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Vaginalcreme mit Fenchel gegen Scheidentrockenheit

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Eine Vaginalcreme mit Fenchel reduzierte in einer Studie die Symptome postmenopausaler Scheidentrockenheit.

Während der Wechseljahre wird die Östrogenproduktion im weiblichen Organismus vermindert. Dabei kommt es bei beinahe 40 % der Frauen zu Symptomen wie Brennen, Jucken, Scheidentrockenheit und Dyspareunie (Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs). Der pH-Wert in der Vagina erhöht sich, was dazu führt, dass Krankheitserreger sich leichter ansiedeln und Entzündungen auslösen können. Sexuelle Aktivität kann dieser Entwicklung entgegen wirken, doch zahlreichen Frauen bleibt nur der Griff zu Cremes und Gleitmitteln.

Fenchelfrüchte aus Foeniculum vulgare werden sowohl in der traditionellen Medizin als auch in der modernen Phytotherapie eingesetzt. In einer Studie wurde untersucht, ob sich Scheidentrockenheit mit einer lokal anwendbaren Fenchelcreme lindern lässt.

Für die Studie wurde eine speziell hergestellte 5-prozentige Fenchelcreme an 30 postmenopausalen Frauen getestet. Die Probandinnen der Kontrollgruppe in dieser randomisierten Doppelblindstudie bekamen dagegen eine Placebo-Creme. Die Symptome Brennen, Jucken, Trockenheit, Färbung der Vagina und Dyspareunie wurden in ihrer Ausprägung vor Behandlungsbeginn sowie nach zwei, vier und acht Wochen erfasst.

Ein Abstrich diente der zytologischen Untersuchung und wurde beim Start und acht Wochen nach der Behandlung durchgeführt, ebenso wie eine Messung des pH-Wertes im Scheidenmilieu.

Im Vergleich zur Placebo-Creme führte die Fenchelcreme sowohl zu einer der Verbesserung zytologischen Parameter als auch zu einer signifikanten Verminderung der Symptome. Keine der 30 Frauen in der „Fenchelcreme-Gruppe“ litt nach der 8-wöchigen Behandlung unter Juckreiz oder Trockenheit, lediglich eine Probandin berichtete von leichtem Brennen und zwei von Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Der pH-Wert, der vor der Behandlung bei allen Frauen über pH 5 lag, war am Schluss der Behandlungsphase bei allen Frauen in der Fenchelcremegruppe tiefer als pH 5.

In der Kontrollgruppe dagegen erfuhren die Studienteilnehmerinnen nur eine leichte Besserung mancher Symptome, der pH-Wert und die zytologischen Werte veränderten sich im Vergleich zu den Ausgangswerten nur geringfügig.

In keiner der beiden Gruppen zeigten sich unerwünschte Nebenwirkungen durch die Anwendung der Cremes.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/fenchelcreme-gegen-scheidentrockenheit.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26617271

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist eine Überraschung, weil Fenchel in der Phytotherapie bisher hauptsächlich zur Linderung von Verdauungsstörungen und als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt wird. Im Zusammenhang mit Scheidentrockenheit taucht Fenchel bisher nicht auf. Allerdings zeigen Inhaltsstoffe des Fenchels im Labor östrogene Eigenschaften und das dürfte auch der Hintergrund dieser Studie sein.

Die untersuchte Fenchelcreme ist bisher nicht im Handel erhältlich und leider ist aus dem Abstract nicht ersichtlich, welche Art von Fenchelzubereitung genau verwendet wurde. Eigentlich müsste Fenchelöl in einer Basiscreme passen, da die östrogenen Inhaltsstoffe Bestandteil dieses ätherischen Öls sind. Zu klären wäre dann allerdings die adäquate Konzentration. Bis auf der Basis dieser Studie ein Präparat mit belegter Wirksamkeit und geprüfter Verträglichkeit vorliegt, dürfte es also noch einige Forschungsanstrengungen brauchen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Thymian als Antibiotikum bei Infekten?

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Unter dem Titel „Pflanzliche Antibiotika bei Infekten & Co“ berichtet die „Carstens-Stiftung“ über Alternativen zu Antibiotika aus der Phytotherapie.

Das ist ein sehr interessantes Thema und die „Carstens-Stiftung“ weißt zu Recht auf die grossen Probleme hin, die der leichtfertige Einsatz von Antibiotika mit sich bringt. Die Antibiotika-Resistenzen nehmen weltweit dramatisch zu:

„Das ist auch der Grund, warum jedes Jahr Hunderttausende in Krankenhäusern an Infekten sterben, die durch antibiotikaresistente Keime verursacht werden, und die Zahl der resistenten Bakterien nimmt stetig zu. Die Wissenschaftler forschen weltweit nach Alternativen und finden diese in der Natur.“

Der Artikel stellt dann beispielhaft „einige pflanzliche Antibiotika“ vor, „deren Wirkung wissenschaftlich zum Teil nachgewiesen werden konnte.“

Von diesen Beispielen möchte ich hier den Abschnitt über Thymian herausgreifen und kommentieren:

„Wissenschaftler wiesen die keimtötende Wirkung von Thymian in einer Versuchsreihe mit Streptococcus pyogenes nach. Diese Bakterien sind Hauptverursacher von Mandelentzündungen. Durch die Zugabe von Thymian verringerte sich ihre Zahl drastisch. Der Effekt ist nahezu vergleichbar mit dem eines Antibiotikums wie Amoxicillin. In einer weiteren Studie fanden Forscher heraus, dass Mundspülungen, die Thymian enthielten, ebenfalls die Zahl der schädlichen Bakterien stark dezimieren und so Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches lindern. Auch bei Bronchitis, Husten, fieberhaften Infekten und Grippe kann Thymian helfen: Das ätherische Öl des Thymians löst sogar festsitzenden Schleim in den Atemwegen, wirkt schmerzstillend, entzündungshemmend, krampflösend und schweißtreibend. Thymian gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen: als Öl, Körperöl, Pastillen, Saft, Tropfen, Erkältungsbad, Salbe oder Tee.“

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/pflanzliche-antibiotika-bei-infekten.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin mit der Stossrichtung dieser Beschreibung einverstanden. Thymian zeigt in vielen Experimenten gute Wirkungen gegen Bakterien.

Allerdings ist diese Aussage recht ungenau. Bei dieser „Versuchsreihe mit Streptococcus pyogenes“ und beim Vergleich mit dem Antibiotikum Amoxicillin handelt es sich um Untersuchungen im Labor. Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit wurde dabei nicht „Thymian“ (als Thymiankraut) zugegeben, sondern das ätherische Thymianöl oder sein Hauptbestandteil Thymol – und das ist ganz und gar nicht das selbe wie „Thymian“, weil die Konzentration der antibakteriellen Wirkstoffe dadurch viel höher ist. Wenn da also zur Wirkung gegen Streptococcus pyogenes geschrieben steht: „Durch die Zugabe von Thymian verringerte sich ihre Zahl drastisch“, so ist das irreführend.

Auch die Aussage: „Der Effekt ist nahezu vergleichbar mit dem eines Antibiotikums wie Amoxicillin“, ist heikel, wenn nicht klar gesagt wird, dass es sich um ein Experiment im Reagenzglas mit Thymianöl oder Thymol handelt. Leserinnen und Leser ziehen dann nämlich möglicherweise den Schluss, dass Thymian bei Infektionen im menschlichen Organismus „nahezu vergleichbar“ mit dem Antibiotikum Amoxicillin wirkt. Dann könnte man auch auf die Idee kommen, bei einer Infektion Amoxicillin durch Thymiantee zu ersetzen. Es gibt aber keinerlei Hinweise darauf, dass „Thymian“ systemisch gegeben bei einer Infektion antibiotisch wirkt. Im Labor an Bakterienkulturen lassen sich mit vielen ätherischen Ölen eindrückliche antibakterielle Effekte zeigen. Dort trifft das ätherische Thymianöl direkt mit den Bakterien zusammen – face to face quasi. Die Situation im „Biotop“ Mensch sieht aber sehr anders aus. Bereite ich mir einen Thymiantee, geht schon mal nur ein Teil des wasserscheuen ätherischen Öls ins Teewasser über.

Wird dann trotzdem ätherisches Öl aus dem Verdauungstrakt aufgenommen, passiert es zuerst die Leber und wird dort möglicherweise umgebaut, damit die Nieren es ausscheiden können. Unwahrscheinlich, dass auf diesem Weg Konzentrationen im Organismus erreicht werden, die systemisch antibakteriell wirken und mit Amoxicillin vergleichbar sind.

Denkbar ist eine systemische antibakterielle Wirkung, wenn ätherische Öle konzentriert in magensaftresistenten Kapseln eingenommen werden, zum Beispiel als Gelomyrtol / Gelodurat, einer Kombination von Eukalyptusöl mit verschiedenem anderen ätherischen Ölen. So können relevante Mengen an ätherischem Öl peroral zugeführt werden. Dass davon ein gewisser Teil die Leber „übersteht“ zeigt sich darin, dass nach der Einnahme die Atemluft nach Eukalyptusöl riecht. Eine antibakterielle Wirkung in den Atemwegen ist so denkbar, vielleicht sogar eine antibakterielle Wirkung in den Harnwegen, wenn Bestandteile des ätherischen Öls dort ausgeschieden werden (das ist aber reine Spekulation). Aber auch bei der hochdosierten Einnahme von ätherischem Öl in Kapselform dürfte eine antibakteriell wirksame Konzentration nur in den Ausscheidungswegen (Atemwege, vielleicht Harnwege) erreichbar sein, nicht systemisch im ganzen Organismus.

Denkbar sind zudem antibakterielle Wirkungen von Thymianöl bei Anwendung als Inhalation.

Fazit: Viele ätherische Öle zeigen antibakterielle Wirkung, doch braucht es dazu eine gewisse Mindestkonzentration, die wohl nur erreicht wird bei örtlicher Anwendung auf Haut oder Schleimhaut. Wie Thymianöl im ganzen Körper antibiotisch gegen Infekte wirken soll, ist unklar.

Die Phytotherapie schreibt dem Thymian eine auswurffördernde Wirkung bei Husten zu. Auch hier ist es aber entscheidend, eine wirksame Anwendungsform einzusetzen.

Der Nutzen einer Anwendung von Thymian bei „fieberhaften Infekten und Grippe“, wie sie der Text empfiehlt, ist unklar. Was soll damit erreicht werden? Bekämpfung der Grippeviren oder Rhinoviren? Thymianöl wirkt zwar im Labor auch gegen Viren (z. B. gegen Herpes-Viren), doch stellt sich auch die Frage, ob eine wirksame Konzentration im ganzen Organismus erreicht werden kann. Das ist eher fraglich….

Und eine schweisstreibende Wirkung von Thymian taucht in der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends auf.

 

Meiner Ansicht nach wäre es klarer, im Zusammenhang mit Heilpflanzen-Anwendungen von antimikrobiellen, antibakteriellen, antimykotischen oder antiviralen Mitteln zu sprechen, aber nicht von „pflanzlichen Antibiotika“. Dieser Begriff ist mir zu aufgeplustert und weckt falsche Erwartungen. Seht her, wir haben auch Antibiotika aus der Natur, ganz sanfte, ohne Nebenwirkungen und Resistenzbildung…..

Das schliesst aber nicht aus, dass man in bestimmten, begrenzten Bereichen Antibiotika durch antibakterielle Heilpflanzen-Anwendungen ersetzen kann und vielleicht manchmal auch soll. Die Grenzen sollten jedoch auch abgesteckt werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

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Knoblauch wird seit sehr langer Zeit als Kulturpflanze und Heilpflanze verwendet. Er soll nach weit verbreiteter Überzeugung vor Erkältungen schützen. Begründet wird diese Ansicht mit der langen Tradition und mit Laboruntersuchungen, in denen Knoblauch sich gegen Bakterien und Viren wirksam zeigte.

Nun kann sich Tradition aber auch irren. Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Und was im Labor Viren und Bakterien tötet, kann das nicht zwingend auch im lebenden Organismus.

Mit Stand vom 7. August 2014 fanden die Cochrane-Forscher acht Studien zur Wirksamkeit von Knoblauch gegen Erkältungen, wovon aber nur eine die Kriterien für den Review erfüllte. An dieser Studie nahmen 146 Versuchspersonen über drei Monate teil. Die Hälfte der Probanden bekam während dieses Zeitraums ein Placebo, die andere Hälfte eine Knoblauchtablette. Die Probanden führten zudem ein Tagebuch, wenn sie Erkältungssymptome bei sich feststellten.

 

Hauptresultate

Die eingeschlossene Studie kam zu dem Resultat, dass die Versuchspersonen, die über drei Monate hinweg täglich eine Knoblauchtablette schluckten (anstelle eines Placebos), seltener an einer Erkältung litten. Im Einzelnen traten in den drei Monaten in der Knoblauchgruppe 24 Erkältungen auf, in der Placebogruppe dagegen waren es 65. Wenn die Probanden eine Erkältung hatten, war die Krankheitsdauer in beiden Gruppen ähnlich (4,63 bzw. 5,63 Tage).

Mehr Probanden aus der Knoblauchgruppegruppe (vier) als aus der Placebogruppe (einer) bemerkten einen Geruch beim Aufstoßen (nicht ganz unerwartet, M.K.).

Die Forscher halten es daher für möglich, dass die Verblindung der Versuchspersonen nicht genügte. Sie können also gemerkt haben, ob sie der Knoblauchgruppe oder der Placebogruppe zugeteilt sind.

Ansonsten beurteilen die Wissenschaftler die Studie aber recht positiv.

Andere mögliche Biasquellen (systematische Verzerrungen der Resultate) waren ihrer Ansicht nach gut kontrolliert. Die einzige eingeschlossene Studie sei für die Fragestellung des Reviews von direkter Bedeutung. Auch wenn es sich um eine kleine Studie handle, reiche die Teilnehmerzahl aus, um genaue und verlässliche Resultate zu liefern. Die Forscher fanden auch keine Hinweise darauf, dass die Resultate selektiv berichtet wurden. Grundsätzlich bestehe diese Möglichkeit allerdings, da die Endpunkte offenbar nicht im Voraus bestimmt wurden.

Da für Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln ein finanzieller Anreiz bestehe, positive Studien zu präsentieren, sei es möglich, dass Studien, in denen Knoblauch keine Wirkung zeigte, gar nicht erst publiziert wurden. Insgesamt sei die Qualität der Evidenz (Belege) moderat.

Die Forscher gehen auch auf unerwünschte Nebenwirkungen der Knoblauchtherapie ein.

Zu den möglichen unerwünschten Nebenwirkungen zählten in dieser kleinen Studie Geruchsbildung und Hautausschlag. Die Wissenschaftler merken an, dass weitere Informationen über die möglichen Nebenwirkungen von Knoblauch benötigt werden.

Quelle:

http://www.cochrane.org/de/CD006206/knoblauch-gegen-grippale-infekte

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD006206.pub4/abstract;jsessionid=8F284CF01EF34947272F580DC88820DB.f03t04

 

Kommentar & Ergänzung:

Mich hat überrascht, dass die Cochrane-Collaboration eine Metaanalyse macht zur Wirksamkeit von Knoblauch gegen Erkältungen. Knoblauch-Forschung dreht sich meistens um Themen im Bereich Herz-Kreislauf – Stichwort Bluthochdruck, Cholesterinspiegel, Verbesserung der Blutfliesseigenschaften. Traditionell wird Knoblauch zwar schon seit langen bei Infektionskrankheiten eingesetzt – früher sogar bei Pestepidemien. Die Forschung in diesem Bereich beschränkt sich aber meistens auf Experimente im Labor, bei denen sich immer wieder interessante antimikrobielle Wirkungen von Knoblauch zeigen. Kontrollierte Studien an Menschen, die solche Wirkungen quasi auch im lebenden Biotop zeigen, sind aber selten (und viel aufwendiger).

Immerhin hat die Cochrane-Forschergruppe acht Studien zu dieser Frage gefunden.

Die Cochrane-Collaboration versucht solche Fragen mit Metastudien zu klären. Dazu werden alle Studien zu einer bestimmten Fragestellung ausgewertet, die vorgängig festgelegten Qualitätskriterien genügen. Das Resultat der Metastudie soll verlässlicher sein als Einzelstudien, bei denen immer mit irgendwelchen Verzerrungen zu rechnen ist.

Dumm natürlich nur, wenn von den acht gefundenen Knoblauchstudien nur eine den Qualitätskriterien genügt. Mit einer Studie allein lässt sich keine Metastudie machen.

Aber immerhin: Diese eine Studie schätzen die Forscher von der Qualität her nicht allzu schlecht ein. Und die Ergebnisse sind durchaus bemerkenswert. Nötig wäre nun eine zweite qualitativ gute Studie, die das Ergebnis bestätigt.

Die Forscher sprechen im übrigen mit der fraglichen Verblindung ein Problem an, das wohl alle Knoblauchstudien betrifft. Verblindung ist ein Kernpunkt aller kontrollierten Studien: Die Probanden dürfen nicht wissen, ob sie zur Placebogruppe gehören oder das zu testende Mittel (Verum) bekommen. Gute Studien werden sogar doppelt verblindet: Auch die beteiligten Ärzte dürfen nicht wissen, ob sie in der Studie einem bestimmten Patienten Placebo oder Verum verabreichen.

Funktioniert die Verblindung nicht, kann das Ergebnis deutlich verfälscht werden.

Wird Knoblauch in einer wirksamen Dosis verabreicht, merken das aber in der Regel sowohl die Testpersonen als auch die beteiligten Ärzte am Geruch.

Die mangelhafte Verblindung kann man in diesem Fall jedenfalls nicht den Forschern zum Vorwurf machen. Sie liegt quasi in der Materie begründet.

Die in der Studie untersuchte Knoblauchtablette enthielt übriges 180 mg Allicin (= Knoblauchwirkstoff) und wurde einmal täglich eingenommen. Frische, unverletzte Knoblauchzwiebeln enthalten 0,5 bis 1,3% Allicin. Dreisatz….

100 g Knoblauch enthalten 500 mg bis 1300 mg Allicin.

Wieviel frischen Knoblauch braucht es, um 180 mg Allicin zuzuführen?

Nach meiner Rechnung: 36 g (bei Gehalt 0.5 %) bis 14 g (bei Gehalt 1,3%).

Das ist ja nicht gerade wenig und könnte möglicherweise soziale Nebenwirkungen verursachen……

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Äpfel, Salat und Minzblätter reduzieren Knoblauchgeruch

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Schon ein Apfel oder etwas Kopfsalat als Nachtisch vermindern den Knoblauchgeruch in der Atemluft deutlich, wie ein Experiment gezeigt hat. Sie enthalten Enzyme und Phenole, die die ungewünschten Geruchsstoffe zerstören.

Für ihre Untersuchung gaben Rita Mirondo und Sheryl Barringer von der Ohio State University in Columbus den Testpersonen zunächst drei Gramm Knoblauchzehen zum Kauen. Unmittelbar anschliessend sollten die Probanden andere Nahrungsmittel konsumieren, darunter Äpfel, Salat und Minzblätter, die jeweils roh, gekocht oder als Saft zubereitet waren. Außerdem untersucht wurden Grüntee und als Kontrolle Wasser.

Um herauszufinden wie sich dieser Nachtisch auf den Mundgeruch auswirkt, untersuchten die Wissenschaftler die Ausatemluft der Versuchspersonen auf verschiedene Disulfide und Mercaptan – die Stoffe, die den charakteristischen Knoblauchatem ausmachen.

Die Resultate zeigten, dass roher Apfel, Salat und Minzblätter die flüchtigen Substanzen in der Atemluft bereits 30 Minuten nach dem Verzehr um mindestens 50 Prozent verminderten. Die Minzblätter überdeckten die Geruchsstoffe am wirksamsten.

Sheryl Barringer rät deshalb:

„Wenn jemand sich Gedanken um den Knoblauchatem macht, würde ich deswegen sagen: Iss rohe Äpfel oder rohe Minze. Beide wirken sehr effektiv gegen den Mundgeruch.“

Auch Apfelsaft und Minzsaft reduzierten zwar die unangenehmen Geruchsstoffe, allerdings war der Effekt geringer als beim Kauen von rohem Apfel oder Minze. Gekochte Äpfel und gekochte Salatblätter verbesserten den Atem ebenfalls.

Nur der Grüntee zeigte als einziges getestetes Lebensmittel keinen Effekt auf den Knoblauchatem.

Die Wissenschafter nehmen an, dass zwei Mechanismen den Knoblauchgeruch überdecken.

Erstens Enzyme aus dem rohen Obst und Gemüse, die helfen, die Geruchsstoffe zu zerstören. Zweitens Polyphenole, die im rohen und erhitzten Obst und Gemüse enthalten sind und dafür sorgen, dass die flüchtigen Verbindungen des Knoblauchs zerstört werden.

Das erklärt auch, weshalb die rohen Nahrungsmittel am wirksamsten gegen Knoblauchatem helfen: Sie enthalten sowohl die Enzyme als auch die Polyphenole.

Als nächsten Schritt wollen die Forscher noch intensiver nach den optimalen Typen von Phenolen, den Wirkstoffmengen und den Enzymen suchen. Denn dann könnte man zum Beispiel eine Pille zur Reduktion des Knoblauchgeruchs herstellen.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-20661-2016-09-26.html

Journal of Food Science, 2016 (doi: 10.1111/1750-3841.13439)

Institute of Food Technologists (IFT), 26.09.2016

Hier geht’s zur Originalpublikation mit weiteren interessanten Informationen über die Knoblauchgeruchsstoffe (englisch):

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1750-3841.13439/full

 

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch ist nicht nur ein wichtiges Gewürz, sondern auch eine sehr alte Kulturpflanze und Heilpflanze. Wegen dem starken Duft und wohl auch seinen antimikrobiellen Eigenschaften wurde Knoblauch früher gegen Infektionskrankheiten eingesetzt. Heute kommt er vor allem im Bereich des Kreislaufs zur Anwendung. Er soll eine mild blutdrucksenkende und mild cholesterinsenkende Wirkung haben und die Thrombozytenaggregation hemmen (Verbesserung der Blutfliesseigenschaften).

Das braucht aber Anwendung über längere Zeit und in ziemlich hohen Dosen, was auch geruchlich bedingte soziale Nebenwirkungen auslösen kann (Einsamkeit!).

Darum ist es natürlich sehr interessant, wenn Möglichkeiten erforscht werden, um den Knoblauchgeruch zu vermindern. Aber: Es spricht viel dafür, dass die schwefelhaltigen Substanzen, die den Knoblauchgeruch auslösen, auch wesentlich für die Wirksamkeit verantwortlich sind. Isst man Knoblauch aus kulinarischen Gründen, man eine Reduktion des Knoblauchgeruchs in der Atemluft erwünscht sein. Nimmt man den Knoblauch aber als Heilpflanze ein, könnte eine Reduktion des Knoblauchgeruchs durch Reduktion der schwefelhaltigen Substanzen auf Kosten der Wirksamkeit gehen.

Es spricht viel dafür, dass man um den Knoblauchgeruch nicht herum kommt, wenn man von der Knoblaucheinnahme eine Heilwirkung erwartet. Gegen die sozialen Nebenwirkungen hilft dann wohl am ehesten „Familientherapie“).

