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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Verstärken Fieber-Medikamente Grippewellen?

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Fiebersenkende Medikamente werden in grosser Menge konsumiert. Beispiele sind Acetylsalicylsäure (Aspirin®) und Paracetamol (z. B. Dafalgan®). Sie sind häufig auch in Kombinationspräparaten enthalten, die bei Erkältungen eingesetzt werden (z. B. NeoCitran®, Pretuval®, Vicks MediNait®). Solche Kombinationspräparate enthalten mehrere sich ergänzende Wirkstoffe und werden von Fachleuten unter anderem aufgrund des erhöhten Risikos für unerwünschte Wirkungen und für Interaktionen mit anderen Medikamenten umstritten, während sie bei den Patienten sehr beliebt sind. Eine Studie aus Kanada nimmt nun unerwünschte Folgen dieser Medikamente auf die Grippe-Ausbreitung unter die Lupe.

Eine Grippe zwingt Patientinnen und Patienten meist ins Bett – es sei denn, die Betroffenen unterdrücken ihre Symptome mit fiebersenkenden Medikamenten. Für die Ausbreitung der Infektion könnte das allerdings problematische Folgen haben, schreiben Forscher aus Kanada.

Fieber-Medikamente verstärken laut Wissenschaftlern aus Kanada möglicherweise die jährlichen Grippe-Epidemien.

Weil durch sie mehr Viren überleben und der Kontakt der Erkrankten zu Mitmenschen verlängert wird, können sie möglicherweise die Zahl der Infektionen um rund fünf Prozent erhöhen und zu Tausenden von Toten führen. Zu diesem Schluss kommen kanadische Mathematiker in den „Proceedings B“ der britischen Royal Society.

Die Wissenschaftler um David Earn von der McMaster University in Hamilton berücksichtigten für die Analyse Daten vergangener Influenza-Epidemien sowie Resultate medizinischer Studien zur Grippe.

Für ihre Berechnungen gingen die Forscher davon aus, dass die in zahlreichen Grippe-Medikamenten enthaltenen fiebersenkenden Substanzen auch unerwünschte Folgen haben:

Sie hemmen die natürliche Funktion des Fiebers, das Wachstum von Bakterien und Viren zu verlangsamen und das Immunsystem wirksamer arbeiten zu lassen. Zudem dämpfen Erkrankte ihre Symptome mit Fiebersenkern und kehren dadurch oft früher an ihren Arbeitsplatz, in die Schule oder allgemein in die Öffentlichkeit zurück.

Die Fieber-Medikamente steigern so die Wahrscheinlichkeit, dass die Grippekranken aktive Viren an andere weitergeben und die Epidemie so verstärken. Das Team um David Earn kommt zum Schluss,  dass Fiebersenker (Antipyretika) jährlich möglicherweise fünf Prozent mehr Infizierte zur Folge haben. Was allein in Nordamerika mehr als 1000 zusätzliche Todesfälle bedeute.

Die Wissenschaftler geben aber zu bedenken, dass die Statistik noch sehr ungenau sei und möglicherweise nur einen Mindestwert zeige.

Um die tatsächlichen Folgen von Fieber-Medikamenten herauszufinden, seien gezielte epidemiologische Studien nötig.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Fieber-Medikamente-verstaerken-Grippewellen-article12116481.html

http://rspb.royalsocietypublishing.org/content/281/1778/20132570

Kommentar & Ergänzung:

Zwar handelt es sich bei dieser Studie nur um mathematische Berechnungen. Die Grundannahmen sind aber durchaus plausibel.

Fieber-Medikamente können in manchen Situationen zweifellos ihren Nutzen haben. Die Ergebnisse dieser Studie weisen aber deutlich auf die wunden Punkte dieser Präparate hin.

Daraus folgt meines Erachtens ein weiterer Hinweis darauf, dass alte Hausmittel wie Essigsocken und Lindenblütentee eben sehr wohl ihren Sinn haben, auch wenn es dazu mangels Sponsoren keine relevanten Studien gibt.

Unabhängig von ihrer Wirksamkeit handelt es sich bei ihnen jedenfalls um eine risikofreie Bewältigungsstrategie.

Siehe auch:

Lindenblüten aktivieren Immunsystem

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Wirkung von Chinakraut / Wilfords Dreiflügelfrucht bei Rheumatoider Arthritis

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Chinakraut (Tripterygium wilfordii) wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin zur Behandlung diverser Autoimmunerkrankungen eingesetzt.

Extrakte der Wurzeln, nicht der Frucht, zeigen entzündungshemmende und immunsuppressive Effekte.

In vitro – also im Reagenzglas – hemmen Extrakte der Pflanze die Freisetzung von TNFα, IL-2, und INFγ. Sie blockieren die Prostaglandin-Bildung durch Hemmung der COX-2.

Auch suppressive Wirkungen auf Adhäsionsmoleküle wie E-Selectin und Interzelluläres Adhäsions-Molekül (ICAM) wurden beschrieben. Weit mehr als 100 Inhaltsstoffe wurden bisher isoliert und zum Teil charakterisiert.

Für die in vitro belegten Glucocorticoid-ähnlichen Wirkungen werden hauptsächlich die Diterpenoide Triptolid und Tripdiolid sowie das sehr potente Chinontriterpen Celastrol verantwortlich gemacht.

In insgesamt sieben, teilweise auch Sulfasalazin-kontrollierten Studien mit bis zu 121 Patienten wurde über eine signifikante Verbesserung von Gelenkschwellungen, Schmerz, Morgensteifigkeit und Funktionseinschränkungen vor allem bei Rheumatoider Arthritis berichtet.

