Beiträge

Aromatherapie: Ätherische Öle gegen Einsamkeit und Langeweile?

Diesen Artikel teilen:

Beim Recherchieren bin ich gerade auf eine Aromatherapie-Internetseite gestossen, die eine ganze Reihe von fragwürdigen Empfehlungen enthält.

So werden zum Beispiel unter dem Titel „Einsamkeit und Langeweile“ passende ätherische Öle angepriesen:

Bergamotte, römische Kamille, Weihrauch, Rose, Muskatellersalbei, Palo Santo.

Das wirft eine ganze Reihe von grundsätzlichen Fragen auf. Deshalb kommentiere ich es hier:

 

1. Die Grundhaltung ist fragwürdig

Mir scheint es fundamental fragwürdig, für Einsamkeit und Langeweile ätherische Öle als Lösungsstrategie zu propagieren. Da wird das Heil bei persönlichen Herausforderungen in einem Mittel gesehen, das gekauft, von aussen zugeführt und konsumiert wird. Selbst wenn das funktionieren würde, wäre es fragwürdig.

Offenbar braucht es keine eigene Aktivität und Auseinandersetzung – beduften lassen genügt. Von der Haltung unterscheidet sich das nicht gross vom Einwerfen einer Tablette.

 

2. Die Wirksamkeit lässt sich im Einzelfall nicht überprüfen

Angenommen ich wende Muskatellersalbei an und die Einsamkeit bessert sich – was habe ich dann gelernt? Dass Muskatellersalbei gegen Einsamkeit hilft? Das ist keineswegs gewiss – die Einsamkeit könnte auch von selbst oder aus anderen Gründen verschwunden sein.

3. Quellenangaben und Begründungen fehlen

Fragwürdig ist auch, dass zu den aufgeführten ätherischen Ölen jede Erklärung und Begründung dazu fehlt, auf welcher Grundlage die Empfehlungen zustande kommen.

Bergamotte, Muskatellersalbei, Weihrauch, römische Kamille, Palo Santo, Rose – stehen ohne weitere Informationen auf der Liste.

Wie soll ich mir ein Urteil bilden dazu, ob die Angaben fundiert und glaubwürdig sind oder nicht? Das kann ich nur, wenn ich weiss, wie die Empfehlung zustande kommt.

Wer hat das empfohlen und aufgrund welcher Erfahrungen, Experimenten, Studien, Überlieferungen etc.

Solche Quellenangaben fehlen in der Aromatherapie-Literatur auch sonst an allen Ecken und Enden. So kann ich eine Empfehlung nur blind glauben oder blind ablehnen – und das halte ich für unwürdig.

4. Undifferenzierte Auszählungen sind nicht hilfreich

Eine rein quantitative, undifferenzierte Aufzählung – Bergamotte, Weihrauch, Muskatellersalbei, Palo Santo, römische Kamille, Rose – ist wenig hilfreich. Es müssten dazu qualitative Bewertungen mitgeliefert werden: Welches der aufgeführten ätherischen Öle ist in welcher Situation und in welcher Anwendungsform am wirksamsten? Und das auch noch möglichst mit Begründung.

5. Auf welche Art und Weise die Wirkung zustande kommen soll, ist vollkommen intransparent.

Nehmen wir einmal an, Weihrauch, Bergamotte, Muskatellersalbei, römische Kamille, Palo Santo und Rose hätten tatsächlich eine spezifische Wirkung bei Einsamkeit. Ich halte das für äusserst unwahrscheinlich, aber gehen wir einfach quasi „übungshalber“ davon aus, es sei so.

Dann wäre es wichtig zu wissen, wie genau die Beeinflussung der Psyche stattfindet, weil damit in ein psychodynamisches Kräftefeld eingegriffen wird, was auch negative Konsequenzen haben könnte.

Wird nur das Gefühl der Einsamkeit eliminiert, aber die Situation sonst ändert sich nicht? Das wäre fragwürdig, reine Symptombekämpfung und nicht weit entfernt vom Einsatz eines Tranquilizers. Mit psychischer Abhängigkeit müsste gerechnet werden.

Oder greifen römische Kamille, Bergamotte, Weihrauch, Muskatellersalbei, Rose und Palo Santo ursächlich ein zur Überwindung von Einsamkeit. Schwer vorstellbar, schliesslich gibt es ganz unterschiedliche Ursachen für Einsamkeit. Ist jemand einsam aus Schüchternheit und traut sich infolgedessen nicht, auf andere Menschen zuzugehen? Oder verhält sich jemand so unmöglich, dass niemand mit ihm zu tun haben will, und wird dadurch einsam? Oder ist jemand zwar von vielen Menschen umgeben, hat aber zu niemandem wirklich Kontakt und fühlt sich deshalb allein in der Masse?

