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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Hopfen bei Schlafstörungen

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Die österreichische Zeitung „Kurier“ berichtet über Kräuter gegen Schlafstörungen.

Zum Stichwort „Hopfen“ heisst es da:

„Stammt von den Hanfgewächsen ab und kommt, wie der Baldrian, auf feuchtem Boden im Halbschatten vor. Einen Aufguss von Hopfenblüten und Tinkturen zur Förderung eines gesunden Schlafes kann man selber herstellen. Hopfen regt auch die Verdauung an.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/die-fuenf-besten-schlafkraeuter/252.547.803

Kommentar & Ergänzung:

Die Formulierung „Stammt von den Hanfgewächsen ab“ ist etwas sonderbar. Hopfen gehört zur Pflanzenfamilie der Hanfgewächse (Cannabaceae), die beinahe weltweit verbreitet ist. Sie umfasst etwa 170 Pflanzenarten in etwa elf Gattungen, darunter die Gattungen Hanf (Cannabis) und Hopfen (Humulus).

Hopfen (Humulus lupulus) wächst als Kletterpflanze gerne in Auenwäldern. Wer Hopfen in der Natur kennenlernen möchte, kann das zum Beispiel auf meinen Kräuterwanderungen in die Rheinschlucht (Graubünden), in die „Petite Camargue“ bei Basel und in die Thurauen am Zusammenfluss von Rhein und Thur zwischen den Kantonen Zürich und Schaffhausen.

Hopfen ist zweihäusig – das heisst, es gibt weibliche und männliche Hopfenpflanzen. Nur die weiblichen Hopfenpflanzen entwickeln Blütenstände (Hopfenzapfen), die zur Bierproduktion und als Heilpflanze verwendet werden.

Hopfentee als Aufguss von Hopfenblüten lässt sich tatsächlich gut selber herstellen. Er enthält allerdings starke Bitterstoffe und wird darum nicht gerade von vielen Menschen gerne getrunken.

Hopfentinktur ist dem Hopfentee bezüglich Wirkstoffgehalt unterlegen.

Eine weitere Anwendungsform ist das Hopfenkissen als Einschlafhilfe. Am häufigsten zum Einsatz kommt aber Hopfenextrakt in Kombination mit Baldrianextrakt (in der Schweiz als Redormin®), oder in Kombination mit Passionsblume oder Melisse.

Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) hat eine Kombination von Hopfen und Baldrianwurzel in Form von Trockenextrakten zur Besserung von Schlafstörungen als „medizinisch allgemein anerkannt“ (well established use“) akzeptiert.

ESCOP und Kommission E bestätigen als Anwendungsgebiete von Hopfen Unruhe, Angstzustände und Schlafstörungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Manager bevorzugen pflanzliche Schlafmittel

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Jede dritte deutsche Führungskraft konsumiert zumindestens ab und zu Schlafmittel. Zu diesem Resultat kommt eine Umfrage der Regensburger R-und-K-Marktforschung im Auftrag der Max-Grundig-Klinik in Bühl. 1000 Führungskräfte verschiedener Hierarchiestufen nahmen an der Umfrage teil, wobei Mitarbeiter von Unternehmen verschiedener Größen, Branchen und Regionen vertreten waren.

33 Prozent der Befragten erklärten, ab und zu Schlafmittel zu verwenden. Beim überwiegenden Teil von ihnen (29 Prozent) geschieht dies allerdings nur selten. 4 Prozent sagten, dass sie die Mittel regelmäßig einnehmen. Dabei kommen chemische Präparate allerdings nicht häufig zum Zug: 96 Prozent der befragten Führungskräfte sagten aus, dass sie keine chemischen Schlafmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen verwenden und auch keine sedierenden Antidepressiva wie Doxepin, Mirtazapin oder Amitryptilin. Nur 2 Prozent der Befragten nehmen diese Präparate gelegentlich ein, 1 Prozent oft und 1 Prozent immer.

Stattdessen greifen Managerinnen und Manager vielfach zu pflanzlichen Beruhigungsmittel – und zwar 21 Prozent gelegentlich, 11 Prozent häufig und 5 Prozent immer. Der weitgehende Verzicht auf harte Substanzen sei ein gutes Zeichen, sagt dazu Henning Hager, Leitender Arzt der Psychosomatischen Medizin an der Max-Grundig-Klinik. Er weist darauf hin, dass aus ärztlicher Sicht chemische Präparate nur im Notfall angewendet werden sollten.

Dass über ein Drittel der deutschen Führungskräfte regelmäßig auf pflanzliche Beruhigungsmittel zurückgreife, sei aber ein deutlicher Hinweis, dass viele von ihnen mit Stress und mangelndem Schlaf nicht zurechtkämen.

Auf die Frage, welche pflanzlichen Schlafmittel sie kennen, nannten 87 Prozent der befragten Führungskräfte Baldrian, 75 Prozent Hopfen, 51 Prozent Lavendel, 47 Prozent Johanniskraut und 31 Prozent Passionsblume. Neben pflanzlichen Beruhigungsmitteln setzt außerdem jede vierte befragte Person (28 Prozent) auf Entspannungsmethoden wie autogenes Training oder Meditation.

Hager bewertete das Resultat der Umfrage positiv, vor allem die Tatsache, dass die Mehrheit der Befragten vertretbare pflanzliche Mittel zum Schlafen einsetze. Er empfiehlt, diese Mittel ausreichend hoch zu dosieren und langfristig einzunehmen: Schnelle Erfolge seien bei Einmalgabe nicht erreichbar. Auch sollten Personen mit Schlafproblemen vor dem Zubettgehen keinen Alkohol und kein schweres Essen einnehmen, keinen Hochleistungssport ausüben und keine Konfliktgespräche führen. Auch bläuliches LED-Licht vor dem Schlafengehen sei kontraproduktiv, weshalb Hager dazu rät, eine Stunde vor dem Schlafengehen auf die Benutzung von Laptop und Smartphone verzichten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=65926

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Umfrage. Vernünftige Stellungnahme des Psychosomatikers aus der Max-Grundig-Klinik.

Wiederkehrende Schlafstörungen können durch unterschiedlichste Ursachen ausgelöst werden. Falls möglich sollten diese Ursachen identifiziert und angegangen werden. Dazu sind in der Regel hauptsächliche nichtmedikamentöse Massnahmen sinnvoll und nötig.

Sollen trotzdem Arzneimittel zur Anwendung kommen, sind pflanzliche Präparate wegen ihrer ausgesprochen guten Verträglichkeit eine sinnvolle Option. Das scheinen also auch die befragten Manager gemerkt zu haben.

Mich erstaunt allerdings, dass bei diesen Führungskräften Baldrian, Hopfen, Lavendel, Johanniskraut und Passionsblume als Schlafmittel so bekannt sein sollen. Da müsste man mehr darüber wissen, wie die Fragen gestellt wurden. Aufzählung vorgegebener Antworten zum ankreuzen? So frei aus dem Kopf heraus kann ich mir vorstellen, dass den Befragten Baldrian in den Sinn kommt, kaum aber zum Beispiel Passionsblume.

Johanniskraut würde ich im Übrigen zu den Antidepressiva zählen und nicht zu den Schlafmitteln.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

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Ingwerpulver scheint Schmerzen bei Frauen mit Menstruationsbeschwerden (primärer Dysmenorrhö) zu lindern. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von sieben kontrollierten Studien.

Mit NSAR (Schmerzmittel) gelingt es eigentlich zahlreichen Frauen ganz gut, die Menstruationsschmerzen zu lindern.

Ein Viertel der Frauen spreche allerdings auf Dauer nicht genügend auf solche Arzneimittel an, anderen wiederum machten Nebenwirkungen wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit zu schaffen. Das schreiben Dr. James Daily vom gleichnamigen US-amerikanischen Vitamin- und Kräuterpräparate-Händler in Rockwell sowie Ernährungswissenschaftler der Universität in Asan in Südkorea in einer Metastudie (Pain Med 2015, online 14. Juli).

Der Unternehmer und die Wissenschaftler haben die englischsprachige, chinesische und koreanische Fachliteratur nach Studien durchsucht, in denen Ingwerpulver zur Linderung der Regelschmerzen eingesetzt wurde.

Die Forscher berücksichtigten für ihre Untersuchung nur randomisiert-kontrollierte Studien zu primärer Dysmenorrhö unter der Bedingung, dass die Schmerzen mit einer visuellen Analogskala erfasst worden waren.

Sieben Studien mit insgesamt 651 Frauen im Alter von über 18 Jahren erfüllten diese Voraussetzungen. Davon wurden zwei Studien als qualitativ hochwertig bewertet – die Wahrscheinlichkeit für Verzerrungen und Fehlannahmen sei hier klein. Vier Studien bescheinigten die Forscher eine moderate und einer eine geringe Qualität.

Sechs Studien wurden im Iran durchgeführt, eine in Indien. Fünf Studien verglichen Ingwerpulver gegen Placebo, eine gegen Placebo und Zinksulfat und eine gegen zwei verschiedene NSAR.

Durchschnittlich erhielten die Frauen in den Verumgruppen zwischen 0,75 und 2 g Ingwerpulver pro Tag über die ersten drei bis vier Tage des Zyklus hinweg. Die Studien erstreckten sich meist über zwei Monatszyklen.

Wegen qualitativer Mängel berücksichtigten die Autoren für die Beurteilung der Wirksamkeit nur vier Studien mit zusammen 494 Patientinnen.

In diesen vier Studien konnten die Beschwerden dann auf der 10-Punkte-Analogskala mit Ingwerpulver im Schnitt um 1,9 Punkte signifikant stärker reduziert werden als in den Kontrollgruppen.

Nach Ausschluss einer Studie, in der die Kontrollgruppe an speziellen Übungen teilnahm, reduzierte Ingwerpulver in den verbliebenen drei Studien die Schmerzen um 2,6 Punkte besser als Placebo. Zu diesen drei Studien zählten immerhin die beiden qualitativ hochwertigen Untersuchungen.

Nebenwirkungen der Behandlung wurden nur in einer der Studien festgestellt. Es wurde dabei berichtet von vermehrtem Auftreten von Kopfschmerzen und Sodbrennen – allerdings sowohl in der Verum- als auch in der Kontrollgruppe. Drei der Studien hatten sich gar nicht die Mühe gemacht, Nebenwirkungen zu erfassen, und in drei Studien wurden keine Nebenwirkungen beobachtet.

In den Studien mit einem aktiven Kontrollmedikament habe Ingwerpulver eine vergleichbar gute Wirksamkeit gezeigt wie herkömmliche Schmerzmittel, schreiben Daily und Ko-Autoren.

Trotz verschiedener Einschränkungen wie kleiner Probandenzahl sehen sie in ihren Resultaten Hinweise auf eine deutliche Schmerzlinderung durch Ingwerpulver. Da in den Studien kein Dosiseffekt zu erkennen war, raten sie mit 0,75 g/Tag anzufangen und die Dosis bei Bedarf zu steigern.

Der Ingwerwurzelstock enthält als Inhaltsstoffe Gingerole und Shoagole

Die Gingerole bewirken eine Hemmung der Expression des Enzyms Cyclooxygenase 2. Shoagole beeinflussen Ionenkanälen, die eine wichtige Rolle bei Schmerzen haben. Dies könnte einen schmerzlindernden Effekt von Ingwer erklären.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/894546/metaanalyse-ingwer-lindert-regelschmerzen.html

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist eine interessante Heilpflanze. Die Phytotherapie verwendet Ingwer vor allem gegen Übelkeit und Erbrechen – zum Beispiel bei Reisekrankheit (Kinetosen), während Chemotherapie und nach Operationen.

Ingwer wird aber auch seit langem schon eingesetzt zur Linderung von Verdauungsbeschwerden und Erkältungskrankheiten.

Diese Metastudie zur Linderung von Menstruationsbeschwerden durch Ingwerpulver ist bemerkenswert, auch wenn eine ganze Reihe von offenen Fragen bleiben.

Dieser Kräuterpräparate-Hersteller steht etwas gar zu stark im Zentrum der Metastudie, was Fragen aufwirft bezüglich der Unabhängigkeit

Zudem kommen sechs von sieben erfassten Studien aus dem Iran. Das erinnert mich an eine Bemerkung von Roman Huber, Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg, in einem Interview: „Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“ (Das ganze Interview handelt von der Passionsblume und ist hier nachzulesen).

Auffällig ist zudem, dass sich kein Dosiseffekt zeigt. Normalerweise wäre bei höherer Dosierung ein stärkerer Effekt zu erwarten.

Trotz aller Einwände und Schwächen: Wenn ich Menstruationsbeschwerden hätte – was natürlich nicht der Fall ist – dann würde ich Ingwerpulver wahrscheinlich ausprobieren. Teuer ist diese Anwendung nicht. Ingwerpulver ist auch in Kapselform im Handel (zum Beispiel als Zintona® mit 0,25 g Ingwerpulver pro Kapsel). Ein allfälliger Effekt müsste sich rasch zeigen, nicht erst bei Langzeitgebrauch. Ich würde zwei Tage vor der erwarteten Menstruation mit der Einnahme beginnen und damit fortfahren, solange die Beschwerden anhalten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schlafmittel-Abhängigkeit: Bis zu zwei Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen

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In Deutschland werden jährlich 230 Millionen Tagesdosen an Benzodiazepinen von den gesetzlichen Krankenversicherungen abgerechnet und etwa die gleiche Menge wird zusätzlich über Privatrezepte verordnet.

Benzodiazepine sind wichtig Wirkstoffe, die in der Notfallmedizin, in der Anästhesie oder bei psychiatrischen Notfällen oft von grossem Wert sind. Verbreiteter ist jedoch ihre Anwendung als Schlaf- und Beruhigungsmittel, wie zum Beispiel in Form des klassischen Valiums. Jede zweite Person, die eines dieser Medikamente einnimmt, schluckt es zur Linderung von Schlafstörungen und jede Vierte gegen innere Unruhe, Nervosität, Erregungs- oder Spannungszustände.

Benzodiazepine zeigen zwar eine gute Wirksamkeit, haben jedoch auch bekanntermaßen ein hohes Missbrauchs- und Abhängigkeitsrisiko. Die Arzneimittelrichtlinie legt in der Regel einen Einnahmezeitraum von bis zu vier Wochen fest. Die tatsächlich verkauften Tabletten deuten jedoch darauf hin, dass häufig ein Langzeitverbrauch stattfindet.

Die genaue Zahl der Benzodiazepin-Abhängigen ist bisher nicht bekannt, liegt jedoch etwa zwischen 128.000 bis 1,6 Millionen Menschen in Deutschland.

Die Problematik des Missbrauch und der Abhängigkeit von Benzodiazepinen sind seit über 40 Jahren bekannt und vieldiskutiert.

Die Bedeutung des Abhängigkeitsrisikos wurde von der Pharmaindustrie über lange Zeit verharmlost.

Seit rund 40 Jahren sind Missbrauch und Abhängigkeit von Benzodiazepinen aber bekannte Probleme.

 

Pharmazeutische Unternehmen und die deutsche Zulassungsbehörde haben deshalb seit den 1980er Jahren die Anwendungsdauer auf in der Regel zwei bis vier Wochen beschränkt.

 

Katrin Janhsen et al. haben nun in einer aktuellen Übersichtsarbeit im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2015; 112: 1-7) gezeigt, wie die hohe Verschreibungszahl der Benzodiazepinen zu Stande kommt und worauf bei der Entgiftung zu achten ist.

 

Muss ein Benzodiazepinen-Abhängiger entwöhnt werden, braucht es dazu einen langwierigen Entzug. Starke Medikamentenabhängigkeit setzt für den Entzug sogar eine stationäre Behandlung voraus, wie die Autoren anhand eines Ablaufschemas darstellen. Sie unterstreichen, dass Ärzte unsachgemäße Langzeitverordnung vermeiden sollen und über die Vorbeugung und Behandlung von Arzneimittelabhängigkeit intensiver fortgebildet werden müssten.

 

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/61345/Bis-zu-zwei-Prozent-der-deutschen-Bevoelkerung-von-Schlafmitteln-abhaengig

Die Übersichtsstudie:

Probleme der Dauertherapie mit Benzodiazepinen und verwandten Substanzen – Verschreibungspraxis, Epidemiologie und Entzugsbehandlung

Kommentar & Ergänzung:

Der Langzeitkonsum von Benzodiazepinen bei Beschwerden, für die sie wegen des Risikopotenzials nicht geeignet sind, ist tatsächlich schon seit vielen Jahren ein Thema.

Da Appelle an Ärzte und Patienten offenbar nur sehr beschränkt wirksam sind, wären schärfere gesetzliche Regelungen meines Erachtens überfällig.

Zu erwähnen wäre gleichzeitig aber auch, dass es eine Reihe von pflanzlichen Schlafhilfen gibt, die keine Abhängigkeit, kein Hang-over und keine erhöhte Sturzgefahr bewirken.

Pflanzliche Schlafhilfen wie Baldrian, Melisse, Passionsblume, Hopfen oder Lavendel / Lavendelöl helfen zwar nicht in jedem Fall. Sie sind aber eine Option, die in vielen Situationen sinnvollerweise in Betracht zu ziehen ist. Manchmal, aber nicht immer, lassen sich Benzodiazepine durch pflanzliche Schlafhilfen vermeiden oder ersetzen. Wobei aber das Absetzen von Benzodiazepinen nach längerem Gebrauch ärztlicher Unterstützung bedarf. Benzodiazepine schlagartig absetzen und durch pflanzliche Schlafmittel zu ersetzen – das würde mit grösster Wahrscheinlichkeit schief laufen.

Besser ist es, bei harmloseren Beschwerden gar nicht erst in eine Benzodiazeptin-Abhängigkeit hinein zu schlittern.

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Benzodiazepine: Aufklärungskampagne zum Suchtpotential

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Bezodiazepine werden als Schlafmittel und Beruhigungsmittel oft verschrieben und konsumiert. Auch über lange Zeit, obwohl die Risiken beträchtlich sind. Mit einer Kampagne machen die Barmer-GEK, die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) und die Bundesärztekammer (BÄK) nun Patienten und Ärzte auf die Risiken von Schlaf- und Beruhigungsmitteln aufmerksam.

Vielen Menschen sei das Suchtpotenzial der zur Wirkstoffgruppe der sogenannten Benzodiazepine gehörenden Präparate nicht bewusst, erklärt Andrea Jakob-Pannier, Suchtpräventionsexpertin bei der Barmer-GEK. Eine neue Patienten-Broschüre stellt die 4K-Regel bei Anwendung von Medikamenten mit Abhängigkeitspotenzial vor: klare Indikationsstellung, kleinste notwendige Dosis, kurze Anwendungsdauer und kein schlagartiges Absetzen der Medikamente.

Ein zweiseitiger Leitfaden für Ärzte enthält einen Fragebogen für das Screening und Tipps zur Kommunikation mit und Motivation des Patienten. Schon nach zwei Wochen beginne der Körper, sich an ein solches Medikament zu gewöhnen, heisst es in einer Pressemitteilung zur Kampagne. Dann meinen viele Konsumentinnen und Konsumenten, das Medikament sein nicht mehr stark genug und steigern die Dosis. Viele haben dann das Gefühl, das Medikament sei nicht mehr stark genug und steigern die Dosis.

Daher sollte die Einnahme von Benzodiazepinen immer nur unter ärztlicher Kontrolle und nur zur Überbrückung von Krisensituationen erfolgen. Nach längerer Einnahme dürfen diese Medikamente niemals abrupt abgesetzt werden.

Patienten-Broschüre (PDF zum Download)

Leitfaden für Ärzte / Ärztinnen (PFF zum Download)

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=55445

Kommentar & Ergänzung:

In der Broschüre werden folgende Wirkstoffe als Benzodiazepine aufgeführt: Alprazolam

Bromazepam

Brotizolam

Chlordiazepoxid

Clobazam

Diazepam

Dikaliumclorazepat

Flunitrazepam

Lorazepam

Lormetazepam

Medazepam

Nitrazepam

Nordazepam

Oxazepam

Prazepam

Temazepam

Eine vergleichbare Wirkung wie Benzodiazepine haben Präparate mit den Wirkstoffen Zolpidem, Zopiclon und Zaleplon.

Und ausser dem:

In manchen – vor allem akuten – Situationen sind Benzodiazepine nötig und sinnvoll.

Es wäre also vermessen zu sagen, sie könnten immer durch pflanzliche Schlafmittel und Beruhigungsmittel ersetzt werden.

In manchen Situationen – vor allem bei längerfristiger Anwendung und bei milderen Störungen – sind pflanzliche Schlafhilfen und Beruhigungsmittel aber eine gute Option, die zu prüfen ist. Baldrian, Passionsblume, Melisse, Lavendelöl und andere helfen in manchen Situationen gut und ohne Abhängigkeitsrisiko.

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Johanniskraut zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gewählt

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Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist vom 
„Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2015 gewählt worden.

Das Echte Johanniskraut hat diese Auszeichnung zweifellos „verdient“. Johanniskraut ist eine vielfältige Heilpflanze, die sowohl in der traditionellen Pflanzenheilkunde also auch in der modernen Arzneipflanzenforschung eine wichtige Rolle spielt. Als Anwendungsgebiet stehen heute die leichten und mittelschweren Depressionen im Vordergrund. Trotz intensiver Forschung konnten aber die Wirkungsmechanismen für die stimmungsaufhellenden Effekte bislang nicht vollständig geklärt werden.

Im Zentrum der Forschung stehen die Wirkstoffe Hypericin, Hyperforin, sowie Xanthone und Flavonoide.

Reich an Wirkstoffen sind insbesondere die Blütenknospen, die geöffneten Blüten und die noch grünen Kapseln.

Der Anteil an Stängeln sollte dagegen möglichst tief sein.

Für die Herstellung von Johanniskrauttee, Johanniskrauttinktur und Johanniskrautextrakt werden nur die zur Blütezeit geernteten Triebspitzen verwendet.

Verschiedene Wirkungsmechanismen von Johanniskrautextrakten wurden und werden erforscht. Spezielle Botenstoffe im Nervensystem (Neurotransmitter) bleiben bei Einwirkung von Johanniskrautextrakt länger und in grösserer Zahl verfügbar. Zu den Neurotransmittern zählen Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, GABA (Gamma-Aminobuttersäure) und L-Glutamat. Sie übertragen an den Verknüpfungsstellen der Nervenzellen (Synapsen) Informationen bzw. Reize.

Die Neurotransmitterspiegel in den Synapsen steigen an, und die Reizübertragung wird verbessert, da klassische Abschaltwege wie der enzymatische Abbau der Neurotransmitter oder die Wiederaufnahme aus dem Spalt in die Synapse durch Johanniskraut-Wirkstoffe gehemmt werden. Die Steigerung der Menge an verfügbaren Neurotransmittern ist auch ein entscheidendes Prinzip der klassischen Antidepressiva, woraus ihre stimmungsaufhellende Wirkung resultiert.

Auf Grund von einschlägigen klinischen Studien wurde Johanniskraut bei leichten bis mittelschweren depressiven Verstimmungen und Depressionen zugelassen, ebenso bei psychovegetativen Störungen, Angstzuständen und nervöser Unruhe. Sinnvoll ist die Anwendung auch bei Winterdepression, Schlafstörungen aufgrund von leichten Depressionen und bei entsprechenden Symptomen während der Wechseljahre.

 

Wechselwirkungen beachten

Ende der 1990er Jahre wurde festgestellt, dass Johanniskraut zu verstärktem Abbau anderer Arzneistoffe führen kann, in dem es das wichtigste Arzneimittel abbauende Enzym (CYP 3A4) in seiner Wirkung aktiviert. Bei der Kombination von Johanniskraut mit einigen anderen Medikamenten kann es einige Zeit nach Behandlungsbeginn zu starken Wirkverlusten und nach Absetzen dagegen zu therapeutisch gefährlichem Ansteigen der anderen Arzneimittel kommen. Hochdosierte Johanniskrautpräparate mit einer Tagesdosis ab 600 mg weisen Interaktionen (Wechselwirkungen) mit einigen Arzneistoffen im Bereich der Antidepressiva, der Immunsupressiva oder Anti-HIV-Mitteln auf, ebenso sind Herzmittel wie Digoxin, Blutgerinnungshemmer vom Cumarintyp und vermutlich auch das bronchienerweiternde Mittel Theophyllin betroffen. Ebenso ist nicht auszuschließen, dass die Wirksamkeit von hormonellen Verhütungsmitteln („Pille“) herabgesetzt wird. 
Bei der alleinigen Einnahme auch hochdosierter Johanniskrautmittel ist die Verträglichkeit gut und deutlich besser als bei anderen Antidepressiva. Eine ausgeprägte Steigerung der Photosensibilität (Lichtempfindlichkeit) der Haut wurde bisher nur bei Weidetieren beschrieben, mit den für Menschen eingesetzten therapeutischen Dosen sind ernste Symptome der Phototoxizität nicht zu erwarten.

Quelle:

http://www.klostermedizin.de/index.php/heilpflanzen/arzneipflanze-des-jahres/59-arzneipflanze-des-jahres-2015-echtes-johanniskraut-hypericum-perforatum

 

Kommentar & Ergänzung:

Der 
„Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg wählt seit längerem jedes Jahr eine Arzneipflanze des Jahres.

Hier ein paar „Preisträger“ aus der Vergangenheit:

Arzneipflanze des Jahres 2014: Spitzwegerich 

Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt 

Passionsblume ist Arzneipflanze des Jahres 2011

Phytotherapie: Efeu zur Arzneipflanze des Jahres 2010 ernannt

Fenchel Arzneipflanze des Jahres 2009 

 

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Schlafmittel können natürlichen Schlaf nicht ersetzen

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Bei Schlafstörungen sorgen Schlaftabletten zwar meist für die ersehnte Nachtruhe, doch ist diese grundsätzlich nicht so erholsam wie natürlicher Schlaf. Das trifft auf die meisten Schlafpräparate zu.

Durch Schlaftabletten lässt sich der natürliche Schlaf nicht ersetzen.

Manche Patienten hoffen zwar, durch einen Wechsel des Schlafmedikaments lasse sich das ändern.

Das sei jedoch nicht richtig, erklärt die Landesapothekerkammer Hessen.

Über längere Zeit eingenommene Schlaftabletten können zudem dazu führen, dass der Betroffene Konzentrationsschwierigkeiten entwickeln oder unsicher im Straßenverkehr werden. Außerdem besteht bei rezeptpflichtigen Schlafmitteln ein Risiko, nach kurzer Zeit davon abhängig zu werden.

Empfehlenswert ist es grundsätzlich, die Ursachen für Einschlafstörungen oder Durchschlafprobleme so früh wie möglich zu erkunden. Neben Stress, chronischer Erschöpfung und einer ungesunden Lebensweise kommen auch Krankheiten als Ursache in Frage. Schlaftabletten sind dann häufig nicht das angemessene Mittel gegen die Probleme mit der Nachtruhe. Wer beispielsweise wegen Muskelschmerzen oder rheumatischer Beschwerden nicht schlafen kann, sollte besser eine Schmerztherapie ins Auge fassen, empfiehlt die Landesapothekerkammer. Auch bei Kopfschmerzen, die zum Aufwachen führen, könnten andere medizinische Möglichkeiten sinnvoller sein. Darüber hinaus können auch andere Medikamente für den gestörten Schlaf verantwortlich sein.

Quelle:

https://de.nachrichten.yahoo.com/wechsel-des-schlafmittels-verbessert-schlafqualität-nicht-145107503.html

Kommentar & Ergänzung:

Hier fehlen Optionen der Phytotherapie. Mit pflanzlichen Schlafmitteln lassen sich nicht alle Schlafstörungen erfolgreich behandeln, aber als Option, als Wahlmöglichkeit, sollten sie ernst genommen werden. Schliesslich gibt es bei pflanzlichen Schlafmitteln kein Risiko von Abhängigkeit, keine erhöhte Sturzgefahr, kein Hang-over am nächsten Tag und keine relevante Störung der Schlafarchitektur.

Zudem bietet die Phytotherapie bei Schlafstörungen verschiedene Ansatzpunkte:

– Kräutertees wie Orangenblütentee oder Zitronenmelissentee. Zwar gibt es für Kräutertees keine klinischen Studien, weil hier mangels Patentierbarkeit niemand Geld investiert. Doch Kräutertees haben ihre eigene Qualität nicht zuletzt dadurch, dass sie sich gut als Abendritual eignen und sinnliche Aspekte nutzen (warmes Teewasser, Duft).

– Ätherische Öle wie Lavendelöl und Melissenöl können auf verschiedene Arten zur Anwendung kommen (inhalativ, als Bad, als Einreibung).

– Trockenextrakte zum Beispiel aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume eignen sich zur Anwendung als Schlafdragée, wobei oft Kombipräparate Baldrianextrakt / Hopfenextrakt oder Mono-Präparate aus Baldrianextrakt eingesetzt werden.

Hier gibt es für einige Kombi-Präparate und Mono-Präparate klinische Studien, die eine Wirksamkeit zeigen, wobei es allerdings in der Regel 2 – 3 Wochen geht, bis die Wirkung der Heilpflanzen-Extrakte besser ist als bei einem Scheinpräparat (Placebo).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln (Lasea®) bei Angststörungen

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Die angstlösende Wirksamkeit der oral verabreichten Lavendelöl-Zubereitung Silexan (Lasea®) wurde bei Patienten mit generalisierter Angststörung (GAS) im Vergleich zu Placebo und dem Standardmedikament Paroxetin untersucht. In der randomisierten, doppelblinden Studie bekamen 539 Erwachsene mit GAS 160 oder 80 mg Silexan, oder 20 mg Paroxetin, oder Placebo einmal täglich für 10 Wochen.

Die Studie kam zum Ergebnis, dass das Lavendelöl-haltige Präparat bei Patienten mit generalisierter Angststörung ebenso gut abschnitt wie Paroxetin und besser war als Placebo.

Das Lavendelöl-Präparat linderte nicht nur Angst- und Unruhezustände bei den Patienten. Es wirkte auch antidepressiv bzw. gemütsaufhellend. Auch in der höheren Dosierung von 160 mg pro Tag war es gut verträglich. Zudem kann das Präparat nach der Behandlung auch bei der höheren therapeutischen Dosis sofort abgesetzt werden, ohne dass die Patienten mit Entzugserscheinungen rechnen müssen.

Die Studie deutet darauf hin, dass Lavendelölpräparate wie z.B. das hier vorgestellte (Lasea®) als eine gut verträgliche Therapieoption zur Behandlung generalisierter Angststörungen genutzt werden können.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/lavendel-ist-gut-fuer-die-psyche.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24456909

Kasper S, Gastpar M, Müller, WE, Volz HP, Möller HJ, Schläfke S, Dienel A. Lavender oil preparation Silexan is effective in generalized anxiety disorder – a randomized, double-blind comparison to placebo and paroxetine. Int J Neuropsychopharmacol 2014; 17(6): 859-869

 

Kommentar & Ergänzung:

Lavendelöl-Kapseln (und andere Phytopharmaka) eignen sich nur zur Behandlung von leichteren Angststörungen.

Dann sind sie aber durchaus eine sinnvolle Option, vor allem auch wenn man das äusserst geringe Nebenwirkungsrisiko mit Standardmedikamenten wie Paroxetin vergleicht.

Paroxetin kommt zur Anwendung bei Depressionen, Zwangsstörungen, Panikstörungen, sozialen Angststörungen, generalisierten Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und Fibromyalgie. Der Arzneistoff gehört zur Gruppe der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.

Als Nebenwirkungen können auftreten:

„Unter der Anwendung von Paroxetin können insbesondere folgende Nebenwirkungen beobachtet werden: Appetitstörungen, Störungen des Magen-Darm-Trakts, Schlafstörungen, Verwirrtheit, Halluzinationen, sexuelle Dysfunktion (Impotenz, Unfähigkeit zum Orgasmus, unbemerkter Samenerguss, siehe auch SSRI-bedingte sexuelle Dysfunktion), Schwitzen, Parästhesie (Kribbeln der Haut), Restless-Legs-Syndrom (krampfähnliche Empfindungen in den Beinen) und Gewichtszunahme.“

(Quelle: Wikipedia)

Vielen Patientinnen und Patienten mit generalisierten Angststörungen werden zudem fragwürdigerweise Benzodiazepine verschrieben. Dabei kommt es rasch zu Gewöhnungseffekten und kann sich schnell eine Abhängigkeit entwickeln, was das Absetzen der Präparate schwierig macht.

Lavendelöl-Kapseln dagegen zeigen weder die Nebenwirkungen von Paroxetin noch die Risiken von Gewöhnung und Abhängigkeit, wie sie die Benzodiazepine mit sich bringen.

Das spricht sehr dafür, die Option Lavendelöl bei generalisierten Angststörungen in Betracht zu ziehen.

Allerdings ist auch festzuhalten, dass bei leichteren Angststörungen generell nichtmedikamentöse Massnahmen im Vordergrund stehen sollten: Psychotherapie, Entspannungsmethoden, Bewegung.

Zu letzterem siehe:

Bewegung stärkt psychische Gesundheit

Zu Lavendelöl bei Angststörungen:

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Lavendelöl zur Behandlung von Angststörungen 

Lavendelöl-Bestandteil Linalool dämpft Stressreaktion 

Ausserdem:

Schlafmittel: Risiko Benzodiazepin-Abhängigkeit

 Passionsblume: Angstlinderung ohne Abhängigkeit und Entzugsprobleme

Passionsblume und Kava-Kava lindern Angstzustände

Phytotherapie: Kava-Extrakt hilft gegen Angststörungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

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Kava-Kava: Verwaltungsgericht Köln beurteilt Widerruf der Zulassung als rechtswidrig

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Extrakte aus der polynesischen Heilpflanze Kava-Kava (Piper methysticum) wurden in der Phytotherapie bei Angst- und Spannungszuständen eingesetzt. Im Jahr 2002 widerrief das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erstmals die Zulassungen von Kava-Kava und Kavain-haltigen Arzneimitteln. Ausgenommen wurden dabei homöopathische Zubereitungen mit einer Endkonzentration ab D5 und Arzneimittel, die nach der spagyrischen Verfahrenstechnik nach Zimpel hergestellt werden. Sie dürfen weiterhin verkauft werden.

In der Schweiz wurde die Zulassung im Jahr 2003 durch die zuständige Arzneimittelbehörde aufgehoben. Auch die Arzneimittelbehörden Frankreichs (AFSSAPS), der Niederlande (CBG)und die britische MHRA schlossen sich dem Widerruf an (während beispielsweise in den USA wie auch in den meisten Teilen Australiens Kava-Präparate frei erhältlich sind).

Grund dieser Massnahmen war der Verdacht, dass diese Arzneimittel schwere Leberschäden auslösen können.

Zwischen den Herstellern und dem BfArM entwickelte sich eine jahrelange Auseinandersetzung über Nutzen und Risiko der Kava-Kava-Präparate. Nun nimmt der Fall eine überraschende und für die Phytotherapie wichtige Wende: Das Verwaltungsgericht Köln hat entschieden, dass der Widerruf der Zulassung rechtswidrig war. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Im Jahr 2001 hatte das BfArM aufgrund von Berichten über Leberschädigungen bei acetonischen Kava-Auszügen ein Stufenplanverfahren  eingeleitet. Darauf folgte der Widerruf der Zulassungen für die Phytopharmaka mit dem Kava-Kava-Wurzelstock-Trockenextrakt. Dagegen legten die betroffenen Hersteller Widerspruch ein, worauf das BfArM sodann das Ruhen der Zulassungen anordnete. In dieser Zeit sollten die Firmen weitere Studien vorlegen können, die für ihr Arzneimittel sprachen. Doch nachdem zwischen den Unternehmen, ihren Verbänden – hauptsächlich dem Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) – und dem BfArM über die Art des vorzulegenden wissenschaftlichen Erkenntnismaterials keine Einigung erzielt werden konnte, widerrief das BfArM die Zulassungen im Dezember 2007 erneut. Erst im Februar 2012 wies die Behörde die Widersprüche der pharmazeutischen Unternehmer zurück. Dagegen klagten mehrerer Hersteller. Nun fällte das Verwaltungsgericht Köln die erstinstanzlichen Urteile.

Verwaltungsgericht hält die Klagen für begründet

Das Gericht hält die Klagen der Hersteller für begründet und führt aus, dass eine arzneimittelrechtliche Zulassung zu widerrufen sei, wenn sich das Nutzen-Risiko-Verhältnis des Präparates nachträglich als ungünstig erweise.

Bloße Zweifel an der Wirksamkeit reichten jedoch nicht aus. Die Bewertung des Risikos verlange den begründeten Verdacht auf Nebenwirkungen. Hypothesen und nicht verifizierbare Vermutungen seien dazu nicht geeignet. Nutzen und Risiko müssten schlussendlich in einem dritten Schritt gegeneinander abgewogen werden.

Die Bewertung, ob dieses Verhältnis ungünstig sei, unterliegt der vollständigen gerichtlichen Überprüfung, stellt das Gericht fest und sieht für die Behörde – also das BfArM – keinen eigenen Beurteilungsspielraum. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis Kava-Kava-haltiger Arzneimittel erweise sich nicht als ungünstig. Das BfArM habe eine „gewisse“ Wirksamkeit der Kava-Kava-Präparate in höherer Dosierung konstatiert, sodass nicht davon auszugehen sei, das Präparat wäre unwirksam.

Ausführlich belegt das Gericht unter Bezugnahme auf die vorgelegten Monographien, Studien und Fallberichte (insbesondere der WHO), dass die Voraussetzungen für den Widerruf der Kava-Kava-Zulassungen nicht vorgelegen hätten.

Darüber hinaus prüfte das Verwaltungsgericht, ob risikoärmere Alternativen zu Kava-Kava-haltigen Arzneimitteln existieren. Es nimmt dazu einen Vergleich mit Benzodiazepin-haltigen Medikamenten vor, die sich im Anwendungsbereich mit Kava-Kava-Präparaten überschneiden. Das Gericht weisst auf die hohe Missbrauchsrate bei Benzodiazepinen hin, die offensichtlich nicht einmal durch die Verschreibungspflicht auszuräumen sei.

Von den Benzodiazepinen gehen aus Sicht der Richter „erhebliche Gefahren“ aus: Sie haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial und gelten als Medikamente mit der höchsten Missbrauchsrate. Seit dem Jahr 2002 habe es knapp 4500 Meldungen zu Nebenwirkungen gegeben.

Deshalb könne von einer risikoärmeren Alternative nicht ausgegangen werden.

Das Gericht stellt zudem fest, dass bislang die Anhaltspunkte für ein leberschädigendes Risiko der Kava-Kava-Produkte nicht mit der genügenden Sicherheit verifiziert werden konnte.

Die Zahl der Meldungen zu Nebenwirkungen ist aus Sicht der Richter nicht ungewöhnlich hoch: Allein in Deutschland seien in den zehn Jahren vor dem Verbot 250 Millionen Tagesdosen Kava-Kava-Präparate abgegeben worden – weltweit habe es 110 und in Deutschland 48 Meldungen gegeben. Das vorliegende Fallmaterial hält das Gericht inhaltlich für „ebensowenig konsistent“. Von den 48 Meldungen aus Deutschland würden nur 26 Fälle als ausreichend gut dokumentiert angesehen.

Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller begrüsst den Entscheid

Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) begrüßt die Entscheidung des Verwaltungsgerichts und erklärt gegenüber der DAZ.online: „Der BAH hat den Widerruf beziehungsweise das Ruhen der Zulassung von Anfang an für nicht sachgerecht gehalten“. Aus Sicht des BAH hätte es geeignete Alternativen gegeben – etwa die Unterstellung unter die Verschreibungspflicht.

Noch sind die Entscheidungen des Verwaltungsgerichts nicht rechtskräftig. Das BfArM geht in Berufung.

Die Phytopharmaka-Hersteller, die damals Kava-Kava-Präparate im Sortiment hatten, reagieren auf den Entscheid des Verwaltungsgerichts zurückhaltend. Einige Hersteller haben sich von Kava-Kava verabschiedet. Die Firmen Müller Göppingen und Bionorica prüfen eine Neuauflage. Die Firma Wilmar Schwabe, mit „Laitan“ damals ein wichtiger Kava-Kava-Hersteller, setzt inzwischen auf Lasea (Lavendelöl-Kapseln).

