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Pfefferminzöl bei Muskelkater?

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T-online gibt in einem Beitrag Tipps zum Umgang mit Muskelkater und hat eine interessante Empfehlung: Pfefferminzöl.

Hier eine Zusammenfassung mit anschliessendem Kommentar:

Muskelkater entwickelt sich, wenn die Muskeln beim Training zu stark strapaziert werden und dadurch kleine Risse im Gewebe entstehen. Die verletzten Muskelfasern schwellen an und es kommt zu einer Entzündung, die sich durch den charakteristischen ziehenden und stechenden Schmerz zeigt.

Wer ungewohnt intensive Belastungen oder für den Muskel ungewohnte Bewegungsabläufe durchführt, muss mit Muskelkater rechnen. Verhindern lässt er sich nur mit einem auf die vorhandene Muskelkraft abgestimmten Training.

Aufwärmübungen und Dehneinheiten vor dem Sport reduzieren zwar das Verletzungsrisiko von Sehnen und Bändern, können aber einem Muskekater nicht vorbeugen. Und Schmerzmittel lindern nur das Symptom Schmerz, helfen jedoch den verletzten Muskelfasern nicht. Sportmedizinern zufolge können die in den Schmerzmitteln eingesetzten Wirkstoffe sogar den Muskelaufbau stören.

Gegen ein sanftes Sportprogramm ist Fachleuten zufolge auch mit Muskelkater nichts einzuwenden. Das Training sollte aber deutlich weniger intensiv ausfallen, weil der Muskel Zeit braucht um sich zu regenerieren. Walken, langsames Radfahren und entspanntes Schwimmen sind gute Trainingsmöglichkeiten in dieser Phase. Bei starkem Muskelkater ist aber eine Auszeit zu empfehlen oder eine Verlagerung des Trainings auf andere Muskelgruppen unter Schonung der beanspruchten.

Zahlreiche Sportler setzen auf Wärme nach der Trainingseinheit, weil sie die Muskeln entspannt und durch Erweiterung der Gefässe die Durchblutung fördert. Dadurch wird der Muskel besser mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.

Von Massagen raten Fachleute bei Muskelkater allerdings ab, da der Druck, der dabei auf die Muskelpartien ausgeübt wird, diesen zusätzlich reizt.

Als Geheimtipp gegen Muskelkater stellt T-online in dem Beitrag Pfefferminzöl vor:

„Die ätherischen Öle, darunter Menthol, Menthon und Menthofuran wirken krampflösend, entspannend, kühlend und durchblutungsfördernd. So werden die Muskeln bei der Regeneration unterstützt und das Ziehen im Muskel gelindert. Am besten trägt man das Öl direkt nach der sportlichen Belastung auf die beanspruchten Bereiche auf.

Ein wenig verdünnt ist das Öl für die Haut besser verträglich. Einfach einige Tropfen auf ein angefeuchtetes Tuch oder Wattepad geben und die gewünschte Hautstelle damit einreiben.“

Wichtig sei zudem, nach der Anwendung die Hände gründlich zu waschen und den Kontakt mit den Augen zu vermeiden.

Der Muskelkater erreicht meist am zweiten oder dritten Tag nach dem intensiven Training seinen Höhepunkt und bis er wieder vollständig abgeklungen ist, kann es bis zu sieben Tage dauern.

Schädlich sei Muskelkater nicht, schreibt T-online. Sehr ausgeprägter und schmerzhafter Muskelkater sei allerdings ein sicheres Zeichen dafür, dass man es übertrieben hat.

Das Gute an Muskelkater sei zudem, „dass der Muskel angeregt wird, sich auf intensivere Trainingseinheiten vorzubereiten, zu wachsen beginnt und an Stärke gewinnt.“

Sei der Schmerz kaum auszuhalten oder lasse er nach einigen Tagen nicht nach, solle man einen Arzt aufsuchen. Dann könne es sein, dass eine Sportverletzung vorliegt, die behandelt werden muss.

Quelle:

http://www.t-online.de/gesundheit/fitness/id_81171044/muskelkater-weitertrainieren-oder-pausieren-.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Pfefferminzöl bei Muskelkater – diese Empfehlung ist mir bisher noch nie über den Weg gelaufen.

Pfefferminzöl wird äusserlich oft verwendet als juckreizstillendes Mittel zum Beispiel bei Insektenstichen (ca. 1%ig) und als Gegenstimulation zur Linderung von Spannungskopfschmerzen (ca. 10%ig).

Bei akuten Prellungen auf den Sportplatz kann Pfefferminzöl Schmerzen ebenfalls lindern durch Gegenstimulation (Counterirritation). Menthol als Hauptbestandteil des Pfefferminzöls reizt die Kältesensoren in der Haut und die Kühlempfindung überlagert die Schmerzempfindung, lindert sie dadurch auf ähnliche Art wie ein Eisspray, aber ohne physikalisch zu kühlen.

Dass Pfefferminzöl auf der Basis einer Gegenstimulation auch Schmerzen bei Muskelkater lindert ist deshalb denkbar. Ich würde dazu allerdings Pfefferminzöl 10%ig in alkoholischer Lösung nehmen, so wie es als Roller oder Tupfer in Apotheken und Drogerien gegen Spannungskopfschmerzen empfohlen wird.

Dass sich mit Pfefferminzöl die Durchblutung (des Muskels) anregen lässt, scheint mir nicht sehr überzeugend. Zwar gibt es eine ganze Reihe von Naturstoffen mit durchblutungssteigernder Wirkung – zum Beispiel Capsaicin aus Paprika, Rosmarinöl, Kampfer und Wacholderöl. Sie wirken aber eher wärmend und werden in Sportsalben und Rheumasalben eingesetzt. Ob sie auch die Durchblutung der Muskeln fördern ist eher zweifelhaft. Es spricht mehr dafür, dass sich die durchblutungsfördernde Wirkung vor allem auf die Haut beschränkt. Eine schmerzlindernde Wirkung des Pfefferminzöls bei Muskelkater kann ich mir aber gut vorstellen.

Siehe auch:

Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

 

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen

Noch eine Bemerkung zum Schluss: Unterschätzt wird nicht selten die recht gute Wirksamkeit von Pfefferminzöl gegen viele Bakterien, Viren (z. B. Herpes) und Hefepilze (z. B. Candida albicans). Untersuchungen dazu wurden im Zusammenhang mit Olbas-Tropfen gemacht – ein Gemisch aus Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl.

Siehe dazu:

Olbas-Tropfen: Ein Gemisch von ätherischen Ölen getestet auf antimikrobielle Wirkung

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Phytotherapie bei Erkrankungen im Vedauungstrakt

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Beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming sprach Professor Dr. Robert Fürst von der Goethe-Universität Frankfurt am Main über pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) bei Erkrankungen im Verdauungstrakt.

Bei der Indikation Übelkeit und Erbrechen empfahl Robert Fürst den Ingwerwurzelstock. Die Studienlage sei zwar heterogen, doch bei Reiseübelkeit sei die Wirksamkeit gut belegt. Eine Besonderheit sei hier, dass kein Extrakt zum Einsatz kommt, sondern der gepulverte Ingwerwurzelstock (zum Beispiel Zintona®). Bei Reizmagen oder auch funktioneller Dyspepsie gibt es laut Fürst Wirksamkeitsbelege für ein Kombipräparat aus Kümmelöl und Pfefferminzöl (Carmenthin®) und für STW-5 (Iberogast®). Zur Unterstützung der Leberfunktion könne der Mariendistelfrüchte-Trockenextrakt Legalon® empfohlen werden, jedoch nur bei alkoholischem Leberschaden. Bei viralen Hepatitiden gebe es keine Evidenz für die Wirksamkeit.

Dyspepsie beziehungsweise funktionelle Störungen der ableitenden Gallenwege lassen sich laut Fürst mit dem Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL® günstig beeinflussen. Vorsicht sei dabei jedoch geboten, denn bei einem Verschluss der Gallenwege seien Artischockenblätter aufgrund ihrer choleretischen Wirkung kontraindiziert.

Bei Reizdarmsyndrom gebe es evidenzbasierte Empfehlungen für Flohsamenschalen (zum Beispiel Mucofalk®), Iberogast und hoch dosiertes Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln (zum Beispiel Medacalm®).

Für Flohsamenschalen sieht der Experte auch Anwendungsmöglichkeiten bei Colitis ulcerosa. Für diese Indikation eigne sich auch Myrrhinil®, eine Kombination aus Myrrhepulver, Kaffeekohlepulver und Kamillenblüten-Trockenextrakt. Beide Phytopharmaka haben laut Fürst in Studien gezeigt, dass sie bei Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zum Remissionserhalt ebenso wirksam sind wie der chemisch definierte Wirkstoff Mesalazin.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=61686

Kommentar & Ergänzung:

Verdauungsbeschwerden sind ein bewährtes Anwendungsfeld für Heilpflanzen-Präparate.

Der Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL®   heisst in der Schweiz Hepa-S®.

Pfefferminzölkapseln sind in der Schweiz als Colpermin®  im Handel, Flohsamenschalen unter den Namen Laxiplant und Metamucil.

Ein weiteres interessantes Anwendungsgebiet für Flohsamenschalen und für Pfefferminzölkapseln ist der Reizdarm (Colon irritabile).

Siehe dazu hier:

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

STW-5 (Iberogast®) setzt sich zusammen aus neun Komponenten:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

Siehe dazu:

Phytotherapie bei Reizmagensyndrom

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Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

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Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ bringt ein Gespräch mit dem Dermatologen Franz Legat, dem Leiter der Juckreizambulanz in Graz.

Dabei wird als Mittel gegen Juckreiz (Pruritus) unter anderem auch Menthol erwähnt.

Zitat:

„Auch Cremes mit speziellen Inhaltsstoffen, etwa mit Urea, also Harnstoff, oder Menthol können helfen. Eine Therapie in Kältekammern oder die Phototherapie, also die Therapie mit UV-Strahlen, kann juckreizlindernd wirken.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000057056706/Pruritus-Im-Juck-Kratz-Zyklus-sein

Kommentar & Ergänzung:

Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls und dort in einem Anteil von 35 – 70 % vorhanden. Man kann also grob davon ausgehen, dass Pfefferminzöl etwas zur Hälfte aus Menthol besteht.

Bei der Anwendung von Menthol ist die Konzentration wichtig.

Um Juckreiz zu lindern sind Konzentrationen von 0,1 – 1% Menthol wirksam. Rechnet man bei Pfefferminzöl mit einen Mentholgehalt von etwa 50%, könnte man deshalb 1 – 2 % Pfefferminzöl in einer Salbengrundlage oder in fettem Öl (z. B. Mandelöl) applizieren.

Als Counterirritant zum Beispiel gegen Spannungskopfschmerzen beträgt die empfohlene Konzentration 1,25 – 16% Menthol. Üblich ist hier eine 10%ige Pfefferminzöl-Lösung auf alkoholischer Basis.

Urea (Harnstoff) ist eine organische Verbindung und bei Säugetieren ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das mit dem Urin und dem Schweiß ausgeschieden wird. In Salben und Lotionen dient er als Feuchtigkeitsspender und wird zu diesem Zweck synthetisch hergestellt.

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Harnstoff als die erste aus anorganischen Ausgangsstoffen synthetisierte organische Verbindung.

Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte vis vitalis (Lebenskraft) hergestellt werden könnten. Die erste Synthese von Harnstoff im Jahr 1828 durch Friedrich Wöhler gilt daher als Geburtsstunde der Biochemie. Durch diese Entwicklung galt der vitalistische Ansatz in der Biologie zunehmend als überholt.

Der Vitalismus nahm als Grundlage aller Lebensvorgänge als eigenständiges Prinzip eine Lebenskraft an. Die Hernstoffsynthese zeigte, dass zur Herstellung organischer Substanzen die Annahme einer Lebenskraft nicht notwendig ist.

Erwähnen möchte ich noch einen anderen interessanten Aspekt, der im Gespräch mit Franz Legat zu Sprache kommt:

Ein Juckreiz kann chronisch werden und sich dann von der ursprünglichen Ursache lösen. Zitat:

„Es entsteht ein Juck-Kratz-Zyklus, und der wird zu einer eigenen Juckreizerkrankung, die dann oft mit speziellen juckenden Hautveränderungen in einer sogenannten chronischen Prurigo mündet. In diesem Stadium bringt dann auch die Behandlung der auslösenden Ursache keine Hilfe mehr.“

Das scheint mir ähnlich zu sein wie bei chronischen Schmerzen. Auch sie können sich von der ursprünglichen Ursache lösen und zur eigenständigen Schmerzkrankheit werden.

Starker Juckreiz kann genauso stark belasten wie chronischer Schmerz.

In der Medizin kommen gegen Juckreiz oft Arzneimittel zur Anwendung, die eigentlich gegen andere Erkrankungen entwickelt wurden. Im Interview erwähnt werden als Optionen die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, die die Wahrnehmung und Weiterleitung von Juckreiz hemmen und bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder mit Nervenschäden meist gut wirken sollen.

Auch der Neurokinin-1-(NK1)-Antagonist Aprepitant habe sich als gutes Mittel gegen schweren chronischen Pruritus erwiesen, sei aber eigentlich zugelassen, um die Übelkeit bei stark wirksamen Chemotherapien zu lindern. Das Mittel sei teuer, und die Erfahrungen mit Langzeitbehandlungen seien derzeit noch gering.

Es gebe derzeit noch kein Medikament, das gegen Juckreiz zugelassen sei, sagt Legat.

In der Phytotherapie wird als Option bei Juckreiz noch der Paprika-Wirkstoff Capsaicin äusserlich angewendet. Siehe dazu:

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kümmelöl-Leibauflagen beim Reizdarmsyndrom

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Etwa 10 und 15 % der Bevölkerung in Europa leiden unter dem Reizdarmsyndrom. Bei den Betroffenen kommt es zu Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Durchfall, Unterbauchschmerzen, Völlegefühl oder übermäßig auftretenden Blähungen. Da eine ursächliche Behandlung nicht möglich ist, bieten sich nur Therapiemaßnahmen auf der Symptomenebene an. Vor allem phytotherapeutische Maßnahmen wie die Gabe von Pfefferminzöl und Kümmelöl in Kapselform sowie von Flohsamen haben sich bereits als effektiv in der Bekämpfung einzelner Beschwerden erwiesen.

Ein Team der Universität Duisburg-Essen untersuchte nun die Wirksamkeit von Kümmelölleibauflagen, wie sie in der Kneipptherapie angewandt werden, bei Reizdarm-Patienten.

Die an der Studie beteiligten Reizdarm-Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen aufgeteilt, die unterschiedliche Behandlungen bekamen, wobei aber nach dem Rotationsprinzip jeder Proband jede der drei Interventionen erhielt.

Jede der Behandlungen wurde über einen Zeitraum von drei Wochen appliziert, und zwar täglich für jeweils ca. 30 Minuten.

So sahen die drei Behandlungsgruppen aus:

1.)     Die zu prüfende Leibauflage mit Kümmelöl (2 %ig mit Olivenöl) und eine Moor-Wärmeauflage.

2.)     Eine erwärmte Leibauflage mit Olivenöl.

3.)     Eine körperwarme, nicht erwärmte Auflage mit Olivenöl.

Die Gruppen 2 und 3 dienten als Kontrollgruppen. Sie sollten es ermöglichen, die spezifischen Effekte des Kümmelöls sowie die Rolle der Wärme für eine potenzielle Linderung der Symptome zu unterscheiden.

Die Auflagen mit Kümmelöl zeigten sich den anderen Behandlungen deutlich überlegen, was die Zufriedenheit der Patienten und die Linderung der Symptome anbelangt. Die Kümmelölleibauflagen waren gut verträglich und wurden von den meisten der Patienten als angenehm und hilfreich bei der Linderung der Symptome beurteilt.

Quellen:

– http://www.carstens-stiftung.de/artikel/kuemmeloelleibauflagen-beim-reizdarm-endlich-ruhe-im-bauch.html

– Zeitschrift für Phytotherapie 2015; 36(06): 244-246

DOI: 10.1055/s-0041-109742

– Digestion. 2015;92(1):22-31. doi: 10.1159/000398790. Epub 2015 Jun 5.

Efficacy of Caraway Oil Poultices in Treating Irritable Bowel Syndrome–A Randomized Controlled Cross-Over Trial.

Lauche R1, Janzen A, Lüdtke R, Cramer H, Dobos G, Langhorst J.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?filters=&orig_db=PubMed&cmd=Search&term=92%2A%5Bvolume%5D%20AND%2022%5Bpage%5D%20AND%202015%5Bpdat%5D%20AND%20Lauche%20R%5Bauth%5D

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie war zwar klein (48 Patienten, wovon 40 Frauen, Durchschnittsalter 53,9 Jahre) und nicht verblindet. Das schränkt die Aussagekraft ein.

Es ist aber schwierig, für einfache, billige, nicht patentierbare Massnahmen grosse Forschungsgelder für umfangreiche Studien zu finden.

Daher sind auch schon derart kleine Studien willkommen.

Auch ist es generell schwierig, Wickel, Auflagen und ätherische Öle zu verblinden.

Bei einer Tablette ist das einfacher. Man kann sie wirkstoffrei herstellen und hat voilà – ein identisch aussehendes Placebo (Scheinpräparat) für die Kontrollgruppe.

Aber wie lässt sich ein Placebo herstellen für eine Kümmelölleibauflage, ein wirkstoffloses Scheinpräparat, das aussieht, sich anfühlt und riecht wie eine Kümmelölleibauflage?

Wenn etwas so riecht, sich anfühlt und aussieht wie eine Kümmelölleibauflage, dann ist es eine Kümmelölleibauflage.

Die mangelnde Verblindung kann man also nicht den Forschern und nicht der Kümmelölleibauflage zum Vorwurf machen. Sie folgt aus der Komplexität der Intervention.

In der Zeitschrift für Phytotherapie (6/2015) werden die Resultate der Studie so zusammengefasst:

„Ein signifikanter Unterschied bezüglich der Symptome zugunsten der Kümmelölleibauflage wurde im Vergleich zur körperwarmen Auflage identifiziert (Differenz –38,4 Punkte; p = 0,033), nicht jedoch im Vergleich zur erwärmten Auflage mit Olivenöl (Differenz –24,3 Punkte; p = 0,139). Die Anzahl der Therapieansprecher (mindestens 50 Punkte Symptomreduktion) war in der Gruppe der Patienten mit Kümmelölleibauflage (43,9 %) signifikant höher im Vergleich zu maximal 20 % in den anderen beiden Gruppen.“

Signifikant war der Unterschied zugunsten der Kümmelölauflage also nur im Vergleich zur körperwarmen Auflage mit Olivenöl, nicht jedoch zur erwärmten Auflage. Das unterstreicht die Bedeutung der Wärmeanwendung. Offensichtlich waren die Patienten aber mit der Kümmelölleibauflage zufriedener. Da könnte auch der Duft eine Rolle spielen, der eine Massnahme wirksamer erscheinen lässt.

Und wie macht man nun eine Kümmelölleibauflage praktisch. Der Betrag in der „Zeitschrift für Phytotherapie“ (6/2015) gibt dazu eine Anleitung:

„Für die Kümmelölleibauflage benötigen Sie eine Wärmeauflage (Wärmeflasche, Moor-Wärmeauflage), ein Geschirrtuch, ein großes Frotteetuch sowie eine Mischung aus Kümmel- und Olivenöl (2–10 % Kümmelölanteil, erhältlich z. B. in der Apotheke) und einen Löffel.

Tränken Sie das Geschirrtuch in heißem Wasser, und wringen Sie es gut aus. Nehmen Sie einen Teelöffel des Ölgemisches und reiben Sie es mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn auf den Bauch ein. Darüber legen Sie dann das feuchtwarme Geschirrtuch und fixieren das Ganze mit dem großen Frotteetuch. Legen Sie dann die Wärmeauflage oben auf. Danach begeben Sie sich für ca. 30 Minuten mit der Auflage ins Bett oder auf die Couch.

Wichtig: Prüfen Sie unbedingt die Temperatur der Auflage im Vorfeld, z. B. am Unterarm. Besondere Vorsicht ist bei Kindern oder älteren Menschen geboten, insbesondere wenn die Temperaturwahrnehmung gestört ist. Bei empfindlicher Haut können Sie den Anteil des Kümmelöls zudem reduzieren.

Sollten bei der Anwendung Unverträglichkeitsreaktionen auftreten (Juckreiz, Rötung), entfernen Sie die Auflage und reinigen Sie die Haut gründlich mit warmem Wasser. In diesem Fall sehen Sie von weiteren Anwendungen ab.“

Zum Reizdarmsyndrom siehe auch:

Phyto-Kombi mit Pefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

 

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie flop

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pfefferminzöl als Hausmittel gegen Kopfschmerzen

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Der Tipp ist nicht neu und die Studien dazu auch nicht. Aber weil es bei Spannungskopfschmerzen nach wie vor einen Versuch wert ist und das Magazin „Stern“ wieder einmal darauf hinweist:

„Eine leichte Massage mit zehnprozentigem Pfefferminzöl in alkoholischer Lösung an Schläfe, Scheitel und Nacken kann zusätzlich Linderung verschaffen. Großflächig auf Stirn und Schläfe aufgetragen, verringert das Minzöl die Kopfschmerzen nach etwa 15 Minuten. Bei Spannungskopfschmerzen ist die Wirkung der Pfefferminzölbehandlung mit der einer Paracetamoltablette vergleichbar; mehrere Studien haben dies nachgewiesen. Mit Pfefferminzöl können Sie auch Kinder über sechs Jahren behandeln.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/kopfschmerz/therapie/hausmittel-gegen-kopfschmerzen-ins-bad-oder-ins-bett-3261842.html

Kommentar & Ergänzung:

10%ige Pfefferminzöl-Lösung bekommt man in Apotheken und Drogerien.

Pfefferminzöl wirkt örtlich angewandt auch lindernd bei Juckreiz. Dazu sollte aber die Konzentration tiefer sein und etwa bei 1% liegen.

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Phytotherapie bei Reizmagensyndrom

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Die Pharmazeutische Zeitung hat gerade einen Artikel publiziert zum Thema „Reizmagen und Reizdarm“.

Zum „Reizmagen“ werden darin auch konkrete Hinweise auf Phytopharmaka aufgeführt, auf die ich hier kurz eingehen will.

Statt vom „Reizmagen“ spricht man eigentlich besser vom „Reizmagensyndrom“ (RMS), da es sich in den meisten Fällen um mehrere Symptome handelt. Im internationalen Sprachgebrauch ist die Bezeichnung „funktionelle Dyspepsie“ (FD) gebräuchlich.

Ein Reizmagensyndrom ist gemäß den sogenannten Rom-IV-Kriterien charakterisiert durch eines oder mehrere der folgenden belästigenden, das heißt alltägliche Aktivitäten beeinträchtigenden Symptome:

Völlegefühl nach den Mahlzeiten,

Vorzeitiges Sättigungsgefühl,

Im Oberbauch lokalisierte Schmerzen,

Im Oberbauch lokalisiertes Brennen.

Von einem RMS spricht man aber erst, wenn diese Symptome nach einer routinemäßigen klinischen Abklärung einschließlich Ösophago-Gastro-Duodenoskopie nicht hinreichend erklärbar sind. Ausserdem müssen die Symptome seit mindestens drei Monaten vorliegen mit einem Symptombeginn, der sechs Monate oder ­länger zurückliegt.

Und was sagt nun der Beitrag zu den phytotherapeutischen Möglichkeiten bei RMS?

Zitat:

„Daten zur Wirksamkeit aus kontrollierten Studien gibt es auch für Phytopharmaka wie STW-5, eine Phytokombination auf der Basis von Iberis amara, oder die Kombination aus Pfefferminzöl und Kümmelöl….“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68591

Kommentar & Ergänzung:

STW-5 ist bei Reizmagen ein bewährtes und durch Studien gut belegtes Phytopharmakon, das unter dem Namen „Iberogast“ im Handel ist.

Iberogast ist ein Kombi-Präparat aus neun verschiedenen Heilpflanzen:

Bittere Schleifenblume (Iberis amara), Angelikawurzel (Engelwurz), Kamillenblüten, Kümmelfrüchte, Mariendistelfrüchte, Melissenblätter, Pfefferminzblätter, Schöllkraut und Süßholzwurzel.

In der neueren Phytotherapie ist es eher unüblich, dass ein Präparat aus so vielen Heilpflanzen zusammengesetzt ist. Offenbar ergänzen die Bestandteile sich aber gut.

Zu STW-5 siehe auch:

Kinderheilkunde: Heilpflanzen-Kombination gegen Bauchbeschwerden

Phytotherapie bei funktionellen Magenbeschwerden

Phytotherapie als Standardtherapie bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen

Etwas eigenartig ist die Empfehlung der Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl bei RMS. Hier ist zweifellos vom Präparat Carmenthin® die Rede, das diese Zusammensetzung aufweist. Allerdings handelt es sich dabei um magensaftresistente Kapseln, die sich erst im Dünndarm auflösen. Etwas spät für eine Wirkung bei Reizmagen….

Carmenthin® eignet sich hingegen gut für Reizdarm und wirkt dort gegen Blähungen und Darmkrämpfe. Das Präparat stammt aus Deutschland und ist in der Schweiz nicht als Arzneimittel registriert.

Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung geht auch auf das Reizdarmsyndrom (RDS) ein:

„Unter einem Reizdarmsyndrom (RDS) versteht man länger als drei Monate anhaltende oder wiederkehrende Symptome, die die Lebensqualität einschränken und deren Ursprung im Darm vermutet wird: Stuhlunregelmäßigkeiten wie Durchfall und Verstopfung, die auch im Wechsel auftreten können, Schmerzen oder Druckgefühl im Bauch und Blähungen. Diese Symptome können allein oder in Kombination auftreten. Voraussetzung für die Annahme eines Reizdarmsyndroms ist der Ausschluss einer anderen organischen Krankheit.“

Unter den Therapieoptionen beim Reizdarmsyndrom werden auch zwei Phytotherapeutika aufgeführt, und zwar bei den Leitsymptomen Blähungen, abdominelle Distension und Flatulenz (Evidenzgrad A und B) und beim Leitsymptom Verstopfung (Evidenzgrad A). Leider werden aber weder die Präparate noch die darin enthaltenen Heilpflanzen konkret genannt.

Gemeint sind aber wohl

– Carmenthin®, die Kapsel aus Kümmelöl und Pfefferminzöl,

– Colpermin®, eine magensaftresistente Kapsel mit Pfefferminzöl zur Linderung von Darmkrämpfen,

– Flohsamen-Präparate als Stuhlregulans bei Verstopfung und/oder Durchfall.

Zu den phytotherapeutischen Optionen bei Reizdarmsyndrom siehe auch:

Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Reizdarmsyndrom: Kümmel, Anis und Fenchel als Tee?

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

 

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm – Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Phytotherapie bei Reizdarm

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie flop

 

 

 

Phytotherapie: Wirksame Behandlung bei Reizdarm und funktioneller Dyspepsie

Ballaststoffe bessern Reizdarmsyndrom

Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Erkältung: Welche Therapien wirklich helfen

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Das Angebot an konventionellen und alternativen Präparaten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten ist sehr gross. Die Studien zur Wirksamkeit sind aber oft nicht sehr überzeugend.

Erwachsene machen pro Jahr zwei bis vier Erkältungsepisoden durch, Kinder sogar sechs bis acht. Entsprechend umfangreich ist der Umsatz an Präparaten, mit denen Ärzte oder die Patienten selbst versuchen, den Verlauf der meist viralen Infektionen abzuschwächen und zu verkürzen. Von welchen Behandlungen nach derzeitigem Wissensstand wirklich Hilfe zu erwarten ist und von welchen eher nicht, das haben Miriam Croessmann vom Sana Klinikum Offenbach und Professor Markus Rose von der Universität Frankfurt / Main in der Fachzeitschrift „Pneumologe“ zusammengefasst (Pneumologe 2016: 13: 262–273). Dabei steht die Anwendung bei Kindern im Zentrum.

Die „Ärzte Zeitung“ hat den Text zusammengefasst.

Ich greife nachfolgend die pflanzlichen Präparate als Zitate heraus und kommentiere sie stellenweise.

Zu den schleimlösenden Mitteln (Sekretolytika / Mukolytika) steht da:

„Sie sollen bei erkältungsbedingter Bronchitis den Schleim verflüssigen und das Abhusten erleichtern. Unter Acetylcystein kann ein erhöhtes Volumen von verflüssigtem Bronchialsekret auftreten, das unter anderem von jungen Kindern schlecht abgehustet werden kann. Von Efeupräparaten ist dies nicht zu befürchten. Sekretolytika / Mukolytika sollten vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eine strenge Indikationsstellung erfahren.“

Hier werden also das synthetische Acetylcystein und die pflanzlichen Efeupräparate erwähnt. Zur Wirksamkeit wird nichts gesagt, aber die Efeupräparate sind an einem Punkt verträglicher. Das am besten dokumentierte Efeupräparat ist Prospan® (zugelassen für Kinder ab zwei Jahren). Das beste Mukolytikum sei eine gute Befeuchtung der Atemwege und reichlich trinken, heisst es in dem Beitrag.

Dann geht es noch um ätherische Öle als Einreibemittel:

„ Vapor rub mit den Wirkkomponenten Kampfer, Menthol, Eukalytpusöl hat bei Kindern keine Wirkung auf Husten oder Schnupfen, aber Kind und Eltern schlafen besser. Eltern müssen aufgeklärt werden, dass Einreibemittel und Tropfen auf Basis ätherischer Öle zu Atemwegsreizungen bis zum Bronchospasmus führen können.“

Gemeint ist hier wohl „Wick Vaporub“ (D) bzw. „Vicks vaporub“ (CH). Menthol ist der Hauptbestandteil von Pfefferminzöl. Es löst auf der Haut und an der Nasenschleimhaut ein Kältegefühl aus, das nicht physikalisch durch tiefe Temperatur, sondern durch Bindung an einen Kälterezeptor ausgelöst wird. In der Nase wird dadurch der Luftstrom intensiver wahrgenommen, wodurch eine subjektive Empfindung des Besser-durchatmen-könnens entsteht. Sie lässt sich nicht objektivieren, das heisst, man kann nicht durch Messung nachweisen, dass mehr Luft durch die Nase geht. Aber immerhin wirkt das erleichternd auf die Beschwerden der verstopften Nase, so dass nachvollziehbar ist, dass erkältete Kinder besser schlafen. Dass auch die Eltern besser schlafen, ist wohl ein erwünschter Nebeneffekt.

Ich würde allerdings bei Säuglingen und Kleinkindern als Einreibemittel nur mentholfreie Produkte verwenden. Als Regel gilt zudem, dass bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle nicht konzentriert in der Nähe der Atemöffnungen eingesetzt werden sollten.

Interessanterweise ist die Wirksamkeit von Honig gegen Hustenreiz recht gut belegt:

„Honig: Bei Kindern im Alter über einem Jahr kann ein Löffel Honig am Abend Husten und Nachtschlaf günstig beeinflussen.“

Siehe:

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

Und dann kommt Knoblauch:

„Knoblauch: Laut einer Cochrane-Analyse können Knoblauchtabletten möglicherweise Erkältungen vorbeugen, haben aber keinen Einfluss auf die Dauer von Erkältungen.“

Diese Cochrane-Analyse ist sehr interessant. Sie basiert aber auf nur einer Studie.

Siehe:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

 

Für Kinder dürfte Knoblauch zur Prophylaxe von Erkältungen geruchlich allerdings wohl etwas schwierig sein.

Dann der Klassiker der pflanzlichen Immunstimulantien: Echinacea / Sonnenhut:

„Echinacea: Es gibt keine überzeugenden Daten für den therapeutischen Einsatz von Echinacea bei Erkältungen, allenfalls für eine leichte prophylaktische Wirkung.“

Diese Einschätzung ist ziemlich ernüchternd. Sie beruht wohl auf dem Cochrane-Review von 2014:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24554461

Meinem Eindruck nach gibt es schon Leute, die von einer Echinacea-Einnahme profitieren. Klar scheint mir aber auch, dass die Erwartungen, die von der Werbung geweckt werden, durch die Studienlage nicht gedeckt sind.

Und dann weiter zu „Umckaloabo“, der alten Zulu-Heilpflanze aus Südafrika:

„Umckaloabo: Der Extrakt aus Pelargonium sidoides soll immunstimulierend, hustenstillend und schleimlösend wirken. In RCTs ist die Wirksamkeit bei Erwachsenen mit Erkältung oder akuter Rhinosinusitis sowie bei Erwachsenen und Kindern mit akuter Bronchitis gezeigt worden. Die Qualität der Evidenz sei niedrig, so Croessmann und Rose.“

„Umckaloabo“ ist auch als „Kapland-Pelargonie“ im Handel. Die relevanten Studien wurden alle mit dem Extrakt bzw. Präparat „Umckaloabo®“ durchgeführt (in der Schweiz nach ärztlicher Verordnung kassenpflichtig als Kaloabo®). Die Ergebnisse können nicht auf andere Produkte mit Kapland-Pelargonie übertragen werden, die zum Beispiel als Hausspezialitäten in Apotheken und Drogerien angeboten werden.

Bei Kindern seien günstige Effekte auf nasale Symptome und auf den Verbrauch von Dekongestiva durch Meerwasser-Spülungen dokumentiert, heisst es im Beitrag weiter (Dekongestiva hier = Abschwellende Nasentropfen).

Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass für Vitamin C keine eindeutigen therapeutischen Effekte bei Erkältungen belegt sind. Das konnte für die Normalbevölkerung schon durch eine ganze Reihe von Studien belegt werden. Eine Ausnahme scheinen Sportler darzustellen, bei Ihnen kann die vorbeugende Einnahme die Erkältungshäufigkeit auf rund die Hälfte reduzieren. Siehe dazu auf „Medizin transparent“:

Vitamin C beinahe nutzlos gegen Erkältungen

Zum Nutzen der Luftbefeuchtung seien die Studienergebnisse widersprüchlich, wird im Artikel vermerkt.

Die Originalpublikation in der Zeitschrift „Der Pulmologe“ fasst als Ergebnis für Kinder zusammen:

„Bei Kindern gibt es für häufig als Erkältungsmittel angewandte Substanzen wie Hustensäfte oder Echinaceapräparate keine konsistente Datenlage. Potenziell nützlich sind ätherische Einreibungen (Vapor rub, cave: Reizungen), Zink, Pelargonium sidoides und Honig.“

Quellen

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/922746/erkaeltung-helfen-diese-20-therapien-wirklich.html

Der Pneumologe, Juli 2016, Volume 13, Issue 4, pp 262–273

http://link.springer.com/article/10.1007/s10405-016-0052-3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

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Phyto-Kombi mit Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

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Mit einem pflanzlichen Kombinationspräparat aus Pfefferminzöl und Kümmelöl lassen sich die Symptome funktioneller Magen-Darm-Beschwerden erfolgreich lindern. Zudem ist die Behandlung mit dem Phytopharmakon leitliniengerecht.

Studiengemäß habe sich der symptomgerechte Einsatz von Pfefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm als effektiv erwiesen, sagte der Gastroenterologe Professor Dr. Ahmed Madisch, Hannover, auf einer Pressekonferenz der Dr. Willmar Schwabe GmbH.

Er unterstrich dabei, dass der pflanzlichen Wirkstoffkombination aus 90 mg Pfefferminzöl und 50 mg Kümmelöl (Carmenthin®) bei Schmerzen und Krämpfen in der aktuellen S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom der Evidenzgrad A und eine abgeschwächt positive Empfehlungsstufe (sollte oder kann) zugesprochen wird. Damit stehe das Phytopräparat auf einer Stufe mit dem Spasmolytikum Mebeverin.

Carmenthin habe in klinischen Studien verglichen mit Placebo eine doppelt so hohe Verminderung der Reizdarmsyndrom (RDS)-assoziierten Beschwerden Flatulenz, Druck-, Schwere- und Völlegefühl gezeigt. Als effektives Therapie-Modul füge sich das Phytopharmakon gut in die bei RDS notwendigen multimodalen Behandlungskonzepte auch bei Kindern ein, erklärte der Referent. Die Wirkstoffkombination aus Pfefferminzöl und Kümmelöl darf ab dem Alter von zwölf Jahren angewendet werden.

Das Reizdarmsyndrom ist von einer großen Symptom-Variabilität geprägt: Schmerzen, Krämpfe, Blähungen, Durchfall und/oder Verstopfung.

Dabei werden unterschiedliche Ursachen und individuelle Triggerfaktoren diskutiert. Leitliniengerecht liege ein Reizdarmsyndrom vor, wenn die RDS-charakteristischen Beschwerden seit mindestens drei Monaten vorliegen und andere Erkrankungen ursächlich ausgeschlossen wurden«, erläuterte Professor Dr. Stephan Miehlke aus Hamburg an der Pressekonferenz. Der Leiter des Magen-Darm-Zentrums am Universitätsklinikum Eppendorf wies auch darauf hin, dass bei RDS-Patienten nicht nur eine generell gesteigerte Darmmotilität beobachtet wird.

Darüber hinaus sei festgestellt worden, dass viszerale Schmerzreize bei diesen Patienten zur Aktivierung anderer und größerer Hirnregionen als bei gesunden Kontrollpersonen führen. Bei zahlreichen RDS-Betroffenen finde sich zudem eine erhöhte Innervation der Darmmucosa. Ein verändertes Schleimhaut-Mediatorprofil eine Aktivierung des enterischen Nervensystems und der primär afferenten Nerven bewirken.

Dr. Michael Harkenthal aus Ettlingen erklärte die sich ergänzenden Wirkmechanismen des Phytopharmakons und unterstrich, dass Reizdarmbeschwerden häufig nach akuten Infektionen im Verdauungstrakt entstehen. Es komme zur Hypersensibilität der Nerven im Darm, die dann bereits bei der geringsten psychischen oder physischen Reizung mit Schmerzsignalen und Krämpfen reagieren.

Pfefferminzöl aktiviert die Kältesensoren der Darmnerven, konstatierte Harkenthal. Das bewirke eine Beruhigung benachbarter Schmerzsensoren und eine drastische Verminderung ihrer Empfindlichkeit. Kümmelöl wirkt aktivitätshemmend auf gasbildende Bakterien, sodass Blähungen reduziert werden.

Im Vergleich zu den einzelnen Bestandteilen habe sich das Kombinations-Phytopharmakon mit Blick auf die Minderung abdomineller Schmerzen bei RDS als überlegen erwiesen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=63399

 

Kommentar & Ergänzung:

Pharmakologisch betrachtet ist beim Reizdarm die Anwendung von Kümmelöl und Pfefferminzöl in Kapselform einer Anwendung von Kümmeltee bzw. Pfefferminztee vorzuziehen. Durch die magensaftresistente Carmenthin-Kapsel lassen sich grössere Mengen an ätherischem Öl bis in tiefere Darmabschnitte applizieren, als es mit einer Teeanwendung möglich wäre.

Ein Kräutertee hat aber immer auch einen Ritualcharakter und wirkt zudem möglicherweise durch die Wärmezufuhr entspannend.

Das Kombi-Präparat Carmenthin® ist in der Schweiz nicht als Arzneimittel registriert, kann aber von Apotheken aus Deutschland besorgt werden.

Magensaftresistente Pfefferminzöl-Kapseln gibt es unter dem Namen Colpermin®.

Für dieses Produkt liegen ebenfalls positive Studien zur Behandlung von Reizdarm vor.

Siehe dazu:

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie flop

 

Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)

 

Kümmel und Pfefferminze sind in Form eines alkoholischen Extrakts auch Bestandteil der Iberogast Tropfen (neben Extrakten aus Schleifenblumenkraut, Engelwurz, Schöllkraut, Mariendistel, Kamille, Süssholz und Melisse). Das Kombi-Phytopharmakon wird ebenfalls bei Reizdarm eingesetzt, dürfte seine Wirkung aber eher im oberen Verdauungstrakt entfalten (Reizmagen, Völlegefühl im Oberbauch).

Siehe:

Phytotherapie bei funktionellen Magenbeschwerden

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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DGS-Praxisleitlinien Schmerzmedizin: Pfefferminzöl gegen Spannungskopfschmerzen

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Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin hat die Anwendung von Pfefferminzöl in die Praxisleitlinien aufgenommen.

Zitat:

Kopfschmerzen vom Spannungstyp

Die kutane Applikation von Pfefferminzöl (Oleum menthae piperitae) in 10%-iger ethanolischer Lösung ist wirksam zur Behandlung des episodischen Kopfschmerzes vom Spannungstyp. Die Wirkung ist der Einnahme von Paracetamol 1000 mg oder Acetylsalicylsäure 1000 mg ebenbürtig“

Pfefferminzöl in 10-prozentiger Lösung wird schon seit längerem bei leichten und mittelschweren Kopfschmerzen vom Spannungstyp lokal angewendet direkt über die Haut und aktiviert die körpereigenen Systeme der Schmerzabwehr. Die lokale Anwendung hat durch die Stimulation der Kälterezeptoren zudem einen lang anhaltenden, kühlenden Effekt.

Spannungskopfschmerzen werden meist durch Selbstmedikation behandelt, insbesondere mit nicht steroidalen Antirheumatika, Acetylsalicylsäure (Aspirin) und Paracetamol. Eine häufige und regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln bei chronischen Kopfschmerzen kann aber zur Intensivierung der Anzahl und Stärke der Attacken sowie zu Nebenwirkungen führen, die den Magen, die Nieren oder die Leber belasten können.

Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62522

http://dgs-praxisleitlinien.de/files/7114/4784/3077/PLL_PrimKopf_fk_online.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Die 10-prozentige Pfefferminzöl-Lösung ist eine gute Option bei Spannungskopfschmerzen – von der Wirksamkeit her, aber auch weil dadurch Magen, Nieren und Leber geschont werden.

Darum ist es sehr erfreulich, dass die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin Pfefferminzöl in ihre Praxisleitlinien aufgenommen hat. Das wurde möglich, weil es gute Studien gibt, die eine Wirksamkeit des Pfefferminzöls in diesem Anwendungsbereich belegen.

Siehe auch:

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl gegen Kopfschmerzen

Pfefferminzöl lindert Spannungskopfschmerzen

Pfefferminzöl bei Spannungskopfschmerz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka bei Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt

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Beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming sprach Professor Dr. Robert Fürst von der Goethe-Universität Frankfurt am Main auch über die Anwendung von Phytopharmaka bei Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts.

Der Pharmazeutische Biologe sprach sich zum Beispiel für Ingwerwurzelstock in der Indikation Übelkeit und Erbrechen aus. Die Studienlage sei zwar heterogen, doch bei Reiseübelkeit sei die Wirksamkeit gut belegt, erklärte Fürst. Eine Besonderheit sei, dass hier kein Extrakt zum Einsatz komme, sondern gepulverter Ingwerwurzelstock (zum Beispiel als Zintona®). Bei Reizmagen oder auch funktioneller Dyspepsie gebe es Wirksamkeitsbelege für die Pfefferminzöl-Kümmelöl-Kombination Carmenthin® (früher Enteroplant®) und für STW-5 (Iberogast®). Zur Unterstützung der Leberfunktion sprach sich der Referent für den Mariendistelfrüchte-Trockenextrakt Legalon® aus, allerdings nur bei alkoholischem Leberschaden. Bei viralen Hepatitiden gebe es keine Evidenz für die Wirksamkeit.

Dyspepsie beziehungsweise funktionelle Störungen der ableitenden Gallenwege können laut Fürst mit dem Artischockenblätter-Trockenextrakt Hepar-SL® günstig beeinflusst werden. Vorsicht sei dabei jedoch geboten, denn bei einem Verschluss der Gallenwege ist der Artischockenbätter-Extrakt aufgrund seiner gallenflussanregenden Wirkung kontraindiziert.

Evidenzbasierte Empfehlungen bei Reizdarmsyndrom seien Flohsamenschalen (zum Beispiel Mucofalk®), Iberogast® und hoch dosiertes Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln (zum Beispiel Medacalm® oder Colpermin®), so der Experte. Bei Colitis ulcerosa könne auch Flohsamenschalen zum Einsatz kommen, ebenso wie Myrrhinil®, eine Kombination aus Myrrhepulver, Kaffeekohlepulver und Kamillenblüten-Trockenextrakt. Beide Phytopharmaka hätten in Studien gezeigt, dass sie bei Patienten mit der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung zum Remissionserhalt ebenso wirksam seien wie der chemisch definierte Wirkstoff Mesalazin.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=61686

Kommentar & Ergänzung:

Phytopharmaka bieten eine grosse Vielfalt an Behandlungsmöglichkeiten für Beschwerden im Verdauungstrakt. Dieser Bericht vom Fortbildungskongress Pharmacon stellt Phytopharmaka vor, deren Wirksamkeit durch Studiendaten belegt sind.

Siehe auch:

Phytotherapie im Verdauungstrakt – ein Überblick

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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