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Rangliste der gesündesten Gemüse- und Obstarten: Spitzenplatz für die Brunnenkresse

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Eine Forscherin der William Paterson University in New Jersey hat eine Rangliste der gesündesten Gemüse- und Obstsorten erstellt. Eine Zusammenfassung der Studie wurde in der Onlineversion des Fachmagazins Preventing Chronic Disease veröffentlicht. Jennifer Di Noia analysierte 47 Gemüse- und Obstsorten auf 17 Nährstoffe wie zum Beispiel Calcium, Eisen, Zink und Vitamine.

Die Wissenschaftlerin beurteilte die untersuchten Pflanzen danach, wie hoch der Anteil der wichtigen Inhaltsstoffe in dem jeweiligen Gemüse oder Obst (pro 100 Gramm) ist und inwiefern damit der tägliche Bedarf an den jeweiligen Stoffen gedeckt wird. Zehn Prozent oder mehr des täglichen Bedarfs musste ein Gemüse oder Obst aufweisen, um in das Ranking aufgenommen zu werden. Dadurch Von fielen von 47 untersuchten Pflanzenarten sechs durch das Raster: nämlich Himbeere, Mandarine, Cranberry, Knoblauch, Zwiebel und Blaubeere.

Als Spitzenreiter auf Platz eins ihrer Liste sieht die Wissenschaftlerin die Brunnenkresse (Nasturtium officinale). Sie deckt nach Di Noias Berechnung 100 Prozent des Tagesbedarfs der im Ranking ausgewerteten wichtigen Nährstoffe ab.

Die weitere Rangliste der ersten 10 Gemüse – Obst schaffte es keines auf einen Spitzenplatz – mit Prozentangaben zum jeweils gedeckten Tagesbedarf:

2. Chinakohl (fast 92 Prozent)

3. Mangold (90 Prozent)

4. Rote Beete (= Randen, 87 Prozent)

5. Spinat (fast 87 Prozent)

6. Chicoree (73 Prozent)

7. Kopfsalat (fast 71 Prozent)

8. Petersilie (fast 66 Prozent)

9. Romana-Salat (63 Prozent)

10. Markstammkohl (62 Prozent)

 

Quelle:

http://www.fr-online.de/ernaehrung/studie-diese-zehn-gemuesesorten-sind-am-gesuendesten,9563634,27862246.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Na dann, Gratulation an die Brunnenkresse. Das hat sie fraglos verdient. Die Brunnenkresse war früher wichtig als Vitamin-C-Lieferant, weil sie schon im Winter geerntet werden kann.

Die Rangliste als Ganzes ist allerdings nicht sehr aussagekräftig.

Die Forscherin Di Noia räumt selber ein, dass das Ranking nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Sekundäre Pflanzenstoffe, die ebenfalls einen günstigen Effekt auf die Gesundheit haben können, wurden wegen der mangelnden Datenlage nicht berücksichtigt. Das ist zwar nachvollziehbar, weil es bei sekundären Pflanzenstoffen keinen festgelegten Tagesbedarf gibt, den man für solche Berechnungen heranziehen könnte. Dieser Ausschluss verzerrt die Rangliste aber schon arg. Wären sekundäre Inhaltsstoffe (z. Bsp. Flavonoide, Anthocyane, Glukosinolate) mitberücksichtigt worden, hätten es auch Obstsorten in die Spitzenränge geschafft.

Sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide oder Glukosinolate (Senfölglykoside) sind auch wichtige Wirkstoffe in der Phytotherapie.

Die Brunnenkresse zum Beispiel enthält wie auch Kapuzinerkresse, Rettich und Meerrettich Glukosinolate mit antimikrobieller Wirkung. Auch für die gesunden Wirkungen von Kohlarten (z. B. Blumenkohl, Brokkoli) dürften Senfölglykoside eine Rolle spielen.

Sie dazu:

Glukosinolate aus Brokkoli & Co. im Fokus der Forschung

Senfölglykoside gegen Infektionen

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? / Welche Wirkung haben sie? 

Kräuter und ihre Wirkungen: Kapuzinerkresse 

Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1  

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Kapuzinerkresse: Breitbandantibiotikum aus der Natur

 

Bei der gesundheitlichen Wirkung der sekundären Pflanzenstoffe geht es eher darum, dass wir eine breite Palette davon einnehmen (sofern sie nicht toxisch sind).

Deshalb ist auch bei Gemüse und Obst Abwechslung ein gutes Motto. Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln wollen uns nicht selten einreden, dass wir einen ganz bestimmten sekundären Pflanzenstoff in hohen Mengen brauchen – nämlich den, der unzufälligerweise gerade in ihren Produkten enthalten ist. In solchen Fällen scheint mir eher Skepsis angebracht.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Wirkstoffkunde: Theaflavine aus Schwarztee

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Theaflavine sind sekundäre Pflanzenstoffe, die zu den Polyphenolen gehören. Sie entstehen hauptsächlich bei der Fermentation von Grüntee zu Schwarztee aus den im Teeblatt enthaltenen Catechinen sowie bei der Verstoffwechselung von Catechinen in der Leber.

Aufgrund des vermuteten günstigen Einflusses von Theaflavinen auf die menschliche Gesundheit rückt diese Stoffgruppe zunehmend in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

Viele Polyphenole zeigen im Labor anitvirale Effekte

Manche Polyphenole können die Vermehrung von HIV-1 hemmen. In Experimenten mit Zellkulturen zeigten Theaflavine dahingehend ein höheres Potenzial als die ebenfalls für diesen Effekt bekannten Catechine, eine Stoffklasse, die für Grüntee charakteristisch ist (im Grüntee vor allem Epigallocatechingallat, EGCG). Theaflavine wie auch Catechine verhindern die Vermehrung des Virus, indem sie an dessen Oberflächenmolekül gp41 binden, welches das Virus braucht, um über den CD4-Rezeptor in seine Wirtszelle einzudringen.

