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[Buchtipp] “ Stille Machtergreifung “ , von Hans-Henning Scharsach,

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Stille-Macht-ErgreifungVerlagsbeschreibung

Hofer, Strache und die Burschenschaften

Norbert Hofers Präsidentschaftswahlkampf war ein Lehrstück einer von Burschenschaften konzipierten populistischen Kampagne. Mit eisernem Lächeln täuschte er erfolgreich über die von ihm vertretenen rechtsextremen Standpunkte hinweg. Doch das ist nur die Speerspitze einer Entwicklung, die fast unbemerkt von der österreichischen Öffentlichkeit vor sich geht: Ein kleiner, verschworener Kreis hat die FPÖ in Besitz genommen, zentrale Funktionen in Bundespartei, Parlament und Landesverbänden sind fest in den Händen von Burschenschaftern.
Hans-Henning Scharsach untersucht die engen Verflechtungen Norbert Hofers, Heinz-Christian Straches und ihrer Weggefährten mit den Burschenschaften. Seine akribische Recherche taucht tief in deren antisemitische und nationalsozialistisch geprägte Geschichte ein. Er analysiert ihr politisches Instrumentarium, das sich mit Hasskampagnen und systematischer Verbreitung von Unwahrheiten über alle Regeln der Fairness hinwegsetzt. Anhand belegbarer Zahlen, Daten und Fakten zeigt Scharsach auf, was Österreich droht, wenn deutschnationale, schlagende Burschenschafter an die Macht kämen. Zum Shop

Zum Autor Hans-Henning Scharsach

Hans-Henning Scharsach, langjähriger Leiter der Auslandsressorts von „Kurier“ und „News“, ist Publizist und Autor politischer Sachbücher. Der Experte für Rechtspopulismus, Rechtsextremismus und Neonazismus moderierte 15 Jahre die Zeitzeugengespräche zum Jahrestag des Novemberpogroms im Wiener Volkstheater. Zu seinen Büchern zählen die Bestseller „Haiders Kampf“, „Haiders Clan“, „Europas Populisten“ und „Die Ärzte der Nazis“.

Kommentar von Martin Koradi

Hans-Henning Scharsach zeigt auf,  „was Österreich droht, wenn deutschnationale, schlagende Burschenschafter an die Macht kämen“, steht in der Verlagsbeschreibung…..

Nun sitzen also diese Burschenschafter wie Heinz-Christian Straches, Norbert Hofers & Co. inzwischen in der Regierung und  an den Schalthebeln der Macht.

Wer das Buch von Hans-Henning Scharsach gelesen hat, wird nicht in Versuchung kommen, diese Machtergreifung zu verharmlosen.

Hans-Henning Scharsach zeigt detailliert und gut belegt, mit welch fragwürdigen Figuren und menschenverachtender Ideologie wir es hier zu tun haben.

Es ist eindrücklich zu lesen, mit welcher Kaltschnäuzigkeit und Konsequenz hier Unwahrheiten und Hass als politische Instrumente eingesetzt werden.

Die gesammelten Lügen des Heinz-Christian Straches – in der Zwischenzeit zum Vizekanzler und Bundesminister für Beamte und Sport der Republik Österreich ernannt –  kann man auf der Website FPÖ-Watch nachlesen (samt Widerlegung).

Eindrücklich zeigt das Buch von Hans-Henning Scharsach auch, wie konsequent die FPÖ alle Medien, die ihre Lügen in Frage stellen, mit „Lügenpresse“-Vorwürfen zu diffamieren suchen. In dieser Hinsicht fährt die FPÖ die gleiche Strategie wie der Oberlügner Donald Trump in den USA.

Es muss sehr zu denken geben und sagt viel über eine Gesellschaft aus, wenn solch zwielichtige Figuren trotz ihrer offensichlichen Lügen gewählt werden.

Wer noch nicht davon überzeugt ist, dass Österreich eine starke zivilgesellschaftliche Reaktion auf diesen rechtsextremen Burschenschafter-Sumpf braucht, sollte diese Buch lesen – und wer davon schon überzeugt es auch.

Vernetzen Sie sich mit zivilgesellschaftlich aktiven Gruppen, zum Beispiel https://www.aufstehn.at oder bei Mitgliedern des Solidaritätspakts der Zivilgesellschaft.

Hans-Henning Scharsach liefert auch eine detaillierte Aufstellung dazu, welche FPÖ-Politiker in welchen Burschenschaften aktiv sind. Selten ein so gut recherchiertes Buch gelesen. Stichworte aus dem Inhaltsverzeichnes unten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Aus dem Inhaltsverzeichnis

Die stille Machtübernahme: FPÖ im Besitz der Burschenschaften

Geheimhaltung: Wir sollen nicht wissen, wen wir wählen

Traditionen des Nationalsozialismus

Hofers Marko-Germania: Verräterische Festschrift

Deutsches Vaterland: Der Kampf gegen die österreichische Nation

Gegen Gleichheit und Pluralismus

Antisemitismus in den Burschenschaften

Das antisemitische Nazi-Symbol der Kornblume

Feindbild-Austausch: Muslime statt Juden

Antisemitismus-Verleugnung: Hofer und Strache als Judenfreunde

Burschenschaften und Nationalsozialismus

Bücherverbrennung 1933: Burschenschaften und der Anschluss

„Ehrendes Andenken“ für die Massenmörder der Nazis

Hofer und die NS-Traditionen

Gegen NS-Verbot und „Menschenhatz der Linken“

Täter-Opfer-Umkehr: Schlag nach bei Goebbels

Am Beispiel Norbert Hofer: Stille Machtergreifung

Hofers rechtsextreme Weggefährten, Freunde und Mitarbeiter

Väterliche Förderer und junge Geförderte

Hitlers Legitimationstheoretiker als „Vorbild“

Geschönte Biografie für die politische Mitte

Ein Künstler zur ideologischen Standortbestimmung

Ideologische Standortbestimmungen

Rechtsextreme Inhalte im FPÖ-Handbuch

Plebiszit als Waffe gegen Verfassung und Demokratie

Ausschaltung ganzer Wählergruppen durch Ende der Briefwahl?

Ein Handbuch als Kriegserklärung an die Verfassung

Von Wespenlarven, Brutpflegetrieb und militärischen Tugenden

Von der Verachtung für „Eliten“ und den Sorgen des kleinen Mannes

Faktencheck: Das Märchen von der „sozialen Heimatpartei“

„Mut zur Wahrheit“: Einblick in die blaue Sozialpolitik

Kampf gegen Kammern und Interessenverbände

Personen als Programm: Barbara Kolm, Olaf Henkel und Dieter Hundt

Männliche Weltordnung: Frauen als Opfer der „Burschenpartei“

Der Mann auf der Jagd, die Frau im Heim

Ausgeladen: Frauen, die weder schön noch still sind

Identitäre: Eine PR-Aktion rechtsextremer Burschen

Identitäre, Burschenschafter und FPÖ

Rechtsextreme Inhalte in jugendlicher Verpackung

Wahlkampf: Lügen, Hass und Nächstenliebe

Der Wahlkampf der Burschenschafter im Netz

Wie Fake News und Lügen verbreitet werden

Die grausamen Fratzen des Hasses

Überforderte Gerichte, hilfloser Rechtsstaat

Die mediale Parallelwelt der Burschenschafter

Das Zusammenspiel mit der Krone

Strache: Fake News und falsche Fakten

Der Kampf gegen die „Lügenpresse“

Kampf gegen demokratische Grundrechte

Die Printmedien der Burschenschaften

Der Rechtsstaat als Feindbild

Das Spiel mit Gewalt und Bürgerkrieg

Gewalt als Wesensmerkmal der Burschenschaften

Die Anti-Ausländer-Wahlkämpfe der FPÖ

Waffenfreunde: Schon Kinder sollen schießen lernen 162

Die burschenschaftliche Verwurzelung in NS-Traditionen

Strache und die braune Gewaltszene

Am Beispiel Olympia: Bewahrer brauner Traditionen

Sommerlager nach dem Vorbild der Reichsführerschulen

Neonazistische Redner bei Olympia-Veranstaltungen

Arminia Czernowitz: Werbung mit NSDAP-Plakat

Libertas: Ein Preis für junge Neonazis

Cimbria: Gemeinsam mit Nazis gegen die Wehrmachtsausstellung

Silesia im Rotlichtbezirk: Straches Sekretärin holt Gottfried Küssel

Teutonia: Nazi-Schulung „im Einklang mit der Bundlinie“

Wenn Burschenschafter und Neonazis gemeinsame Sache machen

Ein rechtsextremes Milieu und sein freundlicher Darsteller

Wo steht Norbert Hofer politisch?

Ist Norbert Hofer rechtsextrem?

Ist Norbert Hofer Neonazi?

Die Taktik des Populismus: Auf beiden Seiten dabei

Was droht unter einer FPÖ-Regierung?

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[Buchtipp] „Zivilisiert streiten“, von Marie-Luisa Frick

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Zivilisiert-streigenVerlagsbeschreibung

Zur Ethik der politischen Gegnerschaft.

Konflikte gehören zum Wesen der Politik, und Strategien erfolgreicher Konfliktlösungen charakterisieren die politische Arbeit. Dabei kann der Zwang zum Konsens das Politische verfehlen. Deshalb fragt eine Ethik des politischen Konfliktes nicht nur danach, wie Konflikte „gelöst“ werden können, sondern wie sie ausgetragen werden sollen. Wie darf man mit einem politischen Gegner umgehen? Wie weit soll Meinungsfreiheit reichen in Zeiten von „Hass im Netz“ und „politischer Korrektheit“? Was heißt es, Demokratie als wehrhaft zu gestalten? Und was schulden demokratische Mehrheiten der Minderheit – oder Gegnern der Demokratie? Fragen, deren Beantwortung für eine zukunftsfähige Gesellschaft lebenswichtig ist. Zum Shop

 

Inhaltsverzeichnis „Zivilisiert streiten“

Vorbemerkung

  1. Einleitung

1.1 Demokratie

1.2 Menschenrechte

1.3 Demokratie und Menschenrechte im Verhältnis zueinander

1.4 Aufbau

  1. Politische Konflikte verstehen

2.1 Grundriss agonistischer Demokratietheorie

2.2 Was ist ein politischer Konflikt?

2.3 Sind politische Konflikte lösbar?

  1. Politische Konflikte im demokratischen Kontext austragen

3.1 Wie soll ich meine Meinung bilden?

3.2 Wie soll ich meine Meinung vertreten?

3.3 Das Recht der Minderheit

3.4 An den Rändern der Gegnerschaft: Wann sollen politische Bewegungen verboten werden?

  1. Exkurs: Ethik der Feindschaft ? Wie darf man Terroristen behandeln?
  2. Ausblick

Zur Autorin Marie-Luisa Frick

Marie-Luisa Frick ist 1983 in Lienz geboren und studierte Philosophie und der Rechtswissenschaften an der Universität Innsbruck. Seit 2006 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Philosophie (2006-2010 Univ.-Ass., 2011-2016 Ass.-Prof.).

2016 Habilitation in Philosophie (Priv.-Doz.) und Ernennung zur Assoziierten Professorin. Schwerpunkte ihrer Forschung und Lehre sind Ethik, Rechts- und politische Philosophie, Religionsphilosophie, Ideengeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts und Wissenschaftsphilosophie.

Kommentar von Martin Koradi

Dieses kleine Reclam-Bändchen von Marie-Luisa Frick führt anregend und informativ in die Grundvoraussetzungen demokratischer Auseinandersetzung ein.

Die Autorin erläutert Begriffe wie Demokratie, Menschenrechte, Meinungsfreiheit, Ziviler Ungehorsam, Politische Korrektheit (Political Correctness, PC) und Populismus, die zwar häufig gebraucht, aber oft nur ungenau verstanden werden.

Marie-Luisa Frick geht dann auf die Frage ein, wie politische Konflikte am besten ausgetragen werden. Denn eine Demokratie, in der nicht gestritten wird, ist gar keine, und eine Demokratie, in der nicht zivilisiert gestritten wird, ist zutiefst gefährdet.

Interessant ist auch das Abschlusskapitel, in dem die Autorin untersucht, wie man mit politischen Feinden umgehen darf,  die die Vernichtung demokratischer Ordnungen zum Ziel haben. Hier diskutiert Marie-Luisa Frick das Konzept der „Zivilisierten Verachtung“, das Carlo Stenger beschrieben hat (siehe Buchshop: Zivilisierte Verachtung).

Marie-Luisa Frick erklärt in ihrem Büchlein nicht, was man denken soll, sondern wie man über einige der wichtigsten Fragen unserer Zeit nachdenken kann.

Hier finden Sie einen Text von mir zu einem ähnlichen Thema:

Demokratie braucht eine diskursive Gesprächskultur – verteidigen wir sie!

Eine Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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Ralf Dahrendorf zu den Gefährdungen liberaler Demokratien

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Der deutsch-britische Soziologe, Politiker und Publizist Ralf Dahrendorf (1929 – 2009) hat am 11. Dezember 2006 für die Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus einen Vortrag gehalten zum Thema „Anfechtungen liberaler Demokratien“. Darin hat er fast prophetisch drei Gefährdungen liberaler Demokratien beschrieben, die seither noch sehr viel deutlicher im Raum stehen. Was sind diese drei Gefährdungen, vor denen Dahrendorf warnte?

1. Schleichender Autoritarismus

Als Beispiele für autoritäre Regime nennt Dahrendorf Singapur und Malaysia.

„Oligarchie plus Apathie“, das ist laut Dahrendorf die Formel des Autoritarismus.

Autoritarismus ist zu unterscheiden vom Totalitarismus. Totalitäre Regime kontrollieren und mobilisieren die Menschen ständig zum Zweck der Stärkung eines Gewaltregimes. Autoritäre Regime verlassen sich dagegen auf die Apathie und das Schweigen der Untertanen, die ihren eigenen, ‚privaten’ Interessen nachgehen, während eine kleine Gruppe – eine Nomenklatura, eine Bürokratie – die Zügel in der Hand hält und das öffentliche Interesse in eines zur eigenen Machterhaltung verwandelt hat.

Die überwiegende Zahl der Bürger mischt sich nicht in die öffentlichen Angelegenheiten ein. Tun einige es trotzdem, werden sie vom Regime zum Schweigen gebracht.

Davon könne in den westlichen Demokratien zumindestens in dieser Schärfe keine Rede sein, stellte Dahrendorf in seinem Vortrag im Dezember 2006 fest. Es gebe jedoch Tendenzen, die in eine ähnliche Richtung weisen:

„Das zunehmende Desinteresse vieler Bürger lässt sich nicht nur an der Wahlbeteiligung ablesen. Vielfach ist die Debatte über öffentliche Dinge erlahmt. Politik erreicht den Bürger und Wähler nicht mehr. Die meisten haben anderes im Sinn. Die Parteien verlieren Mitglieder, die Zeitungen verlieren Leser. Die Leute schütteln den Kopf über die Politik, aber betrachten das nicht als Aufforderung zum Tun, sondern als Grund zur Abkehr….

Zugleich geschehen Dinge, die die Macht der politischen Führer, also insbesondere der Exekutive, stärken.“

Als Beispiel für letzteres verweist Dahrendorf auf die Gesetzgebung, die dem Schutz vor Terrorismus dienen soll, und erwähnt dabei den US-amerikanischen Patriot Act.

Arroganz der Macht der wenigen und Apathie der vielen sei eine verbreitete Versuchung der Unfreiheit.

 

2. Staatsversagen (Failed States)

Dahrendorf meint damit nicht nur die Unfähigkeit eines Staates, bestimmte Probleme, wie beispielsweise die Kinderarmut, zu lösen, sondern die völlige Abwesenheit des Staates in wichtigen Bereichen. Die Rede ist also von gescheiterten Staaten (failed States).

Dahrendorf:

„Noch haben wir nicht recht zur Kenntnis genommen, was es bedeutet, wenn das staatliche Gewaltmonopol ganz oder teilweise ausser Kraft gerät.“

Dahrendorf verweist – im Jahr 2006 – als Beispiele für failed States auf Afghanistan, den Irak und den Kongo:

„Präsident Hamid Karzai mag von einer Mehrheit der afghanischen Wähler gewählt worden sein, aber tatsächlich ist er bestenfalls Bürgermeister von Kabul. Schon in Kandahar gilt sein Wort wenig. Afghanistan hat keine staatlichen Institutionen, mit denen man etwa über ein Programm einer Landwirtschaft ohne Opium-Anbau reden und dann Veränderungen durchsetzen könnte.

Der Irak war einer der wenigen Staaten mit einem (von Saddam Hussein scheusslich missbrauchten) staatlichen Gewaltmonopol in der Region; heute ist er weitgehend ein failed state, was seinen Schatten wirft auf die Absicht, den ‚irakischen Behörden’ zunehmend weitere Vollmachten zu überlassen.“

Das hat für Dahrendorf unter anderem auch Konsequenzen für die UNO:

„Sieht man sich die Vereinigten Nationen genau an, so haben viele ihrer Mitglieder tatsächlich nicht nur kein Mandat, sondern auch kein Land; sie vertreten keinen handlungsfähigen Staat. Es führt daher in die Irre, sie so zu behandeln wie Frankreich oder Deutschland oder die USA.“

Auch in Europa sieht Dahrendorf in seinem Vortrag im Jahr 2006 Anzeichen für failed states:

„Bei der Auflösung Jugoslawiens hat es sehr rasche Staatsbildungen gegeben, aber es ist dabei auch ein grosses Gebiet entstanden, in dem Hohe Beauftragte internationaler Instanzen oder regionale Kriegsherren das Sagen haben. Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro und andere Gebiete im europäischen Feld und Umfeld sind kaum als Staaten zu bezeichnen.“

Dahrendorf weist darüber hinaus darauf hin, dass es auch innerhalb europäischer Staaten Gebiete oder genauer Gegenden gibt, in denen das Gewaltmonopol des Staates gleichsam ausser Kraft gesetzt ist:

„Es gibt no-go areas, in die die meisten nicht gehen, die auch von staatlichen Instanzen, also von Polizei und Justiz, in der Regel gemieden werden…..Der demokratische Staat reicht nie bis in den letzten Winkel der Gesellschaft und soll es auch nicht tun….Die multikulturelle Gesellschaft aber, die unter dieser Überschrift ganzen Stadtvierteln und Gruppen eine Art Eigenleben einräumt, solange sie sich nicht einmischen in die Hauptgesellschaft, hat ein Stück Freiheit preisgegeben. Sie erlaubt sozusagen Staatsversagen nach innen. Sie hebt das staatliche Gewaltmonopol für einen Teil der Bevölkerung auf.“

Failed states, sich auflösende Staaten oder solche, denen das Gewaltmonopol entglitten ist, seien keine guten Verhandlungspartner und dazu auch in fast keinem Fall Demokratien.

 

3. Einschränkung demokratischer Entscheidungsmöglichkeiten im Nationalstaat infolge Globalisierung

Historisch gesehen war der Nationalstaat der Ort, an dem demokratische Institutionen Fuss fassen konnten. Im Verlaufe der Globalisierung sind wichtige Entscheidungen aus der Sphäre des Nationalsstaates abgewandert.

Wirtschaftspolitik sei vielfach nur noch teilweise, Währungspolitik zum Teil gar nicht mehr von nationalen Regierungen und Parlamenten zu betreiben, sagt Dahrendorf, und fährt fort:

„Manche meinen, dass das noch für andere, wichtige Bereiche der Politik gilt. Damit stellt sich die Schlüsselfrage: Haben wir demokratische Verfahren und Institutionen für Entscheidungen, die jenseits der Grenzen des Nationalstaates getroffen werden? Oder bedeutet die ‚Überwindung nationalstaatlichen Denkens’ immer zugleich einen Verlust an Demokratie?“

Auf diese Fragen gebe es keine einfachen Antworten, sagt Ralf Dahrendorf, und er bezieht diese Aussage auch auf Europa und die Europäische Union.

Die Europäische Union sei kein Nationalstaat im Grossformat. Sie habe bei ihren supranationalen Kompetenzen gewisse staatlichen Qualitäten, die zwar keinen failling state schaffen, aber einen noch nicht gelungenen Staat, was in der Wirkung nach Dahrendorf fast auf das gleiche hinausläuft. Das Gewaltmonopol der europäischen Institutionen hält er schon deshalb für fragwürdig, weil es durch nationalstaatliche Institutionen ausgeübt werden muss:

„Wenn Staaten Souveränität an ‚Brüssel’ abgeben, dann verlieren sie nicht nur ein Stück ihrer Macht, sondern auch ihrer Staatlichkeit, denn ‚Brüssel’ kann das nicht leisten, was Staaten leisten. In der Tat muss es sich an die Staaten als Träger des Gewaltmonopols halten, wenn es um die Erhebung von Steuern oder die Verfolgung von Vergehen oder die Kontrolle der Zuwanderung geht.“

Am Massstab funktionierender Staatswesen gemessen, sei die Europäische Union gegenüber den Nationalstaaten ein Rückschritt. Diese Tatsache werde noch verschärft durch die eher zweifelhalten demokratischen Qualitäten der Union:

„In ihrer ursprünglichen Konstruktion war die Europäische Union zweifellos nicht demokratisch. Sie bestand aus einer ernannten Kommission mit einem Vorschlagsmonopol. Beide tagen nicht-öffentlich. Inzwischen hat die ursprünglich eher beratende Versammlung sich zum Parlament gemausert. Doch sind die Kompetenzen des Europäischen Parlaments nach wie vor begrenzt, je gemessen an nationalen Parlamenten beschämend gering für eine direkt gewählte Kammer.“

Dahrendorf fragt, ob es überhaupt demokratische Verfahren für Entscheidungen geben kann, die jenseits des Raumes der Nationalstaaten getroffen werden.

