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Sport vorbeugend gegen Menstruationsbeschwerden

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Regelmäßige sportliche Betätigung kann Menstruationsbeschwerden nicht nur lindern, sondern auch präventiv dagegen wirken. „Körperliche Bewegung führt allgemein zu einer verbesserten Durchblutung des Beckens. Dadurch können die Verkrampfungen der Gebärmutter gelöst werden, die den Regelschmerz verursachen“, sagt Dr. Klaus König, Vorstand des Berufsverbandes der Frauenärzte e. V. (BVF). „Besonders geeignete Sportarten vor und während der Periode sind Fahrradfahren und Walking – im Grunde ist aber fast jede Form der Bewegung günstig.“

Auslöser für Menstruationsbeschwerden sind körpereigene Schmerzbotenstoffe, die Prostaglandine. Sie verursachen das Zusammenziehen der Muskulatur der Gebärmutter, wodurch die Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut ausgelöst wird. Als Folge dieser Muskelkontraktion wird die Gebärmutter schwächer durchblutet, was schließlich die Beschwerden verursacht.

Auch Wärme und die zusätzliche Aufnahme von Magnesium können dazu beitragen, die Muskulatur zu entkrampfen. „Bei heftigen Schmerzen während der Regel empfiehlt sich die Einnahme von Ibuprofen, das die Bildung von Prostaglandinen hemmt. Allerdings sollte von einem Frauenarzt zuvor unbedingt abgeklärt werden, ob die starken Schmerzen nicht etwa durch eine organische Erkrankung wie beispielsweise Endometriose, Myome oder Zysten verursacht werden. Für derartige Krankheitsbilder sind heftige Schmerzzustände typisch und diese müssen meist behandelt werden“, erklärt Dr. König. „Bei starken Menstruationsschmerzen kann es unter Umständen auch sinnvoll sein, die Pille zu nehmen. Sie trägt dazu bei, den Hormonhaushalt zu regulieren, wodurch die Beschwerden oft verschwinden oder zumindest deutlich gelindert werden.“

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/sport-beugt-menstruationsbeschwerden-vor-220019100.html

Kommentar & Ergänzung:

Nichtmedikamentöse Behandlungsstrategien werden oft zu Unrecht in ihrer Bedeutung unterschätzt. Das hat wohl damit zu tun, dass dafür kaum eine nennenswerte Lobby existiert. Weil niemand gross daran verdient, wenn Frauen vor oder während der Menstruation Fahrrad fahren oder zügige Spaziergänge machen, gibt es dafür auch keine Werbung und nur wenig Forschung.

Dabei gehört „Bewegung“ zu den klassischen Naturheilverfahren und zu den fünf Säulen der Kneipptherapie nach Sebastian Kneipp, neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie und Ordnungstherapie.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Studie zeigt: Sport hilft gegen Depression

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Depressive Patienten, deren Stimmung sich durch die Therapie mit Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-­Hemmern (SSRI) nicht genügend bessert, können von sportlicher Betätigung profitieren. In einer kürzlich veröffentlichten Studie reduzierte ein zwölfwöchiges aerobes Ausdauertraining bei Patienten mit Depression den Schweregrad der Symptomatik signifikant, zum Teil bis hin zur Remission. Das berichten Wissenschaftler um Dr. Madhukar Trivedi von der University of Texas (Dallas) im «Journal of Clinical Psychiatry».

Ob eine nur mäßige oder eine intensivere Belastung der psychischen Gesundheit mehr zuträglich war, wurde von individuellen Faktoren beeinflusst. Männer profitierten generell mehr von diesem Ausdauertraining, wenn sie sich stärker anstrengen mussten: Sie erreichten dann in 85,4 Prozent der Fälle eine Remission, während es nach leichtem Training nur 0,1 Prozent waren. Bei Frauen war ein leichteres Training erfolgreicher, wenn in ihrer Familie schon andere Fälle von psychischen Erkrankungen aufgetreten waren. War zuvor noch kein Familienmitglied psychisch erkrankt, erreichten auch Frauen durch intensiveres Training höhere Remissionsraten als durch leichtes (39 Prozent versus 5,6 Prozent).

«Wenn depressive Patienten auf SSRI nicht ansprechen, kann Bewegung ebenso hilfreich sein wie die Hinzunahme eines weiteren Wirkstoffs», kommentierte Trivedi die Resultate. Er glaubt, dass zahlreiche Patienten lieber Sport treiben würden als zusätzlich noch ein Arzneimittel einzunehmen. Die Intensität der sportlichen Belastung müsse dabei allerdings auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden.

Quellen:

doi: 10.4088/JCP.10m06743

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4194&Nachricht_ID=39116&Nachricht_Title=Nachrichten_Studie%3A+Sport+hilft+gegen+Depression&type=0&folder_id=38831

Kommentar & Ergänzung:

Dass Bewegung nicht nur für den Körper gesund ist, sondern auch das psychische Befinden verbessern kann, ist schon verschiedentlich durch Studien belegt worden.

Bewegung beugt Depressionen vor

Ein schönes Zitat zur antidepressiven Wirkung von Bewegung gibt es von Søren Kierkegaard (1813 – 1855):

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

Im übrigen gehört Bewegung zur klassischen Naturheilkunde und ist eine der fünf Säulen in der Kneipptherapie von Sebastian Kneipp, neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie und Ordnungstherapie.

Siehe dazu:

Naturheilkunde – was ist das?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Interessiert an einer Naturheilkunde-Ausbildung?

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Wenn Sie interessiert sind an einer Ausbildung in Naturheilkunde, dann lohnt es sich genau zu klären, was Sie lernen möchten.

Naturheilkunde ist nämlich ein Begriff, der sehr ungenau und ziemlich willkürlich benutzt wird.

Versteht man den Begriff Naturheilkunde auch von seiner Geschichte her, bezeichnet er ein Spektrum verschiedener Methoden, welche die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen und die sich vorzugsweise in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen. Dazu zählen (nach einer Definition von Alfred Brauchle 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten Verständnis gehören auch “natürliche” Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen zur Naturheilkunde.

Zur “klassischen” Naturheilkunde werden im Allgemeinen die folgenden Naturheilverfahren gezählt:

– Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen)

– Bewegungstherapie

– Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Ernährung und eine dem

dem Krankheitsbild angepasste Diät)

– Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und im Einklang mit

der Natur)

– Phytotherapie (Einsatz von Heilpflanzen)

Diese fünf Naturheilverfahren sind auch bekannt geworden als die fünf Säulen des Sebastian Kneipp.

Grundsätzlich sind diese Methoden kompatibel mit dem wissenschaftlichen Weltbild.

Oft werden auch folgende Methoden der Alternativmedizin zur Naturheilkunde gezählt, die aber auf eigenen Lehrgebäuden basieren und darum nicht so leicht mit medizinischem Denken und Handeln zu verbinden sind:

Homöopathie

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Ayurvedische Medizin

Anthroposophische Medizin

(Quelle: Wikipedia, Artikel „Naturheilkunde“, gekürzt und überarbeitet)

Siehe auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Es gibt im Bereich der Naturheilkunde-Ausbildungen keine Qualitätsstandards und keine verbindlichen Lehrpläne.

Wenn Sie sich Fragen stellen zur Qualität einer Naturheilkunde-Ausbildung – und das ist sehr wichtig, wenn Sie einer Ausbildung in diesem Bereich machen wollen –  dann hilft Ihnen vielleicht folgende Checkliste weiter:

Naturheilkunde-Ausbildung: Was sie wissen sollten

Ausserdem:

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Falls Sie aus diese weiten und vielfältigen Feld der Naturheilkunde eine Ausbildung oder Weiterbildung im Teilbereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde ins Auge fassen, finden Sie dazu meine aktuellen Angebote oben unter dem Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Alternativmedizin und Naturheilkunde nicht in einen Topf werfen!

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Um die Begriffe Alternativmedizin, Komplementärmedizin und Naturheilkunde herrscht ein veritables Durcheinander. Colin Goldener hat im Humanistischen Pressedienst einen Text veröffentlicht, der einige Unterschiede zwischen Alternativmedizin und Naturheilkunde aufzeigt. Ich übernehme diesen Text hier abschnittweise (kursiv) mit dazwischen geschalteten Kommentaren:

„Aus Apotheken-Rundschauen, Hausfrauenpostillen und Lifestylemagazinen sind den Lesern Dutzende von Verfahren geläufig, die sie für besonders sanft und natürlich halten: Alternativheilkunde und Naturheilkunde werden insofern häufig ineinsgesetzt. Tatsächlich haben sie überhaupt nichts miteinander zu tun…..Zu den wirklichen Naturheilverfahren – allesamt Teil der Schulmedizin – zählen Luft- und Lichttherapie, Wasseranwendungen, Entspannungs- und Bewegungsübungen, bewusste Ernährung und allgemein »gesündere Lebensführung«; pharmakologisch auch der Einsatz wirkbelegter Pflanzenpräparate. Im Gegensatz zu diesen bewährten Verfahren können die Alternativheilverfahren keinerlei tragfähigen Wirkbeleg vorweisen, ein Umstand, der mit Hilfe suggestiver Begleitbegriffe wie »unkonventionell«, »komplementär« oder auch »ganzheitlich« vertuscht wird. Wären die Alternativheilverfahren wirkbelegt, wären sie längst Teil der Schulmedizin.“

Die Verfahren der Naturheilkunde lassen sich auch gut umschreiben mit den 5-Säulen nach Sebastian Kneipp: Hydrotherapie, Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Bewegung / Luft / Licht, Ordnungstherapie.

Die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) gehört zur Naturheilkunde, nicht zur Komplementärmedizin oder Alternativmedizin.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde – was ist das?

Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?

„Der große Zuspruch, den die Alternativheilkunde erfährt, begründet sich darin, daß ihre Anbieter sich dem jeweiligen Patienten und seinen Problemen meist sehr viel intensiver zuwenden, als Schulmediziner dies tun. Es ist ein erhebliches Manko des schulmedizinischen Versorgungssystems, dass viel zu wenig Zeit aufgewandt wird, dem Patienten wirklich zuzuhören und persönlich auf ihn einzugehen. Eben deshalb wenden sich rat- und hilfesuchende Menschen gerne an Heilpraktiker und Homöopathen, bei denen sie sich allein schon des anamnestischen Zeitaufwandes wegen sehr viel ernster genommen fühlen als in der regulären Arztpraxis oder Klinik. Die Alternativheilverfahren selbst erscheinen attraktiv, da sie – auch wenn dies nicht zutrifft – als »natürlich wirksam« und damit »nebenwirkungsfrei« angepriesen werden. Der Umstand, dass viele davon auf magisch-okkulte Wirkkräfte abstellen – Geistheilung, Reiki, Touch for Health – tut ein übriges.“

Verfahren der Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin decken darüber hinaus oft auch Sinnbedürfnisse, in dem sie eine Krankheit in einen grösseren Zusammenhang stellen, während eine wissenschaftliche Medizin sich solcher Sinndeutungen enthält. Dazu ist allerdings zu sagen, dass die komplementärmedizinischen Sinnzuschreibungen oft hoch spekulativ sind und leicht in Schuldzuweisungen umschlagen. Vorgegebene „Instant-Sinnangebote“ sind sowieso ziemlich problematisch und stehen oft einer eigenen, autonomen Sinnfindung eher im Wege.

„Es spricht überhaupt nichts dagegen, bei kleineren Beschwerden und Mißbefindlichkeiten, auch zur Vor- und Nachsorge, naturheilkundliche Verfahren einzusetzen. Abzuraten ist indes von sämtlichen Verfahren und Praktiken der sogenannten Alternativheilkunde, die, wie gesagt, mit Naturheilverfahren überhaupt nichts zu tun haben.

Skepsis ist allemal geboten, wenn von »Schwingungen« oder »Lebensenergien« die Rede ist, die da »gesteigert« oder »harmonisiert« werden sollen; desgleichen, wenn das jeweilige Verfahren als »unkonventionelle«, »komplementäre«, »ganzheitliche« oder sonstig alternative »Erfahrungsheilkunde« angepriesen wird, die insofern der »Schulmedizin« turmhoch überlegen – oder zumindest ebenbürtig – und zudem völlig nebenwirkungsfrei sei. Letzteres kann nur für jene Verfahren gelten, die, wie z.B. Bachblütentherapie, überhaupt keine Wirkung haben. Einige der Alternativheilpraktiken, Akupunktur etwa oder Neuraltherapie, bergen ungeahnte Risiken, und selbst vermeintliche Harmlosverfahren wie Aromatherapie sind keineswegs risikofrei. Ansonsten besteht das Hauptrisiko alternativer Heilverfahren darin, daß der rechte Zeitpunkt zum Einsatz einer verfügbaren und sinnvollen Therapie verpaßt wird, wodurch sich das jeweilige Problem massiv verschärfen kann.“

Die Inflation aufgeblasener Worthülsen wie „energetisierte Heilpflanzen“, „Wesen der Pflanzen“, „Lebensenergie“ etc. ist tatsächlich eine hoch fragwürdige Angelegenheit. Die Schwierigkeit dabei ist, dass solche gut tönenden Schlagworte verwendet werden, ohne dass auch nur ansatzweise geklärt wird, was der sprechende oder schreibende Mensch damit meint. Damit haben dann alle Beteiligten sich möglicherweise gut unterhalten, reden aber ziemlich sicher aneinander vorbei, weil jede und jeder sehr unterschiedliche Vorstellungen mit diesen Begriffen verbindet.

„Abstand zu halten ist von Anbietern, die ihre diagnostischen oder heilerischen Fähigkeiten von »höherer Warte« – von Engeln, Jesus oder »aus dem Kosmos« – bekommen haben wollen oder die Praktiken verwenden, die die Gesetze von Physik, Chemie oder des »gesunden Menschenverstandes« außer Kraft setzen. Göttliche Heilkräfte und Engelsenergien gibt es nicht, ebensowenig diagnostisch brauchbare Aussagen aus dem astrologischen Horoskop oder solche, die mit Pendel und Wünschelrute gewonnen wurden.“

Jedenfalls laufen hunderte von durchgeknallten Heilerinnen und Heiler mit der hoch narzisstischen Phantasie herum, direktes Sprachrohr einer höheren Macht zu sein.

„Auch das vielzitierte Schlagwort »Wer heilt, hat recht« kann nicht zur Bestätigung der Alternativheilverfahren herangezogen werden. Tatsächlich heilen diese – über einen allemal möglichen Placeboeffekt hinaus – gar nichts. Vielmehr beruhen ihre »Erfolge« darauf, dass unterschiedlichste Beeinträchtigungen der Gesundheit nach einer Zeit »von selbst« wieder verschwinden. Menschen mit derlei Beeinträchtigung suchen häufig »alternative« Heiler auf, die dann, ebenso wie sie selbst, natürliche oder spontane Heilungsverläufe bzw. zyklische Besserungen als Ergebnis der jeweiligen »Behandlung« interpretieren. Eine »irgendwann« eintretende Besserung kann dann der jeweiligen Behandlung zugute geschrieben werden, auch wenn diese mit dem Heilungsverlauf überhaupt nichts zu tun hat.“

„Wer heilt hat recht“ ist tatsächlich ein zwar oft gebrauchter, aber nicht desto trotz ziemlich dummer Kampfspruch. Denn er unterschlägt in der Regel alle anderen Einflüsse auf den Genesungsprozess wie Placebo-Effekt, Selbstheilungkräfte, natürliche Schwankungen der Beschwerden bei chronischen Krankheiten, veränderte Lebensumstände. Es ist wirklich sehr simpel, naiv und unbescheiden, jede Besserung sogleich dem eigenen Heilmittel zuzuschreiben.

„Insofern spielen auch Realitätsverzerrungen eine Rolle: Selbst wenn keine Verbesserung nachweisbar ist, können Anhänger alternativer Heilverfahren davon überzeugt sein, dass ihnen geholfen wurde, allein, weil sie sich besser fühlen. Es kann dieses »Gefühl der Besserung« ein durchaus bedeutsamer Genesungsfaktor sein, der allerdings nichts mit dem angewandten Verfahren zu tun hat. Keine Besserung zu erhalten, nachdem man viel Zeit, Geld und guten Glauben in eine alternative Behandlung investiert hat, führt oft auch dazu, dass ein ausbleibender Erfolg konstruiert wird, allein schon, um das ansonsten notwendige Eingeständnis zu vermeiden, einem Quacksalberverfahren aufgesessen zu sein. Wider jede Vernunft und mit oftmals nachgerade fanatischem Glaubenseifer werden jede Kritik und Selbstkritik abgewehrt.“

Der Umgang mit Kritik ist ein Prüfstein für Methoden der Komplementärmedizin. Je offener die Auseinandersetzung mit argumentativer Kritik, desto höher die Glaubwürdigkeit. Je fanatischer und missionarischer das Auftreten, desto mehr Vorsicht ist geboten.

„Grundsätzlich abzuraten ist von Anbietern, die über kein akademisches Fachstudium verfügen. Ausreichende Qualifikation des Therapeuten und Wirksamkeitsnachweis des eingesetzten Verfahrens geben zwar keine Garantie für einen Erfolg, aber das Risiko seitens des Patienten ist minimiert. Besondere Vorsicht ist insofern walten zu lassen bei der Konsultation von Heilpraktikern. Diese verfügen zwar über eine formale Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde, ihre Ausbildung kann indes dem Anspruch seriöser Heilbehandlung nicht ansatzweise genügen.“

Da ich selber keine universitäre Ausbildung absolviert habe, finde ich die pauschale Beschränkung auf Leute mit akademischer Fachausbildung naturgemäss etwas eng, wobei ich mich allerdings auch nicht als Therapeuten oder Heiler bezeichnen würde. Und dann sind ja bekannterweise einige der durchgeknalltesten Heilgurus Akademiker bzw. Mediziner.

Für mich sind einfach andere Kriterien wichtiger, zum Beispiel, ob jemand die Grenzen seiner Methoden kennt.

Zu sagen ist allerdings, dass im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin eine Qualitätssicherung, welche diesen Namen verdient, kaum existent ist.

Und im nichtärztlichen Bereich gibt es punkto Ausbildung sehr grosse Unterschiede. Eine Bezeichnung wie „Naturheilpraktikerin“ oder „Naturarzt“ kann auf einer absoluten Schnellbleiche, oder auch auf einer vierjährigen Vollzeitausbildung basieren. Und es gibt für die Ausbildungen selber keine Qualitätskriterien.

„Im Übrigen werden Alternativheilverfahren nicht brauchbarer dadurch, dass sie vielfach auch in Arztpraxen und Kliniken anzutreffen sind und dass einige davon sogar in die offizielle Aus- und Fortbildung von Ärzten Eingang gefunden haben.“

Stimmt. Das ist auch kein Qualitätskriterium.

„Gegen die Quacksalberverfahren der Alternativheilkunde zu sein, heißt keineswegs, der Schulmedizin oder Pharmaindustrie blind zu vertrauen. Ganz im Gegenteil: Kritik ist auch und gerade hier unabdingbar.“

Ja, Kritik an der „Schulmedizin“ oder an der Pharmaindustrie ist nötig. Sie muss allerdings präzis und argumentengestützt sein. Pauschale Kritik, wie sie oft zu hören ist, entstammt eher einer Feindbildhaltung.

„Es darf die notwendige Kritik an Mediziner- und Pharmalobby allerdings nicht dazu führen, windigen Heilpraktikern mit ihren erwiesenermaßen unbrauchbaren Alternativheilverfahren auf den Leim zu gehen.“

Ja, das passiert leider nur allzu oft.

Quelle: Humanistischer Pressedienst, www.hpd.de

Fazit: Ein Artikel mit stellenweise harter Formulierung, aber im Kern sehr bedenkenswerten und ernst zu nehmende Aussagen. Sehr wichtig scheint mir der Versuch, Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin einerseits und Naturheilkunde andererseits zu unterscheiden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Naturheilkunde – was ist das?

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Naturheilkunde, Komplementärmedizin, Alternativmedizin – das sind Begriffe, die schwer zu fassen sind und sich zum Teil auch überschneiden. Doch wenn wir sie nicht einigermassen definieren und klären, was wir damit meinen, dann reden wir ganz einfach aneinander vorbei.
Naturheilkunde lässt sich in Anlehnung an Wikipedia etwa so zusammenfassen:

Der Begriff Naturheilkunde bezeichnet ein Spektrum verschiedener Methoden, welche die körpereigenen Fähigkeiten zur Selbstheilung (Spontanheilung) aktivieren sollen und die sich vorzugsweise in der Natur vorkommender Mittel oder Reize bedienen. Dazu zählen (nach einer Definition von Brauchle 1952) die Sonne, das Licht, die Luft, die Bewegung, die Ruhe, die Nahrung, das Wasser, die Kälte, die Erde, die Atmung, die Gedanken, die Gefühle und Willensvorgänge. In einem weiter gefassten Verständnis gehören auch “natürliche” Arzneimittel, vor allem Heilpflanzen und deren Zubereitungen zur Naturheilkunde.

Dass diese Definition nicht problemlos ist, zeigen folgende Beispiele: die Impfung mit einem gentechnologisch hergestellten Heptitis-B-Impfstoff wirkt prophylaktisch durch Aktivierung des körpereigenen Immunsystems oder Penicillin ist ein Stoff natürlichen Ursprungs. Zur Naturheilkunde zählt keines der beiden Beispiele, obwohl sie die oben genannten Definitionskriterien erfüllen.

Die Naturheilkunde wird heute großenteils zum Bereich der Alternativmedizin und im engeren Sinne zur Komplementärmedizin gezählt (d. h. zu den wissenschaftlich nicht anerkannten, die Schulmedizin ergänzenden Verfahren). Als ein bedeutender Pionier der Naturheilkunde gilt der Arzt Christoph Wilhelm Hufeland. 1888 erschien von Friedrich Eduard Bilz mit seinem Bilz-Buch ein Standardwerk der Naturheilkunde.

Naturheilverfahren

Zur “klassischen” Naturheilkunde werden im Allgemeinen die folgenden Naturheilverfahren gezählt:

– Hydrotherapie und Balneotherapie (Wasseranwendungen)
– Bewegungstherapie
– Diätetik (Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde Ernährung und eine dem
dem Krankheitsbild angepasste Diät)
– Ordnungstherapie (ausgewogene Lebensführung im regelmäßigen Rhythmus und im Einklang mit
der Natur)
– Phytotherapie (Einsatz von Heilpflanzen)

Diese fünf Naturheilverfahren sind auch bekannt geworden als die fünf Säulen des Sebastian Kneipp. Grundsätzlich sind diese Methoden kompatibel mit dem wissenschaftlichen Weltbild.
Oft werden auch folgende Methoden der Alternativmedizin zur Naturheilkunde gezählt, die aber auf eigenen Lehrgebäuden basieren und darum nicht so leicht mit medizinischem Denken und Handeln zu verbinden sind:

Homöopathie
Traditionelle Chinesische Medizin
Ayurvedische Medizin
Anthroposophische Medizin

Quelle: Wikipedia, Artikel “Naturheilkunde” (gekürzt und überarbeitet)

Kommentar:

Klassische Naturheilkunde aufwerten!

Weil die fünf Säulen nach Kneipp mit dem wissenschaftlichen Denken und handeln kompatibel sind, eignen sie sich ausgezeichnet zum Brückenbau zwischen Medizin und Komplementärmedizin. In Teilbereichen sind denn auch Phytotherapie, Hydrotherapie, Bewegungstherapie, Diätetik und Ordnungstherapie (moderner ausgedrückt: Psychosomatik) auch wissenschaftlich untersucht und bestätigt worden.

Meiner Ansicht nach sind diese fünf klassischen Naturheilverfahren sehr zu Unrecht etwas in den Hintergrund geraten.
Wahrscheinlich sind sie für die heutige Zeit einfach zuwenig schrill, zuwenig exotisch, zu simpel.
Zum Beispiel Bewegung? – Es gibt kaum etwas Gewöhnlicheres und viel zu verdienen ist auch nicht damit. Dabei ist Bewegung hoch wirksam für unsere Gesundheit und wohl wertvoller als alle Nahrungsergänzungsmittel zusammen, die viele Leute tagaus tagein konsumieren.

Wahrscheinlich decken die klassischen Naturheilverfahren auch die hohen Sinnbedürfnisse des heutigen Menschen nicht mehr so gut.

Methoden wie beispielsweise Anthroposophische Medizin, Ayurvedische Medizin oder Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) legen ein Sinngefüge in die Krankheiten. Das kann für manche Patientinnen und Patienten erleichternd wirken.

Allerdings sind es heteronome (= von aussen stammende) Sinngebungen, die sehr genau auf ihre psychologischen, philosophischen und politischen Konsequenzen hin unter die Lupe genommen werden sollten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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