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Honig lässt Wunden rascher heilen

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Durch seinen hohen Zuckergehalt und andere Inhaltsstoffe wirkt Honig antibakteriell. In seiner Wirksamkeit übertrifft Honig sogar manche Antibiotika, kann sie aber nicht gänzlich ersetzen.

Elisabeth Presterl, Leiterin der Krankenhaushygiene an der Medizinischen Universität Wien, sagt in einem Gespräch mit science.ORF.at.:

„In der Wundpflege gibt es den sogenannten ‚medizinischen Honig‘. Man konnte bei chronischen Wunden und oberflächlichen Verbrennungen zeigen, dass er nicht nur einen anti-bakteriellen Effekt hat, sondern auch zur Verbesserung der Wundheilung und Verkleinerung der Wunde führt.“

An der Medizin-Uni Wien wird der medizinische Honig darum bei genau solchen schlecht heilenden Wunden eingesetzt, die etwa durch Gefäßstörungen ausgelöst werden.

Die Zusatzbezeichnung „medizinisch“ bekommt dieser in der Klinik verwendete Honig, weil er bezüglich Feuchtigkeit und Zuckergehalt ein genau genormtes Produkt ist und frei von Verunreinigungen sein muss. Medizinischer Honig wird also noch genauer kontrolliert als normaler Honig.

Für die positive Wirkung von Honig auf Wunden gibt es mehrere Gründe, erklärt Elisabeth Presterl, und verweist als Erstes auf den hohen Zuckergehalt:

„Zucker ist ein Konservierungsmittel und kann Bakterien abtöten. Darüber hinaus gibt es aber noch andere Inhaltsstoffe wie Polyphenole, Aminosäuren und Substanzen, die etwa Immunzellen stimulieren – das alles könnte in Kombination die Wirksamkeit von Honig ausmachen.“

Antibiotika könne man in der Wundpflege sicherlich nicht generell durch Honig ersetzen, erklärt die Ärztin. Gerade bei schweren Wundinfektionen hält sie es nicht für sinnvoll, wenn diese nur lokal behandelt werden. In solchen Fällen brauche es eine ergänzende Einnahme von Antibiotika.

Bei den leichteren Fällen sei es jedoch sinnvoll, eine Wunde zuerst einmal oberflächlich mit dem salbenähnlichen medizinischen Honig zu behandeln: „Wir verabreichen noch immer viel zu oft und zu rasch Antibiotika.“

Honig sei eine Möglichkeit, um den Antibiotikaverbrauch auf das unbedingt nötige Maß zu reduzieren, ist Presterl überzeugt.

Für den medizinischen Honig sieht sie auch eine Rolle im Kampf gegen gefährliche Krankenhaus: „Es gab Versuche im Reagenzglas, laut denen Honig auf multiresistente Keime wirken kann.“

Im Labor konnte Honig demnach Bakterien abtöten, bei denen Antibiotika versagt hatten.

Nicht zuletzt aus diesem Grund ist medizinischer Honig in der Hygienerichtlinie der Medizin-Uni Wien zum Thema MRSA aufgeführt – also jenen multiresistenten, potenziell tödlichen Bakterien, die zuletzt in deutschen Krankenhäusern für Probleme sorgen.

Dafür, dass eingenommener Honig auch gut für die Gesundheit ist, dafür gebe es keine harte Evidenz, sagt Presterl.

Studien haben zwar gezeigt, dass Honig nach Mandeloperationen bzw. bei Halsweh die Schmerzen vermindert, ein Placebo hatte jedoch die gleiche Wirkung – ebenso wie ein richtiges Schmerzmittel. Und auch bei Angina fehlen nach Presterl Belege, dass geschluckter Honig antibakteriell wirkt.

Quelle:

http://sciencev2.orf.at/stories/1759705//index.html

Studien:

„Evaluation of the antibacterial activity of selected Pakistani honeys against multi-drug resistant Salmonella typhi“, BMC Complementary and Alternative Medicine 2015;

http://www.biomedcentral.com/1472-6882/15/32

 

„Honey: an immunomodulator in wound healing“, Wound Repair and Regeneration 2014

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/wrr.12117/abstract

 

„Honey for acute cough in children“, Cochrane Database of Systematic Reviews 2014;

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22419319

 

Kommentar & Ergänzung:

Gerade weil Antibiotika in vielen Fällen lebenswichtige Medikamente sind, muss jede Möglichkeit genutzt werden, sie durch andere wirksame Behandlungsstrategien zu ersetzen, damit das rasant zunehmende Problem der Antibiotikaresistenzen sich nicht weiter verschärft. Honig zur Wundbehandlung ist eine prüfenswerte Alternative. Allerdings braucht es dafür noch deutlich mehr Forschung und weil Honig nicht patentierbar ist, gibt es nur wenige Firmen, die dafür viel Geld investieren. Als medizinischer Honig kommt meist ein Manuka-Honig aus Neuseeland zur Anwendung, der unter der Bezeichnung „Medihoney“ als eingetragene Warenmarke registriert und als Medizinprodukt zugelassen ist. Darum gibt es hier offensichtlich Geld für Forschung. Manuka-Honig enthält als wichtigen Inhaltsstoff neben den Zuckern des Honigs in wechselnden Mengen das antibakteriell wirksame Zuckerabbauprodukt Methylglyoxal (MGO). Der Methylglyoxal-Gehalt von Manuka-Honig soll bis zu 100fach höher sein als in konventionellen Honigsorten. Allerdings soll das Methylglyoxal auch für die Schmerzentwicklung verantwortlich sein, einem Hauptproblem in der Wundbehandlung mit Manuka-Honig. Das ist ein Grund dafür, dass die Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung e.V. in ihrer S3-Leitlinie zur Lokaltherapie chronischer Wunden von der Verwendung von Manuka-Honig abrät.

Honig ist ein sehr heterogen zusammengesetztes Produkt und es braucht wohl noch intensive Forschung, bis ein optimal zusammengesetztes Produkt gefunden ist.

Honig wurde als Wundheilmittel sowie für verschiedene andere Anwendungsbereiche allerdings schon verschiedentlich untersucht.

Siehe dazu auch:

Honig verhindert Mundschleimhautentzündung / Mukositis

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig zeigt Wirkung gegen multiresistente Bakterien

Naturheilmittel: Wundbehandlung mit Manuka-Honig

Honig als Wundheilmittel

Honig gegen Mundschleimhautentzündung bei Chemotherapie

Wundheilmittel: Honig gegen resistente Bakterien

Honig – altes Wundheilmittel im Aufwind

Honig verkürzt Wundheilung bei Brandwunden

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Phytotherapie-Kurse Herbst 2016

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Interessiert an Phytotherapie-Kursen und Phytotherapie-Lehrgängen?

Hier eine Übersicht der bevorstehenden Veranstaltungen:

Tagesseminare:

1. Oktober 2016: Phytotherapie im Überblick

Heilpflanzen-Anwendungen für die Bereiche Verdauung, Herz-Kreislauf, Niere / Blase / Prostata, Rheuma, Gynäkologie.

1. November 2016: Heilpflanzen-Anwendungen in Onkologie-Pflege und Palliative Care

30. November 2016: Heilpflanzen-Anwendungen bei Erkältungskrankheiten

Lehrgänge:

Ab 3./4. Dezember 2016: Heilpflanzen-Seminar über 6 Wochenenden.

Ab 8./9. Dezember 2016: Phytotherapie-Ausbildung, 15mal 2 Tage bis im Juni 2016.

Info und Anmeldung über die Rubrik „Kurse“.

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Professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege

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Heilpflanzen-Anwendungen bewähren sich in Spitex, Palliative Care, Pflegeheim und Psychiatrischen Kliniken, aber auch im Spital und auf der Intensivstation.

Wer interessiert ist an dieser Verbindung zwischen Naturheilkunde und Medizin, kann sich am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur fundierte Kenntnisse erwerben und damit die Basis für eine erfolgreiche Integration von Heilpflanzen-Anwendungen in die Pflege. Hier folgt eine Übersicht der Lehrgänge und Kurse im Herbst 2016:

Phytotherapie-Ausbildung für Pflegende

Der nächste Lehrgang startet am 8. Dezember 2016 in Winterthur. Vermittelt wird professionelles Heilpflanzenwissen für die Pflege und den privaten Bereich. Für interessierte Pflegende gratis Schnuppertag in laufendem Lehrgang!

Tagesseminare in Winterthur

Kompaktes, aktuelles Phytotherapie-Wissen zu einem bestimmten Thema:

1. Oktober 2016: Phytotherapie im Überblick

1. November 2016: Heilpflanzen-Anwendungen in Palliative Care und Onkologiepflege

Viele Beschwerden aus Palliative Care und Onkologiepflege lassen sich mit Heilpflanzen lindern.

Siehe dazu auch: Phytotherapie in der Palliative Care

30. November 2016: Heilpflanzen-Anwendungen bei Erkältungskrankheiten

Alle Themen auch als Teamweiterbildung für Ihre Institution!

Alle Detailinformationen im Kursprogramm.

 

 

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Salbei bei Mundschleimhautentzündung (Mukositis)

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Jeder fünfte Krebspatient leidet als Nebenwirkung der Krebstherapie an einer Entzündung der Mundschleimhaut (Mukositis). Abhängig von der Krebsart oder der Behandlungsform sind deutlich mehr, nämlich zum Teil bis zu 100 Prozent der Krebspatienten betroffen.

Die Mukositis werde manchmal auch als Sonnenbrand des Mundes bezeichnet, sagte Privatdozent Dr. Martin Hug von der Apotheke des Universitätsklinikums Freiburg beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Diese Bezeichnung verdeutliche, wie ungemein schmerzhaft die Erkrankung ist.

Hug informierte über vielfältige Möglichkeiten der Supportivtherapie bei Mukositis und kam dabei auch auf die Anwendung von Salbei zu sprechen:

«Salbei wirkt manchmal Wunder, kann aber bei einer beginnenden Mukositis schmerzhaft sein».