Wo setzen da Muskatellersalbei, Bergamotte, Weihrauch, römische Kamille, Palo Santo und Rose genau an? Und könnte dieses Eingreifen nicht unerwünschte Nebenwirkungen haben?

Ähnliche Fragen wären zu stellen bezüglich der versprochenen Wirkungen dieser ätherischen Öle gegen Langeweile.

 

Auf der gleichen Website werden in diesem Aromatherapie-Portal zudem ätherische Öle propagiert bei Ärger, Angst, mangelndem Vertrauen, Depressionen, Müdigkeit, Erschöpfung, Burn-out, Trauer, Reizbarkeit, Unsicherheit, Panik und Panikattacken, Stress, Gedächtnisschwäche, Konzentrationsmangel, sowie für Frieden und Glück.

Selber schuld, wer noch irgendwelche Probleme hat….

 

Als Fazit kann ich nur feststellen: Hier wird leere Luft verkauft.

Damit will ich aber nicht bestreiten, dass ätherische Öle therapeutische Wirkungen haben können. Es gibt sinnvolle Anwendungsbereiche für ätherische Öle, doch sind diese begrenzt und sollten auch so beschrieben werden.

Aber dieses Allumfassend-heilende, das für jede Befindlichkeitsstörung eine Lösung vorgaukelt, ist zutiefst fragwürdig. Fragwürdig daran ist also vor allem die zugrunde liegende Haltung – und weniger das Produkt.

Konsumentinnen und Konsumenten möchte ich ans Herz legen, solche Empfehlungen und Versprechungen nicht einfach zu schlucken, sondern genau und kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Den Link zu diesem Aromatherapie-Internetportal habe ich im Übrigen absichtlich weggelassen, weil ich für solchen Schrott nicht auch noch Werbung machen will. Sie finden ähnliche Empfehlungen in grosser Zahl im Internet und es geht mir mit diesem Kommentar auch mehr um Grundsätzliches als konkret um dieses Beispiel.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Informationen zur generalisierten Angststörung

Diesen Artikel teilen:

Menschen mit einer generalisierten Angststörung machen sich praktisch über alles Sorgen – über große wie kleine und sogar über völlig belanglose Dinge. Und manchmal fürchten sie sogar die Angst selbst.

Wann sind Ängste behandlungsbedürftig?

Manche Ängste sind berechtigt – weil Gefahr droht. Und manche Ängste gehören bis zu einem gewissen Grad zum Leben – zum Beispiel als Begleiterscheinung neuer Erfahrungen – etwa einem ersten öffentlichen Auftritt oder ähnlichem.

Angst ist also nicht immer pathologisch und damit nicht immer behandlungsbedürftig.

Es braucht nicht immer starke Medikamente gegen Angst.

Es braucht aber auch nicht bei jeder kleinen Aufregung oder Befindlichkeitsstörung Globuli, „Notfalltropfen“, Schüssler-Salze oder gar Storchenschnabeltinktur (die ohne reale Grundlage und rein „phantasiebasiert“ gegen „Schock“ propagiert wird).

Storchenschnabeltinktur gegen Schock?

Solchen Pseudointerventionen fördern psychische Abhängigkeit. Sie vermitteln die Botschaft, dass es in jeder Lebenslage irgendein Mittelchen von aussen braucht, das man einwerfen kann. Die Migros beispielsweise verkauft jetzt Bachblütenpräparate mit Bezeichungen wie „Extreme Situationen“, „Prüfungssituation“ oder „Hoffnung“. Schön, dass man „Hoffnung“ jetzt in der Migros kaufen kann.

Das sind meines Erachtens ziemlich dekadente Auswüchse.

 

Behandlungsbedürftige Angststörungen

Es gibt allerdings auch ernsthafte Angststörungen, und auf die möchte ich nun zurück kommen.

Wenn Ängste zunehmend den Alltag einschränken und die Lebensqualität relevant beeinträchtigen, dann empfiehlt sich frühzeitig eine adäquate Therapie, weil chronifizierte Ängste schwieriger zu behandeln sind. Mit Nachdruck abraten würde ich von irgendwelchen boomenden esoterischen Pseudotherapien. Mir sträuben sich oft alle Haare, wenn ich sehe, wie Leute ohne fundierte psychotherapeutische Ausbildung dilettantisch in der Psyche von Menschen herumstochern.

