Artikel mit Schlagwort ‘Placebo’
Mittwoch, April 4th, 2012
An einem wissenschaftlichen Seminar zum Thema Phytotherapie im Hamburg resümierte Professor Dr. Matthias Melzig von der Freien Universität Berlin den Stand des Wissens zum Wirksamkeit von Heilpflanzen in der Diabetes-Therapie.
Dabei kam auch Guar zur Sprache. Die Wirksamkeit und Sicherheit eines Guar-Präparates seien durch klinische Studien belegt.
Guar wird aus den Samen der Guarbohne (auch Büschelbohne, Cyamopsis tetragonolobus) gewonnen, eine Pflanzenart aus der Familie der Fabaceen.
Als wirksame Inhaltsstoffe gelten Polysaccharide, welche die Transitzeit der Nahrung verlängern. Sie sollen das zuckerspaltende Enzym α-Amylase hemmen und dadurch die Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten vermindern.
Die Einnahme von Guar wirkt sich aber auch positiv auf das Gesamtcholesterol und den LDL-Spiegel aus. Allerdings kann Guar auch den Insulineffekt verstärken. Wie bei alle anderen pflanzlichen Antidiabetika aus der Selbstmedikation ist es wichtig, dass der Patient den Arzt über die Einnahme informiert. Darüber hinaus sollte der diabeteskranke Mensch seinen Blutzuckerspiegel regelmäßig messen.
Widersprüchliche Ergebnisse gebe es zur Gartenbohne (Phaseolus vulgaris, ebenfalls eine Fabaceae) in Bezug auf die Samenschalen. Die Bohnensamen können sich aber günstig auf den postprandialen Blutzucker auswirken. Für eine ausdrückliche Empfehlung fehlen aber gemäss Melzig noch Daten. Ähnliches gelte für frische Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus, Ericaceae). Vermutlich müssen große Mengen Beeren oder Bohnen gegessen werden, um deutlich spürbare Effekte zu erzielen.
Positiv beurteilte Melzig die Bockshornkleesamen (Trigonella foenum-graecum, Fabaceae). In China und Indien wird Bockshornklee seit Jahrtausenden bei Stoffwechselerkrankungen angewendet, auch bei Diabetes. Er reduziert den Nüchternblutzucker und den postprandialen Blutzucker. Allerdings sind dafür 25 Gramm Bockshornkleesamen pro Tag nötig, was speziell zu Beginn der Behandlung zu Durchfall und Flatulenz führen kann. Genau wie bei Guar sollte auch bei Bockshornkleesamen ein zeitlicher Abstand von mindestens 30 Minuten zur vorherigen Medikamenteneinnahme eingehalten werden, damit diese anderen Arzneimittel gut resorbiert werden können.
Von anderen Heilpflanzen riet Melzig vorerst ab wegen fehlender Wirksamkeitsnachweise oder mangelnder Sicherheitsdaten.
So enthalte beispielsweise der Samen der Geißraute (Galega officinalis, Fabaceae) große Mengen Guanidin-Derivate, also Metformin-ähnliche Substanzen. Allerdings seien die Extrakte schwer standardisierbar.
Unter der Bittergurke (Momordica charantia, Cucurbitaceae) könne es sogar zu hypoglykämischem Koma und Lebertoxizität kommen.
Siehe auch:
Bittermelone / Bittergurke (Momordica charantia) gegen Diabetes?
Ein anderes Kürbisgewächs, die Scharlachranke (Coccinia grandis) aus der indischen Heilkunde, zeigte in klinischen Studien mäßiger Evidenz eine beträchtliche blutzuckersenkende Wirkung. Melzig riet trotzdem von der Scharlachranke ab, da nicht genügend toxikologische Daten vorlägen.
Wegen des vermutlich hohen Alkaloid-Gehalts sollte man auch besser auf die Anwendung des sogenannten »Zuckerzerstörers« bzw. der »Wunderfrucht« Gymnema sylvestre (Apocynaceae) aus der Aryuveda-Medizin verzichten.
Zwar nicht bedenklich, jedoch bislang ohne überzeugenden Wirksamkeitsnachweis bei Diabetes mellitus sind gemäss Melzig folgende Phytopharmaka einzustufen:
Ginseng (Panax Ginseng, Araliaceae)
Knoblauch (Allium sativum, Alliaceae)
Aloe vera (Aloe barbadensis, Alooideae)
Süßkartoffeln (Ipomoea batatas, Convolvulaceae)
Wachs-Jambuse oder Rosenapfel (Syzygium cumini, Myrtaceae)
Mariendistel (Silybum marianum, Asteraceae)
Russischer Estragon (Artemisia dracunculus, Asteraceae)
Nopal (Opuntia streptacantha, Cactaceae)
Wer die Diskussion der vergangenen Jahre verfolgt habe wisse zudem, dass Zimt (Cinnamomum verum, Lauraceae) laut neueren Studien nicht besser als Placebo wirke. Noch fehle für die meisten Phytopharmaka die klinische Evidenz, um sie Diabetikern adjuvant empfehlen zu können, zum Beispiel den Russischen Estragon.
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41169
Kommentar & Ergänzung:
Die Diabetes-Therapie ist keine Stärke der Phytotherapie. Die Aussagen von Prof. Melzig stimmen sehr mit der Phytotherapie-Fachliteratur überein. Sinn machen können gewisse Polysaccharide vor allem aus Guar und Bockshornkleesamen, weil sie Blutzuckerspitzen abfangen. Darüber hinaus haben wir nicht viel Überzeugendes aus der Pflanzenwelt zur Verfügung.
Von den Heidelbeeren wurden früher gegen Diabetes die Blätter verwendet, nicht die Beeren, wie der Ausdruck „frische Heidelbeeren“ suggeriert. Heidelbeerblätter sind aber klarerweise ungeeignet zur Diabetestherapie.
Und bei Ginseng, Knoblauch, Aloe vera oder Mariendistel wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, sie gegen Diabetes zu empfehlen, Diese Heilpflanzen haben ganz andere Anwendungsbereiche, für welche ihre Wirksamkeit dokumentiert ist.
Zimt gegen Diabetes war vor einigen Jahren die grosse Entdeckung in diesem Bereich der Pflanzenheilkunde. Laboruntersuchungen an isolierten Geweben oder Zellen lassen eine günstige Wirkung plausibel erscheinen. Leider konnten die positiven Resultate einer ersten klinischen Patientenstudie aus Pakistan bisher nicht bestätigt werden, was die Wirksamkeit in Frage stellt.