Den Resultaten klinischer Studien zufolge können Theaflavine ausserdem sowohl den Cholesterinspiegel als auch die Menge des Low Density Lipoprotein im menschlichen Körper reduzieren.

Theaflavine scheinen zudem eine starke antibakterielle Wirkung zu besitzen. In Laboruntersuchungen an den Bakterien Stenotrophomonas maltophilia und Acinetobacter baumannii, welche inzwischen gegen viele Antibiotika Resistenzen entwickelt haben, zeigten sie sich sehr effektiv.

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Theaflavine sind orangerot gefärbt und tragen zur Farbe des Schwarztees bei.

Zitronensaft hellt Schwarzen Tee auf, weil Theaflavine sich wie ein chemischer Indikator verhalten: Bei einem anderen pH-Wert der Umgebung absorbieren sie Licht anders und verleihen dadurch der Teefüssigkeit eine andere Farbe.

Theaflavine kommen nur in Schwarzem Tee vor und nicht in Grüntee Ihr Gehalt liegt meist bei 1-2 %.

Während Grüntee seit Jahren intensiv erforscht wird und ein hochgradig gesundes Image hat, wurde der Schwarztee meinem Eindruck nach vielleicht zu Unrecht viel weniger beachtet.

Siehe auch:

Grüntee oder Schwarztee?

Grüntee und Schwarztee – Schutz vor Schlaganfall?

Schwarztee senkt Blutdruck

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ist Rüeblisaft (= Möhrensaft, = Karottensaft) wirklich gut für die Augen?

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N-TV stellte dem praktizierenden Augenarzt Georg Eckert aus Ulm die Frage, ob Möhrensaft die Sehleistung steigern könne.

Hier die Antwort:

„‚Das kann man tatsächlich’, bestätigt der Facharzt für Augenheilkunde. Mit sogenannten Carotinoiden, also natürlichen Farbstoffen in Lebensmitteln, kann degenerativen Veränderungen der Netzhaut wie eine sogenannte Makuladegeneration vorgebeugt werden. Doch Carotinoide können noch viel mehr. Sie sollen Alzheimer, Rheuma, Krebs, Arteriosklerose und Parkinson vorbeugen. Bisher konnten 800 verschiedene Carotinoide identifiziert werden. Die gesundheitsfördernden Stoffe sind vor allem in Karotten, Spinat, Mais, Aprikosen, Tomaten und Eidotter vorhanden.“

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Legenden-rund-ums-Auge-article10029891.html

Kommentar & Ergänzung:

Als gute Quelle für Carotinoide würde ich noch rote und orange Paprika hinzufügen. Carotinoide sind wichtige Bestandteile der Nahrung.

Carotinoide sind ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.

Etwa 50 Carotinoide werden im menschlichen Körper in Retinol (Vitamin A) umgewandelt.

Karotten enthalten β-Carotin, das als Provitamin A für die Versorgung mit Vitamin A wichtig ist.

Vitamin A wiederum ist unter anderem nötig für eine gute Funktion der Augen.

Daher kann man schon sagen, dass Karotten gut sind für die Augen, doch lässt sich dieses β-Carotin bzw. Provitamin A auch aus anderen Quellen zuführen.

Fragwürdig ist die Einnahme von Carotinoiden via Nahrungsergänzungsmittel wie „Burgerstein & Co.“:

„Ebenso wie für die anderen sekundären Pflanzenstoffe gilt für Carotinoide, dass sie nicht in Form von isolierten, hochkonzentrierten Präparaten aufgenommen werden sollten, sondern im natürlichen Verbund mit anderen Nahrungsinhaltsstoffen. Die Einnahme hochdosierter Präparate birgt sogar Gefahren. Eine regelrechte Vergiftung mit Carotinoiden ist zwar nicht möglich, β-Carotin-Supplemente können aber möglicherweise das Krebsrisiko erhöhen.“

(Quelle: Wikipedia)

Und ob man tatsächlich mit Carotinoiden Krankheiten wie Alzheimer, Rheuma, Krebs, Arteriosklerose und Parkinson vorbeugen kann, scheint mir sehr spekulativ.

Mit solchen Andeutungen und Versprechungen wird hauptsächlich der Umsatz an Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln angekurbelt.

Sinnvoller als Rüeblisaft ist im übrigen die Aufnahme von Karotten als Gemüse, wobei der Kochvorgang und die Zugabe von etwas Fett die Aufnahme von β-Carotin in den Organismus fördert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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„Limonade erhöht Prostatakrebs-Risiko“ – stimmt das?

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„Limonade erhöht Prostatakrebs-Risiko“, so titelt dradio.de.

Männliche Limonaden-Liebhaber sollten in Zukunft ihren Softgetränke-Konsum einschränken, empfehlen Wissenschaftler der Universität Lund in Schweden. Nach ihren Erkenntnissen erhöhen die zuckerhaltigen Getränke das Risiko von Männern, an einer aggressiven Form von Prostatakrebs zu erkranken. Wie die Forscher der Nachrichtenagentur AFP erklärten, stieg das Risiko im Schnitt um 40 Prozent. Für die Studie wurden die Trink- und Essgewohnheiten von 8.000 Männern im Alter von 45 bis 73 Jahren über eine Zeitdauer von 15 Jahren untersucht. Demnach genügte bereits ein Glas, also 0,33 Liter am Tag, um das Risiko zu erhöhen.

Bei Liebhabern zuckerhaltiger Frühstücksflocken erhöhte sich zudem die Gefahr um 38 Prozent, an einer milderen Form des Prostatakrebses zu erkranken, die jedoch nicht behandelt werden muss.

