Artikel mit Schlagwort ‘Phytotherapie’

[Buchtipp] Schmetterlinge und ihre Lebensräume Tagfalter und ihre Lebensräume, Band 1, Pro Natura – Schweizerischer Bund für Naturschutz

Donnerstag, August 26th, 2010

Verlagsbeschreibung

Das Leben der Schmetterlinge und ihre Entwicklung. Die Lebensräume. Der Rückgang der Schmetterlinge. Schutzmassnahmen.
Familien: Papilionidae (Ritter), Pieridae (Weisslinge), Nymphalidae (Edelfalter), Satyridae (Augenfalter), Lycaenidae (Bläulinge).
Umfang: Über 1300 Farbbilder, über 600 Strichzeichnungen, 25 Farbtafeln, XI + 516 Seiten. Zum Shop

Kommentar:

Tagfalter und ihre Lebensräume

Dieses Meisterwerk von einem Buch beschreibt die Tagfalter der Schweiz und ihre Lebensräume fundiert, umfassend und detailliert. Es entstand in jahrelangem Teamwork durch die führenden Schmetterlingskundler der deutschen Schweiz, wobei Fach- und Hobby-Lepidopterologen zusammenarbeiteten (Lepidopterologen = Schmetterlingskundler).

Das Buch stellt alle Lebensphasen der Tagfalter mit ausgezeichneten Fotos und Texten vor: Eier, Raupen, Puppen, Falter.

Auch die Gefährdung der Schmetterlinge, die Ansprüche an ihre Lebensräume und die wichtigen Futterpflanzen werden ausführlich erläutert.

Wer auf Heilpflanzen-Exkursionen mit offenen Augen unterwegs ist, begegnet immer wieder faszinierenden Tagfaltern. Ist nun das Interesse geweckt, bietet dieses Buch eine Fülle von spannenden Informationen über diese Tiere.

Allerdings eignet sich „Tagfalter und ihre Lebensräume“ nicht so gut als Bestimmungsbuch im Gelände, weil es ziemlich gross und schwer ist. Am Schluss des Buches werden aber alle Tagfalter der Schweiz übersichtlich mit Farbtafeln vorgestellt. Farbkopien von diesen Seiten lassen sich gut als Bestimmungshilfe mit ins Freie nehmen, wobei aber dann die präzise Beschreibung der Tagfalter fehlt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde, Leiter von Heilpflanzen- und Naturkursen

Baldrian als verträgliche Schlafhilfe für Senioren bestätigt

Dienstag, August 24th, 2010

Weil die Menschen in Europa immer älter werden, bekommen Medikamente in ihrem Leben eine immer wichtigere Rolle. Wie wichtig, belegt die Statistik: In Deutschland nimmt jeder Kassenpatient über 60 Jahre im Durchschnitt drei Arzneimittel pro Tag ein! Das Problematische dabei: Zahlreiche dieser Medikamente sind ausgerechnet bei älteren Menschen mit Nebenwirkungen und sogar gefährlichen Risiken verbunden. Eine Arbeitsgruppe um die Wuppertaler Pharmakologin Prof. Dr. med. Petra A. Thürmann hat jetzt zum ersten Mal eine für Deutschland gültige Liste von Arzneistoffen erstellt, die bei älteren Menschen wenn möglich vermieden werden sollten.

Die soeben publizierte PRISCUS-Liste (Dtsch.Arztebl. Int. 2010; 107(31-32): 543-51, www.priscus.net) liest sich wie ein Katalog der am häufigsten verordneten synthetischen Medikamente. 83 Arzneimittel haben die an der Beurteilung mitwirkenden 38 Experten aus acht verschiedenen Fachrichtungen als für ältere Menschen „potentiell inadäquate Medikamente“(PIM) eingestuft. Dazu zählen die in Deutschland besonders oft verordneten Schlaf- und Beruhigungsmittel Benzodiazepine, Z-Substanzen, Chloralhydrat und Diphenhydramin. Sie gefährden die Alltagssicherheit und das Reaktionsvermögen und sind eine häufige Ursache von schweren Stürzen. Benzodiazepine beispielsweise steigern das Risiko von Knochenbrüchen bei älteren Patienten um 50 bis 110 Prozent! Gefürchtet sind jedoch auch ihre unerwünschten Wirkungen auf die Psyche: Sie reichen von paradoxen Reaktionen wie Unruhe und Reizbarkeit bis hin zu Depressionen und Psychosen.

Als eine der wenigen therapeutischen Alternativen, welche ohne unangemessene Risiken auch bei älteren Patienten angewendet werden können, nennt die PRISCUS-Liste pflanzliche Arzneimittel mit Baldrian. Die beruhigende und Schlaf anstoßende Wirkung von Baldrian-Extrakten ist in randomisierten und kontrollierten wissenschaftlichen Studien gut dokumentiert. In keiner dieser Untersuchungen zeigte sich ein Hinweis auf eine Verschlechterung der Konzentration, der Reaktionsgeschwindigkeit, der Wahrnehmung oder der Wachheit. Eine Erhöhung der Sturzgefahr muss nach Einnahme von Baldrian-Extrakten ebenfalls nicht befürchtet werden. Weil Baldrian-Extrakt den Schlafrhythmus nicht störet und nicht abhängig machen, können diese Heilpflanzen-Präparate im Gegensatz zu Benzodiazepinen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Quelle:

www.phytotherapie-komitee.de    KFN 14/2010 – 19.08.2010

Kommentar & Ergänzung:

Die erhöhte Sturzgefahr bei älteren Menschen durch Schlafmittel oder Beruhigungsmittel sind ein ernsthaftes Problem. Heilpflanzen-Präparate auf der Basis von Baldrian-Extrakt, eventuell in Kombination mit Hopfen-Extrakt, Melissen-Extrakt oder Passionsblumen-Extrakt,  sind in vielen Fällen eine sichere und empfehlenswerte Alternative.

Zu beachten ist dabei aber:

Um das Potenzial von Baldrian optimal zu nutzen, scheint die Einnahme über längere Zeit sinnvoll zu sein, darauf deuten jedenfalls klinische Studien hin.

