Artikel mit Schlagwort ‘Phytopharmaka’

Bei Schlafstörungen Schlafhygiene beachten

Samstag, Mai 12th, 2012

Die „Pharmazeutische Zeitung“ publizierte einen informativen Beitrag zur Behandlung von Schlafstörungen. Dabei wurden auch die wichtigsten Regeln der Schlafhygiene erwähnt:

„Regeln für einen gesunden Schlaf:

- nach dem Mittagessen kein Coffein

- Alkohol weitgehend vermeiden

- keine schweren Mahlzeiten am Abend

- regelmäßige körperliche Aktivität

- körperliche und geistige Anstrengungen abends allmählich verringern

- persönliches Einschlafritual angewöhnen

- kühles, dunkles Schlafzimmer

- Bett nur zum Schlafen oder zum Sex benutzen

- nachts nicht auf die Uhr sehen

- tagsüber nicht schlafen

- jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41861&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Gelegentlich mal eine schlaflose Nacht, das kennt wohl fast jeder Mensch. Das gehört wahrscheinlich einfach zum Leben und braucht nicht weiter zu beunruhigen.

Chronische Schlafstörungen sind aber etwas ganz anderes.

Erstes ist es wichtig, sie medizinisch abzuklären, weil sie durch körperliche oder psychische Erkrankungen verursacht sein können, die adäquater Behandlung bedürfen.

Zweitens ist es bei chronischen Schlafstörungen sinnvoll, das Potenzial nichtmedikamentöser Massnahmen auszuschöpfen. Dazu gehören die oben aufgeführten Regeln der Schlafhygiene.

„Hygiene“ ist hier gemeint im Sinne einer Gesundheitslehre oder Gesundheitspflege – im Sinne einer Lebensordnung (nach Sebastian Kneipp eine der fünf Säulen der Naturheilkunde), also nicht im Sinn von „sauber und keimfrei“. Hygeia oder Hygieia war in der griechischen Mythologie eine Göttin der Gesundheit. Die Tochter des Asklepios (Gott der Heilkunst) gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Das Wort Hygiene leitet sich von ihr ab.

Drittens gibt es medikamentöse Schlafhilfen.

Synthetische Schlafmittel wirken für den Moment oft prompt und können vorübergehend eine adäquate Lösung sein.

Alle synthetischen Substanzen sind aber mit mehr oder weniger gravierenden Nebenwirkungen und Risiken behaftet: Bei zu kurzer Halbwertszeit wacht der Patient mitten in der Nacht wieder auf. Bei langer Halbwertszeit droht am nächsten Tag ein Hangover, der bei älteren Patienten durch eine verzögerte Ausscheidung noch verstärkt sein kann und sie im Alltag mitunter gefährdet (z. B. durch erhöhte Sturzgefahr). Dieser Aspekt, der vor allem Benzodiazepine betrifft, wird in der Praxis viel zu wenig berücksichtigt. Zudem kommt es nach einiger Zeit zu einer Toleranzentwicklung gegenüber diesen Stoffen, denn der Körper vermindert entweder die Zahl der Rezeptoren, an die der Arzneistoff bindet oder er verstoffwechselt die Stoffe durch Enzyminduktion schneller.

Phytopharmaka – also Heilpflanzen-Anwendungen – sind vor allem deshalb eine prüfenswerte Option, weil die beschriebenen Risiken der synthetischen Schlafmittel bei ihnen wegfallen (z. B. keine Toleranzentwicklung, kein Abhängigkeitspotential, keine erhöhte Sturzgefahr). Allerdings wirken sie nicht in jedem Fall verlässlich genug.

Zu den bekanntesten Heilpflanzen, die bei Schlafproblemen in der Phytotherapie zur Anwendung kommen, gehören Baldrian, Hopfen, Passionsblume (Passiflora), Melisse (= Zitronenmelisse) und Lavendel.

Die beruhigende und schlafanstossende Wirkung dieser Heilpflanzen ist auch wissenschaftlich untersucht und dokumentiert.

Beliebt als Schlaftee sind aber auch Orangenblüten bzw. Orangenblütentee und die Goldmelisse (Goldmelissentee oder Goldmelissensirup, vor allem für Kinder). Bei Orangenblüten und Goldmelissenblüten fehlt die wissenschaftliche Dokumentation bezüglich Wirksamkeit. Da sie als Abendtee jedoch angenehm zu trinken und bestens verträglich sind, spricht gar nichts gegen eine Versuch mit ihnen.

Sehr ungeklärt ist die Wirksamkeit der Hafertinktur, die manchmal gegen Schlafstörungen empfohlen wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Gibt es Wechselwirkungen zwischen Schüssler-Salzen und Medikamenten?

Montag, April 9th, 2012

Kann man Schüssler Salze zusammen mit Blutgerinnungshemmern einnehmen? Diese Frage stellte vor kurzem eine Zuhörerin an einem Vortrag.

Solche Fragen sind nicht selten und sie offenbaren eine weit verbreitete Unkenntnis über die Zusammensetzung von Schüssler-Salzen.

Die Beurteilung von allfälligen Wechselwirkungen (Interaktionen) zwischen Naturheilmitteln und Medikamenten ist oft alles andere als einfach. Bei Schüssler-Salzen ist die Antwort aber einfach und eindeutig. Es gibt keine Wechselwirkungen zwischen Schüssler-Salzen und Medikamenten jedweder Art.

Alle Schüssler-Salze bestehen aus Lactose oder aus einem Ersatzstoff wie zum Beispiel Mannitol.

Laktose und Mannitol können in grösseren Mengen eine abführende Wirkung entfalten.

Laktose wird im Verdauungstrakt gespalten und die dabei entstehenden Monosaccharide Galactose und Glukose (Traubenzucker) aufgenommen.

