Artikel mit Schlagwort ‘Nebenwirkungen’

Angeblich pflanzliche Potenzmittel und Schlankheitsmittel mit unerlaubten Wirkstoffen

Donnerstag, April 12th, 2012

„Rein pflanzlich“ und „frei von Nebenwirkungen“ – mit diesen Slogans werden Nahrungsergänzungsmittel zur Potenzsteigerung oder zur Gewichtsreduktion oftmals propagiert. Über das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel (RASFF) wird europaweit vor vielen Präparaten dieser Produktgruppe gewarnt. Einige Untersuchungen von Überwachungsbehörden haben gezeigt, dass manche dieser Produkte unerlaubte, nicht deklarierte arzneiliche Wirkstoffe enthielten.

Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), rät deshalb zur Vorsicht bei Präparaten, die als Nahrungsergänzungsmittel zur Steigerung der Potenz oder zur Gewichtsreduktion angeboten werden: „Verbraucher werden in einigen Fällen über die wahre Zusammensetzung der Produkte und ihrer Eigenschaften, einschließlich ihrer Risiken, getäuscht.“

Nahrungsergänzungsmittel müssen als Lebensmittel nicht wie Arzneimittel staatlich zugelassen werden.

Als Nahrungsergänzungsmittel bezeichnete Präparate zur Potenzsteigerung werden überwiegend im Internet oder in Erotik-Shops unter verschiedenen Bezeichnungen vertrieben. Die Produkte sollen nach Angaben der Anbieter oft ausschließlich rein pflanzliche, natürliche Inhaltsstoffe enthalten. Bei einer Reihe von Präparaten zeigten Analysen allerdings, dass sie nicht deklarierte „verschreibungspflichtige“ arzneiliche Wirkstoffe (Sildenafil = Viagra, Tadalafil = Cialis) bzw. nicht zugelassene Sildenafil-Analoga (Hydroxyhomosildenafil, Hydroxythiohomosildenafil, Sulfoaildenafil) in pharmakologisch wirksamen Konzentrationen enthielten. Bei Einnahme von Arzneimitteln dieser Wirkstoffgruppe muss damit gerechnet werden, dass auch bei gegebener Indikation und bestimmungsgemäßem Gebrauch in seltenen Fällen schwere unerwünschte Wirkungen (z. B. Schlaganfall, Herzinfarkt) auftreten können.

Auch in als Nahrungsergänzungsmittel bezeichneten Präparaten zur Gewichtsreduktion wurden in der Vergangenheit wiederholt pharmakologisch wirksame Substanzen gefunden, u. a. der in Deutschland in Arzneimitteln nicht mehr zugelassene Wirkstoff Sibutramin. Derartige Produkte werden ebenfalls hauptsächlich über das Internet vertrieben und oft als „natürliche“ oder „100% pflanzliche“ Nahrungsergänzungsmittel propagiert. Sibutramin ist eine seit dem  Februar 2010 in Deutschland nicht mehr zugelassene pharmakologisch wirksame Substanz aus der Gruppe der Appetitzügler. Aufgrund zum Teil erheblicher Nebenwirkungen, vor allem bei übergewichtigen Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hatte die Europäische Arzneimittelagentur im Januar 2010 empfohlen, die Zulassung von Sibutramin-haltigen Arzneimitteln zu widerrufen.

Als Nahrungsergänzungsmittel hält das BfR Produkte mit den aufgeführten Wirkstoffen für nicht sicher. Vor allem über das Internet vermarktete Präparate sind durch die amtlichen Überwachungsbehörden schwer zu fassen. Es besteht das Risiko, dass Verbraucher über die wahre Zusammensetzung der Produkte und ihre Eigenschaften, einschließlich ihrer Gefahren, getäuscht werden.

Die Einnahme von als Nahrungsergänzungsmittel bezeichneten Produkten zur Potenzsteigerung oder zur Gewichtsreduktion kann mit einem hohen gesundheitlichen Risiko verbunden sein, wenn sie pharmakologisch wirksame Substanzen enthalten. Das BfR rät daher Verbrauchern zur Vorsicht und dazu, sich beim Hersteller über die genaue Zusammensetzung der Produkte zu informieren. Bei Zweifeln oder unklaren Auskünften sollte auf die Einnahme derartiger Präparate verzichtet werden.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news471060

Kommentar & Ergänzung:

Vor allem im Internet tauchen immer wieder angeblich rein pflanzliche Präparate auf, die mit riskanten und nicht zugelassenen Wirkstoffen versetzt sind. Sehr typisch ist dies bei Potenzmitteln und bei Schlankheitsmitteln, doch  finden sich solche problematische Zusätze nicht selten auch in Heilmitteln der asiatischen Medizin. Beispielsweise in Rheumamitteln, die als Naturheilmittel propagiert werden, aber undeklariert Entzündungshemmer wie NSAR enthalten.

Der Gesundheitsmarkt wird überschwemmt mit Nahrungsergänzungsmitteln,  die unerlaubterweise  als Heilmittel propagiert werden. Deren Sicherheit ist oft nur ungenügend geklärt und die Wirksamkeit nicht ansatzweise belegt.

Im Gegensatz zum Internethandel kann man meines Erachtens in Apotheken und Drogerien (jedenfalls in der Schweiz, ich kenne nur die Drogerien in der Schweiz) davon ausgehen, dass Nahrungsergänzungsmittel frei sind von undeklarierten, riskanten Substanzen wie Sibutramin.

Bezüglich Wirksamkeit ist die Situation allerdings nicht so klar. Viele Apotheken und Drogerien verkaufen  ziemlich skrupelfrei „rein natürliche“ oder „rein pflanzliche“ Nahrungsergänzungsmittel und „Pseudoheilmittel“, die zwar mit blumigen Versprechungen angepriesen werden, deren Wirksamkeit aber völlig  in den Sternen steht.

