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Zum Thymian als Heilpflanze

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Echter Thymian (Thymus vulgaris) wird in der Phytotherapie als Heilpflanze insbesondere als Schleimlöser bei produktivem Husten eingesetzt.

Reinhard Länger hat in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (Nr. 4/2017) einen Beitrag zum Thymian publiziert. Darin geht der Autor auch auf den variablen Gehalt an ätherischem Thymianöl ein:

„Die Vertreter der Gattung Thymus sind bekannt für ihren chemischen Polymorphismus. Individuen, die morphologisch nicht zu unterscheiden sind, weisen einen deutlich unterschiedlichen Geruch auf, was auf Unterschiede in der Zusammensetzung des ätherischen Öls hinweist.“

Das Europäische Arzneibuch enthält Vorgaben für Thymiankraut und Thymianöl, sofern sie als Arzneimittel verkauft werden:

Thymiankraut muss gemäß der Anforderungen im Europäischen Arzneibuch mindestens 1.2 Prozent ätherisches Öl beinhalten, das zumindest zu 40 Prozent aus den Komponenten Thymol und Carvacrol besteht.

Bei Thymianöl muss der Gehalt an Thymol im Bereich von 37 bis 55 Prozent liegen.

Riecht ein Thymiankraut eher zitronenartig, erfüllt es die Anforderungen des Arzneibuchs nicht und ist daher nicht als Arzneipflanze geeignet.

Reinhard Länger weißt allerdings darauf hin, dass neben dem Thymianöl und seiner Hauptkomponente Thymol wohl noch andere Inhaltsstoffe an der Wirkung des Thymians mitbeteiligt sind:

„Die publizierten wissenschaftlichen Daten zu Wirkungen und Wirksamkeit von Thymianöl und Thymol lassen aber vermuten, dass der hohe Stellenwert dieser Substanz in der Qualitätskontrolle historisch wegen der strukturellen Ähnlichkeit mit Phenol bedingt sein könnte. Für die Wirksamkeit von Thymian bei produktivem Husten sind wohl auch die Flavonoide in Betracht zu ziehen, da auch Thymol-freie Zubereitungen interessante pharmakologische Effekte zeigten.“

Zum Forschungsstand schreibt Länger:

„Da die Ergebnisse publizierter kontrollierter klinischer Studien mit Thymian als alleinigem Wirkstoff noch unzureichend sind, sind Arzneispezialitäten mit Thymian als traditionelle pflanzliche Arzneimittel am Markt. Für Kombinationen mit Primelwurzel oder Efeu ist die Evidenz der klinischen Wirksamkeit deutlich besser.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0417.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Das Phänomen mit dem stark variierenden Gehalt an ätherischen Ölen zeigt sich nicht nur beim Echten Thymian (Thymus vulgaris, Garten-Thymian), sondern auch beim Bergthymian (Quendel, Feldthymian, Sand-Thymian, Thymus serphyllum).

Auf Kräuterwanderungen in den Bergen treffen wir Bergtymian, der intensiv nach Thymian duftet, aber auch Exemplare, die praktisch geruchlos sind. Offenbar gibt es da genetische Unterschiede, die den Gehalt an ätherischem Öl stark beeinflussen.

Als Arzneipflanze eignen sich nur diejenigen Exemplare von Thymian oder Bergthymian, die den typischen Thymianduft aufweisen. Geruchlose Exemplare sollten nicht genutzt werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

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Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet über die Bewertung von Erkältungsmitteln durch die „Stiftung Warentest“ und vergleicht die Empfehlungen mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Bei den Hustenmitteln haben dabei die Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) eine überraschend gute Stellung.

Werden Schleimlöser oder Hustenstiller gewünscht, können laut Stiftung Warentest bei Reizhusten Dextromethorphan oder zur Schleimlösung Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol zur Anwendung kommen.

ACC und Ambroxol allerdings nur mit Einschränkung, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen sei. Aus dem selben Grund rät die DEGAM-Leitlinie „Husten“ von ACC und Ambroxol ab, für Hustenstiller sieht sie nur in Ausnahmefällen eine Berechtigung, zum Beispiel nachts, um besser schlafen zu können.

In der Bewertung der „Stiftung Warentest“ finden sich auch Phytopharmaka, nämlich Spitzwegerichextrakt gegen Hustenreiz und Schleimlöser mit Efeu oder Thymian. Aber auch sie werden nur mit Einschränkung empfohlen, da sie nicht ausreichend erforscht seien.

Die DEGAM-Leitlinie dagegen steht den Phytopharmaka offener gegenüber. Sie anerkennt insbesondere für Myrtol Hinweise auf positive Effekte. Myrtol wird von der „Stiftung Warentest“ gar nicht erwähnt. Auch Kombipräparaten von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt wird in der DEGAM-Leitlinie durchaus ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis zugeschrieben. Sie schreibt deshalb, dass bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten diese Phytopharmaka zur moderaten Symptomlinderung bzw. – verkürzung bei Erkältungshusten bzw. akuter Bronchitis erwogen werden können.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/erkaltungsmittel-gut-und-gunstig-und-leitliniengerecht

Kommentar & Ergänzung:

Dann will ich mal versuchen, nachfolgend bei den aufgeführten Hustenmittteln Phytopharmaka und synthetische Mittel gegenüber zu stellen.