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=61751

Kommentar & Ergänzung:

Neben Salbei gibt es eine ganze Reihe von Heilpflanzen-Anwendungen bei Mukositis.

Siehe auch:

Honig verhindert Schleimhautentzündung bei Mukositis

Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung)

Vorbeugung von Mukositis bei Chemotherapie

Heilpflanzen bei Mundschleimhautentzündung 

 

 

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung)

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung

 

Heilpflanzen bei Mundschleimhautentzündung

Eibischschleim als Schutz für die Schleimhaut

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Honig verhindert Schleimhautentzündung (Mukositis)

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Werden Patienten mit HNO-Tumoren bestrahlt, kann Honig offenbar einer Schleimhautentzündung im Mund-Rachen-Bereich vorbeugen. Zudem scheint Honig auch vor Gewichtsverlust zu schützen.

Eine Mukositis im Mund-Rachenbereich gehört zu den Komplikationen bei Strahlentherapie und Chemotherapie im HNO-Bereich (HNO = Hals-Nasen-Ohren).

Diese Schleimhautentzündungen können dazu führen, dass die Bestrahlung nicht in der gewünschten Dosis oder in den erforderlichen Intervallen erfolgen kann, was die Erfolgsaussichten vermindert. Darüber hinaus kann die Mukositis zu Infektionen mit Bakterien und Pilzen führen, aber auch zu Schmerzen und Problemen beim Essen und Trinken, wodurch ein deutlicher Gewichtsverlust eintreten kann.

Auf diese Folgen weisen Wissenschaftler um Dr. Hye Kyung Cho von der Gachon-Universität in Incheon hin (Laryngoscope 2015, online 16. März).

Da inzwischen oft Honig als nebenwirkungsarmes Mittel zur unterstützenden Wundheilung bei Verbrennungen, Hauttransplantationen, Ulzera und postoperativen Wundinfektionen eingesetzt wird, haben die Wissenschaftler um Cho untersucht, ob es entsprechende Studien auch zur vorbeugenden Anwendung bei Patienten mit Kopftumoren und Halstumoren gibt.

Die Wissenschaftler fanden neun Studien, in denen oral verabreichter Honig gegen Placebo oder gegen keine Therapie verglichen wurde, bei Patienten, die aufgrund eines Kopftumors oder Halstumors eine Strahlentherapie oder Radiochemotherapie (Kombination von Strahlentherapie und Chemotherapie) bekamen.

An den neun Studien hatten total 476 Patienten teilgenommen.

Patienten mit Honigtherapie entwickelten insgesamt signifikant seltener eine moderate bis schwere Mukositis als bei Prophylaxe mit Placebo oder keiner Behandlung.

Die Heterogenität der analysierten Studien war allerdings sehr hoch – in einigen Studien zeigten sich also sehr ausgeprägte Effekte, in anderen praktisch keine.

Die Wissenschaftler trennten nun die Patienten in solche mit Radiochemotherapie und solche mit alleiniger Strahlentherapie. Dabei schienen nur die Patienten mit Radiotherapie signifikant von der Honigprophylaxe zu profitieren, nicht jedoch die mit Radiochemotherapie.

Entwickelte sich eine Mukositis, so trat diese bei Honigtherapie in den ersten drei Behandlungswochen signifikant seltener auf, danach aber nicht mehr.

Mit Honigtherapie seltener Gewichtsverlust

Keine statistisch belastbaren Differenzen zwischen Patienten mit und ohne Honig zeigten sich bei Superinfektionen mit Bakterien und Pilzen, allerdings trat in den Honiggruppen hochsignifikant seltener ein Gewichtsverlust auf.

Hier fand sich in den Resultaten auch keine bedeutsame Heterogenität. Für alle statistisch signifikanten Ergebnisse fanden die Wissenschaftler einen klinisch relevanten Effekt.

Eine orale Honigtherapie vor oder nach Strahlentherapie scheine also in der Lage zu sein, die negativen Auswirkungen einer Strahlentherapie auf Mund- und Rachenschleimhaut zu mildern, schreiben die Wissenschaftler.

Den ausbleibenden Effekt auf das Auftreten von Superinfektionen erklären sich die Forscher damit, dass in den Placebogruppen oft Zuckersirup eingesetzt wurde, der aufgrund seiner osmotischen Eigenschaften möglicherweise ebenfalls das Bakterien- und Pilzwachstum hemmt.

Da an den meisten der Studien nur sehr wenige Patienten teilgenommen hatten, sollten die Resultate mit einer gewissen Zurückhaltung betrachtet und möglichst durch größere Untersuchungen überprüft werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/885541/hno-radiatio-honig-verhindert-mukositis.html

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/lary.25233/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Der Apitherapie (Therapie mit Bienenprodukten) werden sehr viele Heilwirkungen zugesprochen, die zum teil auch fragwürdig sind. Es gibt aber auch sehr interessante Anwendungsbereiche, die zunehmend auch wissenschaftlich erforscht werden.

Dazu gehört auch die Anwendung von Honig gegen Mukositis.

Siehe auch:

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig bei Mundschleimhautentzündung infolge Chemotherapie

Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Vorbeugung von Mukositis bei Chemotherapie

 

 

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Weiterbildung: Heilpflanzen-Anwendungen in Palliative Care & Onkologiepflege

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Am 23. Oktober 2014 findet in Winterthur (Kanton Zürich, Schweiz) ein weiteres Tagesseminar statt zum Thema „Heilpflanzen-Anwendungen in Palliative Care und Onkologiepflege“. Heilpflanzen haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen in der Pflege, in Spitex, Pflegeheimen und Kliniken, vor allem aber auch in der Palliative Care.

Viele Beschwerden, die in Palliative Care und Onkologiepflege auftreten, können mit fundierten Heilpflanzen-Anwendungen gelindert werden.

Damit Heilpflanzen-Anwendungen professionell eingesetzt werden können, braucht es aber fundierte Weiterbildung und Ausbildung der Pflegenden.

Das Tagesseminar vom 23. Oktober bietet einen guten Einblick in diese Thematik.  Das Seminar ist auch geeignet für Teilnehmende aus Naturheilkunde und Medizin. Da der Kursinhalt gut verständlich vermittelt wird, können auch Personen ohne medizinische Grundkenntnisse davon profitieren und sind willkommen.

Die Detailinformationen zu diesem Seminar finden Sie über die Rubrik „Kurse„.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Viele Krebspatienten brechen Behandlung wegen Arzneimittelnebenwirkungen ab

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Mehr als sechs Prozent der europäischen Krebspatienten beenden infolge von Nebenwirkungen die Therapie.

Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe um Rheena Khanna, London, auf dem Europäischen Krebskongress in Madrid. Sie arbeitet beim Statistikdienstleisters ims Health.

Die Wissenschaftler analysierten Behandlungsdaten von knapp 8.000 Patienten aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Im Rahmen ihrer Arbeit analysierten sie, unter welchen Tumoren die Patienten litten, welche Therapien angewendet wurden, und welche Nebenwirkungen sie entwickelten.

Von den untersuchten Patienten hatten 87 % eine zytotoxische Chemotherapie und 13 % eine Hormontherapie bekommen. Als Diagnosen waren am häufigsten vertreten Brustkrebs (22 %), Dickdarmkrebs (14 %), und nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (13 %). Als Nebenwirkungen traten am häufigsten auf mit 36 % Neutropenie (Blutbildveränderung), gefolgt von Übelkeit / Erbrechen (23 %), Blutarmut (21 %), Neuropathie (17 %) und Schleimhautentzündung (15 %).

Aus der Gruppe der Brustkrebspatientinnen, die ihre Behandlung abbrachen, hatten 57 % eine zytotoxische Chemotherapie und 43 % eine Hormontherapie erhalten.

Bei den Frauen unter Hormontherapie waren Schmerzen der häufigste Grund für den Behandlungsabbruch, gefolgt von Neutropenie. Zahlreiche Patienten mit Darmkrebs oder Lungenkrebs wurden mit platinhaltigen Chemotherapien behandelt und brachen die Therapie wegen Übelkeit, Erbrechen und Neutropenie ab.

Man könne diese Resultate als Aufruf an die Ärzteschaft sehen, die verfügbaren Möglichkeiten zur Kontrolle der Nebenwirkungen von Krebstherapien voll auszunützen, sagte die Studienleiterin.

Wie weit psychologische Strategien und bessere Beratung die Therapietreue verbessern könnten, lasse sich aus den verfügbaren Daten nicht ableiten.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60342/Viele-Krebspatienten-brechen-Therapie-wegen-Arzneimittelnebenwirkungen-ab

https://www.webges.com/cslide/library/esmo/browse/search/jmK#9faD03bf

 

Kommentar & Ergänzung:

In der direkten Bekämpfung von Tumoren zeigen Heilpflanzen-Anwendungen bisher keine überzeugenden Wirkungen.

Zur Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie können sie aber einen nützlichen Beitrag leisten.

Siehe dazu:

Naturheilkunde in der Onkologie 

Onkologie & Palliative Care: Heilpflanzen beim Hand-Fuss-Syndrom 

Onkologie & Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Onkologie & Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Tipps für Krebskranke aus der komplementären Onkologie 

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung)

Weiterbildung Palliative Care / Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung 

Palliative Care & Onkologiepflege: Bitterstoffe bei Mundtrockenheit

Onkologie: Fatigue & Roteer Ginseng

Phytotherapie bei Xerostomie (Mundtrockenheit) 

Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung) 

Palliative Care: Heilpflanzen-Anwendungen bei Appetitlosigkeit

Palliative Care & Weiterbildung: Schwarztee für Haut und Schleimhaut 

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

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Naturheilkunde in der Onkologie

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Der „Wiesbadener Kurier“ veröffentlichte ein Interview mit Professor Dr. Franz-Josef Prott, dem Leiter des Zentrums für Radiologie und Strahlentherapie am St.-Josefs-Hospital in Wiesbaden. Das Gespräch drehte sich um Risiken der Alternativmedizin und Möglichkeiten der Naturheilkunde bei Krebserkrankungen.

Zitat zu den Risiken:

„Viele Patienten, die die Diagnose Krebs erhalten, schrecken vor der Therapie mit Operation, Chemo- und Strahlentherapie zurück und wenden sich Alternativmethoden zu. Die Folgen sind fatal. Wir behandeln oft besonders Frauen mit Brustkrebs, die bei der Diagnose zuerst heilbar gewesen wären und dann, wenn sie zu uns kommen, können wir nur noch palliativ die Symptome behandeln.“

Zitate zu den Möglichkeiten der Naturheilkunde:

„Selen senkt beispielsweise die Nebenwirkungen am Darm bei Bauchbestrahlungen. Wir wenden Selen hoch dosiert sehr gerne bei Patientinnen an, die nach Bestrahlung der Lymphabflusswege bei Brustkrebs einen Lymphstau des Arms bekommen haben. Salbei, Ingwer und Honig haben wir fest im Programm bei Beschwerden der Hals- und Rachenregion.“

„Ja, unseren Patienten, die wir im Kopf- und Halsbereich bestrahlen, raten wir gerne, einen Löffel voll Honig zwischendurch einzunehmen und warmen Salbeitee stets griffbereit zu haben. Salbei wirkt antibakteriell und ist fester Bestandteil unserer Mundspülungen. Zudem helfen Traubensilberkerzenextrakte gegen Hitzewallungen, die bei einer Anti-Hormon-Therapie von Brustkrebspatientinnen oft auftreten können.“

Quelle:

http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/es-gibt-leider-viel-hokuspokus_14496638.htm

Kommentar & Ergänzung:

Zu den Risiken:

Leider kommt es immer wieder vor, dass Menschen mit einer Krebserkrankung trotz guter Prognose eine Behandlung mit Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie ausschlagen und stattdessen auf leere Heilungsversprechungen aus der Alternativmedizin setzen. Natürlich kann jeder Mensch in der Regel selber entscheiden, ob er oder sie sich einer bestimmten Behandlung unterziehen will. Eine Krebsdiagnose setzt Menschen aber stark unter Druck (emotional, zeitlich) und das macht anfällig für Heilungsversprechungen. Umso schlimmer ist es, wenn Scharlatane diese Situation ausnutzen, den Betroffenen wirkungslose Mittel andrehen und sie manchmal sogar aktiv von wirksamen Therapien abhalten. Dass es in Situationen, in denen das Leben zu Ende geht, auch sinnvoll sein kann, auf weitere invasive Therapien zu verzichten, ist ein ganz anderes Thema.

Zu den Möglichkeiten:

Selen ist ein starkes Antioxidans (Radikalfänger). Es linderte in verschiedenen Untersuchungen Lymphödeme nach Strahlentherapie und nach Operationen. Selen soll zudem die Wirkung gewisser Chemotherapeutika verbessern und Nebenwirkungen von Chemotherapeutika lindern können. Manche Kliniken befürworten daher die Gabe von Selen parallel zu Chemotherapie und Strahlentherapie. Es gibt aber auch Einwände, die bedenkenswert sind: Chemotherapie und Strahlentherapie bewirken eine vermehrte Bildung von freien Radikalen, die sowohl für die Wirkung als auch für die Nebenwirkungen der Behandlung zentral zu sein scheinen. Ein Antioxidans wie Selen könnte daher nicht nur die Nebenwirkungen, sondern auch die therapeutische Wirkung von Chemotherapie und Strahlentherapie abschwächen:

„Antioxidantien und andere Mikronährstoffe während einer Chemo- oder Radiotherapie werden kontrovers diskutiert, da bei einer Kombination eine Abschwächung der konventionellen Tumortherapien nicht ausgeschlossen ist.“

Quelle: http://www.medicalforum.ch/docs/smf/2014/37/de/smf-02036.pdf

Ich bin nicht in der Lage, in dieser Kontroverse um Wirksamkeit und Sicherheit einer Selengabe parallel zu Chemotherapie und Strahlentherapie fundiert Stellung zu nehmen. Mich macht es allerdings eher skeptisch zu sehen, wie viele unterschiedliche positive Wirkungen dem Selen zugeschrieben werden. Das ist aber eine grundsätzliche Reaktion. Derart umfassende Fähigkeiten zum Heilen und Lindern machen mich immer skeptisch, weil sie einfach oft nicht realistisch sind. Vielleicht tue ich da dem Selen aber auch Unrecht…

Jedenfalls würde ich empfehlen, Selengaben während Chemotherapie und Strahlentherapie immer vorgängig mit dem behandelnden Onkologen, der behandelnden Onkologin zu besprechen.

 

Honig gegen Mucositis (Mundschleimhautentzündung) ist eine interessante Option. Siehe:

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig gegen Mundschleimhautentzündung (Mucosits) bei Chemotherapie / Bestrahlung

 

Salbei ist ein Klassiker für Spülungen bei Mundschleimhautentzündungen. Neben antimikrobiellem ätherischem Öl enthält das Salbeiblatt auch entzündungshemmende Lamiaceen-Gerbstoffe. Es gibt in diesem Bereich aber noch ein paar weitere interessante Optionen: Bei den Gerbstoffpflanzen vor allem Tormentilltinktur, ausserdem reizlindernde Schleimpflanzen (z. B. Eibischwurzel).

Siehe:

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung 

 

– Der Anwendungsbereich für Ingwer bleibt im Interview etwas gar vage. Ingwer wird in der Onkologie hauptsächlich verwendet zur Linderung von Übelkeit.

Siehe:

Onkologie & Palliative care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen 

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Traubensilberkerzenextrakt gegen Hitzewallungen bei Anti-Östrogen-Therapie von Brustkrebspatientinnen: Das ist leider nicht so gut belegt. Traubensilberkerze (Actaea racemosa, Cimicifuga racemosa) gilt in der Phytotherapie zwar als hilfreich bei leichteren Hitzewallungen in den Wechseljahren. Die Hitzewallungen bei Anti-Östrogen-Therapie sind aber ein spezieller Fall. Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde der Universität Rostock schrieb dazu in der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 6 / 2010):

„….für Cimicifuga ergab sich….bei dieser Personengruppe keine Überlegenheit hinsichtlich der Menopausensymptomatik gegenüber Placebo.“

Mehr dazu hier:

Phytoöstrogene und hormonrezeptorpositiver Brustkrebs

Insgesamt bietet die Naturheilkunde und vor allem auch die Phytotherapie eine ganze Reihe von interessanten Optionen zur Linderung der Nebenwirkungen von Krebstherapien.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie bei Xerostomie (Mundtrockenheit)

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Im Phyto-Forum der „Aerztezeitung“ beantwortete Prof. Karen Nieber die Frage nach phytotherapeutischen Optionen bi Xerostomie (Mundtrockenheit). Nieber ist Professorin am Institut für Pharmazie der Universität Leipzig (Lehrstuhl Pharmakologie für Naturwissenschaftler)

Gute Erfolge bei trockenem Mund seien durch Spülung mit Salbeitee erzielt worden, schreibt Nieber. Es gebe weitere Optionen.

Ein trockener Mund sei kein seltenes Symtom. Bei Personen über 60 Jahren seien Schätzungen zufolge etwa 40 Prozent betroffen. Mundtrockenheit sei eine häufige Nebenwirkung von Arzneimitteln wie Anticholinergika, Diuretika oder Psychopharmaka.

Mögliche Ursachen könnten beispielsweise auch Erkrankungen wie Sialadenitis, Sjögren-Syndrom / Sicca-Syndrom oder Heerfordt-Syndrom sein, aber auch Strahlentherapie, fieberhafte Allgemeinerkrankungen oder chronischer Stress mit gesteigertem Sympathikustonus, eine vermehrte Mundatmung oder eine Pilzinfektion.

Eine systemische Therapie sei nicht bekannt. Die Behandlung bestehe vor allem aus ausreichendem Trinken zum Beispiel von Wasser, Früchte- und Kräutertees. Gute Erfolge seien erzielt worden durch eine Spülung mit Salbeitee.

Prof. Nieber schreibt weiter:

„Um Reizungen oder Entzündungen im Mundraum vorzubeugen beziehungsweise zu lindern, eignen sich Abkochungen aus Eibischwurzel oder das Lutschen von Isländisch Moos Pastillen. Die Schleimstoffe in der Pflanze besitzen kühlende und befeuchtende Eigenschaften, die zudem eine schützende Wirkung auf die Schleimhäute ausüben.

Schädliche Keime können mit Salbei-, Myrrhen- und Kamillentinktur abgeschwächt oder abgetötet werden. Weiterhin gibt es eine Reihe von Sprays mit Pflanzeninhaltsstoffen (zum Beispiel Santakraut), die helfen sollen. Allerdings gibt es dafür keine klinische Evidenz.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hno-krankheiten/article/849575/trockener-mund-erfolge-salbei-tee-tinktur.html?sh=5&h=-1550275562

 

Kommentar & Ergänzung:

Bei allem Respekt: Das scheint mir doch ein ziemliches Sammelsurium an Empfehlungen.

Klar ist, dass es in diesem Bereich keine valablen Studien gibt, auf die sich Empfehlungen abstützen könnten. Diese ziemlich wirre Aufzählung ist aber auch nicht gerade nützlich.

Gute Erfolge seien erzielt worden durch Spülung mit Salbeitee. Der Verweis auf „gute Erfolge“ ist eine schwache Argumentation. Wer hat wann, wo und wie diese Erfolge festgestellt?

Der Verweis auf positive Erfahrungen reicht nicht als Begründung.

