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Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

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Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ bringt ein Gespräch mit dem Dermatologen Franz Legat, dem Leiter der Juckreizambulanz in Graz.

Dabei wird als Mittel gegen Juckreiz (Pruritus) unter anderem auch Menthol erwähnt.

Zitat:

„Auch Cremes mit speziellen Inhaltsstoffen, etwa mit Urea, also Harnstoff, oder Menthol können helfen. Eine Therapie in Kältekammern oder die Phototherapie, also die Therapie mit UV-Strahlen, kann juckreizlindernd wirken.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000057056706/Pruritus-Im-Juck-Kratz-Zyklus-sein

Kommentar & Ergänzung:

Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls und dort in einem Anteil von 35 – 70 % vorhanden. Man kann also grob davon ausgehen, dass Pfefferminzöl etwas zur Hälfte aus Menthol besteht.

Bei der Anwendung von Menthol ist die Konzentration wichtig.

Um Juckreiz zu lindern sind Konzentrationen von 0,1 – 1% Menthol wirksam. Rechnet man bei Pfefferminzöl mit einen Mentholgehalt von etwa 50%, könnte man deshalb 1 – 2 % Pfefferminzöl in einer Salbengrundlage oder in fettem Öl (z. B. Mandelöl) applizieren.

Als Counterirritant zum Beispiel gegen Spannungskopfschmerzen beträgt die empfohlene Konzentration 1,25 – 16% Menthol. Üblich ist hier eine 10%ige Pfefferminzöl-Lösung auf alkoholischer Basis.

Urea (Harnstoff) ist eine organische Verbindung und bei Säugetieren ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das mit dem Urin und dem Schweiß ausgeschieden wird. In Salben und Lotionen dient er als Feuchtigkeitsspender und wird zu diesem Zweck synthetisch hergestellt.

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Harnstoff als die erste aus anorganischen Ausgangsstoffen synthetisierte organische Verbindung.

Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte vis vitalis (Lebenskraft) hergestellt werden könnten. Die erste Synthese von Harnstoff im Jahr 1828 durch Friedrich Wöhler gilt daher als Geburtsstunde der Biochemie. Durch diese Entwicklung galt der vitalistische Ansatz in der Biologie zunehmend als überholt.

Der Vitalismus nahm als Grundlage aller Lebensvorgänge als eigenständiges Prinzip eine Lebenskraft an. Die Hernstoffsynthese zeigte, dass zur Herstellung organischer Substanzen die Annahme einer Lebenskraft nicht notwendig ist.

Erwähnen möchte ich noch einen anderen interessanten Aspekt, der im Gespräch mit Franz Legat zu Sprache kommt:

Ein Juckreiz kann chronisch werden und sich dann von der ursprünglichen Ursache lösen. Zitat:

„Es entsteht ein Juck-Kratz-Zyklus, und der wird zu einer eigenen Juckreizerkrankung, die dann oft mit speziellen juckenden Hautveränderungen in einer sogenannten chronischen Prurigo mündet. In diesem Stadium bringt dann auch die Behandlung der auslösenden Ursache keine Hilfe mehr.“

Das scheint mir ähnlich zu sein wie bei chronischen Schmerzen. Auch sie können sich von der ursprünglichen Ursache lösen und zur eigenständigen Schmerzkrankheit werden.

Starker Juckreiz kann genauso stark belasten wie chronischer Schmerz.

In der Medizin kommen gegen Juckreiz oft Arzneimittel zur Anwendung, die eigentlich gegen andere Erkrankungen entwickelt wurden. Im Interview erwähnt werden als Optionen die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, die die Wahrnehmung und Weiterleitung von Juckreiz hemmen und bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder mit Nervenschäden meist gut wirken sollen.

Auch der Neurokinin-1-(NK1)-Antagonist Aprepitant habe sich als gutes Mittel gegen schweren chronischen Pruritus erwiesen, sei aber eigentlich zugelassen, um die Übelkeit bei stark wirksamen Chemotherapien zu lindern. Das Mittel sei teuer, und die Erfahrungen mit Langzeitbehandlungen seien derzeit noch gering.

Es gebe derzeit noch kein Medikament, das gegen Juckreiz zugelassen sei, sagt Legat.

In der Phytotherapie wird als Option bei Juckreiz noch der Paprika-Wirkstoff Capsaicin äusserlich angewendet. Siehe dazu:

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Zur Wirkung von Glaubersalz (Natriumsulfat / Natrium sulfuricum)

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Glaubersalz (Natriumsulfat, Natrium sulfuricum, Na2SO4 ) wurde 1625 von dem Chemiker und Apotheker Johann Rudolph Glauber als Bestandteil von Mineralwasser entdeckt und beschrieben.

Glaubersalz ist ein salinisches Abführmittel.