Die Qualität der Baldrian-Zubereitungen ist sehr unterschiedlich. Gut mit Patienten-Studien belegt sind die beruhigenden und schlafanstossenden Wirkungen nur für eine kleine Zahl von Baldrian-Präparaten auf der Grundlage von Trockenextrakten.

Baldriantinktur muss ausreichend stark dosiert werden. Die Dosierung ist abhängig von der Herstellungsweise der jeweiligen Tinktur: Frischpflanzentinkturen zum Beispiel enthalten in der Regel geringere Wirkstoffmengen als Tinkturen nach Arzneibuch aus getrockneten Baldrianwurzeln und müssen daher höher dosiert werden. Für die heute oft propagierten Tiefstdosierungen von zum Beispiel 3 mal täglich 3 – 5 Tropfen Baldriantinktur gibt es keinerlei Hinweise auf eine Wirkung, die über Placebo hinaus geht. Diese Tiefstdosierungs-Empfehlungen gehen zurück auf einen Hersteller von Pflanzentinkturen, der seine Produkte für 10mal wirksamer hält als vergleichbare Produkte der Konkurrenz. Sieht nach Selbstüberschätzung aus.

Es gibt jedenfalls meines Erachtens keine auch nur ansatzweise überzeugenden Argumente für die Richtigkeit dieser Behauptung und damit für die Tiefstdosierungen. Konsumentinnen und Konsumenten sollten daher wachsam und kritisch bleiben, damit sie nicht Naturheilmittel mit stolzem Preis aber fragwürdiger Qualität kaufen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/


Esoterikfreie Pflanzenheilkunde – warum?

Montag, August 23rd, 2010

Mein Phytotherapie-Lehrgang, meine Heilpflanzenkurse und Kräuterexkursionen sind esoterikfrei.

Sie bieten statt dessen Gelegenheit für eine differenzierte und anregende Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen der Heilpflanzen und sie fördern auf vielfältige Weise Kontakt und Beziehung zur Pflanzenwelt und überhaupt zur Natur.

In letzter Zeit werde ich von Leuten, die sich für Heilpflanzenkurse interessieren, zunehmend skeptisch gefragt, ob diese nicht „esoterisch“ seien.  Auf genauere Nachfrage hin stellt sich dann jeweils heraus,  dass sie schon mehrfach mit ziemlich abgehobenen bis sektiererischen Ideen über Heilpflanzen konfrontiert wurden und einfach die Nase voll haben von esoterischem Firlevanz.

Darum möchte ich hier einmal quasi offiziell den Status „esoterikfrei“ für meine Kurse festhalten und auch begründen, weshalb ich eine esoterikfreie Pflanzenheilkunde wichtig finde.

Die Aufladung der Pflanzenheilkunde mit esoterischen Vorstellungen entspricht einem gegenwärtigen Zeitgeist. Diesem Trend stehe ich skeptisch gegenüber aufgrund meiner inzwischen über 25jährigen Erfahrung als Ausbildner im Umfeld von Naturheilkunde / Phytotherapie / Komplementärmedizin.

Blinde Gläubigkeit

Mir fällt im esoterisch geprägten Bereich der Pflanzenheilkunde eine weit verbreitete blinde Gläubigkeit auf. Es werden unzählige willkürliche Behauptungen und Heilungsversprechungen in den Raum gestellt und es fehlt fast vollständig an kritischer Reflexion und sorgfältiger Prüfung. Das geht meines Erachtens voll zulasten von Patientinnen und Patienten. Je absurder eine Behauptung, desto glaubwürdiger scheint sie oft zu sein.

Mir ist dagegen wichtig, dass Lernende in meinen Kursen ermuntert und befähigt werden, Aussagen über Wirkungen der Heilpflanzen kritisch zu prüfen und sich eine fundierte eigene Meinung dazu zu bilden.

Gurutum, Dogmatismus und absolute Wahrheiten

Mir fällt im esoterisch geprägten Bereich der Pflanzenheilkunde zudem eine Neigung zu Gurutum, dogmatisierten Aussagen und absoluten Wahrheiten auf.

Mir ist dagegen wichtig, dass Lernende in meinen Kursen befähigt werden, auch mit Widersprüchen, Lücken und Ungewissheiten im Wissen über die Wirkungen der Heilpflanzen umzugehen. Ich sehe meine Lehrtätigkeit zwar nicht als Erziehung, gehe mit folgendem Zitat von George Bernhard Shaw (1856 – 1950) sonst aber einig:

„Freie Erziehung ist immer eine Erziehung zur Kontroverse, wer sein Fach nicht als widersprüchlich gelernt hat, beherrscht es nicht.“

Meines Erachtens muss man sich als Ausbildner in Frage stellen lassen, transparent machen, dass man nicht auf alle Fragen eine Antwort hat und die Quellen des eigenen Wissens offenlegen. Das sind Gegenmittel zur Vermeidung von Guruphänomenen und übersteigerten Idolbildungen.

Mich erschreckt zunehmend, wie viele Leute im Bereich der Komplementärmedizin in höchstem Masse angefüllt mit absolutem Wissen in der Gegend herum laufen und blind nachbeten, was ihnen in Ausbildungen und Kursen als endgültige Wahrheit verkauft wurde.

Alles Wissen ist meiner Ansicht nach unvollständig und vorläufig – auch das Wissen im Bereich Pflanzenheilkunde. Trotzdem gibt es aber brauchbares Wissen, das zu mindestens gegenwärtig als fundiert gelten darf.

„Es dürfte uns gut tun, uns manchmal daran zu erinnern, dass wir zwar in dem Wenigen, das wir wissen, sehr verschieden sein mögen, dass wir aber in unserer grenzenlosen Unwissenheit alle gleich sind.“

Karl R. Popper (1902 – 1994), Philosoph, Wissenschaftstheoretiker.

