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Magnesium gegen Wadenkrämpfe wirksam?

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Etwa jeder dritte Erwachsene kennt nächtliche Wadenkrämpfe aus eigener Erfahrung, bei Betagten ist es sogar jeder zweite. Wadenkrämpfe treten scheinbar ohne erkennbare Ursache auf, manchmal aber auch nach ungewohnter Muskelarbeit oder nach Elektrolyt- und Wasserverlust (Dehydration).

Wer unter Wadenkrämpfen leidet, wird eher früher als später den Tipp bekommen, es doch mit Magnesium zu versuchen. In korrekter Dosierung sind Magnesiumsalze in der Regel gut verträglich – sie können allenfalls den Stuhl weich machen und in höherer Dosierung zu Durchfall führen.

Schwieriger zu beantworten ist die Frage, ob Magnesiumsalze auch wirksam sind gegen Wadenkrämpfe.

Wadenkrämpfe sind kurz andauernde unwillkürliche Muskelkontraktionen, die häufig nachts und häufig bei älteren Menschen auftreten, unangenehm und schmerzhaft sind und den Schlaf stören. Die Ursache nächtlicher Wadenkrämpfe ist oft unklar, die Beschwerden sind aber gutartig.

Tritt das Problem häufiger auf, ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll, weil es verschiedene Ursachen gibt, die das Auftreten von Wadenkrämpfen begünstigen können. Beispielsweise (Quelle: Pharmawiki):

Chronisch-venöse Insuffizienz, bei Frauen in der Schwangerschaft (häufig!), Urämie, Diabetes mellitus, Vergiftungen, Schilddrüsenerkrankungen, Dialyse, Elektrolytstörungen (Hypomagnesiämie, Hypocalciämie, Hyponatriämie, Hypokaliämie), Gefässerkrankungen, neuromuskuläre Erkrankungen, Medikamente (z. B. Diuretika, Nifedipin, Morphin, H2-Antihistaminika, SERM, Statine, Lithium, Beta2-Sympathomimetika).

Die ärztliche Untersuchung soll also feststellen, ob eine Krankheit, Mangelzustände oder Medikamente die Wadenkrämpfe verursachen. Zudem sollen Krankheiten ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome hervorrufen (Z. B. Restless-Legs-Syndrom, Neuropathien).

Aber wie schon erwähnt: In den meisten Fällen ist keine klare Ursache festzustellen. Dann stellt sich die Frage, ob ein Versuch mit Magnesiumsalzen sinnvoll ist.

Dazu gibt es ein paar kleinere Studien, doch nur bei schwangeren Frauen zeigen Magnesiumverbindungen in einem Teil der Studien bessere Wirkung als Placebo. Ausserhalb von Schwangerschaft ist eine Überlegenheit gegenüber Placebo nicht belegt.

Angesichts der sehr verbreiteten Empfehlung magnesiumhaltiger Präparate bei Wadenkrämpfen ist die Studienlage also ziemlich desolat.

Fragwürdig ist auch die oft anzutreffende Empfehlung von Schüssler Salzen wie Magnesium phosphoricum D6 (Schüsslersalz Nr. 7)  bei Wadenkrämpfen. Da steht zwar Magnesium phosphoricum drauf, doch weil das Magnesiumsalz 1 : 1 Mio mal verdünnt ist enthalten die Präparate kein Magnesium als Wirkstoff. Nach den Berechnungen einer Schüssler-Salz-Herstellerin braucht es 193 kg Schüsslersalz Nr. 7 Magnesium phosphoricum, um gleich viel Magnesiumionen aufzunehmen wie in einem Liter Mineralwasser enthalten sind (siehe dazu hier).

Allerdings erklären sich die Schüsslersalz-AnhängerInnen die Wirkung des nichtvorhandenen Magnesiumphosphats anders:

„Die Schüßler-Salze verhelfen – vereinfacht ausgedrückt – im Sinne einer Information die für den Menschen wichtigen Mineralstoffe dorthin zu leiten, wo sie benötigt werden. Das Schüßler-Salz Magnesium phosphoricum hilft also, das über die Nahrung aufgenommene Magnesium besser zu verwerten. Magnesium phosphoricum D6 ist das Schüßler- Salz gegen Krämpfe aller Art, vor allem aber auch gegen Wadenkrämpfe.“

Quelle des Zitats: http://burgenland.orf.at/radio/stories/2542446/

 

Das ist eine schöne, aber völlig faktenfreie Behauptung. Es gibt keinerlei konkrete Hinweise dafür, dass Schüsslersalze die Mineralstoffe dorthin leiten, wo sie gebraucht werden. Es handelt sich hier um eine dogmatische Setzung, die in der „Szene“ nicht in Frage gestellt wird, und die man glauben kann oder nicht. Zur Wirksamkeit von Schüsslersalzen gibt es keine Studien. Da diese Präparate vom Wirksamkeitsnachweis befreit sind, brauchen die Hersteller nicht in Forschung zu investieren.

Und warum berichten AnwenderInnen von „konventionellen“ und „schüsslerischen“ Magnesiumpräparaten dann von Besserungen?

Dafür dürften eine ganze Reihe von Faktoren verantwortlich sein: Placeboeffekt, anderweite Einflüsse (Lebensweise? Ernährung?) natürliche Schwankungen in der Intensität der Beschwerden.

Die Schlussfolgerung, dass eine spezifische Wirksamkeit der Präparate für die Besserung verantwortlich ist, dürfte wohl auf einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss beruhen.

Ausserdem:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Dazu kommt noch eine selektive Berichterstattung, wie sie schon Georg Christoph Lichtenberg (1792 -1799) beschrieben hat:

„Wenn man einmal Nachrichten von Patienten gäbe, denen gewisse Bäder und Gesundheitbrunnen nicht geholfen haben, und zwar, mit eben der Sorgfalt, womit man das Gegenteil tut, es würde niemand mehr hingehen, wenigstens kein Kranker.“

(aus: Aphorismen, Sudelbücher Heft K, 262)

Zudem haben solche Präparate den Vorteil, dass sie uns aus der Ohnmacht herausholen: Man kann etwas tun. Allein das schon bewirkt eine veränderte Wahrnehmung der Beschwerden und verschafft oft Erleichterung. Und das ist nicht nichts.