Es hält osmotisch Wasser im Darm zurück und steigert so den Flüssigkeitsanteil im Stuhl. Durch das vergrösserte Volumen wird der Entleerungsreiz ausgelöst.

Medizinisch wird Glaubersalz nur noch selten angewendet, doch ist es durchaus effektiv zur kurzfristigen Anwendung bei Verstopfung und zur kompletten Darmentleerung vor chirurgischen und diagnostischen Eingriffen.

In der Alternativmedizin kommt Glaubersalz oft beim sogenannten Heilfasten zur Anwendung und soll zur Entschlackung beitragen.

Diese Vorstellung ist allerdings irreführend. Der Begriff Schlacke beschreibt einen Verbrennungsrückstand. Solche Rückstände im menschlichen Körper nicht an. Schlacke ist ein Abfallprodukt der Erzverhüttung. Im menschlichen Organismus entgiften Leber und Nieren die im Rahmen der Stoffwechselvorgänge anfallenden Substanzen. Eine Ablagerung von Schlacken ist im menschlichen Körper nicht nachweisbar und niemand hat bisher konkret sagen und zeigen können, woraus diese Schlacken bestehen sollen.

Siehe dazu:

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

„Karriere“ gemacht hat Glaubersalz in letzter Zeit allerdings vor allem als Schüssler Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum. Wie bei Schüssler Salzen üblich wird Glaubersalz unter ritueller Verreibung 1 : 1 Million mal gestreckt mit einer Trägersubstanz und dann für eine grosse Zahl von Krankheiten empfohlen.

Für Schüssler Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum wird zum Beispiel genannt:

Abstillen, Akne, Angespanntheit, Appendicitis chronica, Aszites, Aufgedunsenes, Gesicht, Aufgeschwemmtheit, Ausdauer, Ausleitung, Ausscheidungsgastritis, Authentizität, Beharrlichkeit, Belastungs-Inkontinenz, Beliebtheit, Besserwisserei, Bewegungsmangel, Blasenschwäche, Blockierung, Brechdurchfall, Cellulite, Cholangitis, Cholelithiasis, Cholezystitis, Chronische Blinddarmentzündung, Chronische Hepatitis, Chronische Leberentzündung, Cluster-Kopfschmerz, Commotio, Darmträgheit, Denkblockade, Desinteresse, Diabetes, Diabetischer Fuss, Diarrhoe, Dogmatismus, Drehschwindel, Drüsenschwellung, Durchfall, Durstmangel, Dyspepsie, Eigenverantwortung, Eitriger Hautausschlag, Eklampsie, Emphysem, Entscheidungsschwäche, Erbrechen, Erfrierung, Ernährungsfehler, Fanatismus, Fersenschmerz, Fettleber, Fettstoffwechselstörung, Fokalgeschehen, Gallenblasenentzündung, Gallengriess, Gallenschwäche, Gallenstauung, Gallenstauung, Gallensteine, Gallenwegsentzündung, Gebärmutterrückbildung nach der Geburt, Gehirnerschütterung, Gelbsucht, Gelenk-Knacken, Gerechtigkeitssinn, Geschwollene Füsse, Geschwollene Hände, Geschwulst, Glaukom, Gleichgewichtsstörungen, Grippe, Grüner Star, Harninkontinenz, Harnträufeln, Harnverhaltung, Hautauswüchse, Hautjucken, Hautwucherungen, Hepatitis, Herd-Entzündungen, Herzensgüte, Herzlichkeit, Heuschnupfen, Hohe Cholesterinwerte, Hyperhidrosis, Hühneraugen, Ikterus, Infektiöse Mononukleose, Inkontinenz, Juckreiz, Knieschmerzen, Kollaps, Kopfschuppen, Kreislaufkollaps, Lebenskraft, Leberentzündung, Leberflecken, Leberschwäche, Leukämie, Lippen-Herpes, Lippenbläschen, Lymphangitis, Lymphgefässentzündung, Magen-Darm-Grippe, Mallorca-Akne, Mattigkeit, Meniskus-Schwäche, Missmut, Missstimmung, Morbus Meniere, Nasenröte, Nebenniereninsuffizienz, Neurodermitis, Nieren-Kopfschmerzen, Nierenbeckenentzündung, Nierengriess, Nierenschwäche, Norovirus-Infektion, Obstipation, Pfeiffersches Drüsenfieber, Pfortaderstauung, Phlebitis, Pickel, Pigmentflecke, Polyarthritis, Portale Hypertension, Pruritus, Psoriasis, Pusteln, Pyelonephritis, Rechthaberei, Rheuma, Roemheld-Syndrom, Rote Nase, Salmonellen-Infektion, Sauerstoffmangel, Schlecht heilende Wunden, Schnupfen, Schuppenflechte, Schwangerschaftskopfschmerzen, Schweissausbrüche, Schweisshände, Schwindel, Schwitzen, Schädel-Hirn-Trauma, Selbstversorgung, Sodbrennen, Sonnen-Empfindlichkeit, Sonnenallergie, Spröde Haare, Stabilität, Stauungsgastritis, Stauungsleber, Steinleiden, Stoffwechselschwäche, Thrombophlebitis, Trägheit, Tränende Augen, Tränenfluss, Tumor, Ulcus cruris, Unterschenkelgeschwür, Verdauungsbeschwerden, Verdriesslichkeit, Verstopfung, Wachsamkeit, Wasserbauch, Wassereinlagerungen, Wucherungen, Xanthelasmen, Zuckerkrankheit, Zuckerstoffwechsel, Zurückhaltung, Zusammenbruch, Ödeme, Übelkeit, Überdruss, Übergewicht, Überheblichkeit.