Wobei es allerdings nicht immer einfach ist, eine fachlich qualifizierte Person zu finden. Eine gute Anlaufstelle ist oft – falls vorhanden – der Hausarzt oder die Hausärztin, weil sie geeignete Kontakte vermitteln können.

Gute Informationen zur generalisierten Angststörungen gibt es auf der Website www.gesundheitsinformationen.de

Dort werden als Behandlungsansätze empfohlen:

„- Psychologische und psychotherapeutische Behandlungen: Hierzu gehören Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie. Mit ihrer Hilfe kann man lernen, seine Gedanken und Ängste zu steuern und zu verändern.

– Entspannungstechniken wie das autogene Training und die progressive Muskelentspannung können helfen, sich zu entspannen und mit Stress besser umzugehen. Sie werden oft auch im Rahmen psychotherapeutischer Behandlungen eingesetzt.

– Medikamente: Bei einer Angststörung kommen vor allem bestimmte Antidepressiva und angstlösende Mittel infrage. Manche Menschen wenden auch pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian an.

– Maßnahmen zur Selbsthilfe: In Selbsthilfegruppen besteht die Möglichkeit zum Austausch mit anderen Betroffenen. Manchen Menschen hilft es auch, sich gut über die Erkrankung zu informieren – ob mit Büchern, Broschüren oder im Internet.“

Interessant ist aus Sicht der Phytotherapie der Hinweis auf Baldrian als Beruhigungsmittel. Dazu braucht es allerdings eine ausreichende Dosierung für den Baldrianextrakt und eine genügend lange Anwendungsdauer (mindestens 2 – 4 Wochen).

Ergänzt werden muss an diesem Punkt noch, dass in der Phytotherapie bei Ängstlichkeit neben Baldrianwurzel-Extrakt vor allem Lavendelöl (Lasea Kapseln).

Siehe:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln (Lasea) bei Angststörungen

Auch der Kava-Kava-Extrakt wirkt als angstlösendes Mittel (Anxiolyticum) bei generalisierten Angststörungen. Er ist aber zur Zeit nicht im Handel.

Zum aktuellen Stand um Kava-Kava siehe:

Kava-Kava: Verwaltungsgericht Köln beurteilt Widerruf der Zulassung als rechtswidrig

Ausserdem als Informationsquelle und für Beratung:

Angst- und Panikhilfe Schweiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Eckart von Hirschhausen zur Frage: Sind Wunderheiler Scharlatane?

Diesen Artikel teilen:

Der Mediziner, Autor und Komiker Eckart von Hirschhausen beschäftigt sich in seinem neuen Bühnenprogramm mit der Kunst der Täuschung.

Im Interview antwortet er auf die Frage: „Sind Wunderheiler Scharlatane?“

Hirschhausen:

„Scharlatane gibt es überall, in der Alternativszene wie in der ‚Schulmedizin’. Typisch sind ihre Selbstüberschätzung und die Abwertung von allen anderen Heilmethoden. Vorsicht bei Anbietern, die unrealistische Versprechungen machen, zum Beispiel Krebs, MS, Alzheimer oder Aids zu heilen, oder die eine Kooperation mit anderen Medizinern ablehnen! Da hört bei mir der Spaß auf. Das erkläre ich auch im Programm deutlich, wo die Risiken und Nebenwirkungen von ‚sanften’ Methoden sein können.“

Frage: „Wo ziehen Sie die Grenze?“

Hirschhausen:

„Seriöse Anbieter akzeptieren die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Nachweislich unsinnig sind Irisdiagnostik, Kinesiologie, Bioresonanz oder Aprikosenkernextrakt. Auch das ‚geistige Heilen’ hat Risiken und Nebenwirkungen, wie psychische Abhängigkeit oder das Unterlassen einer wirksamen Behandlung.“

Quelle:

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Der-Mann-der-an-Wunder-glaubt-id27766762.html

Kommentar & Ergänzung:

Scharlatanerie in der „Schulmedizin“ gibt es zum Beispiel dort, wo negative Studienergebnisse unter den Tisch gewischt werden (Publikationsbias).

Siehe dazu:

Medizinische Forschung: Petition fordert volle Transparenz

Wenn der Pharmakonzern Roche sich jahrelang weigert, alle Studiendaten des Grippemittels Tamiflu zu publizieren, dann gehört das für mich klar in die Kategorie Scharlatanerie.

