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Giftmischerin produziert und testet Rizin im Altersheim

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Diese ziemlich verrückte Geschichte ging vor kurzem durch die Medien:

Eine 70-jährige Seniorin aus dem US-Bundesstaat Vermont hat auf eigene Faust hochgefährliches Pflanzengift Rizin produziert – und an ihren Mitbewohnern im Altersheim getestet.

Wie das US-Justizministerium mitteilte, wurde durch die Machenschaften der 70-jährigen Betty Miller aber offenbar kein Bewohner der idyllischen Seniorenresidenz in Shelburne im Bundesstaat Vermont getötet.

Die US-Bundespolizei FBI war den Angaben zufolge aufgrund einer möglicherweise gefährlichen Substanz in Millers Appartement alarmiert worden. Die Polizisten entdeckten in der Wohnung eine Flasche mit der Aufschrift „Rizin“. Untersuchungen bestätigten, dass es sich um das hochgefährliche Pflanzengift handelte. Rizin lähmt die Atemwege und kann bei Verschlucken schon in kleinsten Dosen tödlich wirken.

Die Giftmischerin wurde festgenommen. Sie habe angegeben, „Interesse an Giftstoffen auf Pflanzenbasis zu haben“, erklärte das Justizministerium. Nach einer Internet-Recherche produzierte sie das Rizin in ihrer Küche. Um seine Wirksamkeit zu prüfen, mischte sie das Gift in Speisen und Getränke ihrer Mitbewohner.

Millers Wohnung wurde von FBI-Fachleuten für „Massenvernichtungswaffen“ durchsucht. Die Polizisten entdeckten dort noch mehr Rizin und Pflanzenbestandteile etwa von Äpfeln, Kirschen, Rizinus, Fingerhut und Hefe, aus denen nach Einschätzung der Fachleute ebenfalls Gift hergestellt werden kann. Eine Gefahr bestehe nun jedoch nicht mehr.

Das Altersheim sprach von einem Einzelfall. Um die toxikologisch interessierte Bewohnerin des Appartements kümmern sich nun die Strafverfolgungsbehörden. In die Seniorenresidenz wird sie nicht zurückkehren.

Quelle:

https://www.stern.de/gesundheit/giftkueche-im-altenheim–seniorin-braut-hochgefaehrliches-rizin-7771444.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Keine Ahnung, wie genau die Frau Rizin produziert hat.

Rizin ist vor allem enthalten in Rizinussamen.

Wikipedia schreibt dazu:

„Rizin oder Ricin ist ein äußerst giftiges Protein aus den Samen des Wunderbaums (Ricinus communis) aus der Familie der Wolfsmilchgewächse. Chemisch ist das Protein Rizin ein Lektin, das aus einer zellbindenden und einer giftigkeitsvermittelnden Komponente besteht. Seine Giftigkeit wird auf eine Hemmung der eukaryotischen Proteinbiosynthese zurückgeführt.

Gelangt das Gift in den menschlichen Organismus, so bringt es die kontaminierten Zellen zum Absterben. Für eine tödliche Vergiftung eines Menschen genügen (bei oraler Aufnahme) 0,3–20 Milligramm isoliertes Rizin pro Kilogramm Körpergewicht entsprechend etwa acht Samenkörnern, deren Größe und Gehalt jedoch stark schwankt. Bei Kindern kann, je nach Alter und Konstitution, schon ein halbes Samenkorn tödlich wirken. Allerdings wird auch berichtet, dass selbst nach Einnahme von 40 bis 60 Samen eine Überlebenschance besteht. Dabei kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt das Erbrechen einsetzt. Bei intravenöser, inhalativer oder subkutaner Aufnahme wirken wesentlich geringere Mengen letal, so bei subkutaner Gabe schon 43 μg/kg Körpergewicht.

Rizin ist in der Kriegswaffenliste des deutschen Kriegswaffenkontrollgesetzes aufgeführt.“

Für den Einsatz von Rizin als Biowaffe gibt es eine Reihe von Fallbeispielen. Dazu wieder bei Wikipedia:

„Bekanntheit erlangte der Mordanschlag mit Rizin als ‚Regenschirmattentat’ auf den bulgarischen Schriftsteller und Dissidenten Georgi Markow in London 1978.

1991 wurden in Minnesota mehrere Mitglieder der rechtsextremistischen Gruppe Patriot’s Council festgenommen, weil sie für einen Anschlag auf Bundespolizisten eine Menge an Rizin hergestellt hatten, die für die Tötung von über 100 Menschen ausreichend gewesen wäre. Vier von ihnen wurden gemäß dem ‚Biological Weapons Anti-Terrorism Act’ von 1989 für schuldig befunden, sie waren die ersten nach diesem Gesetz Verurteilten überhaupt. 1995 wurde an der Grenze von Alaska ein ebenfalls dem rechtsextremistischen Lager zugerechneter Mann festgenommen beim Versuch, 130 Gramm pulverisiertes Rizin nach Kanada einzuschmuggeln.

Die Londoner Times berichtete am 16. November 2001, dass in verlassenen Al-Qaida-Häusern in Kabul Herstellungsanleitungen für Rizin gefunden worden waren, allerdings kein Rizin selbst. Im August 2002 gaben US-amerikanische Behörden bekannt, dass die islamistische Terrororganisation Ansar al-Islam Versuche mit Rizin und anderen chemischen und biologischen Kampfstoffen im Nord-Irak angestellt habe.

Am 9. Januar 2003 meldete die dpa, dass in London kleinere Mengen Rizin sowie Geräte zu seiner Herstellung gefunden worden waren. In diesem Zusammenhang wurden sechs Algerier festgenommen. Im April 2005 wurden bis auf einen alle Beteiligten freigesprochen. Ein Angeklagter wurde wegen Mordes an einem Polizisten, den er während einer Hausdurchsuchung erstochen hatte, zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Ermittlungsbehörden gaben in dem Verfahren entgegen früheren Meldungen an, kein Rizin, sondern lediglich amateurhafte Anweisungen zu seiner Herstellung gefunden zu haben.

Im Februar 2008 wurde in einem Hotelzimmer in Las Vegas Rizin gefunden. Die dortige Polizei erklärte, eine schwer vergiftete Person sei in ein Krankenhaus eingeliefert worden und schwebe in Lebensgefahr. Trotz des Fundes von Waffen und ‚anarchistischer Literatur’ glaube man nicht an einen terroristischen Hintergrund.

Am 12. August 2011 berichtete die New York Times über geheimdienstliche Erkenntnisse bezüglich des Versuchs zur Herstellung von Rizin durch den regionalen Arm von Al-Qaida im Jemen. Demnach sei die US-Regierung besorgt, dass dort Rizin für Anschläge gegen die USA hergestellt werden könne.