Quellen:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/recht/news/2014/06/20/kava-kava-widerruf-der-zulassung-war-rechtswidrig/13143.html

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/phytopharmaka-verwaltungsgericht-koeln-widerruf-der-zulassung-fuer-kava-kava-rechtswidrig/?L=0%3Ft%3Ft%3D1%3Ft%3D1%3Ftx_ttnews%5Bttnews%5D%3D15353%3Ft%3D1%3Ft%3D1%3Ft%3D1&cHash=85444e436bb016e0891564214e25b1e0

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/nachricht-detail/phytopharmaka-hersteller-pruefen-kava-kava/?L=0%3Ft%3Ft%3D1%3Ft%3D1%3Ftx_ttnews%5Bttnews%5D%3D15353%3Ft%3D1%3Ft%3D1%3Ft%3D1&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1&cHash=d537242908a95baa9462275467fca040

Urteile des Verwaltungsgerichts Köln vom 20. Mai 2014:

http://www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/vg_koeln/j2014/7_K_2128_12_Urteil_20140520.html

Kommentar und Ergänzung:

Keine Frage: Auch bei Heilpflanzen ist das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen zu beachten. Dass beim Widerruf der Zulassung von Kava-Kava-Präparaten die Abwägung von Nutzen und Risiken fragwürdig vonstatten gegangen ist, zeigt das Verwaltungsgericht eindrücklich auf. Für mich war es schon immer stossend, dass Benzodiazepine (Valium, Temesta, Seresta, Lexotanil…) mit ihrem hohen Missbrauchs-, Nebenwirkungs- und Abhängigkeitspotenzial massenhaft verschrieben und konsumiert werden können, während Kava-Kava-Präparate aufgrund von verhältnismässig wenigen Meldungen von Leberschädigungen, bei denen der ursächliche Zusammenhang mit der Kava-Kava-Einnahme in den meisten Fällen nicht ausreichend belegt ist, vom Markt verschwinden mussten. Kava-Kava-Präparate waren bei leichten Angst- und Spannungszuständen durchaus eine risikoarme Alternative zu Benzodiazepinen (nicht aber bei schweren Fällen).

Unnötige Verschwörungstheorien

Im Zuge der Auseinandersetzungen rund um den Widerruf der Zulassung von Kava-Kava-Präparaten war immer wieder die Rede von der „Pharmaindustrie“, die hinter diesem Verbot stecke und die Pflanzenheilkunde fertig machen wolle. Ich habe diese Ansichten aus mehreren Gründen immer als Teil einer unreflektierten Verschwörungstheorie gehalten.

Erstens hat der BAH als Verband der Pharmaindustrie den Widerruf schon damals sofort kritisiert und die Hersteller gegen das BfArM unterstützt.

Zweitens würden Pharmafirmen im Fall, dass ihnen Kava-Präparate ernsthaft Konkurrenz machen würden, ein eigenes Kava-Präparat auf den Markt werfen oder eine Firma aufkaufen, die ein Kava-Präparat im Sortiment hat. Den Pharmafirmen ist relativ egal, womit sie ihr Geld verdienen. Sie haben keine Berührungsängste zur Phytotherapie. Ein aktuelles Beispiel dafür ist Bayer mit der Übernahme von Steigerwald. Siehe hier:

Bayer übernimmt Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald 

Auch wenn es meiner Ansicht nach keine plausiblen Gründe gibt für eine „Pharma-Verschwörung“ gegen Kava-Kava zeigt das Urteil des Verwaltungsgerichts detailliert auf, dass die Abwägung von Nutzen und Risiko auf sehr fragwürdige Art von statten ging. Hier zeigen sich wohl schon unterschiedliche Machtverhältnisse, gerade im Hinblick auf den Vergleich mit den viel risikoreicheren Benzodiazepinen.

Fragwürdige Bevorteilung von Homöopathie und Spagyrik

Nicht unkommentiert lassen möchte ich den Aspekt, dass die Arzneimittelbehörden homöopathische Zubereitungen aus Kava-Kava ab D5 (1:100 000 verdünnt) und spagyrische Zubereitungen nicht vom Markt genommen haben. Das ist folgerichtig. In der homöopathischen Zubereitung ab D5 hat es nur noch marginalste Spuren von Kava-Kava drin, so dass ein Risiko ausgeschlossen werden kann. Und in der Spagyrik werden alle relevanten Inhaltsstoffe durch grosse Hitze verglüht. Auch hier ist eine Gefahr undenkbar.

Wo kein Kava-Kava mehr drin ist, kann von Kava-Kava auch kein Risiko ausgehen. Bei den phytotherapeutischen Kava-Kava-Extrakten basiert die Wirksamkeit nach gegenwärtigem Kenntnisstand aber auf dem Gehalt an Kavapyronen.

Meiner Ansicht nach ist es sehr unwahrscheinlich, dass man das toxikologische Risiko durch hochgradiges Verdünnen oder durch Zerstörung der Inhaltsstoffe eliminieren, die Wirksamkeit dabei aber erhalten kann.

Nichtsdestotrotz füllen spagyrische und homöopathische Präparate (z. B. von Similasan) bis heute die Lücke, die durch den Widerruf der phytotherapeutischen Kava-Präparate entstanden ist. Sie profitieren davon, das homöopathische und spagyrische Präparate durch die Arzneimittelbehörden vom Wirksamkeitsnachweis befreit und damit privilegiert sind. Eine Firma wie Similasan beispielsweise kann ihr Kava-Kava-Präparat (D12 / D15 / D30), das durch eine Verdünnung von mindestens 1 : 1 000 000 000 000 (= D12) praktisch frei von Kava-Kava ist, ohne Forschungsaufwand und ohne Wirksamkeitsnachweis auf den Markt bringen, während die phytotherapeutischen Kava-Kava-Hersteller sich mit aufwendigen Studien um den Wirksamkeitsnachweis für ihre Präparate bemühten, um eine Zulassung zu bekommen.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie Präparate aus Homöopathie und Spagyrik durch die Arzneimittelbehörden mittels Befreiung vom Wirksamkeitsnachweis gegenüber Phytopharmaka und synthetischen Medikamenten krass bevorteilt werden.

Siehe auch:

Studie stellt Beurteilung der Lebertoxizität von Pflanzenextrakten in Frage 

Phytotherapie: Kava-Extrakt hilft gegen Angststörungen

Neue Kava-Studie zeigt Wirksamkeit wässriger Extrakte

Passionsblume und Kava-Kava lindern Angstzustände

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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