Zwar seien vor einer Änderung der Ernährungsrichtlinien weitere Untersuchungen nötig. Ein Verzicht auf Limonade legt die Doktorandin Isabel Drake Männern jedoch nahe.

Die Studie soll demnächst in der Fachzeitschrift „American Journal of Clinical Nutrition“ erscheinen.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=162765

http://orf.at/stories/2153181/

Kommentar & Ergänzung:

Ich will  keinesfalls die Limonaden rechtfertigen. Es gibt genügend Gründe, dieses aromatisierte und gefärbte Zuckerwasser zu meiden (z. B. Diabetesrisiko, Übergewicht, Karies).

Mit dieser Art von Studie lässt sich aber nicht belegen, dass der Limonadenkonsum Ursache des erhöhten Auftretens von Prostatakrebs ist.

Die Studie zeigt – so wie sie hier dargestellt wird – nur eine Korrelation, ein gleichzeitiges Auftreten von hohen Prostatakrebsraten und hohem Limonadenkonsum.

Es ist nicht auszuschliessen, dass unbekannte andere Faktoren, die mit erhöhtem Limonadenkonsum einhergehen, ursächlich für das verstärkte Auftreten von Prostatakrebs verantwortlich sind.

Beispielsweise könnte ein hoher Limonadenkonsum einhergehen mit einem hohen Fleischanteil und spärlichem Verzehr von pflanzlicher Kost. Diese Einflussfaktoren auf die Entstehung von Prostatakrebs sind  schon länger bekannt:

„Die aktuelle Studienlage weist auf die Bedeutung einer pflanzenreichen Kost und bestimmter Pflanzenstoffe in Bezug auf die Prävention, das Fortschreiten und das Überleben bei Prostatakrebs hin.

Das Risiko für das Prostatakarzinom erhöht sich deutlich mit dem Genuss von Fleisch, insbesondere rotem Fleisch. In einem Review wurden die verfügbaren Fall-Kontroll- und Kohorten-Studien analysiert: Aus 16 von 22 Studien ging hervor, dass der Verzehr von rotem Fleisch zu einem um mindestens 30 % erhöhten Risiko führt, an Prostatakrebs zu erkranken. In einer prospektiven Studie an 51.529 Männern in Heilberufen erhöhte sich das Risiko für das metastasierende Prostatakarzinom mit dem Verzehr von rotem Fleisch um 60 % (relatives Risiko = 1,6 für das höchste Quintil verglichen mit dem niedrigsten, 95-%-Konfidenz-Intervall = 1,0–2,5). Tierische Fette führten zu einem 1,63-fachen Risiko. Offenbar spielen hierbei auch die klassischen Kanzerogene wie heterozyklische Amine und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, die beim Braten, Schmoren oder Grillen des Fleisches entstehen, eine Rolle. Hoher Fleischkonsum erhöht aber nicht nur das Risiko von Prostatakrebs, sondern nachweislich auch das von Brust- und Darmkrebs. Epidemiologische Zusammenhänge sind auch mit Nieren-, Lungen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs nachgewiesen.“

Quelle: Wikipedia

Ob diese Zusammenhänge in der Studie der Universität Lund auch auftauchten und berücksichtigt wurden, kann ich nicht beurteilen, weil die Arbeit noch nicht veröffentlicht wurde. Insofern sind diese Überlegungen spekulativ. Ich wollte damit aber nur zeigen, dass von einer Korrelation (hoher Limonadenkonsum geht einher mit hohem Prostatakrebs-Risiko) nicht geschlossen werden kann auf eine Kausalität (hoher Limonadenkonsum bewirkt ein hohes Prostatakrebs-Risiko).

Die Schlagzeile „Limonade erhöht Prostatakrebs-Risiko“ scheint mir daher ziemlich gewagt.

Ich kann mir auch nicht recht vorstellen, wie denn diese Wirkung zustande kommen soll.

Durch den hohen Zuckergehalt der Limonade? Dann wäre der Schluss aber: „Hoher Zuckerkonsum erhöht Prostatakrebs-Risiko“. Und ein solcher Zusammenhang ist mir nicht bekannt.

Ich frage mich, ob es sinnvoll ist, Studienergebnisse auf so ungesicherter Grundlage und ohne differenzierte Beschreibung zu veröffentlichen. Diese Art von Schlagzeilen verunsichert wohl mehr, als dass sie nützliche Informationen liefert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Migros: Fragwürdige Geschäfte mit Sanactiv Teufelskrallen-Gel

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Der Grossverteiler Migros baut sein Sortiment mit Heilmitteln (Liste E), Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika auf der Basis von Heilpflanzen kontinuierlich aus.

Migros entdeckt die Heilpflanzen – darüber könnte man sich möglicherweise sogar freuen.

Aber: Verkauf geht dabei offensichtlich vor Wirksamkeit.

Ein Beispiel dafür ist der Sanactiv Teufelskrallen-Gel.

Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine Heilpflanze, deren Wirksamkeit gegen Gelenkbeschwerden bei Rheuma bzw. Arthrose und gegen Rückenschmerzen in den letzen Jahren zunehmend belegt werden konnte. Allerdings ging und geht es dabei immer um innerliche Anwendung als Teufelskrallentee, Teufelskrallentinktur und Teufelskrallenextrakt.

Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit gibt es nur für Teufelskrallenextrakte.

Der ganze Ruf der Teufelskralle als Rheumamittel basiert also auf der Einnahme via Verdauungstrakt.

Nun kommt die Migros und verkauft Teufelskrallen-Gel zum Einreiben.

Es gibt aber keine seriösen Hinweise darauf, dass die Teufelskrallen-Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden. Die Wirkstoffe sind wasserlöslich und zudem als Molekül relativ gross , was eine Aufnahme durch die Haut praktisch ausschliesst.