Am 16. April 2013 wurde je ein Brief mit Rizin an den republikanischen US-Senator Roger Wicker und den US-Präsidenten Barack Obama abgefangen. Am 30. Mai 2013 wurde bekannt, dass am 24. bzw. 26. Mai 2013 zwei Briefe mit Rizin an den amtierenden New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg abgefangen worden waren. Als Absenderin der Briefe an Bloomberg und Obama wurde die Schauspielerin Shannon Guess Richardson ermittelt; sie gestand dies. Sie wurde zu 18 Jahren Haft und 367.222 Dollar Entschädigungszahlung verurteilt.

Anfang September 2014 wurden in einem US-amerikanischen Labor schlecht gesicherte Rizinrestbestände aus Waffenexperimenten im Ersten Weltkrieg gefunden, zusammen mit Pest- und Botulismus-Erregern.“

Ein ziemlich gruseliger Giftstoff, dieses Rizin

Aus Rizinussamen gewinnt man das fette Rizinusöl, das in der Phytotherapie als Abführmittel (Laxans) eingesetzt wird. Für medizinische Zwecke wird Rizinusöl durch Kaltpressung hergestellt und raffiniert, das heisst entschleimt, entsäuert und mit Wasserdampf behandelt. Raffiniertes Rizinusöl enthält kein Rizin mehr.

Das Fachbuch „Pharmakognosie / Phytopharmazie“ schreibt zur Anwendung als Abführmittel:

„Innerlich als Laxans: Je nach Dosis tritt die laxieerende Wirkung unterschiedlich rasch ein: nach Einnahme von 1 Teelöffel voll nach etwa 8 h, nach Einnahme von 15 – 30 g (1 – 2 Esslöffel) innerhalb von 2 – 4 h. Unerwünschte Wirkungen: Es können sich dyspeptische Beschwerden einstellen. In Stadien fortgeschrittener Schwangerschaft können höhere Dosen die Wehen auslösen.“

Wegen der wehenauslösenden Wirkung ist Rizinusöl auch Bestandteil von sogenannten „Wehencocktails“. Siehe dazu:

Rizinusöl zur Geburtseinleitung

Rizinusöl als Abführmittel & Wehenmittel – Wirkung via Prostaglandinrezeptor

In Kosmetik und Dermatologie wird Rizinusöl zudem wegen seiner guten Löslichkeit in Alkohol als Fettzusatz in alkoholhaltigen Externa eingesetzt, insbesondere in Haartonika.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Schutzeffekt von Wein nur bei sportlichen Menschen?

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Die günstigen Effekte von Wein gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigen sich nur bei regelmäßigem Training. Ob Rotwein oder Weisswein getrunken wird, spielt offensichtlich keine Rolle.

Vor allem dem Rotwein wird nachgesagt, dass er schon in geringen Mengen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen soll.

Jetzt weist aber eine Studie darauf hin, dass dieser positive Effekt offenbar nur sportlichen Menschen zugute kommt.

Denn nur bei diesen Personen steigerte der gemäßigte Weingenuss das gefäßschützende HDL-Cholesterin im Blut, schreiben tschechische Wissenschaftler. Die Farbe des Weins fällt dabei nicht ins Gewicht.

Seit Jahrzehnten wird über eine mögliche gesundheitsfördernde Wirkung von Wein diskutiert, wobei insbesondere Rotwein in Fokus steht.

Dass übermäßiger Alkoholkonsum schädlich ist, steht ausser Frage. Einem täglichen Glas Rotwein dagegen schreiben Wissenschaftler und Weintrinker durchaus positive Effekte für die Blutgefäße zu: Die Werte an HDL, also an „gutem“ Cholesterol im Blut, sollen durch regelmäßigem Weinkonsum steigen. Dadurch sollen Krankheiten wie Arteriosklerose, deren Folgen bis hin zum Herzinfarkt reichen können, seltener auftreten. Aussagekräftige Langzeitstudien über den Einfluss von Wein auf diese Werte und andere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose gibt es bisher allerdings nicht.

Forscher um Milos Taborsky von der Universitätsklinik im tschechischen Olomouc haben darum ein Jahr lang die Effekte von Rotwein und Weisswein bei 146 Versuchspersonen miteinander verglichen. Die Probanden hatten gemäss medizinischen Voruntersuchungen ein leichtes bis mittleres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Für die Zeit der Studie erhielten die Studienteilnehmer entweder einen roten Pinot Noir oder einen weißen Chardonnay-Pinot zu trinken. Bei den Mengen hielten sich die Forscher an die Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO, die für Frauen 0,2 Liter und für Männer 0,3 Liter Wein am Tag an nicht mehr als fünf Tagen in der Woche als „moderat“ bezeichnet. Die Wissenschaftler verglichen die Cholesterinwerte der Versuchspersonen am Anfang der Studie mit den Werten nach einem Jahr. Dies sei die erste Studie, die den Langzeiteffekt von Rotwein und Weisswein auf HDL-Cholesterin und anderen Biomarker der Arteriosklerose vergleicht, erklärt Taborsky.

Das Resultat: Weder Rotwein noch Weisswein steigerte die Werte des „guten“ HDL-Cholesterins merkbar. Das „schädliche“ Cholesterin in Form von LDL lag allerdings in beiden Gruppen tiefer. Nur bei der Rotwein-trinkenden Gruppe reduzierte sich auch der Gesamtgehalt an Cholesterin. Diese Resultate bestätigen jedoch keine schützende Wirkung des Weins für die Blutgefäße, schreibt Taborsky. Ein Anstieg von HDL sei das wesentliche Zeichen eines schützenden Effektes gegen Herz-Kreislauferkrankungen. Deshalb könne man schließen, dass weder Rotwein noch Weisswein einen Effekt auf die Studienteilnehmer insgesamt hatte.

Bei den Laborwerten fanden die Wissenschaftler keinen klinisch signifikanten Einfluss von moderatem Rotwein- oder Weissweinkonsum auf Parameter wie Lipidwerte, C-reaktives Protein, Nüchtern-Glukose, andere Marker für das Arteriosklerose-Risiko oder Leberwerte.

Allerdings entdeckten die Forscher einen gesundheitsfördernden Effekt bei sportlichen Versuchspersonen. Das einzige positive und anhaltende Resultat lag bei der Untergruppe von Probanden, die regelmäßig mindestens zweimal pro Woche Sport trieben, zusätzlich zum Weinkonsum. Bei diesen Versuchspersonen erhöhte sich das HDL-Cholesterin, während sich LDL- und Gesamtcholesterin im Blut merklich verminderten – sowohl bei Rotwein als auch bei Weisswein. Die Wissenschaftler spekulieren deshalb darüber, ob ein Zusammenspiel von niedrigen Alkoholmengen und körperlichem Training gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützten könnte.

