Artikel mit Schlagwort ‘Phytopharmaka’

Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen

Freitag, November 4th, 2011

Patienten sollten vor einer Operation mitteilen, welche pflanzlichen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel sie einnehmen. Solche Präparate können zu schwer wiegenden Wechselwirkungen (Interaktionen) führen, schreiben US-amerikanische Forscher im Fachblatt «Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons» (Band 19, Ausgabe 10, Seite 634-643). In einem Review untersuchten die Wissenschaftler mehrere Studien zu der Problematik. Sie gehen davon aus, dass 35 – 70 Prozent der orthopädischen Patienten, oft aufgrund ihrer Schmerzen, auf alternative Mittel zurückgreifen – ohne dass ihr Arzt davon weiß.

Beispielsweise kann Baldrian die Wirkung der Narkosemittel steigern. Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskraut, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Ingwer und der Kran- oder Moosbeere (Cranberry, Vaccinium ssp.) beeinflussen das in den USA oft verschriebene Antikoagulanz Warfarin. Bei Mutterkraut, Ingwer und Ginkgo können mit der blutverdünnenden Wirkung von Acetylsalicylsäure Interaktionen entstehen. Johanniskraut und Knoblauch können die Wirkung immunsuppressiver Arzneistoffe vermindern und im schlimmsten Fall zur Abstoßung von Organtransplantaten führen.

Speziell für Osteoarthritis vermarktete Produkte können die ärztlich verordnete Behandlung stören: Glucosamine und Chondroitin können die Wirkung von Antikoagulanzien beeinflussen. Präparate aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wechselwirken mit dem Krebsmittel Tamoxifen. Katzenkralle (Uncaria tomentosa) tritt mit Gerinnungshemmern, Antihypertensiva und Ciclosporin in Interaktion.

Gerade das Etikett «natürlich» oder «homöopathisch» verleite Patienten zu der Ansicht, solche Mittel könnten nichts schaden. Apotheker sollten beim Verkauf solcher Präparate aber auf mögliche Interaktionen hinweisen, hauptsächlich wenn den Patienten eine Operation bevorsteht. Der Arzt sollte über die Einnahme informiert werden; umgekehrt sollten die Mediziner aktiv nachfragen. Die Forscher raten, die pflanzliche Selbstmedikation mindestens ein bis zwei Wochen vor der Operation abzusetzen und mit den Präparaten zu pausieren, solange Blutverdünner und Antibiotika eingenommen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39707&Nachricht_Title=Nachrichten_Phytopharmaka%3A+Interaktionen+bei+Operationen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Klar ist, dass Wechselwirkungen zwischen Heilpflanzen-Präparaten und anderen Medikamenten vorkommen und beachtet werden müssen.

Die Warnungen vor solchen Interaktionen sind aber oft von fragwürdiger Qualität, die Aussagen vage und spekulativ. Im Beitrag der „Pharmazeutischen Zeitung“ sind relevante Interaktionen und hochgradige Spekulation wild gemischt.

So ist beispielsweise die Wechselwirkung  zwischen Johanniskraut und Immunsuppressiva  sehr relevant und ernst zu nehmen. Wenn aber gewarnt wird vor Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen, dann liegt dem wohl die Annahme zugrunde, dass Traubensilberkerze Phytoöstrogene enthält, damit die antiöstrogene Wirkung von Tamoxifen beeinträchtigt und infolgedessen durch Steigerung von Zellwachstum und Zellvermehrung das Brustkrebsrisiko steigert.

Traubensilberkerze enthält aber nach neueren Untersuchungen keine Phytoöstrogene:

„In früheren Jahren glaubte man, dass auch Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze SERMs enthalten. Heute wissen wir, dass diese Extrakte keine Östrogene, also auch keine SERMs enthalten. Die ohne Zweifel vorhandenen positiven Effekte auf klimakterische Beschwerden werden über nachgewiesene dopaminerge und serotoninerge Prinzipien erklärbar, die im Hypothalamus – dem Ort der Entstehung von Hitzewallungen – wirken.“

(Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 6 / 2010).

Nach Hänsel / Sticher (2010) haben In-vitro-Untersuchungen gezeigt, dass Traubensilberkerzen-Extrakte u. a. die durch Östrogene induzierte Proliferation von humanen östrogenrezeptorpositiven Brustkrebszelllinien (T47D und MCF-7) hemmen. Die antiproliferative Wirkung des Traubensilberkerzen-Extraktes sei vergleichbar gewesen mit derjenigen des Östrogenrezeptorantagonisten Tamoxifen.

(in: Pharmakognosie Phytopharmazie, Springer Verlag 2010)

Das heisst: Neuere Untersuchungen zeigen, dass Cimicifuga-Extrakt Wachstum und Vermehrung dieser Brustkrebszellen nicht steigert und möglicherweise sogar ähnlich wie Tamoxifen schützend wirkt. Allerdings sind das Laboruntersuchungen und Langzeitstudien mit Patientinnen fehlen.

Aber diese Fakten zeigen, dass der simple Warnhinweis auf Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen der komplexen Situation nicht gerecht wird und wohl auch nicht stimmt.

