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Empfehlungen der SGP betreffend Suppositorien mit ätherischen Ölen in der Kinderheilkunde

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Vor kurzem wurden im Bulletin der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie (SGP) Empfehlungen zur Verwendung von Suppositorien mit ätherischen Ölen in der Kinderheilkunde veröffentlicht. Diese Arzneimittel sollen bei Kindern unter 30 Monaten und solchen mit Krampfanfällen und Epilepsien in der Anamnese nicht eingesetzt werden.

Diese Empfehlungen gründen auf der aktuellen Situation in der EU. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat schon im Jahr 2011 alle Fachleute im Gesundheitswesen auf die neurotoxischen Risiken (Krämpfe, Agitiertheit, Schläfrigkeit) beim Einsatz solcher Suppositorien hingewiesen. Seither gilt für diese Suppositorien die Verwendung bei Kindern unter 30 Monaten und bei Kindern mit früheren Krampfanfällen oder Epilepsien als kontraindiziert.

In der Schweiz sind terpenhaltige Suppositorien zur Anwendung in der Kinderheilkunde zugelassen und bis jetzt bei Säuglingen nicht kontraindiziert. In der Apotheke können zudem Suppositorien mit ätherischen Ölen als Magistralpräparate produziert werden.

Nicht-medikamentöse Massnahmen seien bei der Behandlung banaler Atemwegserkrankungen zu bevorzugen, so die Empfehlung. Dazu zählen unter anderem eine regelmässige Flüssigkeitszufuhr beim Säugling, das Freimachen der Nase mit physiologischer Kochsalzlösung und die Einstellung der Umgebungstemperatur  auf den Bereich von 19-20°C. In den meisten Fällen sei der banale Husten ein notwendiger und nützlicher physiologischer Reflex und bedürfe keiner medikamentösen Behandlung. Die potentiellen unerwünschten Nebenwirkungen von Suppositorien mit ätherischen Ölen sowie fehlende wissenschaftliche Belegen für deren Wirksamkeit rechtfertigen.

Die Anwendung von ätherischen Ölen in Suppositorium bei den Kleinsten lasse sich wegen den potentiellen unerwünschten Nebenwirkungen und dem fehlenden Wirksamkeitsnachweis nicht rechtfertigen.

Lit.: Bulletin der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie, Paediatrica 2012, Nr.4, p35

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?

Kommentar & Ergänzung:

Diese Bedenken sind nachvollziehbar. Ätherische Öle via Suppositorium zugeführt werden leicht in den Körper aufgenommen und bergen so wohl tatsächlich ein Risiko unerwünschter Nebenwirkungen. Bei Husten werden in Aromatherapie und Phytotherapie vor allem Thymianöl und Eukalyptusöl angewendet.

Auch bei inhalativer Anwendung ätherischer Öle bei Säuglingen und Kleinkindern gibt es Einschränkungen: stark riechende Substanzen (z. B. Thymianöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Menthol) können, wenn sie im Bereich der Nase appliziert werden, einen Glottiskrampf (Stimmritzenkrampf) auslösen.

Die Empfehlung, bei banalen Atemwegserkrankungen wenn möglich nicht-medikamentöse Massnahmen einzusetzen, ist sinnvoll.

Es braucht nicht immer ein Arzneimittel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Zur Auseinandersetzung um die Beschneidung von Knaben

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Ausgelöst durch einen Gerichtsentscheid in Deutschland, welcher die Beschneidung eines Knaben als Körperverletzung beurteilt hat,  läuft seit einigen Wochen eine heftige Diskussion um die Zulässigkeit dieses Eingriffs.

In dieser schwierigen Auseinandersetzung steht die Religionsfreiheit (der Eltern) gegen das Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit des Kindes.

Eine ganze Reihe von Fachleuten aus Pädiatrie, Urologie, Psychosomatischer Medizin und Psychotherapie haben auf mögliche körperliche und psychische Folgen einer Beschneidung hingewiesen (z. B. Schmerzen, Infektionsrisiko, verminderte sexuelle Empfindungsfähigkeit infolge Entfernung sensiblen Gewebes, psychische Traumatisierung).

Jüdische und islamische Geistliche und Verbände dagegen betonen die Harmlosigkeit des Eingriffs, bestehen auf dem Recht der Eltern, ihre Söhne zu beschneiden und betonen die zentrale Bedeutung dieses Rituals für ihre Religionsgemeinschaft.

Als „Totschlag-Argument“ wird zudem von einigen Verteidigern der Beschneidung den Kritikern generell eine antijüdische und antiislamische Absicht unterstellt.

Auch wenn antijüdische und antiislamische Tendenzen – die abzulehnen sind – in manchen Stellungnahmen möglicherweise mitwirken sollten, sind solche pauschalen Diffamierungen meines Erachtens zurückzuweisen. In einer offenen, liberalen Gesellschaft müssen sich Religionsgemeinschaften mit ihrem Handeln einer kritischen Auseinandersetzung stellen. Und es dürfen selbstverständlich Einwände gegen bestimmte Praktiken erhoben werden.

Meiner Ansicht nach ist die Beschneidung von Knaben eindeutig eine Körperverletzung. Ich verstehe nicht, wie man das anders beurteilen kann. Schliesslich wird ein Körperteil irreversibel entfernt. Diese Tatsache lässt sich auch nicht dadurch vom Tisch wischen, dass die weibliche Genitalbeschneidung in ihren Folgen deutlich schlimmer ist.

Auf diesem Hintergrund fände ich es sehr angebracht, wenn mit der Beschneidung solange gewartet würde, bis der Knabe urteilsfähig ist und selbst entscheiden kann, was mit seiner Vorhaut geschieht.

Inzwischen hat der Deutsche Ethikrat sich am 23. August für einen Kompromiss ausgesprochen:

„Ja zur religiösen Beschneidung von Juden und Muslimen in Deutschland, aber nur unter Auflagen: Dafür hat sich der Deutsche Ethikrat am Donnerstag ausgesprochen. Geht es nach dem unabhängigen Gremium, sollte das umstrittene Ritual erlaubt bleiben, wenn vier Voraussetzungen erfüllt sind:

– eine umfassende Aufklärung über mögliche Risiken,

– die fachgerechte medizinische Ausführung des Rituals,

– eine qualifizierte Schmerzbehandlung,

– und die Anerkennung eines entwicklungsabhängigen Vetorechts der betroffenen Jungen.“

Quelle:

http://www.focus.de/politik/deutschland/religioeses-ritual-deutscher-ethikrat-stimmt-beschneidung-zu-unter-auflagen_aid_805726.html

Sehr fraglich scheint mir, wie sich ein entwicklungsabhängiges Vetorecht der betroffenen Jungen praktizieren lässt bei Säuglingen und kleinen Jungen. Ein solches Vetorecht würde eine Verschiebung des Eingriffs in ein urteilsfähiges Alter voraussetzen.

„Eindeutig gegen Beschneidung sprach sich im Ethikrat nur der Rechtsphilosoph Reinhard Merkel aus. Es sei ‚bizarr’, wenn Religionsgemeinschaften eine Definitionsmacht darüber hätten, wann und wie sie einen Körper von Menschen verletzten könnten. Gleichwohl gebe es eine ‚weltweit singuläre Pflicht gegenüber allen jüdischen Belangen’, ergänzte er. Im Konflikt zwischen dem körperlichen Eingriff und der Verpflichtung gegenüber dem Judentum entstehe ein ‚rechtspolitischer Notstand’. Einem auf die praktischen Details gerichteten Kompromiss des Ethikrats könne auch er deswegen zustimmen, sagte Merkel.“

Quelle: http://www.abendblatt.de/politik/article2380003/Empfehlung-des-Ethikrats-Erlaubnis-religioeser-Beschneidung.html

„Die ‚Kompromiss’-Entscheidung des Nationalen Ethikrates stößt bei den deutschen Kinder- und Jugendärzten auf Unverständnis und Entsetzen. Dr. Wolfram Hartmann, BVKJ-Präsident: ‚Kindeswohl und das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit haben bei der heutigen Entscheidung offenbar keine Rolle gespielt. Erst im Januar ist das neue Bundeskinderschutzgesetz in Kraft getreten, nun erleben wir, dass das Bundeskinderschutzgesetz für eine große Zahl von Kindern in diesem Lande nicht gelten soll. Muslimische und jüdische Kinder schützt es nicht. Ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit ist offenbar zweitrangig. Das ist ein Skandal!’

Der BVKJ verweist in diesem Zusammenhang auf §24 der UN- Kinderrechtskonvention, die von allen Staaten außer Somalia und den USA ratifiziert wurde. Danach haben die Vertragsstaaten ‚alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen zu treffen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen’.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/recht-eines-kindes-auf-körperliche-unversehrtheit-zählt-offenbar-155609085.html

Mich selber beschäftigen aber bei diesem Thema andere Fragen:

Wieso erschafft der Herrgott, falls es ihn geben sollte, den Mann mit einer Vorhaut, um dann von seinen Gläubigen zu fordern, dass sie dieses Körperstück nach der Geburt eines Jungen wieder abschneiden. Das erscheint mir einfach absurd und setzt ja irgendwie voraus, dass der Mann einen gravierenden Konstruktionsfehler hat, was auf den Konstrukteur zurück fallen würde.

Und wenn im Judentum davon ausgegangen wird, dass die Beschneidung eine Besiegelung des Bundes zwischen dem Knaben und Gott sei – warum braucht es dazu ausgerechnet die Vorhaut? Warum nicht das linke Ohrläppchen?

Ja ich weiss, Gott hat das im Alten Testament offenbar von Abraham so gefordert. Im alten Testament steht aber so einiges,  dessen Umsetzung heute nur noch für Spinner und gestörte Fundamentalisten ein Anliegen ist – beispielsweise die Forderung nach Steinigung:

„Die Steinigung wird im Tanach und demnach auch im Alten Testament als Strafe für Taten von Israeliten in Israel gefordert, die als Verbrechen an Gott und dem ganzen Volk galten. Dazu gehörten Götzendienst (z. B. Dtn 17,5), vorsätzlicher Sabbat-Bruch (Num 15,35f.), Wahrsagen (Lev 20,27), Ehebruch (Lev 20,10; Dtn 22,22), Ungehorsam gegenüber den Eltern (Dtn 21,21) und Gotteslästerung (z.B. in Lev 24,14ff.). Diese Strafart sollte eine abschreckende Wirkung auf das Volk ausüben.“

(Quelle: Wikipedia)

Glücklicherweise gibt es im Judentum und im Islam vernünftige Kräfte, für welche Steinigung keine akzeptable Bestrafungsform mehr ist.

Was spricht also dagegen, auch bei der Beschneidung einen Schritt weg von der Überlieferung und hin zu einer menschenfreundlicheren Variante zu machen – beispielsweise durch eine Verschiebung des Beschneidungstermins in ein mündiges Alter?

Oder steht dem etwa die Angst entgegen, dass ältere Knaben sich gegen dieses Ritual und für ihre Vorhaut entscheiden könnten?

Und wie wird dieser Vorhaut-basierte Bund eigentlich bei Mädchen besiegelt?  Oder gibt es keinen Bund zwischen Gott und Mädchen bzw. Frauen? Falls es einen solchen Bund geben sollte, dann hängt er jedenfalls nicht ab von der entfernten Vorhaut.

P.S.:

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Sechs Gründe für Phytotherapie in der Kinderheilkunde

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Heinz Schilcher und Walter Dorsch beschreiben in ihrem Buch „Phytotherapie in der Kinderheilkunde“ sechs Gründe, welche für Heilpflanzen-Anwendungen aus der Phytotherapie bei der Behandlung von Kindern sprechen.

Nachfolgend diese sechs Gründe in leicht modifizierter Form:

1. Viele Phytopharmaka zeichnet ein relativ gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis aus: „ Zahlreiche Naturstoffgruppen (z. B. ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Saponine, Schleimstoffe u. a.) bzw. viele Naturstoffeinzelverbindungen (z.B. Chamazulen, Campher, Bisabolol, Menthol, Rutin u. a.) besitzen experimentell nachgewiesene Wirkungen und / oder klinisch belegte Wirksamkeiten bei gleichzeitig geringen oder zu vernachlässigenden unerwünschten Wirkungen.“

2. Viele – nicht alle – pflanzliche Arzneimittel haben eine milde Wirkung: „Bei zahlreichen Kinderkrankheiten genügen aber gerade ‚milde’ bzw. schwache therapeutischen Effekte auch für eine rationale Behandlungsstrategie.“

3. Die Phytotherapie kennt kinderfreundliche Applikationsformen (z. B. Inhalate, Bäder, Salben, Sirupe usw.).

4. „Kinderfreundliche Applikationsformen und in der Regel die überzeugte Mitarbeit der Mütter bzw. der Kinderbetreuer sorgen für eine gute Compliance.“

5. „Das fünfte Argument, welches für die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel in der Pädiatrie spricht, ist die Tatsache, dass mit einer Reihe von Phytopharmaka nicht nur eine symptomatische, sondern gleichzeitig auch eine kausale Therapie betrieben werden kann.“

6. „Zuletzt muss auch noch darauf hingewiesen werden, dass im Durchschnitt Phytopharmaka kostengünstiger sind als vergleichbare synthetisch hergestellte Arzneimittel, insbesondere wenn Medizinaltees, Tinkturen, Inhalate, Salben etc. rezeptmässig verordnet bzw. angewendet werden.“

Kommentar & Ergänzung:

Der Erfolg von Phytotherapie in der Kinderheilkunde hängt auch wesentlich damit zusammen, dass  viele Eltern nach natürlichen Alternativen für die Behandlung ihrer Kinder verlangen.

Ergänzend zu Punkt 1: Diesem Argument würde ich zwar zustimmen. Allerdings finde ich Campher und Menthol nicht ganz unproblematische Beispiele für ein gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis in der Kinderheilkunde. Campher wird – zum Beispiel wenn in Form einer Erkältungssalbe grossflächig auf die Haut appliziert – rasch und gut in den Organismus aufgenommen, wo es in grösseren Mengen für Säuglinge toxisch wirken kann. Menthol ist für Säuglinge ungeeignet, weil es in seltenen Fällen ernsthafte Atemstörungen auslösen kann (z. B. Kratzschmer-Reflex) kommen kann. Daher bei Säuglingen und Kleinkindern Menthol nicht zur Inhalation verwenden und nicht im Bereich von Hals und Gesicht (insbesondere Nase) auftragen

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[Buchtipp] Leitfaden Phytotherapie von Heinz Schilcher, Susanne Kammerer und Tankred Wegener

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Verlagsbeschreibung

Dieses allumfassende Nachschlagewerk sollte in keiner ärztlichen Praxis, Naturheilpraxis oder Apotheke fehlen.
Beschreibung von 225 Arzneipflanzen von A-Z nach den Kategorien: Inhaltsstoffe, Wirkungen, Wirkmechanismen, Indikation, Kontraindikationen, Dosierung, Darreichungsform
135 Krankheitsbilder nach Organsystemen – jeweils mit differenzialdiagnostischer Phytotherapie, priorisierter Präparate-Empfehlung und Studien zu einzelnen Präparaten
Neu in der 5. Auflage:
Grundlagen: an neue arzneimittelrechtliche Bestimmungen angepasst
Pflanzenprofile: um die Indikationen der HMPC-Monographien erweitert, die Indikationen der WHO- und ESCOP-Monographien jetzt ins Deutsche übersetzt, Präparate und Studien aktualisiert
Tabelle mit allen Drogen und Übersicht, welche Monografie es von welcher Kommission gibt
Neues Kapitel „Phytotherapie in der Geriatrie“!
Mit dem Kauf des Buches haben Sie zeitlich begrenzten kostenfreien Zugang zur Online-Version des Titels auf „Elsevier-Medizinwelten“.
Ihre Vorteile auf einen Blick:
Optimal für unterwegs oder zum schellen Nachschlagen
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Mit zahlreichen zeitsparenden Features und Zusatzinhalten
Angebot freibleibend
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Kommentar:

Leitfaden Phytotherapie

Für Fachleute aus Medizin, Pflege, Pharmazie, Drogerie oder Heilpraktik zweifellos eines der besten und aktuellsten Nachschlagewerke im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde. Weil medizinische Fachsprache verwendet wird, ist es für Laien nur zum Teil nutzbar – mit Geduld und einem medizinischen Wörterbuch. Prof. Heiz Schilcher als Hauptautor ist ein langjähriger Kenner der Phytotherapie. Das Buch beschreibt alle wichtigen Heilpflanzen differenziert und mit grosser Sachkenntnis bezüglich Inhaltsstoffe, Wirkungen, Indikationen, Kontraindikationen, Interaktionen, unerwünschte Nebenwirkungen, Dosierung, Darreichungsform. Die Heilpflanzen werden mit einem – allerdings eher kleinen – Foto vorgestellt. Die erwähnten Fertigpräparate sind – wie bei allen anderen deutschsprachigen Phytotherapie-Büchern – zum grösseren Teil nur in Deutschland erhältlich.

Wertvoll ist auch der gut ausgebaute Organsystem-Teil. Hier werden alle wichtigen Anwendungsbereiche der Phytotherapie im Überblick besprochen: Herz-Kreislauf und Gefässerkrankungen, Atemwegserkrankungen, Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und der Verdauungsorgane, Stoffwechselerkrankungen, Erkrankungen des Urogenitaltrakts, Gynäkologische Erkrankungen und Geburtshilfe, Erkrankungen des Bewegungsapparates, Neurologische Erkrankungen, Psychische und psychosomatische Erkrankungen, Hauterkrankungen, Phytopharmaka zur Steigerung der Abwehrkräfte und Leistung, Phytopharmaka bei Tumorerkrankungen. Diese einordnenden und wertenden Überblicke sind sehr wichtig für ein vertieftes Verständnis dafür, welche Heilpflanze nun genau bei welcher Erkrankung ihren Platz hat.

Das Buch enthält auch ein fundiertes Kapitel zum Thema Phytotherapie bei Kindern sowie ein informatives Kapitel zu den Grundlagen der Phytotherapie.

Der „Leitfaden Phytotherapie“ eignet sich auch sehr gut für die Argumentation gegenüber Medizinerinnen und Medizinern – nicht nur vom seriösen Inhalt her, sondern auch weil es vom einem bekannten medizinischen Fachverlag herausgegeben wird.

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Buchtipp: „Aromatherapie“ von Wabner / Beier

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Das Buch “Aromatherapie” von Dietrich Wabner und Christiane Beier (Hrsg.) – soviel gleich vorneweg – ist von allen mir bekannten Aromatherapie-Büchern am Fundiertesten.

Das Buch enthält unter anderem:

– Eine Einführung in die Grundlagen der Aromatherapie, zum Beispiel: Herstellung von ätherischen Ölen, Qualitätsrichtlinien, Standards und Reinheit. Chemische Stoffklassen, Toxikologie und Nebenwirkungen von ätherischen Ölen, Wirkungen und Wirkprinzipien, Riechen und Geruchssinn. Anwendungsformen der ätherischen Öle (Innerlich, nasal, über die Haut). Handhabung, Aufbewahrung und Haltbarkeit von ätherischen Ölen.

– Auf 148 Seiten werden anschliessend die wichtigen ätherischen Öle, Hydrolate und fetten Öle detailliert vorgestellt mit ihren Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten.

– Ausführlich behandelt werden dann die wichtigen Indikationen und Anwendungsgebiete von ätherischen Ölen wie:
Erkrankungen des Verdauungstraktes
HNO-Erkrankungen und Erkrankungen der Atemwege
Herz-Kreislauf- und Gefässerkrankungen
Erkrankungen der Harnblase und Harnwege
Orthopädie und Rheumatologie
Gynäkologie
Hauterkrankungen
Schmerzen
Psychosomatische Störungen und psychische Erkrankungen

In allen Bereichen werden die relevanten ätherischen Öle genannt und zahlreiche Mischungen vorgestellt.

– Es folgt die Anwendung von Aromatherapie in verschiedenen speziellen Terrains:

Aromatherapie in der Pädiatrie

Aromatherapie in der Geriatrie und bei schwerkranken Patienten

Aromatherapie im Hospiz und in der Palliativmedizin

Aromatherapie in der Onkologie

Aromatherapie im Krankenhaus und in der Hebammenarbeit

Das Buch bietet eine Fülle von guten, nützlichen und fundierten Informationen, hat aber auch ein paar Schwächen:
– An einigen Stellen werden Wirkungen, die von Heilpflanzen-Präparaten wie Kräutertee oder Extrakten her bekannt sind, unbesehen auf die entsprechenden ätherischen Öle übertragen. Das geht so nicht, weil in einer Heilpflanze meistens neben den ätherischen Ölen noch weitere Wirkstoffe vorhanden sind wie Flavonoide, Gerbstoffe oder Bitterstoffe.

– Immer wieder findet man sehr vage Ausdrücke wie “stärkend”, “stabilisierend”, “leberwirksam”. Das ist unbefriedigend. Eine stabilisierende Wirkung, wer kann das nicht schon brauchen? Leberwirksam, das sagt nichts konkretes aus.

– Die angegebenen Wirkeigenschaften sind nur zum Teil durch Studien gestützt und zum Teil schlicht unglaubwürdig, so zum Beispiel die Angabe “lipolytisch” (“fettlösend”) bei Grapefruitöl und die daraus abgeleitete Indikation Zellulite.

– Die Quellenangaben sind oft nicht aufgeführt, was es schwieriger macht, die Angaben auf ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen.

Alle drei Schwach-Punkte findet man allerdings regelmässig bei den meisten Aromatherapie-Büchern.

Das Buch verspricht auf dem rückseitigen Klappentext “fundierte und studiengestützte Informationen”. Diesen Anspruch erfüllt es nur zum Teil.
Aber wie schon am Anfang erwähnt: Alles in allem das fundierteste mir bekannte Aromatherapie-Fachbuch – gut geeignet für Aromapflege und für die Phytotherapie, in der auch ätherische Öle eingesetzt werden.

Sie können dieses Aromatherapie-Buch anschauen und auch bestellen im Phytotherapie-Buchshop.

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Urologen erforschen Phytopräparat mit drei Heilpflanzen

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Ein Heilpflanzen-Präparat mit Tausendgüldenkraut, Liebstöckelwurzel und Rosmarinblättern gegen Harnwegsinfekte und Reizblase wird weiter erforscht. Im Brennpunkt: die Urolithiasis, also das Harnsteinleiden.

Unterstützend bei Harnwegsinfekten und Reizblase – so wird das Heilpflanzen-Präparat entsprechend seiner Indikationen angewandt. Es besteht aus Extrakten von Tausendgüldenkraut, Liebstöckelwurzel und Rosmarinblättern. Über diese Anwendungsbereiche hinaus habe das Mittel nach Untersuchungen aus Osteuropa ein sehr weites Wirkspektrum, so der Moskauer Urologe Professor Alexander Amosov bei einem Symposium des Herstellers auf Mallorca. Im Fokus hauptsächlich: die Urolithiasis.

Amosov hat das Heilpflanzen-Präparat bei Patienten mit Harnsteinleiden in mehreren Studien getestet. Seine Schlussfolgerung: Das Phytopharmakon eignet sich sehr gut zur Unterstützung während einer urolytischen Behandlung. Es begünstigt den Abgang der Steinfragmente, verlängert die Remissionsphase deutlich und bewirkt positive metabolische Veränderungen. Amosov empfiehlt das Heilpflanzen-Präparat darum auch zur Metaphylaxe (therapeutische Nachbehandlung bzw. “Nachsorge” eines Patienten nach überstandener Krankheit).

Die Metaphylaxe bei chronischem Harnsteinleiden ist auch Thema anderer Wissenschaftlergruppen in Osteuropa. So haben Kollegen um Professor Asilbek Gaybullaev aus Taschkent in Usbekistan aus einer derzeit noch laufenden Studie Hinweise gewonnen, dass eine Langzeitbehandlung mit dem Heilpflanzen-Präparat bei Urolithiasis einen günstigen Einfluss auf die Zusammensetzung des Urins hat und somit der weiteren Steinbildung vorbeugen kann. In der Studie haben von insgesamt 50 Urolithiasis-Patienten 32 über vier Monate lang das Phytotherapeutikum in Tropfenform erhalten. Nach den bisherigen Ergebnissen, so Gaybullaev, sei mit der Phytotherapie beispielsweise die Kristallurie signifikant geringer als ohne. Gleiches gelte für die Oxalurie, der pH-Wert des Harns sei mit der Phytotherapie auf den Wert bei Gesunden gestiegen. Auch die Urinausscheidung sei im Vergleich zum Ausgangswert um elf Prozent gestiegen.

Professor Viachaslau Vaschula aus Minsk wies darauf hin, dass zur Metaphylaxe bei Urolithiasis eine zugleich harntreibend wirkende, nierenschützende, antimikrobielle, krampflösende, entzündungshemmende und antioxidative Behandlung wünschenswert sei. All diese Effekte deckten die drei Arzneipflanzen in dem Phytopharmakon ab. Er empfiehlt das Heilpflanzen-Präparat darum für alle Patienten mit Urolithiasis, unabhängig von den ätiologischen und pathogenetischen Faktoren.

Auch in der Pädiatrie (Kinderheilkunde) wird das Mittel angewandt. Hier gehen die Forschungen jedoch in eine ganz andere Richtung. Professor Danylo Seimivskiy, pädiatrischer Urologe aus der Ukraine, hat in einer Studie mit 62 Säuglingen (drei bis 18 Monate alt) festgestellt, dass eine 12- bis 14-wöchige Behandlung mit dem Phytopharmakon eine hyperaktive Blase beruhigen und so einem vesikouretralen Reflux vorbeugen kann. Dabei hat sich das Heilpflanzen-Präparat als gute Alternative zu einem synthetischen Spasmolytikum erwiesen.

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Der Bericht auf www.aerztezeitung.de über die Pressekonferenz eines Phytopharmaka-Herstellers wurde von mir leicht überarbeitet ohne inhaltliche Veränderung und dabei habe ich auch einige medizinische Fachwörter in normale Sprache übersetzt. Für Leute ohne Kenntnis der medizinischen Ausdrucksweise dürfte er zum Teil immer noch schwer verständlich sein.

Der Bericht löst bei mir ziemlich viel Skepsis aus.

Diesem Heilpflanzen-Präparat werden nach meiner Einschätzung etwas gar zu viele Wirkungen und sehr unterschiedliche Anwendungsbereiche zugeschrieben. Dem stehen ausgesprochen vage Angaben gegenüber, wie denn genau diese Erkenntnisse gewonnen wurden. Auch scheint es so, dass all diese Studien in keiner Fachzeitschrift publiziert worden sind, was eine unabhängige Kontrolle darstellen würde.

Die Aneinanderreihung von Professorentitel und entsprechender professoraler Zitate reicht nicht für die Erlangung von Glaubwürdigkeit. Zumal die Phytotherapie-Fachliteratur zu den Heilpflanzen Liebstöckel, Tausendguldenkraut und Rosmarin die beanspruchten Wirkungen nur zum kleinen Teil bestätigt.

Dass die Phytotherapie-Fachliteratur die postulierten Wirkungen und Anwendungsbereiche nur zum kleinen Teil stützt, heisst aber natürlich noch nicht, dass die darüber hinaus gehenden Effekte nicht trotzdem existieren könnten. Phytotherapie ist ein offenes System, in das immer wieder auch neue Erkenntnisse einfliessen.

Aber bei so weiten Indikationsansprüchen in Kombination mit sehr vagen Angaben zu den durchgeführten Studien und weitgehend fehlender Stützung durch die Phytotherapie-Fachliteratur ist eine gesunde Portion Skepsis angebracht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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