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Wenn Kühe Alpenkräuter fressen, steigt der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren in Fleisch und Milch

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Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Fleisch und Milch von Alptieren mehr wertvolle Omega-3-Fettsäuren enthalten, vor allem mehr Alpha-Linolensäure.

Forscher der ETH-Zürich haben nun untersucht, woran das liegt, ob an der Höhe über Meer oder am Futter.

Resultat: Es liegt nicht an der Höhe über Meer, sondern am Futter.

Fütterungsversuche haben allerdings gezeigt, dass es nicht genügt, den Kühen einfach mehr Omega-3-Fettsäuren ins Futter zu geben.

Ohne Alpenkräuter gehen die wertvollen Fettsäuren im Laufe des Verdauungsprozesses weitgehend verloren. Die Omega-3-Fettsäuren werden im Pansen, dem grössten Vormagen der Wiederkäuter, in weniger wertvolle, gesättigte Fettsäuren umgewandelt.

Dadurch können mehr als 90% der gesunden Fettsäuren verschwinden. Dafür verantwortlich sind offenbar unzählige Mikroorganismen, die im Pansen leben.

Gräser, Kräuter und Blütenpflanzen, wie sie auf Alpweiden wachsen, können diese Umwandlungsprozesse im Pansen offenbar bremsen.

Im Labor konnten die Wissenschaftler zeigen, dass es sekundäre Pflanzeninhaltstoffe sind – insbesondere Polyphenole – welche die Mikroorganismen daran hindern, die Omega-3-Fettsäuren umzuwandeln.

Quelle: Sonntagszeitung, 24. September 2017

Kommentar & Ergänzung:

Dass Milch und Fleisch von Alptieren höhere Gehalte an Omega-3-Fettsäuren aufweisen, ist schon seit längerem bekannt.

Nun ist offenbar geklärt worden, wie es zu diesen Unterschieden kommt. Es scheint also nicht an einem höheren Omega-3-Gehalt der Alpenpflanzen zu liegen, sondern am höheren Gehalt an Polyphenolen.

Fleisch, Milch und Käse von der Alp sind also offensichtlich ernährungmässig wertvoller als „Flachland-Produkte“. Man könnte aber auch im Flachland höhere Omega-3-Gehalte produzieren, wenn die Wiesen nicht nur Gräsern, sondern auch möglichst viele Kräuter enthalten würden.

Polyphenole sind auch in der Phytotherapie wichtig als Wirkstoffgruppe.

Zu den Polyphenolen gehören insbesondere Flavonoide und Gerbstoffe.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, welche Effekte Polyphenole im menschlichen Verdauungstrakt haben, der sich von demjenigen der Kühe stark unterscheidet. Da sind noch zahlreiche Fragen offen, aber es spricht viel dafür, dass Polyphenole auch im menschlichen Organismus wichtige Funktionen haben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Metastudie kommt zum Schluss: Bio-Milch und Bio-Fleisch sind gesünder

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Milch und Fleisch aus ökologischer Tierhaltung enthalten mehr gesunde Inhaltsstoffe als konventionell produzierte Nahrungsmittel. Zu diesem Schluss kommt eine Metastudie britischer Wissenschaftler der Universität Newcastle. Sie verglichen die Resultate von mehr als 190 Milch- und mehr als 60 Fleisch-Studien.

Das Fazit: Bio-Milch und Bio-Fleisch enthalten etwa 50 Prozent mehr gesunde ungesättigte Fettsäuren. Ein halber Liter Bio-Milch liefert rund 39 Milligramm Omega-3-Fettsäuren, konventionell produzierte Milch nur 25 Milligramm. Außerdem enthält Bio-Milch rund 40 Prozent mehr konjugierte Linolsäure. Auch bei Vitaminen und Spurenelementen fanden die Forscher Unterschiede: Bio-Milch hat demnach einen höheren Gehalt an fettlöslichen Vitaminen wie Vitamin E und Karotinoide sowie an Eisen.

In Bio-Fleisch fanden die Forscher bei Analysen weniger von den gesättigten Fettsäuren Myristinsäure und Palmitinsäure gefunden worden, was sie positiv werten.

Wie erklären sich die Wissenschaftler diese Unterschiede?

Sie führen das hauptsächlich auf die Haltung der Rinder zurück:

Bio-Rinder verbringen mehr Zeit im Freien auf der Weide und fressen daher mehr Gras und Heu als Kraftfutter oder Silage. Das hat wohl Auswirkungen auf ihren Stoffwechsel und damit auch auf die Inhaltsstoffe von Milch und Fleisch. Weniger Kraftfutter hat zur Folge, dass die Rinder langsamer wachsen und weniger Milch produzieren. Das Zusammenspiel aus Grünfutter und Entschleunigung könnte eine gesündere Fettbilanz zur Folge haben.

Quelle:

http://www.dw.com/de/warum-bio-milch-gesünder-ist/a-19152084

http://www.ncl.ac.uk/press/news/2016/02/organicandnon-organicmilkandmeat/

 

Kommentar & Ergänzung:

Dass Bio-Produkte tendenziell gesünder sind, davon würde ich auch ausgehen, auch wenn es nicht in jedem Fall so ist.