Patienten mit Laktose-Intoleranz können mit Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen reagieren.

Mannitol kann vom menschlichen Organismus nicht verwertet werden.

Wechselwirkungen mit Medikamenten sind daher bei Schüssler-Salzen auf der Basis von Mannitol oder Laktose nicht zu befürchten.

Darüber hinaus enthalten Schüssler-Salze noch Mineralsalze wie Kochsalz (Natrium chloratum) Gips (Calcium sulfuricum) oder Kreide (Calcium carbonicum) in Verdünnungen von 1 : 000 000 (D6) oder 1 000 000 000 000 (D12).

Mit anderen Worten: Die Mineralsalze sind in minimalsten Spuren enthalten, so dass Wechselwirkungen genauso wie physiologische Wirkungen ausgeschlossen sind. Ein Glas Trinkwasser enthält mehr Mineralstoffe als eine ganze Packung Schüssler-Salze.

Die Apothekerin Susana Niedan-Feichtinger von der Firma Adler Pharma, einer Herstellerin von Schüsslersalzen, hat in der Österreichischen Apotheker-Zeitung (Nr. 24 / 2010) dazu folgende Rechnung präsentiert:

„Alle Mineralwasser-Konsumenten nehmen pro Tag mehr Mineralstoffe auf, als es über Schüßler Salze überhaupt möglich wäre: Wenn in einer Mineralwasserflasche 115 mg/l Kalzium (beispielsweise Vöslauer mild) angegeben sind, dann müsste man, wenn man die in Calcium phosphoricum D6 enthaltenen reinen Kalziumionen auf das im Mineralswasser enthaltene Kalzium umrechnet, 388 kg an Schüßler Salz Nr. 2 in D6 (1.552.000 Tabletten!) täglich einnehmen, um auf die gleiche Menge wie in 1 Liter Mineralwasser zu kommen. Bei einem Gehalt von 39,4 mg Magnesium pro Liter Mineralwasser (beispielsweise Vöslauer mild) fällt der Vergleich auch interessant aus: Berechnet auf die Menge Mg im Mg HPO4 geht es hier um 772.550 Tabletten oder 193 kg Mineralstofftabletten Nr. 7 nach Dr. Schüßler in der D6. Ich frage mich, als wie gefährlich aus diesem Gesichtspunkt heraus Mineralwässer eingestuft werden müssten?“ Details

Wenn also Schüssler-Salze Wechselwirkungen zeigen würden, dann müssten Trinkwasser und Mineralwasser viel stärkere Wechselwirkungen auslösen.

Vergleichbar ist im übrigen die Antwort auf die Frage nach Wechselwirkungen von Bach-Blüten.

Vor kurzem wurde ich von einer Klinik angefragt, ob es Wechselwirkungen gebe zwischen Bach-Blüten und HIV-Medikamenten. Auch hier ist die Antwort eindeutig: Bachblüten enthalten keine Wirkstoffe und abgesehen von Alkohol und Wasser auch keine relevanten Inhaltsstoffe. Und wo keine Wirkstoffe / Inhaltsstoffe sind, können auch keine Interaktionen auftreten.

P.S. Bei Phytopharmaka, die definitionsgemäss Wirkstoffe enthalten, ist auch mit Wechselwirkungen zu rechen. Beispielsweise:

Knoblauch: Wechselwirkungen mit HIV-Therapie möglich

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weleda-Gruppe in der Krise

Donnerstag, April 5th, 2012

Der angeschlagene Naturkosmetik- und Arzneimittelhersteller Weleda baut seine Unternehmensführung um. An einer außerordentlichen Generalversammlung am 23. März haben die Aktionäre einen neuen Verwaltungsrat gewählt.

Den Führungswechsel sollen die beiden Weleda-Hauptaktionäre, die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft und die Ita Wegman Klinik, veranlasst haben.

Die Neuwahl wurde laut Firmenangaben nötig, weil „die Weleda einen handlungsfähigen Verwaltungsrat braucht“.

An der Spitze des Verwaltungsrates steht nun der Wirtschaftswissenschaftler Paul Mackay, der seit 1996 dem Vorstand der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft angehört.

Im vergangenen Jahr hatte Weleda einen Verlust von rund 10 Millionen Schweizer Franken (rund 8,3 Millionen Euro) eingefahren – mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2010, als der Verlust 3,8 Millionen Euro erreichte. Gleichzeitig sank der Umsatz 2011 auf 307 Millionen Euro und liegt damit leicht unter dem Vorjahreswert von 308 Millionen Euro. Weleda bewegt sich seit Jahren fast durchwegs in den roten Zahlen.

Auf diesem finanziellen Hintergrund kann der Naturkosmetik- und Arzneimittelhersteller für das Jahr 2012 aus dem Cash-flow seine Zinsverpflichtungen nicht erfüllen. Die Besitzer kämpfen um die Existenz des Unternehmens.

Zwar macht die Firma Währungseffekte durch den starken Schweizer Franken für das schlechte Resultat verantwortlich. Weleda krankt jedoch auch an schwerwiegenden Strukturproblemen.

Hauptsächlich die Pharmasparte, also die Heilmittelherstellung, ist defizitär.

Quellen:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/feuerwehrmann-fuer-weleda

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/weleda-kaempft-um-existenz?page=0,0#text

Kommentar & Ergänzung:

Weleda hält sich mit Naturkosmetik über Wasser, während die Herstellung von Antroposophika, also von Heilmitteln für die Anthroposophische Medizin, schwer in der Krise steckt.