Siehe dazu:

Roche will Studiendaten zu Tamiflu nun publizieren

(Die verkündete Absicht ist meines Wissens noch nicht in die Tat umgesetzt. Skepsis ist angebracht…)

Im Bereich von Alternativmedizin bzw. Komplementärmedizin wuchert Scharlatanerie vor allem auf dem Boden von weitestgehend fehlender Qualitätskontrolle, von Allmachtsvorstellungen, Fremd- und Selbsttäuschung.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Komplementärmedizin – Qualität und Quacksalberei

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Ausbildung zum Geistheiler mit Diplom

Diesen Artikel teilen:

Vor kurzem bin ich auf eine Ausbildung zum Geistheiler mit Diplom gestossen.

Den Markennamen lasse ich weg, weil ich für diesen Schwachsinn nicht noch Werbung machen möchte. Jedenfalls handelt es sich um ein geschütztes, eingetragenes Markenzeichen ®, nennen wir die Methode Mystery®.

Diese Ausbildung „diplomierter Geistheiler Mystery®“ scheint mir sehr fragwürdig.

Erstens:

Diplomierter Geistheiler Mystery® können Sie werden in nur 18 Tagen. Ein Grundkurs von fünf Tagen, zwei Aufbaublöcke von acht und fünf Tagen. Fix geht das. In dieser Zeit haben Sie nicht nur Ihre eigenen Blockierungen und Charakterschwächen gelöscht – so steht es in der Ausschreibung. Sie sind nun auch in der Lage, diese tiefgreifenden Heilungsprozesse bei Ihren Kundinnen und Kunden durchzuführen.

Ich gehe nicht davon aus, dass diese grandiosen Versprechungen wahr sind. Aber nehmen wir mal quasi übungshalber an, das wäre tatsächlich der Fall. Dann würden Sie innert sehr kurzer Zeit einen radikalen Umbau Ihrer Persönlichkeit durchmachen – dank Löschung von Blockierungen und Charakterschwächen. Da stellen sich einige Fragen:

– Wer entscheidet aufgrund welcher Kriterien, welche „Blockierungen“ und „Charakterschwächen“ zu löschen sind?

– Was als „Blockierung“ oder „Charakterschwäche“ bezeichnet wird, hat oftmals nicht nur negative Auswirkungen, sondern nicht selten zugleich in gewissen Bereichen eine positive Funktion. Kann eine solche Löschung nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen führen?

–  Was bedeutet es für Ihre langjährigen Beziehungen, Ihre Freundschaften und Ihr Arbeitsumfeld, wenn Sie sich in so kurzer Zeit derart fundamental verändern? Kommen Ihre Mitmenschen da noch mit oder kommt es zum Bruch?

Zweitens:

Wer von Geistheilung redet, müsste zuerst einmal auf den Tisch legen, was er oder sie unter „Geist“ versteht, weil wir es hier mit einem sehr vieldeutigen Begriff zu tun haben.

Gemäss dem „Lexikon der philosophischen Begriffe“ (Alexander Ulfig, Fourier Verlag 1999) kann der Begriff „Geist“ bedeuten:

„  1.) Gegensatz zu Materie und Körper (ähnlich wie Seele);

2.) Vernunft, Verstand als Erkenntnisvermögen;

3.) Göttliches Prinzip („Heiliger Geist“);

4.) Geistige Lebenseinstellung (geistiger Mensch, geistige Entfaltung; Gegensatz: Banause);

5.) Inbegriff der in einer Epoche bzw. Zeit oder einer Gruppe bzw. Gemeinschaft herrschenden Ideen, Gesinnungen, Wertmassstäbe usw. („Zeitgeist“);

6.) Geistige Begabung, Intelligenz („geistreich“);

7.) Numinoses Wesen in primitiven Religionen und im Volksglauben.“

Die Punkte 2, 4, 5, 6 und 7 scheinen mir für „Geistheilung“ nicht zu passen.

Bleiben also die Punkte 1 und 3.

Punkt 1: Geist als Gegensatz zu Materie und Körper (ähnlich wie Seele).

Da sind wir also im Leib-Seele-Geist-Problem gelandet, eine philosophisch hoch komplexe Diskussion seit mehreren tausend Jahren.

Da stellt sich grundsätzlich die Frage, ob man das monistisch, dualistisch oder gar trialistisch sieht. Also ob das alles ein Bereich, zwei oder gar drei getrennte Bereiche sind. Geist – Seele – Körper.

Schon der Begriff „Geistheilung“ isoliert Geist als Methode des Heilens. Das legt ein dualistische oder trialistisches  Verständnis nahe. Geist / Seele steht Körper / Materie gegenüber.

Dann stellt sich sehr zentral die Frage, wie genau „Geist“ auf „Körper“ wirkt, wenn es um Heilung geht. Oder wird der Körper ganz ausgeklammert und hat gar keine Bedeutung?