Das entscheidendere Argument für die Bevorzugung von Lebensmitteln aus Bio-Anbau ist für mich aber, dass diese Art der Landwirtschaft weniger Pestizide in die Umwelt freisetzt und sich positiv auf die Artenvielfalt der Pflanzen und Tiere auswirkt.

Bei Weidetieren wirkt sich zudem die Zusammensetzung der Pflanzendecke auf die Qualität der Milchprodukte aus. Alpkäse enthält zum Beispiel gössere Mengen an Alphalinolensäure, die günstige Effekte im Herz-Kreislauf-Bereich zeigt. Das lässt sich unter anderem zurückführen auf den höheren Alphalinolensäure-Gehalt der Alpenflora.

Alphalinolensäure ist im übrigen auch enthalten in Chiaöl (ca. 60 %), Perillaöl (31–42 %), Leinöl (56–71 %), Hanföl (28 %), Walnussöl (ca. 15 %), Rapsöl (5–16 %) und Sojaöl (4–11 %). Direkt aus Leinsamen wird Alphalinolensäure nur aufgenommen, wenn sie geschrotet werden.

 

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Goji, Chia, Açaí & Co. – Fragwürdiger Superfood-Import

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Dem sogenannten Superfood werden allerlei positive Wirkungen nachgesagt – jünger, schöner, fitter und gesünder soll er uns machen.

Wissenschaftliche Studie, die das belegen könnten, existieren allerdings nicht. Und es gibt einheimische Lebensmittel, die mindestens gleichwertig sind.

Goji-Beeren aus China, Chia-Samen aus Mexico oder Açaí-Beeren aus Brasilien sind zwar durchaus gesund. Das trifft jedoch auch für einheimische Lebensmittel zu. Der Ernährungswissenschaftler Jürgen König von der Universität Wien sagt, dass wir zu all diesen sogenannten Superfoods zumindest eine europäische Alternative haben.

Den hohen Vitamin-C-Gehalt der Acaí-Beeren finde man auch im einheimischen Sanddorn. Auch die Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe, die in den Chia-Samen stecken, seien keine exotische Besonderheit: „Die besonderen Dinge, die im Chia drin sind, finden wir genauso in unserem traditionellen Leinsamen. Nur der ist halt aus der Mode gekommen.“

Was die Goji-Beeren für europäische Konsumenten besonders attraktiv mache, sei der Gehalt an Flavonoiden. Diese sekundären Pflanzenstoffe sollen antioxidative und damit verjüngende Wirkungen haben, indem sie freien Radikalen entgegenwirken. Die Flavonoide finde man jedoch nicht nur in chinesischen Gojis, sondern in gleicher Konzentration auch in den einheimischen Heidelbeeren. Hinzu komme, dass die positive Wirkung dieser Pflanzenstoffe durch keine Studie belegt werden konnte.

Der Absatz der exotischen Superfoods steigt allen Widersprüchen zum Trotz in Europa laufend an.

Auch wenn zu gesundheitssteigernden Wirkungen dieser Lebensmittel keine wissenschaftliche Evidenz vorliegt und die Produzenten infolgedessen damit auch nicht werben dürfen, verbreiten sich die zugehörigen Mythen rasch unter interessierten Konsumenten.

Superfood zu kaufen liegt eindeutig im Trend: Seit 2012 hat sich zum Beispiel die Einfuhr von Chia-Samen aus Südamerika fast verfünffacht.

Der Ausdruck „Superfood“ ist zwar relativ neu, die Versprechungen, die mit solchen vermeintlich superpotenten Lebensmitteln verbunden werden, sind es aber nicht. Ob Quinoa (die glutenfreie „Andenhirse“), Papaya oder Avocado – auch diesen Nahrungsmitteln wurden bei der Markteinführung in Europa regelrechte Superkräfte zugeschrieben.

Das sei einfach die Hoffnung der Menschen, neue Lebensmittel mit besonderen Erwartungen zu verbinden, erklärt Jürgen König dazu. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht hat er nichts gegen das exotische Superfood einzuwenden. Wer sich Abwechslung auf dem Speiseplan wünsche, könne Goji, Chia und Co. bedenkenlos konsumieren.

Ernährungsphysiologisch notwendig sei das aber nicht.

Was die Beeren und Samen aus Übersee jedoch miteinander verbindet, sind die langen Transportwege. Denn diese Produkte kommen beinahe vollständig aus Asien und Südamerika. Bezüglich ökologischem Fußabdruck schneiden diese Nahrungsmittel also schlechter ab als etwa lokale Bioprodukte.

Quelle:

http://science.orf.at/stories/1765614/

Kommentar & Ergänzung:

Zu den Leinsamen wäre noch zu ergänzen, dass man sie schroten muss, damit die wertvollen Inhaltsstoffe verdaut und aufgenommen werden können.

Gegen Verstopfung funktioniert der Leinsamen aber auch ungeschrotet. Die Schleimstoffe sitzen in den Randschichten und kommen auch aus den ganzen Leinsamen heraus.

