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Akute Bronchitis: Phytopharmaka sind antiviral wirksam ohne Resistenz

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Weil Virustatika nur gegen Influenza (Grippe) zugelassen sind, können pflanzliche Arzneimittel bei Atemwegsinfekten eine Alternative sein.

Atemwegsinfekte sind die Auslöser für rund 20 Prozent der Fälle von Arbeitsunfähigkeit (AU) und rund 10 Prozent der AU-Tage. Zur Behandlung kommen Phytotherapeutika aus der Kapland-Pelargonie wie Umckaloabo® in Frage.

An einer Veranstaltung, die vom Umckaloabo®-Hersteller Schwabe unterstützt wurde, sagte Professor Matthias Tisch, Leiter der Poliklinik am Bundeswehrkrankenhaus Ulm:

„Der in Umckaloabo® enthaltene Spezialextrakt EPs® 7630 bewirkt laut Studien eine signifikante Verkürzung der Krankheitsdauer um zwei bis drei Tage.“

In-vitro-Tests (also Untersuchungen im Reaganzglas) zum Wirkmechanismus des Extrakts ergaben, dass er auf verschiedene Weise antiviral wirkt. So reduziert EPs® 7630 die Freisetzung vervielfältigter Viren aus infizierten Zellen durch seinen Einfluss auf komplexe Virusproteine, die diesen Prozess steuern.

Ausserdem wurde ein zytoprotektiver Effekt festgestellt sowie eine Aktivierung der Immunabwehr gegen Viren bei einer Infektion.

Der Wurzelextrakt wurde in Studien mit über 10.000 Patienten untersucht, darunter knapp 4000 Kinder und Jugendliche. Die Anwendungsgebiete waren nicht nur akute Bronchitis, sondern auch akute Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Pharyngitis (Rachenentzündung) und Tonsillitis (Mandelentzündung) gehörten dazu.

Franz D. Daschner, ehemals Professor an der Uni Freiburg, sagte:

„Die pflanzlichen Inhaltsstoffe des Extraktes besitzen antiinfektive Eigenschaften ohne eine Resistenzbildung hervorzurufen, da sie nicht in den Erregerstoffwechsel eingreifen.“

Dass heute immer noch etwa 60 bis 70 Prozent der bei Atemwegsinfekten verschriebenen Medikamente Antibiotika enthalten, sbezeichnete er als „Kunstfehler“.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/870263/akute-bronchitis-phytos-antiviral-wirksam-resistenz.html?sh=8&h=-1886162606

 

Kommentar & Ergänzung:

Umckaloabo® ist das am besten untersuchte Präparat auf der Basis von Kapland-Pelargonie.

Weitere Beiträge dazu finden Sie über die Suchfunktion auf dieser Website unter dem Stichwort „Umkaloabo“.

Insbesondere bei aktuer Bronchitis sind die Studien mit Patienten ziemlich gut, was die auswurffördernde Wirkung betrifft.

Bei akuter Sinusitis, Pharyngitis und Tonsillitis ist die Studienlage meinem Eindruck nach weniger überzeugend.

Positiv ist die breite Erfahrung mit Studien bei Kindern. Das ist nicht selbstverständlich. Viele Phytopharmaka, aber auch synthetische Pharmaprodukte, weisen hier Lücken auf und sind bei Kindern nur schlecht dokumentiert.

Etwas Vorsicht scheint mir angebracht bei der Beurteilung der antiviralen Wirkung. Was im Labor im Reagenzglas Viren hemmen kann, muss dies noch lange nicht im menschlichen Organismus ebeno können.

Dass bei aktuer Bronchitis immer noch zu viele Antibiotika verschrieben werden, ist in der medizinischen Fachliteratur wiederholt kritisiert worden. Insbesondere bei viraler Ursache können Antibiotika gegen die Auslöser nicht wirksam werden, weil sie nur Bakterien bekämpfen.

In manchen Fällen ist die Behandlung mit Antibiotika allerdings trotzdem nötig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Salbei gegen Halsschmerzen

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Das Magazin „Stern“ empfiehlt als Hausmittel gegen Halsschmerzen das Gurgeln mit Salbeitee:

„Der Name der Salbeipflanze leitet sich vom lateinischen Wort „salvare“, also heilen, ab. Tatsächlich wirkt die Pflanze antibakteriell und hemmt das Wachstum von Viren und Pilzen. Zum antiseptischen Effekt kommen noch abschwellende und gefäßabdichtende Eigenschaften, das im ätherischen Öl enthaltene Thujon wirkt schmerzlindernd. Die Experten der Kommission E, einem Expertengremium für pflanzliche Arzneimittel, raten bei Mund- und Rachenentzündungen deshalb zum Gurgeln mit Salbeitee.“

Der entzündungswidrige Effekt von Salbei-Gurgelungen kommt durch Gerbstoffe zustande (Lamiaceen-Gerbstoffe). Die Kombination von ätherischem Salbeiöl und Gerbstoff dürfte für die gute Wirkung wesentlich sein. Die erwähnten „Experten der Kommission E“ sind ein seriöses Fachgremium, dessen Empfehlungen Bedeutung zukommt. Allerdings stammt die Monografie der Kommission E zu den Salbeiblättern aus dem Jahr 1985. Was ist die Kommission E? Antwort dazu hier.

