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Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

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Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ bringt ein Gespräch mit dem Dermatologen Franz Legat, dem Leiter der Juckreizambulanz in Graz.

Dabei wird als Mittel gegen Juckreiz (Pruritus) unter anderem auch Menthol erwähnt.

Zitat:

„Auch Cremes mit speziellen Inhaltsstoffen, etwa mit Urea, also Harnstoff, oder Menthol können helfen. Eine Therapie in Kältekammern oder die Phototherapie, also die Therapie mit UV-Strahlen, kann juckreizlindernd wirken.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000057056706/Pruritus-Im-Juck-Kratz-Zyklus-sein

Kommentar & Ergänzung:

Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls und dort in einem Anteil von 35 – 70 % vorhanden. Man kann also grob davon ausgehen, dass Pfefferminzöl etwas zur Hälfte aus Menthol besteht.

Bei der Anwendung von Menthol ist die Konzentration wichtig.

Um Juckreiz zu lindern sind Konzentrationen von 0,1 – 1% Menthol wirksam. Rechnet man bei Pfefferminzöl mit einen Mentholgehalt von etwa 50%, könnte man deshalb 1 – 2 % Pfefferminzöl in einer Salbengrundlage oder in fettem Öl (z. B. Mandelöl) applizieren.

Als Counterirritant zum Beispiel gegen Spannungskopfschmerzen beträgt die empfohlene Konzentration 1,25 – 16% Menthol. Üblich ist hier eine 10%ige Pfefferminzöl-Lösung auf alkoholischer Basis.

Urea (Harnstoff) ist eine organische Verbindung und bei Säugetieren ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das mit dem Urin und dem Schweiß ausgeschieden wird. In Salben und Lotionen dient er als Feuchtigkeitsspender und wird zu diesem Zweck synthetisch hergestellt.

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Harnstoff als die erste aus anorganischen Ausgangsstoffen synthetisierte organische Verbindung.

Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte vis vitalis (Lebenskraft) hergestellt werden könnten. Die erste Synthese von Harnstoff im Jahr 1828 durch Friedrich Wöhler gilt daher als Geburtsstunde der Biochemie. Durch diese Entwicklung galt der vitalistische Ansatz in der Biologie zunehmend als überholt.

Der Vitalismus nahm als Grundlage aller Lebensvorgänge als eigenständiges Prinzip eine Lebenskraft an. Die Hernstoffsynthese zeigte, dass zur Herstellung organischer Substanzen die Annahme einer Lebenskraft nicht notwendig ist.

Erwähnen möchte ich noch einen anderen interessanten Aspekt, der im Gespräch mit Franz Legat zu Sprache kommt:

Ein Juckreiz kann chronisch werden und sich dann von der ursprünglichen Ursache lösen. Zitat:

„Es entsteht ein Juck-Kratz-Zyklus, und der wird zu einer eigenen Juckreizerkrankung, die dann oft mit speziellen juckenden Hautveränderungen in einer sogenannten chronischen Prurigo mündet. In diesem Stadium bringt dann auch die Behandlung der auslösenden Ursache keine Hilfe mehr.“

Das scheint mir ähnlich zu sein wie bei chronischen Schmerzen. Auch sie können sich von der ursprünglichen Ursache lösen und zur eigenständigen Schmerzkrankheit werden.

Starker Juckreiz kann genauso stark belasten wie chronischer Schmerz.

In der Medizin kommen gegen Juckreiz oft Arzneimittel zur Anwendung, die eigentlich gegen andere Erkrankungen entwickelt wurden. Im Interview erwähnt werden als Optionen die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, die die Wahrnehmung und Weiterleitung von Juckreiz hemmen und bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder mit Nervenschäden meist gut wirken sollen.

Auch der Neurokinin-1-(NK1)-Antagonist Aprepitant habe sich als gutes Mittel gegen schweren chronischen Pruritus erwiesen, sei aber eigentlich zugelassen, um die Übelkeit bei stark wirksamen Chemotherapien zu lindern. Das Mittel sei teuer, und die Erfahrungen mit Langzeitbehandlungen seien derzeit noch gering.

Es gebe derzeit noch kein Medikament, das gegen Juckreiz zugelassen sei, sagt Legat.

In der Phytotherapie wird als Option bei Juckreiz noch der Paprika-Wirkstoff Capsaicin äusserlich angewendet. Siehe dazu:

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Zur Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen / Blasenentzündung

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Bei Harnwegsinfektionen – insbesondere bei Blasenentzündungen – fragen Betroffene häufig nach einem pflanzlichen Präparat. Nützliche Tipps für die Beratung in der Apotheke gab es im POP-Symposium „Pharmakotherapie von Harnwegsinfektionen“ auf der INTERPHARM.

Apothekerin Dr. Kirsten Dahse aus Gröbenzell und Dr. med. Johanna Lerner aus München zeigten dabei auf, wann eine Selbstbehandlung nicht angebracht und eine ärztliche Konsultation nötig ist:

– Bei Risikofaktoren wie Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz oder Immunsuppression.

– Außerdem bei Fieber, Schmerzen in der Nierengegend, Blut im Urin, zunehmenden Beschwerden sowie Symptomen, die länger als fünf Tage andauern.

Schmerzmittel sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, weil damit eine beginnende Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung), die meist mit Fieber und Schmerzen einhergeht, verschleiert werden kann.

Die Referentinnen stellten für die Phytotherapie bei Harnwegsinfektionen eine ganze Reihe von Präparaten vor, bei denen jedoch auch Nebenwirkungen und Kontraindikationen zu beachten sind:

☛ Bei Bärentraubenblättern und Bärentraubenextrakten resultiert die Anwendungsbeschränkung „nicht häufiger als fünfmal pro Jahr und jeweils nicht länger als ein Woche“ aus einem potenziellen kanzerogenen Risikos des Hydrochinons. Dieses sei aber wahrscheinlich sehr gering, zumal die Verbindung rasch konjugiert und abgebaut werde.

Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut enthalten Senfölglykoside und die Referentinnen wiesen darauf hin, dass sie bei Personen mit Nierenfunktionsstörungen und Magengeschwüren nicht empfohlen werden sollten. Kapuzinerkressekraut sei zudem wegen des Gehalts an Vitamin K für Patienten unter Phenprocoumon nicht geeignet.

Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel werden erwähnt als Mittel, die zur Durchspülungstherapie zugelassen sind. Zurückhaltung sei dabei jedoch geboten bei Patienten mit Herz- und Niereninsuffizienz wegen der hierfür notwendigen größeren Trinkmengen. Die Cumarine im Liebstöckelkraut können eine Photosensibilisierung bewirken.

☛ Nach Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie werde in der Apotheke häufig gefragt, um damit pathogene Keime aus den Harnwegen auszuschwemmen. Neben Bärentraubenblättern enthalten solche Teemischungen in verschiedenen Kombinationen insbesondere Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut. Vor einer Empfehlung von Tees mit Birkenblättern sollte die Kundin oder der Kunde nach einer Birkenpollenallergie gefragt werden.

☛ Zubereitungen aus der Großfrüchtigen Moosbere, besser bekannt als Cranberry, werden seit einigen Jahren sowohl zur Vorbeugung als auch zur Therapie von wiederkehrenden Infektionen der Harnwege empfohlen. Allerdings konnte in einem Cochrane-Review (Metaanalyse) bezüglich der Vorbeugung keine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo gezeigt werden.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/03/21/wann-selbstmedikation-wann-zum-arzt

Kommentar & Ergänzung:

Die beschriebenen Grenzen der Selbstbehandlung bei Blasenentzündungen kann man nur unterstreichen. Steigt eine Blasenentzündung in die Nieren auf, kann die Infektion sich rasch gefährlich entwickeln. In solchen Fällen braucht es ärztliche Behandlung und in der Regel ein Antibiotikum.

Zu den empfohlenen Heilpflanzen gibt es einiges zu ergänzen:.

1. Zu den Bärentraubenblättern: Teezubereitung als Kaltauszug ist magenverträglicher und geschmacklich akzeptabler (tieferer Gerbstoffgehalt). Auf ausreichende Dosierung achten: 10 g Bärentraubenblätter (= 4 – 5 Teebeutel pro Tag) als Bärentraubenblättertee. Pulverisierte Form (z. B. als Beuteltee) ist wirksamer als geschnittene Bärentraubenblätter (Wirkstoffe werden besser gelöst, wenn die Pflanzenteile kleiner sind).

2. Zu Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressekraut: Die Referentinnen beziehen sich hier wohl auf Angocin® – das sind Filmtabletten mit Meerrettichwurzel und Kapuzinerkressenkraut. Wer Meerrettich liebt, kann auch die frisch geraffelte Wurzel gemischt mit Joghurt, Quark, geraffeltem Apfel etc. essen und kommt so rasch auf höhere Senfölglykosid-Mengen, als es mit Angocin® der Fall ist. Als Tagesdosis werden 10 – 20 g geraffelte Merrrettichwurzel empfohlen, verteilt auf 4 – 5 Portionen über den Tag hinweg.