Der Ruf der Teufelskralle – basierend auf innerlicher Anwendung – wird hier einfach frech ausgenutzt und auf den Teufelskrallen-Gel übertragen. Die Kundinnen und Kunden lesen Teufelskralle und assoziieren Rheuma – und schon läuft das Geschäft.

Der Teufelskrallen-Gel enthält neben Teufelskrallenextrakt Menthol, Rosmarinöl,  Eukalyptusöl und Wintergrünöl (aus Gaultheria procumbens). Mag sein, dass diese Inhaltsstoffe noch ein wenig durchblutungsfördernd wirken. Das mit der Teufelskralle aber ist ein Marketing-Schachzug, mit dem die Migros Kundinnen und Kunden fängt.

Viele Apotheken und Drogerien sind allerdings nicht besser – sie verkaufen Teufelskrallen-Gel von Alpinamed.

Die Migros wiederum verkauft auch noch „Kneipp Badeöl Teufelskralle“.

Auch hier erscheint es als ausgeschlossen, dass die Teufelskralle als Badezusatz  wirksam wird.

Sebastian Kneipp (1821 – 1897) würde sich zudem wundern über dieses Teufelskrallen-Badeöl, das von der Migros unter seinem Namen verkauft wird. Die Teufelskralle ist in der Wüste Kalahari (Südafrika und Namibia) zuhause. Erst 1904 wurde in Namibia der ehemalige Soldat und spätere Farmer G. H. Mehnert von der einheimischen Bevölkerung auf die Teufelskralle und ihre Heilwirkungen aufmerksam gemacht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Heilpflanze dann auch in Europa eingeführt. Sebastian Kneipp kann die Teufelskralle also gar nicht gekannt haben.

Diese Produkte sind keine Ausnahme. Bei der Mehrzahl der Präparate, die als Naturheilmittel angepriesen werden – mit Schlagworten wie „natürlich“ oder „rein pflanzlich“ – handelt es sich schlichtweg um Fake. Der Verweis auf pflanzliche Inhaltsstoffe dient nur dem Verkauf. Eine Wirkung ist von diesen Pflanzenstoffen nicht zu erwarten – wegen unsinniger Zusammensetzung oder ungenügender Dosierung.

Versprechungen top, Wirkungen flop. Das gilt vor allem für Produkte aus dem Internethandel, aber auch für Supermärkte, Apotheken und Drogerien.

Nur eine Minderheit der pflanzlichen Naturheilmittel sind wirksam und die Werbung verschleiert die Unterschiede.

Der Markt der Naturheilmittel und Komplementärtherapeutika ist vollkommen intransparent, was Qualität und Wirksamkeit angeht.

Wenn Sie lernen wollen, wie sich die Spreu vom Weizen trennen lässt, dann empfehle ich Ihnen die Phytotherapie-Ausbildung oder das Heilpflanzen-Seminar.

Man muss einiges wissen, damit man sich eine eigene fundierte Meinung bilden kann, und nicht alles glauben muss. Was die Werbung oder irgendwelche Experten verkünden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Genetische Verwandtschaft von Heilpflanzen verschiedener Kontinente untersucht

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Obwohl manchmal ganze Kontinente dazwischen liegen, verwendet die traditionelle Heilkunde weltweit Pflanzen aus den selben Gruppen. Für Wissenschaftler der University of Reading (Großbritannien) ist das ein Beleg, dass die Pflanzenextrakte wirklich wirken.

Die traditionelle Medizin nutzt in weit voneinander entfernten Gegenden für zahlreiche Leiden Heilpflanzen aus den selben Gruppen. Das haben Wissenschaftler mit einem Stammbaumabgleich hunderter Heilpflanzen aus Nepal, Neuseeland und Südafrika zeigen können.

Die Autoren halten es für unwahrscheinlich, dass Heiler die Auswahl zwischen den Kontinenten übertragen haben. Das schreiben die Forscher jedenfall in den „Proceedings“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA.

Die identischen Anwendungsbereiche seien vielmehr ein Hinweis darauf, dass die Pflanzen tatsächlich wirksame Stoffe gegen die entsprechende Krankheit enthalten.

Zwischen 10.000 und 53.000 Pflanzenarten würden weltweit als Heilpflanzen genutzt, konstatieren die Forscher um Haris Saslis-Lagoudakis von der University of Reading (Großbritannien). Sie sehen darin viel Potenzial für die moderne Medizin. Da jedoch kaum zu prognostizieren sei, welche der Arten tatsächlich medizinisch wirksame Substanzen enthalten, scheuten zahlreiche Institutionen den Aufwand eines umfassenden Screenings. Ihre Methode sehen sie als Beitrag zur Lösung dieses Problems.

Die Wissenschaftler hatten die Verwandtschaftsbeziehungen von insgesamt 20.000 Pflanzenarten aus Nepal, Neuseeland sowie der Kap-Region Südafrikas mit ihren zahlreichen nur dort vorkommenden Pflanzenarten berücksichtigt. Sie erarbeiteten einen sogenannten phylogenetischen Stammbaum, der auf Erbgutvergleichen basiert.

Dabei zeigte sich, dass die rund 1500 in der traditionellen Medizin der drei Regionen verwendeten Heilpflanzen sich in bestimmten Gruppen häufen. Eng verwandte Pflanzen wurden häufig für die selben Anwendungsbereiche wie Herzbeschwerden oder Hautkrankheiten eingesetzt.

Gemäss WHO beruht ein Viertel aller Medikamente auf Pflanzenstoffen

Mit einem solchen Stammbaum der genetischen Verwandtschaft könne in Zukunft besser erkannt werden, bei welchen Pflanzenarten eine Suche nach medizinisch verwendbaren Wirkstoffen lohne, schreiben die Forscher.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) basiert schon jetzt ein Viertel aller Arzneimittel auf Pflanzenstoffen – und der grössere Teil der Pflanzenarten weltweit sei noch gar nicht auf eine mögliche Wirksamkeit gescreent.

Quellen:

http://www.welt.de/gesundheit/article109167620/Heiler-verwenden-weltweit-dieselben-Pflanzen.html

http://www.pnas.org/content/early/2012/09/05/1202242109

Kommentar & Ergänzung:

Dass genetisch nah verwandte Pflanzenarten ähnliche Inhaltsstoffe haben und daher möglicherweise eine ähnliche Wirkung ist nicht überraschend.

Das gilt im übrigen auch für die Risiken und Nebenwirkungen.

Interessant ist aber, dass die Heilpflanzen in den verschiedenen Ländern in ähnlichen Bereichen eingesetzt werden. Das deutet auf parallele Erfahrungen hin.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde  ist eine wertvolle Quelle der Erkenntnis für die Phytotherapie. Allerdings täuscht sich die Tradition manchmal auch über Jahre oder Jahrhunderte. Deshalb müssen Überlieferungen kritisch überprüft werden, bevor man sie einfach übernimmt.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

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Glucosinolate aus Brokkoli & Co. im Fokus der Forschung

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Glucosinolate ( = Senfölglykoside) kommen vor allem in Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vor – als Heilpflanzen bekannt sind Meerrettich, Rettich, Kohl, Brunnenkresse. Auch Kapuzinerkresse (Kapuzinerkressengewächse) wird in der Phytotherapie verwendet.

Hauptsächlich die Gemüsepflanzen aus der Gattung Kohl sind aber auch als Lebensmittel wegen ihrem Gehalt an Senfölglykosiden interessant.

Intensiv erforscht wird in dieser Hinsicht in den letzten Jahren der Brokkoli ( = Broccoli, Brassica oleracea var. Italica).

Glucosinolate aus Brokkoli wehren Schädlinge ab

Fressen Raupen oder andere Insekten an glucosinolathaltigen Pflanzen wie Brokkoli, kommen die Glucosinolate in Kontakt mit dem Enzym Myrosinase. Dieses Enzym setzt die Senföle frei, die dann Schädlinge vertreiben.

Die Pflanzen setzen dieses Abwehrsystem aber nur im Notfall ein. Die stechend riechenden und scharf schmeckenden Senföle etwa werden erst freigesetzt, wenn die Pflanze zum Beispiel durch ein fressendes Insekt verletzt wird. Erst dann kommen die Vorstufen der Senföle, die Glucosinolate, mit der Myrosinase in Kontakt, die die Senföle freisetzt.

Pflanzen synthetisieren solche besonderen Inhaltsstoffe also zum eigenen Schutz und nicht für uns Menschen. Trotzdem können wir viele dieser Pflanzenstoffe zugunsten unserer Gesundheit nutzen.

Senföle stehen beispielsweise im Ruf, die Entstehung von Krebs zu hemmen. Von Broccoli ist bekannt, dass seine Inhaltsstoffe das Bakterium Helicobacter pylori abtöten, das Magengeschwüre und Magenkrebs begünstigen kann.

Hungrige Insekten haben es hauptsächlich auf die nahrhaften Blätter und Samen abgesehen. Die Pflanze häufen daher in diesen Teilen besonders große Mengen von Glucosinolaten an. Die Blätter können die Abwehrstoffe selber herstellen, die heranreifenden Samen jedoch nicht. Sie müssen die Glucosinolate importieren, was nicht ohne spezielle Transportproteine geht.

Über diese lebenswichtigen Transporter und ihre Gene war bisher fast nichts bekannt. Doch ein Wissenschaftlerteam aus Kopenhagen, Würzburg und Madrid hat sie jetzt identifiziert. Die Resultate sind in der Zeitschrift „Nature“ und damit sehr hochrangig publiziert – denn sie könnten weitreichende Auswirkungen auf die Agrarwirtschaft haben.

Damit steht nämlich der Weg offen, um gezielt Pflanzen zu züchten, deren Glucosinolat-Gehalte und Zusammensetzung auf die Gesundheit des Menschen zugeschnitten sind. Denkbar seien beispielsweise Brokkoli-Pflanzen, die für die Bekämpfung des Magenbakteriums Helicobacter optimiert sind, erklären die Forscher.

Untersuchungsobjekt Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana)

Als Analyseobjekt hat das internationale Wissenschaftlerteam übrigens die Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) verwendet. Das Erbgut der Ackerschmalwand ist vollständig bekannt; zudem ist sie eine „kleine Schwester“ von Kohl, Senf und Raps – und enthält wie diese Glucosinolate samt deren Transportern.

Publikation:

“NRT/PTR transporters essential for allocation of glucosinolate defense compounds to seeds”, Hussam Hassan Nour-Eldin, Tonni Grube Andersen, Meike Burow, Svend Roesen Madsen, Morten Egevang Jørgensen, Carl Erik Olsen, Ingo Dreyer, Rainer Hedrich, Dietmar Geiger, and Barbara Ann Halkier, Nature (2012), online publiziert am 5. August, DOI: 10.1038/nature11285

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news490946

Kommentar & Ergänzung:

Diese Grundlagenforschung hat für die Phytotherapie keine unmittelbare Bedeutung. Senfölglykoside (Glukosinolate) sind aber eine Wirkstoffgruppe mit grossem Potential.

Ob die Strategie aufgehen wird, Pflanzen mit besonders hohem Glukosinolat-Gehalt zu züchten, ist eine ganz andere Frage. Jedenfalls ist damit zu rechnen, dass solche „Turbo-Pflanzen“ auch entsprechend schärfer im Geschmack werden. Senfölglykoside wirken in höheren Konzentrationen auch reizend auf Haut und Schleimhäute.