Und wie werden Salbeiblätter bei Halsschmerzen angewendet? „Stern“ empfiehlt:

„Einen Teelöffel getrocknete Salbeiblätter mit einem halben Liter kochendem Wasser übergießen. Zehn Minuten ziehen lassen und den Tee abgießen. Mehrmals täglich damit gurgeln bis die Beschwerden abklingen.“

Die Ausführungen im „Stern“ zur Anwendung von Salbei gegen Halsschmerzen bewegen sich im Rahmen der Phytotherapie-Fachliteratur. Das ist für eine Publikumszeitschrift nicht selbstverständlich.

Die Dosierung würde ich allerdings etwas höher ansetzen und 2 – 3 Teelöffel auf einen halben Liter Wasser empfehlen. Den Salbei-Aufguss sollte man zugedeckt ziehen lassen.

Quelle der Zitate:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507549325859

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Phytotherapie, Arzneidrogen – Phytopharmaka – Anwendung von Margret Wenigmann

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PhytotherapieVerlagsbeschreibung

Phytotherapie verstehen und therapeutisch sicher anwenden
Die Nachfrage nach pflanzlichen Arzneimitteln steigt seit Jahren, gerade aufgrund guter Verträglichkeit und geringer Nebenwirkungen. Ob man als Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker mit Phytotherapie behandelt oder berät: Mit „Phytotherapie“ erwirbt der Leser die notwendige phytotherapeutische Fachkompetenz!
Wissenschaftlich fundiert (entsprechend der HMPC-Monografien) und in täglicher Praxis erprobt, findet man hier:
– Detailliertes Wissen zu Pflanzeninhaltsstoffen, Drogenextrakten und Arzneitees
– 126 Steckbriefe der wichtigsten Arzneidrogen
– 250 hochwertige Farbfotos von Arzneidrogen und den dazugehörigen Pflanzen
– Praxistaugliche Behandlungskonzepte zu den wichtigsten Krankheitsbildern inkl. Ätiologie und Pathophysiologie
Hinzu kommen arzneimittelrechtliche Aspekte sowie die Abgrenzung von Phytopharmaka zu Nahrungsergänzungsmitteln.
Benutzerfreundlich und didaktisch hochwertig aufbereitet mit übersichtlichen Grafiken und Mindmaps, dient „Phytotherapie“ als ideales Lehrbuch und Nachschlagewerk.

Zum Shop

Inhaltsverzeichnis des Buches „Phytotherapie“:

1 Grundlagen der Phytotherapie
2 Arzneimittelrechtliche Bestimmungen
3 Arzneipflanzen und Arzneidrogen
4 Inhaltsstoffe der Arzneipflanzen
5 Drogenportraits
6 Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen
7 Atemwegserkrankungen
8 Erkrankungen des Verdauungstrakts
9 Stoffwechselerkrankungen
10 Erkrankungen des Urogenitaltrakts
11 Gynäkologische Erkrankungen
12 Neurologische Erkrankungen
13 Psychische Erkrankungen
14 Schmerzen und Entzündungen
15 Dermatologie
16 Steigerung der Abwehrkräfte

Die Autorin Margret Wenigmann

Margret Wenigmann ist Apothekerin, Autorin und Dozentin in der Weiterbildung Phytotherapie für Ärzte und Apotheker. Sie stammt aus einer Familie, in der der Beruf des Apothekers und die Beschäftigung mit Arzneipflanzen seit Generationen fest verankert sind. So liegt es nahe, dass die Phytotherapie zum erfüllenden Lebensthema wurde. In ihren Publikationen verbindet sie wissenschaftliche Erkenntnisse mit eigenen Erfahrungen aus langjähriger Dozenten- sowie täglicher Beratungstätigkeit in der Apotheke.

Kommentar von Martin Koradi

Das Buch „Phytotherapie“ von Margret Wenigmann richtet sich zwar an Fachleute, ist aber sehr klar geschrieben und dürfte daher auch interessierten Laien Nutzen bringen, wenn sie bereit sind, einzelne Fachwörter nachzuschlagen. Es werden 126 Heilpflanzen in Monografien vorgestellt.  Wichtiger scheinen mir aber noch die Kapitel, in denen die einzelnen Organsysteme und die darin eingesetzen Heilpflanzen vorgestellt werden.  Dazu liefert die Autorin in kompakter Form zum Verständnis wichtiges medizinisches Fachwissen.

Das Buch enthält Teerezepturen, informative Mindmaps und jeweils ausführliche Hinweise auf Fertigpräparate (Phytophamaka) aus den beschriebenen Heilpflanzen. Dabei handelt es sich um Fertigpräparate, die in Deutschland im Handel. Nur ein Teil davon ist auch in der Schweiz als Arzneimittel im Handel, doch können die Apotheken in der Schweiz Präparate aus Deutschland auf Verlangen besorgen.

Als Hinweis: In der Verlagsbeschreibung zum Buch taucht die Bezeichnung „Arzneidroge“ auf. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Mit „Droge“ ist in der Phytotherapie die getrocknete Heilpflanze gemeint.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie  in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen.

 

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Phytotherapie bei Erkrankungen im Vedauungstrakt

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Beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming sprach Professor Dr. Robert Fürst von der Goethe-Universität Frankfurt am Main über pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) bei Erkrankungen im Verdauungstrakt.

Bei der Indikation Übelkeit und Erbrechen empfahl Robert Fürst den Ingwerwurzelstock. Die Studienlage sei zwar heterogen, doch bei Reiseübelkeit sei die Wirksamkeit gut belegt. Eine Besonderheit sei hier, dass kein Extrakt zum Einsatz kommt, sondern der gepulverte Ingwerwurzelstock (zum Beispiel Zintona®). Bei Reizmagen oder auch funktioneller Dyspepsie gibt es laut Fürst Wirksamkeitsbelege für ein Kombipräparat aus Kümmelöl und Pfefferminzöl (Carmenthin®) und für STW-5 (Iberogast®). Zur Unterstützung der Leberfunktion könne der Mariendistelfrüchte-Trockenextrakt Legalon® empfohlen werden, jedoch nur bei alkoholischem Leberschaden. Bei viralen Hepatitiden gebe es keine Evidenz für die Wirksamkeit.

Dyspepsie beziehungsweise funktionelle Störungen der ableitenden Gallenwege lassen sich laut Fürst mit dem Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL® günstig beeinflussen. Vorsicht sei dabei jedoch geboten, denn bei einem Verschluss der Gallenwege seien Artischockenblätter aufgrund ihrer choleretischen Wirkung kontraindiziert.

Bei Reizdarmsyndrom gebe es evidenzbasierte Empfehlungen für Flohsamenschalen (zum Beispiel Mucofalk®), Iberogast und hoch dosiertes Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln (zum Beispiel Medacalm®).

Für Flohsamenschalen sieht der Experte auch Anwendungsmöglichkeiten bei Colitis ulcerosa. Für diese Indikation eigne sich auch Myrrhinil®, eine Kombination aus Myrrhepulver, Kaffeekohlepulver und Kamillenblüten-Trockenextrakt. Beide Phytopharmaka haben laut Fürst in Studien gezeigt, dass sie bei Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zum Remissionserhalt ebenso wirksam sind wie der chemisch definierte Wirkstoff Mesalazin.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=61686

Kommentar & Ergänzung:

Verdauungsbeschwerden sind ein bewährtes Anwendungsfeld für Heilpflanzen-Präparate.

Der Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL®   heisst in der Schweiz Hepa-S®.

Pfefferminzölkapseln sind in der Schweiz als Colpermin®  im Handel, Flohsamenschalen unter den Namen Laxiplant und Metamucil.

Ein weiteres interessantes Anwendungsgebiet für Flohsamenschalen und für Pfefferminzölkapseln ist der Reizdarm (Colon irritabile).

Siehe dazu hier:

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

STW-5 (Iberogast®) setzt sich zusammen aus neun Komponenten:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

Siehe dazu:

Phytotherapie bei Reizmagensyndrom

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka in der Europäischen Leitlinie zur Behandlung von Rhinosinusitis

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Die europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis ist gegenwärtig die aktuellste Therapieempfehlung von HNO-Ärzten für die Behandlung viraler Atemwegsinfektionen (»Erkältung«). Sie enthält auch Empfehlungen für pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), die in einem Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ beschrieben werden:

„Cineol und Myrtol, aber auch Pelargonium-Extrakte kommen zur Therapie viraler Atemwegsinfekte infrage….. In klinischen Studien konnten im Vergleich zu Placebo die Symptome bei einer akuten viralen Rhinosinusitis ab dem vierten Tag gelindert werden Auch die Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) konnte in einer neueren, Placebo-kontrollierten klinischen Studie positive Effekte auf die Symptome einer akuten Rhinosinusitis zeigen. Die Effektstärke war vergleichbar mit der Stärke der Wirkstoffe, die in der europäischen Leitlinie bereits diskutiert wurden (Cineol, Myrtol, Pelargonium)“

Die Effektstärke der genannten Therapeutika sei in den Studien nicht sehr groß gewesen und die Wirkung sei erst mit Verzögerung (vier bis sieben Tage) eingetreten.

„Dennoch gelten diese ausgewählten pflanzlichen Arzneimittel als angemessene und wirksame Apothekenempfehlung, auch ergänzend zur akut symptomatischen Therapie.“

Für die traditionelle chinesische Medizin spricht die Europäische Leitlinie aufgrund unzureichender Daten explizit keine Empfehlung aus.

Für Echinacea-haltige Präparate schätzt sie die Datenlage als widersprüchlich ein und empfiehlt sie aus diesem Grund ebenfalls nicht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59826

Kommentar & Ergänzung:

In die Leitlinien aufgenommen zu werden ist so etwas wie eine Auszeichnung, weil es dazu positive Ergebnisse aus klinischen Studien braucht.

Und damit solche Ergebnisse zustande kommen, braucht es Firmen, die Geld in die Forschung stecken. Das ist nicht ganz einfach für Phytopharmaka, weil grosse Investitionen in die Forschung sich nur lohnen für patentierte Produkte. Die Mehrzahl der Heilpflanzen-Präparate ist aber nicht patentiert.

Leitlinien sind für die Phytotherapie meines Erachtens nicht das einzige oder letzte Mass. Sie bieten aber trotzdem eine wichtige Orientierung.

Bei der in den Leitlinien erwähnten Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) handelt es sich im „Sinupret®“. Die Zusammensetzung dieses Präparats ist nicht sehr plausibel, doch gibt es dafür positive klinische Studien. Myrtol ist als „Gelomyrtol®“-Kapseln im Handel, Pelargonium als „Umckaloabo®“ und „Kaloabo®.

Siehe auch:

Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

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Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

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Phytopharmaka tauchen bisher kaum in wissenschaftlich fundierten Therapieleitlinien auf. Doch sie sollten in der Evidenzbasierten Medizin (EbM) eine größere Rolle spielen, sagte Professor Dr. Theo Dingermann, Frankfurt am Main, an einer Pressekonferenz des Komitee Forschung Naturmedizin (KFN) in München.

Er findet es wichtig, dass hochwertige Pflanzenpräparate in Studien gut geprüft und in Leitlinien aufgenommen werden. Bei richtiger Indikation und reproduzierbarer Qualität seien Phytopharmaka eindeutig wirksam. Sie seien zudem in der Regel gut verträglich und würden von den Patienten in hohem Maß akzeptiert.

Dingermann sprach sich dafür aus, pflanzliche Arzneimittel nicht auf die Pflanze zu reduzieren. Die Pflanze liefere nur den Rohstoff für ein Arzneimittel.

Doch erst der Extraktions- und Verarbeitungsvorgang führe zum Wirkstoff, sagte der Pharmazeutische Biologe. Der Extrakt sei der Wirkstoff. Über die Entwicklungsnummer beziehungsweise den Produktcode seien Spezialextrakte eindeutig identifizierbar, erklärte Dingermann und nannte als Beispiel die Spezialextrakte EGb761, STW 3-VI und BNO-1055. Diese Produktcodes sollten seiner Ansicht nach besser bekanntgemacht werden.

Eng spezifizierte Spezialextrakte aus Arzneipflanzen sollten vermehrt für die Aufnahme in Leitlinien überprüft werden, wenn sie in klinischen Studien ihre Wirksamkeit belegt haben, verlangte Professor Dingermann. Dann hätten sie die Kriterien der Evidenzbasierten Medizin erfüllt. Gegenwärtig sind in Leitlinien nur wenige Phytopharmaka aufgeführt, bei denen es sich hauptsächlich um Kombinationspräparate handelt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=44450

 

Kommentar & Ergänzung:

Für Studien braucht es Geld. Firmen investieren fast nur in Forschung für Spezialextrakte, die sie patentieren können. So werden nur patentierte Spezialextrakte in die Leitlinien kommen.

Natürlich ist es zu begrüssen, wenn Firmen für ihre Spezialextrakte Geld in die Forschung investieren. Schade ist allerdings, dass auf diese Weise kein Geld fliesst für die Erforschung von einfacheren Arzneiformen wie Kräutertees, die sich nicht patentieren lassen.

Manchmal spricht nämlich viel dafür, dass ein Kräutertee wirksamer ist als ein viel teurerer Spezialextrakt. In anderen Fällen ist aber der Extrakt überlegen.

Daraus wird ersichtlich, dass es in der Phytotherapie nicht nur darauf ankommt, welche Heilpflanze bei welchen Beschwerden oder Krankheiten angewendet werden soll, sondern immer auch, welches jeweils die beste Form ist (z. B. Kräutertee, Pflanzentinktur, Frischpflanzensaft, Pflanzenextrakt). Wenn Sie darüber Fundiertes lernen möchten, dann können Sie das in einem meiner Lehrgänge (Heilpflanzen-Seminar, Phytotherapie-Ausbildung).

 

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Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

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Lavendelöl-Kapseln vermindern Angst, Erregung und Schlaflosigkeit bei schwer depressiven Patienten. Zu diesem Schluss kommt nun eine aktuelle Fallstudie mit acht Patienten, die sich in psychiatrischer Behandlung befanden.

Patienten mit schwerer Depression leiden häufig auch unter Angst, Erregung und Schlaflosigkeit.

Diese Symptome können schwere Agonie und Leid auslösen und sind oft mit Suizidgedanken verbunden. Ein Teil dieser Patienten befürchtet aber Nebenwirkungen einer umfassenden Pharmakotherapie, hat in der Vorgeschichte bereits Abhängigkeiten von Sedativa oder wünscht gezielt pflanzliche Arzneimitteln.

In solchen Situationen könnten Lavendelöl-Kapseln (Lasea®) eine therapeutische Alternative zu Benzodiazepinen sein. Das Präparat zeigte in Studien eine vergleichbare angstlösende Wirkung wie Lorazepam (z. B. „Temesta®“, diverse Generika).

Nun wurden Falldaten von acht Patienten, die in der Psychiatrie der Charité Berlin wegen schwerer Depressionen behandelt wurden, rückblickend ausgewertet. Die Patienten bekamen zusätzlich zu Antidepressiva pro Tag 80 mg des Lavendelöl-Präparates in den drei Wochen der Akuttherapie.

Der Erfolg der Behandlung wurde mit der Hamilton-Depressionsskala (HAMD-17) gemessen. Die Resultate der Fallstudie: Bei sechs der acht Patienten reduzierte sich die Schwere der Depression deutlich. Bei sechs Patienten sanken die Symptome von Unruhe und Erregung während der Akuttherapie. Darüber hinaus reduzierten sich bei fünf Patienten die psychischen und bei vier Patienten die körperlichen Angstsymptome.

Bei drei der Patienten besserte sich zudem das Einschlafen und das Durchschlafen. Die Autoren ziehen den Schluss, dass das Lavendelöl-Präparat eine vielversprechende – zusätzliche – Behandlungsoption bei schwer Depressiven mit Angst- und Unruhezuständen ist. Das gelte hauptsächlich für Situationen, wenn Patienten eine Behandlung mit Benzodiazepinen ablehnen oder Abhängigkeiten in der Vorgeschichte vorhanden sind.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/depressionen/article/868278/depression-lavendeloel-mindert-angst.html?sh=13&h=945182341

(Complement Ther Med. 2014; 22: 63-69)

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=quante+a+[au]+fißler+[au]

 

Kommentar & Ergänzung:

Lavendelöl kommt in Aromatherapie und Phytotherapie inhalativ zur Anwendung. In der Phytoherapie gibt es zusätzlich die Anwendung peroral, also via Verdauungstrakt.

Lavendelöl-Kaseln zur Linderung von leichteren generalisierten Angststörungen sind schon in Doppelblindstudien untersucht worden.

Siehe beispielsweise hier:

Studie bestätigt Wirksamkeit, von Lavendelöl-Kapseln (Lasea) bei Angststörungen

Dass Lavendelöl-Kapseln nun auch bei Angst im Kontext einer Depression untersucht wird, ist ein interessanter Ansatz. Allerdings ist eine Fallstudie, wie sie hier berichtet wird, nicht annähernd so aussagestark wie eine Doppelblindstudie.

Ohne Kontrollgruppe (Placebo-Gruppe) ist nie zweifelsfrei klar, ob eine Besserung wirklich vom untersuchten Präparat ausgelöst wurde. Es könnte sich bei der beobachteten Besserung auch um einen natürlichen Krankheitsverlauf handeln oder um Einflüsse der Begleitmedikation oder der Lebensumstände.

So interessant diese Ergebnisse aus der Charité Berlin also auch sind. Über die Wirksamkeit von Lasea zur Angstlinderung bei Depressionen sagen sie noch wenig Greifbares aus.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aromatherapie / Aromapflege: Spiegel online berichtet über Forschungsergebnisse

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Das macht er allerdings über weite Strecken sehr vage.