Die Forscher wollen deshalb in zukünftigen Studien diesen möglichen Effekt von Wein und regelmäßigem Training näher untersuchen.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17962-2014-09-01.html

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/59952/Studie-Weintrinken-vermindert-Atherosklerose-Risiko-nicht

(Bratislava Medical Journal; 2014; doi: 10.4149/BLL_2012_037)

http://www.elis.sk/index.php?page=shop.product_details&flypage=flypage.tpl&product_id=2748&category_id=90&option=com_virtuemart&vmcchk=1&Itemid=1

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldungen von gesunden Rotwein wurden natürlich über Jahren von Rotwein-Konsumenten und Rotwein-Produzenten gerne gelesen und darum wohl auch gerne gedruckt. Meistens waren sie verknüpft mit dem Inhaltsstoff Resveratrol, der als verantwortlich für die gesundheitlichen Effekte angesehen wurde beziehungsweise wird.

Siehe:

Mythos vom gesunden Rotwein bröckelt

Interessant ist, dass in dieser Studie kein Unterschied zwischen Rotwein und Weisswein festzustellen war, während doch Rotwein sonst immer im Vordergrund stand.

Dass Wein nur zusammen mit sportlicher Aktivität einen positiven Einfluss haben soll, das scheint mir noch ziemlich nebulös. Haben die Teilnehmenden während der Studie gewusst, dass die sportliche Aktivität einer der beobachteten Faktoren ist? Dann wäre es möglich, dass die Sporttreibenden ihre sportlichen Aktivitäten während dieser Zeit ernster nahmen und dass die positiven Effekte nur auf den vermehrten Sport zurückzuführen sind.

Mit 146 Versuchspersonen ist die Studie sowieso ziemlich klein und in ihrer Aussagekraft begrenzt. Weinkonsumierende und weinproduzierende Menschen können daher hoffen, dass doch noch irgendwann eine besondere gesundheitliche Wirkung dieses besonderen Getränks festgestellt wird. Und sonst bleibt es halt mit Mass konsumiert ein Genussmittel.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Ingwer-Extrakt reduziert möglicherweise den Blutzucker

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Ingwer senkt möglicherweise erhöhten Blutzucker. Im Experiment unterstützt der Wurzelextrakt unterstützt die Glukoseaufnahme in die Muskelzellen. Als Behandlungsansatz könnte das für Patienten mit Diabetes Typ 2 interessant werden.

Das berichten Wissenschaftler der University of Sydney im Fachmagazin Planta Medica Das Team um Professor Basil Roufogalis entdeckte in Experimenten mit Zellkulturen, dass aus Ingwer gewonnene Extrakte die Aufnahme von Glukose in Muskelzellen unabhängig von einer Insulingabe unterstützen.

Verantwortlich für die gesteigerte Glukose-Aufnahmefähigkeit seien sogenannte Gingerole, die größte Gruppe phenolischer Substanzen der Ingwerwurzel, erklärt der Experte für pharmazeutische Chemie in einer Mitteilung des Australisch-Neuseeländischen Hochschulverbunds.

Die Wissenschaftler haben für ihre Experimente Ingwerwurzeln aus Australien genutzt, die einen sehr hohen Anteil an Gingerolen – vor allem 6- und 8-Gingerole – haben.

Sie hatten ganze Ingwerwurzeln untersucht und dabei festgestellt, dass nur ganz bestimmte Teile der Wurzel die Glukoseaufnahme in die Muskelzellen effektiv steigern. Sie analysierten diese Teile und fanden dabei heraus, dass sie einen sehr hohen Anteil an Gingerolen (insbesondere 6- und 8-Gingerole) enthielten. Die Wissenschaftler untersuchten, wie Gingerole die Aufnahme von Glukose beeinflussen. Sie fanden dabei eine Erhöhung der Oberflächenverteilung des Proteins GLUT4. Wenn sich das Protein auf die Oberfläche der Muskelzellen setzt, ermöglicht es den Glukose-Transport in die Zellen.

Bei Typ-2-Diabetes ist die Gkukose-Aufnahmefähigkeit der Skelettmuskulatur aufgrund einer gestörten Insulin-Signalübertragung vermindert.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/819645/therapieansatz-ingwer-extrakt-senkt-blutzucker.html

http://derstandard.at/1343745004955/Ingwer-koennte-erhoehte-Blutzuckerwerte-regulieren

https://www.thieme-connect.de/ejournals/abstract/10.1055/s-0032-1315041

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist eine sehr vielseitig einsetzbare Heilpflanze. Sie wird angewendet gegen Übelkeit und Erbrechen (z. B. bei Reisekrankheit, postoperativem Erbrechen, während Chemotherapie), bei Verdauungsstörungen wie Appetitlosigkeit und Völlegefühl, aber auch bei Erkältungskrankheiten.

Diese Grundlagenforschung zur Wirkung von Gingerolen auf den Blutzuckerspiegel ist zwar interessant, aber es ist erst Grundlagenforschung. Die Website Dockcheck beispielsweise titelt die Meldung mit der Aussage: „Ingwer hilft bei Diabetes“.

http://news.doccheck.com/de/article/210628-ingwer-hilft-bei-diabetes/

Das ist unseriös, weil es dazu positive Ergebnisse aus Studien mit Diabeteskranken brauchen würde. Aus Experimenten mit Zellkulturen lässt sich noch nicht schliessen, dass Ingwer gegen Diabetes hilft. Zellkulturen haben keinen Diabetes.

Aber die Schlagzeile „Ingwer hilft bei Diabetes“ tönt natürlich besser als die differenziertere Aussage „Ingwer reduziert möglicherweise den Blutzucker“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Grüntee vermindert Medikamentenwirkung

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Dem Grüntee  werden eine ganze Reihe von gesundheitsfördernden oder sogar heilenden Wirkungen nachgesagt. Grüntee kann jedoch auch die Wirkung bestimmter Medikamente abschwächen. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten das nun in Zusammenarbeit mit Forschern der japanischen Universität Fukushima nachgewiesen.

Die Forscher vom Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie und Klinische Toxikologie der FAU fanden gemeinsam mit den japanischen Wissenschaftlern heraus, dass gewiss Inhaltsstoffe des Grüntees verhindern, dass der Betablocker Nadolol vom menschlichen Organismus aufgenommen wird und seine Wirkung entfalten kann. Nadolol wird zur Therapie von Bluthochdruck, Angina pectoris und Migräne verschrieben. In deutschen Apotheken ist das Medikament allerdings nicht erhältlich.

Die Forscher können jedoch nicht ausschließen, dass Grüntee auch die Aufnahme anderer Medikamente hemmt. Dies müsse in weiteren Studien untersucht werden, findet Dr. Fabian Müller, Arzt am Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie und Klinische Toxikologie der FAU. Er  empfiehlt bei Einnahme von Nadolol auf den Konsum von Grüntee zu verzichten, da eine verminderte Wirkung zu erwarten ist.

Für die aktuelle Untersuchung tranken Probanden zunächst zwei Wochen lang täglich etwa vier Tassen Grüntee. Danach nahmen sie einmalig eine 30-Milligramm-Tablette Nadolol zusammen mit Grüntee ein. In den zwei folgenden Tagen kontrollierten die Wissenschaftler die Konzentration des Wirkstoffs im Blutplasma und prüften außerdem den Blutdruck der Testpersonen. In einem zweiten Durchgang wurde der Grüntee dann durch Wasser ersetzt. Das erstaunliche Resultat: Nach dem Grünteegenuss lag der Nadololspiegel im Blut der Probanden rund 85 Prozent tiefer als der Vergleichswert. Folglich war auch die blutdrucksenkende Wirkung von Nadolol bei den Testpersonen im Grüntee-Durchgang deutlich reduziert.
Von dieser Aufnahmehemmung seien auch Aliskiren (ein Renininhibitor), Etoposid (ein Zytostatikum), Fexofenadin (ein Antihistaminikum der dritten Generation) sowie Talinolol (ein Betablocker) betroffen.

Für diesen Effekt machen die Forscher die so genannten Katechine im Grüntee verantwortlich. Im Labor konnten sie zeigen, dass sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe aus Grüntee wie Epigallocatechingallat (EGCG) und Epicatechingallat Transporter blockieren.

Die Laboruntersuchungen ergaben, dass diese Stoffe ein Protein in der Darmschleimhaut beeinflussen, das der Wissenschaft bereits als Arzneistofftransporter bekannt ist: Das Protein mit der Bezeichnung OATP1A2 unterstützt Medikamente beim Übergang vom Darm ins Blut. Die Katechine blockieren dieses Protein, so dass es keine bzw. nur wenige Wirkstoffanteile in den Blutkreislauf befördern kann.
Die Experimente wurden allerdings mit Nierenzellen gemacht. Eine Bestätigung für Darmzellen steht noch aus.

Ihre Resultate haben die Forscher nun in der Online-Ausgabe des renommierten Fachmagazins „Clinical Pharmacology & Therapeutics“ publiziert.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news570440

http://news.doccheck.com/de/38504/gruener-tee-wechselwirkung-in-tasse/

http://www.nature.com/clpt/journal/vaop/naam/abs/clpt2013241a.html

Kommentar & Ergänzung:

Ein um 85% tieferer Blutspiegel – wie ihn die Forscher festgestellt haben – finde ich ziemlich krass.

Die Aufnahme von Medikamenten aus dem Darm wird von vielfältigen Faktoren beeinflusst, die nur unvollständig bekannt sind.  So kommt es immer wieder zu Überraschungen in diesem Bereich. Aus früheren Studien ist bereits bekannt, dass Apfelsaft, Grapefruitsaft oder Orangensaft das Arzneistoff-Protein OATP ebenfalls hemmen.

Die Empfehlung, Medikamente am besten nur mit Leitungswasser einzunehmen, ist daher sicher sinnvoll.

Ich glaube übrigens nicht, dass dieser Effekt auf Grüntee beschränkt ist.

Schwarztee und viele andere Heilpflanzen enthalten Gerbstoffe, die sich ziemlich wahllos an Eiweiss binden und solche Transporter-Proteine blockieren können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Beschleunigte Wundheilung mit Betulin aus Birkenkork

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Seit Jahrhunderten gelten Extrakte aus Birkenrinde als traditionelle Heilmittel, die dafür sorgen, dass sich verletzte Haut rascher regeneriert.

Forscherinnen um Prof. Dr. Irmgard Merfort vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau haben nun auf molekularer Ebene geklärt, wie die wundheilende Wirkung eines Birkenextraktes aus der äußeren, weißen Schicht der Rinde des Baumes zustande kommt.

Ihre Resultate haben die Wissenschaftlerinnen in der Fachzeitschrift „Plos One“ publiziert.

Das Team arbeitete mit mehreren weiteren Einrichtungen und Instituten zusammen, so mit einer Arbeitsgruppe vom Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung sowie dem Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Albert-Ludwigs-Universität und einer Arbeitsgruppe an der Hautklinik der Universität Hamburg.

Wie beeinflusst Betulin die Wundheilung?

In der ersten Phase der Wundheilung schütten die verletzten Hautzellen bestimmte Substanzen aus, die eine vorübergehende Entzündung auslösen. Diese Stoffe locken Fresszellen an, die eingedrungene Bakterien sowie totes Gewebe beseitigen. Die Freiburger Forscherinnen stellten fest, dass der Birkenkork-Extrakt und speziell dessen Hauptbestandteil Betulin die Anzahl dieser Entzündungsstoffe vorübergehend steigern.

Wie steigert Betulin die Anzahl der Entzündungsstoffe?

Diese Entzündungsstoffe sind Proteine (Eiweissstoffe). Damit im Organismus ein Protein hergestellt werden kann, muss sein Bauplan vom Erbgut abgelesen werden. Dazu muss ein Gen vorerst in Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) übersetzt werden.

Der Naturstoff Betulin aktiviert nun Proteine, welche die Halbwertszeit von Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) verlängern.

Durch Betulin verdreifacht sich die Zeit, in der die mRNA eines bestimmten Botenstoffs stabil ist. Auf diese Art und Weise sorgt Betulin dafür, dass mehr von den Entzündungsstoffen hergestellt werden können.

Der Birkenkork-Extrakt und Betulin stabilisieren ausserdem die mRNA weiterer Botenstoffe.

In der zweiten Phase der Wundheilung wandern Hautzellen und schließen die Verletzung. Der Birkenkork-Extrakt und seine Bestandteile Betulin sowie Lupeol fördern diesen Vorgang. Sie aktivieren Proteine, die am Umbau des Aktin-Zytoskeletts beteiligt sind. Dieses verschafft der Zelle mithilfe des Strukturproteins Aktin ihre Form. Dadurch bewirken die Substanzen aus der Birke, dass Keratinozyten – die in der oberen Hautschicht überwiegend vertretenen Zellen – rascher in die Wunde wandern und sie ausfüllen können.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news570502

Originalpublikation:

Ebeling, S./Naumann, K./Pollok, S./Vidal-y-Sy, S./Wardecki, T./Nascimento, J. M./ Boerries, M./Schmidt, G./Brandner, J. M./Merfort, I. (2013): From a traditional medicinal plant to a rational drug: understanding the clinically proven wound healing efficacy of birch bark extract. In: PLOS ONE. DOI: 10.1371/journal.pone.0086147
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0086147

Kommentar & Ergänzung:

Der Naturstoff Betulin wurde 1788 erstmals isoliert und beschrieben. Er wird als Trockenextrakt zusammen mit Betulinsäure, Lupeol, Erythrodiol und Oleanolsäure aus dem weißen Birkenkork gewonnen.

Betulin entfaltet interessante pharmakologische Wirkungen an der Haut: Viele Publikationen bescheinigen dem Stoff und nahe verwandten Triterpenen antientzündliche, antiproliferative, antimikrobielle, antivirale, hepatoprotektive und wundheilende Wirkungen. Laut Wikipedia entfallen bis zu 34 Prozent der Trockenmasse des weißen Birkenkorks auf Betulin, im Durchschnitt sind es 22 Prozent.