Sicher fährt aber nicht schlecht, wer Brokkoli, Blumenkohl, Kohl, Radieschen, Rettich und andere verwandte Gewächse regelmässig in die Ernährung intgriert.

Siehe auch:

Senfölglycoside gegen Infektionen

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Kapuzinerkresse: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse

Phytotherapie: Senföl aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger (MRSA)

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zitrusöle auf der Haut steigern Sonnenbrandrisiko

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Zitrusöle auf der Haut steigern das Sonnenbrandrisiko. Nach der Massage mit solchen ätherischen Ölen sollten deshalb starke UV-Strahlen gemieden werden. Zitrusöle enthalten phototoxische Substanzen, die die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Die Haut kann mit Rötungen bis hin zur Brandblasenbildung reagieren, wenn nach Applikation von Zitrusölen Sonnenbestrahlung folgt.

Es empfiehlt sich daher genau nachzufragen, welche Bestandteile ein Massageöl enthält. Neben Zitrusölen machen auch Lavendelöl, Lindenöl, Sandelholzöl und Zedernöl die Haut lichtempfindlicher, heisst es in der Pressemeldung, die vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen stammt. Wer mit diesen ätherischen Ölen massiert wurde, solle die Sonne für rund zwölf Stunden meiden.

Gewarnt wird auch vor dem Besuch im Solarium mit Zitrusölen auf der Haut.

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/3077427/zitrusoel-haut-erhoeht-sonnenbrandgefahr.story

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Risiko für phototoxische Reaktionen auf bestimmte ätherische Öle ist auch aus der Parfümerie bekannt, beispielsweise beim Bergamottöl.

Bergamottöl gehört auch zu den Zitrusölen (Bergamotte = Citrus aurantium subsp. bergamia, Rutaceae) und ist ein wichtiger Bestandteil aller Arten von Kölnisch Wasser. Trägt man solche Parfümprodukte vor dem Sonnenbad auf die Haut auf, kann dies zu einer sogenannten „Berloque-Dermatitis“ führen.

Was ist eine Berloque-Dermatitis?

„Die Berloque-Dermatitis ist eine Sonderform der phototoxischen Reaktion. Die phototoxische Reaktion wird überwiegend durch bestimmte Pflanzen, Lebensmittel und Medikamente ausgelöst. Sie erhöhen die Wirkung des Strahleneffektes auf der Haut und es kann leicht ein Sonnenbrand entstehen.

Bei der Berloque-Dermatitis spielen bestimmte Pflanzenstoffe (Furocumarine) eine Rolle, die man häufig in Parfüm finden kann. Durch das Besprühen oder Betupfen der Haut und die anschließende Bestrahlung mit dem Sonnenlicht kommt es zu verbrennungsähnlichen Symptomen, wie Hautrötung, Schwellung und Blasenbildung. Später entstehen dauerhafte Pigmentflecken.“

(Quelle: Wikipedia)

Das aus den Schalen der Bergamotte gewonnene ätherische Bergamottöl soll offenbar mit einer sehr viel größeren Menge an Olivenöl verdünnt auch als Bräunungsbeschleuniger eingesetzt werden. Davon ist abzuraten, weil auch die Schäden durch UV-Strahlen verstärkt werden.

Furanocumarine sind als phototoxische Pflanzeninhaltsstoffe generell von Bedeutung.

Was sind Furanocumarine?

„Furocumarine (auch Furanocumarine) kommen häufig in Doldenblütlern vor wie Bärenklau (Riesen-Bärenklau, Wiesen-Bärenklau) und Angelika (Engelwurz), außerdem in Rautengewächsen wie Zitruspflanzen (darunter Bergamotte, Zitrone, Limette, Grapefruit, Bitterorange u.a.) sowie in einer Reihe weiterer Pflanzen. Furocumarine gehören zu den sekundären Pflanzenstoffen und dienen als Phytoalexine.

Im Grundgerüst der Furocumarine ist Cumarin mit einem Furanring fusioniert. Bekannte Furocumarine sind Xanthotoxin, Psoralen und Bergapten.

Wie die meisten α,β-ungesättigten Carbonylverbindungen sind Furocumarine sehr reaktiv. Unter Einwirkung von Sonnenlicht (UVA- und UVB-Strahlung) werden Furocumarine photoaktiviert. Prominentes Beispiel ist der giftige Saft des Riesen-Bärenklaus (Herkulesstaude). Die darin enthaltenen Furocumarine schädigen den menschlichen Organismus auf zweierlei Weise:

– Photosensibilisierend/Phototoxisch: Gelangen Furocumarine auf die Haut und werden anschließend dem Sonnenlicht (UV-Strahlung) ausgesetzt, kommt es je nach Schwere zu verbrennungsähnlichen Symptomen (Hautrötung, Schwellung, Blasenbildung, Läsionen, Photopigmentierung, Narbenbildung).

– Krebserregend: Furocumarine gehen unter UV-Einwirkung kovalente Bindungen mit den Pyrimidinbasen der DNA ein, vernetzen so die DNA-Doppelstränge irreversibel miteinander (cross-linking) und wirken dadurch krebserregend.“

(Quelle: Wikipedia)

Zum Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum) siehe auch:

Riesenbärenklau: Risiko von Hautentzündungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Isoflavone aus Soja und Rotklee bei Wechseljahrsbeschwerden

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Die Österreichische Apotheker-Zeitung (ÖAZ Nr. 12 / 2012) veröffentlichte einen fundierten Beitrag von Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber zum Thema „Phytotherapie-Optionen in der Gynakologie“. Einleitend schreibt der Autor:

„Die Phytotherapie entspricht in hohem Maße der Geisteshaltung unserer Zeit, die man mit »zurück zur Natur« beschreiben könnte und die durch die Suche nach sanften, ursprünglichen Methoden gekennzeichnet ist. Gerade in der gynäkologischen Praxis hat die Nachfrage der Patientinnen nach natürlichen, geprüften Präparaten bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden in den letzten Jahren stark zugenommen. Und tatsächlich gibt es eine Reihe von Pflanzen, die sich in typischen weiblichen Problemfeldern zu Recht einen guten Namen erworben haben.“

Dem kann man meines Erachtens nur beipflichten. Es gibt einige Heilpflanzen-Extrakte in der Gynäkologie, deren Wirksamkeit inzwischen gut erforscht und belegt ist. Andererseits gibt es auch eine ganze Reihe von traditionellen Frauenpflanzen, die noch sehr ungeklärt im Raum stehen, so zum Beispiel der Frauenmantel. Seine grosse Bedeutung in der traditionellen Pflanzenheilkunde lässt sich wohl nur kulturhistorisch erfassen (Freya-Pflanze, Muttergottes-Pflanze, silbrige Wassertropfen als Anregung für Gedankengänge in der Alchemie).

Gut dokumentiert sind dagegen Traubensilberkerzen-Extrakte bei Wechseljahrsbeschwerden wie zum Beispiel Hitzewallungen.

Siehe dazu:

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei Wechseljahrsbeschwerden

Als weitere Option bei Wechseljahrsbeschwerden werden die Isoflavone erforscht. Dabei handelt es sich um Phytoöstrogene, die zum Beispiel in der Sojabohne (Glycine max) und im Rotklee (Trifolium pratense) vorkommen.

Dazu ein Zitat aus dem Beitrag von Prof. Johannes Huber:

Isoflavone aus Trifolium pratense und Glycine max

Die auch als »Phytoöstrogene« oder »Phyto-SERMs« bezeichnete Gruppe der Isoflavone kommt hauptsächlich als Biochanin A und Formononetin in Rotklee (Trifolium pratense) sowie als Genistein, Daidzein und Glycitein in der Sojabohne (Glycine max) vor. Mit mehr als 5.000 wissenschaftlichen Publikationen gehören Isoflavone zu den am besten untersuchten sekundären Pflanzenstoffen. In der westlichen Ernährung beträgt die Zufuhr an Isoflavonen etwa 5 mg pro Tag, während in Asien lebende Frauen, die weitgehend frei von Wechselbeschwerden sind, durchschnittlich 50 mg (bis zu 200 mg) täglich durch ihre sojareiche Ernährung zu sich nehmen. Die Wirkungen der Isoflavone sind vielfältig: Neben einem sanften Ausgleich des Östrogenabfalls im Rahmen der Menopause und den aus dieser Substitution resultierenden positiven Effekten verdichten sich auch die Hinweise auf ein onkoprotektives Potenzial der Isoflavone, gut belegt in mehreren großen Studien. Betrachtet man die Wirkweise des Genistein und Daidzein, den beiden wichtigsten Isoflavonen, so kann ihre strukturelle Ähnlichkeit mit 17-Beta-Östradiol, ihre Affinität zum ER-β-Rezeptor und ihr schützender Einfluss auf den Hormonmetabolismus die antiproliferativen Effekte plausibel machen. Damit kommt den Isoflavonen sowohl in der Prävention wie auch in der Therapie ein besonderer Stellenwert für die Frauengesundheit zu.“

Kommentar & Ergänzung:

Isoflavone werden intensiv erforscht, doch sind die Resultate in vielen Punkten widersprüchlich.

Beim Hinweis auf ein „onkoprotektives Potenzial der Isoflavone, gut belegt in mehreren großen Studien“, stellt sich die Frage, welche Art von Studien gemeint ist.

Vergleicht man Gruppen von Europäerinnen und Asiantinnen in epidemiologischen Studien und stellt dann fest, dass Asiatinnen mit ihrem höheren Sojakonsum tiefere Brustkrebsraten haben, reicht das nicht als Beleg für eine ursächliche Schutzwirkung der Soja-Isoflavone gegen Krebs. Asiatinnen und Europäerinnen unterscheiden sich noch in anderen Punkten – beispielsweise werden unterschiedliche Krebsraten in der Grüntee-Literatur mit dem höheren Grüntee-Konsum in Asien erklärt. In klinischen Studien konnte jedenfalls eine Krebsvorbeugung durch Isoflavone bisher nicht eindeutig belegt werden.

Es gibt aber Hinweise auf eine Schutzwirkung gegen Brustkrebs beim Menschen, wenn die Isoflavone schon vor der Pubertät gegeben wurden (was in Japan üblicher ist als in Europa).

Die Schutzwirkung von Soja-Isoflavonen hinsichtlich Prostatakrebs konnte lediglich in Tiermodellen gezeigt werden. Die Gabe eines Sojaproteinisolats führte zu einem verzögerten Wachstum der Tumorzellen. Dies könnte erklären, warum bei asiatischen Männern aggressive Prostatatumore bei weitem seltener auftreten als bei Männern in westlichen Industrieländern.

Mitunter wird auch der Verdacht geäussert dass die Krebsentwicklung durch Isoflavone gefördert wird, wenn der (östrogenabhängige) Tumor schon vorhanden ist.

Eine Schutzwirkung von Soja-Isoflavonen gegen Prostatakrebs konnte nur in Tiermodellen gezeigt werden. Die Gabe eines Sojaproteinisolats führte zu einem verlangsamten Wachstum der Tumorzellen. Dies ist eine mögliche Erklärung dafür, warum bei asiatischen Männern aggressive Prostatatumore bei weitem seltener auftreten als bei Männern in westlichen Industrieländern.

Offenbar können Isoflavone das Wachstum von hormonabhängigen (androgenabhängigen) Prostatakrebszellen in frühen Stadien verlangsamen, während eine Schutzwirkung bei fortgeschrittenen und hormonunabhängigen (androgenunabhängigen) Tumoren auf der Basis der bisher vorliegenden Daten fraglich ist.

Die Wirkung von Soja gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren ist nicht sehr überzeugend dokumentiert.

In der Mehrzahl der Studien (12 von 17) konnte mit der Einnahme von Soja-Isoflavonen keine oder zumindest keine signifikante Reduktion der charakteristischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung beobachtet werden. In wenigen Studien wurden die Beschwerden geringfügig vermindert.

Siehe auch:

Soja reduziert Hitzewallungen in den Wechseljahren

Weniger Arteriosklerose durch Sojaproteine

DFG unterstützt Forschung zu Soja-Isoflavonen

Wechseljahre – keine Linderung von Hitzewallungen durch Soja

Atemnot mit sojareicher Ernährung reduzieren

Phytoöstrogene aus Soja – Helfer bei Lungenkrebs?

Phytoöstrogene und hormonrezeptorpositiver Brustkrebs

Soja – keine Wirkung gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

Studie empfiehlt Soja bei Brustkrebs

Soja gut für die Lunge

Soja gegen Osteoporose

Viel Soja – wenig Spermien

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenstoffe in der Krebsforschung: Betulinsäure

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Betulinsäure findet sich in zahlreichen Pflanzenarten, vor allem in der Rinde von Bäumen aus den Familien der Platanengewächse, der Birkengewächse und der Ebenholzgewächse, bspw. mit etwa 2,5 Prozent in Rinde von Platanen (Platanus acerifolia) und zu einem geringen Prozentsatz in dem getrockneten Rindensaft von Birken (lat. Betula, deshalb der Name Betulinsäure).

Die Zeitung „Der Standard“ berichtet über die Betulinsäure-Forschung von Simone Fulda und ihrem Team am Frankfurter Institut für experimentelle Tumorforschung. Zu ihren Forschungsinteressen gehört es, nach Naturstoffen aus Pflanzen zu suchen, die in der Lage sind, Zelltodmechanismen zu beeinflussen.

Es geht dabei um den programmierten Zelltod – die sogenannte Apoptose. Jede gesunde Körperzelle besitzt ein solches eigenes „Selbstmord-Programm“. Es wird aktiviert, sobald es zu fehlerhaften Abläufen in der Zelle kommt. „Zellen entarten erst, wenn dieses Programm nicht mehr funktioniert“, erläutert Fulda. Zwar ist dieser Mechanismus sämtlichen Krebserkrankungen gemeinsam, aber er funktioniert tumorspezifisch und muss daher auch separat in den verschiedenen Tumoren untersucht werden.

Einer der Naturstoffe mit Wirkung auf die Apoptose ist die Betulinsäure. Sie findet sich in der Rinde von Platanen und Birken und könnte hauptsächlich Kindern mit Hirntumoren Heilungschancen bringen.

Bösartige Erkrankungen im Gehirn und Rückenmark bilden eine große Gruppe solider Tumore im Kindesalter, und die Prognose ist in zahlreichen Fällen nach wie vor schlecht – hauptsächlich darum, weil viele Tumore nicht operabel sind. Im Labor hat die Betulinsäure ihren tödlichen Effekt auf Tumorzellen bereits gezeigt. Nun sind klinische Studien mit der Substanz geplant. Die Wirksamkeit der Betulinsäure bei Patienten mit Neuroblastomen und Glioblastomen soll geprüft werden. Was die Betulinsäure zusätzlich auszeichnet: Sie hat nur wenig Einfluss auf gesunde Zellen und könnte verglichen mit anderen zytostatischen Substanzen geringere Nebenwirkungen hervorrufen.

Quelle:

http://derstandard.at/1336435207120/Schwerpunkt-Krebs-Warum-auch-Kinder-an-Krebs-erkranken

Hier die Angaben zur Verwendung der Betulinsäure bei Wikipedia:

„Betulinsäure wirkt im Laborversuch hemmend gegenüber Melanomzellen (durch Einleitung des Zelltod-Programms), und HI-Viren (durch Hemmung der reversen Transkriptase). Sie bildet die Ausgangssubstanz für weiterentwickelte AIDS-Medikamente wie Bevirimat (PA-457), welches zur Zeit klinisch getestet wird. Die Wirksamkeit von Betulinsäure gegen Dermatophyten und Plasmodien deutet auf den ursprünglichen Nutzen des Stoffes gegen Pilz- und Plasmodienbefall der Pflanze. Für die medizinische Anwendung gegen Malaria sind die erforderliche Dosis bzw. deren Nebenwirkungen aber zu hoch.“

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt eine sehr grosse Zahl von Naturstoffen, die für die Forschung interessant sind und grosses Potenzial haben – auch im Bereich der Tumorforschung. Betulinsäure ist eine solche Substanz.

Festgehalten werden muss aber: Wenn für eine Substanz erst positive Resultate aus Laborversuchen an isolierten Zellen oder Geweben vorliegen, ist eine zurückhaltende, vorsichtige Interpretation angebracht. Vorschnelle Versprechungen sind zu vermeiden, weil noch völlig unklar ist, ob die Substanz im lebenden Organismus von Patienten ebenfalls eine positive Wirkung zeigt. Entscheidend sind die Resultate von klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten.

Grundsätzlich sind aber natürlich in der Tumorforschung Substanzen sehr interessant, die Krebszellen töten können, gesunde Zellen aber möglichst schonen. Und eine solche Differenzierung tönt der Artikel im „Standard“ für die Betulinsäure an.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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