Ernüchternd?
Möglicherweise schon.
Aber es scheint mir wichtig, nicht nur von tollen Erfolgen und grossartigen Heilungschancen zu berichten, sondern auch von Misserfolgen und Grenzen der Phytotherapie.
Meines Erachtens kann man diesen Punkt als Qualitätskriterium nehmen um Fachleute, Heilmethoden, Gesundheitszeitschriften etc. zu beurteilen:
Ist immer nur von Heilerfolgen die Rede und nie von Grenzen oder Misserfolgen, dann ist dies ein Hinweis für sehr selektive Wahrnehmung oder selektive Berichterstattung. Alle Heilmethoden und Heilmittel haben Grenzen und Misserfolge. Wäre das nicht so, gäbe es keine Krankheiten mehr.
Wenn nur von Heilerfolgen oder gar von sicheren Heilerfolgen berichtet wird, dann haben wir es wahrscheinlich mit einer Form von Missionarismus zu tun. Und diesem Phänomen begegnet man leider nicht selten im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin: Alles was die eigene Überzeugung zu stützen scheint, wird sofort kundgetan, während Fakten, welche die eigene Überzeugung in Frage stellen könnten, ignoriert oder sofort und ungeprüft vom Tisch gefegt werden (zum Beispiel indem jede Kritik als Verschwörung der bösen Pharmaindustrie diffamiert wird).
Das Leben besteht aber selten nur aus Schwarz und Weiss, auch nicht, wenn es um Gesundheit, Krankheit und Heilung geht.
Seriös wäre es meines Erachtens beispielsweise, wenn in Gesundheitszeitschriften neben Erfolgsmeldungen und Heilungsversprechungen ebenso viel auch von Grenzen und Misserfolgen berichtet würde. Aber wer will so etwas schon lesen? Die Mehrzahl der Leserinnen und Leser will offenbar ausschliesslich wissen, was nützt. Grenzen und Misserfolge –Kritik also – interessieren viel weniger. Wer so denkt nimmt allerdings in Kauf, einseitig informiert zu sein.
Grenzen und Misserfolge von Heilmitteln und Heilmethoden aufzuzeigen, ist zudem für die meisten Gesundheitszeitschriften nicht lukrativ, weil dadurch ein „negatives Werbeumfeld“ für Inserenten geschaffen wird. Die meisten Gesundheitszeitschriften sind aber vollständig abhängig von den Inserenten – wie sollen sie da differenziert – also auch kritisch – berichten können.
Siehe auch:
Pflanzenheilkunde & Komplementärmedizin – Vom Wert des Zweifels
Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde
Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus
Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht?
Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Alkaloid-Gehalt, Alliaceae, Allium sativum, Aloe barbadensis, Aloe vera, Alooideae, Alternativmedizin, Amylase, Antidiabetika, Apocynaceae, Araliaceae, Artemisia, Artemisia dracunculus, Aryuveda, Aryuveda-Medizin, Arzneimittel, Asteraceae, Beeren, Berlin, Bittergurke, Blutzucker, blutzuckersenkende Wirkung, Blutzuckerspiegel, Blutzuckerspitzen, Bockshornklee, Bockshornkleesamen, Bohnen, Bohnensamen, Büschelbohne, Cactaceae, China, Cinnamomum verum, Coccinia grandis, Convolvulaceae, Cucurbitaceae, Cyamopsis tetragonolobus, Diabetes, Diabetes-Therapie, Diabetestherapie, Durchfall, Enzym, Ericaceae, Estragon, Evidenz, Fabaceae, Fabaceen, Flatulenz, Freie Universität Berlin, Galega officinalis, Gartenbohne, Geissraute, Gesamtcholesterol, Gesundheit, Gesundheitsberufe, Gesundheitszeitschriften, Ginseng, Guanidin, Guanidin-Derivate, Guar, Guarbohne, Gymnema sylvestre, Hamburg, Heidelbeerblätter, Heidelbeeren, Heilkräuterkurse, Heilkunde, Heilmethoden, Heilpflanzen-Seminar, Heilung, Heilungschancen, hypoglykämisches Koma, Indien, indische heilkunde, Inhaltsstoffe, Insulin, Insulineffekt, Ipomoea batatas, Klinik, klinische Studien, Knoblauch, Koma, Komplementärmedizin, Krankenpflege, Krankheit, Krankheiten, Kräuterexkursionen, Kürbis, Kürbisgewächs, Lauraceae, LDL-Spiegel, Lebertoxizität, Mariendistel, Matthias Melzig, Metformin, Momordica charantia, Myrtaceae, Nahrung, Naturheilkunde, Nopal, Nüchternblutzucker, Opuntia streptacantha, Pakistan, Palliative Care, Panax ginseng, Pflanzenart, Pflanzenwelt, Pflege, Pflegeheim, Pharmaindustrie, Phaseolus vulgaris, Phytopharmaka, Phytotherapie-Ausbildung, Placebo, Polysaccharide, Psychiatrische Klinik, Rosenapfel, Russischer Estragon, Scharlachranke, Schmerzen, Schweiz, Selbstmedikation, Seminar, Sicherheit, Silybum marianum, Spital, Spitex, Stoffwechselerkrankungen, Studien, Süsskartoffeln, Syzygium cumini, Trigonella foenum-graecum, Universität, Vaccinium myrtillus, Wachs-Jambuse, Weiterbildung, Winterthur, Wirksamkeit, Wirkung, Zimt, Zürich, α-Amylase
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Mittwoch, März 21st, 2012
Ein Wirkstoff aus der Garten-Wolfsmilch Euphorbia peplus, einer in Europa weit verbreiteten Pflanze, könnte sich als Medikament zur Behandlung der aktinischen Keratose eignen. Die US-Arzneibehörde FDA hat vor kurzem ein Präparat zugelassen, das in einer Studie im New England Journal of Medicine (2012; 366: 1010-1019) vorgestellt wurde.
Die aktinische Keratose ist eine bei hellhäutigen Personen weit verbreitete Präkanzerose. Zwei Drittel aller Spinalzellkarzinome sollen sich auf der Basis einer aktinischen Keratose entstehen. Auch wenn nicht genau bekannt ist, wie viele aktinische Keratosen sich zum Karzinom weiter entwickeln und das Spinaliom bei rechtzeitiger Entfernung in der Regel kein Risiko darstellt, wird allgemein die Behandlung der aktinischen Keratose empfohlen.