Betulin ist allerdings praktisch unlöslich in Wasser. Das ist ein wichtiger Grund dafür, dass Betulin trotz interessanter pharmakologischer Wirkungen bisher nur spärlich zum Einsatz kommt. Es ist nämlich nicht einfach, Betulin in eine geeignete Anwendungsform zu bringen. Wässrige Umschläge mit Auszügen aus Birkenkork zur Beschleunigung der Wundheilung – diese Idee tönt zwar interessant, wird aber wohl nicht funktionieren. Eine Salbe aus Birkenkorkextrakt und Sonnenblumenöl wurde hingegen inzwischen an Patientinnen und Patienten erfolgreich getestet und wartet auf die Zulassung.

Die vielfältigen pharmakologischen Wirkungen von Betulin wurden allerdings vor allem in Tierexperimenten mit hohen Dosierungen erreicht. Wie weit sich solche Ergebnisse auf eine Behandlungssituation beim Menschen übertragen lassen, ist eine noch weitgehend offene Frage.

Das Beispiel Betulin zeigt, wie komplex es in den meisten Fällen ist, Ergebnisse aus der experimentellen Forschung in eine erfolgreiche Anwendung bei Patientinnen und Patienten umzusetzen.

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Schwangerschaft: Cannabiskonsum gefährdet Hirnentwicklung von Babys

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Eine aktuelle Studie zeigt, dass Cannabiskonsum während der Schwangerschaft die Gehirnentwicklung des Fötus beeinträchtigen und nach der Geburt langfristige Schädigungen verursachen kann.
Geleitet wurde die Studie durch Tibor Harkany vom Zentrum für Hirnforschung an der MedUni Wien. Durchgeführt wurde sie gemeinsam mit ein Team von WissenschaftlerInnen des schwedischen Karolinska Institutet und der US-amerikanischen Mount Sinai School of Medicine.
Nach den Erkenntnissen der ForscherInnen beeinflusst Cannabis hauptsächlich die Art, wie sich Nervenzellen miteinander vernetzen. Das führt dazu, dass betroffene Kinder Informationen in weiterer Folge nur in einem eingeschränkten Ausmaß verarbeiten können.
Eine steigende Zahl von Kindern leiden unter den Folgen eines Drogenkonsums ihrer Mütter während der Schwangerschaft. Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen gehört dabei Cannabis. Die AutorInnen einer soeben in der Fachzeitschrift „The EMBO Journal“ publizierten Studie versuchten darum, die molekulare Basis zu entschlüsseln, über welche die bedeutende psychoaktive Cannabis-Komponente D9-tetrahydrocannabinol (THC) die Gehirnentwicklung ungeborener Kinder beeinflusst.
In ihrer Studie haben die ForscherInnen mit Modellsystemen gearbeitet – basierend auf Studien mit Mäusen und Zellkulturen. Die Resultate haben sie mit dem Gewebe von Föten verglichen, die von Frauen stammten, die zuvor große Mengen an Cannabis konsumiert hatten.
Fehlerhafte Entwicklung der Gehirnrinde
 durch Cannabis
Die Studie kommt zum Schluss, dass Cannabiskonsum während der Schwangerschaft eine deutlich fehlerhafte Entwicklung von Nervenzellen in der Gehirnrinde bewirkt.
Dieser Gehirnteil ist beim Menschen für die Organisation der höheren kognitiven Funktionen zuständig und steuert die Bildung von Erinnerungen.
Verantwortlich für die Effekte ist der psychoaktive Wirkstoff von Cannabis, das Tetrahydrocannabinol (THC). Es wirkt sich v.a. in der Gehirnrinde aus, das beim Menschen die höheren kognitiven Funktionen organisiert und die Bildung von Erinnerungen steuert.
THC beeinflusst im Gehirn unter anderem die Entwicklung und Funktion der Kommunikationsleitungen zwischen den Nervenzellen – die sogenannten Synapsen und Axonen.
Eine wichtige Rolle dürfte dabei das Protein „Stathmin-2″ spielen, erklären die Wissenschaftler. Fehlt dieses Protein, kann es zu einem fehlerhaften Nervenwachstum und lebenslangen Veränderungen der Gehirnfunktion kommen.
Die WissenschaftlerInnen betonen, dass die Cannabisexposition in den experimentellen Modellen genau übereinstimmt mit der fetalen Entwicklungsperiode, während der Nervenzellen untereinander Verbindungen herstellen. Laut den Studienergebnissen können die durch Cannabiskonsum in der Schwangerschaft hervorgerufenen Entwicklungsdefizite bei den Betroffenen lebenslange Veränderungen der Gehirnfunktion hervorrufen.
Nach Aussagen der ForscherInnen leiden zwar nicht alle Kinder, die während einer Schwangerschaft dem Einfluss von Cannabis ausgesetzt waren, unter unmittelbaren und offensichtlichen Defiziten. Die durch die Studie gezeigten Gehirnveränderungen können aber selbst bei vergleichsweise kleinen Schädigungen das Risiko für spätere neuropsychiatrische Erkrankungen deutlich steigern. Selbst wenn THC nur zu kleinen Veränderungen führe, könne seine Wirkung ausreichen, um das Gehirn für Stressoren oder Krankheiten zu sensibilisieren, die bei den Betroffenen später neuropsychiatrische Erkrankungen hervorrufen.
Trotz dieser negativen Wirkungen während der Schwangerschaft betonen die ForscherInnen, dass zwischen der privaten Nutzung und der medizinischen Anwendung von Cannabis klar unterschieden werden muss. Die medizinische Verwendung von Cannabis sei sinnvoll, soweit es sich um die Behandlung von Krankheiten handele. Bei der Verwendung von Cannabis während einer Schwangerschaft sei es jedoch genau umgekehrt. Der Konsum während der Gehirnentwicklung beeinträchtige ein physiologisch intaktes und sehr sensibles System, mit weit reichenden Folgen für die betroffenen Babys und Kinder.
Ob schon ein Gelegenheitsjoint während der Schwangerschaft gefährlich ist, können die ForscherInnen nicht beantworten. Sie wissen nicht, ab wann die gehirnschädigende Wirkung einsetzt. Sicher sind sie sich jedoch darin,  dass kontinuierlicher Konsum über einen längeren Zeitraum gefährlich für das ungeborene Kind ist.
Quelle:
http://www.meduniwien.ac.at/homepage/news-und-topstories/?Fsize=0&tx_ttnews%5Btt_news%5D=4381&cHash=cdd25cfc5b
http://science.orf.at/stories/1732429/
http://emboj.embopress.org/content/early/2014/01/27/embj.201386035
Kommentar & Ergänzung:
Hier wurden zwar nicht Babys oder Kinder oder Erwachsene untersucht, deren Mütter in der Schwangerschaft Cannabis konsumiert hatten. Es wurden also nicht direkt Schädigungen an lebenden Menschen festgestellt. Die Forschenden arbeiteten mit Modellsystemen, basierend auf Studien mit Mäusen und Zellkulturen, und sie stellten Vergleiche an mit dem Gewebe von Föten, deren Mütter zuvor große Mengen an Cannabis konsumiert hatten.
Offenbar sind die Forschenden überzeugt davon, dass sich ihre Resultate auf die Situation einer Schwangerschaft übertragen lassen.
Angesichts des potenziellen Risikos von Schädigungen empfiehlt aber wohl schon der gesunde Menschenverstand, Cannabis in der Schwangerschaft zu meiden.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Insektizid Rotenon fördert möglicherweise Parkinson

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Wissenschaftler der Universität Dresden haben den Mechanismus entdeckt, wie das Pflanzenschutzmittel Rotenon Symptome der Krankheit Parkinson auslöst und verstärkt, meldet das Universitätsklinikum Dresden. Eine zentrale Rolle spielten dabei Nervenverbindungen zwischen Darm und Gehirn. Die Resultate der Forschungsarbeiten wurden in der Zeitschrift «Nature Scientific Reports» publiziert.