Um die Bedürfnisse der Anthroposophischen Medizin zu decken, muss Weleda ein riesiges Sortiment von Heilmitteln bereitstellen, von denen viele nur wenig nachgefragt, aber aufwändig herzustellen sind. Darunter sind auch Präparate, die für Nichtanthroposophen reichlich skurril wirken wie Hirschgeweih (Cornu cervi D8), zerstossene Ameisen (z. B. Formica D15) oder das geröstete Skelett des Badeschwammes (Spongia tosta D6).

Den Erwartungen aus der Anthroposophischen Medizin gerecht zu werden und zugleich kommerziell erfolgreich zu sein oder zu mindestens schwarze Zahlen zu schreiben, ist wohl ein schwieriger Spagat.

Andererseits hat Weleda gegenüber Herstellern von synthetischen Medikamenten und von Phytopharmaka den grossen Vorteil,  dass Anthroposophika genauso wie Homöopathika via Grundversicherung  abgerechnet werden können, ohne dass sie ihre Wirksamkeit belegen müssen (wie es das Krankenversicherungsgesetz eigentlich verlangen würde).

Homöopathika und Anthroposophika sind vom Wirksamkeitsnachweis befreit, wodurch sich viel Forschungsaufwand einsparen lässt.

Ausserdem fallen bei den sehr grossen Verdünnungen vieler Weleda-Präparate kaum Materialkosten ins Gewicht.

Diese beiden Punkte müssten eigentlich die Kostenseite entlasten.

Weleda konnte sich bisher dank der Naturkosmetik-Sparte behaupten, die einen guten Ruf hat und die defizitäre Arzneimittel-Produktion wohl quersubventioniert. Doch der Naturkosmetik-Markt ist hart umkämpft. Und ausserdem kommt man in der Kosmetik rasch einmal in die Nähe von fragwürdigen Versprechungen, beispielsweise mit dem „Cellulite Programm“, mit welchem Weleda „Entschlackung“ verspricht.

Siehe dazu auch:

Entschlackung – was ist das?

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Diabetes

Mittwoch, April 4th, 2012

An einem wissenschaftlichen Seminar zum Thema Phytotherapie im Hamburg resümierte Professor Dr. Matthias Melzig von der Freien Universität Berlin den Stand des Wissens zum Wirksamkeit von Heilpflanzen in der Diabetes-Therapie.

Dabei kam auch Guar zur Sprache. Die Wirksamkeit und Sicherheit eines Guar-Präparates seien durch klinische Studien belegt.

Guar wird aus den Samen der Guarbohne (auch Büschelbohne, Cyamopsis tetragonolobus) gewonnen, eine Pflanzenart aus der Familie der Fabaceen.

Als wirksame Inhaltsstoffe gelten Polysaccharide, welche die Transitzeit der Nahrung verlängern. Sie sollen das zuckerspaltende Enzym α-Amylase hemmen und dadurch die Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten vermindern.

Die Einnahme von Guar wirkt sich aber auch positiv auf das Gesamtcholesterol und den LDL-Spiegel aus. Allerdings kann Guar auch den Insulineffekt verstärken. Wie bei alle anderen pflanzlichen Antidiabetika aus der Selbstmedikation ist es wichtig, dass der Patient den Arzt über die Einnahme informiert. Darüber hinaus sollte der diabeteskranke Mensch seinen Blutzuckerspiegel regelmäßig messen.

Widersprüchliche Ergebnisse gebe es zur Gartenbohne (Phaseolus vulgaris, ebenfalls eine Fabaceae) in Bezug auf die Samenschalen. Die Bohnensamen können sich aber günstig auf den postprandialen Blutzucker auswirken. Für eine ausdrückliche Empfehlung fehlen aber gemäss Melzig noch Daten. Ähnliches gelte für frische Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus, Ericaceae). Vermutlich müssen große Mengen Beeren oder Bohnen gegessen werden, um deutlich spürbare Effekte zu erzielen.

Positiv beurteilte Melzig die Bockshornkleesamen (Trigonella foenum-graecum, Fabaceae). In China und Indien wird Bockshornklee seit Jahrtausenden bei Stoffwechselerkrankungen angewendet, auch bei Diabetes. Er reduziert den Nüchternblutzucker und den postprandialen Blutzucker. Allerdings sind dafür 25 Gramm Bockshornkleesamen pro Tag nötig, was speziell zu Beginn der Behandlung zu Durchfall und Flatulenz führen kann. Genau wie bei Guar sollte auch bei Bockshornkleesamen ein zeitlicher Abstand von mindestens 30 Minuten zur vorherigen Medikamenteneinnahme eingehalten werden, damit diese anderen Arzneimittel gut resorbiert werden können.

Von anderen Heilpflanzen riet Melzig vorerst ab wegen fehlender Wirksamkeitsnachweise oder mangelnder Sicherheitsdaten.

So enthalte beispielsweise der Samen der Geißraute (Galega officinalis, Fabaceae) große Mengen Guanidin-Derivate, also Metformin-ähnliche Substanzen. Allerdings seien die Extrakte schwer standardisierbar.

Unter der Bittergurke (Momordica charantia, Cucurbitaceae) könne es sogar zu hypoglykämischem Koma und Lebertoxizität kommen.

Siehe auch:

Bittermelone / Bittergurke (Momordica charantia) gegen Diabetes?

Ein anderes Kürbisgewächs, die Scharlachranke (Coccinia grandis) aus der indischen Heilkunde, zeigte in klinischen Studien mäßiger Evidenz eine beträchtliche blutzuckersenkende Wirkung. Melzig riet trotzdem von der Scharlachranke ab, da nicht genügend toxikologische Daten vorlägen.

Wegen des vermutlich hohen Alkaloid-Gehalts sollte man auch besser auf die Anwendung des sogenannten »Zuckerzerstörers« bzw. der »Wunderfrucht« Gymnema sylvestre (Apocynaceae) aus der Aryuveda-Medizin verzichten.

Zwar nicht bedenklich, jedoch bislang ohne überzeugenden Wirksamkeitsnachweis bei Diabetes mellitus sind gemäss Melzig folgende Phytopharmaka einzustufen:

Ginseng (Panax Ginseng, Araliaceae)

Knoblauch (Allium sativum, Alliaceae)

Aloe vera (Aloe barbadensis, Alooideae)

Süßkartoffeln (Ipomoea batatas, Convolvulaceae)

Wachs-Jambuse oder Rosenapfel (Syzygium cumini, Myrtaceae)

Mariendistel (Silybum marianum, Asteraceae)

Russischer Estragon (Artemisia dracunculus, Asteraceae)

Nopal (Opuntia streptacantha, Cactaceae)

Wer die Diskussion der vergangenen Jahre verfolgt habe wisse zudem, dass Zimt (Cinnamomum verum, Lauraceae) laut neueren Studien nicht besser als Placebo wirke. Noch fehle für die meisten Phytopharmaka die klinische Evidenz, um sie Diabetikern adjuvant empfehlen zu können, zum Beispiel den Russischen Estragon.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41169

Kommentar & Ergänzung:

Die Diabetes-Therapie ist keine Stärke der Phytotherapie. Die Aussagen von Prof. Melzig stimmen sehr mit der Phytotherapie-Fachliteratur überein. Sinn machen können gewisse Polysaccharide vor allem aus Guar und Bockshornkleesamen, weil sie Blutzuckerspitzen abfangen. Darüber hinaus haben wir nicht viel Überzeugendes aus der Pflanzenwelt zur Verfügung.

Von den Heidelbeeren wurden früher gegen Diabetes die Blätter verwendet, nicht die Beeren, wie der Ausdruck „frische Heidelbeeren“ suggeriert. Heidelbeerblätter sind aber klarerweise ungeeignet zur Diabetestherapie.

Und bei Ginseng, Knoblauch, Aloe vera oder Mariendistel wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, sie gegen Diabetes zu empfehlen, Diese Heilpflanzen haben ganz andere Anwendungsbereiche, für welche ihre Wirksamkeit dokumentiert ist.

Zimt gegen Diabetes war vor einigen Jahren die grosse Entdeckung in diesem Bereich der Pflanzenheilkunde. Laboruntersuchungen an isolierten Geweben oder Zellen lassen eine günstige Wirkung plausibel erscheinen. Leider konnten die positiven Resultate einer ersten klinischen Patientenstudie aus Pakistan bisher nicht bestätigt werden, was die Wirksamkeit in Frage stellt.

Ernüchternd?

Möglicherweise schon.

Aber es scheint mir wichtig, nicht nur von tollen Erfolgen und grossartigen Heilungschancen zu berichten, sondern auch von Misserfolgen und Grenzen der Phytotherapie.

Meines Erachtens kann man diesen Punkt als Qualitätskriterium nehmen um Fachleute, Heilmethoden, Gesundheitszeitschriften etc. zu beurteilen:

Ist immer nur von Heilerfolgen die Rede und nie von Grenzen oder Misserfolgen, dann ist dies ein Hinweis für sehr selektive Wahrnehmung oder selektive Berichterstattung. Alle Heilmethoden und Heilmittel haben Grenzen und Misserfolge. Wäre das nicht so, gäbe es keine Krankheiten mehr.

Wenn nur von Heilerfolgen oder gar von sicheren Heilerfolgen berichtet wird, dann haben wir es wahrscheinlich mit einer Form von Missionarismus zu tun. Und diesem Phänomen begegnet man leider nicht selten im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin: Alles was die eigene Überzeugung zu stützen scheint, wird sofort kundgetan, während Fakten, welche die eigene Überzeugung in Frage stellen könnten, ignoriert oder sofort und ungeprüft vom Tisch gefegt werden (zum Beispiel indem jede Kritik als Verschwörung der bösen Pharmaindustrie diffamiert wird).

Das Leben besteht aber selten nur aus Schwarz und Weiss, auch nicht, wenn es um Gesundheit, Krankheit  und Heilung geht.

Seriös wäre es meines Erachtens beispielsweise, wenn in Gesundheitszeitschriften neben Erfolgsmeldungen und Heilungsversprechungen ebenso viel auch von Grenzen und Misserfolgen berichtet würde. Aber wer will so etwas schon lesen? Die Mehrzahl der Leserinnen und Leser will offenbar ausschliesslich wissen, was nützt. Grenzen und Misserfolge –Kritik also – interessieren viel weniger.  Wer so denkt nimmt allerdings in Kauf, einseitig informiert zu sein.

Grenzen und Misserfolge von Heilmitteln und Heilmethoden aufzuzeigen, ist zudem für die meisten Gesundheitszeitschriften nicht lukrativ, weil dadurch ein „negatives Werbeumfeld“ für Inserenten geschaffen wird. Die meisten Gesundheitszeitschriften sind aber  vollständig abhängig von den Inserenten – wie sollen sie da differenziert – also auch kritisch – berichten können.

Siehe auch:

Pflanzenheilkunde & Komplementärmedizin – Vom Wert des Zweifels

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht?

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Medikamente beim Prämenstruellen Syndrom (PMS)

Freitag, März 9th, 2012

Zur Behandlung der Beschwerden beim Prämenstruellen Syndrom (PMS) gibt es verschiedene nichtmedikamentöse Massnahmen (z. B. körperliches Training, Stressmanagement, Muskelentspannung, diätetische Ansätze).

Darüber hinaus kommen oft auch Medikamente zum Einsatz.

Die Medical-Tribüne hat in einem Artikel zum Thema PMS die wichtigsten Medikamentengruppen vorgestellt.

- Diuretika: „… während der Lutealphase möglich. In plazebokontrollierten Untersuchungen linderte Spironolacton (100 mg/Tag) PMS-Beschwerden deutlich.“

- Psychopharmaka: „Metaanalysen plazebokontrollierter Studien zufolge ließen körperliche und psychische PMS-Symptome unter SSRI1, z.B. Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram sowie Sertralin, und SNRI2 (Venlafaxin) nach. Anxiolytika wie Alprazolam und Buspiron wirken schwächer als SSRI.“

- Phytopharmaka: „Falls Patientinnen pflanzliche Medikamente bevorzugen: Ein Fruchtextrakt aus Vitex agnus castus (Keuschlamm) meisterte ebenfalls die Prüfung in plazebokontrollierten Studien.

-Hormonelle Therapie: „Bei der hormonellen Therapie kann man z.B. die Ovulation unterdrücken, das Spektrum reicht von oralen Kontrazeptiva über GnRH-Agonisten und Gonadotropin-Inhibitoren bis hin zur Ovar bzw. Hysterektomie, infrage kommen aber auch Ansätze, bei denen der Eisprung nicht unterdrückt wird (z.B. Progesteron).“

Die Medical-Tribune empfiehlt:

„Die Risiko- Nutzen-Abwägung sollte individuell mit entsprechenden Spezialisten erfolgen.“

Quelle der Zitate:

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=65229&dspaid=970920

Kommentar & Ergänzung:

Mönchspfeffer (Keuschlamm) gehört in der Phytotherapie zu den Heilpflanzen, die bezüglich Wirksamkeit auch wissenschaftlich gut belegt sind.

PMS ist aber ein sehr komplexes Geschehen und Mönchspfefferextrakte werden nicht in jedem Falle helfen. Sieht man sich aber die Risiken und Nebenwirkungen der anderen vorgestellten Arzneimittel an, so schneidet Mönchspfeffer in dieser Hinsicht ausgesprochen gut ab.

Ein Versuch mit Mönchspfeffer dürfte daher in vielen Fällen eine gute Option sein.

In der Schweiz sind verschiedene Heilpflanzen-Präparate mit Mönchspfefferextrakt im Handel:

Agnolyt Kapseln (Max Zeller, Romanshorn)

Emoton (Tentan, Itingen)

Oprane (Vifor, Villars-sur-Glâne)

Prefemin (Max Zeller, Romanshorn)

Premens (Zeller Medical, Romanshorn)

Ungeklärt ist die Wirksamkeit von Mönchspfeffertee und Mönchspfeffertinktur.

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Problematische Medikamente im Abwasser

Sonntag, März 4th, 2012

In Deutschland gelangen täglich mehrere Tonnen an Arzneimitteln in die Umwelt. Mehrere Forschungsprojekte konnten entsprechende Rückstände in Böden, Gewässern und auch im Trinkwasser nachweisen. Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt besonders problematische Medikamente auf.

Insgesamt stellte das UBA 156 Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt fest. 24 davon wurden mit hoher Priorität eingestuft, das heisst, dass diese Substanzen besonders schädlich für Umweltorganismen sind. Allein die Hälfte der mit hoher Priorität gelisteten Arzneimittel sind Antibiotika, darunter auch Sulfamethoxazol. Sowohl in Oberflächengewässern, als auch im Grund- und Trinkwasser waren Konzentrationen von 0,1 bis 1 Mikrogramm pro Liter des Sulfonamids nachgewiesen worden. Zudem wurden die Makrolide Clarithromycin und Erythromycin sowie die Tetracycline Doxycyclin und Oxytetracyclin gefunden.

Messungen zeigten, dass auch verschreibungsfreie Analgetika in hohen Konzentration in die Umwelt gelangen. Neben Paracetamol wurden auch Naproxen und Diclofenac in Oberflächengewässern und im Grundwasser entdeckt. Ihre Konzentration bewegte sich im Bereich von einem Mikrogramm pro Liter. Für Diclofenac ist schon bekannt, dass es Nierenschäden bei Fischen auslösen kann. Weitere Medikamente mit einem hohen ökotoxikologischen Wirkpotenzial sind Metoprolol, Cabamazepin, Primidon und die Estrogene Norethisteron, Ethinylestradiol und Estradiol.

Vorkommen und Folgen von Medikamenten in der Umwelt werden nach Ansicht des UBA unterschätzt. Laut UBA wird die Konzentration von Humanarzneimitteln in der Umwelt aufgrund des demographischen Wandels noch weiter ansteigen. Deshalb will die EU die EG-Wasserrahmenrichtlinie um weitere umwelttoxische Substanzen erweitern.

Wie sich diese problematischen Stoffe auf die Umwelt auswirken, wird bislang nicht systematisch untersucht. Das UBA verlangt deshalb ein zulassungsbegleitendes Umweltmonitoring. Die Vorsorge beim Umgang mit Arzneimittelrückständen müsse verbessert werden, denn diese Stoffe könnten problematisch für die Umwelt sein, forderte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Eine bessere Überwachung soll helfen, Belastungsschwerpunkte und ökologische Folgen von Arzneimitteln zu erkennen und die medizinische Versorgung umweltverträglicher zu gestalten.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/tonnenweise-arzneimittel-im-abwasser

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin kein fundamentalistischer Gegner synthetischer Medikamente. In vielen Fällen sind sie die beste Option und manchmal retten sie Leben.

Aber die zunehmenden Arzneimittelrückstände in der Umwelt sind besorgniserregend und verlangen Wachsamkeit.

Bei der Entwicklung von Medikamenten wird oft speziell Wert auf eine lange Haltbarkeit gelegt. Dies gewährleistet, dass das Medikament nicht abgebaut wird, bevor es seine Wirkung entfalten kann. Viele Pillen sind zum Beispiel so konstruiert, dass sie die Magensäure unbeschadet überstehen und erst im Darm ihren Wirkstoff freisetzen.

Als Folge davon sind viele Arzneien sehr stabil und werden größtenteils unverändert wieder ausgeschieden. Und in der Natur sind solche Moleküle schwer abbaubar.

Mit Natursubstanzen, wie sie in Heilpflanzen-Präparaten vorkommen, kann die Natur besser umgehen. Das spricht meines Erachtens dafür, wo immer möglich auf Phytopharmaka zu setzen.

Siehe auch:

Natur als Medikamenten-Deponie

Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen

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Heilpflanzen-Präparate bei Rheuma

Sonntag, März 4th, 2012

In der „Pharmazeutischen Zeitung“ publizierte Professor Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena einen informativen Beitrag zur Rheumabehandlung mit Phytopharmaka.

Zur Bedeutung dieser Heilpflanzen-Präparate schreibt er einleitend:

„ Zur (Begleit-)Therapie rheumatischer Erkrankungen inklusive degenerativer Gelenkerkrankungen und milder bis mittelstarker Muskel- und Rückenschmerzen stehen ausgewählte Phytopharmaka zur Verfügung.

Diese sind insbesondere als alternative oder komplementäre Therapie-Optionen zur klassischen medikamentösen Behandlung mit steroidalen und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) von Bedeutung.

Ob Teufelskralle, Weidenrinde, Brennnessel oder Weihrauch, ob Cannabis, Hagebutte oder Mutterkraut: Nahezu jeder Rheuma-Patient bedient sich pflanzlicher Antiphlogistika, nicht zuletzt, da er die Nebenwirkungen chemisch definierter Arzneimittel und hier insbesondere der Glucocorticoide fürchtet.

Für ihre Effektivität spricht auch und gerade die Tatsache, dass Zubereitungen entzündungshemmender Kräuter seit Jahrtausenden in der Volksmedizin angewandt werden.

Für zahlreiche Pflanzen(-präparationen), die als Interna zur Entzündungs- und auch Schmerzhemmung bei diversen Krankheitsbildern wie Rheumatoide Arthritis oder Osteoarthrose genutzt werden, liegen, wie bei chemisch definierten Arzneistoffen, wissenschaftliche Daten sowie Hinweise auf Wirkmechanismen und Targets in der menschlichen Entzündungspathogenese vor.

Dennoch wird ihre Effektivität von einigen Fachleuten in Frage gestellt, gilt die klinische Wirksamkeit dieser Phytopharmaka als umstritten. Durch die mangelnde Anerkennung und wenig konsequente Weiterverfolgung der hier bereits vorliegenden Erkenntnisse zu Forschungs- und Therapie-Potenzialen werden große Chancen vertan.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?type=0&id=40814

Kommentar & Ergänzung:

Heilpflanzen-Präparate können in vielen Situationen für die Behandlung von Arthritis und Arthrose von Nutzen sein. Heikel ist es allerdings, wenn bei schweren Entzündungen ausschliesslich auf Phytoparmaka oder andere Naturheilmittel gesetzt wird. In solchen Fällen braucht es oft starke Entzündungshemmer (z. B. Glucocorticoide, NSAR), um Schaden von den betroffenen Gelenken abzuwenden und die Schmerzen erträglich zu machen. Diese starken Entzündunghemmer sind bei langdauerndem Gebrauch und bei hohen Dosierungen aber mit einigen ernsthaften Risiken verbunden. Bei abklingenden Entzündungen und in Zwischenphasen können Phytopharmaka wie Weihrauch, Teufelskralle, Weidenrinde, Hagebutte oder Brennessel mithelfen, die Dosierungen von Glucocorticoiden oder NSAR herunterzufahren. Es geht also nicht um ein Gegeneinander von synthetischen Medikamenten und Naturheilmitteln, sondern um eine stadiengerechte Behandlung mit der jeweils besten Option.

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Artischocke und Gelbwurzel zur Lipidsenkung

Samstag, Dezember 24th, 2011

In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie veröffentlichte Prof. Dr. Volker Schulz einen sehr informativen Beitrag über „Pflanzliche Arzneimittel für Herz und Kreislauf“.

Nachfolgend kommentierte Zitate zum Thema Lipidsenkung durch Artischocke und Gelbwurzel (Curcuma):

„Extrakte aus Artischockenblättern (Cynarae folium) und Gelbwurzel (Curcumae longae rhizoma) haben choleretische Wirkungen, die für beide Drogen sowohl in Tierversuchen als auch am Menschen nachgewiesen wurden.“

Kommentar:

„choleretisch“ = fördert die Gallenproduktion in der Leber.

„Droge“ bedeutet im Bereich Phytotherapie „getrocknete Heilpflanze“.

„Verstärkter Gallefluss kann mit einer vermehrten Elimination von Cholesterin aus dem Körper verbunden sein. Bei hyperlipidämischen Ratten wurden tatsächlich nach mehrmaligen intraperitonealen Gaben wässriger oder alkoholischer Extrakte aus Artischockenblättern Senkungen der Triglyceridwerte um 30 Prozent und der Cholesterinwerte um bis zu 50 Prozent beobachtet. Bei Versuchen an Leberzellen in vitro wurde darüber hinaus festgestellt, dass nicht nur die Ausscheidung des Cholesterins verstärkt, sondern auch dessen Biosynthese gehemmt wurde. Lipidsenkende Wirkungen mit Artischockenblätter-Extrakten wurden am Menschen in einer Doppelblindstudie und bei  5 Anwendungs-Beobachtungen nachgewiesen.“

Kommentar: Tierexperimente und Laboruntersuchungen ( = in-vitro) sind nur sehr begrenzt aussagekräftig in Bezug auf Wirkungen am Menschen.  Aber es gibt inzwischen auch einige Studien mit Patienten, die auf eine lipidsenkende Wirkung der Artischockenblätter hinweisen.

„Mit Kurkumawurzel-Extrakten liegen vorwiegend nur tierexperimentelle Befunde in diesem Sinne vor. Gemessen an der Wirkstärke heute verfügbarer synthetischer Lipidsenker, wie auch in Bezug auf die mehrheitlich bei den Synthetica mittels großer Human-Studien gesicherten Erfolge bei der Prävention von Arteriosklerose-Folgekrankheiten, sind die Wirksamkeits-Belege in diesem Indikationsbereich bei den Phytopharmaka dennoch eher als bescheiden einzustufen. Die Anwendung dieser pflanzlichen Mittel ist andererseits nicht mit ernsthaften Risiken verbunden. Im Rahmen naturheilkundlicher Behandlungen hat deshalb deren unterstützende Anwendung auch weiterhin ihre Berechtigung.“

Kommentar: Die Curcuma (Gelbwurzel) ist Bestandteil von Curry-Mischungen. Der Inhaltsstoff Curcumin wird intensiv erforscht für eine mögliche Anwendung in der Krebstherapie. Obwohl bis zu einer erfolgsversprechenden  Anwendung beim Menschen noch sehr viele Fragen offen sind, wird Curcumin zum Teil vorschnell als Wunderheilmittel für die Krebsheilung angepriesen. Ein Problem ist unter anderem die schlechte Wasserlöslichkeit von Curcumin, wodurch die Substanz aus den Verdauungstrakt nur in sehr geringem Mass in den Organismus aufgenommen werden kann.

Siehe dazu:

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs?

Kurkuma als Leberschutz untersucht

Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs?

Curcumin: Curry-Inhaltsstoff zeigt Antikrebswirkung im Labortest

Curcumin gegen Krebs?

Zum Thema Cholesterinsenkung werden noch andere interessante Heilpflanzen-Anwendungen diskutiert:

Bockshornklee: Interessant als Heilpflanze und Gewürz

Haferkleie reduziert den Cholesterinspiegel

Grüntee reduziert Cholesterin (aber nur wenig)

Was ist Johannisbrotkernmehl?

Äpfel sind gute Cholesterinsenker

Polyphenole aus Rooibostee schützen vor Arteriosklerose

Leinsamen reduziert Cholesterinspiegel bei Männern

Hibiscus / Karkade gegen erhöhtes Cholesterin

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Auch für diese pflanzlichen Cholesterinsenker gilt, dass ihre Wirkung nur gering ist, bei zugleich aber optimaler Verträglichkeit bzw. fehlendem Risiko.

Quelle der Zitate: PHYTO Therapie  1|10

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuter und ihre Wirkung: Wermut

Freitag, Dezember 16th, 2011

„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.

Zum Wermut steht dort:

„Wermut (Artemisia absinthium)

Die bewusstseinerweiternde Wirkung des Absinth kennt man schon seit Alters her. Was viele vielleicht nicht wissen: Wermut passt auch gut zu fettem Fleisch und Eintöpfen. Der Aufguss des sogenannten Wurmkrauts hilft bei Appetitlosigkeit, Gallen- und Verdauungsbeschwerden. Schädliche Insekten nehmen nach einem “Wermut-Bad” aus dem Garten reißaus.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story

Kommentar & Ergänzung:

Wermutkraut enthält ätherisches Öl mit Thujon und zahlreichen anderen Monoterpenen, Bitterstoffe vom Sesquiterpenlacton-Typ, Flavonoide und Phenolcarbonsäuren.

Bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden (Verdauungsbeschwerden mit leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich) gilt die Wirkung von Wermutkraut als medizinisch anerkannt. Wermut gehört zu den Amara aromatica, zu den Heilpflanzen also, die zugleich Bitterstoffe und ätherisches Öl enthalten.

Zum „Absinth“ schreibt die Kooperation Phytopharmaka:

„Alkoholische Wermutauszüge und Lösungen des ätherischen Öls in Alkohol (Absinth-Liköre, „Grüne Fee“ u.a.) waren wegen ihrer schädlichen Wirkungen (gastrointestinale Probleme, nervenschädigende Wirkung, psychische Erkrankungen – bis hin zum Suizid) insbesondere bei Dauerkonsum in vielen Staaten verboten. Man macht dafür das in der Droge enthaltene Thujon verantwortlich, das bei Überdosierung u.a. zu einer erhöhten Krampfneigung führt. Heute sind Absinth-Getränke wieder zugelassen, aber mit oberen Grenzwerten für Thujon (höchstens 35 mg pro Liter). Man verwendet für deren Herstellung eine Thujon-arme Artemisia-Art.“

Quelle: http://koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/wermut.php

Weitere Informationen zum „Absinth“:

Absinth – was ist das genau?

Und zu den Artemisia-Arten:

Blick ins Pflanzenlexikon: Artemisia

Wermut hat eine interessante Kulturgeschichte:

„Wermut ist ein westgermanisches Wort unbekannter Herkunft: *wermoda-; ahd. wer(i)muota, wer(i)muot, ae. wermod as. wermoda.

Der englische Name wormwood (wörtl. ‚Wurmholz‘) ist eine volksetymologische Umdeutung des altenglischen Namens wermod und deutet darauf hin, dass man dem Wermut anti-parasitäre Eigenschaften zuschrieb. Andere [Namens-]Formen wiederum sind an ‚warm‘ angelehnt wegen der ‚wärmenden‘ Eigenschaft des Wermutabsudes.

Der lateinische Name Artemisia absinthium deutet auf die Namensgeberschaft der antiken Göttin Artemis (griechischer Name der Diana) hin. Pseudo-Apuleius, Autor eines Kräuterbuchs aus dem 5. Jahrhundert – und nicht zu verwechseln mit dem Autor Apuleius des 2. Jahrhundert – schreibt (de virtutibus herbarum 10): ‘eines der Kräuter, das wir als Artemisia bezeichnen und von denen gesagt wird, dass Diana sie fand und dem Zentauren Chiron verabreichte, der sie wiederum Diana zu Ehren nach ihr benannte’.

Mehrfach wird Wermut in der Bibel erwähnt, einer Version nach entsprang er auf dem Weg, den die Schlange bei der Vertreibung aus dem Paradies nahm.“

(Quelle: Wikipedia)

In symbolischer oder poetischer Sprache steht der Name Wermut häufig auch für Bitterkeit und Trauer.

Und was ist gemeint mit dem „Wermutstropfen“?

„Der Ausdruck ‘Wermutstropfen’ spielt auf die Bitterkeit des Wermuts an und beschreibt Dinge oder Erfahrungen, die eine Spur von Bitterkeit (als Synonym für Schmerz oder Unangenehmes) in an sich Schönes bringen, so wie ein Tropfen Wermut auch einem süßen Getränk eine Spur Bitterkeit verleiht.“

(Quelle: Wikipedia)

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Heilpflanzen-Präparate können Krebstherapie gefährden

Mittwoch, November 16th, 2011

Heilpflanzen-Präparate aus der Phytotherapie oder aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind bei Krebspatienten beliebt. Doch manche Mittel können die Wirkung der üblichen Tumortherapie außer Kraft setzten.

Wer an einem bösartigen Tumorleiden erkrankt, muss meist eine Chemotherapie oder Bestrahlung über sich ergehen lassen und Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall, Haarausfall und Kachexie in Kauf nehmen – von der psychischen Belastung durch die Krebsdiagnose einmal ganz abgesehen. Da ist es nicht überraschend, dass Tumorpatienten gerne und häufig in Eigenregie zu pflanzlichen Mitteln greifen, um die Nebenwirkungen der Krebstherapie zu reduzieren. Tatsächlich bietet die Phytotherapie in diesem Bereich einige interessante Möglichkeiten.

Siehe dazu:

Heilpflanzen-Anwendungen bei Krebs

Phytotherapie lindert Nebenwirkungen bei Chemotherapie und Bestrahlung

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

Allerdings sind Heilpflanzen-Präparate nicht immer harmlos und nebenwirkungsfrei. Einige können Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Krebstherapeutika erheblich beeinflussen, indem sie auf das Cytochrom-P450-System oder auf Effluxtransporter wie das P-Glykoprotein einwirken. Doch welche klinisch bedeutsamen Interaktionen (Wechselwirkungen) zwischen Tumortherapeutika und pflanzlichen Präparaten sind bisher bekannt?

Priv.-Doz. Dr. Matthias Unger vom Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie der Universität Würzburg hat dazu in der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“ einen informativen Beitrag veröffentlicht.

Dr. Unger nennt als Beispiel die erheblich reduzierte Bioverfügbarkeit der Zytostatika Irinotecan und Imatinib bei Anwendung von Johanniskraut. So wurde in klinischen Untersuchungen die Bioverfügbarkeit von Imatinib um durchschnittlich 30 Prozent und diejenige von Irinotecan sogar um 41 Prozent vermindert, wenn gleichzeitig hyperforinhaltige Johanniskrautpräparate gegeben wurden. Denn diese Pflanzenextrakte steigern die Expression von CYP3A4 und P-Glykoprotein.

Die Inhaltsstoffe von Schisandra-Spezies bewirken das Gegenteil: Sie vermindern die Expression von CYP3A4 und P-Glykoprotein und erhöhen damit die Bioverfügbarkeit von CYP3A4- und P-Glykoprotein-Substraten. So steigerte ein Extrakt aus den Früchten von Schisandra sphenanthera die AUC des Kurzhypnotikums Midazolam um 119 Prozent und die maximale Plasmakonzentration um 86 Prozent.

Bei dem Immunsuppressivum Tacrolimus wird die Bioverfügbarkeit durch Schisandra-Inhaltsstoffe sogar um 164 Prozent gesteigert. Ein weiteres Phytotherapeutikum, das auf CYP-Enzyme einwirkt, ist die Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), die häufig kombinert mit Echinacea bei grippalen Infekten angewendet wird. Zubereitungen aus der Wurzel der Kanadischen Gelbwurz steigern die Toxizität von CYP3A4-Substraten wie Irinotecan und Imatinib und können die Wirkung von Tamoxifen fast gänzlich aufheben.

Interaktionen zwischen Krebsmedikamenten und Heilpflanzen-Präparaten lassen sich nur vermeiden, wenn Ärzte und Apotheker über die beschriebenen Mechanismen Bescheid wissen. Sie sollten Patienten über mögliche Risiken umfassend aufzuklären, fasst Dr. Unger zusammen.

Quellen:

Matthias Unger, Forschende Komplementärmedizin 2011; 18: DOI 10.1159/000330937

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=110983&dspaid=960953

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Beitrag zeigt, wie wichtig es ist, dass Patientinnen und Patienten den behandelnden Ärztinnen und Ärzten mitteilen, welche Heilpflanzen-Präparate sie einnehmen.

Dieser Beitrag über Interaktionen zwischen Phytopharmaka und synthetischen Medikamenten ist sehr viel präziser und fundierter als der Beitrag, den ich hier kritisch unter die Lupe genommen habe:

Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen

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