Beispielsweise:

„Zwar mehren sich die Hinweise, dass ätherische Öle tatsächlich helfen könnten, Krankheiten zumindest teilweise zu lindern. Doch noch ist Zurückhaltung geboten: Zum einen gibt es insgesamt noch zu wenige wissenschaftliche Studien, die eine ursächliche und spezifische Wirkung am Menschen und bei bestimmten Krankheiten eindeutig belegen. In der Regel sollte die Aromatherapie daher lediglich als Unterstützung bei der Behandlung von Patienten gesehen werden. Zum anderen bergen ätherische Öle mitunter auch Gefahren, zum Beispiel für Kinder, oder können allergische Reaktionen auslösen.“

Da bleibt ziemlich unklar, welche ätherischen Öle nun welche Krankheiten teilweise lindern können.

Konkreter ist der Hinweis auf die Wirkung von Lavendelöl bei Angststörungen:

„Deutsche Forscher gingen auch der Frage nach, ob natürliche Öle möglicherweise bei psychischen Erkrankungen helfen. In einer Doppelblindstudie, an der ein Hersteller für pflanzliche Arzneimittel finanziell beteiligt ist, verglichen sie die Wirkung von Lavendelöl bei Angststörungen mit jener des Wirkstoffs Lorazepam, einem Benzodiazepin. Demnach waren Lavendelölkapseln genauso wirksam wie Lorazepam. Im Gegensatz dazu machte der natürliche Wirkstoff aber nicht müde oder abhängig ‚und eignet sich deshalb gut für die Behandlung einer Angststörung, schreiben die Studienautoren im Fachmagazin ‚Phytomedicine’.“

Dabei handelt es sich allerdings um die Einnahme von Lavendelöl in Kapselform. Ich würde diese innerliche Anwendung eher zur Phytotherapie zählen als zur Aromatherapie, die ihren Fokus auf die Anwendung von Düften „via Nase“ legt.

Im Spiegel-Artikel wird zudem der emeritierte Chemie-Professor und Aromatherapie-Forscher Dietrich Wabner zitiert:

„Die Aromatherapie ist eine rationale Therapie mit pflanzlichen Ölen und fern aller Esoterik.“

Diese Aussage scheint mir ergänzungsbedürftig. Aromatherapie lässt sich meines Erachtens durchaus „rational“ betreiben, gestützt also zumindestens auf nachvollziehbare, überzeugende Argumente und zum Teil auch gestützt auf Forschungsergebnisse.

Die Praxis sieht aber schon sehr anders aus. Die meisten Aromatherapie-Bücher sind voll mit Angaben zu Wirkungen und Anwendungsbereichen der ätherischen Öle, bei denen nicht im geringsten nachvollziehbar ist, wie die Aussagen zustande gekommen sind.

Wenn da beispielsweise nur steht, Zedernholzöl wirke schützend oder Rosmarinöl stärke den Willen, dann wirft das eine ganze Reihe von Fragen auf. Wovor soll Zedernholzöl schützen? Lawinen, Insekten, böse Geister, schlechte Energien, Bakterien? Und wie bitte soll Rosmarinöl den Willen stärken? Das ist sehr erklärungsbedürftig.

Solche Aussagen sind kaum überprüfbar, weil nicht offengelegt wird, wie sie zustande gekommen sind. Um mir eine eigene Meinung darüber zu bilden, ob Zedernholzöl wirklich schützend wirkt, müsste ich erfahren, auf welchen Erkenntnissen diese Aussage basiert.

Wer vertritt sie? Wie kam dieser Mensch zu seiner Aussage?

Eigene Erfahrungen? Dann stellt sich die Frage, wie sorgfältig die Person sich mit ihren Erfahrungen auseinandergesetzt hat. Eigene Erfahrungen unterliegen sehr häufig Täuschungen.

Experimente? Studien mit Patienten? Dann wäre wichtig zu wissen, um welche Art von Experimenten oder Studien es sich handelt und wie glaubwürdig sie sind.

Nur wenn ich den Weg sehe, auf dem eine Aussage zustande gekommen ist, kann ich ihre Glaubwürdigkeit beurteilen. Diese Transparenz fehlt oft in der Aromatherapie-Fachliteratur, aber auch in den meisten Büchern über Pflanzenheilkunde.

Seriöse Phytotherapie-Fachliteratur dagegen basiert mit ihren Aussagen über Heilwirkungen von Arzneipflanzen auf überprüfbaren Quellen, wie zum Beispiel den Monografien der ESCOP.

In diesen Fällen lässt sich überprüfen, welche Fachleute für die Empfehlungen stehen und auf welcher Erkenntnisbasis sie ihre Schlussfolgerungen getroffen haben.