Die Hustenstiller:

Bei Hustenstillern und insbesondere bei Schleimlösern stehen die Phytopharmaka im Vergleich mit den synthetischen Wirkstoffen gut da, was die wissenschaftlichen Belege und die Sicherheit angeht.

Mag sein, dass Spitzwegereichextrakt als Hustenstiller nicht ausreichend erforscht ist. Aber schauen wir uns einmal die synthetische Alternative Dextromethorphan an. Die Wirksamkeit von Dextromethorphan ist zumindestens fragwürdig. Der WDR hat den Forschungsstand am 15. 12. 2014 zusammengefasst und beruft sich dabei auf die renommierte Cochrane Collabortion:

„Die Cochrane Collaboration hat insgesamt 26 Studien zu Codein- und Dextromethorphan-haltigen Präparaten beurteilt. Das Fazit: Die Studienlage ist insgesamt uneinheitlich: Oft zeigten unterschiedliche Studien widersprüchliche Ergebnisse. Daher kann das Expertengremium keine wirkliche Empfehlung für oder gegen Hustenstiller aussprechen. Zudem wirkte Honig in vielen Studien sogar besser als Dextromethorphan.“

Quelle: http://www1.wdr.de/themen/wissen/erkaeltungsmittel114.html

Sehr überzeugend tönt das nicht, wenn sogar Honig besser wirkt als Dextromethorphan.

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 1:1

Dazu kommt aber noch die Frage nach den Risiken: Beim Spitzwegerichextrakt sind Risiken nicht bekannt und auch nicht zu erwarten.

Bei Dextromethorphan sieht das ganz anders aus:

„Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom-P450-Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Dextromethorphan zeigt zudem Wechselwirkungen insbesondere mit bestimmten Antidepressiva und mit Alkohol.

Und dann gibt es noch ein Missbrauchsrisiko:

„Dextromethorphan wird auch missbräuchlich eingenommen, da es in hohen Dosen dissoziative und anderweitig berauschende Effekte hat (ähnlich der bei niedrig dosiertem Ketamin). Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose nach sich ziehen, unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbst- oder Fremdgefährdung führen. Regelmäßige missbräuchliche Einnahme kann zur Suchterkrankung führen, unter Umständen ist auch mit Hirnschäden zu rechnen.

Direkt durch Dextromethorphan bedingte Todesfälle sind theoretisch möglich, dafür aber müsste es in einer derart hohen Dosis eingenommen werden, wie es in der Praxis kaum möglich ist. In der Kombination mit Paracetamol sind jedoch Todesfälle bekannt. Zum Missbrauch vom Dextromethorphan sind nur wenige Studien verfügbar. Die bekannteste Arbeit zum Thema stellt wohl die DXM-FAQ von William E. White, einem amerikanischen Dextromethorphan-Forscher, dar. Seine Thesen stützen sich teilweise auf Berichte von mehreren Hundert Konsumenten.“

Quelle: Wikipedia

Das spricht gegen Dextromethorphan und für Spitzwegerichextrakt.

Fazit:

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 2:1

Und nun zu den Schleimlösern:

Halten wir fest: Die Wirksamkeit der oft konsumierten synthetischen Wirkstoffe Acetylcystein und Ambroxol ist nicht belegt.

Acetylcystein ist beispielsweise enthalten in ACC Sandoz® (früher ACC eco®), Ecomucyl®, Fluimucil®, Mucostop® und Solmucol®;

Ambroxol beispielsweise in Mucosolvon® und Bisolvon Ambroxol®.

Gut belegt sind dagegen verschiedene Phytopharmaka als Schleimlöser:

Kombipräparate von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt, ausserdem Myrtol (enthalten in Gelomyrtol®).

Spielstand Schleimlöser: Phytopharmaka : Acetylcystein / Ambroxol 1 : 0

Fazit Hustenmittel insgesamt: Phytopharmaka : Synthetika 3 : 1

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Hilft Thymian gegen Husten?

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Diese Frage versucht das Portal „medizin-transparent“ zu beantworten und bewertet dazu die auffindbaren wissenschaftlichen Daten.

Als Antwort auf ihre Ausgangsfrage ziehen die Autoren den Schluss: unklar.

Die Autorinnen und Autoren von „medizin-transparent“ recherchieren und bewerten die Studien zu Thymian wie gewohnt sorgfältig.

Die Formulierung der Frage halte ich aber für suboptimal.

Die Frage, ob Thymian gegen Husten hilft, ist meiner Ansicht nach so gar nicht beantwortbar.

 

Es wird nämlich nicht „Thymian“ gegen Husten angewendet, sondern Thymiantee, Thymiantinktur (Frischpflanzentinktur oder Tinktur aus getrocknetem Thymian), Thymianextrakt (unterschiedlich produziert je nach Hersteller), Thymian-Frischpresssaft, ätherisches Thymianöl.

 

Violà. Und diese verschiedenen Anwendungsformen unterscheiden sich in ihrer Zusammensetzung und damit auch in ihrer Wirksamkeit.

Die optimale Anwendungsform für jeden Fall zu finden ist in der Phytotherapie genauso wichtig, wie die passendste Heilpflanze zu einer bestimmten Krankheit.

Sinnvoller sind daher konkretere Fragen:

Wirkt Thymiantee gegen Husten?

Wirkt Thymianöl gegen Husten?

Wirkt Frischpflanzentinktur aus Thymian gegen Husten?

Wirkt der Thymianextrakt der Firma XY gegen Husten?

 

„Medizin-transparent“ kommt aufgrund der Recherchen zum Schluss,

„dass die wenigen neueren Studien nicht Thymian oder Thymianbestandteile alleine testen, sondern Kombipräparate – einerseits Thymian und Efeublätter, andererseits Thymian und Primelwurzel. Solche Kombinationen konnten in je einer Studie ihre Überlegenheit gegenüber Placebo beweisen. Beispielsweise reduzierte die Thymian-Efeu Kombination in einer Studie mit insgesamt 361 Patienten die Hustenanfälle nach rund einer Woche um 68,7 Prozent, das Placebo nur um 47,6 Prozent. Die Studie ist zwar vom Hersteller finanziert, aber methodisch korrekt durchgeführt. Außerdem wurde in der Gruppe, die das Präparat erhielt, eine 50-prozentige Reduktion der Hustenanfälle zwei Tage früher erreicht als in der Placebogruppe. Ähnlich gute Ergebnisse zeigt die Studie mit der Kombination aus Thymian und Primelwurzel; beide Studien zeigen zudem eine gute Verträglichkeit, ernste Nebenwirkungen wurden keine beobachtet.“

 

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/ein-kraut-gegen-husten#ref1

Kommentar & Ergänzung:

Das ist gut nachvollziehbar. Auf recht hohem Niveau belegt ist die Wirksamkeit eines Kombipräparats mit Thymianextrakt & Efeuextrakt sowie eines Kombipräparats Thymianextrakt & Primelextrakt. Folgerichtig tauchen solche Kombipräparate auch in den Leitlinien der Lungenärzte zur Behandlung von Husten auf.

Für die Wirksamkeit von Thymian allein gibt es dagegen kaum Belege. Für Thymiantee und Thymiantinktur meines Wissens gar keine.

Für Thymianöl existieren Laborversuche, die eine gute antibakterielle und antivirale Wirkung zeigen. Klinische Studien mit Patienten fehlen. Bei Thymianöl wäre ausserdem noch zu unterscheiden zwischen einer inhalativen Anwendung und einer Anwendung peroral. Thymianöl unterscheidet sich zudem fundamental von andren Thymian-Anwendungen, weil es nur den flüchtigen Anteil der Thymian-Inhaltsstoffe enthält.

Und Thymianextrakt allein wurde auch nie systematisch mit klinischen Studien untersucht.

So kommt also „medizin-transparent“ korrekt zum Schluss, die Wirksamkeit von Thymian (für sich allein) sei „unklar“.

 

„Medizin-transparent“ geht nicht darauf ein, weshalb es zu Thymian allein – in all seinen Formen – keine klinischen Studien gibt, was aber für das Verständnis dieser Situation nützlich wäre.

 

In der Phytotherapie wird Geld in grösseren Mengen in der Regel nur dann in Forschung investiert, wenn es sich um ein patentierbares oder patentiertes Produkt handelt. Das ist zum Beispiel bei Spezialextrakten der Fall. Patentschutz und Markenschutz gegen den Herstellern die Sicherheit, dass die Forschungsaufwendungen dem eigenen Produkt zugute kommen.

In die Erforschung von Thymiantee, Thymiantinktur oder Thymianöl – wie sie jede andere Firma auch herstellen kann – zu investieren, ist dagegen kaum interessant. Das kann man bedauern, aber so funktioniert unsere Wirtschaft.

Das bedeutet nun nicht unbedingt, dass Thymiantee, Thymiantinktur oder Thymianöl unwirksam sind. Es heisst nur, dass wir darüber kaum handfeste Belege aus Studien auf einem hohen Evidenzlevel haben. Das bedeutet auch nicht, dass diese Anwendungsformen nicht eingesetzt werden können. Es ist allerdings wichtig, dass man weiss, in welchem „Terrain“ man mit ihnen steht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Pflanzenmedizin gegen Husten

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ ( Nr. 7 / 2012) fasst aktuelle Empfehlungen bezüglich Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten zusammen:

„Atemwegsinfekte sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Gerade gegen Husten bietet die Pflanzenmedizin aber gut verträgliche Hilfen an, deren Evidenz inzwischen auch in Leitlinien wissenschaftlicher Gremien Anerkennung fand. So hat die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gleich zwei Pflanzenkombinationen in ihre Therapieempfehlungen aufgenommen, die in der Leitlinie zu »Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten« genannt werden. Sie stufte die Wirksamkeit von Thymiankraut und Efeublättern und Thymiankraut und Primelwurzeln als wissenschaftlich nachgewiesen ein. Ursache eines akuten Hustens sind fast immer Viren. Eine antibiotische Therapie – die bekanntlich nur gegen Bakterien wirken kann – ist deshalb nur in Ausnahmefällen indiziert. Die pflanzlichen Präparate bewirken dagegen erwiesenermaßen eine schnellere Linderung des Hustens im Vergleich zu Placebo.

Als schleimlösende Mittel (Expectorantien) werden von den Lungen- und Atemwegsspezialisten Extrakte aus Anis, Myrtol, Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Efeublättern und Primelwurzeln aufgezählt. Hustenstillende Eigenschaften weisen laut Leitlinie Extrakte aus Thymian, Spitzwegerich, Drosera und Wollblumen auf. Allerdings entsprechen längst nicht alle Präparate, die derartige Pflanzen enthalten, den geforderten wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker. Pflanzliche Hustenmittel gelten auch in der Behandlung von Kindern als besonders geeignet.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Empfehlungen in den Leitlinien sind erfreulich und nachvollziehbar. Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten können es jedenfalls oft auch aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel bei einer Gesamtbetrachtung durchaus mit synthetischen Präparaten aufnehmen.

Bei den synthetischen Expectorantien (Schleimlöser) ist zum Beispiel beim Klassiker N-Acetylcystein (Fluimucil) die Studienlage sehr widersprüchlich und die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, obwohl das Präparat oft verkauft und eingenommen wird.

Bei den synthetischen Antitussiva (Hustenstiller) unterscheidet man Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt, Risiko von Nebenwirkungen) und Nicht-Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt):

– Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

– Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

Berücksichtigt man sowohl Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen für die Beurteilung, so schneiden die erwähnten Heilpflanzen-Anwendungen im Vergleich zu den synthetischen Substanzen gut ab.

Allerdings stimmt auch der Hinweis im Zitat, dass längst nicht alle Präparate, welche die erwähnten Heilpflanzen enthalten, den geforderten Qualitätskriterien genügen.

Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

P.S.

– Mit Drosera ist Sonnentau gemeint, eine insektenfressende Pflanze, die im Hochmoor wächst.

– Efeublätter nicht als Tee verwenden, sondern nur als Fertigpräparat, das auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt ist.

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Thymian gegen Husten

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Thymian ist eine der wichtigsten Hustenpflanzen der Phytotherapie und gilt vor allem als schleimlösend. Trotz häufiger Anwendung ist Thymian aber nur lückenhaft untersucht. Zu Thymian als Mono-Therapeutikum existieren keine klinischen Studien und nur wenige Anwendungsbeobachtungen. Besser sieht es bei Kombinationen von Thymian mit Efeu oder mit Primelwurzel aus. Hier gibt es Wirkungsnachweise aus Studien, doch ist daraus nicht zu entnehmen, welchen Anteil an der Wirkung nun dem Thymian zukommt.

Interessant sind die Forschungsresultate zum Wirkmechanismus von Thymian. Bislang schrieb man die krampflösenden und auswurffördernden Eigenschaften den Hauptbestandteilen des ätherischen Öls zu, also den Phenolen Thymol und seinem Strukturisomer Carvacrol. Doch zu tief sind die Thymol-Konzentrationen, die nach peroraler Einnahme im Lungengewebe und Plasma festgestellt werden können.

Plausibler sind neuere Untersuchungen, die an den Wirkungsmechanismus von Efeu-Extrakt erinnern. Thymian soll indirekt β2-mimetisch wirken, bedingt vermutlich durch die Flavonoide des Extrakts. Die beworbene antibakterielle und antivirale Wirkung ist fraglich.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=35352&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Dass bei oraler Anwendung von Thymiantee oder Thymiantinktur die Thymol-Konzentration ind en Atemwegen zu tief ist, um eine Wirkung zu entfalten, scheint mir sehr nachvollzeihbar. Interessant deshalb der Hinweis auf eine mögliche Wirkung der Flavonoide via Adrenorezeptoren ähnlich derjenigen von Efeu-Extrakt. Siehe dazu:

Phytotherapie: Efeu als Hustenmittel – wie kommt die Wirkung zustande?

Meiner Ansicht nach kann vom Thymian durchaus eine antibakterielle und möglicherweise auch antivirale Wirkung erwartet werden. Allerdings nicht von Thymiantee oder Thymiantinktur peroral, sondern inhalativ von Thymianöl.

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Bei Erkältung auch auf Heilpflanzen setzen

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Das empfehlen Hamburgs Apothekerinnen und Apotheker auf gesundheit-adhoc.de und stellen fest: „Nicht immer muss es die chemische Keule sein.“

Und bevor erklärt wird, wie Heilpflanzen bei klassischen Erkältungsbeschwerden helfen,

geht es zunächst um den Ablauf von Erkältungen:

„Erkältungen verlaufen in mehreren Phasen. Der grippale Infekt macht sich in der Regel nach etwa drei Tagen durch Halsschmerzen bemerkbar. Anschließend treten Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schnupfen auf. Der Husten leitet das Ende der Erkältung ein. Häufig leiden Patienten zunächst an einem trockenen Reizhusten, bevor tatsächlich Schleim abgehustet wird.“

