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Andorn (Marrubium vulgare) zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gekürt

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Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg hat den Andorn (Marrubium vulgare) zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gewählt.

Außerhalb von Fachkreisen ist der Andorn hierzulande fast unbekannt. Dabei zählte der stattliche Lippenblütler (Lamiaceae) von der Antike bis weit in die Neuzeit zu den bedeutendsten Arzneipflanzen Europas. Die Verwendung der Pflanze bei Katarrhen der Atemwege sowie bei Verdauungsbeschwerden ist schon seit über 2000 Jahren dokumentiert. Heute wird Andornkraut zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen eingesetzt. Andorn lindert Entzündungen in den Atemwegen, wirkt schleimlösend bei festsitzendem Schleim und krampflösend in den Bronchien.

Mit seinen kugeligen, vielblütigen Scheinquirlen steht der Andorn zwischen Ackerminze und Melisse. Seine Blätter sind aber kleiner, rundlich bis herzförmig, und besitzen auf der Oberseite ein tief eingesenktes Nervennetz, während sie unten stark filzig behaart sind. Die unverzweigten Stängel wachsen bis zu 80 cm hoch. Andorn stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum.

Unter den Arzneipflanzen aus der Familie der Lippenblütler fällt der Andorn auf durch seinen prägnanten Gehalt an Bitterstoffen und Gerbstoffen, während der Gehalt an ätherischem Öl nur gering ist. Durchaus zutreffend urteilt darum der berühmte Abt und Dichter Walahfrid im 9. Jahrhundert: „Er duftet süß, schmeckt aber scharf.“

Neben dem wirksamkeitsmitbestimmenden Bitterstoff Marrubiin enthält Andornkraut unter anderem Flavonoide, stickstoffhaltige Verbindungen und ätherisches Öl. Traditionell eingesetzt wird die Heilpflanze bei Bronchialkatarrhen sowie bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit. Verschiedene Studien zeigen eine Wirkung zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen.

Darüber hinaus entdeckten Wissenschaftler erst in jüngerer Zeit Mechanismen, die eine weitergehende therapeutische Bedeutung von Bitterstoffen nahe legen.

Die Bedeutung von Bitterstoffen für den menschlichen Körper zeigt sich schon darin, dass uns die Natur mit jeweils nur einem einzigen Rezeptortyp für süß, salzig, sauer und umami (japanisch für „würzig“, „schmackhaft“) ausgestattet hat, aber mit 25 verschiedenen Bitterrezeptoren. Sie versetzen uns zumindest theoretisch in die Lage, Tausende von Bittersubstanzen zu erkennen.

Solche Rezeptoren für Bitterstoffe gibt es nicht nur z. B. auf der Zunge sowie im Mund- und Rachenraum, sondern auch auf glatten Muskelzellen des Bronchialsystems. Dort bewirkt ihre Aktivierung eine Erweiterung von verengten Bronchien, die zu einer verbesserten Sauerstoffaufnahme und erleichterten Schleimentfernung führt[1]. Eine Studie von Forschern aus den USA weist außerdem darauf hin, dass die gezielte Stimulation dieser Rezeptoren mit Bitterstoffen eine Stärkung des Immunsystems bewirken kann[2]. Eine verstärkte Stimulation der Bitterrezeptoren könnte einen größeren Schutz vor Infektionen zur Folge haben, während eine niedrigere Funktion die Anfälligkeit für Infekte steigert, vermuten die Wissenschaftler.

Andornkraut wirkt zudem choleretisch, das heisst es hat eine den Gallenfluss-fördernde Wirkung, was die günstigen Effekte bei Verdauungsbeschwerden unterstützt.

 

Andorn – eine Arzneipflanze mit großer historischer Bedeutung

Für die Wahl des Andorns zur Arzneipflanze des Jahres 2018 war die historische Bedeutung der Pflanze mit entscheidend. Von der Antike bis weit in die Neuzeit hinein zählte der Andorn zu den beliebtesten Heilpflanzen in Europa. Laut Plinius dem Älteren (gest. 79 nach Chr.) war Andorn als „eines der vorzüglichsten Kräuter“ bekannt. Er wurde hauptsächlich bei Lungenerkrankungen und hartnäckigem Husten angewendet, aber auch bei Brüchen, Verstauchungen, Krämpfen und Erkrankungen der Sehnen. Der zeitgleich tätige griechische Arzt Dioskurides nennt Schwindsucht, Asthma und Husten als die ersten Anwendungsgebiete.

Der schon erwähnte Abt Walahfrid Strabo preist den Andorn nicht nur bei „starken Beklemmungen der Brust“ sondern auch als rasch wirkendes Mittel gegen Giftanschläge, etwa durch böse Stiefmütter: „Sollten die Stiefmütter in feindseliger Absicht Gifte zubereiten und in das Getränk mischen oder Eisenhut zum Verderben in trügerische Speisen mengen, so vertreibt ein Trank des heilkräftigen Andorn, unverzüglich eingenommen, die lebensbedrohenden Gefahren.“

Die Äbtissin Hildegard von Bingen rät bei starkem Husten zu einer Abkochung von Andorn, Fenchel und Dill mit Wein.

In allen einschlägigen Werken bis ins 18. Jahrhundert hinein werden zudem für Andorn auch Ohrenschmerzen und Probleme bei der Geburt sowie Menstruationsbeschwerden unter den Indikationen erwähnt.

Im 19. Jahrhundert konzentrierte sich die Anwendung des Andorns auf die schleimlösende Wirkung in den Atemwegen und auf Verdauungsprobleme. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde in Frankreich sogar für etwa drei Jahrzehnte eine Wirkung bei Malaria diskutiert.

Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ schreibt, der Andorn sei kulturgeschichtlich eine hochinteressante Pflanze, die auch unter medizinischen Aspekten wohl zu Unrecht in Vergessenheit geraten sei. Neue Forschungen seien jedoch dringend erforderlich, um das Potential der Pflanze ausloten zu können.

Zur Herkunft des Pflanzennamens Andorn schreibt der Studienkreis:

„Was jedoch wohl nie wirklich geklärt werden wird, ist die Bedeutung des deutschen Namens; es ist völlig unklar, was Andorn, ohne Dornen (an-dorn) bei diesem Lippenblütler uns sagen soll.“

Literatur:

  1. Deepak, A. et al.: Bitter taste receptors on airway smooth muscle bronchodilate by localized calcium signaling and reverse obstruction. Nature Medicine EPub, abstract 24 Oct 2010 (2010)
  2. Lee, RJ. et al.: Bitter Taste Bodyguards. Scientific American 314: 38 – 43 (2016)

Quelle:

http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php

Kommentar & Ergänzung:

Der Andorn ist ein Beispiel für eine Arzneipflanze, die etwas in Vergessenheit geraten ist. Natürlich kann man nicht alle Anwendungsempfehlungen, die irgendwann im Laufe der Geschichte auftauchen, unbesehen für heute übernehmen. Tradition hat sich auch oft geirrt und daher hat sie nicht immer Recht.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Man muss sich mit der Tradition der Pflanzenheilkunde sorgfältig und kritisch auseinandersetzen. So bekommt man eine Basis, auf der sich entscheiden lässt, welche historischen Anwendungsempfehlungen überholt sind und welche auch heute noch sinnvoll eingesetzt werden können. Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ tut dies in vorbildlicher Art.

Im Standardwerk Teedrogen und Phytopharmaka bin ich auf einen interessanten Hinweis zum Andorn gestossen:

„In einer ethno-pharmakologischen Arbeit wurde über einen erfolgreichen Einsatz bei asthmatischen Erkrankungen in Sardinien berichtet. Acetosid könnte bei entsprechenden Anwendungsgebieten eine wichtige Rolle zukommen.“

Aber auch hier sind weitere Untersuchungen und Studien nötig, bis je nach Ergebnis allenfalls eine Behandlungsempfehlung ausgesprochen werden kann.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Baldrian bei Schlafstörungen

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Die österreichische Zeitung „Kurier“ berichtet über Kräuter gegen Schlafstörungen.

Zum Stichwort „Baldrian“ heisst es da:

„Er gehört zur Familie der Baldriangewächse und wächst im Halbschatten auf feuchtem Boden. Das Kraut hat eine sehr entspannende Wirkung, wenn man die Wurzel als Tee zu sich nimmt oder in ein Baldrian-Bad steigt. Baldrian verbessert auch die Tiefe des Schlafs. Das ist aber nicht die einzige Wirkung von Baldrian, ganz im Gegenteil, die Pflanze wirkt herzberuhigend, krampflösend, schmerzstillend und gegen Blähungen.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/die-fuenf-besten-schlafkraeuter/252.547.803

Kommentar & Ergänzung:

Das ist nicht gerade falsch, aber auch nicht sehr genau.

Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) hat für Baldrianwurzel die Anwendung zur Besserung leichter nervöser Anspannung und bei Schlafstörungen als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established medicinal use“) akzeptiert. Das HMPC) ist auf europäischer Ebene für die Beurteilung der Zulassung pflanzlicher Arzneimittel (Phytopharmaka) zuständig.

Weniger gut belegt oder gar nicht belegt sind die erwähnten herzberuhigenden, krampflösenden, schmerzstillenden und blähungswidrigen Wirkungen. Eine krampflösende Wirkung konnte zum Beispiel für den isolierten Inhaltsstoff Valerensäure gezeigt werden, doch lässt sich dieses experimentelle Resultat nicht so einfach auf die Anwendung von Baldrian als ganzes Wirkstoff-„Team“ übertragen.

Wichtig scheint mir aber noch ein anderer Aspekt: Es genügt nicht festzustellen, dass Baldrian entspannend wirkt und „die Tiefe des Schlafs“ verbessert. Mindestens so wichtig sind in der Phytotherapie genauere Angaben zur geeigneten Anwendungsform und zur Dosierung.

Eine Möglichkeit ist der erwähnte Baldriantee. Zubereitung: 1 bis 2 Teelöffel geschnittene Baldrianwurzeln mit ca. 150 ml siedendem Wasser übergießen und bedeckt stehen lassen. Nach 10 bis 15 Minuten absieben. Mehrmals täglich eine Tasse trinken. Baldriantee ist allerdings geschmacklich sehr gewöhnungsbedürftig.

Baldriantinktur wird oft verwendet, ist aber auch in der üblicherweise empfohlenen Dosierung von einem Teelöffel als Einzeldosis bezüglich Wirkstoffgehalt unterdosiert, da in der Tinktur die Inhaltsstoffe der Baldrianwurzel im Verhältnis von ca. 1 : 5 verdünnt vorliegen.

Beim erwähnten Baldrianbad (100g Baldrianwurzel pro Vollbad) kommt nur das ätherische Baldrianöl allenfalls via Inhalation zur Wirkung, während nichtflüchtige Wirkstoffe wie zum Beispiel die Lignane wegen mangelnder Aufnahme keine Effekte erzeugen können.

Klinische Studien gibt es insbesondere mit lipophilen Baldrianextrakten in einer Dosis von etwa 600 mg pro Tag.

Die klinischen Studien mit Extraktpräparaten weisen darauf hin, dass eine schlaffördernde Wirkung von Baldrian erst nach etwa 14 Tagen zu erwarten ist. Bei Badriantee, Baldriantinktur und Baldrianbad könnte allerdings ein rascherer Effekt über die Duftebene ausgelöst werden (ätherisches Baldrianöl). Duftwirkungen treten schnell ein, weil sie direkt im Limbischen System ansetzen.

Baldrianextrakt wird oft kombiniert mit Hopfenextrakt.

Dass Baldrian als Schlafhilfe verwendet wird, ist im Übrigen sehr vielen Leuten bekannt. Wie die Pflanze aussieht und wo sie wächst, wissen aber leider nur wenige. Auf vielen meiner Kräuterwanderungen können Sie Baldrian in Natura kennenlernen, zum Beispiel in der „Petite Camargue“ bei Basel am 20. Mai 2017. Zur Ausschreibung hier: Kräuterwanderung Petite Camargue bei Basel.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wirkstoff aus Mutterkraut heilt Nervenschäden

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Ein Wirkstoff aus der Mutterkraut-Pflanze fördert die Regeneration geschädigter Nervenfasern.

Experimente zeigen, dass sich dadurch bei Mäusen ein verletzter Ischiasnerv deutlich rascher regeneriert als normal. Das begründet die Hoffnung, dass dieser Naturstoff auch die Regeneration von schlecht oder gar nicht heilenden Nervenschäden beim Menschen fördern könnte, schreiben die beteiligten Wissenschaftler im Fachmagazin „Journal of Neuroscience“.

Das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) gleicht mit seinen weißgelben Blüten ein bisschen der Kamille – und wie diese ist es eine seit Jahrhunderten verwendete Heilpflanze. Bereits der griechische Arzt Dioskurides beschrieb im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung das Mutterkraut in seinem Werk und im Mittelalter wurde es als Fiebersenker und als Helfer bei Schwangerschaftsbeschwerden eingesetzt.

Nun zeigt sich, dass der Mutterkraut-Wirkstoff auch entscheidend dazu beitragen könnte, Nervenschäden zu heilen.

Solche durch Verletzung, Diabetes oder die neurotoxische Wirkung des Alkohols entstandenen Neuropathien sind bisher kaum heilbar, weil Nervenfasern sich nur schwer regenerieren. In der Behandlung lässt sich deshalb häufig nur ein Stillstand der Erkrankung erreichen.

Dietmar Fischer von der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf und seine Kollegen haben für ihre Studie einen Wirkstoff des Mutterkrauts näher untersucht, das sogenannte Parthenolid. Wie sich bei Experimenten mit Zellkultur zeigte, kann Parthenolid das Wachstum von Nervenfasern deutlich beschleunigen. Ein therapeutischer Ansatz, der laut Fischer ist völlig neu ist.

Ob Parthenolid diesen Effekt auch beim lebenden Organismus zeigt, testeten die Wissenschaftler danach mit Mäusen. Sie verabreichten dafür Mäusen mit verletzten Ischiasnerv eine Parthenolid-Lösung und verglichen die Regeneration des Nervs mit Kontrolltieren, die kein Parthenolid bekommen hatten.

Das Resultat: Bei den Mäusen, die das Mutterkraut-Extrakt erhalten hatten, heilte der Nervenschaden rascher ab. Bereits nach einer Woche konnten die Mäuse ihre zuvor gelähmten Zehen wieder bewegen und nahmen auch sensorische Reize wieder wahr, wie die Wissenschaftler mitteilen. Bei den Kontrolltieren war diese Veränderung nicht wahrzunehmen.

Der Wirkstoff Parthenolid musste nicht direkt an den Nerv gespritzt werden, wie dies bei einigen anderen Wirkstoff-Kandidaten der Fall ist. Stattdessen ist bereits eine systemische Verabreichung von Parthenolid wirksam, wie die Wissenschaftler berichten.

Für eine mögliche klinische Anwendung an Menschen mit krankheits- oder verletzungsbedingten Nervenleiden ist dies nach Ansicht der Forscher sehr vielversprechend. Bis heute gebe es in der Klinik noch keine Medikamente, die Ähnliches bewirken können.

Die Wissenschaftler betonen aber auch, dass noch weitere Untersuchungen nötig sind, bis allenfalls ein einsatzfähiges Medikament zur Anwendung kommen kann.

Sollte sich die Wirkung von Parthenolid auf die Regeneration von Nerven jedoch bestätigen, hätte das große Bedeutung für die Behandlung von Nervenschäden. Denn in den Industrieländern sind beinahe acht Prozent der über 55-Jährigen von Schädigung der Nerven hauptsächlich in Beinen und Armen betroffen.

Die Forscher der Heinrich-Heine Universität untersuchen zurzeit ausserdem, ob Parthenolid auch die Regeneration des verletzten Rückenmarks oder Sehnervs positiv beeinflussen kann. Diese Nerven sind im Gegensatz zum Ischiasnerv der Mäuse normalerweise gar nicht in der Lage, sich zu regenerieren.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20047-2016-04-07.html

Originalarbeit:

Journal of Neuroscience, 2016; doi: 0.1523/JNEUROSCI.4486-15.2016

http://www.jneurosci.org/content/36/14/3890.short

 

Kommentar & Ergänzung:

Man kann nicht genug unterstreichen – und das machen auch die beteiligten Wissenschaftler – dass Experimente im Labor an Zellen, in Gewebe oder an Mäusen noch keine Schlüsse zulassen über mögliche Wirkungen an kranken Menschen. Trotzdem ist es natürlich immer wieder interessant, zu welchen Wirkungen Naturstoffe fähig sind.

 

Parthonolid wurde in den letzten Jahren vielfältig untersucht. Im Labor verstärkt die Substanz die Wirkung bestimmter Krebsmedikamente auf Krebszellen.

Mutterkraut wird in der Phytotherapie angewendet zur Prophylaxe von Migräneanfällen. Der Nutzen wurde in verschiedenen klinischen Studien aufgezeigt. Die besten Resultate zeigten zwei Studien mit einem besonderen CO2-Extrakt aus Mutterkraut.

Leider gibt es in der Schweiz kein schlaues Mutterkraut-Präparat mehr, das als Arzneimittel registriert ist. So bleibt nur die eher unübliche Teeanwendung. Zur Dosierung macht die Phytotherapie-Fachliteratur präzise, aber für den Hausgebrauch unpraktische Angaben: Etwa 150mg gepulvertes Mutterkraut mit kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten unter gelegentlichem Umrühren stehen lassen, durch einen Papierfilter filtrieren. Zur Migränevorbeugung wird die Einnahme von 2 – 3 Tassen jeweils vor dem Essen kurmässig über einige Monate empfohlen.

Praktikabler, aber ungenauer wird manchmal empfohlen: 1 Teelöffel Mutterkraut mit 150ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen, abgiessen und mehrmals täglich 1 Tasse trinken.

In Deutschland ist Mutterkraut auch als Tinktur im Handel, zum Beispiel als Nemagran Tropfen (kann in der Schweiz von Apotheken auch aus Deutschland bestellt werden.

Mutterkraut nicht während Schwangerschaft und Stillzeit verwendet. Im Auge zu behalten ist zudem, dass die Pflanze ein allergenes Potenzial hat.

Siehe auch:

Phytotherapie: Mutterkraut gegen Migräne

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Blume des Jahres 2016: Die Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris)

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Die Loki Schmidt Stiftung in Hamburg hat die Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) zur Blume des Jahres 2016 ernannt. Damit soll für den Schutz dieser selten gewordenen Pflanze geworben werden, die in vielen Regionen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht. Die jeweilige Blume des Jahres steht immer auch stellvertretend für einen bedrohten Lebensraum – das sind bei der Wiesen-Schlüsselblume sind sonnige, eher trockene Wiesen und lichte Wälder auf kalkhaltigen Böden.

Die satt gelben Blüten der Wiesen-Schlüsselblume gelten als Frühlingsboten, doch wird die Pflanze in vielen Gebieten immer seltener. Die intensive Nutzung von Wiesen und Weiden, die Düngung, und auch der Umbruch von Grünland zu Ackerland bewirken, dass die Pflanze an zahlreichen Orten nicht mehr zu finden ist. An anderen Stellen verdrängen Büsche und Bäume die lichtliebenden Schlüsselblumen, weil die traditionelle Nutzung der Wiesen aufgegeben wurde. Zwar kann die Blume des Jahres 2016 auch in lichten Wäldern wachsen, doch verschwindet sie, wenn die Beschattung im Wald zu stark wird. „Unsere letzten ungedüngten Wiesen auf trockeneren Böden müssen unbedingt erhalten werden“, fordert der Geschäftsführer der Loki Schmidt Stiftung, Axel Jahn.

Die Wiesen-Schlüsselblumen werden von vielen Insekten bestäubt, beispielsweise von Schmetterlingen, Hummeln, verschiedenen Fliegenarten und zahlreichen anderen.

Mit der Wahl der Wiesen-Schlüsselblume zur Blume des Jahres 2016 wirbt die Loki Schmidt Stiftung für einen schonenden Umgang mit den Lebensräumen dieser Pflanze. Als Schutzmaßnahme sollte dort auf eine Düngung verzichtet und jeder Nährstoffeintrag unterbunden werden.

Wird die Nutzung einer Fläche eingestellt, ist eine regelmäßige Biotoppflege anzustreben, beispielsweise durch Beweidung oder Mahd, um eine Beschattung durch Gehölze zu verhindern. Die Schlüsselblume braucht nämlich Sonnenbestrahlung. Viele weitere Pflanzen- und Tierarten profitieren ebenfalls von solchen Massnahmen.

Fotos der Wiesen-Schlüsselblume gibt es hier auf Wikipedia.

Mit der Bekanntgabe der Blume des Jahres erinnert die Stiftung an ihre Gründerin Loki Schmidt (1919-2010), die sich viele Jahrzehnte für den Naturschutz in Deutschland eingesetzt und die Aktion „Blume des Jahres“ im Jahr 1980 ins Leben gerufen hat.

Quelle:

www.loki-schmidt-stiftung.de

Kommentar & Ergänzung:

Die Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) wird, wie auch die Wald-Schlüsselblume (Primula elatior), als schleimlösendes Mittel bei produktivem Husten eingesetzt. Als Wirkstoff gelten Saponine, die in der Schlüsselblumenblüte vorhanden sind, aber in noch grösserer Konzentration in der Schlüsselblumenwurzel.

Angewendet werden Schlüsselblumen vor allem in Hustentee-Mischungen oder als Bestandteil von Hustensirup.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Arzneipflanze des Jahres 2016: Kümmel (Carum carvi)

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Kümmel ist bekannt als Gewürz, doch die Pflanze hat auch interessante und wertvolle Heilwirkungen:

Kümmeltee und Kümmelöl können Krämpfe im Verdauungstrakt lösen und Blähungen und Völlegefühl vertreiben.

Nun wurde der Echte Kümmel (Carum carvi) zur Arzneipflanze des Jahres 2016 gekürt.

«Kümmel ist ein sehr gutes Mittel gegen Reizdarmbeschwerden, wenn man es über magensaftresistente Kapseln nimmt. Als Tee kann Kümmel auch bei leichteren Beschwerden wirken», erklärt der Medizinhistoriker Johannes Gottfried Mayer anlässlich der Präsentation der „Arzneipflanze des Jahres“ in Würzburg.

Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg „ernennt“ jedes Jahr eine andere anerkannte Heilpflanze zur „Arzneipflanze des Jahres“.

Die wissenschaftliche Bedeutung der Arzneipflanzen als wirksame Medizin soll damit stärker ins Bewusstsein gerückt werden. «Wir wollen zeigen, dass es Pflanzen auf der Seite Arzneimittel gibt, die mit synthetischen Medikamenten mithalten können und zudem weniger Nebenwirkungen haben», erklärt Johannes Gottfried Mayer weiter.

Kümmel ist wohl eine der ältesten Gewürz- und Heilpflanzen in Europa. Verwendet werden die Früchte der Pflanze, die hauptsächlich in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Ägypten angebaut wird.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60174

Kommentar & Ergänzung:

Kümmel wird nicht nur angebaut. Die Pflanze kommt insbesondere in mittleren und höheren Lagen des Berglandes auch wild vor. Wer Kümmel in der Natur kennenlernen will, kann das also auf vielen meiner Kräuterwanderungen in den Bergen tun.

Kümmel als Gewürz ist vielen Menschen ein Begriff, aber wie die Pflanze aussieht und wo sie wächst, das wissen nur wenige.

So sieht Kümmel aus: Foto auf Wikipedia

Kümmel gehört allerdings zu den Doldenblütlern (Apiaceae) und die sind oftmals nicht ganz einfach botanisch zu bestimmen. Kümmel kommt beispielsweise mit rötlicher oder mit weisser Blütenfarbe vor, was auch auf andere Doldenblütler zutrifft (z. B. auf die Grosse Bibernelle, Pimpinella major). So muss man jedenfalls genau hinschauen, wenn man sicher sein will.

Das ätherische Kümmelöl besteht zu etwa 50 – 65 % aus Carvon, das eine hemmende Wirkung auf das Wachstum verschiedener Bakterien und Pilze hat. Könnte man zum Beispiel gegen Fusspilz versuchen.

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Doch kein Tramadol aus Pflanzenproduktion

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„Schmerzmittel Tramadol in afrikanischer Arzneipflanze entdeckt“ – so lauteten die Meldungen im Jahr 2013. Jetzt scheint aber alles ganz anders zu sein:

„So hatte im vergangenen Jahr ein Forscherteam…….bei einer Metabolom-Analyse der afrikanischen Heilpflanze Nauclea latifolia das vollsynthetisch hergestellte Opioid Tramadol entdeckt. Es galt als erster Fund eines klassisch-synthetischen Arzneistoffs in der Natur. Die Pflanze aus der Familie der Rubiaceae wird traditionell bei Fieber, Schmerzen und Malaria eingesetzt.

Jetzt stellte jedoch ein unabhängiges Forscherteam fest, dass die Pflanze das Schmerzmittel wohl nicht selbst produziert, sondern aus dem Boden aufgenommen hat. Afrikanische Bauern hatten ihre Rinder illegalerweise mit dem Analgetikum behandelt, was zu einer Kontamination von Wasser und Boden geführt hat, schreibt die Gruppe um Professor Dr. Michael Spiteller von der Technischen Universität Dortmund im Fachjournal »Angewandte Chemie« (doi: 10.1002/anie.201406639). Sie fanden neben der Ursprungssubstanz auch drei typische Säugetier-Metabolite.“

 

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54633

Kommentar & Ergänzung:

Die ursprüngliche Meldung ist hier zusammengefasst:

Schmerzmittel Tramadol in afrikanischer Heilpflanze entdeckt 

 

Mich erstaunt dieser offenbar verbreitete Einsatz von Schmerzmitteln in der Landwirtschaft. Das erinnert an die Vergiftung von Geiern in Indien durch grossflächige Anwendung von Diclofenac (Voltaren®):

Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen 

Diclofenac-Vergiftung: Geier-Bestand in Indien erholt sich leicht 

Betreffend Tramadol-Anwendung in Afrika sind bisher offenbar keine ökologischen Schäden bekannt geworden. Heikel ist allerdings, dass solche Arzneimittelmoleküle in der Umwelt oft sehr stabil sind und sich sehr langsam abbauen.

 

Man kann nicht jedes synthetische Medikament durch ein pflanzliches ersetzen.

Aber dort wo es möglich ist, macht es oft auch aus ökologischen Gründen Sinn – Wirkstoffe, die die Natur herstellt, kann sie in der Regel auch gut wieder zerlegen.

 

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Hilft Schöllkraut gegen Warzen?

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Schöllkrautsaft ist ein altbekanntes Hausmittel der traditionellen Pflanzenheilkunde zur Behandlung von Warzen.

Hilft Schöllkraut wirklich gegen Warzen? Auf diese Frage antwortete eine Ärztin in einem Artikel der „FAZ“.

Nachfolgend daraus Zitate mit eingeschobenen Kommentaren von mir:

„Schöllkraut (Chelidonium majus) ist eine Pflanze aus der Familie der Mohngewächse, die auf vielen deutschen Wiesen zu finden ist, bevorzugt nahe Wohnstätten oder in Mauerspalten, und die durchaus heilende Wirkung hat. Tatsächlich sind im gelb-orangen Saft, der beim Brechen der Stengel oder Einreißen der Blätter austritt, reichlich Alkaloide enthalten, bei denen antientzündliche, antibakterielle, antimykotische, antivirale und schwach zytotoxische Effekte nachgewiesen werden konnten.“

Ein Bild von Schöllkraut finden Sie hier auf Wikipedia.

Die antiviralen und schwach zytotoxischen Effekte der Alkaloide könnten eine Wirksamkeit gegen Warzen erklären. Allerdings muss dazu gesagt werden: Wenn man solche Wirkungen im Labor feststellt, dann heisst das noch nicht, dass eine solche Wirkung auch an einer konkreten Warze eine Rolle spielt, selbst wenn sich dort eine Wirkung zeigt (für die Wirkung könnten auch andere Faktoren verantwortlich sein).

„Aufgetragen auf Warzen an Händen oder Füßen, löst die die Haut reizende und ätzende Tinktur, die in der Apotheke erworben werden kann, die Hautschichten ab und die Warzen auf. Aber: Die Warzen können wiederkommen. Warzen, die grob in sechs Gruppen unterschieden werden, liegt eine Infektion mit Humanen Papilloma-Viren (HPV) zugrunde – und deren Bekämpfung durch das Schöllkraut ist nicht sicher nachgewiesen.“

Da scheint es eine gewisse Vermischung zu geben: Reine Schöllkrauttinktur wirkt nicht ätzend und löst auch nicht die Hautschichten ab. Das tritt auf Warzenmittel auf der Basis von Salicylsäure zu, welche die Hornschicht aufweicht.

Ich würde Schöllkraut allerdings auch nicht als Schöllkrauttinktur verwenden, sondern direkt den frisch aus der Pflanze austretenden, gelb-orangen Saft 2mal täglich auftragen und eintrocknen lassen. So wird es jedenfalls in der traditionellen Pflanzenheilkunde überliefert.

Ein Foto mit dem Saft, der bei Verletzung aus Blatt und Stängel austritt, hier auf Wikipedia.

Und ja, die Wirksamkeit des Schöllkrautsaftes gegen Warzen ist nicht durch Patientenstudien belegt. Solche Studien wird es voraussichtlich auch nie geben. Schliesslich kosten klinische Studien etwa 2000 Franken pro Proband, was bei den nötigen vielleicht 200 Probanden doch eine eindrückliche Summe ergeben würde. Für ein Mittel, das nicht patentierbar ist und sogar gratis in der Natur bezogen werden kann, wird sich schwerlich ein Sponsor finden.

„Viele Warzen verschwinden von allein wieder. Wenn nicht, reicht eine topische, also auf die Haut aufgetragene Therapie oft aus. Und hier kommt das Schöllkraut ins Spiel und scheint auch gut zu funktionieren. Zumindest schadet der Versuch der Eigentherapie nicht – aber bitte nicht im Bereich der Augen oder Schleimhäute inklusive Genitalbereich.“

Genau: Warzen sind oft selbstlimitierend. Sie verschwinden nach einer gewissen Zeit auch von selbst. Das macht es so schwierig, den Behandlungserfolg eines Warzenmittels zu beurteilen. Geht die Warze während der Anwendung weg, könnte auch einfach der Zeitpunkt der Anwendung mit dem Zeitpunkt der „Selbstverschwindung“ zusammengefallen sein.

Ein Versuch mit Schöllkraut kann aber nicht schaden und in diesem Bereich (kostenlos, harmlos) wäre ein Beharren auf hieb- und stichfesten klinischen Studien überzogen.

Warzen reagieren zudem auch auf suggestive Einflüsse. Vielleicht spielt die Eindruck machende gelbe Farbe da noch eine gewisse psychologische Rolle.

Quelle der Zitate:

http://www.faz.net/aktuell/stil/frau-doktor/kann-man-mit-schoellkraut-warzen-behandeln-12966415.html

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Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

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Phytopharmaka tauchen bisher kaum in wissenschaftlich fundierten Therapieleitlinien auf. Doch sie sollten in der Evidenzbasierten Medizin (EbM) eine größere Rolle spielen, sagte Professor Dr. Theo Dingermann, Frankfurt am Main, an einer Pressekonferenz des Komitee Forschung Naturmedizin (KFN) in München.

Er findet es wichtig, dass hochwertige Pflanzenpräparate in Studien gut geprüft und in Leitlinien aufgenommen werden. Bei richtiger Indikation und reproduzierbarer Qualität seien Phytopharmaka eindeutig wirksam. Sie seien zudem in der Regel gut verträglich und würden von den Patienten in hohem Maß akzeptiert.

Dingermann sprach sich dafür aus, pflanzliche Arzneimittel nicht auf die Pflanze zu reduzieren. Die Pflanze liefere nur den Rohstoff für ein Arzneimittel.

Doch erst der Extraktions- und Verarbeitungsvorgang führe zum Wirkstoff, sagte der Pharmazeutische Biologe. Der Extrakt sei der Wirkstoff. Über die Entwicklungsnummer beziehungsweise den Produktcode seien Spezialextrakte eindeutig identifizierbar, erklärte Dingermann und nannte als Beispiel die Spezialextrakte EGb761, STW 3-VI und BNO-1055. Diese Produktcodes sollten seiner Ansicht nach besser bekanntgemacht werden.

Eng spezifizierte Spezialextrakte aus Arzneipflanzen sollten vermehrt für die Aufnahme in Leitlinien überprüft werden, wenn sie in klinischen Studien ihre Wirksamkeit belegt haben, verlangte Professor Dingermann. Dann hätten sie die Kriterien der Evidenzbasierten Medizin erfüllt. Gegenwärtig sind in Leitlinien nur wenige Phytopharmaka aufgeführt, bei denen es sich hauptsächlich um Kombinationspräparate handelt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=44450

 

Kommentar & Ergänzung:

Für Studien braucht es Geld. Firmen investieren fast nur in Forschung für Spezialextrakte, die sie patentieren können. So werden nur patentierte Spezialextrakte in die Leitlinien kommen.

Natürlich ist es zu begrüssen, wenn Firmen für ihre Spezialextrakte Geld in die Forschung investieren. Schade ist allerdings, dass auf diese Weise kein Geld fliesst für die Erforschung von einfacheren Arzneiformen wie Kräutertees, die sich nicht patentieren lassen.

Manchmal spricht nämlich viel dafür, dass ein Kräutertee wirksamer ist als ein viel teurerer Spezialextrakt. In anderen Fällen ist aber der Extrakt überlegen.

Daraus wird ersichtlich, dass es in der Phytotherapie nicht nur darauf ankommt, welche Heilpflanze bei welchen Beschwerden oder Krankheiten angewendet werden soll, sondern immer auch, welches jeweils die beste Form ist (z. B. Kräutertee, Pflanzentinktur, Frischpflanzensaft, Pflanzenextrakt). Wenn Sie darüber Fundiertes lernen möchten, dann können Sie das in einem meiner Lehrgänge (Heilpflanzen-Seminar, Phytotherapie-Ausbildung).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

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Malaria-Forschung mit Heilpflanzen

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Klinische Studien lohnen sich auch für Heilpflanzen, sie sind sogar nötig, weil sich nur mit wissenschaftlichen Daten zuverlässige Dosierungen und Nebenwirkungen feststellen lassen. Und nur geprüfte Mittel schaffen es in offizielle Empfehlungen und Leitlinien, erklärte Professor Dr. Merlin Willcox von der Universität Oxford beim Kongress der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoffforschung im portugiesischen Guimarães.

Gerade in Anbetracht vernachlässigter Krankheiten in Entwicklungsländern bräuchte man kostengünstige, zuverlässige Alternativen aus der Natur, betonte der Arzt und Wissenschaftler.

Dabei stellt sich aber die Frage, für welche Pflanze sich der Aufwand lohnt? Gegen Malaria zum Beispiel kommen weltweit rund 1200 verschiedene Pflanzenarten zur Anwendung. Allein in Mali fanden Willcox und sein Team 66 Pflanzenarten in 166 Rezepturen. Die Forscher schauten deshalb zunächst retrospektiv, welche traditionelle Behandlung bei leichter Malaria scheinbar geholfen hatte und wählten zur genaueren Untersuchung die Pflanze Argemone mexicana aus, den Mexikanischen Stachelmohn.

Dann ließen die Wissenschaftler den örtlichen Heiler die Pflanze in drei verschiedenen Dosierungen verordnen.

Dem Großteil der Kinder mit mittlerer bis hoher Dosis ging es nach sieben Tagen besser und die Parasitenlast im Blut hatte sich deutlich vermindert.

Bei der höchsten Dosierung traten allerdings Auffälligkeiten im EKG auf. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Samen der Mohnpflanze giftig wirken können und deshalb vor der Zubereitung eines Tees entfernt werden sollten.

Im nächsten Schritt führten die Forscher eine randomisierte, kontrollierte Studie durch. Die Kinder bekamen entweder eine Artemisinin-kombinierte Standardtherapie (ACT) oder zweimal täglich eine Tasse Tee aus der Mohnpflanze. Bei 89 Prozent der Kinder trat eine klinische Verbesserung ein gegenüber 95 Prozent unter ACT, wobei aber der Tee bessere Verträglichkeit zeigte.

Im nächsten Schritt suchten die Wissenschaftler nach den aktiven Substanzen der Pflanze und stiessen dabei auf die Alkaloide Berberin, Protopin und Allocryptopin.

Allerdings sind diese Alkaloide schlecht bioverfügbar und ließen sich kaum im Blut nachweisen, so dass die Forscher nicht wissen, wie die Pflanze wirkt.

Den Wirkungsmechanismus zu kennen wäre aber nützlich für einen möglichst standardisierten Eigenanbau. Die Wissenschaftler wollen nämlich kein neues, patentgeschütztes Arzneimittel entwickeln, sondern ein zuverlässiges, erschwingliches, verbessertes Phytopharmakon für die Menschen in armen Regionen. Der ganze Vorgang habe sechs Jahre gedauert und etwa 400 Millionen Euro gekostet – ein Bruchteil der üblichen Entwicklungskosten für Medikamente in der Pharmaindustrie. Die Nutzung der Pflanze sei inzwischen gestiegen – als Ergänzung der üblichen Malariatherapeutika, nicht als Ersatz.

Wissenschaftler sollten ihre Vorurteile gegenüber traditioneller Pflanzen überdenken und mehr wissenschaftliche Evidenz schaffen, fordert Willcox. Die Forschungsinitiative für traditionelle Malaria-Methoden setzt sich deshalb dafür ein, dass mehr solcher Studien durchgeführt werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=53948

Forschungsinitiative für traditionelle Malaria-Methoden (Ritam):

http://giftsofhealth.org/ritam/

Kommentar & Ergänzung.

Da die Resistenzen gegen bisherige Malariamittel zunehmen, ist solche Forschung sehr erwünscht.

Siehe auch:

Malaria-Forschung: Afrikanische Heilpflanzen im Fokus 

Die Forschung rund um Argemone mexicanae ist allerdings nicht völlig neu.

Siehe:

Antenna erforscht traditionelles Heilpflanzen-Wissen

Ein bisschen irritierend finde ich die 400 Mio. Euro, die der ganze Prozess gekostet haben soll. Diese horrende Summe kann sich kaum nur auf das beziehen, was hier beschrieben wird an Forschung bezüglich Argemone mexicana. So teuer wird das nicht gewesen sein. Vielleicht bezieht sich die Zahl auf die gesamte Forschung des Ritam.

Und im übrigen sind die Informationen über die Studien in dieser Meldung sehr spärlich und daher wenig aussagekräftig. So wird zum Beispiel nicht einmal klar, wie viele Probanden teilgenommen haben. Verlassen würde ich mich auf solche Angaben jedenfalls nicht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Phytotherapie bei Xerostomie (Mundtrockenheit)

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Im Phyto-Forum der „Aerztezeitung“ beantwortete Prof. Karen Nieber die Frage nach phytotherapeutischen Optionen bi Xerostomie (Mundtrockenheit). Nieber ist Professorin am Institut für Pharmazie der Universität Leipzig (Lehrstuhl Pharmakologie für Naturwissenschaftler)

Gute Erfolge bei trockenem Mund seien durch Spülung mit Salbeitee erzielt worden, schreibt Nieber. Es gebe weitere Optionen.

Ein trockener Mund sei kein seltenes Symtom. Bei Personen über 60 Jahren seien Schätzungen zufolge etwa 40 Prozent betroffen. Mundtrockenheit sei eine häufige Nebenwirkung von Arzneimitteln wie Anticholinergika, Diuretika oder Psychopharmaka.

Mögliche Ursachen könnten beispielsweise auch Erkrankungen wie Sialadenitis, Sjögren-Syndrom / Sicca-Syndrom oder Heerfordt-Syndrom sein, aber auch Strahlentherapie, fieberhafte Allgemeinerkrankungen oder chronischer Stress mit gesteigertem Sympathikustonus, eine vermehrte Mundatmung oder eine Pilzinfektion.

Eine systemische Therapie sei nicht bekannt. Die Behandlung bestehe vor allem aus ausreichendem Trinken zum Beispiel von Wasser, Früchte- und Kräutertees. Gute Erfolge seien erzielt worden durch eine Spülung mit Salbeitee.

Prof. Nieber schreibt weiter:

„Um Reizungen oder Entzündungen im Mundraum vorzubeugen beziehungsweise zu lindern, eignen sich Abkochungen aus Eibischwurzel oder das Lutschen von Isländisch Moos Pastillen. Die Schleimstoffe in der Pflanze besitzen kühlende und befeuchtende Eigenschaften, die zudem eine schützende Wirkung auf die Schleimhäute ausüben.

Schädliche Keime können mit Salbei-, Myrrhen- und Kamillentinktur abgeschwächt oder abgetötet werden. Weiterhin gibt es eine Reihe von Sprays mit Pflanzeninhaltsstoffen (zum Beispiel Santakraut), die helfen sollen. Allerdings gibt es dafür keine klinische Evidenz.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hno-krankheiten/article/849575/trockener-mund-erfolge-salbei-tee-tinktur.html?sh=5&h=-1550275562

 

Kommentar & Ergänzung:

Bei allem Respekt: Das scheint mir doch ein ziemliches Sammelsurium an Empfehlungen.

Klar ist, dass es in diesem Bereich keine valablen Studien gibt, auf die sich Empfehlungen abstützen könnten. Diese ziemlich wirre Aufzählung ist aber auch nicht gerade nützlich.

Gute Erfolge seien erzielt worden durch Spülung mit Salbeitee. Der Verweis auf „gute Erfolge“ ist eine schwache Argumentation. Wer hat wann, wo und wie diese Erfolge festgestellt?

Der Verweis auf positive Erfahrungen reicht nicht als Begründung.

Siehe:

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Von einer Professorin für Pharmakologie würde ich mir eine pharmakologischere Argumentation wünschen. Von den Inhaltsstoffen her ist eine günstige Wirkung von Salbeitee bei Mundtrockenheit nämlich nicht sehr plausibel.

Salbeiblatt enthält Bitterstoffe (Diterpene, z. B. Carnosol = Picrosalvin). Von ihnen könnte man erwarten, dass sie die Speichelproduktion anregen, was bei Mundtrockenheit günstig wäre. Salbei enthält aber auch Gerbstoffe (vor allem den Lamiaceen-Gerbstoff Rosmarinsäure). Sie hemmen eher die Sekretionstätigkeit von Schleimhautdrüsen und wirken austrocknend.

Die Anwendung von Eibischwurzel als Schleimzubereitung ist eine gute Idee, die Empfehlung als Abkochung aber fragwürdig. Die Phytotherapie-Fachliteratur empfiehlt bei der Eibischwurzel eine Zubereitung als Kaltauszug, weil die Eibisch-Schleimstoffe hitzeempfindlich sind weil die Stärke in den Wurzeln beim Erhitzen verkleistert, wodurch sich weniger Schleim löst.

Das Lutschen von Isländisch Moos Pastillen kann wohl den Speichelfluss anregen, so wie viele andere Lutschtabletten auch. Dass die Schleimstoffe bei der Anwendung in Form von Lutschtabletten wirksam sind, würde ich bezweifeln.

Der Hinweis auf schädliche Keime, die durch Kamillentinktur, Salbeitinktur und Myrrhentinktur abgeschwächt oder abgetötet werden können, ist mir ein Rätsel.

Bei Mundtrockenheit spielen schädliche Keime meines Wissens keine Rolle. Sie hat ganz andere Ursachen. Als Wiederholung:

„Mundtrockenheit ist eine häufige Nebenwirkung von Arzneimitteln wie Anticholinergika, Atropin bzw. Hyoscyamin, Diuretika oder Psychopharmaka. Ursachen können auch Erkrankungen wie die Sialadenitis, das Sjögren-Syndrom, das Sicca-Syndrom oder das Heerfordt-Syndrom sein. Außerdem können die Entfernung von Speicheldrüsen, eine Strahlentherapie, fieberhafte Allgemeinerkrankungen, die Einnahme von Tetrahydrocannabinol oder chronischer Stress mit gesteigertem Sympathikotonus zu Mundtrockenheit führen. Eine weitere Ursache von Mundtrockenheit kann eine vermehrte Mundatmung sein. Der bei Mundtrockenheit entstehende hochvisköse Speichel kann Entzündungen in den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen hervorrufen, besonders betroffen ist hierbei die Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis).“

(Quelle: Wikipedia)

Weshalb also antimikrobielle Pflanzentinkturen?

Solche Empfehlungen ähneln mehr therapeutischen Rundumschlägen und sind meines Erachtens fragwürdig. Dann lieber zugeben, dass man keinen sicheren Pfeil im Köcher hat, und die Empfehlungen beschränken auf das, was am plausibelsten scheint.

 

Meiner Ansicht nach wäre das bei Mundtrockenheit:

– Gerbstoffe meiden, weil sie auf Schleimhäute austrocknend wirken können.

– Pflanzen mit Schleimstoffen anwenden, die schützend und befeuchtend auf die Schleimhäute wirken.

Im Vordergrund steht dabei Eibischwurzel, weil für Eibischschleim zu mindestens in Laborexperimenten gezeigt werden konnte, dass die Schleimmoleküle den Stoffwechsel der Schleimhautzellen günstig beeinflussen.

Siehe:

Phytotherapie: Eibischwurzel-Extrakt schützt Epithelzellen

Phytotherapie: Polysaccharide – Wirkstoffe mit Potenzial 

(Hier auch der Hinweis auf stark bioadhäsive Effekte von Lindenblütenextrakt)

Wirkungsweise von schleimhaltigen Heilpflanzen entschlüsselt

Neben dem Eibischschleim hat sich auch Lindenblütenschleim als bioadhäsiv erwiesen, d. h.: Der Schleim heftet sich gut als Schutzschicht auf die Schleimhäute.

Lindenblüten (Aufguss) oder Eibischwurzel (Kaltauszug) können zu Spülungen verwendet werden. In Betracht ziehen könnte man aber auch eine Anwendung via Spühflacon, zum Beispiel in der Palliative Care.

– Bitterstoffpflanzen sollen den Speichelfluss fördern und können bei Xerostomie einen Versuch wert sein. Rein vom Bitterstoffeffekt her dürfte es dabei keine entscheidende Rolle spielen, welche Bitterstoffpflanze angewendet wird.

Isländisch Moos (Cetraria islandica) wäre dabei interessant, weil es Bitterstoffe und Schleimstoffe enthält. Tee (Heissaufguss) würde ich den Lutschtabletten aber entschieden vorziehen.

Siehe dazu auch:

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung

– Als Lutschtabletten empfehle ich Emser Pastillen ohne Menthol, ein Präparat, das sich zur Anregung des Speichelflusses bzw. zur Befeuchtung der Mundschleimhaut eignet (Emsersalz zum Lutschen).

Das ist zwar auch nicht mit Studien belegt, doch gelten Emser Pastillen als bewährtes Befeuchtungsmittel bei RednerInnen und SängerInnen.

Da bei längerdauernder Mundtrockenheit ein erhöhtes Kariesrisiko besteht, wären wohl auch Kaugummi und Lutschtabletten mit dem Zuckeraustauschstoff Xylit nützlich.

Siehe dazu:

Xylitol-Kaugummi reduziert Risiko für Mittelohrentzündung bei Kindern

(Dort auch Informationen zur Antikaries-Wirkung von Xylit)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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