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Phytotherapie – was sind Adaptogene?

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Den Begriff „Adaptogene“ prägte der russische Forscher Dr. Nicolai Lazarev schon im Jahr 1958. Der Mediziner bezeichnete damit Pflanzen, deren Inhaltstoffe die Resistenz des Körpers gegenüber Stress steigern.

Gemäss einer Definition des Committee on Herbal Medicinal Products (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA sollen Adaptogene die Resistenz des Organismus gegen ein breites Spektrum an widrigen biologischen, chemischen und physikalischen Faktoren verbessern. Im Gegensatz zu Tonika und Stimulanzien soll eine durch Adaptogene erhöhte Arbeitskapazität nach Absetzen nicht wieder sinken. Des Weiteren sollen Adaptogene gut verträglich und frei von Nebenwirkungen sein.

Weltweit haben es bisher nur wenige Heilpflanzen geschafft, den Kriterien der EMA zu genügen: Dazu zählen beispielsweise Chinesisches Spaltkörbchen (Schisandra chinensis), Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus), Ginsengwurzel (Panax ginseng) und die Rosenwurz (Rhodiola rosea).

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54660

Kommentar & Ergänzung:

Die Phytotherapie setzt Adaptogene vor allem bei Stress und in der Rekonvaleszenz ein. Vom Wirkungsprofil passen diese Heilpflanzen auch zu „Burnout“, was aber ein umstrittener Begriff ist und keine eigentliche Diagnose.

Ganz scharf gefasst ist aber auch dieser Begriff der „Adaptogene“ nicht. Auffallend ist zudem, dass die Heilpflanzen, die als „Adaptogene“ genutzt werden, sehr unterschiedliche Wirkstoffe enthalten. Die adaptogene Wirkung lässt sich jedenfalls nicht auf eine einheitliche Wirkstoffgruppe zurückführen.

Zu erwähnen ist noch, dass die vier aufgeführten Adaptogene Chinesisches Spaltkörbchen, Taigawurzel, Ginsengwurzel und Rosenwurz jeweils in sehr unterschiedlichen Arzneizubereitungen auf dem Markt sind – zum Beispiel als Wurzelpulver, Pflanzentinktur, Pflanzenextrakt etc.

Dabei gibt es grosse Unterschiede in der Wirksamkeit, die man kennen sollte, wenn man die Pflanzen nutzbringend anwenden will.

Das ist grundsätzlich ein wichtiger Punkt in der Phytotherapie: Es kommt nicht nur darauf an, die passende Heilpflanze oder das passende Phytopharmaka zu einen bestimmten Beschwerdebild zu finden. Genauso wichtig ist die Frage, welche Zubereitungsform in der jeweiligen Situation am wirksamsten ist.

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Hirndoping: Forscher befürchten langfristig negative Folgen

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Immer mehr Schüler und Studenten setzen Medikamente ein, um ihre geistigen Leistungen zu steigern.

Besonders für junge Erwachsene kann dieses Hirndoping jedoch nachhaltige Folgen haben, warnen nun Wissenschaftler.

Gerade das oft zu diesem Zweck missbrauchte ADHS-Mittel Methylphenidat (Ritalin) hemme längerfristig die Plastizität des Gehirns. Diesen Schluss legen jedenfalls Versuche mit Ratten nahe. Darunter sollen die Lernfähigkeit und die Flexibilität des Verhaltens leiden.

Methylphenidat – der Wirkstoff des Medikaments Ritalin – wird zur Behandlung der Aufmerksamkeitsstörung ADHS verschrieben, ist jedoch gleichzeitig eine der am häufigsten zu Hirndoping eingesetzten „Smart drugs“, die auf dem Schwarzmarkt an High Schools und an Universitäten gehandelt wird.

Allein in den USA verwenden 1,3 Millionen Jugendliche und junge Erwachsene Methylphenidat als Mittel zum Hirndoping, sagt eine aktuelle Studie.

Dieser Wirkstoff wird eingesetzt, um auch nachts noch lernen oder bei Prüfungen klarer denken zu können. Gerade junge Erwachsene seien einem zunehmenden Druck ausgesetzt, immer mehr Leistung zu bringen und seien deshalb in Versuchung, entsprechende Mittel zu nehmen, erklären Kimberly Urban von der University of Delaware in Newark und Wen-Jun Gao vom Drexel College in Philadelphia.

Dieser schon weit verbreitete Missbrauch unter Heranwachsenden ist nach Ansicht der beiden Forscher besorgniserregend. Denn in diesem Alter sei ein entscheidendes Zentrum des Gehirns besonders anfällig für solche Manipulationen: der präfrontale Cortex. Diese Hirnregion – erklären die Wissenschaftler – sei das Steuerzentrum für unser Urteilsvermögen, die Kontrolle der Gefühle, des Verhaltens und der Entscheidungsfindung.

Im Unterschied zu anderen Hirnarealen ist der präfrontale Cortex bei Teenagern und Twens noch nicht ausgereift. Er entwickelt sich noch bis zum Alter von rund 30 Jahren weiter – und ist in dieser Phase speziell empfindlich gegenüber Schwankungen wichtiger Hirnbotenstoffe wie Dopamin und Norepinephrin. Wenn man dann eine Substanz wie Methylphenidat einnehme, die diese Neurotransmitter verändere, dann könne das die Reifung des präfrontalen Cortex stören und bleibende Verhaltensänderungen nach sich ziehen, warnen die Forscher.

Experimente mit Ratten, die Urban und Gao durchgeführt haben, zeigten folgendes: Bekamen Jungratten niedrige Dosen von Methylphenidat, veränderte sich die Erregbarkeit ihrer Hirnzellen im präfrontalen Cortex – die Aktivität der Neuronen war gedämpft. Dadurch wiederum wird die Ausschüttung von Botenstoffen beeinflusst, welche Gefühle und Verhalten prägen.

Darüber hinaus könnte auch die Plastizität des Gehirns durch Hirndoping mit Methylphenidat, aber auch mit dem Narkolepsie-Medikament Modafinil, langfristig gestört werden, warnen die Wissenschaftler. Eine wichtige Eigenschaft des präfrontalen Cortex sei seine hohe Plastizität, welche die Basis ist für das Arbeitsgedächtnis und die aktive Entscheidungsfindung. Grundlage dieser Plastizität sei ein gegenüber anderen Hirnarealen sehr hoher Anteil eines bestimmten Rezeptortyps.

Doch genau diesen Rezeptortyp können die „Smart Drugs“ verändern, wie die Versuche der Forscher mit Ratten zeigten. Bekamen die Tiere in ihrer Jugend niedrige Dosen Methylphenidat oder Modafinil, dann sank dieser Rezeptortyp selektiv ab. Das wiederum förderte zwar kurzfristig die Aufmerksamkeit, hemmte jedoch langfristig die Flexibilität und Lernfähigkeit, wie die Wissenschaftler erklären.

 

Langfristige Folgen möglicherweise auch bei irrtümlicher ADHS-Therapie

 

Die Einnahme von Methylphenidat könnte deshalb für gesunde Jugendliche und junge Erwachsene langfristige Folgen haben – und dies auch bei den Kindern, die dieses Mittel irrtümlich gegen ADHS bekommen, ohne tatsächlich an dieser Störung zu leiden.

Scheinbar wäre diese Behandlung bei den Jugendlichen dann zunächst erfolgreich: Sie folgen dem Unterricht aufmerksam, sind weniger hyperaktiv und lernen besser, erklären die Forscher.

 

Tests des Arbeitsgedächtnisses und der Flexibilität des Verhaltens dieser Kinder könnten aber subtile Defizite zeigen, die ihr gesamtes weiteres Leben beeinträchtigen. Denn bereits bei so simplen Fertigkeiten wie dem Autofahren oder im Sozialverhalten sei es wichtig, flexibel reagieren zu können, sagen Urban und Gao.

 

Nach Ansicht der Forscher sind dringend weitere Studien zur Wirkung dieser Mittel bei jungen Menschen nötig. Schon jetzt gebe es eine hohe Nachfrage für Methylphenidat an Schulen und Universitäten, deshalb seien viele junge Erwachsene der unkontrollierten Einnahme dieser Substanz ausgesetzt, warnen sie. Um den Risiken des Hirndopings besser vorbeugen zu können, brauche es mehr Verständnis dafür, welche Veränderungen im Gehirn stattfinden und wie sie das Verhalten und die Hirnplastizität beeinflussen.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17553-2014-05-14.html

http://journal.frontiersin.org/Journal/10.3389/fnsys.2014.00038/abstract

(Frontiers in Systems Neuroscience, 2014; doi: 10.3389/fnsys.2014.000

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Dass Hirndoping nicht ohne Risiken zu haben ist, zeichnet sich immer deutlicher ab.

Siehe auch:

Hirndoping an Universitäten verbreitet 

Warnung vor Hirndoping 

Das Thema „Hirndoping“ wirft aber auch zahlreiche grundsätzliche Fragen auf.

Sollte tatsächlich einmal eine wirksame „Hirnpille“ ohne gravierende Nebenwirkungen entwickelt werden und sollte sich diese durchsetzten, so kämen möglicherweise „Nicht-Anwender“ zunehmend unter Druck.

Und was soll nun genau mit „Hirndoping“ optimiert werden? Die Verarbeitungsgeschwindigkeit im Gehirn? Die Merkfähigkeit? Die Müdigkeitsresistenz?

Sind das nicht ziemlich quantitative Aspekte? Und wäre es nicht sinnvoller, die Qualität von Denkprozessen weiterzuentwickeln? Das könnte zum beispielsweise bedeuten: wir streben nach möglichst sorgfältiger Urteilsbildung und Entscheidungsfindung, nach präzisem, differenziertem Denken…….

Und dazu braucht es meinem Eindruck nach Übung und allenfalls ein Stück Anleitung – aber wohl kaum Medikamente.

Es gibt auch Heilpflanzen-Präparate, die im Gehirn eine Leistungssteigerung bewirken sollen. Im Vordergrund stehen dabei Ginkgo biloba, Rosenwurz (Rhodiola rosea) und Ginsengwurzel (Panax ginseng). Diese Heilpflanzen entfalten ihre Wirkung langsam, was unter anderem auch dazu beiträgt, dass kein Abhängigkeitsrisiko besteht.

Ob und wie stark ein gesundes Hirn von Heilpflanzen wie Ginseng, Rosenwurz und Ginkgo profitieren kann, ist allerdings trotz entsprechender Studien nicht eindeutig geklärt.

Zu Rosenwurz siehe:

Rosenwurz (Rhodiola rosea / Orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

Ein ganz anderes Thema wie „Hirndoping“ ist die therapeutische Anwendung von Ritalin bei ADHS. Darüber herrscht eine heftige Auseinandersetzung.

Meinem Eindruck nach gibt es Situationen, in denen die Anwendung von Ritalin sinnvoll und wirksam ist. Aber dass man mit diesem Mittel vorsichtig und sorgfältig umgehen muss, und es nicht unnötigerweise einsetzen darf, scheint mir ebenso gewiss.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

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Das Burnout-Syndrom (englisch burn out = ausbrennen) wird als Zustand emotionaler Erschöpfung

mit verminderter physischer und intellektueller Leistungsfähigkeit beschrieben. Die „Internationale Klassifikation der Erkrankungen“ (ICD) beschreibt das Syndrom als „Ausgebrannt Sein“ und „Zustand der totalen Erschöpfung“.

Das Burnout-Syndrom gilt nicht als Behandlungsdiagnose, auf deren Grundlage die Entwicklung und Zulassung spezieller Arzneimittel möglich wäre.

Deshalb gibt es gegenwärtig auch keine Arzneien mit der Indikation „Burn-out-Syndrom“.

Zentral in der Behandlung ist ohnehin eine langfristig ausgelegte Änderung der Lebensführung.

Auf diesem Hintergrund kann Phytotherapie bei Burnout nur einen kleinen Beitrag leisten im Rahmen eines umfassenderen Therapiekonzepts.

Einigen Heilpflanzen und daraus hergestellten Zubereitungen werden „adaptogene“ Wirkungen zugeschrieben.

Solche „Adaptogene“ sollen die Widerstandsfähigkeit des Organismus gegenüber physikalischen, chemischen und biologischen und psychischen „Stressoren“ steigern.

Der Endokrinologe Hans Selye hat schon 1946 ein Adaptations-Modell mit den Stufen „Alarm“, „Widerstand“ und „Erschöpfung“ beschreiben.

Die Erschöpfungs-Phase entspricht weitgehend dem heutigen „Burnout-Syndrom“.

Nach Hans Selye sollten adaptogene Wirkstoffe die therapeutischen Qualitäten „unschädlich“, „unspezifisch“ und „normalisierend“ aufweisen.

Diese Ideal-Vorstellungen erfüllt bis heute noch kein einziges Mittel.

Einige Phytopharmaka kommen diesem Ideal jedoch nahe:

Ginsengwurzel

An erster Stelle ist dabei die Wurzel des Ginseng (Panax ginseng) zu erwähnen, die seit rund 2000 Jahren einen festen Platz in der traditionellen Heilkunde Ostasiens belegt. Die Kommission E formulierte im Resultat ihrer Aufbereitung das bis heute unverändert gültige Anwendungsgebiet: „Als Tonikum zur Stärkung und Kräftigung bei Müdigkeits- und Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie in der Rekonvaleszenz”.

Taigawurzel  („Sibirische Ginseng”, Eleutherococcus senticosus),

Zu den pflanzlichen Adaptogenen gehört auch der „Sibirische Ginseng” (Eleutherococcus senticosus), ein im Norden Russlands heimischer, bis etwa 2 bis 3 m hoch werdender Strauch, der entfernt mit dem asiatischen Ginseng verwandt ist. Eleutherococcus-Wurzel ( = „Taigawurzel“) wurde in den 60iger Jahren in der damaligen Sowjetunion als Ersatzpflanze für den asiatischen Ginseng intensiv erforscht. Die mit Eleutherococcus-Extrakt durchgeführten Untersuchungen entsprechen nach Anlage und Resultaten weitgehend den mit Ginseng-Extrakt durchgeführten Studien. Deshalb empfiehlt die Monographie „Eleutherococci radix (Eleutherococcus-senticosus-Wurzel)” der Kommission E folgerichtig auch identische Anwendungsbereiche wie für Ginsengwurzel.

Rosenwurz (Rhodiola rosea)

Im letzten Jahrzehnt ist in Europa die Rosenwurz (Rhodiola rosea) zunehmend bekannter geworden. Die mehrjährige Sukkulente gehört zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) und stammt aus dem nördlichen Polarkreis. Zubereitungen aus der Rosenwurz werden traditionell in Skandinavien und in Sibirien als Mittel zur universellen Stärkung und Erhöhung der Widerstandskraft verwendet. Ähnlich wie die Teaigawurzel soll Rosenwurz hauptsächlich stressmindernde und leistungssteigernde Eigenschaften, daneben jedoch auch antioxidative und kardioprotektive Wirkungen haben.

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/105051184007801_7809_Abstracts-f2.pdf

Phytotherapie Austria 5 / 2011

Kommentar & Ergänzung:

„Adaptogene“ ist ein nicht sehr klar definierter Begriff.

So beschreibt Wikipedia die Adaptogene:

„ Adaptogen ist eine alternativmedizinische Bezeichnung für pflanzliche Zubereitungen und Drogen, die dem Organismus helfen sollen, sich an Stresssituationen anzupassen und einen positiven Effekt bei Stress-induzierten Krankheiten ausüben. Ähnliche Bezeichnungen sind Verjüngungsmittel und (im Ayurveda) Rasayana. Der Körper bzw. das Immunsystem soll an den Stress angepasst, also adaptiert werden. Der russische Forscher Nicolai Vasilevich Lazarev hat den Begriff 1958 geprägt. Adaptogene sollen völlig ungiftig und mit breiter positiver Wirkung ausgestattet sein.

Beispiele für Pflanzen, denen solche Wirkungen nachgesagt werden sind Ginseng, Morinda citrifolia (Noni), Shiitake, Reishi/Ling-Zhi, Maitake, Klapperschwamm, Mandelpilz, Schisandra, Rosenwurz, Ashwaganda, Schlafbeere, Tulsi, Jiaogulan, Maca,Kalmegh und Marihuana.“

Der Begriff „Drogen“ meint im Kontext der Phytotherapie „getrocknete Heilpflanze“ und nicht wie heute üblich „Betäubungsmittel“.

Mit dem fragwürdigen Begriff „Verjüngungsmittel“ würde ich Adaptogene nicht in Verbindung bringen. Die Wikipedia-Liste mit Beispielen für adaptogene Pflanzen ist etwas fragwürdig. Sie enthält viele Heilpflanzen, deren Profil ganz und gar nicht klar ist.

In der Phytotherapie-Fachliteratur haben meiner Einschätzung nach Ginsengwurzel, Taigawurzel und Rosenwurz am meisten „Fleisch am Knochen“.

Im Phytokodex wird die adaptogene Wirkung von Ginseng so beschrieben:

„ Adaptogene Effekte (unspezifische Erhöhung der körpereigenen Abwehr gegenüber exogenen Noxen und Stressoren physikalischer, chemischer und biologischer Natur): Ginsengextrakte zeigten im Tierversuch positive Effekte bei Einwirkung sowohl physikalischer Stressoren (Hitze, Kälte, Elektroschock) als auch chemischer Noxen (Alkohol). Die radioprotektive Wirkung konnte sowohl im Tierexperiment als auch an Patienten unter Strahlentherapie bewiesen werden, die Leuko-, Thrombo- und Erythrozytenzahl stieg signifikant, blutzellbildende Stammzellen regenerierten beschleunigt.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Ginsengwurzel.html

Zu erwähnen ist noch, dass es bei Ginsengwurzel, Taigawurzel und Rosenwurz Produkte mit sehr unterschiedlicher Qualität gibt. Das ist aber bei Heilpflanzen-Präparaten oft der Fall. Man kann nicht einfach pauschal eine Heilpflanze wie zum Beispiel Johanniskraut empfehlen – man muss immer noch dazu sagen, welches die geeignete Anwendungsform ist – zum Beispiel Kräutertee, Pflanzentinktur, Trockenextrakt – und auch innerhalb dieser Anwendungsformen gibt es unterschiedliche Qualitäten, zum Beispiel verschiedene Verfahren zur Herstellung einer Pflanzentinktur oder eines Extraktes.

Diese Vielfalt trägt mit dazu bei, dass Phytotherapie ein spannendes Wissensgebiet ist.

Siehe auch:

Taigawurzel – Ginseng – Rosenwurz & Co. – was sind Adaptogene?

Ginseng als Adaptogen

Rosenwurz (Rhodiola rosea, Orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus (Taigawurzel)

Modewort Burn-out ist zu ungenau

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Radiotipp: Ginseng-Geschichten aus der Mandschurei

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Der Ginseng (Panax ginseng) ist von zahlreichen Mythen und Geschichten umrankt und seinen Wurzeln werden fast magische Heilkräfte nachgesagt. Doch die Wildpflanze wächst nur an ganz wenigen Orten der Welt, beispielsweise in der Mandschurei im Nordosten Chinas.

Mareile Flitsch, die Ethnologin und Direktorin des zürcherischen ethnologischen Museum, hat die Geschichten, die zu Hunderten um diese alte Heilpflanze ranken, gesammelt und untersucht.

Die Radiosendung auf DRS2 können Sie hier hören (55.40 Minuten).

Kommentar & Ergänzung:

Die Sendung gibt einen schönen Einblick in die Kulturgeschichte des Ginsengs in Nordostchina.

Die Ofenbetten, von denen Mareile Flitsch in der Sendung spricht, habe ich selber im Februar 2012 in Nordostchina noch gesehen (in Yabuli bei Harbin). „Firebed“ sagte Yue.

Der allergrösste Teil der Ginsengwurzeln wird heute aus Anbau gewonnen und vor allem auch aus Südkorea importiert.

Ginseng gehört zur Familie der Efeugewächse (Araliaceae).

Er wird sowohl in der traditionellen chinesischen Medizin als auch in der westlichen Phytotherapie eingesetzt.

In der westlichen Phytotherapie gilt Ginseng als Adaptogen.

Was ist ein Adaptogen?

„ Adaptogen ist eine alternativmedizinische Bezeichnung für pflanzliche Zubereitungen und Drogen, die dem Organismus helfen sollen, sich an Stresssituationen anzupassen und einen positiven Effekt bei Stress-induzierten Krankheiten ausüben. Ähnliche Bezeichnungen sind Verjüngungsmittel und (im Ayurveda) Rasayana. Der Körper bzw. das Immunsystem soll an den Stress angepasst, also adaptiert werden. Der russische Forscher Nicolai Vasilevich Lazarev hat den Begriff 1958 geprägt. Adaptogene sollen völlig ungiftig und mit breiter positiver Wirkung ausgestattet sein. Beispiele für Pflanzen, denen solche Wirkungen nachgesagt werden sind Ginseng, Morinda citrifolia (Noni), Shiitake, Reishi/Ling-Zhi, Maitake, Klapperschwamm, Mandelpilz, Schisandra, Rosenwurz, Ashwaganda, Schlafbeere, Tulsi, Jiaogulan, Maca, Kalmegh und Marihuana.“

Quelle: Wikipedia

Mit dem fragwürdigen Begriff „Verjüngungsmittel“ würde ich Adaptogene nicht in Verbindung bringen.

Im Phytokodex wird die adaptogene Wirkung von Ginseng so beschrieben:

„ Adaptogene Effekte (unspezifische Erhöhung der körpereigenen Abwehr gegenüber exogenen Noxen und Stressoren physikalischer, chemischer und biologischer Natur): Ginsengextrakte zeigten im Tierversuch positive Effekte bei Einwirkung sowohl physikalischer Stressoren (Hitze, Kälte, Elektroschock) als auch chemischer Noxen (Alkohol). Die radioprotektive Wirkung konnte sowohl im Tierexperiment als auch an Patienten unter Strahlentherapie bewiesen werden, die Leuko-, Thrombo- und Erythrozytenzahl stieg signifikant, blutzellbildende Stammzellen regenerierten beschleunigt.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Ginsengwurzel.html

Als anerkannte medizinische Anwendungsgebiete für Ginsengwurzel gelten Müdigkeits- und Schwächegefühl, nachlassender Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sowie in der Rekonvaleszenz (Kommission E, ESCOP).

Darüber hinaus wird Ginseng aber auch für alle möglichen Beschwerden empfohlen, wodurch eine fragwürdige Indikationslyrik entsteht.

Voraussetzungen für die Wirksamkeit sind aber ausreichende Dosierung und ein qualitativ hochstehendes Ginsengpräparat mit standardisiertem Gehalt an Ginsenosiden. Viele Ginsengprodukte vor allem aus dem Internethandel sind von fragwürdiger Qualität.

Von den anderen erwähnten Adaptogenen sind nur wenige gut untersucht.

Siehe dazu auch:

Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – was sind Adaptogene?

Rosenwurz (Rhodiola rosea, orpin rose) gegen Stress und Müdigkeit

Ginseng als Adaptogen

Die Noni-Frucht – dürftige Belege für grosse Versprechungen

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Onkologie: Fatigue & Roter Ginseng

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Fatigue ist eines der häufigsten und zugleich das am stärksten belastende Begleitsymptom von Krebserkrankungen und Krebstherapien. Viele Patienten leiden stärker unter der extremen Erschöpfung als unter Schmerzen. Dennoch bleibt die Fatigue oft unerkannt und untherapiert.

Fatigue zeigt sich als eine quälende Form der Erschöpfung bei Krebspatienten. Sie äussert sich durch außerordentliche Müdigkeit, mangelnde Energiereserven oder ein massiv erhöhtes Ruhebedürfnis, das in keinem Verhältnis steht zur vorausgegangenen Aktivität. Charakteristisch sind auch Leistungsschwäche und Depression. Die körperliche Erschöpfung macht die Betroffenen unfähig, ihren gewohnten täglichen Aktivitäten nachzugehen; durch die mentale Erschöpfung ist es ihnen fast unmöglich, sich zu konzentrieren und klar zu denken, und emotional fehlen Antrieb und Kreativität.

Im Gegensatz zur Erschöpfung nach einer körperlichen, geistigen oder seelischen Anstrengung beim gesunden Menschen kann selbst eine Erholungsphase oder ausreichender Schlaf diese quälenden Symptome nicht lindern.

Auch Patienten mit anderen Erkrankungen leiden an diesem Gefühl, unendlich müde zu sein. Ärzte reden dann meist von einem chronischen Erschöpfungssyndrom (engl. Chronic Fatigue Syndrome, CFS). Das ist ein eigenständiges Krankheitsbild, das von der Tumor-assoziierten Fatigue unterschieden werden muss.

Fatigue ist auch keine Depression, wobei die Abgrenzung bei chronischer tumorbedingter Erschöpfung teilweise schwierig sein kann.

Zeitweise leiden fast alle Krebspatienten unter einer Fatigue. Häufiger betroffen sind Menschen mit Leukämie, Magentumoren, Darmtumoren sowie Mammakarzinom (Brustkrebs). Während und nach einer Therapie steigt die Zahl der Betroffenen.

Hauptsächlich junge Menschen sind von Fatigue beeinträchtigt. Die Ursache dafür ist noch unklar. Möglicherweise nehmen jüngere Menschen den Unterschied zwischen ihren bisherigen Energiereserven und der durch die Krankheit verminderten Kraft deutlich stärker wahr als Ältere.

Vielfältige Triggerfaktoren

Trotz vieler Untersuchungen gibt es bislang offenbar noch kein überzeugendes pathophysiologisches Modell zur Erklärung der Fatigue. Unbestritten sei aber, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt.

Zu den wichtigen Triggerfaktoren zählen hauptsächlich die Chemotherapie und die Bestrahlung. So können die Nebenwirkungen jeder Zytostatikatherapie eine allgemeine Schwäche begünstigen. Wichtige Einflussfaktoren sind Intensität und Dauer der Therapie. Bei einer Strahlentherapie beeinflussen die Strahlendosis, die Größe der bestrahlten Region und der Ort der Behandlung die Ausprägung einer Fatigue.

Für die Betroffenen ist die Information wichtig, dass es Fälle gibt, bei denen die Ursache der Fatigue ermittelt und kausal behandelt werden kann. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass die Symptome einer Fatigue in der Regel erst drei bis vier Tage nach Ende der Chemotherapie beginnen.

Das Fatigue-Syndrom braucht wegen seiner physischen, psychischen und sozialen Dimension einen multidisziplinären Behandlungsansatz. Wegen der schlechten Datenlage und der nicht geklärten Ursachen des Fatigue-Syndroms steht die nichtmedikamentöse Behandlung der Fatigue im Vordergrund.

Hauptsächlich die körperliche Aktivität der Patienten gilt heute als einer der wichtigsten Pfeiler der Behandlung. Viele Studien belegen die Wirksamkeit eines moderaten, dosierten, an das Krankheitsstadium angepasstes Ausdauertraining.

Untrainierte Menschen sollten immer mit leichter Aktivität anfangen.

Symptomatische Behandlung der Fatigue

Zur symptomatischen Therapie einer tumorassoziierten Fatigue gibt es derzeit keine Standardbehandlung und keine zugelassenen Arzneimittel. Zum Repertoire der oft diskutierten Behandlungsansätze zählen Psychostimulanzien wie Methylphenidat (Ritalin®), der Mikronährstoff ­L-Carnitin sowie Roter Ginseng. Aufgrund der Studienlage empfiehlt die Deutsche Fatigue Gesellschaft gegenwärtig lediglich den Einsatz von Methylphenidat und Rotem Ginseng.

Methylphenidat aus der Gruppe der Weckamine soll die Konzentration fördern und die Entscheidungs- und Leistungsbereitschaft steigern. Zudem soll Methylphenidat körperliche Abgeschlagenheit und Müdigkeit unterdrücken. Mehrere kleine Phase-II-Studien belegen günstige Effekte bei Patienten mit Fatigue. In einer auf dem Deutschen Krebskongress 2012 publizierten und von der Deutschen Fatigue Gesellschaft unterstützten Studie ergab sich allerdings kein signifikanter Unterschied zu Placebo. Trotzdem befürwortet die Fachgesellschaft weiterhin die Anwendung von Methylphenidat, weil einzelne Patienten-Gruppen davon profitieren könnten. Hierzu soll vor allem die Untergruppe der Patienten zählen, die seit mehr als drei Jahren unter Fatigue leiden.

Schwere Nebenwirkungen seien nicht beobachtet worden. Auch das Risiko einer Abhängigkeit schätzt die Fachgesellschaft als sehr gering ein. Hauptsächlich jedoch zeige sich schon nach sehr kurzer Zeit, ob ein Patient auf die Behandlung anspricht.

Das schnelle Ansprechen auf die Methylphenidat-Therapie sei sehr vorteilhaft. Dagegen müsse man bei einer Therapie mit Rotem Ginseng drei bis fünf Monate warten, bevor sich die ersten Effekte zeigen. In Untersuchungen bewirkte Panax ginseng eine Verbesserung der tumorassoziierten Fatigue bei sehr guter Verträglichkeit. Auch für Panax quinquefolius (Amerikanischer Ginseng) weisen Studien auf günstige Effekte bei Patienten mit unterschiedlichen Tumorerkrankungen und Fatigue-Symptomatik hin. So ergab zum Beispiel eine Studie mit 282 Patienten, dass 1000 mg und 2000 mg Ginsengwurzelextrakt pro Tag Müdigkeit und Erschöpfung deutlich bessern konnten. Für Krebspatientinnen und -patienten, die eine naturheilkundliche Behandlung bevorzugen, kann Roter Ginseng daher eine Alternative bieten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41683&type=0

(Dieser ausgesprochen ergiebige Artikel enthält noch zusätzliche Informationen)

Kommentar & Ergänzung:

Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung enthält noch zusätzliche Informationen zu Diagnostik und Therapie der Fatique.

Roter Ginseng ist natürlich nur ein kleines Puzzleteil in einer umfassenden, multidisziplinären Behandlung der Fatigue.

Was genau ist Roter Ginseng?

Siehe dazu:

Zur Wirksamkeit von Ginseng: Weisser Ginseng oder Roter Ginseng?

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Heilpflanzen bei Depression, Angst und Schlafstörungen

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Unter dem Titel „Phytosedativa – Schlaftherapie ohne Risiko?“ publizierte das Komitee  Forschung Naturmedizin (KFN) einen Beitrag von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Martin E. Keck.

Darin findet sich eine interessante Übersicht von Heilpflanzen, die in den Bereichen Depression, Angst und Schlafstörungen eingesetzt werden. Hier die Übersicht (Darstellung leicht verändert, Schreibfehler bei den Pflanzennamen korrigiert, Inhalt unverändert):

„Arzneipflanzen, die bei depressiven Störungen, Angst- und Schlafstörungen

eingesetzt werden:

Pflanze / Deutscher Name: Anwendung

Bacopa monnieri / Brahmi: Depression, Angst, Schlaf

Centella asiatica / Indischer Wassernabel: Depression, Angst

Crocus sativus / Safran: Depression, Angst

Echinum amoenum / Borage:  Depression, Angst

Ginkgo biloba / Ginkgo: Depression, Angst

Hypericum perforatum / Johanniskraut:  Depression, Angst, Schlaf

Lavandula spp / Lavendel: Depression, Angst, Schlaf

Matricaria recutita / Kamille: Angststörungen

Melissa officinalis / Melisse: Depression, Angst, Schlaf

Panax ginseng / Ginseng: Depression, Angst, Schlaf

Papaver somniferum / Mohn: Sedation, Euphorie

Passiflora incarnata / Passionsblume: Angst, Schlaf

Piper methysticum / Kava-Kava: Depression, Angst, Schlaf

Rhodiola rosea/ Rosenwurz: Depression, Angst, Erschöpfung

Scutellaria lateriflora / Helmkraut: Angst, nervöse Erschöpfung, Schlaf

Eschscholzia californica / Kalifornischer Mohn: Angst, Schlaf

Valeriana spp. / Baldrian:  Depression, Angst, Schlaf

Vitex agnus-castus / Mönchspfeffer: (menstruelle) Dysphorie, Schlaf

Withania somnifera / Schlafbeere:  Angst, Schlaf, nervöse Erschöpfung

fett = basierend auf Humanstudien

(nach Sarris et al. A systematic review of insomnia and complementary

medicine.SleepMedRev 15, 99-106, 2011)“

Quelle: http://www.phytotherapie-komitee.de/News/pk_18_04_12/Prof-Keck-Statement.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Diese Aufstellung enthält gute Anregungen und Ideen. Die Wirksamkeit der einzelnen Heilpflanzen bei den aufgeführten Indikationen ist aber sehr unterschiedlich gut belegt. Für die Wirksamkeit von Johanniskraut-Extrakten bei leichten und mittleren Depressionen gibt es beispielsweise gute klinische Studien, bei Mönchspfeffer gegen Schlafstörungen oder bei Kamille gegen Angststörungen ist das nicht der Fall.

Beim Thema Schlaf fehlt mir in dieser Aufstellung der Hopfen, welcher vor allem als Hopfenextrakt zusammen mit Baldrianextrakt angewendet wird.  Für solche Kombinationspräparate gibt es ebenfalls guten klinische Studien.

Beliebt als Abendtee bzw. Schlaftee sind zudem Orangenblüten und Goldmelissenblüten, obwohl für beide keine Belege für die Wirksamkeit vorliegen.

Von Kava-Kava gibt es leider zur Zeit keine wirksamen Präparate im Handel. Kava-Extrakte zeigen in klinischen Studien Wirksamkeit bei generalisierten Angststörungen. Die entsprechenden Fertigpräparate wurden vor einigen Jahren wegen Verdachtsmeldungen auf Leberschäden aus dem Handel genommen (wobei ein ursächlicher Zusammenhang mit der Kava-Einnahme nur mangelhaft geklärt ist).

Siehe auch:

Neue Kava-Studie zeigt Wirksamkeit wässriger Extrakte

Passionsblume und Kava-Kava lindern Angstzustände

Anstelle der vom Markt genommen wirksamen Kava-Extrakte werden nun Similasan Kava-Kava Tabletten oder spagyrische Kava-Tinktur verkauft, die beide bei der Heilmittelbehörde als Homöopathika angemeldet sind, deshalb keinen Wirksamkeitsbeleg vorlegen müssen und die Wirksamkeit entsprechend auch nicht belegt haben. Die Präparate haben nichts mit den ursprünglichen Kava-Extrakten zu tun, beanspruchen aber dieselbe Wirkung. Meiner Ansicht nach werden hier die Konsumentinnen und Konsumenten hinters Licht geführt.

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Zur Wirksamkeit von Ginseng – Weisser Ginseng oder Roter Ginseng?

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Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde vor kurzem Ginseng zum Thema.

In der traditionellen chinesischen Medizin werde Ginseng (Panax ginseng, Panax quinquefolius ) seit Jahrtausenden als Heilmittel bei Antriebslosigkeit, Appetitlosigkeit, Atemnot, Herzklopfen, Schlaflosigkeit, Impotenz, Blutungen und Diabetes angewandt, schreibt Dr. Rainer C. Görne. Die Ginsengwurzel gelte in Asien als Sinnbild für Gesundheit und langes Leben.

Neuere Untersuchungen hätten verschiedene Inhaltsstoffe wie Ginsenoside, Polysaccharide, Peptide und Polyin-Alkohole nachgewiesen:

„Einige dieser Inhaltsstoffe haben in pharmakologischen Experimenten ZNS-Wirkungen, neuroprotektive und immunmodulatorische Wirkungen gezeigt.“

Insbesondere die Ginseng-Saponine, die Ginsenoside haben antioxidative, entzündungshemmende, anti-apoptotische und immunstimulierende Eigenschaften, schreibt der Autor.

In einigen kontrollierten, klinischen Studien sei die Wirkung von Zubereitungen aus Ginseng auf die körperliche und psychomotorische Leistung, kognitive Funktionen, Immunmodulation, Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Risikofaktoren, die Lebensqualität untersucht worden.

Aufgrund der schlechten Qualität der meisten dieser Studien seien die klinischen Daten zur Wirksamkeit unzureichend.

Beim roten Ginseng handle es sich um Panax ginseng, der entweder durch Wasserdampf erhitzt oder in der Sonne getrocknet wurde. Diese Variante einer Ginsengzubereitung werde in Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten verwendet.

Entgegen einer weitverbreiteten Meinung enthalte das Konzentrat aus rotem Ginseng jedoch nur halb so viel Ginsenoside wie jenes aus weißem Ginseng. Roter Ginseng werde traditionell mit einer Anregung der Sexualfunktion und Steigerung des Antriebs verbunden:

„In einer doppelblinden, klinischen Studie wurde gezeigt, dass eine Zubereitung aus rotem Ginseng eine wirksame Alternative für die Behandlung der erektilen Dysfunktion sein kann (Hong et al. 2002). Zwei kleinere Studien zeigten eine Verminderung des Relaps bei Magenkrebs im Vergleich zur Kontrollgruppe (Suh et al. 2002) sowie potenziell positive Effekte einer Kombination von koreanischem roten Ginseng und einer antiretroviralen Therapie bei HIV-1-infizierten Patienten (Sung et al. 2009).“

Zusammenfassend sei somit festzuhalten, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt zuverlässige klinische Daten zur Wirksamkeit von Ginseng-Präparaten fehlen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/default.aspx?sid=806917&ticket=ST-749-jTkac4gOZNaAF1C4FrZu5OHkAUoM4HGizPQ-20

Kommentar & Ergänzung:

Die Ginseng-Forschung liefert interessante Ergebnisse. Hänsel / Sticher kritisieren allerdings in „Pharmakognosie / Phytopharmazie“ (2010), dass den Untersuchungen „recht häufig eine Relevanz für die menschliche Anwendung fehlt oder mangelhaft ist (z.B. durch unrealistisch hohe Dosierung, i.v. oder i.p. anstelle von p.o.-Applikation, Tierexperimente ohne Bezug zum Therapeutischen Wert am Menschen).“

Zur Diskussion, ob Roter Ginseng oder Weisser Ginseng wirksamer ist, schreibt der „Leitfaden Phytotherapie“:

„Roter Ginseng, der zur Konservierung mit gespanntem Wasserdampf behandelt wird, ist nicht generell dem weissen Ginseng qualitativ überlegen und enthält nur dann einen höheren Ginsenosidgehalt, wenn vor dem Dämpfen bei 120 – 130°C Ginsenosid-reicher „weisser Ginseng“ ausgesucht worden ist. Nur bei wenigen „Roter Ginseng-Präparaten“ wird diese qualitative Vorauswahl durchgeführt. Nach der Wasserdampfbehandlung nehmen die vorher weissen Wurzeln eine hornartige Struktur und rötliche Farbe an. Die Aussage, dass nur 5 – 7 jährige Ginsengwurzeln verwendet werden, ist ein Werbegag, denn erst nach dieser Zeit ist die Wurzelmasse so gross, dass sich eine Ernte lohn. Ausserdem haben 1-2-jährige Wurzeln sowie die dünnen Seitenwürzelchen einen höheren Ginsenosidgehalt.“

Bei Ginseng-Präparaten gibt es grosse Qualitätsunterschiede. Vorsichtig wäre ich bei Produkten, die nur als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen sind. Ginseng-Präparate, die eine Zulassung als Arzneimittel haben, werden genauer kontrolliert.

Seriöse Ginseng-Präparate sind auch einen standardisierten, also gleichbleibenden Ginsenosidgehalt eingestellt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Heilpflanzen bei Diabetes

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An einem wissenschaftlichen Seminar zum Thema Phytotherapie im Hamburg resümierte Professor Dr. Matthias Melzig von der Freien Universität Berlin den Stand des Wissens zum Wirksamkeit von Heilpflanzen in der Diabetes-Therapie.

Dabei kam auch Guar zur Sprache. Die Wirksamkeit und Sicherheit eines Guar-Präparates seien durch klinische Studien belegt.

Guar wird aus den Samen der Guarbohne (auch Büschelbohne, Cyamopsis tetragonolobus) gewonnen, eine Pflanzenart aus der Familie der Fabaceen.

Als wirksame Inhaltsstoffe gelten Polysaccharide, welche die Transitzeit der Nahrung verlängern. Sie sollen das zuckerspaltende Enzym α-Amylase hemmen und dadurch die Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten vermindern.

Die Einnahme von Guar wirkt sich aber auch positiv auf das Gesamtcholesterol und den LDL-Spiegel aus. Allerdings kann Guar auch den Insulineffekt verstärken. Wie bei alle anderen pflanzlichen Antidiabetika aus der Selbstmedikation ist es wichtig, dass der Patient den Arzt über die Einnahme informiert. Darüber hinaus sollte der diabeteskranke Mensch seinen Blutzuckerspiegel regelmäßig messen.

Widersprüchliche Ergebnisse gebe es zur Gartenbohne (Phaseolus vulgaris, ebenfalls eine Fabaceae) in Bezug auf die Samenschalen. Die Bohnensamen können sich aber günstig auf den postprandialen Blutzucker auswirken. Für eine ausdrückliche Empfehlung fehlen aber gemäss Melzig noch Daten. Ähnliches gelte für frische Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus, Ericaceae). Vermutlich müssen große Mengen Beeren oder Bohnen gegessen werden, um deutlich spürbare Effekte zu erzielen.

Positiv beurteilte Melzig die Bockshornkleesamen (Trigonella foenum-graecum, Fabaceae). In China und Indien wird Bockshornklee seit Jahrtausenden bei Stoffwechselerkrankungen angewendet, auch bei Diabetes. Er reduziert den Nüchternblutzucker und den postprandialen Blutzucker. Allerdings sind dafür 25 Gramm Bockshornkleesamen pro Tag nötig, was speziell zu Beginn der Behandlung zu Durchfall und Flatulenz führen kann. Genau wie bei Guar sollte auch bei Bockshornkleesamen ein zeitlicher Abstand von mindestens 30 Minuten zur vorherigen Medikamenteneinnahme eingehalten werden, damit diese anderen Arzneimittel gut resorbiert werden können.

Von anderen Heilpflanzen riet Melzig vorerst ab wegen fehlender Wirksamkeitsnachweise oder mangelnder Sicherheitsdaten.

So enthalte beispielsweise der Samen der Geißraute (Galega officinalis, Fabaceae) große Mengen Guanidin-Derivate, also Metformin-ähnliche Substanzen. Allerdings seien die Extrakte schwer standardisierbar.

Unter der Bittergurke (Momordica charantia, Cucurbitaceae) könne es sogar zu hypoglykämischem Koma und Lebertoxizität kommen.

Siehe auch:

Bittermelone / Bittergurke (Momordica charantia) gegen Diabetes?

Ein anderes Kürbisgewächs, die Scharlachranke (Coccinia grandis) aus der indischen Heilkunde, zeigte in klinischen Studien mäßiger Evidenz eine beträchtliche blutzuckersenkende Wirkung. Melzig riet trotzdem von der Scharlachranke ab, da nicht genügend toxikologische Daten vorlägen.

Wegen des vermutlich hohen Alkaloid-Gehalts sollte man auch besser auf die Anwendung des sogenannten »Zuckerzerstörers« bzw. der »Wunderfrucht« Gymnema sylvestre (Apocynaceae) aus der Aryuveda-Medizin verzichten.

Zwar nicht bedenklich, jedoch bislang ohne überzeugenden Wirksamkeitsnachweis bei Diabetes mellitus sind gemäss Melzig folgende Phytopharmaka einzustufen:

Ginseng (Panax Ginseng, Araliaceae)

Knoblauch (Allium sativum, Alliaceae)

Aloe vera (Aloe barbadensis, Alooideae)

Süßkartoffeln (Ipomoea batatas, Convolvulaceae)

Wachs-Jambuse oder Rosenapfel (Syzygium cumini, Myrtaceae)

Mariendistel (Silybum marianum, Asteraceae)

Russischer Estragon (Artemisia dracunculus, Asteraceae)

Nopal (Opuntia streptacantha, Cactaceae)

Wer die Diskussion der vergangenen Jahre verfolgt habe wisse zudem, dass Zimt (Cinnamomum verum, Lauraceae) laut neueren Studien nicht besser als Placebo wirke. Noch fehle für die meisten Phytopharmaka die klinische Evidenz, um sie Diabetikern adjuvant empfehlen zu können, zum Beispiel den Russischen Estragon.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41169

Kommentar & Ergänzung:

Die Diabetes-Therapie ist keine Stärke der Phytotherapie. Die Aussagen von Prof. Melzig stimmen sehr mit der Phytotherapie-Fachliteratur überein. Sinn machen können gewisse Polysaccharide vor allem aus Guar und Bockshornkleesamen, weil sie Blutzuckerspitzen abfangen. Darüber hinaus haben wir nicht viel Überzeugendes aus der Pflanzenwelt zur Verfügung.

Von den Heidelbeeren wurden früher gegen Diabetes die Blätter verwendet, nicht die Beeren, wie der Ausdruck „frische Heidelbeeren“ suggeriert. Heidelbeerblätter sind aber klarerweise ungeeignet zur Diabetestherapie.

Und bei Ginseng, Knoblauch, Aloe vera oder Mariendistel wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, sie gegen Diabetes zu empfehlen, Diese Heilpflanzen haben ganz andere Anwendungsbereiche, für welche ihre Wirksamkeit dokumentiert ist.

Zimt gegen Diabetes war vor einigen Jahren die grosse Entdeckung in diesem Bereich der Pflanzenheilkunde. Laboruntersuchungen an isolierten Geweben oder Zellen lassen eine günstige Wirkung plausibel erscheinen. Leider konnten die positiven Resultate einer ersten klinischen Patientenstudie aus Pakistan bisher nicht bestätigt werden, was die Wirksamkeit in Frage stellt.

Ernüchternd?

Möglicherweise schon.

Aber es scheint mir wichtig, nicht nur von tollen Erfolgen und grossartigen Heilungschancen zu berichten, sondern auch von Misserfolgen und Grenzen der Phytotherapie.

Meines Erachtens kann man diesen Punkt als Qualitätskriterium nehmen um Fachleute, Heilmethoden, Gesundheitszeitschriften etc. zu beurteilen:

Ist immer nur von Heilerfolgen die Rede und nie von Grenzen oder Misserfolgen, dann ist dies ein Hinweis für sehr selektive Wahrnehmung oder selektive Berichterstattung. Alle Heilmethoden und Heilmittel haben Grenzen und Misserfolge. Wäre das nicht so, gäbe es keine Krankheiten mehr.

Wenn nur von Heilerfolgen oder gar von sicheren Heilerfolgen berichtet wird, dann haben wir es wahrscheinlich mit einer Form von Missionarismus zu tun. Und diesem Phänomen begegnet man leider nicht selten im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin: Alles was die eigene Überzeugung zu stützen scheint, wird sofort kundgetan, während Fakten, welche die eigene Überzeugung in Frage stellen könnten, ignoriert oder sofort und ungeprüft vom Tisch gefegt werden (zum Beispiel indem jede Kritik als Verschwörung der bösen Pharmaindustrie diffamiert wird).

Das Leben besteht aber selten nur aus Schwarz und Weiss, auch nicht, wenn es um Gesundheit, Krankheit  und Heilung geht.

Seriös wäre es meines Erachtens beispielsweise, wenn in Gesundheitszeitschriften neben Erfolgsmeldungen und Heilungsversprechungen ebenso viel auch von Grenzen und Misserfolgen berichtet würde. Aber wer will so etwas schon lesen? Die Mehrzahl der Leserinnen und Leser will offenbar ausschliesslich wissen, was nützt. Grenzen und Misserfolge –Kritik also – interessieren viel weniger.  Wer so denkt nimmt allerdings in Kauf, einseitig informiert zu sein.

Grenzen und Misserfolge von Heilmitteln und Heilmethoden aufzuzeigen, ist zudem für die meisten Gesundheitszeitschriften nicht lukrativ, weil dadurch ein „negatives Werbeumfeld“ für Inserenten geschaffen wird. Die meisten Gesundheitszeitschriften sind aber  vollständig abhängig von den Inserenten – wie sollen sie da differenziert – also auch kritisch – berichten können.

Siehe auch:

Pflanzenheilkunde & Komplementärmedizin – Vom Wert des Zweifels

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin / Naturheilkunde / Pflanzenheilkunde

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht?

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Warnung vor Hirndoping

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Angesichts des wachsenden Erfolgsdrucks in Schule, Ausbildung und Beruf sind zahlreiche Menschen bereit, zu einer leistungssteigernden Pille zu greifen. Doch ein solches „Hirndoping“ könne gefährlich werden, warnt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Etwa 2 Millionen Beschäftige im Alter von 20-50 Jahren (5 % der Befragten) gaben in einer Umfrage der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) an, als Gesunde schon einmal leistungssteigernde und stimmungsaufhellende Medikamente konsumiert zu haben. 2 Prozent der befragten Personen erklärten gar, dass sie sich regelmäßig und sehr gezielt „dopen“. Für ein Viertel aller Befragten ist es vertretbar, derartige Arzneimittel zur Steigerung der kognitiven Leistungen im Beruf einzunehmen, ohne dass dafür eine medizinische Notwendigkeit vorliegt.

Aus Sicht der DHS ist diese Einstellung aber ein Irrweg. Antidepressiva und Präparate gegen Demenz oder gegen das sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) seien Medikamente zur Linderung oder Heilung von Krankheiten. „Es sind verschreibungspflichtige Medikamente, die missbräuchlich verwendet werden“, stellt DHS-Geschäftsführer Raphael Gassmann fest.

Zu den bekanntesten Substanzen, die im Zusammenhang mit Hirndoping missbraucht werden, zählen vor allem stimulierende Wirkstoffe wie das Methylphenidat (z.B. Ritalin®) zur medizinisch-indizierten Therapie des Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) und das Modafinil (Handelsname in D: Vigil®, in CH, A: Modasomil®) zur Behandlung der Narkolepsie. Auch Antidepressiva und Antidementiva werden missbräuchlich eingesetzt.

Die gewünschte Wirkung bleibe bei Gesunden aber zumeist aus, erklärt die DHS. Antidepressiva führten bei Gesunden sogar nicht selten zu einer Verschlechterung der Leistungsfähigkeit. So werden zum Beispiel Aufmerksamkeit und Wachheit durch die Aufnahme von Fluoxetin, Citalopram und Sertralin vermindert. Auch finden sich der DHS zufolge keine Belege für eine Steigerung der Gedächtnisleistung Gesunder durch Antidementiva (Medikamente gegen Demenz). Eher würden durch sie Kopfschmerzen, Ruhelosigkeit und Übelkeit ausgelöst. Noch riskanter sei die Einnahme von Methylphenidat  durch gesunde Personen, die bereits über eine gute Aufmerksamkeitsfokussierung verfügen. „Die Einnahme führt bei Gesunden nachweislich weder zu gewünschter Stimmungsaufhellung noch zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, eher erreichen sie die Verringerung von Leistungsfähigkeit und Aktivität“, betont  Prof. Dr. Gerd Glaeske. Neben anderen unerwünschten Nebenwirkungen weisen die stimulierenden Wirkstoffe Methylphenidat und Modafinil ausserdem ein hohes psychisches Abhängigkeitsrisiko auf.

Die DHS verlangt vor diesem Hintergrund eine ergebnisorientierte Verhältnisprävention. Arbeitsplatzregelungen und Sozialleistungen könnten nicht nur wirtschaftspolitisch diskutiert und entschieden werden. Sie müssten deutlicher als bisher auch gesundheitspolitisch ausgerichtet werden. DHS-Geschäftsführer Gassmann sagt dazu: „Wir leben nicht nur, um zu arbeiten. Wenn Schule, Ausbildung und Beruf krank oder süchtig machen, ist es Zeit, sie grundsätzlich zu entschärfen.“

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/06/20/dhs-warnt-vor-hirndoping.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Bereich des Hirndopings kommen auch Heilpflanzen-Präparate zur Anwendung. Im Vordergrund stehen dabei Ginkgo biloba, Rosenwurz (Rhodiola rosea) und Ginsengwurzel (Panax ginseng). Diese Heilpflanzen entfalten ihre Wirkung langsam, was unter anderem auch dazu beiträgt, dass kein Abhängigkeitsrisiko besteht.

Ob und wie stark ein gesundes Hirn von Heilpflanzen wie Ginseng, Rosenwurz und Ginkgo profitieren kann, ist allerdings trotz entsprechender Studien nicht eindeutig geklärt.

Zu Rosenwurz siehe:

Rosenwurz (Rhodiola rosea, orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/10/30/rosenwurz-rhodiola-rosea-orpin-rose-gegen-stress-mudigkeit.html

Beim Thema „Hirndoping“ stellen sich aber auch viele grundsätzliche Fragen.

Sollte tatsächlich einmal eine wirksame „Hirnpille“ ohne gravierende Nebenwirkungen entwickelt werden und sollte sich diese durchsetzten, so kämen möglicherweise „Nicht-Anwender“ zunehmend unter Druck.

Und was soll nun genau mit „Hirndoping“ verbessert werden? Die Verarbeitungsgeschwindigkeit im Gehirn? Die Merkfähigkeit? Die Müdigkeitsresistenz?

Sind das nicht ziemlich quantitative Aspekte? Und wäre es nicht sinnvoller, die Qualität von Denkprozessen weiterzuentwickeln?  Das könnte zum Beispiel heissen, wir streben nach möglichst sorgfältiger Urteilsbildung und Entscheidungsfindung, nach präzisem, differenziertem Denken…….

Und dazu braucht es meinem Eindruck nach Übung und allenfalls ein Stück Anleitung – aber wohl kaum Medikamente.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

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Mit Taigawurzel, Ginseng, Rosenwurz & Co. wird in der Phytotherapie eine Gruppe von Heilpflanzen eingesetzt, die als Adaptogene bezeichnet werden.

Was genau unter Adaptogenen zu verstehen ist, bleibt aber dabei oft unklar.

Univ. Doz. Reinhard Länger gibt in der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie eine gute Beschreibung der Adaptogene:

„Das Herbal Committee der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) publizierte ein Dokument, in dem Adaptogene näher charakterisiert werden:

Adaptogene sollen die Fähigkeit besitzen, durch Stress beeinträchtigte Körperfunktionen zu normalisieren und zu stärken. Adaptogene sind im Allgemeinen nicht toxisch und weisen eher unspezifische pharmakologische

Eigenschaften auf. Sie sollen die Resistenz des Organismus gegen ein breites Spektrum an widrigen biologischen, chemischen und physikalischen Faktoren steigern. Im Gegensatz zu Tonika und Stimulantien soll eine durch Adaptogene gesteigerte Arbeitskapazität nach Absetzen nicht wieder abfallen. Obwohl zahlreiche Versuche unternommen wurden, dies mit klinischen Studien zu belegen, ist der Begriff Adaptogen nach wie vor in der wissenschaftlichen Phytotherapie nicht generell akzeptiert und wird daher im Bereich der traditionellen pflanzlichen Arzneimittel verwendet. Als Beispiele für Arzneipflanzen, auf die diese Definition zutrifft, werden

Ginseng (Panax ginseng), Chinesische Beerentraube (Schisandra chinensis), Rosenwurz (Rhodiola rosea) und Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus) genannt. Außer Rhodiola rosea, die auch in unseren Alpen heimisch ist, kommen die anderen genannten Arten ausschließlich in Asien natürlich vor.“

Quelle: http://www.phytotherapie.co.at/PHYTO-Therapie_1-11_web.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Informationen:

Rosenwurz (Rhodiola rosea, orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

Ginseng als Aphrodisiakum

Ginseng als Adaptogen

Ginseng lindert Fatique bei Krebskranken

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel

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