Beiträge

Brustkrebs: Akupunktur kann Nebenwirkungen der Hormontherapie lindern – Scheinakupunktur aber auch

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Lassen sich die Nebenwirkungen einer Hormontherapie bei Brustkrebs durch Akupunktur lindern? Dieser Frage ging eine Studie der University of Maryland School of Medicine in Baltimore nach.

Eine Akupunktur kann bei Brustkrebs die klimakterischen und andere Nebenwirkungen einer Behandlung mit Aromatase-Inhibitoren vermindern. In einer randomisierten klinischen Studie, die in Cancer (2013; doi: 10.1002/cncr.28352) publiziert wurde, zeigte allerdings auch eine Scheinakupunktur eine ähnlich gute Wirkung.

Zahlreichen postmenopausalen Patientinnen mit östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs wird im Anschluss an die Operation eine Hormontherapie verordnet.

Deren Ziel liegt in der Ausschaltung von Östrogenen als Wachstumsfaktoren für Krebszellen.

Aromatase-Inhibitoren sind dabei im Allgemeinen verträglicher als das Antiöstrogen Tamoxifen. Klimakterische Beschwerden lassen sich bei dieser antiöstrogenen Therapie nicht vermeiden. Viele Patientinnen leiden bei einer Behandlung mit Aromatase-Inhibitoren unter Ängstlichkeit und Depressionen. Dazu können noch Gelenkbeschwerden kommen. Sie sind ein häufiger Auslöser für einen vorzeitigen Therapie­abbruch.

Die Wissenschaftler um Ting Bao von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore haben in einer Studie untersucht, ob eine Akupunktur die Beschwerden dieser Frauen reduzieren kann. Insgesamt 47 postmenopausale Patientinnen mit einem östrogenrezeptorpositiven Brustkrebs wurden auf eine echte und eine Scheinakupunktur randomisiert ( = per Zufallsentscheid in Akupunktur-Gruppe oder Scheinakupunktur- Gruppe eingeteilt).

Bei den Probandinnen der Scheinakupunktur-Gruppe wurde die Nadel nicht eingestochen. Es kommt gemäss Bao jedoch zu einer Empfindung auf der Haut, die für die Patientinnen nicht von einer echten Akupunktur unterscheidbar ist.

Im Frühjahr hatte das Team in Breast Cancer Research and Treatment (2013; 138 167-174) schon erste Resultate der Studie präsentiert. Beide Therapien linderten die Gelenkbeschwerden der Frauen und reduzierten die Konzentration von Interleukin-17, einem Signalmolekül von T-Zellen, signifikant. Nach den nun präsentierten Resultaten, linderten die acht Therapien in wöchentlichem Abstand auch die klimakterischen Beschwerden, die Ängstlichkeit und die Depressionen.

Die Wissenschaftler halten die Therapie für eine Alternative zur Verordnung von Antidepressiva, durch welche die Patientinnen durch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Obstipation, Mundtrockenheit und Schläfrigkeit belastet werden. Die Akupunktur habe dagegen keine störenden Nebenwirkungen, erklärt Ting Bao.

Die Gleichwertigkeit von Akupunktur und Scheinakupunktur deutet allerdings darauf hin, dass die Therapie hauptsächlich eine Placebowirkung erzielt. Weil der Studie eine dritte Vergleichsgruppe ohne Akupunktur fehlte, bleibt offen, welcher Anteil der Placebowirkung auf die Akupunktur und welcher auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass die betroffenen Frauen durch die Therapie eine besondere Aufmerksamkeit bekamen.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/57049/Mammakarzinom-Akupunktur-kann-Nebenwirkungen-der-Hormontherapie-lindern

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/cncr.28352/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Studie. In den letzten Jahren sind einige Akupunkturstudien publiziert worden, die der Akupunktur eine Wirkung bescheinigten, der Scheinakupunktur aber auch.

Dazu kommt noch die Gerac-Studie, die eine Wirksamkeit der Akupunktur bestätigte, aber auch eine Wirksamkeit fand an Punkten, die nicht im Chinesischen System vorgesehen sind:

„Die dreiarmigen Studien verglichen an insgesamt 3500 Patienten eine Akupunktur an chinesischen Akupunkturpunkten (Verum) mit einer Akupunktur an nicht chinesischen Punkten (Sham) und einer konventionellen Therapie. Hierbei zeigte sich, dass etwa 11 Akupunkturbehandlungen innerhalb von 6 Wochen der konventionellen Standardtherapie bei chronischem Kniegelenksarthroseschmerz und bei chronischem Kreuzschmerz überlegen war. Bei Migräne war der Therapieerfolg einer Akupunktur über 6 Wochen mindestens so hoch wie derjenige einer 6 monatigen prophylaktischen medikamentösen Therapie, mit täglicher Einnahme von Betablockern. Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Akupunkturformen Verum und Sham konnte, wie in vielen anderen Studien auch, in keiner der Studien gezeigt werden.“

Quelle: Wikipedia

An diesem Punkt stellt sich die interessante Frage nach der Bedeutung der chinesischen Meridiane und Punkte. Wie kommt die Wirkung der Akupunktur zustande, wenn die Meridiane und die Akupunkturpunkte offensichtlich nicht wesentlich sind? – Neben Kontextfaktoren wie Ritual, Zuwendung und Erwartungshaltung könnte vor allem für die Schmerzlinderung durch Akupunktur Vorgänge der Gegenstimulation eine Rolle spielen:

„Bei akuten Schmerzen wenden Sie unwillkürlich Methoden an, die Ärzte als Gegenstimulation bezeichnen. Wenn Sie sich z. B. gestoßen haben, reiben Sie intuitiv die Haut in der Nähe des schmerzenden Körperteils.

Auch bei Kindern hilft dieser Trick: Kleine Verletzungen sind schnell vergessen, wenn Mutter oder Vater mehrmals über die Haut pusten oder streichen…….Um akute Schmerzen durch Gegenstimulation zu unterdrücken, haben sich in der medizinischen Praxis folgende Methoden bewährt:

– Der Chirotherapeut wendet gezielte Handgriffe und ruckartige Bewegungen an, um Blockaden oder Verspannungen in Wirbeln und Gelenken zu lösen.

– Mit Hilfe der Akupunktur lindert man Schmerzen, indem man bestimmte Hautpunkte mit feinen Nadeln reizt.

Massagen fördern die Durchblutung und tragen zur Entspannung bei.“

(Quelle: http://www.schmerz.de/schmerz/akute-schmerzen/)

 

Man spricht auch von Counterirritation oder Gegenreiz (siehe dazu Text auf Wikipedia)

Der Medizinhistoriker und Sinologe Paul U. Unschuld hat bereits fundiert dargelegt, dass das Konzept der traditionellen chinesischen Medizin soziomorph ist, sich also vom System des chinesischen Kaiserreichs ableitet, und in diesem Sinne nicht im Körper verankert ist.

Unschuld hat das beschrieben in seinem Buch

„Was ist Medizin – westliche und östliche Wege der Heilkunst

Siehe auch Artikel im Tagesanzeiger:

Die Traditionelle Chinesische Medizin ist in Wirklichkeit ein Kunstprodukt

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Antidepressiva schädigen möglicherweise Spermien

Diesen Artikel teilen:

Nehmen Männer Antidepressiva vom Typ selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) ein, kann dadurch die Qualität ihrer Spermien beeinträchtigt werden. Nach dem Absetzen dieser Medikamente erholt sich die Spermienqualität allerdings wieder.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat nun vorgeschrieben, dass die Produzenten SSRI-haltiger Präparate in Fach- und Gebrauchsinformation auf diese unerwünschte Nebenwirkung hinweisen müssen. Von dieser Regelung betroffen sind die Wirkstoffe Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin und Sertralin. Die Vorschrift tritt am 1. Juli 2013 in Kraft.

Das BfArM setzt damit eine Empfehlung der Pharmakovigilanz-Arbeitsgruppe des Ausschusses für Humanarzneimittel der europäischen Arzneimittelagentur EMA um. Dieser Ausschuss fand in tierexperimentellen Studien Hinweise darauf, dass selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer die Spermienqualität schädigen können. Dies könne theoretisch die Zeugungsfähigkeit vermindern, ein Einfluss auf die Fruchtbarkeit beim Menschen sei allerdings bisher nicht beobachtet worden. SSRI haben darüber hinaus noch weitere Nebenwirkungen, welche die Fortpflanzungsfähigkeit von Männern einschränken können Es kann zu einem Verlust der Libido und zu erektiler Dysfunktion kommen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46482&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang: Johanniskrautextrakt als gut dokumentiertes Antidepressivum der Phytotherapie führt nicht zum Verlust der Libido und auch nicht zu erektiler Dysfunktion. Es gibt auch keine Hinweise auf eine Schädigung der Spermien durch Johanniskraut und eine solche Nebenwirkung wäre auch nicht plausibel.

Johanniskraut eignet sich allerdings nicht  für jede Depression, insbesondere in schweren Fällen reicht Johanniskraut nicht. Und auch bei Johanniskraut gibt es eine unerwünschte Nebenwirkung – die Erhöhung der Lichtempfindlichkeit (Photosensibilität), die aber in der Praxis nur sehr selten zu Problemen führt. Und es sind Wechselwirkungen mit bestimmten anderen Medikamenten zu beachten (z. B. Digoxin, Marcoumar, Immunsuppressiva, Östrogene, gewisse HIV-Medikamenten und Chemotherapeutika).

Alles in allem ist aber Johanniskrautextrakt eine beachtenswerte Option bei leichten bis mittelschweren Depressionen.

Siehe auch:

Johanniskrautpräparate gegen Depressionen

Phytotherapie: Johanniskrautextrakt gegen Depressionen

Johanniskraut: Jarsin, Solevita, Hyperiplant, Rebalance, Hyperimed, Lucilium, Hypericum mepha als Präparate in der Grundversicherung

Phytotherapie: Wirkungsmechanismen von Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Zur Studienlage: Johanniskraut bei Depressionen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Petersilientee unterstützt die Entgiftungsarbeit der Leber…

Diesen Artikel teilen:

…schreibt die österreichische Zeitung „Der Standard“ in einem Beitrag über die Wirkung der Frühlingskräuter:

„Ein Bund Petersilie enthält mehr Vitamin C als ein halbes Kilo Orangen. Petersilie unterstützt auch die Entgiftungsarbeit der Leber, regt die Verdauung an und wirkt gegen Blähungen. Was kaum bekannt ist: Petersilientee ist stark harntreibend.“

Quelle:

http://derstandard.at/1363711122225/Die-Wirkung-der-Fruehlingskraeuter

Kommentar & Ergänzung:

Nirgendwo in der Phytotherapie-Fachliteratur finde ich einen Hinweis darauf, dass Petersilie die „Entgiftungsarbeit der Leber“ unterstützt.

Wenn ein Autor oder eine Autorin eine derart ausgefallene Behauptung aufstellt, dann müsste er oder sie begründen, wie er oder sie darauf kommt.

Nur so lässt sich die Glaubwürdigkeit einer solchen Aussage einschätzen.

Es gibt tatsächlich Heilpflanzen, welche die Entgiftungsarbeit der Leber aktivieren.

Das bekannteste Beispiel ist Johanniskraut (Hypericum perforatum). Es aktiviert in der Leber ein Enzym, das gewisse Fremdstoffe abbaut.  Dazu gehören auch gewisse Medikamente, zum Beispiel Digoxin, Marcoumar, Östrogene (Antibaby-Pille), Immunsuppressiva, gewisse Chemotherapeutika und HIV-Medis. Sie werden bei gleichzeitiger Johanniskrauteinnahme schneller abgebaut.

Es treten hier also konkrete Interaktionen (Wechselwirkungen) auf, die beachtet werden müssen.

Sollte Petersilie also die Entgiftungsarbeit der Leber ebenso anregen – wovon ich nicht ausgehe – dann müsste man konkret angeben können, welches Enzymsysteme aktiviert und welche Fremdstoffe dadurch rascher abgebaut werden. Dann müssten auch allfällige Interaktionen thematisiert werden, beispielsweise durch den Hinweis, bei welchen Medikamenten eine gleichzeitige Einnahme von Petersilie zu unterlassen ist.

Davon steht aber nichts im Artikel des „Standard“. Entweder werden hier Interaktionen fahrlässig unterschlagen oder das Ganze ist nicht so ernst zu nehmen……

Was stimmt im Zitat aus dem „Standard“ ist, dass Petersilientee harntreibend wirkt. Genauer: Es wird vermehrt Wasser ausgeschieden.

Ob das so generell sinnvoll und gesund ist, wäre allerdings eine noch zu klärende Frage. Zumal der harntreibende Effekt der Petersilie über eine Reizwirkung des ätherischen Öls auf die Nieren zustande kommt.

Petersilienöl enthält als Hauptbestandteile Apiol, Myristicin und Allyltetramethoxybenzol.

Reines Apiol kann in höheren Dosen abortiv wirken (= Fehlgeburt auslösend). Myristicin wird für erregende und rauschähnliche Zustände nach Einnahme von Petersilienöl in grösseren Mengen verantwortlich gemacht.
Petersilienöl in hohen Dosen kann das Nierenepithel schädigen.
Bei normaler Anwendung von Petersilie als Gewürz oder moderater Anwendung von Petersilientee aus Petersilienkraut sind Vergiftungen allerdings nicht zu befürchten. Langzeitanwendungen von Petersilientee sollten allerdings vermieden werden, die Anwendung von isoliertem Petersilienöl sowieso.

Panikmache bezüglich Einnahme von Petersilie ist also nicht angebracht, aber ebenso wenig die naive Empfehlung als Entgiftungsmittel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Koffein verstärkt PMS-Symptome

Diesen Artikel teilen:

Koffein verschlimmert die Beschwerden eines prämenstruellen Syndroms (PMS) deutlich. Frauen die unter PMS leiden, sollten deshalb auf Kaffee und andere koffeinhaltige Getränke wie Cola verzichten. Vermieden werden sollten möglichst auch Tee, Alkohol und Salz.

Koffein verstärke PMS-Beschwerden um ein Vielfaches, erklären Fachleute der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Das unangenehme Spannen in der Brust, ein häufiges PMS-Symptom – lasse sich lindern, wenn weniger Flüssigkeit als üblich getrunken wird.

Betroffene Frauen sollen zudem gegen typische PMS-Symptome wie Gereiztheit oder Erschöpfung nicht mit schnell resorbierbaren Kohlenhydraten wie Süßigkeiten angehen. Vielmehr lindere eine fettarme und betont vitaminreiche Ernährung Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, Hautunreinheiten, Verdauungsstörungen und Appetitstörungen oder Wassereinlagerungen. Hauptsächlich fettreicher Fisch und Lebensmittel mit Kalzium, Vitamin D und Vitamin B6 sollten häufig auf dem Speiseplan stehen. Die Fachleute raten zudem mindestens dreimal wöchentlich sportliche Aktivitäten auszuüben und für ausreichenden Schlaf zu sorgen.

Wenn Schmerzen oder PMS-Beschwerden zu stark sind, könne entweder Mönchspfeffer in genügend hoher Dosierung helfen oder hormonelle Verhütungsmittel mit einer Kombination aus einem Östrogen- und einem Gestagenanteil.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Koffein-foerdert-PMS-Symptome-article5641601.html

Kommentar & Ergänzung:

Der erwähnte Mönchspfeffer ( Keuschlamm, Vitex agnus-castus) ist die wichtigste Heilpflanze der Phytotherapie bei Prämentstruellem Syndrom (PMS).

Hier eine Zusammenfassung der medizinisch anerkannten Anwendungsbereiche:

„Bei Regeltempoanomalien (unregelmäßige Menstruation), prämenstruellen Beschwerden und Mastodynie (schmerzende Brüste) (Kommission E); beim prämenstruellen Syndrom einschließlich Spannungsgefühl und Schmerzen in den Brüsten; außerdem bei Menstruationsstörungen wie zu häufigen, zu wenigen oder fehlenden Regelblutungen (ESCOP).
Das HMPC hat für Mönchspfefferfrüchte die Anwendung beim prämenstruellen Syndrom als ‚medizinisch allgemein anerkannt’ („well-established medicinal use“) akzeptiert;…“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/moenchspfeffer.php

Wichtig ist wie immer in der Phytotherapie die Wahl der optimalen Arzneiform:

Mönchspfeffertee ist unüblich und ungeklärt bezüglich Wirksamkeit. Mit Mönchspfeffertinktur werden in den üblichen Dosierungen mit grösster Wahrscheinlichkeit nur ungenügende Wirkstoffmengen zugeführt.

Gut dokumentiert bezüglich Wirksamkeit sind nur Mönchspfefferpräparate auf der Basis von Trockenextrakt.

In der Schweiz sind dies vor allem:

Agnolyt Kapseln (Max Zeller Söhne AG)

Agnus-castus Mepha (Mepha Pharma AG)

Emoton (Tentan AG)

Ophrane (Vifor SA)

Prefemine (Max Zeller Söhne AG)

Premens (Zeller Medical AG)

Folgende Hinweise sind bei der Anwendung von Mönchspfeffer-Präparaten zu beachten:

„Frauen mit einem östrogen-sensiblen Tumor müssen vor der Behandlung mit Mönchspfefferfrüchten um ärztlichen Rat fragen. Dies gilt auch für Frauen, die Dopaminagonisten, Dopaminantagonisten, Östrogene und Antiöstrogene einnehmen (mögliche Interaktionen), sowie für Frauen mit einer Hypophysenstörung in der Krankheitsgeschichte. Bei Prolactin-produzierenden Tumoren der Hypophyse besteht die Gefahr der Maskierung von Tumorsymptomen.
Für die Einnahme von Mönchspfefferfrüchten während der Schwangerschaft besteht keine Indikation; während der Stillzeit wird von der Einnahme von Mönchspfefferfrüchten abgeraten, da dadurch die Milchbildung beeinflusst werden kann. Für Anwendung bei Jugendlichen unter 18 Jahren und Kindern liegen noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vor.“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/moenchspfeffer.php

Siehe auch:

Zyklusstörungen  –  häufig genügt Mönchspfeffer-Extrakt

Mönchspfeffer bei prämenstruellem Syndrom

Phytotherapie: Prämenstruelles Syndrom: Mönchspfeffer oft wirksam

Prämenstruelles Syndrom (PMS): Bewegung hilft – Heilpflanzen auch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen

Diesen Artikel teilen:

Patienten sollten vor einer Operation mitteilen, welche pflanzlichen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel sie einnehmen. Solche Präparate können zu schwer wiegenden Wechselwirkungen (Interaktionen) führen, schreiben US-amerikanische Forscher im Fachblatt «Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons» (Band 19, Ausgabe 10, Seite 634-643). In einem Review untersuchten die Wissenschaftler mehrere Studien zu der Problematik. Sie gehen davon aus, dass 35 – 70 Prozent der orthopädischen Patienten, oft aufgrund ihrer Schmerzen, auf alternative Mittel zurückgreifen – ohne dass ihr Arzt davon weiß.

Beispielsweise kann Baldrian die Wirkung der Narkosemittel steigern. Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskraut, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Ingwer und der Kran- oder Moosbeere (Cranberry, Vaccinium ssp.) beeinflussen das in den USA oft verschriebene Antikoagulanz Warfarin. Bei Mutterkraut, Ingwer und Ginkgo können mit der blutverdünnenden Wirkung von Acetylsalicylsäure Interaktionen entstehen. Johanniskraut und Knoblauch können die Wirkung immunsuppressiver Arzneistoffe vermindern und im schlimmsten Fall zur Abstoßung von Organtransplantaten führen.

Speziell für Osteoarthritis vermarktete Produkte können die ärztlich verordnete Behandlung stören: Glucosamine und Chondroitin können die Wirkung von Antikoagulanzien beeinflussen. Präparate aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wechselwirken mit dem Krebsmittel Tamoxifen. Katzenkralle (Uncaria tomentosa) tritt mit Gerinnungshemmern, Antihypertensiva und Ciclosporin in Interaktion.

Gerade das Etikett «natürlich» oder «homöopathisch» verleite Patienten zu der Ansicht, solche Mittel könnten nichts schaden. Apotheker sollten beim Verkauf solcher Präparate aber auf mögliche Interaktionen hinweisen, hauptsächlich wenn den Patienten eine Operation bevorsteht. Der Arzt sollte über die Einnahme informiert werden; umgekehrt sollten die Mediziner aktiv nachfragen. Die Forscher raten, die pflanzliche Selbstmedikation mindestens ein bis zwei Wochen vor der Operation abzusetzen und mit den Präparaten zu pausieren, solange Blutverdünner und Antibiotika eingenommen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39707&Nachricht_Title=Nachrichten_Phytopharmaka%3A+Interaktionen+bei+Operationen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Klar ist, dass Wechselwirkungen zwischen Heilpflanzen-Präparaten und anderen Medikamenten vorkommen und beachtet werden müssen.

Die Warnungen vor solchen Interaktionen sind aber oft von fragwürdiger Qualität, die Aussagen vage und spekulativ. Im Beitrag der „Pharmazeutischen Zeitung“ sind relevante Interaktionen und hochgradige Spekulation wild gemischt.

So ist beispielsweise die Wechselwirkung  zwischen Johanniskraut und Immunsuppressiva  sehr relevant und ernst zu nehmen. Wenn aber gewarnt wird vor Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen, dann liegt dem wohl die Annahme zugrunde, dass Traubensilberkerze Phytoöstrogene enthält, damit die antiöstrogene Wirkung von Tamoxifen beeinträchtigt und infolgedessen durch Steigerung von Zellwachstum und Zellvermehrung das Brustkrebsrisiko steigert.

Traubensilberkerze enthält aber nach neueren Untersuchungen keine Phytoöstrogene:

„In früheren Jahren glaubte man, dass auch Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze SERMs enthalten. Heute wissen wir, dass diese Extrakte keine Östrogene, also auch keine SERMs enthalten. Die ohne Zweifel vorhandenen positiven Effekte auf klimakterische Beschwerden werden über nachgewiesene dopaminerge und serotoninerge Prinzipien erklärbar, die im Hypothalamus – dem Ort der Entstehung von Hitzewallungen – wirken.“

(Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 6 / 2010).

Nach Hänsel / Sticher (2010) haben In-vitro-Untersuchungen gezeigt, dass Traubensilberkerzen-Extrakte u. a. die durch Östrogene induzierte Proliferation von humanen östrogenrezeptorpositiven Brustkrebszelllinien (T47D und MCF-7) hemmen. Die antiproliferative Wirkung des Traubensilberkerzen-Extraktes sei vergleichbar gewesen mit derjenigen des Östrogenrezeptorantagonisten Tamoxifen.

(in: Pharmakognosie Phytopharmazie, Springer Verlag 2010)

Das heisst: Neuere Untersuchungen zeigen, dass Cimicifuga-Extrakt Wachstum und Vermehrung dieser Brustkrebszellen nicht steigert und möglicherweise sogar ähnlich wie Tamoxifen schützend wirkt. Allerdings sind das Laboruntersuchungen und Langzeitstudien mit Patientinnen fehlen.

Aber diese Fakten zeigen, dass der simple Warnhinweis auf Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen der komplexen Situation nicht gerecht wird und wohl auch nicht stimmt.

Man könnte nun alle oben aufgeführten Interaktionen solcherart unter die Lupe nehmen und würde wohl in der Mehrzahl der Fälle ähnlich komplexe Situationen antreffen.

Mir fällt auf – oder täusche ich mich da? – dass immer wieder in den Medien gewarnt wird vor Wechselwirkung zwischen bestimmten Heilpflanzen und synthetischen Medikamenten. Kaum je Thema in den Medien sind konkrete Warnungen von Wechselwirkungen bei synthetischen Medikamenten, wo solche Probleme natürlich auch vorkommen.

So entsteht der falsche Eindruck, Phytopharmaka seien punkto Wechselwirkungen besonders problematisch. Das stimmt nicht.

Ich will daraus nun aber nicht eine Verschwörungstheorie basteln und eine Geheimaktion der Pharmaindustrie dahinter wittern.

Ein Grund spricht nämlich schon dafür, dass explizit vor Wechselwirkungen bei Heilpflanzen-Präparaten gewarnt wird, nämlich dass viele Leute gar nicht daran denken, dass „natürliche Produkte“ solche Effekte zeigen können.

Erwarten könnte man aber, dass solche Warnungen differenziert geäussert werden und fachlich auf dem Stand des Wissens sind. Das ist oft leider nicht der Fall.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Menopause – kein Herzkreislaufrisiko

Diesen Artikel teilen:

Die inzwischen weitgehend verlassene Hormonersatztherapie basierte auf der Annahme, dass die Menopause das Herzkreislaufrisiko von Frauen steigert. Dies wird jetzt von einer Studie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2011; 343: d5170) bezweifelt.

Die geringe Zahl von Herzinfarkten bei jüngeren Frauen verglichen mit gleichaltrigen Männern wurde in der Vergangenheit mit einer protektiven Wirkung der Östrogene erklärt. Dies war ein bedeutendes Argument für die Hormonersatztherapie, die diese Schutzwirkung nach den Wechseljahren erhalten sollte.

Dass dieser Ratschlag, der sich auf die Resultate von zweifelhaften Beobachtungsstudien gründete, schlichtweg falsch war, haben ab dem Jahr 2002 die nach und nach eintreffenden Ergebnisse der Women’s Health Initiative klar gemacht. Die Frauen erkrankten nicht seltener, sondern häufiger an Herzinfarkten, wenn sie die Hormone substituierten, die vor der Menopause in den Eierstöcken gebildet wurden. Dass unter der Hormonersatztherapie außerdem das Brustkrebsrisiko sich erhöhte, hätte man eigentlich vorhersehen müssen, da die Hormone schließlich als Wachstumsfaktoren für das rezeptorpositive Mammakarzinom bekannt waren.

Doch weshalb sterben Frauen nach der Menopause häufiger an Herzinfarkten? Die Antwort, die Dhananjay Vaidya von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore nach der Analyse der Sterberegister in England, Wales und den USA fand, lautet einfach: Das Alter. Wer hätte das gedacht: Frauen sind nach der Menopause älter als vorher und mit jedem Lebensjahr steigt die Herzinfarktmortalität bei Frauen um fast 8 Prozent.

Dass Männer in den 40er-Lebensjahren häufiger von Herzinfarkten betroffen sind liegt laut Vaidya an einem steilen Anstieg der Mortalität vor dem 45. Lebensjahr, wo die Zahl der Herzinfakttodesfälle sich um bis zu 30 Prozent pro Jahr erhöht.

Nach dem 45. Lebensjahr kommt es zu einer starken Verringerung des Anstiegs auf 5,2 Prozent pro Jahr. Dadurch werden sich Männer und Frauen betreffend Herzinfarkt ähnlicher, ohne dass hierbei Hormone eine Rolle spielen. Eine mit der Menopause der Frau vergleichbare „Andropause“ des Mannes gibt es als punktuelles Ereignis jedenfalls nicht. Die Testosteronbildung sinkt bei Männern schon ab den 30er-Lebensjahren stetig.

Auch die Tatsache, dass die meisten Brustkrebserkrankungen nach der Menopause auftreten, kann leicht fehlinterpretiert werden. Auch hier gibt es laut den Resultaten von Vaidya eine „Entschleunigung“.

Vor den Wechseljahren erhöht sich die Sterberate um fast 19,3 Prozent pro Jahr, später aber nur noch um 2,6 Prozent. Es liegt nahe, diese Entwicklung auf den Wegfall der Bildung krebsfördernder Hormone in den Ovarien zurückzuführen.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47241/Menopause_kein_kardiales_Risiko.htm

http://www.bmj.com/content/343/bmj.d5170.abstract

Kommentar & Ergänzung:

Diese im BMJ publizierte Studie bestätigt einmal mehr, auf welch fragwürdigen Vorannahmen die jahrzehntelang gängige Hormonersatztherapie gründete. Die jahrzehntelange fast „flächendeckende“ Behandlung von Frauen in den Wechseljahren mit einer „Hormonersatztherapie“, die wenig Nutzen hat und sogar das Risiko für gewisse Formen von Brustkrebs  steigert, ist sehr kritikwürdig.

Allerdings muss man – um nicht in tumbe, einseitige Feindbilder zu verfallen – dem medizinisch-wissenschaftlichen System zugute halten, dass es über ein Instrumentarium verfügt, um solche fundamentalen Irrtümer  (mit der Zeit) aufzudecken. Auch wenn dies im Falle der Hormonersatztherapie lange – zu lange – gedauert hat.

Beobachtungsstudien und klinische Studien haben nach und nach Risiken dieser Behandlung aufgezeigt und den versprochenen Nutzen in Frage gestellt.

Heute werden Vorteile und Nachteile einer Hormonersatztherapie differenzierter dargestellt.

Die Fähigkeit, Irrtümer mittels Studien zu korrigieren – auch wenn es manchmal lange dauert – ist ein wesentlicher Grund für Fortschritte in der Medizin.

Das ist ein Vorteil der Medizin gegenüber vielen Konzepten der Komplementärmedizin, die sich aufgrund von Dogmatisierungen (z. B. durch Gründerfiguren, Gurus) sehr schwertun mit der kritischen Überprüfung von tradierten Glaubenssätzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

DFG unterstützt Forschung zu Soja-Isoflavonen

Diesen Artikel teilen:
Soja-Isoflavone sind als Nahrungsergänzungsmittel im Handel und werden mit günstigen Effekten auf die Gesundheit beworben. Trotz intensiver Forschung in den letzten Jahren sind ihre Wirkungen bis heute aber unklar. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert nun vier eng aufeinander abgestimmte Forschungsvorhaben zu Soja-Isoflavonen mit total 1,2 Millionen Euro, um diese Wissenslücken zu füllen.
Ist es für die Wirkung der Isoflavone wichtig, ob sie in einer frühen oder späten Lebensphase aufgenommen werden? Welche Rolle spielen dabei westliche Lebensgewohnheiten, wie zum Beispiel ein hoher Anteil an Fett im Essen? Gibt es Wechselwirkungen zwischen Isoflavonen und den körpereigenen Östrogenen? Was muss bei der Übertragung von tierexperimentell gewonnenen Daten auf den Menschen beachtet werden? Beeinflussen Isoflavone epigenetische Mechanismen wie die Methylierung der DNA und verändern sie dadurch möglicherweise die Genexpression?
Solche und andere Fragen werden die Wissenschaftler, die alle über langjährige Erfahrungen auf diesem Gebiet verfügen, in den kommenden drei Jahren erforschen. Die am Forschungsprojekt beteiligten universitären und nicht-universitären Forschungseinrichtungen sind die Deutsche Sporthochschule Köln (Prof. Patrick Diel), die Technische Universität Dresden (Prof. Günter Vollmer), die Universität Würzburg (Prof. Leane Lehmann), das Deutsche Krebsforschungszentrum Heidelberg (Dr. Clarissa Gerhäuser und Prof. Christoph Plass) sowie das Max Rubner-Institut in Karlsruhe (Prof. Sabine Kulling zusammen mit Dr. Achim Bub und Prof. Bernhard Watzl).
Ihr interdisziplinäres und detailliert abgestimmtes Forschungskonzept soll es ermöglichen, die offenen Fragen aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu untersuchen, um so komplexe, bisher nicht beachtete Zusammenhänge verstehen zu können.
Die Senatskommission zur gesundheitlichen Beurteilung von Lebensmitteln (SKLM) der DFG verfolgt die Aktivität des Forschernetzwerkes mit großem Interesse und wird die Reslutate in ihre Beratungen einbeziehen.
Quellen:
Deutsche Sporthochschule Köln
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=34822
Kommentar & Ergänzungen:
Dieses Forschungsprojekt ist sehr zu begrüssen, weil es tatsächlich viele offene Fragen rund um die Themen Soja und Isoflavone gibt. Interessant an dieser Ankündigung ist vor allem, dass sie einige der offenen Fragen anspricht.
Isoflavone kommen auch in anderen Pflanzen vor wie zum Beispiel im Rotklee oder im Hauhechel. Soja ist aber die wichtigste Quelle.
Siehe auch:
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen
Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
Diesen Artikel teilen:

Atemnot mit sojareicher Ernährung reduzieren

Diesen Artikel teilen:

Menschen, die sich sojareich ernähren, leiden seltener an Atemnot, weil sie eine bessere Lungenfunktion haben. Darauf weisen die Lungenärzte der Deutschen Lungenstiftung (DLS) in Hannover hin. „Wer viel und häufig Sojaprodukte wie Tofu, Natto (vergorene Sojabohnen), Miso-Suppe (vergorene Sojabohnenpaste), Sojasprossen oder Sojamilch konsumiert, weist bessere Lungenfunktionswerte auf“, erklärt Prof. Harald Morr, Vorstandsvorsitzender der DLS. „Das hat z.B. eine Studie in Japan ergeben, die den Einfluss der Ernährungsweise auf die Lungenfunktion von über 600 COPD-Patienten und Gesunden untersucht hat. Die besten Ergebnisse erzielten diejenigen Personen, die pro Tag mehr als 75 Gramm reinen Sojas aßen. Doch auch schon mit mindestens 50 Gramm Soja auf dem täglichen Speisezettel lässt sich den Forschern zufolge das Risiko für eine Erkrankung an COPD und das Erleiden von Atemnot verringern.“

COPD häufig durch Rauchen verursacht

Unter Atemnot haben hauptsächlich Patienten mit einer schweren chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zu leiden. Das ist eine unheilbare entzündliche Erkrankung der Lunge, die unter anderem mit einem krankhaft beschleunigten Lungenfunktionsverlust einhergeht und zu 90 Prozent durch Rauchen ausgelöst wird. „Auf das Rauchen verzichten ist selbstverständlich der wichtigste Schritt, eine COPD zu vermeiden bzw. dem Fortschreiten dieser Erkrankung Einhalt zu bieten“, stellt Morr fest. „Darüber hinaus lässt sich offenbar aber auch mit einer sojareichen Ernährung der beschleunigte Verlust der Lungenfunktion abbremsen – und zwar auch bei Gesunden, deren Lungenfunktion altersbedingt ebenfalls (wenn auch sehr viel langsamer als bei COPD-Patienten) abnimmt. Bereits an COPD erkrankte Patienten sollten insofern weniger Atemnot erleiden, wenn sie sich sojareich ernähren. Gesunden bietet diese Ernährungsweise eine Möglichkeit, ihre Lungenfunktion länger zu erhalten, und damit eine Art Anti-Aging-Mittel.“

Welche Inhaltsstoffe Soja so gesund für die Lunge machen, ist noch nicht genau bekannt. Vermutet wird jedoch eine antientzündliche Wirkung der in Sojaprodukten enthaltenen Flavonoide (Isoflavone) und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren).

Quelle:

http://www.lungenaerzte-im-netz.de/lin/linaktuell/show.php3?id=2104&nodeid=18

Kommentar & Ergänzung:

Isoflavone gehören zu den Phytoöstrogenen und kommen nicht nur in Soja-Produkten vor.

Was sind Isoflavone und wo kommen sie in der Natur vor?

„Isoflavone, auch Isoflavonoide genannt, sind meist gelblich gefärbte Pflanzenfarbstoffe, die als Derivate des Isoflavons zur Klasse der Flavonoide zählen. Sie sind sekundäre Pflanzenstoffe, die u. a. eine Funktion für pflanzliche Abwehr von Pathogenen ausüben.

Der Grundkörper Isoflavon kommt in Kleearten vor. Einige bekanntere Isoflavone sind Daidzein, als Glucosid Daidzin in Sojamehl, Genistein aus Sojabohnen und Rotklee, Prunetin aus der Rinde von Pflaumenbäumen, Biochanin A aus Kichererbsen, Rotklee u. a. Kleearten, Orobol, Santal aus Sandelholz, Rotholz u. a. Hölzern, Pratensein aus frischem Rot- oder Wiesenklee und Iridin in einigen Schwertlilien.“

(Quelle: Wikipedia)

Und wie wirken Isoflavone?

„Wie auch die Lignane haben die Isoflavonoide wegen ihrer chemisch-strukturellen Ähnlichkeit zu den 17-Ketosteroiden (Östrogen, Androgene) in hohen Dosen eine schwache geschlechtshormonelle Wirkung auf den Menschen. Sie werden daher auch Phytoöstrogene genannt. In der Alternativmedizin wird der Verzehr von Flavonoiden bzw. Soja-Präparaten in den Wechseljahren empfohlen, allgemein gegen Altersbeschwerden, und auch zur Vorbeugung von hormonabhängigen Krebserkrankungen wie Brustkrebs und Prostatakrebs.

Aus diesem Grund werden sie in zahllosen Nahrungsergänzungsmitteln angeboten. Zugelassene Medikamente sind auf dem deutschen Arzneimittelmarkt jedoch nicht erhältlich, weil die Wirksamkeit bisher nicht bewiesen werden konnte. Manche Ärzte warnen im Gegenteil vor zu reichlichem Genuss von Sojaprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln mit isolierten Isoflavonen, weil Flavonoide im Verdacht stehen, die Schilddrüsenhormonproduktion zu hemmen und Kröpfe auslösen zu können.

In einer Stellungnahme des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wird darauf hingewiesen, dass die behaupteten positiven Wirkungen von Isoflavonen bei Wechseljahresbeschwerden nach derzeitigem Stand des Wissens wissenschaftlich nicht hinreichend gesichert sind und eine unerwünschte kanzerogene Wirkung von als Nahrungsmittelergänzung isolierten Isoflavonen nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Diese Warnung betrifft jedoch nicht Vollwertprodukte (wie Sojamilch, Tofu, Gerichte mit Sojavollbohnen), bei denen der ursprüngliche Lebensmittelverbund noch erhalten ist.

‚Dem BfR wurden bereits in der Vergangenheit verschiedene unerwünschte Wirkungen auf sojahaltige/rotkleehaltige Produkte gemeldet, die in der Bundesrepublik Deutschland als Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden. Von 2002 bis zum 15. September 2006 wurden insgesamt 21 Meldungen registriert. […] Bis auf einen Fall, welcher sich auf eine Sojamilch bezieht, handelt es sich bei den verzehrten Produkten um als Nahrungsergänzungsmittel bezeichnete Erzeugnisse mit isolierten angereicherten Isoflavonen, bei denen der ursprüngliche Lebensmittelverbund nicht mehr vorhanden ist. […] Zwar war in Bevölkerungsstudien der Verzehr von Sojaprodukten mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen verbunden. Insofern wird eine Ernährung, die Sojaprodukte, Getreide, Gemüse und Obst reichlich enthält, empfohlen. Von der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln, die sekundäre Pflanzenstoffe in konzentrierter Form enthalten, wird seitens der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Ernährung abgeraten, da nicht bekannt ist, welche sekundären Pflanzenstoffe im einzelnen und in welcher Menge präventiv wirken.’“

(Quelle: Wikipedia)

Zum Thema „Soja & Lungenerkrankungen“:

Phytoöstrogene aus Soja – Helfer bei Lungenkrebs?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Traubensilberkerze & Wechseljahrsbeschwerden

Diesen Artikel teilen:

Die Zeitschrift für Phytotherapie (6/2010) hat in der Ausgabe vom Dezember 2010 das Schwerpunktthema „Gynäkologie“. Zwei Heilpflanzen haben in den letzten Jahrzehnten in der Gynäkologie quasi Karriere gemacht: Mönchspfeffer (Keuschlamm, Vitex agnus-castus) und Traubensilberkerze (Wanzenkraut, Cimicifuga racemosa). Unter dem Titel „Selektive Estrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs)“ schreibt die Phytohormonspezialistin Dana Seidlova-Wuttke zum Thema „Traubensilberkerze“:

„In früheren Jahren glaubte man, dass auch Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze SERMs enthalten. Heute wissen wir, dass diese Extrakte keine Östrogene, also auch keine SERMs enthalten. Die ohne Zweifel vorhandenen positiven Effekte auf klimakterische Beschwerden werden über nachgewiesene dopaminerge und serotoninerge Prinzipien erklärbar, die im Hypothalamus – dem Ort der Entstehung von Hitzewallungen – wirken. Im Knochen scheinen spezifische Saponine hemmend auf die Entwicklung einer Osteoporose zu wirken, deren Wirkmechanismen noch nicht aufgeklärt sind.“

In der selben Ausgabe der Zeitschrift für Phytotherapie schreibt Prof. Axel Brattström einen Beitrag mit dem Titel „Extrakte aus Cimicifuga racemosa – eine Behandlungsalternative bei Beschwerden der Wechseljahre“. Zitat:

„Der Einsatz von Pflanzenextrakten bei Wechseljahresbeschwerden hat zunehmend an Bedeutung gewonnen, wobei die Mehrzahl der Extrakte (Rotklee, Hopfen, Soja und daraus gewonnene Isoflavonpräparate) ihre Wirkungen, zumindest teilweise, über die Bindung an Östrogenrezeptoren erreichen. Die klinische Relevanz dieser Extrakte (»Phytoöstrogene«) ist nicht unumstritten. Wegen der Aktivierung von Östrogenrezeptoren kann mit ihrem Einsatz die Stimulation östrogensensitiver Geschwülste erfolgen. Abgegrenzt von der Gruppe der Phytoöstrogene ist der Extrakt aus Cimicifuga racemosa zu bewerten. Seine Wirkungen auf die psychischen und vegetativen Befindlichkeiten während der Wechseljahre sind klinisch belegt; sie werden überwiegend über das Zentralnervensystem vermittelt. Durch Östrogen stimuliertes Tumorwachstum wird sogar unterdrückt. Eine mit der klinischen Wirksamkeit verbundene Inhaltsstoffgruppe sind Triterpenglykoside. Es gibt Hinweise, dass mit einer Erhöhung des Gehalts an Triterpenglykosiden im Extrakt auch dessen klinische Wirksamkeit gesteigert wird.“

Kommentar & Ergänzung:

Es zeichnete sich schon längere Zeit ab, dass die Wirkung von Traubensilberkerze gegen Wechseljahrsbeschwerden wie Wallungen nicht auf einer östrogenen Ebene zustande kommt, sondern durch Einwirkung im Hypothalamus. Das dürfte bezüglich der Sicherheit von Cimicifuga-Extrakten bedeutsam sein, vor allem für Frauen mit östrogenabhängigen Tumoren. Festzuhalten ist allerdings, dass es bei den Heilpflanzen-Präparaten aus Traubensilberkerze sehr grosse Qualitätsunterschiede gibt. Es kommt also nicht einfach darauf an, Traubensilberkerze zu nehmen. Wichtig ist auch, in welcher Form.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie: Positive Aussagen zu Johanniskraut bei Depressionen

Diesen Artikel teilen:

Seit der Antike gilt Johanniskraut (Hypericum perforatum) als wirksames Heilmittel. Wie die Forschung inzwischen gezeigt hat, hilft die Heilpflanze bei Depressionen und kann tatsächlich eine verträglichere Alternative zu Antidepressiva sein. Bei keinem anderen Heilpflanzen-Präparat ist die Wirkung vergleichbar gut mit harten wissenschaftlichen Daten untermauert. Das solide Fundament zahlt sich aus: Seit vielen Jahren läuft das Geschäft mit Johanniskraut ausgezeichnet.