Prägnant formulierte der amerikanische Philosoph John Dewey (1859-1952) „das erste Erfordernis des wissenschaftlichen Verfahrens – nämlich volle Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse“.

(in: Erfahrung, Erkenntnis und Wert, S. 314, Suhrkamp 2004)

Quellen:

Die Spiegel-Zitate:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aromatherapie-helfen-aetherische-oele-wie-lavendeloel-gegen-krankheiten-a-971155.html

Die Studie zur Wirkung von Lavendelölkapseln gegen Angststörungen:

http://www.phytomedicinejournal.com/article/S0944-7113(09)00261-X/abstract

 

Es handelt sich dabei um das Präparat Lasea®.

Siehe dazu:

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen 

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelölpräparat Lasea 

BfArM wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelölpräparats Lasea

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Vortrag in Zürich: Pflanzenheilkunde einst und jetzt

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Donnerstag, 24. April 2014, 19.30 – 21.00 Uhr, Uni Zürich-Zentrum (Hörsaal F103), Rämistrasse 71.

Morgen Donnerstag halte ich im Rahmen der Volkshochschule Zürich einen Vortrag zum Thema „Pflanzenheilkunde einst und jetzt“.

Inhalt:

„Menschen nutzen seit Urzeiten Heilpflanzen und denken über ihre Wirkungen nach. In der Pflanzenheilkunde findet man daher unterschiedlichste Konzepte, von der magischen Medizin bis zur modernen Arzneipflanzenforschung. Der Vortrag bietet einen Einblick in die Vielfalt dieser Lehren. Er will zu einem fundierten Umgang mit pflanzlichen Arzneimitteln beitragen.“

Eintritt: Fr. 30.-, kann an der Abendkasse bezahlt werden. Anmeldung nicht nötig.

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Medikamentencheck für Erkältungsmittel: Sinupret

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Spiegel online veröffentlichte eine Beurteilung von „chemischen“, pflanzlichen und homöopathischen Erkältungsmitteln. Als Experte fungierte dabei Peter Sawicki. Der Internist und Diabetologe war von 2004 bis 2010 Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln.

Eines der beurteilten Erkältungsmittel ist Sinupret. Das Präparat enthält Eisenkraut, Enzianwurzel, Gartensauerampferkraut, Holunderblüten und Schlüsselblumenblüten. Sinupret forte wird bei akuter Nasennebenhöhlenentzündung eingesetzt und ist das am meisten verkaufte pflanzliche Arzneimittel in Deutschland.

Zu Sinupret schreibt Peter Sawicki:

„Das Präparat ist eine Mischung aus verschiedenen Pflanzenextrakten ohne nachgewiesenen Nutzen bei Virusinfekten und Infekten der oberen Atemwege. Grundsätzlich ist das Medikament (mit Ausnahme des Sirups) nur zur Behandlung der Infektion der Nasennebenhöhlen zugelassen – also nicht bei grippalen Symptomen“

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/erkaeltung-was-hilft-gelomyrtol-umckaloabo-echinacea-im-test-a-954781.html

Kommentar & Ergänzung:

Ein hartes Urteil zu einem Präparat, das so häufig gekauft wird. Man könnte argumentieren, dass ein so häufig gekauftes Präparat auch wirksam sein müsse. Aber so einfach ist die Wirksamkeit nicht beurteilbar, weil eine akute Nebenhöhlenentzündung in der Regel nach ein paar Tagen auch von selbst abklingt.

Es gibt eine ganze Anzahl klinischer Studien zu Sinupret, die dem Präparat eine Wirksamkeit zuschreiben. Allerdings ist die Qualität der meisten dieser Studien nicht gerade hoch. Wikipedia führt eine neuere Studie an, die ein positives Resultat zeigte:

„Das 2012 zugelassene Sinupret extract wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studie an 386 Patienten untersucht. Das Hauptzielkriterium (ein Symptomwert, der nasale Sekretion, retronasale Sekretion, Verstopfung der Nase, Kopfschmerz und Gesichtsdruck berücksichtigt) war nach Behandlung mit Verum signifikant verbessert gegenüber der Behandlung mit Placebo.“

Die Studie wurde hier veröffentlicht.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23193534?dopt=Abstract

Die „Medical-Tribune“ beschrieb 2012 die Studie so:

„Prof. Bachert berichtete über eine multizentrische Phase-III-Studie mit der Prüfsubstanz BNO 1016 (seit 1. Oktober als Sinupret® extract im Handel), die doppelblind, randomisiert und placebokontrolliert (DBRPC) mit 380 Patienten durchgeführt wurde. Sie erhielten über rund 15 Tage täglich entweder Placebo oder 480 mg BNO 1016 (3 x 2 Drg.).
Die Wirksamkeit wurde anhand des Major Symptom Score (MSS) bewertet, der fünf Symptome umfasst (anteriore bzw. posteriore Rhinorrhö, nasale Verstopfung, Kopfschmerz, Gesichtsschmerz). Ab dem dritten Behandlungstag zeigte sich ein deutlicher Unterschied zugunsten des Verums.

