Artikel mit Schlagwort ‘Phytopharmaka’

Artischocke und Gelbwurzel zur Lipidsenkung

Samstag, Dezember 24th, 2011

In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie veröffentlichte Prof. Dr. Volker Schulz einen sehr informativen Beitrag über „Pflanzliche Arzneimittel für Herz und Kreislauf“.

Nachfolgend kommentierte Zitate zum Thema Lipidsenkung durch Artischocke und Gelbwurzel (Curcuma):

„Extrakte aus Artischockenblättern (Cynarae folium) und Gelbwurzel (Curcumae longae rhizoma) haben choleretische Wirkungen, die für beide Drogen sowohl in Tierversuchen als auch am Menschen nachgewiesen wurden.“

Kommentar:

„choleretisch“ = fördert die Gallenproduktion in der Leber.

„Droge“ bedeutet im Bereich Phytotherapie „getrocknete Heilpflanze“.

„Verstärkter Gallefluss kann mit einer vermehrten Elimination von Cholesterin aus dem Körper verbunden sein. Bei hyperlipidämischen Ratten wurden tatsächlich nach mehrmaligen intraperitonealen Gaben wässriger oder alkoholischer Extrakte aus Artischockenblättern Senkungen der Triglyceridwerte um 30 Prozent und der Cholesterinwerte um bis zu 50 Prozent beobachtet. Bei Versuchen an Leberzellen in vitro wurde darüber hinaus festgestellt, dass nicht nur die Ausscheidung des Cholesterins verstärkt, sondern auch dessen Biosynthese gehemmt wurde. Lipidsenkende Wirkungen mit Artischockenblätter-Extrakten wurden am Menschen in einer Doppelblindstudie und bei  5 Anwendungs-Beobachtungen nachgewiesen.“

Kommentar: Tierexperimente und Laboruntersuchungen ( = in-vitro) sind nur sehr begrenzt aussagekräftig in Bezug auf Wirkungen am Menschen.  Aber es gibt inzwischen auch einige Studien mit Patienten, die auf eine lipidsenkende Wirkung der Artischockenblätter hinweisen.

„Mit Kurkumawurzel-Extrakten liegen vorwiegend nur tierexperimentelle Befunde in diesem Sinne vor. Gemessen an der Wirkstärke heute verfügbarer synthetischer Lipidsenker, wie auch in Bezug auf die mehrheitlich bei den Synthetica mittels großer Human-Studien gesicherten Erfolge bei der Prävention von Arteriosklerose-Folgekrankheiten, sind die Wirksamkeits-Belege in diesem Indikationsbereich bei den Phytopharmaka dennoch eher als bescheiden einzustufen. Die Anwendung dieser pflanzlichen Mittel ist andererseits nicht mit ernsthaften Risiken verbunden. Im Rahmen naturheilkundlicher Behandlungen hat deshalb deren unterstützende Anwendung auch weiterhin ihre Berechtigung.“

Kommentar: Die Curcuma (Gelbwurzel) ist Bestandteil von Curry-Mischungen. Der Inhaltsstoff Curcumin wird intensiv erforscht für eine mögliche Anwendung in der Krebstherapie. Obwohl bis zu einer erfolgsversprechenden  Anwendung beim Menschen noch sehr viele Fragen offen sind, wird Curcumin zum Teil vorschnell als Wunderheilmittel für die Krebsheilung angepriesen. Ein Problem ist unter anderem die schlechte Wasserlöslichkeit von Curcumin, wodurch die Substanz aus den Verdauungstrakt nur in sehr geringem Mass in den Organismus aufgenommen werden kann.

Siehe dazu:

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs?

Kurkuma als Leberschutz untersucht

Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs?

Curcumin: Curry-Inhaltsstoff zeigt Antikrebswirkung im Labortest

Curcumin gegen Krebs?

Zum Thema Cholesterinsenkung werden noch andere interessante Heilpflanzen-Anwendungen diskutiert:

Bockshornklee: Interessant als Heilpflanze und Gewürz

Haferkleie reduziert den Cholesterinspiegel

Grüntee reduziert Cholesterin (aber nur wenig)

Was ist Johannisbrotkernmehl?

Äpfel sind gute Cholesterinsenker

Polyphenole aus Rooibostee schützen vor Arteriosklerose

Leinsamen reduziert Cholesterinspiegel bei Männern

Hibiscus / Karkade gegen erhöhtes Cholesterin

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Auch für diese pflanzlichen Cholesterinsenker gilt, dass ihre Wirkung nur gering ist, bei zugleich aber optimaler Verträglichkeit bzw. fehlendem Risiko.

Quelle der Zitate: PHYTO Therapie  1|10

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Kräuter und ihre Wirkung: Wermut

Freitag, Dezember 16th, 2011

„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.

Zum Wermut steht dort:

„Wermut (Artemisia absinthium)

Die bewusstseinerweiternde Wirkung des Absinth kennt man schon seit Alters her. Was viele vielleicht nicht wissen: Wermut passt auch gut zu fettem Fleisch und Eintöpfen. Der Aufguss des sogenannten Wurmkrauts hilft bei Appetitlosigkeit, Gallen- und Verdauungsbeschwerden. Schädliche Insekten nehmen nach einem “Wermut-Bad” aus dem Garten reißaus.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story

Kommentar & Ergänzung:

Wermutkraut enthält ätherisches Öl mit Thujon und zahlreichen anderen Monoterpenen, Bitterstoffe vom Sesquiterpenlacton-Typ, Flavonoide und Phenolcarbonsäuren.

Bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden (Verdauungsbeschwerden mit leichten Krämpfen im Magen-Darm-Bereich) gilt die Wirkung von Wermutkraut als medizinisch anerkannt. Wermut gehört zu den Amara aromatica, zu den Heilpflanzen also, die zugleich Bitterstoffe und ätherisches Öl enthalten.

Zum „Absinth“ schreibt die Kooperation Phytopharmaka:

„Alkoholische Wermutauszüge und Lösungen des ätherischen Öls in Alkohol (Absinth-Liköre, „Grüne Fee“ u.a.) waren wegen ihrer schädlichen Wirkungen (gastrointestinale Probleme, nervenschädigende Wirkung, psychische Erkrankungen – bis hin zum Suizid) insbesondere bei Dauerkonsum in vielen Staaten verboten. Man macht dafür das in der Droge enthaltene Thujon verantwortlich, das bei Überdosierung u.a. zu einer erhöhten Krampfneigung führt. Heute sind Absinth-Getränke wieder zugelassen, aber mit oberen Grenzwerten für Thujon (höchstens 35 mg pro Liter). Man verwendet für deren Herstellung eine Thujon-arme Artemisia-Art.“

Quelle: http://koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/wermut.php

Weitere Informationen zum „Absinth“:

Absinth – was ist das genau?

Und zu den Artemisia-Arten:

Blick ins Pflanzenlexikon: Artemisia

Wermut hat eine interessante Kulturgeschichte:

„Wermut ist ein westgermanisches Wort unbekannter Herkunft: *wermoda-; ahd. wer(i)muota, wer(i)muot, ae. wermod as. wermoda.

Der englische Name wormwood (wörtl. ‚Wurmholz‘) ist eine volksetymologische Umdeutung des altenglischen Namens wermod und deutet darauf hin, dass man dem Wermut anti-parasitäre Eigenschaften zuschrieb. Andere [Namens-]Formen wiederum sind an ‚warm‘ angelehnt wegen der ‚wärmenden‘ Eigenschaft des Wermutabsudes.

Der lateinische Name Artemisia absinthium deutet auf die Namensgeberschaft der antiken Göttin Artemis (griechischer Name der Diana) hin. Pseudo-Apuleius, Autor eines Kräuterbuchs aus dem 5. Jahrhundert – und nicht zu verwechseln mit dem Autor Apuleius des 2. Jahrhundert – schreibt (de virtutibus herbarum 10): ‘eines der Kräuter, das wir als Artemisia bezeichnen und von denen gesagt wird, dass Diana sie fand und dem Zentauren Chiron verabreichte, der sie wiederum Diana zu Ehren nach ihr benannte’.

Mehrfach wird Wermut in der Bibel erwähnt, einer Version nach entsprang er auf dem Weg, den die Schlange bei der Vertreibung aus dem Paradies nahm.“

(Quelle: Wikipedia)

In symbolischer oder poetischer Sprache steht der Name Wermut häufig auch für Bitterkeit und Trauer.

Und was ist gemeint mit dem „Wermutstropfen“?

„Der Ausdruck ‘Wermutstropfen’ spielt auf die Bitterkeit des Wermuts an und beschreibt Dinge oder Erfahrungen, die eine Spur von Bitterkeit (als Synonym für Schmerz oder Unangenehmes) in an sich Schönes bringen, so wie ein Tropfen Wermut auch einem süßen Getränk eine Spur Bitterkeit verleiht.“

(Quelle: Wikipedia)

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Heilpflanzen-Präparate können Krebstherapie gefährden

Mittwoch, November 16th, 2011

Heilpflanzen-Präparate aus der Phytotherapie oder aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind bei Krebspatienten beliebt. Doch manche Mittel können die Wirkung der üblichen Tumortherapie außer Kraft setzten.

Wer an einem bösartigen Tumorleiden erkrankt, muss meist eine Chemotherapie oder Bestrahlung über sich ergehen lassen und Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall, Haarausfall und Kachexie in Kauf nehmen – von der psychischen Belastung durch die Krebsdiagnose einmal ganz abgesehen. Da ist es nicht überraschend, dass Tumorpatienten gerne und häufig in Eigenregie zu pflanzlichen Mitteln greifen, um die Nebenwirkungen der Krebstherapie zu reduzieren. Tatsächlich bietet die Phytotherapie in diesem Bereich einige interessante Möglichkeiten.

Siehe dazu:

Heilpflanzen-Anwendungen bei Krebs

Phytotherapie lindert Nebenwirkungen bei Chemotherapie und Bestrahlung

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

Allerdings sind Heilpflanzen-Präparate nicht immer harmlos und nebenwirkungsfrei. Einige können Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Krebstherapeutika erheblich beeinflussen, indem sie auf das Cytochrom-P450-System oder auf Effluxtransporter wie das P-Glykoprotein einwirken. Doch welche klinisch bedeutsamen Interaktionen (Wechselwirkungen) zwischen Tumortherapeutika und pflanzlichen Präparaten sind bisher bekannt?

Priv.-Doz. Dr. Matthias Unger vom Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie der Universität Würzburg hat dazu in der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“ einen informativen Beitrag veröffentlicht.

Dr. Unger nennt als Beispiel die erheblich reduzierte Bioverfügbarkeit der Zytostatika Irinotecan und Imatinib bei Anwendung von Johanniskraut. So wurde in klinischen Untersuchungen die Bioverfügbarkeit von Imatinib um durchschnittlich 30 Prozent und diejenige von Irinotecan sogar um 41 Prozent vermindert, wenn gleichzeitig hyperforinhaltige Johanniskrautpräparate gegeben wurden. Denn diese Pflanzenextrakte steigern die Expression von CYP3A4 und P-Glykoprotein.

Die Inhaltsstoffe von Schisandra-Spezies bewirken das Gegenteil: Sie vermindern die Expression von CYP3A4 und P-Glykoprotein und erhöhen damit die Bioverfügbarkeit von CYP3A4- und P-Glykoprotein-Substraten. So steigerte ein Extrakt aus den Früchten von Schisandra sphenanthera die AUC des Kurzhypnotikums Midazolam um 119 Prozent und die maximale Plasmakonzentration um 86 Prozent.

Bei dem Immunsuppressivum Tacrolimus wird die Bioverfügbarkeit durch Schisandra-Inhaltsstoffe sogar um 164 Prozent gesteigert. Ein weiteres Phytotherapeutikum, das auf CYP-Enzyme einwirkt, ist die Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), die häufig kombinert mit Echinacea bei grippalen Infekten angewendet wird. Zubereitungen aus der Wurzel der Kanadischen Gelbwurz steigern die Toxizität von CYP3A4-Substraten wie Irinotecan und Imatinib und können die Wirkung von Tamoxifen fast gänzlich aufheben.

Interaktionen zwischen Krebsmedikamenten und Heilpflanzen-Präparaten lassen sich nur vermeiden, wenn Ärzte und Apotheker über die beschriebenen Mechanismen Bescheid wissen. Sie sollten Patienten über mögliche Risiken umfassend aufzuklären, fasst Dr. Unger zusammen.

Quellen:

Matthias Unger, Forschende Komplementärmedizin 2011; 18: DOI 10.1159/000330937

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=110983&dspaid=960953

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Beitrag zeigt, wie wichtig es ist, dass Patientinnen und Patienten den behandelnden Ärztinnen und Ärzten mitteilen, welche Heilpflanzen-Präparate sie einnehmen.

Dieser Beitrag über Interaktionen zwischen Phytopharmaka und synthetischen Medikamenten ist sehr viel präziser und fundierter als der Beitrag, den ich hier kritisch unter die Lupe genommen habe:

Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen

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Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen

Freitag, November 4th, 2011

Patienten sollten vor einer Operation mitteilen, welche pflanzlichen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel sie einnehmen. Solche Präparate können zu schwer wiegenden Wechselwirkungen (Interaktionen) führen, schreiben US-amerikanische Forscher im Fachblatt «Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons» (Band 19, Ausgabe 10, Seite 634-643). In einem Review untersuchten die Wissenschaftler mehrere Studien zu der Problematik. Sie gehen davon aus, dass 35 – 70 Prozent der orthopädischen Patienten, oft aufgrund ihrer Schmerzen, auf alternative Mittel zurückgreifen – ohne dass ihr Arzt davon weiß.

Beispielsweise kann Baldrian die Wirkung der Narkosemittel steigern. Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskraut, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Ingwer und der Kran- oder Moosbeere (Cranberry, Vaccinium ssp.) beeinflussen das in den USA oft verschriebene Antikoagulanz Warfarin. Bei Mutterkraut, Ingwer und Ginkgo können mit der blutverdünnenden Wirkung von Acetylsalicylsäure Interaktionen entstehen. Johanniskraut und Knoblauch können die Wirkung immunsuppressiver Arzneistoffe vermindern und im schlimmsten Fall zur Abstoßung von Organtransplantaten führen.

Speziell für Osteoarthritis vermarktete Produkte können die ärztlich verordnete Behandlung stören: Glucosamine und Chondroitin können die Wirkung von Antikoagulanzien beeinflussen. Präparate aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wechselwirken mit dem Krebsmittel Tamoxifen. Katzenkralle (Uncaria tomentosa) tritt mit Gerinnungshemmern, Antihypertensiva und Ciclosporin in Interaktion.

Gerade das Etikett «natürlich» oder «homöopathisch» verleite Patienten zu der Ansicht, solche Mittel könnten nichts schaden. Apotheker sollten beim Verkauf solcher Präparate aber auf mögliche Interaktionen hinweisen, hauptsächlich wenn den Patienten eine Operation bevorsteht. Der Arzt sollte über die Einnahme informiert werden; umgekehrt sollten die Mediziner aktiv nachfragen. Die Forscher raten, die pflanzliche Selbstmedikation mindestens ein bis zwei Wochen vor der Operation abzusetzen und mit den Präparaten zu pausieren, solange Blutverdünner und Antibiotika eingenommen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39707&Nachricht_Title=Nachrichten_Phytopharmaka%3A+Interaktionen+bei+Operationen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Klar ist, dass Wechselwirkungen zwischen Heilpflanzen-Präparaten und anderen Medikamenten vorkommen und beachtet werden müssen.

Die Warnungen vor solchen Interaktionen sind aber oft von fragwürdiger Qualität, die Aussagen vage und spekulativ. Im Beitrag der „Pharmazeutischen Zeitung“ sind relevante Interaktionen und hochgradige Spekulation wild gemischt.

So ist beispielsweise die Wechselwirkung  zwischen Johanniskraut und Immunsuppressiva  sehr relevant und ernst zu nehmen. Wenn aber gewarnt wird vor Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen, dann liegt dem wohl die Annahme zugrunde, dass Traubensilberkerze Phytoöstrogene enthält, damit die antiöstrogene Wirkung von Tamoxifen beeinträchtigt und infolgedessen durch Steigerung von Zellwachstum und Zellvermehrung das Brustkrebsrisiko steigert.

Traubensilberkerze enthält aber nach neueren Untersuchungen keine Phytoöstrogene:

„In früheren Jahren glaubte man, dass auch Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze SERMs enthalten. Heute wissen wir, dass diese Extrakte keine Östrogene, also auch keine SERMs enthalten. Die ohne Zweifel vorhandenen positiven Effekte auf klimakterische Beschwerden werden über nachgewiesene dopaminerge und serotoninerge Prinzipien erklärbar, die im Hypothalamus – dem Ort der Entstehung von Hitzewallungen – wirken.“

(Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 6 / 2010).

Nach Hänsel / Sticher (2010) haben In-vitro-Untersuchungen gezeigt, dass Traubensilberkerzen-Extrakte u. a. die durch Östrogene induzierte Proliferation von humanen östrogenrezeptorpositiven Brustkrebszelllinien (T47D und MCF-7) hemmen. Die antiproliferative Wirkung des Traubensilberkerzen-Extraktes sei vergleichbar gewesen mit derjenigen des Östrogenrezeptorantagonisten Tamoxifen.

(in: Pharmakognosie Phytopharmazie, Springer Verlag 2010)

Das heisst: Neuere Untersuchungen zeigen, dass Cimicifuga-Extrakt Wachstum und Vermehrung dieser Brustkrebszellen nicht steigert und möglicherweise sogar ähnlich wie Tamoxifen schützend wirkt. Allerdings sind das Laboruntersuchungen und Langzeitstudien mit Patientinnen fehlen.

Aber diese Fakten zeigen, dass der simple Warnhinweis auf Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen der komplexen Situation nicht gerecht wird und wohl auch nicht stimmt.

Man könnte nun alle oben aufgeführten Interaktionen solcherart unter die Lupe nehmen und würde wohl in der Mehrzahl der Fälle ähnlich komplexe Situationen antreffen.

Mir fällt auf – oder täusche ich mich da? – dass immer wieder in den Medien gewarnt wird vor Wechselwirkung zwischen bestimmten Heilpflanzen und synthetischen Medikamenten. Kaum je Thema in den Medien sind konkrete Warnungen von Wechselwirkungen bei synthetischen Medikamenten, wo solche Probleme natürlich auch vorkommen.

So entsteht der falsche Eindruck, Phytopharmaka seien punkto Wechselwirkungen besonders problematisch. Das stimmt nicht.

Ich will daraus nun aber nicht eine Verschwörungstheorie basteln und eine Geheimaktion der Pharmaindustrie dahinter wittern.

Ein Grund spricht nämlich schon dafür, dass explizit vor Wechselwirkungen bei Heilpflanzen-Präparaten gewarnt wird, nämlich dass viele Leute gar nicht daran denken, dass „natürliche Produkte“ solche Effekte zeigen können.

Erwarten könnte man aber, dass solche Warnungen differenziert geäussert werden und fachlich auf dem Stand des Wissens sind. Das ist oft leider nicht der Fall.

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Studie: Beinwell-Salbe in der Therapie akuter Rückenschmerzen

Sonntag, Oktober 30th, 2011

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 3 / 2011) veröffentlichte eine Studie mit einer Beinwell-Salbe (Kytta-Salbe).

Durchgeführt wurde die Studie an der Deutschen Sporthochschule Köln und 3 zusätzlichen ambulanten Zentren für Orthopädie und Sportmedizin.

Die Originalpublikation erfolgte im British Journal of Sports Medicine

(http://bjsm.bmj.com/content/44/9/637.abstract?sid=08e00813-56a0-43af-89f2-ae8be35caa24)

Hier die wichtigsten Ergebnisse dieser randomisierten, klinischen Prüfung.

