Artikel mit Schlagwort ‘Nebenwirkungen’

Onkologie: Fatigue & Roter Ginseng

Samstag, Mai 19th, 2012

Fatigue ist eines der häufigsten und zugleich das am stärksten belastende Begleitsymptom von Krebserkrankungen und Krebstherapien. Viele Patienten leiden stärker unter der extremen Erschöpfung als unter Schmerzen. Dennoch bleibt die Fatigue oft unerkannt und untherapiert.

Fatigue zeigt sich als eine quälende Form der Erschöpfung bei Krebspatienten. Sie äussert sich durch außerordentliche Müdigkeit, mangelnde Energiereserven oder ein massiv erhöhtes Ruhebedürfnis, das in keinem Verhältnis steht zur vorausgegangenen Aktivität. Charakteristisch sind auch Leistungsschwäche und Depression. Die körperliche Erschöpfung macht die Betroffenen unfähig, ihren gewohnten täglichen Aktivitäten nachzugehen; durch die mentale Erschöpfung ist es ihnen fast unmöglich, sich zu konzentrieren und klar zu denken, und emotional fehlen Antrieb und Kreativität.

Im Gegensatz zur Erschöpfung nach einer körperlichen, geistigen oder seelischen Anstrengung beim gesunden Menschen kann selbst eine Erholungsphase oder ausreichender Schlaf diese quälenden Symptome nicht lindern.

Auch Patienten mit anderen Erkrankungen leiden an diesem Gefühl, unendlich müde zu sein. Ärzte reden dann meist von einem chronischen Erschöpfungssyndrom (engl. Chronic Fatigue Syndrome, CFS). Das ist ein eigenständiges Krankheitsbild, das von der Tumor-assoziierten Fatigue unterschieden werden muss.

Fatigue ist auch keine Depression, wobei die Abgrenzung bei chronischer tumorbedingter Erschöpfung teilweise schwierig sein kann.

Zeitweise leiden fast alle Krebspatienten unter einer Fatigue. Häufiger betroffen sind Menschen mit Leukämie, Magentumoren, Darmtumoren sowie Mammakarzinom (Brustkrebs). Während und nach einer Therapie steigt die Zahl der Betroffenen.

Hauptsächlich junge Menschen sind von Fatigue beeinträchtigt. Die Ursache dafür ist noch unklar. Möglicherweise nehmen jüngere Menschen den Unterschied zwischen ihren bisherigen Energiereserven und der durch die Krankheit verminderten Kraft deutlich stärker wahr als Ältere.

Vielfältige Triggerfaktoren

Trotz vieler Untersuchungen gibt es bislang offenbar noch kein überzeugendes pathophysiologisches Modell zur Erklärung der Fatigue. Unbestritten sei aber, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt.

Zu den wichtigen Triggerfaktoren zählen hauptsächlich die Chemotherapie und die Bestrahlung. So können die Nebenwirkungen jeder Zytostatikatherapie eine allgemeine Schwäche begünstigen. Wichtige Einflussfaktoren sind Intensität und Dauer der Therapie. Bei einer Strahlentherapie beeinflussen die Strahlendosis, die Größe der bestrahlten Region und der Ort der Behandlung die Ausprägung einer Fatigue.

Für die Betroffenen ist die Information wichtig, dass es Fälle gibt, bei denen die Ursache der Fatigue ermittelt und kausal behandelt werden kann. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass die Symptome einer Fatigue in der Regel erst drei bis vier Tage nach Ende der Chemotherapie beginnen.

Das Fatigue-Syndrom braucht wegen seiner physischen, psychischen und sozialen Dimension einen multidisziplinären Behandlungsansatz. Wegen der schlechten Datenlage und der nicht geklärten Ursachen des Fatigue-Syndroms steht die nichtmedikamentöse Behandlung der Fatigue im Vordergrund.

Hauptsächlich die körperliche Aktivität der Patienten gilt heute als einer der wichtigsten Pfeiler der Behandlung. Viele Studien belegen die Wirksamkeit eines moderaten, dosierten, an das Krankheitsstadium angepasstes Ausdauertraining.

Untrainierte Menschen sollten immer mit leichter Aktivität anfangen.

Symptomatische Behandlung der Fatigue

Zur symptomatischen Therapie einer tumorassoziierten Fatigue gibt es derzeit keine Standardbehandlung und keine zugelassenen Arzneimittel. Zum Repertoire der oft diskutierten Behandlungsansätze zählen Psychostimulanzien wie Methylphenidat (Ritalin®), der Mikronährstoff ­L-Carnitin sowie Roter Ginseng. Aufgrund der Studienlage empfiehlt die Deutsche Fatigue Gesellschaft gegenwärtig lediglich den Einsatz von Methylphenidat und Rotem Ginseng.

Methylphenidat aus der Gruppe der Weckamine soll die Konzentration fördern und die Entscheidungs- und Leistungsbereitschaft steigern. Zudem soll Methylphenidat körperliche Abgeschlagenheit und Müdigkeit unterdrücken. Mehrere kleine Phase-II-Studien belegen günstige Effekte bei Patienten mit Fatigue. In einer auf dem Deutschen Krebskongress 2012 publizierten und von der Deutschen Fatigue Gesellschaft unterstützten Studie ergab sich allerdings kein signifikanter Unterschied zu Placebo. Trotzdem befürwortet die Fachgesellschaft weiterhin die Anwendung von Methylphenidat, weil einzelne Patienten-Gruppen davon profitieren könnten. Hierzu soll vor allem die Untergruppe der Patienten zählen, die seit mehr als drei Jahren unter Fatigue leiden.

Schwere Nebenwirkungen seien nicht beobachtet worden. Auch das Risiko einer Abhängigkeit schätzt die Fachgesellschaft als sehr gering ein. Hauptsächlich jedoch zeige sich schon nach sehr kurzer Zeit, ob ein Patient auf die Behandlung anspricht.

Das schnelle Ansprechen auf die Methylphenidat-Therapie sei sehr vorteilhaft. Dagegen müsse man bei einer Therapie mit Rotem Ginseng drei bis fünf Monate warten, bevor sich die ersten Effekte zeigen. In Untersuchungen bewirkte Panax ginseng eine Verbesserung der tumorassoziierten Fatigue bei sehr guter Verträglichkeit. Auch für Panax quinquefolius (Amerikanischer Ginseng) weisen Studien auf günstige Effekte bei Patienten mit unterschiedlichen Tumorerkrankungen und Fatigue-Symptomatik hin. So ergab zum Beispiel eine Studie mit 282 Patienten, dass 1000 mg und 2000 mg Ginsengwurzelextrakt pro Tag Müdigkeit und Erschöpfung deutlich bessern konnten. Für Krebspatientinnen und -patienten, die eine naturheilkundliche Behandlung bevorzugen, kann Roter Ginseng daher eine Alternative bieten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41683&type=0

(Dieser ausgesprochen ergiebige Artikel enthält noch zusätzliche Informationen)

Kommentar & Ergänzung:

Der Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung enthält noch zusätzliche Informationen zu Diagnostik und Therapie der Fatique.

Roter Ginseng ist natürlich nur ein kleines Puzzleteil in einer umfassenden, multidisziplinären Behandlung der Fatigue.

Was genau ist Roter Ginseng?

Siehe dazu:

Zur Wirksamkeit von Ginseng: Weisser Ginseng oder Roter Ginseng?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Regelmässiges Schwimmen hilft, erhöhte Blutdruckwerte zu senken

Sonntag, Mai 13th, 2012

Bei leicht erhöhten Blutdruckwerten (120 – 139 systolisch bzw. 80 – 89 mmHg diastolisch), die als Vorstufe des Bluthochdrucks (Prähypertonie) gelten, muss bei ansonsten gesunden Menschen nicht gleich medikamentös behandelt werden.

Meist kann eine Senkung der Blutdruckwerte schon durch Lebensstil-Maßnahmen erreichen werden, wie beispielsweise durch Reduktion von Übergewicht, verminderten Salzkonsum oder regelmässigen Ausdauersport.

Auch regelmäßig zum Schwimmen gehen kann beispielsweise mithelfen, einen manifesten Bluthochdruck zu verhindern, und zudem einer Arterienverkalkung vorbeugen. Gerade für ältere oder übergewichtige, untrainierte Menschen, die häufig auch Gelenkprobleme haben,  ist Schwimmen im richtig temperierten Wasser als Sport gut geeignet.

Blutdruck-Reduktion um 10 mmHG nach zwölf Wochen

US-Wissenschaftler aus Texas konnten nun in einer Studie zeigen, dass regelmäßiges Schwimmen (drei- bis viermal die Woche jeweils 40-45 Minuten) schon nach zwölf Wochen zu einer Reduktion des arteriellen Blutdruckes um rund 10 mmHg führt, wobei sich auch die Funktion der Blutgefäße deutlich verbessert. Die Elastizität der Gefäße und ihre durch den Blutfluss vermittelte Fähigkeit, sich zu erweitern, nehmen durch das Schwimmtraining nachweislich zu. In einer Kontrollgruppe, die anstatt zu schwimmen statische Entspannungs- und Dehnungsübungen durchführte, waren solche Effekte hingegen nicht festzustellen.

Die Studie wurde publiziert im American Journal of Cardiology (Online-Vorabveröffentlichung am 16.1.2012).

Training im richtigen Pulsbereich nötig

Bei erhöhtem Blutdruck können grundsätzlich alle Ausdauersportarten günstig wirken, wenn man sie regelmäßig – das heißt mindestens dreimal wöchentlich für mindestens eine halbe Stunde – betreibt. Allerdings sollte gerade bei älteren Patienten vor Trainingsaufnahme ein erhöhtes Risiko von Sport beispielsweise durch eine Belastungsuntersuchung ausgeschlossen sein.  Zur Reduktion des Blutdrucks ist hauptsächlich das regelmäßige Training im richtigen Pulsbereich wichtig.  Den persönlichen, idealen Trainingspuls sollte man sich vom Arzt oder Trainer berechnen lassen und ihn beim Training mit einer Pulsuhr kontrollieren.

Weniger geeignet bei Prähypertonie ist ausgesprochenes Krafttraining mit schweren Gewichten. Das kann nämlich den Blutdruck in die Höhe treiben und man riskiert dabei Blutdruck spitzen, die zu vermeiden sind – vor allem wenn man dabei noch falsch atmet.

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_1236_regelm-iges-schwimmen-hilft-erh-hte-blutdruckwerte-zu-senken.html

http://www.ajconline.org/article/S0002-9149(11)03445-X/abstract

Kommentar & Ergänzung:

Bewegung ist ein zentrales Element der Naturheilkunde und eine der fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp (neben Hydrotherapie, Heilpflanzen, Ernährung und Lebensordnung).

Die Phytotherapie kennt kaum Heilpflanzen mit gut dokumentierter Wirksamkeit bei Bluthochdruck. Hinweise auf eine Blutdrucksenkung gibt es beim Knoblauch, doch braucht es dazu Dosen, die nicht selten mit sozialen Nebenwirkungen verbunden sind.

Siehe:

Phytotherapie: Knoblauch kann zur Blutdrucksenkung beitragen

Knoblauch entspannt Blutgefässe dank Schwefelwasserstoff

Interessant sind Hinweise auf eine Blutdrucksenkung durch Randensaft (Rote Beete Saft):

Randensaft (Rote Beete) senkt Blutdruck

Ausserdem interessant:

Rosinen zeigen günstige Wirkung bei leichtem Bluthochdruck

Schwarztee senkt Blutdruck

Blaue Kartoffeln reduzieren den Blutdruck

Chili-Wirkstoff Capsaicin senkt den Blutdruck

Karkadetee senkt systolischen blutdruck um 13 mmhg

Karkadetee ist interessant, weil er auch angenehm im Geschmack ist und sich daher leicht in den Alltag  integrieren lässt. Es handelt sich um Hibiscus sabdariffa.

Siehe: Blick ins Pflanzenlexikon – Hibiskus

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bei Schlafstörungen Schlafhygiene beachten

Samstag, Mai 12th, 2012

Die „Pharmazeutische Zeitung“ publizierte einen informativen Beitrag zur Behandlung von Schlafstörungen. Dabei wurden auch die wichtigsten Regeln der Schlafhygiene erwähnt:

„Regeln für einen gesunden Schlaf:

- nach dem Mittagessen kein Coffein

- Alkohol weitgehend vermeiden

- keine schweren Mahlzeiten am Abend

- regelmäßige körperliche Aktivität

- körperliche und geistige Anstrengungen abends allmählich verringern

- persönliches Einschlafritual angewöhnen

- kühles, dunkles Schlafzimmer

- Bett nur zum Schlafen oder zum Sex benutzen

- nachts nicht auf die Uhr sehen

- tagsüber nicht schlafen

- jeden Morgen zur gleichen Zeit aufstehen“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41861&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Gelegentlich mal eine schlaflose Nacht, das kennt wohl fast jeder Mensch. Das gehört wahrscheinlich einfach zum Leben und braucht nicht weiter zu beunruhigen.

Chronische Schlafstörungen sind aber etwas ganz anderes.

Erstes ist es wichtig, sie medizinisch abzuklären, weil sie durch körperliche oder psychische Erkrankungen verursacht sein können, die adäquater Behandlung bedürfen.

Zweitens ist es bei chronischen Schlafstörungen sinnvoll, das Potenzial nichtmedikamentöser Massnahmen auszuschöpfen. Dazu gehören die oben aufgeführten Regeln der Schlafhygiene.

„Hygiene“ ist hier gemeint im Sinne einer Gesundheitslehre oder Gesundheitspflege – im Sinne einer Lebensordnung (nach Sebastian Kneipp eine der fünf Säulen der Naturheilkunde), also nicht im Sinn von „sauber und keimfrei“. Hygeia oder Hygieia war in der griechischen Mythologie eine Göttin der Gesundheit. Die Tochter des Asklepios (Gott der Heilkunst) gilt als Schutzpatronin der Apotheker. Das Wort Hygiene leitet sich von ihr ab.

Drittens gibt es medikamentöse Schlafhilfen.

Synthetische Schlafmittel wirken für den Moment oft prompt und können vorübergehend eine adäquate Lösung sein.

Alle synthetischen Substanzen sind aber mit mehr oder weniger gravierenden Nebenwirkungen und Risiken behaftet: Bei zu kurzer Halbwertszeit wacht der Patient mitten in der Nacht wieder auf. Bei langer Halbwertszeit droht am nächsten Tag ein Hangover, der bei älteren Patienten durch eine verzögerte Ausscheidung noch verstärkt sein kann und sie im Alltag mitunter gefährdet (z. B. durch erhöhte Sturzgefahr). Dieser Aspekt, der vor allem Benzodiazepine betrifft, wird in der Praxis viel zu wenig berücksichtigt. Zudem kommt es nach einiger Zeit zu einer Toleranzentwicklung gegenüber diesen Stoffen, denn der Körper vermindert entweder die Zahl der Rezeptoren, an die der Arzneistoff bindet oder er verstoffwechselt die Stoffe durch Enzyminduktion schneller.

Phytopharmaka – also Heilpflanzen-Anwendungen – sind vor allem deshalb eine prüfenswerte Option, weil die beschriebenen Risiken der synthetischen Schlafmittel bei ihnen wegfallen (z. B. keine Toleranzentwicklung, kein Abhängigkeitspotential, keine erhöhte Sturzgefahr). Allerdings wirken sie nicht in jedem Fall verlässlich genug.

Zu den bekanntesten Heilpflanzen, die bei Schlafproblemen in der Phytotherapie zur Anwendung kommen, gehören Baldrian, Hopfen, Passionsblume (Passiflora), Melisse (= Zitronenmelisse) und Lavendel.

Die beruhigende und schlafanstossende Wirkung dieser Heilpflanzen ist auch wissenschaftlich untersucht und dokumentiert.

Beliebt als Schlaftee sind aber auch Orangenblüten bzw. Orangenblütentee und die Goldmelisse (Goldmelissentee oder Goldmelissensirup, vor allem für Kinder). Bei Orangenblüten und Goldmelissenblüten fehlt die wissenschaftliche Dokumentation bezüglich Wirksamkeit. Da sie als Abendtee jedoch angenehm zu trinken und bestens verträglich sind, spricht gar nichts gegen eine Versuch mit ihnen.

Sehr ungeklärt ist die Wirksamkeit der Hafertinktur, die manchmal gegen Schlafstörungen empfohlen wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenstoffe in der Krebsforschung: Betulinsäure

Samstag, Mai 12th, 2012

Betulinsäure findet sich in zahlreichen Pflanzenarten, vor allem in der Rinde von Bäumen aus den Familien der Platanengewächse, der Birkengewächse und der Ebenholzgewächse, bspw. mit etwa 2,5 Prozent in Rinde von Platanen (Platanus acerifolia) und zu einem geringen Prozentsatz in dem getrockneten Rindensaft von Birken (lat. Betula, deshalb der Name Betulinsäure).

Die Zeitung „Der Standard“ berichtet über die Betulinsäure-Forschung von Simone Fulda und ihrem Team am Frankfurter Institut für experimentelle Tumorforschung. Zu ihren Forschungsinteressen gehört es, nach Naturstoffen aus Pflanzen zu suchen, die in der Lage sind, Zelltodmechanismen zu beeinflussen.

Es geht dabei um den programmierten Zelltod – die sogenannte Apoptose. Jede gesunde Körperzelle besitzt ein solches eigenes “Selbstmord-Programm”. Es wird aktiviert, sobald es zu fehlerhaften Abläufen in der Zelle kommt. “Zellen entarten erst, wenn dieses Programm nicht mehr funktioniert”, erläutert Fulda. Zwar ist dieser Mechanismus sämtlichen Krebserkrankungen gemeinsam, aber er funktioniert tumorspezifisch und muss daher auch separat in den verschiedenen Tumoren untersucht werden.