3. Der Empfehlung von Tausendgüldenkraut, Rosmarinblätter und Liebstöckelwurzel liegt wohl ein Präparat zugrunde, das nur in Deutschland auf dem Markt ist und genau diese drei Heilpflanzen enthält (CANEPHRON N Dragees). Dieses Präparat überzeugt mich nicht. Nur der Liebstöckelwurzel schreibt die Phytotherapie eine leicht harntreibende Wirkung zu. Tausengüldenkraut ist eine Bitterstoffpflanze, deren Nutzen im Harntrakt ungeklärt ist. Und in Rosmarinblättern ist zwar entzündungswidrige Rosmarinsäure enthalten. Ob davon aber in den Harnwegen eine wirksame Menge ankommt, ist sehr fraglich, zumal das Präparat nur je 18mg von den drei Heilpflanzen in Pulverform enthält. Das ist ausgesprochen (!) wenig, wenn man zum Beispiel vergleicht mit einem Teebeutel, der normalerweise etwa 2000 mg pulverisierte Heilpflanze enthält (als 2g). Zwar geht bei der Teezubereitung der Wirkstoff nicht vollständig ins Teewasser über, aber der Unterschied zu diesen 18 mg im Dragee ist doch riesig. Ein Tee wäre wohl überlegen.

4. Bei den häufig verwendeten Nieren- und Blasentees zur Durchspülungstherapie sind die Mischungen oft fragwürdig, zum Beispiel wenn Bärentraubenblätter mit harntreibenden Heilpflanzen wie Birkenblätter, Echtes Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Hauhechelwurzel oder Ackerschachtelhalmkraut kombiniert sind. Bei einer akuten Blasenentzündung sind die Bärentraubenblätter in solchen Mischungen oft zu tief dosiert. Es braucht dann Bärentraubenblättertee pur in einer Menge von 4 – 5 Tassen täglich, um auf eine wirksame Dosis zu kommen. Dagegen ist in einem Durchspülungstees zur Rückfallprophylaxe die Bärentraube unpassend, weil es dann um eine längerfristige Anwendung geht und wahrscheinlich auch über lange Zeiträume gar keine Bakterien verhanden sind, die bekämpft werden müssten.

5. Bei Cranberry ist die Datenlage tatsächlich nicht so positiv, wie sie oft dargestellt wird. Die erwähnte Cochrane-Metaanalyse ist sogar klar negativ. Allerdings muss man dazu folgendes wissen: Cranberry- wie auch Preiselbeer-Präparate gibt es in sehr unterschiedlichen Zubereitungen mit grossen Unterschieden in der Wirkstoffkonzentration. Diese sehr heterogene Ausgangslage macht es schwierig, eine Metaanalyse zu erstellen, die dann auch für alle geprüften Präparate gültige Aussagen machten kann. Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 4 / 2015) schreibt dazu:

„Selbst im neuen Cochrane-Review wurde nur für 3 der 24 eingeschlossenen Studien ein für sinnvoll erachteter PAC-Gehalt > 36 mg/d oder die Angabe des Typ-APAC-Gehalts erfüllt.“

Die Autoren weisen darauf hin, dass man das nicht den Cochrane-Autoren anlasten könne, sondern der oft ungenügenden Publikationskultur phytotherapeutischer Studien.

Wer als Konsumentin oder Konsument Cranberry- oder Preiselbeerpräparate anwenden möchte, sollte auf eine Mindestzufuhr von 36 mg Proanthocyanidinen (PAC) pro Tag achten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen bei Blasenentzündung

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Schmerzen beim Wasserlassen und ständiger Harndrang sind typische Symptome einer Blasenentzündung (Zystitis).

Ein Betrag in der Fachzeitschrift „Die PTA in der Apotheke“ (08 / 2011) empfiehlt Heilpflanzen-Anwendungen:

„Für die Selbstmedikation eignen sich pflanzliche Aquaretika als fertige Teezubereitungen oder in Form von Kapseln, Dragees und Tropfen. Sie enthalten wassertreibende, teilweise zusätzlich auch krampflösende, entzündungshemmende und desinfizierende Heilkräuter wie beispielsweise Brennnessel-, Birken- und Orthosiphonblätter, Goldruten- und Ackerschachtelhalmkraut.

