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Milcheiweiss Casein wirksam gegen Stress und Einschlafprobleme?

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Der Pharmavista Newsletter berichtet in seiner neusten Ausgabe über Casein als möglicherweise wirksames Mittel bei Stress und gegen Einschlafprobleme.

Casein ist die Haupteiweisskomponente der Milch. Es besteht nicht aus einer definierten, homogenen Substanz. Die Bezeichnung Casein umfasst vielmehr verschiedene Phosphoproteine, die in Form von Micellen vorliegen.

Caseine in der Milch enthalten Peptidsequenzen mit opioidartigen Eigenschaften, wozu Exorphine zählen wie die beta-Casomorphine. Im Tiermodell beeinflussten diese Peptide die Regulation des Elektrolyttransports, verminderten das Schmerzempfinden und wirkten einschlaffördernd.

Alphacasozepin, das Decapeptid von Alphacasein, zeigte in Versuchen und klinischen Studien eine benzodiazepinähnliche Wirkung mit Bindungsaffinität zu den GABA-A-Rezeptoren. Diese Substanz hat stressvermindernde und anxiolytische (= angstlösende) Eigenschaften ohne nachteiligen Gewöhnungseffekt.

Nahrungsergänzungsmittel mit Casein (oder Proteinhydrolysat aus Milch) werden in Frankreich als Einschlafhilfe empfohlen und kommen bei Stress zur Anwendung. Casein, mit einem mehr oder weniger festgelegten Gehalt an Alphacasozepin, wird kombiniert mit adaptogen wirksamen Pflanzen wie Rhodiola (bspw. Seriane Kps.) oder Eleutherococcus (bspw. Anbosyn Tbl.) angeboten. Anbosyn wurde in einer kleinen klinischen Studie mit 87 Versuchspersonen über einen Zeitraum von 12 Wochen bezüglich Wirksamkeit bei Burnout geprüft. Bei drei von vier Personen soll ein positiver Effekt festgestellt worden sein.

In Pulverform werden caseinhaltige Präparate auch von Sportlern zur Vermehrung der Muskelmasse eingenommen.

Wie andere Eiweissse aus Kuhmilch kann auch Casein bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen auslösen. Nahrungsergänzungsmittel auf der Grundlage von Casein werden für Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren nicht empfohlen.

Als Quellenangabe führt der Pharmavista-Newsletter auf:

_Le Moniteur des pharmacies; no3068/2015/p48

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5145&NMID=5145&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessantes Thema. Möglicherweise ist das ein Erklärungsmodell für das alte Hausmittel „Ein Glas Milch mit Honig“ gegen Einschlafstörungen.

Allerdings muss dazu festgehalten werden, dass es sich bei diesen Angaben wohl hauptsächlich um Erkenntnisse aus Laborversuchen und aus kleinen klinischen Studien handelt, wobei aus der Beschreibung im Pharmavista-Newsletter nicht einmal ersichtlich ist, ob dabei eine Placebo-Kontrolle eingebaut war. Also insgesamt wohl noch eine ziemlich unsichere Datenlage. Aber trotzdem sehr überraschend. Mir war jedenfalls bisher nicht bekannt, dass Eiweissbausteine (Peptide) aus der Milch zu mindestens im Experiment schmerzlindernde und angstlösende Eigenschaften zeigen und benzodiazepinähnliche Effekte an Rezeptoren auslösen. Benzodiazepine sind als Tranquilizer als (allzu)viel verwendete Medikamentengruppe eine bedeutende Grösse im Pharmamarkt (z. B. Lexotanil®, Temesta®, Valium®, Seresta®).

Bisher wurde die Anwendung von Milch als Einschlafhilfe im Übrigen anders erklärt:

„Milch enthält in relativ hoher Konzentration die Aminosäure Tryptophan. Unser Körper kann diesen Eiweißbaustein nicht herstellen, benötigt ihn aber, um im Hirn den Botenstoff Serotonin zu erzeugen. Der wiederum sorgt nicht nur für allgemeines Wohlbefinden, sondern beruhigt auch und hilft beim Einschlafen. Man kann Tryptophan in der Apotheke als »natürliches« Schlafmittel kaufen. Um auf die allgemein empfohlene Tryptophan-Dosis zu kommen, müsste man allerdings etwa zwei Liter Milch trinken. Im Honig dagegen ist die Konzentration nicht ausreichend.“

Quelle:

http://www.zeit.de/2009/11/Stimmts

Interessant ist zudem auch die erwähnte Kombination von Casein mit Rhodiola (Rhodiola rosea, Rosenwurz) und Eleutherococcus (Eleutherococcus senticosus, Taigawurzel).