China-Kraut bzw. Wilfords Dreiflügelfrucht enthält mit Triptolid und Celastrol pharmakologisch hochwirksame Inhaltsstoffe. Es handelt sich um ein klinisch wirksames Antiphlogistikum (Entzündungshemmer) mit Glucocorticoid-ähnlicher immunsuppressiver Wirkung, das mit zahlreichen Zytokinen. China-Kraut weist allerdings ein relativ hohes Nebenwirkungspotential auf.

Relativ oft traten dabei jedenfalls Nebenwirkungen auf wie Durchfälle, Übelkeit, Dyspepsie und abdominale Schmerzen, Amenorrhoe, Osteoporose und Reizungen der Schleimhäute.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?type=0&id=40814

Kommentar & Ergänzung:

China-Kraut ist also ein Entzündungshemmer mit Glucocortikoid-ähnlicher Wirkung, hat aber auch ein hohes Risiko für Nebenwirkungen. So die Meldung.

Das mit dem Nebenwirkungsrisiko ist nicht überraschend. Schliesslich kann man davon ausgehen:

Keine Wirkung – keine unerwünschten Nebenwirkungen;

Milde Wirkung – geringes Risiko für ernste Nebenwirkungen;

Starke Wirkung – deutliches Risiko für ernsthafte Nebenwirkung.

Mag sein, dass es von dieser Regel auch Ausnahmen gibt, aber überwiegend dürfte sie zutreffen. Wenn eine Arznei eben beispielsweise ähnliche Effekte hat wie Kortison, muss auch potenziell mit unerwünschten Nebenwirkungen ähnlicher Art gerechnet werden.

Das Beispiel Chinakraut zeigt aber auch: Nicht alles, was eine Tradition von hunderten von Jahren beansprucht, ist sanft und harmlos. Es ist nämlich kaum anzunehmen, dass in der langen (und heterogenen) Tradition  in China systematisch nach Nebenwirkungen gesucht worden wäre. Systematische Pharmakovigilanz ist eine ziemlich neue Entwicklung.

Es gibt wertvolle Heilpflanzen im der chinesischen  Arzneikunde, aber auch viele unwirksame und risikobehaftete Kräuter. Und über den grössten Teil der chinesischen Heilkräuter fehlen ganz einfach gesicherte Erkenntnisse. Von tierischen Heilmitteln wie Nashorn-Horn, getrocknete Ameisen, Saiga-Antilopen-Horn oder Bärengalle einmal ganz abgesehen.

Siehe:

China: Widerstand gegen Entnahme von Bärengalle steigt

Saiga-Antilope durch TCM-Heilmittel bedroht

Traditionelle Medizin bedroht Nashörner

Tradition allein ist noch keine Bestätigung, weil Tradition sich sehr häufig auch irrt.

Siehe:

Komplementärmedizin – hat Tradition recht?

Es braucht sorgfältige Auseinandersetzung mit traditionellen Heilmethoden, damit sich klären lässt, welche Empfehlungen sinnvoll sind und welche nicht.

Und es ist oft sehr anspruchsvoll, Überlieferungen aus Kulturkreisen, die uns wie der chinesische sehr fremd sind, zu übersetzen und zu deuten. Wenn beispielsweise in dieser Meldung steht, dass Wilfords Dreiflügelfrucht in der Traditionellen Chinesischen Medizin gegen Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird, dann ist das zumindestens fragwürdig. Es spricht nämlich sehr viel dafür, dass die Traditionelle Chinesische Medizin das Konzept der Autoimmunkrankheiten, so wie es heute definiert ist, nicht gekannt hat. Wir unterstellen hier rasch Ähnlichkeiten, die nur in unserem Kopf existieren.

Die Phytotherapie nimmt auch traditionelle Heilpflanzen aus allen Weltgegenden auf, sofern die Wirksamkeit und Sicherheit ausreichend dokumentiert ist. Beispiele sind Ginkgo biloba (Asien), Teufelskralle (Afrika) oder Hamamelis (Nordamerika).

Bevor Chinakraut (möglicherweise) in die westliche Phytotherapie integriert werden kann, braucht es noch vertiefte Studien und viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Es braucht beispielsweise standardisierte Extrakte mit gleichbleibendem Wirkstoffgehalt und einen Prozess der Dosisfindung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzenkunde: Riesengoldrute (Solidago gigantea)

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Gigantisch, wie bereits der lateinische Name der Pflanze Solidago gigantea beschreibt, präsentiert sich das Riesengoldrutenkraut in charakteristischer Blüte im Auenwald und an heimischen Uferrändern. (Foto auf Wikipedia).

Die Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) wird bis über zwei Meter hoch.

Das Auftreten in dichten Beständen und der typische gelbe Blütenstand in Form einer pyramidenförmigen Rispe machen das Riesengoldrutenkraut unübersehbar. Die ursprüngliche Heimat von Solidago gigantea liegt in Nordamerika. Als Neophyt hat das Riesengoldrutenkraut erst spät Beachtung als Heilpflanze gefunden.

Ursprünglich war die Riesengoldrute im Heilpflanzenhandel als Verfälschung der einheimischen Echten Goldrute (Solidago virgaurea)  verpönt und wurde erst im Laufe der Zeit als Ersatz dieser Art anerkannt. Der höhere Gehalt an Flavonoiden und Saponinen im Riesengoldrutenkraut wurde als Rechtfertigung zur Verwendung als Arzneipflanze herangezogen.

Goldruten-Extrakte fördern Aktivität der Glutathion-STransferasen (GST)

Als Hauptinhaltsstoffe im Riesengoldrutenkraut wurden bis zu 3,8 % Flavonoide als Quercetin, Kämpferol und Isorhamnetin und deren Abkömmlinge nachgewiesen. Triterpensaponine um die 10 % stellen die zweite Wirkstoffgruppe der Riesengoldrute dar. Ausserdem sind ätherisches Öl und Phenolkarbonsäuren wie Kaffee-, Ferula- oder Salizylsäure gefunden worden.

Extrakte der Goldrute fördern die Aktivität der Glutathion-STransferasen (GST), die eine entscheidende Rolle in der Entgiftung des menschlichen Organismus darstellen.

Sie fördern die Umwandlung von gewebsschädigenden Stoffen in hydrophile Metaboliten, die dann via Nieren und Harnwege ausgeschieden werden können. Diese Enzymaktivierung regt den körpereigenen Schutz gegen toxische und mutagene Effekte an. Mittels alkoholischer, flavonoidreicher Extrakte aus Solidago canadensis ( = Kanadische Goldrute) konnte diese Wirkung in vitro ( = im Reagenzglas) nachgewiesen werden. Auch die entzündungswidrige und gewebsschützende Wirkung von Extrakten aus der Riesengoldrute wurde getestet. Verglichen mit Diclofenac zeigte der hochkonzentrierte Extrakt die gleiche Wirkung.

Die Anwendung des Goldrutenkrauts setzt die Erhöhung der Harnmenge voraus. Goldrute kommt als Teezubereitung bei entzündlichen Erkrankungen der Blase und der ableitenden Harnwege, bei Nierengrieß und zur vorbeugenden Behandlung bei Harnsteinen zur Anwendung. Die gesteigerte Durchspülung der Niere und der Harnwege hemmt pathogene Keime.

In der Volksmedizin ist das Riesengoldrutenkraut und auch das Echte Goldrutenkraut als krampflösend und entzündungshemmend bekannt. Die krampflösende Wirkung ist beim Riesengoldrutenkraut etwas geringer als beim echten Goldrutenkraut.

Volksheilkundliche Anwendungen des Goldrutentees finden sich bei Rheuma und bei Gicht. Zudem wird ein abgekühlter Teeaufguss als Spülung zur unterstützenden Behandlung entzündeter Hautbereiche und bei Zahnfleischproblemen empfohlen.

Quelle:

Pharmaceutical Tribune Nr. 17/2011

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=110366&dspaid=954740

Kommentar & Ergänzung:

Goldrutenkraut gilt als Mittel zur Steigerung der Harnausscheidung, genauer: der Wasserausscheidung (Aquaretikum).

Das interessanteste Ergebnis aus der Goldruten-Forschung ist die Förderung der Aktivität der Glutathion-STransferasen (GST) mit der damit möglicherweise verbundenen Verbesserung der Entgiftungsfunktion.

Allerdings muss dabei beachtet werden, dass es sich dabei um Laboruntersuchungen im Reagenzglas handelt.

Ob diese Effekte in klinisch relevanter Art und Weise auch im menschlichen Organismus auftreten, ist ungeklärt. Es ist ein häufig gemachter Interpretationsfehler, vorschnell von Laborergebnissen auf Wirkungen im Menschen zu schliessen.

Zu erwähnen ist noch, dass die Riesengoldrute und die Kanadische Goldrute als Neophyten an vielen Standorten problematisch sind, andererseits aber noch im Spätsommer vielen Insekten als ergiebige Nahrungsquelle dienen.

Was sind Neophyten?

Neophyten sind Pflanzenarten, die (in)direkt durch Menschen in Gebiete eingeführt werden, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen. Als Neophyten werden Pflanzen bezeichnet, die erst seit der Entdeckung Amerikas (1492) bei uns vorkommen. Der Ausdruck „Neophyten“ bedeutet wörtlich «neue Pflanzen». Diese gebietsfremden Pflanzen sind zum grösstenteils harmlos (bspw. die Rosskastanie oder das Kleine Springkraut). Einige der neuen Pflanzen verhalten sich allerdings invasiv: Sie verwildern, breiten sich stark aus und verdrängen dabei die einheimische Pflanzenwelt. Bestimmte Neophyten sind sogar gefährlich für unsere Gesundheit, zum Beispiel Ambrosia (Allergien), Riesen-Bärenklau (Hautentzündungen durch Photosensibilisierung), andere können Bachufer destabilisieren oder Bauten schädigen. Solche Problempflanzen bezeichnet man als invasive Neophyten. Gegenwärtig gelten in der Schweiz 24 Pflanzenarten als nachweislich schädliche invasive Neophyten und 22 Arten als potentiell schädliche invasive Neophyten.

Die Kanadische Goldrute und die Riesen-Goldrute können durch Eindringen in schützenswerte Pflanzenbestände die natürliche Artenzusammensetzung stören. So werden vor allem Licht liebende Pflanzenarten durch die dichten Goldrutenbestände verdrängt.

Weitere invasive Neophyten:

Drüsiges Springkraut, Riesen-Bärenklau, Ambrosia, Japanischer Staudenknöterich, Essigbaum, Sommerflieder, Robinie, Kirschlorbeer, Götterbaum, Riesenaronstab.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Psoriasis

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Im Phyto-Forum der Ärztezeitung wurde die Frage gestellt, ob es pflanzliche Alternativen zur Therapie der Psoriasis gebe.

Die Schuppenflechte oder Psoriasis (Psoriasis vulgaris) sei eine schubweise verlaufende, entzündliche und chronische Hauterkrankung mit Hyperproliferation der Epidermis, schreibt dazu Professor Jürgen Reichling.

„Nach derzeitigem Erkenntnisstand können zur Behandlung bei Psoriasis Phytopharmaka (Phyto-Dermatika) nur bei leichten Formen adjuvant eingesetzt werden.“

Bei schweren Verlaufsformen gebe es bisher weder überzeugende Studien noch entsprechende Erfahrungswerte.

Sinnvoll erscheine eine Kombinationstherapie bestehend aus äußerlich anwendbaren Phyto-Dermatika zusammen mit systemisch wirksamen Arzneimitteln wie zum Beispiel Retinoiden, Ciclosporin, Methotrexat.

Und welche Pflanzenpräparate empfiehlt Reichling konkret?

„Bei den Phyto-Dermatika haben sich zur äußerlichen Anwendung Zubereitungen aus Birkenrinde (etwa Trockenextrakt mit 80 Prozent Betulin), Mahonienrinde sowie Pflanzenteere (zum Beispiel Birkenholzteer) bewährt.“

Eine Kombination aus Pflanzenteer und Johanniskrautöl eingearbeitet in Zinkpaste werde ebenfalls als sehr hilfreich beschrieben.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/814714/akute-sinusitis-phytopharmaka-verhindern-sekretstau.html?sh=14&h=-1654080400

Kommentar & Ergänzung:

Am häufigsten im Bereich Psoriasis wird als Begleittherapie die Mahonia-Salbe angewendet (Rubisan-Salbe / Rubiderm-Salbe).

Die Gewöhnliche Mahonie (Zierberberitze, Mahonia aquifolium) gehört in die Familie der Berberitzengewäche (Berberidaceae).

Die Pflanze ist bei uns wenig bekannt, obwohl sie zum Beispiel in Parkanlagen häufig anzutreffen ist. Darum hier ein paar Informationen zur Mahonia (Foto auf Wikipedia)

Wo kommt die Mahonia ursprünglich her?

„ Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Gewöhnlichen Mahonie liegt im westlichen Nordamerika von Britisch-Kolumbien in Kanada bis zum US-Bundesstaat Oregon. Dort ist die Gewöhnliche Mahonie die offizielle Staatsblume („Oregon grape“). Heute findet man sie auch kultiviert und verwildert in Mitteleuropa; besonders in Frankreich ist sie als Neophyt weit verbreitet. Die Gewöhnliche Mahonie wächst sowohl in sonnigen als auch in halbschattigen Lagen, hauptsächlich in städtischen Garten- und Parklandschaften.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zur Nutzung der Mahonia:

„ Die Pflanze ist nicht ohne Weiteres zu verwerten, da die meisten Pflanzenteile giftig sind. Die Wurzeln enthalten bis zu 1,5 % Berberin sowie diverse weitere Alkaloide. Der Alkaloid-Gehalt der Beeren liegt bei etwa 0,05 %; sie sind essbar und werden z. B. für die Herstellung von Marmeladen und Fruchtweinen verwendet.

In der Literatur finden sich Hinweise auf die medizinische Verwendung von Pflanzenextrakten, insbesondere des darin enthaltenen Berberins zur Bekämpfung von Haarschuppen und Schuppenflechte, möglicherweise auch Akne. Der Extrakt aus Rinde und Wurzel wird in der traditionellen Literatur und in der Homöopathie bei Hautausschlag empfohlen. Studien belegen einen positiven Effekt. Die Pflanze blüht schon zeitig im Frühjahr (ab März) und stellt damit eine frühe Nektar- und Pollentracht für Bienen und Hummeln dar.“

(Quelle: Wikipedia)

Der Hinweis auf die Anwendung von Mahonia-Extrakten in der Homöopathie bei Hautausschlag, bei welcher positive Studienresultate vorliegen sollen, ist etwas irreführend, weil es sich dabei um Salben auf der Basis von homöopathischen Urtinkturen handelt. Weil die Urtinktur noch nicht verschüttelt und verdünnt wurde, handelt es sich eigentlich um eine phytotherapeutische Anwendung.

Einen Überblick über Heilpflanzen-Anwendungen bei Hauterkrankungen finden Sie hier:

Phytotherapie im Überblick: Dermatologie

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Passionsblume bei Angst, Unruhe, Schlafstörungen

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 7 / 2012) veröffentlichte einen Beitrag zu Heilpflanzen-Anwendungen in der Frauenheilkunde. Im Abschnitt „Seelisches Wohlbefinden“ wurde die Passionsblume vorgestellt:

„Ihren Namen erhielt die anmutige Passionsblume von europäischen Missionaren, die sie im 17. Jahrhundert von Mittelamerika nach Europa importierten und in ihren Blättern Anspielungen an den Leidensweg Christi zu erkennen glaubten. Heute ist die Wirkungsweise der Passionsblume wissenschaftlich gut dokumentiert. Sie stellt bei nervösen Unruhezuständen, die mit Beklemmungs- und Angstgefühlen sowie Ein- und Durchschlafstörungen einhergehen, eine pflanzliche Option ohne Abhängigkeitspotenzial dar. Die Einnahme kann auch Frauen helfen, die ein erhöhtes Risiko für ein »Burnout-Syndrom« aufweisen. Trotz der guten Wirkung ruft die Passionsblume im Allgemeinen keine Übermüdung hervor, weshalb der Einsatz im stressbelasteten, leistungsorientierten Arbeitsalltag durchaus sinnvoll sein kann.“

Kommentar & Ergänzung:

Die Passionsblume ist natürlich keine typische „Frauenpflanze“. Sie eignet sich genauso für Männer.