Was darüber hinaus bei Wadenkrämpfen noch bleibt sind unspektakuläre Tipps zur nicht-medikamentösen Behandlung:

„Im akuten Anfall kann der Fuss rückwärts in Richtung Schienbein gebeugt werden. Auch Kühlen oder Wärmen, Massieren und Umhergehen hilft. Ob Stretching eine zuverlässig vorbeugende Wirkung hat, ist umstritten. Es kann im akuten Anfall die Beschwerden lindern. Es wurde empfohlen, so zu schlafen, dass der Fuss wie beim Stehen im rechten Winkel zum Bein steht, zum Beispiel durch Anlehnen an den Bettrahmen.“

Quelle des Zitats: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Naechtliche_Wadenkraempfe

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Arthroskopie bei Arthrose des Kniegelenks – therapeutischer Nutzen nicht belegt

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Der Nutzen einer therapeutischen Arthroskopie mit Lavage und gegebenenfalls Debridement zur Behandlung einer Arthrose des Kniegelenks (Gonarthrose) ist nicht belegt. 

Zu diesem Resultat kommt der am 12. Mai 2014 publizierte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Für keinen patientenrelevanten Endpunkt zeigte sich gegenüber nicht aktiven Vergleichsinterventionen, zum Beispiel Scheinoperationen, ein Anhaltspunkt, Hinweis oder Beleg für einen Nutzen der therapeutischen Arthroskopie. Unter den aktiven Vergleichstherapien schnitt nur die Injektion von Glukokortikoiden in das Kniegelenk beim Endpunkt „globale Bewertung der Symptomatik der Gonarthrose“ schlechter ab als die Arthroskopie.

An diesem Befund änderte auch eine neue Studie nichts, in der Trainingstherapie unter physiotherapeutischer Aufsicht als Vergleichstherapie eingesetzt wurde.

 

Die Kniegelenk-Arthrose oder Gonarthrose ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung, die oft in beiden Knien zugleich auftritt. Das zunehmende Gelenkversagen ist verbunden mit Veränderungen an der Gelenkstruktur, Schmerzen und reduzierter Beweglichkeit. Die Erkrankung erschwert tägliche Aktivitäten wie das Treppensteigen und kann die Lebensqualität beeinträchtigen. In Deutschland erkranken etwa 17 Prozent aller Männer und 27 Prozent aller Frauen im Lauf ihres Lebens an Arthrose, hauptsächlich in den Hüftgelenken und Kniegelenken. Zu den Risikofaktoren für die Gonarthrose zählen Alter, Geschlecht, genetische Faktoren und Übergewicht.

Bei der therapeutischen Kniegelenk-Arthroskopie wird das Kniegelenk gespiegelt und gespült mit einer Kochsalzlösung; gegebenenfalls werden zudem krankhaft veränderte Meniskus- oder Knorpelanteile abgetragen oder geglättet (Debridement). Das soll Beschwerden wie Schmerzen reduzieren und die Beweglichkeit verbessern.

Das IQWiG verglich diese Maßnahme mit mehreren anderen Interventionen, darunter Nichtbehandlung, Scheinbehandlung und aktive Behandlungen ohne Arthroskopie, beispielsweise Injektionen von Glukokortikoiden ins Kniegelenk.

Von speziellem Interesse war dabei, wie sich diese Behandlungen auf die täglichen Aktivitäten und die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. Aber auch Veränderungen der Symptomstärke und mögliche Nebenwirkungen der Behandlungen wurden verglichen, beispielsweise Infektionen nach Operationen.

Zu dieser Fragestellung fanden die Wissenschaftler elf randomisierte und kontrollierte Studien mit zusammen über 1000 Patientinnen und Patienten; allerdings waren etliche davon mit Unsicherheiten behaftet. Beispielsweise waren die Interventionen häufig nicht verblindet: Die Behandelten wussten dann, ob an ihnen eine Arthroskopie durchgeführt wurde oder nicht, obwohl durchaus Scheinarthroskopien durchführen werden können, bei denen ein kleiner Einschnitt am Knie erfolgt, anschließend jedoch nicht weiter operiert wird.

 

Gerade solche „Placebo-Operationen“ seien für die Bewertung aussagekräftig, wenn auch nicht unumstritten.
, schreibt das IQWiG.

Nutzen der therapeutischen Arthroskopie lässt sich nicht belegen

Aus den meisten Studienergebnissen lässt sich im Vergleich zur Scheinoperation und zur Nichtbehandlung kein Nutzen der therapeutischen Arthroskopie ableiten.

Darüber hinaus war zu möglichen Schäden durch unerwünschte Therapiewirkungen keine eindeutige Aussage möglich.

Dass invasive Behandlungsmethoden wie Operationen oft mit einem besonders großen Placeboeffekt verbunden sind, ist schon längere Zeit bekannt.

Dennoch war es laut IQWiG erstaunlich, wie groß in diesen Studien die gefühlte Verbesserung nach einer Placeboarthroskopie ausfiel.

Auch im Vergleich mit aktiven Maßnahmen überzeugte die Arthroskopie nicht. Nur gegenüber der Injektion von Glukokortikoiden ins Kniegelenk war die Arthroskopie leicht im Vorteil: Die Beschwerden fielen etwas geringer aus. Ob sich auch die Lebensqualität der Betroffenen besser entwickelte als bei der Injektion, erschloss sich aus dieser Studie jedoch nicht.

Für den Vergleich von arthroskopischen Eingriffen mit einer Trainingstherapie unter physiotherapeutischer Aufsicht wurden Daten von Patientinnen und Patienten ausgewertet, deren Gonarthrose mit einem Schaden des Innenmeniskus verbunden waren. Zu keinem Studienzeitpunkt zeigte sich bei den beiden Endpunkten Schmerz und globale Bewertung der Symptomatik ein signifikanter Effekt. Somit kommt das IQWiG zum Schluss, dass der Nutzen einer Arthroskopie des Kniegelenks zur Behandlung von Gonarthrose nicht belegt ist.

 

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news586471

Kommentar & Ergänzung:

Der Nutzen von medizinischen Massnahmen für Patientinnen und Patienten muss sehr viel energischer überprüft werden und die Resultate müssen Konsequenzen haben.

Geschieht das nicht, so stellt sich die Frage, wie wirksam die Qualitätssicherung in der Medizin ist.

In dieser Hinsicht sind Medizin und Komplementärmedizin genau gleich zu behandeln.

Genau genommen ist es aber bereits ausserordentlich fragwürdig, zwischen Medizin und Komplementärmedizin zu trennen. Ich teile die Ansicht, dass es nicht einerseits Medizin und andererseits Komplementärmedizin gibt. Diese Spaltung ist willkürlich und bewirtschaftet ein problematisches Lagerdenken. Es gibt nur wirksame Medizin und unwirksame Medizin. Darum ist es meiner Ansicht nach übrigens auch unsinnig, dass die Schweiz in der Verfassung seit 2009 einen speziellen Artikel zur Förderung der Komplementärmedizin hat. Das Parlament, das den Stimmberechtigten diesen Artikel zur Abstimmung vorgelegt hat, ist einer Lobbyingaktion auf den Leim gegangen. Und die Stimmberechtigten wurden falsch und einseitig darüber informiert.

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Zwiebelsaft oder Zwiebelsirup lindert Husten

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Die Zeitschrift „Stern“ nimmt verschiedene Erkältungsmythen unter die Lupe, Darunter auch die Anwendung von Zwiebelsaft, Zwiebeltee, Zwiebelsirup und Zwiebelwickel bei Husten.

Ein selbst zubereiteter Zwiebelsaft, Zwiebeltee oder Zwiebelsirup habe eine lange Tradition als Hausmittel bei Erkältungsbeschwerden, vor allem bei Husten, schreibt das Magazin.

„Auch Zwiebelwickel sind bekannt, etwa bei Ohrenschmerzen. Zwiebeln haben eine antimikrobielle Wirkung, die helfen soll, Krankheitserreger abzuwehren. Hier gilt jedoch dasselbe wie für die Hühnersuppe: Sicher belegt ist die Heilwirkung nicht. ‚Im besten Fall lindert ein Zwiebelsaft, -tee oder -wickel die Beschwerden ein wenig, was aber nur schwer von einem Placeboeffekt zu unterscheiden ist‘, sagt Scherer. ‚Bei Husten und kratzigem Hals helfen Lutschpastillen, die die Schleimhaut beruhigen. Bei sehr starkem und quälendem Husten, vor allem in der Nacht, können auch schon mal verschreibungspflichtige hustenstillende Medikamente nötig sein.'“

Quelle:

http://www.stern.de/grippe/tests/erkaeltungsmythen-im-check-hilft-huehnersuppe-und-was-bringt-vitamin-c-2071179-c7753a0e25384600.html

Kommentar & Ergänzung:

Zwiebelwickel, Zwiebelsirup und Zwiebeltee sind altbewährte Hausmittel bei Husten und anderen Erkältungen. Es stimmt allerdings, dass es keine Studien gibt, welche die Wirksamkeit dieser Zwiebelanwendungen belegen. Wer hat schon Interesse, in die „Zwiebel-Forschung“ zu investieren?

Dass Zwiebel eine antimikrobielle Wirkung besitzt, ist unbestritten. Ob dieser Effekt bei der Anwendung gegen Erkältungskrankheiten zum Tragen kommt, ist jedoch nicht klar.

Die Zwiebel enthält aber auch ein schwefelhaltiges, tränenreizendes Prinzip, das Thiopropanal-S-oxid.  Dieser Stoff könnte schleimhautreizend wirken und so über einen gastropulmonalen Reflex auswurffördernd wirken. Eine Reizung der Schleimhäute des Magens stimuliert dabei reflektorisch über sensorische Fasern des Parasympathikus die seromukösen Drüsen der Bronchien und steigert den transepithelialen Ionen- und Wassertransport. Dadurch wird der Schleim verflüssigt. Das wäre eine Erklärung für den Effekt von Zwiebelsirup und Zwiebeltee.

Bei Zwiebelwickel könnte der schleimhautreizende Stoff via Inhalation in den Atemwegen die Produktion von dünnflüssigem Schleim anregen und dadurch den Auswurf erleichtern.

Das sind allerdings nur Vermutungen.

Ein Rezept zur Herstellung von Zwiebelsirup finden Sie hier:

Zwiebelsirup als Hausmittel gegen Husten

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2013/11/24/zwiebelsirup-als-hausmittel-gegen-husten.html

Ausserdem:

Zwiebeltee als Hausmittel gegen Erkältungen

Zwiebelsirup gegen Husten

Zwiebeltee lindert Halsschmerzen und Husten

Zwiebel gegen Juckreiz nach Insektenstichen

Zwiebelsirup gegen Husten

Pflanzenheilkunde: Zwiebelsirup löst Schleim bei Husten

Zwiebelwickel bei Ohrenschmerzen

(bei Ohrenschmerzen nicht zu lange warten mit einer ärztlichen Untersuchung)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenheilkunde: Storchenschnabel gegen Schock?

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Vor allem von Naturheilpraktikerinnen und Naturheilpraktikern höre ich immer wieder die Vorstellung, dass Stinkender Storchenschnabel (Geranium robertianum, Ruprechtskraut) gegen Schock wirksam sei. Und ich bin immer wieder überrascht darüber, wie ungeprüft solche Gerüchte übernommen und weitererzählt werden.

Erstens müsste man natürlich nachfragen, was genau mit „Schock“ gemeint ist. Medizinisch gesehen ist ein Schock eine lebensbedrohliche Notsituation des Kreislaufsystems. Das ist aber offensichtlich nicht gemeint.

Verbreitet wurde diese Idee durch einen Hersteller von Pflanzentinkturen, der seine Storchenschnabeltinktur bei „psychisch bedingten Schockzuständen“ empfiehlt.

Diese angebliche Wirkung ist meiner Ansicht nach ein reines Phantasieprodukt, das aber als angebliches „Wesen der Pflanze“ in den Zustand allgemeiner Gültigkeit erhoben wurde. Und weil es im Bereich von Komplementärmedizin & Alternativmedizin an kritischem Nachfragen fundamental mangelt, lassen sich solche Phantasien perfekt verkaufen.

Bei den Arzneimittelbehörden ist die Storchenschnabeltinktur als Homöopathika gemeldet (obwohl die Anwendung mit Homöopathie nichts zu tun hat). Deshalb ist dafür kein Wirksamkeitsnachweis nötig

Homöopathika sind generell vom Wirkungsnachweis befreit, doch darf in Folge dessen bei diesen Pflanzentinkturen auch keine Indikation auf die Packung geschrieben werden, also kein Anwendungsbereich wie „psychisch bedingte Schockzustände“.

Das ist aber kein Problem, wenn man die erfundenen Indikationen einfach in einem Buch oder einer Broschüre beschreibt.

Klären müsste man natürlich, was genau mit der schwammigen Bezeichnung „psychisch bedingte Schockzustände“ gemeint ist. Ein Schreck? Ein plötzlicher Todesfall einer Angehörigen? – Für den Verkauf der Storchenschnabeltinktur ist es sicher besser, wenn das nicht so genau geklärt wird. So können viel mehr Menschen zum Schluss kommen, dass auch sie eine solche Pflanzentinktur brauchen.

Und es gibt selbstverständlich auch immer wieder Menschen, welche die Erfahrung bezeugen, dass ihnen Storchenschnabeltinktur bei „Schock“ prima geholfen hat.

Abgesehen davon, dass in diesem Bereich mit einem starken Placeboeffekt gerechnet werden kann, klingen Schreckmomente in der Regel von selber rasch wieder ab.

Wie also lässt sich aus einer solchen Einzelerfahrung schlussfolgern, dass es die Storchenschnabeltinktur war, die geholfen hat?

Die Chance ist gross, dass wir es bei solchen Schilderungen mit einem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss zu tun haben.

Jedenfalls gibt es meines Erachtens keinerlei glaubwürdige Hinweise auf eine Wirksamkeit von Storchenschnabel bei „Schock“.

Nun könnte man ja argumentieren: Wenn sie jemandem gut tut, was ist dann gegen die Einnahme von Storchenschnabeltinktur einzuwenden?

Diese Argumentation greift meiner Ansicht nach allerdings zu kurz.

In den letzten Jahren hat sich zunehmend eine Haltung verbreitet, bei der in jeder Lebenslage und bei jeder kleinen Störung im Leben Globuli, Bachblütentropfen, Schüssler-Salz-Tabletten oder Pflanzentinkturen „eingeworfen“ werden.

Diese Medikalisierung aller Lebenslagen nimmt in manchen Kreisen der Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin groteske Züge an und ich halte diese Entwicklung für sehr fragwürdig. Sie unterminiert das Vertrauen in die Kompetenz unseres Organismus, mit kleineren Störungen auch selber zurande zu kommen und sie regulieren zu können.

Zum Thema Storchenschnabel & Schock siehe auch:

Zum „Wesen der Heilpflanzen“: Storchenschnabel gegen Schock?

Weil es im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin an Qualitätssicherung mangelt, werden via Internet oder auch in Gesundheitszeitschriften sehr viele Empfehlungen verbreitet, Solche „Individualideen“ müssten sich meiner Meinung nach zuerst einer kritischen Diskussion unter Fachleuten stellen und diese Auseinandersetzung „überleben“. Und zwar, weil ein einzelner Mensch mit seinen Vorstellungen und Erfahrungen immer sehr anfällig ist für Selbsttäuschungen.

Kritische Diskussionsprozesse unter Fachleuten sind ein Element der Qualitätssicherung. In der Phytotherapie kennt man als Ergebnis solcher Zusammenarbeit zum Beispiel die Monografien der ESCOP.

Siehe:

Phytotherapie: Was sind ESCOP-Monografien?

Es macht sehr Sinn, sich mehr auf Wissen zu verlassen, dass gemeinschaftlich erarbeitet wurde, und weniger auf isolierte Vorstellungen und Ideen von Einzelpersonen. „Storchenschnabel gegen Schock“ ist ein Beispiel für eine isoliert entstandene und auch isoliert in der Fachwelt stehende Idee.

Und es sehr zu empfehlen, den Heilanpreisungen von Herstellern nicht unbesehen glauben zu schenken.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Test: Bioresonanz bei Nahrungsmittelallergie – lauter Fehldiagnosen

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Die Bioresonanztherapie wird angeboten zur Behandlung von Allergien, Migräne, Neurodermitis, Atemwegserkrankungen, Schlafstörungen, chronischen Schmerzen und weiteren Krankheiten. Die Methode wurde 1977 von dem deutschen Arzt und Scientologen Franz Morell und seinem Schwiegersohn, dem Ingenieur Erich Rasche als MORA-Therapie eingeführt. Die Bioresonanztherapie hat nichts zu tun mit Biofeedback.

Beim Bioresonanzverfahren sollen mittels Elektroden elektromagnetische Körperschwingungen gemessen und an das Bioresonanzgerät übertragen werden. Der Apparat vergleiche das Körpersignal mit einem festgelegten Sollwert und übermittle korrigierende Signale zurück an den Körper, so die Erklärung der Bioresonanz-Anwender. Das krankhafte Signal werde sozusagen im Gerät zu einer guten Schwingung umgepolt und über die zweite Elektrode zurück zum Patienten geleitet. So sollen nach der Bioresonanz-Lehre pathologische Schwingungen nach und nach aufgelöst und Krankheiten geheilt werden.

In der Alternativmedizin wird Bioresonanz häufig angewendet zur Diagnostik und Behandlung von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. Nahrungsmittelallergien.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in Österreich hat eine Testperson von sechs Bioresonanz-Anbietern im Raum Wien untersuchen lassen und kommt zum vernichtenden Resulat: Die Bioresonanztherapie ist teuer und liefert Fehldiagnosen.

Kein einziger Befund deckte sich mit der von einem Allergiezentrum durchgeführten Kontrolluntersuchung, in der unter anderem eine Fruchtzucker- und Milchzuckerunverträglichkeit diagnostiziert wurde. Zudem unterschieden sich die Befunde der Bioresonanzinstitute fundamental: Das Spektrum erstreckte sich von einer Unverträglichkeit gegen Erdnüsse und Walnüsse über Instantkaffee und Saccharin bis hin zu Milcheiweiß und Weizen.

In einem der getesteten Bioresonanz-Institute wurde der Testperson fälschlicherweise sogar eine zerebrale Durchblutungsstörung attestiert. Die Testperson leidet aber weder unter charakteristischen Symptomen wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen oder Kopfschmerzen, noch wurde diese Erkrankung jemals im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung diagnostiziert. Der VKI kritisiert auch die Ernährungsempfehlungen: Eine ausgewogene Ernährung wäre schier unmöglich, würde man sich an die gegebenen Empfehlungen halten.

Während sie sich in den Diagnosen unterscheiden, haben die getesteten Anbieter die hohen Kosten im Falle einer Therapie gemeinsam. Diese bewegen sich zwischen 50 und 120 Euro pro Sitzung, wobei teils bis zu zehn notwendige Behandlungen in Aussicht gestellt wurden. Bei Erstkonsultationen wurden zum Teil höhere Beträge (bis zu 168 Euro) verlangt. Hätte sich die VKI-Testperson auf eine Behandlung eingelassen, wären im extremsten Fall – inklusive der empfohlenen Nahrungsergänzungsmittel – bis zu 900 Euro fällig geworden.

Um Bioresonanz durchzuführen braucht es keine Ausbildung – es reicht, ein Gerät zur Verfügung zu haben.

Quelle:

http://derstandard.at/1363705912849/Bioresonanz-Heilen-mit-einem-Luegendetektor

http://derstandard.at/1363709129052/Bioresonanz-bei-Lebensmittelunvertraeglichkeit-unzuverlaessig-und-teuer

Kommentar & Ergänzung:

Am Ursprung des Bioresonanzverfahrens stehen mit (SS-Oberscharführer) Morell, Erich Rasche und Hans Brügemann Leute, die von den obskuren Vorstellungen des Scientology-Gurus  L. Ron Hubbard beeinflusst waren bzw. sind. Sie bestreiten aber eine Ähnlichkeit des Bioresonanzgeräts mit dem ähnlichen E-Meter, das von Scientology eingesetzt wird.

Die Erklärungen zur Wirkungsweise des Bioresonanzgerätes sind durchwegs schwammig und nebulös, und eine ganze Reihe von Überprüfungen ergab keinen Effekt des Verfahrens, der über einen Placeboeffekt hinausgeht.

Quellenangaben und weitere Informationen dazu auf Psiram.

Psychologisch gesehen ist es interessant, wie ein immer wieder mit negativem Ergebnis überprüftes Verfahren derart viele Anhänger gewinnen kann.

Überraschend ist das allerdings nicht. In der Medizingeschichte haben auch völlig absurde Verfahren begeisterte Anhänger gefunden, was sich in der Regel mit dem Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss erklären lässt, der zu eindrücklichen Fremd- und Selbsttäuschungen führt.

Siehe:

Komplementärmedizin – Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Ein Beispiel aus der europäischen Vergangenheit sind die beliebten Schluckbildchen, ein Beispiel aus der Gegenwart die anhaltend grosse Nachfrage nach Nashornpulver gegen Potenzprobleme in China und Japan.

Siehe: Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

Bioresonanz ist eine technisierte Variante und passt damit gut in unsere Zeit.

Im Bereich der Allergiebehandlung ist es allerdings sehr problematisch,  dass dadurch Fehldiagnosen in derart grosser Zahl in die Welt gesetzt werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Keine Studien zur Homöopathie?

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Die „Heidenheimer Zeitung“ publizierte vor kurzem ein Interview mit Ingrid Maier-Regel. Die Homöpathin war 25 Jahre lang Vorsitzende des Vereins für Homöopathie und Lebenspflege in Nattheim und ist Präsidentin des Dachverbandes Hahnemannia. Mit Homöopathie wird die Frau sich daher wohl auskennen.

Umso erstaunlicher ist folgende Aussage im Interview:

„Unsere Methoden kann man nicht wissenschaftlich messen. Es gibt keine Studien dazu.“

Quelle:

http://www.swp.de/heidenheim/lokales/kreisheidenheim/Wer-heilt-hat-Recht;art1168195,1821855

Diese Aussage ist von A – Z vollkommen falsch.

Zur Frage, ob man die Homöopathie wissenschaftlich untersuchen kann, schreibt das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie Charité ‐ Universitätsmedizin zu Berlin:

„Kann man die Homöopathie in placebo‐kontrollierten Studien erforschen?

Wenn  es  um  die  alleinige  Wirksamkeit  der  homöopathischen  Arzneimittel  geht,  kann  man  diese selbstverständlich in randomisierten placebo‐kontrollierten Studien untersuchen. Selbst die Form der ausführlichen  Anamnese  und  Auswahl  der  individuellen  Arznei  lässt  sich  in  diesen  Studiendesign berücksichtigen,  was  auch  schon  mehrfach  gemacht  wurde.  In  diesem  Fall  erhalten  Patienten  beider  Gruppen  die  Anamnese  und  der  homöopathische  Arzt  sucht  die  passende  Arznei  aus.  Die  Apotheke  schickt  dann  entweder  die  Arznei  oder  Placebo  an  den  Patienten.    Arzt  und  Patient  wissen  beide nicht, wer was bekommt.“

Quelle:

http://www.charite.de/fileadmin/user_upload/microsites/m_cc01/epidemiologie/downloads/Informationen_Homoeopathie.pdf

Das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie  befasst sich selber mit Homöopathie-Forschung am Lehrstuhl von Prof. Claudia Witt, der von der homöopathienahen Carstens-Stiftung finanziert wird.

Noch krasser ist die Aussage von Ingrid Maier-Regel, dass es zur Homöopathie keine Studien gibt.

Intensive Homöopathie-Forschung unter Einbezug führender Homöopathen wurde bereits im „Dritten Reich“ betrieben, und zwar auf Betreiben höchster Kreise. Vor allem der Reichsführer-SS Heinrich Himmler und der Führer-Stellvertreter Rudolf Hess standen der Homöopathie und der Naturheilkunde nahe.

Die im „Dritten Reich“ durchgeführten Studien endeten für die Homöopathie allerdings in einem totalem Fiasko.

Ein Bericht darüber erschien unter dem Begriff „Donner-Report“ (nach dem Verfasser Fritz Donner).

Siehe dazu:

Homöopathie-Forschung im Nationalsozialismus

Auch in neuerer Zeit gibt es eine vielfältige Homöopathie-Forschung.

Laboruntersuchungen zur Homöopathie

Einerseits wird versucht, die Wirksamkeit homöopathischer Präparate in Laboruntersuchungen zu beweisen.

Das führt regelmässig zu Sensationsmeldungen, die bisher ebenso regelmässig im Fiasko endeten.

Das bekannteste Beispiel ist der französiche Arzt Jacques Benveniste (12. März 1935 – 3. Oktober 2004).

Er wurde hauptsächlich bekannt durch seine Behauptung, hochgradig verdünnte Antigene könnten über einen „Gedächtniseffekt“ des Wassers weiße Blutzellen (Leukozyten) beeinflussen. Ein Bericht über diese vor allem für die Homöopathie bahnbrechend erscheinende Neuigkeit wurde 1988 sogar im renommierten Wissenschaftsmagazin Nature publiziert.

Allerdings gelang es Wissenschaftlern auf der ganzen Welt nicht, den Effekt im Experiment zu bestätigen. Unter der Aufsicht des Nature-Chefredakteurs John Maddox und des amerikanischen Pseudowissenschaften-Gegners James Randi gelang es Benveniste selbst nicht, seine eigenen Resultate zu wiederholen. Das endgültige Ende für Benvenistes These vom „Gedächtnis des Wassers“ kam in Gestalt des als offen und unvoreingenommen geltenden Physikers und Nobelpreisträgers Georges Charpak. Er  schlug Benveniste eine Reihe von Experimenten vor, die dann unter seiner Aufsicht durchgeführt wurden. Das Resultat dieser Versuche war für Benveniste desaströs: allenfalls zufällige Wirkungen konnten festgestellt werden. 1995 zog Charpak das abschliessende Fazit, dass Benvenistes „Wassermanipulationen“ keinerlei nachweisbaren Effekt hätten. Ungeachtet dieser Erkenntnisse erweiterte Benveniste später seine Position noch, indem er behauptete, die Informationen des Wassers könnten auch via Telefon oder Internet übertragen werden.

(Quelle dieses Abschnitts: Wikipedia)

Erstaunlich ist eigentlich nur, dass in der Homöopathie zur Erklärung der Wirksamkeit immer noch oft das „Wassergedächtnis“ herangezogen wird. Dabei gäbe es an dieser Stelle eine ganze Reihe weiterer Fragen. Beispielsweise: Das wässrig-alkoholische homöopathische Präparat wird in der Regel auf eine Zuckerpille aufgetragen (Globuli). Das Wasser-Alkohol-Gemisch verdunstet dann, während die Globuli geschluckt werden. Wo bleibt das Wassergedächtnis? Und wie weiss das Lösungsmittel bzw. das Wassergedächtnis, welche Informationen es speichern und weitergeben soll und welchen nicht. Wie kann es sein, dass das Wassergedächtnis sich nur an die heilsamen Eigenschaften der Ursubstanz erinnert, nicht aber an möglichen negativen Eigenschaften wie unerwünschte Nebenwirkungen?

Klinische Homöopathie-Forschung:

Dass eine homöopathische Behandlung manchen Menschen bei gewissen Krankheiten eine Linderung bringt, lässt sich meines Erachtens nicht ernsthaft bestreiten. Die entscheidende Frage ist aber, ob dabei auch ein spezifischer Effekt der Globuli mitwirkt.

Es gibt über 100 Doppelblind-Studien zur Homöopathie, wobei es darunter allerdings grosse Qualitätsunterschiede gibt. Deshalb fasst man die qualitativ besten Studien in sogenannten Metastudien zusammen.

Wikipedia fasst die Lage bei den Metastudien so zusammen:

„Eine erste Metaanalyse von Klaus Linde und Mitarbeitern aus dem Jahr 1997 kam zwar zu dem Schluss, dass die Gesamtheit der Ergebnisse der Studien nicht vollständig durch den Placeboeffekt erklärbar waren und dass einige der untersuchten Homöopathika folglich wirksam sein müssten. Bei weiteren Untersuchungen fanden die Autoren allerdings, dass Studien geringerer Qualität bessere Ergebnisse für die homöopathische Behandlung zeigten als Studien mit strengen Kriterien. Linde räumte daher ein, dass die damalige Schlussfolgerung so nicht haltbar sei und die Metaanalyse die Effekte zumindest deutlich überschätzt haben dürfte.“

Zur zweiten grossen Metastudie schreibt Wikipedia:

„Eine schweizerisch-britische Forschergruppe hatte insgesamt 220 Studien in Bezug auf den Behandlungserfolg verschiedenster Erkrankungen mit homöopathischen oder schulmedizinischen Methoden ausgewertet. Es zeigte sich ein vergleichsweise schlechteres Abschneiden der Homöopathie, bei der die gemessenen Effekte nicht gegen die Annahme der Nullhypothese (die Homöopathie beruhe einzig auf dem Placebo-Effekt) sprechen. Auch bestätigte die breitangelegte Metauntersuchung die Vermutung, dass Studien mit wenigen Teilnehmern und niedriger Qualität eher nicht vorhandene Wirkungen vorspiegeln als solche mit einer höheren Teilnehmerzahl und guter Qualität. Die erwähnte Metastudie wurde 2006 von dem österreichischen Homöopathie-Befürworter Friedrich Dellmour und dem Schweizerischer Verein Homöopathischer Aerztinnen und Aerzte hauptsächlich mit der Behauptung kritisiert, dass sich die Homöopathie nicht für Doppelblindstudien eigne und nur deshalb keine Wirksamkeit feststellbar sei. Außerdem gab es von mehreren Seiten Kritik an der Methodik der Metastudie. Dennoch konnte die Grundaussage nicht widerlegt werden. Klaus Linde und Wayne Jonas gingen trotz ihrer Kritik mit dem Ergebnis konform, dass es keinen stabilen Nachweis durch Placebo-kontrollierte Studien gibt.“

Eine sehr informative Zusammenfassung der Studienlage zur Homöopathie gibt hier:

http://www.medizin-transparent.at/streitthema-homoopathie

So. Und wie kommt nun eine langjährige Homöopathin wie Ingrid Maier-Regel zur Behauptung, es gebe keine Studien zur Homöopathie?

Hat sie davon wirklich noch nie gehört oder blendet sie diesen Bereich einfach aus, weil die Resultate nicht ihrem Bild der Homöopathie entsprechen? Sieht nach hochgradig selektiver Wahrnehmung und Realitätsverarbeitung aus.

Genau solche Phänomene sind es, die mich in den letzten Jahren immer skeptischer werden liessen gegen weite Bereiche der Komplementärmedizin. Das ist einfach kein seriöser Umgang einem Thema. Jedenfalls ist das soeben besprochene Beispiel kein Einzelfall.

Die bekannte Homöopathie-Herstellerin Similasan beispielsweise stellt auf ihrer Website die höchst fragwürdige Sepsis-Studie von Michael Frass sehr selektiv und einseitig interpretiert in den Vordergrund, während die kritischen Metaanalysen gar nicht erwähnt werden.

Zum Interview mit Ingrid Maier-Regel in der Heidenheimer Zeitung muss noch ergänzt werden, dass die Interviewerin an den betreffenden Punkten auch nicht kritisch nachgehakt hat, vermutlich weil ihr dazu das Fachwissen fehlte. Aber auch diese kritik- und fraglose Berichterstattung ist leider eher die Regel als die Ausnahme.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Hirndoping an Universitäten verbreitet

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Hirndoping boomt und ist an Universitäten offenbar viel weiter verbreitet als gedacht.  Durchschnittlich schluckt jeder fünfte Student  zumindest phasenweise Pillen,  die dafür sorgen sollen, dass er sich besser konzentrieren kann oder beim Lernen nachts länger durchhält.  Am stärksten gedopt wird unter Sportstudenten.

Zu diesem Resultat kommt die bisher größte und aussagekräftigste Studie von Mainzer Wissenschaftlern und Medizinern.

Zu den verwendeten Substanzen zählen Koffein-Tabletten zum Aufputschen, jedoch grundsätzlich auch harte verschreibungspflichtige Mittel wie zum Beispiel  Stimmungsaufheller und Arzneien zur Behandlung  seelischer Leiden wie Ritalin gegen das  ADHS-Hyperaktivitätssyndrom, Modafinil gegen Schläfrigkeit, Alzheimer-Medikamente sowie  Amphetamine wie Mephedron oder illegale  Drogen.

In der Fachzeitschrift „Pharmacotherapy“ (Bd.33, S.44) publizieren Mainzer Wissenschaftler die Resultate der bisher umfangreichsten und aussagekräftigsten Hochschulstudie zum Thema  Leistungssteigerung durch „Neuro-Enhancement“.

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/jeder-fuenfte-student-nimmt-pillen-hirndoping-boomt-an-universitaeten-12045969.html

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/phar.1166/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Diese Erkenntnisse werfen viele Fragen auf:

– Wie gross ist das Abhängigkeitsrisiko bei den einzelnen Substanzen?

– Bringen die verwendeten Substanzen wirklich die erhoffte Leistungssteigerung, oder haben wir es ausschliesslich mit einem Placeboeffekt zu tun?  Falls letzteres der Fall ist: Könnte man diesen Effekt vielleicht mit harmloseren Mitteln ebenso erreichen?

– Falls tatsächlich eine effektive und nebenwirkungsarme Variante des Hirndopings gefunden würde, könnte das fragwürdige Folgen haben – nämlich zunehmenden Druck auf diejenigen, die kein Hirndoping machen. Um nicht abzufallen, müssten sie ebenfalls zu leistungssteigernden Mitteln greifen.

– Hirndoping ist ein weiterer Schritt in die Medikalisierung aller Lebenslagen und damit Teil einer sehr fragwürdigen Entwicklung. Es scheint mir daher sehr wichtig, alle Angebote von Medizin und Pharmaindustrie, die solche Medikalisierung fördern könnten, kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Leider segeln aber auch Komplementärmedizin und Alternativmedizin voll in diesem Trend: Es gibt kaum eine Lebenssituation, für die nicht eine ganze Reihe von Bachblüten, Schüssler Salzen, homöopathischen Globuli, Pflanzentinkturen….. angeboten werden.

Komplementärmedizin und Alternativmedizin begleiten so die Menschen von der Wiege bis zur Bahre. Das ist meiner Ansicht nach eine sehr fragwürdige Entwicklung. Schon ein paar Mal bin ich gefragt worden, was ich als Heilpflanzenspezialist denn nehme.

Die Frage irritiert mich, weil sie unabhängig von allfälligen Beschwerden gestellt wird. Anscheinend gehört es in manchen Kreisen bereits zum Lifestil, „etwas zu nehmen“.

Man sollte aber meines Erachtens auch Präparate aus Naturheilkunde oder „Komplementärmedizin“ bei bestimmten Beschwerden nehmen und gut überlegen, ob sie sinnvoll und nötig sind. Die Rundumversorgung, mit Globuli, Bachblütentropfen, Schüssler-Salzen, Pflanzentinkturen etc. halte ich für problematisch, weil damit die Überzeugung gezüchtet wird, dass man sie braucht und ohne sie nicht leben kann.

Ich kenne einige Leute, von denen ich den Eindruck habe, dass sie von ihren Globuli, Schüssler-Tabletten und Bachblütentropfen psychisch ganz unschön abhängig sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Löwenzahn als Schlankheitsmittel

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„Löwenzahn macht schlank. Er enthält Kalzium, Natrium und Magnesium, das den Energiestoffwechsel fördert – dadurch werden alte Schlacken schneller aus dem Körper ausgeschieden.“

Quelle:

http://madonna.oe24.at/gesund/So-macht-Loewenzahn-schlank/74334535

Kommentar & Ergänzung:

Das Webportal Madonna schreibt hier wieder einmal einfach, was viele Leute gerne hören wollen – unabhängig vom Realitätsgehalt. Wäre doch allzu schön, wenn Löwenzahn schlank machen würde , einfach so.

Aber Kalzium, Natrium und Magnesium hat es auch in vielen anderen Wildpflanzen – weshalb solche Mineralstoffe schlank machen sollen, ist schleierhaft und Madonna erklärt es auch nicht. Genauso nebulös ist die Versprechung, dass Löwenzahn „alte Schlacken“ ausscheiden soll. „Schlacken“ gibt es bei der Erzverhüttung, aber nicht im Organismus.

Immer wenn von „Schlacken“ oder „Entschlackung“ die Rede ist, stürzt die Glaubwürdigkeit der entsprechenden Aussagen in den Keller.

Hier weitere Infos aus Wikipedia:

„Entschlackung (von Schlacke, einem Verbrennungsrückstand) ist in der Alternativmedizin ein Ausdruck für Maßnahmen, die mutmaßliche Giftstoffe und vermeintlich schädliche Stoffwechselprodukte ausscheiden sollen. Die Wirksamkeit dieser Verfahren ist nicht gegeben, die angenommenen Wirkungsweisen lassen sich nicht nachweisen.

Unschärfen bestehen sowohl in der Definition der Substanzen, die unter diese Schlacken fallen, als auch bezüglich der Maßnahmen, die als Entschlackung gelten sollen. Meist werden unter „Entschlackung“ bestimmte im Rahmen der Alternativmedizin eingesetzte Maßnahmen verstanden, die unter dem Begriff ausleitende Verfahren zusammengefasst werden, zum Beispiel Schröpfen, Cantharidenpflaster, Einläufe, Schwitzkuren, Abführmittel (Laxantien) und Fastenkur. Einige Verfahren behaupten, auch Quecksilber (beispielsweise von Amalgamzahnfüllungen), Impfstoffe oder andere Schlacken ausleiten zu können.

Ein allgemein anerkannter Nachweis, dass der Körper in diesem Sinne therapeutisch „entgiftet“ oder „entschlackt“ werden könne oder gar solle, liegt nicht vor. Während einer Fastenkur steigt sogar die Schadstoffbelastung des Blutes. Das subjektive Erleben von Heilerfolgen durch Patienten ist durch Empfindungen wie den Placeboeffekt erklärbar. Im weiteren Sinne fallen auch medizinische Therapieformen hierunter, wie etwa das Entfernen harnpflichtiger Substanzen aus dem Blut in der Dialyse durch Blutwäsche. Auch Ammoniak, der bei einer leberbedingten Hirnerkrankung im Rahmen einer Leberzirrhose vermehrt anfällt und dessen Produktion durch eine antibiotische Darmdekontamination und Lactulosebehandlung verringert wird, wäre ein Beispiel in diesem Zusammenhang.“

Und ausserdem: Wenn Löwenzahn schlank macht, dann müsste man das doch den Kühen auf Löwenzahn-reichen Wiesen ansehen……warum nur ist mir das noch nie aufgefallen?

Siehe auch:

Löwenzahn entgiftet?

Entschlackung – was ist das?

Fasten & Entschlacken

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtreduktion

P.S: In der Phytotherapie sind als Anwendungsbereiche von Löwenzahnwurzel / Löwenzahnkraut anerkannt:

Störungen des Gallenflusses; zur Anregung der Diurese (Wasserausscheidung über die Nieren); Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden.

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Wie giftig ist Doldiger Milchstern / Star of Bethlehem

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Vor kurzem wurde ich an einem Vortrag gefragt, wie giftig der Doldige Milchstern sei und ob die daraus hergestellten Bach-Blütentropfen bedenkenlos eingenommen werden könnten.

Der Doldige Milchstern (Ornithogalum umbellatum) enthält insbesondere in der Zwiebel zahlreiche Cardenolide. Das dominierende Glykosid, mit 0,04% in der getrockneten Zwiebel, ist Convallatoxin, welches auch im Maiglöckchen (Convallaria majalis) zu finden ist und auf das Herz wirkt.

Doldiger Milchstern (Foto auf Wikipedia) ist daher als Giftpflanze zu betrachten.

Als Bach-Blütenessenz Star of Bethlehem (Stern von Bethlehem) wird Doldiger Milchstern gegen Nachwirkungen eines Schocks empfohlen.

Da Bachblüten keine Wirkstoffe enthalten sind keine unerwünschten Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten zu befürchten. Allerdings gibt es auch keine fundierten Hinweise auf eine spezifische Wirkung gegen „Schock“.

Der Begriff Schock ist in diesem Zusammenhang im übrigen irreführend. Er „bezeichnet in der Medizin ein lebensbedrohliches Zustandsbild, bei dem die Blutzirkulation in den Kapillaren vermindert ist. Als Folge treten eine Sauerstoffunterversorgung der Gewebe und in letzter Konsequenz Stoffwechselstörungen auf.

Ursache ist eine absolute oder relative Verminderung des zirkulierenden Blutes. Ersteres tritt nach Blut- oder Flüssigkeitsverlust auf, letzteres bei einem Versagen der Kreislaufregulation in der Körperperipherie, etwa bei Blutvergiftung oder allergischen Reaktionen vom Soforttyp (Anaphylaxie). Auch wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut in die Peripherie zu pumpen, kann es zum Schock kommen.

Die Folgen einer extremen psychischen Belastung werden im Gegensatz zur Umgangssprache in der medizinischen Fachsprache nicht als Schock bezeichnet, sondern als Akute Belastungsreaktion.“

(Quelle: Wikipedia)

Im Umfeld der Bach-Blüten wird unter Schock eher ein Schreck verstanden oder ein Psychotrauma. Solche Reaktionen klingen typischerweise nach der akuten Phase von selbst wieder ab. Jedes Heilmittel, das in dieser Phase zur Anwendung kommt, wird daher eine grosse Erfolgsquote haben, einfach wegen dem natürlichen Verlauf der Dinge. Rechnet man mit dem Placeboeffekt und dem spontanen Verlauf einer Schreckreaktion, so ist die Wirksamkeit der angewendeten Heilmittel ohne Doppelblindstudie nicht beurteilbar.

Doldiger Milchstern / Star of Bethlehem ist Bestandteil der Bachblüten-Notfalltropfen (zusammen mit Rock Rose, Impatiens, Cerry Plum, Clematis).

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Geistheilung im Test

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Edzard Ernst hat als Professor für Alternativmedizin (Universität Exeter) 18 Jahre lang erforscht, welche alternativen Heilmethoden wirken. Nun geht er in Pension und beantwortete im Interview Fragen der „Sonntagszeitung“. Die Interviewerin fragte, welches Ergebnis seiner Studien ihn am meisten überrascht habe:

„Bei einer Studie zur Effizienz von Geistheilern war ich sehr beeindruckt, wie stark ein Placeboeffekt, also eine Scheinbehandlung, sein kann. Geistheiler sind Menschen, die vorgeben, durch Handauflegen kosmische oder göttliche Energie in Heilkräfte umzuwandeln. In Grossbritannien war das weit verbreitet, als ich 1993 an der Universität von Exeter meinen Lehrstuhl antrat.“

Danach beantwortete Edzard Ernst die Frage, wie man Geistheiler testet.

„Wir beobachteten rund 130 Patienten, die von Geistheilern oder anderen Personen behandelt wurden. Wir teilten die Kranken in vier Gruppen ein. Die eine war in direktem Kontakt mit den Geistheilern. Bei der zweiten sassen die Heiler hinter einer undurchsichtigen Wand. Eine dritte Gruppe wurde von geschulten Schauspielern behandelt, und bei der vierten Gruppe sass niemand hinter der Wand, was die Studienteilnehmer aber nicht wussten.“

Und auf die Frage, wie es den Patienten in dieser Studie erging, sagt Edzard Ernst:

„Das war unglaublich. Da gab es Kranke, die aus dem Rollstuhl aufstanden und sagten, sie hätten sich schon lange nicht mehr so gut gefühlt. Diese positiven Effekte waren aber kein Beweis für eine Geistheilung, denn diese eklatanten Fälle traten in allen Gruppen auf – selbst dort, wo die Patienten allein im Raum waren.“

Quelle:

http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/?newsid=199734

Kommentar & Ergänzung:

Die geschilderten Untersuchungen zeigen eines deutlich. Wenn es um Geistheilung geht, dann ist der Geistheiler oder die Geistheilerin im Grunde genommen überflüssig. Entscheidend ist nur, dass der kranke Mensch daran glaubt oder die Vorstellung hat, dass da ein Geistheiler oder eine Geistheilerin vorhanden sei. Dann tut es ein leerer Stuhl hinter der Wand auch.

Die Geistheilung findet also im eigenen Kopf statt.

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