Bewährt haben sich vor allem Arzneimittel mit Bärentraubenblättern, die antibakteriell und desinfizierend wirken. Raten Sie betroffenen Frauen viel zu trinken, um die Keime schneller wieder loszuwerden – mindestens zwei Liter sollten es täglich sein, sofern keine Herz- oder Nierenerkrankungen dagegen sprechen. Ruhe und lokale Wärmeanwendungen wie Wärmflasche oder Kirschkernkissen helfen zusätzlich, die Schmerzen zu lindern.“

Kommentar & Ergänzung:

Bärentraubenblättertee wirkt antibakteriell in den Harnwegen. Zu beachten ist:

Nur bei aktuter Zystitis anwenden, nicht  länger als eine Woche am Stück einnehmen und nicht mehr als fünf Wochen pro Jahr. Dosierung muss ausreichend hoch sein: 4 Tassen Bärentraubenblättertee pro Tag. Kaltauszug ist magenverträglicher. Nicht für Kinder unter 12 Jahren.

Achtung:

„Von der Selbstmedikation ausgeschlossen sind Diabetikerinnen, Schwangere, Patientinnen mit geschwächtem Immunsystem, mit Niereninsuffizienz sowie grundsätzlich auch Kinder und Männer mit Blasenproblemen……. Bessert sich die Infektion nicht nach wenigen Tagen, sollten Sie zum Arztbesuch raten. Der Mediziner wird gegebenenfalls ein Antibiotikum verordnen. Weisen Sie Ihre Kundinnen bei der Abgabe darauf hin, dass das Präparat nicht vorzeitig abgesetzt werden darf. Denn dies könnte zu resistenten Erregern führen.“

Kommentar & Ergänzung:

Auch wenn gleichzeitig Fieber eintritt oder Schmerzen in der Nierengegend, ist eine ärztliche Abklärung nötig.

Abschliessend ein Tipp zur Vorbeugung von Blasenentzündungen:

„Um Blaseninfekten vorzubeugen, sollten Frauen im Alltag grundsätzlich auf eine ausreichende Trinkmenge achten und ihre Blase immer vollständig entleeren. Gut geeignet, um Bakterien auszuschwemmen, noch bevor es zur Entzündung kommt, sind Produkte mit Cranberries. Die darin enthaltenen Proanthocyanidine verhindern das Andocken der pathogenen Keime an den Wänden des Harnwegtraktes.“

Kommentar & Ergänzung:

Es braucht aber auch hier konsequente Anwendung über längere Zeit und zudem ein Cranberry-Präparat mit ausreichend hohem Gehalt an Proanthocyanidinen.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Quelle der Zitate:

http://www.pta-aktuell.de/praxis/news/7383-Was-tun-wenn-s-brennt/

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Studie zeigt: Diabetiker können „der Krankheit davonlaufen“

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Die meisten Diabetiker können nach einer Untersuchung des Heidelberger Sportwissenschaftlers Gerhard Huber ihre Krankheit aus eigener Kraft wirkungsvoll bekämpfen. «Diabetes mellitus Typ 2 ist tatsächlich eine Krankheit, der man regelrecht davonlaufen kann», erklärte Huber in einem Gespräch mit der dpa. Die günstige Wirkung von Bewegung auf die meisten Krankheiten sei bekannt. «In der Regel hilft Sport aber nur, den Krankheitsverlauf zu verzögern oder wirkt sich positiv auf das Allgemeinbefinden aus», sagte Huber. «Bei Diabetes kann durch ausreichende Bewegung aber tatsächlich die Uhr zurückbewegt werden.»

Der Sportwissenschaftler begleitete ein Pilotprojekt der DAK. Diese Krankenkasse bot in neun Städten spezielle Bewegungskurse für Diabetiker an, die gemeinsam mit dem Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS) entwickelt wurden. An der Studie beteiligten sich 250 Diabetiker.

«Vor allem die Ausdauer der Teilnehmer war zu Beginn enorm eingeschränkt», sagte Huber. Die Leistung der Teilnehmer erreichte anfangs nur ein Drittel des Normalwertes der jeweiligen Altersgruppe. Im Verlaufe von zehn Wochen sei die Leistungsfähigkeit allerdings auf mehr als 50 Prozent gestiegen. «Aus anderen Studien wissen wir außerdem, dass regelmäßige Bewegung den Blutzuckerspiegel nachhaltig senkt», so Huber.

Auf der Basis dieser Erkenntnisse will die DAK nun als erste gesetzliche Krankenkasse den Baustein Bewegung fest in das Therapiekonzept bei Diabetes Typ 2 einbauen. Dies sollte bundesweit auch von anderen Krankenkassen umgesetzt werden, betonte der Sportwissenschaftler. «Diabetiker müssen lernen, Bewegung in ihren Alltag zu integrieren.» Das bestehende Gesundheitssystem sei aber darauf nicht ausgerichtet. «Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten. Die werden verschrieben – und alle sind glücklich», kritisierte Huber.

Angesichts der steigenden Anzahl von Diabetes-Erkrankungen würden dadurch viele Chancen verschenkt. «Der Arzt müsste den Patienten eigentlich Druck machen und sie zur Bewegung zwingen», sagte der Sportwissenschaftler. «Zugleich müsste er sie beraten und Angebote nennen können – dafür gibt es aber keinen Abrechnungsposten.» Zudem fehle es an Infrastruktur. Sport-Studios seien für die zirka 6,4 Millionen Menschen mit Diabetes die falsche Adresse. «Die wenden sich an Menschen, die allenfalls ein Fettpölsterchen loswerden möchten», sagte Huber. «Bei unseren Patienten geht es aber um Menschen, die Fettpolster abbauen und ihren Lebensstil umfassend ändern müssen.»

Quelle: http://www.journalmed.de/newsview.php?id=25846

Kommentar:

Ob es sinnvoll ist, wenn man Diabetikerinnen und Diabetiker zu mehr Bewegung “zwingt”, wie es Sportwissenschaftler Huber fordert, das sei hier in Frage gestellt.
Zwang ist im Umgang mit Gesundheit ein problematischer Ansatz. Er erinnert an die “Pflicht zur Gesundheit”, die im “Dritten Reich” eingefordert wurde.

Diabetes ist aber eine ernsthafte Krankheit mit zahlreichen möglichen Begleit- und Folgeerkrankungen (nach Gesundheitsbericht Diabetes 2007, auf wikipedia):

Der Gesundheitsbericht Diabetes 2007 gibt einen Überblick über die Häufigkeit des Auftretens von Begleit- und Folgekrankheiten bei 120.000 betreuten Typ-2-DiabetikerInnen:
75,2 % Bluthochdruck
11,9 % Diabetische Retinopathie
10,6 % Neuropathie
9,1 % Herzinfarkt
7,4 % periphere Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
4,7 % Apoplex (Apoplexia cerebri, Schlaganfall)
3,3 % Nephropathie (Niereninsuffizienz)
1,7 % diabetisches Fußsyndrom
0,8 % Amputation
0,3 % Erblindung

Grundlage vieler Folgeerkrankungen sind dauerhafte Veränderungen strukturbildender Eiweiße und negative Effekte von Reparaturvorgängen, beispielsweise der ungeordneten Bildung neuer Blutgefäße oder Unterdrückung der Neubildung von Ersatzblutgefäßen bei Beschädigungen.

Kompetente und professionelle Motivation wäre daher sehr gefragt. Blosser Zwang macht es sich da auch zu einfach.

Vor allem müsste die Motivation zu mehr Bewegung nicht erst einsetzen, wenn sich ein Diabetes schon entwickelt hat. Mir ist aber klar, dass dies kein einfaches Unterfangen ist.
Arbeit und Schule, der Alltag vieler Menschen überhaupt, gestaltet sich gegenüber früher sehr viel bewegungsärmer. Andererseits gab es wohl noch nie in der Geschichte der Menschheit ein derart grosses Angebot an Sportgelegenheiten und Fitnessstudios.
Letztlich wäre es wohl am sinnvollsten, wenn Bewegung wieder mehr in den normalen Alltag eingebaut werden könnte. Bewegung ist ein Grundpfeiler der Naturheilkunde.

Eine mögliche Motivation zu mehr Bewegung im Alltag sehe ich auch im Interesse an der Natur. Wer eine Beziehung zu Pflanzen und Tieren hat, wird weniger geneigt sein, jede freie Minute hinter dem Computer oder vor dem TV-Gerät zu verbringen.
In diesem Sinne sehe ich Heilpflanzen-Exkursionen und Kräuterwanderkurse auch als einen Motivationsbeitrag für einen gesünderen, bewegungsreicheren Lebensstil.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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