Sicher sei, dass die schlichte Übertragung nationaler Institutionen wie Wahlen und Parlamenten das mit Demokratie Beabsichtigte nicht bewirke:

„Ist schon das Europäische Parlament durchaus fragwürdig, so wäre ein gewähltes Weltparlament vollends abwegig. Selbst wenn es 1000 Mitglieder hätte, würde das bedeuten, dass auf etwa 3 Millionen Wähler ein Abgeordneter käme. Deutschland hätte also höchstens 20 Vertreter, und die Frage, ob es einen relevanten demos gäbe, würde sich erübrigen.“

Mit Blick auf die globalisierte Welt und auf die Frage, wie dort demokratisch akzeptable Entscheidungen zustande kommen können, sieht Dahrendorf nur zweitbeste Antworten, nur Ersatzlösungen. Dazu gibt er aber immerhin Hinweise:

„Die Verfassung der Freiheit besteht nicht nur aus demokratischen Verfahren und Institutionen, sondern immer auch durch die Herrschaft des Rechts. Liberty under law, die rechtlich geschützte Freiheit, ist ein Grundsatz, der sich auch auf grössere Räume als den Nationalsstaat anwenden lässt. Auch das ist nicht problemlos. Immerhin bietet der Strassburger Gerichtshof des Europarates ein Beispiel. Ansätze wie der Haager Internationale Gerichtshof verdienen zudem Beachtung.“

Das sei nicht Demokratie im Sinne der Beteiligung der Bürger, sagt Dahrendorf. Für diese Beteiligungen seien jenseits des Nationalstaates einstweilen nur institutionell schwache Formen erkennbar.

Dahrendorf erwähnt dazu zwei Beispiele.

Erstens:

„Nicht-Regierungsorganisationen (ngo’s) spielen eine wichtige grenzüberschreitende Rolle, insbesondere wenn sie – wie etwa Transparency International – andere anregen, sich an der Kontrolle von Entscheidungen zu beteiligen.“

Zweitens:

„Auch die Technik der Informationsgesellschaft hilft. Regierungen mögen den Zugang zu bestimmten Teilen des Internet zu kontrollieren suchen, im diffuseren internationalen Raum aber gibt es dafür keine Instanzen.“

Gegen Schluss seines Vortrags konstatiert Dahrendorf noch einmal, dass wichtige Entscheidungen aus dem Raum ausgewandert sind, für den wir demokratische Institutionen haben, und er wirft die Frage auf, ob die Demokratie in der Krise sei.

In seiner Antwort auf diese Frage spricht er sich deutlich gegen falsche Dramatisierungen und demokratischen Defaitismus aus. Der demokratische Nationalstaat sei keineswegs am Ende seiner Kunst angelangt. Gerade in Deutschland werde der Nationalstaat zuweilen allzu leichthin im Namen Europas oder der Globalisierung abgeschrieben. Die parlamentarische Demokratie im nationalen Rahmen verdiene auch heute noch jene Unterstützung, die Theodor Heuss ihr immer gegeben habe:

„Der demokratische Nationalstaat, der mir als Modell vorschwebt, ist stark in den relativ engen Grenzen, die staatlicher Tätigkeit in freien Ländern gezogen werden. Es geht um einen Staat, der stark ist in seinen klassischen Funktionen, im Übrigen aber der Markwirtschaft und der Bürgergesellschaft breiten Raum lässt. Auch die allzu grosse Ausweitung staatlicher Aufgaben kann auf die schiefe Ebene der failed oder failling states führen: wenn der Staat zu viel tun will, verliert er seinen Zugriff auf Kernaufgaben.“

Soweit die Zusammenfassung der drei Gefährdungen liberaler Demokratien, die Dahrendorf in seinem Vortrag vom Dezember 2006 angesprochen hat.

In ein paar Nebensätzen erwähnt Dahrendorf eine weitere Gefährdung, die ich hier nachtragen möchte:

Es sei vor allem der heterogene Nationalstaat, der durch die Demokratie zu einer Verfassung der Freiheit wird. Demokratie brauche die Homogenität der Bevölkerungen nicht, die nicht zufällig oft eine Forderung antidemokratischer Kräfte sei:

„Sie kennt vielmehr Einstellungen und Institutionen, die Länder mit unterschiedlichen ethnischen, religiösen, kulturellen Gruppen zusammenhalten.“

Ralf Dahrendorf spielt damit auf Gefahren an, die er im Trend zum Regionalismus sieht. Etwas ausführlicher hat er dieses Phänomen thematisiert in seinem Buch „Auf der Suche nach einer neuen Ordnung“ (2003):

„Der neue Regionalismus, der oft mit grosser Intensität und nicht selten mit Gewalt verfochten wird, ist im Unterschied zum Lokalismus in aller Regel demokratiefeindlich. Er ist zumeist nicht aus dem Wunsch nach demokratischer Selbstbestimmung sondern aus dem nach ethnischer (sprachlicher, konfessioneller) Homogenität geboren. Sein erstes Prinzip ist die Abgrenzung, nach aussen gegenüber ‚fremden’ Nachbarn, nach innen gegenüber nicht minder ‚fremden’ Minderheiten. Die Triebkraft der Entwicklung ist nicht eine echte Volksbewegung, sondern die Mobilisierung durch Demagogen und das Interesse von Funktionären. Gelingt der Versuch, dann ist daher der Nutzen für die Aktivisten grösser als der für das Volk. Von Demokratie ist nicht mehr viel die Rede; denn nun, da man endlich schottisch ist oder katalanisch, wird alles andere, werden also checks and balances, Veränderungen an der Spitze, ja die Teilnahme des Volkes zweitrangig.

Glokalisierung1 als Regionalisierung hat nicht nur Folgen für die Demokratie, sondern auch für das friedliche Zusammenleben. Das Resultat kann eine neue Form der ‚Balkanisierung’ sein, bei der lauter angeblich homogene Regionen sich nach aussen absichern und nach innen alle, die nicht in das ethnisch saubere Bild passen, unterdrücken. Da sind Grenzstreitigkeiten nahezu unvermeidlich, und angesichts des nicht demokratischen, sondern demagogischen Charakters der Gebilde ist Gewalt in der Durchsetzung der Ziele durchaus wahrscheinlich.

