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Palliativmedizin: Cannabinoide gegen Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen

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Wenn schwerkranke Menschen an Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schmerzen leiden, können Cannabinoide hilfreich in der Palliativtherapie sein.

Lebensqualität sei das herausragende Ziel für Menschen am Lebensende, sagte Professor Dr. Andreas S. Lübbe von der Palliativstation in Bad Lippspringe beim Münchner Fachpresse-Workshop Supportivtherapie.

Starke Schmerzen, Appetitlosigkeit (Anorexie), Fatigue, Erbrechen und Übelkeit belasten zahlreiche Kranke enorm – und auch ihre Angehörigen.

Wenn Patientinnen oder Patienten nicht essen können oder wollen kann das zu starkem Gewichtsverlust und zu krankhafter, starker Abmagerung (Kachexie) führen.

Cannabis kann unter anderem den Appetit anregen. Dronabinol-Tropfen enthalten THC und können deshalb Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit vermindern.

Lübbe nannte die Cannabinoide als einen Baustein zur medikamentösen Behandlung der Anorexie (Appetitlosigkeit).

Derzeit gibt es in Deutschland nur ein entsprechendes Fertigarzneimittel auf dem Markt: den Mundspray Sativex® zur Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei MS-Patienten.

Eine Alternative dazu bietet die Dronabinol-Rezeptursubstanz, die in Apotheken gemäß NRF-Vorschrift zu öligen Tropfen (25 mg/ml) oder Kapseln (2,5 oder 5 oder 10 mg/Kapsel) verarbeitet werden kann. Informationen zur Rezeptur stellt der Hersteller unter www.bionorica-ethics.de zur Verfügung.

Das Rezepturarzneimittel muss von einem Arzt oder einer Ärztin auf einem Betäubungsmittelrezept verordnet werden.

Als Indikationen für Dronabinol gelten unter anderem Übelkeit, Erbrechen und Anorexie bei Krebs- oder Aidspatienten sowie Spastizität und Hypersalivation (vermehrter Speichelfluss).

Ebenso gebe es eine hohe Evidenz bei Patienten mit Kachexie-Syndrom, sagte Lübbe. Dronabinol könne Appetit und Geschmackserleben anregen und Übelkeit mildern.

Appetitanregung und Muskelrelaxation sind laut Hersteller die Hauptwirkungen von Dronabinol.

Weniger ausgeprägt sind die Effekte gegen Übelkeit und Erbrechen, gegen Schmerzen und Angst, sowie die beruhigenden und entzündungswidrigen Wirkungen.

Dronabinol kommt darüber hinaus zur Anwendung bei Schmerzen anstelle von oder ergänzend zu Opioiden. Lübbe hält dies vor allem für sinnvoll, wenn Patienten an weiteren Symptomen leiden, gegen die Cannabinoide wirksam sind. Als Beispiele erwähnte er Übelkeit, Anorexie, Spastizität, Hypersalivation und Schlafstörungen.

Zur Appetitstimulation sollte man mit einer tiefen Dosis anfangen und langsam auftitrieren. Das bedeutet: Zu Beginn zweimal täglich einen bis drei Tropfen der öligen Lösung (0,83 bis 2,5 mg) geben und alle drei Tage steigern. Lübbe sagte, dass die meisten Patienten nicht mehr als 10 mg pro Tag brauchen.

Höhere Dosierungen kommen in der Regel zur Anwendung bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit und Erbrechen sowie zur Schmerzbehandlung.

Als unerwünschte Wirkungen können typischerweise auftreten: Schwindel (mehr als 10 Prozent der Patienten) sowie Müdigkeit, Amnesie, Dysarthrie (Sprechstörungen) und affektive Störungen.

Kontraindikationen für Dronabinol sind psychiatrische Erkrankungen wie Psychosen, Panikattacken oder Depression sowie Krampfanfälle und Epilepsie in der Anamnese.

Lübbe hält Cannabinoide für eine Bereicherung in der Palliativmedizin und verlangte »mehr Mut zum Einsatz«.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=57248

Kommentar & Ergänzung:

Weitere Informationen zu Dronabinol, Sativa-Öl und Sativex finden Sie hier:

Dronabinol / THC vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Cannabis-Medikamente bereichern Schmerztherapie und Palliativmedizin / Palliative Care

Neues Cannabismedikament in der Schweiz (Sativa-Öl)

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erehältlich (Dronabinol / Cannabistinktur)

Cannabis-Wirkstoffe neben THC zunehmend auch Cannabidiol (CBD) im Fokus

Cannabis-Kapseln besser wirksam als ein Joint

 

Cannabis-Wirkstoff gegen Epilepsie erforscht

Cannabis als Heilmittel – Zulassung für Sativex-Spray in Deutschland

Cannabis als Heilpflanze – es tut sich was

Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

 

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

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Cannabis-Medikamente bereichern Schmerztherapie und Palliativmedizin / Palliative Care

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Dr. Thomas Nolte (59) leitet als Facharzt für Anästhesiologie das Schmerz- und Palliativzentrum Wiesbaden. Bis 2009 war er Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie und ist auch im Hospiz- und Palliativverband Hessen aktiv.