Siehe dazu auch:

Chia-Samen sind gesund und teuer – aber Leinsamen sind ebenso gesund und billiger

Heidelbeeren: Anthocyane im Verdauungstrakt

 

Açaí, Goji und Maqui – die neuen Wunderbeeren?

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2011/05/17/acai-goji-und-maqui-die-neuen-wunderbeeren.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Omega-3-Fettsäuren gegen Depressionen: Wirkung überzeugt nicht

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Omega-3-Fettsäuren werden seit Jahren als natürliche Helfer gegen Depressionen propagiert.

Eindeutige Belege dafür, dass diese Wirkung tatsächlich existiert, gibt es aber bisher nicht.

Wissenschaftler des Cochrane Netzwerks haben die Effekte nun mit einer systematischen Analyse (Metastudie) untersucht – mit ernüchterndem Resultat: Die Wirkung könnte verschwindend klein sein.

Die Forscherin Katherine Appleton und ihre Kollegen untersuchten 26 Studien aus den USA, Südamerika, Kanada, Asien, Australien und Europa, in denen die Wirksamkeit von Omega-3-Präparaten gegen Depressionen an 1478 Testpersonen überprüft wurde. 25 Studien untersuchten den Effekt von Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo). Eine Studie, an der allerdings nur 40 Personen beteiligt waren, überprüfte die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren im vergleich zu Antidepressiva.

Appleton und ihr Team schliessen aus ihren Resultaten dass die Fettsäuren eine leichte Wirkung gegen Depressionen besitzen. Möglicherweise sei diese Wirkung jedoch auch verschwindend gering, schränken die Wissenschaftler ein.

Der tatsächliche Therapieeffekt lasse sich nur schwer abschätzen, weil die Studienlage lückenhaft sei und es grosse Unterschiede zwischen den Ergebnissen gebe.

In den untersuchten Einzelstudien haben die jeweiligen Forscher ihre Daten nämlich unterschiedlich protokolliert und die untersuchten Patienten verschieden klassifiziert. In den meisten Fällen war die Zahl der Testpersonen zu klein, um repräsentative Resultate zu erhalten. Appleton und ihr Team warnen daher vor einer Überinterpretation der Daten.

Solange die klinische Studienlage weiterhin keine ausreichenden Belege für den Einsatz von Omega-3-Fettsäuren liefert, sollte die Selbstmedikation stets kritisch hinterfragt werden.

Derzeit sind auch noch Fragen offen zur optimalen Dosierung oder zur wirksamen Fettsäuren-Zusammensetzung.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand richten Omega-3-Fettsäure-Präparate wohl kaum Schäden an, sind gut verträglich und auch klinisch relevante Wechselwirkungen mit Medikamenten sind nicht bekannt. Ein ärztlich-kontrollierter Therapieversuch zusätzlich zu einer antidepressiven Standardtherapie scheine im Einzelfall akzeptabel, schreibt Dr. André Said in der Deutschen Apotheker Zeitung (46/15).

Omega-3-Fettsäuren sollen sich sogar günstig auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken, weil sie die Fließgeschwindigkeit des Blutes verbessern und den Cholesterinspiegel beeinflussen. Doch auch in diesen Bereichen ist die Studienlage noch lückenhaft. Bei Überdosierung können Omega-3-Fettsäuren zu Übelkeit führen und durch ihre blutverdünnenden Eigenschaften für Menschen mit einer schlechten Blutgerinnung gefährlich werden.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2015/11/12/omega-3-fettsaeuren-nutzen-nur-wenig/17161.html

http://onlinelibrary.wiley.com/enhanced/doi/10.1002/14651858.CD004692.pub4

Kommentar & Ergänzung:

Untersucht wurden in dieser Studie Omega-3-Fettsäure-Präparate, die als Nahrungsergänzungsmittel im Handel sind. Omega-3-Fettsäuren kommen aber auch in vielen Nahrungsmitteln vor.

Sie sind in Algen, Pflanzen und Fischen enthalten.

Pflanzen enthalten beinahe ausschließlich α-Linolensäure, während in Fettfischen – wie Aal, Karpfen, Lachs, Sardine – und in Algen, beispielsweise Rotalgen, insbesondere Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) vorkommen können. Pflanzenöle mit hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sind Leinöl (56 – 71%), Chiaöl (bis c. 64%) und Perillaöl (ca. 60%), aber auch Hanföl (ca. 17%), Walnussöl (ca. 13%), Rapsöl ca. 9%) und Sojabohnenöl ca. 8%) sind nutzbare Quellen. Bei den Fischen zeigen Atlantischer Lachs (1,8%), Sardellen (1,7%), Sardinen (1,4%) und Atlantischer Hering (1,2%) vergleichsweise hohen Omega-3-Gehalt, etwas tiefer liegen Makrele (1%) und Weisser Thun“ (0,7%).

(Quelle: Wikipedia)

Omega-3-Fettsäuren gegen Depressionen – das ist ein gutes Beispiel für ein Phänomen, das immer wieder zu beobachten ist:

Ein interessantes Präparat, das viele Hoffnungen weckt. Scheinbar endlich eine Möglichkeit, Depressionen ohne Antidepressiva zu behandeln – und dann läuft die Vermarktung schon auf vollen Touren, während die zahlreichen offenen Fragen noch nicht einmal ansatzweise geklärt sind.