Wenn hier das Lob der Nationalstaaten gesungen wird – und sie sind die Heimstatt der Demokratie und das Gehäuse, in dem die liberale Ordnung gedeiht -, dann ist ein definierendes Element entscheidend. Es ist die Rede von zumindest prinzipiell vielfältigen, ja heterogenen Staaten, also nicht solchen, in denen eine einzige ethnische ‚Nation’ das Sagen hat. Insofern sind die Vereinigten Staaaten von Amerika und Indien grosse, modellhafte Beispiele. Nicht überall ist Heterogenität so dramatisch wie in diesen Ländern. Mancherorts ist die Demokratie durch Zuwanderung auf eine späte Probe gestellt worden. Die Rede ist jedoch von Gemeinwesen, die Homogenität nicht zum Prinzip erheben, sondern Bürgerrechte Menschen vielfältigen Ursprungs und vielfältiger Orientierung anbieten. Die liberale Ordnung in solchen Nationalstaaten ist eine der grossen Errungenschaften der menschlichen Zivilisation.“

Zur Erläuterung:

1) „Glokalisierung ist ein Neologismus und ein Kofferwort gebildet aus den Begriffen Globalisierung und Lokalisierung, wobei diese beiden Begriffe als Spektrum der Größenordnungen, also nicht als Gegensätze, sondern als verbundene Ebenen, zu verstehen sind….. ‚Glokalisierung’ bezeichnet die Verbindung und das Nebeneinander des vieldimensionalen Prozesses der Globalisierung und seiner lokalen bzw. regionalen Auswirkungen und Zusammenhänge.“ (Quelle: Wikipedia)

Wenn man sich die gegenwärtige Krise zwischen Katalonien und Spanien (2017) vor Augen hält, dann sie die Ausführungen von Dahrendorf aus dem Jahr 2003 sehr bedenkenswert und vorausschauend.

 

Nachbetrachtung

Dieser Zusammenfassung eines Vortrags aus dem Jahr 2006 möchte ich ein paar Gedanken aus der Gegenwart – dem Jahr 2017 – hinzufügen und damit auf seitherige Entwicklungen kommentierend eingehen.

Schleichender Autoritarismus: Diese Gefahr hat inzwischen viel konkretere Formen angenommen, wenn man zum Beispiel an Ungarn, Polen, die Türkei und Russland denkt.

Wenn Dahrendorf die Apathie breiter Bevölkerungskreise als Grundvoraussetzung für den schleichenden Autoritarismus beschreibt, dann muss das heute zu Denken geben. Aktivität und Engagement ist in den letzten Jahren zwar ein Stück weit zurückgekehrt in den politischen Prozess. Es sind aber vor allem die extremen Pole, die Rechtpopulisten und Rechtsextremen, die Linksextremen, die Islamhasser und zum Teil auch die Islamisten, die mit oft sehr grossem Einsatz sich für ihre Ziele einsetzen – während die moderate Mitte der Gesellschaft ihren Geschäften nach geht und sich um das private Gärtchen kümmert. Die liberalen Demokratien sind tatsächlich in Gefahr, wenn die moderate Mitte unsere freiheitlichen Gesellschaftsordnungen weiterhin für selbstverständlich nimmt und weiter schläft.

Staatsversagen (Failed States): Hier zeigt sich auf dem Balkan, wie schwierig und langwierig es ist, nach dem Zusammenbruch des multiethnischen (aber unfreiwilligen) Jugoslawien ethnisch eher homogene Kleinstaaten auf die Beine zu bringen und dabei nach innen und aussen den Frieden zu bewahren. Und die Interventionen im Irak, in Afghanistan und inzwischen auch in Libyen zeigen überaus deutlich, dass solche Eingriffe von aussen – wenn sie überhaupt zu rechtfertigen sind – ein grosses Mass von Verantwortungsübernahme für die Zeit danach mit sich bringen. Failed States sind andernfalls oft das Ergebnis.

Das wird möglicherweise auch Russland in Syrien demnächst erfahren.

Interessant ist aber auch der Blick auf Failed States gegen innen. Dahrendorf spricht offensichtlich no-go areas im Zusammenhang mit eingewanderten Parallelgesellschaften an. Es gibt aber auch Gegenden, in denen ausländische Menschen sich nicht sicher bewegen können und der Staat nicht präsent genug ist. In der Schweiz sind wir meines Erachtens bezüglich no-go areas vergleichsweise noch in einer guten Position. Vielleicht gibt es Fussballstadien, die zeitweise rechtsfreie Räume sind, aber das ist ein beschränktes Phänomen.

Einschränkung demokratischer Entscheidungsmöglichkeiten im Nationalstaat infolge Globalisierung: Auch hier spricht Dahrendorf meines Erachtens problematische Vorgänge an, die sich inzwischen verschärft haben. Durch die Globalisierung wandern Entscheidungsspielräume aus dem Bereich der nationalen Demokratie in supranationale Bereiche ab. Und ja, die Antworten von Dahrendorf sind – wie er selber ssagt, nur Ersatzlösungen. Noch nicht sehr überzeugend. Dahrendorf, der 1973 ein Buch mit dem Titel „Plädoyer für die Europäische Union“ geschrieben hat, greift auch präzis die demokratischen Schwachstellen der Europäischen Union auf, die auch heute noch nicht überwunden sind.

Mitdenken ist auf vielen Ebenen gefragt und wir müssen den demokratischen Strukturen Sorge tragen.

Quellen:

Ralf Dahrendorf, Anfechtungen liberaler Demokratien, Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Kleine Reihe 19, 2007.

Ralf Dahrendorf, Auf der Suche nach einer neuen Ordnung, C. H. Beck Verlag 2003.

 

Autor dieser Zusammenfasung:

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Weitere Texte von mir zu gesellschaftspolitischen Themen:

– Was ist Populismus? Und was nicht?

Zusammenfassung des Populismus-Konzepts von Jan-Werner Müller.

– Notwendig: Den Sumpf der Hasspropaganda im Internet trockenlegen

Hauptsächlich eine Zusammenfassung von „Hass im Netz“ von Ingrid Brodnig.

– Demokratie braucht diskursive Gesprächskultur

Zum Mittelweg zwischen Relativismus und Dogmatismus.

Wie Medien via Aufmerksamkeitsfalle den Populismus fördern.

Eine Zusammenfassung des Buches „Die Aufmerksamkeitsfalle“ von Mattthias Zehnder.

Offene Gesellschaft oder Geschlossene Gesellschaft – wohin geht die Reise?

Liberale Demokratien sind weltweit unter Druck. Das Konzept der offenen Gesellschaft von Karl Popper ist deshalb wieder sehr aktuell und bietet wertvolle Hinweise zur Verteidigung der liberalen, offenen Demokratie.

Hannah Arendt: Standnehmen in der Welt statt Weltentfremdung.
Die Sorge um intakte Weltbezüge in der modernen Gesellschaft.

Lob der Kritik. Vom Wert der Kritikfähigkeit in Zeiten von Fake News.