Im Gespräch mit „dpa“ kommt Nolte auf Dronabinol zu reden, ein Präparat auf der Basis von halbsynthetischem THC.

Die Anwendung sei äußerst selten – er verordne diesen Wirkstoff vielleicht einem von 200 Schmerzpatienten pro Woche. Die Verordnung sei auf bestimmte Patientengruppen beschränkt, zum Beispiel mit Multipler Sklerose, schwerem Tumorschmerz oder Spastiken. Der Vorteil sei die gute Verträglichkeit, auch in der Langzeitanwendung. Wegen des speziellen Wirkmechanismus könne man damit Effekte erzielen, die mit anderen Pharmaka nicht erreichbar seien.

Auf die Frage, wieso dieses Mittel so selten eingesetzt werde, antwortet Nolte:

„Der Zugang ist extrem limitiert: Es muss über ein Betäubungsmittel-Rezept verordnet werden und die Krankenkassen übernehmen die Kosten nur in seltenen Fällen. Aus meiner Sicht ist es nicht nachvollziehbar, dass Dronabinol einen anderen Status hat. Es ist eine effektive, gut verträgliche Substanz und eine Bereicherung im Spektrum eines Schmerztherapeuten und Palliativmediziners. Es gibt keinen Grund, dass wir darüber nicht genauso verfügen können wie über Opioide, Antiepileptika oder Antidepressiva.“

Quelle:

https://de.nachrichten.yahoo.com/schmerztherapeut-cannabis-medikamente-eine-bereicherung-100802269.html

Kommentar & Ergänzung:

Es ist sehr zu begrüssen, wenn es zunehmend sichere, legale Anwendungsformen für den medizinischen Einsatz von Cannabispräparaten gibt.

Zur Situation in der Schweiz:

Neues Cannabis-Medikament in der Schweiz

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erhältlich 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Welche Bedeutung hat Cannabis für die Medizin?

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Vor kurzem hat das Verwaltungsgericht in Köln entschieden, dass in begründeten Einzelfällen der Eigenanbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken erlaubt ist.

Näheres siehe dazu hier:

Gericht erlaubt Schmerzpatienten Eigenanbau von Cannabis  (auch mit Informationen zur arzneimittelrechtlichen Situation in der Schweiz).

In der „Deutschen Apothekerzeitung“ publizierte Prof. Dr. Thomas Herdegen daraufhin eine Einschätzung bezüglich der Bedeutung von Cannabis in der Medizin:

„Auch wenn, insbesondere aus den USA, immer wieder neue Anwendungsgebiete für Cannabis propagiert werden, beschränken sich die Indikationen, für die es Hinweise auf einen belegbaren Nutzen gibt, auf Schmerzhemmung, Schmerzen und Spastik bei multipler Sklerose, Anti-Emesis und Appetitsteigerung bei Kachexie.“

Grundsätzlich seien Cannabinoid-haltige Arzneimittel zwar in der Regel gut verträglich, doch zeigten sie große individuelle Unterschiede in der Wirksamkeit. Je nach Indikation würden sie oft in ihrer Wirkung von Arzneistoffen der ersten Wahl übertroffen.

Obwohl in manchen Studien nur gering verbesserte Mittelwerte oder schwache klinische Effekte gezeigt werden konnten, sei nicht auszuschließen, dass gewisse Subgruppen der Patientinnen und Patienten von Cannabinoiden profitieren.

Nach Prof. Herdegen stellen sie daher in der Hand von erfahrenen, im Umgang mit Cannabinoiden vertrauten Therapeuten für einige Erkrankungen eine sinnvolle Therapieoption dar, wobei sie aber meist 2. Wahl seien.

Prof. Herdegen geht auch auf Risiken und Nebenwirkungen ein:

„Die gefürchteten psychogenen Wirkungen mit Missbrauch, Einschränkung kognitiver Fähigkeiten und Entzug beim Absetzen treten, ausgenommen von Einzelfällen, weit jenseits der therapeutischen Dosierungen auf. Beim medizinisch indizierten Einsatz kommt es vor allem zu folgenden, nicht-psychogenen Nebenwirkungen: Müdigkeit, Aufmerksamkeitsstörung, Schwindel, Hypotension, Mundtrockenheit, vermindertem Tränenfluss sowie gastrointestinalen Irritationen. Generell unterliegen die Nebenwirkungen aber einer mehr oder weniger raschen Toleranz (Beginn nach Tagen bis Wochen), was den Verdacht nahelegt, dass das auch bei den Wirkungen der Fall sein könnte.“

Zusammenfassend hält der Experte fest, „dass aus medizinischer Sicht die Cannabinoide zum ‚therapeutischen Arsenal’ gehören, wenn auch als Mittel der zweiten Wahl.“

Gerade in der Schmerztherapie könne dieses Arsenal aber nicht groß genug sein und auch die Standard-Therapeutika wie COX-Inhibitoren und Opioide seien im Umgang nicht weniger problematisch.

Die Kosten für standardisierte Cannabinoid-Arzneimittel sollten daher von den Krankenkassen übernommen werden, wenn ihre Anwendung medizinisch begründet ist, schreibt Herdegen.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2014/08/01/wann-cannabis-helfen-kann/13472.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Ich teile die Stossrichtung dieser Einschätzung voll.

Cannabis sollte klar zum „therapeutischen Arsenal“ der Medizin gehören.

Und der medizinische Einsatz von Cannabis sollte kritisch diskutiert werden und auf Indikationen begrenzt, für welche ausreichend dokumentierte Wirksamkeit vorliegt. Fragwürdig ist es jedenfalls, Cannabis als Heilmittel für alle möglichen Beschwerden zu propagieren.

Schmerzkranke und Menschen mit Spastik, zum Beispiel bei Multipler Sklerose, sollten aber einen legalen Zugang zu Cannabis als Arznei haben, wenn sie damit ihre Beschwerden lindern können.

Dasselbe gilt für Krebspatienten zur Linderung von Übelkeit und Erbrechen, die als Begleiterscheinung von Chemotherapien auftreten können, sowie zur Linderung von Appetitlosigkeit.

Zum Urteil des Verwaltungsgerichts siehe auch:

Cannabis-Eigenanbau: Pharmazeutische Bedenken 

Und weiteres zur medizinischen Anwendung von Cannabis:

Cannabis als Arznei 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Schmerzmittel Tramadol in afrikanischer Heilpflanze entdeckt

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Tramadol (Tramal®) ist ein schmerzlindernder Wirkstoff aus der Gruppe der Opioide zur Therapie von mittelstarken bis starken Schmerzen verschiedener Ursache. Nach neuesten Erkenntnissen wird das vermeintlich nur synthetisch hergestellte Schmerzmittel auch in der Natur gebildet.

Ein Wissenschaftlerteam um Michel De Waard und Ahcène Boumendjel am Institut für Neurowissenschaften in Grenoble hat entdeckt, dass Tramadol in großen Mengen in einer afrikanischen Heilpflanze vorkommt. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden nun im Fachjournal «Angewandte Chemie» publiziert. Die französisch-kamerunische Forschergruppe konnten das Vorhandensein von Tramadol in der Wurzelrinde von Nauclea latifolia belegen. Die Tramadol-Konzentration in Extrakten aus getrockneter Rinde lag zwischen 0,4 und 3,9 Prozent. Aus 1 Kilogramm getrockneter Wurzelrinde des Baums konnte bis zu 10 Gramm Tramadol extrahiert werden.

In den oberen Pflanzenteilen konnte das Molekül nicht nachgewiesen werden.

Tramadol wurde in den 1970er-Jahren von der Pharmafirma Grünenthal entwickelt und unter dem Präparatenamen Tramal® in den Handel gebracht. Nach Angaben der französischen Wissenschaftler ist dies das erste Mal, dass ein vollsynthetisch hergestellter Wirkstoff in so hoher Konzentration in einer natürlichen Quelle entdeckt wurde. Zur Bestätigung testeten die Forscher mit verschiedenen Verfahren die Echtheit des natürlichen Ursprungs. Drei unabhängige Labors kamen zudem zu identischen Resultaten. Um die Möglichkeit einer unbeabsichtigten Verunreinigung der Proben durch synthetisches Tramadol auszuschließen, entnahmen die Wissenschaftler frisches Material aus dem Inneren der Wurzeln und konnten auch hier das Vorhandensein des Wirkstoffs bestätigen.

Nauclea latifolia zählt zur Familie der Rubiaceen (Rötegewächse) und wird in Afrika auch als Pin Cushion Tree bezeichnet. Die immergrüne Pflanze ist in der Sub-Sahara weit verbreitet und wird hauptsächlich in Kamerun in der traditionellen Medizin als Heilpflanze angewendet, beispielsweise bei Epilepsie, Fieber, Malaria und nicht zuletzt bei Schmerzen. Da in Afrika bis zu zehn verschiedene Arten dieses Strauchs bekannt sind, wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, in welchen Gattungen sich das Analgetikum Tramadol noch finden lässt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=49048&Nachricht_Title=Nachrichten_Nat%FCrliches+Tramadol+entdeckt&type=0

http://www.scienceticker.info/2013/09/18/baum-produziert-synthetisches-schmerzmittel/

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.201305697/abstract;jsessionid=7F6F7BE28229A363A9F6A9574BADB516.f04t03

Kommentar & Ergänzung:

Tramal® und seine Generika sind als Schmerzmittel sehr bedeutend. Als Opioide gehören sie zur Abgabekategorie A (verschärft rezepturpflichtig).

Es ist schon sehr speziell, dass ein Wirkstoff zuerst synthetisch entwickelt wurde und erst viele Jahre später in der Natur entdeckt wird. Meistens läuft es ja umgekehrt: Ein Wirkstoff wird in der Pflanzenwelt gefunden und später im Labor synthetisiert.

Wer sich aufgrund dieser Forschungen nun vorstellt, man könne Tramadol einfach durch einen Kräutertee oder einen Extrakt aus der Wurzelrinde von Nauclea latifolia ersetzen, macht es sich aber wohl zu einfach, weil dieser Wirkstoff nicht harmlos ist.

Zwar gilt das Risiko für die Entwicklung einer Atemdepression oder einer Abhängigkeit bei der Anwendung von Tramadol als gering. Tramadol kann jedoch Entzugssymptome auslösen und als Rauschmittel missbraucht werden.

Der Wirkstoff hat wegen seiner Biotransformation über die Enzymsysteme CYP3A4 und CYP2D6 ein hohes Potential für Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln.  Zu den häufigsten unerwünschten Nebenwirkungen zählen Übelkeit, Kopfschmerzen, Benommenheit, Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Schwitzen und Erschöpfung.

Bei Wirkstoffen mit solchen Risiken ist es in der Regel sicherer, wenn sie isoliert angewendet werden, weil sie sich dann genauer dosieren lassen.

Ergänzung Oktober 2014: Doch kein Tramadol aus Pflanzenproduktion

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Pflanzenmedizin gegen Husten

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ ( Nr. 7 / 2012) fasst aktuelle Empfehlungen bezüglich Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten zusammen:

„Atemwegsinfekte sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Gerade gegen Husten bietet die Pflanzenmedizin aber gut verträgliche Hilfen an, deren Evidenz inzwischen auch in Leitlinien wissenschaftlicher Gremien Anerkennung fand. So hat die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gleich zwei Pflanzenkombinationen in ihre Therapieempfehlungen aufgenommen, die in der Leitlinie zu »Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten« genannt werden. Sie stufte die Wirksamkeit von Thymiankraut und Efeublättern und Thymiankraut und Primelwurzeln als wissenschaftlich nachgewiesen ein. Ursache eines akuten Hustens sind fast immer Viren. Eine antibiotische Therapie – die bekanntlich nur gegen Bakterien wirken kann – ist deshalb nur in Ausnahmefällen indiziert. Die pflanzlichen Präparate bewirken dagegen erwiesenermaßen eine schnellere Linderung des Hustens im Vergleich zu Placebo.

Als schleimlösende Mittel (Expectorantien) werden von den Lungen- und Atemwegsspezialisten Extrakte aus Anis, Myrtol, Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Efeublättern und Primelwurzeln aufgezählt. Hustenstillende Eigenschaften weisen laut Leitlinie Extrakte aus Thymian, Spitzwegerich, Drosera und Wollblumen auf. Allerdings entsprechen längst nicht alle Präparate, die derartige Pflanzen enthalten, den geforderten wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker. Pflanzliche Hustenmittel gelten auch in der Behandlung von Kindern als besonders geeignet.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Empfehlungen in den Leitlinien sind erfreulich und nachvollziehbar. Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten können es jedenfalls oft auch aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel bei einer Gesamtbetrachtung durchaus mit synthetischen Präparaten aufnehmen.

Bei den synthetischen Expectorantien (Schleimlöser) ist zum Beispiel beim Klassiker N-Acetylcystein (Fluimucil) die Studienlage sehr widersprüchlich und die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, obwohl das Präparat oft verkauft und eingenommen wird.

Bei den synthetischen Antitussiva (Hustenstiller) unterscheidet man Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt, Risiko von Nebenwirkungen) und Nicht-Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt):

– Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

– Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

Berücksichtigt man sowohl Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen für die Beurteilung, so schneiden die erwähnten Heilpflanzen-Anwendungen im Vergleich zu den synthetischen Substanzen gut ab.

Allerdings stimmt auch der Hinweis im Zitat, dass längst nicht alle Präparate, welche die erwähnten Heilpflanzen enthalten, den geforderten Qualitätskriterien genügen.

Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

P.S.

– Mit Drosera ist Sonnentau gemeint, eine insektenfressende Pflanze, die im Hochmoor wächst.

– Efeublätter nicht als Tee verwenden, sondern nur als Fertigpräparat, das auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt ist.

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Heilpflanzen lindern Husten bei Kindern

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 9 / 2012) publizierte einen Abschnitt über Heilpflanzen zur Linderung von Husten bei Kindern:

„Bei Kindern gilt zu bedenken, dass die Atemwege noch eng und somit sehr empfindlich sind. Hat Ihr Kind Schwierigkeiten beim Einatmen, deutet dies auf eine Entzündung des Kehlkopfes, des Rachens oder der Luftröhre hin. Bei Problemen beim Ausatmen kann eine Bronchitis, Bronchiolitis – Entzündung der kleinsten, knorpellosen Bronchien – oder Asthma bronchiale vorliegen. Im Allgemeinen können Kinder mit Hustenmitteln versorgt werden, ein Arztbesuch ist aber notwendig, wenn Atemprobleme wie Rasseln, Husten bei körperlicher Belastung oder Husten ohne Erkältungserscheinungen auftreten. Auch wenn Ihr Kind wenig trinkt oder der Husten plötzlich beginnt, sollte dies abgeklärt werden. Denn Ihr Kind könnte auch einen Fremdkörper verschluckt haben. Auch Inhalationen in Form eines Kopfdampfbades oder Omas Zwiebelwickel können helfen. Zwiebelstreifen dazu erhitzen, in ein Leinentuch wickeln und auf Hals oder Brust legen. Achtung: Alkoholhaltige Hustensäfte über 5% sind für Kinder nicht geeignet! Besser: eine Teemischung aus Eibischwurzel, Huflattich, Thymian und Spitzwegerich. Im Allgemeinen sollten Antitussiva und Expektorantien nicht kombiniert werden. Expektorantien sollen den Schleim lösen, während Antitussiva den Hustenreiz unterdrücken – nimmt man beide ein, wird der Schleim nicht abgehustet und ein Sekretstau kann sich bilden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, tagsüber Schleimlöser einzunehmen und abends für einen besseren Schlaf Hustenreizdämpfer.“

Kommentar & Ergänzung:

Ich selber würde Huflattich durch Malvenblüten ersetzen. Huflattich enthält sehr geringe Mengen an lebertoxischen und krebsfördernden Pyrrolizidinalkaloiden. Zwar ist nicht geklärt, ob damit für den Menschen bei der Anwendung von Huflattich ein konkretes Risiko verbunden ist. Doch kann man sicherheitshalber den Huflattich durch Malvenblüten ersetzten. Sie enthalten ebenfalls Schleimstoffe, aber keine Pyrrolizidinalkaloide.

Was genau sind Antitussiva?

Antitussiva sind hustenreizlindernde Medikamente, die bei trockenem Reizhusten eingesetzt werden. Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen zählen Codein und Dextromethorphan. Diese Wirkstoffe können unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, sind anfällig für Arzneimittel-Wechselwirkungen und können als Rauschmittel missbraucht werden. Sie sind nicht für alle Patienten geeignet und sollen vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern mit Vorsicht oder nicht eingesetzt werden. Antitussiva sollen die Häufigkeit und Intensität von Hustenanfällen vermindern. Ob sie wirklich wirksam sind, ist umstritten.

Die wichtigsten Antitussiva:

Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

– Heilpflanzen mit antitussiver Wirkung:

Eibisch, Spitzwegerich, Malve, Isländisches Moos und Sonnentau sind besser verträglich als die synthetischen Wirkstoffe und eine gute Alternative, hauptsächlich bei Kindern. Auch einige pflanzliche Expektorantien wie Guaifenesin zeigen zusätzlich eine antitussive Wirkung.

– Honig:

In einer klinischen Studie bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2 und 18 Jahren erwies sich Honig vor dem Zubettgehen als wirksamer gegen nächtlichen Husten im Vergleich zu Dextromethorphan (Paul et al., 2007). Die Dosierung lag je nach Alter bei einem halben bis zu 2 Teelöffel Buchweizenhonig. Honig soll allerdings nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden (Risiko Botulismus durch Clostridium botulinum Sporen) und den Zähnen schaden kann (Karies). Die Studienmethodik von Paul et al. wurde allerdings auch in Frage gestellt.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Antitussiva

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Schokolade: Enkephalin weckt Gier nach mehr

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Ein Experiment von US-Forschern zeigt, dass der opium-ähnliche Stoff Enkephalin die Gier nach mehr fördert. Enkephalin löse im Gehirn eine Art „Iss jetzt“- und „Iss mehr davon“-Befehl aus. Das Experiment wurde allerdings an Ratten durchgeführt. Es sei jedoch wahrscheinlich, dass Enkephalin auch bei Menschen übermäßiges Essen und Suchtverhalten antreibe.

Im Fachmagazin „Current Biology“ schreiben die Forscher, dass das Enkephalin beim Anblick und Konsum von Schokolade ausgeschüttet wird, und zwar im dorsalen Neostriatum, einer Hirnregion. Injizierten die Forscher die Substanz dort, fraßen die Ratten der Studie zufolge doppelt so viel Schokolade wie normal. Wie man sich vor dem Enkephalin-Effekt schützen kann, schreiben die US-Wissenschaftler allerdings nicht.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=138881

http://www.cell.com/current-biology/retrieve/pii/S0960982212009426

Kommentar & Ergänzung:

Die Enkephaline gehören zu den vom Körper selbst produzierten Opioiden. Sie sind  verwandt mit den Endorphinen.

Wenn diese Forschungsergebnisse aus „Current Biology“ stimmen, dann sorgt Schokolade quasi selbst für die Steigerung des Schokoladekonsums.

Schon lange diskutiert werden mögliche stimmungsaufhellende Wirkungen der Schokolade, die ebenfalls den Konsum anregen könnten:

„Ungesüßtes Kakaopulver enthält 1 bis 3 Prozent Theobromin, das chemisch dem Koffein ähnlich ist. Es wirkt auf den Organismus mild und dauerhaft anregend und leicht stimmungsaufhellend. Für Menschen ist dieser Anteil – im Gegensatz zu Hunden, Katzen und Pferden – ungefährlich. Weitere Inhaltsstoffe, die in Zusammenhang mit der stimmungsaufhellenden Wirkung von Schokolade gebracht werden, sind unter anderem das molekulare Grundskelett des Amphetamins Phenylethylamin, die Serotonin-Vorstufe Tryptophan, ein natürliches Antidepressivum, und das Cannabinoid Anandamid, letzteres ein Derivat der Arachidonsäure. Die enthaltene Menge Anandamid ist jedoch für einen merklichen Effekt viel zu gering, obwohl in Schokolade zusätzlich Substanzen enthalten sind, die den Abbau hinauszögern. Der stimmungsaufhellende Effekt von Schokolade ist durch die Inhaltsstoffe alleine nicht schlüssig erklärbar, sondern schließt auch psychische Einflüsse ein.“

Quelle: Wikipedia

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Mentale Ablenkung reduziert Schmerzempfinden via Rückenmark

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Ablenkung kann das Schmerzempfinden vermindern – dieses Phänomen ist schon lange bekannt. Forscher des Instituts für Systemische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) konnten nun durch eine Studie zeigen, dass dies kein rein psychologischer Vorgang ist, sondern auf einem Mechanismus beruht, der schon auf Rückenmarksniveau einsetzt. Die Resultate ihrer Arbeit wurden im renommierten Wissenschaftsjournal „Current Biology“ publiziert.

In einer experimentellen Studie führten gesunde Versuchsteilnehmer zwei Schwierigkeitsstufen einer Gedächtnisaufgabe aus, während ihnen gleichzeitig schmerzhafte Hitzereize am Arm appliziert wurden. Die einfache Stufe der Gedächtnisaufgabe bewirkte keine relevanten Ablenkung vom Schmerzempfinden, die schwierige Stufe hingegen führte dazu, dass die Probanden von den Schmerzreizen deutlich abgelenkt waren und den Schmerz somit als schwächer erlebten.

Beide Male wurde mittels der funktionalen Magnetresonanztomografie (fMRT) gemessen, wie stark das Rückenmark durch die zugefügten Schmerzreize aktiviert wurde.

Das Resultat war überraschend: Während der schwierigen Stufe der Gedächtnisaufgabe zeigte sich im zugehörigen Abschnitt des Rückenmarks eine signifikant schwächere Aktivierung durch die Schmerzreize verglichen mit der leichten Stufe. Dies lasse sich höchstwahrscheinlich dadurch erklären, dass das Gehirn während einer anspruchsvollen kognitiven Aufgabe ein System im Hirnstamm aktiviert, das schon auf Rückenmarksebene die dort eingehenden Schmerzsignale hemmt, erläutert Christian Sprenger vom Institut für Systemische Neurowissenschaften (ISN) am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE), der die Studie leitete. Das geringere Schmerzempfinden während einer Ablenkung sei somit kein rein psychologisches Phänomen, sondern basiere auf einem aktiven Mechanismus, der bereits auf der frühsten Stufe der zentralen Schmerzverarbeitung einsetzte.

In einem weiteren Untersuchungsschritt konnte die Arbeitsgruppe von Prof. Christian Büchel, Direktor des ISN, belegen, dass dieser Mechanismus endogene Opioide als Überträgerstoff benutzt. So bewirkte die Verabreichung des Medikaments Naloxon, welches Opioidrezeptoren im Körper blockiert, eine Verminderung des zuvor beobachteten Effekts um etwa 40 Prozent.

Die Resultate der Studie zeigen auf, welch tiefgreifenden Einfluss kognitive Faktoren auf die Schmerzverarbeitung nehmen können, darüber hinaus könnten sie jedoch auch klinische Relevanz haben. Die Resultate legen nahe, dass therapeutische Ansätze wie zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie auch das Potential haben könnten, bis auf die Rückenmarksebene zu wirken und dort schmerzverbundene Krankheitsvorgänge zu beeinflussen.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news477912

Kommentar & Ergänzung:

Sehr interessant, welche Faktoren auf die Schmerzverarbeitung Einfluss nehmen können.

Siehe auch:

Erwartung einer Schmerzlinderung bewirkt Schmerzlinderung

Bei bleibenden Schmerzen stellt sich die Frage, wie man mit diesem unerwünschten Begleiter umgehen kann.

Für Anregungen dazu empfehle ich das Tagesseminar „Phänomen Schmerz besser verstehen und damit umgehen“

oder die „Eidberger Gedankengänge“.

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Verstopfung: Zuerst nach der Ursache fanden

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«Wie oft in der Woche haben Sie Stuhlgang?» Mit dieser Einstiegsfrage könne das Apothekenteam die Selbstdiagnose eines Kunden mit Verstopfung (Obstipation) hinterfragen. Dies empfahl Privatdozent Dr. Ralf-Marco Liehr, Direktor der Klinik für Innere Medizin am Vivantes Humboldt-Klinikum, Berlin, in Meran. Mit wenigen weiteren Fragen könne die Apotheke ermitteln, ob eine behandelbare Grunderkrankung vorliege und eine Selbstmedikation vertretbar sei.

Die Stuhlfrequenz ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden: Von mehr als zweimal täglich bis zweimal wöchentlich reiche die «normale» Bandbreite, erklärte Liehr. Der Apotheker solle auch die Pathophysiologie der Verstopfung klären. So klagen zahlreiche Frauen in der Schwangerschaft oder in der zweiten Zyklushälfte über Verstopfung. Aber auch Grunderkrankungen wie Hypothyreose, Hyperparathyreoidismus, Diabetes, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose oder Myopathien können Verstopfung begünstigen. ´

Gleiches gilt für Medikamente wie Opioide, Calciumantagonisten, Antazida, Antidepressiva, Anticholinergika, Antikonvulsiva, Eisenpräparate, Diuretika und Laxantien (cave: Hypokaliämie). Liegt weder eine behandelbare Grunderkrankung noch eine Arzneimittel­Nebenwirkung vor, spricht man von einer funktionellen Verstopfung, bei der Colontransit und/oder anorektale Funktionen gestört sein können.

Bei bestimmten Alarmsymptomen muss die Apotheke den Kunden oder die Kundin zum Arzt schicken: akut oder neu aufgetretene Verstopfung, Blut im Stuhl sowie begleitendes Fieber, Übelkeit und Erbrechen. Auch Personen mit Kolonkrebs (Dickdarmkrebs) oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen in der Vorgeschichte gehören zum Arzt. «Hier ist eine Koloskopie obligat», sagte Liehr.

Erste Maßnahme in der Selbstmedikation: alle Laxanzien ( = Abführmittel) absetzen und den Ballaststoffanteil der Nahrung auf 30 g/Tag steigern. Geeignet sind beispielsweise Lignin aus Weizenkleie oder Psyllium aus Indischem Flohsamen. Den größten Nutzen davon haben Menschen mit normaler Colontransitzeit, erklärte Liehr. Bei verzögerter Transitzeit kommen osmotische oder hydragoge Abführmittel zur Anwendung.

Menschen mit anorektalen Funktionsstörungen hilft es, die Bauchpresse zu vermeiden oder rektale Entleerungshilfen wie Glycerin, Bisacodyl oder CO2-Bildner als Suppositorien einzusetzen. Bei Verstopfung im Zusammenhang mit Beckenbodenstörungen sei auch die Wirkung von Biofeedback-Training belegt. Bei Rektozelen oder dem inneren Prolaps könne eine Operation das Problem lösen, erklärte der Experte.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=38053&Nachricht_Title=Nachrichten_Obstipation%3A+Zuerst+nach+der+Ursache+fahnden&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Der Text weist sehr zurecht darauf hin, dass bei Verstopfung auch an möglicherweise vorliegende Grunderkrankungen gedacht werden sollte und dass verschiedene Medikamentengruppen Verstopfung begünstigen können.

Etwas verwirrlich ist die Formulierung „Psyllium aus Indischem Flohsamen“. Das tönt so, als wäre „Psyllium“ ein wirksamer Inhaltsstoff der Indischen Flohsamen (Plantago ovata).

„Psyllium“ ist aber nur ein Bestandteil des botanischen Namens von „Plantago psyllium“ (Sand-Wegerich, Flohkraut)  Das ist eine Verwandte des Indischen Flohsamens, deren Samen als Psyllii semen (Flohsamen) ebenfalls gegen Verstopfung eingesetzt werden.

Aber vielleicht wird dadurch nun alles nur noch mehr verwirrlich………

Die Wirksstoffe in den Flohsamen und den Indischen Flohsamen sind jedenfalls Schleimstoffe (Polysaccharide, vor allem Arabinoxylane).

Flohsamen / Indische Flohsamen bzw. Indische Flohsamenschalen können gut bei chronischer  Verstopfung eingesetzt werden(mit viel Wasser), da sie keine Gewöhnung bewirken.

In bestimmten Fällen – zum Beispiel bei Reizdarm – eignen sie sich auch gegen Durchfall (mit weniger Wasser).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie begrüsst erleichterte Zulassung für Cannabis-Medikamente

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Die Entscheidung der Regierungskoalition, Zulassung und Verordnungsfähigkeit von Fertigarzneimitteln mit natürlichen oder synthetischen Cannabis-Wirkstoffen (Cannabinoiden) zu erleichtern, wird von der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie e.V. und der Patientenorganisation Deutsche Schmerzliga e.V. unterstützt. „Es ist an der Zeit, Cannabis aus der Schmuddelecke zu holen“,erklärt der Göppinger Schmerzmediziner Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie und Vizepräsident der Deutschen Schmerzliga.

Mit dem teilsynthetisch hergestellten Cannabinoid Dronabinol, das aus natürlichen Cannabinoiden gewonnen wird, haben die Schmerztherapeuten bei verschiedenen Schmerzerkrankungen gute Erfahrungen gemacht. Denn Dronabinol darf – im Gegensatz zum natürlichen Extrakt der Hanfpflanze – auch schon unter den geltenden gesetzlichen Regelungen produziert und ärztlich verordnet werden. Zum Einsatz kommt die Substanz zum Beispiel bei Schmerzen nach Polioerkrankungen oder Schmerzformen wie Fibromyalgie, die durch eine mangelhafte körpereigene Schmerzkontrolle ausgelöst werden. Auch spastische Schmerzen bei Multipler Sklerose können mit dem Hanfwirkstoff häufig besser behandelt werden als mit anderen Medikamenten. „Wenn Gesetzesänderungen dazu führen, dass Cannabinoide generell leichter erforscht, zugelassen und verordnet werden können, begrüßen wir dies, weil es neue Therapieoptionen eröffnet“, erklärt Müller-Schwefe.

Durch die geplante Gesetzesänderung soll aber auch eine Praxis legalisiert werden, welche Schmerztherapeuten und Palliativmediziner schon lange aus der Not heraus pflegen: Sie lagern für Notfälle starke Schmerzmittel (Opioide) ein, die Patienten zurückgegeben haben, weil sie diese nicht mehr brauchen. Denn es geschieht immer wieder, dass Schmerzmediziner Patienten am Wochenende notfallmäßig ein starkes Schmerzmittel verordnen müssen, die Apotheken jedoch keine vorrätig haben. „Wir freuen uns, dass die Politik nun endlich unsere Forderungen umsetzt und unser Vorgehen legalisiert“, sagt der Schmerzmediziner Dr. Gerhard H. H. Müller-Schwefe.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=31106

Kommentar & Ergänzung:

Ich gehe mal davon aus, dass die geschilderte Praxis, wonach in der Palliativmedizin Opioide quasi illegal für Notfälle gehortet werden müssen, in der Schweiz nicht vorkommt – und dass bei uns die notwendigen Medikamente zur verfügen stehen.

Dronobinol ist auch in der Schweiz ein Thema. Infos dazu hier:

Cannabis als Heilmittel zulassen!

Interessant in der Stellungnahme der Gesellschaft für Schmerztherapie ist der Hinweis auf Polio (Kinderlähmung) und Fibromyalgie.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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