Vor allem bei Nahrungsergänzungsmitteln kann man solche Entwicklungen immer wieder sehen, weil sie im Markt zugelassen werden, ohne vorgängig eine Wirksamkeit belegen zu müssen.

Bei Arzneimitteln sind die Bedingungen strenger. Sie müssen bei Neuzulassungen Studien liefern, die eine Wirksamkeit belegen. Das gilt für „chemische“ Arzneimittel und für Phytopharmaka. Traditionelle Pflanzenheilmittel, sowie generell Homöopathika und Anthroposophika werden dagegen zugelassen ohne Wirksamkeitsnachweis.

Und auch bei vielen älteren „chemischen“ Arzneimitteln sind die vorliegenden Studien oft von schlechter Qualität und daher nicht sehr glaubwürdig.

Fazit: Uns werden sehr viele Präparate für die Gesundheit verkauft, die nicht sehr überzeugend sind, wenn es um Belege für ihre Wirksamkeit geht. Genau hinschauen und sich informieren lohnt sich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Chia-Samen sind gesund und teuer – aber Leinsamen sind ebenso gesund und billiger

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Chia-Samen werden als ausserordentlich gesund angepriesen, sind aber sehr teuer.

Chia-Samen gelten als Superfood, also als ein Lebensmittel mit besonders hohem Nährstoffgehalt. Sie sollen gesünder und fitter machen.

Das sei maßlos übertriebenes Marketing, sagt Hans Hauner, Direktor des Else Kröner-Fresenius-Zentrums für Ernährungsmedizin in München. Es gebe einige regionale Lebensmittel, die es gut mit Chia aufnehmen können.

Chia (Salvia hispanica) stammt ursprünglich aus Mexiko und Guatemala und stammt zur Gattung der Salbei. Die kleinen essbaren schwarzen oder grauen Samen, die botanisch „Klausenfrüchte“ heißen, wurden der Überlieferung nach schon von den Mayas und Azteken als Nahrungsmittel verwendet.

Chia wird wie Amarant, Buchweizen und Quinoa als Pseudogetreide bezeichnet, weil es ähnlich wie Getreide verwendet wird. Chia besitzt allerdings keine Eigenbackfähigkeit. Ein Teig aus Chia-Mehl würde deshalb flach auseinanderlaufen. Chia ist daher in Backwaren nur eine ergänzende Zutat.

In Verbindung mit Wasser quellen Chia-Samen auf und bilden eine geleeartige Masse.

Die Chia-Körner seien eine der reichhaltigsten Quellen für die essenziellen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, erklärt Silke Restemeyer, Ökotrophologin bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Bis zu 40 Prozent Fett ist in den Samen enthalten, ein Großteil davon sind Alpha-Linolensäure (Omega-3) und Linolsäure (Omega-6).

Im menschlichen Organismus wird Alpha-Linolensäure in die noch wirksameren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) umgewandelt. Diese wertvollen Säuren erhalte man sonst nur über sehr fettreichen Fisch, sagt Restemeyer.

Chia-Samen zeichnen sich aber auch aus durch ihren hohen Proteingehalt. Während Weizen 14 Prozent Eiweiß enthält, kommt Chia auf rund 20 Prozent. Mit etwa 34,4 Gramm pro 100 Gramm bieten Chia-Samen zudem viele verdauungsfördernde Ballaststoffe. Darüber hinaus sind sie reich an Vitaminen (besonders Vitamin A und C, Niacin) und Mineralien (Kalzium, Magnesium, Phosphor).

Gemäss der europäischen Lebensmittelverordnung gelten Chia-Samen als Novel Food (neuartiges Lebensmittel).

Sie wurden bei ihrer Markteinführung im Jahr 2009 für die Verwendung in Backwaren zugelassen.

Erst 2013 gestattete die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den Import der reinen Chia-Samen als Lebensmittel, beschränkte die tägliche Verzehrempfehlung jedoch auf maximal 15 Gramm. Das sei eine Vorsichtsmaßnahme, weil bislang Langzeituntersuchungen fehlen, erläutert Restemeyer.

In Brot und Backwaren wird der Höchstgehalt auf zehn Prozent beschränkt.

Der Münchner Ernährungsmediziner Hauner beurteilt Chia-Samen grundsätzlich als günstig für die Ernährung.

Die Wirkung von 15 Gramm Körnern, was ungefähr einem gefüllten Esslöffel entspricht, sei allerdings erwartungsgemäß niedrig.

Um eine messbare gesundheitliche Wirkung zu erzielen, gaben Forscher ihren Testpersonen deshalb größere Tagesmengen.

So verordneten Wissenschaftler in einer zwölfwöchigen Studie zehn Bluthochdruckpatienten 35 Gramm Chia pro Tag. Die Blutdruckwerte sanken während dieser Zeitspanne.

Auch andere vergleichbare Studien kamen zu solchen Resultaten.

Das seien interessante Hinweise, aber noch keine ausreichenden Beweise, erklärt Hauner. Die Datenlage sei insgesamt noch viel zu dünn, um wirklich allgemeingültige Gesundheitseffekte ableiten zu können.