Nebulös-manipulative Begriffe

Mir fällt im esoterisch geprägten Bereich der Pflanzenheilkunde auf, dass immer wieder Begriffe verwendet werden, die zwar wohl tönend sind, aber weitgehend inhaltsleer bleiben: Das „Wesen“ der Pflanzen, Energien, Schwingungen….Solche Ausdrücke können mit Hunderten von verschiedenen Bedeutungen gefüllt werden. Wer solche Begriffe verwendet, müsste daher vorgängig genau transparent machen, welchen Sinn er oder sie damit verbindet. Unterbleibt diese Klärung, so reden die Beteiligten mit grosser Wahrscheinlichkeit aneinander vorbei, weil jede und jeder eigene Vorstellungen davon im Kopf hat. Die Verwendung solcher Begriffe bekommt dann einen manipulativen Charakter und lullt ein, indem ein besonderes, tiefes Geheimnis  vorgegaukelt wird.

Anthropozentrische Grundhaltung

Mir fällt im esoterisch geprägten Bereich der Pflanzenheilkunde auf, dass viele Heilpflanzen-Beschreibungen ausgesprochen anthropozentrisch daher kommen. Der Mensch steht im Mittelpunkt der „Veranstaltung“. Heilpflanzen haben das Bedürfnis uns zu heilen. Sie sagen uns durch ihre Form und Farbe, wozu sie für uns gut sind. Die Heilpflanzen, die zu uns in den Garten kommen, sind diejenigen, die wir gerade brauchen…..

Meiner Ansicht nach stehen wir Menschen nicht derart im Zentrum der „Veranstaltung Natur“, dass sich Heilpflanzen auf uns beziehen.

Trotzdem können wir sie mit dem nötigen Respekt zu Heilzwecken nutzen und auch eine Form der Beziehung zu ihnen pflegen (sie gern haben, schön finden, uns an ihnen freuen..).

Kontakt mit Kopfgeburten, statt mit realer Natur

Mir fällt an Kräuterexkursionen oft auf, wie kontakt- und beziehungslos sich Menschen in der Natur bewegen, die von Kopf bis Fuss mit esoterischen Ideen angefüllt sind. Sie sind eher im Kontakt mit ihren Vorstellungen – zum Beispiel von Pflanzendevas, Pflanzengeistern, Feen und Elfen – aber kaum mit der Pflanze als realem Gegenüber. Sie sind also eher mit sich selber in Kontakt, mit ihren Bedürfnissen und Projektionen, merken das aber kaum und meinen, sie seien in Kontakt mit der Natur. Meiner Ansicht nach verpassen sie damit etwas wesentliches.

Allmachtsphantasien & Machbarkeitsillusionen

Mir fallen im esoterisch geprägten Bereich von Pflanzenheilkunde und Komplementärmedizin oft massive Allmachtsphantasien und  Machbarkeitsillusionen auf.

Mit der richtigen Heilpflanze oder sonst einem richtigen Heilmittel können angeblich alle Krankheiten geheilt werden – meistens allerdings mit der Einschränkung: Sofern der Patient wirklich gesund werden will! Womit dann bei Misserfolg bequemerweise immer der Patient schuld ist……

Das sind einige der Erfahrungen und Beobachtungen, die mich zu einer deutlichen Distanzierung von esoterisch geprägten Formen der Pflanzenheilkunde  veranlassen.

Und wie schon erwähnt: Trotzdem oder vielleicht sogar gerade deswegen liegt mir viel daran, den lebendigen Kontakt zur Natur und zu den Heilpflanzen als einem realen Gegenüber zu fördern.  Auf dass wir sie gern haben, schön finden und mit Respekt nutzen können.

P.S.: Eine detailliertere, differenziertere und fundiertere Auseinandersetzung mit den beschriebenen „Esophänomenen“ finden Sie in diesem Blog in der Kategorie „Naturheilkunde-Debatte“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Kräuterexkursionen

www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

-

Kinderheilkunde: Heilpflanzen bei Hauterkrankungen

Samstag, August 21st, 2010

Eltern verlangen heute vermehrt nach natürlichen Alternativen in der Behandlung ihrer Kinder. Heilpflanzen-Präparate kommen diesem Bedürfnis entgegen. Prof. Karin Kraft hat sich in der Zeitschrift „ Kinderärztliche Praxis“ zur Anwendung von Heilpflanzen-Präparaten aus der Phytotherapie bei Hauterkrankungen geäussert:

„Häufige dermatologische Indikationsgebiete für Phytotherapie sind Windeldermatitis, Neurodermitis, Wunden und stumpfe Traumata, Infektion mit Herpes simplex und Insektenstiche.“

Für die einzelnen Bereiche gibt Prof. Kraft folgende Empfehlungen:

„Bei der Windeldermatitis werden Cremes, Salben und Sitzbäder mit Kamillenblütenextrakt, Eichenrindenextrakt sowie Extrakte aus Hamamelisblättern und -rinde empfohlen.“

„Für die Therapie der Neurodermitis eignet sich das linolensäurereiche Borretschsamenöl lokal wie oral, zudem Extrakte aus Hamamelisblättern und -rinde.“

„Schlecht heilende Wunden, Dekubitus und Schnitt-, Riss- und Quetschwunden können mit Ringelblumenextrakt behandelt werden. Für die Therapie von Hämatomen, Prellungen, Distorsionen, rheumatischen Muskel- und Gelenkschmerzen und Furunkulosen ist Arnikablütenextrakt empirisch gut wirksam. Beinwellextrakte eignen sich vor allem bei stumpfen Verletzungen. Es sollten hier nur Fertigarzneimittel verwendet werden, wegen des – allerdings geringen – Alkaloidgehaltes sollte die Anwendung nur auf intakter Haut und nicht bei kleinen Kindern und Schwangeren und stillenden Müttern stattfinden.“

„Bei Herpes labialis ist eine Verkürzung der Abheilzeit der Bläschen durch Melissenblätterextrakt, dessen virustatische Wirkung gut dokumentiert ist, beschrieben.“

„Schwellungen nach Insektenstichen lassen sich durch den Saft der Küchenzwiebel oder, direkt nach Stich, mit Spitzwegerichpresssaft behandeln.“

Quelle:

Kinderärztliche Praxis, Heft 05, 2008 Jahrgang 79

Rubrik: Fortbildung

Seite: 282-289

Autor: Prof. Dr. med. Karin Kraft

Kommentar & Ergänzung:

Das ist ein guter Überblick der wichtigsten Heilpflanzen-Anwendungen in der Dermatologie.

Prof. Dr. med. Karin Kraft ist Inhaberin des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Rostock und eine wichtige Vertreterin der universitären Phytotherapie im deutschsprachigen Raum.

Ergänzende Hinweise:

Bei Neurodermitis (Atopische dermatitis) gilt im Borretschsamenöl die Gamma-Linolensäure als wirksamer Inhaltsstoff. Die gleiche Substanz enthält auch das Nachtkerzenöl. Vom Nachtkerzenöl gibt es in der Schweiz Präparate, die in ihrer Wirksamkeit gut genug durch Studien belegt sind, dass sie von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahlt werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

Melissenextrakt wird in Salbenform gegen Herpes labialis („Fieberbläschen“) eingesetzt, wirkt aber wohl nur im frühen Stadium. Antivirale Wirksamkeit nützt nicht mehr viel, wenn die Virenvermehrung schon gelaufen ist. Es gibt – jedenfalls in der Schweiz -  zur Behandlung von Herpes labialis ausserdem Salben mit Salbei-Extrakt und Rhabarberwurzel-Extrakt.

Und natürlich gibt es noch viele weitere Anwendungsbereiche für Heilpflanzen in der Kinderheilkunde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

Mittwoch, August 18th, 2010

Die Entscheidung der Regierungskoalition, Zulassung und Verordnungsfähigkeit von Fertigarzneimitteln mit natürlichen oder synthetischen Cannabis-Wirkstoffen (Cannabinoiden) zu erleichtern, wird von der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. und der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V. unterstützt. „Es ist an der Zeit, Cannabis aus der Schmuddelecke zu holen“,erklärt der Göppinger Schmerzmediziner Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie und Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga.

Mit dem teilsynthetisch hergestellten Cannabinoid Dronabinol, das aus natürlichen Cannabinoiden gewonnen wird, haben die Schmerztherapeuten bei verschiedenen Schmerzerkrankungen gute Erfahrungen gemacht. Denn Dronabinol darf – im Gegensatz zum natürlichen Extrakt der Hanfpflanze – auch schon unter den geltenden gesetzlichen Regelungen produziert und ärztlich verordnet werden. Zum Einsatz kommt die Substanz zum Beispiel bei Schmerzen nach Polioerkrankungen oder Schmerzformen wie Fibromyalgie, die durch eine mangelhafte körpereigene Schmerzkontrolle ausgelöst werden. Auch spastische Schmerzen bei Multipler Sklerose können mit dem Hanfwirkstoff häufig besser behandelt werden als mit anderen Medikamenten. „Wenn Gesetzesänderungen dazu führen, dass Cannabinoide generell leichter erforscht, zugelassen und verordnet werden können, begrüßen wir dies, weil es neue Therapieoptionen eröffnet“, erklärt Müller-Schwefe.

Durch die geplante Gesetzesänderung soll aber auch eine Praxis legalisiert werden, welche Schmerztherapeuten und Palliativmediziner schon lange aus der Not heraus pflegen: Sie lagern für Notfälle starke Schmerzmittel (Opioide) ein, die Patienten zurückgegeben haben, weil sie diese nicht mehr brauchen. Denn es geschieht immer wieder, dass Schmerzmediziner Patienten am Wochenende notfallmäßig ein starkes Schmerzmittel verordnen müssen, die Apotheken jedoch keine vorrätig haben. „Wir freuen uns, dass die Politik nun endlich unsere Forderungen umsetzt und unser Vorgehen legalisiert“, sagt der Schmerzmediziner Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=31106

Kommentar & Ergänzung:

Ich gehe mal davon aus, dass die geschilderte Praxis, wonach in der Palliativmedizin Opioide quasi illegal für Notfälle gehortet werden müssen, in der Schweiz nicht vorkommt – und dass bei uns die notwendigen Medikamente zur verfügen stehen.

Dronobinol ist auch in der Schweiz ein Thema. Infos dazu hier:

Cannabis als Heilmittel zulassen!

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/09/21/cannabis-als-heilmittel-zulassen.html

Interessant in der Stellungnahme der Gesellschaft für Schmerztherapie ist der Hinweis auf Polio (Kinderlähmung) und Fibromyalgie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Deutschland: Verschreibung von Cannabis soll vereinfacht werden

Mittwoch, August 18th, 2010

In Deutschland sollen künftig Cannabis-Medikamente leichter auf Rezept zu erhalten sein. Nach FDP-Angaben haben die Koalitionsfraktionen grundsätzlich Einigung erzielt über eine entsprechende Änderung des Betäubungsmittelrechts. Die Gesetzesänderung solle ermöglichen, Cannabis-Medikamente in Deutschland herzustellen und für eine Behandlung zu verschreiben. Auch die Versorgung sterbender Menschen will die Koalition verbessern, um in der letzten Lebensphase deren Schmerzen zu lindern. Heime und Hospize dürften dann über Notfallvorräte an Betäubungsmitteln verfügen. «Damit stehen schwerstkranken Menschen jederzeit schmerzlindernde Mittel zur Verfügung», sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagfraktion, Ulrike Flach.

Bislang müssen Betroffene oft langwierig mit Behörden, Ärzten und Kassen um die Nutzung von Cannabis-Arznei kämpfen. Nach Auskunft der Arbeitsgemeinschaft «Cannabis als Medizin» (ACM) dürfen derzeit bundesweit nur 40 Patienten derartige Medikamente aus der Apotheke beziehen. Vor knapp zwei Jahren hatten Union, SPD und FDP im Bundestag noch gegen die erleichterte Verwendung von Cannabis in der Medizin votiert. Die Kritiker warnten damals hauptsächlich vor dem Suchtpotenzial und zweifelten am medizinischen Nutzen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=34892&Nachricht_Title=Nachrichten_Cannabis%3A+Verschreibung+wird+vereinfacht&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Ankündigung, doch ist bleibt im Moment noch offen, ob den Worten auch Taten folgen.