Siehe dazu:

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

Taigawurzel, Ginseng Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel

Rosenwurz (Rhodiola rosea, Orpin rose) gegen Stress und Müdigkeit 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Leinsamen als Blutdrucksenker?

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Eine Ernährung reich an Leinsamen soll gemäss einer Studie den Blutdruck senken.

Leinsamen enthält einen hohen Anteil an gesunden Omega-3-Fettsäuren, vor allem Alpha-Linolensäure, sowie Ballaststoffe und Lignane, die eine potente Kombination zur Erhaltung der Herzgesundheit sein könnten. Hauptsächlich für Patienten mit hohem Blutdruck (Hypertonie) und Arteriosklerose – eine Kombination, die oft schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall auslöst, könnten von der gefäßerweiternden Wirkung einer gesunden Ernährung mit Leinsamen Vorteile erlangen.

Forscher untersuchten nun im Rahmen einer Doppelblindstudie (FLAX-PAD-Studie), ob der tägliche Konsum von 30 g geschrotetem Leinsamen über einen Zeitraum von sechs Monaten den Blutdruck von Arteriosklerose-Patienten reduzieren kann. Gut die Hälfte der 110 Testpersonen verzehrte täglich Nahrungsmittel, die jeweils 30 g Leinsamen enthielten. Der Ernährungsplan enthielt unter anderem Bagels, Muffins, Riegel, Brötchen, Pasta und Biskuits. Die andere Hälfte der Probanden nahm die gleichen Nahrungsmittel zu sich, die aber kein Leinsamen, sondern geschroteten Weizen enthielten. Im Verlauf der Studie wurden die Probanden angehalten, wegen einer möglichen Verzerrung des Resultate nicht mehr als zwei Fischmahlzeiten pro Woche zu sich zu nehmen. Die Befolgung dieser Vorgabe durch die Testpersonen wurde regelmäßig durch die Untersuchung des Blutplasmas auf Docosahexaensäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, überprüft.

Nach sechs Monaten zeigten die Messungen, dass der obere (systolische) Blutdruck in der Leinsamen-Gruppe im Mittel signifikant von 143 auf 136 mm Hg vermindert war, während die Werte sich in der Placebo-Gruppe sogar leicht erhöht hatten (von 142 auf 146 mm Hg). Auch hinsichtlich des unteren (diastolischen) Blutdrucks profitierten die Probanden in der Interventionsgruppe vom täglichen Konsum Leinsamen-haltiger Lebensmittel (Reduktion um rund 10 %). Bei den Probanden der Placebo-Gruppe veränderten sich diese Werte so gut wie nicht.

Der Studienleiter Dr. Rodriguez schlussfolgert, dass durch die Anreicherung des täglichen Lebensmittelverzehrs mit 30 g Leinsamen die Hälfte der Schlaganfälle und ein Drittel der Herzinfarkte vermeidbar wären.

Verantwortlich für die blutdrucksenkende Wirkung des Leinsamens machen die Forscher das synergistische Zusammenspiel der Wirkkomponenten Alpha-Linolensäure, Enterolignan, Ballaststoffe und Peptide. Den genauen Wirkmechanismus, die langfristigen Effekte und Vorteile einer mit Leinsamen angereicherten Ernährung für die Herzgesundheit müssen allerdings in weiteren Studien noch genauer untersucht werden.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/blutdrucksenker-leinsamen.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24126178

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21616170

Kommentar & Ergänzung:

Einen „ausgewachsenen“ Bluthochdruck wird man mit einer Leinsamen-Supplementation kaum unter Kontrolle bringen und Blutdrucksenker nicht vermeiden können. Nicht auszuschliessen wäre aber, dass sich über längere Zeit eingenommen damit eine Blutdrucksenkung erzielen lässt, die eine Reduktion der Medikamente möglich macht.

Auch bei einer grenzwertigen Hypertonie könnte eine Leinsamen-Zulage sinnvoll sein.

Wenn der Studienleiter schlussfolgert, mit 30 g Leinsamen pro Tag könnten ein Drittel der Herzinfarkte und die Hälfte aller Schlaganfälle vermieden werden, dann scheint mir das sehr optimistisch und es wäre wohl eine Nobelpreis-würdige Entdeckung, wenn es wirklich so wäre.

Schlussfolgern ist hier einfach, belegen schwierig.

Einen (Blutdruck-)Messwert zu verändern mag ja schön und gut sein. Entscheidender wäre aber der Zielpunkt, dass weniger Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall auftreten. Um so etwas zu belegen, müsste die Studie aber wohl deutlich länger andauern und mit einer deutlich grösseren Probandenzahl durchgeführt werden.