Die Pflanzengattung der Passionsblumen (Passiflora) umfasst über 530 Arten und gehört zur Familie der Passionsblumengewächse (Passifloraceae). Foto auf Wikipedia.

Passionsblumen sind Pflanzen des tropischen Regenwaldes und somit sind die meisten Arten in den tropischen und subtropischen Gebieten von Mittelamerika, Nordamerika und Südamerika heimisch. 20 Passiflora-Arten wachsen auch in Asien, Australien und Neuseeland.

Durch die spanischen Eroberungen gelangten Passiflora-Arten auch nach Europa und sind heute als Zierpflanze hier sehr beliebt. Als Heilpflanze wird Passiflora incarnata verwendet. Sie ist kälteresistent und kann im Freien auch in milderen Gegenden überwintern.

Die Phytotherapie setzt die Passionsblume ein als Passionsblumenkrauttee, Passionsblumentinktur oder Passionsblumenextrakt.

Positive Studienresultate zur Wirksamkeit gibt es nur für Passiflora-Extrakte.

Passionsblumen-Extrakte sind häufig auch Bestandteil von Kombipräparaten. Ein bekanntes Beispiel ist Relaxane = Zeller Entspannungsdragees = Valverde Entspannungsdragees In diesen Präparaten ist Passionsblumen-Extrakt kombiniert mit Extrakten aus Baldrian, Melisse und Pestwurz. Für diese Phytopharmaka liegen positive Studienergebnisse vor. Das heisst: Sie zeigen eine Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus. Pflanzliche Beruhigungsmittel haben darüber hinaus den Vorteil, dass sie kein Abhängigkeitsrisiko mit sich bringen.

Passionsblume kommt auch in homöopathischen Kombipräparaten vor, zum Beispiel in Similasan Beruhigung (Asa foetida D4, Crataegus D4, Lycopus virginicus D3, Passiflora incarnata D4). Hier fehlen Wirksamkeitsnachweise (Homöopathika sind bei den Arzneimittelbehörden generell vom Wirksamkeitsnachweis befreit). Allfällige Wirkungen dürften auf dem Placebo-Effekt basieren.

Die Passionsblume war Arzneipflanze des Jahres 2011

Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

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Engelwurz

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Ich werde immer wieder einmal gefragt, wo denn Engelwurz wächst und wo man die Pflanze in der Natur sehen könnte. Vor kurzem sagte mir eine Kursteilnehmerin, dass sie die Engelwurz schon seit Jahren vergeblich suche.

Zur Beantwortung dieser Frage braucht es zuerst eine botanische Klärung: Die hauptsächlich als Arzneipflanze verwendete Echte Engelwurz ist Angelika archangelica (eigentlich Erzengelwurz). Bei uns in der Schweiz kommt die Pflanze in der Natur nicht, daher kann man sie lange suchen….Zu sehen ist sie nur in botanischen Gärten.

Angelica archangelica (Foto)

ist in Nordeuropa, Osteuropa, Sibirien, Himalaya und Nordamerika verbreitet.

Sie enthält ätherisches Öl und Bitterstoffe und ist eine alte traditionelle Heilpflanze, die vor allem im Mittelalter höchste Wertschätzung genoss. Unter anderem galt sie als Pestheilmittel.

„Verwendung findet vor allem die Wurzel (als Droge Angelicae radix), die Bitterstoffe und ätherische Öle enthält, also zu den Amara-Drogen gehört. Alkoholische Auszüge oder Tees werden gegen Appetitlosigkeit, leichte Magen- und Darmkrämpfe, Völlegefühl und Blähungen eingesetzt. Engelwurz wirkt karminativ, antimikrobiell und regt die Magensaft- und Bauchspeicheldrüsen-Sekretion an.

In der Volksmedizin wird das ätherische Öl (als Droge Angelicae aetheroleum) aus den Wurzeln innerlich gegen Schlaflosigkeit und äußerlich gegen Rheuma und Neuralgien angewendet. In größeren Mengen ist das ätherische Öl toxisch.

Das Öl aus Wurzeln und Samen ist Bestandteil von Kräuterlikören und Bitterschnäpsen, wie Boonekamp, Bénédictine und Chartreuse. Kandierte Stängel werden als Süßigkeit und als Verzierung für Backwaren angeboten. Engelwurz ist auch Bestandteil des Schneeberger Schnupftabaks.

Mit den Früchten werden Wermutwein, Gin und Chartreuse aromatisiert.“

(Quelle: Wikipedia)

Einheimisch ist bei uns die Wilde Engelwurz ( = Brustwurz, Wald-Engelwurz), Angelica sylvestris. Foto auf Wikipedia

Sie kommt gerne an Waldrändern und Bachufern vor und eignet sich auch gut für Wildpflanzengärten.

Wie andere Doldenblütler auch, ist der Wald-Engelwurz eine beliebte Nahrungsquelle für Honigbienen, Wildbienen (u. a. Sandbienen, Furchenbienen, Maskenbienen), Schwebfliegen. Die Blüten werden auch von vielen Käferarten als Pollenquelle genutzt (oft zu sehen: Purzelkäfer, Pinselkäfer, Bienenwolf, div. Bockkäferarten). Im Winter dient der Stängel vielen Insektenarten als Überwinterungsort.