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/natrium-sulfuricum.htm

Diese sehr umfangreiche und heterogene Liste zeigt sehr schön, wie ein ausgesprochen einfaches, billiges Mittel wie Natriumsulfat mit Heilungsvorstellungen aufgeladen wird.

Für keine dieser Heilungsversprechungen gibt es auch nur den Hauch eines Beleges. Wir haben es mit reinen Behauptungen zu tun.

Die Liste zeigt auch eine Stärke von Komplementärmedizin und Alternativmedizin, die für wirklich jede psychische oder körperliche Lebenslage eine ganze Auswahl an Heilmitteln anbieten. Von Missmut über Schweissausbrüche bis zum Zusammenbruch und zum Tumor. Das nennt sich dann Ganzheitlichkeit – ist aber in Wirklichkeit eine Medikalisierung aller Lebenslagen.

Siehe auch:

Fragwürdige Ganzheitliche Medizin

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Grüntee-Extrakt gegen Feigwarzen

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Das Präparat Veregen® (Grüntee-Extrakt) ist zugelassen zur dermalen Therapie von äusserlichen Feigwarzen im Genitalbereich und Perianalbereich bei immunkompetenten Patienten über 18 Jahren. Die Therapie wird so lange fortgesetzt, bis alle Feigwarzen abgeheilt sind, insgesamt aber nicht länger als 16 Wochen. Der Wirkmechanismus des Grüntee-Extraktes ist noch nicht vollständig geklärt. Vermutet wird, dass die Hauptbestandteile des Grüntee-Extraktes, die Catechine, die Keratinozytenproliferation und die redoxempfindlichen Transkriptionsfaktoren hemmen.

In zwei randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studien an 1005 Patienten erreichten in der Verumgruppe (Salbe mit 10% Grüntee-Extrakt) 53.6% und in der Placebogruppe 35.4% eine vollständige Abheilung der Warzen.

Bei Warzen grösserer Dicke empfehlen Fachleute, die Feigwarze mittels Kürettage, Kryotherapie oder Elektrochirurgie zunächst abtragen zu lassen, damit die Wirkstoffe an den Ort der Virusvermehrung gelangen können.

Als unerwünschte Wirkungen wurden am häufigsten beobachtet: Erythem (Hautrötung), Pruritus (Juckreiz), Hautreizung (meist Brennen), Schmerz, Ödem, Ulzeration (Entwicklung eines Geschwürs), Verhärtung und Bläschenbildung.

Vor sexuellen Kontakten soll die Grüntee-Salbe abgewaschen werden. Veregen® kann die Reissfestigkeit von Kondomen und Scheidenpessaren vermindern und Kleidung und Bettwäsche verfärben.

Quellen:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4696&NMID=4386&LANGID=2

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21294779

Kommentar & Ergänzung:

Feigwarzen im Genitalbereich, die von Viren verursacht werden, lassen sich operativ rasch entfernen. Lästig dabei ist aber, dass sie häufig immer wider kommen. Die Grüntee-Salbe soll vor allem die Rückfallrate auf unter zehn Prozent senken.

Langfristig können Feigwarzen nur eliminiert werden, wenn das Immunsystem des Patienten aktiviert wird. Durch operative Eingriffe, Laserbehandlung oder Kältetherapie gelingt das offenbar nicht. Nach diesen Behandlungen liegt die Rückfallrate bei 20 bis 100 Prozent.
Bei Veregen® lag die Rückfallrate in einer Studie nach drei Monaten Behandlung mit der Salbe nur noch bei durchschnittlich 6,5 Prozent. Bei rund der Hälfte der 401 Patienten waren die Feigwarzen vollständig verschwunden. Zu mindestens 50 Prozent abgeheilt waren sie bei fast 80 Prozent der Probanden.
Die Wirkung des Grünteeextrakts basiert auf den so genannten Polyphenolen. Diese Inhaltsstoffe des Grüntees bekämpfen Viren, besonders wirksam die Humanen Papillom Viren (HPV), die Erreger von Feigwarzen. Polyphenole hemmen die Vermehrung der Viren und aktivieren Immunzellen, die für die Abwehr der HPV verantwortlich sind.
Behandelt werden sollte nur die Warzenoberfläche und die Grüntee-Salbe soll nicht direkt auf die Haut des Vaginalbereichs aufgetragen werden.
Die Humanen Papillom Viren (HPV) verursachen neben Feigwarzen auch Gebärmutterhalskrebs, sind sexuell übertragbar und breiten sich über Haut-Haut-Kontakte aus. Kondome bieten daher keinen völligen Schutz und die Ansteckungsgefahr ist hoch.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schüssler-Salz Nr. 7, Magnesium phosphoricum D6 – ein Wunderheiler?