Wer Chia-Samen essen wolle, könne das jedoch tun, sagt Restemeyer, und weißt auch darauf hin, dass allergische Reaktionen nicht zu befürchten seien. Die Ökotrophologin ist auch davon überzeugt, dass Chia in jedem Fall eine Bereicherung für den Speiseplan sein können.

Insbesondere für Personen, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, sei der tägliche Löffel Chia eine gute Quelle für Omega-3-Fettsäuren und Kalzium.

Chia-Samen lassen sich vielseitig einsetzen. Als Zutat beim Backen steigern sie den Nährstoffgehalt von Brot und Gebäck.

Wegen ihres neutralen Geschmacks passen sie gut in Müsli, Salate und Suppen.

Lässt man Chia in Wasser aufquellen, können als Ei- oder Margarineersatz beim Backen oder als Geliermittel für Pudding und Soßen eingesetzt werden.

Chia-Samen kommen von weit her. Eine sinnvolle und viel günstigere Alternative seien Leinsamen, erklärt Silke Restemeyer. Lein sei das heimische Pendant zur Chiapflanze – er enthalte einen ähnlich hochwertigen Nährstoffmix und die gleichen Quelleigenschaften, koste aber nur drei bis vier Euro pro Kilo.

Restemeyer weist zudem darauf hin, dass auch viele heimische Saaten und Nüsse wie etwa Hasel- und Walnüsse eine ähnliche Fettzusammensetzung aufweisen, die durchaus mit Chia vergleichbar ist.

Quelle:

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/chia-samen-im-check-gut-aber-nicht-einzigartig-a-1056210.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25403867

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist an diesem Beispiel wieder einmal, dass Exotisches attraktiver ist und teurer verkauft werden kann als Altbekanntes – wie zum Beispiel Leinsamen.

Leinsamen werden in der Phytotherapie als mildes Mittel gegen Verstopfung eingesetzt und dazu in der Regel mit viel Flüssigkeit unzerkleinert eingenommen. Um die gesunden Inhaltstoffe der Leinsamen aufzunehmen, müssen sie aber geschrotet werden.

Nicht ganz untypisch ist auch, dass in den Empfehlungen von Chia als Blutdrucksenker zwar auf entsprechende Studien verwiesen wird, aber in der Regel ohne genaue Quellenangabe und ohne Hinweis darauf, welche Mengen dabei verwendet wurden. So bleiben Konsumentinnen und Konsumenten oft im Glauben, dass ein paar Löffel Chia-Samen pro Woche blutdrucksenkend wirken. Dass sich in den Studien eine Wirkung bei 35 g Chia-Samen pro Tag gezeigt hat, wird kaum je kommuniziert, weil solche Einnahme-Mengen nicht sehr realistisch sind.

 

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ADHS: Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren hilfreich?

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Die Zeitschrift „Vista“ ( Nr. 6 / 2014) befasst sich mit Möglichkeiten der Naturheilkunde bei ADHS und schreibt:

„Zu den wichtigsten Präparaten aus der Natur, die bei Hyperaktivität gern verwendet werden, gehören Omega-3-Fischöl und Omega-6-Nachtkerzenöl……In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass die Gabe von Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren eine deutliche Verbesserung in Bezug auf die Lernfähigkeit hyperaktiver Kinder brachte.“

Kommentar & Ergänzung:

„In mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass….“

Wenn eine solche Formulierung in einer Gesundheitszeitschrift auftaucht, ist eine gehörige Portion Skepsis angebracht.

Studien gibt es nämlich in sehr unterschiedlicher Qualität. Eine schlechte Studie beweist gar nichts. Auch mehrere schlechte Studien beweisen nichts.

Die Qualität der Studien ist entscheidend und um diese beurteilen zu können, sind Quellenangaben nötig. Wo wurden die Studien veröffentlicht? Wer hat sie durchgeführt?

Weil einzelne Studien immer fehleranfällig sind, werden mehrere Studien zur gleichen Fragestellung zusammengefasst und in einer Metaanalyse ausgewertet.

Auf dieser Basis hat sich das Portal medizin-transparent.at mit der Frage befasst, ob Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren günstig wirken bei ADHS:

„Bei Kindern, die an ADHS leiden, wurde in einigen Studien ein niedrigerer Spiegel an Omega-3 & 6 – Fettsäuren festgestellt. Daher vermuteten manche Forscher, dass ein Ausgleich des Omega-3/6-Mangels die Symptome von ADHS mildern könnte.