Man könnte nun alle oben aufgeführten Interaktionen solcherart unter die Lupe nehmen und würde wohl in der Mehrzahl der Fälle ähnlich komplexe Situationen antreffen.

Mir fällt auf – oder täusche ich mich da? – dass immer wieder in den Medien gewarnt wird vor Wechselwirkung zwischen bestimmten Heilpflanzen und synthetischen Medikamenten. Kaum je Thema in den Medien sind konkrete Warnungen von Wechselwirkungen bei synthetischen Medikamenten, wo solche Probleme natürlich auch vorkommen.

So entsteht der falsche Eindruck, Phytopharmaka seien punkto Wechselwirkungen besonders problematisch. Das stimmt nicht.

Ich will daraus nun aber nicht eine Verschwörungstheorie basteln und eine Geheimaktion der Pharmaindustrie dahinter wittern.

Ein Grund spricht nämlich schon dafür, dass explizit vor Wechselwirkungen bei Heilpflanzen-Präparaten gewarnt wird, nämlich dass viele Leute gar nicht daran denken, dass „natürliche Produkte“ solche Effekte zeigen können.

Erwarten könnte man aber, dass solche Warnungen differenziert geäussert werden und fachlich auf dem Stand des Wissens sind. Das ist oft leider nicht der Fall.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Studie: Beinwell-Salbe in der Therapie akuter Rückenschmerzen

Sonntag, Oktober 30th, 2011

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 3 / 2011) veröffentlichte eine Studie mit einer Beinwell-Salbe (Kytta-Salbe).

Durchgeführt wurde die Studie an der Deutschen Sporthochschule Köln und 3 zusätzlichen ambulanten Zentren für Orthopädie und Sportmedizin.

Die Originalpublikation erfolgte im British Journal of Sports Medicine

(http://bjsm.bmj.com/content/44/9/637.abstract?sid=08e00813-56a0-43af-89f2-ae8be35caa24)

Hier die wichtigsten Ergebnisse dieser randomisierten, klinischen Prüfung.

Zuerst eine Zusammenfassung der bisherigen Studien mit Beinwell:

„Beinwell (Symphytum officinale L.) ist eine traditionelle Heilpflanze, die schon seit Jahrhunderten zur Behandlung von schmerzhaften Muskel- und Gelenkbeschwerden Einsatz findet. Viele klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen bestätigen die Wirksamkeit des in dieser Studie getesteten Beinwellwurzelextrakts bei verschiedenen Muskel- und Gelenkbeschwerden. So konnte die Wirksamkeit der Beinwellwurzelsalbe gegenüber Placebo bei der Behandlung von Sprunggelenksdistorsionen und bei schmerzhafter Gonarthrose (Arthrose/ Osteoarthritis des Kniegelenks) gezeigt werden. Eine weitere Studie demonstrierte die Überlegenheit gegenüber einer 1 %igen Diclofenac-Gelzubereitung bei Patienten mit einer einseitigen Gelenksdistorsion. Dies wird auch durch die ESCOP-Monografie »Symphyti radix« bestätigt. Die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) beurteilt Phytopharmaka in Europa anhand harmonisierter Bewertungskriterien.“

Und anschliessend die Zusammenfassung der aktuellen Studie:

„Die multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte die Überlegenheit einer Salbe mit Beinwellwurzelextrakt gegenüber Placebo. 120 Patienten litten unter akuten Kreuzschmerzen oder Schmerzen im oberen Rücken- und Nackenbereich. Dabei wandten sie über einen Zeitraum von 5 Tagen dreimal täglich jeweils 4g Verum- oder Placebosalbe an. Gegenüber Placebo waren im Verlauf alle bewerteten Wirksamkeitsvariablen der Therapie mit dem Beinwellpräparat signifikant überlegen. Der Beinwellwurzelextrakt hatte einen bemerkenswert starken und klinisch relevanten Effekt im Hinblick auf die Reduzierung akuter Rückenschmerzen. Zum ersten Mal konnte außerdem der schnelle Wirkungseintritt der Salbe (eine Stunde) nachgewiesen werden.“

Kommentar & Ergänzung:

Beinwell (Walllwurz) ist eine wichtige Heilpflanze bei stumpfen Verletzungen wie Prellung, Bluterguss (Hämatom), Verstauchung, bei Gelenkentzündung, Sehnenscheidenentzündung, Knochenhautentzündung etc.

Beinwell nicht einnehmen und nur auf intakter Haut anwenden.

Siehe auch:

Beinwell-Salbe lindert Verspannung in Schulter und Nacken

Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

Bei Wikipedia findet sich eine Erklärung für den Namen „Symphytum“:

„ Die Beinwell-Arten wurden schon in alter Zeit als Heilkraut verwendet. Ihr Name leitet sich von ihrer Anwendung bei Knochenbrüchen und bei offenen Wunden ab. Auch bei Verletzungen von Bändern und Sehnen wurde den Pflanzen Heilwirkung zugeschrieben. Sowohl der heute anerkannte Gattungsname Symphytum als auch der in früheren Werken gebräuchliche Name Consolida bedeuten übersetzt „Zusammenwachsen“ (lat.: consolidare, gr.: symphýein). Als Heilpflanze wird besonders der Echte Beinwell (Symphytum officinale) eingesetzt und auch in Kräutergärten angebaut. Äußerlich angewendet ist er wirksam bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen,…..Die Heilwirkung auf die Haut ist auf den Inhaltsstoff Allantoin zurückzuführen, der heute auch in der Kosmetik zahlreiche Anwendungsgebiete gefunden hat. Allantoin bewirkt die Beschleunigung des Zellaufbaus und der Zellbildung, was in der alten Heilkunde vor allem bei der Behandlung von Unterschenkelgeschwüren genutzt wurde. Bei Nicholas Culpeper ist nachzulesen: der Beinwell hat eine solche Kraft zu heilen und zusammenzufügen, daß zerteilte Fleischstücke wieder zusammenwachsen, wenn man sie mit Beinwell in einem Topf kocht.“

Die Geschichte mit dem Fleisch im Kochtopf, das wieder zusammenwächst, wird auch von anderen Wundheilpflanzen überliefert, zum Beispiel vom Sanikel (Sanicula europaea, „Heil-aller-Schäden“). Bei Knochenbrüchen erwartete man vom Beinwell früher eine Anregung der Kallus-Bildung und damit eine beschleunigte Heilung. Dazu gibt es aber keine gesicherte Erkenntnisse.

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Phytotherapie: Schlafstörungen bei Kindern

Freitag, Oktober 21st, 2011

In der Zeitschrift „Kinderärztliche Praxis“ (5 / 2008) erschien ein Artikel über „Phytopharmaka bei Kindern – Indikationen, Möglichkeiten, Grenzen“ von Prof. Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock).

Hier ein Zitat zum Thema „Schlafstörungen bei Kindern“:.

„Bei Kindern sind Schlafstörungen, psychosomatische Störungen, Angstzustände und insbesondere Depressionen häufiger, als allgemein angenommen wird. Im Bereich der Phytotherapie existieren verschiedene therapeutische Optionen.

Bei Einschlafstörungen eignen sich Zubereitungen aus Baldrianwurzel, Melissenblätter, Lavendelblüten und Hopfenzapfen. Baldrianwurzel wird häufig mit Melissenblättern oder Hopfenzapfen kombiniert. Melissenblätter haben sedierende und karminative Eigenschaften, ihr Einsatz ist bei Einschlafstörungen, die durch nervöse Herz- und Magen-Darmbeschwerden hervorgerufen werden, besonders sinnvoll. Lavendelblüten wirken schwach beruhigend und sind bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen geeignet, zudem bei nervösen Magen-Darmbeschwerden. Für Unruhe- und Angstzustände sowie Schlafstörungen sind Zubereitungen aus Hopfenzapfen empfehlenswert. Beliebt ist auch das traditionelle Hopfenkissen.“

Quelle:

http://www.kinderaerztliche-praxis.de/index.php?id=5113&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[search]=phytotherapie&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[year]=-1&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[page]=&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[showDetail]=14413&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[magazine][0]=Kinderärztliche%20Praxis

Kommentar und Ergänzung:

Auch Orangenblütentee oder Goldmelissentee sind Optionen, die ausprobiert werden können, obwohl es für die Wirkung dieser Heilpflanzen keine Belege gibt.

Siehe auch:

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Goldmelisse – Zitronenmelisse: Unterschiede?

Ausserdem:

Schlafstörungen – nichtmedikamentöse Massnahmen nutzen

Viele Kinder im Einschulungsalter leiden an Schlafstörungen

Hopfen und Baldrian sind für Kinder aus geschmacklichen Gründen in Form von Kräutertee eher ungünstig.

Lavendel eignet sich gut in Form von Lavendelöl (im Raum verdunsten lassen, Lavendelbad, Lavendeleinreibung verdünnt mit fettem Öl) oder als Lavendelkissen.

Melisse ( = Zitronenmelisse) als Tee am besten mit frischen Melissenblättern aus dem Garten zubereiten oder als Melissenöl (teuer!) anwenden.

Eine weitere Option ist Passionsblumenkraut.

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Deutschland: Bündnis “Zukunft Phytotherapie” gegründet

Mittwoch, Oktober 5th, 2011

In Deutschland haben sich verschiedene Organisationen im Umfeld der Phytotherapie zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das sein wichtigstes Ziel im Namen trägt: „Zukunft Phytotherapie“.

Worum geht es?

In einer Pressemitteilung des „Komitees Forschende Naturmedizin“ (KFN) steht dazu:

„Seit Jahren bestätigen alle Umfragen das große Vertrauen der Bevölkerung in die pflanzlichen Arzneimittel. Mehr als 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie gut wirksam sind, jeder zweite lobt sie wegen ihrer geringen Nebenwirkungen. Die Evolution hat offenbar dafür gesorgt, dass in Heilpflanzen günstige Wirkstoff-Mischungen entstanden, die neben der Wirksamkeit auch eine gute Verträglichkeit sichern. Die meisten Phytopharmaka sind genau deshalb rezeptfrei.“

Und wodurch sieht das KFN die Zukunft der Phytotherapie bedroht?

„Ausgerechnet diese positiven Eigenschaften waren es aber, die dazu führten, dass pflanzliche Arzneimittel weitgehend aus der Leistungspflicht der Krankenkassen herausgenommen wurden: Seit 2004 werden nicht verschreibungspflichtige Medikamente – und damit auch die meisten Phytopharmaka – bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr erstattet.

Pflanzliche Arzneimittel werden aber noch von einer anderen Seite bedrängt: Es gibt immer mehr pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Sie sind rechtlich Lebensmittel und deshalb ausschließlich zur Erhaltung der Gesundheit geeignet, erwecken aber oft den Eindruck, als seien sie mit pflanzlichen Arzneimitteln vergleichbar. Diese Entwicklung bedroht z. Zt. die Phytotherapie in der ganzen EU massiv.“

Am Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ beteiligen sich folgende Organisationen:

- die Deutsche pharmazeutische Gesellschaft,

- die Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung,

- die Gesellschaft für Phytotherapie,

- das Komitee Forschung Naturmedizin,

- die Kooperation Phytopharmaka,

- die Hufelandgesellschaft

- Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und

- die beiden Arzneimittelherstellerverbände BPI und BAH

Das Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ will sich intensiv mit den anstehenden Problemen beschäftigen.

Quelle:

http://www.phytotherapie-komitee.de/News/KFN_10-2011.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Pressetext spricht wichtige Herausforderungen an, denen die Phytotherapie gegenüber steht. Dazu ein paar Anmerkungen:

1. Die sehr stark eingeschränkte Erstattungsfähigkeit von Heilpflanzen-Präparaten durch die Krankenkassen scheint in Deutschland tatsächlich ein Problem zu sein.

In der Schweiz ist die Lage anders:

Viele Phytotherapeutika, welche ihre Wirksamkeit so wie synthetische Medikamente  mit Studien belegen können,  werden von der Krankenkasse aus der Grundversicherung bezahlt, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

2. Ein grosses Problem für die Phytotherapie ist tatsächlich, dass zahlreiche Heilpflanzen-Produkte als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt kommen. Nahrungsergänzungsmittel  dürfen offiziell nicht mit Aussagen zu Heilwirkungen werben und müssen dementsprechend auch keine Wirksamkeit belegen. Darum wird für sie auch weniger in Forschung investiert. Trotzdem werden sie oft sehr intensiv mit Heilanpreisungen beworben.

Das schadet den Phytotherapeutika, die als Arzneimittel registriert sind,  dadurch stärker kontrolliert werden  und mehr Forschungsaufwand haben.

3. Auffallend ist, dass im Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ auch die Verbände der Pharma-Industrie (BPI und BAH) mitwirken.  Das zeigt unter anderem, wie absurd die Verschwörungstheorie ist, die davon ausgeht, dass die böse Pharmaindustrie nichts unversucht lässt, um die Phytotherapie fertig zu machen. Das letzte Mal ist diese Verschwörungstheorie in die mediale Öffentlichkeit gelangt im Zusammenhang mit der unsinnigen Petition gegen ein angebliches Heilpflanzenverbot in der EU.

Dieser Text des KFN über das Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ zeigt im übrigen, wo die realen Probleme und Bedrohungen einer fundierten Phytotherapie liegen: Bei den Herstellern von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, aus deren Kreisen auch jene sehr fragwürdige Petition lanciert wurde.

Ein Bündnis “Zukunft Phytotherapie” wäre meines Erachtens auch für die Schweiz sinnvoll.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Wirkung nur nach längerer Heilpflanzen-Anwendung?

Freitag, September 30th, 2011

Ein verbreiteter Irrtum über die Anwendung von Heilpflanzen kommt in Kräuterkursen immer wieder einmal zur Sprache. Die Ansicht nämlich, dass Heilpflanzen nur nach länger dauernder Anwendung wirksam sind.

Das stimmt so allgemein nicht. Es gibt Heilpflanzen, die ihre Wirkung rasch entfalten und solche, die dazu mehrere Wochen oder gar Monate brauchen.

Auf diesen Punkt wies vor kurzem auch die Apothekerin Anke Grabow hin – in einem Interview mit einer Apotheken-Kundenzeitschrift:

Stimmt es, dass pflanzliche Medikamente länger eingenommen werden müssen, ehe sie wirken?

Nein, das lässt sich so pauschal nicht sagen. Phytopharmaka, die akute Beschwerden lindern sollen, müssen rasch wirken. Aber es gibt Mittel, etwa zur Stärkung der Immunabwehr, die als längere Kuranwendung gedacht sind. Auch Präparate gegen Frauenleiden zeigen oft erst nach einigen Zyklen Effekte.“

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Erkaeltung/Pflanzenheilkunde-Gute-Beratung-in-der-Apotheke-wichtig-118551.html

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Wechseljahre – Keine Linderung von Hitzewallungen durch Soja

Freitag, August 12th, 2011

Zahlreiche Frauen mit Beschwerden in den Wechseljahren suchen nach Alternativen zu synthetischen Hormonpräparaten. Ob Soja helfen kann, haben Forscher nun erneut untersucht.

Die ersten Stadien der Menopause sind gekennzeichnet durch raschen Knochendichteverlust, vaginale Trockenheit, Hitzewallungen und Schlafstörungen. Als Alternative zur Hormonersatztherapie waren bisweilen Sojatabletten im Gespräch.

Eine Östrogentherapie mit oder ohne Progesteron schützt vor zahlreichen Veränderungen hauptsächlich in der ersten Zeit der Wechseljahre.

Doch die Resultate der WHI-Studie (women’s health initiative) haben diese Behandlungsform gegen Knochendichteverlust, Schlafstörungen, Hitzewallungen und Scheidentrockenheit in Verruf gebracht.

Denn die Hormonersatztherapie (HRT) steigerte die Brustkrebsrate und bewirkte vermehrt kardiovaskulären Ereignissen.

Frauen wie auch Ärzte suchen deshalb nebenwirkungsarme Alternativen.

Als Alternative zur Hormonersatztherapie waren bisweilen Sojatabletten oder Sojaprodukte im Gespräch.

Da Frauen in Asien viele der Wechseljahresprobleme westlicher Frauen nicht kennen oder deutlich weniger ausgeprägt darunter leiden, lag die Vermutung nahe, dies könne etwas mit dem teils hohen Verzehr an Sojaprodukten zusammenhängen. In zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln für Frauen in den Wechseljahren sind deshalb Soja-Isoflavone enthalten.

Eine Studie mit knapp 250 Frauen kam allerdings zu einem negativen Resultat für Sojaisoflavone.

Die teilnehmenden Frauen – alle in den ersten fünf Jahren der Menopause – bekamen zwei Jahre lang entweder hochdosierte Soja-Isoflavone ( = Verum) oder Placebo (ein Scheinmedikament).

Die Verumdosis (also Soja-Isoflavone) entsprach der doppelten Menge an Soja-Isoflavonen, die in asiatischer Diät mit dem höchsten Sojaanteil enthalten ist (Arch Int Med 2011; 171: 1363).

Die Resultate sind ernüchternd. Bei der Knochendichte gab es keine Differenzen zwischen beiden Gruppen:

Die DXA-Werte -  gemessen an mehreren Stellen – unterschieden sich nicht signifikant.

Hinsichtlich der Wechseljahresbeschwerden fiel das Resultat für die Soja-Isoflavone sogar schlechter aus: Zum Studienende berichtete jede zweite Frau in der Sojagruppe über Hitzewallungen, in der Placebogruppe jedoch nur jede dritte.

Und 31 Prozent der Teilnehmerinnen in der Sojagruppe berichteten über Darmträgheit, in der Placebogruppe waren es 21 Prozent. Die Differenz war nicht signifikant.

Zwar sei es nötig, Frauen in der Menopause auch Alternativen zur HRT anzubieten, so die Wissenschaftler. Soja-Isoflavone seien jedoch angesichts der Studiendaten dafür nicht geeignet.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/665393/hilft-soja-wechseljahren.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Kommentar zu dieser Studie schreibt Michael Hubert in der „Aerztezeitung“:

„Es wäre so schön gewesen: Mit einer Sojapille sind alle Wechseljahresbeschwerden auf einmal verflogen. Hitzewallungen weg, Schlafstörungen verschwunden, Scheide wieder feucht, die Knochen dicht.

Doch Beobachtungen wie jene, dass Asiatinnen weniger Wechseljahresbeschwerden haben als Frauen aus Europa oder Amerika, sind das eine. Die Folgerung, dies liege am hohen Verzehr von Sojaprodukten, ist das andere. Soja-Isoflavone mögen positive Effekte haben, Wechseljahresbeschwerden aber verhindern sie nicht, hat jetzt eine Studie ergeben.“

Soja-Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel registriert, aber nicht als Arzneimittel. Darauf spielt Hubert an wenn er schreibt:

„Wollen Frauen gegen Hitzewallungen etc. etwas tun, bleiben Arzneimittel. Hier sind in der Indikation Wechseljahresbeschwerden sowohl pflanzliche als auch synthetische Arzneien zugelassen. Anders als Nahrungsergänzungsmittel haben sie einen bedeutenden Vorteil: Für ihre Zulassung musste der Hersteller die Wirksamkeit nachweisen.“

Dieser Unterschied ist vielen Konsumentinnen und Konsumenten nicht klar. Heilpflanzen-Produkte können als Nahrungsergänzungsmittel oder als Arzneimittel zugelassen sein. Nahrungsergänzungsmittel wie zum Beispiel die Soja-Produkte bzw. Isoflavone brauchen ihre Wirksamkeit nicht zu dokumentieren.

Bei den pflanzlichen Arzneimitteln, und hier ist der Kommentar nicht ganz präzis, gibt es solche mit einer Zulassung auf der Basis von langjähriger Anwendung (traditionelle Heilpflanzen-Präparate), die ihre Wirksamkeit auch nicht belegen müssen, und es gibt eine ganze Reihe von Phytopharmaka, die genauso wie synthetische Medikamente durch klinische Studien belegt sind.

Im Bereich der Hitzewallungen sind das Heilpflanzen-Extrakte auf der Basis von Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa).

Bei schweren Wechseljahressymptomen reicht ihre Wirkung allerdings in der Regel und dann wird eine Hormonersatztherapie oft zum Thema. Dann sollten Gynäkologinnen und Gynäkologen die Frauen über Nutzen und Risiken aufzuklären und dann selbst entscheiden zu lassen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/665383/soja-nicht-stoff-alles.html

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Fazit zur Phytotherapie

Dienstag, August 9th, 2011

In der Zeitschrift „Der Hausarzt“ (2010 / 14: 31 -36) präsentierte Dr. med Berthold Musselmann einen guten Überblick der gegenwärtigen Phytotherapie. Am Schluss des Artikels zieht Musselmann ein interessantes Fazit:

„Gegen (fast) jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen, zumindest für die Linderung von Symptomen, zur Einsparung klassischer Medikamente und zur Mitbehandlung.

Die verabreichte Dosis und Qualität der Präparate müssen ausreichend sein, was häufig nicht der Fall ist, vor allem bei Selbstmedikation durch den Patienten.

Grenzen der Therapie mit Heilpflanzen sind schwere, gezielt therapierbare Infektionen mit bekanntem Erreger, Erkrankungen, bei denen Phytopharmaka nicht ausreichend wirken, und Notfälle.

Wenige Phytopharmaka haben es bisher in Leitlinien geschafft (Johanniskraut bei Depressionen, Cineol bei Sinusitis, Cranberry bei rezidivierender Zystitis u. a.). Die vorhandene Evidenz, die hohe Patientencompliance, die geringen Nebenwirkungen und meist niedrigen Kosten werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt.

Die Qualität von Phytotherapeutika ist höchst unterschiedlich. „Gute Präparate“ sind auf bekannte Wirkstoffe standardisiert, das DEV (Droge-Extrakt-Verhältnis) und der Gehalt an Extrakt pro Tablette sind angegeben und die Galenik ist optimiert.“

Quelle:

http://www.springermedizin.de/abc-der-klassischen-phytotherapie/275054.html

Kommentar & Ergänzung:

Unterstreichen möchte ich hier die grossen Unterschiede in der Qualität der Heilpflanzen-Präparate. An diesem Punkt versagt auch sehr oft die Beratung in Apotheken und Drogerien, unter anderem weil häufig aus Gründen der Kundenbindung anstelle von hochwertigen Präparaten Hausspezialitäten mit fragwürdiger Qualität verkauft werden.

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Vor allem die Lehrgänge vermitteln das nötige Wissen, damit Sie sich als Konsument oder Konsumentin eine fundierte eigene Meinung zu den angepriesenen Naturheilmitteln bilden können.

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Phytotherapie für Herz & Kreislauf: Steinklee, Ginkgo biloba, Rotes Weinlaub, Rosskastanie, Mäusedorn, Weissdorn….

Sonntag, Juli 31st, 2011

„Die Presse“ berichtete von einer Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden. Im Zentrum des Artikels stehen Ausführungen von Univ.-Prof. Dr. Theo Dingermann (Institut für Pharmazeutische Biologie, Goethe-Universität Frankfurt) zur Wirksamkeit von Heilpflanzen:

„Positive Wirkungen von Phytopharmaka sind unter anderem bei Durchblutungsstörungen, Venenleiden und Herzschwäche nachgewiesen. Zu den durchblutungsfördernden Heilpflanzen zählen der echte Steinklee und der echte Waldmeister, die in unseren heimischen Wäldern wachsen.

Das beim Trocknen freigesetzte Cumarin sowie Flavonoide und Saponine verbessern die Blut- und Lymphströmung. Cumarin wird auch für die Behandlung von Venenleiden eingesetzt. Ginkgo verbessert ebenso die Fließeigenschaften des Blutes und fördert vor allem die Gehirndurchblutung.
Als venenstärkend gelten vor allem Präparate aus roten Weinblättern, es wird eine gefäßstärkende Wirkung beschrieben. Die Rosskastanie und der stechende Mäusedorn lösen ähnliche venenstimulierende Reaktionen aus, sie werden auch bei angeschwollenen Beinen verschrieben.
Zu den herzstärkenden Arzneipflanzen zählt an erster Stelle der Weißdorn. Präparate aus Weißdornblättern und -blüten werden zur Behandlung leichter Formen von Herzinsuffizienz oder bei altersbedingtem Nachlassen der Herzleistung verwendet. ‚Allerdings muss man gerade bei Herzschwäche besonders vorsichtig mit einer Selbstmedikation umgehen. Eine positive Wirkung auf die Herztätigkeit ist zwar nachgewiesen, aber gerade in diesen Fällen muss ärztlicher Rat eingeholt werden’, betonte Dingermann.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/666480/Viele-Irrtuemer-rund-um-Heilkraeuter?from=suche.intern.portal

Kommentar & Ergänzung:

Prof. Theo Dingermann ist ein fundierter Kenner der Phytopharmaka und der Phytotherapie. Die Universität Frankfurt besitzt zudem einen ausgezeichneten Arzneipflanzengarten.

Zum Thema “Cumarine” wäre noch zu ergänzen: Steinklee und Waldmeister enthalten einfache Cumarine, die den venösen Rückfluss fördern und dadurch venöse Ödeme vermindern. Dimere Cumarine werden in Medikamenten wie Phenprocoumon (A, CH:Marcoumar; D: Marcumar) als Blutgerinnungshemmer zur Thrombose-Prophylaxe eingesetzt (Vitamin-K-Antagonist).

Diese beiden Wirkungen sind strikt auseinanderzuhalten.

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Zyklusstörungen: Häufig genügt Mönchspfeffer-Extrakt

Mittwoch, Juli 27th, 2011

Fachleute plädieren dafür, bei Zyklusstörungen an erster Stelle die Phytotherapie einzusetzen.

Mindestens 80 Prozent aller menstruierenden Frauen sollen Probleme mit dem Zyklus haben: etwa Schmerzen während der Menstruation, Zwischenblutungen oder zyklusabhängige Beschwerden wie Depression oder Kopfschmerzen. Zur Behandlung bei Zyklusstörungen raten die Fachleute bei einem von der Phytopharmaka-Herstellerin Bionorica SE unterstützten Workshop in München für eine abgestufte Therapie. Auf Stufe eins steht dabei die Phytotherapie, und hier hauptsächlich ein Extrakt aus den Früchten des Mönchspfeffers (Vitex agnus-castus, VAC). Die Behandlung mit einem VAC-haltigen Präparat  reicht häufig schon zur Normalisierung des Zyklus. Das Heilpflanzen-Präparat greift zentral in den Regulierungsprozess ein. Die Ursache von Zyklusstörungen ist noch nicht genau zu erklären. Einer der entscheidenden Faktoren scheint eine verstärkte Ausschüttung des Hormons Prolaktin zu sein. Hier setzt der Mönchspfeffer-Extrakt an: Es wirkt dopaminerg und hemmt die Freisetzung von Prolaktin.

Dr. Dorothee Struck, Gynäkologin und Ärztin für Naturheilverfahren aus Kiel, hat viel Erfahrung mit Präparaten auf der Basis von Mönchspfeffer-Extrakt. Patientinnen mit Kinderwunsch, leichter Hyperprolaktinämie, PMS, Dysmenorrhoe oder langen, unregelmäßigen Zyklen verordnet sie eine Tablette einzunehmen morgens über drei bis sechs Zyklen. Phytopharmaka sind außerdem angezeigt, wenn Hormonpräparate kontraindiziert sind, zum Beispiel bei Leberstörungen oder einer familiären Belastung mit Mammakarzinom (Brustkrebs) oder Thrombophilie (Thromboseneigung), oder wenn Frauen Hormone ablehnen. Für Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch können Hormonpräparate schwierig sein. Auch hier kann ein Mönchspfeffer-Präparat helfen. Denn VAC kann einen Beitrag leisten zur Normalisierung bei einem zu kurzen Zyklus und bei Gelbkörperschwäche. VAC könne sogar in einem weiteren Sinne sinnvoll sein, erklärte Struck. Nicht erfüllter Kinderwunsch setze die Frauen zunehmend unter Stress, was sich wiederum ungünstig auf den Hormonzyklus auswirke. Auch hierbei ist Prolaktin ein bedeutender Faktor, denn das Stresshormon wird unter Belastung verstärkt ausgeschüttet. Da Mönchspfeffer-Extrakt die Prolaktinsekretion hemmt, ist das Phytotherapeutikum in diesem Fall doppelt nützlich.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/657731/zyklusstoerungen-oft-genuegt-vitex-agnus-castus-extrakt.html?sh=21&h=-1436656583

Kommentar & Ergänzung:

Präzisiert werden sollte hier meines Erachtens:

Mönchspfeffer ist bei unerfülltem Kinderwunsch nur dann eine plausible Therapieoption, wenn eine Gelbkörperschwäche bzw. eine Hyperprolactinämie zu Grunde liegt.

Dann ist ein Versuch mit Mönchspfeffer viel fundierter als die unsägliche Empfehlung von Storchenschnabel bzw. Storchenschnabeltee / Storchenschnabeltinktur.

Siehe dazu:

Pflanzenheilkunde: Storchenschnabeltee gegen Kinderlosigkeit?

Weitere Informationen zu Mönchspfeffer & unerfülltem Kinderwunsch:

Mönchspfeffer bei Kinderwunsch

Mönchspfeffer bei unerfülltem Kinderwunsch

Zu Mönchspfeffer bei Prämenstruellem Syndrom (PMS):

Mönchspfeffer bei prämenstruellem Syndrom ( PMS)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Hersteller nehmen Einfluss auf medizinische Studien

Mittwoch, Juli 27th, 2011

In Deutschland warnt ein führender Vertreter forschender Mediziner davor, dass Sponsoren auf medizinische Studien Einfluss nehmen. Es komme auch vor, “dass Studien nicht publiziert werden, wenn sie ein für den Sponsor ungünstiges Ergebnis liefern”, erklärte der Präsident des Dachverbands AWMF, Karl Heinz Rahn, auf Deutschlandradio Kultur. In der  Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften mit Sitz in Düsseldorf sind rund 160 Einzelgesellschaften zusammengeschlossen.

Rahn erwähnte als spezielles Problem teure klinische Studien, die bei einer Laufzeit von fünf Jahren zwischen 50 und 150 Millionen Euro kosten könnten. Solche Beträge könnten mit öffentlichen Geldern nicht finanziert werden.

Ein Problem sei in der Tat, wenn es gelegentlich Versuche vonseiten der industriellen Sponsoren gebe, Einfluss auf das Studienprotokoll und Einfluss auf die Publikationen auszuüben, erklärte Rahn.

Rahn sprach sich dafür aus, dass zusätzlich zu privaten auch ein öffentlicher Sponsor solche großen Studien mitfinanzieren sollte. Das stärke die Verhandlungsposition des individuellen Wissenschaftlers, wenn hinter ihm eine große Wissenschaftsorganisation stehe, erläuterte der Mediziner. Außerdem seien spezielle Register für Studien einzuführen. Dann lasse sich überprüfen, von welchen Studien die Resultate auch wirklich veröffentlicht wurden.

Quelle:

http://derstandard.at/1310511263266/Forscher-warnt-Industrielle-Sponsoren-nehmen-Einfluss-auf-medizinische-Studien

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) http://www.awmf.org/

Kommentar & Ergänzung:

Doppelblind-Studien sind ein enorm wichtiges Mittel, um Irrtümer aufzudecken bezüglich der Wirksamkeit von Medikamenten und anderen medizinischen Massnahmen. Patientinnen und Patienten verdanken den Doppelblind-Studien entscheidende Fortschritte.  Das gilt auch für die Phytotherapie.

Wenn Hersteller via Sponsoring Einfluss nehmen auf Studien ist dies sehr problematisch. Das gilt selbstverständlich für Studien zu synthetischen Pharmaka, zu Phytopharmaka und zu Präparaten der Komplementärmedizin.

Alle Bemühungen zugunsten der Unabhängigkeit von Studien sind zu unterstützen.

Vor allem braucht es volle Transparenz. Sponsoring durch Hersteller muss in jeder Studie offengelegt werden.

Die renommierten medizinischen Fachjournale verlangen diese Transparenz, aber selbstverständlich ist sie nicht. Wikipedia schreibt dazu:

„Der Sponsor einer klinischen Studie ist für den organisatorischen Ablauf zuständig. Er trägt alleine und ausschließlich die Verantwortung und somit das unternehmerische Risiko. Alle renommierten Journals mit Peer-Review verlangen die Nennung des Sponsors aus Transparenzerwägungen ausdrücklich in der Veröffentlichung, um dem Leser zu ermöglichen, etwaige interessengeleitete Ergebnisse zu durchschauen (z. B. wenn ein Medikament des Sponsors sich in der Studie als überlegen gegenüber einem Konkurrenzprodukt erweist). In den USA ist dieses Vorgehen vorgeschrieben, während in Deutschland die Sponsorennennung bisher (2007) nur per Selbstverpflichtung erfolgt.“

Und zu den Problemen durch Sponsoring schreibt Wikipedia:

„ Bei mehreren Untersuchungen zeigte sich, dass die finanzielle Abhängigkeit durch das Sponsoring statistisch signifikante Auffälligkeiten im publizierten Studienergebnis zugunsten des Sponsors verursacht. In einem zweiteiligen Artikel ‚Finanzierung von Arzneimittelstudien durch pharmazeutische Unternehmen und die Folgen’ der Zeitschrift Deutsches Ärzteblatt wird dieses Problem ausführlich untersucht.

Zitat: ‚Bei der Beurteilung eines Arzneimittels führen Angaben aus publizierten Studien, die von pharmazeutischen Unternehmen finanziert wurden, häufig zu einem verzerrten Bild. Dies wird nicht durch die methodische Qualität der Arzneimittelstudien erklärt.’

Zitat: ‚Die Finanzierung durch ein pharmazeutisches Unternehmen wirkt sich in verschiedenen Bereichen im Ablauf einer Arzneimittelstudie aus und führt häufig zu einem für den pharmazeutischen Sponsor positiven Ergebnis. Der Zugang der Öffentlichkeit zu Studienprotokollen und Ergebnissen muss gewährleistet werden. Darüber hinaus sollten verstärkt Arzneimittelstudien durchgeführt werden, die unabhängig von pharmazeutischen Unternehmen finanziert werden.’“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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