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Das Schüssler-Salz Nr. 7,  Magnesium phosphoricum, kann man nach den Angaben einer Schüsslersalz-Website für folgende Anwendungsgebiete einsetzen:

„Abduktionskontraktur, Abgekämpftsein, Adduktionskontraktur, Adnexitis, Aggressivität, Altersjucken, Amyloidose, Analekzem, Angespanntheit, Angina Abdominalis, Angina Pectoris, Anpassungsfähigkeit, Apoplex, Arbeitsscheu, Arteriosklerose, Asthma, Atemnot, Aufbaumittel, Aufheiterung, Aufregung, Augenflattern, Augenzittern, Augenzwinkern, Ausdauer, Bandscheibenvorfall, Bedrückung, Beeinflussbarkeit, Beengungsgefühl, Begeisterungsfähigkeit, Belastbarkeit, Beruhigung, Beugekontraktur, Blasenkrämpfe, Blasenschmerzen, Bluthochdruck, Blähungen, Bronchialasthma, Bulimie, COPD, Cholesterinspiegel-Senkung, Chronische Bronchitis, Claudicatio Intermittens, Darmträgheit, Dauerstress, Depressionen, Depressive Verstimmung, Diabetes, Drüsenschwellung, Duseligkeit, Dysmenorrhoe, Eierstockentzündung, Eileiterentzündung, Eileiterentzündung, Einsiedler, Empfindsamkeit, Entropium, Entspannung, Entwöhnung, Epilepsie, Erfrischung, Erinnerungsvermögen, Ernährungsfehler, Erregbarkeit, Erschöpfung, Essstörung, Esssucht, Fehlgeburt Nachbehandlung, Fettleber, Flatulenz, Flexibilität, Flexionskontraktur, Flugangst, Freude, Gallenkolik, Gallenstauung, Geborgenheit, Gehörgangsentzündung, Geistesarbeit, Geistige Beweglichkeit, Geistige Frische, Gelbkörperhormon-Mangel, Gelenkkontraktur, Gelenkversteifung, Geschwätzigkeit, Gesichtsmuskel-Krämpfe, Gesichtszucken, Gewebe-Straffung, Gleichgewichtsstörungen, Globussyndrom, Grosszehen-Schiefstand, Gänsehaut, Gürtelrose, Hallux valgus, Harmonie, Harnverhaltung, Harnverhaltung, Haut-Straffung, Hautjucken, Heisshunger nach Süssigkeiten, Herpes Zoster, Herz-Enge, Heuschnupfen, Hexenschuss, Hyperhidrosis, Hypertonie, Hyperästhesie, Hämorrhoiden, Händezittern, Initiative, Ischias, Juckende Fusssohlen, Juckreiz, Kapillar-Verkrampfung, Kapillarblutungen, Keuchhusten, Kiefersperre, Kloss im Hals, Koliken, Kollaps, Kontraktur, Kopfkongestion, Kopfschmerzen, Koronarinsuffizienz, Krampfhusten, Kreativität, Kreislaufkollaps, Kropf, Labilität, Lampenfieber, Lebensfreude, Lebenslust, Leichtgläubigkeit, Lerneifer, Lichtempfindlichkeit, Lupus Erythematodes, Magenkolik, Magenkrämpfe, Meteorismus, Missmut, Muskelkontraktur, Myringitis, Nachwehen, Nackenschmerzen, Nebenniereninsuffizienz, Nerven-Beruhigung, Nerven-Leitfähigkeit, Nervenentzündung, Nervenkrämpfe, Neugierigkeit, Neuralgien, Neuritis, Neuromyopathie, Niedergeschlagenheit, Nierenkolik, Nierenschmerzen, Oberflächlichkeit, Obstipation, Offenheit, Ohrenentzündung, Ohrenschmerzen, Oophoritis, Otitis, Periodenkrämpfe, Periodenschmerzen, Petechien, Progesteron-Mangel, Pruritus, Rauchentwöhnung, Reife, Reisefieber, Reisekrankheit, Reizdarm, Reizkolon, Roemheld-Syndrom, Rotwerden, Ruhebedürfnis, Räusperzwang, Rückenschmerzen, Salpingitis, Schaufensterkrankheit, Schielen, Schilddrüsenschwäche, Schilddrüsenunterfunktion, Schilddrüsenüberfunktion, Schlaffes Gewebe, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, Schlaganfall, Schleudertrauma, Schluckauf, Schläfenkopfschmerz, Schmerzempfindlichkeit, Schock, Schreibkrampf, Schul-Kopfschmerzen, Schulter-Verspannungen, Schweissausbrüche, Schweisshände, Schwindel, Schwitzen, Seekrankheit, Spannkraft, Spastische Kontraktur, Spitzfuss, Steifer Hals, Steinleiden, Stetigkeit, Streckkontraktur, Stress, Struma, Suchtneigung, Tics, Trommelfellentzündung, Unbeherrschtheit, Verschwiegenheit, Verspannungen, Verstopfung, Volkmann-Kontraktur, Wangenröte, Wechseljahrsbeschwerden, Wehen-Erleichterung, Wetterfühligkeit, Widerstandskraft, Zahnungskrämpfe, Zahnungsschmerzen, Zittern, Zorn, Zuckerkrankheit, Östrogen-Dominanz, Überanstrengung, Übererregbarkeit, Übergewicht, Überheblichkeit.“

http://lexikon-der-schuessler-salze.de/mittel/magnesium-phosphoricum.htm

Kommentar & Ergänzung:

1. Das ist eine Verarschung sondergleichen, doch was soll man dazu schon sagen, wenn so viele Leute sich offenbar verarschen lassen wollen und keinerlei Fragen stellen.

Dass so viele Leute keinerlei Fragen stellen ist allerdings ein spannendes Phänomen. Interessant ist genauer gesagt die Frage, welche Bedürfnisse durch solch absolut simple Wunderheiler gedeckt werden.

2. Wir haben es hier mit einem extremen Beispiel für Indikationslyrik zu tun. Ein Mittel, das für derart viele und unterschiedlichste Krankheiten helfen soll, hilft wohl vor allem gegen die Angst vor Krankheiten.

Nicht zuletzt bietet solche Indikationslyrik unbegrenzte Anwendungsbereiche und traumhafte Umsatzmöglichkeiten. Bestimmt finden Sie auf der obenstehenden Anwendungsliste ein paar Beschwerden, die auch für Sie relevant sind. Jede/r findet das. Also kann jeder/r Schüssler Salz Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 brauchen. Aber damit nicht genug: Das trifft auch auf alle anderen Schüssler-Salze zu. Fazit: Jede/r braucht alle Schüssler-Salze!

3. Es stehen reinste Behauptungen da, keinerlei Begründungen für irgendeine der Heilwirkungen. Das braucht es auch nicht. Schüssler-Salz-AnhängerInnen verlangen offenbar keine Begründungen und stellen keine Fragen. Sie schlucken brav ihre Tabletten. Wo bitte bleibt da der mündige Patient oder die mündige Patientin? Ich dachte ursprünglich einmal – sehr lange ist es her – Komplementärmedizin strebe nach einem partnerschaftlicheren Verhältnis zwischen der kranken Person und der Fachperson für’s Heilen. Doch bei Schüssler-Salzen braucht es ja nicht einmal mehr eine Fachperson. Die simple Anleitung genügt und eine gläubige Beziehung zur Herstellerfirma.

Höriger und „fast-food-mässiger“ geht’s kaum mehr. Alternatives Heilen muss schnell und leicht gehen, ohne Auseinandersetzung mit sich oder dem Heilmittel und vor allem ohne Nachdenken. Das passt optimal zum Zeitgeist. (aber: Schüssler-Salz Nr. 7, Magnesium phosphoricum soll ja gegen Leichtgläubigkeit helfen !!!)

4. Es soll mir bitte jemand genauer erklären, wie Magnesium phosphoricum D6 gegen Kropf, Ohrenschmerzen, Apoplex und Analekzem wirkt. Und wie genau wirkt Magnesium phosphoricum D6 gegen Leichtgläubigkeit?

Und wie wär’s mit ein paar vollständig dokumentierten und in einer Fachzeitschrift publizierten Behandlungsverläufen? Das wäre ein übliches Vorgehen. Solchen Aufwand betreiben die Schüssler-Salz-Propagandisten nicht. Ist auch unnötig, solange die Tabletten-Schlucker keine Fragen stellen.