In einer systematischen Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration wurden alle relevanten, bisher veröffentlichten klinischen Studien zu dieser Fragestellung zusammengefasst. Insgesamt wurde in 13 Studien an etwas mehr als 1000 kleinen ADHS-Patienten die Wirksamkeit von Omega-3/6-Fettsäuren untersucht. Ob sich die Auffälligkeiten und Probleme der Kinder gebessert hatte, wurde dabei sowohl von den Kindern selbst, deren Lehrer und Eltern als auch von Ärzten beurteilt. Im Vergleich zu Kindern, die nur ein Scheinpräparat (Placebo) bekamen, zeigte sich bei der Einnahme der Omega-3/6-Fettsäure-Präparate keine eindeutige Besserung.“

Die Resultate der analysierten Studien seien allerdings nur bedingt aussagekräftig, vor allem aufgrund der geringen Teilnehmerzahl, schreibt „medizin-transparent.at“ – und fährt fort:

„In vielen Fällen wurden Teilergebnisse nicht berichtet, die eine Wirksamkeit der Mittel möglicherweise in Frage gestellt hätten. Zudem wurden viele der Studien von den Herstellern der untersuchten Nahrungsergänzungsmittel finanziert. Die Autoren der Übersichtsarbeit kamen daher zu dem Schluss, dass die derzeit vorhandenen Studienergebnisse nicht ausreichen, um auf einen vorteilhaften Effekt von Omega-3/6-Fettsären bei ADHS schließen zu können.“

Es gebe keine aussagekräftigen Hinweise, dass die zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren zu Verbesserungen bei ADHS führe, schreiben die Autoren von „medizin-transparent“.

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/omega-fettsauren-hilfe-fur-zappelphilipps-fragwurdig

Für die Empfehlung von Omega-3-Fettsäuren und Omega-6-Fettsäuren als Naturheilmittel bei ADHS in der Gesundheitszeitschrift „Vista“ fehlt eine solide Grundlage. Die Aussage, dass in mehreren Studien ein günstiger Effekt dieser Präparate nachgewiesen worden sei, wird durch die Metaanalyse der Cochrane Collaboration nicht gestützt.

„Vista“ ist keine verlässliche Informationsquelle für Gesundheitsfragen.

 

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Fischölkapseln schützen nicht vor Herzinfarkt und Schlaganfall

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Kanadische Wissenschaftler haben überprüft, ob Fischölkapseln tatsächlich wie versprochen gegen Herzinfarkt und Schlaganfall schützen.

Trotz des zum Teil schlechten Geschmacks und des unangenehmen fischigen Aufstoßens nehmen Millionen Menschen täglich Fischöl-Kapseln ein. Denn seit Jahrzehnten wird propagiert, Fischölkapseln seien wegen ihres hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren gut für angegriffene Koronargefäße und schützten vor Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Omega-3-Fettsäuren sollen dazu beitragen, dass die Blutgefäße weniger schnell verkalken und sie sollen den Cholesterinspiegel senken.

Seinen Anfang nahm der Boom mit den Fischölkapseln Anfang der 1970er-Jahre. Zwei Wissenschaftler aus Dänemark, Bang und Dyerberg untersuchten die Essgewohnheiten der grönländischen Inuit, nachdem sie erfahren hatten, dass diese Menschen selten an koronarer Herzkrankheit (KHK) und Schlaganfällen leiden sollen. Als Ursache für die tiefere Zahl der KHK-Fälle vermuteten sie die großen Mengen an Fetten tierischen Ursprungs, die hauptsächlich in Form von Robbenfleisch und Walfischspeck Bestandteil des Speiseplans der Inuit waren. Nachdem diese These durch verschiedene Veröffentlichungen unter dem Begriff «Eskimo-Diät» populär geworden war, begann der Siegeszug der Fischölkapseln mit Omega-3-Fettsäuren.

Kanadische Wissenschaftler haben nun überprüft, ob die tägliche Einnahme von Fischöl-Kapseln Risikopatienten tatsächlich vor Herzinfarkten und Schlaganfällen schützt. Sie haben in alten Studien aus den 1970er-Jahren und späteren Studien nachgeschaut und dabei entdeckt, dass der Hypothese, dass die Einwohner Grönlands, die Inuit, aufgrund ihres hohen Fischkonsums seltener an Herzkrankheiten leiden, eine solide Grundlage fehlt.

Ihre Untersuchung veröffentlichten die Forscher im «Canadian Journal of Cardiology». Die Resultate zeigen, dass in den meisten Studien, die zu diesem Thema publiziert wurden, kein Unterschied in der Häufigkeit von KHK bei den Inuit in Grönland und denen in Kanada und Alaska im Vergleich zur europäisch-stämmigen Bevölkerung festzustellen ist.

Die Auswertung der Studien zeigte unter anderem, dass die Einwohner nördlich des Polarkreises häufiger an Schlaganfällen sterben und ihre Lebenserwartung sogar um 10 Jahre unter derjenigen in Dänemark liegt. Der hohe Fettanteil der Nahrung im hohen Norden – bei gleichzeitig tiefem Konsum von Obst und Gemüse – scheint also gar nicht so gesund zu sein, wie es die Hypothese von der „Eskimo-Diät“ verspricht – zudem  widerspricht diese Art von Speisen allen gängigen Ernährungsempfehlungen zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen.

Bereits im Jahr 2012 kam eine Metanalyse, die im Fachmagazin «JAMA» veröffentlicht wurde, zum Schluss, dass die meist als Nahrungsergänzungsmittel vertriebenen Fischöl-Präparate für Koronarpatienten keine messbaren Vorteile zur Infarkt-Prophylaxe bringen. Diese Resultate werden durch die nun veröffentlichten Ergebnisse der kanadischen Wissenschaftler unterstützt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=52124

http://www.onlinecjc.ca/article/S0828-282X(14)00237-2/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Schon erstaunlich, wie lange sich Gesundheitsmythen halten, wenn sie sich einmal etabliert haben. Jedenfalls spricht immer mehr dafür, dass Fischölkapseln nicht halten, was die Werbung verspricht.