P. S. Wenn Sie die positiven Wirkungen von Leinsamen auf den Blutdruck nutzen möchten, müssen Sie – wie in der Studie – geschrotete Leinsamen verwenden. Aus ganzen Leinsamen werden keine Omega-3-Fettsäuren in den Organismus aufgenommen.

Aus geschroteten Leinsamen werden zudem Phytoöstrogene aus der Gruppe der Lignane aufgenommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Ananas-Enzym Bromelain löst Schorf von Brandwunden

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Enzyme aus der Ananaspflanze können den festsitzenden Schorf in Brandwunden ablösen.

Das Bromelain-Präparat eines Herstellers aus Israel steht nach dem erfolgreichen Abschluss klinischer Studien in Europa vor der Einführung.

Bromelain, eine 1957 erstmals beschriebene Mischung von proteolytischen ( = eiweissspaltenden) Enzymen aus dem Stamm und den Früchten der Ananaspflanze, wird gegenwärtig in Apotheken als Naturheilmittel gegen „Schwellungen und Entzündungen“ nach Operationen oder Verletzungen als Tabletten zur oralen Anwendung angeboten. Die Enzyme erzielen jedoch auch bei einer topischen ( = örtlichen) Anwendung eine Wirkung. Bei Brandwunden kann Bromelain den fest haftenden Wundschorf lösen. Die Resultate klinischer Studien, die der Hersteller MediWound aus Jawne, 30 Kilometer südlich von Tel Aviv, durchgeführt hat, haben nun die Europäische Arzneimittelagentur EMA überzeugt.

NexoBrid so der Name des Präparates, habe die Zeit bis zur erfolgreichen Entfernung des Wundschorfs verkürzt und das Ausmaß des chirurgischen Debridements reduziert, heißt es in einer Pressemitteilung zu der positiven Entscheidung des Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP).

Die EMA warnt aber gleichzeitig, dass eine nicht sachgerechte Weiterbehandlung der Wunde nach dem Debridement die Heilungszeiten verlängern und das Komplikationsrisiko vergrössern könne. Die Ananas-Enzyme könnten dann gesundes Gewebe angreifen. Der CHMP verlangt deshalb von der Herstellerfirma, ein Trainingsprogramm und Fortbildungsmaterialien für die Anwender bereitzustellen.

NexoBrid hat seit 2002 bei der EMA den Status eines Orphan Arzneimittel für seltene Erkrankungen, bei denen der Bedarf an neuen Medikamenten hoch einschätzt wird. Bei Arzneimitteln mit Orphan-Status ist ein vereinfachtes und günstigeres Zulassungsverfahren möglich. Über eine Zulassung wird demnächst die Europäische Kommission einen Entscheid fällen, wobei sie sich aber in der Regel an die Empfehlungen des CHMP hält.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51755/Ananas-Enzyme-loesen-Schorf-von-Brandwunden

Kommentar & Ergänzung:

Bromelain ist ein interessanter Inhaltsstoff der Ananaspflanze.

Hier weitere Infos zur biologischen Wirkung des Enzyms:

„Bromelain wirkt gerinnungs- und entzündungshemmend. Es hilft beim Abbau von Fibrin, einem Eiweißstoff im Blut, der die Blutzirkulation herabsetzen kann. In in-vitro-Studien zeigte Bromelain wundheilende und antimetastasische Wirkungen.“

Quelle: Wikipedia

Und zur medizinischen Anwendung von Bromelain:

„In der Medizin wird Bromelain bei akuten und chronischen Entzündungen (magensaftresistente Tabletten) sowie als Verdauungshilfe eingesetzt. Die Zulassung der deutschen Fertigarzneimittel lautet ‚bei akuten Schwellungszuständen nach Operationen und Verletzungen, insbesondere der Nase und der Nebenhöhlen.’

Bromelain wurde in klinischen Studien bei Gelenkbeschwerden gegen Placebo und gegen NSAR getestet. Dabei fällt etwa jede zweite Studie negativ aus. Ein sicherer Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit von Bromelain fehlt.

Bromelain wird im Magen bereits zum größten Teil verdaut.

Deshalb werden standardmäßig magensaftresistente

Filmtabletten oder Dragees in der Therapie eingesetzt, welche

sich erst im Dünndarm auflösen und enthaltene Stoffe

freisetzen. Da nur Peptide aus bis zu drei Aminosäuren

resorbiert werden, ist eine Aufnahme von Bromelain, welches

ein vollständiges Protein darstellt, unrealistisch.

Neben Arzneimitteln befinden sich auch Nahrungsergänzungsmittel, ergänzende bilanzierte Diäten und diätetische Lebensmittel für Sportler mit Bromelain im Markt: Die Qualitäten reichen von geringsten Mengen Ananas-Fruchtpulvern bis zu höher dosierten Präparaten. Eine Angabe der Enzymaktivität wird von den Überwachungsbehörden in Deutschland im Lebensmittelbereich kritisch gesehen. Die Lagerungsstabilität ist umstritten.“

Quelle: Wikipedia

Ein Bromelain-Präparat mit Zulassung als Arzneimittel ist Traumanase® forte. Es unterstützt die Rückbildung von Schwellungen und Flüssigkeitsansammlungen nach Verletzungen und Operationen.

Gefrorene Ananasstückchen werden in der Palliative Care erfolgreich eingesetzt zur Linderung der Beschwerden bei Mukositis (Mundschleimhautentzündung).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Wirksamkeit von Ginseng – Weisser Ginseng oder Roter Ginseng?

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Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde vor kurzem Ginseng zum Thema.

In der traditionellen chinesischen Medizin werde Ginseng (Panax ginseng, Panax quinquefolius ) seit Jahrtausenden als Heilmittel bei Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Atemnot, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Impotenz, Blutungen und Diabetes angewandt, schreibt Dr. Rainer C. Görne. Die Ginsengwurzel gelte in Asien als Sinnbild für Gesundheit und langes Leben.

Neuere Untersuchungen hätten verschiedene Inhaltsstoffe wie Ginsenoside, Polysaccharide, Peptide und Polyin-Alkohole nachgewiesen:

„Einige dieser Inhaltsstoffe haben in pharmakologischen Experimenten ZNS-Wirkungen, neuroprotektive und immunmodulatorische Wirkungen gezeigt.“

Insbesondere die Ginseng-Saponine, die Ginsenoside haben antioxidative, entzündungshemmende, anti-apoptotische und immunstimulierende Eigenschaften, schreibt der Autor.

In einigen kontrollierten, klinischen Studien sei die Wirkung von Zubereitungen aus Ginseng auf die körperliche und psychomotorische Leistung, kognitive Funktionen, Immunmodulation, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, die Lebensqualität untersucht worden.

Aufgrund der schlechten Qualität der meisten dieser Studien seien die klinischen Daten zur Wirksamkeit unzureichend.

Beim roten Ginseng handle es sich um Panax ginseng, der entweder durch Wasserdampf erhitzt oder in der Sonne getrocknet wurde. Diese Variante einer Ginsengzubereitung werde in Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten verwendet.

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung enthalte das Konzentrat aus rotem Ginseng jedoch nur halb so viel Ginsenoside wie jenes aus weißem Ginseng. Roter Ginseng werde traditionell mit einer Anregung der Sexualfunktion und Steigerung des Antriebs verbunden:

„In einer doppelblinden, klinischen Studie wurde gezeigt, dass eine Zubereitung aus rotem Ginseng eine wirksame Alternative für die Behandlung der erektilen Dysfunktion sein kann (Hong et al. 2002). Zwei kleinere Studien zeigten eine Verminderung des Relaps bei Magenkrebs im Vergleich zur Kontrollgruppe (Suh et al. 2002) sowie potenziell positive Effekte einer Kombination von koreanischem roten Ginseng und einer antiretroviralen Therapie bei HIV-1-infizierten Patienten (Sung et al. 2009).“

Zusammenfassend sei somit festzuhalten, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt zuverlässige klinische Daten zur Wirksamkeit von Ginseng-Präparaten fehlen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/default.aspx?sid=806917&ticket=ST-749-jTkac4gOZNaAF1C4FrZu5OHkAUoM4HGizPQ-20

Kommentar & Ergänzung:

Die Ginseng-Forschung liefert interessante Ergebnisse. Hänsel / Sticher kritisieren allerdings in „Pharmakognosie / Phytopharmazie“ (2010), dass den Untersuchungen „recht häufig eine Relevanz für die menschliche Anwendung fehlt oder mangelhaft ist (z.B. durch unrealistisch hohe Dosierung, i.v. oder i.p. anstelle von p.o.-Applikation, Tierexperimente ohne Bezug zum Therapeutischen Wert am Menschen).“

Zur Diskussion, ob Roter Ginseng oder Weisser Ginseng wirksamer ist, schreibt der „Leitfaden Phytotherapie“:

„Roter Ginseng, der zur Konservierung mit gespanntem Wasserdampf behandelt wird, ist nicht generell dem weissen Ginseng qualitativ überlegen und enthält nur dann einen höheren Ginsenosidgehalt, wenn vor dem Dämpfen bei 120 – 130°C Ginsenosid-reicher „weisser Ginseng“ ausgesucht worden ist. Nur bei wenigen „Roter Ginseng-Präparaten“ wird diese qualitative Vorauswahl durchgeführt. Nach der Wasserdampfbehandlung nehmen die vorher weissen Wurzeln eine hornartige Struktur und rötliche Farbe an. Die Aussage, dass nur 5 – 7 jährige Ginsengwurzeln verwendet werden, ist ein Werbegag, denn erst nach dieser Zeit ist die Wurzelmasse so gross, dass sich eine Ernte lohn. Ausserdem haben 1-2-jährige Wurzeln sowie die dünnen Seitenwürzelchen einen höheren Ginsenosidgehalt.“

Bei Ginseng-Präparaten gibt es grosse Qualitätsunterschiede. Vorsichtig wäre ich bei Produkten, die nur als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen sind. Ginseng-Präparate, die eine Zulassung als Arzneimittel haben, werden genauer kontrolliert.

Seriöse Ginseng-Präparate sind auch einen standardisierten, also gleichbleibenden Ginsenosidgehalt eingestellt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Antientzündlicher Effekt von Rosmarinsäure belegt

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Rosmarinsäure hemmt die Bildung des Enzyms COX-2 und wirkt auf diese Weise antientzündlich.

Der antientzündliche Effekt von Rosmarinsäure ist  an menschlichen Zellkulturen geprüft worden. Als Messparameter diente die Expression der Cyclooxygenase-2 (COX-2), deren Spiegel sich bei externen Reizen wie Verletzungen oder bei Entzündungen erhöht. Den US-amerikanischen Forschern ist es mit ihren Experimenten gelungen nachzuweisen, dass Rosmarinsäure die Bildung von COX-2 signifikant reduziert.

Quellen:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/article/661978/antientzuendlicher-effekt-rosmarin-zellkulturen-belegt.html?sh=39&h=-1436656583

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18936204

Kommentar & Ergänzung:

Zum Verständnis wichtig wäre an diesem Punkt wohl eine genauere Beschreibung dazu, in welchen Heilpflanzen Rosmarinsäure vorkommt. Richtig: In Rosmarin, aber auch in der Melisse ( = Zitronenmelisse) und vielen anderen Lippenblütlern, und im Beinwell (Wallwurz).

Zum Vorkommen der Rosmarinsäure schreibt Wikipedia:

„Vor allem die Familien der Lamiaceae, speziell die Unterfamilien Nepetoideae und Boraginaceaen sind reich an Rosmarinsäure. Sie kann aber auch in taxonomisch weiter entfernen Pflanzengruppen, wie Farnen und Hornmoosen, hier jedoch in geringerer Konzentration, gefunden werden.“

Und zur Verwendung:

„Rosmarinsäure besitzt antivirale, antibakterielle und antiinflammatorische Eigenschaften. Sie wird daher in verschiedenen Melissepräparaten (z. B. Lomaherpan® Creme) eingesetzt, außerdem in einigen Salben gegen Sportverletzungen (z. B. Traumaplant®).“

Ergänzung: In der Schweiz als Salbe gegen Herpes auf der Basis von Melissenextrakt „Valverde Fieberbläschensalbe“.

„Reine Rosmarinsäure wirkt gegen die komplementabhängige Stimulation der Prostaglandinsynthese, besitzt antioxidative Eigenschaften, blockiert die Opsonisierung und kann leicht über die Haut aufgenommen werden.

Rosmarinsäure besitzt, ebenso wie viele andere Phenolcarbonsäureester, gerbende Eigenschaften. Da sie vor allem in Pflanzenarten der Familie Lamiaceen vorkommt, wird sie auch als Lamiaceengerbstoff oder als Labiatengerbstoff – Labiatae ist die veraltete Bezeichnung für Lippenblütler – bezeichnet.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur biologischen Bedeutung der Rosmarinsäure:

„Rosmarinsäure ist ein sekundärer Pflanzenstoff. Pflanzen synthetisieren sie als Abwehrstoff gegen Pilze und Bakterien. Außerdem wird vermutet, dass sie die Pflanze vor Fraßfeinden schützt. Pflanzen speichern Rosmarinsäure in den Vakuolen getrennt von Oxidasen. Kommt es zu einer Verletzung, wird diese Kompartimentierung aufgehoben. Die phenolischen Hydroxygruppen der Rosmarinsäure werden zu Orthochinonen oxidiert. Diese binden an Peptide und inaktivieren sie dadurch.“

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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