5. Im Schüssler Salz Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 ist das  Magnesium phosphat 1 : 1 Million mal verdünnt. In der Österreichischen Apothekerzeitung hat die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, folgende Rechnung präsentiert:

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre….. Bei einem Gehalt von 39,4 mg Magnesium pro Liter Mineralwasser (beispielsweise Vöslauer mild) fällt der Vergleich auch interessant aus: Berechnet auf die Menge Mg im Mg HPO4 geht es hier um 772.550 Tabletten oder 193 kg Mineralstofftabletten Nr. 7 nach Dr. Schüßler in der D6.“

Quellenangabe: http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/11/26/schusslersalze-mineralwasser-wirksamer-gunstiger-zahnschonender.html

Halten wir also fest: 772 550 Schüssler-Salz-Tabletten bzw. 193 kg Mineralstofftabletten Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 entsprechen im Magnesium-Gehalt einem Liter Mineralwasser. Trinkwasser dürfte manchmal tiefer und manchmal höher liegen im Magnesium-Gehalt. Mich würde sehr interessieren, weshalb es überhaupt noch leichtgläubige Menschen gibt – müssten doch alle davon geheilt sein bei den exorbitanten Magnesiumphosphat-Dosen im Wasser – verglichen mit den Schüssler-Salzen. Ich bin dafür, Trinkwasser sofort als Heilmittel zu betrachten und gegen alle obigen Indikationen einzusetzen. Aber dagegen werden sieh die Schüssler-Salz-Hersteller bestimmt wehren, weil ihnen dadurch die Geschäftsbasis entzogen wird.

6. Von Tabletten der herkömmlichen Pharmaindustrie werden meist drei pro Tag geschluckt und die Firmen entwickeln zunehmend Präparate zur Einmal-Einnahme. Von Produkten der Alternativ-Pharma schlucken viele Schüssler-Salz-Konsumenten 10, 20 oder mehr Tabletten pro Tag. Beispiel:

„Manche begeisterte Schüsslersalz-Anwender verwenden auch erheblich grössere Mengen der Schüssler-Salze. Dabei handelt es sich um die sogenannte Hochdosierung. Bei der Hochdosierung werden in kurzen Abständen bis zu 100 Tabletten am Tag im Munde zergehen lassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Das glauben Sie nicht?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich überprüfte die Beratung bezüglich Schüssler Salze in Apotheken:

„Eine Testperson mit Reizmagen-, Reizdarm- bzw. Reizblasensyndrom suchte im Rahmen eines Praxistests sieben Apotheken auf und ließ sich bezüglich Schüssler-Salze beraten…… Im extremsten Fall wurde ….zur Einnahme von elf der zwölf möglichen Schüssler-Salze in Form von beachtlichen 140 Tabletten pro Tag geraten –  um einen Gesamtpreis von 190 Euro.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Offenbar gilt hier das Motto: „Je mehr desto besser“ oder „nimm soviel du bekommen kannst“.

Auch diese Haltung passt so schön zum Zeitgeist. Fragt sich nur, was denn so alternativ sein soll an derartigen Tabletten-Orgien.

7. Auffallend bei Schüssler-Salzen ist die grosse Beliebigkeit. Es kommt sozusagen auf gar nichts drauf an:

„Von den Schüssler-Salzen können Sie mehrere verschiedene Mittel innerhalb eines Tages verwenden. Wieviele verschiedene Schüssler-Salze jedoch am besten sind, da gehen die Meinungen auseinander. Manch nehmen soviele Salzsorten, wie möglich. Alle Salze, die irgendwie passen, werden zur Behandlung eingesetzt. Andere bevorzugen nur drei Mittel auf einmal einzusetzen. Wenn mehr Mittel passen würden, werden die besten drei ausgewählt. Wieder andere setzen am liebsten nur ein Mittel gleichzeitig ein, das sind vor allem Menschen, die auch gerne mit homöopathischen Mitteln arbeiten. In diesem Fall sucht man sich das Mittel aus, das am besten passt. Wieviele Mittel Sie gleichzeitig einsetzen, bleibt Ihnen überlassen.“

Quelle: http://lexikon-der-schuessler-salze.de/anwendung

Auch diese Beliebigkeit und Gleich-Gültigkeit zeigte sich bei den Testkäufen des VKI in Wiener Apotheken:

„Der Test ergab eine Vielfalt an unterschiedlichen Zusammenstellungen von Schüßler Salzen, bei denen zum Teil weder Salze noch Dosierung übereinstimmten.“

Quelle: http://derstandard.at/1285042414537/Beratung-in-Apotheken-Schuessler-Salze-im-Test

Diese absolute Beliebigkeit ist meines Erachtens ein Symptom für hochgradige Scharlatanerie. Aber irgendwie ist es ja auch konsequent. Schliesslich bestehen alle Schüsslersalze aus dem gleichen Stoff: Milchzucker (oder eine andere Trägersubstanz). Die zugesetzten Salze sind soweit verdünnt, meist 1 : 1 000 000 oder 1 : 000 000 000 000, dass von Vorhandensein ernsthaft nicht mehr die Rede sein kann. Weshalb soll es da wichtig sein, welches Schüssler-Salz man schluckt?