Zuerst eine Zusammenfassung der bisherigen Studien mit Beinwell:

„Beinwell (Symphytum officinale L.) ist eine traditionelle Heilpflanze, die schon seit Jahrhunderten zur Behandlung von schmerzhaften Muskel- und Gelenkbeschwerden Einsatz findet. Viele klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen bestätigen die Wirksamkeit des in dieser Studie getesteten Beinwellwurzelextrakts bei verschiedenen Muskel- und Gelenkbeschwerden. So konnte die Wirksamkeit der Beinwellwurzelsalbe gegenüber Placebo bei der Behandlung von Sprunggelenksdistorsionen und bei schmerzhafter Gonarthrose (Arthrose/ Osteoarthritis des Kniegelenks) gezeigt werden. Eine weitere Studie demonstrierte die Überlegenheit gegenüber einer 1 %igen Diclofenac-Gelzubereitung bei Patienten mit einer einseitigen Gelenksdistorsion. Dies wird auch durch die ESCOP-Monografie »Symphyti radix« bestätigt. Die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) beurteilt Phytopharmaka in Europa anhand harmonisierter Bewertungskriterien.“

Und anschliessend die Zusammenfassung der aktuellen Studie:

„Die multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte die Überlegenheit einer Salbe mit Beinwellwurzelextrakt gegenüber Placebo. 120 Patienten litten unter akuten Kreuzschmerzen oder Schmerzen im oberen Rücken- und Nackenbereich. Dabei wandten sie über einen Zeitraum von 5 Tagen dreimal täglich jeweils 4g Verum- oder Placebosalbe an. Gegenüber Placebo waren im Verlauf alle bewerteten Wirksamkeitsvariablen der Therapie mit dem Beinwellpräparat signifikant überlegen. Der Beinwellwurzelextrakt hatte einen bemerkenswert starken und klinisch relevanten Effekt im Hinblick auf die Reduzierung akuter Rückenschmerzen. Zum ersten Mal konnte außerdem der schnelle Wirkungseintritt der Salbe (eine Stunde) nachgewiesen werden.“

Kommentar & Ergänzung:

Beinwell (Walllwurz) ist eine wichtige Heilpflanze bei stumpfen Verletzungen wie Prellung, Bluterguss (Hämatom), Verstauchung, bei Gelenkentzündung, Sehnenscheidenentzündung, Knochenhautentzündung etc.

Beinwell nicht einnehmen und nur auf intakter Haut anwenden.

Siehe auch:

Beinwell-Salbe lindert Verspannung in Schulter und Nacken

Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

Bei Wikipedia findet sich eine Erklärung für den Namen „Symphytum“:

„ Die Beinwell-Arten wurden schon in alter Zeit als Heilkraut verwendet. Ihr Name leitet sich von ihrer Anwendung bei Knochenbrüchen und bei offenen Wunden ab. Auch bei Verletzungen von Bändern und Sehnen wurde den Pflanzen Heilwirkung zugeschrieben. Sowohl der heute anerkannte Gattungsname Symphytum als auch der in früheren Werken gebräuchliche Name Consolida bedeuten übersetzt „Zusammenwachsen“ (lat.: consolidare, gr.: symphýein). Als Heilpflanze wird besonders der Echte Beinwell (Symphytum officinale) eingesetzt und auch in Kräutergärten angebaut. Äußerlich angewendet ist er wirksam bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen,…..Die Heilwirkung auf die Haut ist auf den Inhaltsstoff Allantoin zurückzuführen, der heute auch in der Kosmetik zahlreiche Anwendungsgebiete gefunden hat. Allantoin bewirkt die Beschleunigung des Zellaufbaus und der Zellbildung, was in der alten Heilkunde vor allem bei der Behandlung von Unterschenkelgeschwüren genutzt wurde. Bei Nicholas Culpeper ist nachzulesen: der Beinwell hat eine solche Kraft zu heilen und zusammenzufügen, daß zerteilte Fleischstücke wieder zusammenwachsen, wenn man sie mit Beinwell in einem Topf kocht.“

Die Geschichte mit dem Fleisch im Kochtopf, das wieder zusammenwächst, wird auch von anderen Wundheilpflanzen überliefert, zum Beispiel vom Sanikel (Sanicula europaea, „Heil-aller-Schäden“). Bei Knochenbrüchen erwartete man vom Beinwell früher eine Anregung der Kallus-Bildung und damit eine beschleunigte Heilung. Dazu gibt es aber keine gesicherte Erkenntnisse.

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Phytotherapie: Schlafstörungen bei Kindern

Freitag, Oktober 21st, 2011

In der Zeitschrift „Kinderärztliche Praxis“ (5 / 2008) erschien ein Artikel über „Phytopharmaka bei Kindern – Indikationen, Möglichkeiten, Grenzen“ von Prof. Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock).

Hier ein Zitat zum Thema „Schlafstörungen bei Kindern“:.

„Bei Kindern sind Schlafstörungen, psychosomatische Störungen, Angstzustände und insbesondere Depressionen häufiger, als allgemein angenommen wird. Im Bereich der Phytotherapie existieren verschiedene therapeutische Optionen.

Bei Einschlafstörungen eignen sich Zubereitungen aus Baldrianwurzel, Melissenblätter, Lavendelblüten und Hopfenzapfen. Baldrianwurzel wird häufig mit Melissenblättern oder Hopfenzapfen kombiniert. Melissenblätter haben sedierende und karminative Eigenschaften, ihr Einsatz ist bei Einschlafstörungen, die durch nervöse Herz- und Magen-Darmbeschwerden hervorgerufen werden, besonders sinnvoll. Lavendelblüten wirken schwach beruhigend und sind bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen geeignet, zudem bei nervösen Magen-Darmbeschwerden. Für Unruhe- und Angstzustände sowie Schlafstörungen sind Zubereitungen aus Hopfenzapfen empfehlenswert. Beliebt ist auch das traditionelle Hopfenkissen.“

Quelle:

http://www.kinderaerztliche-praxis.de/index.php?id=5113&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[search]=phytotherapie&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[year]=-1&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[page]=&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[showDetail]=14413&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[magazine][0]=Kinderärztliche%20Praxis

Kommentar und Ergänzung:

Auch Orangenblütentee oder Goldmelissentee sind Optionen, die ausprobiert werden können, obwohl es für die Wirkung dieser Heilpflanzen keine Belege gibt.