In dieser laut Prof. Bachert ersten DBRPC-Studie mit einem Phytopräparat bei akuter Rhinosinusitis waren Patienten unter der Phytotherapie 3,8 Tage früher geheilt als Angehörige der Placebogruppe. Der MSS zeigte sich am Tag 15 signifikant reduziert, was durch Sonographie der Nasennebenhöhlen bestätigt wurde.“

Quelle:

http://www.medical-tribune.ch/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/rhinosinusitis-antibiotikum-oft-unnoetig.html

So wie eine einzelne Schwalbe noch keinen Frühling macht, macht eine einzelne gute Studie allerdings noch keine eindeutig belegte Wirksamkeit.

Leider. Auf diesem Hintergrund ist das harte Urteil des Experten nachvollziehbar, wenn die Kriterien der evidenzbasierten Medizin als massgeblich betrachtet werden.

Die Studie wurde mit „Sinupret extract“ durchgeführt, während im Spiegel von Sinupret oder Sinupret forte die Rede ist.

Das ist aber ein grosser Unterschied, der vielleicht bei dieser Beurteilung im Spiegel nicht oder zuwenig berücksichtigt wurde:

Sinupret Drg.:

Enzianwurzel (6 mg), Primelblüten (18 mg), Sauerampferkraut (18 mg), Holunderblüten (18 mg), Eisenkraut (18 mg)

Sinupret Forte Drg:

Enzianwurzel (12 mg), Primelblüten (36 mg), Sauerampferkraut (36 mg), Holunderblüten (36 mg), Eisenkraut (36 mg)

Sinupret und Sinupret forte enthalten getrocknete, pulvierisierte Heilpflanzen in einem Dragees und das in eher geringer Menge, wobei der Gehalt in Sinupret forte doppelt so hoch ist.

Sinupret extract enthält dagegen laut Beipackzettel pro Tablette 160,00 mg Trockenextrakt  aus Enzianwurzel, Schlüsselblumenblüten, Ampferkraut, Holunderblüten, Eisenkraut. Durch die Verwendung eines Trockenextraktes kann eine etwa vierfach höhere Konzentration an Wirkstoffen erreicht werden. Sinupret extract ist in Deutschland auf dem Markt, leider aber nicht in der Schweiz. Sinupret extract ist überzeugender und ich würde es vorziehen – jedenfalls für Erwachsene. Das Präparat kann in der Schweiz via Apotheke auch aus Deutschland besorgt werden.

Eigenartig finde ich die Verwendung von Schlüsselblumenblüten, weil Schlüsselblumenwurzel etwa 4mal mehr wirksamkeitsbestimmende Saponine enthält. Für Schlüsselblumenwurzel ist ein schleimlösender Effekt relativ gut dokumentiert. Auch sonst habe ich einige Fragezeichen zur Zusammensetzung von Sinupret. Für Enzianwurzel, Holunderblüten und Ampferkraut postuliert der Hersteller schleimlösende und antivirale Wirkungen, die jedoch hauptsächlich durch Tierversuche und Experimente mit Zellkulturen belegt werden. Solche Ergebnisse lassen sich nicht einfach auf die Anwendung am Menschen übertragen.

Mein eigenes Fazit: Sinupret und Sinupret forte überzeugen mich nicht (Sinupret, Sinupret forte) oder mässig (Sinupret Extrakt).

Sehr positiv bewerte ich, dass Bionorica als Hersteller von Sinupret ein mittelständischer Betrieb ist, der viel in Forschung und Entwicklung zugunsten von Phytopharmaka investiert. Ich schätze das auch bei anderen Herstellern (z. B. Schwabe, Zeller). Trittbrettfahrer haben wir genug. Wer in Forschung und Entwicklung investiert, sollte auch von Konsumentinnen und Konsumenten unterstützt werden.

P. S.

Ich selber bevorzuge im Übrigen bei Nasennebenhöhlenentzündung und Bronchitis eher Gelomyrtol®.

Siehe:

Myrtol / Gelomyrtol bei Husten und Bronchitis

Phytopharmaka: Gelomyrtol / Gelodurant / Sibrovita – was ist der Unterschied?

Myrtol bei Bronchitis und Sinusitis

Neu in der Schweiz: Gelomyrtol gegen Bronchitis und Sinusitis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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