Man kann also in keiner Art und Weise davon ausgehen, dass komplementärmedizinische oder pflanzliche Heilmittel und Nahrungsergänzungsmittel aus Apotheken oder Drogerien auch wirksam sind.

Den Konsumentinnen und Konsumenten kann man nur raten,  allen Heilungsversprechungen mit einer gesunden Portion Skepsis zu begegnen und kritische Fragen zu stellen.

Pointiert ausgedrückt hat diese Haltung Erich Fromm:

„Da das meiste, was wir hören oder in den Zeitungen lesen, zu Tatsachen verzerrte Interpretationen sind, ist es weitaus am besten, äusserst skeptisch zu sein und von der Annahme auszugehen, dass der grösste Teil von dem, was wir hören, wahrscheinlich eine Lüge oder Verzerrung ist. Wenn dies zu hart und zynisch klingt, so möchte ich beifügen, dass ich dies nicht ganz wörtlich meine. Dennoch möchte ich betonen, dass diese Einstellung viel gesünder ist, als vom Gegenteil auszugehen, nämlich zu meinen, die Leute sagen die Wahrheit, ausser man kann das Gegenteil beweisen. Vielleicht klingt meine Empfehlung weniger menschenfeindlich, wenn ich betone, dass es um den Wahrheitsgehalt von Aussagen geht und nicht um die Frage, ob jemand lügt oder nicht. Aber erwiesenermassen glauben die meisten Menschen, deren Aussagen unwahr oder halbwahr sind, dass sie wirklich die Wahrheit sagen – oder zumindestens überreden sie sich selbst dazu.“

(aus: Erich Fromm; Vom Haben zum Sein, Beltz 1989, S. 62)

Erich Fromm (1900 – 1980) war ein deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe.

Bedeutende Werke (Auswahl):

Die Furcht vor der Freiheit, 1941.

Psychoanalyse & Ethik, 1946.

Die Kunst des Liebens, 1956.

Zen-Buddhismus und Psychoanalyse (mit Daisetz Teitaro Suzuki, Richard de Martino) 1971.

Haben oder Sein, 1976.

Märchen, Mythen, Träume, 1951.

Die Seele des Menschen, Ihre Fähigkeit zum Guten und zum Bösen.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Komplementärmedizin – Qualität und Quacksalberei

Und ausserdem: Wenn  Sie sich mehr Wissen aneignen möchten, um wirksame und unwirksame Naturheilmittel zu unterscheiden, dann können Sie das in meiner Phytotherapie-Ausbildung, im Heilpflanzen-Seminar und im Tagesseminar “Komplementärmedizin verstehen und beurteilen”

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Umckaloabo®: Leberschäden unwahrscheinlich

Mittwoch, April 4th, 2012

Zu diesem Schluss kommt eine Analyse aller Spontanmeldungen von Leberschäden, die nun publiziert wurde (Regulatory Toxicology and Pharmacology 2012; 63 (1): 1).

Vor einem halben Jahr schreckte die Meldung über mögliche Leberschäden nach Anwendung des Phytotherapeutikums Umckaloabo® Verbraucher, Ärzte und Apotheker auf.

Umckaloabo (Pelargonium sidoides) ist eine Heilpflanze, die als schleimlösendes Mittel bei Husten und weiteren Erkältungskrankheiten eingesetzt wird.

Die Analyse aller Spontanmeldungen von Leberschäden zeigte nun, dass in keinem Fall ein Kausalzusammenhang zwischen Einnahme von Umckaloabo® und Leberschäden wahrscheinlich ist.

Für die Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität Frankfurt am Main total 15 Verdachtsfälle, die der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und dem BfArM gemeldet worden waren wegen einer möglichen Leberschädigung duch Pelargonium sidoides. Ein Pelargonium-sidoides-Extrakt wird zur Herstellung des Phytotherapeutikums Umckaloabo® verwendet.

Die Forscher beurteilten den Kausalzusammenhang mit einer Leberschädigung anhand der leberspezifischen Skala des Councils for International Organizations of Medical Sciences (CIOMS).

Darüber hinaus werteten sie den Zeitpunkt der Einnahme des Phytotherapeutikums und den Zeitpunkt des Auftretens der Beschwerden aus, sowie die Werte von Alaninaminotransferase und alkalischer Phosphatase als eindeutige Kriterien für eine Leberschädigung.

Die Datenlage sei in fast allen berichteten Fällen schlecht gewesen, stellen die Wissenschaftler fest.

Nur bei einer Minderheit der untersuchten Fälle sei es möglich gewesen, auf andere Lebererkrankungen Bezug zu nehmen. Beispielsweise hätten nur für drei Patienten Daten zu bildgebenden Untersuchungen des Gallentraktes vorgelegen.

Daten zum Ausschluss von Virusinfektionen (Hepatitis A-C) seien nur in vier Fällen, zum Ausschluss von Cytomegalie- und Eppstein-Barr-Viren sogar nur in einem Fall zur Verfügung gestanden, so die Wissenschaftler.

Sie kommen zum Schluss, dass ein überzeugender Beweis fehle, dass Pelargonium sidoides bei den analysierten Fällen ein potenzielles Hepatotoxin (Lebergift) gewesen sei.

In fast allen Fällen (mit Ausnahme einer Dauermedikation über 13,5 Monate) sei Umckaloabo  nur wenige Tage angewandt worden – meist als Tropfen. Hinweise auf eine tägliche Überdosierung seien nicht vorhanden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/809584/datenanalyse-umckaloabo-kein-hepatotoxin.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0273230012000359

Kommentar & Ergänzung:

Die Vorgänge rund um diese Warnungen vor Leberschäden durch Umckaloabo® werfen einige Fragen auf.

Ausser Frage steht, dass auch bei pflanzlichen Heilmitteln mit unerwünschten Nebenwirkungen und Risiken gerechnet werden muss. Was Wirkungen hat, kann auch Nebenwirkungen haben.

Und Heilmethoden, die niemals unerwünschte Nebenwirkungen haben sollen, stehen im Verdacht, auch keine Hauptwirkung zu haben.

Aber nun konkret zu dieser „Umckaloabo-Geschichte“:

Wenn sagen wir einmal 500 000 Menschen ein bestimmtes Medikament X nehmen, dann wird immer eine gewisse Anzahl Menschen zeitgleich oder zeitnah eine Lebererkrankung bekommen. Einfach schon deshalb, weil jedes Jahr eine bestimmte Anzahl Menschen aus unterschiedlichen Gründen an der Leber erkrankt.

Wenn man dann unreflektiert und ungeprüft als Ursache für diese Lebererkrankungen Medikament X „beschuldigt“, macht man möglicherweise einen Post-hoc-ergo-propter-Fehlschluss.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Das ist genauso kurzschlüssig, wie wenn ich annehme:

Ich bin krank – ich nehme Medikament Y. – Ich werde gesund – Folglich: Medikament Y. hat mich geheilt. (Wer heilt hat Recht – lautet dann der voreilige Schnellschluss)

Es gibt viele andere Faktoren, die für die Heilung (mit)verantwortlich sein könnten.

Es kann aber auch nicht gelten:

Ich bin krank – ich nehme Medikament X.  – ich erkranke an der Leber – Medikament X. schädigt meine Leber.

Auch hier sind alle anderen möglichen Auslösefaktoren zu prüfen.

Solche Datenanalysen – wie sie nun die Forschergruppe der Universität Frankfurt vorlegt, sollten gemacht werden, bevor eine Warnung wie „Umckaloabo macht Leberschäden“ gross via Medien verbreitet wird.

Und wenn eine solche Warnung erfolgt, dann sollte die Datenlage schon einigermassen wasserdicht sein.

Sonst grenzt eine solche Meldung an Rufmord.

Dumm ist in solchen Fällen nämlich, dass die Warnung in der Regel intensiv verbreitet wird, die Entwarnung aber in irgendeiner Fachzeitschrift vor sich her gammelt und nur von wenigen Leuten überhaupt gelesen wird. So bleibt immer etwas hängen.

Oder hat die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und die BfArM ihre Warnung nun zurückgenommen oder relativiert? Jedenfalls nicht dass ich wüsste.

Solche medialen „Schnellschüsse“ sind eigentlich nur akzeptabel in Situationen, in denen eine sehr akute Gefahr abgewendet werden muss.

Allerdings ist zugunsten der Arzneimittelbehörden zu sagen, dass potenzielle Risiken oft auch nicht einfach, eindeutig und schnell eingeschätzt werden können. Und dass die Öffentlichkeit eine Behörde „aufhängt“, wenn sie eine Warnung unterlässt, und dadurch jemand Schaden erleidet. Ich selber möchte nicht in dieser Verantwortung stehen.

Zu Umckaloabo siehe auch:

Übersichts-Studie zu Umckaloabo zieht positives Fazit

Phytotherapie: Umckaloabo-Studien

Phytotherapie: Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei Erkältungen

Leberschaden durch Umckaloabo?

Umckaloabo wegen möglicher Leberschäden unter Kritik

Kein Grund auf Umckaloabo zu verzichten

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzenkunde: Fundstücke zur Wirkung von Birkenblättern, Birkenrinde, Birkensaft, Birkenelixier

Dienstag, April 3rd, 2012

Für Birkenblätter kennt die Phytotherapie als anerkannte Anwendung die Durchspülungstherapie bei bakteriellen und entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege und bei Nierengrieß (Kommission E, ESCOP). Die Kommission E schreibt den Birkenblättern noch eine unterstützend Wirkung bei rheumatischen Beschwerden zu. Für diese Indikation sind die Belege allerdings schwach und es ist ungeklärt, was Birkenblätter bei Rheuma genau bewirken sollen.

Darüber hinaus gibt es aber weitere interessante Erkenntnisse zur Wirkung der Birke.

„Antipyretische Wirkung: Durch Bäckerhefe induziertes Fieber bei Ratten wurde durch einen 25%igen wäßrigen Birkenblätterextrakt signifikant für eine kurze Zeit gesenkt. Die maximale Hemmung des Fieberanstiegs betrug 40 % nach 5 Stunden.“

Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Birkenblatt.html

Antipyretisch = Fieber senkend

Ob ein solches Resultat mit induziertem Fieber bei Ratten irgendetwas aussagt über die Behandlung von Fieber beim Menschen ist sehr ungeklärt.

Für Birkenrinde gibt es potenzielle Anwendungsbereiche in der Dermatologie:

„Birkenrinde: ein Birkenrindentrockenextrakts erwies sich in einer klinischen Studie als äußerlich wirksam bei Aktinischer Keratose und Schuppenflechte. Derzeit sind jedoch nur Pflegepräparate und keine Arzneimittel im Handel.“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/birke.php

Die Birke also sehr wird vielseitig genutzt.

Neben Birkenblättertee und Birkenrinde ist Birkenteer bekannt. Er soll eine Wirkung gegen Parasiten (Krätze) entfalten und wirksam sein bei Hautkrankheiten wie Hautjucken, Akne und Ekzemen sowie Schuppenflechte und anderen Hautleiden (trockenen Flechten und Dermatosen). Birkenteer wird aber kaum mehr verwendet, weil er wie andere Teerpräparate Hautreizungen auslösen kann und wegen möglicher Mutagenität (Erbgutschädigung).

Birkensaft: In der Volksmedizin wird Birkensaft gegen Rheuma und Gicht angewendet, wobei auch hier nicht ersichtlich ist, wie eine solche Wirkung zustande kommen soll. Genauso fraglich ist die Empfehlung von Birkensaft zu Frühjahrskuren, zur Blutreinigung, gegen Cellulite und als Haarwuchsmittel

Siehe dazu auch:

Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee

Pflanzenheilkunde: Fragwürdige Blutreinigungstee

Plausible Gründe für die Notwendigkeit solcher Frühlingskuren und Blutreinigungsmittel gibt es meines Erachtens nicht. Wenn jemand aber davon überzeugt ist, dass ihm oder ihr ein solches „Putzritual“ gut tut, dann ist Birkenblättertee oder Birkensaft zu mindestens eine unschädliche Variante und Zubereitungen auf der Basis von Abführmitteln (Senna, Aloe) alle weil vorzuziehen.

Wer also Birkensaft und / oder Birkenelixier gern hat, kann sie ruhig trinken oder in die Kopfhaut einmassieren. Unerwünschte Nebenwirkungen sind hierbei nicht zu befürchten.

Es ist im übrigen auch keineswegs meine Absicht, die Birke „schlechtzumachen“. Nur die Verkaufsargumente und Heilungsversprechungen, die mit Birkensaft und Birkenelixier verbunden werden, halte ich für ziemlich überzogen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Montag, März 26th, 2012

Zur Herstellung von Lakritze werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Süssholzsaft wird dann ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so charakteristische Lakritzaroma.

Fundstück auf Pharmawiki, der fundierten Quelle für Informationen über Arzneimittel:

„Rezept für selbstgemachte Lakritze:

Geschnittene Süssholzwurzel (aus der Apotheke)

Halbweiss- oder Weissmehl

Kochsalz oder Ammoniumchlorid (aus der Apotheke)

Gelierzucker

Kohlepulver (aus der Apotheke)

Trinkwasser

Die Süssholzwurzel mit heissem Wasser bedecken und 12 Stunden mazerieren, anschliessend durch ein grobes Sieb abseihen und den Rückstand kolieren und auspressen. Filtrat und Pressflüssigkeit vereinigen. Die Flüssigkeit einkochen. Unter Umrühren das Salz, das Kohlepulver und den Gelierzucker zugeben. Zuletzt ausreichend Mehl zugeben und zu einem starren, dickflüssigen schwarzen Kleister verarbeiten. Auf ein Blech oder in Formen giessen und bei niedriger Hitze (150°) im Ofen trocknen. Evt. mit wenig Sonnenblumenöl bestreichen.

Als Alternative kann zum Gelieren auch Arabisches Gummi verwendet werden.“

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Lakritze

Kommentar & Ergänzung:

Lakitze bzw. Süssholzwurzel ist eine interessante und vielseitige Heilpflanze.

In der Phytotherapie gelten folgende Anwendungsbereiche als medizinisch anerkannt:

„Bei Katarrhen der oberen Luftwege und bei Ulcus ventriculi/ duodeni (Magen-/Zwölffingerdarmgeschwür) (Kommission E); als unterstützende Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren sowie bei Magenschleimhautentzündung; als schleimlösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh (ESCOP).“

Quelle: http://www.koop-phyto.org/arzneipflanzenlexikon/suessholz.php

Und ausserdem als Kuriosum: Im Film Goldrausch konnte der Schauspieler Charlie Chaplin seine Schuhe und Schnürsenkel verspeisen, weil diese Requisiten aus Lakritze hergestellt waren.

(Quelle: Wikipedia)

Zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Lakritze und Süssholz siehe auch:

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

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Was ist Guar?

Sonntag, März 18th, 2012

Guar wird aus der Guarbohne gewonnen, den Samen von Cyamopsis tetragonolobus, und zwar  durch Zermahlen des Endosperms und anschliessender Teilhydrolyse.

Guar (Guargalactomannan) besteht hauptsächlich aus Polysacchariden

Guar (Cyamopsis tetragonolobus, Fabaceae) ist ein pflanzliches Arzneimittel, das im Darm zusammen mit Wasser quillt und die Aufnahme von Kohlenhydraten verlangsamt. Es wird zur Behandlung von Obstipation (Verstopfung) und als Zusatzmassnahme bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus angewendet, um die Blutzuckerspitzen nach der Nahrungsaufnahme zu reduzieren.

Es handelt sich bei Guar um einen Ballaststoff, der in der Lage ist, grosse Mengen Flüssigkeit zu binden, so dass eine gelartige Masse entsteht.

Das bewirkt eine Verzögerung der Magenentleerung, im Dünndarm kommt es verlangsamt zur Kohlenhydrat-Absorption. Diese beiden Eigenschaften führen vor allem beim Diabetiker zu geringeren postprandialen Blutzuckerspitzen (postprandial = nach der Mahlzeit). Die Kohlenhydrat-Absorption wird aber nicht reduziert.

Guar wirkt auch lipidsenkend: Abnahme des Plasma-Gesamtcholesterins und der Triglizeride, kein Effekt auf das HDL-Cholesterin, LDL nimmt ab.

Ausserdem wirkt Guar sättigend.

Daraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche:

- Verstopfung

- Begleittherapie beim Diabetes mellitus (Typ I und Typ II), um zusätzlich neben Diät und Antidiabetika die postprandialen Blutzuckerspitzen zu reduzieren. Da die gesamte Absorption der Kohlenhydrate zwar verlangsamt, nicht jedoch reduziert wird, müssen die Diät und die Behandlung weitergeführt werden

- Dyslipidämie (Lipidstoffwechselstörung)

- Übergewicht und Fettleibigkeit

Als unerwünschte Nebenwirkungen kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen: Blähungen, Völlegefühl, Magendruck, Übelkeit und Durchfall.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Guarbohne

Guar ist als rezeptpflichtiges Fertigpräparat unter dem Namen Leiguar als Antidiabetikum im Handel.

Als Nahrungsergänzungsmittel mit teilhydrolisiertem Guarkernmehl: Benefiber (Novartis).

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Wirkstoffe in der Phytotherapie: Gerbstoffe

Donnerstag, März 15th, 2012

Gerbstoffe sind wichtige Wirkstoffe in der Phytotherapie. Sie bestimmen die Wirkung vieler Heilpflanzen.

Hier einige ausgewählte Infos über Gerbstoffe aus Wikipedia mit Kommentaren und Ergänzungen von mir.

„Ein Gerbstoff ist ein Stoff, der sich bei Kontakt mit Eiweiß (Protein) mit diesem verbindet. Die Eigenschaften der Proteine werden dadurch verändert.

Das in den Proteinen gebundene Wasser wird durch die Gerbstoffe verdrängt und es kommt zu einer Entwässerung.

Die Proteine können durch Mikroorganismen nicht mehr oder nur mehr sehr schwer abgebaut werden.

Das Quellvermögen in Wasser, Säuren und Laugen ist stark vermindert.

Die Temperaturbeständigkeit wird erhöht.

Biologisch aktive Eiweißstoffe werden durch Gerbstoffe denaturiert und sind nicht mehr biologisch aktiv.

Strukturierte Eiweißstoffe z. B. Kollagen der Haut, behalten ihre natürliche Struktur. Die Strukturen werden aber durch die Gerbstoffe mehr oder weniger stark vernetzt. Unstrukturierte Eiweißstoffe z. B. das Eiweiß eines Hühnereies, werden ausgefällt.

Diese Veränderungen können allgemein als Gerben bezeichnet werden. Eine abgezogene Tierhaut wird so in Leder umgewandelt, was z. B. die Fäulnis verhindert.

Es gibt in der Natur vorkommende Gerbstoffe und künstlich hergestellte Gerbstoffe.“

(Quelle: Wikipedia)

Das ist eine gute Beschreibung davon, wie Gerbstoffe auf Eiweisse einwirken. Um die adstringierenden (zusammenziehenden), entzündungshemmenden und antimikrobiellen Wirkungen gerbstoffreicher Heilpflanzen zu verstehen, sind diese Vorgänge wichtig.

Zum Vorkommen von Gerbstoffen in Pflanzen

„Gerbstoffe kommen häufig in Pflanzen vor…..Zum Beispiel in:

Blättern, Hölzern, Rinden, Früchten und Wurzeln von Kastanien, Eiche, Fichte, Mimosa, Quebracho, Tee, Kaffee.

Auch pflanzliche Abbauprodukte wie z. B. Torf enthalten Gerbstoffe. Weintrauben enthalten Gerbstoffe (Tannine) als Bestandteile aus Stielen, Kernen und Beerenhäuten, die zum Geschmack des Weines (insbesondere des Rotweines) beitragen. Der Tanningehalt stellt somit einen Qualitätsfaktor des Weines dar, sofern er in einem ausgewogenen Verhältnis zu den anderen Geschmackskomponenten (Säure, Restzucker) und Aromen steht.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Wirkung der Gerbstoffe in der Phytotherapie

„Die Gruppe der Gerbstoffe nimmt einen wichtigen Platz unter den therapeutisch wirksamen Bestandteilen von Heilpflanzen ein. Sie wirken zusammenziehend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und neutralisieren Gifte. In höherer Dosierung wirken sie jedoch oft selbst schädlich.“

(Quelle: Wikipedia)

Wichtig zu wissen ist aber, dass Gerbstoffe lokal wirken auf Haut und Schleimhäuten und im Verdauungstrakt. Sie werden aber kaum in den Körper aufgenommen und haben daher keine systemischen Fernwirkungen.

Beispiele von Heilpflanzen, die Gerbstoffe enthalten:

“Galläpfel (Gallae) aus Quercus infectoria

Hamamelisblätter (Hamamelidis folium) aus Hamamelis virginiana = Zaubernuss

Walnussblätter (Juglandis folium) aus Juglans regia

Eichenrinde (Quercus cortex) aus Quercus robur….

Ratanhiawurzel (Ratanhiae radix) aus Krameria lappacea

Blutwurzwurzel (Tormentillae rhizoma) aus Potentilla erecta

Heidelbeeren (Myrtilli fructus) aus Vaccinium myrtillus

Volksmedizinische Verwendung finden auch:

Catechu

Brombeerblätter von Rubus fruticosus

Gänsefingerkraut von Potentilla anserina

Erdbeerblätter von Fragaria vesca

Odermennigkraut Agrimonia eupatoria

Frauenmantelkraut von Alchemilla xanthochlora

Breitwegerichblätter von Plantago major

Spitzwegerichblätter von Plantago lanceolata

Rosenblüten von Rosa gallica

Wiesenknopfblätter von Sanguisorba officinalis“

(Quelle: Wikipedia)

Eine wichtige Heilpflanze mit hohem Gerbstoffgehalt fehlt hier:

Schwarztee / Grüntee.

Damit genügend Gerbstoff in den Tee übergeht, müssen Schwarztee und auch Grüntee allerdings lange ausziehen (etwa 8 Minuten).

Chemischer Aufbau der Gerbstoffe

„Auf Grund des chemischen Aufbaues, kann die pflanzlichen Gerbstoffe in folgende zwei Gruppen einteilen:

Hydrolysierbare Gerbstoffe, z. B. Gallotannine, Grundbausteine sind Gerbsäuren z. B: Gallus- oder Ellagsäure in Verbindung mit Glukosen

kondensierte Gerbstoffe, z. B. Pyrocatechine, Grundbausteine sind aromatische Polyhydroxiverbindunge wie z. B. Catechin“

(Quelle: Wikipedia)

Das ist insofern relevant, als hydrolisierbare Gerbstoffe ungeeignet sind zur Behandlung von Durchfall, weil sie nicht genug tief im Darm wirken.

Zur Wirkung der Gerbstoffe

„Medizinisch nutzbar sind Gerbstoffe durch den Prozess der Gerbung. Das Gewebe kann so oberflächlich verdichtet werden, und eine schützende Membran bildet sich aus, z. B. auf einer Schleimhaut. Die Gerbstoffe entziehen also durch ihre zusammenziehende (adstringierende) Wirkung Bakterien den Nährboden, die sich auf Haut und Schleimhaut angesiedelt haben. Schmerz und Wundsekretion werden vermindert, Entzündungen gehemmt, kapillare Blutung gestillt, Bakterien und Giftstoffe können nicht mehr tiefer eindringen.

Gerbstoffe haben antimikrobielle Eigenschaften und werden eingesetzt bei Magen- und Darmentzündungen, leichten Durchfällen, Entzündungen im Mund und Rachenraum, als blutstillendes Mittel, zur schnellen Wundheilung und bei leichten Verbrennungen und Frostschäden.“

(Quelle: Wikipedia)

Heikel finde ich die Empfehlung „zur schnellen Wundheilung“. Gerbstoffe können in der Wundbehandlung nur in ganz bestimmten Situationen eine Rolle spielen, zum Beispiel bei nässenden Wunden (Reinigungsphase) als Eichenrindenumschlag oder Eichenrindenbad. In der Granulationsphase der Wundheilung würde ich aber Gerbstoff-Anwendungen nicht empfehlen. Gerbstoffe können das Gewebe austrocknen und in der Granulationsphase muss die Wunde feucht bleiben.

Zu den wichtigsten Eigenschaften der Gerbstoffe

„Zusammenziehend, schmerzlindernd, stopfend bei Durchfall, blutstillend, sekretionshemmend, schleimhautschützend, keimhemmend, bakterizid, fungizid, entzündungshemmend, austrocknend, Gegengift bei Schwermetall- oder Alkaloidvergiftung“

(Quelle: Wikipedia)

Manche Gerbstoffe wirken auch gut lokal gegen Viren, zum Beispiel die Lamiaceen-Gerbstoffe aus der Melisse gegen Herpesviren (Fieberbläschen).

Nebenwirkungen der Gerbstoffe

„Bei Langzeitanwendung können Leberschäden entstehen. Bei zu hohen Dosen kann es zu Magenschleimhautentzündung oder Brechreiz kommen. Gerbstoffe vermindern die Resorption basischer Arzneimittel sowie mancher Mineralstoffe wie Eisen. Nicht bei Verstopfung, trockenen Ekzemen oder trockenen Schleimhäuten anwenden. Nicht länger als 5–10 Minuten köcheln. Es empfiehlt sich für die innere Anwendung, sie mit Schleimstoffen zu kombinieren.“

(Quelle: Wikipdedia)

Eine Heilpflanze, in der Gerbstoffe und Schleimstoffe schon kombiniert vorliegen, ist Malva silvestris / Malva neglecta, verwendet als Malvenblätter ( = Chäslichrut) zum Beispiel bei Mundschleimhautentzündung, zur Wundheilung und bei Furunkeln. Allerdings enthalten die Malvenblätter sowohl Gerbstoffe als auch Schleimstoffe eher in tiefer Konzentration.

Es gibt tatsächlich einzelne Berichte von Leberschäden durch Gerbstoffpflanzen bei sehr hohen Dosierungen über lange Zeit, zum Beispiel bei exzessivem Konsum von Schwarztee. Aber normalerweise werden Gerbstoffe ja nicht in relevanten Mengen resorbiert.

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Heublumenwickel: Was sind Heublumen?

Donnerstag, März 15th, 2012

Heublumenwickel und Heublumenbäder sind beliebte Anwendungen in der Naturheilkunde. Fragt man genauer nach, was Heublumen sind, bekommt man aber oft nur sehr nebulöse Antworten. Mit bunten Wiesenblumen haben Heublumen jedenfall wenig bis gar nichts zu tun.

Hier eine Definition aus Wikipedia:

„ Heublumen (Flores graminis), auch Grasblüten genannt, sind ein Gemisch von Blütenteilen, Samen, kleineren Blatt- und Stängelstücken verschiedener Wiesenpflanzen. Sie bestehen vornehmlich aus den Gräsern Quecke, Trespe, Wiesen-Lolch, Wiesen-Schwingel, Wiesen-Lieschgras, Wiesen-Fuchsschwanz, Ruchgras und Knäuelgras. Das geerntete Heu wird lediglich durch mehrfaches Sieben von groben Stängelteilen, Sand, Staub und Erde befreit. Auf dem Land gelten als Heublumen alle Pflanzenteile, die auf der Tenne von der Heugabel nicht erfasst werden. Nicht selten liegt eine dicke Heublumenschicht auf dem Tennenboden.

Neben den im Pflanzenreich überall vorkommenden Stoffen können in unterschiedlichen Mengen Flavonoide, Gerbstoffe, ätherisches Öl, Cumarine und Furanocumarine nachgewiesen werden.“

(Quelle: Wikipedia)

Und wozu werden Heublumen eingesetzt?

„ Die evidenzbasierte Medizin befasst sich aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung nicht oder kaum mit Heublumen. Lediglich die Volksmedizin gebraucht Heublumen für Umschläge, Auflagen und Bäder zur Schmerzlinderung, Beruhigung und Entspannung bei verkrampfter Muskulatur und zur Durchblutungssteigerung. Heublumenbäder, -wickel und -umschläge gelten in der Volksmedizin als abwehrkräftestärkend und werden bei Erkältungskrankheiten und Fieber sowie bei Rheuma mit Erfolg gebraucht. Auch bei Wechseljahresbeschwerden, vegetativer Dystonie, Hautleiden, Nieren- und Blasenleiden finden Heublumen äußerlich Anwendung. Schon Sebastian Kneipp war von der positiven Wirkung der Heublumen überzeugt – die evidenzbasierte Medizin hingegen spricht den Heublumen lediglich Wirksamkeit als lokales Wärmetherapeutikum bei rheumatischen Erkrankungen zu. Heublumen sollen nicht bei offenen Verletzungen, akuten Entzündungen und akuten rheumatischen Schüben eingesetzt werden. Nebenwirkungen oder allergische Reaktionen sind nur in sehr seltenen Fällen zu befürchten. Bei der Anwendung von Heublumen als Bad oder Auflage ist detailliertes Wissen über die genaue Zubereitung erforderlich, ansonsten sind Misserfolge nicht auszuschließen. Heublumen findet man häufig auch in Heilkräutermischungen und -säckchen. Hier dienen sie vornehmlich als Träger für das in der Mischung enthaltene ätherische Öl.“

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Je nach der Wiese, von der sie stammen, sind Heublumen also unterschiedlich zusammengesetzt. Immer aber handelt es sich um kleine Grasbestandteile. Es ist wohl tatsächlich so, dass Heublumenwickel vor allem eine intensive Form der Wärmetherapie sind. Feuchte Wärme wirkt jedenfalls viel intensiver als trockene Wärme. Der typische Heuduft, für den das Cumarin verantwortlich ist, dürfte zudem eine leicht beruhigende und entspannende Wirkung haben.

Muskelverspannungen und Menstruationskrämpfe sind beispielsweise bewährte Anwendungen der Heublumenwickel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Medikamente beim Prämenstruellen Syndrom (PMS)

Freitag, März 9th, 2012

Zur Behandlung der Beschwerden beim Prämenstruellen Syndrom (PMS) gibt es verschiedene nichtmedikamentöse Massnahmen (z. B. körperliches Training, Stressmanagement, Muskelentspannung, diätetische Ansätze).

Darüber hinaus kommen oft auch Medikamente zum Einsatz.

Die Medical-Tribüne hat in einem Artikel zum Thema PMS die wichtigsten Medikamentengruppen vorgestellt.

- Diuretika: „… während der Lutealphase möglich. In plazebokontrollierten Untersuchungen linderte Spironolacton (100 mg/Tag) PMS-Beschwerden deutlich.“

- Psychopharmaka: „Metaanalysen plazebokontrollierter Studien zufolge ließen körperliche und psychische PMS-Symptome unter SSRI1, z.B. Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram sowie Sertralin, und SNRI2 (Venlafaxin) nach. Anxiolytika wie Alprazolam und Buspiron wirken schwächer als SSRI.“

- Phytopharmaka: „Falls Patientinnen pflanzliche Medikamente bevorzugen: Ein Fruchtextrakt aus Vitex agnus castus (Keuschlamm) meisterte ebenfalls die Prüfung in plazebokontrollierten Studien.

-Hormonelle Therapie: „Bei der hormonellen Therapie kann man z.B. die Ovulation unterdrücken, das Spektrum reicht von oralen Kontrazeptiva über GnRH-Agonisten und Gonadotropin-Inhibitoren bis hin zur Ovar bzw. Hysterektomie, infrage kommen aber auch Ansätze, bei denen der Eisprung nicht unterdrückt wird (z.B. Progesteron).“

Die Medical-Tribune empfiehlt:

„Die Risiko- Nutzen-Abwägung sollte individuell mit entsprechenden Spezialisten erfolgen.“

Quelle der Zitate:

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=65229&dspaid=970920

Kommentar & Ergänzung:

Mönchspfeffer (Keuschlamm) gehört in der Phytotherapie zu den Heilpflanzen, die bezüglich Wirksamkeit auch wissenschaftlich gut belegt sind.

PMS ist aber ein sehr komplexes Geschehen und Mönchspfefferextrakte werden nicht in jedem Falle helfen. Sieht man sich aber die Risiken und Nebenwirkungen der anderen vorgestellten Arzneimittel an, so schneidet Mönchspfeffer in dieser Hinsicht ausgesprochen gut ab.

Ein Versuch mit Mönchspfeffer dürfte daher in vielen Fällen eine gute Option sein.

In der Schweiz sind verschiedene Heilpflanzen-Präparate mit Mönchspfefferextrakt im Handel:

Agnolyt Kapseln (Max Zeller, Romanshorn)

Emoton (Tentan, Itingen)

Oprane (Vifor, Villars-sur-Glâne)

Prefemin (Max Zeller, Romanshorn)

Premens (Zeller Medical, Romanshorn)

Ungeklärt ist die Wirksamkeit von Mönchspfeffertee und Mönchspfeffertinktur.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Problematische Medikamente im Abwasser

Sonntag, März 4th, 2012

In Deutschland gelangen täglich mehrere Tonnen an Arzneimitteln in die Umwelt. Mehrere Forschungsprojekte konnten entsprechende Rückstände in Böden, Gewässern und auch im Trinkwasser nachweisen. Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes (UBA) zeigt besonders problematische Medikamente auf.

Insgesamt stellte das UBA 156 Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt fest. 24 davon wurden mit hoher Priorität eingestuft, das heisst, dass diese Substanzen besonders schädlich für Umweltorganismen sind. Allein die Hälfte der mit hoher Priorität gelisteten Arzneimittel sind Antibiotika, darunter auch Sulfamethoxazol. Sowohl in Oberflächengewässern, als auch im Grund- und Trinkwasser waren Konzentrationen von 0,1 bis 1 Mikrogramm pro Liter des Sulfonamids nachgewiesen worden. Zudem wurden die Makrolide Clarithromycin und Erythromycin sowie die Tetracycline Doxycyclin und Oxytetracyclin gefunden.

Messungen zeigten, dass auch verschreibungsfreie Analgetika in hohen Konzentration in die Umwelt gelangen. Neben Paracetamol wurden auch Naproxen und Diclofenac in Oberflächengewässern und im Grundwasser entdeckt. Ihre Konzentration bewegte sich im Bereich von einem Mikrogramm pro Liter. Für Diclofenac ist schon bekannt, dass es Nierenschäden bei Fischen auslösen kann. Weitere Medikamente mit einem hohen ökotoxikologischen Wirkpotenzial sind Metoprolol, Cabamazepin, Primidon und die Estrogene Norethisteron, Ethinylestradiol und Estradiol.

Vorkommen und Folgen von Medikamenten in der Umwelt werden nach Ansicht des UBA unterschätzt. Laut UBA wird die Konzentration von Humanarzneimitteln in der Umwelt aufgrund des demographischen Wandels noch weiter ansteigen. Deshalb will die EU die EG-Wasserrahmenrichtlinie um weitere umwelttoxische Substanzen erweitern.

Wie sich diese problematischen Stoffe auf die Umwelt auswirken, wird bislang nicht systematisch untersucht. Das UBA verlangt deshalb ein zulassungsbegleitendes Umweltmonitoring. Die Vorsorge beim Umgang mit Arzneimittelrückständen müsse verbessert werden, denn diese Stoffe könnten problematisch für die Umwelt sein, forderte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Eine bessere Überwachung soll helfen, Belastungsschwerpunkte und ökologische Folgen von Arzneimitteln zu erkennen und die medizinische Versorgung umweltverträglicher zu gestalten.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/tonnenweise-arzneimittel-im-abwasser

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin kein fundamentalistischer Gegner synthetischer Medikamente. In vielen Fällen sind sie die beste Option und manchmal retten sie Leben.

Aber die zunehmenden Arzneimittelrückstände in der Umwelt sind besorgniserregend und verlangen Wachsamkeit.

Bei der Entwicklung von Medikamenten wird oft speziell Wert auf eine lange Haltbarkeit gelegt. Dies gewährleistet, dass das Medikament nicht abgebaut wird, bevor es seine Wirkung entfalten kann. Viele Pillen sind zum Beispiel so konstruiert, dass sie die Magensäure unbeschadet überstehen und erst im Darm ihren Wirkstoff freisetzen.

Als Folge davon sind viele Arzneien sehr stabil und werden größtenteils unverändert wieder ausgeschieden. Und in der Natur sind solche Moleküle schwer abbaubar.

Mit Natursubstanzen, wie sie in Heilpflanzen-Präparaten vorkommen, kann die Natur besser umgehen. Das spricht meines Erachtens dafür, wo immer möglich auf Phytopharmaka zu setzen.

Siehe auch:

Natur als Medikamenten-Deponie

Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen-Präparate bei Rheuma

Sonntag, März 4th, 2012

In der „Pharmazeutischen Zeitung“ publizierte Professor Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena einen informativen Beitrag zur Rheumabehandlung mit Phytopharmaka.

Zur Bedeutung dieser Heilpflanzen-Präparate schreibt er einleitend:

„ Zur (Begleit-)Therapie rheumatischer Erkrankungen inklusive degenerativer Gelenkerkrankungen und milder bis mittelstarker Muskel- und Rückenschmerzen stehen ausgewählte Phytopharmaka zur Verfügung.

Diese sind insbesondere als alternative oder komplementäre Therapie-Optionen zur klassischen medikamentösen Behandlung mit steroidalen und nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) von Bedeutung.

Ob Teufelskralle, Weidenrinde, Brennnessel oder Weihrauch, ob Cannabis, Hagebutte oder Mutterkraut: Nahezu jeder Rheuma-Patient bedient sich pflanzlicher Antiphlogistika, nicht zuletzt, da er die Nebenwirkungen chemisch definierter Arzneimittel und hier insbesondere der Glucocorticoide fürchtet.

Für ihre Effektivität spricht auch und gerade die Tatsache, dass Zubereitungen entzündungshemmender Kräuter seit Jahrtausenden in der Volksmedizin angewandt werden.

Für zahlreiche Pflanzen(-präparationen), die als Interna zur Entzündungs- und auch Schmerzhemmung bei diversen Krankheitsbildern wie Rheumatoide Arthritis oder Osteoarthrose genutzt werden, liegen, wie bei chemisch definierten Arzneistoffen, wissenschaftliche Daten sowie Hinweise auf Wirkmechanismen und Targets in der menschlichen Entzündungspathogenese vor.

Dennoch wird ihre Effektivität von einigen Fachleuten in Frage gestellt, gilt die klinische Wirksamkeit dieser Phytopharmaka als umstritten. Durch die mangelnde Anerkennung und wenig konsequente Weiterverfolgung der hier bereits vorliegenden Erkenntnisse zu Forschungs- und Therapie-Potenzialen werden große Chancen vertan.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?type=0&id=40814

Kommentar & Ergänzung:

Heilpflanzen-Präparate können in vielen Situationen für die Behandlung von Arthritis und Arthrose von Nutzen sein. Heikel ist es allerdings, wenn bei schweren Entzündungen ausschliesslich auf Phytoparmaka oder andere Naturheilmittel gesetzt wird. In solchen Fällen braucht es oft starke Entzündungshemmer (z. B. Glucocorticoide, NSAR), um Schaden von den betroffenen Gelenken abzuwenden und die Schmerzen erträglich zu machen. Diese starken Entzündunghemmer sind bei langdauerndem Gebrauch und bei hohen Dosierungen aber mit einigen ernsthaften Risiken verbunden. Bei abklingenden Entzündungen und in Zwischenphasen können Phytopharmaka wie Weihrauch, Teufelskralle, Weidenrinde, Hagebutte oder Brennessel mithelfen, die Dosierungen von Glucocorticoiden oder NSAR herunterzufahren. Es geht also nicht um ein Gegeneinander von synthetischen Medikamenten und Naturheilmitteln, sondern um eine stadiengerechte Behandlung mit der jeweils besten Option.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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