Fragen Sie doch Ihren Geistheiler, Ihre Geistheilerin vor der nächsten Behandlung. Es geht schliesslich um den Informed Consent, die informierte Einwilligung vor einem Eingriff.

Vielleicht geht es bei der Ausbildung zum diplomierten Geistheiler Mystery® (oder bei der praktizierten Geistheilerei Mystery®) eher um

Punkt 3: Geist als göttliches Prinzip („Heiliger Geist“);

Dann handelt es sich bei dieser 18-Tage-Geistheiler-mit-Diplom-Ausbildung® vielleicht um so etwas wie eine stark abgekürzte Priesterausbildung – ein Turbo-Priesterseminar quasi? In unserer Fast-Food- und Instant-Epoche allerdings sehr zeitgemäss.

Auch in diesem Fall müsste nun genauer geklärt werden, welche Vorstellung von „Geist“ und welche Vorstellung von „Heilen“ dem „Geistheilen“ zugrunde liegen. Nur schon die Vorstellungen von „Geist“ unterscheiden sich doch erheblich in Christentum, Islam und Buddhismus. Und in jeder dieser Religionen gibt es darüber hinaus noch einige Dutzend Varianten von „Geist-Vorstellungen“.

Wenn Ihr Geistheiler oder Ihre Geistheilerin zu diesem religiösen Konzept neigt, dann fragen Sie ihn oder sie doch nach den zugrundeliegenden Überzeugungen.

Drittens:

Wenn Sie ein Medikament einnehmen, lesen Sie ja hoffentlich auch den Beipackzettel zu Risiken und Nebenwirkung. Wie bei jedem angepriesenen Heilmittel, müsste eigentlich auch bei der Geistheilung ein Beipackzettel vorliegen:

„Zu Risiken und Nebenwirkungen:

Geistheilung kann zu psychischer Abhängigkeit führen. Es besteht die Gefahr, dass notwendige psychotherapeutische oder medizinische Abklärungen und Behandlungen verpasst werden. Wiederholte Inanspruchnahme von Geistheilung kann zudem den Kontostand negativ beeinflussen.“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Radiotipp: Ganz schön krank? – Die Pathologisierung der Gesellschaft (Bayern 2 RadioWissen)

Diesen Artikel teilen:

„Bei einem gebrochenen Fuß ist die Sache klar: Der Bruch muss behandelt werden. Was aber, wenn jemand vergesslich ist und Angst hat, an Alzheimer zu erkranken? Oder wenn ein lebhaftes Kind die Diagnose ADHS bekommt? Dann sind die Diagnosen manchmal nicht so eindeutig.“

So beschreibt der Radiosender den Inhalt des Beitrages.

Die Sendung können Sie hier nachhören.

Die zunehmende Medikalisierung und Pathologisierung aller Lebenslagen ist tatsächlich eine problematische Entwicklung, die ernsthaft diskutiert werden müsste.

Die Wechseljahre, das Älterwerden, Schwangerschaft und Geburt, die Leistungsfähigkeit in Beruf, Studium, Sexualität, Sport….alles braucht immer intensivere Behandlungen, selbst dann, wenn keine Beschwerden vorliegen.

Zu beachten ist dabei meiner Ansicht nach, dass für diese ungesunde Entwicklung nicht nur die Medizin verantwortlich ist. Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin sind hier voll mit dabei im fragwürdigen Trend.

Kummer? Nervosität beim Schulanfang? Trennungsschmerz? Einsamkeit? Für jede Lebenslage werden uns Unmengen an Globuli, Tropfen und Tabletten auf natürlicher Basis angeboten. Und weil die grosse Mehrheit der Leute davon ausgeht, dass solche Naturheilmittel sanft und nebenwirkungsfrei sind, kann wirklich hemmungslos und willkürlich durcheinander gemixt eingeworfen und geschluckt werden.

Problematisch daran finde ich vor allem die Haltung, die damit gefördert wird. Schon Kindern wird so vermittelt, dass es für jedes Unwohlsein, jedes kleine „Högerli“ im Leben ein Mittel braucht. Die Kompetenz des Organismus, mit kleineren Störungen selber fertig zu werden, wird damit unterlaufen. So entstehen psychische Abhängigkeiten und vielleicht gar eine Disposition zu Medikamentenmissbrauch.

Man müsste meines Erachtens einen simplen Grundsatz wieder mehr betonen:

Es braucht nicht immer etwas! Abwarten und Teetrinken ist oft (aber nicht immer) ein gute Idee. Manchmal hilft auch nur abwarten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: