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Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

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Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ bringt ein Gespräch mit dem Dermatologen Franz Legat, dem Leiter der Juckreizambulanz in Graz.

Dabei wird als Mittel gegen Juckreiz (Pruritus) unter anderem auch Menthol erwähnt.

Zitat:

„Auch Cremes mit speziellen Inhaltsstoffen, etwa mit Urea, also Harnstoff, oder Menthol können helfen. Eine Therapie in Kältekammern oder die Phototherapie, also die Therapie mit UV-Strahlen, kann juckreizlindernd wirken.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000057056706/Pruritus-Im-Juck-Kratz-Zyklus-sein

Kommentar & Ergänzung:

Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls und dort in einem Anteil von 35 – 70 % vorhanden. Man kann also grob davon ausgehen, dass Pfefferminzöl etwas zur Hälfte aus Menthol besteht.

Bei der Anwendung von Menthol ist die Konzentration wichtig.

Um Juckreiz zu lindern sind Konzentrationen von 0,1 – 1% Menthol wirksam. Rechnet man bei Pfefferminzöl mit einen Mentholgehalt von etwa 50%, könnte man deshalb 1 – 2 % Pfefferminzöl in einer Salbengrundlage oder in fettem Öl (z. B. Mandelöl) applizieren.

Als Counterirritant zum Beispiel gegen Spannungskopfschmerzen beträgt die empfohlene Konzentration 1,25 – 16% Menthol. Üblich ist hier eine 10%ige Pfefferminzöl-Lösung auf alkoholischer Basis.

Urea (Harnstoff) ist eine organische Verbindung und bei Säugetieren ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das mit dem Urin und dem Schweiß ausgeschieden wird. In Salben und Lotionen dient er als Feuchtigkeitsspender und wird zu diesem Zweck synthetisch hergestellt.

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Harnstoff als die erste aus anorganischen Ausgangsstoffen synthetisierte organische Verbindung.

Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte vis vitalis (Lebenskraft) hergestellt werden könnten. Die erste Synthese von Harnstoff im Jahr 1828 durch Friedrich Wöhler gilt daher als Geburtsstunde der Biochemie. Durch diese Entwicklung galt der vitalistische Ansatz in der Biologie zunehmend als überholt.

Der Vitalismus nahm als Grundlage aller Lebensvorgänge als eigenständiges Prinzip eine Lebenskraft an. Die Hernstoffsynthese zeigte, dass zur Herstellung organischer Substanzen die Annahme einer Lebenskraft nicht notwendig ist.

Erwähnen möchte ich noch einen anderen interessanten Aspekt, der im Gespräch mit Franz Legat zu Sprache kommt:

Ein Juckreiz kann chronisch werden und sich dann von der ursprünglichen Ursache lösen. Zitat:

„Es entsteht ein Juck-Kratz-Zyklus, und der wird zu einer eigenen Juckreizerkrankung, die dann oft mit speziellen juckenden Hautveränderungen in einer sogenannten chronischen Prurigo mündet. In diesem Stadium bringt dann auch die Behandlung der auslösenden Ursache keine Hilfe mehr.“

Das scheint mir ähnlich zu sein wie bei chronischen Schmerzen. Auch sie können sich von der ursprünglichen Ursache lösen und zur eigenständigen Schmerzkrankheit werden.

Starker Juckreiz kann genauso stark belasten wie chronischer Schmerz.

In der Medizin kommen gegen Juckreiz oft Arzneimittel zur Anwendung, die eigentlich gegen andere Erkrankungen entwickelt wurden. Im Interview erwähnt werden als Optionen die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, die die Wahrnehmung und Weiterleitung von Juckreiz hemmen und bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder mit Nervenschäden meist gut wirken sollen.

Auch der Neurokinin-1-(NK1)-Antagonist Aprepitant habe sich als gutes Mittel gegen schweren chronischen Pruritus erwiesen, sei aber eigentlich zugelassen, um die Übelkeit bei stark wirksamen Chemotherapien zu lindern. Das Mittel sei teuer, und die Erfahrungen mit Langzeitbehandlungen seien derzeit noch gering.

Es gebe derzeit noch kein Medikament, das gegen Juckreiz zugelassen sei, sagt Legat.

In der Phytotherapie wird als Option bei Juckreiz noch der Paprika-Wirkstoff Capsaicin äusserlich angewendet. Siehe dazu:

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Wirkstoff aus Mutterkraut heilt Nervenschäden

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Ein Wirkstoff aus der Mutterkraut-Pflanze fördert die Regeneration geschädigter Nervenfasern.

Experimente zeigen, dass sich dadurch bei Mäusen ein verletzter Ischiasnerv deutlich rascher regeneriert als normal. Das begründet die Hoffnung, dass dieser Naturstoff auch die Regeneration von schlecht oder gar nicht heilenden Nervenschäden beim Menschen fördern könnte, schreiben die beteiligten Wissenschaftler im Fachmagazin „Journal of Neuroscience“.

Das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) gleicht mit seinen weißgelben Blüten ein bisschen der Kamille – und wie diese ist es eine seit Jahrhunderten verwendete Heilpflanze. Bereits der griechische Arzt Dioskurides beschrieb im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung das Mutterkraut in seinem Werk und im Mittelalter wurde es als Fiebersenker und als Helfer bei Schwangerschaftsbeschwerden eingesetzt.

Nun zeigt sich, dass der Mutterkraut-Wirkstoff auch entscheidend dazu beitragen könnte, Nervenschäden zu heilen.

Solche durch Verletzung, Diabetes oder die neurotoxische Wirkung des Alkohols entstandenen Neuropathien sind bisher kaum heilbar, weil Nervenfasern sich nur schwer regenerieren. In der Behandlung lässt sich deshalb häufig nur ein Stillstand der Erkrankung erreichen.

Dietmar Fischer von der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf und seine Kollegen haben für ihre Studie einen Wirkstoff des Mutterkrauts näher untersucht, das sogenannte Parthenolid. Wie sich bei Experimenten mit Zellkultur zeigte, kann Parthenolid das Wachstum von Nervenfasern deutlich beschleunigen. Ein therapeutischer Ansatz, der laut Fischer ist völlig neu ist.

Ob Parthenolid diesen Effekt auch beim lebenden Organismus zeigt, testeten die Wissenschaftler danach mit Mäusen. Sie verabreichten dafür Mäusen mit verletzten Ischiasnerv eine Parthenolid-Lösung und verglichen die Regeneration des Nervs mit Kontrolltieren, die kein Parthenolid bekommen hatten.

Das Resultat: Bei den Mäusen, die das Mutterkraut-Extrakt erhalten hatten, heilte der Nervenschaden rascher ab. Bereits nach einer Woche konnten die Mäuse ihre zuvor gelähmten Zehen wieder bewegen und nahmen auch sensorische Reize wieder wahr, wie die Wissenschaftler mitteilen. Bei den Kontrolltieren war diese Veränderung nicht wahrzunehmen.

Der Wirkstoff Parthenolid musste nicht direkt an den Nerv gespritzt werden, wie dies bei einigen anderen Wirkstoff-Kandidaten der Fall ist. Stattdessen ist bereits eine systemische Verabreichung von Parthenolid wirksam, wie die Wissenschaftler berichten.

Für eine mögliche klinische Anwendung an Menschen mit krankheits- oder verletzungsbedingten Nervenleiden ist dies nach Ansicht der Forscher sehr vielversprechend. Bis heute gebe es in der Klinik noch keine Medikamente, die Ähnliches bewirken können.

Die Wissenschaftler betonen aber auch, dass noch weitere Untersuchungen nötig sind, bis allenfalls ein einsatzfähiges Medikament zur Anwendung kommen kann.

Sollte sich die Wirkung von Parthenolid auf die Regeneration von Nerven jedoch bestätigen, hätte das große Bedeutung für die Behandlung von Nervenschäden. Denn in den Industrieländern sind beinahe acht Prozent der über 55-Jährigen von Schädigung der Nerven hauptsächlich in Beinen und Armen betroffen.

Die Forscher der Heinrich-Heine Universität untersuchen zurzeit ausserdem, ob Parthenolid auch die Regeneration des verletzten Rückenmarks oder Sehnervs positiv beeinflussen kann. Diese Nerven sind im Gegensatz zum Ischiasnerv der Mäuse normalerweise gar nicht in der Lage, sich zu regenerieren.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20047-2016-04-07.html

Originalarbeit:

Journal of Neuroscience, 2016; doi: 0.1523/JNEUROSCI.4486-15.2016

http://www.jneurosci.org/content/36/14/3890.short

 

Kommentar & Ergänzung:

Man kann nicht genug unterstreichen – und das machen auch die beteiligten Wissenschaftler – dass Experimente im Labor an Zellen, in Gewebe oder an Mäusen noch keine Schlüsse zulassen über mögliche Wirkungen an kranken Menschen. Trotzdem ist es natürlich immer wieder interessant, zu welchen Wirkungen Naturstoffe fähig sind.

 

Parthonolid wurde in den letzten Jahren vielfältig untersucht. Im Labor verstärkt die Substanz die Wirkung bestimmter Krebsmedikamente auf Krebszellen.

Mutterkraut wird in der Phytotherapie angewendet zur Prophylaxe von Migräneanfällen. Der Nutzen wurde in verschiedenen klinischen Studien aufgezeigt. Die besten Resultate zeigten zwei Studien mit einem besonderen CO2-Extrakt aus Mutterkraut.

Leider gibt es in der Schweiz kein schlaues Mutterkraut-Präparat mehr, das als Arzneimittel registriert ist. So bleibt nur die eher unübliche Teeanwendung. Zur Dosierung macht die Phytotherapie-Fachliteratur präzise, aber für den Hausgebrauch unpraktische Angaben: Etwa 150mg gepulvertes Mutterkraut mit kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten unter gelegentlichem Umrühren stehen lassen, durch einen Papierfilter filtrieren. Zur Migränevorbeugung wird die Einnahme von 2 – 3 Tassen jeweils vor dem Essen kurmässig über einige Monate empfohlen.

Praktikabler, aber ungenauer wird manchmal empfohlen: 1 Teelöffel Mutterkraut mit 150ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen, abgiessen und mehrmals täglich 1 Tasse trinken.

In Deutschland ist Mutterkraut auch als Tinktur im Handel, zum Beispiel als Nemagran Tropfen (kann in der Schweiz von Apotheken auch aus Deutschland bestellt werden.

Mutterkraut nicht während Schwangerschaft und Stillzeit verwendet. Im Auge zu behalten ist zudem, dass die Pflanze ein allergenes Potenzial hat.

Siehe auch:

Phytotherapie: Mutterkraut gegen Migräne

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Studie zu Weihrauch bei Multipler Sklerose (MS)

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Auf einem Kongress von europäischen und amerikamischen MS-Gesellschaften in Boston stellte die deutsche Neurologin Dr. Klarissa Hanja Stürner die Resultate ihrer Forschungsgruppe am Institut für Neuroimmunologie und Klinische Multiple-Sklerose-Forschung in Hamburg vor. Dort erhielten 37 Patienten mit schubförmiger Multipler Sklerose acht Monate lang kein Kortison oder Interferon, sondern Kapseln mit Weihrauch verabreicht.

Die im Weihrauch-Extrakt enthaltenen Boswelliasäuren wirken entzündungshemmend und haben im Vergleich zu synthetischen Medikamenten weit weniger Nebenwirkungen. Deshalb ist die Forschung schon seit längerem damit befasst, die Wirksamkeit zu klären, zum Beispiel bei Polyarthritis, Asthma und Colitis ulcerosa.

Bei Multipler Sklerose zeigte die Studie aus Hamburg folgende Ergebnisse:

Die Zahl der Nervenschäden bei den bisher ausgewerteten 25 Patienten verminderte sich um knapp 60 Prozent, die jährliche Rate von neuen Schüben ging von 0,94 auf 0,32 zurück. Weihrauch sei gut verträglich und die Ergebnisse lieferten gute Gründe für weitere Studien, erklärte Dr. Stürner auf dem Kongress in Boston.

Finanziert wurde die Forschung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article135378026/Gegen-welche-Krankheiten-Weihrauch-hilft.html

Kommentar & Ergänzung:

Hauptanwendungsgebiete von Weihrauchextrakt in der Phytotherapie sind bisher rheumatische Entzündungen (vor allem Polyarthritis) und chronische Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa.

Wichtiger Nachsatz: Es geht dabei um die Einnahme von Weihrauchextrakt, nicht um Räucherungen.

Dass eine Gruppe von Forscherinnen und Forschern dem Thema Weihrauch und Multiple Sklerose nachgeht, ist sehr interessant.

Allerdings ist diese Studie von der Patientenzahl her sehr klein und es fehlt eine Placebogruppe zur Kontrolle. Offenbar wurden die Resultate auch noch nicht von einer Fachzeitschrift publiziert, denn es fehlen dazu Quellenangaben – auch in der „Ärztezeitung“, die ebenfalls vom Kongress in Boston berichtete. Eine Publikation in einer guten Fachzeitschrift wäre jedenfalls als Qualitätszeichen höher zu bewerten als eine Präsentation auf einem Kongress.

Die Studie gibt offenbar positive Hinweise auf eine Wirksamkeit, belegt aber noch nichts.

Die „Welt“ stellt die Resultate etwas allzu fraglos dar.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Senf schützt vor krebserregenden Nahrungsbestandteilen

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Scharfer Senf schützt offenbar vor krebsauslösenden Stoffen, die mit der Nahrung aufgenommen werden. Das haben Forscher des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene der Universität Freiburg zeigen können. „Der Konsum von scharfem Senf schützt beispielsweise vor den erbgutschädigenden Wirkungen der beim Grillen und Braten von Fleisch entstehenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, kurz PAK“, erklärt Institutsleiter Professor Volker Mersch-Sundermann. PAK gehören zu den krebsauslösenden Stoffen, sind also Kanzerogene.

In ihrer Untersuchung ließen die Wissenschaftler die Probanden ein paar Tage lang täglich 20 Gramm unterschiedlich scharfen oder gar keinen Senf zu sich nehmen, und versetzen anschließend ihr abgenommenes Blut mit krebsauslösenden Stoffen. Es zeigte sich, dass die weißen Blutkörperchen von Studienteilnehmern, die scharfen Senf konsumiert hatten, viel besser mit solchen gefährlichen Substanzen umgehen können. Die Werte bei den Probanden ohne Senfkonsum waren weitaus schlechter. Ein abgeschwächter Schutzeffekt zeigte sich nach dem Konsum von süßem Senf, was belegt, dass die Schärfe entscheidend ist. Darüber hinaus zeigte sich, dass die schützende Wirkung auch nach dem Senfkonsum einige Zeit anhält. Deswegen gehen die Freiburger Forscher davon aus, dass ein regelmäßiger Genuss von scharfem Senf dazu beitragen könnte, das Krebsrisiko nachhaltig zu senken. Am besten geeignet ist Senf mit einem grossen Anteil an der schärferen, braunen Senfsaat, der lediglich daraus sowie aus Wasser, Essig und Salz besteht.

Die krebshemmende Wirkung von Senf ist teilweise auf sekundäre Pflanzenstoffe zurückzuführen, speziell auf die Senföle. Unklar ist bisher jedoch noch, welche Mindestkonzentrationen der „scharfen“ sekundären Pflanzenstoffe es braucht, damit der Senf seine vor krebsauslösenden Stoffen schützende (chemopräventive) Wirkung entfalten kann. Daher wollen die Forscher nun unter anderem die zellulären Mechanismen erforschen, die dem Schutzeffekt zugrunde liegen.
Insgesamt entfalten nur ganz bestimmte Obst- und Gemüsesorten beziehungsweise deren Inhaltsstoffe vor Krebs schützende Effekte. Eine solche chemopräventive Wirkung besitzen zum Beispiel Kohlsorten aus der Familie der Kreuzblütler wie Brokkoli,  Kohlrabi, Weißkohl, aber auch Radieschen und eben Senf.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/senf-schützt-vor-krebserregenden-stoffen-der-nahrung-135431879.html

Kommentar & Ergänzung:

Zu den Inhaltsstoffen des Senfs gibt es eine gute Beschreibung bei Wikipedia:

„ Senfsamen enthalten neben etwa 20 bis 36 % nussig-mildem Senföl und 28 % Eiweiß die Glykoside Sinalbin (weißer Senf) bzw. Sinigrin (brauner und schwarzer Senf), die für den scharfen Geschmack und damit auch für die appetitanregende und verdauungsfördernde Wirkung verantwortlich sind. Diese Glykoside sind allerdings selbst nicht scharf. Erst durch das Schroten oder Mahlen der Samen und Kontakt mit Flüssigkeit wird das ebenfalls im Senfsamen enthaltene Enzym Myrosinase aktiv und verwandelt die Glykoside in Traubenzucker, Schwefelsäure und scharfe, tränenreizende Isothiocyanate (die häufig ebenfalls wie das fette Senföl auch ätherisches „Senföl“ genannt werden). Deshalb haben Senfkörner erst einen milden, nussartigen Geschmack, der nur nach längerem Kauen etwas an Schärfe gewinnt, und auch trockenes Senfpulver hat zunächst einen faden, leicht bitteren, aber nicht scharfen Geschmack. Bei Tafelsenf dagegen hat sich durch Mahlen und die Zugabe von Wasser und anderen Zutaten bereits Isothiocyanat bilden können, so dass sich das scharfe Aroma von vornherein entfalten kann.

Neben den unterschiedlichen Farben der Samen zeichnen sich weißer, brauner und schwarzer Senf auch durch unterschiedliche Schärfe aus: Weißer Senf mit dem Glykosid Sinalbin ist milder, brauner und schwarzer Senf mit dem Glykosid Sinigrin sind deutlich schärfer. Durch das Mischungsverhältnis aus weißem und braunem bzw. schwarzem Senf kann daher die Schärfe einer Senfpaste nach Wunsch bestimmt werden. Da schwarzer Senf (Brassica nigra) maschinell schwerer zu ernten ist, werden heute im wesentlichen nur noch weißer Senf (Sinapis alba) und brauner Senf (Brassica juncea) verwendet.“

Zur Wirkung von Senf heisst es im PTA-Forum:

„ Die Kommission E nennt in ihrer Monographie die äußere Verwendung von weißen Senfsamen in Form von Pflastern oder Wickeln bei Katarrhen der Atemwege sowie chronisch degenerativen Gelenkerkrankungen und Weichteilrheumatismus. Die Tagesdosis beträgt 60 bis 240 g Droge. Zur Herstellung eines Senfwickels werden etwa 100 g Senfmehl mit lauwarmem Wasser angerührt, in ein Leinentuch gepackt und auf die Brust gelegt. PTA oder Apotheker sollten die Patienten darauf hinweisen, dass sie bei der Anwendung unbedingt die Augen und das Gesicht schützen müssen. Erwachsene können die Breiumschläge bis zu 15 Minuten einwirken lassen, sollten aber nach etwa 5 Minuten die Hautreaktion überprüfen. Auf keinen Fall dürfen sie die Anwendungsdauer erhöhen, denn sonst könnten sich Blasen, Geschwüre oder sogar Nekrosen bilden. Insgesamt sollten die Wickel maximal eine Woche angewendet werden, um Haut- und Nervenschäden zu vermeiden. Nicht geeignet sind Senfwickel bei Kindern sowie bei Patienten mit Hauterkrankungen. Selten sind allergische Reaktionen beobachtet worden.

Die Volksheilkunde nutzt Senfsamen äußerlich in Form von Senfpflastern und Breiumschlägen zur Durchblutungsförderung. Fußbäder mit Senfmehl sind traditionell üblich zur ‚Ableitung von Blut und Gewebsflüssigkeit vom Kopf in die Beine’. Hebammen setzen sie außerdem bei Wöchnerinnen zum Stoppen des Wochenflusses nach einer Geburt ein. Für ein Fußbad zur Durchblutungsanregung reichen 20 bis 30 Gramm Senfmehl pro Liter Wasser, für ein Vollbad 150 Gramm, in einem Stoffbeutel verpackt. Fußbad und Vollbad sollten nicht länger als 10 Minuten dauern. Bei Venenleiden der Beine wird von einer Anwendung abgeraten. Patienten mit einer Herz- oder Lungenerkrankung sollten vor der Behandlung mit ihrem Arzt Rücksprache halten.

Innerlich angewandt regt Senf die Magensaftproduktion an. Wissenschaftler vermuten, dass Senf auch im Darmtrakt antimikrobiell wirkt und möglicherweise der Entstehung von Krebs vorbeugt. Das ist allerdings nicht belegt. Wegen der schleimhautreizenden Effekte sollten PTA oder Apotheker Patienten mit Nierenerkrankungen oder Magen- und Darmbeschwerden von der innerlichen Anwendung von Weißem Senf abraten. Die innerliche Anwendung von Schwarzem Senf wird heute grundsätzlich nicht mehr empfohlen.“

Quelle: http://www.pta-forum.de/index.php?id=35

Ergänzt werden sollte meines Erachtens noch, dass bei der Zubereitung von Senfbädern und Senfwickeln das verwendete Wasser beim Kontakt mit dem Senfpulver nicht heisser als 40°C sein sollte, weil sonst das Enzym Myrosinase zerstört wird, wodurch die Wirkung weitgehend ausbleibt.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Handystrahlung schädigt Gedächtnis bei Ratten

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Eine Studie an der Universität Lund (Schweden) zeigt Schäden am Gedächtniszentrum bei Ratten. Nach einem Jahr regelmässiger Bestrahlung wurden Nervenschäden in den für das Gedächtnis zuständigen Hirnbereichen festgestellt. Zudem schnitten die Tiere in Gedächtnistests schlechter ab.

Die Wirkung von Mobilfunkstrahlung auf den Menschen ist seit Jahren umstritten. Sowohl für die Ungefährlichkeit der elektromagnetischen Wellen als auch für ihre Gefährlichkeit gibt es Aussagen von entsprechenden Studien.
Die Forscher der Universität Lund testeten die Wirkung der Handystrahlung auf das Gedächtnis. Ein Jahr lang setzen sie Ratten jede Woche zwei Stunden elektromagnetischer Strahlung in den von Handys genutzten Frequenzen aus.
Für einen Gedächtnistest platzierten sie dann die Tiere in einer Box, in welcher vier Objekte verteilt waren. Die Objekte waren dabei in jedem Durchgang ein wenig anders angeordnet und beim zweiten Durchgang wurden zwei der Objekte gegen andere ausgewechselt. In dritten Durchgang folgte der eigentliche Test: Weil Ratten sich normalerweise länger mit unbekannten oder weniger bekannten Objekten beschäftigen, verglichen die Wissenschaftler die Reaktionen der Ratten, die zuvor elektromagnetischer Strahlung ausgesetzt waren, mit unbestrahlten Kontrollratten.
Das Resultat: Die Kontrollratten wendeten mehr Zeit dafür auf, die Objekte aus dem ersten Durchgang zu beschnuppern, denn der Kontakt mit diesen war länger her und dadurch wurden sie interessanter. Die bestrahlten Ratten dagegen behandelten beide Objektsorten als fremd und unterschieden nicht zwischen den im ersten und zweiten Durchgang gesehenen Objekten. Nach Meinung der Forscher ist dies ein Hinweis auf eine gestörte Merkfähigkeit der bestrahlten Ratten.
Diese nicht gerade beruhigenden Ergebnisse gewinnen an Brisanz, wenn man sie mit früheren Resultaten des Wissenschaftlerteams kombiniert: Die Forscher hatten darin gezeigt, dass die Strahlung die Blut-Hirn-Schranke durchlässiger macht. Diese sorgt normalerweise dafür, dass Stoffe aus dem Blut nicht in das Gehirn übertreten. Bei bestrahlten Ratten war aber das Albumin, ein Protein, welches als Transportmolekül im Blut fungiert, in das Gehirngewebe eingedrungen.
Die Wissenschaftler entdecken gleichzeitig auch Nervenschäden in der Hirnrinde und im Hippocampus, dem Gedächtniszentrum des Gehirns. Das Albuminleck konnte bereits unmittelbar nach der Bestrahlung nachgewiesen werden. Die Zellschäden traten dagegen erst nach vier bis acht Wochen auf. Darüber hinaus stellten die Forscher auch Veränderungen der Genaktivität fest, und das nicht nur bei einzelnen Genen sondern auch bei ganzen Gruppen funktionell verbundener Genabschnitte.

Quelle: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-9219-2008-12-08.html
Originalquelle: The Swedish Research Council, 08.12.2008 – NPO

Kommentar:
Zwar kann man Ergebnisse von Ratten nicht unbesehen auf den Menschen übertragen. Die Erkenntnisse aus Lund sind aber meines Erachtens brisant genug, um erhöhte Vorsicht beim Gebrauch von Handys unbedingt nahezulegen. Dies gilt in viel stärkerem Mass noch für den zum Teil exzessiven Handygebrauch bei Kindern und Jugendlichen.
Untersuchungen an Labortieren werden oft auch eingesetzt, um bei Medikamenten die Sicherheit bezüglich Toxizität zu überprüfen. Dabei wird solchen Studien häufig vorgeworfen – manchmal zu Recht und manchmal zu Unrecht – dass unrealistisch hohe Dosierungen verwendet wurden, die sich gar nicht auf den Menschen übertragen lassen.
Zu mindestens was die Zeitdauer betrifft, kann dem Gedächtnisexperiment der Universität Lund dieser Vorwurf nicht gemacht werden. Zwei Stunden Handygebrauch pro Woche ist ein Mass, das viele Nutzerinnen und Nutzer locker erreichen oder gar überschreiten.
Mobiltelefon ausschalten, wann immer möglich, scheint mir jedenfalls kein schlechter Grundsatz. Naturheilkunde sollte sich nicht nur auf die einzelnen Individuen konzentrieren, sondern auch wach sein für gesundheitlich relevante gesellschaftliche Entwicklungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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