Siehe auch:

Fischöl-Kapseln unwirksam gegen Schlaganfall und Herzinfarkt (zur JAMA-Studie von 2012)

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Leinsamen als Blutdrucksenker?

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Eine Ernährung reich an Leinsamen soll gemäss einer Studie den Blutdruck senken.

Leinsamen enthält einen hohen Anteil an gesunden Omega-3-Fettsäuren, vor allem Alpha-Linolensäure, sowie Ballaststoffe und Lignane, die eine potente Kombination zur Erhaltung der Herzgesundheit sein könnten. Hauptsächlich für Patienten mit hohem Blutdruck (Hypertonie) und Arteriosklerose – eine Kombination, die oft schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall auslöst, könnten von der gefäßerweiternden Wirkung einer gesunden Ernährung mit Leinsamen Vorteile erlangen.

Forscher untersuchten nun im Rahmen einer Doppelblindstudie (FLAX-PAD-Studie), ob der tägliche Konsum von 30 g geschrotetem Leinsamen über einen Zeitraum von sechs Monaten den Blutdruck von Arteriosklerose-Patienten reduzieren kann. Gut die Hälfte der 110 Testpersonen verzehrte täglich Nahrungsmittel, die jeweils 30 g Leinsamen enthielten. Der Ernährungsplan enthielt unter anderem Bagels, Muffins, Riegel, Brötchen, Pasta und Biskuits. Die andere Hälfte der Probanden nahm die gleichen Nahrungsmittel zu sich, die aber kein Leinsamen, sondern geschroteten Weizen enthielten. Im Verlauf der Studie wurden die Probanden angehalten, wegen einer möglichen Verzerrung des Resultate nicht mehr als zwei Fischmahlzeiten pro Woche zu sich zu nehmen. Die Befolgung dieser Vorgabe durch die Testpersonen wurde regelmäßig durch die Untersuchung des Blutplasmas auf Docosahexaensäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, überprüft.

Nach sechs Monaten zeigten die Messungen, dass der obere (systolische) Blutdruck in der Leinsamen-Gruppe im Mittel signifikant von 143 auf 136 mm Hg vermindert war, während die Werte sich in der Placebo-Gruppe sogar leicht erhöht hatten (von 142 auf 146 mm Hg). Auch hinsichtlich des unteren (diastolischen) Blutdrucks profitierten die Probanden in der Interventionsgruppe vom täglichen Konsum Leinsamen-haltiger Lebensmittel (Reduktion um rund 10 %). Bei den Probanden der Placebo-Gruppe veränderten sich diese Werte so gut wie nicht.

Der Studienleiter Dr. Rodriguez schlussfolgert, dass durch die Anreicherung des täglichen Lebensmittelverzehrs mit 30 g Leinsamen die Hälfte der Schlaganfälle und ein Drittel der Herzinfarkte vermeidbar wären.

Verantwortlich für die blutdrucksenkende Wirkung des Leinsamens machen die Forscher das synergistische Zusammenspiel der Wirkkomponenten Alpha-Linolensäure, Enterolignan, Ballaststoffe und Peptide. Den genauen Wirkmechanismus, die langfristigen Effekte und Vorteile einer mit Leinsamen angereicherten Ernährung für die Herzgesundheit müssen allerdings in weiteren Studien noch genauer untersucht werden.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/blutdrucksenker-leinsamen.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24126178

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21616170

Kommentar & Ergänzung:

Einen „ausgewachsenen“ Bluthochdruck wird man mit einer Leinsamen-Supplementation kaum unter Kontrolle bringen und Blutdrucksenker nicht vermeiden können. Nicht auszuschliessen wäre aber, dass sich über längere Zeit eingenommen damit eine Blutdrucksenkung erzielen lässt, die eine Reduktion der Medikamente möglich macht.

Auch bei einer grenzwertigen Hypertonie könnte eine Leinsamen-Zulage sinnvoll sein.

Wenn der Studienleiter schlussfolgert, mit 30 g Leinsamen pro Tag könnten ein Drittel der Herzinfarkte und die Hälfte aller Schlaganfälle vermieden werden, dann scheint mir das sehr optimistisch und es wäre wohl eine Nobelpreis-würdige Entdeckung, wenn es wirklich so wäre.

Schlussfolgern ist hier einfach, belegen schwierig.

Einen (Blutdruck-)Messwert zu verändern mag ja schön und gut sein. Entscheidender wäre aber der Zielpunkt, dass weniger Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall auftreten. Um so etwas zu belegen, müsste die Studie aber wohl deutlich länger andauern und mit einer deutlich grösseren Probandenzahl durchgeführt werden.

P. S. Wenn Sie die positiven Wirkungen von Leinsamen auf den Blutdruck nutzen möchten, müssen Sie – wie in der Studie – geschrotete Leinsamen verwenden. Aus ganzen Leinsamen werden keine Omega-3-Fettsäuren in den Organismus aufgenommen.