Eine ausgesprochen positive Stellungnahme zur Behandlung von Depressionen mit Johanniskraut wurde soeben veröffentlicht von Edzard Ernst, Professor für Alternativmedizin an der Universität Exeter:

“Die Heilpflanze, das weiß inzwischen nahezu jeder, hilft bei Depressionen. Dazu liegen mehr als 50 gute klinische Studien vor. Ihre Ergebnisse sind zwar nicht völlig einheitlich – das ist auch kaum anders zu erwarten – aber die große Mehrzahl dieser Untersuchungen belegt recht eindeutig, dass Johanniskraut wirkt. Zunächst nahm man an, der Effekt beschränke sich auf leichte depressive Verstimmungen. Heute meint man jedoch, dass Johanniskraut auch bei schweren Depressionen hilft. Gemäß einiger Studien wirkt es sogar mindestens so gut wie moderne Antidepressiva wie beispielsweise Fluctin, international auch unter dem Namen Prozac bekannt.”

Auch bezüglich allfälliger Nebenwirkungen stellt Prof. Ernst dem Johanniskraut eine gutes Zeugnis aus:

“Was Johanniskraut den synthetischen Medikamenten überlegen macht: Nebenwirkungen treten sehr viel seltener und milder auf. Groß angelegte Beobachtungsstudien deuten sogar darauf hin, dass die Pflanze kaum mehr davon hat als ein Placebo. Man könnte also sagen, dieses Phyto ist frei von schweren Nebenwirkungen.”

Hier müsste noch ergänzt werden, dass Johanniskraut die Empfindlichkeit der Haut gegen Sonnenstrahlung erhöhen kann (Photosensibilisierung). Daher empfiehlt es sich, während der Einnahme von Johanniskraut-Produkten intensive Sonnenbestrahlung zu meiden. Allerdings sollte dieser Punkt auch nicht dramatisiert werden, weil bei üblichen, durchschnittlichen Sonnenbestrahlungen kaum mit Problemen gerechnet werden muss.

Zurecht fordert Edzard Ernst, dass allfällige Wechselwirkungen (Interaktionen) von Johanniskraut mit anderen Medikamenten im Auge behalten werden sollten:

“Wird Johanniskraut mit anderen Medikamenten kombiniert, kann es zu schwerwiegenden Interaktionen kommen. Es stimuliert den Abbau zahlreicher Medikamente in der Leber und reduziert deren Aufnahme im Darm. Beide Effekte wirken zusammen, sodass der Blutspiegel der entsprechenden Medikamente erheblich abfällt und die erwünschten Wirkungen der Arzneien nicht zum Tragen kommen. Handelt es sich um ein lebenswichtiges Mittel, etwa einen Gerinnungshemmer, dann können diese Interaktionen lebensgefährliche Folgen haben. Der beste Rat, den man hier wohl geben kann, ist, Johanniskraut prinzipiell nicht mit anderen Medikamenten zu kombinieren – es sei denn, der behandelnde Arzt hat dies ausdrücklich für gut befunden.”

Diese Interaktionen betreffen nicht alle Medikamente, aber doch wichtige Vertreter aus verschiedenen Bereichen, beispielsweise Digitalisglykoside, Blutgerinnungshemmer, Immunsuppressiva, gewisse HIV-Medikamente und Chemotherapeutika, Östrogene.
Daher ist es wichtig, behandelnde Ärztinnen und Ärzte über eine geplante Einnahme von Johanniskraut-Präparaten zu informieren.

Prof. Ernst geht dann noch auf die Frage ein, weshalb aus dem Johanniskraut nicht schon längst ein wirksamer Inhaltsstoff isoliert wurde:

“Wenn Johanniskraut so prima ist, warum isoliert man dann nicht einfach seinen pharmakologisch wirksamen Inhaltsstoff und bringt ihn als synthetisches Medikament auf den Markt? So verfahren Pharmakologen häufig, und diese Vorgehensweise leuchtet völlig ein, schließlich macht sie die Therapie transparent. Im Falle des Johanniskrauts hat die Methode jedoch einen entscheidenden Fehler: In der Pflanze stecken derart viele Inhaltsstoffe, die möglicherweise alle an der Wirksamkeit beteiligt sind, dass die simple Logik der Pharmakologie hier nicht greift. Wir müssen also weiterhin mit der Komplexität der Heilpflanze zurechtkommen.”

Es gibt zwar intensiv erforschte Johanniskraut-Inhaltsstoffe, insbesondere Hyperforin und Hypericin. Die Untersuchungen zeigen aber auch, dass der Johanniskraut-Gesamtextrakt besser wirksam ist als die isolierten Einzelstoffe.

Sehr wichtig ist der Hinweis von Prof. Edzard Ernst auf die grossen Qualitätsunterschiede bei Johanniskraut-Präparaten:

“Wer den Kauf einer Johanniskraut-Arznei erwägt, sollte bedenken: In der Qualität unterscheiden sich die zahlreichen Mittel enorm. Viele frei verkäufliche Präparate sind zu niedrig dosiert, um zu wirken. Als Faustregel gilt: Was wenig kostet, ist meist wenig wert. Aufgrund der Verschiedenheit der Mittel lässt sich keine allgemeine Empfehlung geben; auf jeden Fall sollte die Tagesdosis bei 300 bis 900 Milligramm des Extraktes liegen.”

Erschweren kommt an diesem Punkt hinzu, dass die Extrakte der verschiedenen Hersteller sich qualitativ nur beschränkt vergleichen lassen. Die Extrakte können sehr unterschiedlich konzentriert sein, so dass gleich viele Miligramm von zwei verschiedenen Extrakten nicht zwingend die gleiche Wirkung auslösen.
Wenn Edzard Ernst eine Tagesdosis zwischen 300 und 900mg empfielt, dann muss dazu gesagt werden, dass die in ihrer Wirksamkeit gut dokumentierten Johanniskraut-Präparate eher bei 900 mg Tagesdosis liegen als bei 300 mg.

Quelle: www.stern.de, 27. Nov.2009

Weitere Informationen zu Johanniskraut im Bereich Infodienst Forschende Phytotherapie: moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php

Genauer:
Kurzmeldungen zum Stand der klinischenJohannskraut-Forschung:
moodle.heilpflanzen-info.ch/mod/resource/view.php

Johanniskraut-Forschung zu Inhaltsstoffen & Wirkungsweise:
moodle.heilpflanzen-info.ch/mod/resource/view.php

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: