Abwehrzellen auf einen möglichen Erreger einstellen können. Um das Immunsystem zu unterstützen, sind insbesondere Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Radfahren oder Schwimmen geeignet. Drei Trainingseinheiten von 30 Minuten haben bereits einen deutlichen positiven Effekt“, rät der BDI-Experte. “Übertreiben sollte man es allerdings als Sportanfänger nicht, denn völlige Verausgabung bewirkt eine Schwächung des Immunsystems.“

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/

Kommentar & Ergänzung:

Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897) vertrat ein Fünf-Säulen-Prinzip der Naturheilkunde:

– Lebensordnung
– Wasseranwendungen ?(Hydrotherapie)
– Bewegung?
– Ernährung?
– Heilkräuter

Den Begriff der Lebensordnung könnte man heute im Sinne einer Psychosomatik oder einer Salutogenese übersetzen.
Zur Salutogenese siehe die Buchbesprechung zu „Wie Gesundheit entsteht“ im unserem Buchshop.

Der BDI-Text geht auf die Säulen Lebensordnung, Wasseranwendungen (Güsse, Waschungen), Bewegung und Ernährung ein.
Einzig die Heilkräuter kommen im Naturheilkunde-Konzept des BDI nicht vor.

Zu den Heilpflanzen, die zur Stärkung des Immunsystems empfohlen werden, gehören vor allem Echinacea (Sonnenhut) und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie). Das sind aber nur die beiden Heilpflanzen mit den meisten klinischen Studien. Im Labor zeigen zahlreiche andere Heilpflanzen immunstimulierende Eigenschaften, zum Beispiel Ringelblume oder Eibischwurzel. Allerdings ist unklar, ob sich solche Laborbefunde auf den Menschen übertragen lassen.

Allzuviel darf man sich von pflanzlichen Immunstimulanzien nicht erhoffen. Würden sie nämlich das Immunsystem wirklich stark aktivieren, wäre dies allenfalls sogar riskant.
Mit einem allzu aggressiven Immunsystem jedenfalls ist der Organismus auch nicht gut bedient.
Die vier anderen im BDI-Text erwähnten Bereiche – Lebensordnung, Wasseranwendungen, Bewegung, Ernährung – sind für ein gesundes, wirksames Immunsystem wohl deutlich zentraler.

Die fünf Säulen nach Kneipp eignen sich ausgezeichnet als Brücke zwischen Naturheilkunde und Medizin, weil sie schon von ihren Grundlagen her mit medizinischem Denken kompatibel sind. Es ist sehr schade, dass sie in den gegenwärtigen politischen Bestrebungen zur Aufwertung der Komplementärmedizin kaum eine Rolle spielen – abgesehen von der Säule “Heilkräuter”, die in neuzeitlicher Form als Phytotherapie im Gespräch ist.

Fundierte Informationen im Tagesseminar:
Erkältungskrankheiten und grippale Infekte – Prophylaxe und Therapie mit Heilpflanzen
Details hier:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturheilkunde – was ist das?

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Naturheilkunde, Komplementärmedizin, Alternativmedizin – das sind Begriffe, die schwer zu fassen sind und sich zum Teil auch überschneiden. Doch wenn wir sie nicht einigermassen definieren und klären, was wir damit meinen, dann reden wir ganz einfach aneinander vorbei.
Naturheilkunde lässt sich in Anlehnung an Wikipedia etwa so zusammenfassen:

Der Begriff Naturheilkunde bezeichnet ein Spektrum verschiedener Methoden, welche die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen und die sich vorzugsweise in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen. Dazu zählen (nach einer Definition von Brauchle 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten Verständnis gehören auch “natürliche” Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen zur Naturheilkunde.

Dass diese Definition nicht problemlos ist, zeigen folgende Beispiele: die Impfung mit einem gentechnologisch hergestellten Heptitis-B-Impfstoff wirkt prophylaktisch durch Aktivierung des körpereigenen Immunsystems oder Penicillin ist ein Stoff natürlichen Ursprungs. Zur Naturheilkunde zählt keines der beiden Beispiele, obwohl sie die oben genannten Definitionskriterien erfüllen.

Die Naturheilkunde wird heute großenteils zum Bereich der Alternativmedizin und im engeren Sinne zur Komplementärmedizin gezählt (d. h. zu den wissenschaftlich nicht anerkannten, die Schulmedizin ergänzenden Verfahren). Als ein bedeutender Pionier der Naturheilkunde gilt der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland. 1888 erschien von Friedrich Eduard Bilz mit seinem Bilz-Buch ein Standardwerk der Naturheilkunde.

Naturheilverfahren

Zur “klassischen” Naturheilkunde werden im Allgemeinen die folgenden Naturheilverfahren gezählt:

– Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen)
– Bewegungstherapie
– Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Ernährung und eine dem
dem Krankheitsbild angepasste Diät)
– Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und im Einklang mit
der Natur)
– Phytotherapie (Einsatz von Heilpflanzen)

Diese fünf Naturheilverfahren sind auch bekannt geworden als die fünf Säulen des Sebastian Kneipp. Grundsätzlich sind diese Methoden kompatibel mit dem wissenschaftlichen Weltbild.
Oft werden auch folgende Methoden der Alternativmedizin zur Naturheilkunde gezählt, die aber auf eigenen Lehrgebäuden basieren und darum nicht so leicht mit medizinischem Denken und Handeln zu verbinden sind:

Homöopathie
Traditionelle Chinesische Medizin
Ayurvedische Medizin
Anthroposophische Medizin

Quelle: Wikipedia, Artikel “Naturheilkunde” (gekürzt und überarbeitet)

Kommentar:

Klassische Naturheilkunde aufwerten!

Weil die fünf Säulen nach Kneipp mit dem wissenschaftlichen Denken und handeln kompatibel sind, eignen sie sich ausgezeichnet zum Brückenbau zwischen Medizin und Komplementärmedizin. In Teilbereichen sind denn auch Phytotherapie, Hydrotherapie, Bewegungstherapie, Diätetik und Ordnungstherapie (moderner ausgedrückt: Psychosomatik) auch wissenschaftlich untersucht und bestätigt worden.

Meiner Ansicht nach sind diese fünf klassischen Naturheilverfahren sehr zu Unrecht etwas in den Hintergrund geraten.
Wahrscheinlich sind sie für die heutige Zeit einfach zuwenig schrill, zuwenig exotisch, zu simpel.
Zum Beispiel Bewegung? – Es gibt kaum etwas Gewöhnlicheres und viel zu verdienen ist auch nicht damit. Dabei ist Bewegung hoch wirksam für unsere Gesundheit und wohl wertvoller als alle Nahrungsergänzungsmittel zusammen, die viele Leute tagaus tagein konsumieren.

Wahrscheinlich decken die klassischen Naturheilverfahren auch die hohen Sinnbedürfnisse des heutigen Menschen nicht mehr so gut.

Methoden wie beispielsweise Anthroposophische Medizin, Ayurvedische Medizin oder Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) legen ein Sinngefüge in die Krankheiten. Das kann für manche Patientinnen und Patienten erleichternd wirken.

Allerdings sind es heteronome (= von aussen stammende) Sinngebungen, die sehr genau auf ihre psychologischen, philosophischen und politischen Konsequenzen hin unter die Lupe genommen werden sollten.

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Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

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Viele Beeren enthalten hohe Konzentrationen an roten und blauen Farbstoffen, den so genannten Anthocyanen. Ihnen werden viele gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. Regensburger Wissenschaftler konnten nun zeigen, dass neben den schon bisher bekannten Schutzmechanismen die Anthocyane noch weitere Schutzfunktionen für Zellen übernehmen.

Mitarbeiter vom Lehrstuhl für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Regensburg berichten in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Pharmacological Research, dass die Farbstoffe gleichzeitig als Hemmstoffe von zwei Enzymen fungieren, die für den Gehirnstoffwechsel eine bedeutende Rolle spielen. In Untersuchungen an total 25 verschiedenen Beereninhaltsstoffen fanden sich mehrere Farbstoffe, die einen hemmenden Effekt auf die Monoaminooxidasen (MAO) A und B entfalteten.

MAO-Hemmstoffe gehören seit langem zu den bewährten Medikamenten in der Behandlung von Morbus Parkinson und von Depressionen. Zwar erreichten die Beerenwirkstoffe nicht die Wirkungsstärke von handelsüblichen Arzneimitteln, doch es sei vorstellbar, dass ihre Einnahme mit der Nahrung gesundheitliche Vorteile biete, meinen die Forscher. Die Enzyme MAO A und B wirken in den Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Zelle. Ihre Hemmung führt zum verlangsamten Abbau verschiedener Neurotransmitter wie Noradrenalin, Dopamin und Serotonin sowie einiger Hormone wie zum Beispiel Adrenalin. Das bewirkt, dass im Gehirnstoffwechsel dann vermehrt Neurotransmitter zur Signalübertragung bereit stehen.

Ungeklärt ist zur Zeit noch, welche Menge Beeren täglich zu essen wären, um eine messbare Hemmung von MAO A und B in der Praxis herbeizuführen. Speziell reich an Anthocyanen sind Heidelbeeren und Holunderbeeren, welche davon je zwischen 600 und 1400mg pro 100g enthalten. Als weitere Nahrungsquellen mit hohem Anthocyananteil erwähnendwert sind blaue Weintrauben, Kirschen und Rotkohl bzw. Blaukraut.

Quelle:
Pressestelle Universität Regensburg / http://idw-online.de

Kommentar:
Reich an Anthocyanen ist auch Cassis (Schwarze Johannisbeere).
Natürlich handelt es sich hier nur um ein Laborexperiment und es wäre völlig überzogen, daraus schon auf konkrete Wirkungen von Anthocyanen aus der Nahrung auf Krankheitsprozesse wie Morbus Parkinson oder Depressionen zu schliessen.

Daran, dass anthocyanreiche Beeren wertvolle Nahrungsbestandteile sind, kann aber meines Erachtens kaum gezweifelt werden. Zubereitungen mit 25 – 35 % Anthocyanosiden aus Heidelbeeren werden innerlich eingesetzt bei krankhaft erhöhter Durchlässigkeit der Kapillaren, vor allem bei diabetischer Retinopathie, zur Verbesserung der Nachtsehleistung und zur Epithelregenerierung bei Magengeschwüren und Darmgeschwüren sowie äusserlich zur Förderung der Vernarbung von Wunden.
An diesem Beispiel zeigt sich wieder einmal, dass die Übergänge zwischen Nahrungspflanzen und Heilpflanzen oft fliessend sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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