Siehe auch:

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Goldmelisse – Zitronenmelisse: Unterschiede?

Ausserdem:

Schlafstörungen – nichtmedikamentöse Massnahmen nutzen

Viele Kinder im Einschulungsalter leiden an Schlafstörungen

Hopfen und Baldrian sind für Kinder aus geschmacklichen Gründen in Form von Kräutertee eher ungünstig.

Lavendel eignet sich gut in Form von Lavendelöl (im Raum verdunsten lassen, Lavendelbad, Lavendeleinreibung verdünnt mit fettem Öl) oder als Lavendelkissen.

Melisse ( = Zitronenmelisse) als Tee am besten mit frischen Melissenblättern aus dem Garten zubereiten oder als Melissenöl (teuer!) anwenden.

Eine weitere Option ist Passionsblumenkraut.

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Deutschland: Bündnis “Zukunft Phytotherapie” gegründet

Mittwoch, Oktober 5th, 2011

In Deutschland haben sich verschiedene Organisationen im Umfeld der Phytotherapie zu einem Bündnis zusammengeschlossen, das sein wichtigstes Ziel im Namen trägt: „Zukunft Phytotherapie“.

Worum geht es?

In einer Pressemitteilung des „Komitees Forschende Naturmedizin“ (KFN) steht dazu:

„Seit Jahren bestätigen alle Umfragen das große Vertrauen der Bevölkerung in die pflanzlichen Arzneimittel. Mehr als 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass sie gut wirksam sind, jeder zweite lobt sie wegen ihrer geringen Nebenwirkungen. Die Evolution hat offenbar dafür gesorgt, dass in Heilpflanzen günstige Wirkstoff-Mischungen entstanden, die neben der Wirksamkeit auch eine gute Verträglichkeit sichern. Die meisten Phytopharmaka sind genau deshalb rezeptfrei.“

Und wodurch sieht das KFN die Zukunft der Phytotherapie bedroht?

„Ausgerechnet diese positiven Eigenschaften waren es aber, die dazu führten, dass pflanzliche Arzneimittel weitgehend aus der Leistungspflicht der Krankenkassen herausgenommen wurden: Seit 2004 werden nicht verschreibungspflichtige Medikamente – und damit auch die meisten Phytopharmaka – bis auf wenige Ausnahmen nicht mehr erstattet.

Pflanzliche Arzneimittel werden aber noch von einer anderen Seite bedrängt: Es gibt immer mehr pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt. Sie sind rechtlich Lebensmittel und deshalb ausschließlich zur Erhaltung der Gesundheit geeignet, erwecken aber oft den Eindruck, als seien sie mit pflanzlichen Arzneimitteln vergleichbar. Diese Entwicklung bedroht z. Zt. die Phytotherapie in der ganzen EU massiv.“

Am Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ beteiligen sich folgende Organisationen:

- die Deutsche pharmazeutische Gesellschaft,

- die Gesellschaft für Arzneipflanzenforschung,

- die Gesellschaft für Phytotherapie,

- das Komitee Forschung Naturmedizin,

- die Kooperation Phytopharmaka,

- die Hufelandgesellschaft

- Zentralverband der Ärzte für Naturheilverfahren und

- die beiden Arzneimittelherstellerverbände BPI und BAH

Das Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ will sich intensiv mit den anstehenden Problemen beschäftigen.

Quelle:

http://www.phytotherapie-komitee.de/News/KFN_10-2011.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Pressetext spricht wichtige Herausforderungen an, denen die Phytotherapie gegenüber steht. Dazu ein paar Anmerkungen:

1. Die sehr stark eingeschränkte Erstattungsfähigkeit von Heilpflanzen-Präparaten durch die Krankenkassen scheint in Deutschland tatsächlich ein Problem zu sein.

In der Schweiz ist die Lage anders:

Viele Phytotherapeutika, welche ihre Wirksamkeit so wie synthetische Medikamente  mit Studien belegen können,  werden von der Krankenkasse aus der Grundversicherung bezahlt, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

2. Ein grosses Problem für die Phytotherapie ist tatsächlich, dass zahlreiche Heilpflanzen-Produkte als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt kommen. Nahrungsergänzungsmittel  dürfen offiziell nicht mit Aussagen zu Heilwirkungen werben und müssen dementsprechend auch keine Wirksamkeit belegen. Darum wird für sie auch weniger in Forschung investiert. Trotzdem werden sie oft sehr intensiv mit Heilanpreisungen beworben.

Das schadet den Phytotherapeutika, die als Arzneimittel registriert sind,  dadurch stärker kontrolliert werden  und mehr Forschungsaufwand haben.

3. Auffallend ist, dass im Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ auch die Verbände der Pharma-Industrie (BPI und BAH) mitwirken.  Das zeigt unter anderem, wie absurd die Verschwörungstheorie ist, die davon ausgeht, dass die böse Pharmaindustrie nichts unversucht lässt, um die Phytotherapie fertig zu machen. Das letzte Mal ist diese Verschwörungstheorie in die mediale Öffentlichkeit gelangt im Zusammenhang mit der unsinnigen Petition gegen ein angebliches Heilpflanzenverbot in der EU.

Dieser Text des KFN über das Bündnis „Zukunft Phytotherapie“ zeigt im übrigen, wo die realen Probleme und Bedrohungen einer fundierten Phytotherapie liegen: Bei den Herstellern von pflanzlichen Nahrungsergänzungsmitteln, aus deren Kreisen auch jene sehr fragwürdige Petition lanciert wurde.

Ein Bündnis “Zukunft Phytotherapie” wäre meines Erachtens auch für die Schweiz sinnvoll.

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Phytotherapie: Wirkung nur nach längerer Heilpflanzen-Anwendung?

Freitag, September 30th, 2011

Ein verbreiteter Irrtum über die Anwendung von Heilpflanzen kommt in Kräuterkursen immer wieder einmal zur Sprache. Die Ansicht nämlich, dass Heilpflanzen nur nach länger dauernder Anwendung wirksam sind.

Das stimmt so allgemein nicht. Es gibt Heilpflanzen, die ihre Wirkung rasch entfalten und solche, die dazu mehrere Wochen oder gar Monate brauchen.

Auf diesen Punkt wies vor kurzem auch die Apothekerin Anke Grabow hin – in einem Interview mit einer Apotheken-Kundenzeitschrift:

Stimmt es, dass pflanzliche Medikamente länger eingenommen werden müssen, ehe sie wirken?

Nein, das lässt sich so pauschal nicht sagen. Phytopharmaka, die akute Beschwerden lindern sollen, müssen rasch wirken. Aber es gibt Mittel, etwa zur Stärkung der Immunabwehr, die als längere Kuranwendung gedacht sind. Auch Präparate gegen Frauenleiden zeigen oft erst nach einigen Zyklen Effekte.“

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Erkaeltung/Pflanzenheilkunde-Gute-Beratung-in-der-Apotheke-wichtig-118551.html

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Wechseljahre – Keine Linderung von Hitzewallungen durch Soja

Freitag, August 12th, 2011

Zahlreiche Frauen mit Beschwerden in den Wechseljahren suchen nach Alternativen zu synthetischen Hormonpräparaten. Ob Soja helfen kann, haben Forscher nun erneut untersucht.

Die ersten Stadien der Menopause sind gekennzeichnet durch raschen Knochendichteverlust, vaginale Trockenheit, Hitzewallungen und Schlafstörungen. Als Alternative zur Hormonersatztherapie waren bisweilen Sojatabletten im Gespräch.

Eine Östrogentherapie mit oder ohne Progesteron schützt vor zahlreichen Veränderungen hauptsächlich in der ersten Zeit der Wechseljahre.

Doch die Resultate der WHI-Studie (women’s health initiative) haben diese Behandlungsform gegen Knochendichteverlust, Schlafstörungen, Hitzewallungen und Scheidentrockenheit in Verruf gebracht.

Denn die Hormonersatztherapie (HRT) steigerte die Brustkrebsrate und bewirkte vermehrt kardiovaskulären Ereignissen.

Frauen wie auch Ärzte suchen deshalb nebenwirkungsarme Alternativen.

Als Alternative zur Hormonersatztherapie waren bisweilen Sojatabletten oder Sojaprodukte im Gespräch.

Da Frauen in Asien viele der Wechseljahresprobleme westlicher Frauen nicht kennen oder deutlich weniger ausgeprägt darunter leiden, lag die Vermutung nahe, dies könne etwas mit dem teils hohen Verzehr an Sojaprodukten zusammenhängen. In zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln für Frauen in den Wechseljahren sind deshalb Soja-Isoflavone enthalten.

Eine Studie mit knapp 250 Frauen kam allerdings zu einem negativen Resultat für Sojaisoflavone.

Die teilnehmenden Frauen – alle in den ersten fünf Jahren der Menopause – bekamen zwei Jahre lang entweder hochdosierte Soja-Isoflavone ( = Verum) oder Placebo (ein Scheinmedikament).

Die Verumdosis (also Soja-Isoflavone) entsprach der doppelten Menge an Soja-Isoflavonen, die in asiatischer Diät mit dem höchsten Sojaanteil enthalten ist (Arch Int Med 2011; 171: 1363).

Die Resultate sind ernüchternd. Bei der Knochendichte gab es keine Differenzen zwischen beiden Gruppen:

Die DXA-Werte -  gemessen an mehreren Stellen – unterschieden sich nicht signifikant.

Hinsichtlich der Wechseljahresbeschwerden fiel das Resultat für die Soja-Isoflavone sogar schlechter aus: Zum Studienende berichtete jede zweite Frau in der Sojagruppe über Hitzewallungen, in der Placebogruppe jedoch nur jede dritte.

Und 31 Prozent der Teilnehmerinnen in der Sojagruppe berichteten über Darmträgheit, in der Placebogruppe waren es 21 Prozent. Die Differenz war nicht signifikant.

Zwar sei es nötig, Frauen in der Menopause auch Alternativen zur HRT anzubieten, so die Wissenschaftler. Soja-Isoflavone seien jedoch angesichts der Studiendaten dafür nicht geeignet.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/665393/hilft-soja-wechseljahren.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Kommentar zu dieser Studie schreibt Michael Hubert in der „Aerztezeitung“:

„Es wäre so schön gewesen: Mit einer Sojapille sind alle Wechseljahresbeschwerden auf einmal verflogen. Hitzewallungen weg, Schlafstörungen verschwunden, Scheide wieder feucht, die Knochen dicht.

Doch Beobachtungen wie jene, dass Asiatinnen weniger Wechseljahresbeschwerden haben als Frauen aus Europa oder Amerika, sind das eine. Die Folgerung, dies liege am hohen Verzehr von Sojaprodukten, ist das andere. Soja-Isoflavone mögen positive Effekte haben, Wechseljahresbeschwerden aber verhindern sie nicht, hat jetzt eine Studie ergeben.“

Soja-Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel registriert, aber nicht als Arzneimittel. Darauf spielt Hubert an wenn er schreibt:

„Wollen Frauen gegen Hitzewallungen etc. etwas tun, bleiben Arzneimittel. Hier sind in der Indikation Wechseljahresbeschwerden sowohl pflanzliche als auch synthetische Arzneien zugelassen. Anders als Nahrungsergänzungsmittel haben sie einen bedeutenden Vorteil: Für ihre Zulassung musste der Hersteller die Wirksamkeit nachweisen.“

Dieser Unterschied ist vielen Konsumentinnen und Konsumenten nicht klar. Heilpflanzen-Produkte können als Nahrungsergänzungsmittel oder als Arzneimittel zugelassen sein. Nahrungsergänzungsmittel wie zum Beispiel die Soja-Produkte bzw. Isoflavone brauchen ihre Wirksamkeit nicht zu dokumentieren.

Bei den pflanzlichen Arzneimitteln, und hier ist der Kommentar nicht ganz präzis, gibt es solche mit einer Zulassung auf der Basis von langjähriger Anwendung (traditionelle Heilpflanzen-Präparate), die ihre Wirksamkeit auch nicht belegen müssen, und es gibt eine ganze Reihe von Phytopharmaka, die genauso wie synthetische Medikamente durch klinische Studien belegt sind.

Im Bereich der Hitzewallungen sind das Heilpflanzen-Extrakte auf der Basis von Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa).

Bei schweren Wechseljahressymptomen reicht ihre Wirkung allerdings in der Regel und dann wird eine Hormonersatztherapie oft zum Thema. Dann sollten Gynäkologinnen und Gynäkologen die Frauen über Nutzen und Risiken aufzuklären und dann selbst entscheiden zu lassen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/665383/soja-nicht-stoff-alles.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Fazit zur Phytotherapie

Dienstag, August 9th, 2011

In der Zeitschrift „Der Hausarzt“ (2010 / 14: 31 -36) präsentierte Dr. med Berthold Musselmann einen guten Überblick der gegenwärtigen Phytotherapie. Am Schluss des Artikels zieht Musselmann ein interessantes Fazit:

„Gegen (fast) jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen, zumindest für die Linderung von Symptomen, zur Einsparung klassischer Medikamente und zur Mitbehandlung.

Die verabreichte Dosis und Qualität der Präparate müssen ausreichend sein, was häufig nicht der Fall ist, vor allem bei Selbstmedikation durch den Patienten.

Grenzen der Therapie mit Heilpflanzen sind schwere, gezielt therapierbare Infektionen mit bekanntem Erreger, Erkrankungen, bei denen Phytopharmaka nicht ausreichend wirken, und Notfälle.

Wenige Phytopharmaka haben es bisher in Leitlinien geschafft (Johanniskraut bei Depressionen, Cineol bei Sinusitis, Cranberry bei rezidivierender Zystitis u. a.). Die vorhandene Evidenz, die hohe Patientencompliance, die geringen Nebenwirkungen und meist niedrigen Kosten werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt.

Die Qualität von Phytotherapeutika ist höchst unterschiedlich. „Gute Präparate“ sind auf bekannte Wirkstoffe standardisiert, das DEV (Droge-Extrakt-Verhältnis) und der Gehalt an Extrakt pro Tablette sind angegeben und die Galenik ist optimiert.“

Quelle:

http://www.springermedizin.de/abc-der-klassischen-phytotherapie/275054.html

Kommentar & Ergänzung:

Unterstreichen möchte ich hier die grossen Unterschiede in der Qualität der Heilpflanzen-Präparate. An diesem Punkt versagt auch sehr oft die Beratung in Apotheken und Drogerien, unter anderem weil häufig aus Gründen der Kundenbindung anstelle von hochwertigen Präparaten Hausspezialitäten mit fragwürdiger Qualität verkauft werden.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Vor allem die Lehrgänge vermitteln das nötige Wissen, damit Sie sich als Konsument oder Konsumentin eine fundierte eigene Meinung zu den angepriesenen Naturheilmitteln bilden können.

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