Die Dresdener Wissenschaftler konnten zeigen, dass Rotenon zur Ausschüttung des Proteins Alpha-Synuclein durch die Nervenzellen im Darmtrakt führt. Alpha-Synuclein wird von Nervenzellen im Gehirn aufgenommen und im Zellkörper abgelagert, wo es die Zellen zerstört. Wurden die entscheidenden Nerven im Darmbereich von Mäusen jedoch durchtrennt, konnte das Protein die Neuronen des Mittelhirns nicht mehr erreichen und die parkinsonähnlichen Symptome wurden vermindert. Sollten sich diese Ergebnisse bei Parkinsonpatienten bestätigen, sei das ein bedeutender Schritt für neue Ansätze zur frühzeitigen Diagnose und Therapie, erklärte der Leiter der Studien, Francisco Pan-Montojo.

Etwa drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden an Parkinson. Insbesondere Menschen, die Pestiziden ausgesetzt sind und in der Landwirtschaft arbeiten, sind von der Krankheit betroffen. Sie zeigt sich in starren Muskeln, einem fast maskenhaften Gesichtsausdruck und zitternden Händen. Ausgelöst werden diese Veränderungen durch das Absterben von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Mittelhirn.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=44380&Nachricht_Title=Nachrichten_Insektizid+kann+Parkinson+ausl%F6sen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Was ist Rotenon?

Rotenon ist ein pflanzliches Insektizid und der bekannteste Vertreter der Rotenoide.

Rotenon wird aus der Wurzel von Barbasco (Deguelia utilis) oder der Tubawurzel (Derris elliptica) gewonnen, einem in Borneo heimischen Schmetterlingsblütler. Die Wirkung dieser Pflanzen (und damit des Giftes) war bereits seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Rotenon ist nicht nur gegen Insekten und Spinnen wirksam, sondern auch sehr giftig für Fische (aber weniger giftig für Säugetiere und Bienen).

Fischer der Trobriand-Inseln machten sich diese Eigenschaft beim Fischfang zu nutze – mit dem Rotenon aus zerstampften Derriswurzeln wurden Fische betäubt und anschließend aufgespießt. Auch in Mexiko, Ecuador und Brasilien wird die Pflanze im Fischfang eingesetzt.

„Im Freien zersetzt sich Rotenon relativ schnell, ist aber dennoch gefährlich, da es auch über die Haut oder als Staub in die Lunge eindringt. Laut einigen Studien steht Rotenon in Verdacht, Parkinson-Krankheit auszulösen. Rotenon ist aktuell in Deutschland laut BBA nicht als Insektizid zugelassen (aber in der Schweiz, Spanien und in einigen anderen Ländern).“

(Quelle: Wikipedia)

Rotenon ist mir als pflanzliches Insektizid aus meiner Drogisten-Zeit bekannt. Es hatte wegen seiner guten Abbaubarkeit und seiner für Menschen verhältnismässig geringen Toxizität einen guten Ruf. Die starke Giftigkeit für Fische war allerdings auch damals ein Thema.

Dass Rotenon möglicherweise die Parkinson-Krankheit fördern könnte ist mir dagegen neu. Solche Meldungen sind interessant und ernst zu nehmen.

Allerdings erwecken die Meldungen über diese Studien zum Teil den Eindruck, dass mit dem Rotenon die Ursache der Parkinson-Krankheit entdeckt worden ist. Das ist aber allerhöchstwahrscheinlich eine grobe Vereinfachung. Die Ursache(n) von Parkinson sind weitgehend ungeklärt und dürften ziemlich komplex sein.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Gewürze: Kardamom fördert Verdauung und aromatisiert den Kaffee

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Bohnenkaffee werde durch eine winzige Prise Kardamom verträglicher. Darüber hinaus sollen die Samen, die man wegen ihrer Empfindlichkeit immer in den Kapseln kaufen sollte, Appetit und Verdauung anregen. Kardamom eigne sich besonders zum Würzen von Gebäck, Kompott und Süßspeisen, aber auch für Blutwurst oder Kochschinken.

Quelle: http://derstandard.at/1350260941875/Gewuerze-und-ihre-Wirkung

Kommentar & Ergänzung:

Zwischen Gewürzen und Heilpflanzen gibt es oft fliessende Übergänge.

Kardamom (Elettaria cardamomum) gehört zur Familie der Zingiberaceae (Ingwergewächse).

Die Gewürzpflanze stammt ursprünglich aus Südindien, Sri Lanka, Irak und Thailand. Ein wichtiges Exportland ist heute auch Guatemala, weitere Anbauländer sind Tansania, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Vietnam.

Hauptwirkstoff in den Kardamomsamen ist ein ätherisches Öl mit 1,8-Cineol (20-40 %), außerdem (+)-alpha-Terpineolacetat, Limonen (2-14 %) und Sabinen (3-5 %).

Ausserdem enthält der Samen Fettes Öl mit Linolensäure, Ölsäure, Palmitinsäure.
Weitere Inhaltsstoffe sind: Kohlenhydrate (Stärke 20-40 %, Zucker 5 %), Protein (etwa. 10 %), Gummi, reichlich Mangan und Eisen.

Zur Wirkung und Anwendung von Kardamomsamen bzw. Kardamomöl

Das Kardamom als Gewürz verdauungsfördernd wirkt, liegt irgendwie auf der Hand. Die Wirkung genauer zu fassen ist aber nicht so einfach.

Kardamom soll die Gallensekretion steigern. Das wurde jedoch mit relativ hohen Dosen eines acetonischen Extraktes bei Ratten festgestellt. Ob sich dieses Ergebnis auf den Menschen übertragen lässt, ist damit nicht belegt.