Solche Beliebigkeit hat unbestreitbare Vorteile: Es braucht dazu keine Theorie, kein Wissen, kein Nachdenken und keinerlei ernsthaften Lernprozess – wenn es doch sowieso gleichgültig ist, was, wieviel und in welcher Kombination geschluckt wird.

Dieser Relativismus passt ebenfalls perfekt zu unsere Zeit.

8. Magnesium phosphoricum ist übrigens als Lebensmittelzusatzstoff unter der Bezeichnung E 343 im Handel. Wollen wir wetten, dass der grösste Teil der Schüssler-Salz-Tabletten-Schlucker im Laden einen weiten Bogen macht um all die teuflischen E-Nummern? Ein Tipp für die sparsame Hausfrau: E 343 und damit auch Magnesium phosphoricum ist enthalten in

Milchpulver und Kaffeeweißer (max. 2,5 g/kg bzw. 30 g/kg)

Trockenpulver für Desserts (max. 7 g/kg)

Backmischungen (max. 20 g/kg)

Trockenlebensmitteln in Pulverform (max. 10 g/kg)

–  und das viel billiger und auch in grösseren Mengen als im Schüssler-Salz Nr. 7, da Magnesium phosphoricum dort ja 1 : 1 000 000 mal verdünnt wurde. Allerdings fehlt in diesen Lebensmitteln dann die Laktose (Milchzucker), aus der die Schüssler-Salze bekanntermassen bestehen. Aber es ist immer noch viel billiger, die Laktose separat zu kaufen, wenn man schon Laktose schlucken will.

Auch in allem grünen Gemüse (Bestandteil des Blattgrüns), Obst (z. B. Bananen) und Getreide liegt Magnesium phosphoricum in viel grosseren Konzentrationen vor als im Schüssler-Salz Nr. 7. Warum soll das isolierte Magnesium phosphoricum aus dem Schüssler-Salz für den Organismus besser sein als das Magnesium phosphoricum im natürlichen Verbund mit anderen Naturstoffen im Salat oder in den Bananen? Wie erkennt der Organismus die Moleküle des Schüssler-Salzes und unterscheidet sie von natürlichem Magnesium phosphoricum aus Salat oder Bananen?

9. Dass viele Apotheken und Drogerien so kräftig Schüssler-Salze propagieren und verkaufen, und damit ihren Kundinnen und Kunden vorgaukeln, dass es sich dabei um Medikamente handle, grenzt meines Erachtens an Betrug. Ich würde einen weiten Bogen um solche Geschäfte machen und sie betreffend Glaubwürdigkeit tiefer einstufen als einen Kiosk.

Zu Schüssler-Salzen siehe auch:

Schüssler-Salz Kalium chloratum D6 – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salz Calcium phosphoricum – ein Wunderheiler?

Schüssler-Salze wirksam?

Das Scharlatan-O-Meter

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

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Das Alkaloid Capsaicin, welches Chilischoten ihre Schärfe verleiht, bringt Gefäße dazu, sich zu erweitern und kann so den Blutdruck senken, zumindest bei Ratten. Die Versuchstiere mit chronischem Bluthochdruck bekamen eine capsaicinreiche Ernährung und zeigten verglichen mit Tieren, die eine Standarddiät erhielten, deutliche Verbesserungen ihrer Blutdruckwerte.

Das berichten Forscher um William Sessa von der Yale University. Sie veröffentlichten ihre Resultate in der Fachzeitschrift Cell Metabolism (doi:10.1016/j.cmet.2010.07.005).

Die Forscher erklärten, bei Ratten mit genetisch bedingtem Hypertonus (Bluthochdruck), sei es ihnen gelungen den Blutdruck mit Hilfe des Capsaicin zu senken. Capsaicin aktiviere den sogenannten Transienten Rezeptor Potenzial Vanilloid 1 (TRPV1), welcher in den Endothelzellen von Gefäßen nachweisbar ist.

Bei Aktivierung dieses Kanals kommt es zu einer gesteigerten Stickstoffmonoxid-Produktion. Stickstoffmonoxid kann Gefäße vor Entzündungen und Funktionsstörungen schützen und sie außerdem erweitern und so den Blutdruck absinken lassen.

Quelle:

www.aerzteblatt.de

http://www.cell.com/cell-metabolism/abstract/S1550-4131%2810%2900237-8

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/42303/Chili_senkt_den_Blutdruck.htm

Kommentar & Ergänzung:

Capsaicin wird schon heute in Medizin und Phytotherapie genutzt. Es kommt äusserlich bei Schmerzzuständen (z. B. Arthrose, Neuropathie, Neuralgie) und Juckreiz (Pruritus) zur Anwendung.