Von zahlreichen Patienten wird die Behandlung der aktinischen Keratose auch gewünscht, vor allem weil sie sich in der Regel an UV-exponierten, also sichtbaren Hautstellen befindet. Gerade im Gesicht sind aber der gegenwärtig bevorzugten Behandlung, der Kryochirurgie enge Grenzen gesetzt, zumal sie eine Narbe hinterlässt. Andere lokale Behandlungen wie Imiquimod oder Fluorouracil können sehr langwierig sein.
Die Therapie mit Ingenol, das der Produzent aus Euphorbia peplus gewinnt, erzielte dagegen schon nach zwei- bis dreimaliger Anwendung eine gute Wirkung. Dies sollen vier Studien belegen, deren Resultate die Gruppe um Neil Swanson von der Oregon Health and Science University in Portland zusammengefasst hat.
Die Läsionen, die bei 547 Patienten den Bereich von Gesicht oder Kopfhaut betrafen und sich bei 458 Patienten an Armen oder Rumpf befanden, waren in den Studien mit einem Gel therapiert worden, das entweder Ingenol oder keinen Wirkstoff enthielt. Im Gel für Gesicht oder Kopfhaut lag Ingenol in 0,015-prozentiger Konzentration vor. Es wurde an drei Tagen aufgetragen. Das Gel für Arme und Rumpf enthielt Ingenol in 0,05-prozentiger Konzentration und wurde an zwei Tagen aufgetragen.
Die Wirkung des Ingenol-Gels wurde mehrmals beurteilt, zuletzt am Tag 57. Bei dieser Schlussuntersuchung hatten sich 42,2 Prozent der Läsionen auf Gesichts- oder Kopfhaut vollständig zurückgebildet (gegenüber Placebo mit 3,7 Prozent). Auf den Armen und am Rumpf wurde bei 34,1 Prozent der Probanden eine vollständige Clearance erreicht (Placebo 4,7 Prozent).
In den ersten Tagen der Behandlung kam es allerdings zu lokalen Entzündungsreaktionen, die auf einer Skala von 0 bis 24 die Intensität von 9,1 in Gesicht und Kopfhaut, beziehungsweise 6,8 an Armen oder Rumpf erreichte. Diese Entzündungsreaktionen bildeten sich bei den Patienten aber innerhalb weniger Wochen zurück. Die Wissenschaftler schließen jedoch nicht aus, dass es bei einigen Patienten zu einer dauerhaften Depigmentierung und zu einer minimalen Narbenbildung kommen kann.
Ein Hersteller aus Dänemark bekam aufgrund der Resultate im Januar 2012 eine Zulassung durch die US-Arzneibehörde FDA. Zu einer allfälligen Einführung in Europa machte die Firma keine Angaben.
Quelle:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49540/Pflanzlicher-Wirkstoff-beseitigt-aktinische-Keratose
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1111170m
Kommentar & Ergänzung:
Interessante Studie, aber noch nicht einsetzbar, solange keine Zulassung als Medikament in Europa vorliegt.
Von irgendwelchen Selbstversuchen mit Garten-Wolfsmilch würde ich jedenfalls mit Nachdruck abraten. In der Familie der Wolfsmilchgewächse finden sich nämlich eine ganze Anzahl von potenten Giftpflanzen.
„Der bei manchen Arten vorhandene Milchsaft (Latex) ist oft toxisch und dient als Wundverschluss und Fraßschutz. Unter den Inhaltsstoffen sind die hautreizenden Di- und Triterpenester erwähnenswert.
Die Samen und der Milchsaft enthalten giftiges Euphorbon. Diese haben eine starke örtliche Reizwirkung auf die Haut und die Schleimhäute mit Gewebszerstörung. Augenverletzungen sind besonders gefährlich.“
(Quelle: Wikipedia)
Bekannte Vertreter aus der Familie der Wolfsmilchgewächse sind der Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima, auch Adventsstern, Christstern oder Poinsettie genannt), der Christusdorn (Euphorbia milii), der Kautschukbaum (Hevea brasiliensis, Gummibaum), der Rizinus (Wunderbaum, Ricinus communis, Quelle für Rizinusöl), der Lichtnussbaum (Aleurites moluccana, Quelle von Kukuinussöl), die Gattung Manihot (bekannt unter Trivialnamen wie Maniok, Mandioka, Kassava oder in Lateinamerika Yuca).
Die Garten-Wolfmilch wird schon seit längerem für die Anwendung in der Dermatologie erforscht. So erschien bereits 2011 eine Studie zur Behandlung von weissem Hautkrebs mit Garten-Wolfsmilch:
„Der Saft der in vielen Gärten vorkommenden Garten-Wolfsmilch ist offenbar für die Behandlung von weißem Hautkrebs geeignet. Wissenschafter raten jedoch von Selbstversuchen ab, da der Behandlungsansatz sich noch in einem frühen Stadium befindet und es zu Irritationen der Haut kommen kann, wie es im British Journal of Dermatology heisst.“
Quelle: http://www.medical-tribune.ch/deutsch/news/news.php?monat=01.2011
Der weisse Hautkrebs gehöre nicht zu den schwersten Formen der Krankheit. Er sei jedoch dennoch sehr weit verbreitet. Allein in Großbritannien entfalle laut BBC ein Drittel aller Krebsdiagnosen auf diese Krebsform, zu der Basalzellkarzinome und Plattenepithelkarzinome gehören. In den meisten Fällen sei es möglich, weissen Hautkrebs mittels eines chirurgischen Eingriffes, Einfrieren oder einer speziellen Form von Lichttherapie zu behandeln.
„Bei manchen Menschen versagen diese Behandlungsmethoden jedoch oder erweisen sich als nicht passend. An der Studie nahmen Patienten teil, die in diese Gruppe fallen. Sie wiesen insgesamt 48 Läsionen auf. Alle wurden mit dem Saft von Euphorbia peplus behandelt, der drei Tage hintereinander einmal pro Tag auf die Haut aufgetragen wurde.“
Quelle: http://www.medical-tribune.ch/deutsch/news/news.php?monat=01.2011
Pflanzensaft aus der Garten-Wolfsmilch sei ein uraltes Heilmittel, heisst es weiter in dem Bericht.