Aus geschroteten Leinsamen werden zudem Phytoöstrogene aus der Gruppe der Lignane aufgenommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Bio-Milch zeigt günstigeres Fettsäuremuster

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Kuhmilch aus ökologischer Landwirtschaft weist ein besseres Fettsäuremuster auf als Milch von konventionell gehaltenen Kühen. Das zeigte die erste Studie, für die auf einer breiten Basis Milch von amerikanischen Betrieben verglichen wurde.

Forscher der Washington State University analysierten 400 Milchproben. In Bio-Milch fanden sie ein niedrigeres Verhältnis zwischen Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren, was günstig auf die Gesundheit von Herz und Kreislauf wirkt. Die Forscher erklären in der Fachzeitschrift „PlosOne“, dass offenbar die Fütterung der Kühe, die auf ökologisch geführten Betrieben mehr auf der Weide grasen oder denen mehr Gras zugefüttert wird, entscheidend ist.

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/lebensmittel-hat-bio-milch-vorteile-fuer-die-gesundheit-12703575.html

Kommentar & Ergänzung:

Dass die Fettsäure-Zusammensetzung der Milch besser ist, wenn die Kühe in einer natürlicheren Umgebung leben, haben schon Untersuchungen aus dem Jahr 2003 gezeigt. Dort ging es allerdings nicht um den Vergleich von Bio-Milch und Milch aus konventioneller Landwirtschaft, sondern um Berg- und Alpenmilch im Vergleich zu Flachland-Milch.

Die Forschungsanstalt Agroscope Liebefeld Posieux (ALP) schreibt dazu bereits im Jahr 2004:

„Berg- und Alpenmilch weisen deutlich erhöhte Gehalte an ein- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren auf. Ein weiteres typisches Merkmal sind die hohen Gehalte an konjugierten Linolsäuren (CLA = conjugated linoleic acid), einer Gruppe von Isomeren der a-Linolsäure (9c,12c C18:2), bei denen die Doppelbindungen in konjugierter Form vorliegen. CLA sind das typische Merkmal im Milch- und Körperfett von Wiederkäuern, wobei das Isomer 9c,11t C18:2 mit ca. 90 % die dominierende Form darstellt. Die Herkunft der CLA beruht auf der Isomerisierung und partiellen Biohydrierung von mehrfach ungesättigten Fettsäuren durch die Pansenflora sowie auf der A9-Desaturase-Aktivität in den Zellen der Milchdrüse.

Seit der Entdeckung der antimutagenen Eigenschaften von CLA in den 80er Jahren haben diese Fettsäuren in der Ernährungsforschung grosses Interesse erlangt. In zahlreichen Studien werden CLA mit anti-karzinogenen, anti-atherosklerotischen, anti-diabetischen Eigenschaften in Verbindung gebracht.“

Quelle:

http://www.swissmilk.ch/fileadmin/filemount/fachinformation-cla-quelle-alpenmilch-ernaehrungswissenschaft-de.pdf

Die Untersuchungen zeigen allerdings nicht durchgehend einen höheren gesundheitlicheren Wert von Lebensmitteln aus Bio-Landwirtschaft. Ein wesentlicher Vorteil dieser Produktionsmethode besteht meines Erachtens aber darin, dass sie Wildpflanzen und Wildtieren (z. B. Wildbienen) weniger gefährdet, und dass generell weniger Schadstoffe in die Umwelt freigesetzt werden.

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Fakten zum Streitthema Homöopathie

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Beim Thema „Homöopathie“ gibt es sehr kontroverse Standpunkte und Sichtweisen. Während Homöopathie-Hersteller wie zum Beispiel Similasan genauso wie viele Homöopathinnen und Homöopathen erklären, dass die Wirksamkeit der Homöopathie schon lange wissenschaftlich bewiesen sei, bezweifeln das viele Skeptiker. Sie wenden ein, dass die Grundprinzipien der Homöopathie einer ganzen Reihe von gut belegten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen widersprechen und dass die Homöopathie in ihrer 200 jährigen Geschichte es nie geschafft habe, ihre Wirksamkeit in qualitativ guten Patientenstudien nachzuweisen.

Eine fundierte und aktuelle Zusammenfassung des gegenwärtigen Standes der Homöopathie-Forschung gibt das österreichische Portal „medizin-transparent“ hier.

Auf „medizin-transparent“ gibt es laufend neue Zusammenfassungen zu Themen aus Medizin & Komplementärmedizin.

Publiziert wurden beispielsweise bereits Beiträge zu Omega-3-Fettsäuren, Schüssler Salzen, Vitamin D und Allergie, ADHS, Neurodermitis, Rückenschmerzen, Diabetes, Thymian als Hustenmittel, Akupunktur zur Geburtsvorbereitung.

Es braucht dringend solche Portale wie „medizin-transparent“, weil die Medien uns überschwemmen mit reisserischen Berichten zu Heilverfahren aller Art, und weil dabei die Qualitätssicherung sehr oft auf der Strecke bleibt.

Wer dabei ein mündiger und informierter Patient sein oder werden will, hat es wahrlich nicht leicht. „medizin-transparent“ bietet hier unabhängige Informationen.

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