Die Entkriminalisierung der medizinischen Anwendung von Cannabis – zum Beispiel zu Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten unter Chemotherapie, gegen Appetitlosigkeit bei AIDS und Krebs, zur Linderung der Spastik bei Multiple Sklerose – ist überfällig.

Schwerkranken ein Heilmittel vorzuenthalten, das ihre Beschwerden lindert (und zudem sehr wenig kostet), ist unverantwortlich. Die Warnung vor dem „Suchtpotenzial“ als Gegenargument ist im Kontext medizinischer Anwendung sehr schwach. In der Medizin werden zahlreiche Substanzen als Arznei eingesetzt, deren Suchtpotenzial wesentlich klarer auf der Hand liegt als bei Cannabis. Im Rahmen der medizinischen Anwendung bei Schwerkranken kann dies meines Erachtens kein ernsthaftes Argument sein.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

[Buchtipp] Giftpflanzen, Ein Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen — von Dietrich Frohne, Hans Jürgen Pfänder, Hans Pfänder

Mittwoch, August 18th, 2010

Verlagsbeschreibung

Nach Arzneimitteln und Haushaltschemikalien nehmen Pflanzen oder Pflanzenteile bei Kindern den dritten Platz in der Statistiken der Giftinformationszentralen ein. Jedoch erst nach sicherer Identifizierung der betreffenden Pflanzen und richtiger Abschätzung ihrer “Giftigkeit” können wirksame Gegenmaßnahmen getroffen oder aber überflüssige therapeutische Eingriffe vermieden werden.

Seit ihrem ersten Erscheinen im Jahre 1982 sind die “Giftpflanzen” für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen zum unverzichtbaren Handbuch auf wissenschaftlicher Basis geworden. Neben Farbabbildungen von vermeintlich oder tatsächlich für Menschen und Tiere giftigen Pflanzen, werden Pflanzenbeschreibungen, eine Fruchtbestimmungstabelle, Blattmerkmale,  Baumsilhouetten sowie mikroskopische Merkmale zur Identifizierung herangezogen.

Um einen schnelleren Zugriff auf die Literatur zu ermöglichen, wurden sie den jeweiligen Kapiteln, Familien oder Pflanzen zugeordnet.

Für die Neuauflage wurden die neusten Erkenntnisse über die Toxizität von Pflanzen, die dafür verantwortlichen Inhaltsstoffen und mögliche Wirkmechanismen ausgewertet. 37 Pflanzenfamilien wurden neu aufgenommen, bei bereits vertretenen Familien kamen zahlreiche Arten hinzu. Stärkere Berücksichtigung von veterinärmedizinisch bedeutsamen Giftpflanzen. Zum Shop

Kommentar

Giftpflanzen

In den letzten Jahren sind Wildsalate und Wildgemüse zunehmend populärer geworden. Das kann eine Chance sein, mit der Pflanzenwelt stärker in Kontakt zu kommen und den Ablauf der Jahreszeiten bewusster zu erleben. Andererseits lässt sich aber immer wieder beobachten, dass Leute Wildsalate, Wildgemüse oder Heilpflanzen sammeln, die fast keine Ahnung haben von der Pflanzenwelt. Und oft fehlt gleichzeitig jedes Bewusstsein dafür, dass Pflanzen auch schaden könnten. Das Buch von Frohne / Pfändler stellt die in Mitteleuropa bedeutsamen Giftpflanzen fundiert vor, Wildpflanzen genauso wie Zier- und Gartenpflanzen. In detailscharfen Fotos werden die wichtigen Bestimmungsmerkmale der Giftpflanzen gezeigt, damit diese sicher erkannt werden können. Die Vergiftungserscheinungen werden präzis geschildert und auch die notwendigen therapeutischen Massnahmen. Eine Stärke dieses Buches liegt darin, dass die Autoren auf die Erfahrungen von Toxikologischen Informationszentren zurückgreifen. Sie wissen daher, welche Pflanzen in der Praxis wirklich zu Vergiftungsfällen geführt haben und bei welchen diese Gefahr eher theoretischer Natur ist. Der Verlag empfiehlt das Buch als „Handbuch für Apotheker, Ärzte, Toxikologen und Biologen“, doch dürften auch interessierte Laien davon profitieren, wenn für medizinische Fachausdrücke ein entsprechendes Wörterbuch zugezogen wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Leiter von Heilpflanzen- und Naturkursen

Anti-Aging mit Salbei?

Dienstag, August 17th, 2010

„Salbei: Hervorragende Anti-Aging-Substanz“, so titelt die österreichische Zeitung „Die Presse“.

Schauen wir uns doch einmal genauer an, was sich hinter diesem etwas gar  reisserischen Titel versteckt.

Hier zuerst eine bearbeitete Zusammenfassung und anschliessend einen Kommentar:

„Rosmarin, Thymian und Co bekämpfen freie Radikale und Entzündungen. Reichlicher und regelmäßiger Gebrauch ist aber Voraussetzung. Auch Tee und Olivenöl haben viele positive Wirkungen“, so beginnt der Text, und fährt dann fort:

„’Wie kann ein Mann sterben, der Salbei in seinem Garten hat?’, fragte sich einst Avicenna, einer der größten persischen Ärzte, um das Jahr 1000. Salbei ist in der Tat ein wahrer Gesundheitsstar unter den Gewürzen, weiß die heutige Wissenschaft, die immer mehr Pflanzen immer öfter mit modernen Methoden analysiert.“

„Salbei ist wirklich eine hervorragende Anti-Aging-Substanz“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Markus Metka. „Wahrscheinlich“, ergänzt der Präsident der Anti-Aging-Gesellschaft Österreichs, „liegt das Geheimnis der Langlebigkeit von Kretern nicht nur in Olivenöl, Fisch, Gemüse und Rotwein; die gesunden Wirkungen von Gewürzen wurden bisher viel zu wenig beachtet.“

Auch Schutz vor Krebs?