Siehe:

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Von einer Professorin für Pharmakologie würde ich mir eine pharmakologischere Argumentation wünschen. Von den Inhaltsstoffen her ist eine günstige Wirkung von Salbeitee bei Mundtrockenheit nämlich nicht sehr plausibel.

Salbeiblatt enthält Bitterstoffe (Diterpene, z. B. Carnosol = Picrosalvin). Von ihnen könnte man erwarten, dass sie die Speichelproduktion anregen, was bei Mundtrockenheit günstig wäre. Salbei enthält aber auch Gerbstoffe (vor allem den Lamiaceen-Gerbstoff Rosmarinsäure). Sie hemmen eher die Sekretionstätigkeit von Schleimhautdrüsen und wirken austrocknend.

Die Anwendung von Eibischwurzel als Schleimzubereitung ist eine gute Idee, die Empfehlung als Abkochung aber fragwürdig. Die Phytotherapie-Fachliteratur empfiehlt bei der Eibischwurzel eine Zubereitung als Kaltauszug, weil die Eibisch-Schleimstoffe hitzeempfindlich sind weil die Stärke in den Wurzeln beim Erhitzen verkleistert, wodurch sich weniger Schleim löst.

Das Lutschen von Isländisch Moos Pastillen kann wohl den Speichelfluss anregen, so wie viele andere Lutschtabletten auch. Dass die Schleimstoffe bei der Anwendung in Form von Lutschtabletten wirksam sind, würde ich bezweifeln.

Der Hinweis auf schädliche Keime, die durch Kamillentinktur, Salbeitinktur und Myrrhentinktur abgeschwächt oder abgetötet werden können, ist mir ein Rätsel.

Bei Mundtrockenheit spielen schädliche Keime meines Wissens keine Rolle. Sie hat ganz andere Ursachen. Als Wiederholung:

„Mundtrockenheit ist eine häufige Nebenwirkung von Arzneimitteln wie Anticholinergika, Atropin bzw. Hyoscyamin, Diuretika oder Psychopharmaka. Ursachen können auch Erkrankungen wie die Sialadenitis, das Sjögren-Syndrom, das Sicca-Syndrom oder das Heerfordt-Syndrom sein. Außerdem können die Entfernung von Speicheldrüsen, eine Strahlentherapie, fieberhafte Allgemeinerkrankungen, die Einnahme von Tetrahydrocannabinol oder chronischer Stress mit gesteigertem Sympathikotonus zu Mundtrockenheit führen. Eine weitere Ursache von Mundtrockenheit kann eine vermehrte Mundatmung sein. Der bei Mundtrockenheit entstehende hochvisköse Speichel kann Entzündungen in den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen hervorrufen, besonders betroffen ist hierbei die Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis).“

(Quelle: Wikipedia)

Weshalb also antimikrobielle Pflanzentinkturen?

Solche Empfehlungen ähneln mehr therapeutischen Rundumschlägen und sind meines Erachtens fragwürdig. Dann lieber zugeben, dass man keinen sicheren Pfeil im Köcher hat, und die Empfehlungen beschränken auf das, was am plausibelsten scheint.

 

Meiner Ansicht nach wäre das bei Mundtrockenheit:

– Gerbstoffe meiden, weil sie auf Schleimhäute austrocknend wirken können.

– Pflanzen mit Schleimstoffen anwenden, die schützend und befeuchtend auf die Schleimhäute wirken.

Im Vordergrund steht dabei Eibischwurzel, weil für Eibischschleim zu mindestens in Laborexperimenten gezeigt werden konnte, dass die Schleimmoleküle den Stoffwechsel der Schleimhautzellen günstig beeinflussen.

Siehe:

Phytotherapie: Eibischwurzel-Extrakt schützt Epithelzellen

Phytotherapie: Polysaccharide – Wirkstoffe mit Potenzial 

(Hier auch der Hinweis auf stark bioadhäsive Effekte von Lindenblütenextrakt)

Wirkungsweise von schleimhaltigen Heilpflanzen entschlüsselt

Neben dem Eibischschleim hat sich auch Lindenblütenschleim als bioadhäsiv erwiesen, d. h.: Der Schleim heftet sich gut als Schutzschicht auf die Schleimhäute.

Lindenblüten (Aufguss) oder Eibischwurzel (Kaltauszug) können zu Spülungen verwendet werden. In Betracht ziehen könnte man aber auch eine Anwendung via Spühflacon, zum Beispiel in der Palliative Care.

– Bitterstoffpflanzen sollen den Speichelfluss fördern und können bei Xerostomie einen Versuch wert sein. Rein vom Bitterstoffeffekt her dürfte es dabei keine entscheidende Rolle spielen, welche Bitterstoffpflanze angewendet wird.

Isländisch Moos (Cetraria islandica) wäre dabei interessant, weil es Bitterstoffe und Schleimstoffe enthält. Tee (Heissaufguss) würde ich den Lutschtabletten aber entschieden vorziehen.

Siehe dazu auch:

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung

– Als Lutschtabletten empfehle ich Emser Pastillen ohne Menthol, ein Präparat, das sich zur Anregung des Speichelflusses bzw. zur Befeuchtung der Mundschleimhaut eignet (Emsersalz zum Lutschen).