Übersicht meiner gesellschaftspolitischen Buchempfehlungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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[Buchtipp] „Smartphone-Demokratie“, von Adrienne Fichter

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smartphone-demokratieVerlagsbeschreibung

Fake News, Facebook, Bots, Populismus, Weibo, Civic Tech

Facebook, Twitter und Google bieten die zentrale Architektur für politische Debatten. Doch Microtargeting, die zunehmende „Messengerisierung“ unserer digitalen Kommunikation und polarisierende Algorithmen führen dazu, dass wir immer mehr in unseren eigenen politischen Realitäten leben. Verschiedene Autoren analysieren die wachsende Bedeutung von Social Media für den politischen Diskurs. Sie präsentieren Strategien und Lösungsansätze und stellen zukunftsträchtige Technologien der digitalen Demokratie vor.
Mit Beiträgen von Ingrid Brodnig, Sarah Bütikofer, Adrienne Fichter, Martin Fuchs, Daniel Graf, Dirk Helbing, Anna Jobin, Stefan Klauser, Colin Porlezza, Adrian Rauchfleisch, Mike S. Schäfer, Robin S. Schwarz und Thomas Willi. Zum Shop

 

Zur Herausgeberin und Autorin Adriene Fichter

Adrienne Fichter (* 1984) wirkte als Social-Media- und Community-Managerin beim Aufbau des ersten Schweizer Polit-Start-ups politnetz.ch mit. Sie war Social-Media-Redakteurin und Medienverantwortliche bei der Gruppe Orell Füssli Wirtschaftsinformationen (OFWI) und Zuständige für die Social-Media-Strategie. Von 2014 bis 2016 leitete sie die Social-Media-Redaktion der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ).

Kommentar von Martin Koradi

Dieses Buch thematisiert aus verschiedenen Blickwinkeln eine der grössten Herausforderungen demokratischer Gesellschaften in der Gegenwart.

Digitalisierung, Social Media und weitere moderne Technologien verändern die Politik rasant. Wie funktioniert Wahlkampf online und welchen Einfluss haben Social Bots imd Big Data. Helfen Faktenchecks gegen Manipulation, Desinformation und Propaganda? Weshalb sind Populisten im Internet so erfolgreich?

Adrienne Fichter schreibt in der Einleitung:

„2016 war in der Tat das Jahr der Filterblasen, Bots, Troll-Armeen, des Populismus, der Twitter-Exzesse und Falschnachrichten. Doch einige dieser Phänome waren im Grunde genommen antizipierbar. Sie sind Folge oder Resultat der Beschaffenheit oder des Geschäftsmodells der sozialen Medien. Es erstaunt daher, dass sich die Politik erst jetzt mit Bot-Scharen, Informationskriegen und organisierten Troll-Armeen ernsthaft zu beschäftigen begonnen hat.

Dieses Buch erklärt, wie diese Phänomene entstanden sind. Wir möchten aus Expertensicht die vergangenen Ereignisse einordnen, kommentieren und wagen auch einen Blick in die Zukunft……..

Wir haben uns gefragt: Sind Bots wirklich so schlecht wie ihr Ruf (Martin Fuchs)? Wie können etablierte Medienhäuser den Kampf gegen Fake News gewinnen (Colin Porlezza)? Wie ideologisch abgeschottet bewegen wir uns wirklich auf Facebook & Co (Colin Porlezza)? Warum tummeln sich auf den sozialen Medien so viele Populisten (Ingrid Brodnig)? Hat Donald Trump wirklich wegen personalisierter Wahlkampfwerbung im Netz gewonnen (Adrienne Fiechter)? Wie konnte es so weit kommen, dass rechtsextreme verspielte Nerds das soziale Netz eroberten (Robin Schwarz)? Lassen sich mit den richtigen Hashtags auch Abstimmungen in der Schweiz gewinnen (Sarah Bütikofer und Thomas Willi)? Wie beeinflussen Algorithmen unsere politische Meinungsbildung (Anna Jobin)?………

Was lässt sich totalitären Algorithmus-Utopien entgegensetzen und wie müssen demokratiefördernde Netzwerke beschaffen sein (Stefan Klauser / Dirk Helbing) Weshalb ist die Digitalisierung der Demokratie nicht gleichzusetzen mit Klicktivismus (Daniel Graf)?…………

Wie können wir all die positiven Petenziale des Internets zur Stärkung (und nicht zur Schwächung) der Demokratie nutzen?“

Dieses Buch bietet Informationen und Denkanstösse für eine dringend nötige Auseinandersetzung.  Es ist allen zu empfehlen, die sich für gesellschaftliche Entwicklungen interessieren (und allen anderen auch).

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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[Buchtipp] „Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde – Warum Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet“, von Stephan Russ-Mohl

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Informierte-GesellschaftVerlagsbeschreibung

Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet

Fake News, Halbwahrheiten, Konspirationstheorien – die Ausbreitung von Desinformation in der digitalisierten Welt, insbesondere in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter, wird immer mehr zur Bedrohung und zur Herausforderung für unsere Demokratie. Das Buch analysiert, welche Trends die Aufmerksamkeitsökonomie in eine Desinformationsökonomie verwandeln. Stichworte sind der langfristige Glaubwürdigkeitsverlust der traditionellen Medien, das rapide Wachstum und die Professionalisierung der Public Relations, die ungeplanten Folgen der rasanten Digitalisierung, darunter das Fehlen eines Geschäftsmodells für den Journalismus, Echokammern im Netz sowie die Algorithmen als neue Schleusenwärter in der öffentlichen Kommunikation. Eine strategische Rolle spielen die allmächtigen IT-Giganten, die sich nicht in ihre Karten gucken lassen möchten.
Unter diesen Bedingungen gibt es vermehrt Akteure, die aus machtpolitischen Motiven an medialer Desinformation und an der Destabilisierung unserer Demokratie interessiert sind, oder die aus kommerziellen Motiven eine solche Destabilisierung in Kauf nehmen. Der Tradition der Aufklärung verpflichtet, ist die zentrale Frage des Buches, wie sich der wachsende Einfluss der „Feinde der informierten Gesellschaft“ eindämmen lässt, darunter Populisten, Autokraten und deren Propagandatrupps. Könnte zum Beispiel eine „Allianz für die Aufklärung“ etwas bewirken, der sich seriöse Journalisten und Wissenschaftler gemeinsam anschliessen? Dazu bedarf es nicht zuletzt realistischer Selbsteinschätzung auf seiten der Akteure. Dazu verhelfen Erkenntnisse aus der Sozialpsychologie und der Verhaltensökonomie, die im Buch auf die Handelnden und den Prozess der öffentlichen Kommunikation bezogen werden. Zum Shop

Zum Autor Stephan Ruß-Mohl

Stephan Ruß-Mohl ist Professor für Journalismus und Medienmanagement an der Universität Lugano sowie Gründer des  Europäischen Journalismus-Observatoriums (EJO).

Kommentar von Martin Koradi

Stephan Ruß-Mohl beschreibt eindrücklich und kenntnisreich, wie die klassischen, journalistischen Medien durch Digitalisierung und dem Fehlen eines tragfähigen Geschäftsmodells in eine Krise rutschen, die immer mehr die Grundlagen der demokratischen Gesellschaft angreift.