Aus den Wald-Engelwurzfrüchten wurde früher ein Pulver gegen Läuse hergestellt. Die jungen Blätter wurden als Gemüse genutzt. Der Name „Brustwurz“ deutet auf eine Verwendung bei „Brustkrankheiten“ hin (gemeint wohl Husten, Bronchitis etc.).

Wald-Engelwurz kann man auf meinen Kräuterwanderungen eher in den Bergregionen antreffen und eher im Sommer als im Frühling. Die Kursdaten finden Sie hier.

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Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei Wechseljahrsbeschwerden

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Die Österreichische Apotheker-Zeitung (ÖAZ Nr. 12 / 2012) veröffentlichte einen fundierten Beitrag von Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber zum Thema „Phytotherapie-Optionen in der Gynakologie“. Einleitend schreibt der Autor:

„Die Phytotherapie entspricht in hohem Maße der Geisteshaltung unserer Zeit, die man mit »zurück zur Natur« beschreiben könnte und die durch die Suche nach sanften, ursprünglichen Methoden gekennzeichnet ist. Gerade in der gynäkologischen Praxis hat die Nachfrage der Patientinnen nach natürlichen, geprüften Präparaten bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden in den letzten Jahren stark zugenommen. Und tatsächlich gibt es eine Reihe von Pflanzen, die sich in typischen weiblichen Problemfeldern zu Recht einen guten Namen erworben haben.“

Dem kann man meines Erachtens nur beipflichten. Es gibt einige Heilpflanzen-Extrakte in der Gynäkologie, deren Wirksamkeit inzwischen gut erforscht und belegt ist. Andererseits gibt es auch eine ganze Reihe von traditionellen Frauenpflanzen, die noch sehr ungeklärt im Raum stehen, so zum Beispiel der Frauenmantel. Seine grosse Bedeutung in der traditionellen Pflanzenheilkunde lässt sich wohl nur kulturhistorisch erfassen (Freya-Pflanze, Muttergottes-Pflanze, silbrige Wassertropfen als Anregung für Gedankengänge in der Alchemie).

Gut dokumentiert sind dagegen Traubensilberkerzen-Extrakte bei Wechseljahrsbeschwerden wie zum Beispiel Hitzewallungen.

Dazu ein Zitat aus dem Beitrag von Prof. Johannes Huber:

„Die Pflanze, die bereits von den Ureinwohnern Nordamerikas zu Heilzwecken eingesetzt wurde, hat heute ihren festen Platz in der Therapie von menopausalen Beschwerden –vor allem beim neurovegetativen Symptomenkomplex mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Als pflanzenspezifische Wirkstoffe werden die Triterpenglykoside Actein und Cimicifugosid beschrieben. Neue pharmakologische und phytochemische Untersuchungen weisen auf eine Interaktion mit verschiedenen Rezeptoren im Zentralnervensystem hin.

Neben dopaminergen Wirkungen konnte eine positive Modulation am GABA-Rezeptor sowie eine Bindungsaktivität am Serotoninrezeptor nachgewiesen werden.“

(Quelle der Zitate: http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2012/OAZ-2012-12.pdf)

Die Traubensilberkerze wurde früher zu den Phytoöstrogen-Pflanzen gerechnet. Neuere Forschungen deuten aber auf eine Wirksamkeit via Zentralnervensystem hin, wie auch das obenstehende Zitat bestätigt.

Erwähnt werden muss noch:

Traubensilberkerzen-Tee ist unüblich, Traubensilberkerzentinktur ist bezüglich Wirksamkeit ungeklärt.

Dokumentiert bezüglich Wirksamkeit sind nur Traubensilberkerzen-Extrake, wobei die Extrakte in den verschiedenen Präparaten unterschiedlich sein können.

Phytotherapeutisch ist Traubensilberkerze daher nicht gleich Traubensilberkerze – es kommt sehr auf die Zubereitungsform an.

Zur Traubensilberkerze siehe auch:

Traubensilberkerze & Wechseljahrsbeschwerden

Phytotherapie: Traubensilberkerze gegen Beschwerden in den Wechseljahren

Phytotherapie: Cimicifuga auch gegen BPH?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Metastudie mit Cranberry: (Lückenhafte) Evidenz zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen

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Die Einnahme der in Nordamerika angebauten Cranberries soll vor Harnwegsinfektionen schützen. Eine neue Meta-Analyse in den Archives of Internal Medicine (2012; 172: 988-996) findet tatsächlich Hinweise für eine vorbeugende Wirkung. Die Datenlage ist nach Ansicht der Wissenschaftler aber nach wie vor lückenhaft.

Die Kranbeere (Cranberry) zählt zur Gattung Vaccinium (Heidelbeeren) in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Die Cranberry-Frucht unterscheidet sich jedoch in Aussehen und Geschmack deutlich von den bei uns verbreiteten, nah verwandten Preiselbeeren. Der Cranberry-Saft ist geschmacklich herb und sehr sauer. Cranberry werden in der Küche niedrig dosiert angewendet. Mehr als 95 Prozent der Cranberry-Jahresproduktion werden versaftet und im Handel in der Regel mit gesundheitsfördernden Argumenten propagiert.

An erster Stelle bei den empfohlenen Indikationen steht die Vorbeugung von Harnwegsinfektionen (vor allem Blasenentzündung) Die Wirkung wurde anfangs mit der Ansäuerung des Harns begründet, was den Bakterien im Harntrakt gar nicht gut bekommt. In den 80er Jahren überwog die Vorstellung, dass Inhaltsstoffe des Saftes (oder was von ihm im Urin übrig bleibt) die Anhaftung von Bakterien an der Blasenschleimhaut reduziert. Im Jahr 1989 wurde schliesslich mit den Typ A Proanthocyanidinen ein potenzieller Wirkstoff in den Cranberries entdeckt.

Die Belege für eine Wirksamkeit der Cranberry-Präparate hinkten allerdings lange den Erklärungsmodellen hinterher. Zuletzt bestätigte eine Cochrane-Meta-Analyse eine gewisse Evidenz. Hauptsächlich Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen könnten von dem Saft profitieren, hieß es in der Publikation. Den Autoren war allerdings nicht entgangen, dass sich zahlreiche Personen nicht an den Geschmack gewöhnen und die Saftbehandlung frühzeitig beenden. Nicht zufällig werden darum inzwischen Cranberry-Kapseln angeboten.

Definitive klinische Studien sind von den Produzenten der Getränke nicht zu erwarten, da sie nicht unter das Arzneimittelgesetz fallen. Als Nahrungsergänzungsmittel müssen Cranberry-Präparate ihre Wirksamkeit nicht  belegen.

Die Ersteller von Metaanalysen stehen daher vor der Aufgabe, Daten aus nicht immer hochwertigen Studien zusammenfassen zu müssen. Eine Folge ist eine hohe Heterogenität, sprich Unterschiedlichkeit in den Resultaten, die auch Chih-Hung Wang vom National Taiwan University Hospital die Beurteilung der Wirksamkeit erschwert.

Wang hat die Resultate aus 10 Studien mit 1.494 Teilnehmern ausgewertet und kommt wie die Cochrane-Analyse zu dem Ergebnis, dass Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen durch das Trinken von Cranberry-Saft oder die Einnahme der Cranberry-Kapseln weiteren Harnwegsinfektionen vorbeugen können. Mit einem relativen Risiko (RR) von 0,53 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,33-0,83) ist das Risiko nahezu halbiert. Aber auch bei Frauen allgemein (RR 0,49), Kindern (RR 0,33), regelmäßigen Cranberrysafttrinker (RR 0,47) zeigte sich eine Schutzwirkung. Auch bei Einnahme von mehr als 2 Kapseln am Tag (RR 0,58) war das Risiko reduziert.

Für alle Gruppen zusammen reduzierten die Cranberries das Risiko indes nur um ein Drittel (relatives Risiko 0,62), und bei der Herausnahme bestimmter Studien bleiben die günstigen Wirkungen ganz aus.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50839/Kranbeeren-Lueckenhafte-Evidenz-zur-Praevention-von-Harnwegsinfektionen

http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1213845

Kommentar & Ergänzung:

Schön, dass die Metastudie zumindestens eine teilweise Evidenz für die Anwendung von Cranberry zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten gefunden hat. Die Arbeit aus Taiwan zeigt aber auch die Probleme bei der Erforschung der Cranberry-Wirkung.

Eine Schwierigkeit in der Cranberry-Forschung sind zudem die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Cranberry-Präparaten bezüglich Herstellungsweise und damit auch bezüglich Wirkstoffgehalt.

Sowohl positive als auch negative Studienergebnisse gelten dadurch streng genommen nur für das jeweilige untersuchte Präparat und können nicht einfach so ohne weiteres auf andere Präparate übertragen werden.

Das ist aber auch ein wichtiger Punkt im Umgang mit anderen Heilpflanzen-Präparaten:

Beispiel Baldrian:

Baldriantee, Baldriantinktur und Baldrianextrakt sind nicht einfach in ihrer Wirkung identisch.

Bei den Baldriantinkturen gibt es verschiedene Herstellungsarten, zum Beispiel Frischpflanzentinkturen oder Tinkturen aus getrockneten Baldrianwurzeln. Und selbst bei den Frischpflanzentinkturen aus Baldrian gibt es unterschiedliche Herstellungsverfahren.

Das selbe gilt auch für die Baldrianextrakte: Hier kommen zum Beispiel unterschiedliche Lösungsmittel in unterschiedlicher Konzentration zum Einsatz.

All diese Präparationen aus Baldrian unterscheiden sich bezüglich ihrer Wirksamkeit!!

Ein fundierter Umgang mit einer Heilpflanze wie Baldrian kann sich deshalb nicht auf die Empfehlung bzw. Feststellung beschränken, dass Baldrian als Einschlafhilfe verwendbar ist. Es stellt sich immer auch die Frage, in welcher Zubereitungsform das optimalerweise geschehen soll.

Diese Fragen sind anspruchsvoll, aber such sehr spannend.

Falls Sie mehr darüber lernen möchten, können Sie das in meiner Phytotherapie-Ausbildung oder im Heilpflanzen-Seminar.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturkunde: Was blüht gerade? – Robinie / Falsche Akazie

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Die Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia), auch Falsche Akazie, Scheinakazie oder Silberregen genannt, ist ein sommergrüner Laubbaum. Ursprünglich aus Nordamerika stammend, wurde die Robinie überall in Europa in Parks und Gärten gepflanzt und kommt inzwischen auch verwildert vor.

Foto auf Wikipedia.

Botanik der Robinie

Botanisch ist die Gewöhnliche Robinie eine Pflanzenart aus der Unterfamilie der Schmetterlingsblütler (Faboideae) in der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).

Mit den zur Unterfamilie der Mimosengewächse (Mimosoideae) zählenden Akazien (Acacia) ist die Robinie, obwohl sie auch als Falsche Akazie bezeichnet wird, nicht näher verwandt, auch wenn sie äußerlich mit diesen die gefiederten Blätter sowie die Dornen gemeinsam hat

Carl von Linné, der die Gattung der Robinien (Robinia) erstmals wissenschaftlich beschrieben hat, benannte diese nach Jean Robin, dem Hofgärtner der französischen Könige Heinrich III., Heinrich IV. und Ludwig XIII.

Jean Robin brachte den Baum 1601 aus Nordamerika nach Paris.

Die natürlichen Vorkommen in Nordamerika  befinden sich im Gebiet der Appalachen sowie der US-Bundesstaaten Pennsylvania, Missouri, North Carolina, South Carolina, Georgia, Indiana und Oklahoma.

Die Robinie als Nutzpflanze

Holznutzung:

Im Laufe des 18. Jahrhunderts begann man, in der Robinie eine für die sich entwickelnde geregelte Forstwirtschaft interessante Art auf stickstoffarmen Standorten zu sehen.

Das gegen Holzfäule widerstandsfähige Robinienholz ist gleichzeitig biegsam und fest und wird im Schiff- und Möbelbau, als Grubenholz, als Schwellenholz, im Bogenbau wie auch in der Landwirtschaft (beispielsweise Weinbau: Stickel) verwendet. Robinienholz gilt als widerstandsfähiger und dauerhafter als Eichenholz. Da es auch ohne chemische Konservierungsbehandlung bei einer Nutzung im Außenbereich lange stabil bleibt, wird es zum Beispiel für den Bau von Geräten auf Kinderspielplätzen geschätzt.
Darüber hinaus wird es häufig im Rahmen der Schutzwaldsanierung zur temporären Verbauung genutzt.

Die Forstwirtschaft in verschiedenen Ländern (z. B. Ungarn, Slowakei, Südkorea) forciert Robinienholz, unter anderem weil es als Alternative zum Tropenholz verwendet wird.

Das Holz der Robinie wurde im Bergbau zum Stützen der Stollen genutzt.

Robinienholz soll eine gewisse „Warnfähigkeit“ aufweisen. Hierunter wird die Eigenschaft des Holzes verstanden, vor dem Bruch zu splittern und dabei hörbare Warngeräusche an die Umgebung abzugeben, welche eine rechtzeitige Reaktion der Bergleute ermöglicht. Diese Eigenschaft ist allerdings bei den langfaserig brechenden Nadelhölzern stärker ausgeprägt. Dafür biegen sich Robinienbalken vor dem Bruch stark durch, womit ein zusätzliches visuelles Warnvermögen verbunden ist.

Das Kernholz der Robinie ist eines der bevorzugten Hölzer im traditionellen Bogenbau.

Robinie als Bienenweide:

Die Robinie zählt als wichtige Frühsommertrachtpflanze zu den sogenannten Bienenweiden.

Robinienblüten produzieren sehr reichhaltig Nektar mit einem Zuckeranteil zwischen 34 und 59 Prozent. Wegen ihres hohen Zuckerwerts werden Robinien manchmal von Imkern als Trachtpflanze angepflanzt. Der Honig aus den Robinienblüten wird unter der botanisch nicht korrekten Bezeichnung „Akazienhonig“ verkauft. Es ist sehr flüssig und kandiert nur sehr langsam im Verlaufe mehrerer Jahre in Form eines Bodensatzes aus. Grund für die langsame Kandierung ist der hohe Anteil an Fructose, da Fructose im Honig nur wenig zur Kristallisation neigt, im Gegensatz zur Glukose, die in vielen anderen Honigsorten überwiegt.

Die Robinie als Giftpflanze

Die Robinie enthält  vor allem in der Rinde, aber auch in den Samen Lectine mit hämagglutinierenden und mitogenen Eigenschaften. Vergiftungen mit leichter Symptomatik kommen nach Verzehr  der Samen durch Kinder vor, es wurden aber auch Fälle mit Kindern beobachtet, die sich mit Robinienrinde vergiftet hatten. Typische Symptome sind Magendarmbeschwerden, Bauchschmerzen, Pupillenerweiterung, Erbrechen, Schwächezustände, Schwindel, Fieber, Schläfrigkeit, Krämpfe, Sehstörungen, Kopfschmerzen.

Die Robinie ist auch für Pferde, Hunde, Nager, Katzen, Vögel und andere Haustiere giftig.

Die Robinie als invasive Pflanzen und problematischer Neophyt

Als Leguminose ist die Robinie in der Lage, Luftstickstoff (N2) mit Hilfe symbiotisch mit ihr in den Wurzeln lebender Knöllchenbakterien zu binden. Auf stickstoffarmen Standorten hat die Robinie daher einen Konkurrenzvorteil gegenüber anderen Arten. Und im Unterwuchs der Robinien werden Stickstoff liebende Pflanzenarten gefördert.

Dadurch sind hauptsächlich seltene Biotoptypen wie Magerrasen, Kalkmagerrasen und Sandtrockenrasen bedroht, weil die artenreiche Vorvegetation schliesslich völlig verdrängt wird.

Wenn Sie Pflanzen und Tiere kennen lernen und mehr über Zusammenhänge in der Natur erfahren möchten, finden Sie hier die Daten und Orte meiner Alpenblumenkurse, Heilkräuterexkursionen und Naturseminare.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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