Bei den im Text erwähnten Minzblättern handelt es sich übrigens um „spearmint leaves“ (Mentha spicata), zu deutsch Krauseminze oder Grüne Minze). Sie ist eine der bekanntesten Minzen-Arten überhaupt und Basis für zahlreiche industrielle Produkte, wie beispielweise Zahnpasten, Kaugummis (Spearmint) und Süßigkeiten. Krauseminze enthält im ätherischen etwas 50% Carvon und unterscheidet sich damit fundamental von ätherischen Öl in der Pfefferminze, das hauptsächlich aus Menthol besteht. Carvon ist auch der Hauptbestandteil von Kümmelöl.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=6

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moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=15

 

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Weidenröschen bei gutartiger Prostatavergrösserung

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Das „Weidenröschen“ wird in der Pflanzenheilkunde empfohlen als Mittel gegen die Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie, BPH), wobei in Apotheken und Drogerien oft ausdrücklich das „Kleinblütige Weidenröschen“ (Epilobium parviflorum) verlangt wird.

Mag. pharm. Dr. Siegrun Gerlach hat in der Zeitschrift „PHYTO Therapie“ (2/2016) der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie interessante Informationen dazu publiziert, von denen ich hier einige weitergeben möchte, ergänzt mit eigenen Bemerkungen.

Das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der Europäischen Arzneimittelbehörde (European Medicines Agency – EMA) hat im November 2015 die Monographie „Epilobium angustifolium L. und/ oder Epilobium parviforum Schreb., herba“ veröffentlicht.

Die Publikation einer Monographie bedeutet die Anerkennung als traditionell verwendete Heilpflanze und damit die Möglichkeit einer Registrierung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel in der EU (traditionelle pflanzliche Arzneimittel sind vom Wirkungsnachweis befreit).

Die Empfehlung von gezielt kleinblütigen Arten ist auf die österreichische Kräuterbuchautorin Maria Treben zurück zu führen, die allerdings bei der Bestimmung der Weidenröschenarten nicht sehr genau war. So ist nicht klar, ob sie wirklich die botanische Art „Kleinblütiges Weidenröschen“ (Epilobium parviflorum) empfehlen wollte oder einfach alle kleinblütigen Weidenröschenarten.

Eine Diplomarbeit an der Universität Wien (Lachinger 2004) konnte in der Zwischenzeit aufzeigen, dass die Inhaltsstoffe und deren Konzentration der in Österreich vorkommenden Weidenröschenarten vergleichbar sind.

Die von Maria Treben getroffene Unterscheidung der „kleinblütigen“ Weidenröschenarten als wirksam und der „großblütigen“ als unwirksam lässt sich nach diesen Resultaten nicht nachvollziehen.

Auf der Suche nach wirksamen Inhaltsstoffen der Weidenröschen glaubte man in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts bei den Flavonoiden fündig geworden zu sein. Das sind in Epilobium parviflorum und verwandten Weidenröschenarten:

Quercetin, Myricetin und Kämpferol, sowie die entsprechenden Glykoside, in Mengen von 1 – 2 Prozent. Als Prostaglandinsynthese-Hemmer können diese Inhaltsstoffe potenziell entzündungshemmend wirken.

Das Institut für Pharmakognosie der Universität Graz beschäftigte sich ausgiebig mit der Flavonoidfraktion aus Weidenröschenarten. Hiermann et al. stellten im Labor fest, dass Myricetin-3-O-glucuronid aus Epilobium bis zu 500mal stärker entzündungswidrig wirkt als der synthetische Wirkstoff Indomethacin.

Als weitere Inhaltsstoffe wurden in Weidenröschen bis zu 0,55 Prozent Phytosterole (β-Sitosterol, Sitosterolglucoside und Sitosterolester) gefunden. Diese Stoffgruppe gilt als wirksamkeitsmitbestimmend bei der Anwendung von Kürbissamen, Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzel bei der gutartigen Prostatavergrösserung, was eine Anwendung von Weidenröschen bei der gleichen Indikation plausibel erscheinen lässt.

Einige Jahre später wurde dann die erste Arbeit publiziert, in der Oenothein A und B als Wirkstoffe vorgestellt wurden (Lesuisse et al., 1996).

Diese Gallussäurederivate (hydrolysierbare Tannine), strukturell in die Gruppe der Gerbstoffe einzuordnen, lassen sich in Mengen von 4 – 14 Prozent in Epilobium finden. In der Studie wurden verschiedene Inhaltsstoff-Fraktionen aus Weidenröschen hinsichtlich ihrer 5α-Reductase- Hemmwirkung getestet, wobei sich Oenotheine als die wirksamsten Substanzen erwiesen. 5α-Reductase- Hemmer sind etablierte Medikamente bei gutartiger Prostatavergrösserung (z.B. Finasterid, das aber beträchtliche Nebenwirkungen haben kann).

Oenotheine wurden weiter im Labor (=in vitro) untersucht. Dabei zeigte sich, dass sie nicht nur 5α-Reductase-Hemmstoffe sind, sondern in vitro auch Aromatase-Hemmstoffe.

Die Kombination der Prostaglandinsynthese-Hemmung durch Flavonoide mit der 5α-Reductase- und Aromatase-Hemmung durch Oenotheine macht den Einsatz von Weidenröschen bei benigner Prostatahyperplasie plausibel.

Die Autorin Siegrun Gerlach geht in ihrem Beitrag abschliessend noch auf Hürden für eine zukünftige Vermarktung von Weidenröschen ein:

„1. Ist nur die Anwendung als Tee traditionell belegt. „Weidenröschenextrakt“ als Basis einer galenischen Zubereitung würde, vielen europäischen Zulassungsbehörden zufolge, eine Vollzulassung mit klinischen Studien bedeuten und somit (weil teuer) unrentabel wer- den. Und 2.: Ob der Name „Weidenröschen“ sich gut als Männerarznei vermarkten ließe, wurde schon angezweifelt.“

Neben Kürbissamen, Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzel stellt die Anwendung von Weidenröschenkraut nach Ansicht der Autorin eine interessante Option bei der Behandlung der BPH dar und bereichert den pflanzlichen Arzneischatz.

Quelle:

PHYTO Therapie 2|16

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0216.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Am interessantesten ist für mich die Bestätigung, dass die Inhaltsstoffe der verschiedenen Weidenröschenarten sich nicht wesentlich unterscheiden. Damit ist es plausibel, dass auch das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) verwendet werden kann, wenn Weidenröschentee gewünscht wird. Das Schmalblättrige Weidenröschen ist zudem häufiger und eindeutiger zu bestimmen als das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum).

Zum Schmalblütigen Weidenröschen beschreibt Siegrun Gerlach im übrigen eine interessante Anwendung als Tee in östlichen Ländern:

„Die frischen oder getrockneten Blätter des Schmalblättrigen Weidenröschens (Epilobium angustifolium) wer- den besonders in östlichen Ländern zur Bereitung eines wohlschmeckenden Tees verwendet (Koptischer Tee, Ivans Tee, Kapor Tee), der u. a. auch zur Behandlung von gastrointestinalen Beschwerden empfohlen wird.“

Bezüglich der Wirksamkeit von Weidenröschentee bei gutartigen Prostatabeschwerden überzeugt mich der Artikel allerdings nicht.

Maria Treben ist keine verlässliche Empfehlerin. Ihre Bücher sind voll von falschen, unsinnigen und gefährlichen Angaben.

Und die Resultate der Laboruntersuchungen zu den Inhaltsstoffen sind zwar interessant, sagen aber wenig Handfestes aus. Schön, wenn Flavonoide in vitro (= im Reagenzglas) entzündungswidrig wirken. Aber werden sie bei peroraler Anwendung auch in relevanter Menge aufgenommen in den Körper und erreichen sie in der Prostata wirklich eine Konzentration, die Entzündungen hemmt?

Desgleichen bei den Oenotheinen als 5α-Reductase-Hemmstoffe und Aromatase-Hemmstoffe – im Labor. Und wenn Oenotheine strukturell zu den Gerbstoffen gerechnet werden, dann ist es wohl nicht unwesentlich, dass Gerbstoffe im Allgemeinen kaum resorbiert werden.

Zum Gehalt an Phytosterolen in den Weidenröschen ist anzumerken, dass er mit bis zu 0,55% verhältnismässig gering ist (Kürbissamen: etwa 1 %). Laut klinischen Studien braucht es als Initialtherapie bei BPH 60mg Phytosterol pro Tag und für Langzeittherapie 30 mg pro Tag. Rechnet man mit diesen bis zu 0,55 Prozent, hat es 60 mg Phytosterole in rund 11 g Weidenröschenkraut und 30 mg in rund 5,5 g.

Die Monografie des Monografie des HMPC gibt als Tagesdosis an: 1,5 – 2,0 g Weidenröschenkraut / 250 ml Wasser als Aufguss, 2 x täglich, 1 Teelöffel entspricht rund 0,8 g.

Damit kommt man nicht ganz auf die 5,5 g Weidenröschenkraut, in denen die für Langzeittherapie nötigen 30 mg Phytosterole grundsätzlich vorhanden sein sollten. Aber: Phytosterole sind kaum wasserlöslich. Sie werden nicht oder nur zu einem sehr kleinen Teil ins Teewasser übergehen. Daher ist es fragwürdig, bei einer Heilpflanze, die als Kräutertee angewendet wird, mit Phytosterolen zu argumentieren.

Dazu kommt noch: Bei normaler, westeuropäischer Ernährung werden täglich 160–360 mg an Phytosterolen aufgenommen. Ob da eine zusätzliche Gabe von 30 mg noch einen Einfluss ausübt, kann als fraglich angesehen werden.

Fazit: Über die Wirksamkeit von Weidenröschentee gegen gutartige Prostatavergrösserung lässt sich so gut wie nichts Sicheres aussagen. Entscheidend wäre die Bestätigung der Wirksamkeit in klinischen Studien mit BPH-Patienten. Solche Studien gibt es aber nicht. Und leider – Siegrun Gerlach spricht das in ihrem Text an – wird es sie auch wohl kaum je geben. Für nicht patentierbare Arzneimittel wie Weidenröschentee und Weidenröschenextrakt lohnt es sich für keine Firma, mit der grossen Kelle in Forschung zu investieren.

Aber das ist natürlich ein Fazit, das kaum jemand hören will.

Dass Männer den Weidenröschentee aufgrund des Namens ablehnen, kann ich mir nicht recht vorstellen. Nicht ganz einfach dürfte es dagegen sein, ältere Männer dafür zu motivieren, 2 – 3 mal täglich eine Tasse Kräutertee zu trinken – und das über 6 bis 12 Monate. Die Studien mit pflanzlichen Prostatamitteln haben nämlich gezeigt: Falls sich eine Wirksamkeit besser als Placebo feststellen lässt, zeigt sich der Unterschied erst nach 6 bis 12 Monaten.

Ich selber würde bei Prostatabeschwerden wohl am ehesten Kürbissamen einnehmen, weil sie neben einer möglichen Linderung auch ein gesunder Bestandteil für die Ernährung sind. Als pflanzliches Arzneimittel würde ich ein Kombipräparat mit Brennesselwurzel & Sabalfrüchten (Prostagutt) in Betracht ziehen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Verschwiegene Nebenwirkungen medizinischer Therapien

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Wer bei medizinischen Behandlungen nach unerwünschten Wirkungen sucht, sollte sich nicht nur auf veröffentlichte Informationen verlassen. Ergiebiger sind Daten aus anderen Quellen.

Wir hören und lesen den Standardsatz immer wieder:

«Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.»

Dieser Spruch suggeriert, dass die unerwünschten Wirkungen von Arzneimitteln, Medizinalprodukten und chirurgischen Prozeduren genügend bekannt sind. Das sind sie jedoch keineswegs, wie etliche Studien in den letzten Jahren belegt haben. NZZ online berichtet über eine neue Studie aus England, die zeigt, wie gross das Problem ist.

Für ihre Untersuchung durchsuchten Su Golder von der University of York und ihr Team elektronische Datenbanken und andere Informationsquellen nach Studiendaten zu Nebenwirkungen von Therapien. Dabei unterschieden sie zwischen veröffentlichten Informationen, wie sie in publizierten Studien erscheinen, und nichtpublizierten Angaben auf Websites, von Konferenzen, von der Industrie, den Behörden etc.

Beträchtliche Diskrepanz zwischen verschiedenen Datenquellen

Das Resultat der Untersuchungen zeigt, dass die beiden Datenquellen (publiziert vs. nichtpubliziert) eine andere Sprache sprechen. So wurden in den veröffentlichten Informationen bei derselben medizinischen Intervention generell deutlich weniger Nebenwirkungen aufgeführt als in den (unzensurierten) nichtveröffentlichten Angaben. Die Diskrepanz war dabei so gross, dass ohne die unveröffentlichten Quellen häufig 40 bis 80 Prozent der Informationen verpasst worden wären.

Dass unter solchen Voraussetzungen Übersichtsartikel (Metaanalysen), die nur auf veröffentlichten Studiendaten basieren, das Ausmass der Nebenwirkungen regelmässig unterschätzen, ist offensichtlich. Die Studie aus England verdeutlicht laut den beteiligten Wissenschaftlern, wie wichtig es ist, dass die pharmazeutische und medizinaltechnische Industrie alle medizinischen Daten zu ihren Medikamenten und Behandlungsverfahren vollständig öffentlich zugänglich macht. Ärzte und Patienten können andernfalls keinen informierten Entscheid darüber fällen, welche Behandlung im konkreten Fall die beste ist.

Quelle:

http://www.nzz.ch/wissenschaft/medizin/medizinische-therapien-verschwiegene-nebenwirkungen-ld.117924

http://journals.plos.org/plosmedicine/article?id=10.1371/journal.pmed.1002127

 

Kommentar & Ergänzung:

Ich teile das pauschale Feindbild der bösen Pharmaindustrie, wie es in Komplementärmedizin und Alternativmedizin immer wieder anzutreffen ist, überhaupt nicht. Pauschale Feindbilder dienen mehr der Festigung und Selbstvergewisserung der eigenen Position, des eigenen Lagers. Das führt zu gar nichts.

Sehr nötig ist jedoch präzise, auf Argumente gestützte Kritik an der Pharmaindustrie dort, wo sich Missstände zeigen. Und die Intransparenz von Daten in der medizinischen Forschung ist ein solcher Missstand. Das betrifft aber eben gerade nicht nur die „chemische“ Pharmaindustrie, sondern genauso die Hersteller von „alternativen“ Heilmitteln.

Der Arzt Ben Goldacre und die Organisation „Sense About Science“ in London führen schon seit längerem eine Kampagne für Transparenz in der Forschung.

Hier gibt es dazu mehr Informationen und die Möglichkeit, das Anliegen mit einer Online-Petition zu unterstützen:

Medizinische Forschung: Petition fordert volle Transparenz

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Empfehlungen zur Behandlung chronischer Venenleiden

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Schwere Beine, Krampfadern und Ödeme gehören zu den häufigsten Symptomen der chronischen Venenerkrankung. Professor Dr. Markus Stücker vom Venenzentrum des Universitätsklinikums Bochum hat auf einer Pressekonferenz des Antistax®-Herstellers Boehringer-Ingelheim in Berlin davor gewarnt, diese auf die leichte Schulter zu nehmen.

Die chronische Veneninsuffizienz (Venenschwäche) begünstige Thrombosen und Lungenembolien, sagte Stücker.

Als mögliche Auslöser dieser Venenprobleme sieht er drei verschiedene Mechanismen am Werk: eine gestörte Funktion der Venenklappen, Gefäßverschlüsse sowie eine eingeschränkte Funktion der Muskelpumpe. Insbesondere das Tragen hoher Absätze könne die Muskelpumpe beeinträchtigen, warnt der Venenexperte. In der sogenannten Spitzfußhaltung, bei der die Ferse beim Laufen nicht auf dem Boden aufsetzt, seien die Wadenmuskeln maximal verkürzt. Das vermindere den venösen Rückstrom.

Die sogenannten Besenreiser hält Stücker dagegen in erster Linie für ein kosmetisches Problem – zumindest wenn sie an der Außenseite der Oberschenkel auftreten. Im Fuß-Knöchel-Bereich können Besenreiser allerdings auf tief liegende Krampfadern hinweisen.

Treten irreversible rostbraune Verfärbungen der Haut auf, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Diese Verfärbungen seien meist auf Eiseneinlagerungen zurückzuführen und dann ein Zeichen dafür, dass das Venenleiden schon verhältnisweise weit fortgeschritten ist.

Unbehandelt könne die Veneninsuffizienz zu einem offenen Bein führen, dem Ulcus cruris venosum.

Mit den Behandlungsmöglichkeiten, die uns heute zur Verfügung stehen, müsse es dazu aber nicht mehr kommen, erklärte Stücker.

Eine der drei Säulen sei noch immer die invasive Behandlung. Früher habe man die Venen einfach gezogen. Heute könnten sie auch gelasert oder mit einem speziellen Schaum sklerosiert werden.

Die zweite wichtige Säule in der Behandlung chronischer Venenerkrankungen ist laut Stücker die Kompressionstherapie. Die Kompressionstherapie kann Ödeme ausschwemmen, die Symptome der Patienten lindern und die Muskelpumpe unterstützen. Kompressionsstrümpfe seien deutlich wirksamer als Bandagen. Um die Compliance (Mitwirkung) der Betroffenen nicht zu gefährden, rät der Experte, den Druck nicht zu hoch zu wählen. Den Druck zu erhöhen bringe nur bis zu einem gewissen Grad eine Linderung der Symptome. Alles, was darüber hinausgehe, verschlechtere das Befinden des Patienten.

Pflanzliche Ödemprotektiva als Ergänzung

Die Einnahme oraler Ödemprotektiva könne die Behandlung sinnvoll ergänzen. Diese Arzneimitttel enthalten Flavonoide wie Quercetin (Antistax®) und Oxerutin (Venoruton®) oder Triterpensaponine wie Aescin (Venostasin®). Sie unterbrechen laut Stücker den Entzündungsprozess um die Venen herum. Die Kombination aus oralen Ödemprotektiva und Kompressionstherapie sei der Kompression allein deutlich überlegen, sagt der Venenspezialist. Die Effekte hielten zudem nach dem Ende der Behandlung länger an. In einem 2013 im Fachjournal »Phlebology« publizierten Konsensuspapier hatte sich eine Expertenrunde für den Einsatz von Flavonoiden bei chronischen Venenerkrankungen ausgesprochen (DOI: 10.1177/0268355512471929).

Der Wirkeintritt dieser Venenmittel könne nach etwa acht Wochen erwartet werden. Zwar berichteten einige Patienten schon früher über eine Verbesserung ihrer Beschwerden, der kurzfristige Einsatz – zum Beispiel bei Flugreisen – bringe jedoch keinen Vorteil. Auch bei Beseneisern seien Ödemprotektiva nicht indiziert. Bei Patienten, die bereits unter einem offenen Bein litten, sollten Ödemprotektiva allenfalls ergänzend angewendet werden, empfiehlt Stücker. Er betont aber, dass die Kompressionstherapie beim offenen Bein durch nichts zu ersetzen ist. Eine orale Behandlung sei in solchen Fällen definitiv nicht ausreichend.«

Langfristiger Einsatz unbedenklich

Den langfristigen Einsatz der Ödemprotektiva bei gegebener Indikation hält er für unbedenklich. Es seien auch bei dauerhafter Einnahme keine Nebenwirkungen zu erwarten. Sehr selten komme es zu Unverträglichkeiten und über andere unerwünschte Wirkungen sei bislang nichts bekannt. Man könne aber auch nur zeitweise auf Ödemprotektiva zurückzugreifen, zum Beispiel bei Menschen, die nur in den Sommermonaten an Venenbeschwerden leiden. Dann könne eine Intervalltherapie ausreichen.

Salben und Cremes zur Behandlung von Venenbeschwerden überzeugen den Experten dagegen kaum. Er weißt zwar darauf hin, dass die Massagen und der kühlende Effekt als angenehm empfunden werden können. Für die Behandlung von Venenleiden reichen äusserlich aufgetragenen Mittel wie Venensalben und Venencremes nach Ansicht von Stücker in der Regel nicht aus.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=63110

Kommentar & Ergänzung:

Dass an einer Pressekonferenz des Antistax®-Herstellers Boehringer-Ingelheim die Flavonoide als Therapie der Wahl bei Venenleiden in den Vordergrund gerückt werden, ist nicht überraschend, weil Antistax® auf Flavonoiden basiert.

Aus meiner Sicht sind Flavonoide und Aescin (aus Rosskastaniensamen) zur Behandlung etwa gleichwertig. In der Phytotherapie wird aus der Gruppe der Flavonoide zudem das Buchweizenkraut bei Venenbeschwerden empfohlen. Es enthält das Flavonoid Rutin.

Der „Leitfaden Phytotherapie“ (2016) nennt Fertigarzneimittel mit Rosskastaniensamenextrakt als Mittel der ersten Wahl, fügt aber an, dass auch die Wirksamkeit des Extrakts aus Rotem Weinlaub (Antistax®) inzwischen klinisch gut belegt ist.

Der Text in der Pharmazeutischen Zeitung enthält wichtige Informationen. Zum Beispiel zur grossen Bedeutung der Kompessionstherapie und zur nötigen langen Anwendungsdauer der pflanzlichen Venenmittel. Die Skepsis betreffend dem Nutzen von Venensalben und Venengele teile ich voll. Meinem Eindruck nach ist es sehr fraglich, ob Flavonoide und Aescin in ausreichender Menge durch die Haut gehen. Die beliebte Rosskastaniensalbe hilft wohl mehr durch die Massage oder bei einem Venengel durch den Kühleffekt lindernd.

Erwähnt werden könnte beim Thema Venenleiden noch, dass regelmässige Bewegung vorbeugend und lindernd wirkt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zimt verbessert Lernvermögen bei Labormäusen

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Manchen Menschen fällt das Lernen einfach schwerer. Ihnen könnte möglicherweise eine Prise Zimt helfen. Hinweise in diese Richtung zeigten sich in einer neuen US-Studie mit Mäusen, in der Zimt das Lernvermögen verbessert.

Gaben die Forscher Labormäusen, die schlecht lernten, einen Monat lang zusätzlich zu ihrem Futter Zimt ins Futter, verbesserte sich ihr Gedächtnis und ihr Lernvermögen deutlich und wurde so gut wie das von schnell lernenden Mäusen.

Das berichten die Wissenschaftler um den Neurologen Kalipada Pahan von der Rush University in Chicago im Journal of Neuroimmune Pharmacology.

Auf Mäuse, die bereits schnell lernten, hatte die Zimtgabe keinen Einfluss.

Die Forscher hatten Mäuse ins Barnes-Labyrinth geschickt, eine große Arena, in die am Rand 40 Löcher gestanzt sind. In diese Löcher kann eine Maus hineinschlüpfen, doch führt nur eines der Löcher durch einen Gang in ein echtes Versteck. Die anderen Löcher enden blind und die Maus wird sich darin unwohl fühlen.

Am Rand der Arena gibt es Markierungen, damit eine Maus, wenn sie einmal das echte Versteck gefunden hat, dieses sofort wiedererkennen kann. Wird die Maus ins Labyrinth gesetzt, huscht sie rasch zum richtigen Loch.

Mit dem Barnes-Labyrinth können Forscher also Mäuse auf ihre Lernfähigkeit testen. Mäuse mit guten Lernwerten verschwinden augenblicklich im richtigen Loch. Mäuse mit Lernproblemen suchen alle Löcher ab und finden das Versteck erst nach längerer Zeit. Bei diesen Schlecht-Lerner-Mäusen war nun die Steigerung der Lernfähigkeit nach Zimtgabe signifikant.

Eine Maus, die beispielsweise 150 Sekunden brauchte, um im Barnes-Test das richtige Loch zu finden, schaffte das innert 60 Sekunden, nachdem sie einen Monat lang Zimt bekommen hatte.

Die Wissenschaftler entdeckten in weiteren Tests sogar die neurobiologischen Grundlagen für diesen Effekt. Zimt-Inhaltsstoffe werden in der Leber zu Natriumbenzoat verstoffwechselt. Diese Substanz beeinflusst offenbar den Hippocampus, einen kleinen Hirnbereich, der Erinnerungen sortiert und speichert.

Schlechte Lerner haben im Hippocampus tiefere Werte des Proteins CREB, das beteiligt ist an Erinnerung und Lernen, und höhere Werte von Proteinen, die hemmend auf diese Prozesse wirken.

Natiumbenzoat verändert die Menge dieser Stoffe in günstiger Weise und stimuliert im Hippocampus die Plastizität, also letztlich die Lernfähigkeit des Gehirns.

Ob Zimt auch die Lernfähigkeit des Menschen steigern kann, ist allerdings noch völlig offen.

Sollten sich ihre Resultate bei Menschen bestätigen, die sich mit dem Lernen schwertun, wäre dies ein bemerkenswerter Fortschritt, erklären die Forscher. Kalipada Pahan schreibt:

„Dies wäre einer der sichersten und einfachsten Ansätze, um aus schlechten Lernern gute Lerner zu machen.“

In normalen Mengen konsumiert, sind Zimt und Natiumbenzoat für den Menschen unbedenklich. Die Forscher empfehlen aber, auf die Qualität des Zimts zu achten. Billiger Cassia-Zimt, auch chinesischer Zimt genannt, enthält höhere Mengen an Cumarin, das die Leber schädigen kann. Im sogenannten Ceylon-Zimt kommt Cumarin nur in sehr geringen Mengen vor.

Quellen:

http://www.aponet.de/aktuelles/kurioses/20160715-zimt-verbessert-das-lernvermoegen.html

http://www.welt.de/gesundheit/article157299038/Wer-Zimt-isst-lernt-womoeglich-leichter.html

https://www.sciencedaily.com/releases/2016/07/160712214659.htm

http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11481-016-9693-6

DOI: 10.1007/s11481-016-9693-6

 

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich sind diese Ergebnisse sehr interessant, doch kann nicht genug betont werden, dass von Laborergebnissen und Tierexperimenten nicht einfach auf entsprechende Wirkungen beim Menschen geschlossen werden kann. Das sagen ja auch die Wissenschaftler selber in ihrer Zimtstudie. Auch die Frage, welche Dosis für Menschen nötig wäre, ist ungeklärt.

In der Originalpublikation steht einfach, dass Zimt von den Mäusen in Natriumbenzoat umgewandelt wird. Das ist natürlich vereinfacht dargestellt. Es muss ein bestimmter Inhaltsstoff von Zimt sein und bisher habe ich nicht herausgefunden, welcher dafür in Frage kommt.

Interessants gibt es aber auch zum Natriumbenzoat zu sagen:

Natriumbenzoat hemmt Bakterien und Pilze und wird daher als Lebensmittelzusatzstoff (E 211) zur Konservierung von Lebensmitteln eingesetzt.

Wikipedia schreibt zur Verträglichkeit:

«Natriumbenzoat kann Allergien wie Asthma und Nesselsucht auslösen und belastet den Leberstoffwechsel. Eine britische Studie nannte Natriumbenzoat, das als Konservierungsstoff in Colagetränken verwendet wird, neben anderen Zusatzstoffen als möglichen Auslöser für ADHS. Wörtlich heißt es in der Studie, die im britischen Medizinjournal The Lancet erschien: „Diese Ergebnisse zeigen, dass ungünstige Wirkungen nicht nur bei Kindern mit extremer Hyperaktivität (wie ADHS), sondern auch in der normalen Bevölkerung auftreten“»

Da die aus Zimt umgewandelten Mengen an Natriumbenzoat wohl doch eher klein sein dürften, kann ich mir unerwünschte Nebenwirkungen wie eine Belastung des Leberstoffwechsels auf diesen Weg nicht recht vorstellen. Für Allergien reichen allerdings schon sehr geringe Stoffmengen. Interessant ist das Zitat aus „The Lancet“ am Schluss. Da stellt sich die Frage, ob Natriumbenzoat im Gehirn durch Einwirkung auf bestimmte Proteine nicht nur günstige Wirkungen auf Lernprozesse auslösen kann, sondern in manchen Situationen vielleicht auch dysregulierend wirken könnte. Allerdings wurde in der betreffenden Lance-Studie Natriumbenzoat zusammen mit bestimmten Lebensmittelfarbstoffen untersucht, so dass nicht eindeutig ist, ob Natriumbenzoat an diesem negativen Effekt beteiligt ist und wenn ja, wie stark:

„An der Studie nahmen rund 300 Kinder teil, die in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Sie wurden gebeten, über den Zeitraum von sechs Wochen Fruchtsäfte zu trinken. Bei zwei der drei Gruppen waren die Säfte aber mit den Farbstoffen Sunsetgelb (E110), Chinolingelb (E104), Azorubin (E122) und Allularot (E129) sowie dem Konservierungsstoff Natriumbenzoat (E211) versetzt. Letzteres wird häufig Erfrischungsgetränken wie Cola beigemischt.

Die Flüssigkeiten, die den Drei- beziehungsweise Acht- bis Neunjährigen gegeben wurden, entsprachen den Forschern zufolge Getränken, die im Handel erhältlich sind. In der Untersuchung fanden die Wissenschaftler heraus, dass in beiden Altersgruppen die Kinder, die die präparierten Flüssigkeiten zu sich nahmen, unruhig wurden und leichter die Konzentration verloren.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass ungünstige Wirkungen nicht nur bei Kindern mit extremer Hyperaktivität (wie ADHS), sondern auch in der normalen Bevölkerung auftreten“, schreiben die Forscher in ihrer Studie.»

Quelle: https://web.archive.org/web/20070908220223/http://www.netzeitung.de/wissenschaft/732690.html

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ingwer: Wie eine tolle Heilpflanze unseriös als Wundermittel gegen Krebs vermarktet wird

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Angst vor Krebs, das kennen wohl die meisten Menschen mehr oder weniger ausgeprägt.

Toll also, wenn eine Website uns auf ein rein pflanzliches Krebsheilmittel hinweist, das 10 000 mal effektiver ist als Chemotherapie und das zudem noch ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Wie dankbar müssen wir dieser Website sein, die uns solch wertvolle Informationen aufdeckt, die von der bösen Pharmaindustrie natürlich unterdrückt werden.

Ingwer soll 10 000 mal effektiver gegen Krebs wirken als Chemotherapie. So verspricht es ein Webportal für Frauen, dessen Name ich lieber nicht erwähnen will, weil ich für diesen Schrott nicht noch Werbung machen möchte, und weil hunderte Websites im Netz zu finden sind, die solche oder ähnliche Versprechungen verbreiten.

Ingwer sei eine natürliche und schonende Therapie gegen bestimmte Krebsarten, vor allem gegen Brustkrebs. Wer regelmäßig Ingwer esse, könne Krebs sogar vorbeugen. Das bestätige unter anderem die Studie einer spanischen Universität.

Liest man dann, was über die erwähnte Studie geschrieben steht, wird rasch klar: Es geht dabei um Laborexperimente mit Krebszellen von Mäusen und Menschen.

Es ist einfach beelendend mit solchen Websites, die einerseits auf kritisch gegenüber der wissenschaftlichen Medizin machen, aber andererseits jedes wissenschaftliche Ergebnis aus dem Reagenzglas schamlos nutzen, um daraus ein neues Wundermittel gegen Krebs zu machen.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Wenn ein pflanzlicher Wirkstoff in Reagenzglas eine Wirkung auf Krebszellen zeigt, heisst das noch lange nicht, dass man damit auch einen Tumor im menschlichen Organismus heilen kann. Die Situation im Körper eines Krebspatienten ist um ein vielfaches komplexer als die Situation im Reagenzglas. Und es ist in diesem Stadium der Forschung immer noch eine Vielzahl von Fragen ungeklärt.

Wie gelangen die Wirkstoffe in den Körper? Werden sie aus dem Darm in genügender Menge resorbiert oder müssen sie gespritzt werden? Gelingt es, im Organismus eine wirksame Konzentration aufzubauen über die nötige Zeit? Wieviel Ingwer müsste ich täglich dazu essen und ist das realistisch?  Und besteht dann, wenn es gelingt, eine wirksame Konzentration im Organismus aufzubauen, die Krebszellen tötet, nicht auch das Risiko von Schädigungen an gesunden Zellen?

Es gibt Tausende von Naturstoffen, die im Reagenzglas eindrückliche Effekte auf Krebszellen zeigen. Und die allermeisten dieser Substanzen scheitern dann, wenn es um den Nachweis von Wirkungen im lebenden Organismus von Krebspatienten geht. Das ist zugegebener massen jedesmal enttäuschend, aber es wäre ehrlich das so zu sagen.

Stattdessen blenden die Heilstrompeter im Internet diese Begrenzungen aus und machen ihre Geschäfte mit den Ängsten und Hoffnungen von gesunden Menschen und Krebskranken.

Darum kann man nur sagen: Lasst Euch nicht an der Nase herum führen und schaut genau hin.

Das ist nötig in jedem Bereich – unabhängig davon, ob die Aussagen und Versprechungen aus den Bereichen Medizin,

Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Naturheilkunde oder woher auch sonst kommen.

Und es gilt sich immer wieder klar zu machen, dass es im Internet keine Qualitätskontrolle gibt. Jeder und jede kann dort (fast) alles publizieren. Das hat einerseits Vorteile, bringt aber auch massive Probleme mit sich.

Wer lernen will, wie sich Bullshit von Ernst zu nehmender Information unterscheiden lässt, kann das übrigens mindestens ein Stück weit in meinen Lehrgängen (Phytotherapie-Ausbildung, Heilpflanzen-Seminar).

Und Ingwer ist im Übrigen durchaus eine interessante Heilpflanze.

 

Nur damit ich jetzt nicht wieder Vorwürfe bekomme, ich sei ein „Ingwerfeind“ und von der Pharmaindustrie oder der „Krebsmafia“ gekauft – hier ein paar „positivere“ Texte zur Wirkung von Ingwer:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als „gut“ bewertet

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Ingwer-Extrakt reduziert möglicherweise den Blutzucker

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegenÜbelkeit bei Chemotherapie

Phytotherapie: Ingwer gegen Infektionen?

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Ingwer schädigt Prostatakrebszellen

(aber eben: in Laborexperimenten an Zellen und in Tierversuchen; das tönt einfach nicht so heiss wie: Ingwer heilt Prostatakrebs)

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer lindert Muskalkater

 

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

 

Huch, das reicht jetzt als Beleg, dass ich kein Ingwerfeind bin…, oder? Solche Vorwürfe kommen nämlich regelmässig, wenn man etwas kritisches über Heilpflanzen schreibt. Es gibt dann immer Leserinnen und Leser, die meinen, sie müssten die angegriffene Heilpflanze verteidigen. Das ist aber ein Missverständnis. Ich kritisiere ja nicht die Heilpflanze Ingwer, sondern die fragwürdigen bis verantwortungslosen Versprechungen, die mit ihr in die Welt gesetzt werden.

 

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Phytotherapie als Standardtherapie bei funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen

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An der Dreiländertagung Phytotherapie 2016 befasste sich Olaf Kelber in einem Vortrag mit dem Thema „Phytotherapie als Standardtherapie – Wunsch oder Wirklichkeit“.

Der geläufigen Auffassung nach liege Phytotherapie als Standardtherapie 200 Jahre zurück, in einer Zeit, als chemisch definierte Arzneimittel noch nicht erfunden waren.

Doch habe es sich durchaus als möglich erwiesen, dass pflanzliche Präparate auch heute noch zur Standardtherapie avancieren, wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind – wie insbesondere eine gute Studienlage.

Ein aktuelles Beispiel erwähnt Kelber die Therapie der funktionellen Magen-Darm-Erkrankungen:

„Als Standardtherapie hatten sich in den 80er- und 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Prokinetika durchgesetzt, also Präparate wie Cisaprid, Metoclopramid und Domperidon, die insbesondere an Serotoninrezeptoren angreifen. Im Jahr 2000 fiel hier Cisaprid, 2014 Metoclopramid und Domperidon wegen seltener schwerwiegender Nebenwirkungen weg. Das Phytopharmakon Iberogast, für das in Studien schon 1984 die Vergleichbarkeit mit Metoclopramid, 2002 mit Cisaprid gezeigt worden und das schon 1999 bzw. 2001 in die ärztlichen Leitlinien aufgenommen worden war, nimmt nun in vielen Fällen den Platz dieser Therapien ein.“

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie 2016; 37 – V02

DOI: 10.1055/s-0036-1584427

 

Kommentar & Ergänzung:

Iberogast ist tatsächlich eine Erfolgsgeschichte, was die Aufnahme in ärztliche Leitlinien betrifft. Bei Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Magen-Darm-Krämpfen, Übelkeit und Sodbrennen bewährt sich das Präparat.

Speziell an Iberogast ist seine Zusammensetzung aus neun verschiedenen Heilpflanzen:

 

Schleifenblumen-Extrakt

Engelwurz-Extrakt

Mariendistel-Extrakt

Kümmel-Extrakt

Schöllkraut-Extrakt

Süssholz-Fluidextrakt

Kamillenblüten-Fluidextrakt

Melissenblätter-Fluidextrakt

Pfefferminzblätter-Fluidextrakt

 

Das ist ungewöhnlich, weil moderne Phytopharmaka in der Regel nur noch aus 1 – 2 Heilpflanzen-Extrakten zusammengesetzt sind. Mischt man zu viele Pflanzen in ein Präparat, werden die Wirkstoffe der einzelnen Pflanzen nur noch in ungenügender Menge zugeführt. Konzentriert man sich dagegen auf einen oder wenige Bestandteile, erreicht man für die einzelnen Wirkstoffe höhere Spiegel.

Bei Iberogast funktioniert aber offenbar diese Mischung aus neun Pflanzen. Das zeigen jedenfalls klinischen Studien.

Es handelt sich dabei um eine typische Multi-Target-Therapie.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

Der Referent Olaf Kelber ist im Übrigen nicht ohne Interessensbindungen bezüglich Iberogast. Er arbeitet für den Iberogast-Hersteller Steigerwald.

Steigerwald gehört zu den bedeutenden Phytopharmaka-Herstellern in Deutschland und wurde 2013 von Bayer übernommen. Das war eine freundliche Übernahme. Die Besitzerfamilie wollte Bayer als Käufer.

Siehe dazu:

Bayer übernimmt Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald

Das Beispiel zeigt übrigens, dass es nicht die scharfe Trennlinie zwischen Naturheilmittelherstellern einerseits und der „Pharmaindustrie“ andererseits gibt.

Und es ist auch nicht so, wie es leicht verschwörungstheoretisch angehaucht oft dargestellt wird, dass die böse Pharmaindustrie die Naturheilmittel-Hersteller kaputt machen will. Die Pharmaindustrie hat keine ideologische Feindschaft gegenüber Naturheilmitteln. Sie verkauft auch Phytopharmaka, wenn sie darin ein lohnendes Geschäftsfeld sieht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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