Das ist zwar auch nicht mit Studien belegt, doch gelten Emser Pastillen als bewährtes Befeuchtungsmittel bei RednerInnen und SängerInnen.

Da bei längerdauernder Mundtrockenheit ein erhöhtes Kariesrisiko besteht, wären wohl auch Kaugummi und Lutschtabletten mit dem Zuckeraustauschstoff Xylit nützlich.

Siehe dazu:

Xylitol-Kaugummi reduziert Risiko für Mittelohrentzündung bei Kindern

(Dort auch Informationen zur Antikaries-Wirkung von Xylit)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

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Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung)

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Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock hat in der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 4 / 2013) einen informativen Beitrag publiziert zur Anwendung von Phytotherapie in der Palliative Care. Ein Abschnitt in diesem Beitrag ist der Mucositis gewidmet. Darin wird auch die Myrrhentinktur erwähnt:

„Myrrhe (Commiphora myrrha) wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und analgetisch. Studien zur Anwendung bei Mucositis liegen nicht vor. Empirisch wird die unverdünnte Tinktur mit einem Wattestäbchen oder einer Fingerkuppe auf die entzündete Stelle aufgetragen. Für eine Mundspülung werden 5-10 Tropfen, bei guter Verträglichkeit 20-30 Tropfen Myrrhentinktur mit ca. 200 ml lauwarmem Wasser verdünnt.“

Kommentar & Ergänzung:

Myrrhentinktur eignet sich selbstverständlich auch für Mundschleimhautentzündungen ausserhalb der Palliative Care.

Mir selber ist bei Mucositis die Tormentilltinktur näher. Sie enthält adstringierende Gerbstoffe (nur kurzzeitige Anwendung). Man kann aber auch Myrrhentinktur und Tormentilltinktur 1 : 1 mischen.

Interessant ist die Beschreibung der medizinischen Wirkung der Myrrhe auf Wikipedia:

„Als Myrrhentinktur hat die Myrrhe heute pharmazeutische Bedeutung bei Entzündungen der Mundschleimhaut. Sie wirkt auf der Haut desinfizierend, zusammenziehend und fördert die Narbenbildung. Sie besitzt eine blutstillende Wirkung. Myrrhe wirkt auch krampflösend und wird deshalb bei Darmerkrankungen eingesetzt. Die alte Heilpflanze setzt den Spannungszustand der glatten Darmmuskulatur herab. Dadurch verringert sich die Zahl der Darmkontraktionen und Darmkrämpfe werden gelindert. Innerlich angewendet wirkt sie bei Bronchitis und bei Darmentzündungen. Die Anwendung erfolgt durch Zerkauen (bitter) oder Einnahme von Myrrhepräparaten in Tablettenform. In Kombination mit Kaffeekohle und Kamille wird Myrrhe zum Beispiel bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn angewendet. Eine klinische Studie hat gezeigt, dass diese pflanzliche Therapie zur Erhaltung der schubfreien Phase bei Colitis ulcerosa vergleichbar wirksam ist wie die Standardtherapie mit Mesalazin.“

Bemerkenswert an dieser Beschreibung ist:

1. Der Hinweis auf entzündungswidrige Wirkungen bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

2. Der Hinweis auf krampflindernde Wirkungen bei Darmkrämpfen.

Da bei der auf Wikipedia erwähnten klinischen Studie ein Kombipräparat aus Kamille, Kaffeekohle und Myrrhe untersucht wurde, lässt sich daraus nicht auf die Wirksamkeit der Myrrhe allein schliessen.

Hier die Quellenangabe zur Studie:

Langhorst J, Varnhagen I, Schneider SB, Albrecht U, Rueffer A, Stange R, Michalsen A, Dobos GJ. Randomised clinical trial: a herbal preparation of myrrh, chamomile and coffee charcoal compared with mesalazine in maintaining remission in ulcerative colitis – a double-blind, double-dummy study. Aliment Pharmacol Ther. 2013 Jul 4

Myrrhentinktur wird üblicherweise im Mundraum eingesetzt und nicht eingenommen. So fehlen auch Angaben zur innerlichen Anwendung und zur Dosierung in der aktuellen Fachliteratur. Vor geht 20 Jahren bin ich allerdings auf einen Hinweis gestossen, in dem bei Dysmenorrhoe (Menstruationskrämpfe) empfiehlt: Tinctura myrrhae, alle 2 Stunden 10 Tropfen einnehmen. Quelle: Contactamed für Naturheilverfahren, 5. Auflage 1997).Das passt zur erwähnten krampflindernden Wirkung.

Siehe ausserdem:

Tipps für Krebskranke aus der komplementären Onkologie

Palliative Care / Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig gegen Mundschleimhautentzündung (Mucositis) bei Chemotherapie / Bestrahlung

Vorbeugung gegen Mukositis bei Chemotherapie

Was ist Myrrhentinktur?

Heilpflanzen bei Mundschleimhautentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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