Erkältungssymptome gezielt behandeln

„Da die unterschiedlichen Erkältungssymptome in der Regel nicht gleichzeitig auftreten, sind Kombinationspräparate, die Arzneistoffe gegen mehrere Beschwerden enthalten, nicht empfehlenswert. ‚Das Prinzip ‚Viel hilft viel‘ gilt bei Erkältungen nicht. Wenn ein Patient nur Kopfschmerzen hat, braucht er kein Mittel gegen Schnupfen’, sagt Dr. Jörn Graue, Vorsitzender des Hamburger Apothekervereins. Besser sei es, die einzelnen Symptome gezielt zu behandeln.“

Bei Halsschmerzen Salbei – gegen Schnupfen Kamillendampf

„Bei Erkältungen sind Heilpflanzen eine gute Ergänzung zu Fertigarzneimitteln. ‚Zur effektiven Behandlung von Halsschmerzen kann mit Salbeitee gegurgelt werden’, sagt Rainer Töbing, Präsident der Hamburger Apothekerkammer. Die Inhaltsstoffe wirken antibakteriell und entzündungshemmend. Bei Schnupfen empfiehlt sich die Inhalation mit einem Aufguss mit Kamillenblüten. ‚Der warme Dampf löst festsitzenden Schnupfen, und die ätherischen Öle der Kamille wirken beruhigend auf die gereizten Schleimhäute’, so Töbing.“

Bei Husten: Thymian, Primelwurzel, Efeu und Eibischwurzel

„’Gegen Husten sind besonders viele Kräuter gewachsen: Thymian, Primelwurzel und Efeu lösen festsitzenden Husten und beruhigen die Bronchien’, sagt Graue. Arzneitees haben gegenüber Hustentropfen oder Pastillen einen entscheidenden Vorteil – bei der Einnahme wird automatisch viel getrunken, wodurch sich der Schleim leichter löst. Auch gegen Reizhusten gibt es Hilfe aus dem Arzneigarten: ‚Eibischwurzel enthält Schleimstoffe, die den Hustenreiz lindern. Allerdings muss der Tee mit kaltem Wasser angesetzt werden’, sagt Töbing.

Quelle:

http://gesundheit-adhoc.de/index.php?m=1&showPage=1&id=9464

Kommentar:

Fundierte Empfehlungen – basierend auf dem aktuellen Stand der Phytotherapie. So machen Apothekerinnen und Apotheker ihrem Berufsstand Ehre, was bei Beratungen in der Apotheke leider nicht immer der Fall ist. Jedenfalls in der Schweiz höre ich immer wieder von haarsträubenden Auskünften, welche Kundinnen und Kunden in Apotheken und Drogerien auf Fragen betreffend Heilpflanzen bekommen.

Falls Sie sich Kompetenz im Bereich der Selbstbehandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen erwerben möchten:

Einen guten Überblick über die Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen bietet das Tagesseminar zu diesem Thema.

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Phytotherapie bei Erkältungskrankheiten – was hilft?

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Heilpflanzen-Anwendungen sind bei Erkältungskrankheiten / Atemwegserkrankungen beliebt und wirksam. In der „Grünen Apotheke“ wird der Stellenwert der Phytotherapie in diesem Bereich wie folgt umschrieben:

„Die Behandlung von Atemwegserkrankungen ist eine Domäne der Phytotherapie. Da die meisten dieser Krankheiten durch Viren hervorgerufen werden, ist keine kausale Therapie möglich. Im Vordergrund steht folglich die Linderung der Symptome, wofür pflanzliche Heilmittel besonders gut geeignet sind. Es existiert ein grosses Spektrum wirksamer Pflanzen, die nicht nur die Beschwerden bessern, sondern auch die körpereigenen Reinigungsmechanismen unterstützt und die natürliche Immunabwehr anregen. Dabei sind kaum Nebenwirkungen zu befürchten, so dass auch eine Langzeitanwendung bei chronischen Entzündungen möglich ist.“

Es geht in diesem Bereich der Pflanzenheilkunde / Phytotherapie zum Beispiel um Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Bronchitis,  Reizhusten, Asthma bzw. Bronchialasthma,  Fieber, Rachenentzündung, Mandelentzündung, Mundschleimhautentzündung, Zahnfleischentzündung.

Die wichtigsten Heilpflanzen beim Thema Atemwegserkrankung / Erkältung sind laut der „Grünen Apotheke“:

Anis, Arnika, Efeu, Eibisch, Eukalyptus, Fenchel, Fichte, Gewürznelke, Heidelbeere, Holunder, Kamille,  Kampfer, Kapland-Pelargonie / Umckaloabo, Kiefer, Linde, Mädesüss, Myrrhe, Primel (Primelwurzel, Primelblüten, bzw. Schlüsselblumenwurzel, Schlüsselblumenblüten), Salbei, Sonnentau, Spitzwegerich, Süssholz, Thymian, Tormentill / Blutwurz, Malvenblüten, Sonnenhut.

Das Buch „Grüne Apotheke“ können Sie anschauen und kaufen im Buchshop. Dieses Heilpflanzen-Buch ist fachlich fundiert und verständlich geschrieben auch für Menschen ohne medizinischen Grundberuf.

Wer sich umfassender über die erwähnten Heilpflanzen informieren will,  kann sich dazu aktuelles Phytotherapie—Wissen erwerben im Tagesseminar „Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten und grippale Infekte“.

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Heilpflanzen-Extrakte aus Schlüsselblume und Thymian helfen beim Abhusten

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Bestimmte Heilpflanzen-Präparate sind schleimlösend und haben darüber hinaus eine antibakterielle Wirkung.

Bei produktivem („schleimigem“) Husten sind Expektoranzien (auswurffördernde Mittel) und Bronchospasmolytika die symptomatische Therapie der ersten Wahl. Die Naturheilkunde kann hier einiges bieten, auch im Hinblick auf bakterielle Sekundärinfektionen.

Bei den Expektoranzien haben diverse ätherische Öle die beim produktiven Husten erforderlichen schleimlösenden Effekte, wie Professor Karin Kraft vom Lehrstuhl Naturheilkunde am Klinikum der Uni Rostock bei einem Internistenkongress in Wiesbaden erklärte. Anisöl, Thymianöl, Fenchelfrüchteöl und Pfefferminzöl seien nur einige der möglichen Behandlungsmöglichkeiten, die für die innere Anwendung zur Verfügung stehen.

Die reine Mukolyse (Schleimlösung) ist allerdings nur ein Wirkprinzip von Phytopharmaka für die symptomatische Behandlung bei produktivem Husten. Auch die Bronchospasmolyse – also die krampflösende Wirkung – trägt zur Linderung der Beschwerden bei. Bronchospasmolytisch wirksam seien unter anderem Efeublätter, Primelwurzel (= Schlüsselblumenwurzel), Süßholzwurzel und Thymiankraut, erklärte Kraft bei einer von der Firma Steigerwald unterstützten Veranstaltung.

Hilfreich könne ferner ein gewisser entzündungswidriger Effekt sein, wie er unter anderem bei der Anwendung von Efeublättern, Spitzwegerich oder Kamille zu erwarten sei. Eine unspezifisch antibakterielle Wirkung bei produktivem Husten schließlich hätten beispielsweise Brunnenkresse, Kapuzinerkresse und Primelwurzel. Das sei hauptsächlich mit Blick auf mögliche bakterielle Sekundärinfektionen interessant, die damit unterdrückt werden könnten, wenn die Wirkstoffe früh genug eingenommen werden, erklärte Kraft.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/default.aspx?sh=99&h=-195116024&sid=598469&ticket=ST-4392-h3neL0kcpdUugzPTbepNK62diJs3jdDB10c-20

Kommentar & Ergänzung:

Schlüsselblume und Thymian sind für die Phytotherapie tatsächlich wichtige schleimlösende Heilpflanzen.

Heilpflanzen enthalten meistens mehrere Wirkstoffe und können deshalb einen Krankheitsprozess an verschiedenen Stellen günstig beeinflussen.

Sie wirken an mehreren sogenannten Zielstrukturen – auf Englisch “Targets” – und bekämpfen so gleichzeitig verschiedene Ursachen und Begleitsymptome. Wissenschaftler bezeichnen dies als Multi-Target-Therapie. Das ist ein Unterschied zu den meisten synthetischen Medikamenten, die nur eine Substanz enthalten.

So ist beispielsweise Thymian zugleich schleimlösend, antimikrobiell und krampflösend in den Bronchien.

Efeu wirkt wie in obigem Beitrag erwähnt schleimlösend und krampflösend auf die Bronchien, der aufgeführte entzündungswidrige Effekt fehlt aber in der Phytotherapie-Fachliteratur. Efeublatt als Hustenmittel würde ich zudem ausdrücklich nur als Efeu-Extrakt empfehlen, nicht aber als Efeutee oder Efeutinktur.

Und Schlüsselblumenwurzeln wirken gemäss Phytotherapie-Fachliteratur schleimlösend bzw. auswurffördernd, aber nicht antibakteriell und nicht bronchospasmolytisch.

Falls Sie sich Kompetenz im Bereich der Selbstbehandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen erwerben möchten:

Einen guten Überblick über die Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen bietet das Tagesseminar zu diesem Thema.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=15

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Kinderheilkunde: Heilpflanzen bei Erkältungskrankheiten

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Eltern verlangen heute vermehrt nach natürlichen Alternativen in der Behandlung ihrer Kinder. Heilpflanzen-Präparate kommen diesem Bedürfnis entgegen. Prof. Karin Kraft hat sich in der Zeitschrift „ Kinderärztliche Praxis“ zur Anwendung von Heilpflanzen-Präparaten aus der Phytotherapie bei Atemwegserkrankungen bzw. Erkältungskrankheiten geäussert. Hier eine kleine  Zusammenfassung:

Zum Therma „Fieberhafte Infekte“ schreibt Karin Kraft:

„Pflanzliche Medikamente sind für die symptomatische Therapie von akuten fieberhaften Infekten im Kindesalter hervorragend geeignet. Bei frühzeitigem Beginn und Beachtung der Anwendungsbeschränkungen lassen sich Komplikationen eines akuten grippalen Infektes bei gleichzeitig sehr guter Verträglichkeit verhindern. Die Linderung der Beschwerden steht bei der Therapie im Vordergrund. Bei den ersten Infektzeichen kann eine Schwitzkur durchgeführt werden. Dazu gehören ein heißes Bad mit langsam steigender Temperatur und eine Nachruhe, bei der heiße Tees getrunken werden und das Kind in warme Decken eingehüllt wird. Holunderblüten und Lindenblüten sind die wichtigsten schweißtreibenden Drogen. Sie werden als heiße Tees beim banalen Infekt eingesetzt. Als Badeextrakte und für ansteigende Fuß- und Armbäder eignen sich ätherische Öle wie Thymianöl, Eukalyptusöl oder Nadelholzöle.“

Anmerkung: Die Bezeichnung „Drogen“ meint im Bereich der Phytotherapie „getrocknete Heilpflanzen“ und hat nichts mit der verbreiteten Bedeutung  im Sinne von Rauschmittel zu tun.

„Für Infekte der oberen Atemwege eignet sich besonders die Inhalation von ätherischen Ölen, für die unteren Hustentropfen oder -sirup.

Phytotherapeutika wirken bei Atemwegserkrankungen in erster Linie symptomatisch…“

In diesem symptomatischen Bereich empfiehlt Karin Kraft:

– schleimhautabdeckend und indirekt antitussiv (hustenreizstillend): Schleimdrogen wie zum Beispiel Eibischwurzel, Malvenblüten, Isländisch Moos.

– sekretolytisch, sekretomotorisch (auswurffördernd): Saponindorgen wie zum Beispiel Efeublätter, Primelwurzel, Schüsselblumenblüten.

– entzündungswidrig: zum Beispiel Eukalyptusöl, Kamillenblüten, Myrtol.

– bronchospasmolytisch (krampflösend auf die Bronchien): zum Beispiel Eukalyptusöl, Myrtol.

„…einige Pflanzen haben zudem spezifische kausale Wirkungen“.

Kraft nennt dazu folgende Beispiele:

– virustatisch: zum Beispiel Thymianöl.

– antibakteriell: zum Beispiel Anisöl, Kamillenöl, Pfefferminzöl, Thymianöl.

– immunmodulierend: zum Beispiel Kamillenöl, Kraut des roten Sonnenhutes.

Ausserdem empfiehlt sie eine ganze Anzahl von Heilpflanzen mit ätherischen Ölen:

„Anisfrüchte, Eukalyptusblätter, Fenchelfrüchte, Fichtennadeln, Kamillenblüten, Kiefernnadeln, Pfefferminzblätter und -öl, Salbeiblätter und Thymiankraut. Auch das Myrtol, eine Mischung aus ätherischen Ölen, ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Ätherische Öle wirken je nach ihrer Zusammensetzung antiphlogistisch, antibakteriell, antimykotisch, bronchospasmolytisch, expektorierend und sedativ. Sie haben eine reflektorische Wirkung direkt über den N. trigeminus und wirken über eine Reizung von afferenten Magennerven nach oraler Aufnahme indirekt expektorierend. Indikationen sind banale Infekte, Husten, Bronchitis, Sinusitis (Kamillenblüten) und virale Tonsillitis (Salbeiblätter).“

Karin Kraft beschreibt hier den sogenannten „gastropulmonalen Reflex“, der zu auswurffördernden, schleimlösenden Effekten führen soll.

(expektorierend= auswurffördernd; antimykotisch = pilzhemmend; antiphlogistisch = entzündungswidrig; Sinusitis = Nasennebenhöhlenentzündung; Tonsillitis = Mandelentzündung)

Ausserdem beschreibt Prof. Kraft die Wirkungsweise der verschiedenen Inhaltsstoffe:
– „Saponindrogen senken die Oberflächenspannung des Sputums und stimulieren die Flimmerzellen. Sie wirken sekretolytisch, sekretomotorisch, antiphlogistisch, bakteriostatisch und antimykotisch. Sie werden v. a. bei Husten und Bronchitis eingesetzt. Als pflanzliche Drogen werden unter anderem Efeublätter, Primelwurzel, Schlüsselblumenblüten und Süßholzwurzel verwendet.“

– „Schleimstoffdrogen enthalten Polysaccharide aus Monosaccharinen, Glukuron- und Galakturonsäuren und Arabinogalaktanen. Sie bilden bei Kontakt mit Wasser durch Aufquellen abdeckende, kolloidale Lösungen. Sie wirken schleimhautprotektiv, reizlindernd und antiphlogistisch. Indikationen sind trockener Husten, Bronchitis und Tonsillitis. Verwendete pflanzliche Drogen sind u. a.   Eibischblätter und –wurzel, Huflattichblätter, Isländisches Moos, Malvenblätter und –blüten und Spitzwegerichkraut. Sie werden in der Regel als Teegetränk, Extrakt, Sirup, Pastillen und Presssaft verabreicht.“

Ebenfalls erwähnt wird der Umckaloabo-Extrakt:

„Der Extrakt aus den Wurzeln von Pelargonium sidoides weist antimikrobielle und immunmodulierende Wirkungen auf und wird erfolgreich bei verschiedenen akuten und chronischen Infektionen des Hals-Nasen-Ohrenbereiches und der oberen Atemwege eingesetzt. Für Kinder unter 12 Jahren mit akuter oder akut exazerbierter Sinusitis liegt neuerdings auch eine multizentrische prospektive offene Studie vor, die bei nicht antibiotikapflichtigen Fällen eine gute Wirkung zeigte.“

Und abschliessend zum Thema Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung):

„Für die akute und chronische Sinusitis ist die Wirksamkeit einer Kombination aus Enzianwurzel, Primelwurzel, Sauerampferkraut, Holunderblüten und Eisenkraut seit langem in klinischen Studien belegt. Die Kombination wirkt sekretolytisch, antiphlogistisch und abschwellend auf die Schleimhäute und zudem antiviral.“

(antiphlogistisch = entzündungswidrig; sekretolytisch = schleimlösend, sekretlösend)

Quelle:

http://www.kinderaerztliche-praxis.de/index.php?id=5113&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[search]=phytotherapie&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[year]=-1&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[page]=&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[showDetail]=14413&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[magazine][0]=Kinderärztliche%20Praxis

Kinderärztliche Praxis, Heft 05, 2008 Jahrgang 79

Rubrik: Fortbildung

Seite: 282-289

Autor: Prof. Dr. med. Karin Kraft

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein guter Überblick der wichtigsten Heilpflanzen-Anwendungen im Bereich Erkältungskrankheiten.

Prof. Dr. med. Karin Kraft ist Inhaberin des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Rostock und eine wichtige Vertreterin der universitären Phytotherapie im deutschsprachigen Raum. Sie veröffentlicht immer wieder fundierte Texte zu Themen aus dem Bereich der Phytotherapie, was sehr zu begrüssen ist, da die Qualität vieler Medienberichte über Heilpflanzen und ihre Wirkungen sehr zu wünschen übrig lässt.

Ergänzend: Efeublätter nicht als Tee, nur als Fertigpräparat (Efeu-Extrakt); Huflattichblätter wegen dem Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden nicht länger als 6 Wochen im Jahr, nicht während Schwangerschaft und Stillzeit, meine Empfehlung: Huflattich generell ersetzen durch Malvenblüten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Kräutertees lindern Husten

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Tees aus Heilpflanzen können bei Husten Linderung bringen. Kräutertees sind gut verträglich und haben meist wenig Nebenwirkungen.

Bei Hustenreiz sind Aufgüsse aus Eibischwurzel, Spitzwegerich, Malve oder Isländisch Moos zu empfehlen. Ist im Verlaufe der Erkältung aus dem trockenen Husten ein so genannter produktiver Husten geworden, helfen Kräutertees aus Anis, Fenchel, Primelwurzel oder Süßholzwurzel beim Abhusten. Zugleich hustenstillend 
und hustenlösend wirken Thymian oder Efeu. Ein weiterer Vorteil des Teetrinkens ist die vermehrte Flüssigkeitsaufnahme, wodurch die Schleimhäute befeuchtet werden und der Vermehrung von Krankheitskeimen entgegen gewirkt wird.

Noch wirksamer als Kräutertees sind häufig Extrakte, die entweder als Pastillen, Sirup, Saft oder Tropfen eingenommen werden und verglichen mit dem Kräutertee höher dosiert sind.
Hält sich ein trockener Husten länger als eine Woche oder treten andere Beschwerden wie Fieber oder Halsschmerzen dazu, sollte ein HNO-Arzt konsultiert werden.

Quelle:
http://www.hno-aerzte-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:
Diese Darstellung von Kräutertees bei Husten ist weitgehend überzeugend. Es sind nur wenige Präzisierungen nötig.
Bei trockenem Reizhusten sind schleimreiche Heilpflanzen in Form von Aufgüsse aus Eibischwurzel, Spitzwegerich, Malve oder Isländisch Moos tatsächlich eine gute Wahl.
Eibischwurzel sollte allerdings kalt angesetzt werden. Isländisch Moos ist sehr bitter und wird als Kräutertee wohl nicht gerade Begeisterungsstürme auslösen. Bei Malve müsste präzisiert werden: Gegen Reizhusten die Blüten von Malva silvestris.

Bei produktivem Husten sind Kräutertees aus Anis, Fenchel, Primelwurzel oder Süßholzwurzel wirksam, wobei Anisfrüchte und Fenchelfrüchte sinnvollerweise vor dem Aufgiessen des Kräutertees zerstossen werden.

Bei Thymian und Efeu ist die Angabe „hustenstillend 
und hustenlösend“ etwas irreführend. Präziser und fundierter ist schleimlösend / auswurffördernd und krampflösend auf die Bronchien (bronchospasmolytisch).

Bei Thymian wäre eine inhalative Anwendung in Form von Thymianöl wohl effektiver als der Kräutertee. Bei Efeu ist die Teeanwendung generell eher kritisch zu hinterfragen. Efeu-Präparate sind wegen der genaueren Dosierbarkeit vorzuziehen.

Und übrigens: Nichts gegen HNO-Ärzte, aber bei länger anhaltendem Husten würde ich zuerst mal meinen Hausarzt konsultieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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