Wikipedia schreibt:

„ Ihr ätherisches Öl wirkt fördernd auf die Speichel-, Magen- und Gallensaftsekretion. In der Regel werden alkoholische Auszüge verwendet, bisweilen mit Kümmel und Fenchel kombiniert und in Fertigpräparaten gegen Verdauungsbeschwerden, Blähungen und zur Anregung des Appetits eingesetzt.“

Allerdings widerspricht dem, dass bei In-vivo-Versuchen an Kaninchen sowohl ein Wasser- als auch ein Methanolextrakt der Kardamomsamen die Säure- und Pepsinsekretion des Magens vermindert hat.

In arabischen Ländern wird dem Kardamom eine Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt, ohne dass diesbezüglich etwas geklärt wäre.

Kardamom als Gewürz

„Kardamomsamen sind ein verbreitetes Gewürz in der asiatischen und arabischen Küche. Sie sind ein Hauptbestandteil indischer Masalas, des bekannten Chai-Tee und des ihnen nachempfundenen Currypulvers. Das berühmte ayurvedische Konfekt Laddu, welches aus Ghee-Butter hergestellt wird, enthält auch Kardamom. In der europäischen Küche findet das Gewürz hauptsächlich Verwendung in Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und Spekulatius, aber auch in Wurstwaren, Likören, Schokolade und als Bestandteil von Gewürzmischungen. In Schweden ist Kardamom außerdem ein typischer Bestandteil süßer Backwaren (z. B. Kanelbulle) und im Glühwein (Glögg). Bei der Zubereitung von arabischem Mokka wird dem Kaffeemehl häufig Kardamom zugegeben. Trotz desselben Namens wird der sogenannte schwarze Kardamom (Amomum subulatum) ausschließlich für pikante Gerichte verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

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Mungo-Bohnen gegen Blutvergiftung?

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Ein wässriger Extrakt von Mungo-Bohnen (Vigna radiata) könnte gegen Blutvergiftungen wirksam sein. Gemäss einem amerikanischen Wissenschaftlerteam vermindert Mungo-Bohnen-Extrakt die Produktion des Proteins, das die Entzündung im Körper transportiert. Mäuse, die mit dem Bohnen-Extrakt gefüttert worden seien, hätten die Krankheit mehr als doppelt so häufig überlebt wie Tiere, die mit Kochsalzlösung gefüttert wurden.

Man spricht von einer Sepsis, wenn sich Krankheitserreger vom Entzündungsherd her über den ganzen Körper ausbreiten. Das bewirkt eine heftige Immunreaktion, die im schlimmsten Falle Organe wie das Herz, Nieren oder das Gehirn angreift. – In Deutschland gibt es gemäss Bundesforschungsministerium jährlich über 150.000 Betroffene. Bei mehr als der Hälfte von ihnen endet die Krankheit tödlich.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=152492

http://www.hindawi.com/journals/ecam/2012/498467/

Kommentar & Ergänzung:

Was sind Mungo-Bohnen?

„Die Mungbohne (Vigna radiata), auch Mungobohne, Jerusalembohne oder Lunjabohne genannt und auch als Mung Dal oder Mung Daal bekannt, ist eine Pflanzenart aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae oder Leguminosae). Im deutschsprachigen Raum werden die Keimlinge oft auch fälschlicherweise als Sojasprossen bezeichnet. Diese Nutzpflanze ist nahe verwandt mit einer Reihe anderer „Bohnen“ genannter Feldfrüchte, insbesondere mit der Urdbohne (Vigna mungo). Die Mungbohne wird seit einigen 1000 Jahren in Indien angebaut und ist heute in ganz Südostasien verbreitet.“

(Quelle: Wikipedia)

Mungo-Bohnen werden bisher vor allem als Nahrungsmittel genutzt, in der traditionellen chinesischen Medizin dienen sie aber auch als Heilmittel.

Wunderheiler Zhang setzt auf Mungobohnen

In China gab es einen Wirbel um den angeblichen Wunderheiler Wuben Zhang, der behauptete, dass viele der weltweit chronischen Krankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck und sogar einige Krebsarten mit einer großen Dosis Mungobohnen, weißem Rettich und Auberginen geheilt werden können. Dieses Heilsrezept machte den Textilarbeiter zum berühmten Erfolgsautor, verschaffte ihm Zulauf und Einnahmen aus ganz China. Interessant ist, dass es solche Phänomene offenbar überall in der Welt gibt.

Fang Zhouzi, ein bekannter Kommentator, schrieb in seinem Blog, „Die Enttäuschung der Öffentlichkeit über die moderne medizinische Versorgung hat die Menschen dazu geführt, sich von zugelassenen öffentlichen Krankenhäusern zu distanzieren und den Schwerpunkt auf schnelle Lösungen zu legen, um Krankheiten vorzubeugen.“ Solch eine überwiegende öffentliche Mentalität würde auch von einigen Unternehmern festgestellt und dann ausgebeutet, stellte er fest.

Tian Xiangyang , ein medizinischer Sachverständiger beim China Health Education Center, sagte dazu:

„Die Medien sollten die Schwelle zur Veröffentlichung gesundheitsbezogenen Informationen an die Öffentlichkeit erhöhen. Sie müssen sicherstellen, dass die medizinischen Experten, die sie eingeladen haben, über echte Qualifikationen verfügen. Und die gesundheitsbezogenen Inhalte, die sie veröffentlichen, sollten auch sorgfältig geprüft werden.“

Quelle: http://german.china.org.cn/china/2010-06/02/content_20172614.htm

Das wäre auch eine Diskussion in Europa wert. Viele Medien veröffentlichen zu Themen wie Gesundheit, Heilmethoden und Heilmittel vor allem was Quote, LeserInnen und Inserate bringt. Die Qualitätskontrolle ist über weite Strecken miserabel. Kritische Kommentare zu Medienberichten im Bereich Gesundheit, Komplementärmedizin, Alternativmedizin finden Sie regelmässig auf diesem Blog. Ich schreibe sie nicht aus „Besserwissertum“, sondern weil die kritische Auseinandersetzung mit solchen Meldungen nötig ist.

So, nach dieser kleinen „Medienschelte“ nun aber zur Bedeutung von Mungo-Bohnen in der Küche:

„Die Mungbohnen sind leichter verdaulich als die in Mitteleuropa verbreiteten Gartenbohnen und verursachen keine Blähungen. Sie haben allerdings auch deutlich weniger Eigengeschmack. Man kann die Bohnensprossen, die frischen Hülsen oder die getrockneten Bohnen verwenden. Mungbohnen keimen leicht. Diese Eigenschaft wird in vielen Haushalten dazu genutzt, die Keimlinge in speziellen Keimschalen selbst zu ziehen. Mung-Sprossen werden häufig fälschlicherweise als „Sojakeime“ bzw. „Sojasprossen“ bezeichnet und gehandelt, da sie den Sojabohnen sehr ähnlich sind. Mungbohnenkeimlinge sind ein klassisches Wok-Gemüse, finden aber auch Verwendung in Salatmischungen. Aus ihrem Mehl werden unter anderem die asiatischen Glasnudeln hergestellt. In Indien ist die Mungbohne Grundnahrungsmittel und eine wichtige Proteinquelle. Sie wird zu Dal verarbeitet und als Snack gegessen. Hierzu werden die getrockneten Bohnen in Wasser eingeweicht, wieder getrocknet und anschließend in Öl frittiert.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu einer medizinischen Wirkung der Mungo-Bohnen gegen Blutvergiftung gibt es bisher keine belastbaren Belege.

Experimente mit Mäusen in einem Sepsismodell lassen sich nicht einfach auf die Situation bei einem erkrankten Menschen übertragen. Für Selbstbehandlungen von Sepsis mit Mungo-Bohnen besteht also keine Veranlassung!!

Die Wissenschaftler erforschen bei den Mungo-Bohnen einen Wirkungsmechanismus via Hemmung des Proteins High-Mobility-Group-Protein B1 (HMGB1). Scheint eine ziemlich komplexe Geschichte zu sein.

Was ist HMGB1?

„ High-Mobility-Group-Protein B1 (HMGB1), ist ein High-Mobility Group-Protein, das von abgestorbenen Zellen freigesetzt wird (Nekrose) und physiologisch als körpereigener Alarmstoff dient. Hohe Konzentrationen im Blut deuten häufig auf ernste bis tödliche Erkrankungen hin, zum Beispiel bei Blutvergiftungen (Sepsis) oder dem Endstadium der Malaria. HMGB1 spielt auch bei Tumorentwicklung und Immunabwehr eine wichtige Rolle. Im Tiermodell und in klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass HMGB1 auch an der Entstehung von zahlreichen rheumatischen Erkrankungen beteiligt ist. In gesunden Zellen ist HMGB1 zudem an der Genexpression, dem Lesen der Erbanlagen, beteiligt (Transkription).

HMGB1 wird aufgrund seiner komplexen Funktionen derzeit intensiv erforscht. Die Inhibierung (Hemmung) von HMGB1 verspricht neue Möglichkeiten der Therapie zahlreicher ernsthafter Erkrankungen.“

(Quelle: Wikipedia)

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Ananas-Enzym Bromelain löst Schorf von Brandwunden

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Enzyme aus der Ananaspflanze können den festsitzenden Schorf in Brandwunden ablösen.

Das Bromelain-Präparat eines Herstellers aus Israel steht nach dem erfolgreichen Abschluss klinischer Studien in Europa vor der Einführung.

Bromelain, eine 1957 erstmals beschriebene Mischung von proteolytischen ( = eiweissspaltenden) Enzymen aus dem Stamm und den Früchten der Ananaspflanze, wird gegenwärtig in Apotheken als Naturheilmittel gegen „Schwellungen und Entzündungen“ nach Operationen oder Verletzungen als Tabletten zur oralen Anwendung angeboten. Die Enzyme erzielen jedoch auch bei einer topischen ( = örtlichen) Anwendung eine Wirkung. Bei Brandwunden kann Bromelain den fest haftenden Wundschorf lösen. Die Resultate klinischer Studien, die der Hersteller MediWound aus Jawne, 30 Kilometer südlich von Tel Aviv, durchgeführt hat, haben nun die Europäische Arzneimittelagentur EMA überzeugt.

NexoBrid so der Name des Präparates, habe die Zeit bis zur erfolgreichen Entfernung des Wundschorfs verkürzt und das Ausmaß des chirurgischen Debridements reduziert, heißt es in einer Pressemitteilung zu der positiven Entscheidung des Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP).

Die EMA warnt aber gleichzeitig, dass eine nicht sachgerechte Weiterbehandlung der Wunde nach dem Debridement die Heilungszeiten verlängern und das Komplikationsrisiko vergrössern könne. Die Ananas-Enzyme könnten dann gesundes Gewebe angreifen. Der CHMP verlangt deshalb von der Herstellerfirma, ein Trainingsprogramm und Fortbildungsmaterialien für die Anwender bereitzustellen.

NexoBrid hat seit 2002 bei der EMA den Status eines Orphan Arzneimittel für seltene Erkrankungen, bei denen der Bedarf an neuen Medikamenten hoch einschätzt wird. Bei Arzneimitteln mit Orphan-Status ist ein vereinfachtes und günstigeres Zulassungsverfahren möglich. Über eine Zulassung wird demnächst die Europäische Kommission einen Entscheid fällen, wobei sie sich aber in der Regel an die Empfehlungen des CHMP hält.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51755/Ananas-Enzyme-loesen-Schorf-von-Brandwunden

Kommentar & Ergänzung:

Bromelain ist ein interessanter Inhaltsstoff der Ananaspflanze.

Hier weitere Infos zur biologischen Wirkung des Enzyms:

„Bromelain wirkt gerinnungs- und entzündungshemmend. Es hilft beim Abbau von Fibrin, einem Eiweißstoff im Blut, der die Blutzirkulation herabsetzen kann. In in-vitro-Studien zeigte Bromelain wundheilende und antimetastasische Wirkungen.“

Quelle: Wikipedia

Und zur medizinischen Anwendung von Bromelain:

„In der Medizin wird Bromelain bei akuten und chronischen Entzündungen (magensaftresistente Tabletten) sowie als Verdauungshilfe eingesetzt. Die Zulassung der deutschen Fertigarzneimittel lautet ‚bei akuten Schwellungszuständen nach Operationen und Verletzungen, insbesondere der Nase und der Nebenhöhlen.’

Bromelain wurde in klinischen Studien bei Gelenkbeschwerden gegen Placebo und gegen NSAR getestet. Dabei fällt etwa jede zweite Studie negativ aus. Ein sicherer Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit von Bromelain fehlt.

Bromelain wird im Magen bereits zum größten Teil verdaut.

Deshalb werden standardmäßig magensaftresistente

Filmtabletten oder Dragees in der Therapie eingesetzt, welche

sich erst im Dünndarm auflösen und enthaltene Stoffe

freisetzen. Da nur Peptide aus bis zu drei Aminosäuren

resorbiert werden, ist eine Aufnahme von Bromelain, welches

ein vollständiges Protein darstellt, unrealistisch.

Neben Arzneimitteln befinden sich auch Nahrungsergänzungsmittel, ergänzende bilanzierte Diäten und diätetische Lebensmittel für Sportler mit Bromelain im Markt: Die Qualitäten reichen von geringsten Mengen Ananas-Fruchtpulvern bis zu höher dosierten Präparaten. Eine Angabe der Enzymaktivität wird von den Überwachungsbehörden in Deutschland im Lebensmittelbereich kritisch gesehen. Die Lagerungsstabilität ist umstritten.“

Quelle: Wikipedia

Ein Bromelain-Präparat mit Zulassung als Arzneimittel ist Traumanase® forte. Es unterstützt die Rückbildung von Schwellungen und Flüssigkeitsansammlungen nach Verletzungen und Operationen.

Gefrorene Ananasstückchen werden in der Palliative Care erfolgreich eingesetzt zur Linderung der Beschwerden bei Mukositis (Mundschleimhautentzündung).

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