Dieses Buch ist allen zu empfehlen, die im weitesten Sinn mit Medien zu tun haben.

Aber eigentlich ist es auch eine wichtige Lektüre für jede Staatsbürgerin und jeden Staatsbürger – und eine kompakte Weiterbildung in Medienkompetenz.

Schreiben und Lesen über diese Medienkrise reicht aber eigentlich nicht mehr aus. Die zunehmende Gefährdung demokratischer Gesellschaften verlangt darüber hinaus nach konkretem Handeln. Deshalb ist es wichtig, auch nach praktischen Schritten zu suchen.

Projekte, die meinem Eindruck nach sinnvoll und unterstützenswert sind:

– Der Verein «media FORTI» setzt sich ein für starke, unabhängige, private und öffentlich-rechtliche Medien in der Schweiz:  https://www.mediaforti.ch

– Die „Republik“ ist ein unabhängiges Medienprojekt mit Qualitätsanspruch:  https://www.republik.ch

Von mir gibt es zu diesem Thema noch eine Zusammenfassung des Buchs von Matthias Zehnder: „Die Aufmerksamkeitsfalle – Wie die Medien zu Populismus führen“.

 

Das Buch finden Sie hier.

Zur Zusammenfassung gehts hier:

Wie Medien via Aufmerksamkeitsfalle den Populismus fördern

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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[Buchtipp] „Der neue Untertan – Populismus, Postmoderne, Putin“, von Boris Schumatsky

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Der-neue-UntertanVerlagsbeschreibung

25 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion steckt Europas Demokratie in der Krise. Alte politische Lager lösen sich auf. Die Linke tauscht Revolution gegen Nationalismus, und die Rechte borgt sich von der Linken als nützlichen Feind die Banken. Mit Bestürzung hört Boris Schumatsky den Beifall, den die russische Autokratie von überall bekommt. Ob links, rechts oder Mitte: Herrschaft macht Spaß, Freiheit strengt an. In den 1990er Jahren ritt man auf der Welle der Postmoderne in den ewigen Frieden. Nun ist daraus ein populistisches Monster entstanden. Scharf analysiert Boris Schumatsky die politischen Bewegungen der Gegenwart und blickt in eine mögliche Zukunft. Zum Shop

Zum Autor Boris Schumatsky

Boris Schumatskys, geboren 1965 in Moskau, studierte Kunstgeschichte in Moskau und Leningrad und Politologie in Berlin. Seit Beginn der 1990er Jahre lebt er in Deutschland als freier Autor und Publizist für deutschsprachige Zeitungen, später auch für Hörfunk und Fernsehen.

Kommentar von Martin Koradi

Boris Schumatsky legt eindrücklich dar, wie die Kreml-Propaganda in den letzten Jahren bis in die Mitte der Gesellschaft einwirkt und insbesondere im Rechtspopulismus und im Linkspopulismus angedockt hat. Mit Nachdruck kritisert er dabei auch das Versagen der Linken.

Was ihn als russischen Emigranten frustriert, ist nicht Putin allein:

„Was den Emigranten wirklich verzweifeln lässt, sind die Putinversteher im Westen. Menschen, die so viel Akzeptanz für eine banale Despotie haben oder sich sogar nach ihr sehnen….Heute sind die Diktaturversteher die gefährlichsten Gegner der ideelen Freiheit, die Emigranten wie ich im Westen suchen.“

Das Buch von Boris Schumatsky dreht sich nicht in erster Linie um Wladimir Putin und Russland, sondern um den Zustand unserer liberalen Gesellschaften in Mitteleuropa. Schumatzky geht auch der Frage nach, woher diese Anfälligkeit für autoritäre Propaganda kommt, die sich heute so deutlich zeigt. Es geht ihm dabei zum Beispiel um den pluralen Wahrheitsbegriff der Postmoderne:

„Die Wahrheit nicht so genau nehmen – diese Einstellung breitet sich durch alle politischen Lager und Kulturschichten aus. Wie in dem Apell deutscher Putinversteher, ‚niemand’ wolle Krieg, als der Krieg bereits seit zehn Monaten gefochten wurde. Die Leugnung eines klaren Tatbestands ist Teil der Politik der Unmündigkeit. Dahinter steht eine Einstellung, die sowohl den neuen Untertanen, als auch ihren Hirten eigen ist: Es ist nicht entscheidend, was Fakt ist. Wahr ist, was ich gerade brauche.“

Die Zersetzung des Wahrheitsbegriffs durch die Postmoderne verschafft der Propaganda freie Bahn.

Boris Schumatzky vermittelt mit seinem Buch den speziellen Blick eines russischen Emigranten auf die Gesellschaften Westeuropas sowie einen kenntnisreichen Blick auf die ehemalige Sowjetunion und das heutige Russland.

Zur Website von Boris Schumatzky:

http://www.schumatsky.de

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

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[Buchtipp] „Über Tyrannei“, von Timothy Snyder

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TyranneiVerlagsbeschreibung

Wir sind nicht klüger als die Menschen, die erlebt haben, wie überall in Europa die Demokratie unterging und Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus kamen. Aber einen Vorteil haben wir. Wir können aus ihren Erfahrungen lernen.
„Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam.“ So lautet die erste von 20 Lektionen für den Widerstand, mit denen Timothy Snyder die Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika vorbereitet auf das, was gestern noch unvorstellbar zu sein schien: einen Präsidenten, der das Gesicht der Demokratie verstümmelt und eine rechtsradikale Tyrannei errichtet.
Doch nicht nur in den USA sind Populismus und autoritäres Führertum auf dem Vormarsch. Auch in Europa rückt die Gefahr von rechts immer näher – als ob es das 20. Jahrhundert und seine blutigen Lehren niemals gegeben hätte. Snyders historische Lektionen, die international Aufsehen erregt haben, sind ein Leitfaden für alle, die jetzt handeln wollen – und nicht erst, wenn es zu spät ist. Lektion 8: „Setze ein Zeichen.“ Dieses Buch tut es. Tun Sie es auch. Zum Shop

Inhaltsverzeichnis der Schrift „Über Tyrannei“

Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam.
Verteidige Institutionen.
Hüte dich vor dem Einparteienstaat.
Übernimm Verantwortung für das Antlitz der Welt.
Denk an deine Berufsehre.
Nimm dich in Acht vor Paramilitärs.
Sei bedächtig, wenn du eine Waffe tragen darfst.
Setze ein Zeichen.
Sei freundlich zu unserer Sprache.
Glaube an die Wahrheit.
Frage nach und überprüfe.
Nimm Blickkontakt auf und unterhalte dich mit anderen.
Praktiziere physische Politik.
Führe ein Privatleben.
Engagiere dich für einen guten Zweck.
Lerne von Gleichgesinnten in anderen Ländern.
Achte auf gefährliche Wörter.
Bleib ruhig, wenn das Undenkbare eintritt.
Sei patriotisch.
Sei so mutig wie möglich.