„Die Wissenschaftler versuchten, seine Wirkung jetzt im Rahmen eines klinischen Tests zu überprüfen. Nach einem Monat hatten 41 der 48 Läsionen auf die Behandlung reagiert. Keine Spur eines Tumors konnte mehr nachgewiesen werden. Patienten, die nur teilweise auf die Behandlung reagiert hatten, wurde eine zweite Behandlung angeboten. Die Läsionen, die positiv auf eine Behandlung reagiert hatten, wurden zwischen zwei und 31 Monate weiter beobachtet.
Nach durchschnittlich 15 Monaten wiesen zwei Drittel der Läsionen immer noch eine vollständige Reaktion auf die Behandlung auf. Die Wissenschaftler erklärten, dass jetzt groß angelegte Studien klären müssten, ob Ingenol-Mebutat, der Wirkstoff im Pflanzensaft, einen neuen Behandlungsansatz ermöglicht.“
(Quelle: http://www.medical-tribune.ch/deutsch/news/news.php?monat=01.2011)
In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, was Betroffene mit solchen Meldungen machen, die einerseits Hoffnungen wecken, andererseits aber richtigerweise auch den Hinweis enthalten, dass die Forschungen noch im Frühstadium stecken und eine Anwendung daher noch nicht möglich ist.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Tags: 2012, Adventsstern, aktinische Keratose, Aleurites moluccana, Arzneimittelbehörde, Augenverletzungen, Basalzellkarzinom, BBC, Behandlung, Christstern, Christusdorn, Dänemark, Depigmentierung, Dermatologie, Entzündung, Entzündungsreaktion, Euphorbia, Euphorbia milii, Euphorbia peplus, Euphorbia pulcherrima, Euphorbon, Europa, FDA, Fluorouracil, Forschung, Forschungen, Frassschutz, Garten-Wolfsmilch, Gel, Gesicht, Gesundheitsberufe, Gewebszerstörung, Giftpflanzen, Grossbrittanien, Gummibaum, Haut, Hautkrebs, Heilkräuterkurse, Heilmittel, Heilpflanzen-Seminar, Hevea brasiliensis, Imiquimod, Ingenol, Ingenol-Mebutat, Inhaltsstoffe, Januar, Karzinom, Kassava, Kautschukbaum, Keratose, Klinik, Konzentration, Kopfhaut, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Krebs, Krebsdiagnosen, Krebssform, Kukuinussöl, Kyrochirurgie, Läsionen, Lateinamerika, Latex, Lichtnussbaum, Lichttherapie, Mandioka, Manihot, Maniok, Medikament, Milchsaft, Narbe, Narbenbildung, Naturheilkunde, Palliative Care, Pflanze, Pflanzensaft, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie-Ausbildung, Placebo, Plattenepithelkarzinom, Poinsettie, Portland, Präkanzerose, Präparat, Psychiatrische Klinik, Reizwirkung, Ricinus, Ricinus communis, Risiko, Rizinus, Rizinusöl, Samen, Schleimhäute, Schmerzen, Schweiz, Selbstversuch, Selbstversuche, Spinaliom, Spinalzellkarzinom, Spital, Spitex, Studie, Studien, Therapie, Triterpenester, Trivialnamen, Tumor, UV. Hautstellen, von, Weihnachtsstern, weisser hautkrebs, Weiterbildung, Wikipedia, Winterthur, Wirkstoff, Wirkung, Wolfsmilch, Wolfsmilchgewächse, Wunderbaum, Wundverschluss, Yuca, Zürich
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Dienstag, Februar 28th, 2012
Glucosamin ist Bestandteil von Medikamenten gegen Arthrose und es wird auch verkauft als Nahrungsergänzung sowohl in den Gesundheitsabteilungen von Grossverteilern wie COOP und Migros als auch von einschlägigen Firmen wie Burgerstein.
Die Wirksamkeit von Glucosamin ist sehr fraglich und die Einnahme in manchen Fällen mit gewissen Risiken verbunden. Im Gegensatz zu den meisten Medikamenten müssen Nahrungsergänzungsmittel ihre Wirksamkeit nicht belegen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt nun, dass Glucosamin in Nahrungsergänzungsmitteln riskant sei für Patienten, die Cumarin-Antikoagulanzien einnehmen (z. B. Phenprocoumon, Präp. Marcoumar).
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit bestätigt die Risikobewertung des BfR.
Nahrungsergänzungsmittel mit dem Inhaltsstoff Glucosamin werden mit verschiedenen gesundheitsbezogenen Angaben („Health Claims“) propagiert. So sollen die Präparate nach Angaben der Hersteller zum Beispiel zur Erhaltung der Beweglichkeit der Gelenke beitragen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat darauf hingewiesen, dass Glucosamin-Präparate für Menschen, die Cumarin-Antikoagulanzien zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen müssen, gesundheitliche Risiken bergen.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigte diese Einschätzung des BfR nun. „Glucosamin-haltige Nahrungsergänzungsmittel bergen auch für Patienten, die Cumarin-Antikoagulanzien einnehmen, ein Gesundheitsrisiko“, erklärt der Präsident des BfR, Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Glucosamin kann die blutgerinnungshemmende Wirkung der Medikamente verstärken und zu Blutungen führen.“
Glucosamin ist ein Aminozucker, der als Medikament bei Arthrosen im Knie verwendet wird. In Mengen, die unterhalb der pharmakologischen Wirkung liegen, wird Glucosamin zudem in Nahrungsergänzungsmitteln verkauft. Nahrungsergänzungsmittel sind gesehen Lebensmittel. Schon in den Jahren 2007 und 2010 hatte das BfR auf das gesundheitliche Risiko hingewiesen, das mit Glucosamin-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln verbunden ist. In seinen Stellungnahmen benannte das BfR Patienten, die Cumarin-Antikoagulanzien zur Hemmung der Blutgerinnung einnehmen als Risikogruppe.
Die EFSA hat sich erneut mit dem Risiko von Glucosamin als Lebensmittelinhaltsstoff befasst und kürzlich die Einschätzung des BfR bestätigt: Die Behörde gelangte übereinstimmend mit der Bewertung des BfR, zum Fazit, dass Belege für das Risiko von Wechselwirkungen zwischen Glucosamin und Cumarin-Antikoagulanzien vorliegen. Glucosamin kann zu einer Verstärkung der blutgerinnungshemmenden Wirkung der Cumarin-Antikoagulanzien führen, d.h. diese kann unversehens stärker als erwartet ausfallen. Eine mögliche Konsequenz aus dieser Wechselwirkung ist das Auftreten von Blutungen. In den meisten der berichteten Fälle handelte es sich um symptomlose Veränderungen von Laborwerten. In einigen Fällen kam es aber zu Blutungen in verschiedenen Organen. In einem Fall sogar mit der Folge einer schweren Hirnblutung.
Die EFSA hatte sich zudem in den vergangenen Jahren mit den Wirksamkeitsbehauptungen von Glucosamin nach der sogenannten Health-Claims-Verordnung der EU befasst. In den bisher publizierten Gutachten zu mehreren eingereichten gesundheitsbezogenen Angaben für Glucosamin als Lebensmittelinhaltsstoff hat die Behörde festgestellt, dass keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit im Hinblick auf die gesunde Allgemeinbevölkerung vorgelegt wurden. Mit irreführenden Angaben dürfen jedoch Lebensmittel gemäss den deutschen und europäischen Rechtsvorschriften nicht vertrieben werden.
Quelle:
http://idw-online.de/pages/de/news464773
Kommentar & Ergänzung:
Firmen wie COOP, Migros und Burgerstein machen gute Geschäfte mit Produkten, die höchstwahrscheinlich die damit verbundenen Versprechungen nicht halten und möglicherweise sogar ein Risiko bergen.
Als Hintergrund-Info hier ein paar Auszüge zum Glucosamin aus Wikipedia.
- Zur Verwendung von Glucosamin:
„Glucosamin ist ein Aminozucker, der im menschlichen Körper natürlich vorkommt. Er ist Bestandteil des Bindegewebes, des Knorpels und der Gelenkflüssigkeit. Es werden auf dem Markt zahlreiche Glucosaminpräparate als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Dem Nahrungsergänzungsmittel liegt die Vorstellung zugrunde, dass das zugeführte Glucosamin in den Knorpel „eingebaut“ wird. In vitro (d. h. außerhalb eines lebenden Organismus) weist Glucosamin eine antiinflammatorische Wirkung auf. Oral wird Glucosamin üblicherweise in Dosierungen von 700–1250 mg pro Tag eingesetzt. Häufig wird Glucosamin kombiniert mit Chondroitin. Chondroitin oral eingenommen ist aber nicht bioverfügbar, sondern wird im Verdauungsprozess größtenteils in Glucosamin und Glucoronsäure umgewandelt.“
(Quelle: Wikipedia)
- Zur Wirksamkeit von Glucosamin als Knorpelschutz bei Arthrose:
„Glucosaminpräparate werden mit dem Wirkungsversprechen angeboten, die Gelenke zu schützen und die Beweglichkeit zu erhalten. Weiter werden sie als Nahrungsergänzungsmittel empfohlen bei degenerativen Erkrankungen (Arthrosen), zur Verbesserung der Symptome bei Osteoarthritis, Gelenkschmerzen, eingeschränkter Gelenksfunktion oder z. B. zum Gelenksaufbau bzw. als Baustein für Knorpel und Gelenke.
Diverse Studien stellten einen knorpelschützenden Effekt fest. Eine schmerzlindernde Wirkung konnte nicht bewiesen werden: Eine von den National Institutes of Health (NIH) der USA initiierte multizentrische, placebokontrollierte, sechs Monate dauernde Blindstudie zur Wirksamkeit von Chondroitin und Glucosamin bei Arthrose des Knies ergab keinen statistisch signifikanten Effekt auf die Symptome der Arthrose bei Patienten mit leichteren Schmerzen. Gelenkschwellungen wurden gemindert. Behandlungseffekte wurden in einer Untergruppe der Patienten mit mittelschweren bis schweren Schmerzen festgestellt, jedoch war die Aussagekraft aufgrund der kleinen Patientenzahl in dieser Untergruppe nicht stichhaltig. Das Ergebnis jüngerer Metastudien war, dass Chondroitinsulfat in Kombination mit Glucosamin die schmerzhafte Symptomatik einer Knie- oder Hüftarthrose gegenüber Placebo nicht besserte und keinen Einfluss auf den Gelenkspalt hatte.“
(Quelle: Wikipedia)
- Zur Sicherheit von Glucosamin:
„ In den üblichen oralen Dosierungen bis 1250 mg pro Tag ist Glucosamin gut verträglich. In klinischen Studien wurden in diesem Dosisbereich keine schwerwiegenden Nebenwirkungen festgestellt. Wegen fehlender Daten ist die gesundheitliche Bewertung der Zufuhr von Glucosamin bei schwangeren Frauen oder stillenden Frauen und bei Kindern oder Jugendlichen nicht möglich. Bei diesen Personengruppen besteht daher Anlass zur Vorsicht (BfR, 2007). Bei Personen, die Cumarin-Antikoagulantien als Blutgerinnungshemmer einnehmen, besteht durch die verstärkende Wirkung von Glucosamin auf das Medikament die Möglichkeit von auftretenden Blutungen (BfR, 2010). Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat sich mit dem Risiko von Glucosamin als Lebensmittelinhaltsstoff im Zusammenhang mit der Verwendung von Cumarin erneut beschäftigt und vor kurzem die Einschätzung des BfR bestätigt.“
(Quelle: Wikipedia)
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Sonntag, Februar 19th, 2012
Regelmäßiger Konsum von Schwarztee scheint eine gute Wirkung auf die Gesundheit zu haben. Australische Wissenschaftler stellten in einer kontrollierten Studie fest: Drei Tassen Schwarztee pro Tag wirken günstig auf den Blutdruck.
In vorangehenden Studien konnte Schwarztee als Blutdrucksenker nicht überzeugen. Vielleicht waren diese Studien zu klein oder von zu kurzer Dauer, vermutet ein Wissenschaftlerteam um Dr. Jonathan M. Hodgson aus Perth. Seine Gruppe hat darum eine neue Studie zu diesem Thema durchgeführt (Arch Intern Med 2012; 176: 186).
Zu diesem Zweck wurden 95 Testpersonen im Alter zwischen 35 und 75 Jahren ausgewählt, deren 24-Stunden-Blutdruckwerte weitgehend normal waren. Nach einer vierwöchigen Run-in-Phase, in der alle Probanden drei Tassen Scharztee pro Tag tranken, aufgebrüht aus Teeblättern, erfolgte die Randomisierung ( = Zufallsverteilung auf Placebo- oder Schwarztee-Gruppe): Die Hälfte der Probanden trank weiterhin täglich drei Tassen Schwarztee (1493 mg pulverisierte Teefeststoffe, darin enthalten 429 mg Polyphenole und 96 mg Koffein), die andere Hälfte erhielt täglich drei Tassen eines im Geschmack und Koffeingehalt vergleichbaren Getränks (Placebo).
Verglichen mit der Placebogruppe war der systolische 24-Stunden-Blutdruckwert in der Schwarzteegruppe nach drei Monaten um 2,7 mmHg und nach sechs Monaten um 2,0 mmHg tiefer. Beim diastolischen Wert betrug die entsprechende Differenz 2,3 mmHg und 2,1 mmHg.
Auf Bevölkerungsebene wären diese Unterschiede mit einer Verminderung von kardiovaskulären Erkrankungen um 7 bis 10 Prozent assoziiert, schreiben die Wissenschaftler.
Quellen:
http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/article/802449/hoch-tassen-schwarzer-tee-laesst-blutdruck-sinken.html?sh=163&h=-1654632450
http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/extract/172/2/186
Kommentar & Ergänzung:
Gross scheint mir der Unterschied in den Blutdruckwerten nicht gerade und es muss auch klar festgehalten werden, dass es sich bei den Probanden um gesunde Personen gehandelt hat, nicht um Patienten mit Bluthochdruck.
Eine Empfehlung für die Behandlung von Hochdruck-Patienten mit Schwarztee lässt sich aus dieser Studie also nicht ableiten.
Aber immerhin: Während Grüntee intensiv untersucht und als gesund propagiert wird, blieb der Schwarztee in dieser Hinsicht eher im Hintergrund. Seit einiger Zeit scheint der Schwarztee quasi aufzuholen. Wer Schwarztee gern hat, muss aus gesundheitlichen Gründen wohl nicht auf Grüntee umsteigen.
Die Wissenschaftler aus Perth vermuten, dass der Schwarztee hauptsächlich auf die Gefäßwände wirkt. Aus den Gefäßwänden werden Faktoren ausgeschüttet, welche die Muskeln erschlaffen lassen und dadurch die Blutgefäße weit stellen. Dadurch wird der Blutdruck reduziert. Schon in vorhergehenden Studien konnten die Forscher darlegen, dass Flavonoide aus dem Schwarztee diese Faktoren günstig beeinflussen.
Siehe auch:
Grüntee oder Schwarztee?
Pflanzenheilkunde: Schwarztee bei 7-minütigem Ziehenlassen am gesündestens
Eine leichte Blutdrucksenkung scheint auch der Karkadetee (Hibiscus sabdariffa) zu bewirken:
Karkadetee senkt systolischen Blutdruck
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Freitag, Januar 6th, 2012
Wir Menschen neigen dazu, zeitlich zusammen fallende Ereignisse in einen ursächlichen Zusammenhang zu stellen, der gar nicht vorhanden sein muss.
Man nennt dies etwas umständlich den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlsschluss“.
Zu diesem Fehlschluss neigen wir häufig auch bei der Beurteilung von Heilwirkungen:
Ich leide an Krankheit Z
Ich nehme Präparat XY
Mir geht es besser
Schlussfolgerung: XY ist wirksam gegen Krankheit Z
Alle anderen Einflüsse, die zu meiner Gesundung beigetragen haben könnten, werden mit diesem Kurzschluss ausgeklammert (besipielsweise Selbstheilungskräfte, Veränderungen in den Lebensumständen, andere therapeutische Massnahmen, Placebo-Effekte).
Und genauso gibt es den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ bezüglich unerwünschter Nebenwirkungen:
Ich nehme Arzneimittel X
Ich bekomme Beschwerden Z
Schlussfolgerung: Arzneimittel X ist Auslöser der Beschwerden Z
Alle anderen Einflüsse, die zu den Beschwerden Z geführt haben könnten, werden ausgeklammert (beispielsweise andere Medikamente, Veränderungen in den Lebensumständen, Infektionen, Nocebo-Effekte).
Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist der wichtigste Grund dafür, dass die Beurteilung von Heilwirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln so komplex ist, und dafür, dass einzelne Erfahrungen in dieser Hinsicht meistens wenig aussagen. Vor allem in der Komplementärmedizin hört man oft das Schlagwort „Wer heilt hat Recht!“. Dass die Realität nicht so simpel ist, dafür sorgt der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“. Wer heilt hat nämlich nur Recht, wenn das entsprechende Heilmittel tatsächlich für die Besserung oder Heilung verantwortlich ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Komplementärmedizin.
Es gilt für synthetische Medikamente, Phytotherapeutika, Präparate aus Homöopathie oder Anthroposophischer Medizin etc.
Siehe auch:
Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?
Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist ein starkes Argument für das Bestreben, Wirkungen von Arzneimitteln mittels systematischeren Untersuchungen zu klären, zum Beispiel in Form von Doppelblind-Studien.
Aber selbst Doppelblind-Studien können zu unterschiedlichen und widersprüchlichen Resultaten kommen.
Daher fasst man dann mehrere Doppelblind-Studien zu einer Metastudie zusammen, um auf diese Art und Weise fundiertere Schlüsse ziehen zu können. Das macht zum Beispiel die renommierte Cochrane Collaboration.
Aber selbst Metastudien können sich widersprechen….
zum Beispiel weil die Studien, welche man zur Auswertung in eine Metastudie einschliesst, mittels unterschiedlicher Kriterien ausgewählt wurden.
So müssen wir wohl oder übel auf die endgültige und umfassende Gewissheit in den allermeisten Fällen verzichten, denn die Beurteilung von therapeutischen Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen ist eben sehr komplex. Was uns aber nicht davon abhalten sollte, nach vorläufiger und notgedrungen bruchstückhafter Erkenntnis zu streben. Suchen ist manchmal wichtiger als Finden.
Keine kritischen Fragen stellen und jede Behauptung und Heilungsversprechung unbesehen für bare Münze zu nehmen ist jedenfalls keine Alternative.
Entscheidend scheint mir dabei ein sorgfältiger Umgang mit dem Begriff „Erfahrung“.
Siehe dazu:
Naturheilkunde – vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung
Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung
Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, Dezember 14th, 2011
Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird als Trockenextrakt bei leichten und mittleren Depressionen eingesetzt.
Johanniskraut-Extrakte zeigen aber auch Wechselwirkungen (Interaktionen) mit anderen Medikamenten.
Johanniskraut aktiviert Enzyme in der Leber (CYP3A4 und P-Glykoprotein), die Fremdstoffe abbauen.
Das kann Probleme geben bei Medikamenten, die durch CYP3A4 abgebaut werden. Deren Spiegel sinken rascher, wodurch sich die Wirksamkeit abschwächt.
Pharmawiki hat die betroffenen Medikamente gut zusammengestellt:
„Absolute Kontraindikationen:
Immunsuppressiva (z.B. Ciclosporin, Tacrolimus oder Sirolimus),
anti-retrovirale HIV-Arzneimittel aus der Gruppe der Non-Nucleosid-Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (z.B. Nevirapin) und HIV-Proteasehemmer (z.B. Indinavir),
gewisse Zytostatika (z.B. Imatinib, Irinotecan),
orale Antikoagulantien vom Cumarintyp
Relative Kontraindikationen:
Digoxin
Hormonale Kontrazeptiva
Methadon
Statine, Midazolam, Steroidhormone“
Ausserdem gibt es bei folgenden Medikamenten die Gefahr eines Serotoninsyndroms:
Antidepressiva und andere serotoninerge Substanzen (wie Buspiron, Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin u.a.).
Quelle:
http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Johanniskraut
Kommentar & Ergänzung:
In der Öffentlichkeit bekannt sind vor allem die Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut und der „Pille“.
Dass es darüber hinaus noch eine ganze Reihe von Medikamenten gibt, die ebenfalls von dieser Interaktion betroffen sind, ist viel weniger bekannt.
Wer Medikamente verschrieben bekommt, sollte daher den behandelnden Arzt / die behandelnde Ärztin darüber informieren, wenn er oder sie Johanniskraut einnimmt.
Zu erwähnen ist allerdings noch:
- Das Problem mit diesen Interaktionen ist nicht bei allen Medikamenten klinisch gleich einschneidend. Das drückt sich auch aus in der Unterscheidung zwischen „Absoluten Kontraindikationen“ und „Relativen Kontraindikationen“.
- Für die Interaktion via CYP3A4 ist nach heutigem Kenntnisstand höchst wahrscheinlich der Inhaltsstoff Hyperforin verantwortlich. Es gibt Johanniskraut-Präparate mit unterschiedlichem Hyperforin-Gehalt. Präparate mit tiefem Hyperforingehalt sind folglich weniger betroffen von möglichen Interaktionen als solche mit hohem Hyperforin-Gehalt.
- Mit diesen Interaktionen muss vor allem gerechnet werden bei Johanniskraut-Extrakten. Bei der Anwendung von Johanniskrauttee über 14 Tage wurden keine Interaktionen festgestellt. Das schreibt Reinhard Länger:
„Zubereitungen, mit denen weniger als 1 mg Hyperforin pro Tag aufgenommen wird (zum Beispiel Johanniskrauttee), induzierten über 2 Wochen nicht die genannten Enzyme. Leider liegen bislang keine längeren Interaktionsstudien vor. Wenn die Einnahmedauer auf 2 Wochen beschränkt wird, sind daher keine Interaktionen zu erwarten. Bei längerer Einnahme sind alle genannten Gegenanzeigen und Warnhinweise zu beachten.“
(Quelle: PHYTOTherapie Austria 4 / 2010)
Allerdings geht man aufgrund von Erfahrungen aus klinischen Studien davon aus, dass die Johanniskraut-Wirkung nicht sofort eintritt, sondern erst nach etwa zwei Wochen den Placebo-Effekt übertrifft.
Belegt ist zudem die Wirkung von Johanniskraut bei Depressionen nur mit Johanniskraut-Extrakten, nicht aber mit Johanniskrauttee oder Johanniskrauttinktur.
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, Dezember 7th, 2011
Silymarin ist ein Flavonoid-Gemisch aus den Früchten der Mariendistel (Silybum marianum), die hierzulande eher als Leberschutz-Präparat bekannt ist. Jetzt sind koreanische Wissenschaftler bei diesem Mariendistel-Wirkstoff auf eine Wirksamkeit gegen Grippe-Viren gestoßen, was angesichts der zunehmenden Resistenz von Grippeviren gegen die herkömmlichen antiviralen Medikamente in Zukunft von großem Interesse sein könnte.
Die Forscher haben tierische Zellen mit H1N1 Grippe-Viren infiziert und die Wirkung des Silymarins beobachtet. Anhand von Mikroskop-Bildern wurden die morphologischen Veränderungen nach Behandlung mit Silymarin, einem konventionellen Standardpräparat (Oseltamivir, = Tamiflu) und mit der Leerkontrolle verglichen. Dabei zeigte sich, dass bei hohen Konzentrationen Silymarin ungefähr doppelt so effektiv war wie die Standardarznei Oseltamivir. Gleichzeitig erwiesen sich diese hohen Silymarin-Konzentrationen für die tierischen Zellen als ungefährlich. Die Analyse der Genaktivität zeigte, dass das Ablesen der Virengene durch Silymarin verhindert wurde, so dass sich die Viren nicht vermehren konnten.
Quellen:
http://www.carstens-stiftung.de/artikel/silymarin-einmal-anders.html
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21377857
Kommentar & Ergänzung:
Silymarin bzw. dessen Bestandteil Silibinin wird auch bezüglicher einer möglichen Wirkung auf andere Viruserkrankungen erforscht, vor allem Hepatitis C.
Siehe:
Mariendistel hat auch antivirale Wirkung
Silibinin aus Mariendistel unterstützt Standardtherapie bei chronischer Hepatitis
Von daher ist es schon interessant, ob auch bei Grippe ein günstiger Effekt zu erwarten ist, und wie dieser allenfalls zustande kommt.
Wie immer bei Laboruntersuchungen muss aber erwähnt werden, dass sich solche Wirkungen nicht direkt auf den Menschen übertragen lassen. Ob Grippe-Patienten von Silymarin profitieren, lässt sich nur an Grippe-Patienten feststellen, und nicht an tierischen Zellen. Entscheidend ist auch nicht, ob ein Wirkstoff im Labor Influenzaviren in isolierten Zellen hemmt, sondern ob er bei Grippepatienten vor schweren Komplikationen wie Lungenentzündung schützt. In dieser Hinsicht ist allerdings auch Oseltamivir / Tamiflu bisher nicht überzeugend.
Siehe: Tamiflu nicht wirksamer als Placebo
Für Silymarin spricht, dass dieser Mariendistel-Wirkstoff ausgesprochen gut verträglich ist und dass es daher realisierbar erscheint, ihn auch in hoher Konzentration dem lebenden Organismus zuzuführen.
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Donnerstag, November 17th, 2011
Eine Studie bei Rheumapatienten widerlegt das Gerücht, wonach die Homöopathie nicht in kontrollierten klinischen Studien überprüfbar sei. Und sie zeigt, dass Homöopathie sowohl wirkt als auch nicht wirkt.
Wissenschaftler aus Großbritannien haben sich jedenfalls alle Mühe gegeben, um ein Studiendesign zu entwerfen, welches der Tatsache Rechnung trägt, dass sich Homöopathie und Medizin in mehr unterscheiden als nur in der Verabreichung von homöopathisch zubereiteten Arzneimitteln.
Ein oft gehörter Einwand gegen die wissenschaftliche Überprüfung der Homöopathie lautet: Homöopathie und Schulmedizin seien von ihrem ganzen Ansatz her so verschieden, dass sie in einer randomisiert-kontrollierten Doppelblind-Studie gar nicht sinnvoll verglichen werden können. Die Rheumatologin Dr. Sarah Brien von der Complementary and Integrated Medicine Research Unit am Aldermoor Health Centre in Southamptom hat deshalb ausdrücklich versucht, diesen populären Einwand zu berücksichtigen. In einer randomisierten und bei der Medikation doppelt verblindeten und placebokontrollierten Studie bei Patienten mit stabiler, konventionell medikamentös eingestellter rheumatoider Arthritis untersuchte sie, ob die Homöopathie wirkt und wenn ja weshalb. Die Resultate sind nachzulesen in der Zeitschrift Rheumatology (2010/11/08), wo sie sogar im Volltext abrufbar sind.
Sarah Brien hat zunächst einmal den Einwand berücksichtigt, dass der ganze homöopathische Versorgungsprozess irgendwie besonders sei. Sie bildete daher zwei Gruppen, eine in der die Patienten konventionell medizinisch beraten wurden und eine, in der eine bekanntlich aufwändigere homöopathische Beratung beziehungsweise Anamnese und Befunderhebung durchgeführt wurde.
Die Patienten in der Gruppe mit schulmedizinischer Beratung wurden dann weiter randomisiert (= per Zufall in Gruppen aufgeteilt):
Sie bekamen entweder
- die von dem Homöopathen empfohlene homöopathische Komplextherapie,
- oder ein Placebopräparat in identischer Aufmachung.
In der Gruppe, in der homöopathisch beraten wurde, wurden die Patienten bei der Medikation sogar in drei Gruppen randomisiert, nämlich
- Placebo,
- Komplexbehandlung oder
- individuelle homöopathische Zubereitung.
Die ausgewählten primären Endpunkte der Studie ( = das erstrangige Ziel der Studie) entsprachen denen der klassischen Rheumatologie:
eine mindestens 20prozentige Verbesserung des Abschneidens beim Standardscore ACR und eine Verbesserung der globalen Selbsteinschätzung des Patienten auf Monatsbasis.
Sekundäre Endpunkte der Studie waren verschiedene Schmerz- und Gelenksparameter, von denen bekannt ist, dass sie Aussagen zur Lebensqualität des Patienten ermöglichen.
Resultat:
Zwischen den insgesamt fünf Gruppen gab es hinsichtlich der primären Endpunkte keine statistisch signifikanten Unterschiede.
Bei den sekundären Endpunkten Schmerzempfinden, Zahl der geschwollenen Gelenke, Patientenselbsteinschätzung auf Wochenbasis und Stimmung zeigten sich dagegen jeweils signifikante Vorteile für jene Patienten, die homöopathisch beraten wurden im Vergleich zu jenen, die nur medizinisch beraten wurden.
Das interessante Ergebnis ist nun, dass es innerhalb der Beratungsgruppen jeweils keinerlei Unterschiede gab. Es war also egal, ob die Patienten Placebo, Komplexhomöopathie oder individuell zubereitete homöopathische Medikamente bekamen, solange sie nur vorher homöopathisch beraten wurden. Anders gesagt: Reden ist wirksam, Globuli sind es nicht.
Eine Schwäche der Studie besteht darin, dass sie vergleichsweise klein ist. Werden 83 Patienten auf fünf Gruppen verteilt, bleiben bei einer Dropout-Quote (= „Aussteiger-Quote“) von immerhin 30 Prozent nur noch rund zwei Handvoll Teilnehmende pro Gruppe übrig. Der fast durchgängige und statistisch signifikante Effekt zugunsten der homöopathischen Beratung bei den (prädefinierten) sekundären Endpunkten weist allerdings darauf hin, dass die Studie für das, was sie zeigen wollte, nicht dramatisch zu klein war.
Im Editorial zu der Studie stellt Edzard Ernst die Frage: Have we lost core medical values? Prof. Edzard Ernst ist Inhaber des Lehrstuhls für Komplementärmedizin an der Universität Exeter. Er unterstreicht im Einklang mit der Studienleiterin Sarah Brien, dass es die therapeutische Beziehung zwischen homöopathisch tätigem Arzt und Patient zu sein scheine, die den Unterschied mache, nicht die homöopathischen Globuli als solche. Offen bleibt natürlich die Frage, ob es etwas spezifisch Wirksames an einer homöopathischen Konsultation gibt, oder ob nicht eher generell eine intensivere Beziehung zwischen Arzt und Patient zu einem größeren Behandlungserfolg führt. Ernst zumindest neigt zu Letzterem.
Quelle:
http://news.doccheck.com/de/article/202282-homoeopathie-reden-hilft-globuli-nicht/
http://rheumatology.oxfordjournals.org/content/early/2010/11/08/rheumatology.keq234.full
Kommentar & Ergänzung:
Homöopathie erweist sich in verschiedenen Bereichen als wirksam. Das haben mehrere Studien gezeigt. Die Behandlungserfolge basieren aber nicht auf einer spezifischen Wirkung der Globuli. Auch dafür gibt es deutliche Belege.
Die Arbeit von Sarah Brien passt gut zu dieser Interpretation und stärkt sie.
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