Ob die bei Ratten gefundene perorale (innerliche) Wirkung gegen Bluthochdruck sich auf die menschlichen Blutgefäße übertragen lässt, ist aber noch offen und wird in weiteren Studien untersucht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

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Bei chronischem Juckreiz können Cremes mit Capsaicinoiden lindernd wirken. Diese Naturstoffe sind in Cayennepfeffer und anderen Paprika-Arten enthalten. Derzeit existieren keine industriell produzierten Arzneimittel, aber Apotheker können entsprechende Rezepturen herstellen. «Wer unter chronischem Juckreiz leidet, sollte nicht allein herum probieren, sondern sich an seinen Arzt wenden», empfielt Dr. Andreas Kiefer.
Er ist Vorsitzender der Kommission Neues Rezeptur Formularium (NRF), die für Apotheker einen entsprechenden Rezepturhinweis publiziert hat. «Gerade bei Hautkrankheiten ist nicht nur der Inhaltsstoff wichtig, denn auch die Hilfsstoffe und die Zubereitung spielen eine große Rolle. Hautärzte und Apotheker arbeiten deshalb eng zusammen. Die Therapie mit einer solchen Capsaicin-Creme funktioniert nur, wenn der Patient informiert und von der Behandlung überzeugt ist. Die Beratung in der Apotheke ist deshalb unerlässlich», erklärt Kiefer.

Wichtig ist das langsame Einschleichen der Behandlung, weil in den ersten Tagen als Nebenwirkungen Brennen oder Jucken auftreten können. Die Wirkung hingegen zeigt sich erst verzögert nach einigen Tagen. Darum werden diese Arzneimittel in der Regel mindestens sechs Wochen lang angewendet. Die Cremes sollten über den Tag verteilt mehrmals aufgetragen werden. Sie können auch gegen Schmerzen, etwa nach einer Herpesinfektion oder bei Rheuma-Erkrankungen, angewendet werden.

NRF-Rezepturhinweise für die Apotheke zur Capsaicin-Creme gibt es hier:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=2264
(Capsaicin ins Suchfeld eingeben, dann auf “Capsaicin zur Anwendung auf der Haut” klicken)

Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Capsaicin ist auch interessant gegen Schmerzen, zum Beispiel bei Rheuma, aber auch bei Hexenschuss, Migräne, Gürtelrose, diabetischer Neuropathie oder postherpetischer Neuralgie und trigeminaler Neuralgie.

Weitere Info dazu:

Chili-Pflaster gegen Nervenschmerzen

Paprika-Wirkstoff Capsaicin bald als Patch

Zum Thema Juckreiz & Capsaicin:

Capsaicinhaltige Zubereitungen haben meistens eine Konzentration von 0,025 – 0,075%.
Augustin / Hoch führen in ihrem Buch “Phytotherapie bei Hauterkrankungen” im Abschnitt “Juckreiz” (Pruritus) für Capsaicin-Anwendungen folgende Indikationen auf:
Prurigo simplex subacuta
HAES-induzierter Pruritus
Urämischer Pruritus
Pruritus bei Dialyse
Pruritus bei PUVA

Auch sie empfehlen vorsichtiges und einschleichendes Dosieren, bei empfindlicher Haut z. B. 0,001%, gesteigert bis auf ca. 0,025% und bei guter Verträglichkeit bis auf max. 0,1%.
Bei grossflächigem Juckreiz empfehlen die Autoren zur besseren Anwendbarkeit die Rezeptur als Creme oder Creme-Lotio statt Salbe.

Das empfehlenswerte Buch “Phytotherapie bei Hauterkrankungen” finden Sie im Buchshop.

Interessantes darüber hinaus zum Capsaicin:

Der Wirkstoff Capsaicin kommt auch im “Pfefferspray” als Selbstverteidigungsmittel zur Anwendung. Der irreführende Namensbestandteil “Pfeffer” kam über die englische Bezeichnung “pepper spray” ins Deutsche, wobei aber “pepper” (auch chili pepper, red pepper usw.) für Chilischoten steht. Zudem lässt sich die Bezeichnung auf eine Ähnlichkeit in der Schärfe der beiden nicht mit einander verwandten Pflanzen zurückführen.

Der Pfefferspray enthält Oleoresin Capsicum, das aus dem Fruchtfleisch tropischer und subtropischer Chilipflanzen gewonnen wird, farblos und nicht ätzend ist und Capsaicin sowie verwandte Substanzen enthält.
Am Auge führt Oleoresin capsicum zu einem heftigen brennenden Schmerz und über eine Schwellung der Augenlider zu einem sofortigen, krampfartigen Verschliessen derselben für 5 – 10 Minuten, was einen Angreifer orientierungslos macht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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