Neben Salbei sollen auch noch Rosmarin, Thymian und Knoblauch besonders wertvolle gesundheitliche Vorteile für uns Menschen aufweisen. Aber auch die meisten anderen Gewürze haben günstige Effekte. Die beruhen, grob gesagt, auf drei Wirkmechanismen: Ihre sekundären Pflanzeninhaltsstoffe sind antioxidativ, bekämpfen also schädliche freie Radikale, und wirken antientzündlich. Metka sagt dazu: „Erst in den letzten Jahren ist bewusst geworden, dass permanente stille, schleichende Entzündungen im Körper mit den Jahren fatale Folgen haben können, von Diabetes und Herzinfarkt über Schlaganfall bis zu Alzheimer und Krebs.“ Aus der antioxidativen und antiinflammatorischen (=entzündungshemmenden) Wirkung heraus folge auch ein Schutz vor Krebserkrankungen (Chemoprävention).

Antidiabetikum Oregano

Grundsätzlich sollen mehr oder weniger alle Gewürze diese dreifache Gesundheitswirkung aufweisen, die einen mehr, die anderen weniger, Salbei etwas viel mehr. Allerdings: „Mit einer Prise ist’s nicht getan, diese Menge ist medizinisch absolut wirkungslos. Erst der reichliche und regelmäßige Gebrauch von Gewürzen bringt einen Nutzen hinsichtlich Anti-Aging und Krankheitsvorbeugung“, hält Metka fest.

Zu den kraftvollen Gewürzen gehören auch Zimt und Oregano, „die sind quasi Antidiabetika und beeinflussen den Glukosestoffwechsel äußerst positiv.“ Aber auch indische Gewürze wie etwa Kurkuma zählen zur Kategorie „Würzmedizin“ (Kurkuma kann bis zu einem gewissen Grad Darmkrebs und Morbus Alzheimer vorbeugen).

Und beim Grüntee-Inhaltsstoff Epigallat kommt Metka fast ins Schwärmen: „Unglaublich antioxidativ, großartig antiinflammatorisch, stark in der Chemoprävention.“ Wobei – so der Fachmann – der Schwarztee „nicht schlecht ist“, der Grüne Tee „schon sehr gut“ und der Matcha (der hochwertigste Tee Japans, zu Pulver gemahlener Grüntee) „der absolute Star“ sei. Matcha soll in seiner antioxidativen und antientzündlichen Wirkung zehnmal stärker als der normale Grüntee sein. Matcha, in Japan traditionell für die Teezeremonie eingesetzt, sei wahrscheinlich einer der wesentlichen Gründe, weshalb die Japaner die höchste Lebenserwartung haben.

Olivenöl gegen Schmerzen

In der Riege der gesunden Pflanzen dürfe freilich die Olive, respektive das Olivenöl, nicht fehlen. „Sein Inhaltsstoff Hydroxityrosol bekämpft freie Radikale 100-mal stärker als etwa Vitamin C. Außerdem ist diese Substanz enorm entzündungshemmend, kann sogar als Schmerzmittel verwendet werden“, erklärt Metka. Allerdings könne das nur ein qualitativ wirklich hochwertiges Öl mit reichlich Polyphenolen. Woran jedoch erkennt man die gesundheitsfördernde Qualität?

„Eine neue Dimension in Bezug auf Qualität und gesundheitsfördernde sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe sind die nach der Veronelli-Methode produzierten sortenreinen Jahrgangs-Olivenöle“, sagt Metka. Das Entscheidende an dieser Methode sei aber, dass die Oliven vor der Pressung entkernt werden. „Diese aufwendige Methode wurde bereits in der Antike wegen der wesentlich längeren Haltbarkeit des Olivenöls angewendet. Heute gilt als wissenschaftlich bewiesen, dass Olivenöl von entkernten Oliven wesentlich höhere Anteile an gesundheitsfördernden Polyphenolen aufweist als konventionell produziertes Olivenöl, bis zum zehnfachen Wert allein an Hydroxytyrosolen. Es gilt als gesichert, dass der Kern der Olive Enzyme beinhaltet, die sich negativ auf den Polyphenolgehalt auswirken.“

Auch am Preis könne man gute Öle erkennen, betont Metka: Unter 15,20 Euro pro Liter sei ein gesundheitlich hochwertiges Olivenöl nicht zu bekommen. Außerdem sei bei guten Ölen der Gehalt von Polyphenolen angegeben.

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/545008/index.do?_vl_backlink=/home/gesundheit/index.do

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Artikel scheint mir erstens ziemlich reisserisch und zweitens auch noch völlig „wischiwaschi“.

Es ist nur schon sehr fraglich, ob man einfach so allgemein sagen kann, Rosmarin, Thymian, Salbei und Co. seien gesund. Grundsätzlich, generell gesund. Sie sind allenfalls gesund in einem bestimmten Bereich, bezogen auf bestimmte Beschwerden. Thymian beispielsweise bei produktivem Husten, Salbei bei Schleimhautentzündungen im Mund oder bei Halsschmerzen.

Und dass nun auch noch die Heilpflanzen und die unschuldige Salbei für das unsägliche Anti-Aging-Theater herhalten müssen, das musste ja so kommen.

Mit Salbei kann man sich also gegen das Älterwerden stemmen? Wie denn genau? Dreimal täglich gurgeln? Oder sich überwiegend von Salbei ernähren?

Und wie genau vertreibt Salbei das Alter?

Im Text wird vor allem auf antioxidative Eigenschaften hingewiesen (Radikalfänger).

Nun sind die Radikalfänger seit einigen Jahren der Renner im Bereich der Nahrungsergänzungsmittel. Ihnen wird alles zugetraut. Sie sollen gegen Krebs und  viele andere Krankheiten schützen und halt auch allgemein vor dem Alterungsprozess. Die Forschungsergebnisse sind da wesentlich weniger eindeutig als die Versprechungen. Inzwischen weiss man, dass die vielgescholtenen freien Radikale auch positive Eigenschaften haben und dass allzu hohe Dosen von Antioxidantien  schädlich wirken können.

Ausserdem strotzen Früchte und Gemüse vor Antioxidantien und am gesündesten ist wohl einfach die Vielfalt, wenn man es schon so pauschal ausdrücken will.

Reisserisch ist auch der Abschnitt über Antidiabetika. Bei Zimt gibt es positive Hinweise auf eine günstige Wirkung bei Altersdiabetes, was aber noch weiterer Prüfung bedarf. Die Empfehlung von Oregano schwebt irgendwo in der Luft ohne fundierte Belege.

Skeptisch machen sollten in diesem Artikel die vielen Superlative:

Hervorragende Anti-Aging-Substanz, äusserst positiv, unglaublich antioxidativ, großartig antiinflammatorisch, stark in der Chemoprävention, enorm entzündungshemmend, der absolute Star.

So reden Verkäufer, Propagandisten, allenfalls Missionare. Täusche ich mich, oder ist der Artikel ein Werbetext für ein bestimmtes Olivenöl?

Dieser Text ist meines Erachtens ein Beispiel dafür, wie kritisch man Gesundheitsinformationen lesen sollte, weil in den meisten Medien jede Qualitätskontrolle fehlt.

Übrigens: Meines Wissens folgt in einem alten Kräuterbuch auf den beliebten Satz: „Warum soll der Mensch sterben, wenn doch Salbei in seinem Garten wächst“, der Nachsatz: „Gegen den Tod ist kein Kräutchen gewachsen.“ Womit die Sache wieder in die richtige –menschliche – Relation gerückt wird. Quelle habe ich allerdings nicht mehr gefunden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Heikle Verordnungen für Demenzkranke

Dienstag, August 17th, 2010

„Pillen statt Pflege?“, fragt die „Welt“ in einem bemerkenswerten Artikel und fügt bei: „Viele Demenzkranke erhalten starke Beruhigungsmittel, so genannte Neuroleptika – diese können bei den Betroffenen aber zu Komplikationen, ja sogar zum Tod führen. Das belegen nun gleich mehrere Studien. Verschrieben werden diese Mittel dennoch mehr denn je.“

Einer dänischen Studie zufolge bekommen 60 Prozent der Demenzpatienten in Pflegeheimen im Minimum ein Psychopharmakon, meistens ein Neuroleptikum. Laut Arzneimittel-Report der Gmünder Ersatzkasse (GEK) schlucken etwa 30 Prozent der Demenzpatienten Neuroleptika. Bei den über 80-Jährigen sollen es sogar 35 Prozent sein.

Darum verlangt der Bremer Arzneimittelforscher Gerd Glaeske eine „drastische Senkung“ der Verordnungen: „Sie bedeuten eine erhebliche Gefährdung für Demenzpatienten. Die vorhandenen Therapiehinweise werden nicht ausreichend berücksichtigt – zum Schaden älterer Menschen.”

Die Behandlung von Demenzkranken mit Neuroleptika konfrontiere den Arzt „mit einem therapeutischen Dilemma“, heißt es im GEK-Report. Einerseits wolle man Aggressivität und Verhaltensstörungen der Demenzkranken therapieren, andererseits schränken unzureichende und zum Teil widersprüchliche Daten die therapeutischen Handlungsmöglichkeiten ein. „Es ist davon auszugehen, dass durch einen unkritischen Einsatz von Neuroleptika das Sterblichkeitsrisiko älterer Demenzpatienten signifikant steigt“, hält der Neurologe Marcel Sieberer in der Analyse fest. Eine Neuroleptika-Behandlung sollte deshalb „nur bei entsprechender Schwere der Symptome und bei unzureichender Wirksamkeit aller nicht medikamentöser Maßnahmen erfolgen“. Die „prozentual sogar ansteigenden Verordnungen“ von Neuroleptika seien „durchaus kritisch“ in Frage zu stellen.

Auf ein zusätzliches Problem machen Pharmakologen der Arbeitsgemeinschaft Arzneimitteltherapie bei psychiatrischen Erkrankungen (Agate) in der Zeitschrift „Psychiatrische Praxis“ aufmerksam: Zeigt sich, dass die Verschreibung eines bestimmten Medikaments riskant ist, weicht der Mediziner meist auf ein anderes Mittel aus. Doch das muss nicht besser sein, insbesondere wenn zu der alternativ verwendeten Arznei keine aussagekräftigen Studien existieren. In solchen Fällen werde nur das eine gegen das andere Risiko getauscht.

Die Agate-Forscher werteten Daten von 2424 Demenzpatienten der Jahre 2000 bis 2006 aus und verglichen die Verordnungshäufigkeiten einzelner Wirkstoffe miteinander. Jeder zweite Patient bekam mehr als ein Neuroleptikum. Die Ärzte verschrieben in dieser Zeit nicht weniger, dafür jedoch andere Neuroleptika.

So wurden ab 2004 Olanzapin und Risperidon deutlich weniger verschrieben, dafür mehr Haloperidol und Quetiapin. Das lag daran, dass im Jahr 2003 der Verdacht entstand, die beiden erstgenannten Wirkstoffe seien mit einem erhöhten Sterbe- und Schlaganfallrisiko behaftet. Die Mediziner wichen auf andere Medikamente aus. 2005 tauchten dann erste Hinweise auf, dass die gesamte Substanzklasse – und damit nicht nur Olanzapin und Risperidon – das Hirninfarkt-Risiko erhöht. Eine Studie im „British Medical Journal“ vom vergangenen Jahr bekräftigte den Verdacht: Alle Neuroleptika steigern bei Demenzpatienten das Schlaganfallrisiko.

Quelle:

http://www.welt.de/die-welt/wissen/article4484977/Pillen-statt-Pflege.html

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin kein fundamentalistischer Gegner synthetischer Medikamente. Und die Situation rund um die Behandlung und Pflege von Demenzkranken ist oft schwierig und sehr komplex. Trotzdem muss dieser Bericht in der „Welt“ zu denken geben.

Und er regt natürlich an zu Überlegungen, ob die Phytotherapie hier einen nützlichen Beitrag leisten könnte. Bei stark unruhigen Dementen dürften die klassischen peroralen Sedativa aus dem Bereich der Phytotherapie – Baldrian, Melisse, Passionsblume, Hopfen – zu wenig stark wirksam sein.

Melisse als Melissenöl angewendet könnte nützlich sein:

„Als Aromatherapie bei motorischer Unruhe von Demenz-Patienten führt Melissenlotion zu einer Verbesserung der Symptome und der Lebensqualität“

(aus: Phytotherapie bei Hauterkrankungen, Augustin / Hoch, Urban & Fischer 2004, siehe Buchshop)

Eine Melissenlotion lässt sich einfach herstellen durch beifügen von wenigen Tropfen Melissenöl in eine Körperlotion (W/O-Emulsion).

Einzelbeobachtungen sprechen auch für eine Wirksamkeit von Lavendelöl peroral auf Würfelzucker (1-4 Tropfen) .

Siehe dazu auch den Artikel:

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

Ausführlichere Angaben zu Lavendelöl in der Broschüre „Ätherische Öle in der Pflege – Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl“

Soweit einige Hinweise aus dem Phytotherapie-Blickwinkel. Ich bin mir aber bewusst, dass man in diesem Bereich nicht einfach mit Heilpflanzen-Anwendungen alle Probleme lösen kann!

Der Artikel in der „Welt“ stellt die Verschreibungspraxis sehr kritisch in Frage und diese Kritik scheint auch berechtigt.

Solch kritische Texte  werden allerdings oft allzu leicht für ein pauschales „Schulmedizin-Bashing“ benutzt. Speziell aus dem Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde kommen in solchen Fällen sehr rasch Stimmen im Stil von: Seht her, wir sagen es ja schon immer…..

Dabei wird aber ein wichtiger Aspekt ausgeklammert: Die Kritik an diesen Verordnungen der Mediziner kommt ebenfalls von Medizinern.

Will heissen: In der Medizin gibt es eine Tradition der Auseinandersetzung und der gegenseitigen fachlichen Kritik, die Schritt für Schritt weiter führt. Das gehört zu den Würden von Medizin und Wissenschaft.

Diese Art der fachlichen Auseinandersetzung fehlt meines Erachtens im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde weitgehend. Hier kann – etwas zugespitzt formuliert – jeder behaupten was ihm oder ihr gerade einfällt. Und es scheint manchmal, dass die Gläubigkeit der „Szene“ mit der Absurdheit der Behauptungen ansteigt.

Es gibt kaum „interne“ fachliche, argementengestützte Kritik, auch bei krassen und gefährlichen Fällen wie zum Beispiel der Propagierung von Kardentinktur als Heilmittel gegen Borreliose. Siehe dazu beispielsweise hier.

Mehr differenzierende, argumentengestützte Kontroverse würde im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde meines Erachtens not tun.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

http://moodle.heilpflanzen-info.ch/

Bevölkerung akzeptiert Cannabis als Arzneimittel

Dienstag, August 17th, 2010

Der Einsatz von Cannabis zur Behandlung Schwerkranker findet in Deutschland einer Umfrage zufolge breite Zustimmung. Bei einer Emnid-Befragung im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft «Cannabis als Medizin» (ACM) waren über 75 Prozent der angerufenen Bürger dafür, Cannabis-Produkte zur Behandlung chronischer Schmerzen oder zur Linderung der Spastiken bei Multipler Sklerose zuzulassen. Das teilte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft „Cannabis als Medizin“, Franjo Grotenhermen, mit. Die Zustimmung gehe quer durch die Bevölkerung, stellte Grotenhermen fest. Am meisten Zustimmung gab es in gebildeten Schichten, bei Männern und bei Anhängern der kleineren Parteien FDP, Grüne und Linkspartei. Auffallend ist die mit 55 Prozent vergleichsweise geringe Akzeptanz von Cannabis-Medizin bei Schülerinnen und Schülern.

Das Resultat der Befragung von 1001 Bürgern hat wenig mit dem eigenen Cannabis-Konsum der Befragten zu tun. Der Großteil der Interviewten gab zu Protokoll, selber nie Cannabis geraucht zu haben. Trotzdem sprachen sich auch aus dieser Gruppe 73 Prozent für die medizinische Nutzung aus. Die ACM hatte auch fragen lassen, wie die Bundesbürger zur Übernahme der Kosten für eine Cannabis-Therapie stehen. Rund zwei Drittel (65 Prozent) der Befragten sprachen sich für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen aus.

Bisher müssen Betroffene oft langwierig mit Behörden, Ärzten und Kassen um die Nutzung von Cannabis-Medizin und die Übernahme der Kosten kämpfen. In Deutschland dürfen laut Grotenhermen nur 40 Patienten Cannabis aus der Apotheke beziehen. In anderen Ländern wie zum Beispiel Kanada und Spanien seien verschiedene Cannabis-Medikamente zugelassen. «Außerdem werden Kranke, die sich selber mit Cannabis versorgen, in diesen Ländern strafrechtlich nicht verfolgt», erklärte Grotenhermen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Unabhängig von der Rauschdrogenproblematik  rund um Cannabis gilt es meines Erachtens festzuhalten, dass dieses Gewächs zweifellos zu den Heilpflanzen gehört. Aufgrund der Illegalität wird die Wirkung von Cannabis nur in wenigen Phytotherapie-Fachbüchern umfassender besprochen. Eine gute Zusammenfassung findet sich beispielsweise im „Heilpflanzenlexikon“ von Dietrich Frohne. Gut durch Studien belegt ist die Linderung der Spastik bei Multiple Sklerose, die appetitfördernde Wirkung bei Krebspatienten und AIDS-Patienten sowie die Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Krebspatienten unter Chemotherapie.

Dass schwer kranke Menschen, die sich mit Cannabis Linderung verschaffen können, potentiell oder defacto kriminalisiert werden, ist meiner Ansicht nach unakzeptabel. Dass ein überwiegender Teil der Bevölkerung – jedenfalls in Deutschland – dies inzwischen offenbar auch so sieht, ist erfreulich.

Ich schreibe dies als jemand, der selber mit Cannabis nichts um Hut hat, aber im Falle einer entsprechenden Erkrankung gerne auf diese Heilpflanze zurückgreifen können  möchte.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/