Einer der Naturstoffe mit Wirkung auf die Apoptose ist die Betulinsäure. Sie findet sich in der Rinde von Platanen und Birken und könnte hauptsächlich Kindern mit Hirntumoren Heilungschancen bringen.

Bösartige Erkrankungen im Gehirn und Rückenmark bilden eine große Gruppe solider Tumore im Kindesalter, und die Prognose ist in zahlreichen Fällen nach wie vor schlecht – hauptsächlich darum, weil viele Tumore nicht operabel sind. Im Labor hat die Betulinsäure ihren tödlichen Effekt auf Tumorzellen bereits gezeigt. Nun sind klinische Studien mit der Substanz geplant. Die Wirksamkeit der Betulinsäure bei Patienten mit Neuroblastomen und Glioblastomen soll geprüft werden. Was die Betulinsäure zusätzlich auszeichnet: Sie hat nur wenig Einfluss auf gesunde Zellen und könnte verglichen mit anderen zytostatischen Substanzen geringere Nebenwirkungen hervorrufen.

Quelle:

http://derstandard.at/1336435207120/Schwerpunkt-Krebs-Warum-auch-Kinder-an-Krebs-erkranken

Hier die Angaben zur Verwendung der Betulinsäure bei Wikipedia:

„Betulinsäure wirkt im Laborversuch hemmend gegenüber Melanomzellen (durch Einleitung des Zelltod-Programms), und HI-Viren (durch Hemmung der reversen Transkriptase). Sie bildet die Ausgangssubstanz für weiterentwickelte AIDS-Medikamente wie Bevirimat (PA-457), welches zur Zeit klinisch getestet wird. Die Wirksamkeit von Betulinsäure gegen Dermatophyten und Plasmodien deutet auf den ursprünglichen Nutzen des Stoffes gegen Pilz- und Plasmodienbefall der Pflanze. Für die medizinische Anwendung gegen Malaria sind die erforderliche Dosis bzw. deren Nebenwirkungen aber zu hoch.“

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt eine sehr grosse Zahl von Naturstoffen, die für die Forschung interessant sind und grosses Potenzial haben – auch im Bereich der Tumorforschung. Betulinsäure ist eine solche Substanz.

Festgehalten werden muss aber: Wenn für eine Substanz erst positive Resultate aus Laborversuchen an isolierten Zellen oder Geweben vorliegen, ist eine zurückhaltende, vorsichtige Interpretation angebracht. Vorschnelle Versprechungen sind zu vermeiden, weil noch völlig unklar ist, ob die Substanz im lebenden Organismus von Patienten ebenfalls eine positive Wirkung zeigt. Entscheidend sind die Resultate von klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten.

Grundsätzlich sind aber natürlich in der Tumorforschung Substanzen sehr interessant, die Krebszellen töten können, gesunde Zellen aber möglichst schonen. Und eine solche Differenzierung tönt der Artikel im „Standard“ für die Betulinsäure an.

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Wie giftig ist Doldiger Milchstern / Star of Bethlehem

Mittwoch, Mai 2nd, 2012

Vor kurzem wurde ich an einem Vortrag gefragt, wie giftig der Doldige Milchstern sei und ob die daraus hergestellten Bach-Blütentropfen bedenkenlos eingenommen werden könnten.

Der Doldige Milchstern (Ornithogalum umbellatum) enthält insbesondere in der Zwiebel zahlreiche Cardenolide. Das dominierende Glykosid, mit 0,04% in der getrockneten Zwiebel, ist Convallatoxin, welches auch im Maiglöckchen (Convallaria majalis) zu finden ist und auf das Herz wirkt.

Doldiger Milchstern (Foto auf Wikipedia) ist daher als Giftpflanze zu betrachten.

Als Bach-Blütenessenz Star of Bethlehem (Stern von Bethlehem) wird Doldiger Milchstern gegen Nachwirkungen eines Schocks empfohlen.

Da Bachblüten keine Wirkstoffe enthalten sind keine unerwünschten Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit Medikamenten zu befürchten. Allerdings gibt es auch keine fundierten Hinweise auf eine spezifische Wirkung gegen „Schock“.

Der Begriff Schock ist in diesem Zusammenhang im übrigen irreführend. Er „bezeichnet in der Medizin ein lebensbedrohliches Zustandsbild, bei dem die Blutzirkulation in den Kapillaren vermindert ist. Als Folge treten eine Sauerstoffunterversorgung der Gewebe und in letzter Konsequenz Stoffwechselstörungen auf.

Ursache ist eine absolute oder relative Verminderung des zirkulierenden Blutes. Ersteres tritt nach Blut- oder Flüssigkeitsverlust auf, letzteres bei einem Versagen der Kreislaufregulation in der Körperperipherie, etwa bei Blutvergiftung oder allergischen Reaktionen vom Soforttyp (Anaphylaxie). Auch wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, ausreichend Blut in die Peripherie zu pumpen, kann es zum Schock kommen.

Die Folgen einer extremen psychischen Belastung werden im Gegensatz zur Umgangssprache in der medizinischen Fachsprache nicht als Schock bezeichnet, sondern als Akute Belastungsreaktion.“

(Quelle: Wikipedia)

Im Umfeld der Bach-Blüten wird unter Schock eher ein Schreck verstanden oder ein Psychotrauma. Solche Reaktionen klingen typischerweise nach der akuten Phase von selbst wieder ab. Jedes Heilmittel, das in dieser Phase zur Anwendung kommt, wird daher eine grosse Erfolgsquote haben, einfach wegen dem natürlichen Verlauf der Dinge. Rechnet man mit dem Placeboeffekt und dem spontanen Verlauf einer Schreckreaktion, so ist die Wirksamkeit der angewendeten Heilmittel ohne Doppelblindstudie nicht beurteilbar.

Doldiger Milchstern / Star of Bethlehem ist Bestandteil der Bachblüten-Notfalltropfen (zusammen mit Rock Rose, Impatiens, Cerry Plum, Clematis).

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Omega-3-Fettsäuren aus Krill-Öl

Freitag, April 20th, 2012

Unter dem Begriff Krill werden zahlreiche kleine Krebstiere zusammengefasst, welche hauptsächlich in den kalten Gewässern der Antarktis leben. Das in Nahrungsergänzungsmitteln vermarktete Neptune Krill-Öl® (NKO®) wird durch ein patentiertes Extraktionsverfahren der Firma Neptune (Quebec, Kanada) aus der Krill-Art Euphausia superba gewonnen.

Der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren ist etwas tiefer als im Fischöl. Der überwiegende Teil dieser Omega-3-Fettsäuren liegt allerdings in Form von Phospholipiden vor, was die Bioverfügbarkeit zu verbessern scheint. Krill-Öl unterscheidet sich vom Fischöl auch im Gehalt an Astaxanthin, einem Carotinoid-Antioxidans mit vermutlich entzündungshemmenden Eigenschaften.

Laut Pharmavista-Newsletter wurden für folgende Anwendungsbereiche Studien mit NKO® durchgeführt:

„_Prämenstruelles Syndrom und Dysmenorrhoe: 70 Frauen im gebärfähigen Alter konsumierten entweder 2g NKO® oder Fischöl (mit 18% EPA und 12% DHA) während des ersten Monats der Studie, danach während des zweiten und dritten Monats täglich 2g für 8 Tage vor der Menstruation und 2 Tage während der Menstruation. Die Resultate weisen auf eine bessere Wirksamkeit des Krill-Öls hin.

_Chronische Entzündung: In einer klinischen Studie wurden 90 Probanden mit kardiovaskulären Erkrankungen, rheumatoider Arthritis und Arthrose sowie Anzeichen einer chronischen Entzündung (erhöhte Konzentrationen des C-reaktiven Proteins (CRP)) 300 mg NKO®/Tag oder 300 mg Placebo verabreicht. Nach 30 Tagen war die Konzentration des CRP in der Krill-Öl Gruppe um ca 30% gesunken, in der Placebo Gruppe hingegen gestiegen.

_Hypercholesterinämie: In einer 3monatigen Studie konnte eine Abnahme des Cholesterinspiegels nach Einnahme von 1 bis 3g Krill-Öl/Tag gezeigt werden.“

Zu möglichen Nebenwirkungen des Krillöls schreibt der Pharmavista-Newsletter:

„Als mögliche Nebenwirkungen können Erbrechen und Durchfall auftreten. Vorsicht ist geboten bei antikoagulierten Patienten, da Omega-3-Fettsäuren die Blutungszeit verlängern können. Krill-Öl sollte nicht von Personen mit Allergien gegen Meeresfrüchte eingenommen werden.“

Der Pharmavista-Newsletter zieht den Schluss, dass diese ersten Studien zwar vielversprechende Resultate zeigen, dass diese aber noch durch weitere Studien bestätigt werden müssen.

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=4575&NMID=4575&LANGID=2

Kommentar & Ergänzung:

Krillöl wird in der Schweiz in Form von Kapseln gehandelt (z.B. Novakrill®, Alpinamed® Krill Oil). Diese Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen und nicht als registrierte Arzneimittel. Deshalb dürfen auf den Packungen keine Heilwirkungen und Indiktionen aufgeführt werden.

Krillöl ist wesentlich teurer als Fischöl und daher stellt sich die Frage, ob es auch entsprechend wirksamer ist.

Ein kritischer Punkt ist die Frage nach der Unabhängigkeit der oben erwähnten Studien.

Auf enutrio.de wurde 2007 ein interessanter Beitrag zum Thema Krillöl publiziert, der diesen Punkt unter die Lupe nimmt. Bei der erwähnten Studie zum Prämenstruellen Syndrom (PMS) beispielsweise fungiert als Studienleiterin Dr. Tina Sampalis. Sie ist Vizepräsidentin für Forschung und Entwicklung der Neptune Technologies, einer Firma, die Krillöl-Produkte produziert. Das bedeutet noch nicht, dass die Ergebnisse einer solchen Studie wertlos sind, aber es rechtfertigt einen besonders kritischen Blick. Siehe auch: http://www.enutrio.de/krill-oel/

Einen zusammenfassenden Kommentar zur Studienlage gibt esowatch:

„Es gibt derzeit nur sehr wenige Studien zur Wirksamkeit von Krillöl gegen entzündliche Vorgänge. Zu diesen Studien kann zusammenfassen ausgesagt werden:

Krillöl wird besser resorbiert als Fischöl, allerdings nur bei Patienten mit Fettresorptionsstörungen. Bei der Behandlung des Prämenstruellen Syndroms (PMS) scheint Krillöl gute Wirkung zu zeigen, es kann ebenso effektiv die Blutfette bei vorbelasteten Patienten positiv beeinflussen und schneidet diesbezüglich im Vergleich zu Fischölkapseln besser ab. Krillöl ist im Vergleich zu Fischöl zwar ein wirkungsvolleres Antioxidans, als Anti Aging-Mittel schneiden aber Trockenpflaumen, Rosinen und eine Vielzahl weiterer, sehr preiswerter Lebensmittel sehr viel besser ab.

Die Wirkung von Krillöl als Entzündungshemmer mit dem möglichen Einsatzgebiet Arthritis ist wissenschaftlich nicht belegt. Allerdings haben Krillöl (und Fischöl) aufgrund ihres Omega-3 Gehalts bestimmt Einfluss auf Entzündungsvorgänge. Eine vergleichende und unabhängige Studie existiert allerdings bis jetzt nicht.

Die bisherigen Studienergebnisse zeigen, dass eine Supplementation von Krillöl hauptsächlich bei Personen mit Fettresorptionsstörungen zu empfehlen ist, auch bei Patienten mit gestörten Blutfetten oder Frauen mit PMS ist es einen Versuch wert. All diese Personen sind jedoch bereits krank. Für den krankheitspräventiven Einsatz bei gesunden Menschen, etwa gegen Krebs oder Alterserscheinungen, ist die Supplementation von Krillöl wenig sinnvoll, vor allem in Anbetracht des Preis-Leistungsverhältnisses. 100 Kapseln á 500 mg Neptune Krillöl kosten derzeit ca. 90€ zzgl. Versandkosten.“

Quelle: Esowatch

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Hoodia als fragwürdiger Appetitzügler

Freitag, April 20th, 2012

Die kaktusähnliche Hoodia-Pflanze wird im Internet als ultimatives Schlankheitsmittel vermarktet. Dabei werden fragwürdige und problematische Aspekte konsequent ausgeblendet.

Kritische Fragen sind aber nötig zur Wirksamkeit, zur Sicherheit, zur Nachhaltigkeit der Hoodia-Ernte und zum Aspekt der „Biopiraterie“.

Hoodia gordonii (Asclepiadaceae) wächst in weiten Teilen Südafrikas. Hirten in Südafrika und Namibia benutzen die Triebe von Hoodia-Arten traditionell als Appetitzügler und Durststiller.

Wie zahlreiche andere Asclepiadaceen enthalten Hoodia-Arten Herzglykoside oder biochemisch verwandte Substanzen, z.B. Pregnanderivate. Der Hauptwirkstoff in Hoodia ist ein als P57 bekanntes Pregnanglykosid, das dem Körper einen schon ausreichend hohen Blutzuckerspiegel vortäuscht.

Die schmale Basis, auf welcher sich die Hoodia-Propaganda bewegt, fass der neueste Pharmavista-Newsletter zusammen:

„Im Tierversuch zeigte P57 starke appetitzügelnde Effekte. Gemäss Literaturangaben scheint die appetitmindernde Wirkung bei kontinuierlicher Einnahme einer Standarddosis bereits nach acht Tagen nicht mehr spürbar zu sein.

In einer kleinen randomisierten Studie am Menschen konnte jedoch weder für den standardisierten Hoodiaextrakt noch für Placebo ein signifikanter Effekt auf Energiezufuhr und Körpergewicht festgestellt werden… Nebenwirkungen wie z.B. Übelkeit oder Erbrechen traten in der Verumgruppe allerdings signifikant häufiger auf. Resultate grösserer klinischer Studien sind zurzeit nicht vorhanden.

Basierend auf der traditionellen Anwendung werden trotz unzureichender wissenschaftlicher Grundlage zahlreiche Hoodia-Produkte via Internet angepriesen.“

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=1601&NMID=1601&LANGID=2

Die erwähnte Studie ist hier auffindbar:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21993434

In der Schweiz gibt es zurzeit kein als Arzneimittel registriertes Hoodia-Produkt.

Zum Thema Nachhaltigkeit der Hoodia-Nutzung und zur Frage der Biopiraterie via Hoodia siehe:

WWF: Besorgnis um Hoodia-Pflanze

Im Schlankheitsmittel-Markt tauchen laufend neue oder traditionelle Produkte auf mit grossartigen Versprechungen. In sehr vielen Fällen ist weder die Wirksamkeit noch die Sicherheit geklärt. Dieses Thema ist ein Eldorado für Abzocker.

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Pistazien als Potenzmittel?

Mittwoch, April 18th, 2012

Pistazien seien gut für die Potenz und positiv für die Blutfettwerte. Zu diesem Resultat kommt eine kleine türkische Studie.

An der Studie zur Behandlung von Potenzstörungen nahmen 17 verheiratete Männer teil, die seit mindestens einem Jahr unter einer erektilen Dysfunktion litten. Während drei Wochen assen die Teilnehmer 100 g Pistazien täglich, berichtete Professor Dr. Stephan Martin vom Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum in Düsseldorf.

Beim Start der Studie und am Ende ermittelten die Wissenschaftler den International Index of Erectile Funktion (IIEF) und untersuchten den Penis mittels Farbdoppler. Vor der Pistaziendiät lag der mittlere IIEF-15-Wert bei 36, nach der dreiwöchigen Behandlung war er auf 54,2 gestiegen. Die Penisdurchblutung verstärkte sich in ähnlichem Maß.

Pistazien reduzieren Gesamtcholesterin und LDL

Gleichzeitig sanken die Werte für Gesamtcholesterin und LDL signifikant, während der HDL-Wert anstieg. Es handelt sich zwar um eine unkontrollierte Studie, deren Resultate mit Vorsicht zu genießen sind, schränkte der Experte ein. Aber auch aus anderen Studien ergeben Hinweise auf günstige Effekte von Pistazien auf den Stoffwechsel.

Man könne daher den Patienten auf jeden Fall zum Genuss dieser Steinfrüchte des Pistazienbaumes raten. Sollten die Pistazien für die Potenz nicht bringen, darf man jedenfalls auf klinische Verbesserungen bei Blutlipiden und Blutglukose hoffen.

Quelle:

http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/pistazien-gut-fuer-die-potenz.html?no_cache=1

Diabetes-Update, Mainz, 2012

Kommentar & Ergänzung:

Eine Studie mit so wenigen Teilnehmern und ohne Kontrollgruppe ist tatsächlich nur von geringer Aussagekraft. Es stimmt aber schon, was der letzte Abschnitt aussagt: Im Gegensatz zu vielen als Naturheilmittel vermarkteten Potenzmitteln kann man von den Pistazien sagen, dass sie zumindestens ein gesundes Nahrungsmittel sind, wenn man sie in die tägliche Ernährung einbaut.

Wenn ein gewohnter, ungesunder Snack durch Pistazien ersetzt wird, ist das alleweil besser. Allerdings enthalten 100g Pistazien 651 kcal und sind daher energiereicher als Schokolade. Das entspricht mehr als einem Viertel des Tagesbedarfs eines erwachsenen Menschen.

Siehe aber auch:

Pistazien als Hilfe zur Gewichtskontrolle?

Gewohnt reisserisch wurde die türkische “Potenzstudie” im Boulevardblatt Blick kommentiert:

“Pistazien machen Männer scharf. Es muss nicht immer Viagra sein: Auch Pistazien wirken als Aphrodisiakum – sagt eine neue türkische Studie.”

Quelle: http://www.blick.ch/erotik/pistazien-machen-maenner-scharf-id1767158.html

Das ist total falsch: Weder Viagra noch Pistazien machen “scharf”. Sie steigern eben gerade nicht die sexuelle Erregung, sondern – jedenfalls bei Viagra – die Durchblutung. Und sollten Pistazien das auch bewirken, so ist dieser Effekt langsamer und schwächer als bei Viagra, das einen raschen Wirkungseintritt hat und im Gegensatz zu Pistazien mit Nebenwirkungen und Risiken verbunden ist.

Pistazien und Viagra haben ein Wirkungsprofil, das ganz und gar nicht ähnlich ist. Aber eine reisserische Schlagzeile muss sein. Das treibt den Kioskverkauf in die Höhe.

Zur Pistazienforschung hier ein paar Infos aus Wikipedia:

„Anfang Dezember 2009 wurde bekannt, dass eine Ernährung mit täglich ein bis zwei Handvoll Pistazien dazu beitragen kann, das Risiko von Lungenkrebs zu reduzieren. Das ist das Ergebnis einer Studie der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung (American Association for Cancer Research, AACR).

Forscher der Universität von Toronto haben herausgefunden, dass beim gleichzeitigen Verzehr von einer Handvoll Pistazien und kohlenhydrathaltiger Lebensmittel wie etwa Weißbrot die Pistazien den Anstieg des Blutzuckerspiegels gemindert haben. Auch wurden so Hunger stimulierende Hormone reduziert. So bleibt der Appetit kontrollierbar.

Pistazien sind reich an Ballaststoffen. Pistazien in der Schale haben einen zusätzlichen Vorteil für die Gewichtskontrolle, da sie die Verzehrzeit verlangsamen, weil sie erst geöffnet werden müssen. Studien haben gezeigt, dass das Sättigungsgefühl ungefähr 20 Minuten nach dem Verzehr eines Snacks eintritt. Durch den langsameren Verzehr der Pistazie wird die Zeit bis zum Sättigungsgefühl überbrückt.

Die meisten in Pistazien enthaltenen Fette sind sogenannte gute Fettsäuren. Sie tragen dazu bei, das Risiko einer Herzerkrankung zu mindern. Forscher der Pennsylvania State University in den USA haben herausgefunden, dass der Verzehr von ein bis zwei Handvoll Pistazien pro Tag zu einer Reduktion des schlechten LDL-Cholesterinspiegels um neun bis 12 Prozent führen kann.“

Und hier zur Kulturgeschichte der Pistazien:

„Pistazien gehören zu den ältesten blühenden Kulturpflanzen und sind heimisch im Nahen Osten. Wilde Pistazien (Pistacia atlantica oder P. khinjuk) wurden seit dem Natufien (Epipaläolithikum) gesammelt und unter anderem in Abu Hureyra (Syrien) nachgewiesen. Ein gezielter Anbau fand spätestens seit der Antike statt. Pistazien breiteten sich vom Nahen Osten auf das Mittelmeergebiet aus und wurden schnell zu einer geschätzten Delikatesse unter Königen, Reisenden und einfachem Volk gleichermaßen. Die Legende besagt, dass die Königin von Saba die Pistazien zu einem ausschließlich königlichen Nahrungsmittel ernannte und es dem einfachen Volk verbot, sie für den persönlichen Verzehr anzubauen. Nebukadnezar, König von Babylon, ließ angeblich Pistazienbäume in seinen Gärten pflanzen. Im 1. Jahrhundert n. Chr. soll Kaiser Vitellius sie in seiner Hauptstadt Rom eingeführt haben. Die Pistazie wurde als Färbemittel und Heilmittel für Beschwerden wie Zahnschmerzen bis hin zu Lebersklerose verwendet. Der hohe Nährwertgehalt und die lange Haltbarkeit haben die Pistazie auch zu einem unverzichtbaren Reisegut unter frühen Forschungsreisenden und Händlern gemacht. Zusammen mit Mandeln wurden Pistazien von Reisenden auf der antiken Seidenstraße zwischen China und dem Westen mitgeführt. In den 1880er Jahren wurden Pistazien für Einwanderer aus dem Nahen Osten nach Amerika importiert. Dem Rest der USA wurden sie ungefähr 50 Jahre später als Snack vorgestellt.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Omega-3-Fettsäuren / Fischöl-Kapseln bei multipler Sklerose unwirksam

Mittwoch, April 18th, 2012

Die Einnahme vom Fischöl-Kapseln (Omega-3-Fettsäuren) hat sich in einer randomisierten klinischen Studie bei multipler Sklerose als unwirksam erwiesen. Publiziert wurde die Studie in den Archives of Neurology (2012; doi: 10.1001/archneurol.2012.283). Laut einer Umfrage unter Mitgliedern der Deutschen Multiple Sklerose-Gesellschaft war die Einnahme von Fischöl-Kapseln mit Omega-3-Fettsäuren nach einer Umstellung der Ernährung die am zweithäufigsten angewandte Variante der Komplementärmedizin.

Omega-3-Fettsäuren sollen einen günstigen Einfluss auf Entzündungsvorgänge haben und auf die Immunprozesse bei der multiplen Sklerose.  Jeder dritte Multiple-Sklerose-Patient hatte diese Präparate schon einmal eingesetzt (Mult Scler 2008; 14: 1113-1119).

Im Internet finden sich zahlreiche Hinweise auf die Fischöl-Behandlung. Als Beleg für die Wirksamkeit wird eine offene Studie aus Norwegen aufgeführt, in der es über 2 Jahre zu einer Besserung gekommen war. Weil in dieser Studie aber eine Vergleichsgruppe fehlte, kann mit ihr die Wirksamkeit nicht belegt werden. (Acta Neurol Scand 2000; 102: 143-9).

Die Wissenschaftler führten darum eine randomisierte Doppelblindstudie durch. Zur Anwendung kam das Fischöl-Präparat eines norwegischen Herstellers (mit 1350 mg Eicosapentaensäure und 850 mg Docosahexaensäure). Im ersten halben Jahr wurden die Fischöl-Kapseln als Monotherapie mit Placebo verglichen.

Danach bekamen alle Probanden (also auch im Placebo-Arm) zusätzlich Interferon beta-1a. Primärer Endpunkt der Studie waren die Veränderungen in den T1-gewichteten Gadolinium-anreichernden Läsionen bei der Kernspintomografie. Zu den sekundären Endpunkten zählten neben der Krankheitsaktivität in der Kernspintomografie nach 9 Monaten und zwei Jahren auch klinische Parameter wie die Schubrate, das Fortschreiten der Behinderungen, die „Fatigue“ sowie Lebensqualität und Sicherheit.

In keinem der Endpunkte kam es zu einer Verbesserung, schreiben Øivind Torkildsen von der Haukeland Universitätsklinik in Bergen und Mitarbeiter in ihrer Publikation. Die Zahl der Läsionen stieg im Verlauf der Studie unter der Fischöl-Behandlung sogar tendenziell an. Die Differenzen waren allerdings nicht signifikant, so dass die Wissenschaftler keinen Anhaltspunkt für eine Störung der Interferon-Therapie durch die Omega-3-Fettsäuren sehen. Unter der Fischöl-Behandlung kam es zu keinen relevanten Nebenwirkungen, so dass den Patienten auch nicht unbedingt davon abgeraten werden muss.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49876/Omega-3-Fettsaeuren-bei-multipler-Sklerose-ineffektiv

http://archneur.ama-assn.org/cgi/content/short/archneurol.2012.283

Kommentar & Ergänzung.

Die Studie war nicht sehr gross (total 92 Probanden, 46 in der Fischöl-Gruppe, 46 in der Placebo-Gruppe).

Omega-3-Fettsäuren / Fischöl-Kapseln werden vor allem vorbeugend gegen eine Vielzahl von Krankheiten empfohlen, hauptsächlich im Bereich Herz-Kreislauf und im Bereich Psychiatrie / Neurologie (Depression, Schizophrenie, Schlaganfall, Alzheimer,  Borderline-Persönlichkeit, ADHS). Die Studienergebnisse sind aber in vielen Bereichen widersprüchlich und lassen endgültige Beurteilungen bezüglich Wirksamkeit nur sehr eingeschränkt zu.

Ein generelles Problem von Doppelblindstudien mit Fischöl – und damit der potenziell aussagekräftigsten Studien – ist das häufig auftretende fischige Aufstossen.  Dadurch könnte den Probanden ziemlich rasch klar werden, ob sie zur Fischöl- oder zur Placebogruppe gehören. Eine wirksame Verblindung ist dadurch in Frage gestellt. Verblindung bedeutet, dass das Placebo und das zu testende Medikament (Verum) für die Probanden nicht unterscheidbar sein dürfen. Merkt der Proband, ob er ein Pacebo oder ein Verum bekommt, kann das die Resultate der Studie verfälschen.

Siehe auch:

Metastudie: Fischöl-Kapseln nutzlos für Herzpatienten

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kümmeltee lindert Magenkrämpfe und Blähungen

Montag, April 16th, 2012

Kümmel kann bei Völlegefühl, Blähungen und Magenkrämpfe Linderung verschaffen. Die kleinen Kümmelfrüchte sollten mit einem Mörser oder dem Rücken eines Esslöffels gequetscht und dann mit heißem Wasser zu einem Tee aufgegossen werden, empfiehlt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin der Universität Würzburg.

Nur so könne das ätherische Öl aus dem Kümmel in das Teewasser übergehen und seine krampflösende und keimhemmende Wirkung entfalten.

Zur Linderung von Beschwerden bei Säuglingen oder Kleinkindern solle Kümmelöl zu zehn Prozent mit Olivenöl vermischt und vorsichtig in die Bauchhaut um den Nabel eingerieben werden, rät der Experte. Nebenwirkungen sind gemäss Mayer bei Kümmel nicht bekannt. Er empfiehlt zudem, immer genügend Zeit für eine Mahlzeit einzuplanen und das Essen langsam und gründlich zu kauen. Grob zerkleinerte Speisen würden schwerer verdaut, Gase könnten sich entwickeln und den Bauch aufblähen. Ursache für Magen-Darm-Beschwerden ohne organische Erkrankung seien häufig auch mangelnde Bewegung und schweres Essen.

Quelle:

http://www.infranken.de/nachrichten/ratgeber/Kuemmel-hilft-bei-Magenkraempfen-und-Blaehungen;art186,242568

Kommentar & Ergänzung:

Kümmelfrüchte kann man bei Völlegefühl nach den Mahlzeiten auch direkt kauen und schlucken. Ähnlich wie Kümmel wirken Fenchelfrüchte, Dillfrüchte und Anisfrüchte, aber auch Korianderfrüchte und Kardamomenfrüchte.

Kümmel ist wohl den meisten Menschen in Mitteleuropa als Gewürz bekannt. Dass man Kümmel als einheimische Heilpflanze vor allem in den Voralpen und Alpen auf Wiesen und Weiden oft in grosser Zahl antreffen kann, wissen aber längst nicht alle.

Falls Sie also die Kümmelpflanze in der Natur kennen lernen möchten, können Sie das gerne auf einer meiner Kräuterwanderungen (Termine und Orte hier). Kümmel ist da nicht gerade immer, aber sehr häufig anzutreffen.

Fenchel, Anis, Dill, Koriander und Kardamom sind dagegen keine einheimischen Wildpflanzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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