Zum Autor Timothy Snyder

Timothy Snyder, geboren 1969, ist Professor für Geschichte an der Yale University und Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. Für sein Buch Bloodlands (2012) erhielt er 2013 den Hannah-Arendt-Preis.

Kommentar von Martin Koradi

Die Forschungsschwerpunkte Timothy Snyders sind Osteuropäische Geschichte und Holocaustforschung.  Sein Buch „Über Tyrannei“ ist eine Reaktion auf die Wahl Donald Trumps. Seine Lektionen aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts mit den grossen Katastrophen Faschismus, Nationalsozialismus und Stalinismus sind aber auch für alle wachen Bürgerinnen und Bürgern in Europa sehr aktuell.

Timothy Snyder schreibt im Prolog:

„Die europäischen Demokratien brachen in den 1920er und 1930er Jahren zusammen und mündeten in rechten Autoritarismus und Faschismus. Die 1922 gegründete kommunistische Sowjetunion dehnte ihr Modell in den 1940er Jahren auf Europa aus. Die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts zeigt uns, dass Gesellschaften zerfallen, Demokratien untergehen, moralische Werte zusammenbrechen und ganz gewöhnliche Menschen plötzlich mit einer Schusswaffe in der Hand an Todesgruben stehen können. Es wäre für uns Heutige ganz gut, wenn wir verstehen würden, warum das so war.“

Weil das schneller gehen kann als viele Menschen glauben, braucht es wache, aktive Bürgerinnen und Bürger, die den Rechtsstaat und die liberale Demokratie verteidigen.

Das Buch von Timothy Snyder gibt dazu historisch fundierte Anleitungen.

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen

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[Buchtipp] „Zivilisierte Verachtung“, von Carlo Strenger

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Zivilisierte_VerachtungVerlagsbeschreibung

Eine Anleitung zur Verteidigung unserer Freiheit

Moderne Gesellschaften stehen seit je vor der Herausforderung, das Zusammenleben unterschiedlicher Konfessionen, Ethnien usw. zu ermöglichen. Leitbilder wie das der multikulturellen Gesellschaft gerieten dabei jüngst in die Kritik. Zu Recht, so Carlo Strenger, habe der Westen mit der Idee der Political Correctness doch ein „Eigentor“ geschossen, da er nun selbst zum Ziel von Intoleranz werde.
Anhand konkreter Beispiele erläutert Strenger sein Gegenmodell der „Zivilisierten Verachtung“, einer Haltung, aus der heraus Menschen Positionen, die sie für irrational oder unmoralisch halten, verachten, ohne jenen, die sie vertreten, ihre Menschlichkeit abzusprechen. Zum Shop

Zum Autor Carlo Strenger

Carlo Strenger, in der Schweiz geboren und aufgewachsen, ist Professor der Psychologie an der Universität Tel Aviv. Er schreibt regelmäßig für den britischen „Guardian“ und Israels führende liberale Zeitung „Haaretz“.

Kommentar von Martin Koradi

Der Titel dieses Buches wirkt wohl auf viele Menschen eher irritierend. „Verachtung“ ist ein hartes Wort und „zivilisiert“ passt irgendwie ganz und gar nicht dazu.

Worum es Carlo Sprenger geht, wird deutlicher durch dieses Zitat aus dem Vorwort des Buches:

„Meine Motivation war, der relativistischen Tendenz der politischen Korrektheit, die glaubt, alle Positionen, Glaubenssätze und Lebensformen hätten den gleichen Respekt verdient, entgegenzuwirken. Dieser oft gedankenlose Respekt hat meiner Meinung nach vielen liberal eingestellten Menschen den Mut genommen, offensiv für die fundamentalen Werte der offenen Gesellschaft – Freiheit, Kritik und offene Diskussion – einzutreten. Die Gefahr, die ich sah und heute erst recht sehe, besteht darin, dass rechtsnationale Parteien und Gruppierungen die vakante Rolle der Verteidiger der freien Welt übernehmen, dabei aber die zu verteidigenden Werte der Aufklärung, die unsere Gesellschaft im Laufe der letzten Jahrhunderte humanisiert haben, durch Fremdenhass und das Schüren von Ängsten untergraben.“

Das Buch von Carlo Sprenger ist eine Aufforderung, sich ernsthaft mit Islamismus und Populismus auseinanderzusetzen und dabei die Werte der Aufklärung zu verteidigen. Damit ist es sehr aktuell.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz).

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[Buchtipp] „Widerstand der Vernunft“, von Susan Neiman

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Widerstand-VernunftVerlagsprogramm

Ein Manifest in postfaktischen Zeiten

Susan Neiman zeigt in ihrem intellektuellen Aufruf, dass es neue politische Ideen braucht, um Populismus und konservativen Nationalismus aufzuhalten.
Wenn heute den Fakten, der Vernunft und dem politischen Mitdenken nicht der Raum gegeben wird, den es braucht, werden die Lügen der „postfaktischen“ Populisten Konsequenzen haben.
Susan Neiman ruft dazu auf, für Wahrheit und Moral öffentlich einzutreten, Alternativen zu denken und zu leben und den bedenklichen politischen Entwicklungen in den USA und Europa so die Stirn zu bieten. Zum Shop

Zur Autorin Susan Neiman

Susan Neiman ist Philosophin und die Direktorin des Einstein-Forums in Berlin-Potsdam. 1955 in Atlanta, USA, geboren, wuchs sie in einer jüdischen Familie auf, verließ mit 14 die Schule, lebte in Kommunen, engagierte sich in der Anti-Vietnam-Bewegung und studierte Philosophie in Harvard. Sie war Professorin an der Yale University (1989-1996) und der Universität von Tel Aviv (1996-2000) mit den Schwerpunkten: Moralphilosophie und politische Philosophie.

Kommentar von Martin Koradi

Susan Neuman legt mit diesem kleinen, gut lesbaren Buch ein engagiertes Manifest vor, in dem mich eine ganze Reihe von Passagen angesprochen haben. Zum Beispiel befasst sich die Autorin mit dem Unterschied zwischen berechtigtem Misstrauen und allgemeinem, destruktiv werdendem Misstrauen.

Zitat:

„Berechtigtes Misstrauen zu missbrauchen, um allgemeines Misstrauen so weit zu verbreiten, dass keinen seriösen Untersuchungen mehr geglaubt wird – dies ist eine Taktik, die jede Form der Gemeinschaft unterhöhlt. Denn jede Gemeinschaft setzt eine gemeinsame Wirklichkeit voraus, deren Existenz von Trumps Sprechern aber geleugnet wird. Inzwischen meinen mehrere Kritiker, die Strategie sei bewusst gewählt worden: Die permanente Verbreitung von offensichtlichen Lügen diene dazu, Gegner zu verwirren. Psychologen nennen diese Strategie Gaslighting. Sie zielt darauf ab, ihr Objekt in den Wahnsinn zu treiben.“

Susan Neiman argumentiert für den Wert und die Bedeutung von Wahrheit und Fakten, die heute beide davon bedroht sind, von Propaganda hinweggefegt zu werden.

Ausserdem:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterkursen und Kräuterwanderungen

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